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  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

Archuego

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Archuego

Sein Job war es, den Müll aufzuräumen. Die Getränkedosen, Snackverpackungen und messerscharfen Glasscherben dieser Welt. Alle Besucher hier hinterließen welchen, in einer Bar ist das so üblich. Es war wie sonst auch wieder zum Bersten voll. Die meisten kamen her während ihrer Freizeitschicht, doch er musste hier arbeiten. Acht Stunden lang, jeden Tag. Er blickte hinüber zu den Toilettentüren, seufzte innerlich ob des Chaos, das dort wohl wieder herrschen mochte. Beheizte Toilettensitze, automatisches Spülen und Abspritzen der Gesäßöffnung, Wasserhähne und Seifenspender mit Bewegungssensoren und die Wahl zwischen einem handtemperaturangepassten Föhn und einer algorithmisch portionierten Menge von Papiertüchern für die nassen Hände. Ein Mülleimer, der den Gästen auf Schritt und Tritt folgt und den fest montierten ergänzt, fehlte allerdings noch. Bis dahin oblag es ihm wohl, die Horden an Papier-, Plastik- und Fäkalienresten, die zu Fliesenboden gingen, selbst einzuräumen.
Die Uhr gab ihm Hoffnung: Nur noch eine halbe Stunde bis Schichtende. Manchmal wünschte er sich, er könnte auch seine Freizeit hier verbringen. Es gab viele Orte ähnlich zu diesem, aber keinen, der genau wie dieser war. Nirgends sonst wurden die Schnapsflaschen im offen gekühlten Regal hinter den edelhölzernen Tresen derart raffiniert und kunstvoll ausgeleuchtet, kein lederbezogener und automatisch höhenverstellter Hocker, auf dem er je gesessen hatte, konnte ihn im Sitzkomfort derart überzeugen wie die in dieser Bar. Doch er wusste, dass Arbeit und Freizeit strikt zu trennen waren. Er hatte keine andere Wahl: Sobald er durch die Ausgangstür treten würde, um seine Arbeitsschicht zu beenden, gäbe es kein Zurück. Einer der Tische wurde frei. Eine zertretene Dose unter dem Tisch und einige Verpackungen in die Sofaritzen gequetscht – das Übliche.

Die Tür fiel hinter ihm zu, die Bässe der elektronischen Musik waren noch leicht zu hören. Vor ihm die endlosen Gänge: Die Wände waren matt Platinweiß mit zwei neonblauen Leuchtstreifen auf Kopf- und Kniehöhe, die die komplette Länge der Wand durchzogen. Mit nur etwa eineinhalb Metern Breite und zweieinhalb Metern Höhe konnte es in den Gängen schnell klaustrophobisch werden, doch niemals begegnete man einem anderen Menschen auf ihnen. In rechten Winkeln mäanderten die Gänge endlos weiter, sporadisch tauchte zur Linken oder Rechten eine Tür mit einem kleinen runden Fenster auf, durch das man sich ein Bild vom Innern machen konnte. Für seine Freizeitschicht hatte er freie Wahl, welche Location er dafür aufsuchen möchte. Es würden ihm ohnehin nur Türen zu Räumen angeboten, die er für seine Freizeitgestaltung begehrte. Er war jung; Discos, Bars und Sportclubs waren seine Welt. Seine Eltern hingegen verbrachten wohl gerade ihre Zeit in einem dieser Diners, mit der langsamen, krächzenden Musik und den Menschen mit peinlichen Frisuren hinter der Theke.
Dieser Ort, Archuego, erlaubte keinem Menschen den Zutritt zu seinem Schlafzimmer, bis seine Freizeitschicht vorüber war und die Freizeitschicht musste immer auf die Arbeitsschicht folgen. Ein geregelter Tagesablauf für ein ökonomisches Miteinander, bestehend aus Dritteln zu jeweils 8 Stunden. Kriminelle hingegen verschwanden einfach. Es wurde gemutmaßt, dass sie bis ans Ende ihrer Tage auf den Gängen umher irrten, alle Türen nur den Weg in ein bodenloses Loch bereiteten.
Er fragte sich, ob die Gänge tatsächlich endlos waren. Würde er, solange er nur ihrem Verlauf folgt, irgendwann in eine Sackgasse gelangen? Oder würde er im Kreis gehen und nach einiger Zeit wieder vor der selben Tür stehen? Er sah jeden Tag die gleichen Menschen an den gleichen Orten, so groß konnte diese Welt doch wahrlich nicht sein. Er beschloss, einige Stunden lang den Gängen zu folgen, länger als er es sonst je getan hatte. Üblicherweise entsprach sofort die erste oder zweite Tür entlang des Ganges seinem Gusto.

Die Stunden vergingen. Die Türen zeigten abwechselnd Räume, die er bereits bestens kannte und solche, die er gerne noch sehen würde. Doch ein Ende war nicht in Sicht, die Gänge wussten stets noch Ungesehenes vorzubringen. Später stoß er auf Türen, die ihn nur mäßig oder gar nicht ansprachen. Da waren Leute, die Brettspiele spielten, Leute, die Pflanzen züchteten, akribisch gossen und die Blätter stutzten und Leute, die nackt auf allen Vieren krochen und versuchten, sich gegenseitig auf den Rücken zu werfen.

Er fragte sich, wo all diese Menschen wohl her kommen mochten. Der Gang führte nach rechts. Kurz vor der nächsten Kurve, die nach links führte, sah er eine ungewöhnliche Tür. Sie hatte kein Fenster wie die anderen Türen, nur ein großes gelbes Dreieck darauf gedruckt. Er ging hin und öffnete sie. Ein Luftstoß kam ihm entgegen und er musste kurz die Augen schließen. Als er sie wieder öffnete, sah er den wohl größten Raum, den es geben konnte. Weder die Decke noch irgendwelche begrenzenden Wände waren zu sehen; sie mussten jenseits des Horizonts irgendwo liegen. Hinter ihm hörte er eine leise Musik, ein Gesang, der wahrscheinlich aus einem der anderen Räume drang. Er verstand den Text nicht, aber der Sänger wiederholte immer die gleichen vier Noten.
Direkt vor ihm war ein gepflasterter Weg, der schlangenartig an einem steilen steinernen Hang entlang führte. Entlang des Weges waren weitere Türen mit gelbem Dreieck darauf. Kurz vor dem Abgrund standen dicke Säulen, die noch mehr platinweiße, wenn auch verschmutzte Wände oberhalb des Weges trugen. Sie hatten weder Fenster noch Türen. Der Gesang hinter ihm wurde etwas lauter, den Text konnte er aber immer noch nicht verstehen.
Die Decke des gigantischen Raumes warf orangenes Licht, das an einigen Stellen von schwarzem, hoch über ihm schwebendem Nebel bedeckt wurde. In weiter Entfernung sah er weitere steile Klippen, von ihm getrennt durch gigantische Wassermassen, die er so bisher nie gesehen hatte. Das Wasser schimmerte in einem unheilvollen Dunkelgrün, während es unruhig vor sich hin waberte und mit einem lautstarken Rauschen ab und zu gegen die Felsen prallte. Wieder war der Gesang etwas lauter geworden. Er erkannte nun den Text. Der Sänger wiederholte immer die gleichen vier Töne und er sang seinen Namen. Sein Herz setzte einen Schlag aus. Wer war das? Und warum konnte er sich nicht umdrehen, um zu schauen? Der Anblick des Raumes vor ihm schien ihn unlösbar zu fesseln.
Entlang des Pflasterweges patrouillierten wenige große humanoide Roboter, die immer mal wieder inne hielten, um den gegenseitigen Blickkontakt zu suchen. Ihre Köpfe waren geformt wie die eines Frosches, die graue metallene Oberfläche war an einigen Stellen orange gefärbt. Der Gesang war nun deutlich verständlich, doch er vermochte es immer noch nicht, sich umzudrehen. Kalter Schweiß lief ihm von der Stirn und die Haare in seinem Nacken stellten sich ungehorsam auf.
Auf den Landmassen in der Ferne waren in den Augenblicken, in denen das Licht nicht verdeckt wurde, kantige Silhouetten zu erkennen. Einige von ihnen pusteten noch mehr von dem schwarzen Nebel an die Decke. Der Sänger schien nun unmittelbar hinter ihm zu stehen und seinen Namen mit feuriger Inbrunst durch die Gänge zu tragen. Sein Puls wurde immer schneller, seine zitternden Hände berührten kaum noch die Türklinke.
Eine der Silhouetten stürzte gerade in sich zusammen. Nun war die Quelle des Gesangs direkt neben ihm und brüllte schonungslos in sein Ohr, die Laute durchdrangen Mark und Bein. Sein Herz drohte ihm aus der Brust vor die versteinerten Beine zu springen. Sein ganzer Körper vibrierte. Mit einem lauten Knall fiel die Tür zurück ins Schloss und der Sänger verstummte augenblicklich. Er drehte sich um. Er war allein.

Seine Freizeitschicht war wohl vorüber. Die Gänge boten ihm nur noch die Tür zu seinem Schlafzimmer. Er ging hindurch, drinnen waren sechs dicht in zwei Reihen angeordnete Betten, nur getrennt durch kleine Nachttische. Er teilte sich das Zimmer mit einigen anderen, die aber wahrscheinlich gerade alle noch unterwegs waren, denn das Zimmer war sonst leer. Auf seinem Nachttisch stand eine fertig vorbereitete Zahnbürste, mit der er sich den Mundraum reinigte. Dann schlüpfte er in die Schlafkleidung, die er unter seiner Bettdecke aufbewahrte. Er legte sich ins Bett und griff nach dem kleinen transparenten, zylinderförmigen Gegenstand, der auf dem Nachttisch lag. Er war mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt und hatte an einem Ende eine kleine Nadel und einen Knopf. Er hielt sich den Gegenstand an die Schulter. Ein kleiner Piecks in den Arm - 30 Sekunden später schlief er.

Er fand sich wieder in den endlosen Gängen. Die Wände waren schwarz mit zwei dunkelroten Leuchtstreifen auf Kopf- und Kniehöhe, die die komplette Länge der Wand durchzogen. Die Türen besaßen allesamt keine Fenster. Er entschied sich für die nächstbeste und trat ein. Dahinter war ein mit schwarzen Kacheln ausgekleideter Raum, der von kleinen weiß strahlenden Kerzen an den Wänden beleuchtet wurde. In der Mitte des Raumes stand ein schlichter schwarzer Schreibtisch, dahinter saß ein älterer Mann mit ebenfalls schwarzem Anzug. Der Mann stand langsam auf als er seinen Besucher sah, die glänzenden Reflexionen auf dem Anzug sahen aus, als würde er komplett aus schwarzen Federn bestehen. Beide Hände auf den Schreibtisch gestützt begann der Mann mit durchdringendem Blick und ruhiger Stimme zu sprechen: "Nicht oft erhalte ich Besuch hier unten." Der Mann schien auf eine Reaktion zu hoffen, doch als diese nicht kam, fuhr er fort: "Hast du nun gesehen was wir getan haben? Wozu wir imstande sind? Doch wir lernen nicht aus unseren Fehlern, der menschliche Geist ist sterblich und so wiederholt sich die Geschichte alle paar Generationen. Aber für eine neue Runde ist die Welt da draußen noch nicht bereit.
Es ist unumgänglich: Wir verschmutzen und verschwenden und geben uns der Dekadenz hin. Wir streben nach immer mehr, denn Stagnation fühlt sich nach Regression an. Wir setzen immer mehr unserer Art in die Welt, denn wir haben keinen natürlichen Feind, den wir fürchten müssen, keine Begrenzung, die uns und die Welt vor uns selbst schützt. Wer soll uns in die Schranken weisen, wenn wir schon längst beschlossen haben, dass wir Gottes Erben sind?"
Der Mann hebt seine Stimme, die Lichter an den Wänden flackern immer aufgeregter, und er spricht weiter: "Die Welt aus der du kommst, ist das Paradies auf Erden, eine perfektionierte Momentaufnahme dessen, was wir uns im Zenit unserer Zivilisation erarbeitet hatten. Doch es ist eine pervertierte Idee: Wir zwangen uns in streng geregelte Tagesabläufe und soziale Normen. Diesen Zwang übernimmt nun unsere Umwelt, was wohl unserer Vorstellung von Bequemlichkeit entspricht. Wir leben im unbegrenzten Überfluss, aber zu welchem Preis? Das streng überwachte System aus Gängen und Räumen ist nichts weiter als ein grausamer Witz, ein spöttisches Echo des Betts, in das wir uns zu legen pflegten. Mein Freund, Archuego ist ein Spielplatz, ein großes Quarantänezelt, in dem wir unserer Natur gemäß leben können und die unschuldige Welt dort draußen verschonen." Völlig außer Atem fällt der Mann in seinen Stuhl zurück.

Er konnte nicht verstehen, warum der alte Mann so aufgebracht war. Sein Job war es, den Müll aufzuräumen. Er verließ den Raum. Die Tür führte direkt in sein Schlafzimmer, also legte er sich sofort zurück in sein Bett und schlief weiter.
 
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Moin @TorbenPeter,

von der Gesamtidee her war es kein schlechter Ansatz. In der Umsetzung happert es noch. Der Schreibstil ist nicht richtig packend, zuviel "tell" und nicht wirklich "show". Daher bleibt auch der Protagonist sehr blaß. Der Leser kann keine Beziehung zu ihm aufbauen.

Deine Absicht mit dem Roboterabschnitt habe ich nicht wirklich verstanden. Ich kann mir zwar was zusammenreimen, aber so richtig passt es nicht in mein Gesamtbild. Schade, dass er da nicht in den Raum geht. Hab ich übrigens erst beim zweiten Mal durchlesen richtig kapiert. Es war langatmig und ich hatte es beim ersten Mal überflogen.

Kann er im Schlaf auch in die Archuego gehen? Habe ich das richtig verstanden? Oder hat sich das System bei ihm gemeldet?

Er konnte nicht verstehen, warum der alte Mann so aufgebracht war. Sein Job war es, den Müll aufzuräumen. Er verließ den Raum.
Nein, schade! Hier machst du deine Geschichte kaputt. Am Anfang fängt er sich langsam an zu fragen, was das System ist und dann wenn er die ersten Gelegenheiten dazu hat, interessiert es ihn überhaupt nicht mehr. Was ist den das! Wo ist der Spannungsbogen? Matrix kennst du garantiert. Stell mir mal folgendes vor: Neo ist auf der Suche was die Matrix ist und sagt dann zu Trinity ... ach interessiert mich doch nicht, ich gehe zurück zu meinem Bürojob. So etwa fühlt sich dein Ende an.

Nicht aufgeben :), deine Geschichte ist nicht schlecht. Schlussendlich hab ich mir Zeit genommen und ein paar Sachen angesprochen. Meine Empfehlung, überarbeite Deine Geschichte, bring mehr "show" rein und baue einen Spannungsbogen auf.

BG
Kroko

Edit: natürlich auch von mir ein herzliches Willkommen!
 
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Hallo @TorbenPeter ,

willkommen hier im Forum! Ich freue mich immer, eine Science Fiction-Geschichte zu lesen, also danke schon mal hierfür.

Deine Grundidee finde ich auch interessant: Ein künstlich geschaffener Ort "Archuego", die Tage der Einwohner streng eingeteilt in jeweils acht Stunden Arbeit, Freizeit und Schlaf. Der Ort selber verhindert durch seine Steuerung, dass jemand davon abweichen kann. Und ein streng personalisiertes Freizeitangebot.

Die Handlung selber finde ich leider etwas dünn, sie dient ja hauptsächlich dazu, dem Leser diese Welt zu zeigen. Das ist gerade bei einer erfundenen Welt natürlich immer ein Teil der Geschichte, aber es fehlt aus meiner Sicht eine Handlung, die in dieser Welt spielt. Die Handlung könnte zum Beispiel sein, dass der Protagonist versucht, das ganze System zu verstehen, aber das scheint durch den Schluss deiner Geschichte ja nicht der Fall zu sein. Oder er versucht, den künstlichen Ort Archuego irgendwie zu verlassen, was ich z.B. noch spannender fände.

Du schreibst die Geschichte aus der Sicht eines Erzählers in der Vergangenheit, und bleibst dabei bei dem Protgonisten, das ist ja auch alles in Ordnung. Vieles erklärst du jedoch einfach allgemein, und dadurch liest sich ein Großteil deines Textes eher wie ein Aufsatz. Das meiste dreht sich nur darum, wie die Welt aussieht und funktioniert, aber es passiert kaum etwas, bezogen auf eine Handlung.

Also als allgemeiner Vorschlag:
Eine erkennbare Handlung, mehr Szenen in denen der Protagonist auch etwas erlebt (und nicht nur die Welt sieht), und (deutlich!) weniger allgemeine Beschreibungen des Erzählers über die von dir erdachte Welt.

In der Szene in dem riesigen Raum finde ich die ein oder andere Idee interessant, insgesamt weiß ich aber nicht, was du hiermit genau möchtest. Der Raum insgesamt ist schwer vorstellbar, und ich erkenne den Sinn hiervon nicht.

Und der Sänger im Hintergrund, der immer näher kommt: Ich nehme an, es ist eine Art "Warnsystem", das dem Protagonisten immer näher kommt, da er eigentlich nicht in diesem Raum sein darf (?)

Am Ende trifft er, anscheinend im Schlaf, jemanden, der ihm die Erschaffung dieser Welt erklärt. Und das es irgendwann wieder eine andere geben wird. Auch das dient nur dazu, dem Leser noch mehr Hintergrundinformationen zu geben, was wie erwähnt ja grundsätzlich auch ganz interessant ist.

Der gesamte Text folgt nur leider keiner Handlung, die zunehmend spannender wird, und bei der ich wissen möchte, wie sie weiter und zu Ende geht. Es ist eher wie eine Erlebnissreise durch deine Idee einer Welt. Also vielleicht fällt dir ja hierzu noch was ein, ich denke, da kannst du auf jeden Fall noch etwas draus machen!

Und noch ein paar Anmerkungen:

Mit nur etwa eineinhalb Metern Breite und zweieinhalb Metern Höhe konnte es in den Gängen schnell klaustrophobisch werden, doch niemals begegnete man einem anderen Menschen auf ihnen.
Das habe ich nicht verstanden, warum nicht? In den Räumen selber sieht der Protagonist ja auch andere Menschen, die irgendwann rauskommen müssen, z.B. Pflanzenzüchter oder Brettspieler...

8 Stunden lang, jeden Tag.
Ziffern ausschreiben, auf jeden Fall wenn sie einstellig sind. Also: "Acht Stunden lang, jeden Tag."

Die Decke des gigantischen Raumes warf orangenes Licht, das an einigen Stellen von schwarzem, fliegendem Nebel bedeckt wurde.
Zuvor hattest du geschrieben, dass der Raum so gigantisch ist, dass unter anderem die Decke nicht zu sehen ist. Das passt nicht zusammen.

Die Uhr gab ihm Hoffnung: Nur noch eine halbe Stunde bis Schichtende.
Soweit ich weiß, wird nach einem Doppelpunkt groß weiter geschrieben.

Doch er wusste, dass Arbeit und Freizeit strikt zu trennen waren. Er hatte keine andere Wahl: Sobald er durch die Ausgangstür treten würde, um seine Arbeitsschicht zu beenden, gäbe es kein Zurück. Einer der Tische wurde frei.
Anstatt einem Apostroph würde ich einen Punkt setzten, danach groß weiter. Auch hinter dem Doppelpunkt groß weiterschreiben.

Viele Grüße, ich hoffe du kannst hiermit etwas anfangen!

Rob
 
Wortkrieger-Team
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Hallo @TorbenPeter ,

und willkommen hierorts ;)

Alle Besucher hier hinterließen welchen. In einer Bar ist das so üblich.
Zwei Sätze fände ich hier vom Lesefluss her schöner. Aber richtig ist Deine Version auch.

Und da fällt mir gleich noch etwas auf:

Alle Besucher hier hinterließen welchen, in einer Bar ist das so üblich. Es war wie sonst auch wieder zum Bersten voll. Die meisten kamen hier her während ihrer Freizeitschicht, doch er musste hier arbeiten.
Hier solltest Du an der Formulierung feilen und vielleicht verstehst Du jetzt das Augenzwinkern am Anfang meines Kommentars. Denn grundsätzlich gefällt mir Dein Schreibstil und Du schreibst, soweit ich es beurteilen kann, weitestgehend fehlerfrei.

Acht Stunden lang, jeden Tag.
Jedenfalls Zahlen von eins bis zwölf schreibt man aus.

Die Uhr gab ihm Hoffnung: nur noch eine halbe Stunde bis Schichtende.
Also ich würde hier das »Nur« groß schreiben, weil er Satz auch eigenständig stehen könnte.

Eine zertretene Dose unter dem Tisch und einige Verpackungen in die Sofaritzen gequetscht - das Übliche.
Hier kommt ein echter Gedankenstrich, auch Halbgeviertstrich genannt, hin und kein Bindestrich. Der Unterschied zeigt sich schon im Namen. Der Gedankenstrich verschafft Atempausen oder bettet Einschübe ein, die wie Gedanken zwischen einem Satz stehen. Der Bindestrich verbindet Wörter miteinander (hin- und hergehen im Archuego-Gang). Aber – das wollte ich Dir sagen – der Strich ist länger, wenn es eben ein Gedankenstrich ist – :klug:. Auf dem PC bekommst Du diesen Strich hin, wenn Du Strg/Minuszeichen auf dem Ziffernblock drückst, auf dem Mac drückst Du einfach Alt/- .

Die Tür fiel hinter ihm zu, die Bässe der elektronischen Musik waren noch leicht zu hören. Vor ihm die endlosen Gänge:
Jetzt werden es mir zu viele Doppelpunkte. Das solltest Du Dir überlegen. Mich stört das im Lesefluss.

Er beschloss, einige Stunden lang den Gängen zu folgen, länger als er es sonst je getan hatte. Üblicherweise entsprach sofort die erste oder zweite Tür entlang des Ganges seinem Gusto.
Du baust die Spannung subtil auf. Man erfährt so langsam etwas über die Welt Deines Protas. Ich frage mich nur, was ist an diesem Tag anders, dass er anders handelt?

Er fragte sich, wo all diese Menschen wohl herkommen mochten.
von schwarzem, fliegendem Nebel bedeckt wurde.
Was ist denn fliegender Nebel?

Schweiß lief ihm von der Stirn und die Haare in seinem Nacken stellten sich ungehorsam auf.
Ungehorsam würde ich auch streichen. Was machen denn gehorsame Nackenhaare?

noch mehr von dem schwarzen Nebel in die Decke.
Nicht eher »an die Decke«?

Auf seinem Nachttisch stand eine fertig vorbereitete Zahnbürste, mit der er sich den Mundraum reinigte, während er in die Schlafkleidung, die unter seiner Bettdecke versteckt lag, schlüpfte.
Das klingt komisch. Das Fettgedruckte. Und die Vorstellung, wie er gleichzeitig die Zähne putzt und sich den Schlafanzug anzieht, wirkt auch irgendwie unbeholfen (während).

Es ist unumgänglich: Wir verschmutzen und verschwenden und geben uns der Dekadenz hin. Wir streben nach immer mehr, denn Stagnation fühlt sich nach Regression an. Wir setzen immer mehr unserer Art in die Welt, denn wir haben keinen natürlichen Feind, den wir fürchten müssen, keine Begrenzung, die uns und die Welt vor uns selbst schützt. Wer soll uns in die Schranken weisen, wenn wir schon längst beschlossen haben, dass wir Gottes Erben sind?"
Hä, den Sprung habe ich irgendwie nicht geschafft. Wie ist Dein Prota jetzt dahin gekommen? Erst schläft er, dann sitzt er in einem Raum und dann schläft er wieder. Soll das ein Traum sein? Der Zeitsprung zeigt jedenfalls, dass die Situation sich geändert hat, aber wohin? Nach dem subtilen Spannungsaufbau enttäuscht das Ende. Das ist irgendwie keine Auflösung und nimmt jede Spannung. Schade, bis zum vorletzten Absatz gefiel mir die Story richtig gut. :heul:

Liebe Grüße
Mae
 
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25.12.2019
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Hallo zusammen,

danke für das warme Willkommen und das Feedback! :) Freut mich, dass ich mit meiner Schreibe nicht komplett daneben lag, das ist tatsächlich meine erste kurze Geschichte und ich kann das überhaupt nicht einschätzen.

Vorweg ein paar Dinge, die ich wohl für alle schlecht rüber gebracht habe. Die Geschichte spielt sozusagen in der Post-Apokalypse. Der große Raum, den der Protagonist sieht, ist unsere Erde, die befremdlichen Farben habe ich zwecks Endzeitstimmung so gewählt. Der Gesang und die Roboter sind also Sicherheitsmaßnahmen, die verhindern sollen, dass jemand, der so einen "Ausgang" findet, diesen auch nimmt. Die Kopfform der Roboter hat dabei keinen tieferen Sinn, ich finde einfach diese mittelalterlichen Froschmaulhelme ziemlich cool. :D

Dann die alternativen schwarzen Gänge: Für den Protagonisten sollte es wie ein Traum wirken. Dabei gedacht habe ich mir, dass ihn Archuego sozusagen dahin entführt, um zu prüfen, was er vom Gesehenen hält.

Damit komme ich dann auch zum "enttäuschenden" Ende. Das war so gedacht. Ursprünglich wollte ich tatsächlich einen Dialog schreiben, in dem der alte Mann dem Protagonisten langsam nahe bringt, was falsch lief und immer noch läuft und wie anscheinend niemand dazugelernt hat. Das hat sich allerdings als etwas langatmig herausgestellt und der Dialog hat für mich volumentechnisch zu viel Platz eingenommen. Fand ich einfach nicht elegant.
Auf dem Markt habe ich dann gehört, wie sich zwei ältere Herren über die ganzen Klimaaktivisten unterhalten haben. Wo die denn nun alle auf einmal her kommen, was das soll, schließlich hat es bisher doch auch super funktioniert und wer das alles bezahlen soll usw usf. Da kam mir dann die Idee, die Kommunikation in der Geschichte an der Stelle scheitern zu lassen. Der alte Mann geht direkt in die Vollen, ohne einen Bezug für den Protagonisten herzustellen, dem er folgen kann. Also geht er wörtlich und bildlich gesprochen wieder Schlafen, ohne was verstanden zu haben. Zugegeben, das ist natürlich nicht wirklich befriedigend, dafür aber provokant, wie ich finde. Hat mir zumindest besser gefallen. :D

Auf ein paar einzelne Sachen will ich noch eingehen:

@Kroko
Der Schreibstil ist nicht richtig packend, zuviel "tell" und nicht wirklich "show".
Naja, was ich zeigen wollte, ist eben der dekadente Lifestyle der Leute und die Übertragung von Social Media-Ideen und -Zwängen ins tägliche Leben. Hier habe ich tatsächlich keine Idee, wie ich das besser hätte zeigen können, ohne dass es in Schwafeln ausartet. Ich wollte so die Szene setzen, aber für die eigentliche Aussage ist das ja nicht weiter relevant. Wie würdest du so etwas angehen?

Neo ist auf der Suche was die Matrix ist und sagt dann zu Trinity ... ach interessiert mich doch nicht, ich gehe zurück zu meinem Bürojob. So etwa fühlt sich dein Ende an.
Matrix ist geil, aber mit Morpheus hat Neo ja auch jemanden, der ihm alles nach und nach erklärt und ihn seine eigenen Schlüsse ziehen lässt. Würde Morpheus einfach nur rumlaufen und schreien "Leute, ihr seid in der Matrix, wehrt euch!", wäre er einfach nur ein Spinner. Und genau so einen Spinner wollte ich schreiben.

Schlussendlich hab ich mir Zeit genommen und ein paar Sachen angesprochen. Meine Empfehlung, überarbeite Deine Geschichte, bring mehr "show" rein und baue einen Spannungsbogen auf.
Bin ich dir sehr dankbar für! :) Für mehr show und nen Spannungsbogen muss ich mich wohl zuerst in ein bisschen Ground Work einarbeiten, da hab ich leider keine Ahnung, wo ich da als erstes anpacke. Anscheinend ist die Stelle an der Tür nach draußen nicht so spannend, wie ich es mir erhofft habe.

@Rob F
Der gesamte Text folgt nur leider keiner Handlung, die zunehmend spannender wird, und bei der ich wissen möchte, wie sie weiter und zu Ende geht. Es ist eher wie eine Erlebnissreise durch deine Idee einer Welt. Also vielleicht fällt dir ja hierzu noch was ein, ich denke, da kannst du auf jeden Fall noch etwas draus machen!
Wichtig war für mich eher weniger die Handlung, sondern das Fazit zum Schluss (siehe oben). Ich sehe aber ein, dass es wichtig ist, dass der Protagonist nicht so blass ist, wie ich ihn geschrieben habe. So ist er nur ein Fenster, durch das man seine Welt sieht, aber damit seine Reaktion zum Schluss irgendein Gewicht hat, sollte man ihn wahrscheinlich besser charakterisieren. Ist notiert! :)

@Maedy
Hier solltest Du an der Formulierung feilen und vielleicht verstehst Du jetzt das Augenzwinkern am Anfang meines Kommentars.
Uff. Das hätte ich bemerken sollen, danke. Wenn man es so hervorhebt, sieht das ziemlich grausig aus.

Ich frage mich nur, was ist an diesem Tag anders, dass er anders handelt?
Jeder Tag ist so gut wie jeder andere, um auf irgendwelche Ideen zu kommen. :)

Und die Vorstellung, wie er gleichzeitig die Zähne putzt und sich den Schlafanzug anzieht, wirkt auch irgendwie unbeholfen
Stimmt, ich habs gerade ausprobiert. Sollte man nicht so machen.

Was machen denn gehorsame Nackenhaare?
Nackenhaare stellen sich auf, wenn man sich fürchtet oder erschreckt. Das macht man ja nicht wirklich gern, insofern reagiert der Körper auf eine unerwünschte Art und Weise.f

Die Schreibfehler werde ich morgen korrigieren, wenn ich mehr Zeit habe, mir ein Paar Gedanken über die Formulierungen zu machen.

Vielen Dank nochmal für die Kommentare und noch einen schönen Abend! :)

Viele Grüße
 
Wortkrieger-Team
Beitritt
02.09.2015
Beiträge
736
Hallo @TorbenPeter ,

Vorweg ein paar Dinge, die ich wohl für alle schlecht rüber gebracht habe. Die Geschichte spielt sozusagen in der Post-Apokalypse. Der große Raum, den der Protagonist sieht, ist unsere Erde, die befremdlichen Farben habe ich zwecks Endzeitstimmung so gewählt. Der Gesang und die Roboter sind also Sicherheitsmaßnahmen, die verhindern sollen, dass jemand, der so einen "Ausgang" findet, diesen auch nimmt. Die Kopfform der Roboter hat dabei keinen tieferen Sinn, ich finde einfach diese mittelalterlichen Froschmaulhelme ziemlich cool. :D
Ui – da solltest Du noch einmal ran. Das habe ich ja so gar nicht gecheckt. Ein resignierter Prota am Ende ist auch nicht das Problem. Das Problem ist, dass wir als Leser die Entwicklung nicht mitbekommen. Er nimmt einen Tag wie jeden anderen, um einmal neugierig mehr Türen und Gänge zu erkunden als sonst. Dann stößt er im Traum (?) auf eine andere Person, die sehr verschlüsselt etwas von der Welt und ihrem Schicksal faselt und schwups: Dein Prota interessiert sich wieder nur für die Toiletten.

Ich fand den Matrix-Vergleich ziemlich passend :lol:. Als Leser stehe ich am Ende jedenfalls mit einem recht leeren Gefühl dar. Ich glaube, Deine gute Idee und Dein ausgefeiltes Setting vergeben da ihre Lorbeeren.

Liebe Grüße
Mae
 

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