mareiss: Die Frau vom Weihnachtsmann
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05.08.2016, 12:07 #1
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Die Frau vom Weihnachtsmann
Hinter jedem großen Mann steht eine große Frau. Was den Weihnachtsmann angeht, so bin ich das. Ja. Ich bin die Frau vom Weihnachtsmann.
Sie glauben das nicht, weil Sie schon längst den Glauben an den Weihnachtsmann verloren haben? Nun, dann haben wir ein Problem. Wenn es den Weihnachtsmann nämlich nicht gibt, dann hat er auch keine Frau und dann gibt es mich auch nicht. Aber ich bin Realität und 1979 als Frau vom Weihnachtsmann standesamtlich genehmigt und beurkundet. Das war kurz nach Weihnachten in Oberursel bei Frankfurt. Klar hab ich das schriftlich, was denken Sie denn? Ich würde doch nicht in wilder Ehe mit einem Weihnachtsmann leben und das auch noch freiwillig zugeben.
Aha, jetzt kommen wir weiter. Sie fangen an zu grübeln. Kein Grund zur Panik. Die Geschichte ist ganz einfach. Um sie zu erzählen, müssen wir jedoch weit zurück in meine ersten Kinderjahre.
Damals kam der Weihnachtsmann jedes Jahr zu uns. Eine hoch aufgeschossene, männliche Gestalt mit einem jugendlichen Gesicht und einem weißen Wattebart. Dass er keinen Bauch hatte, wie es sich eigentlich für den Weihnachtsmann gehört, machte uns Kindern nichts aus. Allein der Bart und der rote Bademantel reichten als Legitimation. Wenn wir alle ehrfürchtig unsere Gedichte aufgesagt hatten, wurde es gemütlich. Der Weihnachtsmann setzte sich in die Familienrunde. Als einzigem Mädchen unter lauter Brüdern kam mir die Ehre zu, auf seinen Knien zu sitzen und an seinem Bart zu zupfen. Ich fand schon in diesem zarten Alter, dass die Knie des Weihnachtsmannes ein guter Platz für ein Mädchen sind.
Meine Brüder beneideten mich um dieses alljährliche Privileg. Doch allzu lange dauerte es eh nicht. Irgendwann fingen wir Kinder an, über die wahre Identität des weihnachtlichen Besuches nachzudenken. Unter uns Geschwistern herrschte seltene Einigkeit darüber, dass Onkel Herbert nicht in Frage kam. Der war kleiner. Und – wie das im Leben so spielt – in dem Moment, in dem man Dinge hinterfragt, werden sie Vergangenheit. Der Weihnachtsmann kam nicht mehr. Wir vergaßen die ganze Sache.
Als ich viele Jahre später, im Dezember 1979, mit meinem frisch Angetrauten das Standesamt in Oberursel verlasse, sagt er zu mir: "Du hast früher immer zu Weihnachten auf meinen Knien gesessen und mich schon damals so nett angehimmelt."Geändert von mareiss (07.08.2016 um 10:44 Uhr)
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05.08.2016, 12:15 #2
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Hallo Mareiss!
Mal abgesehen davon, dass die Geschichte nicht viel hergibt: Dir ist schon klar, dass die Geschichte einen arg pädophilen Beigeschmack hat, oder?
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05.08.2016, 12:38 #3
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Der beste Satz in deiner kryptischen Kurzprosa, denn als Kurzgeschichte empfinde ich sie nicht, lautet: Wenn man etwas zu hinterfragen beginnt, wird es Vergangenheit. Den fand ich gut, der Text hat mich nicht beruehrt.
LG, Manuela
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05.08.2016, 13:05 #4
@Andrea H.
Na und? Es ist eine Geschichte. Und welches Thema, wenn nicht Pädophilie hat es verdient, dass man mal offen darüber redet, anstatt es totzuschweigen? Aber das soll jetzt auch keine Debatte werden. Zumal es nicht mal wirklich etwas mit Pädophilie zutun hat. Es gibt ja haufenweise Beziehungen, in denen es einen derartigen Altersunterschied gibt, wo zu einem Zeitpunkt einer noch ein Kind war, als der Andere schon erwachsen war.Dir ist schon klar, dass die Geschichte einen arg pädophilen Beigeschmack hat, oder?
Hallo mareiss und willkommen hier bei den Wortkriegern!
Könntest du vielleicht etwas dazu sagen:Ist das ein Kurzgeschichtenband oder ein Roman? Wenn es ein Roman ist, gehört es auch in das entsprechende Forum.(Manuskript-Auszug aus "Pfarrhaus-Geschichten"
Ich habe deine Geschichte gerne gelesen und die Idee fand ich originell. Ich denke auch, dass der Auszug, den du hier präsentierst, gut als Kurzgeschichte funktioniert.
Als das Mädchen sich auf den Schoß des Weihnachtsmann setzt, vermisse ich eine Interaktion, eine genauere Darstellung ihrer ersten Begegnung, da sie ja, wenn sie erwachsen wird, heiraten. Hier die Stelle:Vielleicht einen Dialog einbauen?Als einzigem Mädchen unter lauter Brüdern kam mir die Ehre zu, auf seinen Knien zu sitzen und an seinem Bart zu zupfen. Ich fand schon in diesem zarten Alter, dass die Knie des Weihnachtsmannes ein guter Platz für ein kleines Mädchen sind.
Deine Sprache hat mir gut gefallen, sie hat stellenweise eine schöne Melodie, z.B. hier:Den letzten SatzBevor ich vom Leben im Pfarrhaus erzähle, sollten Sie wissen, wie das alles begann. Dazu muss ich ein wohl gehütetes Geheimnis lüften: Ich bin die Frau vom Weihnachtsmannfinde ich übrigens gut gewählt und gibt erwas zu denken in Bezug zu Machtverhältnissen in manchen Beziehungen (Beziehung zur Steigerung des Egos?)."Du hast früher immer zu Weihnachten auf meinen Knien gesessen. Es war hinreißend, wie Du mich angehimmelt hast.“
Viele Grüße,
FunkenschlagGeändert von Funkenschlag (05.08.2016 um 13:11 Uhr)
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05.08.2016, 13:33 #5
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Ja, nur wird das Pädophile hier überhaupt nicht problematisiert, sondern zu einer witzigen, harmlosen Pointe gemacht und das stört mich sehr. Klar gibt es viele Beziehungen mit großem Altersunterschied, aber wenn ein junger Mann es "hinreißend" findet, wenn ein kleines Mädchen ihn anhimmelt, dann find ich das schon alarmierend. Außer der späteren Heirat gibt es eine sehr eindeutige Textstelle, die darauf hinweist, dass da von Beginn an eine erotische Komponente dabei ist.
Nur das kleine Mädchen darf auf seinem Knie sitzen, die Brüder nicht. Und das Knie eines Mannes ist ein guter Platz für ein kleines Mädchen.Als einzigem Mädchen unter lauter Brüdern kam mir die Ehre zu, auf seinen Knien zu sitzen und an seinem Bart zu zupfen. Ich fand schon in diesem zarten Alter, dass die Knie des Weihnachtsmannes ein guter Platz für ein kleines Mädchen sind.
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05.08.2016, 14:11 #6
@Andrea H.
Ich verstehe ja, dass es dich stört, aber ich denke nicht, dass man es nicht so machen oder gar verbieten sollte. Kinder sind nunmal (ob man es wahrhaben möchte oder nicht) auch sexuelle Wesen (auf eine gewisse Art). Und da es eines der größten Tabuthemen unserer derzeitigen Gesellschaft ist, ist es eben die meist verbreitete Reaktion, es unangenehm zu finden.Ja, nur wird das Pädophile hier überhaupt nicht problematisiert, sondern zu einer witzigen, harmlosen Pointe gemacht und das stört mich sehr
Ich denke allerdings nicht, dass man es sofort problematisieren oder den Moralhammer schwingen muss. Das würde auch nicht zur Geschichte passen.
Ich will nicht abstreiten, dass diese Untertöne vorhanden sind, aber wieso gleich alarmierend? Die Tochter einer Nachbarin von mir hat mit fünf auch Robbie Williams verehrt. Es auf gewisse Weise hat es etwas sexuelles, aber auf eine komplett harmlose Art. Und ich denke, Robbie Williams fand das bestimmt ebenfalls hinreißend, dass viele kleine Mädchen ihn verehrt haben (und das muss nicht sexuell sein).aber wenn ein junger Mann es "hinreißend" findet, wenn ein kleines Mädchen ihn anhimmelt, dann find ich das schon alarmierend.
Natürlich hat es erotische Komponenten. Sie hat sich ja dort in ihn verliebt (da er der Weihnachtsmann ist). Aber körperlich sexuell wurde es erst, als beide erwachsen waren, also sehe ich das Problem nicht.Außer der späteren Heirat gibt es eine sehr eindeutige Textstelle, die darauf hinweist, dass da von Beginn an eine erotische Komponente dabei ist.
Willst du damit sagen, dass Kinder es nicht großartig finden dürfen, auf den Knien des Weihnachtsmanns zu sitzen?Und das Knie eines Mannes ist ein guter Platz für ein kleines Mädchen.
Bitte @mareiss ändere deinen Text nicht gleich, nur weil einige es unangenehm finden.
Viele Grüße,
FunkenschlagGeändert von Funkenschlag (05.08.2016 um 14:25 Uhr)
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05.08.2016, 15:26 #7
Au weia,
ich war bisher immer davon ausgegangen, dass der Weihnachtsmann nur zu Kindern (und einigen kindlich gebliebenen Erwachsenen) kommt. Dass er deshalb pädophil ist, war mir noch nicht bewusst gewesen. Dass das Sitzen auf den Knien des Weihnachtsmannes - in den Kaufhäusern der USA meines Wissens heute noch üblich - als erotische Handlung angesehen wird, erstaunt mich doch. Pädophile Handlungen sind übrigens sexuelle Handlungen und nicht unbedingt erotisch. Deshalb passt es auch nicht recht zu dem angenommenen pädophilen Bezug, dass nur ein Kind auf den Knien des Weihnachtsmannes sitzen darf und das auch nur einmal im Jahr.
Nach den wenigen Textangaben könnte es sich um einen pädophilen Mann, der auf Kinder im Alter von fünf bis sechs Jahren fixiert ist, handeln. Dazu würde passen, dass er plötzlich nicht mehr erscheint: Das Mädchen ist zu alt geworden und damit uninteressant. Aber dass der Weihnachtsmann am Ende sagt:also das passt gar nicht zu einem Pädophilen. Der würde einen weiten Bogen um die erwachsene Frau machen.Du hast früher immer zu Weihnachten auf meinen Knien gesessen. Es war hinreißend, wie Du mich angehimmelt hast.
Fazit: Honi soit qui mal y pense.
Liebe Grüße
Jobär
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05.08.2016, 15:40 #8
Danke, es handelt sich um einen kurzen Text von vielen aus meinem Manuskript. Ich bin hier so neu, dass ich mich erst einmal in die Technik des Antwortens hineinfinden muss. Ich schau mal, ob es klappt. LG, mareiss
Hallo @ Andreas H. und alle, die etwas zu meinem Text gesagt haben. Ich muss mich hier als digital learner erst einmal zurecht finden. Danke für die Kritik, besonders die zum "Beigeschmack" Ich werde noch einmal darüber nachdenken. Was den Text angeht, so ist es eine Geschichte aus meinem Buch "Ostern mitten im September", das ich an diesem Wochenende zu BoD hochladen werde. Das muss so schnell gehen, weil ich Anfang Oktober zu der ersten Lesung meines Lebens eingeladen bin. Wäre ja schön, wenn ich zu dieser Gelegenheit die fertigen Bücher mitnehmen könnte.
Das Buch handelt von einer Dekade meines turbulenten Lebens. Ich war vor gut 30 Jahren mit einem inzwischen verstorbenen Pfarrer verheiratet. Von Haus aus ohne den christlich-kirchlichen Schliff, wie er von der Frau eines Pfarrers erwartet wird, habe ich mich damals ziemlich blauäugig, dafür aber mit pragmatischem Elan und fröhlicher Unbekümmertheit ans Werk gemacht. So hatte ich z.B. einem kleinen Wanderzirkus, der in unserer Gemeinde sein Winterquartier aufgeschlagen hatte, zu einem Auftritt im Gemeindesaal verholfen. Besondere Attraktion war damals, dass der Zirkus ein Trampeltier mitbrachte. Das übrigens rechnen konnte! Aber auch das ist nur eine von den vielen oftmals skurrilen Geschichten aus dem Innenleben eines Pfarrhauses.Geändert von GoMusic (05.08.2016 um 17:06 Uhr) Grund: Bitte zeitnahe Antworten zusammenfassen
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Ja, das kann man hier wohl sagen.
Die Geschichte ist etwas ungeschickt erzählt. Sich an den Leser direkt zu wenden und quasi Zwiegespräch mit ihm zu führen ist selten gut, aber weil sie mit Humor getagged ist, wirkt die augenzwinkernde Nähe weniger peinlich. Um echte Nähe zu erzeugen, wäre es besser, auch was vom Gefühlsleben der Ich-Erzählerin zu erfahren. Aber da werden leider nur Äußerlichkeiten erzählt bzw. es wird davon berichtet.
Ein Bericht, mareiss, ist ein Bericht und keine Kurzgeschichte, die einen gewöhnlich ins Geschehen eintauchen lässt. Wenn sie gut geschrieben ist. Das kann man hier leider nicht sagen. Es ist zum Beispiel unglaubwürdig, dass sich der Bräutigam erst ganz am Ende offenbart. Das wirkt zu gewollt, auf Pointe hin geschrieben.
Ich hoffe, deine nächsten Geschichten aus dem Pfarrhaus werden besser, weil ich schon immer wissen wollte, was da wirklich vor sich geht.
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05.08.2016, 16:24 #10
Ich sollte vielleicht noch etwas erklären: Bisher habe ich nur fachwissenschaftliche Arikel geschrieben. Meinen Einstieg in die Belletristik habe ich Anfang dieses Jahres mit einer "kryptischen Kurzprosa" (@Manuela: der Begriff gefällt mir) bei der LiteraturAG des Braunschweigischen Landes in Form einer Autoren-Visitenkarte gewonnen. Diese Karten werden alljährlich an 10 Braunschweiger Autoren verlost. Die AG hat mich daraufhin zu einer Lesung eingeladen, obwohl meine Geschichten noch nicht veröffentlicht sind. Aber vielleicht, vielleicht werden sie es ja bis dahin sein.
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05.08.2016, 17:19 #11
Die Autorin schrieb zum Text:
Solche Anmerkungen, die nicht zur eigentlichen Geschichte gehören, bitte immer im Extra-Post unterhalb des Textes.Manuskript-Auszug aus "Pfarrhaus-Geschichten"
Willkommen hier, @mareiss
Gerne gebe ich dir ein paar Hinweise.
Zunächst habe ich den Teil oben aus der Geschichte herausgenommen, da ins Geschichtenfenster nur der Inhalt der Geschichte gehört.
Dann habe ich noch zwei deiner zeitnahen Kommentare zu einem zusammengefasst. Für jeden Kommentar muss nicht eine eigene Antwort geschrieben werden, sonst bläht das alles zu sehr auf.
Dann habe ich gesehen, dass du nicht so sehr auf die Kommentare eingehst, sondern fast ausschließlich von deinem Buch erzählst, von einer anderen Geschichte mit einem Trampeltier, von deiner Literatur-AG usw. Alles interessante Dinge, die aber nichts mit deiner Geschichte an sich zu tun haben.
Bitte nutze in Zukunft die Felder in deinem Profil, wo du gerne deinen Werdegang etc. aufführen kannst. Dafür ist das Profil gedacht.
Werbung für Bücher ist auch nicht gerne in den Kommentaren gesehen. Die kannst du auch gerne in deinem Profil nennen, aber nicht unterhalb deiner Geschichten.
Soweit zum Formellen.
Wenn dein Text hier eine abgeschlossene Geschichte sein soll, wäre dieser Einstieg m.E. unpassend. Denn die Story über die Frau des Weihnachtsmannes hat ja nichts zu tun mit dem Leben im Pfarrhaus.
Du kannst deine Geschichte übrigens mit dem „bearbeiten“ -Knopf ändern, falls du diese Funktion noch nicht gefunden haben solltest.
Solltest du noch Fragen haben, kannst du gerne eine persönliche Nachricht an einen Moderator schicken. Wir helfen gerne.
Ich wünsche dir noch viel Spaß hier.
Beste Grüße,
GoMusic
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05.08.2016, 17:59 #12
Danke @GoMusic. Inzwischen habe ich mich ein wenig bei den anderen Beiträgen eingelesen und bin nicht sicher, ob ich mit meiner Vorliebe für Anekdoten in diesem Forum richtig bin. Das habe ich heute schon aus den Kommentaren der Wortkrieger gelernt. Dafür vielen Dank an alle. Wenn ich darf, bleibe ich noch ein bisschen, um noch mehr zu lernen, besonders auch wie man die Zitieren-Funktion benutzt.
Zitat: Wenn dein Text hier eine abgeschlossene Geschichte sein soll, wäre dieser Einstieg m.E. unpassend. Denn die Story über die Frau des Weihnachtsmannes hat ja nichts zu tun mit dem Leben im Pfarrhaus.
Stimmt, der Zusammenhang ergibt sich aus dem der Geschichte vorausgehenden Text. Ich hätte den ersten Absatz weglassen müssen, wenn sie alleine stehen soll.
Viele Grüße, mareissGeändert von mareiss (05.08.2016 um 20:06 Uhr)
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05.08.2016, 19:10 #13
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Mir fiele jetzt kein Argument ein, warum man solches anders als unangenehm empfinden sollte.Und da es eines der größten Tabuthemen unserer derzeitigen Gesellschaft ist, ist es eben die meist verbreitete Reaktion, es unangenehm zu finden.
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05.08.2016, 20:09 #14
@Manuela K.
Solange die Gefühlslage des Unangenehmen nicht beeinflusst, ob und wie man über ein bestimmtes Thema spricht (es z.B. zensiert/verbietet/totschweigt usw.), ist es auch egal. Aber genau da liegt für mich das Problem. Jetzt z.B. hier: @Andrea H. hat diese Textstellen, als unangenehm empfunden, also schreibt sie einen Kommentar und gibt ihre Bedenken bezüglich diesem Thema zum Ausdruck. Dies könnte möglicherweise zur Folge haben, dass der Verfasser des Textes sich daraufhin selbstzensiert oder sie andere Leser (die sich über derartiges noch keine starke Meinung gebildet haben) dazu bringst, zu denken, dass solche Inhalte in Texten nicht okay sind.Mir fiele jetzt kein Argument ein, warum man solches anders als unangenehm empfinden sollte.
Aber was ist jetzt mit dem Thema "Pädophilie" oder ähnlichen Tabuthemen? Es auf ewig zu verdammen, ist wahrscheinlich nicht die richtige Lösung, da es ein reales Problem ist und viele Pädophile enorm in unserer Gesellschaft zu leiden haben, obwohl die Meisten harmlos sind und nichts dafür können. Wegen dieser Tabusituation trauen sich viele Erwachsene nicht in die Nähe von fremden unbeaufsichtigten Kindern zu gehen oder sich mit ihnen normal zu unterhalten, wegen der Angst als ein Pädophiler zu wirken. Aber ist das wirklich richtig so? Wer weiß, aber wenn wir vor solchen Themen (und das waren jetzt nur ein paar Beispiele) zurückschrecken, nur weil wir sie als unangenehm empfinden, dann werden wir keine Antworten dazu finden und es wird sich in dieser Hinsicht nie etwas ändern, und das wäre, wie ich finde, schade.
Liebe Grüße,
FunkenschlagGeändert von Funkenschlag (05.08.2016 um 20:41 Uhr)
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05.08.2016, 20:46 #15
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Hallo Mareiss!
Es geht nicht darum, über derartige Themen schreiben zu dürfen oder nicht. Selbstverständlich darf man das. Ich selbst habe hier einen Text eingestellt, der väterliche Pädophilie beinhaltet. Es geht vielmehr darum, wie man sich diesem Thema annähert. In deinem Text wird dieses Thema nicht kritisch beleuchtet, sondern - im bereits von Andrea zitierten Satz - als normal, ja, geradezu idealisiert dargestellt.
Auch so etwas kann man machen, aber dann muss dies aus der Perspektive des Täters erfolgen, nicht aus der des Opfers.
Das war etwas ganz Allgemeines zu diesem Thema. Ich finde deinen Text nicht abstoßend, aber auch für mich ist dessen Aussage unscharf formuliert. Wenn man will, kann man deine Kurzprosa durchaus als pro-pädophil interpretieren.Geändert von Manuela K. (05.08.2016 um 21:27 Uhr)



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