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  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

Apfelbrief

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Anmerkungen zum Text
Ich hoffe, dass der Text in diese Rubrik passt. Wenn die Mundart zu dick aufgetragen sein sollte, bitte ich um eine Verschiebung zu den Experimenten.

Apfelbrief

Nich’ jeder Junge wird ‘n Sportler, nich’ jeder ‘n Arbeiter. Manche werd’n Wissenschaftler, Eierköppe, kann man lachen drüber, jau, aber die bring’n die Welt voran. Sagt der Karl vor ‘n paar Tage noch, sagt er: “Keine Stunde würd’n die aushalten auf’m Bau. Gibste den’ ‘n Ziegelstein, kannst’se direkt mit einmauern!”
“Warum?”, hammer gefragt, der Ali, der Mönker und ich.
“Weil ‘se umkippen, die Hemden!”, hatter gelacht und sich aufs Knie geklatscht, der Karl. Ali und Mönker ham auch gelacht, ich nich’. Ich bin nich’ so’n Hohlkopp wie die. Für die is’ alles nur Beton und Sand und Bier und Fußball und heiße Bräute. Wir häng’ hier im Dreck und tun wie Könige, jaja. Könige mit kaputte’ Rücken, Knie, Hände, Füße, Nack’n, na schön' Dank. Nene, man muss sich nich’ totschuften um ‘n Mann zu sein. Das geht klüger. Das geht mit Grips.
Mein Junge, der hat nix am Hut mit Suff und Miezen und wasweißich. Hat mich schon gewundert am Anfang. Hab dumme Sachen gesagt. Hab’ ihm gesagt, ich versteh ihn nich’. Hab’ gesagt, ich war anders. Hab’ gesagt, is’ klar, dass, die ander’n Jungs ihn ‘ne Schwuchtel nennen. Keine Eier hat er, wehr’n soll er sich, oder stimmt’s etwa, biste ’ne Schwuchtel?, hab’ ich gefragt und dann nochma’ gerufen, als er heulend aufs Zimmer gerannt is’.
Und der kam nich’ mehr raus. Blieb im Zimmer, mein Junge. Hat geheult, mein Junge. Mensch, hab’ ich mir da die Karla zurückgewünscht. Die hätt’ ihn in den Arm genommen, hätt’ ihm gesagt, dass der Papa das nich’ so meint, dass der Papa ihn lieb hat und dann hätt’ sie ihm ’n Kuss gegeb’n. Karla hätt’ die Sachen gemacht, die 'n Mann einfach nich’ kann. Da bin ich neidisch auf Frau’n. Steh’ ich zu. Die ham uns was voraus mit den Emotion’. Mit Gefühl’n sin’ Kerle nich’ so gut. Is’ das Testosteron. Also was konnt’ ich denn mach’n?
Der Junge hat geflennt ohne Ende und ich saß unten und hab’ Fernsehn geguckt. Ich glaub’, ’s lief ’n Krimi mit ’nem Mann und ’nem Hund, der immer gebellt hat, wenn die Verbrecher inner Nähe war’n. Bin mir nich’ sicher. Hab’ eigentlich ich aus’m Fenster geguckt, in’ Garten. Grau war’s. Kein Regen, keine Wolken, aber grau. Der Himmel, die Wäscheleinen, die Hecken, der Rasen und Karlas tote Beete. Grau, grau, grau. Und ich auch. War alles grau in dem Moment und da kann man wieder drüber lachen, aber so war’s eben. Ich konnt’ da nix machen. Nix.
Am nächst’n Tag hab’ ich ihn nich’ geseh’n. Hat nich’ gegessen. Is’ nur runter geschlichen und hat die Tür geknallt.
“Mensch, Tom!”, hab’ ich gerufen, aber das hatter nich’ gehört oder es war ihm egal und ich konnte nich’ mal böse werden, weil ich doch wusste, was ich für scheißdumme Sach’n gesagt hab’. ’ne Woche blieb er weg. Dann zwei. Dann ’n Monat. Böse konnt’ ich nich’ werd’n, ne.
Alis Sohn arbeitet jetzt auch manchmal bei uns. Schule hatter durch und nur Zuhause hängen kanner nich’, sagt Ali. Hat den Mund nich’ aufbekomm’ am Anfang, der Bursche, aber jetzt isser fast einer von uns. Jammert nich’ bei ’er Arbeit. Trinkt sein Bier mit uns inner Pause. Macht auch so seine Witzchen und lacht mit dem großen Mund, guckt dabei zum Ali und wenn der Ali redet, da hält er die Klappe. Hab’ selt’n jemand’n so still geseh’n. Kleiner Ali ruf’n wer ihn.
“Mach dir nichts draus”, hat der Ali mir schön öfters gesagt und mir seinen schweren Arm über die Schultern gelegt. “Is’ nich’ deine Schuld, dass dein Junge abgehau’n is’. Ich hab Glück gehabt mit mei’m. Der’s jetz’ schon einer von uns, aber der Tom, ne, der war halt nix.”
Und dabei kannte Ali den Tom garnich’ wirklich. Aber ich hab nur genickt. Wollt’ eigentlich, dasser sein’ Scheißarm von mir runter nimmt. Dasser nich’ so von mei’m Jungen redet, weil er den nich’ ma’ gekannt hat, nich’ wie ich, und dann soll er mir nich’ was erzähl’n davon, wie Tom war, und scheiß Kanacke ,wollt’ ich sag’n und auch dass ’s nett is’, dass er mich tröst’n will, dass er sein Maul halt’n soll, dass er Recht hat, dass ich Tom lieb’ hab, immer noch, dass der Junge keine Eier hat, dass er geheult hat wie ’n Mädchen, wie ne Göre, dass ich nix machen konnte, weil alles grau war, aber ich hab’ nur genickt und wir sin’ wieder an die Arbeit.
Am Mittwoch kam ’n Brief von Tom. Zwei Seiten, vollgeschrieb’n mitter Hand. Was’n Vogel, hab’ ich gedacht, ruft nich’ an, schreibt ’n Brief, dieser Depp, hab’ ich gedacht, aber mich gefreut wie ’n Kind an Weihnachten. Hab’ den Umschlag immer noch. Ein großes Stück und sieben Schnipsel. Zerfetzt hab’ ich das Ding. Konnt’ ’s nich’ erwart’n. Wie Bolle hab’ ich mich gefreut, kannste mir glaub’n, aber ma’ sicher, wie Bolle.

Lieber Papa,

da wir uns sehr lange nicht mehr sehen werden, schreibe ich diesen Brief, um dir wenigstens ansatzweise zu erklären, warum ich dich verlassen musste.
Dass ich in der Schule nicht glücklich war, wusstest und weißt du. Ich wurde auf die verschiedensten Arten erniedrigt und obwohl ich mich an Lehrer, Tutoren, sogar den Schulleiter wendete, ergriff nie jemand Maßnahmen, die über eine Aufforderung zur Entschuldigung hinausgegangen wären. Kannst du dir vorstellen, wie es ist, in einem Kreis aus Menschen zu stehen, die “Spasti kann nicht stehen” singen, nein brüllen, während sie einen wieder und wieder zu Boden schubsen und solange treten, bis man aufsteht, nur um erneut gestoßen zu werden? Was glaubst du, wie es sich anfühlt, wenn eine Mitschülerin dir zwischen die Beine greift, dir sagt, sie könne deinen kleinen Mikropimmel gar nicht spüren und dabei presst und presst und presst, bis du versuchst, ihren Arm zu lösen, sie wegzuschubsen, was nur dazu führt, dass aus irgendeiner Ecke jemand kommt, um dich festzuhalten, damit du dich nicht wehren kannst, während sie dich anspucken und eine scheiß Schwuchtel nennen? Siehst du die ausdruckslosen Gesichter der Lehrer, ihre platten Fratzen, ihre Schultern, die nichts können, außer zu zucken?
Ich verlange zu viel von dir, ich weiß. Du kannst diese Dinge nicht verstehen. Du fragst dich, warum ich nicht einfach allen auf die Fresse gehauen habe. Warum ich nicht einfach eine Tracht Prügel nach der anderen verteilt habe. Hätte man dich zum Elterngespräch gebeten, um dir zu sagen, dass ich drei anderen Jungen die Nasen gebrochen habe, du wärst vor Stolz fast geplatzt. Ganz wie der Papa. Nase um Nase, Kiefer um Kiefer, hättest du zerprügelt. Ich nicht. Natürlich waren es immer mehrere, natürlich war ich immer der Schwächere, aber ich bin mir sicher, dass ich mich selbst dann nicht gewehrt hätte, wenn das Kräfteverhältnis ein anderes gewesen wäre. Ich bin kein Kämpfer. Die Wut fehlt mir, der Hass. Außer Angst hatte ich ihn diesen Momenten, diesen Jahren nichts. Es war keine Angst vor härterer Bestrafung, es war gar keine Angst vor irgendetwas. Es war diffuse, unförmige, allumfassende, lähmende, unnenn- oder grenzbare, ewig metastasierende Furcht. So real wie die Fäuste, die Füße, die Beleidigungen und schwarzen Flecken, die wie Brandlöcher durch mein Blickfeld wuchsen, wenn ich kurz davor war, mein Bewusstsein zu verlieren, so real, aber längst nicht so beschränkt. Sie war all diese Dinge und auch alles sonst. Sie war mein Zimmer, der Blick aus dem Fenster, die Müdigkeit am Morgen, der Sand in meinen Augen. Wenn wir abends zusammen aßen, dampfte sie in den Tellern, schwang sie im Brummen des Kühlschranks, im Murmeln des Fernsehers nebenan. Sie war die Stühle, der Tisch, das Besteck, das Licht und sie war auch du, ganz besonders war sie du.
Sie war dein kaputter Körper, deine abgeriebenen Fingerkuppen und dein in der sauren pissfarbenen Sonne gegerbtes Gesicht. Wenn wir vor dem Fernseher saßen, irgendeinen Krimi guckten und du mit leeren Augen neben mir ein Bier trankst, furzend, stöhnend und gedankenlos, schob sie mir ihre heißen schwarzen Fingerspitzen durch die Schläfen in die Augäpfel und drehte, drehte, drehte, bis meine Augen nach innen zeigten. Und weißt du was ich sah? Nichts. Mein Kern ist leer. Es gibt mich nicht.
Wahrscheinlich ergibt das für dich alles keinen Sinn, aber deswegen musste ich gehen. Es war nicht auszuhalten.
Grüß doch bitte Ali, Karl und Mönker von mir. Auch Alis Sohn, ich hoffe, er macht sich gut auf dem Bau. Seinen Namen hast du mir nie gesagt. Komisch eigentlich.
Hab’ dich lieb.
Dein Sohn,

Tom


Franz. Alis gottverdammter Sohn heißt Franz. Hab’ Ali danach gefragt und er meinte, er wollt’ ’n deutschen Namen für sein’ Sohn, desweg’n Franz. Karl, Mönker und ich ham’ uns gar nich’ mehr eingekriegt, lach’n auch immer noch jedes Mal, wenn wer den Jung’n ruf’n. "Frahaaaanz", ruf’n wer und der Junge rollt mit den Augen, aber er kommt und Ali findet 's auch irgendwie lustig, grinst jedenfalls immer so blöde. Wenn Tom wieder da is’ werd’ ichs ihm sagen. Wird sich nich’ mehr einkriegen, mein Junge. Beömmeln wirder sich. Wir beide. Wir werd’n lachen und lachen und lachen.
 
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Hallo @Sisorus

mein erster Eindruck: Das finde ich gut.
Vielleicht könntest Du bei dem Teil in Jargon-Sprech ein bisschen umbauen, damit nicht ganz so viele Apostrophen durch den Text schwirren. Das ist zwar authentisch, aber vom Schriftbild her leider auch etwas anstrengend bei der Menge.
Der Brief des Sohnes ist für meinen Geschmack ein bisschen zu abgehoben formuliert. Da ahne ich die Intention des Autors, den Gegensatz der Beiden zu verdeutlichen. Ist auch in Ordnung, aber, wie meistens gilt: Weniger ist mehr.
Ansonsten, wie gesagt: Guter Text. Ein sensibler, intellektuell anspruchsvoller Schüler wird gemobbt und erhält keine Unterstützung vom alleinerziehenden Vater. Von den Lehrerinnen sowieso nicht. Das ist zwar hart an der Grenze zum Klischee von den Bildungsfernen, aber Du zeigst auch die ambivalente Haltung des Vaters und das mindert mein spontane Ablehnung beim Lesen. Er steckt eben auch in seinem Rollenklischee fest. Dass er zum Abschluss anscheinend doch nichts kapiert, finde ich schade, aber es ist ja Deine Geschichte.
Den Titel habe ich nicht kapiert. Aber vielleicht lese ich noch mal etwas gründlicher.

Schönen Gruß
Kellerkind
 
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Hallo Sisorius

Der Text hat schon was. Mich spricht auch die Thematik an, bin ich doch selbst ein Apfel, der sehr weit von seinem Stamm gefallen ist.
Mir ist die Geschichte allerdings zu direkt in dem, was sie zeigt. Das betrifft zum einen die ambivalente Haltung des Vaters. Statt seine Liebe durchschimmern zu lassen oder aber seine Verachtung, diese Haltungen irgendwie geschickt zu verweben, stellst du sie an mehreren Stellen direkt nebeneinander und das in allerdeutlichsten Formulierungen. Das springt manchmal so sehr hin und her, dass mir die Figur eher inkonsistent denn ambivalent erscheint.

dass er Recht hat, dass ich Tom lieb’ hab, immer noch, dass der Junge keine Eier hat, dass er geheult hat,
schreibt ’n Brief, dieser Depp, hab’ ich gedacht, aber mich gefreut wie ’n Kind an Weihnachten.
Überhaupt erklärt sich der Vater an einigen Stellen doch sehr überdeutlich, wie zum Beispiel hier:
Da bin ich neidisch auf Frau’n. Steh’ ich zu. Die ham uns was voraus mit den Emotion’. Mit Gefühl’n sin’ Kerle nich’ so gut. Is’ das Testosteron.
Auch der Brief des Sohnes ist mir im Sprachduktus zu drüber, als müsste der Gegensatz unbedingt ganz offensichtlich werden. Wie Kellerkind denke ich, dass hier weniger mehr wäre.

Am meisten Mühe habe ich mit der Gesamtkonstruktion. Die Gegenüberstellung von Vater und Sohn anhand zweier Monologe zu gestalten, ist mir zu simpel. Insgesamt gab mir der Text wenig zu entdecken, konnte mich kaum überraschen, es gibt ja auch wenig Entwicklung oder Dynamik.

Den Schluss allerdings fand ich wirklich gelungen. Dass der Vater gar nicht auf den eigentlichen Inhalt des Briefes eingeht, sondern sich über diesen Namen auslässt und dann aber in seinen Gedanken doch den Sohn wieder mit einbezieht und imaginiert, wie sie gemeinsam lachen. So müsste der ganze Text sein, habe ich mir gedacht, indirekter, unvorhersehbarer.

Lieber Gruss
Peeperkorn
 
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Ich antworte morgen en-detail, möchte aber schonmal klarstellen, dass ich denke, dass ihr mit euren Kritiken absolut ins Schwarze getroffen habt. Danke für's Lesen und die wertvollen Anmerkungen.

LG,
Sisorus
 
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Hallo @Sisorus

oha. Ich mochte das.

Das Ende hat mich gerührt. Du hast den Vater sehr gut getroffen wie ich finde. Diese sinnlose Härte, die Ausreden für Gefühllosigkeit, man sei ja schließlich ein Mann und könne nicht anders ... das ist mir alles so zuwider, dass ich richtig mitfühlen konnte. Alles, was unmännlich oder unnormal ist wird belächelt oder verschlagen. Dabei versumpfen die Männer langsam selbst in ihrer Monotonie, bis sie eines Tages sogar die einfachsten Gesten wie Umarmungen nicht mehr hinkriegen. Also: Großes Lob für den Dad.

Mit dem Sohn hatte ich ein bisschen meine Probleme. Ich finde auch, dass der Brief sehr gestelzt wirkt. Klar, der Kontrast sollte möglichst groß sein, aber das ist eine Spur drüber und lässt den Jungen dadurch auch elitär und arrogant erscheinen. Ich fände es persönlich stärker, wenn man die Verzweiflung des Sohnes in den Zeilen spürt. Er will seinem Vater seinen Schmerz begreiflich machen. Da braucht er keine Top-Grammatik. Große Teile des Briefes sind gut, es geht nur um ein zwei Stellen.

Ich geh einfach mal durch den Text durch. :)

Gibste den’ ‘n Ziegelstein, kannst’se direkt mit einmauern!”
Finde ich super. Anfangs fand ich den Dialekt ganz schön dick aufgetragen, aber wenn man sich nach ein paar Zeilen einliest, dann funktioniert das richtig gut.

Hab’ eigentlich hab’ ich aus’m Fenster geguckt, in’ Garten. Grau war’s.
Finde ich auch schön. Wie er beiläufig über seine Beobachtungen etwas über seine Gefühle preisgibt.

Alis Sohn arbeitet jetzt auch manchmal bei uns.
Dieser Satz ist richtig aus dem ganzen Dialekt herausgestochen, weil er so sauber aussieht. ;) Vielleicht so?

»Der Kleene vom Ali packt nu auch mit an am Bau.«

Oder so ähnlich, kenne mich Null aus mit Dialekten. :D

Es war diffuse, unförmige, allumfassende, lähmende, unenenn- oder grenzbare, ewig metastasierende Furcht.
Sie war all diese Dinge und auch alles sonst. Sie war mein Zimmer, der Blick aus dem Fenster, die Müdigkeit am Morgen, der Sand in meinen Augen. Wenn wir Abends zusammen aßen dampfte sie in den Tellern, schwang sie im Brummen des Kühlschranks, im Murmeln des Fernsehers nebenan. Sie war die Stühle, der Tisch, das Besteck, das Licht und sie war auch du, ganz besonders war sie du.
Das ist zu poetisch, hier bin ich im Brief dann ausgestiegen. Ich mag das Bild der allgegenwärtigen Angst, aber das klingt eher, als wolle er den Vater mit seiner Poesie beeindrucken. Hier würde ich das ganze runterkochen und echter formulieren. Er kann ja sagen, das die Angst immer da war, aber eben nicht so verschachtelt und meta. :)

Das Ende finde ich, wie gesagt, auch richtig gut. Sehr rührend, wie der Vater sich vorstellt, gemeinsam mit dem Jungen zu lachen. Seine Reaktion wirkt auch so echt. Jemand wie er würde sich nicht von einem Brief komplett umstimmen lassen, kann sich auch garnicht mehr verändern. Er kann nur darauf reagieren, wie er immer reagiert.

Also ein Lob, mir hat der Text sehr gefallen. :)

Viele liebe Grüße, PP
 
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"In den verschiedenen Etagen
Redeten die Leut verschiedne Sprachen:

Die ganz oben
Sprachen gehoben,
Die in der Mitt’
Sprachen Durchschnitt
und die gerad noch satt
Redeten einfach platt.

Die aber in den Gossen lagen
Schwiegen & träumten von bessern Tagen."
„Babbel“ aus „Kadingirra oder Bab-ilim ist überall“​

Wir häng’ hier im Dreck und tun wie Könige, jaja. Könige mit kaputte’ Rücken, Knie, Hände, Füße, Nack’n, na schönen Dank.
Tach,

Sisorus,

wir kenn‘n uns schon seit de Revelution, weiße noch, ne? Schon da hatt‘ ich dat Jefühl, daddet wat wird und et wird wat, selbs‘ wennet getz noch so kommt, dat ich mich de Vorredner anschließ (vorschreib‘n tun se ja nix, selbs‘ wenn se vor mich jeschrieb‘n ha‘n. Ließ mich da auch nix vorschreib‘n) und dat schwierichste is‘ für mich de Titel

Apfelbrief
obwohl‘er mich anne Genesisters auße Vatreibung ausem Paradies (ers‘de Emantze, Liilith, dannet Evchen und dann der olle Adam. Aba wat zuerst mich auffällt, sinte Endungen – wie se im Einjangszitat stehn und ziemlich uneinheitlich wirken

Wir häng’ , … Könige mit kaputte’ Rücken, … Nack’n, na schönen …
obwohl in Dialekt/Mundart und Soziolekt einheitliche Regeln bestehen, die selbst Jargon und Slang, also was ein Individuum da plappert, näherungsweise folgen. Aber ich denk mal, dass Du dies Merkmal bewusst genutzt hast, um den Slang (oft abwertend, weil fehlerhafte Form von Umgangssprache; das Wort selbst wurde im 19. Jh. aus dem engl. entlehnt – man hört‘s ja in der Aussprache - und bezeichnete dort vor allem die Gaunersprache), darum werd ich die Vatersprache auch nicht weiter unter die Lupe nehmen, schließlich wird die gesprochene, flüchtige Sprache - kaum haben die Laute die Zunge verlassen, sind sie ins eine Ohr rein und zum andern wieder raus – erst zum richtigen Problem, wenn sie verschriftlicht eingefangen werden. Und – selbst wenn ich Hochsprache sprech, wird jeder den Ruhrpöttler und Rheinländer erkennen (das östliche Ruhrgebiet – Münster- und Sauerland – ist sächsisches [ostfälisches] Gebiet, in das – wie an der rheinfänkischen Seite - noch polnische, italienische, griechische und türkische – Kanakdeutsch – und jiddische Elemente mitschwingen). Und das der Mann Neuhochdeutch sprechen kann, leuchtet gelegentlich auf – wie hier
Das geht klüger. Das geht mit Grips.
Was für ein Kind, das in Mundart gebadet wird, bedrohlich wirken muss, weil da hoher Ernst mitschwingt ...

Und dann doch eine Eigenschaft, nicht erschrecken, denn hier
’Ne Woche blieb er weg. Dann zwei.
wäre die Minuskel statt der Majuskel angesagt, schließlich ersetzt der Apostroph den ersten Laut und die ersten zwo Buchstaben "Eine ..."

Kommen wir zum Brief!

Dass ich in der Schule nicht glücklich war, wusstest und weisst du.
wissen“ wird in der 2. sing. Person Präs. gedehnter ausgesprochen als im Prät., warum „weißt“ Du wahrscheinlich selber.

Hätte man dich zum Elterngespräch gebeten, um die zu sagen, dass ich drei anderen Jungen die Nasen gebrochen habe, …
Hier weiß ich nicht, ob der Sohn in Ruhrlatein- da vollzieht der Akkusativ die Rache des Genitivs am Dativ - spricht (eher nicht,) oder (wahrscheinlicher) den Vater mit dem vertrauten „du“ im Dativ anzusprechen

Natürlich waren es immer mehrere, natürlich waren ich immer der Schwächere, …
Es war diffuse, unförmige, allumfassende, lähmende, unenenn- oder grenzbare, …
unnenbare“

..., wenn ich kurz davor warKOMMA mein Bewusstsein zu verlieren, so …
Wenn wir Abends zusammen aßenKOMMA dampfte sie in den Tellern, s…
abends“

Gern gelesen vom

Friedel
 
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20.05.2017
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So, dann mal an die Arbeit!

Wie beim Hausbau, fange ich im Keller an @Kellerkind

Mensch, die Apostrophe. Ja, gehen mir selbst tierisch auf den Zeiger und, hätt’ ich den Text nicht mit der Absicht getippt, ihn hier an die E-Wand zu nageln, hätt’ ich sie wohl ganz weggelassen. Ich werd’’’’ mir da noch etwas überlegen. Find’s auch blöde. Der Brief ist plump geworden, da hast du recht. Ich glaube, dass die Konstruktion des Textes (@Peeperkorn weiß, was Sache is’) grundlegend verunglückt ist. Viel Innen, wenig Außen, die Kontraste, da gebe ich dir, euch uneingeschränkt recht, zu ungeschickt und stark. Dass ich das Thema deiner Meinung nach dennoch nicht völlig vor die Klischeewand gefahren habe, freut mich. Das war auch meine Intention. Ich wollte eine Figur, näher am Klischee, als am Archetypen, feiner zeichnen, als sie oft dargestellt wird.
Mach dir wegen des Titels keinen Kopf. Ist nicht besonders clever. @Peeperkorn hat’s eigentlich schon erraten. Der Apfel hat eben ein Briefchen verfasst, mehr steckt da nich’ hinter.
Vielen Dank für deine hilfreiche Kritik!

@Peeperkorn

Wie bereits gesagt, denke ich, dass du mit deiner Fundamentalkritik absolut recht hast. Sie ist zu direkt, der Aufbau ungeschickt. Das geht besser und ich werde mich nochmal ans Schreibebrett klemmen, um eine klügere Lösung zu suchen. Ich glaube, dass ein Großteil der ziemlich unbeholfen wirkenden Direktheit der Konstruktion zu verdanken ist. Wir sind so nah am Vater, dass wir zeitweise zwischen seinen knubbligen Ohren stecken und eher seinen Gedankenstrom beobachten, als ihm beim Erzählen zuzuhören. Und Gedankenstrom ist manchmal einfach nicht besonders elegant, glaube ich. Bzw. gelingt es mir, wenn überhaupt, selten ihn elegant zu schreiben. Vielleicht müsste ich die Syntax stärker lösen, um die Form glaubhaft zu machen? Ich bin mir da noch unsicher. Und ja, der Junge schreibt nicht besonders aufregend. Da sollte auch etwas passieren.
Alles in allem: ich stehe zu 100% hinter deinen Kritiken. Vielen Dank für’s Lesen und die Anmerkungen! Und es freut mich natürlich, dass dir der Text am Ende dann doch etwas bieten konnte :)

@PlaceboParadise

Das freut mich! Und ja, der Vater ist eine traurige Gestalt. Ihn habe ich beim Schreiben (interessant, wie gut man das am Text erkennt) auch deutlich intensiver gespürt. Er möchte seinem Sohn nah sein, er liebt ihn aus tiefstem Herzen, aber er ist ein absoluter Krüppel. Mehr noch als seine Knie und sein Rückgrat, hat das Leben sein Innenleben geschunden. Er ist nicht dumm, nicht böse, er ist kaputt. So sehe ich ihn jedenfalls.
Beim Sohn gebe ich dir recht. Der Brief muss überarbeitet werden, das war mir von Anfang an klar, glaube ich. Der Text blieb auch nur im Forum, weil ich keine Option fand, um Threads zu löschen :’D Ich schäme mich dafür, wie unfertig er ist. Schön, dass du dir trotzdem die große Mühe (das meine ich völlig ernst, auch wenn “große Mühe” sich irgendwie sarkastisch anhören mag. Ist ‘ne Heidenarbeit, die ihr euch hier für mich macht, weiß ich wohl!) gemacht hast :)
Vielen Dank auch dir fürs Lesen und Kritisieren. Deine Anmerkungen werde ich bei der Überarbeitung heranziehen!

@Friedrichard Friedel Siegfriedrichard der Drachentöterich,
schön, dass du vorbeischaust! Und vielen Dank für das Gedicht :)

Natürlich erinnere ich mich an die Revolution! Und du kannst dir aber mal sicher sein, dass ich ab und zu den ein, anderen oder selben Gedanken an dich verschwendet hab seitdem. Bin sowieso überzeugt davon, dass in ferner Zukunft ein junger Digi-Archäologe dieses Forum ausgraben und zu deinem Magnum Opus ernennen wird. Das meine ich zwar nicht völlig ernst, aber ernst genug, damit’s ‘n ehrliches Kompliment is’ :) Von dir les’ ich immer gern’. Danke dir auch fürs zuversichtige Gefühl von damals. Hört man gern sowas, als Mensch, der sich was und vor allem das, also das hier vorgenommen hat. Genug geschwafelt und geschleimt! Biss in den sauren Apfel:

Der Titel is’ blöde, find’ ich. Hab’ ihn auch nur d’rübergesetzt, damit da was steht. Schreib’ immer ohne, bin kein Titelschreiber, könnt’ man sagen und sogar denken. Ich überleg’ mir das nochmal, versprochen.

Und jau, die Mundart. Bin selbst kein Sprecher. Viel herumgezogen und fast alles gehört, aber spreche nix. Ich hatte auch so meine Zweifel, was den Einsatz (und alle Sätze sonst auch) betrifft. Was ist nu’ authentische Mundart? Wie schreibt man sie? Muss da wirklich alles sitzen? Sitzt denn da beim Mundartsprecher alles, oder verhaspelt auch der sich mal richtung Bürokratendeutsch? Wieder ein Versprechen: ich werde den Text in ein paar Tagen mit Distanz (so soll man’s machen, nicht?) überarbeiten und dabei auch die Mundart Apostroph für Apostroph durchgehen und überdenken. Beim Schreiben war ich nicht vorsichtig genug, dafür schulde ich dir und allen anderen hier eine Entschuldigung.
Vielen Dank auch dir, Friedel, fürs Lesen und die wertvollen Anmerkungen. Ein paar der kleinen Schnitzer korrigier’ ich gleich, die großen, die groben und gigantischen dann später.

An alle: Nochmals vielen Dank!

Kuss,

Sisorus
 
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Bas

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Hallo @Sisorus,

mir ein bisschen Willensanstrenung habe ich es geschafft, durch leichte Schiefstellung meiner Augen all die Apostrophe verschwinden zu lassen, und siehe da, zum Vorschein kam eine tolle Geschichte! ... Aber ja, die Apostrophe, die sind echt schrecklich. Da sie sich aber bestimmt nicht gänzlich vermeiden lassen, ohne, dass der Text seinen Babbel-Sound einbüßt, würde ich dir zumindest empfehlen, auf dieses hier - ' - zurückzugreifen. Sieht bisschen ... sauberer aus, find ich.

Ich weiß gar nicht, was ich zum Inhalt groß sagen soll, außer halt, dass es mir gefällt, dass ich es sogar ein Stück weit mutig finde, so ein Thema aufzugreifen. Da kann einiges schief gehen, der Vater könnte zu sehr Proll, der Sohn zu sehr, pardon, Schwuchtel werden, aber du hältst da gut die Waage - auch wenn der Vater schon gefährlich nah am Klischee schrammt, aber nee, ich find das gut, wie es ist.

Finde es auch gut, dass du nicht versuchst, allzu sehr auf die Tränendrüse zu drücken, obwohl das ja schon irgendwie zum Heulen ist, wie fremd die beiden sich sind, aber du wahrst da die Distanz, die die "Beziehung" der beiden ja auch auszeichnet, wäre komisch, wenn die sich dann am Ende heulend in den Armen liegen und alles gut ist. So ein Brief ist da wohl die ideale Lösung für dieses Dilemma.

Meines Erachtens könnteste aber hier und da noch mal mit dem Poliertuch drübergehen:

Hab’ eigentlich hab’ ich aus’m Fenster geguckt
Ein hab zu viel?

“Kleiner All” ruf’n wer ihn.
Ist ja keine wörtliche Rede im eigentlichen Sinne, sonst müsste da ein Komma nach den Anführungszeichen, würde es vielleicht kursiv schreiben, sähe vielleicht besser aus.

“Mach dir nichts d’rauß”
Bitte ein mal mit ohne scharf-S, also das draus, und wenn du schon dabei bist, kannst du das Apostroph ja gleich weglassen.

weil er den nich’ ma’ gekannt hat, nich’ wie ich und dann soll er mir nich’ was erzähl’n davon
Hätte da ein Komma nach "wie ich" gesetzt

und scheiß Kanacke, wollt’ ich sag’n und auch dass ’s nett is’,
Hier würd ich das Komma nach dem Kanacke weglassen und stattdessen vor das "und auch ..." setzen

dass er geheult hat, wie ’n Mädchen,
Komma könnte weg, find ich

dass ich ihn nix machen konnte,
Klar, son Kerl redet grammatikalisch nicht einwandfrei, fände "ihm" aber trotzdem schöner als "ihn"

schreibe ich dir diesen Brief, um dir wenigstens ansatzweise zu erklären
Hier ließe sich das erste "dir" einsparen

wie es ist in einem Kreis aus Menschen zu stehen
Komma nach "ist"

während sie einen wieder und wieder zu Boden schubsen und solange treten, bis man aufsteht, nur um erneut gestoßen zu werden?
Ja, dieses leicht übertriebene, theatralische passt zu dem Bild, dass du von dem Bub malst, aber hier schlägt er vielleicht ein wenig über die Stränge mit seiner Formulierung. Wie wäre es mit ... "während sie einen wieder und wieder zu boden schubsen und so lange zutreten, bis man aufsteht, nur, um wieder von vorne zu beginnen" oder so ähnlich. Ich glaube, was mich hier stört, ist die Häufung der ... hier ... körperlichen Verben, sozusagen, also schubsen, treten, aufstehen - und dann noch mal stoßen.

bis du versuchst ihren Arm zu lösen
Komma nach versuchst

Siehst du die ausdruckslosen Gesichter der Lehrer, ihre platten Fratzen, ihre Schultern, die nichts können, außer zu zucken?
Auch hier im Grunde wieder passen, das leicht übertriebene, dichterisch, literarisch angehauchte "Siehst du ...", mir persönlich gefiele da so was wie "Kannst du dir die ausdruckslosen Gesichter vorstellen ..." glaube ich besser. Auch ob mir die Schultern, "die nichts können, außer zu zucken" gefallen, weiß ich nicht recht.

schwarzen Flecken, die wie Brandlöcher durch mein Blickfeld wuchsen,
siehe oben - im Grunde gut, nur etwas plump, die Formulierung, dieses "durch mein Blickfeld wuchsen. Vielleicht einfach "schwarze Flecken, die sich in mein Blickfeld brannten"?

nd er meinte, we wollt’ ’n deutschen Namen für sein’ Sohn
"We"? Meinst du vielleicht "se", also "sie", oder versteh ichs nur falsch?

Wie gesagt, sehr gerne gelesen, Sisorus, musste auch wieder an deinen "Holzkopf" denken, den ich immer noch gut im (Holz-)Kopf habe, geht ja thematisch in eine ähnliche Richtung. Finde, das steht dir gut, dieses ... psychologische Beleuchten solcher Menschen und freue mich schon auf weitere Geschichten von dir.

Bis bald,

Bas
 
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20.05.2017
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@Bas Ja moin ja moin ja moin!

Danke für den Vorschlag bzgl. des Apostrophs. Eigentlich benutze ich ebendieses gerade. Der Kopiervorgang vom Textbearbeitungsprogramm in die Wortkriegermaske macht nur seltsame Dinge mit meinen Texten, habe ich das Gefühl. Ich werd's beim nächsten Überarbeitungsvorgang mal genauer im Auge behalten :) Kleinere Schnitzer werden natürlich augenblicklich beseitigt. Danke fürs Lesen und Korrigieren, weiß ich sehr zu schätzen.

Liebe Grüße,
Sisorus

P.S.: Du warst fleißig, nicht? Hab in diversen Publikationen Texte von dir erspäht! Mosaik hatte da z.B. was mit 'nem schmelzenden Rattenkopf, wenn ich mich recht erinnere? Sehr cool und motivierend zu sehen, wie du reinhaust :))
 
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10.09.2016
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Hey @Sisorus ,

naja, der "nächste Überarbeitungsvorgang" (Antwort an Bas) lässt ja wohl auf sich warten ...

Wie auch immer. Wir kennen uns noch nicht, aber da mir dein "Wurzeln im Sand"Text beim Anlesen sehr gefallen hat, wollte ich dir dazu einen Kommentar schreiben. Hab im Suchfeld deinen Namen eingetippt und bin auf diese Geschichte gestoßen und augenscheinlich auch etwas länger geblieben.

Der Text hat mir sehr gut gefallen. Man merkt, dass du ein Talent hast, mit Sprache umzugehen, und um ehrlich zu sein, frage ich mich wirklich, warum Jimmy diesen Text noch nicht kommentiert hat :lol:
ich hoffe, er hat ihn zumindest gelesen. Das erinnert mich einfach so krass (was ja nichts heißen muss) an seine Serie "Das dunkle Herz der Männer". Würde ich dir sehr empfehlen, da mal vorbeizuschauen. In meinem Kopf flattert so der Begriff "Rollenprosa" rum, weil der in diesem Zusammenhang häufiger gefallen ist. Weiß aber nicht, ob ich den ganz richtig einordne.
Wie auch immer. Einfach gut geschrieben. Meistens authentisch, was hier, stelle ich mir zumindest so vor, eine echte Herausforderung ist. Konsequent empfinde ich es auch, weil du eben in derselben Sprechweise bleibst und das durchziehst.

Ich fände es schade, wenn du die Kritik der anderen gar nicht nochmal in einem Überarbeitungsversuch austesten würdest (oder tue ich dir Unrecht und du hast das offline schon gemacht). Gemeint ist der Brief. Kellerkind hat das ja sehr treffend auf den Punkt gebracht: "Der Brief des Sohnes ist für meinen Geschmack ein bisschen zu abgehoben formuliert. Da ahne ich die Intention des Autors, den Gegensatz der Beiden zu verdeutlichen." Peeperkorn hat das nochmal zementiert. Wenns dir einen Anstoß gibt: ohne das jetzt nochmal alles durchzukauen – der Brief wirkt auch auf mich too much in seiner jetzigen Form. Kellerkind hat da ja auch schon gleich einen passenden Rat formuliert: Manchmal ist weniger mehr.
Einfach mal ransetzen und ausprobieren.

Ich will dich jetzt nicht weiter in den Himmel loben, aber dir zumindest mal an der Stelle sagen, dass du m. M. nach eine besondere Schreibe hast und unbedingt dranbleiben solltest.

man muss sich nich’ totschuften KOMMA um ‘n Mann zu sein
Eierköppe, kann man lachen drüber, jau,
fand ich irgendwie gut.

Mein Junge, der hat nix am Hut mit Suff und Miezen
das auch. Vor allem "Miezen". Das sagen für mich nur Mitfünfziger, traditionelle Typen oder Leute, weil sie sich 'trashig' darauf beziehen. Hilft mir, die Stimme des Vaters beim Lesen auch wirklich zu hören.

hab’ ich gefragt und dann nochma’ gerufen, als er heulend aufs Zimmer gerannt is’.
Das, fand ich, fiel etwas aus dem Erzählduktus raus. Hier meinte ich zu merken, dass du zwar nicht ganz ungeschickt, aber trotzdem für meinen Geschmack zu szenisch wirst an der Stelle. Es passt eben für mich nicht zu diesem verwachsenem Gebrabbel, dass der sonst so von sich gibt. Ist mir zu aufgeräumt.

Blieb im Zimmer, mein Junge. Hat geheult, mein Junge.
würde beide Male mein Junge streichen

die 'n Mann einfach nich’ kann. Da bin ich neidisch auf Frau’n. Steh’ ich zu.
Fand ich super. Weil das eine Perspektive auf das Rollenthema ist, dass ich ihm abkaufe. Ein bisschen wie beim "Tatortreiniger" (den ich leider nicht so richtig geil finde)

mit den Emotion’
Geil, dass du das verkürzt hast. Steckt viel drin.

Der Junge hat geflennt ohne Ende und ich saß unten und hab’ Fernsehn geguckt.
ich saß unten, hab' Fernsehn geguckt

zu dem Apostroph-Thema. Hast du mal versucht, die einfach wegzulassen oder zumindest manchmal und dafür regelmäßig (etwa bei ganz häufigen Reduktionen wie 'n für ein)?

Hab’ eigentlich ich aus’m Fenster geguckt
hier musste ich auch sehr an Jimmy denken. Schreibt er in der wörtlichen Rede auch so (zum Beispiel in seinem aktuellen Text, den Geist tragen).

weil ich doch wusste, was ich für scheißdumme Sach’n gesagt hab’
’ne Woche blieb er weg. Dann zwei. Dann ’n Monat.
klar ist das seine Interpretation, die ja nicht wirklich richtig ist (es geht ja mehr um das Mobbing in der Schule). Aber seine Selbstanklage kaufe ich ihm hier nicht ganz ab. Ich glaube, dass er eher zweifeln würde, ob es wirklich nur seine Sprüche waren.

der Tom, ne, der
nee

unförmige, allumfassende, lähmende, unnenn- oder grenzbare, ewig metastasierende Furcht
Mein Kern ist leer.
diese zwei als Beispiel für die Kritik am Brief, die ich auch teile.

Hey Sisorus. Guter Text, hat mir sehr gut gefallen. Aber der braucht, finde ich, wirklich noch diese letzte Überarbeitung. Das wäre er, zumindest aus meiner Sicht, allemal wert. Da fehlt ja nur noch der Feinschliff (meine Meinung) und nochmal ne kleine Session, was den Brief angeht. Eine letzte Sache noch: Wie hast du den Titel gemeint? Habe ich was übersehen?

Viele Grüße
Carlo
 
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20.05.2017
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120
@Carlo Zwei
Du hast absolut recht. Ziemlich armselig von mir, den Text hier so stehen zu lassen. Es ist faul und feige. Die Überarbeitung ist jetzt ganz oben auf meiner Liste. Sobald sie fertig ist, gehe ich auch genauer auf deinen Kommentar ein. Vielen Dank für die lieben Worte und den Tritt in den Hintern.

LG
Sisorus

P.S. zum Titel: Der Apfel fiel vom Stamm, schrieb einen Brief. Recht plump, aber wenigstens wird Papier aus Holz hergestellt :)
 

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