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  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

Aus dem Leben

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Aus dem Leben

Fast zu schön, um wahr zu sein, dachte Tom, als er von seiner Liege zu dem wolkenlosen Himmel aufsah. Der Wind auf dem Deck des Kreuzfahrtschiffes machte die Hitze, fast 40 Grad, erträglich. Auch die Margarita auf dem Beistelltisch half hierbei.
„Hol uns doch noch einen, Schatz“, sagte Ellen von der Liege neben ihm.
„Ich dachte, du bist dran“, versuchte er halbherzig.
„Vergiss es.“
Schon vor ihrer Antwort hatte er sich aufgerichtet. Nach über fünfunddreißig Jahren Ehe wusste er, dass sie eher auf ein weiteres Getränk verzichten würde, als noch mal zu gehen, wenn sie der Meinung war, er sei dran.
„Hätte ich wohl wissen müssen“, meinte er lächelnd und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Er leerte sein Glas und machte sich mit beiden Gläsern auf den Weg.

Die Reggae-Musik wurde lauter, als er das Deck entlang in Richtung der Bar schlenderte. Er blickte über die Reling, das türkisfarbene Wasser reichte bis zum Horizont. Ein leichter Salzgeruch hing in der Luft.
„Noch mal zwei“, rief Tom dem Barkeeper zu und wollte beide Gläser auf die Theke stellen. Aber er hatte nur noch eines. Verwirrt sah er sich um, er musste das andere Glas verloren haben.
„Guter Versuch, Tom“, erwiderte der Barkeeper lachend. „Machen wir nochmal einen draus.“
„Wieso, ich … hatte doch noch ein Glas. Nein, ich brauche zwei. Meine Frau, also Ellen, möchte auch noch einen.“
Der Barkeeper sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an, behielt aber sein Lächeln. „Na ausnahmsweise, aber machen Sie danach mal Pause. Gibt ja auch bald Mittagessen.“
„Danke, ich war vielleicht etwas viel in der Sonne.“
„Schon klar“, grinste der Barkeeper.

Tom näherte sich vorsichtig seinem Platz, er wollte beim Gehen nichts verschütten. Und blieb stehen, als er bemerkte, dass seine Frau nicht auf ihrer Liege war. Stattdessen saß dort ein Mädchen in einem mintgrünen Kleid. Verwirrt sah er sich um, konnte Ellen aber nirgends entdecken.
Er stellte die Gläser auf dem Beistelltisch ab. „Wer bist du?“, fragte er das Mädchen. Sie hatte braune Haare, zu einem Zopf geflochten. „Hast du meine Frau gesehen?“
Sie blickte ihn für einen Moment an, ihre Augen hatten fast den gleichen Farbton wie das Kleid. „Sie ist nicht hier. Tut mir leid.“
„Was tut dir leid? Sie war doch eben noch …“ Seine Beine begannen zu zittern, er setzte sich auf die Liege. „Kenne ich dich nicht irgendwoher?“, fragte er mit unsicherer Stimme. Er griff nach seiner Margarita und hielt inne. Es stand nur noch ein Glas auf dem Tisch.
„Es ist lange her, aber du wirst dich noch erinnern.“ Mit diesen Worten stand sie auf und lief davon.
„Hey, warte, was meinst du?“, wollte Tom wissen, aber sie reagierte nicht mehr.

„Ellen?“, rief Tom, als er die Tür zur Kabine mit zitternden Händen aufschloss. „Bist du hier?“
Er stieß die Tür auf und trat ein. Das Doppelbett war ordentlich gemacht, die Kabine aufgeräumt. Nirgendwo eine Spur von Ellens Sachen. Auch ein Blick in den Schrank verriet nichts von ihrer Anwesenheit. Als wäre sie nie hier gewesen. Etwas war passiert, aber er erinnerte sich nicht.
Tom hielt sich an der Oberkante der Schranktür fest und tastete sich langsam den Schreibtisch entlang, bis er sich aufs Bett setzen konnte. Als er gerade für einen Moment die Augen schließen wollte, sah er etwas, das unter einem der beiden Kopfkissen hervorragte. Eine goldene Kette. Er zog sie hervor und betrachtete sie. Sofort füllten sich seine Augen mit Tränen. Ellens Kette, ein Erbstück ihrer Großmutter. Der kleine Anhänger, der ein Foto von ihr enthielt, war noch dran.
Mit geschlossenen Augen schluchzte er laut vor sich hin. Erinnerungen stürzten auf ihn ein.

Können Sie sich nicht hinten anstellen?“, waren die ersten Worte, die er von Ellen hörte.
Ich war eben schon hier, musste nur kurz telefonieren.“
Genau, und ich bin die Weihnachtsfrau.“
Sie waren beide an diesem Samstagnachmittag alleine ins Kino gegangen. Auf dem Weg nach draußen bekamen sie sich wieder in die Haare.

Bitte, diesmal dürfen Sie vorgehen“, sagte er und deutete mit der Hand nach vorne.
Ich betrachte lieber ihren Hintern, ist schon alles in Ordnung so.“
Der Wortwechsel ging weiter, sehr zur Belustigung der umstehenden Kinobesucher.
„Wie wärs, wenn wir nächsten Samstag weitermachen?“, fragte er schließlich.
Er spürte noch heute die Überraschung und Freude, als sie zusagte, sich umdrehte und schnellen Schrittes davon eilte.


Zum Glück hast du beim Küssen bessere Manieren, als an der Kinokasse“, flüsterte sie.
Wenn du wüsstest“, grinste er und küsste sie erneut.

Hey, du musst zur Arbeit, ist schon nach sieben.“
Nein“, entgegnete er und zog sie an sich.

Sie blickte ihn aus rehbraunen Augen an, wunderschön in ihrem weißen Kleid. „Ja, ich will.“
Der Kuss wollte nicht enden, die Welt um sie herum existierte nicht mehr.

Sie weinte so sehr, dass ihr ganzer Körper zitterte. Er wollte sie trösten, die richtigen Worte finden. Vielleicht konnten sie ja auch ein Kind adoptieren. Stattdessen nahm er sie in den Arm und schwieg. Es lag ja auch an ihm.


Nehmen wir es?“, fragte sie.
Unser neues Zuhause?“, überlegte er und betrachtete das Landhaus ein letztes Mal vor seiner Entscheidung. „Dann ist es so.“
Sie nahm seine Hand und ging mit ihm hinein.


Hey Tom, wirf mal noch ein paar Steaks auf den Grill!“, rief sein Nachbar.
Es war die erste Grillparty, die sie gaben, um sich in der Nachbarschaft bekannt zu machen. Tom betrachtete nachdenklich die kleinen Kinder der Nachbarn.

Es ist in Ordnung. Wirklich“, sagte Ellen, als sie seinen Blick bemerkte. Und küsste ihn auf die Wange.

Tom wusste nicht, wie lange sie schweigend auf der Couch gesessen hatten. Ihr Gesicht war ausdruckslos. Zu erschöpft, um zu weinen. Irgendwann traute er sich. „Es ist ja nicht unheilbar. Ich bin immer bei dir, du … wir schaffen das.“ Er konnte nicht erkennen, ob sie ihn hörte.

Unter wolkenverhangenem Himmel stand er vor Ellens Grab. Die Tränen vermischten sich mit dem Regen.


Irgendwann, er wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, öffnete er die Augen und wischte die Tränen weg. Er betrachtete die Umgebung, alles schien dunkler und verblasst. Auch Ellens goldene Kette war nun verschwunden.
Nach einigen Minuten verließ er die Kabine und wanderte ziellos durch die Gänge. Auch hier erschien im alles surreal. Schließlich erreichte er den Speisesaal. Die meisten Tische waren besetzt, die Menschen starrten apathisch auf ihre Teller. Farblos, wie verwelkte Blumen.
An einem Tisch weiter hinten saß das Mädchen im grünen Kleid. Im Gegensatz zu allen anderen wirkte sie so real wie zuvor an Deck. Als wäre sie der letzte Farbtupfer in einer sterbenden Welt.
Tom ging zu ihr, musste sich dabei immer wieder an den Tischen abstützen. „Wer bist du?“, fragte er und setzte sich zu ihr an den Tisch.
Sie legte ihre Hand auf seine. „Erinnere dich.“

Er war mit Ellen an einem See. Sie las ein Buch, er die Zeitung. Aus dem Augenwinkel bemerkte er eine Bewegung und blickte auf. Ein Mädchen in mintgrünem Kleid setzte sich an den Rand des Sees, ließ die Füße im Wasser baumeln.
Als er den Sportteil erreichte, ertönte ein lautes Geräusch. Als wäre ein schwerer Gegenstand ins Wasser gefallen.

Was war das?“, fragte Ellen, ohne von dem Buch aufzusehen.
Ein Mädchen sitzt am Rand des Sees, wahrscheinlich hat sie irgendwas geworfen.“
Erst nach einigen Minuten sah Tom erneut zu dem Mädchen, aber es war nicht mehr da. Nicht weit vom Rand des Sees entfernt schwamm ein kleiner Teddybär an der Oberfläche. Ohne zu zögern stand er auf, lief in die Nähe dieser Stelle und sprang hinein. Es dauerte nicht lange, bis er sie fand, drei oder vier Meter unter der Oberfläche.

Mein Gott“, rief Ellen, als er sie vorsichtig an Land zog. Und begann direkt mit Wiederbelebungsversuchen, die sie als Grundschullehrerin kannte.

„Du konntest nichts dafür“, meinte das Mädchen, als die Vision vorbei war.
„Natürlich“, begann er mit bleichem Gesicht, „hätte ich nicht weitergelesen und wäre direkt …“
„Nein“, unterbrach sie ihn, „es war mein Wunsch zu sterben. Mich zu retten hätte mich zurück zu der Hölle meiner Eltern gebracht. Ich wollte, dass du es noch in dieser Welt erfährst.“
„Bevor ich sterbe?“
„Ja. Du hast nicht mehr viel Zeit. Sei nicht ängstlich, es ist nicht schlimm. Deine Frau wartet auf dich.“
„Wo befinde ich mich? Mein Körper, meine ich.“
„Das ist nicht wichtig. Nun schließe mit diesem Leben ab.“ Mit diesen Worten stand sie auf und verblasste, als sie Richtung Ausgang ging, bis sie ganz verschwand.
Tom blieb sitzen, sank noch mehr in sich zusammen. Aber er wollte nicht einfach hier auf sein Ende warten, sondern noch ein letztes Mal das Meer sehen.

Alles um ihn herum wirkte wie eine Geisterwelt. Farben waren kaum noch vorhanden, als würde sich die Umgebung in eine Bleistiftzeichnung verwandeln. Er dachte an Ellen, als er das bleierne Meer betrachtete. An den Heiratsantrag, den er ihr an einem Strand gemacht hatte.
„Ich komme zu dir“, flüsterte er, als die letzten Farben verschwanden.

Ellen?“
Ich bin hier.“
 
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Hallo @Rob F,

du erzählst eine schöne, traurige Geschichte. Sie fängt rätselhaft an, wird dann zutiefst traurig und findet zuletzt zu einem, mmh, Sad Happy End.

Allerdings finde ich sie stellenweise etwas melodramatisch. Ich glaube, dass die Story einen stärkeren Effekt haben könnte, wenn du ein paar Sachen bewusst weglassen würdest - so ein bisschen Hemingway-artig. Aber das nur als kleine Beobachtung; mach' damit, was du möchtest.

Und noch ein paar kleine Gedanken:

Es ist die schönste Zeit meines Lebens, dachte Tom, während er von seiner Liege zum blauen Himmel blickte.
Mit Blick auf deinen Protagonisten und den Plot der Story macht der erste Satz Sinn - für den Leser ist er aber nicht sehr catchy. Wenn alles wunderbar ist, dann ist das nicht unbedingt interessant. Vielleicht kannst du schon möglichst früh ein irritierendes Element einflechten - irgendwas, das darauf hinweist, dass hier etwas nicht stimmt, dass Toms Erleben nicht real ist, dass hier ein Sterben beginnt ...?

Auch der Margarita auf dem kleinen Beistelltisch half hierbei.
"kleiner Beistelltisch" ist doppelt gemoppelt.

(...), meinte seine Frau Ellen von der Liege neben ihm.
"meinte" ist ein sehr vages Wort. Warum nicht einfach "sagte"? Und vielleicht lässt du "seine Frau" einfach weg - dann hat der Leser schon mal was zu tun. ;-)

Sie blickte ihn einen Moment an, die Augen hatten fast den gleichen Farbton wie das Kleid. „Sie ist nicht mehr hier. Es wird Zeit, Tom, es zu akzeptieren. Tut mir leid.
Diese beiden Sätze geben dem Leser ziemlich deutlich zu verstehen, was passiert ist - und rauben den nächsten Absätzen (Gespräch mit dem Mädchen, leere Kabine) ihre Geheimnisse. Wenn du sie weglässt, erfasst der Leser erst nach und nach, was passiert ist.

Können Sie sich nicht hinten anstellen?“, waren die ersten Worte, die er von Ellen hörte.
Ich war eben schon hier, musste nur kurz telefonieren.“
Genau, und ich bin die Weihnachtsfrau.“
Auf dem Weg nach draußen, sie waren beide an diesem Samstagnachmittag alleine ins Kino gegangen, bekamen sie sich wieder in die Haare.

Bitte, diesmal dürfen Sie vorgehen“, sagte er und deutete mit der Hand nach vorne.
Ich betrachte lieber ihren Hintern, gehen sie mal schön weiter.“
Der Wortwechsel ging weiter, sehr zur Belustigung der umstehenden Kinobesucher. Wie auch immer er auf die Idee kam, fragte er schließlich: „Wie wärs, wenn wir nächsten Samstag weitermachen?“
Er spürte bis heute die Überraschung und Freude, als sie zusagte, sich umdrehte und schnellen Schrittes davon eilte.
Eine hübsche Anekdote! Die ganze Collage ist ein sehr schöne Idee - und, zumindest für mich, sehr cineastisch: eine Sequenz von Impressionen aus einem gemeinsamen Leben. Die Collage würde möglicherweise davon profitieren, wenn die Bilder etwas mehr "Fleisch" hätten - Farben, Gerüche, Geschmäcker usw.

Unser neues Zuhause?“, überlegte er und betrachtete das Landhaus ein letztes Mal vor seiner Entscheidung. „Dann ist es so.“
Sie nahm seine Hand und ging mit ihm hinein.
Er betrachtete die Umgebung, alles schien dunkler und verblasst. Weniger real. Auch Ellens goldene Kette war nun verschwunden.
Nach einigen Minuten stand er auf. Ohne zu wissen, wohin er wollte, verließ er die Kabine. Auch in den Gängen, durch die er ziellos wanderte, schien die Welt surreal.
Schließlich erreichte er den großen Speisesaal. Die meisten Tische waren besetzt, die Menschen starrten apathisch auf die Teller. Farblos wie verwelkte Blumen.
"Weniger real" und "surreal" beschreiben nicht; "verblasst", "starrten apathisch auf ihre Teller", "farblos wie verwelkte Blumen" dagegen schon.

Insgesamt: eine schöne Idee, irgendwo zwischen Thomas Mann und M. Night Shyamalan. Vielen Dank, ich habe Tom gerne begleitet!

Viele Grüße

Christophe
 
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Hi @Christophe ,

danke für deinen Kommentar!

Ich finde allgemein Geschichten interessant, die ins Surreale gehen, daher habe ich es hiermit nochmal ein wenig in diese Richtung versucht.

@Webmaster : Ist es möglich, "Surreal" als Tag hinzuzufügen? Oder würde diese Richtung zu "Seltsam" gehören?

... du erzählst eine schöne, traurige Geschichte. Sie fängt rätselhaft an, wird dann zutiefst traurig und findet zuletzt zu einem, mmh, Sad Happy End.
Allerdings finde ich sie stellenweise etwas melodramatisch. Ich glaube, dass die Story einen stärkeren Effekt haben könnte, wenn du ein paar Sachen bewusst weglassen würdest - so ein bisschen Hemingway-artig.
Ja, nachdem Tom seine Erinnerungen ereilen, wird es bis zum Ende ziemlich düster. Ich hoffe, es schreckt nicht ab beim Weiterlesen, da ich es inhaltlich genau richtig finde. Es soll auch Toms Angst vor der Situation und dem Tod darstellen. Ich denke daher, ich lasse es mal so, es ist ja "nur" die Dunkelheit vor einem soweit versöhnlichen Ende, auch wenn es viel Raum für die eigene Fantasie lässt.

Mit Blick auf deinen Protagonisten und den Plot der Story macht der erste Satz Sinn - für den Leser ist er aber nicht sehr catchy. Wenn alles wunderbar ist, dann ist das nicht unbedingt interessant. Vielleicht kannst du schon möglichst früh ein irritierendes Element einflechten - irgendwas, das darauf hinweist, dass hier etwas nicht stimmt, dass Toms Erleben nicht real ist, dass hier ein Sterben beginnt ...?
Ich habe den ersten Satz mal etwas angepasst, er beginnt nun mit "Fast zu schön um wahr zu sein, dachte Tom, als er ..." Das also schon mal als kleiner Hinweis, dass vielleicht doch nicht alles so perfekt ist, und der zweite folgt ja, als er auf einmal nur noch ein Glas in der Hand hat.

"kleiner Beistelltisch" ist doppelt gemoppelt.
habe es geändert

"meinte" ist ein sehr vages Wort. Warum nicht einfach "sagte"?
Ich versuche, auch hierbei jeweils zu variieren, also nicht immer nur "sagte" und "fragte" zu schreiben. Aber stimmt schon, an der Stelle passt das einfache "sagte" schon besser, habe es also geändert.

Diese beiden Sätze geben dem Leser ziemlich deutlich zu verstehen, was passiert ist - und rauben den nächsten Absätzen (Gespräch mit dem Mädchen, leere Kabine) ihre Geheimnisse. Wenn du sie weglässt, erfasst der Leser erst nach und nach, was passiert ist.
Danke, guter Hinweis! Ich habe die beiden Sätze nicht vollständig entfernt, aber die Informationen reduziert, so dass es nun nicht mehr so offensichtlich ist.

"Weniger real" und "surreal" beschreiben nicht; "verblasst", "starrten apathisch auf ihre Teller", "farblos wie verwelkte Blumen" dagegen schon.
Ich habe die Beschreibung "Weniger real" mal rausgenommen. Den zweiten Satz finde ich soweit gut, vielleicht auch, weil ich das Wort "surreal" gut finde :)
Aber mal sehen, vielleicht fällt mir hierzu noch was besseres, beschreibenderes ein.

Insgesamt: eine schöne Idee, irgendwo zwischen Thomas Mann und M. Night Shyamalan. Vielen Dank, ich habe Tom gerne begleitet!
Danke, freut mich sehr, wenn die Geschichte unterhaltsam war!

Viele Grüße,
Rob
 
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11.11.2019
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Hi @Rob F,
schöner Text, hat mir gut gefallen: Der Einstieg ist Dir gut gelungen, wie ich finde. Mit der Szene an der Bar deutest Du dann an, dass vielleicht nicht alles so ist, wie es scheint. Damit hattest Du mich am Haken. Das Mädchen im mintgrünen Kleid gibt dem ganzen noch mal einen Schub. Der Schluss war dann zwar nicht mehr überraschend, ich denke aber, das wäre ja auch nicht das Ziel gewesen.

Manches ist wohl ein bisschen melodramatisch geraten, da gebe ich @Christophe recht. Ich finde aber, es hält sich im vertretbaren Rahmen.

Ja, nachdem Tom seine Erinnerungen ereilen, wird es bis zum Ende ziemlich düster. Ich hoffe, es schreckt nicht ab beim Weiterlesen, da ich es inhaltlich genau richtig finde. Es soll auch Toms Angst vor der Situation und dem Tod darstellen.
Alles um ihn herum wirkte wie eine Geisterwelt. Die Farben waren kaum noch vorhanden, als würde sich die Welt in eine Bleistiftzeichnung verwandeln. Er dachte an Ellen, als er das bleierne Meer betrachtete.
Also mich hat es beim Lesen nicht abgeschreckt. Aus meiner Sicht schaffst Du es zum Ende hin sehr gut, den Leser im Unklaren darüber zu lassen, was real ist und was nicht. Das gibt dem ganzen eine besondere Stimmung. Ich finde, den Übergang vom Leben in den Tod hast Du gut dargestellt.

Christophe hat ja schon einiges angemerkt. Ich bin lediglich bei Margarita hängengeblieben: Heißt es "der" oder "die" Margarita? Gefühlsmäßig würde ich "die" sagen, aber eigentlich weiß ich es nicht genau ...

Also, schöner Text, gern gelesen!
Servus,
Walterbalter
 
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09.12.2019
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Hi @Walterbalter ,

danke fürs Lesen und dein Feedback!

Der Einstieg ist Dir gut gelungen, wie ich finde. Mit der Szene an der Bar deutest Du dann an, dass vielleicht nicht alles so ist, wie es scheint. Damit hattest Du mich am Haken. Das Mädchen im mintgrünen Kleid gibt dem ganzen noch mal einen Schub.
Danke, wahrscheinlich werden genau hierdurch manche die Handlung interessant finden, manche aber auch eher aufhören zu lesen. Das Thema "was ist real" kann ja auch schon mal schnell nerven, wenn die Handlung dadurch zu undurchsichtig wird. Es freut mich auf jeden Fall, dass es hierbei (bisher) nicht der Fall zu sein scheint.

Manches ist wohl ein bisschen melodramatisch geraten, da gebe ich @Christophe recht. Ich finde aber, es hält sich im vertretbaren Rahmen.
Bei Toms Erinnerungen gibt es zwar auch positive Momente, aber auch zwei sehr harte Schicksalsschläge. Ich habe es beim Schreiben jedoch insgesamt nicht so negativ empfunden, aber ich nehme an, es kommt auch durch die Kombination mit der später düsteren Stimmung, als alles beginnt, seine Farbe zu verlieren.

Ich finde, den Übergang vom Leben in den Tod hast Du gut dargestellt.
Danke, gerade hierbei bin ich froh, wenn es bildlich gut passt, es ist ja die Szene, auf die alles hinausläuft.

Ich bin lediglich bei Margarita hängengeblieben: Heißt es "der" oder "die" Margarita? Gefühlsmäßig würde ich "die" sagen, aber eigentlich weiß ich es nicht genau
Ich auch nicht, also habe ich Google gefragt ... demnach hattest du recht, es heißt "die" Margarita, habe es also geändert:

Die Margarita ist ein Cocktail auf der Basis von Tequila. Der Shortdrink variiert die klassische Grundstruktur eines Sours, indem der Zucker durch Triple Sec, einen Orangenlikör, ersetzt wird.

Danke für deine Zeit und noch ein schönes Wochenende!
Rob
 
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19.05.2006
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Hallo Rob!

Ich habe deine Geschichte bereits vor zwei Tagen gelesen, kam aber erst jetzt dazu, mich ihr zu widmen. Über Themata diskutiere ich nicht gerne, aber sprachlich gibt es einiges anzumerken. Du schreibst szenisch und bildhaft, das gefällt mir, aber (noch) zu wenig sinnlich, (der Mensch hat bekanntlich 5 Sinne) auch atmosphärisch könntest du nachlegen, besonders in einer "Herz/Schmerzgeschichte".
Leider achtest du zu wenig auf Sprache und Stil. Doppelpunktdialoge sind unelegant und leicht zu vermeiden, zu viele dass-Konstrukte ebenso. Da und dort wackelt die Zeitform. Manche Sätze sind unnötig kompliziert aufgebaut; in der gepflegten Kürze liegt die literarische Würze. ;)
Den Plot fand ich durchaus interessant, du kannst auch erzählen. Und das ist schon mal etwas ganz Wesentliches, auf dem Weg zum Erfolg.
Ich habe unterhalb manches aufgelistet, was mir aufgefallen ist.
Nimm, was du brauchen kannst.

Fast zu schön um wahr zu sein, dachte Tom, als er von seiner Liege den blauen Himmel betrachtete.
Der Himmel erscheint immer blau, wenn er wolkenlos ist. Warum nicht gleich: wolkenlos?
Bzw. zum Himmel aufsah, denn was sollte man an einem blauen Himmel betrachten?

Schon vor ihrer Antwort hatte er sich aufgerichtet. Nach über fünfunddreißig Jahren Ehe wusste er, dass sie eher auf ein weiteres Getränk verzichten würde, als nochmal zu gehen, wenn sie der Meinung war, er sei dran. Obwohl er die Logik dahinter bis heute nicht durchschaut hatte.
Die karibischen Klänge wurden lauter, als er das Deck entlang in Richtung der Bar schlenderte.
Da stellt sich mir die Frage: Was sind karibische Klänge? Das ist mir etwas zu allgemein beschrieben.

Aber er hatte nur noch eins, in der rechten Hand.
Kürzer: Aber er hatte nur noch eines. (In welcher Hand ist völlig egal. )

Er stellte beide Gläser auf dem Beistelltisch ab und fragte das Mädchen: „Wer bist du?“.
Dialoge mit Doppelpunkt einzuleiten, wirkt unelegant. Kein Punkt nach Apostroph.
Vorschlag: ... auf dem Beistelltisch ab. "Wer bist du?", fragte er das Mädchen.

Sie blickte ihn (für) einen Moment an, die Augen hatten fast den gleichen Farbton wie das Kleid.
Warum nur fast? Einmal würde ich statt Artikel "ihre" schreiben.

Das Mädchen antwortete: „Es ist lange her, aber du wirst dich noch erinnern.“ Mit diesen Worten stand sie auf und lief davon.
Die Einleitung kann wegfallen, es ist schlüssig, wer spricht.

Bereits beim ersten Blick bemerkte er, dass nur seine Sachen da waren. Keine Spur von Ellens Hausschuhen oder ihrer Windjacke, die sonst an einem Haken in dem kleinen Flur hing.
In diesem Absatz gibt es einiges zu besprechen. Zum einen: Du leitest relativ häufig Nebensätze mit "dass" ein. Wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, kommt man kaum noch aus dieser Schreibe raus.
Die Aussage dieses Absatzes ließe sich wesentlich kürzer formulieren, zusammenfassen. Denn: Nichts war da, außer seinen eigenen Sachen. Es ist also müßig, Ellens fehlende Garderobe aufzuzählen. Besser wäre es, den ersten Satz weiter auszustatten.

Eine goldene Kette, er zog sie hervor und legte sie auf die Handfläche.
Man hat zwei davon.
Aber würde es nicht reichen, zu sagen: ... und betrachtete sie ...
Auch würde ich den Satz nach "Kette" teilen.

Sofort füllten sich seine Augen mit Tränen
Die Zeitangabe ist mAn überflüssig.
Alternative: Seine Augen füllten sich mit Tränen.

Mit geschlossenen Augen und zitterndem Körper schluchzte er laut vor sich hin.
Lass ihn zittern.
Alt: Er zitterte am ganzen Körper. Mit geschlossenen Augen schluchzte er vor sich hin.

Auf dem Weg nach draußen, sie waren beide an diesem Samstagnachmittag alleine ins Kino gegangen, bekamen sie sich wieder in die Haare.
Bisschen kompliziert komponiert.
Alt: Sie waren an diesem Samstagnachmittag jeweils alleine ins Kino gegangen. Auf dem Weg nach draußen bekamen sie sich wieder in die Haare.

Ich betrachte lieber ihren Hintern, gehen sie mal schön weiter.“
Der Wortwechsel ging weiter, sehr zur
Wie auch immer er auf die Idee kam, fragte er schließlich: „Wie wärs, wenn wir nächsten Samstag weitermachen?“
Wieder ein Doppelpunkt-Dialog plus schwacher Einleitung. Weglassen.

Er spürte bis heute die Überraschung und Freude, als sie zusagte, sich umdrehte und schnellen Schrittes davon eilte.
Ab heute spürt er nichts mehr? ... noch heute ...

Zum Glück hast du beim Küssen bessere Manieren, als an der Kinokasse“, flüsterte sie.
Komma, nach Manieren.

Sie blickte ihn mit rehbraunen Augen an, wunderschön, in dem weißen Kleid
Da gefiele mir besser: ... wunderschön, in ihrem weißen Kleid.
Vielleicht noch: ... aus rehbraunen Augen.

Sie weinte so sehr, dass ihr ganzer Körper zitterte.
Da ist wieder eines der vielen dass-Konstrukte, wie auch unterhalb markiert. Ginge eleganter, aber zumindest kürzen.

Vielleicht, dass sie ja auch ein Kind adoptieren können. Stattdessen nahm er sie in den Arm und hielt sie, schweigend. Er war ja auch der Grund ...
Vorschlag: Vielleicht könnten sie sogar ein Kind adoptieren. Stattdessen nahm er sie in den Arm und schwieg. Er war ja auch der Grund ...

„Nehmen wir es?“, fragte sie, die Antwort schon kennend.
Na ja! ... schon kennend ... ;)

Tom wusste nicht, wie lange sie schweigend auf der Couch saßen.
... auf der Couch gesessen hatten. (Du erzählst aus dem Präteritum. Folglich steht der Rückblick im Plusquamperfekt.)

Irgendwann traute er sich: „Es ist ja nicht unheilbar. Ich bin immer bei dir, du … wir schaffen das.“
Der Doppelpunkt nach "sich" ist unnötig.

Unter wolkenverhangenem Himmel stand er (weinend) vor Ellens Grab. Die Tränen vermischten sich mit dem Regen. Irgendwann, er wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, öffnete er die Augen und wischte die Tränen weg.
Wenn sich Tränen mit dem Regen vermischten, konnte er sie nicht wegwischen. Würde die Tränen im vorherigen Satz weglassen.

Er betrachtete die Umgebung, alles schien dunkler und verblasst.
dunkel und verblasst schließen einander aus, mAn.

Farblos, wie verwelkte Blumen.
Ich würde nach "Farblos" ein Komma setzen.

An einem Tisch weiter hinten saß das Mädchen in dem grünen Kleid
im

Schließlich erreichte er den großen Speisesaal
Muss der groß sein?

Die meisten Tische waren besetzt, die Menschen starrten apathisch auf die Teller.
... auf ihre Teller

Als wäre sie die einzige Farbe in einer sterbenden Welt.
Ein Mädchen kann keine Farbe sein. Vielleicht: der einzige Farbtupfer ... oder: der letzte ... einer sterbenden Welt.

Tom ging zu ihr, musste sich dabei immer wieder an (den) Tischen abstützen. „Wer bist du?“, fragte Er und setzte sich zu ihr an den Tisch.
Sie legte ihre Hand auf seine und sagte: „Erinnere dich.“
Kürzer: Sie ergriff seine Hand und sagte ...

Er war mit Ellen an einem See. Sie las in einem Buch, er in der Zeitung.
... sie las ein Buch, er die Zeitung.

Als er den Sportteil erreichte, ertönte ein Platschen.

Substantivierte Verben sind halt so eine Sache. Hier wirken sie mAn unbeholfen.
Das könntest du lebendiger ausdrücken. ... erreichte, ertönte ein lautes Geräusch. Es hörte sich an, als ob ein schwerer Gegenstand ins Wasser gefallen ...

Aus dem Augenwinkel bemerkte er eine Bewegung und blickte über die Seiten.
... blickte auf.

Ein Mädchen in einem mintgrünen Kleid setzte sich an den Rand des Sees, ließ die Füße im Wasser baumeln.
Ein, einem; Da würde ich vorschlagen: ... in mintgrünem Kleid ...

Tom blieb sitzen, sank noch mehr in sich zusammen.
Würde ich auch raffen: Tom sank in sich zusammen.

Alles um ihn herum wirkte wie eine Geisterwelt. Die Farben waren kaum noch vorhanden, als würde sich die Welt in eine Bleistiftzeichnung verwandeln.
Die Farben? Welche Farben? Artikel weglassen.
Alternative: Alles um ihn herum erschien wie eine schwarzgraue Geisterwelt. Farben waren kaum noch vorhanden, als hätte sich seine Umgebung in eine Bleistiftzeichnung verwandelt.

Netten Gruß,
Manuela :)
 
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@Manuela K.

Hi Manuela,

da danke ich dir sehr, nicht nur für die vielen erwähnten Textstellen, sondern auch für die allgemeinen Erklärungen! Werde mich bemühen, sie zu verinnerlichen!

Ich habe die entsprechenden Sätze angepasst, teilweise etwas abgewandelt von deinen Vorschlägen. Ich erwähne es hier nur allgemein, die Änderungen finden sich ja im Text, daher also nur eine kurze Antwort zu deinem ausführlichen Kommentar.

Danke für deine Mühe und viele Grüße!
Rob
 
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Guten Tag,

nach dem "fast zu schön", muss meines Wissens nach ein Komma gestetzt werden, bevor
"um wahr zu sein" kommt. Weitergelesen habe ich allerdings nicht....

Schönen Sonntag

DF
 
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09.12.2019
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@Dosenfood

nach dem "fast zu schön", muss meines Wissens nach ein Komma gestetzt werden, bevor
"um wahr zu sein" kommt.
Ich bin mir hierbei auch nicht sicher, aber da es bisher niemand angemerkt hat, lasse ich es erstmal so.

Danke für den Hinweis und viele Grüße
Rob
 
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04.08.2020
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Hallo @Rob F,

erst einmal möchte ich sagen, dass ich deine Idee wirklich sehr spannend und fesselnd finde. Nach und nach erfährt der Leser, worum es eigentlich geht, dennoch ist es nicht zu offensichtlich.

Auch ein Blick in den Schrank ließ ihn nichts von ihr finden.
Diesen Satz würde ich ein wenig verändern, vielleicht "auch ein Blick in den Schrank verriet nichts von ihrer Anwesenheit" oder so ähnlich.

Er war ja auch der Grund.
Auch hier finde ich den Satz ein wenig "unförmig". Möglich wäre beispielsweise "Er selbst war ja auch nicht unschuldig." Passt auch nicht hundertprozentig, aber vielleicht findest du selbst noch eine bessere Formulierung.

Sie nahm seine Hand und ging mit ihm hinein.
Auch hier würde ich die Situation eher ein bisschen mehr umschreiben; "sie nahm ihn bei der Hand und gemeinsam traten sie über die Türschwelle". Das ist vielleicht aber auch nur Geschmacksache.

Farblos, wie verwelkte Blumen.
Diesen Satz finde ich wunderschön und er beschreibt die Situation geradezu perfekt.

Ich hoffe, du kannst mit meiner Kritik etwas anfangen.

Lieben Gruß,
Jojo
 
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09.12.2019
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Hallo @Jojoo ,

willkommen hier im Forum!

Ich finde es erstmal super, dass du nicht nur einen eigenen Text eingestellt hast, sondern auch fleißig kommentierst! :thumbsup:

erst einmal möchte ich sagen, dass ich deine Idee wirklich sehr spannend und fesselnd finde. Nach und nach erfährt der Leser, worum es eigentlich geht, dennoch ist es nicht zu offensichtlich.
Vielen Dank! Am Anfang ein wenig zum miträtseln, aber zum Ende hin wird ja deutlich, worum es geht.

Diesen Satz würde ich ein wenig verändern, vielleicht "auch ein Blick in den Schrank verriet nichts von ihrer Anwesenheit" oder so ähnlich.
Danke für den Hinweis, habe deinen Vorschlag übernommen.

Auch hier finde ich den Satz ein wenig "unförmig". Möglich wäre beispielsweise "Er selbst war ja auch nicht unschuldig." Passt auch nicht hundertprozentig, aber vielleicht findest du selbst noch eine bessere Formulierung.
Ich habe den Satz mal ein wenig angepasst zu: "Es lag ja auch an ihm."
Aber ich weiß, was du meinst, so ganz zufrieden bin ich auch hiermit noch nicht, mal sehen, ob mir noch was anderes einfällt. Evtl. lasse ich ihn auch ganz weg, es ist ja vielleicht auch nicht wichtig, warum genau sie keine Kinder bekommen können.

Ich hoffe, du kannst mit meiner Kritik etwas anfangen.
Ja, konnte ich, gab ja doch noch etwas anzupassen!

Viele Grüße,
Rob
 
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15.09.2008
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Hallo @Rob F ,

dein Protagonist ist ein Kreuzfahrtteilnehmer, dem die traurige Erinnerungsreise an seine verstorbene Frau als Schicksalswende den Tod bringt.
Ob die Erinnerungen ihn zu sehr belasten oder ob er die Reise bereits als Sterbenskranker angetreten hat, kann ich dem Text nicht auf Anhieb entnehmen.
Jedenfalls kippt er sich noch mal gut Einen, nein sechs Doppelte am Vormittag, hinter die Binde.
Recht so! Daran alleine stirbt er jedenfalls nicht mehr, höchstens etwas leichter und zügiger.
Auf diese Idee mit den Magaritas muss man erstmal kommen!
Habe mal gegoogelt: Für den beliebten Drink solltest du trinkfest sein, denn eine Margarita besteht zur Hälfte aus purem Tequila.

Insgesamt liest sich die Geschichte mit den Erinnerungseinblendungen sehr leicht, trotz der vielen Tränen, die vergossen werden.
Du beschreibst ein versöhnlich Ende, pendelst zwischen Visionen und realen Aktionen des Protagonisten.
Die Sehnsucht, seiner bereits verstorbenen Frau nachzufolgen, nimmt ihm die Angst vor dem Sterben
Zudem nimmt ihm die visionäre Begegnung mit dem ertrunkenen Mädchen das Schuldgefühl über das Versäumnis, das Kind rechtzeitig aus dem Wasser geholt zu haben.
Ich denke, du hattest als Wasserleiche ein Kind und keine junge Dame im Sinn, da das Kuscheltier auf dem Wasser erwähnt wird. Der Grund für den Freitod des Kindes, den die engelhafte Erscheinung ihm einredet, erscheint mir allerdings weit hergeholt. Ich bezweifle, dass ein Kind, das noch Kuscheltiere im Arm hat, so entschlossen den Freitod wählt, nur um nicht wieder in die ungeliebte Familie zurückzumüssen.
Die Geschichte ist so aufgebaut, dass man letztendlich sagen könnte:
So möchte ich auch sterben, versöhnt mit der Vergangenheit und benebelt von einem schmackhaften Getränk.

Zum Nachdenken:
Nach einigen Minuten stand er auf. Ohne zu wissen, wohin er wollte, verließ er die Kabine. Auch in den Gängen, durch die er ziellos wanderte, schien die Welt surreal.
Vorschlag:
Nach einigen Minuten verließ er die Kabine und wanderte ziellos in den Gängen umher. Alles erschien ihm surreal.

Durch den Wind auf dem Deck des Kreuzfahrtschiffes war die Hitze, fast vierzig Grad, gut erträglich.
Der Wind auf dem Deck des Kreuzfahrtschiffes machte die Hitze, fast 40 Grad, erträglich/ erträglicher.

Ein paar Flusen:
Fast zu schön KOMMA um wahr zu sein, dachte Tom,

als nochmal zu gehen,

als noch mal (kommt von noch einmal)

Er leerte sein Getränk und machte sich mit beiden Gläsern auf den Weg.
MMn leert man ein Glas , einen Behälter, aber man leert nicht das Getränk selber

Die Reggaemusik wurde lauter,
Reggae Musik oder Reggae-Musik, die Zusammenschreibung gibt der Duden nicht her

Nochmal zwei“,
s.o.

Mit dem kleinen Anhänger, der ein Foto von ihr enthielt.
Mit geschlossenen Augen und zitterndem (drittes Mal zitternd) Körper schluchzte er laut vor sich hin.

„Natürlich“, begann er mit bleichem Gesicht. „Hätte ich nicht weitergelesen und wäre direkt …“

„Natürlich“, begann er mit bleichem Gesicht, „hätte ich nicht weitergelesen und wäre direkt …“
Die wörtl. Rede wird fortgeführt, der sog. Begleitsatz (hier: begann er mit bleichem Gesicht) ist eingeschoben.

Ebenso:
Nein“, unterbrach sie ihn. „Es war mein Wunsch zu sterben.

Nein“, unterbrach sie ihn, „es war mein Wunsch zu sterben. …
Die wörtl. Rede wird fortgeführt, der sog. Begleitsatz ist eingeschoben.

Nur so nebenbei:
Mich beschäftigt nach dem so friedlichen Dahinscheiden allerdings die Frage, wie das Kreuzfahrtschiff wohl mit der Situation umgehen würde und müsste. Es ist ja nicht so einfach, den plötzlichen Tod eines stark alkoholisierten Gastes als völlig normale Angelegenheit darzustellen.
Gut, dass das nicht mehr das Problem des Protas ist!

Gern auseinanderklamüsert!
Gruß
kathso60
 
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09.12.2019
Beiträge
254
Hallo @kathso60 ,

danke für deinen Kommentar, freut mich, dass du dich so ausführlich mit dem Text beschäftigt hast!

Jedenfalls kippt er sich noch mal gut Einen, nein sechs Doppelte am Vormittag, hinter die Binde.
Recht so! Daran alleine stirbt er jedenfalls nicht mehr, höchstens etwas leichter und zügiger.
Auf diese Idee mit den Magaritas muss man erstmal kommen!
Habe mal gegoogelt: Für den beliebten Drink solltest du trinkfest sein, denn eine Margarita besteht zur Hälfte aus purem Tequila.
Es war mir in dieser (Alkohol-)Stärke nicht bewusst, aber was soll´s, am Ende des Lebens darf man sich ja bestimmt nochmal was gönnen! :bier:
Allerdings trinkt er während der Geschichte nur eine Margarita, die weitere lässt er ja stehen, da er zur Kabine geht um seine Frau zu suchen.

Ob die Erinnerungen ihn zu sehr belasten oder ob er die Reise bereits als Sterbenskranker angetreten hat, kann ich dem Text nicht auf Anhieb entnehmen.
Meine Grundidee bei dieser Geschichte war folgende:
Tom liegt im Sterben, wo genau (im Krankenhaus, zu Hause ...) ist im Prinzip nicht wichtig. Alles was in der Geschichte passiert, geschieht nur noch in seinen (letzten) Gedanken. Er erinnert sich an eine schöne Kreuzfahrt mit seiner Frau, aber nach und nach vermischt sich diese Erinnerung mit weiteren Erlebnissen seines Lebens. Und die Umgebung verändert sich (dunkler/surreal), je näher er dem Tod kommt. Der hauptsächliche Hinweis hierzu ist der folgende Dialog mit dem Mädchen im mintgrünen Kleid:

„Nein“, unterbrach sie ihn. „Es war mein Wunsch zu sterben. Mich zu retten hätte mich zurück zu der Hölle meiner Eltern gebracht. Ich wollte, dass du es noch in dieser Welt erfährst.“
„Bevor ich sterbe?“
„Ja. Du hast nicht mehr viel Zeit. Sei nicht ängstlich, es ist nicht schlimm. Deine Frau wartet auf dich.“
„Wo befinde ich mich? Mein Körper, meine ich.“
„Das ist nicht wichtig. Nun schließe mit diesem Leben ab.“ Mit diesen Worten stand sie auf und verblasste, als sie Richtung Ausgang ging, bis sie ganz verschwand.


Ich denke, du hattest als Wasserleiche ein Kind und keine junge Dame im Sinn, da das Kuscheltier auf dem Wasser erwähnt wird. Der Grund für den Freitod des Kindes, den die engelhafte Erscheinung ihm einredet, erscheint mir allerdings weit hergeholt. Ich bezweifle, dass ein Kind, das noch Kuscheltiere im Arm hat, so entschlossen den Freitod wählt, nur um nicht wieder in die ungeliebte Familie zurückzumüssen.
Genau, ich hatte eher an ein Kind gedacht. Es ist wahrscheinlich - und hoffentlich - selten, aber auch aktuell wird in den Nachrichten über schlimme Taten an Kindern berichtet. Ich kann es natürlich nur vermuten, aber ich glaube schon, dass es Kinder gibt, die es nicht mehr ertragen und sich das Leben nehmen. Die genauen Gründe sollten jedoch nicht direkt ein Thema dieser Geschichte sein, daher habe ich nicht mehr dazu geschrieben.

Die Geschichte ist so aufgebaut, dass man letztendlich sagen könnte:
So möchte ich auch sterben, versöhnt mit der Vergangenheit und benebelt von einem schmackhaften Getränk.
Ja, diese Vorstellung hört sich gar nicht so schlimm an ;)
Ich würde jedoch statt einer Margarita auf ein gutes Kölsch bestehen!

Danke auch für deine Formulierungsvorschläge, habe entsprechend einige Stellen angepasst!

Viele Grüße,
Rob
 
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