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Spuk im Miethaus

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18.04.2016
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Spuk im Miethaus

Ich erwache in einem furchtbar kalten und kahlen Raum. Ich versuche langsam Umrisse zu erkennen, die mir erklären wo ich bin. Aus einer weiten Ecke höre ich ein Zwitschern, es wird immer lauter. Die Fliesen, auf denen ich liege, sind schwarz-weiß und weisen schon alte Gebrauchsspuren auf. Langsam erkenne ich die Form eines mir unbekannten Badezimmers. Wo bin ich? Ich versuche aufzustehen, kann aber mein Gleichgewicht schwer halten. Links von mir eine alte, dennoch sehr saubere Toilette. Ich bekomme Angst. Mein Puls steigt, mein Körper füllt sich mit Adrenalin, meine Atmung wird immer schneller. Ich versuche den Ausgang zu finden, kann aber keine Tür sehen. Die Badewanne ist seltsam, sie ist gold lackiert, ja sogar die Armaturen sind gold. An den weißen Wänden nehme ich plötzlich ein eingerahmtes Foto, auf dem eine mir unbekannte Frau abgebildet ist, wahr. Der Rahmen wirkt sehr alt, und gleichzeitig auch sehr teuer. Er sieht für mich richtig antik aus. Die Dame auf diesem Foto wirkt in ihren 60ern, sehr gepflegt und sicherlich in ihrem Leben sehr erfolgreich. Anhand ihres ins Auge stechenden Eherings kann ich erkennen, dass sie wohl verheiratet ist. Ein hellgrünes Kleid, dazu passend ein wunderschöner, großer Hut mit einer großen Blume auf der linken Seite, lassen mich fast an die Queen aus England denken. Nur ihre blonden, gelockten Haare und ihre eisblauen Augen erinnern mich daran, dass sie eine eigentlich eine Unbekannte ist. Eine innere Stimme sagt mir jedoch, dass ich diese Frau wohl kennen sollte. Immer mehr versuche ich auf kleine Details zu achten, die mir erklären wer die mysteriöse, alte Dame ist.

„Chantal! Chantal“, höre ich meinen Vater mit erboster Stimme rufen. „So geht es nicht weiter Madam! Du musst endlich lernen dir deinen Wecker zu stellen! AUFSTEHEN!“

„Es ist sieben Uhr, haben dich alle guten Geister verlassen mich jetzt zu wecken?“

„Du hast es deiner Mutter versprochen!“

Mist, dachte ich mir. Es kann doch nicht sein, dass ich immer alles vergesse. Ich muss mir dringend ein Notizbuch kaufen.
Als ich zum bereits von meinem Vater gedeckten Frühstückstisch komme esse ich meine geliebten pochierten Eier und trinke dazu meinen liebsten Orangensaft. Ich beginne diesen Tag, als wäre es jeder andere Tag, doch er ist es nicht.
Ich habe meinen Eltern versprochen mein Leben in den Griff zu bekommen. Letzte Woche hatte ich ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch in einer Werbeagentur, endlich ein Lichtblick. Doch jetzt drängen meine Eltern darauf, dass ich mein schönes Zimmer verlasse und in eine neue Wohnung ziehe. Nur weil meine Mutter ein Baby erwartet. Wie gemein. Es gibt genug andere, die mit 27 Jahren noch zuhause wohnen. Das alte Huhn vertreiben, damit das süße Küken Platz hat. Manchmal denke ich Eltern bekommen nur Kinder, weil sie wenn sie noch Kleinkinder sind, süß sind. Weil sie sie gerne hübsch anziehen, Kleidchen kaufen, und mit ihnen spielen können. Doch wenn sie älter werden, dann haben sie plötzlich Erwartungen und Hoffnungen, ohne Rücksicht zu nehmen ob ihr Sprössling die selben Träume hat. Ich bin davon überzeugt, dass meine Eltern einfach ihre eigenen Träume und Wünsche damit kompensieren wollen. Und dann, anstatt mir zu helfen, setzen sie einfach ein neues kleines "Wunder" in die Welt, und die Spirale dreht sich von vorne.
Jedenfalls muss ich, das alte Huhn, jetzt wohl Platz schaffen. Ich bin wütend.

In unserem Badezimmer, ja heute darf ich es noch unseres nennen, binde meine langen, schwarzen Haare zu einem Pferdeschwanz, ziehe meinen Pullover an, und mache mich auf den Weg. Die erste Wohnungsbesichtigung, allein. Insgeheim hoffe ich, dass die Mieter mich nicht akzeptieren und ich die Wohnung nicht bekomme.

Die Maklerin hat mir die Adresse per E-Mail geschickt, die ich jetzt natürlich so tollpatschig wie ich bin, in meinem E-Mail Account nicht mehr finden kann. Ich setze mich kurz eine alte Parkbank und durchsuche meinen Posteingang. Plötzlich bekomme ich eine neue E-Mail. Ich schrecke hoch, denn es ist die selbe E-Mail, die ich gesucht habe. Ich versuche die seltsame Tatsache zu ignorieren, und freue mich, dass ich nun endlich die Adresse habe. Als ich an dem Wohnhaus ankomme, fällt mir sehr schnell auf, dass dieses Haus sehr alt wirkt. Es wirkt richtig antik auf mich. Alle Fensterrahmen sind gold lackiert, und alle Vorhänge sind zugezogen. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass ich mich beeilen muss. Schnell laufe ich auf das Haus zu, und versuche verzweifelt die Eingangstür zu finden. Mindestens zwei Mal habe ich mich bereits um dieses verdammte Haus gedreht und alles was ich sehe, sind Fenster. Naja, zumindest Einbruchssicher, muss ich schmunzeln. Die Maklerin, die sich mit mir bereits vor vierzig Minuten treffen wollte, ruft mich ungeduldig an. Ich nehme ab, und wie aus dem Nichts erscheint mir diese Tür plötzlich. Mein Atem stockt. Zuerst die E-Mail, jetzt diese Tür, irgendwas stimmt hier doch nicht.
Die Dame an der anderen Leitung bittet mich in den 4. Stock zu kommen, sie würde am Ende des Treppenaufgangs auf mich warten. Na toll, kein Aufzug, das fängt ja toll an.

Als ich endlich im vierten Stock ankomme, und sie begrüße möchte, erkenne ich sie wieder. Sie ist die Frau auf dem Bild, in meinem Traum. Mir wird schlecht. Ich möchte gehen, kann aber plötzlich keine Treppen hinunter mehr sehen. „Geht es Ihnen gut?“, höre ich die Stimme rufen.

Ich erwache in einem furchtbar kalten und kahlen Raum. Ich versuche langsam Umrisse zu erkennen, die mir erklären wo ich bin. Aus einer weiten Ecke höre ich ein Zwitschern, es wird immer lauter. Die Fließen, auf denen ich liege, sind schwarz-weiß und weisen schon alte Gebrauchsspuren auf. Langsam erkenne ich die Form eines mir unbekannten Badezimmers. Wo bin ich?

 

Hallo Daisyclaisy,

mich gruselt´s, das hast du gut gemacht. Also träumt sie im Vorhinein was ihr noch passieren wird. Da kann man ja fast ´nen ganzen Roman mit dem Titel "Die Vorträumerin" oder so draus machen. Mir gefällt die exakte Wiederholung von Beginn und Ende, die darin enthaltenen Details. Den Titel "Spuk im Mietshaus" finde ich nicht so passend. "Raum ohne Tür" oder "Die goldene Badewanne" sind auch miese Titel, oder? Und wie wäre es mit "Das Traumzimmer? :/

Im ersten Abschnitt schreibst du viermal "Ich versuche" zu Satzbeginn. Das würde ich aus ästhetischen Gründen ändern.

Fazit: Ich finde die KG wirklich gruselig und gut. Meiner Meinung nach könntest du da aber noch mehr rausholen. Was hat es mit dieser Frau/Maklerin auf sich? Kann Chantal es schaffen zu fliehen? Also ich hab die KG wirklich gerne gelesen, sodass ich mir noch ein paar Zeilen davon mehr wünsche, wenn´s nicht zu viele Umstände bereitet ;D

LG Chico

 
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Hallo daisyclaisy,

Ich versuche Umrisse zu erkennen, die mir erklären wo ich bin. Umrisse erklären dir, wo du bist? Ich würde lieber schreiben "Ich versuche Umrisse zu erkennen, aus denen ich schließen kann, wo ich bin" oder so ähnlich.

Aus einer weiten Ecke höre ich ein Zwitschern, als würde ein Vogel in meinem Kopf sitzen. Meinst du eine "weit entfernte" Ecke? Doch wenn sie weit weg ist, wieso klingt das Zwitschern dann nach einem Vogel im Kopf? Müsste das Zwitschern dann nicht nah klingen? Das würde ich nochmal überarbeiten.

Die Fließen, auf denen ich liege, sind schwarz lackiert und weisen schon alte Gebrauchsspuren auf. - Fliesen!

Links von mir eine alte, dennoch sehr saubere Toilette. Ich erkenne sie nicht. Das Kursive würde ich streichen. Du hast weiter oben erwähnt, dass deine Protagonistin den Raum nicht kennt. Also auch die Toilette nicht.

Mein Puls steigt, mein Körper füllt sich mit Adrenalin, meine Atmung wird immer rapider. Warum nicht "ich atme immer schneller"? Rapide klingt hier irgendwie so ... wissenschaftlich ;)

Ich versuche den Ausgang zu finden, kann aber keine Tür erkennen. Ich versuche mich zu beruhigen. Zwei Mal "versuche". Schau doch mal, wie du das umgehen kannst.

Plötzlich erkenne ich ein Bild einer mir unbekannten Frau. Wo ist das Bild? Steht es irgendwo? Hängt es an der Wand?

Ich kann sehen, dass sie verheiratet ist, sie trägt einen Ehering. Sie trägt ein grünes Kleid und einen dazu passenden Hut Zwei Mal "trägt". Auch hier: Das kannst du sicher umgehen.

Als ich zum bereits von meinem Vater gedeckten Frühstückstisch kommeKOMMA esse ich meine geliebten pochierten Eier, ein Avocadotoast und trinke dazu meinen liebsten Orangensaft. Ganz schön viel Liebe für ein gewöhnliches Frühstück ... Das kannst du ordentlich kürzen.

Die Maklerin hat mir die Adresse per E-Mail geschickt, die ich jetzt natürlich nicht finde. Schließlich komme ich zur mir gegebenen Adresse an, und versuche den Eingang des Wohnhauses zu finden. Also hier ist irgendwie alles durcheinander. Hat Chantal die Email nicht mehr gefunden oder die Adresse? Zwei Mal "finden" klingt doppelt gemoppelt. Warum schreibst du nicht einfach "nach kurzer Suche / nach kurzem Umherirren durch die Straßen der Stand fand ich die Adresse der Wohnung" oder so ... Auch die Sätze danach sind ein wenig wirr. Chantal findet den Eingang nicht. Dann doch. Hat sie die Maklerin die ganze Zeit am Ohr? Oder wann erklärt sie ihr, dass sie in der Wohnung wartet? Das kannst du viel viel einfacher gestalten, da musst du gar nicht so viele Umwege nehmen!

Sie war die Frau auf dem Bild, in meinem Traum. Warum Vergangenheit. "Das ist die Frau aus meinem Traum. Das grüne Kleid, der Hut – genau wie auf dem Bild" wäre eine Möglichkeit.

Ich möchte gehen, kann aber plötzlich keine Treppen hinunter mehr sehen. „Geht es ihnen gut?“, höre ich die Stimme rufen.

Ich erwache in einem furchtbar kalten und kahlen Raum. Ich versuche Umrisse zu erkennen, die mir erklären wo ich bin. Aus einer weiten Ecke höre ich ein Zwitschern, als würde ein Vogel in meinem Kopf sitzen. Die Fließen, auf denen ich liege, sind schwarz lackiert und weisen schon alte Gebrauchsspuren auf. Langsam erkenne ich die Form eines mir unbekannten Badezimmers. Wo bin ich?

Dein Ende finde ich gar nicht schlecht. Also die Idee, dass plötzlich die Treppe fehlt und diese Szene endet, wie sie begann. Ein nicht endender Kreislauf. Sowas ist immer eine schlimme Vorstellung, finde ich. Die Unendlichkeit, eine unangenehme oder sogar beängstigende Situation immer und immer wieder erleben zu müssen.

Sprachlich musst du nochmal ran, befürchte ich. Ist das deine erste kleine Geschichte?

Liebe Grüße
RinaWu

 
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Wow, vielen Dank für deine ausführliche Kritik!
Ich bin ehrlich, ich hab einfach drauf los geschrieben, meiner Phantasie freien Lauf gelassen!
Es ist meine erste wirkliche Kurzgeschichte.

Ich versuche das auf jeden Fall nochmals zu überlesen und zu korrigieren,
Vielen lieben Dank!
Andrea


Vielen Dank!
Freut mich, dass dir meine Geschichte gefallen hat.
Ich werde morgen noch etwas an der Geschichte feilen!

 

Es ist meine erste wirkliche Kurzgeschichte.
Okay, verstehe. Versuche mal wirklich, an deinen Sätzen zu feilen. Fang an mit den Wiederholungen und versuche unbedingt, sie zu vermeiden. Schau, wie du Spannung in diesen Text bringen kannst. Bau vielleicht diese Traumszene sogar noch aus, mach sie gruseliger, bildhafter. Lass vielleicht die Frau auf dem Bild etwas sagen. Irgendetwas, das sie greifbarer macht. Wer ist sie? Einfach nur das Böse?

Auch deiner Protagonistin kannst du noch mehr Leben einhauchen. Aber nicht über lauter "liebste" Sachen. Die Sache mit dem "nicht ausziehen wollen" ist doch interessant. Vor allem vor dem Hintergrund, dass sie dann in einem Zimmer gefangen ist.

Ich kann mir vorstellen, dass du in dieser Geschichte nicht zu viel erklären willst und das ist okay. Aber dann sollte sie sprachlich noch verbessert werden. Dies alles sind natürlich nur Vorschläge, schau einfach, was du gebrauchen kannst. Bin gespannt, was du draus machst.

 

Soo. ich habe jetzt einige Änderung vorgenommen, hoffentlich ist es jetzt besser :)
LG

 

Hallo nochmal,

leider bin ich gleich in den ersten Sätzen wieder gestolpert:

Ich erwache in einem furchtbar kalten und kahlen Raum. Ich versuche langsam Umrisse zu erkennen, die mir erklären wo ich bin. Aus einer weiten Ecke höre ich ein Zwitschern, es wird immer lauter. Die Fließen, auf denen ich liege, sind schwarz-weiß und weisen schon alte Gebrauchsspuren auf.

Umrisse, die erklären? Eine weite Ecke? Fliesen!

Kann also leider auf den ersten Blick keinen großen Unterschied zur Ursprungsversion erkennen.

Liebe Grüße
RinaWu

 
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Liebe Andrea,

hier auch ein bisschen Sperrfeuer von mir.

Vorneweg erst mal Lob. Die Idee, die sich da am Grunde deiner Geschichte findet, gefällt mir sehr gut. Ja, da kann man was draus machen und in Ansätzen ist dir das auch gelungen. Du verschenkst allerdings auch hier einiges an Potential ...
... und leider nicht nur hier. Du schreibst, dass du einfach mal deiner Fantasie und dem Stift freien Lauf gelassen hast. Dagegen ist gar nichts einzuwenden. Was mir jedoch hier fehlt, ist der Wille sich nach einem 1st draft - dem ersten Niederschreiben, sozusagen - intensiv mit dem auseinanderzusetzen, was man da geschrieben hat.

Dazu gehört first and foremost eine gnadenlose Rechtschreib- und Grammatikprüfung. Es ist extrem nervig, wenn man strukturell und inhaltlich Tipps geben möchte, und sich dann erst mal mit einer langen Reihe von Fehlern aufhalten muss, die die Autorin längst selbst hätte eliminieren müssen. RinaWu hat sich große Mühe gegeben, das zu tun und dir eine lange Liste solcher Fehler gepostet.

Es sieht für mich nicht so aus, als ob du dir das in deiner überarbeiteten Version zu Herzen genommen hast. Viele der offensichtlichen Fehler sind immer noch da ... und ein paar mehr:

Als ich endlich im viertel Stock ankomme, und sie begrüße möchte, erkenne ich sie wieder.

Das wolltest du so bestimmt nicht schreiben.

Lange Rede ... Zeig den Willen, diese Geschichte wirklich zu einer guten Geschichte zu machen. Druck sie aus, setz dich hin, knie dich rein. Eliminiere Fehler, lies sie dir vor, raus mit den Wiederholungen, den nichtssagenden Adjektiven, lass Freunde sie lesen und ihren Senf dazugeben, setzt dich mit (d)i(h)r auseinander, quite literally, "setz sie auseinander" und dann bau sie wieder zusammen, hilf deinem Leser, sezte Zeilensprünge wo Fokus- und Perspektivwechsel, arbeite so lange an ihr weiter, bis sie (in deinen Augen) perfekt ist. Da lernt man unglaublich was dabei.

ganz lieben Gruß, Thomas

 

Hallo RinaWu,
Danke für deinen Kommentar!

Ich habe alle deine Vorschläge gelesen, und sehr viele davon auch umgeändert. Mir bleibe trotzdem bei " Ich versuche langsam Umrisse zu erkennen, die mir erklären wo ich bin." Das habe ich nicht übersehen, sondern absichtlich so gelassen.

Habe die Gedanken meiner Protagonistin ebenfalls näher beschrieben, und die alte Dame etwas näher beschrieben.


Leider kann ich auch nicht verstehen, was wir an der "weiten Ecke" nicht gefällt, ich habe das mit dem Vogel im Kopf sitzen entfernt. Die Ecke soll nun mal symbolisieren, dass der Raum groß ist.

LG

 
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Mir ist nur aufgefallen, dass die Rechtschreibfehler am Anfang des Textes (die einfach sofort ausbremsen) noch immer vorhanden sind, daher habe ich den kompletten Satz noch einmal zitiert.

Klar, die Formulierungen kannst du so lassen, wie du möchtest, das waren nur Tipps von mir. Ich finde einfach, Umrisse können nichts "erklären", das ist einfach nicht das richtige Verb für meine Ohren. Und eine weite Ecke ist für mich ebenfalls nicht glücklich formuliert. Aber das kann natürlich subjektiv sein.

Viele Grüße
RinaWu

p.s.: "Fliesen" steht am Ende deines Textes wieder falsch da. Vielleicht müsstest du rechtschreibtechnisch noch einmal genau drübersehen. Bei so einer kurzen Geschichte fallen solche Fehler besonders auf und schmälern das Leseerlebnis.

 

Guten Morgen,

rein inhaltlich bleibt mir da lange Zeit eine Richtung verborgen. Ich denke mir beim Lesen: "Hm ... wohin soll die Reise gehen?" Für mich liest sich das passagenweise eher wie eine Coming-Of-Age-Story. Am Ende kommt dann aber eher der Anfang einer Crime-Geschichte - was immerhin raffiniert den Anfang wieder aufgreift.
Also für meinen Geschmack könnte man den Mittelteil noch straffen oder aber mit irgendwelchen Andeutungen auf den Schluss garnieren (damit es etwas spannender zu lesen ist).

Was das Formelle angeht, hauen mich diverse Sachen immer wieder aus dem Lesefluss raus. Das fängt schon relativ früh an. Im vierten Satz:

Die Fliesen, auf denen ich liege, sind schwarz-weiß und weisen schon alte Gebrauchsspuren auf.

Ich störe mich da einerseits an der Verschachtelung, andererseits - und das ist noch schlimmer - an "alte Gebrauchsspuren". Wann sind die Gebrauchsspuren denn richtig neu? Ich bin kein Fliesenprofi. Aber mich stört das. Für mich liest es sich wie eine Dopplung.

Dann sind da manche Worte, die für meinen Geschmack zu häufig hintereinander verwendet werden. Hier zum Beispiel:

Der Rahmen wirkt sehr alt, und gleichzeitig auch sehr teuer. Er sieht für mich richtig antik aus. Die Dame auf diesem Foto wirkt in ihren 60ern, sehr gepflegt und sicherlich in ihrem Leben sehr erfolgreich.

Das ist für mich geradezu eine Orgie von "sehr" und haut mich raus bzw. macht mich etwas grimmig. Zumal ich das Wörtchen "sehr" sowieso nicht mag, da es oft ersatzlos gestrichen werden könnte. Ansonsten gibt es doch bestimmt irgendeinen Ersatz dafür.

Vor dem zitierten Abschnitt steht auch irgendwo das Wort "gold" in relativ kurzer Abfolge zweimal. Stilistisch ist das unschön, finde ich.

Dann sind mir immer wieder Kommafehler aufgefallen. Hier z. B.:

Als ich zum bereits von meinem Vater gedeckten Frühstückstisch kommeKomma esse ich meine geliebten pochierten Eier und trinke dazu meinen liebsten Orangensaft.

Da auch:

Ich habe meinen Eltern versprochenKomma mein Leben in den Griff zu bekommen.

Und hier:

Manchmal denke ichKomma Eltern bekommen nur Kinder, weil sie wenn sie noch Kleinkinder sind, süß sind.

Das ist sowieso ein recht verschachtelter Satz, da für absolute Klarheit eigentlich auch noch hinter dem "weil sie" ein Einschub-Komma gesetzt werden müsste. Dann liest es sich aber noch holpriger, finde ich.

Doch wenn sie älter werden, dann haben sie plötzlich Erwartungen und Hoffnungen, ohne Rücksicht zu nehmenKomma ob ihr Sprössling die selben Träume hat.

Und das "die selben" zu "dieselben" zusammenziehen.

In unserem Badezimmer, ja heute darf ich es noch unseres nennen, binde [hier fehlt wohl: ich] meine langen, schwarzen Haare zu einem Pferdeschwanz, ziehe meinen Pullover an,[Komma weg] und mache mich auf den Weg.

Da an der besagten Stelle kein ganzer Satz folgt, würde ich da kein Komma setzen.

Die Maklerin hat mir die Adresse per E-Mail geschickt, die ich jetzt natürlich so tollpatschig wie ich bin, in meinem E-Mail Account nicht mehr finden kann.

Dieses "so tollpatschig wie ich bin" stört mich in der Form, wie es da steht. Das würde ich in einen Einschub mit Strichen setzen (sieht aber wohl auch nicht jeder gerne, so Einschübe in Strichen).

Da fehlt was:

Ich setze mich kurz [ich denke ein: auf] eine alte Parkbank und durchsuche meinen Posteingang.

Dann:

Ich schrecke hoch, denn es ist die selbe E-Mail, die ich gesucht habe.

dieselbe

Ich versuche die seltsame Tatsache zu ignorieren, und freue mich, dass ich nun endlich die Adresse habe.

Ich würde da hinter dem "versuche" ein Komma setzen. Stattdessen würde ich es vorm "und freue mich" wegmachen.

Schnell laufe ich auf das Haus zu, und versuche verzweifelt die Eingangstür zu finden.

Da würde ich gar kein Komma setzen, weil nach dem "und" kein eigenständiger Satz kommt.

Mindestens zwei Mal habe ich mich bereits um dieses verdammte Haus gedreht und alles was ich sehe, sind Fenster.

Ich würde da eher "zweimal" schreiben. Nun reichen meine Grammatikerinnerungen leider nicht mehr so präzise zurück, ob man da vor dem "sind Fenster" tatsächlich noch ein Komma schaltet. Es liest sich etwas stockend, finde ich. Das ist aber nicht das Hauptproblem. Ich finde den gesamten Satz sehr schwer verständlich. Der hat mich sogar richtig heftig rausgehauen, weil ich erst gar nicht verstanden habe, was Du mit "um das Haus drehen" meintest. Da alles andere in dem Text recht auf den Punkt und nicht verschnörkelt formuliert ist, könntest Du vielleicht etwas präziser "umrundet" oder "zwei Runden um das Haus gedreht" schreiben. So wie es jetzt ist, wirkt es doch ziemlich rätselhaft.

Naja, zumindest Einbruchssicher, muss ich schmunzeln.

Ob man Gedanken nun ganz ohne irgendwelche Anführungsstriche reinbringen sollte, bleibt vielleicht der eigenen kreativen Freiheit überlassen. Aber das "einbruchssicher" ist ein Adjektiv und wird deshalb klein geschrieben.

Ich nehme ab, und wie aus dem Nichts erscheint mir diese Tür plötzlich.

Das spezielle "diese" gibt der "Tür" eine zu bombastische Macht. Da dachte ich selbst beim dritten Lesen noch, sie nimmt da irgendeinen Rückbezug auf die Eingangssequenz und will etwas Gruseliges andeuten. Dass "diese Tür" schlichtweg die Eingangstür ist, kommt mir erst nach einer kleinen Analyse in den Sinn.

Die Dame an der anderen Leitung bittet michKomma in den 4. Stock zu kommen, sie würde am Ende des Treppenaufgangs auf mich warten. Na toll, kein Aufzug, das fängt ja toll an.

Ich würde da eher in den "vierten Stock" schreiben. In literarischen Texten wirken nicht ausgeschriebene Zahlen immer wie hässlich stockende Mathematik.
Dieses "das fängt ja toll an" missfällt mir ein wenig. Vorher stockt ihr (oder ist es ein er - sorry, falls ich da was durcheinanderschmeiße) schon der Atem und nun nörgelt sie frustriert darüber ab, dass kein Aufzug da ist?

Als ich endlich im vierten Stock ankomme,[Komma weg] und sie begrüße[n fehlt] möchte, erkenne ich sie wieder. Sie ist die Frau auf dem Bild,[Komma weg] in meinem Traum.

Ich stoße mich an dem zweiten Satz. Ich kann Dir dafür in diesem Moment aber auch keine wohlklingendere Alternative formulieren.

Ich möchte gehen, kann aber plötzlich keine Treppen hinunter mehr sehen.

Klingt sperrig. Ich würde da eher schreiben "... aber plötzlich sind da keine Treppen mehr, die hinabführen." Oder so ähnlich halt.

Ich versucheKomma langsam Umrisse zu erkennen, die mir erklärenKomma wo ich bin.

Und aus den kurz darauf folgenden "Fließen" bitte "Fliesen" machen.

LG

 

Guten Abend daisyclaisy,

ich verstehe das nicht, und deswegen frag ich jetzt noch mal nach ... ob du es mir erklären kannst. Du stellst hier eine Geschichte ein; finde ich super. Die Geschichte ist gut ... Schulnote 2- ... hat Potential, könnte richtig gut sein. Dann melden sich hier ein paar Leute, die das erkennen (und damit meine ich gar nicht mich selbst, sondern die, die sich wirklich Mühe gegeben haben), das Potential, und versuchen dir zu helfen, "Spuk im Mietshaus" perfekt zu machen. Du hast alles auf dieser Seite, was du brauchst.

Warum tust du es nicht?

Gruß, Thomas

Wenn du natürlich grad am PC sitzt und an deiner Geschichte arbeitest, dann: Sorry.

 

Es fragt mich zwar keiner. Ich sag's aber trotzdem:

Ich kann schon verstehen, dass der / die Verfasserin das nicht sofort ändert. Es wirkt schon äußerst overflowing, wenn hier lattenweise Verbesserungsratschläge, mitunter recht energisch vorgetragen, auf einen einprasseln.

Ich selbst schieb den Text dann erst einmal tage-, mitunter aber auch wochenweise, weit von mir und versuche, mich auf die Schönheit des neu sprießenden Grüns (oder was auch immer!) zu konzentrieren. Danach liest sich der eigene Text oft ganz anders. Man fällt dann meist selbst (und zwar in hohem Bogen) über gewisse Stellen. Und irgendwie schämt man sich dann fast ein wenig (ich zumindest), dass man gewisse Geschichten hier einstellt. Ach, dass man sich hier überhaupt angemeldet hat ...

Ja, so ist das. Manchmal.

LG

P. S. Bei Bedarf einfach überlesen. Es brach so aus mir heraus.

 

Hola daisyclaisy,

es ist nur eine scheinbare Kleinigkeit, doch vielleicht gibt die Dir zu denken.

Die eigentliche Geschichte habe ich nicht gelesen, sondern einige Kommentare.
Da schreibst Du in Deiner Antwort an RinaWu:

Ich habe alle deine Vorschläge gelesen, und sehr viele davon auch umgeändert.

Du kannst die Vorschläge RinaWus nicht umändern.

Der nächste Satz:

Mir bleibe trotzdem bei " Ich versuche ...

und auch:
... was wir an der "weiten Ecke" nicht gefällt, ...

Liebe daisyclaisy, das sind drei Fehler in wenigen Zeilen – und deshalb schreibe ich Dir.
Du könntest die ohne viel Anstrengung selbst erkennen, doch wenn Du Deine Texte nicht kontrollierst, wird es immer wieder knirschen.

José

 

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