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Agnes

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Agnes

Münzen aus Silber und Gold. Edelsteine in allen erdenklichen Farben. Glänzende Schmuckstücke. Der Schatz funkelte im Sonnenlicht, das durch die Öffnung in der Decke der Felskammer fiel. Staub schwebte durch die kalte Luft. Die beiden Männer hatten bereits zwei Beutel gefüllt.
„Beeil dich“, sagte einer der beiden, während er einen weiteren Beutel aufhielt. Seine Hände zitterten trotz Handschuhen und Fellmantel.
„Kein Panik“, antwortete der andere Mann, als er erneut in den Schatz griff. „Er wird schon noch ne Weile …“
Die Kammer wurde dunkel. Beide Männer sahen nach oben. Fast die gesamte Öffnung wurde durch die purpurne Bestie versperrt. Regungslos blickte sie aus gelben, kühlen Augen auf sie herab.
Das Ungetüm fauchte. Der Beutel fiel zu Boden, unter einem der Mäntel bildete sich eine gelbe Pfütze. Ein Geruch von Schwefel lag in der Luft. Rote Flammen schossen ihnen entgegen.

„Bist du dir sicher, dass du jetzt noch los möchtest?“, fragte ihr Mann. „Die Dämmerung setzt bald ein, du kannst auch morgen früh zur Kirche.“
„Noch ein wenig frische Luft und Sonne werden uns gut tun“, erwiderte Agnes und legte ihre Hand auf den beginnenden Babybauch. „Hilfst du mir?“
Er nahm den Fellmantel vom Haken neben der Eingangstür und half ihr hinein. „Aber bleib nicht zu lange, die Wölfe kommen immer früher raus.“
„Jawoll“, sagte sie lächelnd, knöpfte den Mantel zu und gab ihm einen Kuss. „Wir werden pünktlich zum Abendessen wieder hier sein.“
„Ach, wusste gar nicht, dass ich dran bin. Da seid ihr beiden euch wohl einig?“ Er streichelte sanft über ihren Bauch, bevor er die Tür öffnete. Kalte Luft drang in die Hütte.
„So ist es“, meinte Agnes und machte sich auf den Weg durch die verschneiten Gassen.

Agnes genoss die Stille und den leicht würzigen Geruch des Weihrauchs, als sie auf einer der Kirchenbänke saß. Mit geschlossenen Augen und gefalteten Händen flüsterte sie ihr Gebet an Veta, den Gott des Lebens. Bis die Schreie begannen.
Sie riss die Augen auf und sah zu der geschlossenen Kirchentür. Niemand sonst war hier. Der Lärm kam aus dem Dorf, unterhalb der Anhöhe, auf der sich die Kirche befand. Während sie aufstand legte sie wieder die Hand auf den Bauch.
Sie stieß die schwere Holztür auf und lief hinaus. In der einsetzenden Dämmerung standen bereits einige Hütten in Flammen. Der Drache flog einen Bogen und steuerte erneut auf das Dorf zu. Die purpurne Haut schimmerte in der Abendsonne. Einige Bewohner hatten ihre Waffen geholt, Bögen und Speere. Eine Feuerlanze drang aus dem fauchenden Maul, setzte weitere Hütten und Menschen in Flammen. Die Pfeile und geworfenen Speere gingen ins Leere, sie konnten dieser Naturgewalt nichts entgegensetzen.
Agnes begann zu zittern, kniete sich in den Schnee und schloss die Augen. Betete, und erinnerte sich.

Vom Waldrand aus sah Agnes verschwommen das brennende Dorf. Tränen liefen ihre Wangen hinab. Sie wollte nach ihren Eltern rufen, nach ihnen suchen, aber traute sich nicht. Da landete der purpurne Drache nur wenige Meter entfernt. Blickte sie an und neigte den Kopf leicht zur Seite. Trotz ihrer jungen Jahre und der Angst hielt sie dem Blick stand. Bis das Ungetüm das Maul öffnete, fauchte und davon flog.

Die letzten Schmerzensschreie verstummten. Auch auf der Anhöhe spürte sie die Hitze des Drachenfeuers, roch verbranntes Holz und Fleisch. Die Überreste des Dorfes loderten in der beginnenden Dunkelheit. Wer hatte diesen Angriff provoziert?
Ein letztes Mal flog der Drache über das Dorf und sah in ihre Richtung. Auch diesmal hielt sie dem Blick stand, bis er abdrehte und zum Felsengebirge flog.
Agnes stand auf und ging in die Kirche, ohne zurückzublicken.

Die ersten Sonnenstrahlen weckten sie, als sie durch das verstaubte Fenster neben dem Bett schienen. Vögel zwitscherten nicht weit entfernt. Die Illusion einer friedlichen Welt.
Agnes richtete sich auf und erinnerte sich an die Albträume. Die Drachenangriffe, in ihrer Kindheit und gestern, immer wieder. Jedes Mal, wenn sie schweißgebadet aufgewacht war, wurde die Distanz größer. Als würden ihre Erinnerungen zu den Erlebnissen einer fremden Person, die sie mit sich trug.
Ihr Magen schmerzte, der stechende Geruch von Erbrochenem lag in der Luft. Vorsichtig stand sie auf, um nicht hineinzutreten. Die kleine Wohnung des Priesters, im hinteren Teil der Kirche, war spartanisch eingerichtet. Sie fand eine Tasche, die sie auf den Rücken schnallen konnte, und begann, sie mit Vorräten zu füllen. Hinter einer Tür fand sie einen kleinen Abstellbereich. Darin befanden sich einige Brote, außerdem Butter, Käse und Milch. Ein kleines Fenster sorgte für die nötige Kühlung.
Nachdem sie auch Teller, Tasse, Besteck und ein größeres Küchenmesser eingepackt hatte, zog sie den Fellmantel an und ging zur Hintertür. In den Dörfern gibt es keine Sicherheit mehr, dachte sie, als sie die Kirche verließ. Es hatte begonnen, leicht zu schneien.

Die Ruinen des Dorfes lagen unter einer dünnen Schneedecke. Feuer und Rauch waren erstickt. Jemand saß am Rand der zerstörten Siedlung. Als sie näher kam, erkannte sie Tedor, den Sohn des Priesters. Seine kurzen, blonden Haare waren zerzaust und vom Schnee bedeckt. Er blickte apathisch auf die Überreste seiner Heimat. Die Tränen waren bereits getrocknet.
Sie trat neben ihn, betrachtete ebenfalls die Zerstörung. Nach einigen Minuten sah sie ihn an, legte eine Hand auf seine Schulter. „Komm. Hier gibt es nichts mehr.“ Als er nicht reagierte, griff sie unter seine Achseln und zog ihn auf die Beine. Mit dem gleichen leeren Blick wie zuvor sah er zu ihr auf, dann wieder zum Dorf. Aber er blieb stehen.
„Komm“, sagte sie erneut und legte die Hand an seinen Rücken, führte ihn mit sich, in Richtung des Felsengebirges.

Sie folgten dem Pfad von Veta. Er führte hinauf in das Gebirge, entlang der heilenden Quellen und auf der anderen Seite hinab zu den Moorlandschaften der Wassernomaden. Als die Sonne hoch am Himmel stand, rasteten sie. Sie fand eine kleine Höhle, die sie vor dem Wind schützte. Es hatte aufgehört zu schneien.
Tedor war im Abstand von wenigen Metern hinter ihr her gegangen. Er hatte nicht gesprochen, aber zumindest begann er, sich ab und zu umzusehen.
„Setz dich“, sagte sie und schnallte die Tasche ab. Sie nahm Brot und Käse heraus und teilte die Ration mit Tedor. „Iss. Du wirst deine Kraft noch brauchen. Wir kommen bald zu den Quellen, dort können wir trinken.“
Er betrachtete die Nahrung, die sie vor ihn gelegt hatte, rührte sie jedoch nicht an.
„Ich werde dich nicht füttern, entscheide selbst“, ergänzte sie und begann zu essen. Sie füllte die Tasse mit Milch und hielt sie dem Jungen hin, aber wieder reagierte er nicht.
Als sie dabei war, alles wieder in die Tasche zu packen, sprach Tedor zum ersten Mal. „Wohin gehen wir?“
Überrascht sah sie auf, er blickte sie mit seinen blauen Augen an. „Ich hoffe, den Pfad von Fegnis zu finden. Der Weg des Feuers, zum Dach der Welt.“
Tedor schwieg einige Sekunden. „Zum Drachen. Du willst zum Drachen.“
„Ja. Hier unten gibt es keine Sicherheit, es gibt noch zu viele von ihnen.“
„Meine Mutter hat mir mal davon erzählt, bevor sie …“ Tränen rannen seine Wangen hinab. Er wischte sie weg, versuchte sich zu fassen. „Das Bündnis der Mütter, zwischen Mensch und Drache. Aber es ist ein Mythos, oder nicht?“
„Wir werden sehen.“

Sie konnte das Plätschern der Quellen bereits hören. Wenige Minuten später erreichten sie ein Plateau, nicht weit vom steinernen Weg entfernt begann der See. Er führte in eine große Höhle, verschwand dort in der Finsternis. Im Abstand von mehreren Metern sprudelten die Quellen hervor.
„Trink, es wird dir gut tun“, sagte sie, als sie erneut die Tasche abnahm. Bevor sie selbst trank, betrachtete sie sich auf der blauen Wasseroberfläche, die wie ein Spiegel wirkte. Die helle Haut, die schwarzen Haare, zu einem Zopf geflochten. Sie erkannte die Frau, Agnes, die mit ihr im gleichen Körper lebte. Aber sie würde sie nicht mehr zu sich lassen, so naiv und verletzlich, wie sie war.
Nachdem sie vom Wasser getrunken hatte und die belebende Wirkung spürte, füllte sie die beiden ledernen Wasserschläuche, die sie ebenfalls in der Wohnung des Priesters gefunden hatte.
„Nach einer Überlieferung führt der Weg von Veta durch das Wasser zu Fegnis Pfad des Feuers“, erklärte sie, als sie in Richtung des Sees und der Höhle blickte. „Du wirst dich entscheiden müssen, ob du mir folgst oder deinen eigenen Weg gehst.“

Tedor und sie hielten die Tasche über Wasser, als sie sich von der Strömung des Sees ins Innere des Berges ziehen ließen. Trotz der Finsternis fühlten sie sich beschützt, umgeben vom warmen Wasser, das sie behutsam führte. Sie hatten ihr Zeitgefühl verloren, irgendwann wurde es jedoch wieder heller. Sie steuerten auf eine Kammer zu, legten die Tasche auf den felsigen Boden und kletterten an Land.
Sie blickte sich um, der riesige Innenraum lief nach oben wie ein Trichter zusammen. Weit über ihnen kamen Sonnenlicht und Schneeflocken durch eine Öffnung. Zerschmetterte Skelette säumten den Boden. Am Rand der Kammer befand sich ein steinerner Weg, der an der Wand entlang wie eine endlose Spirale nach oben führte.
„Wer hat das hier gebaut?“, wollte Tedor wissen.
„Ich weiß es nicht, aber in den frühen Zeitaltern haben noch ganz andere Geschöpfe diese Welt bewohnt und den Drachen gedient.“ Sie schnallte sich die Tasche um und ging zu dem hinauf führenden Weg. „Lass uns gehen.“

Ihre Tochter sah sie an und lächelte. Es war das Lächeln eines Totenkopfes, sie bestand nur noch aus Haut und Knochen. „Ich möchte leben. Warum lässt du mich sterben?“
Sie konnte nicht antworten, der Mund war wie zugenäht. Tränen füllten ihre Augen.
Das Gesicht ihrer Tochter wurde zu einer Fratze. „Ich will leben“, schrie sie.


Sie wachte schweißgebadet auf und sah sich um. Es war die zweite Nacht auf dem endlosen, schmalen Weg, durch das Mondlicht über ihr konnte sie zumindest Umrisse erkennen. Die Vorräte waren fast aufgebraucht, sie hatten jedoch gerade erst die Hälfte geschafft. „Ich werde dich nicht sterben lassen“, flüsterte sie und streichelte mit der Hand über ihren Bauch.
Sie nahm das große Küchenmesser aus der Tasche und sah Tedor einige Minuten an, neigte den Kopf zur Seite. Auch er schwitzte und murmelte im Schlaf vor sich hin. „Dein Leben für das meiner Tochter“, sagte sie und stach ihm das Messer in den Hals. Blut spritzte aus der Wunde, als sie es herauszog. Tedor drückte die Hände auf den Schwall, strampelte mit den Beinen. Sein ganzer Körper bebte, aber es wurde weniger, immer weniger, bis er still liegen blieb. Seine Augen starrten sie im Mondlicht anklagend an. Sie brauchte Nahrung und machte sich mit dem Küchenmesser an die Arbeit.

Das Sonnenlicht ließ ihre Augen schmerzen und tränen. Gesicht und Hände waren von getrocknetem Blut bedeckt. Sie blickte sich um, konnte die Welt überblicken. Die tieferen, schneebedeckten Berge. Im Tal zur einen Seite die Moorlandschaften, zur anderen die Wiesen und Wälder, wo ihre Heimat gewesen war. Unter der Schneedecke waren die Überreste des Dorfes schon nicht mehr zu erkennen.
Nicht weit entfernt sah sie den Eingang einer Höhle, die in den Gipfel des Berges führte. Bevor sie eintrat, suchte sie den Himmel ab, nur vereinzelte Schleierwolken waren zu sehen.

Es dauerte nicht lange, bis die Höhle in eine große Felskammer führte. Unter der Öffnung in der Decke befand sich der Schatz, dessen Legende schon so viel Leid gebracht hatte. Jeder Diebstahl oder nur der Versuch wurde erbarmungslos bestraft.
Sie sah sich um und entdeckte am Rand der Kammer vier Dracheneier. Mit blutigen Händen berührte sie sie, als wäre sie blind und wollte ihre Form ertasten. Das größte Ei nahm sie mit und setze sich im Schneidersitz unter die Öffnung. Eine Hand berührte das Ei, die andere ihren Bauch. Sie wartete und betete zu Veta.

Es wurde finster. Sie öffnete die Augen und blickte nach oben. Der purpurne Drache sah sie und das Drachenei an, die gelben Augen weit geöffnet. Abwägend.
Sie durfte dem Blick auch diesmal nicht ausweichen, nicht einmal blinzeln. Aber jemand versuchte sie zu stören. Agnes. Ihre Angst drang zu ihr durch, ließ sie erzittern. Sie streichelte mit der Hand ihren Bauch. Es war nun ihr Kind, niemand würde sich dazwischen stellen. Während sie dem Drachen weiter in die Augen blickte, drängte sie Agnes zurück. Stellte sich einen Raum vor, in den sie sie schubste und einschloss. Versuchte, ihre Schreie zu ignorieren.
Das Ungetüm schwebte mit ausgestreckten Flügeln herab und kam mit seinem Kopf ganz nah an ihren. Beide hielten den Blick, Minuten vergingen, bis der Drache die Augen zumachte und das Haupt senkte. Sie lehnte den Kopf an seinen und schloss ebenfalls die Lider.

„Sollen wir nicht doch besser umkehren?“, fragte einer der beiden Männer.
„Warum? Es ist schon seit Jahren kein Drache mehr gesehen worden, also stell dich mal nicht so an. Wer weiß, vielleicht finden wir ja was. Ich bin bestimmt nicht hier rauf gekommen, um direkt wieder abzuhauen.“
Als sie sich der Höhle näherten, erschien ein Mädchen im Eingang. Mit heller Haut und schwarzen Haaren, zu einem Zopf geflochten. Sie lächelte die Männer an und verschwand in der Dunkelheit.
„Hey, warte“, rief einer der beiden, bevor sie hinterherliefen.
Sie erreichten die Kammer und blieben mit offenen Mündern stehen, als sie den Schatz sahen. „Heiliger Veta!“
Das Mädchen stand am Rand der Kammer, noch immer lächelnd.
„Du hast ja bestimmt nichts dagegen, wenn wir uns ein wenig bedienen, oder?“, fragte einer der beiden, während sie sich den Reichtümern näherten. „Wohnst du hier? Wo sind deine Eltern?“
Das Lächeln des Mädchens verschwand. „Sie sind tot. So wie ihr.“
Vier kleine Drachen flogen in die Höhle, bevor es dunkel wurde. Noch ehe die Männer wussten, was passierte, hüllten gleißende Flammen sie von allen Seiten ein.
"Ich habe keinen Namen", war das Letzte, was sie hörten.
 
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Hi @Rob F!

Eine gut geschriebene, geheimnisvolle Fantasy-Geschichte - cool! Sprachlich finde ich das ziemlich gut - habe circa null Tippser entdeckt. Hier und da finde ich den Ton etwas zu nüchtern, zu ruhig, für die Handlung - das gilt vor allem für die Dorf-Vernichtung und den Tod des Jungen. Ich finde, da dürftest du ruhig auch etwas mehr Tempo und etwas mehr Emotionen reinholen.

Etwas tricky fand ich die Konstruktion: Verstehe ich dich richtig, dass der erste und der letzte Absatz eine Klammer bilden, eine Episode in der erzählten Gegenwart, in die dann die komplette Geschichte eingebettet ist? Grundsätzlich bin ich mir sicher, dass das funktioniert, ich muss aber gestehen, so richtig gecheckt habe ich es erst beim zweiten Lesen. Eventuell würde es hier helfen, wenn du die Absätze einfach typografisch unterscheidest - alles kursiv setzen oder so.

Alles in allem: Gern gelesen - obwohl ich mich in Fantasy wenig auskenne -, ein paar schöne Bilder gefunden, Fantasy mit einem ziemlich düsteren Touch. Danke!

Grüße aus der Hitze und so

Christophe
 
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09.12.2019
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Hi @Christophe ,

gerade wenn du sonst eher nicht bei Fantasy-Geschichten unterwegs bist, freut es mich sehr, wenn du den Text unterhaltsam fandest. Ein wenig Drachenfeuer, passend zur Hitze ... :xxlmad:

Hier und da finde ich den Ton etwas zu nüchtern, zu ruhig, für die Handlung - das gilt vor allem für die Dorf-Vernichtung und den Tod des Jungen. Ich finde, da dürftest du ruhig auch etwas mehr Tempo und etwas mehr Emotionen reinholen.
Ich muss mir wahrscheinlich mal eine Geschichte raussuchen, bei der so etwas dramatischer und emotionaler beschrieben wird, fällt mir zugegeben nicht so leicht. Vor allem die Dorfvernichtung ist wahrscheinlich etwas kurz geraten, es sollten jedoch insgesamt auch nicht Actionsequenzen im Vordergrund stehen. Also mal sehen, ob ich sie noch erweitere, bin noch nicht sicher.

Ich hatte in der Geschichte nichts von einer Erkrankung geschrieben, dafür hätte ich telliger werden müssen, aber schon kurz nach einem traumatischen Erlebnis kann eine Erkrankung/psychische Störung entstehen, gerade auch, wenn jemand alleine ist. z.B. eine Belastungs- oder Persöhnlichkeitsstörung. Das also als ergänzende Erklärung, warum Agnes danach nicht mehr sie selbst ist und so mechanisch/teilnahmslos handelt. Ich hoffe, dass es einigermaßen rüberkommt, als ich von ihren Albträumen schreibe und die vorherige Agnes immer mehr zurückgedrängt wird.

Etwas tricky fand ich die Konstruktion: Verstehe ich dich richtig, dass der erste und der letzte Absatz eine Klammer bilden, eine Episode in der erzählten Gegenwart, in die dann die komplette Geschichte eingebettet ist?
Inhaltlich soll es eine Klammer sein, eine ähnliche Szene zu Beginn und am Ende. Zeitlich erzähle ich die Geschichte jedoch chronologisch:

Durch den versuchten Diebstahl der beiden Männer bestraft der Drache das Dorf. Danach macht sich Agnes, oder diejenige, zu der sie geworden ist, auf den Weg. Bis sie sich am Ende mit dem Drachen verbündet. Dann entsteht eine zeitliche Lücke, bis erneut Männer versuchen, etwas von dem Schatz zu stehlen. Was in der Zwischenzeit genau passiert ist, überlasse ich also der Interpretation des Lesers. Am Ende ist die vorherige Agnes tot, ihre Tochter lebt mit den mittlerweile fünf Drachen. Und nennt sich selbst Agnes.

Danke fürs Lesen und Kommentieren, viele Grüße!
Rob
 
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11.11.2019
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Hey @Rob F,

guter Text!
Folgendes wäre mir aufgefallen:

„Hilfst du mir mit dem Mantel?“
Er nahm den Fellmantel vom Haken neben der Eingangstür und half ihr hinein.
Mantel kommt hier zweimal. Das erste Mal kannst Du eigentlich streichen.

Sie öffnete die schwere Holztür und trat hinaus. In der einsetzenden Dämmerung stand bereits mehr als das halbe Dorf in Flammen.
Irgendwie geht mir das ein bisschen zu schnell: Sie hört gerade noch die Schreie und dann steht schon das halbe Dorf in Flammen.

Agnes stand auf und ging in die Kirche, ohne zurückzublicken.
Das fand ich unrealistisch: Ihr Mann ist gerade im Dorf verbrannt und sie versucht nicht einmal ihn zu finden? Hmmh ... Wenn Du es irgendwie mit einem psychischen Ausnahmezustand der Prota erklären möchtest, kommt das für mich nicht richtig raus.

Als würden ihre Erinnerungen zu den Erlebnissen einer fremden Person, die sie mit sich trug.
Gefällt mir sehr gut!

Zur Mittagszeit, die Sonne stand hoch am Himmel, rasteten sie.
Finde ich etwas kompliziert formuliert: MMn kannst Du die Mittagszeit oder den Hochstand der Sonne streichen. Ist mehr oder weniger dasselbe, oder?

Tedor war, nachdem er anfangs immer wieder stehen blieb, im Abstand von wenigen Metern hinter ihr her gegangen.
Gehört hier nicht " .... nachdem er anfangs immer wieder stehengeblieben war, ..."?

Nachdem sie vom Wasser getrunken hatte und die belebende Wirkung spürte, füllte sie die beiden ledernen Wasserschläuche, die sie ebenfalls in der Wohnung des Priesters gefunden hatte.
Kann man mMn auch einfacher formulieren: Sie trank vom Wasser und spürte die belebende Wirkung. Dann füllte sie dei beiden ledernen ..."

Tedor und sie hielten die Tasche über Wasser, als sie sich von der Strömung des Sees ins Innere des Berges ziehen ließen. Trotz der Finsternis fühlten sie sich beschützt, umgeben vom warmen Wasser, das sie behutsam führte.
Da musste ich zweimal lesen, bevor ich es verstand, hört sich fast nach Boot an, aber die gehen wohl im Wasser.

Die Geschichte gefällt mir stilistisch sehr gut, obwohl mir, wie Christophe, etwas Emotion und Dramatik fehlen. Da passiert ja eigentlich ganz viel: Drachen greifen an, Dörfer werden eingeäschert, Angehörige sterben usw. Prinzipiell ist Fantasy aber auch nicht ganz Strckenpferd.

Zum Aufbau: Hätte ich so nicht gerafft, wie Du es in der Antwort an Christophe geschrieben hast, vor allem hätte ich geschlossen, dass die Räuber im ersten Absatz auch jene vom letzten Ansatz sind. Dass die Vernichtung des Dorfes als Strafaktion für den Diebstal im ersten Absatz zu sehen ist, hätte ich folglich so auch nicht rausgelesen. Vielleicht hab ich da aber was überlesen, sonst wäre eine kurze Andeutung ganz gut.

Guter Text, gerne gelesen!
Servus, Walterbalter
 
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02.05.2020
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Hallo @Rob F

mal wieder Fantasy, das freut mich, auch wenn ich dieses Mal nicht so ganz begeistert bin. Mir ist die Geschichte insgesamt zu abgehakt, zu viel Tell, zu nüchtern und in Ermangelung eines besseren Wortes: zu wild.
Ich glaube, es hängt hauptsächlich an der Strukturierung in diese sehr kurzen Szenen, die zum Teil zu viel überspringen, als das man in der nächsten Szene sich sofort sortieren könnte.

Ich gehe hier mal auf die Details und meine größten Hänger ein.

legte ihre Hand auf den beginnenden Babybauch.
Das finde ich einfach nicht ganz so schön formuliert und es ist unnötiges Tell. Gerundeter Bauch würde hier wohl schon reichen, schließlich streichelt ihr Mann nachher darüber und spricht von zweien, das bringt genug Deutlichkeit.
Erschrocken öffnete sie die Augen
Tell
Während sie aufstand legte sie wieder die Hand auf den Bauch, als müsste sie ihr Kind beruhigen.
Weil sie ihr Kind beruhigen möchte? oder weil das die typische Geste aller Schwangeren ist? "als müsste sie ihr Kind beruhigen" kann mMn weg
Sie öffnete die schwere Holztür und trat hinaus.
Dafür, dass draußen gerade voll der Terror abgeht klingt mir das zu gemächlich, auch wenn fachlich und sachlich am Satz nix verkehrt ist. Aber dieser Satz könnte genauso im Kontext "Es war ein wunderschöner sonniger Nachmittag." stehen.
Agnes konnte nicht weiter zusehen, sie wusste, dass das Dorf verloren war.
Tell
Sie wollte nach ihren Eltern rufen, nach ihnen suchen, aber traute sich nicht.
Tell
Trotz ihrer jungen Jahre und der Angst hielt sie dem Blick stand. Bis das Ungetüm das Maul öffnete, fauchte und davon flog.
Tell
Auch diesmal hielt sie dem Blick stand,
Vielleicht eher. Sie fühlte sich wieder wie das Kind, als sie dem Blick des Drachen standhielt.
Die ersten Sonnenstrahlen weckten sie, als sie durch das verstaubte Fenster neben dem Bett schienen.
Der Sprung von "geht in die Kirche" zu "Fenster neben dem Bett" ist mir zu groß.
Jedes Mal, wenn sie schweißgebadet aufgewacht war, wurde die Distanz größer.
Das klingt irgendwie nicht so, als wäre es erst gestern gewesen. Ich verstehe den Kontext (zum Teil), aber letztendlich ist es erst einmal schlafen her, da von größer werdender Distanz zu sprechen, finde ich ein bißchen früh.
Ihr Magen schmerzte, der stechende Geruch von Erbrochenem lag in der Luft.
Das kommt mir zu abrupt. Da führt nix hin und nix weg.
In den Dörfern gibt es keine Sicherheit mehr, dachte sie, als sie die Kirche verließ. Es hatte begonnen, leicht zu schneien.
Das mit den schneien ist mir da zu sehr zwischen rein, ich würde das in den nächsten Abschnitt schieben.
Sie erkannte die Frau, Agnes, die mit ihr im gleichen Körper lebte. Aber sie würde sie nicht mehr zu sich lassen, so naiv und verletzlich, wie sie war.
Vielleicht eher "nicht mehr die Kontrolle überlassen"? Aber eigentlich ist mir das auch schon wieder zu viel Tell.
Ihre Tochter sah sie an und lächelte. Es war das Lächeln eines Totenkopfes, sie bestand nur noch aus Haut und Knochen. „Ich möchte leben. Warum lässt du mich sterben?“
Sie konnte nicht antworten, der Mund war wie zugenäht. Tränen füllten ihre Augen.
Das Gesicht ihrer Tochter wurde zu einer Fratze. „Ich will leben“, schrie sie.
„Dein Leben für das meiner Tochter“, sagte sie und stach ihm das Messer in den Hals.
Das ist mir zu abrupt und zu weit her geholt. Der Text gibt jetzt eigentlich nicht her, dass sie besonders lang unterwegs sind. Vielleicht zwei Tage. Sie hat noch Verpflegung und sie sind bei der Hälfte des Weges. Also hätte sie für etwa einen Tag kein Essen. Das ist für mein Empfinden weder ein Grund für einen Albtraum, dass das Kind gefährdet ist, noch dafür einen Menschen zu essen. Was echt n großer Schritt ist.
Das Sonnenlicht ließ ihre Augen schmerzen und tränen. Gesicht und Hände waren von getrocknetem Blut bedeckt. [...] Nicht weit entfernt sah sie den Eingang einer Höhle
Und das hier macht es für mich dann nicht besser. Sie ist immer noch mit getrocknetem Blut bedeckt und sieht bereits den Eingang der Höhle in der Nähe. Das macht den Tod des Priestersohnes noch absurder.
Unter der Öffnung in der Decke befand sich der Schatz, dessen Legende schon so viel Leid gebracht hatte. Jeder Diebstahl oder nur der Versuch wurde erbarmungslos bestraft.
Das kommt mir zu spät als Erklärung, dass das Tell ist, stört mich da noch am wenigsten.
Agnes. Ihre Angst drang zu ihr durch, ließ sie erzittern. Sie streichelte mit der Hand ihren Bauch. Es war nun ihr Kind, niemand würde sich dazwischen stellen.
War es nicht Agnes, die beide Male in die Augen des Drachen starrte und ihm widerstand? So schwach und naiv ist Agnes nicht.
Sie lächelte die Männer an und verschwand in der Dunkelheit.
Weil der Pakt besagt: führe alle die den Schatz suchen mit einem Lächeln in ihr verderben? Verstehe ich nicht. Das Mädchen tut etwas, das weder in der Geschichte ihrer Mutter erläutert wird, noch Sinn ergibt.
„Mein Name ist Agnes“, war das Letzte, was sie hörten.
Sie hat also den Namen der Frau bekommen, die ihre Mutter verdrängt hat und nie wieder hochkommen lassen wollte? Ergibt das Sinn?

Tut mir wirklich leid, aber ich bin dieses Mal wirklich nicht mit der Geschichte warm geworden.

Trotzdem liebe Grüße,
feurig
 
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09.12.2019
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Hi @Walterbalter ,

danke auch hierbei für deine Eindrücke!

Mantel kommt hier zweimal. Das erste Mal kannst Du eigentlich streichen.
Ja, das klingt besser, habe es geändert.

Irgendwie geht mir das ein bisschen zu schnell: Sie hört gerade noch die Schreie und dann steht schon das halbe Dorf in Flammen.
Ich hatte hierbei ein wenig an die Drachen aus Game of Thrones gedacht, die auch "in einem Überflug" so einiges in Brand setzen konnten ... habe es aber nun ein wenig abgeändert.

Das fand ich unrealistisch: Ihr Mann ist gerade im Dorf verbrannt und sie versucht nicht einmal ihn zu finden? Hmmh ... Wenn Du es irgendwie mit einem psychischen Ausnahmezustand der Prota erklären möchtest, kommt das für mich nicht richtig raus.
Ja, das kann ich aus deiner Sicht als Leser auch sehr gut nachvollziehen. Ich habe ihren plötzlichen Wechsel von einer eher lebhaften Frau schon deutlich vor Augen, weiß aber nicht so recht, wie ich es besser erzählen kann. Es ist halt auch ein Verneinen der Realität, das ich hauptsächlich dadurch zeigen wollte, dass sie sich eben überhaupt nicht der Situation entsprechend verhält. Sie verfolgt ab diesem Zeitpunkt nur noch mechanisch ihren Plan, spricht nur wenig und in kurzen Sätzen ...

Finde ich etwas kompliziert formuliert: MMn kannst Du die Mittagszeit oder den Hochstand der Sonne streichen. Ist mehr oder weniger dasselbe, oder?
Ich habe den Satz geändert in:
Als die Sonne hoch am Himmel stand, rasteten sie.

Kann man mMn auch einfacher formulieren: Sie trank vom Wasser und spürte die belebende Wirkung. Dann füllte sie dei beiden ledernen ..."
So wäre es strukturierter, ich wollte nur auch an dieser Stelle darauf achten, bei den Satzanfängen zu variieren, also nicht zu oft mit "Sie" oder "Dann" zu beginnen. Werde es also erstmal so lassen, aber danke für den Vorschlag!

Da musste ich zweimal lesen, bevor ich es verstand, hört sich fast nach Boot an, aber die gehen wohl im Wasser.
Abgesehen von dem Drachen habe ich ja eigentlich nicht viele Fantasyelemente, aber hierbei sollte es ein magisches Wasser sein, das Agnes und Tedor führt. Ich habe es etwas angedeutet durch den folgenden Satz:
Trotz der Finsternis fühlten sie sich beschützt, umgeben vom warmen Wasser, das sie behutsam führte.

Hätte ich so nicht gerafft, wie Du es in der Antwort an Christophe geschrieben hast, vor allem hätte ich geschlossen, dass die Räuber im ersten Absatz auch jene vom letzten Ansatz sind.
Hmmm ... kann ich ehrlich gesagt nicht so ganz nachvollziehen. Zu Beginn ist es ja "nur" der große, purpurne Drache und die beiden Männer sterben ja auch. Am Ende sind es zwar wieder zwei Männer, aber die Szene ist ja völlig anders. Sie treffen auf den Drachen und seine Kinder, sowie die Tochter von Agnes.

Dass die Vernichtung des Dorfes als Strafaktion für den Diebstal im ersten Absatz zu sehen ist, hätte ich folglich so auch nicht rausgelesen.
Zu Beginn erwähne ich es so direkt auch nicht, aber später gibt es hierzu folgendes:
Unter der Öffnung in der Decke befand sich der Schatz, dessen Legende schon so viel Leid gebracht hatte. Jeder Diebstahl oder nur der Versuch wurde erbarmungslos bestraft.

Danke für dein Feedback und viele Grüße,
Rob
 
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Hallo @feurig ,

danke für deine ausführliche und ehrliche Kritik!

Alles in Ordnung, es geht mir ja auch um ein ehrliches Feedback - trotzdem schade, dass dir die Geschichte nicht so gefällt. Aber dann hoffentlich beim nächsten Mal wieder!

Ich glaube, es hängt hauptsächlich an der Strukturierung in diese sehr kurzen Szenen, die zum Teil zu viel überspringen, als das man in der nächsten Szene sich sofort sortieren könnte.
Hierbei ist mir (noch) nicht so ganz klar, woran das liegt, da der einzige größere zeitliche Sprung zwischen der vorletzten und letzten Szene stattfindet ... da kann ich im Moment also leider erstmal nicht mehr zu antworten.

... legte ihre Hand auf den beginnenden Babybauch.
Das finde ich einfach nicht ganz so schön formuliert und es ist unnötiges Tell. Gerundeter Bauch würde hier wohl schon reichen, schließlich streichelt ihr Mann nachher darüber und spricht von zweien, das bringt genug Deutlichkeit.
Ich weiß schon, was du meinst, wäre aber ehrlich gesagt an dieser Stelle nicht selbst darauf gekommen, dass hierbei etwas tellig ist. Letzten Endes lässt sich die Frage "wie genau" ja (fast) immer weiter stellen. Also ich könnte auch weiter fragen, wie genau ihr Bauch denn gerundet ist usw. ... Also kurzum: Ich finde die Formulierung "beginnender Babybauch" nicht tellig.

Erschrocken öffnete sie die Augen
Tell
Ich habe es geändert in: "Sie riss die Augen auf und sah zu der geschlossenen Kirchentür."

Heute bist du aber sehr genau ;)

Weil sie ihr Kind beruhigen möchte? oder weil das die typische Geste aller Schwangeren ist? "als müsste sie ihr Kind beruhigen" kann mMn weg
Ich weiß nicht, ob es die typische Geste aller Schwangeren ist ;) Na ja, selten ist es jedenfalls nicht, das stimmt schon. Ich habe den Nebensatz entfernt, warum sie dies macht wird wohl auch so klar, da gebe ich dir Recht.

Sie öffnete die schwere Holztür und trat hinaus.
Dafür, dass draußen gerade voll der Terror abgeht klingt mir das zu gemächlich, auch wenn fachlich und sachlich am Satz nix verkehrt ist.
Ja, das klingt hier nicht realistisch, habe den Satz angepasst.

Das klingt irgendwie nicht so, als wäre es erst gestern gewesen. Ich verstehe den Kontext (zum Teil), aber letztendlich ist es erst einmal schlafen her, da von größer werdender Distanz zu sprechen, finde ich ein bißchen früh.
Ich habe hierzu kein Detailwissen, aber wie in einer vorherigen Antwort geschrieben, kann schon kurz nach einem traumatischen Erlebnis u.a. eine "Persöhnlichkeitsstörung" eintreten. Meine Idee war hier, dass sie mehrmals nach den Albträumen aufwacht und sie diese Entfremdung mit jedem Mal mehr wahrnimmt.

Ihr Magen schmerzte, der stechende Geruch von Erbrochenem lag in der Luft.
Das kommt mir zu abrupt. Da führt nix hin und nix weg.
Die vorherige Nacht, in der sie von Alpträumen geplagt war, und sie hat mitbekommen, wie ihre Heimat dem Erdboden gleich gemacht wurde. Finde ich schon einen plausiblen Grund, dass sich das alles nicht nur durch die Alpträume äußert.

Sie erkannte die Frau, Agnes, die mit ihr im gleichen Körper lebte. Aber sie würde sie nicht mehr zu sich lassen, so naiv und verletzlich, wie sie war.
Vielleicht eher "nicht mehr die Kontrolle überlassen"? Aber eigentlich ist mir das auch schon wieder zu viel Tell.
Es sind an dieser Stelle ihre Gedanken. Es ist natürlich in Ordnung, wenn es deine Meinung ist. Aber ich finde, du kritisierst jeden Satz pauschal, der nicht nur "showt". Ich finde es an dieser Stelle in Ordnung, sie sieht ihr Spiegelbild und es sind wie erwähnt ihre Gedanken.

Das ist mir zu abrupt und zu weit her geholt. Der Text gibt jetzt eigentlich nicht her, dass sie besonders lang unterwegs sind. Vielleicht zwei Tage. Sie hat noch Verpflegung und sie sind bei der Hälfte des Weges. Also hätte sie für etwa einen Tag kein Essen. Das ist für mein Empfinden weder ein Grund für einen Albtraum, dass das Kind gefährdet ist, noch dafür einen Menschen zu essen. Was echt n großer Schritt ist.
Der Grund für den Alptraum ist zum einen, dass ihr die Nahrung ausgeht. Wie du drauf kommst, dass sie nur für einen Tag kein Essen hätte, weiß ich allerdings nicht. Zu diesem Zeitpunkt weiß sie ja nicht, ob sie nicht an der Oberfläche noch einen weiteren Weg vor sich hat.
Ein weiterer Grund ist ihre Verlustangst. Sie hat ja schon alles verloren, ihren Mann, ihre Freunde, ihr Zuhause ...
Es ist an dieser Stelle abrupt, vielleicht bekomme ich irgendwann mal eine solche Charakterentwicklung besser hin. Die gesamte Handlung ist jedoch auch entsprechend auf die Länge einer Kurzgeschichte ausgerichtet, also wahrscheinlich könnte es nur nachvollziehbarer werden, wenn ich einige Handlungsinhalte streiche und mich hauptsächlich hierauf konzentriere.

Und das hier macht es für mich dann nicht besser. Sie ist immer noch mit getrocknetem Blut bedeckt und sieht bereits den Eingang der Höhle in der Nähe. Das macht den Tod des Priestersohnes noch absurder.
Das konnte sie zuvor nicht wissen, s.o.

Unter der Öffnung in der Decke befand sich der Schatz, dessen Legende schon so viel Leid gebracht hatte. Jeder Diebstahl oder nur der Versuch wurde erbarmungslos bestraft.
Das kommt mir zu spät als Erklärung, dass das Tell ist, stört mich da noch am wenigsten.
Dann war es eine Fehleinschätzung von mir, dass der Zusammenhang zwischen dem Diebstahl in der ersten Szene und dem Drachenangriff auch so nachvollziehbar ist. Wäre es denn aus deiner Sicht wichtig für die Geschichte, es früher zu erwähnen? Oder diese Information ganz wegzulassen? Ich finde es bisher ganz in Ordnung so.

Ihre Angst drang zu ihr durch, ließ sie erzittern. Sie streichelte mit der Hand ihren Bauch. Es war nun ihr Kind, niemand würde sich dazwischen stellen.
War es nicht Agnes, die beide Male in die Augen des Drachen starrte und ihm widerstand? So schwach und naiv ist Agnes nicht.
Die Persöhnlichkeitsveränderung ist vielleicht ein zu komplexes Thema, um es in eine Fantasygeschichte einzubetten, die auch nicht zu lang sein soll. Ich muss ja oft nach einer Geschichte einsehen, dass ich mich besser auf weniger Punkte konzentriert hätte. Ich bin hierbei, auch durch Rückmeldungen aus dem Freundeskreis, aber noch unschlüssig. Die bisher kürzeren Beschreibungen lassen mehr Raum zur Interpretation, wurden aber überwiegend auch nicht negativ gesehen. Wahrscheinlich muss ich die Geschichte mit etwas Abstand selbst nochmal lesen und die bisherigen Feedbacks erstmal auf mich wirken lassen.

Sie lächelte die Männer an und verschwand in der Dunkelheit.
Weil der Pakt besagt: führe alle die den Schatz suchen mit einem Lächeln in ihr verderben? Verstehe ich nicht. Das Mädchen tut etwas, das weder in der Geschichte ihrer Mutter erläutert wird, noch Sinn ergibt.
Sie ist bei den Drachen aufgewachsen und ihre Mutter lebt nicht mehr. Ich weiß, es ist wahrscheinlich eine blöde Antwort, aber ich belasse es mal dabei. Ich finde schon, dass es Sinn ergibt, aber vielleicht ist mir an dieser Stelle nicht klar, wie ich das Ende selbst als Leser sehen/verstehen würde.

Sie hat also den Namen der Frau bekommen, die ihre Mutter verdrängt hat und nie wieder hochkommen lassen wollte? Ergibt das Sinn?
Hierzu war meine Idee, dass sie charakterlich zum Teil Agnes ist, zum Teil die Person, zu der Agnes wurde. Also im Prinzip die "neue Agnes". Aber das ist auf jeden Fall ein guter Hinweis, der Name passt halt überhaupt nicht zu ihrem Verhalten. Evtl. entferne ich den letzten Satz noch vollständig, aber ich habe ihn vorerst mal geändert in:
"Ich habe keinen Namen", war das Letzte, was sie hörten.
Vielleicht drückt dies ihre Zugehörigkeit zu den Drachen auch eher aus.

Also vielen Dank, dass du dir die Arbeit gemacht hast, gerade wenn die Geschichte eher nicht so dein Fall war!

Viele Grüße,
Rob
 
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Hi @Rob F

Heute bist du aber sehr genau ;)
Hach, da hast du wohl recht. Das ist glaube ich ein bißchen der Tatsache geschuldet, dass ich nicht ganz klar sagen kann, warum mich die Geschichte nicht abholt und dann war ich schon so im Zitat-Klicken und schoooon passieren Dinge :shy:

Hierbei ist mir (noch) nicht so ganz klar, woran das liegt, da der einzige größere zeitliche Sprung zwischen der vorletzten und letzten Szene stattfindet ... da kann ich im Moment also leider erstmal nicht mehr zu antworten.
Ich nehme mal als Beispiel folgende Szene (und den Satz der vorhergehenden) und zeige dir, was dabei in meinem Kopf vorgeht. Vielleicht wird es dann klarer:

Die Szene endet, dass sie in die Kirche zurückgeht. In der nächsten Szene wacht sie in einem Bett auf.
Okay, wie kommt sie von der Kirche in ein Bett?
"Die Illusion einer friedlichen Welt."
Okay, auch nix angesengt? Wo ist sie?
"Die Drachenangriffe, in ihrer Kindheit und gestern, immer wieder. Jedes Mal, wenn sie schweißgebadet aufgewacht war, wurde die Distanz größer."
Okay, Albträume. Aber jetzt schon größer werdende Distanz? War das nicht erst gestern? *ich gehe zum vorherigen Satz zurück*

"Die Drachenangriffe, in ihrer Kindheit und gestern, immer wieder."
Okay, war doch erst gestern. Größer werdende Distanz? Jetzt schon? Hmmmmm ...
Ihr Magen schmerzte, der stechende Geruch von Erbrochenem lag in der Luft. Vorsichtig stand sie auf, um nicht hineinzutreten.
Okay ... sie hat sich im Schlaf übergeben? Oder davor? Weil sie schwanger ist, und das in der Schwangerschaft häufig vorkommt? (Daran haste jetzt nicht gedacht, hm? ;)) Oder weil der Albtraum so schlimm war?

Anmerkung: Im Schlaf übergeben ist, soweit ich weiß, etwas, was der Körper gezielt vermeidet, wegen akuter Erstickungsgefahr. Es gibt nur ganz wenige Situationen, in denen das passieren kann. Wenn der Körper durch Drogen ausgenockt ist oder in den ersten Lebensmonaten. Nachdem Agnes ansonsten sehr emotionsfrei agiert, wäre es für mich schön gewesen, dass, wenn sie schon mal deutlich an die Grenze ihrer Belastbarkeit gerät, wir das auch "live" mitbekommen und nicht danach im Nebensatz von Erbrochenem erzählt wird.

"Die kleine Wohnung des Priesters, im hinteren Teil der Kirche, war spartanisch eingerichtet."
Ah, sie hat sich in der Wohnung des Priesters niedergelassen. Das erklärt natürlich wo wir sind und dann ist auch klar, warum hier nix angekohlt ist.

Danach packt sie nur noch und dann sind wir schon wieder raus aus der Szene. Bis ich also die Szene verorten kann und "drin bin", bin ich schon fast wieder am Ende der Szene, also schon beinahe wieder raus. Das gibt mir wenig Genusszeit mit der Szene und deren Inhalt.

Ich habe hierzu kein Detailwissen, aber wie in einer vorherigen Antwort geschrieben, kann schon kurz nach einem traumatischen Erlebnis u.a. eine "Persöhnlichkeitsstörung" eintreten. Meine Idee war hier, dass sie mehrmals nach den Albträumen aufwacht und sie diese Entfremdung mit jedem Mal mehr wahrnimmt.
Das Stichwort ist wohl "mehrmals", da würde ich dir zustimmen. Aber es war gestern. Sie hatte noch keine Zeit die (vielleicht gewohnte) Distanz wieder aufzubauen. Vielleicht tröstet sie sich eher mit dem Gedanken, dass sie weiß, dass sie eine Distanz aufbauen kann, anstelle von einer bestehenden Distanz zu sprechen.
Die vorherige Nacht, in der sie von Alpträumen geplagt war, und sie hat mitbekommen, wie ihre Heimat dem Erdboden gleich gemacht wurde. Finde ich schon einen plausiblen Grund, dass sich das alles nicht nur durch die Alpträume äußert.
Ja, aber das kommt aus der Szene nicht raus. Deine Intention mit dem Erbrochenen erklärst du mir jetzt, aber sollte mir das nicht eigentlich der Text zeigen?
Aber ich finde, du kritisierst jeden Satz pauschal, der nicht nur "showt". Ich finde es an dieser Stelle in Ordnung, sie sieht ihr Spiegelbild und es sind wie erwähnt ihre Gedanken.
Ja, das ist möglich. Und ja, nicht jedes Tell ist verboten, aber das ist ja deine Entscheidung, und nicht meine, ich sag dir nur, wo Tell ist :)
Möglicherweise sehe ich hier einfach mehr Potential, sich mit sich und ihrem "alten" selbst auseinanderzusetzen.
Wie du drauf kommst, dass sie nur für einen Tag kein Essen hätte, weiß ich allerdings nicht. Zu diesem Zeitpunkt weiß sie ja nicht, ob sie nicht an der Oberfläche noch einen weiteren Weg vor sich hat.
Na ja, ich habe rückgerechnet. Auf Basis des geschilderten Weges bin ich davon ausgegegangen, dass sie etwa zwei Tage unterwegs sind. Agnes erwähnt im Text, dass sie (erst) die Hälfte des Weges zurückgelegt haben (was für mich bedeutet, dass sie schon in etwa weiß, wo sie hin muss). Für mich bedeutet das zusätzlich, sie schätzt den Gesamtweg auf 4 Tage, also noch zwei weitere Tage, und noch ist Verpflegung da. Ergo wäre (nur) ein Tag ohne Essen.
Das konnte sie zuvor nicht wissen, s.o.
Dann sollte sie zumindest überrascht sein. Ich weiß ja nicht, aber auch ihre neue Persönlichkeit muss ja nicht so abgebrüht sein, dass sie einen Menschen tötet, isst, danach feststellt, dass sie ja schon am Ziel ist und dann nicht mal darüber nachdenkt, was sie getan hat.
Wäre es denn aus deiner Sicht wichtig für die Geschichte, es früher zu erwähnen? Oder diese Information ganz wegzulassen?
Ich würde es deutlich früher erwähnen. Vielleicht als der Drache das Dorf anzündet. Das ist ja quasi das Zeichen für sie, dass jemand den Schatz stehlen wollte. Warum geht ihr das in der Situation dann nicht durch den Kopf? Und dort könntest du auch platzieren, dass sie es stoppen will. Wir erfahren nichts darüber, warum sie die Entscheidung trifft zu den Drachen zu gehen. Dabei geht es ja die ganze Geschichte (oberflächlich betrachtet) genau darum.
Die Persöhnlichkeitsveränderung ist vielleicht ein zu komplexes Thema, um es in eine Fantasygeschichte einzubetten, die auch nicht zu lang sein soll.
Auch oder gerade bei einer Persönlichkeitsveränderung sollte man auf die Emotionen der Person eingehen die verschwindet, bzw. niedergedrängt wird und die Emotionen der neuen Person. Das lässt du jedoch beinahe völlig aus. Dabei ist das ja genau der relevante Part, wenn sich die Persönlichkeit einer Person verändert, oder nicht? Was geht in der Person vor?
Sie ist bei den Drachen aufgewachsen und ihre Mutter lebt nicht mehr.
Und deswegen lächelt sie die Menschen an und führt sie in den Hort? Die Drachen wollen doch gar nicht die Menschen im Hort haben. Umbringen können die Drachen die Menschen auch draußen. Sollte sie nicht eher als menschliche Mahn-Person dienen, die sagt: "Geht und kommt nie wieder!"?
Das sind mittlerweile fünf Drachen im Hort und die Menschen wollen eh da rein. Sie brauchen kein Mädchen dass sie reinführt oder reinlockt und Drachenfeuer würde sie verbrennen, ob sie jetzt vorbereitet oder unvorbereitet in den Hort gehen.
"Ich habe keinen Namen", war das Letzte, was sie hörten.
Finde ich besser.

Immer noch liebe Grüße,
feurig
 
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09.12.2019
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Hi @feurig ,

ich weiß nicht mehr von wem, aber ich hatte hier mal den Tipp bekommen, auch mal zeitliche Lücken zwischen den Szenen zu lassen, solange der Verlauf der Geschichte insgesamt noch deutlich wird. Auch daher also hierbei der Versuch, nicht jede Minute der Handlungszeit durch entsprechende Szenen abzudecken und es insgesamt eher bei kurzen Absätzen zu lassen.

Dein detailliertes Feedback hilft mir also sehr, einzuschätzen, wie dies auf den Leser wirkt und zu welchen Fragen/Gedanken es führen kann. Es ist wahrscheinlich auch hierbei Geschmackssache, aber m.E. kann es auch interessant sein, die ein oder andere zeitliche/inhaltliche Lücke selbst aufzufüllen. Ich habe durch deinen und die vorherigen Kommentare einige Sätze angepasst, werde es jedoch insgesamt bei dieser Erzählart belassen, so war die Geschichte ja gedacht.

Im Schlaf übergeben ist, soweit ich weiß, etwas, was der Körper gezielt vermeidet, wegen akuter Erstickungsgefahr. Es gibt nur ganz wenige Situationen, in denen das passieren kann.
Das wusste ich so im Detail nicht, ich hatte hierbei jedoch eher an die Momente gedacht, an denen sie zwischen den Alpträumen aufgewacht ist.

Das Stichwort ist wohl "mehrmals", da würde ich dir zustimmen. Aber es war gestern. Sie hatte noch keine Zeit die (vielleicht gewohnte) Distanz wieder aufzubauen. Vielleicht tröstet sie sich eher mit dem Gedanken, dass sie weiß, dass sie eine Distanz aufbauen kann, anstelle von einer bestehenden Distanz zu sprechen.
Ich bin mir hierbei nicht sicher, ob wir das gleiche meinen. Es ist ja eine "Traumatisierungsfolge", die nach dem Drachenangriff geschieht, ohne dass Agnes dies bewusst beeinflussen kann. Es geschieht hauptsächlich über Nacht und recht schnell, was auch die mehrfachen Alpträume zeigen sollen.

Bei dem ein oder anderen Punkt finde ich dein Feedback etwas widersprüchlich. Wenn ich Inhalte eher "showe", z.B. durch Alpträume, sie übergibt sich ... ist natürlich auch mehr Interpretation dem Leser überlassen. z.B., dass sie nach dem Angriff starkem Stress ausgesetzt ist, die Erinnerungen vergrängt, eher mechanisch einen kaum durchdachten Plan verfolgt.
Wenn ich es jedoch deutlicher (be)schreibe, geht es schnell ins tellige.
Manchmal geht also m.E. nur eins von beidem.

Ja, aber das kommt aus der Szene nicht raus. Deine Intention mit dem Erbrochenen erklärst du mir jetzt, aber sollte mir das nicht eigentlich der Text zeigen?
Sehe ich hierbei nicht so, sie hat ein schlimmes Erlebnis hinter sich, war die Nacht von Alpträumen geplagt ... Ich hatte daher bei der Folgeszene nicht den Eindruck, dass ich noch explizit dazu schreiben muss, dass das Erbrochene von ihr ist, aus der letzten Nacht. Es ist ja auch sonst niemand da.

Ich würde es deutlich früher erwähnen. Vielleicht als der Drache das Dorf anzündet. Das ist ja quasi das Zeichen für sie, dass jemand den Schatz stehlen wollte. Warum geht ihr das in der Situation dann nicht durch den Kopf?
Ich habe an dieser Stelle einen Satz ergänzt, ich denke so passt es auch zu der Szene. Dass sie in diesem Moment ausführlicher darüber nachdenkt und schon einen Plan schmiedet, finde ich hier eher nicht realistisch.
Die letzten Schmerzensschreie verstummten. Auch auf der Anhöhe spürte sie die Hitze des Drachenfeuers, roch verbranntes Holz und Fleisch. Die Überreste des Dorfes loderten in der beginnenden Dunkelheit. Wer hatte diesen Angriff provoziert?

Wir erfahren nichts darüber, warum sie die Entscheidung trifft zu den Drachen zu gehen. Dabei geht es ja die ganze Geschichte (oberflächlich betrachtet) genau darum.
Entsprechend der Erzählart sind es nur Hinweise, aber diese gibt es schon:

In den Dörfern gibt es keine Sicherheit mehr, dachte sie, als sie die Kirche verließ.

„Ja. Hier unten gibt es keine Sicherheit, es gibt noch zu viele von ihnen.“
„Meine Mutter hat mir mal davon erzählt, bevor sie …“ Tränen rannen seine Wangen hinab. Er wischte sie weg, versuchte sich zu fassen. „Das Bündnis der Mütter, zwischen Mensch und Drache. Aber es ist ein Mythos, oder nicht?“
„Wir werden sehen.“


Sie sucht demnach Sicherheit für sich und ihr Kind.

Auch oder gerade bei einer Persönlichkeitsveränderung sollte man auf die Emotionen der Person eingehen die verschwindet, bzw. niedergedrängt wird und die Emotionen der neuen Person. Das lässt du jedoch beinahe völlig aus. Dabei ist das ja genau der relevante Part, wenn sich die Persönlichkeit einer Person verändert, oder nicht? Was geht in der Person vor?
Du wirst es bezogen auf diesen Punkt wahrscheinlich sehr viel ausführlicher und mehr im Mittelpunkt der Geschichte sehen, so verstehe ich dein Feedback zumindest. Es ist hierbei keine Veränderung, die über einen längeren Zeitraum geschieht. Es ist zwar kurz, aber ich erwähne die Entstehung schon. Nach ihrer Veränderung zeige ich es eher durch ihr mechanisches und eher schweigsames Verhalten. Es ist natürlich ein wichtiger Punkt, aber auch Teil einer Fantasygeschichte, im Moment finde ich die Gewichtung so in Ordnung.

Und deswegen lächelt sie die Menschen an und führt sie in den Hort? Die Drachen wollen doch gar nicht die Menschen im Hort haben. Umbringen können die Drachen die Menschen auch draußen. Sollte sie nicht eher als menschliche Mahn-Person dienen, die sagt: "Geht und kommt nie wieder!"?
Das sind mittlerweile fünf Drachen im Hort und die Menschen wollen eh da rein. Sie brauchen kein Mädchen dass sie reinführt oder reinlockt und Drachenfeuer würde sie verbrennen, ob sie jetzt vorbereitet oder unvorbereitet in den Hort gehen.
Den Drachen wird das ziemlich egal sein, das sehe ich auch so. Sie wird auch nicht auf deren Anweisung handeln, aber es zeigt halt ihren Charakter. Sie ist ja nicht unter Menschen aufgewachsen und kennt es nicht anders. Es wird ja auch einen Grund haben, dass sie lebt und ihre Mutter nicht mehr. Ich weiß, ich erkläre es nicht alles im Detail, aber ich finde es auch als Leser legitim, wenn ein Autor den ein oder anderen Punkt zur Interpretation offen lässt. In dem Fall: Warum ist das Kind so bösartig geworden, und was ist mir ihrer Mutter geschehen?

Trotz meiner teilweise sturen Antworten ;) freut es mich, dass du dich ausführlich hiermit beschäftigt hast! Es geht dir ja hauptsächlich um die Inhalte, die eben nicht im Detail im Text stehen. Durch die bisherigen Rückmeldungen bin ich jedoch nicht der Meinung, dass die Geschichte insgesamt zu undurchsichtig ist - und ein bißchen darf sie es m.E. ruhig sein ;)

liebe Grüße zurück,
Rob
 
Mitglied
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20.01.2018
Beiträge
509
Hey @Rob F

ich sitze im Zug und schreibe mit Handy, daher nur stichpunktartige Vorschläge. Dein Text hat mich verwirrt zurückgelassen, zweimal. Einmal wegen mehrerer Kleinigkeiten, die ich bei Gelegenheit beschreibe, einmal wegen dem großen Ganzen.

Fast die gesamte Öffnung wurde durch die purpurne Bestie versperrt.
Wenn die Bestie beinahe die gesamte Öffnung versperrt, ist es ziemlich dunkel. Du beschreibst keine anderen Lichtquellen. Dass die beiden Männer das Biest erkennen können, glaube ich wohl, aber ich denke nicht, dass es hell genug ist, um die purpurrote Farbe zu erkennen.

Regungslos blickte sie aus gelben, kühlen Augen auf sie herab
Gerade war es noch das Biest, jetzt sprichst du von sie. Würde es schreiben oder mich vorher entscheiden, sie als weiblich zu definieren.

Die Dämmerung setzt bald ein, du kannst auch morgen früh zur Kirche.“
Eine Kirche verbinde ich mit dem christlichen Glauben, was mich zunächst aus deiner Fantasy-Welt rausgeworfen hat. War mir nicht sicher, dann kommt dieser Veta, also doch nicht Christlich. Dazu kommt auch, dass Dörfer oft um Kirchen gebaut wurden, sie also Zentrum des Dorfes waren. Deine Kirche liegt aber auf einem Berg. Würde daher von Tempel oder anderen sprechen.

und begann mechanisch, sie mit Vorräten zu füllen.
Das mechanisch passt für mich nicht, du hast ja keinerlei Technik oder Mechanik in der Geschichte. Würde eher von hölzern sprechen, wenn ich es richtig verstehe.

so naiv und verletzlich, wie sie war.
Ich behaupte, das Komma nach verletzlich muss weg, bin mir aber nicht sicher.

„Dein Leben für das meiner Tochter“, sagte sie und stach ihm das Messer in den Hals.
Und ab hier verstehe ich gar nichts mehr. Warum? Sie hat also Hunger. Du schreibst, sie täte es für ihr Kind, auf mich wirkt das eher selbstsüchtig. Als ginge es ihr um das eigene Überleben.

Sie brauchte Nahrung und machte sich mit dem Küchenmesser an die Arbeit.
Isst sie das Fleisch roh?

Was danach kommt, verstehe ich nicht wirklich. Irgendwie gab es mal einen Deal zwischen Drachen- und Menschenmuttern, aber was der jetzt mit niedergebrannten Dörfern, Gold und dem Kind am Ende zu tun hat, wird mir nicht klar. Alles ist wage und mir nicht konkret genug. Ich hab nicht das Gefühl bekommen, Teil deiner Welt zu werden. Das Dorf hat keinen Namen, die Frau und der Drache auch nicht. Ich habe die anderen Kommentare nicht gelesen, kann also nicht sagen, ob es nur mir so geht. Hoffe, du kannst trotzdem was mit meinen Punkten anfangen.

Liebe Grüße
Meuvind
 
Mitglied
Beitritt
09.12.2019
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323
Hi @Meuvind ,

danke für deinen Kommentar.

Wenn die Bestie beinahe die gesamte Öffnung versperrt, ist es ziemlich dunkel. Du beschreibst keine anderen Lichtquellen. Dass die beiden Männer das Biest erkennen können, glaube ich wohl, aber ich denke nicht, dass es hell genug ist, um die purpurrote Farbe zu erkennen.
Ja, es ist wahrscheinlich grenzwertig. Nur fällt ja durch einen Teil der Öffnung noch etwas Licht, also zumindest dort sollte es möglich sein.

Gerade war es noch das Biest, jetzt sprichst du von sie. Würde es schreiben oder mich vorher entscheiden, sie als weiblich zu definieren.
Zuvor war es die Bestie, daher ist "sie" schon richtig.

Dazu kommt auch, dass Dörfer oft um Kirchen gebaut wurden, sie also Zentrum des Dorfes waren. Deine Kirche liegt aber auf einem Berg.
Ich hatte hierbei die Kirche ein wenig abseits des Dorfes gelegt, hauptsächlich, da es dort ruhig ist und die Menschen entsprechend beten können.

Das mechanisch passt für mich nicht, du hast ja keinerlei Technik oder Mechanik in der Geschichte. Würde eher von hölzern sprechen, wenn ich es richtig verstehe.
Ich habe "mechanisch" mal gestrichen. Passend wäre wohl eher ein Wort wie "apathisch", nur etwas abgeschwächter, mir fällt nur gerade nichts ein. Aber so geht es ja auch.

Zum allgemeinen Inhalt/der Handlung bin ich der Meinung, auch durch die Beantwortung der vorherigen Kommentare, dass sich alle notwendigen Informationen im Text befinden. Sonst am besten nochmal im Detail nachfragen.

Viele Grüße und danke für die Vorschläge,
Rob
 

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