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Thema des Monats Weihnachtsgeist

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13.11.2015
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Weihnachtsgeist

Elsa zog den Mantel fester um sich und schob sich müde durch die Straßen. Graue Schneereste lagen am Straßenrand. Glitzernde Weihnachtsbäume, wohin sie schaute. Aus einem Lautsprecher dröhnte “Last Christmas”, und der Geruch nach gebrannten Mandeln ließ Übelkeit in ihr hochsteigen. Ein Mann rempelte sie an und ging weiter, ohne sich zu entschuldigen. Bald würden die Geschäfte schließen, denn heute war Heiligabend. Dann würde sie nach Hause gehen.

Auf einmal stand ein Weihnachtsmann vor ihr. Roter Mantel, weißer Wattebart und die Mütze tief in die Stirn gezogen. Er lächelte sie an, griff in seinen Sack und drückte ihr ein Päckchen in die Hand: ”Frohe Weihnachten!”, sagte er und ging weiter.

Elsa starrte auf das Päckchen. Sie riss das Papier auf und fand eine kleine Schnapsflasche darin. “Weihnachtsgeist” stand in Schnörkelschrift auf einem silbernen Etikett. Elsa spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht schoss. Sie ließ die Flasche in ihre Manteltasche gleiten und ging schnell weiter, den Blick auf den Boden gerichtet.

Sah man ihr jetzt schon an, dass sie zu viel trank? Warum sonst hatte der Weihnachtsmann ihr die Flasche geschenkt? Am liebsten hätte sie sich nach dem Schreck einen Schluck gegönnt. Aber nicht hier vor all den Leuten. Elsa bog in eine stille Seitenstraße ein. Sie angelte nach der Flasche, die in ihrer Manteltasche baumelte, und drehte den Verschluss auf.

Es ploppte leise. Etwas Rotes zischte aus der Flasche, entfaltete sich, wurde schnell größer und fiel schließlich wie ein nasser Lappen zu Boden. Elsa stieg der scharfe Geruch von Schnaps in die Nase.

“Teufelschzeug!”, lallte es von unten, und nur mit Mühe gelang es diesem Etwas, sich mit den Händen an einem Laternenpfahl hochzuziehen. Aus einem zerknitterten roten Gewand schob sich ein durchscheinender weißer Kopf, auf dem eine rote Mütze saß. Es strich sein Gewand glatt und nuschelte:

“Schuldige meine Auf- Auflachung, aber son Flaschenleben lässt einen einfach verdattert, nee verlottert aussehen. Ups, sicher gedes mir gleich wieda besser, der Schnappes muss nur verhunsten, nee verdunsten, boah, is mir schlecht...”, und schon beugte es sich vor, würgte einen Schwall Flüssigkeit auf den Boden.

Elsa ging einen Schritt zurück. Wie viel hatte sie heute schon getrunken?

“So, jetzt gedes mir schon besser. Is ja grauenhaft. Ich kann von dem Zeusch einfach nicht von bleiben. Aber wem erzähle ich das…” Das Wesen rülpste laut. “Also, du bischt Elsa, stimmt das?”

Elsa begann zu zittern. Sie stellte die leere Flasche neben die Laterne. Mit fahrigen Händen durchwühlte sie ihre Handtasche und holte einen Flachmann heraus. Sie trank einen großen Schluck. “Wer bist du? Und woher kennst du meinen Namen?”

“Ich bin ein Weihnachtsgeischt. Stand doch auf der Flasche!” Er strich über seinen Kopf, verzog sein Gesicht und stöhnte noch einmal: “Teufelszeug!” Aus seinem Gewand zog er ein schwarzes Buch heraus.

“Hier steht es, Elsa Odinsky ist dein Nahame. Du bist unglückerlich. Deswegen bin isch hier.” Er schwankte und hielt sich am Laternenpfahl fest.

Mit zitternder Hand genehmigte sich Elsa noch einen kleinen Schluck. “Weihnachtsgeist? Ich glaub doch nicht an Weihnachtsgeister!”

“Es bleibet dir wohl nix anderes üblig! Ich stehe ja hihier vor dir.” Er legte den Arm um den Laternenpfahl, damit er nicht umkippte.

Elsa fragte leise: “Wo kommst Du denn her?”

Der Geist wies mit dem Kopf nach oben. “Man schickt uns schu Weihnachten hier runter. Wir sollen helfen.”

“Warum sollte es mir nicht gut gehen?”

“Schicksalsbuch! Dasch hier is deins!” Er hob das Buch hoch. “So eines haben wir oben für jeden Matschen, ne Menschen. In die Bücher trägt sich ein, was Ihr hier unten so treibt. Wenn ein Matsch zu viel über den Tod in scheinem Kopf denkt, wird der Buchdeckel schwarz.”

“Und wie kannst du mir helfen?”

“Du muscht mir sagen, was ganz genau dich so unglückerlich macht.” Der Geist machte mit der Hand, die von der Laterne baumelte, eine schreibende Bewegung. „Dann schreibe ich dasch hier rasch um!“

Das war die Gelegenheit! Elsa musste nachdenken. Was machte ihr am meisten zu schaffen in ihrem Leben? Aber der Geist ließ ihr nicht genug Zeit und klopfte ungeduldig gegen die Laterne. Er zeigte auf den Flachmann in Elsas Hand: „Kann ich nen Schluck?“

Elsa schüttelte mit dem Kopf.
„Mein Mann hat mich verlassen. Wegen einer anderen.“
Der Geist sah sie an und schwieg. Elsa sagte:
„Meine Kinder sehe ich fast gar nicht mehr. Sie besuchen meinen Mann andauernd, mich aber nie.“ Der Geist zuckte mit den Schultern.
„Meine Freundin hat geheiratet und keine Zeit mehr für mich.“ Schweigen. “Meine Katze ist gestorben!“ Aber der Geist forderte sie mit einer Handbewegung auf, weiter zu reden. Elsas Stimme überschlug sich, als sie rief: “Reicht das alles denn nicht, um unglücklich zu sein?”

Der Geist zeigte auf das Buch. „Hier drinnen steht, was dich wiklich unglückerlich macht. Aber ich darf es nuhur umschribben, wenn du selber darauf komms. Selbstverkenntnis nennen die das.”

“So!” sagte Elsa und schnaubte. “Alle, die ich liebte, haben mich verlassen! Ist es das?”

„Nein. Du könntest mir ja vielleicht…“ Der Geist warf einen Blick auf Elsas Flachmann und seine durchscheinenden Lippen verformten sich spitz, als wolle er auf die Entfernung den Schnaps aus dem Flachmann saugen. „Dann hefle ich dir beim Raten.“

Elsa hielt dem Geist den Flachmann hin. „Einen Schluck!“ sagte sie. Der Geist nahm die Flasche, legte den Kopf in den Nacken und ließ den Schnaps in sich hineinlaufen. Elsa machte einen Schritt auf ihn zu und riss ihm den Flachmann aus der Hand.

„Scheiße! Jetzt hast du den ganzen Schnaps ausgetrunken!“ Sie holte mit ihrer Tasche nach ihm aus und zischte: „So, und jetzt sag mir, was da steht. Was meinen die da oben, was mich unglücklich macht?“

Der Geist versuchte frei zu stehen, um das Buch in beide Hände zu nehmen. „A“, sagte er und legte den Arm wieder um die Laterne. „Alohol“

Elsa stampfte mit dem Schuh auf den Boden und funkelte den Geist giftig an. “Alkohol? Was für ein Quatsch! Du brauchst doch in dem Buch nur die Stelle zu ändern, wo mein Mann diese blöde Ziege kennengelernt hat. Dann wäre mein Leben ganz anders verlaufen! ”

“Dein Mann isch nich dasch Plobrem. Du tinkst schon langer zu viel. Du muscht den Tasachen ins Gesicht sauen! Sagen die da oben! ” Der Geist wies wieder mit dem Kopf nach oben, wankte und wäre fast umgekippt. Elsa machte schnell einen Schritt auf Geist zu. Sie riss ihm das Buch aus der Hand und lief so schnell sie konnte davon.

In der Nähe war ein Park. Sie versteckte sich im Gebüsch und setzte sich auf einen Baumstumpf. In der Tasche kramte sie nach einem Stift. Wenn dieser Geist die Stelle nicht ändern wollte, so würde sie es eben selber tun. Aber die Seiten klebten aneinander, sie konnte das Buch nur in der Mitte aufschlagen. Und dort starrte sie in einen Spiegel.

Stumpfe Augen, verquollene Lider. Schuppige Haut spannte über die rote Nase. Rissige Lippen. Auf dem Doppelkinn wucherten ein paar lange schwarze Stoppeln. Die Haare hingen fettig über Stirn und Ohren und den fleckigen Mantelkragen.

“Das kann doch nicht ich sein?” Elsa ließ das Schicksalsbuch sinken. “Den Tatsachen ins Gesicht schauen...”

Elsa wollte weinen, aber es kamen keine Tränen. Sie wollte schreien, aber ihre Stimme blieb stumm. Sie wollte das Buch zerreißen, aber die Arme versagten ihren Dienst. Sie blieb lange auf dem Baumstumpf sitzen. Sie ließ ihren Gedanken freien Lauf und hangelte sich durch Erinnerungen an ihr früheres Leben. Und irgendwann hob sie den Kopf und schaute nach oben. „Die haben Recht da oben!“, sagte sie leise. Sie stand auf und legte das Buch auf den Baumstumpf. Dann kletterte sie aus ihrem Versteck und ging davon.

Nach einigen Schritten drehte sie sich noch einmal um. Der Geist stand da, schwankte ein wenig und schob gerade das Buch unter sein Gewand. Er winkte ihr zaghaft zu. Elsa winkte zurück und ging weiter. Sie hatte einen langen Weg vor sich, aber sie wusste jetzt, was zu tun war. Während sie darüber nachdachte, wo sie eine neue Katze her bekam, holte sie den Flachmann aus der Tasche und warf ihn ins Gebüsch.

 

Liebe Lobilotte,

ich habe Deine Weihnachtsgeschichte gerne gelesen. :xmas: Weihnachtsgeist ist eine schöne Doppeldeutigkeit von heiliger Geist und Schnaps.

Aber warum ist der Weihnachtsgeist doppelt-gemoppelt in Schnaps eingelegt? Ist das nötig? Es gibt doch genügend Spass, wenn er sich aus der Flasche gekommen aufblasen muss und wieder munter wird.

Menschen, die hastig letzte Geschenke einkauften, eilten an ihr vorbei. Bald würden die Geschäfte schließen,

Das sie hastig letzte Geschenke kaufen wollen ist allwissend. Einfach streichen, da durch den nächsten Satz der Bezug zu den sich schließenden Geschäften schon gegeben ist?

Heilig Abend
schöner "Heiliger Abend", oder sonst "Heiligabend"?

... und drückte ihr ein Päckchen in die Hand:

”Frohe Weihnachten!”, sagte er und ging weiter.

Elsa starrte auf das Päckchen ...


Es gibt viele Leerzeilen. Für mich zerhackt es den Text. Wie folgt zu schreiben? Also die wörtliche Rede des Weihnachtsmannes direkt fortsetzen (2 gespart) und den Wechsel zu Elsa dann in einer neuen Zeile beginnen, aber keine weitere Zeile dazwischen (1 gespart).

... und drückte ihr ein Päckchen in die Hand: ”Frohe Weihnachten!”, sagte er und ging weiter.
Elsa starrte auf das Päckchen ...

schwer in ihrer Manteltasche baumelte
Das Adjektiv verwirrte mich, da es vorher heisst: "eine kleine Schnapsflasche". Und das Verb "baumeln" scheint mir nicht passend. Ich hätte so etwas wie "verführerisch klimperte" erwartet.

meine Auf- Auflachung
Das Gestotter finde ich schön passend. Hier konnte ich es nicht direkt Lesen. Nach dem Ersten "Auf-" gibt es eine Stotterpause? Und dann soll es Auf-Flachung heißen? Also schreiben: "meine Auf..., Aufflachung"?

is mir schlecht...”
"schlecht..." nach einem Wort kommt vor die Auslassungspunkte ein Leerzeichen, also "schlecht ..."

Einen schönen Sonntag wünscht
oheim

 
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Liebe Lobilotte,
es ist keine weltbewegende, aber eine bewegende kleine Geschichte, die du uns hier erzählst. Natürlich kommen einem die ‚Zutaten’ bekannt vor, aber du verwendest sie so, dass daraus etwas Ganzes wird. Das hat mir gefallen. So entsteht eine schöne Weihnachtsgeschichte, die sich rund liest. Natürlich reduziert sich alles auf einfache Aussagen, aber das darf ein Märchen, macht geradezu das Märchenhafte aus.

Jetzt noch ein paar Kleinigkeiten:
Inhaltliches:
Nicht ganz logisch fand ich, dass der ‚Weihnachtsgeist’ zuerst lallt, dann aber klare und richtige Sätze von sich gibt. Warum muss er überhaupt am Anfang betrunken sein?

Er strich über seinen Kopf, verzog sein Gesicht und stöhnte noch einmal: “Teufelszeug!” Aus seinem Gewand zog er ein schwarzes Buch heraus.
Warum sagt er ‚Teufelszeug’, wenn doch Elsa einen Schluck nimmt?

Elsa zog den Mantel fester um sich herum ...
‚um sich herum’ ist mMn nicht nötig.
Glitzernde Weihnachtsbäume K wohin sie schaute.
“Aber in dem Buch steht doch alles drin(.)”, flüsterte Elsa.
Der Punkt fällt weg, dafür steht ein Komma vor dem Beisatz.
“So!”, sagte Elsa.
s.o.
Die Haare hingen fettig über (die) Stirn und Ohren und über dem fleckigen Mantelkragen.
'die' würde ich weglassen.
... wo sie eine neue Katze her bekam
herbekam

Ich habe deine Geschichte gerne gelesen und wünsche dir einen schönen Sonntagmorgen.

Liebe Grüße
barnhelm

 

Hallo Lobilotte,

das ist eine erbauliche kleine Weihnachtsgeschichte. Nichts grundlegend Neues, das wurde schon gesagt, aber manche Botschaften kann man ja ruhig einmal öfter transportieren.

Folgende Punkte würde ich als verbesserungswürdig ansehen:

1. Die Sprache des Weihnachtsgeistes: Es wurde ja auch schon angemerkt, dass er zuerst lallt und später völlig klar redet. Sicher liegt das daran, dass der Alkohol inzwischen "verhunstet" ist, aber mach das ruhig mit einem kurzen Satz deutlich. "Uah, jetzt geht's mir besser" oder so ähnlich reicht völlig aus.

2. Die Selbsterkenntnis der Elsa kommt mir ein bisschen zu schnell und zu leicht. Der Geist fragt, warum sie unglücklich ist, und Elsa antwortet wie aus der Pistole geschossen: “Alle, die ich liebte, haben mich verlassen. Und diesen Schmerz ertränke ich im Schnaps. Das tut mir auch nicht gut. So einfach ist das!” Mal abgesehen davon, dass das nicht die "richtige" Antwort ist, finde ich das unerwartet stark reflektiert. Ich denke, Elsa würde im wirklichen Leben ein bisschen länger brauchen, um so einen Satz über sich selbst sagen zu können; außerdem würde sie sich wohl etwas länger zieren, bis sie das überhaupt mit einem wildfremden Geist diskutiert, und wenn der zehnmal persönlich zu ihr geschickt wurde. Natürlich willst Du Deine Geschichte damit jetzt nicht gleich um drei Seiten verlängern, aber ein paar Sätze mehr wären da m.E. gut angelegt.

3. fällt mir nicht mehr ein, verflixt! Ich wollte drei Punkte nennen ... okay, ich melde mich noch mal, wenn es mir wieder einfällt ... :hmm:

Grüße vom Holg ...

 
Zuletzt bearbeitet:

Liebe Lobilotte,

und vielen Dank für deine Geschichte!

Ich finde sie zum Teil richtig cool, zum anderen hat sie mich nicht ganz begeistern können. Zu den vielen Absätzen wurde schon was gesagt, ich denke auch, mit einem einfachen Zeilenumbruch wäre der Text nicht so zersplittert.

Plötzlich stand ein Weihnachtsmann vor ihr. Roter Mantel, weißer Wattebart und die Mütze tief in die Stirn gezogen. Er lächelte sie an, griff in seinen Sack und drückte ihr ein Päckchen in die Hand: ”Frohe Weihnachten!”, sagte er und ging weiter.

Guck mal, hier braucht es weder einen Absatz, noch einen Zeilenumbruch.
Und "Plötzlich" ist ein Wort was mehr scheint, als es ist. Vieles ist gar nicht so plötzlich. Aber gut, dass sind schon sehr spezielle Feinheiten.

Elsa starrte auf das Päckchen. Sie riss das Papier auf und fand eine kleine ... Schnaps in die Nase.

Das kann auch alles in einen Absatz, hintereinander weg. Lass den Text mal fließen. Und so weiter. Ich höre an dieser Stelle damit auf.

Elsa ging einen Schritt zurück. Wieviel hatte sie heute schon getrunken? Nicht mehr als sonst auch! Wieso sah sie dann so komische Sachen?

Bis dahin finde ich alles wirklich sehr hübsch. Und die erste Wendung kommt auch zur rechten Zeit. Sie bekommt also keinen Schnaps, sondern einen Flaschengeist. Super! Und der ist auch noch herrlich besoffen, jetzt fängt es an Spaß zu machen.
Das dicke braucht es meiner Meinung nicht unbedingt. Das denkt der Leser mit, muss also nicht erklärt werden.

Das Gerede dann mit dem Geist, da bekommt die Geschichte auf einmal so was moralisches, schweres, erklärendes, weiß auch nicht. Da kippt die Stimmung und für mich nicht unbedingt in eine gute Richtung. Da kann ich Dir nur Kürzen ans Herz legen. Also, ich habe das dann so ein wenig überflogen und bin hier wieder eingestiegen:

Elsa stampfte mit dem Schuh auf den Boden und funkelte den Geist giftig an. “Was macht das denn für einen Unterschied, ob ich vorher schon getrunken habe? Du brauchst doch in dem Buch nur die Stelle zu ändern, wo mein Mann diese blöde Ziege kennengelernt hat. Dann wäre mein Leben doch ganz anders verlaufen! Glücklicher!”

Mir gefällt ja das bockige an ihr total gut ;).

“Elsa! Du musst lernen, den Tatsachen ins Gesicht zu schauen! Und du musst dein Leben selbst in die Hand nehmen.” Der Geist nickte mit dem Kopf, als wolle er seinen Worten mehr Gewicht geben. Aber er griff sich sofort stöhnend an die Stirn.

Dagegen diese Moralpredigten gar nicht. Ich fand den besoffenen Flaschengeist sehr viel unterhaltsamer.

Diesen Moment der Unachtsamkeit nutzte Elsa aus. Sie riss dem Geist das Buch aus der Hand und lief so schnell sie konnte davon. In der Nähe war ein kleiner Park. Sie versteckte sich im Gebüsch und setzte sich auf einen Baumstumpf. In der Tasche kramte sie nach einem Stift. Wenn dieser Geist die Stelle nicht ändern wollte, so würde sie es eben selber tun.

Zack! Und die nächste schöne Wendung. Und da es nun schon zwei sind, warte ich als Leser auf drei und vier und fünf und ich traue Dir da echt einiges zu, aber das war es dann eigentlich auch schon. Obwohl:

Aber die Seiten klebten aneinander, sie konnte das Buch nur in der Mitte aufschlagen.

Das hat auch was. An welcher Stelle landet sie, fragt man sich noch als Leser? Aber bei dir kommt eben der Spiegel. Und der zeigt ihr Gesicht, in der Mitte ihres Lebens, an genau diesem Tag und Elsa versteht, wird von den Sonnenstrahlen erleuchtet und Happy End. Geht sehr schnell, ich sehe total das Thema, ich verstehe deine Intention, ich verstehe alles, aber ich fand das surreale so hübsch, ich wollt davon einfach mehr haben.

Nein, den halben Satz fand ich auch super:

Während sie darüber nachdachte, wo sie eine neue Katze her bekam,

und das darauf gleich wieder so "gesellschaftlich richtig und korrekt und wünschenswert und rosa Welt ...
... holte sie den Flachmann aus der Tasche und warf ihn ins Gebüsch.

Eigentlich ist der letzte Satz aber auch sehr passend zum Rest der Geschichte. Du schlägst die Töne ja schon viel früher so an, nur war ich da auch schon kein großer Freund von. Aber das ist subjektiv. Da finden sich sicher auch andere Stimmen.
Wie gesagt, ich bin ein großer Freund der bockigen Elsa, der überraschenden Wendungen in der Geschichte, da hätte echt die Post abgehen können und ich hätte gern noch bisschen weitergelesen, wie Elsa da in dem Buch rummacht und doch am Ende wieder nur auf dem Baumstumpf landet.

Beste Grüße, Fliege

 

Liebe Alle,

vielen Dank für das Lesen und eure Kommentare ;-)


Lieber oheim,

der Geist ist betrunken, weil ich eben nicht so einen Moralapostelgeist wollte, der nur mit erhobenem Zeigefinger da steht. Ich fand, wenn auch er die Gelegenheit nutzt mal einen über den Durst zu trinken, dann ist er menschlicher.

Die letzten Geschenke, die eingekauft werden, hatte ich immer wieder gelöscht und wieder hingeschrieben. Ich werde sie streichen ;-)

Die vielen Leerzeilen, das ist nicht schön, das stimmt. Ich selber hasse Texte mit endlos langen Absätzen. Ich finde das anstrengend zu lesen. Also muss ich einen Mittelweg finden.

Was du nicht herauslesen konntest: Der Geist entschuldigt sich für seine “Aufmachung”, weil er so verknittert und betrunken ist.


Lieber barnhelm,

als der Geist aus der Flasche kommt, ist er sturzbesoffen. Nachdem er sich übergeben hat, wird er langsam klarer im Kopf. Ich wollte auch nicht seine ganze wörtliche Rede alkoholisieren, ich dachte, das ist für den Leser anstrengend.

Er sagt noch einmal “Teufelszeug” weil er vom Teufelszeug so Kopfschmerzen hat und Elsa trinkt ja aus ihrem eigenen Flachmann, nicht mehr aus seiner Flasche, die ist leer.

Ich hasse Punkte, Kommas und diese ganzen Regeln drum herum, aber ich werde mir in Zukunft mehr Mühe geben ;-(


Lieber @Incredible Holg,

"Uah, jetzt geht's mir besser" oder so ähnlich reicht völlig aus.
Genau so einen Satz sollte ich einfügen ;-)

Mit 2. hast du absolut recht. Das geht mir eigentlich auch zu schnell. Aber ich wollte eben zügig voran schreiten in meiner Erzählung, damit ich euch nicht langweile.

Mit 3. kann ich jetzt auch nichts zu sagen ;-)))

Liebe Fliege,

ja, ich nehme Absätze raus, sehe ich sofort ein.

Ich habe versucht die Moralpredigt so kurz wie möglich zu halten. Aber ohne diese funktioniert die Geschichte ja nicht. Ich muss mal gucken, ob ich den Geist dann nicht doch weiterhin angetrunken lassen, dann wird die Moral vielleicht weniger trocken.

Auch darüber, dass du mehr erwartet hast, als diese Ende, werde ich gerne noch mal nachdenken.

Liebe Grüße
Lobilotte

 
Zuletzt bearbeitet:

Liebe Lobilotte, welch ein reizender Einfall! Der Weihnachtsgeist! Wunderbar. Deine Geschichte liest sich flüssig, schnell befand ich mich mitten in der Szene und neugierig verfolgte ich den Fortgang.

Deine Protagonistin, mitsamt ihren Problemen, hat mich berührt. Das Ende stimmt mich hoffnungsfroh. Ich wünsche deiner Elsa eine kuschelige Katze, dann wird sicher alles besser.

Liebe Grüße!
Amelie

 

Liebe Amelie,

danke für deinen Kommentar ;-)

Liebe Alle, die meine Geschichte kommentiert haben.
Jetzt habe ich einige Anregungen übernommen und die Geschichte noch mal ein wenig verändert. Die Aussage ist natürlich die selbe geblieben.

Liebe Grüße
Lobilotte

 

Liebe Lobilotte,

Deine Geschichte wirkt in der neuen Fassung stärker als vorher. Es gibt viele Therapien für alkoholkranke Menschen, aber nach meinen Erfahrungen ist ein Punkt besonders wichtig: Dass der Betroffene sich eingesteht, Alkoholiker zu sein.

Du muscht den Tasachen ins Gesicht sauen!
Das ist die erste Aufgabe.
Vielleicht habt ihr da oben ja sogar Recht
Diese Erkenntnis ist zu schwach - das Vielleicht würde ich weglassen.
Sie hatte einen langen Weg vor sich
ja, denn dieser Weg ist schwierig und man kann sehr schnell wieder zurückfallen. aber das ist ja nicht das Thema Deiner Geschichte.

In manchen Kommentaren ist von Moral(predigt) die Rede. Ich sehe das nicht. Moral ist hier nicht von Bedeutung. Die Erkenntnis, was man (geworden) ist und der Wunsch das Leben zu ändern - das ist keine Moral sondern der Beginn eines Heilungsprozesses. Und da der Weihnachtsgeist ein wenig nach-/mithilft, ist das für mich eine tolle Weihnachtsgeschichte.

Gerne gelesen.

Liebe Grüße

Jobär

 

Hallo Lobilotte

ich lese jetzt einfach unsere kleine Anthologie zum Thema "Letzte Ausfahrt" (oder so ähnlich) und warum soll ich da nicht ein paar Worte hinterlassen :)
Du hast schon ein schwieriges Thema gewählt: eine Trinkerin, die geheilt wird... und das auch noch von einem Weihnachtsgeist (und nicht ganz pathetisch vom Licht Gottes oder so was)... die Idee gefällt mir... auch wenn es nicht ganz mein Ding ist...
Manche Stellen sind echt rührend und das mit der Katze am Ende gefällt mir besonders gut...

Ein paar Anmerkungen habe ich:

Viel zu laut dröhnte aus einem Lautsprecher “Last Christmas”, und der Geruch nach gebrannten Mandeln ließ Übelkeit in ihr hochsteigen.
viel zu laut brauchst du nicht zu sagen, reicht schon, dass man den Titel hört... oh man... :)

Roter Mantel, weißer Wattebart und die Mütze tief in die Stirn gezogen.
wie soll auch ein Weihnachtsmann sonst aussehen?

Sah man ihr jetzt schon an, dass sie zu viel trank? Warum sonst hatte der Weihnachtsmann ihr die Flasche geschenkt?
das ist traurig... könnte man noch mehr betonen; so: es war ja kein Zufall, dass ausgerechnet sie die Flasche bekommen hat...oder so ähnlich oder: Woher wusste der Weihnachtsmann von ihr?

Elsa stieg der scharfe Geruch von Schnaps in die Nase.
warum riecht der Geist nach Schnaps?

weißer Kopf, auf dem eine rote Mütze saß.
bisschen viel rot...

und schon beugte es sich vor, würgte einen Schwall Flüssigkeit auf den Boden.
ist der Geist selbst ein Säufer? ziemlich eklig, dass er sich jetzt übergibt...

Wieviel hatte sie heute schon getrunken? Nicht mehr als sonst auch!
das : nicht mehr... könntest du auch weglassen...

“So, jetzt gedes mir schon besser. Is ja grauenhaft. Ich kann von dem Zeusch einfach nicht von bleiben. Aber wem erzähle ich das…”
mm soll das hessisch sein? dieses Dielaktgebrabbel ist irgendwie uneinheitlich und stört mich deshalb...

“Schicksalsbuch! Dasch hier is deins!”
super Idee :) gefällt mir so als Vorstellung... ließe sich ein Roman draus machen...

Der Geist nahm die Flasche, legte den Kopf in den Nacken und ließ den Schnaps in sich hineinlaufen. Elsa machte einen Schritt auf ihn zu und riss ihm den Flachmann aus der Hand.
hier könnte sie aggressiver sein...

Aber die Seiten klebten aneinander, sie konnte das Buch nur in der Mitte aufschlagen. Und dort starrte sie in einen Spiegel.
schönes Bild...

Während sie darüber nachdachte, wo sie eine neue Katze her bekam, holte sie den Flachmann aus der Tasche und warf ihn ins Gebüsch.
ich überleg die ganze Zeit, ob ihr hier nicht ne Katze über den Weg laufen könnte und irgendein anderes Tier ihr den Flachmann entreißen könnte...

Eine richtige Weihnachtsgeschichte:)
viele Grüße
Isegrims

 
Zuletzt bearbeitet:

“Schuldige meine Auf- Auflachung, aber son Flaschenleben lässt einen einfach verdattert, nee verlottert aussehen. Ups, sicher gedes mir gleich wieda besser, der Schnappes muss nur verhunsten, nee verdunsten, boah, is mir schlecht...” und schon beugte es sich vor, würgte einen Schwall Flüssigkeit auf den Boden.
Als ich das erste Mal erlebte, wie jemand frühmorgens beim Versuch, sich die Schuhe zu schnüren, kläglich scheiterte, weil er „weiße Mäuse“ sah, fand ich die Situation ausgesprochen komisch, dass ich lachen musste, wohl wissend, dass da einer – wiedersprüchlich genug – seinen Kater auslebte. Elsa -

und damit erst einmal herzlich willkommen hierorts,

liebe Lobilotte,

Elsa muss also schon mehr als einen Geist der Weihnacht nebst Aladin und der Wunderflasche hinter sich haben und dass sie ihren Flachmann wegwirft (obwohl ein Schluck den Geist aus der Flasche hätte erst mal wieder verschwindenlassen, vermut ich mal, zeigt, dass sie schon im Kampf mit König Allohol steht). Der Mensch aber, der die Schuhe binden wollte, lallte überhaupt nicht. Da wirkt Deine kleine Geschichte aufgesetzt. Gleichwohl drück ich Elsa die Daumen, dass sie nicht nur dieses eine Mal revoltiere, sondern den Monarchen auf immer entthrone …

Trivialeres wie die Zeichensetzung wäre ein wenig nachzuarbeiten, eher grundsätzlich nach wörtl. Rede, hier z. B.

“Teufelschzeug!”[,] lallte es von unten, und nur mit Mühe …
Komma grundsätzlich nach Abschluss der wörtl. Rede, wenn der „übergeordnete Satz“ (hier: lallte es …) folgt.
Kommt noch mal vor, musstu noch mal den Text durchsehen.

Jeder Satz hat wie das richtige Leben Anfang und Ende, hier gelingt beim Relativsatz der Anfang, das Ende wäre nachzutragen

Sie angelte nach der Flasche, die in ihrer Manteltasche baumelte[,] und drehte den Verschluss auf.

Wieviel hatte sie heute schon getrunken?
„wie viel“ auseinander

Einmal hatte ich jedoch den Eindruck, Deine Sprache wäre vom Geist der Weihnacht ein wenig infiziert

Elsa machte schnell einen Schritt auf Geist zu.
m. E. fehlt nämlich was, wahrscheinlich ein „den“ ...

Hier wäre die Frage nach der Katzenherkunft besser im Konjunktiv (ich würde Konj. II bevorzugen, I ginge aber auch, da m. E. keine Zweifel an E.s Absicht bestehen)

Während sie darüber nachdachte, wo sie eine neue Katze her bekam, holte sie den Flachmann aus der Tasche und warf ihn ins Gebüsch.

Trotzdessen:

Gern gelesen vom

Friedel

 

Hallo, lobilotte, ich mag Weihnachtsgeschichten. Die Idee zu dieser passend zum Thema des Monats.

Ein paar stilistische Anmerkungen:

Jetzt hast du den ganzen Schnaps ausgetrunken. Sag mir, was mich unglücklich macht!“
Der Geist versuchte frei zu stehen, um das Buch in beide Hände zu nehmen. „A“, sagte er und legte den Arm wieder um die Laterne. „Alohol“
Soooo redet man nicht in der Wirklichkeit, wenn man ein Alkoholproblem hat:-)
Vorschlag
"Was soll denn das? Du hast mir alles weggesoffen, du Idiot. Das war meine letzte Pulle! Scheisskerl! Ihr Scheisskerle macht mich unglücklich!"
...

Na ja, worauf ich hinaus will, das versoffene Spiegelbild ist ein echtes Klischee, das Verhalten der Protagonistin passt nicht zu der Erscheinung im Bild.
Eine Weignachtsgeschichte muss nicht unbedingt mit Feinschliff an den Charakteren arbeiten, aber zum Thema des Monats, genügt es nicht, einfach den Flachmann in die Büsche zu schmeißen und die Probleme lösen sich in Luft auf. Dann gäbe es auch nicht soviele Alkoholkranke Menschen, wenn das so einfach wäre.
Ansonsten hübsche Idee.

Gerne gelesen, GD

 

Hallo Lobilotte,
die Erstfassung hab ich leider nicht gelesen, so dass ich nichts zu der Entwicklung der Geschichte sagen kann.
Was ich an deiner Geschichte sehr mochte, das ist das Alberne. Der besoffene Weihnachtsgeist, dass sie ihm das Buch entreißt, es selbst umschreiben will, dass sie zum Schluss die Katze und nicht den werten Gatten haben will.
Und ich hätt mir so gewünscht, davon noch mehr abzukriegen. Vielleicht wenn sie wirklich im Buch rumkritzelt, du also den Weg der Selbsterkenntnis aufs Korn nimmst, wer weiß, was passiert, wenn sie vor lauter Zorn den Gatten ausradiert, aber wenns geht, das alles in witziger, selbstironischer Form. Oder wenn du vielleicht die Interaktion zwischen ihr und dem Weihnachtsgeist ausbaust. Ich meine, der sagt ihr ja, ihr Problem sei der Alkohol, und dann genehmigt er sich selbst das ein oder andere Schlückchen? Das wird die Frau doch nicht auf sich sitzen lassen.

Womit ich echt Schwierigkeiten habe, das sind zwei Sachen.
Die Selbsterkenntnis durch die Spiegelseite im Buch, das ist so überdeutlich und als Bild so wahnsinnig oft schon gebraucht. Vielleicht gibts da eine Alternative.
Und die Selbsterkenntnis, die sie dann dazu bringt, so überaus schnell die Flasche fortzuwerfen, die erfolgt schon ausgesprochen rasch und problemlos.
Ich mag die Idee, das Alberne mit der Ernsthaftigkeit ihrer Selbsterkenntnis zu verknüpfen, ich find das übrigens ausgesprochen schwierig, das hinzukriegen, weiß nicht,ob ich das könnte. Im Moment jedenfalls bricht das in deiner Geschichte noch oft auseinander. Aber hin und wieder blitzt es echt gut auf, von daher würd ich der Geschichte doch noch ein paar Gedanken gönnen, sie würds verdienen, genauso wie deine trotzige Protagonistin.
Viele Grüße von Novak

 
Zuletzt bearbeitet:

Hey Lobilotte

Zum Inhalt wurde schon einiges gesagt, das ich ähnlich sehe. Schöne Idee, die Geschichte kommt trotz ernstem Thema witzig daher; das Ende hingegen war mir ebenfalls etwas zu fix, zu glatt.
Ich möchte gerne noch etwas zu deinem Stil zurückmelden. Dein Text ist sehr flüssig und elegant geschrieben. Was mir besonders aufgefallen ist: Du sprichst alle Sinne an.


Viel zu laut dröhnte aus einem Lautsprecher “Last Christmas”, und der Geruch nach gebrannten Mandeln ließ Übelkeit in ihr hochsteigen. […]
Elsa stieg der scharfe Geruch von Schnaps in die Nase.
“Teufelschzeug!” lallte es von unten, und nur mit Mühe gelang es diesem Etwas, sich mit den Händen an einem Laternenpfahl hochzuziehen. Aus einem zerknitterten roten Gewand schob sich ein durchscheinender weißer Kopf, auf dem eine rote Mütze saß. Es strich sein Gewand glatt und nuschelte

Das macht deinen Text lebendig. Ich habe das sehr gerne gelesen, bin in die Weihnachtstimmung eingetaucht und das hast du mit deinen guten Beschreibungen erreicht. Ich bin gespannt auf weitere Geschichten von dir.
Falls du übrigens noch einen Tipp hast, wie man Gerüche beschreibt, ohne die Wörter „Geruch“ „Duft“ „riecht nach“, „duftet nach“ zu verwenden, lass es mich wissen. Es bereitet mir immer wieder Mühe, wenn ich hier variieren möchte.
Ah ja:

Geruch nach gebrannten Mandeln

Müsste es nicht heissen: „von“?

Elsa wurde rot.

Das ist jetzt vielleicht etwas pingelig, aber für mich ist das Aussenperspektive. Besser eine körperliche Reaktion, die Elsa selbst fühlt.

Gern gelesen
Peeperkorn

 

Hallo Libolotte,

die Grundidee mit dem Geist aus der Schnapsflasche finde ich witzig. Und genau da ist der Haken:
Die Geschichte sollte für mich witzig sein, mit einem Humorstichwort versehen.
Von mir aus kann man da das Thema Alkoholismus ausnahmsweise auch mal nicht so bierernst betrachten, denn wenn der Weihnachtsmann schon beschwipst daherkommt ...

Da setzt bei mir auch jegliches Verständnis aus, wieso Elsa plötzlich so reflektiert auf ihre Situation reagiert. Ich mein, wenn ich mit einer Zigarette in der Hand jemandem ernsthaft sage, dass Rauchen ungesund ist, ist das ja entweder bescheuert, satirisch oder humoristisch.

Ich gebe da Novak recht, die davon spricht, dass das Alberne mit der Ernsthaftigkeit verknüpft oft auseinanderbricht. Ich würde dafür plädieren, die Geschichte mehr humoristisch anzulegen. Wird sie ernst, wird sie auch sehr morallastig und weniger attraktiv.

Liebe Grüße
bernadette

 

Lieber jobär,
danke fürs Lesen. Genau diese Dinge erachtete ich auch als wichtig für einen Alkoholiker, drum habe ich sie Elsa in der Geschichte “verschrieben”. Das “vielleicht” ist schon so gut wie weg.

Lieber/liebe Isegrims,
das mit der Katze, die ihr am Ende über den Weg läuft ist eine wunderbare Idee. Aber woher würde sie wissen, dass sie die mitnehmen kann? Trotzdem könnte es ein Zeichen von “denen da oben sein”. Und die Flasche soll sie mal schön selber wegwerfen, sonst ist mir das von ihrer Seite zu passiv.

Lieber Friedel,
ja, ich und die Zeichensetzung, wir lieben uns nicht sonderlich, ich habe deine Hinweise eingebracht und hoffe, sie mir damit auch ins Gehirn zu brennen.
Aber was ich nicht verstehe: Elsa lallt ja gar nicht. In meiner Vorstellung ist sie eine von denen, die den ganzen Tag über immer mal ein bisschen trinken um den Pegel zu halten und man merkt ihr das nicht so an. Und wenn sie Stress hat, trinkt sie mehr. Ich kenne so jemanden. Nur der sturzbesoffene Geist lallt und jemand der sturzbesoffen ist, spricht komisch.

Liebe Goldene Dame,
vielen Dank für deinen Kommentar. Wie ich schon als Antwort an Novak schrieb, hat sie für sich erkannt, dass sie das Trinken aufgeben sollte und sie wirft den Flachmann ins Gebüsch. Da hört dann die Geschichte auf. Ich sage ja gar nicht, dass sie jetzt für immer aufhört. Sie hat aber einen Anfang gemacht.

Liebe Novak,
danke für das Lesen ;-)
Mit dem Spiegel, das sagen ja doch einige, mal sehen, ob mir da im Weihnachtsstress doch noch eine bessere Lösung einfällt. Es sind ja noch ein paar Tage Zeit.
Für mich war klar, sie ist ein Stück weit den Weg der Erkenntnis gegangen, hat den (ja eh leeren) Flachmann weggeworfen und neue Hoffnung gefasst. Aber das heißt ja nicht, dass sie nun für immer das Alkoholproblem gelöst hat. Darum schrieb ich “Sie hatte einen langen Weg vor sich, aber sie wusste jetzt, was zu tun war.” Es ist ein Anfang. Und was ich wollte, war ein Lichtschimmer am Horizont in Elsas Leben. Ist doch Weihnachten ;-)

Liebe Peeperkorn,
über deinen Kommentar freue ich mich sehr, weil ich deine “Sprunggeschichte” so toll finde.
Leider kann ich dir mit den Düften so auf Anhieb auch nicht weiter helfen. Um die Sinne sehen, hören und tasten zu beschreiben hat man in der Tat mehr Möglichkeiten. Nur kommt es in einer Geschichte nicht so oft vor, dass man jemanden was riechen lässt, darum glaube ich, dass es dem Leser nicht unangenehme auffällt, wenn man “Duft” oder “Geruch” nutzt.
Die rote Elsa werde ich ändern, dass ist mir gar nicht aufgefallen aber du hast recht.

Liebe bernadette,
danke für deinen Kommentar.
Dass der Geist auch ein Alkoholproblem ist ihr in dem Moment egal, weil sie die Chance wittert, ihr Leben ändern zu können. Ihr alkoholisiertes Gehirn setzt andere Prioritäten. Außerdem wirft ihr ja gar nicht der Geist vor, dass sie zu viel trinkt, sondern “die da oben”. Das war die Motivation meinerseits, sie auf den Geist und seinen Schnapskonsum nicht eingehen zu lassen, aber vielleicht ist das tatsächlich nicht richtig.

Liebe Grüße an alle
Lobilotte

 

Hallo Lobilotte

Ein nettes Weihnachtsmärchen mit realem Hintergrund.

Aber wem erzähle ich das[ ]…”
Abstand vor ...

Sie angelte nach der Flasche, die in ihrer Manteltasche baumelte, und drehte den Verschluss auf.
Er legte den Arm um den Laternenpfahl, damit er nicht umkippte.
Solche Erklärungen finde ich überflüssig, die ergeben sich aus dem Zusammenhang.

Das war die Gelegenheit! Elsa musste nachdenken. Was machte ihr am meisten zu schaffen in ihrem Leben?
Das ging mir jetzt zu schnell, wie Elsa die groteske Situation und somit die Existenz des Weinachtsgeists plötzlich einfach so akzeptierte.

Sagen die da oben![]”

„Scheiße! Jetzt hast du den ganzen Schnaps ausgetrunken!“ Sie holte mit ihrer Tasche nach ihm aus und zischte: „So, und jetzt sag mir, was da steht. Was meinen die da oben, was mich unglücklich macht?“

Der Geist versuchte frei zu stehen, um das Buch in beide Hände zu nehmen. „A“, sagte er und legte den Arm wieder um die Laterne. „Alohol“

Knifflig, so könnte er es nicht mehr umschreiben, selbst wenn er wollte, da sie ja selbst drauf kommen muss. Warum lässt du ihn nicht einfach nur mit der leeren Flasche winken, der Leser hat es ja bereits geschnallt, nur Elsa wehrt sich noch gegen das Offensichtliche.

“Den Tatsachen ins Gesicht schauen...”
ins Auge, wie es im Sprichwort heisst, fänd ich hier stärker.

Während sie darüber nachdachte, wo sie eine neue Katze her bekam, holte sie den Flachmann aus der Tasche und warf ihn ins Gebüsch.
Das Abwenden vom Alkohol, eigentlich der richtige Schlusspunkt, (sieht man mal übers Littering hinweg ;),) aber leider wirkt er relativ schwach, da die Flasche ja bereits leer war.

und dann noch was zur Form

Lobilotte schrieb:
Liebe Fliege,

ja, ich nehme Absätze raus, sehe ich sofort ein.

Ich weiss ja nicht, wie die Originalfassung aussah, aber meines Erachtens sind da immer noch unnötige Zeilenumbrüche drin.

Kurz und gut:
Auf die Gefahr, bereits Gesagtes zu wiederholen: Die Idee ist zwar nicht neu, dafür mit einem gewissen Charme umgesetzt. Der besoffene Geist hat mir anfangs gefallen, sein Lallen wurde mit zunehmendem Pegel allerdings mühsam zu entschlüsseln, weniger Verdreher fände ich hier zwecks besserem Lesefluss angebrachter. Ich weiss, in der Ursprungsfassung schien es gemäss den ersten Kommentaren gerade umgekehrt zu sein, allerdings gilt es nun, die Mitte zu finden.

Mit kleinen Abstrichen gern gelesen.
Liebe Grüsse,
dot

 

Halli hallo Lobilotte,

wirklich nette, kleine Weihnachtsgeschichte :thumbsup:
Und jetzt, wo der Weihnachtsgeist nach dem sich übergeben, nicht mehr nüchtern wird (ach wär das schön, wenn man nur brechen müsste und kurz danach wäre man wieder nüchtern :lol: ) finde ich sie noch besser!
Einen kleinen Fehler habe ich aber gefunden, der vor der Überarbeitung nicht da war ;)

Elsa machte schnell einen Schritt auf den Geist zu.
Das den hast Du vergessen.

Wirklich gern gelesen.

Herzlichst, Joey

 

Liebe @Maria,

danke für deinen Hinweis, das dies nur eine (6x) nette Geschichte ist ;-)


Lieber dotslash,
danke fürs Lesen! Die Idee mit der winkenend Flasche ist so gut wie übernommen!
Den Tatsachen ins Gesicht schauen gibt es laut Google als Redewendung genauso wie den Tatsachen ins Auge sehen. Ich kenne auch beides, aber war mir auch nicht sicher was "richtig" ist.
Littering musste ich erst begoogeln, wieder was dazu gelernt :)
Ja, die Flasche war in der ersten Fassung da noch nicht leer und als der Geist sie nun geleert hatte, habe ich sie doch gelassen, weil sie ja einfach nur eine Geste ist. Und irgendwie sah mein inneres Auge dabei auch so einen nachfüllbaren Flachmann, und dann wäre die Geste stärker, aber es gibt Flachmänner ja in der Tat auch aus Glas zum Wegwerfen.
Und ich sollte etwas entlallen, kann ich nachvollziehen, goldene Mitte finden, im Moment ist es maximal die silberne ;-)

Lieber Joey,
danke fürs Lesen und das "den", man liest und liest und überliest ;-)

Danke für die vielen wertvollen Hinweise an alle! Am Wochenende nehme ich mir das noch mal vor!

Grüße
Lobilotte

 

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