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  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

Aus der Tiefe

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09.12.2019
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Aus der Tiefe

Sennya betrachtete die schweren Maschinen vor der untergehenden Sonne. Vor ihr lag die staubige Fläche, die für die erste Stadt auf Opal Drei vorbereitet wurde. Morgen früh würden sie beginnen, die Kanalisation zu graben.
Sie genoss die kühle Abendluft, bevor sie in ihren Wohncontainer ging um mit ihrem Bruder zu sprechen. Bevor sie die Verbindung herstellte, betrachtete sie das Holobild über dem Nachttisch. Es zeigte sie und ihren Zwillingsbruder Tarmm, kurz bevor sie auf die Akademie gingen. Zusammen mit ihren Eltern bei einem Wochenendausflug, alle mit einer Angel in der Hand. Wenn alles gut ging, würden sie sich in einigen Monaten wiedersehen und gemeinsam erleben, was die Gewässer hier beherbergten.
Per Sprachbefehl aktivierte Sennya einen Holoscreen und forderte eine Verbindung zu Tarmm. Es dauerte nur wenige Sekunden, dann erschien sein Gesicht auf dem im Raum schwebenden dreidimensionalen Bild. Wie meistens unrasiert und mit zerzausten Haaren.
„Hallo Bruderherz“, sagte Sennya. „Wie läuft´s da oben?“
„Alles gut hier. Perfekte Aussicht auf unser neues zu Hause. Die Drohnen sammeln fleißig Daten, könnte mir den ganzen Tag die Aufnahmen der Oberfläche ansehen. Warte mal, bis du die Strände siehst, schicke dir gleich mal ein paar Bilder.“
„Danke, dann hab ich heute Abend wenigstens was zu tun. Morgen starten wir die Maschinen für die Kanalisation.“
„Ja, warte mal kurz. Wir haben nochmal einen Detailscan gestartet, das natürliche Höhlensystem beginnt an eurem Standort schon nach zwölf Metern“, erklärte Tarmm.
„Na dann, mal sehen wie schnell die neuen Hochleistungsmaschinen dort hinkommen. Und wie geht’s dir, isst du gut und schläfst genug?“
„Klar, ich beachte brav deine Vorschläge. Hab die Bilder gerade abgeschickt, mache mich mal auf den Weg zur Kantine. Bis morgen, oder hast du noch was?“, fragte er.
„Nein, alles ruhig hier. Diese wildschweinähnlichen Kreaturen haben uns seit drei Tagen nicht mehr angegriffen. Das Geräusch eines Laserschusses reicht mittlerweile, um sie zu vertreiben. Dann iss mal schön und such mal nach einem Kamm oder einer Bürste.“
„Warum?“
Sennya lächelte und beendete die Verbindung.

Das Kollektiv bemerkte die Veränderung sofort. Ein leichtes Vibrieren. Der Ursprung befand sich weit oben. Jedes Element spürte es und gab die Information an die Königin weiter. Und wartete, bis sie einen Befehl gab.

Sennya und die restliche Bodencrew waren in dem größeren Container versammelt, in dem sie jeden Morgen und Abend die Meetings zum Stand der Arbeiten abhielten. Sie war immer wieder überrascht, wie wenige sie waren, hier am Boden und an Bord der Creator, um eine vollständige Stadt auf dem fremden Planeten aufzubauen. Aber letzten Endes taten sie kaum etwas anderes, als die intelligenten Maschinen zu koordinieren, die die eigentlichen Arbeiten erledigten. Von der Vorbereitung des Geländes bis zur abschließenden Inneneinrichtung der Gebäude und Räume. Wofür brauchte sie ihr langjährig erworbenes Ingenieurwissen? Die Kolonisten, die hier in einigen Monaten ankommen, können sich in ein gemachtes Nest setzen, dachte sie.
„Wir sind bei allen Arbeiten gut im Zeitplan, bisher ist keine der Maschinen ausgefallen oder auf ein Hindernis gestoßen“, erklärte Renoss, der Einsatzleiter der Bodenaktivitäten. „Das wars von meiner Seite für heute. Was wollten Sie uns noch zeigen, Sennya?“
„Eine der Tunnelmaschinen hat das natürliche Höhlensystem erreicht“, antwortete sie. „Vielleicht ist es nichts, aber sie sollten sich die Aufnahmen mal ansehen.“ Sie startete den Holoscreen und die Aufnahme der Tunnelmaschine per Sprachbefehl. Das Bild zeigte einen erleuchteten Tunnel, durch die glatten Wände war allen Anwesenden klar, dass es einer der kürzlich gegrabenen Gänge war. Die Maschine fuhr weiter, der Scheinwerfer befand sich oberhalb der Kamera und leuchtete das Umfeld gut aus. Nach einigen Metern veränderte sich der Tunnel, sie sahen die ersten Bilder des Höhlensystems, das sich nach umfangreichen Scans um den ganzen Planeten zog. Sie würden diese Höhlen noch durch kleine, fliegende Drohnen detailliert kartographieren lassen.
Alle Anwesenden begaben sich näher an das holografische Bild, als die Maschine weiter fuhr. Das Gestein wurde unebener, die Aufnahme blieb dennoch ruhig durch die Stabilisatoren. Auf dem Boden war ab und zu etwas zu sehen, das Sennya an Pferdemist erinnerte. Sehr viel weiter ging es nicht mehr, der Gang wurde zu flach. Am Ende des sichtbaren Bereichs schien sich der Tunnel weiter abwärts zu neigen. Die Maschine begann, rückwärts zu fahren. Kurz bevor die Aufnahme endete, war eine Bewegung zu sehen, an der Decke ganz am Ende des sichtbaren Stollens.
„Was war das?“, fragte Einsatzleiter Renoss. Er war noch näher an das Bild gegangen. Wie so oft in den letzten Tagen meinte Sennya, Alkohol in seinem Atem zu riechen.
„Ich weiß es nicht, es ist in der Dunkelheit kaum zu erkennen. Warten Sie, ich fahre die Aufnahme nochmal etwas zurück und vergrößere“, sagte Sennya. Es war auch jetzt auf dem Standbild nur als eine dunkle Form zu erkennen, die sie an die Scheren eines Hummers oder Krebses erinnerte.
„Na, wer bist du denn?“, flüsterte Renoss und strich sich über den Bart. „Schicken Sie morgen ein paar der Aufklärungsdrohnen rein, Sennya. Ich möchte über meine Nachbarn hier Bescheid wissen.“

Das Vibrieren wurde stärker, näherte sich dem Kollektiv. Die Königin gab ihren Befehl an ein Dutzend Elemente. Kundschaften und berichten.

Die Sonne war fast untergegangen, die beiden Monde wurden sichtbar. Sennya beendete gerade rechtzeitig die abendliche Joggingrunde und betrachtete die Fläche, auf der bald die ersten Gebäude entstehen würden. Alle hierfür notwendigen Materialien lagerten in den riesigen Hallen der Creator. Sie würden sich erst für weitere Städte den Ressourcen des Planeten bedienen. Diese Welt war der Erde sehr ähnlich, dennoch spürte sie die Fremdartigkeit. Als hätte sie ein eigenes Bewusstsein, das die Eindringlinge beobachtete. Auf der Lauer lag.
Der aufkommende Wind wirbelte Staub auf. Sennya wollte gerade zurück zum Container, als sie eine Bewegung bemerkte. Etwas kam aus dem Zugang zur Kanalisation. Ein schwarzes, insektenartiges Bein, gefolgt von weiteren Beinen und einem ovalen Rumpf. Sie sah wie erstarrt zu, als das Geschöpf vollständig die Oberfläche erreichte und in ihre Richtung kam. Direkt dahinter kletterte bereits ein weiteres hervor, wie eine Kreuzung aus einer Spinne und einem Skorpion. Sie tastete an die Seite ihres Beines, aber sie hatte die Laserpistole schon wieder vergessen. Mit zitternden Beinen drehte sie sich um und lief zum Lager. Zum ersten Mal im Leben schrie sie laut um Hilfe.

Als sie das Lager erreichte, waren Einsatzleiter Renoss und einige andere aus ihren Containern gekommen. Alle hielten, alarmiert durch ihr Geschrei, die Laserpistolen bereit. Sie lief an ihnen vorbei und rief: „Schießt sie in Stücke!“ Nicht, dass es notwendig gewesen wäre, sie hörte hinter sich die Schüsse und ein hohes Fiepen. Bevor sie ihren Container betrat, sah sie zurück. Zwei der Kreaturen schienen schon erledigt worden zu sein, sie lagen reglos am Boden, einige ihrer acht Beine abgetrennt durch den Laserbeschuss. Sie konnte nur noch eine weitere erkennen, vor dem Container von Renoss, der wohl nach drinnen geflüchtet war. Es wurde von Laserschüssen eingedeckt, zwei seiner Beine flogen gegen die Containerwand. Der Rumpf wurde immer wieder durchlöchert, bis es zusammenbrach.
Sennya konnte kein weiteres dieser Geschöpfe sehen, holte dennoch ihre Waffe aus dem Container und ging vorsichtig in Richtung der getöteten Wesen.

Die gesamte Bodencrew näherte sich den erledigten Angreifern. Sie sahen aus wie Spinnen, hatten jedoch einen harten, schwarzen Panzer. Die vorderen Beine endeten in Scheren, Sennya musste wieder an einen Hummer denken. Nur dass diese Wesen so groß waren wie ein kleiner Bodengleiter.
„Heilige Scheiße!“, meinte Renoss, als er wieder aus seinem Container kam.
Bevor er noch mehr sagen konnte, zeigte Sennya in Richtung der Stadtfläche und rief: „Dort sind noch mehr!“
Renoss zögerte keine Sekunde. „Niemand greift meine Maschinen an. Machen wir sie fertig!“

Neun weitere Kreaturen drängten sich um die bodenpräparierenden Maschinen, als würden sie von deren Lärm angezogen. An einer der Maschinen stand ein Crewmitglied. Als sie in diese Richtung liefen, erwachte er aus der Schockstarre und versuchte zu fliehen. Eine der Kreaturen umklammerte sein Knie mit der hummerartigen Schere und durchtrennte das Bein, als wäre es aus Butter. Der Verletze fiel zur Seite und schrie, drehte sich auf den Rücken und griff nach dem Beinstumpf. Die Kreatur griff erneut zu, umklammerte diesmal seinen Hals und trennte den Kopf ab.
Sie stellten sich in einer Reihe auf, näherten sich dem Feind und begannen zu schießen. Die Geschöpfe reagierten nicht mit einem Gegenangriff, als wären sie nur auf die Maschinen und die Umgebung fixiert. Ihre Gliedmaßen flogen durch die Luft, immer wieder ertönte ihr hohes Fiepen. Es dauerte nicht lange und sie hatten alle erledigt.
„Zurück zum Transportshuttle!“, rief Renoss, nachdem sie in der näheren Umgebung keine weiteren Kreaturen ausmachen konnten.

Jeder Verlust schmerzte das Kollektiv und die Königin. Sie mussten sich vorbereiten, es gab eine Gefahr und sie konnte näher kommen. Die Königin gab den nächsten Befehl. An das gesamte Kollektiv. Sammeln in der Haupthalle.

„Wir haben den Zugang zur Kanalisation mit den selbstfeuernden Geschützen gesichert. Falls dennoch welche durchkommen, werden wir genug Zeit haben, mit dem Shuttle zu fliehen. Oder wir geben ihnen mit den Bordkanonen den Rest“, erklärte Sennya ihrem Zwillingsbruder über den Holoscreen. „Und wir haben die Drohnen in das Höhlensystem geschickt, werden also bald eine detaillierte Karte und genügend Aufnahmen haben.“
„Ich weiß nicht, Sennya, mir wäre es lieber, wenn ihr nicht in der Nähe bleibt. Diese Wesen geben kaum Wärme ab, sonst hätten wir sie früher bemerkt. Wir haben keine Information, wie viele dort unten hausen, es könnten tausende sein.“
Renoss schaltete sich ein: „Sie wissen nicht, dass wir hier drinnen sind. Sie werden dort unten in völliger Finsternis hausen, wahrscheinlich orientieren sie sich eher an ihrem Gehör. Vielleicht können Sie überhaupt nichts sehen, oder haben eine ähnliche Technik wie Fledermäuse. Falls noch mal welche rauskommen, werden wir entscheiden, ob wir angreifen oder fliehen.“ Seine Stimme ließ keinen Zweifel daran, dass seine Entscheidung feststand, die Bodencrew war alleine seine Verantwortung.
Tarmm blickte erneut zu Sennya und sagte nach einigen Sekunden: „Bitte, aber haltet regelmäßigen Kontakt. Ich schicke euch die Kampfdrohnen runter und was wir sonst noch haben. Viel ist es nicht, sind ja keine Kampfmission. Wenn ihr die Informationen der Detailscans habt, können wir alles weitere entscheiden.“
„In Ordnung, Tarmm, bis später. Mach dir keine Sorgen, wir kriegen das schon hin“. Sennya beendete die Verbindung.
„Warten Sie hier“, sagte Renoss und ging ins Cockpit. Er war nicht nur der Einsatzleiter, sondern auch einer von drei ausgebildeten Piloten, sollte ein manuelles Eingreifen notwendig sein. Mit einer Whiskyflasche und zwei kleinen Gläsern in der Hand kam er zurück und setzte sich ihr gegenüber.
„Nun sehen Sie mich nicht so an. Wirkt genauso wie ein Beruhigungsmittel.“ Er stellte die Gläser auf den Tisch und schenkte ein. „Haben Sie sich verdient! Keine Widerrede, ist eine verpflichtende Maßnahme nach einem Kampf.“
„Dann scheinen Sie aber fast täglich zu kämpfen." Sennya band sich die schulterlangen rötlich-blonden Haare zusammen, die ihr seit dem Angriff immer wieder ins Gesicht fielen.
„Manche gehen fischen, um sich zu beruhigen, andere haben Medizin. Ist nicht viel jeden Tag, glauben Sie mir, ich arbeite deutlich schlechter ohne ab und zu einen Schluck. Ich weiß, dass sie es ohnehin bemerkt haben, also was solls? Jeder braucht seinen Ausgleich. Prost!“ Er nahm sein Glas und hielt es vor sich.
Sennya zögerte noch einen Moment, musste dann aber lächeln und nahm ebenfalls ihr Glas. Renoss war einfach ein herzensguter Mensch, mit seinem Vollbart und den kurzen, wirr abstehenden Haaren. Immer professionell und bei der Sache, trotz oder wegen seiner Medizin. „Na dann, Prost“, erwiderte sie. „Da haben die anderen ja Pech, dass sie sich bereits im Laderaum einen Schlafplatz gesucht haben.“
„Bleibt mehr für uns. Wir werden morgen früh als erstes die Karte und die Aufnahmen des Höhlensystems prüfen. Und wenn weiterhin alles ruhig bleibt, unseren Botaniker begraben. Alleine dafür haben diese Viecher den Tod verdient.“ Er schenkte beide Gläser nach.
„Wir sollten dennoch mit Bedacht vorgehen und diese Wesen nicht unterschätzen.“
„Warum? Dumme Riesenspinnen, mit den richtigen Waffen werden sie kein Problem sein. Und außerdem ...“
„Ich weiß, niemand greift ihre Maschinen an. Aber wenn es dort unten viele von ihnen gibt, wovon wir ausgehen können, warum haben sie dann nur zwölf hier hoch geschickt?“
„Vielleicht haben Sie sich verlaufen?“, antwortete Renoss und leerte erneut sein Glas.
„Das glaube ich nicht. Sieht für mich aus wie ein erster Aufklärungstrupp. Und nun ist diese Spezies alarmiert, da sie nicht zurückkamen. Also ist nun die Frage, was sie machen werden. Nur ihr unterirdisches Reich verteidigen, oder angreifen?“

Renoss musste früh aufgestanden sein, dachte Sennya. Die Whiskyflasche und die Gläser waren verschwunden und er hatte mehrere Kannen Kaffee und das übliche Frühstücksbuffet aufgestellt. Was bedeutete, dass er rausgegangen war zum Kantinencontainer. Sie standen wie eine übermüdete Pfadfindertruppe um den Holoscreen, der Kaffee überdeckte einen möglicherweise verbliebenen Alkoholgeruch.
Das dreidimensionale Bild zeigte das Höhlensystem in allen Details. Renoss erklärte: „Auch wenn sich solche Höhlen unter der gesamten Planetenoberfläche befinden, ist das System unter uns ein …“ Er schwankte leicht. „… ein geschlossenes System“, beendete er den Satz. „Es gibt von der untersten Ebene zwar einige kleine Tunnel zum Meer, aber sie sind so schmal, dass unsere neuen Freunde dort nicht durchpassen.“ Er deutete jeweils auf die Bereiche, über die er sprach. „Auffällig sind dieses zwei … Entschuldigung, diese zwei großen Kammern im Zentrum des Systems. Die größere hat einen Durchmesser von fast einem Kilometer, die kleinere liegt bei ungefähr dreißig Metern. Heute Nacht …“ Renoss starrte einige Sekunden vor sich hin, als fiele ihm nicht ein, was er sagen wollte.
„Es blieb heute Nacht alles ruhig“, half ihm Sennya. „Keines der bewegungssensitiven Geschütze am Zugang zur Kanalisation wurde aktiviert. Die Aufklärungsdrohnen befinden sich am Übergang zu ihren Höhlen, auch dort ist es ruhig, wie die aktuellen Bilder zeigen.“ Sie wechselte per Sprachbefehl auf eine der Drohnenkameras. Das Bild zeigte einen verlassenen Gang. „Sehen wir uns mal die letzten Aufnahmen aus den beiden großen Kammern an. Die Drohne, die in die kleinere Kammer geflogen ist, wurde vernichtet.“
Sie wechselte erneut das Bild, es zeigte eine riesige, felsige Kammer. In Abständen von jeweils mehreren Metern hielten sich dort die spinnenartigen Kreaturen auf, sie schienen sich alle in Richtung des Zentrums der Kammer zu bewegen. Aus den angrenzenden Gängen kamen stetig weitere hinzu.
„Mein Gott, es werden immer mehr. Sammeln sie sich dort?“, flüsterte ein Kollege neben ihr.
„Ja, sieht so aus. Die Aufnahme ist drei Stunden alt“, bestätigte Sennya. „Ich wechsele noch zur Aufnahme der anderen größeren Kammer.“ Sie sahen einen weiteren Tunnel, der nach einigen Metern in die Kammer mündete. Der Zugang schien sich am Rand dieses Raums zu befinden, zunächst waren nur die Felswände zu sehen. Dann schwenkte das Bild nach links und es erschienen zwei längliche, dunkle Formen, zwischen denen genug Platz für die Drohne war. Als sie sich näherte und hindurch fliegen wollte, begannen sich die Formen ruckartig zu schließen. Das Bild wurde dunkel.
Einige Sekunden sagte niemand etwas, bis Renoss meinte: „Heilige Scheiße, waren das diese Scheren, die wir gestern bei den Angreifern gesehen haben? Wie groß muss dieses Vieh sein?“
„Die Führungskaste“, vermutete Sennya.

„Das Transportshuttle mit den Waffen ist heute Nacht gelandet, direkt neben euch. An Bord sind fünfzehn Kampfdrohnen und genügend schnellfeuernde Lasergewehre, sie sind deutlich besser als eure Pistolen“, erklärte Tarmm, der sich über einen weiteren, kleinen Holoscreen zugeschaltet hatte.
„Na toll, und warum bekommen wir die jetzt erst?“, wollte Renoss wissen.
„Seid froh, dass ihr überhaupt etwas habt. Unsere Auftraggeber hätten uns am liebsten ohne Waffen losgeschickt, wahrscheinlich hatten sie Angst, dass wir uns damit eher selbst umbringen“, entgegnete Tarmm.
„Am Zugang zu deren Höhlen ist es weiterhin ruhig. Ich habe eine der Aufklärungsdrohnen in die große Kammer geschickt, sie müsste mittlerweile angekommen sein.“ Sennya wechselte das Bild, alle wichen erschrocken ein Stück von der dreidimensionalen Darstellung zurück. Die Drohne kreiste in der Kammer, der gesamte Boden, teilweise auch Wände und Decke, waren mit den Kreaturen bedeckt.
„Sie sammeln sich dort sicher nicht, um sich nur wenn nötig zu verteidigen. Der Angriff wird bald erfolgen“, stellte Renoss fest.
„Wir könnten einfach den Zugang zu unserer Kanalisation zum Einsturz bringen“, schlug ein Crewmitglied vor.
Renoss überlegte kurz. „Das würde uns Zeit verschaffen, aber wahrscheinlich auch nicht viel. Diese Viecher scheinen ja gut im Tunnelgraben zu sein, so werden wir sie nicht lange aufhalten.“ Wieder überlegte er, alle warteten auf seine Entscheidung. Er sprach, als würde er laut denken: „Sie werden ohnehin die Oberfläche stürmen, sie können ja nicht wissen, ob wir da sind oder nicht. Und wir haben immer noch die Möglichkeit, zu fliehen, wenn die Kampfdrohnen und die Geschütze am Zugang sie nicht aufhalten können. Wir bringen die Drohnen am Übergang zur Kanalisation in Stellung, dieses Nadelöhr wird ihnen hoffentlich zum Verhängnis.“
„Ich habe noch einen Vorschlag“, sagte Sennya und rief nochmal das Modell des Höhlensystems auf. Sie deutete auf die Kammer, in der sie die Königin vermutete. „Wir lassen eine der Minenmaschinen von der Kanalisation aus nach unten graben, direkt in die Kammer der Königin, oder was auch immer es ist. Ich schätze, dass sie drei bis vier Stunden benötigen wird. Wenn wir Glück haben, wird dieses Vieh durch die fallende Maschine schon schwer verletzt. Und dann schicken wir einige der Kampfdrohnen hinein, ohne Gefahr, dass sie vorher durch die Kreaturen, ich nenne sie mal Soldaten, aufgehalten werden. Vielleicht sind die Soldaten dann keine Gefahr mehr, oder verlieren zumindest ihre Koordination und werden leichte Beute.“
Renoss sah sie an und grinste. „Sehr gut, ich sagte Ihnen doch, dass die Medizin hilft. Bereiten Sie die Minenmaschine und die Kampfdrohnen vor und nehmen sie sich alle ein Lasergewehr. Ich werde solange unseren Botaniker begraben, er wird unser einziges Opfer bleiben.“

Die Vibrationen gehen weiter. Der Feind ist noch da. Die Königin gibt ihren Befehl an das Kollektiv in der Haupthalle: Findet den Weg zur Oberfläche. Grabt neue Tunnel, wenn notwendig. Folgt jedem Geräusch und kämpft, bis es verstummt.
Dann wendet sie sich an die Elemente, die sie in ihre Kammer befohlen hat: Bleibt hier und beschützt eure Königin.


„Es geht los“, sagte Renoss. Der Holoscreen zeigte den Gang aus der Perspektive einer der Kampfdrohnen. An dessen Ende erschienen die ersten Soldaten, sie krabbelten an Boden, Wänden und Decke auf sie zu. Die Drohnen begannen ihre Laserbündel abzufeuern. Das Bild verwandelte sich in ein rotes Blitzgewitter, die Körperteile der Kreaturen flogen durch die Luft. Keine überlebte länger als ein paar Sekunden, die leblosen Körper sammelten sich im Gang. Weitere kamen nach, ein endloser, alptraumhafter Ansturm.
„Was macht die Minenmaschine?“, rief Renoss.
Sennya prüfte den Status auf einem separaten Screen. „Kommt gut voran, ungefähr ein Drittel ist geschafft. Ich schätze noch ca. zweieinhalb Stunden, dann ist sie durch.“
Mittlerweile lagen so viele tote Kreaturen im Korridor, dass die Nachkommenden kaum noch durchkamen. Plötzlich hielten die Geschütze inne, der Angriff schien zu stoppen.
Einige Sekunden sagte keiner etwas, sie beobachteten das Bild, bis Sennya sagte: „Das gefällt mir nicht, wir haben gerade mal einen Bruchteil erledigt.“
In den nächsten Minuten passierte nichts, dann wurde der Berg der getöteten Soldaten nach vorne geschoben. Die ersten erreichten die Drohnen.
„Steuern Sie zurück!“, befahl Renoss.
Sennya gab den Befehl, aber für die beiden vorderen Drohnen war es zu spät. Aus dem schwarzen Gewirr schnellten Scheren hervor, umklammerten die Angreifer und schlugen sie immer wieder gegen die Wand. Ihre letzten Schüsse trafen die Tunnelwand, Staub und Fels schwirrte durch die Luft, dann wurde das Bild dunkel. Sennya wechselte auf eine der hinteren Kameras und orderte die restlichen acht Kampfdrohnen weiter zurück, die Lasersalven begannen wieder. Die anderen fünf Drohnen befanden sich hinter der grabenden Minenmaschine, zur Not konnte sie auch diese noch herbeordern.

Die Kampfdrohnen waren nicht mehr weit vom Zugang zur Kanalisation entfernt, sie wurden von den Angreifern immer weiter zurückgedrängt. Sie näherten sich im Rückwärtsflug dem Ende eines weiteren Gangs, als plötzlich kurz nacheinander die hinteren drei ausfielen. Sennya drehte zwei Drohnen in die andere Richtung, sie begannen direkt auf die angreifenden Soldaten zu feuern.
„Wo zur Hölle kommen die denn her?“, fluchte Renoss.
Hilflos sahen sie zu, wie nach und nach die verbliebenen Drohnen vernichtet wurden, dem Ansturm von beiden Seiten konnten sie nicht standhalten.
„Wie lange noch, bis die Minenmaschine durch ist?“, fragte Renoss.
„Nicht mehr lange, vielleicht … zwanzig Minuten, so in etwa“, antwortete Sennya.
„Sehr gut, wir geben jetzt nicht auf. Wenn sie an die Oberfläche kommen, werden sie die nächste Überraschung erleben, an den Geschützen müssen sie erst mal vorbei. Ich werde das Shuttle starten und über dem Zugang schweben, wir decken sie zusätzlich mit den Bordkanonen ein.“

Schon wenige Minuten später befanden sie sich einige Meter über dem Kanalisationszugang und sahen, wie die ersten Soldaten an die Oberfläche drangen und von den fest stationierten Lasergeschützen auseinander geschossen wurden. Auch hier begannen sie nach und nach, sich den Geschützen zu nähern, in dem sie sich hinter den getöteten Kreaturen versteckten und diese nach vorne schoben.
Renoss begann, mit den Bordkanonen auf die Öffnung zu schießen. Zusätzlich öffnete er die Luke des Shuttles, so dass die Crewmitglieder mit den Lasergewehren feuern konnten. Kein Leben entkam dieser Todeszone, die Kreaturen wurden in unzählige Stücke geschossen.
Welche Ironie, dachte Sennya. Den Feind, den die Kreaturen bekämpfen wollten, konnten sie ohnehin nicht erreichen. Wieso haben wir nicht daran gedacht, die Maschinen abzuschalten und zu warten, ob sie dann überhaupt etwas machen? Aber natürlich kannte sie die Antwort: Einer ihrer Kameraden war gefallen und sie wollten Vergeltung. Sahen eine Möglichkeit, diese ganze Brut zu vernichten. Selbst an diesem fernen Ort, an dem die Menschheit gerade erst angekommen ist, wiederholt sich die Geschichte.
Sie prüfte die Daten der Minenmaschine. Sie war dabei durchzubrechen, schnell schaltete sie auf die entsprechende Kamera. „Renoss?“, rief sie, er würde sie über das Kommunikationssystem hören.
„Ja, was gibts?“, halte es aus dem Lautsprecher über ihr.
„Die Maschine erreicht die Kammer und …“
„Ich sehe es hier auf meinem Screen.“
Sennya sah immer mehr von der Kammer, die Maschine würde gleich in den Raum fallen. Einige Soldaten warteten an der Decke und griffen an, wurden aber von dem großen, rotierenden Bohrkopf, der mit unzähligen kleinen Laserklingen bestückt war, sofort in Stücke gerissen. Dann ging alles sehr schnell. Die Maschine begann zu fallen, sie erkannte den riesigen, ovalen Körper am Boden der Kammer. Das Bild näherte sich dem vorderen Teil dieses Körpers, dann wurde das Bild dunkel.
Sie wechselte zu einer der fünf Kampfdrohnen, die oben an der Öffnung schwebten und gab den Befehl zum Angriff. Die Drohnen schwebten in den Raum. Zwei von ihnen schossen auf die zahlreichen Soldaten, die sich in der Kammer befanden. Sie stellten keine Gefahr dar, die Drohnen hielten einen sicheren Abstand und erledigten sie nach und nach.
Die anderen drei konzentrierten sich auf die Königin. Sie sah den Soldaten sehr ähnlich, nur war ihr Panzer dunkelrot. Sennya schätzte ihre Länge auf ungefähr zehn und die Höhe auf fünf Meter. Die Minenmaschine hatte sich in ihren Körper gegraben, war dabei jedoch zur Seite gefallen und hatte sich notabgeschaltet. Der Laserbeschuss richtete sich auf ihren Kopf, der Panzer konnte jedoch die ersten Schüsse abhalten. In ihrer Panik rannte sie zum Ende der Kammer, zu dem kleinen Eingang für die Soldaten. Sie versuchte, mit ihren Scheren den Zugang zu vergrößern. Die Drohnen folgten ihr, schossen weiter auf den Kopf, bis sie den Panzer durchdrangen. Die Schüsse zerstörten das Gewebe darunter, das Gehirn. Die Königin brach zusammen und blieb mit zuckenden Gliedmaßen liegen.

Die Geschütze hatten aufgehört zu feuern. Renoss hielt das Shuttle noch einige Minuten in der Luft, aber es blieb ruhig und er landete nahe dem Zugang zur Kanalisation.
„Ich schicke die restlichen Kampfdrohnen in die Hauptkammer“, rief Sennya.
Renoss kam grinsend aus dem Cockpit. „Kaum ist die Chefin erledigt, verziehen sich die Arbeiter. Zeit für etwas frische Luft.“ Er ging zu der noch offenen Luke, kurz bevor etwas von der anderen Seite das Shuttle rammte. Er fiel nach vorne auf den harten Boden und schaffte es gerade noch, die Arme vor sich zu halten, um den Sturz abzufedern. Als er sich auf die Knie erhob, umklammerten von der Seite zwei schwarze Scheren seinen Oberkörper und drückten zu. Er begann zu schreien, versuchte, die Scheren mit den Händen zu lösen. Doch sie drängten immer weiter zusammen, Blut und Eingeweide quollen hervor.
„Renoss!“, schrie Sennya, Sie und die anderen Crewmitglieder griffen ihre Lasergewehre, rannten zur Luke und begannen zu feuern. Sie erledigten die Kreatur innerhalb von Sekunden, doch für Renoss war es zu spät. Sein Oberkörper war vollständig durchtrennt und kippte nach vorne. Weitere Soldaten kamen nach, die Crew wich zurück und erschoss sie, als sie versuchten, durch die Luke ins Innere des Shuttles zu gelangen. Sennya hatte mit einem andauernden Ansturm gerechnet, aber schon nach wenigen Minuten war es vorbei. Sie blickte auf den Holoscreen, auch in der riesigen Kammer wurden die letzten Soldaten von den Kampfdrohnen getötet.
Sie schloss die Luke und setzte sich auf den Boden, bevor die zitternden Beine nachgaben. Auch die anderen Crewmitglieder setzten oder legten sich kraftlos hin, als ihnen bewusst wurde, dass es vorbei war. Sie hatten gewonnen, das Nest eliminiert. Nur fühlte es sich nicht wie ein Sieg an, nicht nur wegen der eigenen Verluste. Ausdruckslos blickten sie vor sich hin, niemand sagte etwas.

„Du musst deinen Frieden finden“, sagte ihr Vater, der auf seinem Angelstuhl neben ihr saß. Er blickte aufs Meer, genau wie sie.
Sennya betrachtete die ruhige Wasseroberfläche und die Vögel, die darüber kreisten. Alles wirkte friedlich und harmonisch. Dennoch hatten sie und die Crew hier vor drei Jahren das Grauen erlebt. Oder es heraufbeschworen. Nach einer Weile sagte sie: „Ich würde wieder so entscheiden. Diese Kreaturen schienen nichts anderes im Sinn zu haben, als uns zu vernichten. Dennoch sind wir diejenigen, die in ein fremdes Ökosystem eingedrungen sind und unzählige Geschöpfe getötet haben. Um selbst hier sicher leben zu können. Und es ist erst der Anfang, die Menschen werden auch diesem Planeten viel Leid zufügen. Bis wir irgendwann wieder weiterziehen.“
Ihr Vater sah zu ihr rüber. „Ich meine nicht, dass ich es gut finde. Aber auch ich sitze hier und versuche meine letzten Jahre zu genießen. Versuch es zu akzeptieren, die Menschen würden in unserer Zeit nicht mehr existieren, wenn sie anders handeln würden. Und du solltest damit aufhören!“ Er zeigte auf die Whiskyflasche, die neben ihrem Stuhl stand.
„Wahrscheinlich ist es nun für mich etwas anderes, da ich ein Teil dieser Mission war.“ Sie blickte zu ihm rüber und versuchte zu lächeln. Etwas weiter saßen Tarmm und ihre Mutter, sie lachten über etwas. „Ich bin froh, dass ihr hier seid.“
Sennya lehnte sich in dem Stuhl zurück und schloss die Augen. Nur für einen Moment.

Sie fuhr ruckartig hoch, wie lange hatte sie geschlafen? Ihre Eltern und Tarmm hatten die Augen geschlossen, sie schienen zu schlafen, oder genossen einfach nur die Stille.
Weit links bemerkte sie eine Bewegung, ein Junge rannte aus dem Wasser. Er schrie, kaum hörbar auf diese Entfernung. Hinter ihm tauchte etwas aus dem Wasser auf, sie erkannte die Formen direkt. Die hummerartigen Scheren, der spinnenähnliche, gepanzerte Körper.
Normalerweise war dies der Moment, in dem sie aufwachte.
 
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Hallo @Rob F!

Aus Deinem Text entnehme ich einen Wunsch nach Analogie: Hier der Mensch, der im Namen von Fortschrittsglauben und Profit die Erde ausbeutet, dort die Menschen der Zukunft, die im Namen von Fortschrittsglauben und Profit einen erdähnlichen Planeten ausbeuten und eine fremde Lebensform vernichten. Die Analogie verpackst du in eine spannende Kampfszene, deren psychologische Verarbeitung einer der Protagonistinnen, Sennya, noch nicht gelungen ist.

Mir geht es gar nicht darum, zu schreiben, was gut und was schlecht ist, aber ich habe einen Punkt, der dir vielleicht helfen kann, dein Schreiben weiterzuentwickeln (oher, klingt jetzt fast nach einem priesterlich-väterlichen Rat [hehe, ich bin katholisch, da ist ja priesterlich-väterlich ... egal, Exkurs Ende], meine es aber gar nicht so), und das betrifft die Filmanalogie. Als ich Deine Geschichten gelesen habe, dachte ich, ah, hier hat jemand amerikanische Science-Fiction-Filme geschaut und eine Geschichte gebastelt:

- die unbekannte Lebensform lebt unter der Erde, ist von Form und Gestalt dem Menschen sehr fremd und potentiell phobisch, hat aber eine Organisationsform, die wiederum dem Menschen ähnlich ist: Staat, Monarchie

- Waffen sind Schusswaffen von heute, aber mit Lasern, kommuniziert wird mit Hologramm-Formen

- es gibt immer einen schematisch-männlichen (er trinkt ja Whiskey, nicht Hugo oder St. Pellegrino), sturköpfigen, leicht exzentrischen Einzelgänger, der zwar seltsam wirkt, aber "es" - die Arbeit, das Kämpfen - richtig gut kann, in deiner Geschichte Renoss

- die Schlussszene spielt im ruhigen Milieu: Vater und Tochter beim Angeln, oder auf einer Bank vor einem Feld, sprich in einer merkwürdig naturreichen Szene für eine Geschichte, die sonst in einer absolut fremden Welt spielt

- zwei Monde gehen auf: Könnte auch aus Krieg der Sterne sein, auch dort sind es zwei Monde oder zwei Sonnen

- Besiedlung: Die "Frontier" dehnte sich im 19. Jahrhundert durch Planwagen und Eisenbahnbau nach nordamerikanischen Westen aus, in der Zukunft sind es Kanalisationsmaschinen, aber es bleibt bei Besiedlung, Vordringen und Zivilisation, Urbarmachen

Interessant ist ja, wie schnell man auf solche Schemata, Kategorien, Konzepte, Narrative zurückgreift und sie als Elemente einer typischen Science-Fiction-Geschichte identifiziert. Du hast dich aber für das Schreiben entschieden und Schreiben kann, meiner Ansicht nach, mehr, als eine Bildersequenz in Satzsequenzen übersetzen. Natürlich kannst du es dabei lassen, aber aus deiner Schlussszene entnehme ich den Wunsch, gut zu unterhalten und doch die Geschichte in einen großen Bogen, in einer der großen Fragen von Existenz und Sein einzubauen. Ob dir das mit viel verwendeten, oft benutzten Konzepten gelingen kann, bezweifle ich.

Rein subjektiv interessierte mich Sennya am meisten. Sennya zweifelt ja daran, ob ihr Handeln gut ist, sie steckt in einem moralischen Dilemma und sie war es, die die entscheidende Strategie entwickelt hat. Ich finde es schade, dass dieser moralische Zwiespalt so spät angedeutet wird. Ein uraltes Thema, klar, aber eines, dass Menschen zum Handeln zwingt, zu ungewöhnlichen Aktionen verleitet und eine Geschichte anstößt.

Lg aus Leipzig,
kiroly
 
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09.12.2019
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253
Hallo @kiroly ,

danke für deinen Kommentar! Freut mich sehr, dass du dich von der Länge der Geschichte nicht hast abschrecken lassen!

Als ich Deine Geschichten gelesen habe, dachte ich, ah, hier hat jemand amerikanische Science-Fiction-Filme geschaut und eine Geschichte gebastelt ...
Ja, ich hatte hierbei versucht, etwas zu finden, was zumindest so in dieser Kombination noch nicht da war. Bezogen auf die einzelnen Elemente wird den Science Fiction-kundigen vieles dann doch ein wenig bekannt vorkommen, nur finde ich es schwierig, eine auf Spannung ausgerichtete Geschichte zusammenzustellen, die nicht Parallelen zu Geschichte/Film xy hat. Aber das kann ja noch werden ;)

die Schlussszene spielt im ruhigen Milieu: Vater und Tochter beim Angeln, oder auf einer Bank vor einem Feld, sprich in einer merkwürdig naturreichen Szene für eine Geschichte, die sonst in einer absolut fremden Welt spielt
Ich nehme an, du meinst hierbei, dass die Welt ruhig etwas fremdartiger hätte sein können. Da gebe ich dir grundsätzlich recht, bin mir nur nicht sicher, ob dies für die Handlung notwendig ist. Ich erwähne ja schon direkt zu Beginn der Geschichte, dass die Welt der Erde sehr ähnlich ist, in der abschließenden Szene sollte es also eigentlich nicht überraschend sein. Zu viel "fremde Welt" könnte ja auch von der eigentlichen Handlung ablenken und den Text eher mit Informationen überladen.

... aber aus deiner Schlussszene entnehme ich den Wunsch, gut zu unterhalten und doch die Geschichte in einen großen Bogen, in einer der großen Fragen von Existenz und Sein einzubauen.
Ich denke, das ist wahrscheinlich der zentrale Punkt: Was ist der Inhalt/die Aussage abseits der (hoffentlich spannenden) Kämpfe gegen die Kreaturen aus dem Untergrund. Ich deute es, neben der Szene ganz am Ende, nur ab und zu an: Das, was der Mensch auf der Erde macht, u.a. den Regenwald abholzen, das Aussterben von Tierarten in Kauf nehmen ... geht hier halt nur eine Ebene weiter, auf einem anderen Planeten. Ich bin mir nur nicht sicher, wie ich dies deutlicher zu einem Thema machen kann, ohne alles andere deutlich zu reduzieren. Nach einer Einführung der Personen und des Settings sollte der Schwerpunkt schon der Kampf gegen die Kreaturen sein.

Sennya zweifelt ja daran, ob ihr Handeln gut ist, sie steckt in einem moralischen Dilemma und sie war es, die die entscheidende Strategie entwickelt hat. Ich finde es schade, dass dieser moralische Zwiespalt so spät angedeutet wird.
Ich glaube, es würde dadurch zu einer grundsätzlich anderen Art von Geschichte, aber wahrscheinlich könnte ich diesen Konflikt zu einem deutlichen Thema machen, wenn sie z.B. auf eine Spezies treffen, die ihnen beim Bau der Stadt im Weg ist, aber die auch nicht unbedingt feindselig wirkt. Hierbei könnte z.B. Renoss dafür sein, die Spezies zu eliminieren, Sennya versucht aber alles, um dies zu verhindern. Wäre dann halt nur ab diesem Zeitpunkt eine ganz andere Entwicklung der Handlung.

Im Moment habe ich die Tendenz, die Ausrichtung der Geschichte auf Spannung/Kämpfe grundsätzlich so bestehen zu lassen, also mal schauen, inwiefern ich deine wertvollen Anregungen dennoch unterbringen kann. Bin dabei u.a. nicht sicher, ob es hilft, das ein oder andere "etwas mehr anzudeuten", oder ob dadurch nicht eher der Eindruck entsteht, dass die Geschichte keinen klaren Schwerpunkt hat.

Danke für deine Zeit und viele Grüße!
Rob
 
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Hi @Rob F !
Mit SciFi liegst du bei mir (fast) immer richtig. Da bin ich aber auch leicht zu haben. Zeig mir ein Raumschiff und ein paar Aliens, schon bin ich dabei. Leider verliere ich bei mindestens 90% der SciFi-Streifen schon nach wenigen Minuten die Lust, weil - das geht in die Richtung, die @kiroly schon eingeschlagen hat - die meisten davon einfach stereotyp, vorhersehbar und grottenschlecht gemacht sind. Zu den - aus meiner persönlichen Sicht - schlechtesten aller Filme gehört "Starship Troopers". Ich habe selten plattere und dämlichere Dialoge gehört. Und sollte dieser Film als Parodie gemeint sein, ist die an mir gänzlich humorlos abgeprallt.

Wie dem auch sei, zum Glück bedienst du dich nur des Themas, nicht der Sprache dieses unsäglichen Machwerks. So bleibt mir die Luft, dir zwei Auffälligkeiten unter die Nase zu reiben, die mich vom Genuss deiner Geschichte abhalten:

Zum einen sind die Dialoge teils etwas sperrig. Besonders der zwischen den Geschwistern scheint mir sehr formell und langatmig. Im Verlauf der Geschichte werden die Dialoge deutlich besser, weil natürlicher. Mein Merksatz: Im Dialog erzählst du nicht einfach, du zitierst, wenn auch aus deiner Fantasie. Du brauchst also ein relativ konkretes Bild von der Person (und ihrer Persönlichkeit), die du reden lässt. Kurzes Beispiel:
Wenn du die nur wenige Kilometer entfernten Strände siehst, wirst du deinen Strandurlaub direkt beginnen wollen.
Spricht so der aus dem (Halb-?)Schlaf gerissene Bruder mit verkorkster Frisur? Von zweimal Strand abgesehen, stelle ich mir das eher so (oder ähnlich) vor: "Warte, bis ich dir den Strand zeig, den ich gefunden hab. Wirst dir wünschen, wir könnten schon beamen. Schick dir gleich mal Bilder."
Mach das auf deine Weise, aber mach es charakterisierend.

Zum anderen machst du wenig Gebrauch vom Rhythmus deiner Sprache. Deine Geschichte hat ja verschiedene Ebenen. Du musst mir Infos zukommen lassen, also die Zeit, die Umgebung und die Figurenkonstellation beschreiben. Du willst aber auch Spannung aufbauen und vor allem die Abläufe dramatisieren, in deinem Fall beschleunigen.
Auch hier ein Beispiel:
Etwas kam aus dem Zugang zur Kanalisation. Ein schwarzes, insektenartiges Bein, gefolgt von weiteren Beinen und einem ovalen Rumpf. Sie sah wie erstarrt zu, als das Geschöpf vollständig die Oberfläche erreichte und in ihre Richtung kam. Direkt dahinter kletterte bereits ein weiteres hervor, wie eine Kreuzung aus einer Spinne und einem Skorpion. Sie tastete an die Seite ihres Beines, aber sie hatte die Laserpistole schon wieder vergessen. Mit zitternden Beinen drehte sie sich um und lief zum Lager. Zum ersten Mal im Leben schrie sie laut um Hilfe.
Hier kannst du gut verdichten, indem du auf alles verzichtest, das nicht unbedingt notwendig ist, um ein Bild zu erzeugen. Hier musst du Tempo machen:
Ein insektenartiges Bein stemmte sich aus der Kanalisation, noch eins und weitere samt ovalem Rumpf. Das Ding krabbelte in ihre Richtung. Groß. Schnell! Mit aufgerichteten Scheren. Ein zweites gleich hinterher. Sie griff nach der Laserpistole, vergeblich. Vergessen! Mal wieder! Sennya fuhr herum und rannte los in Richtung des Lagers.
(Mach auch das auf deine Weise, aber mach es schnell, hektisch, dramatisch!)

In deiner Geschichte geht es nicht um die Schönheit der Sprache oder deren Perfektion. Es geht um ihre Wirkung. Schmeiß den Schnickschnak raus, der sonst angebracht wäre.

Du willst Wortwiederholungen (u.a. für die Kreaturen) vermeiden, das ist grundsätzlich gut, geht aber hier und da schief, weil du (wie ich) durcheinander kommst.

Zwei der Kreaturen schienen schon erledigt worden zu sein, sie lagen reglos am Boden, einige ihrer acht Beine abgetrennt durch den Laserbeschuss. Sie konnte nur noch ein weiteres erkennen
Wenn sie nicht nur noch ein weiteres Bein erkennen konnte, müsste es eine weitere (Kreatur) heißen.

Als sie zu ihm liefen erwachte die Person
Betrachte immer nur den ganzen Satz, nichts davor. Der Satz muss stimmig sein.

Außerdem verwendest du Synonyme, die in wörtlicher Rede aus meiner Sicht nichts verloren haben:
„Diese Wesen geben kaum Wärme ab
Später benutzt du "Viecher", das scheint mir für Renoss angemessener.
Auch
Wir haben keine Information, wie viele dort unten hausen
scheint mir arg bildungssprachlich für den Kerl. Auch der hat eine Persönlichkeit.

Ich denke, die Richtung, in die meine Anmerkungen gehen sollen, ist klar. Ich will deinen Text nicht sezieren, daher warte ich mal eine Überarbeitung ab und gebe dann - so gewünscht - weiteres Feedback.

Da kann was draus werden. Also ran ans Werk!
Grüße
Joyce
 
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Moin @Rob F,

"Wild wild west" und meine beiden Vorkritiker haben schon vieles erwähnt. Deine Geschichte fand ich zu stereotypisch, dadurch kam keine Spannung auf, hatte zu viel Schnickschnack drin, entwickelte kein Eigenleben und die Charaktere blieben blass. In der Mitte der Geschichte hab ich dann mal geschaut, wie viel noch kommt.

Sennya hätte die einzige Protagonistin sein sollen. Alle anderen Charaktere sind überflüssig. Man könnte an ihr feilen, die Zerissenheit aufzeigen, ihr Überlebenskampf etc., und vielleicht einen richtigen Kampf, kein Massaker. Intensität hat klar gefehlt.

Deine Geschichte findet zwar in der Zukunft statt, aber deine Protagonisten wurden nach ihrem Verhalten her vermutlich alle noch vor unserer Zeit geboren. Ja, damit kann sich ein Leser schneller einfinden, aber die Geschichte ist dann meistens ... plastisch und vorher sehbar.

Deine grundsätzliche Idee fand ich aber gar nicht schlecht. Damit kann man einiges machen.

Beste Grüße
Kroko
 
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Hi @joycec ,

dann vielen Dank für dein Feedback, gerade auch wenn dir die Geschichte, so wie sie bisher geschrieben ist, nicht so sehr gefallen hat!

Zu den - aus meiner persönlichen Sicht - schlechtesten aller Filme gehört "Starship Troopers"
Da muss ich natürlich erstmal drauf antworten, auch wenn ich deine Meinung gut verstehen kann - sofern das bei einer Meinung möglich ist ;)
Ich glaube, für diesen Film muss man den Regisseur (Paul Verhoeven) kennen. Er dreht schon seit längerer Zeit nicht mehr in Hollywood, war aber bekannt für seine drastischen Darstellungen von Sex und Gewalt. Heute wäre es kein Skandal mehr, aber damals war sein "Basic Instinct" mit Sharon Stone schon lange Zeit ein Gesprächsthema. Und in "Robocop" von 1987 hat er die m.E. drastischste Tötungsszene in einem Mainstream-Film inszeniert, mit der Ermordung des Polizisten Alex Murphy. Durch die Kameraführung als wäre man mitten dabei, ist mir bis heute in Erinnerung geblieben.
Und bei Starship Troopers hat er genauso unzensiert das Militär und die Regierung parodiert, natürlich hauptsächlich mit Anspielungen auf die USA. Wenn du mal einen Rekrutierungs"werbe"spot für das dortige Militär gesehen hast, wirst du wissen, was ich meine. Paul Verhoeven hat daher nur junge, schöne Schauspieler genommen, die wie aus dem Ei gepellt wirken, um die angeblich heile Welt einer Militärlaufbahn aufs Korn zu nehmen. Deswegen werden sie auch, als ebenso drastische Darstellung der Realität, direkt beim ersten Angriff übelst auseinander genommen, nach dem Motto: Das ist der Werbespot - das ist die Realität.
Und interessanterweise ist es eine amerikanische Produktion, da Frage ich mich immer wieder, ob alle an dem Film beteiligten gemerkt haben, was der (niederländische) Regisseur damit darstellt ... und denk mal an Donald Trump, zumindest mich würde es nicht wundern, ihn bei einer der Zwischeneinspielungen des Films zu sehen. Auch der würde die Soldaten wahrscheinlich zu Fuß ins Gefecht schicken, weil er in seiner Überheblichkeit glaubt, dass seine Soldaten ohnehin niemand besiegen kann.
Sorry, ich hoffe es hat dich nicht gelangweilt, ich hoffe ja immer, dass dieser Film etwas besser dasteht, wenn er als absichtlich übertriebene Satire verstanden wird.

Aber zurück zum Thema ;) Ich nehme an, die Geschichte hat dich auch durch das Aussehen der Kreaturen ein wenig an Starship Troopers erinnert, war aber eigentlich nicht beabsichtigt.

Deine Vorschläge beziehen sich ja zum einen auf realistischere Dialoge. Ich habe zu Beginn, bei dem Gespräch zwischen Sennya und ihrem Bruder, schon ein wenig angepasst, werde aber hier in den nächsten Tagen noch ein wenig dran werkeln. Ich mache das lieber nach und nach, bevor ich etwas auf die schnelle verschlimmbessere. Danke schon mal für die Tipps!

Zu dem anderen Punkt, vom Sprachrythmus her auch mal schneller zu werden, muss ich mir die betreffenden (Kampf-)Szenen nochmal in Ruhe anschauen. Es wird daran liegen, dass ich gerne sehr detailliert und ausführlich schreibe, von daher sind sie für meine Verhältnisse schon "schnell" ;) Aber ich kann deinen Eindruck schon nachvollziehen, du hast mir ja ein Beispiel gemacht, wie man es auch schneller und lebhafter formulieren kann.

„Diese Wesen geben kaum Wärme ab ...
Später benutzt du "Viecher", das scheint mir für Renoss angemessener.
Auch
Wir haben keine Information, wie viele dort unten hausen
scheint mir arg bildungssprachlich für den Kerl. Auch der hat eine Persönlichkeit.
An diesen Stellen ist es ja Tarmm, der spricht, ich denke für ihn passt das formellere auch soweit, als Nerd an Bord des Raumschiffs.

Danke für deine Zeit und den ausführlichen Kommentar!
Viele Grüße, Rob


Hi @Kroko ,

schade, dass dir der Text nicht so gefallen hat, aber danke für deine Kritik!

Sennya hätte die einzige Protagonistin sein sollen. Alle anderen Charaktere sind überflüssig. Man könnte an ihr feilen, die Zerissenheit aufzeigen, ihr Überlebenskampf etc., und vielleicht einen richtigen Kampf, kein Massaker. Intensität hat klar gefehlt.
Neben Sennya ist da zum einen ihr Bruder Tarmm, und bezogen auf die Handlung ist er nicht unbedingt notwendig, das stimmt schon. Ich hatte ihn mit in die Handlung genommen, damit Sennya als Person etwas greifbarer ist, auch durch ihre Familie.
Ansonsten ist da ja nur noch Renoss und ich kann mir die Handlung schwer ohne noch eine weitere Person auf dem Planeten vorstellen. Ansonsten müsste ich ja entweder ohne Dialoge auskommen, oder jeweils nur etwas schreiben wie "der Kollege" oder "der Kommandant". Also eine weitere Person braucht es m.E. schon.

Ein wichtiger Kritikpunkt ist, dass die Intensität gefehlt hat. Demnach hat es dann leider nicht funktioniert, ein längeres spannendes Finale zu schreiben, ab dem Zeitpunkt, an dem die Kampfdrohnen beginnen zu schießen. Die Spannung sollte dadurch entstehen, dass nicht klar ist, ob sie die Kreaturen aufhalten können, oder am Ende doch von ihnen überrannt werden. Dieser Teil macht ja ca. das letzte Drittel der Geschichte aus ... gerade darauf hatte ich gebaut.

Danke für deine Anmerkungen und viele Grüße,
Rob
 
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02.05.2020
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Hallo @Rob F ,

dein Schreibstil gefällt mir einfach, also finde ich mich immer hier ein :)
Allerdings frage ich mich langsam, ob es ein Konzept hinter dem Genre-Hopping gibt?
Deine Erklärung für Starship Troopers könnte jetzt auch eine Erklärung zum SF sein, wenn ich in deine Geschichten-Liste gucke, sehe ich da ja eine kleine Tendenz :)

Für mein Gefühl ist gerade der SF-Bereich ein schwieriges Genre. Man hat hier viel Spielraum in der Ernsthaftigkeit einer Geschichte und das Publikum ist nicht ganz einfach. Weil es so viel Variation gibt. Wenn ich eine Skala anlegen möchte, dann würde ich spontan "A Maids Tale" auf dem einen Ende platzieren und "Starship Troopers" auf dem anderen (das ist nur eine spontane Skala, mir fallen sofort Filme ein, die ich außerhalb der Skala, also hinter "Starship Troopers" platzieren würde, aber das würde eine ganz neue Diskussion eröffnen, die unnötig ist und "Starship Troopers" ist nun mal bereits angesprochen worden). Deine Geschichte liegt - denke ich - auf dieser Skala eher auf der "Starship Troopers"-Hälfte. Für mich ist das nicht schlimm, ich mag "Starship Troopers". Ich mag zwar auch "A Maids Tale", aber höchstwahrscheinlich würde meine Wahl auf "Starship Troopers" fallen, wenn ich jetzt wählen müsste, welchen Film ich Heute abend angucken will. Das ist viel Text gar nicht direkt über deinen Text, aber ich glaube schon, dass man sich gerade bei SF viel Gedanken machen muss, wo man seine Geschichte einsortieren möchte, weil man sich dann auch viele Gedanken um die Details im Text machen muss, damit der gewünschte Effekt aufgeht.

Hey, ich hatte im Studium als freies Wahlpflichtfach "Film und Manipulation am Beispiel Science Fiction" belegt. Ich weiß noch ein bißchen was dazu, auch wenn das schon ne ganze Weile her ist ;)

Kommen wir zum Text.

Vor ihr lag die staubige Fläche, die für die erste Stadt auf Opal Drei vorbereitet wurde.
Die Maschinen arbeiteten Tag und Nacht auf diesem weit von der Erde entfernten Planeten, der ihrer Heimatwelt so ähnlich war.
Die Relativsätze am Anfang machen deinen Text zähflüssig. Wenn den Absatz mit diesen zwei Beispielsätzen in deinem Text nochmal liest und dann die vier folgenden, wird dir wahrscheinlich sofort selbst auffallen, dass diese zwei Sätze den Fluß deiner Geschichte nicht fördern. Und sie gehen beide auch ohne diese Konstruktion.

Wenn alles gut ging, würden sie sich in einigen Monaten wiedersehen und gemeinsam erleben, was die Gewässer hier beherbergten.
Ha ha :)

Das Kollektiv bemerkte die Veränderung sofort. Ein leichtes Vibrieren. Der Ursprung befand sich weit oben. Jedes Element des Kollektivs spürte es und gab die Information an die Königin weiter. Und wartete, bis sie einen Befehl gab.
Okay, ab hier weiß ich eigentlich schon was passieren wird, deswegen finde ich, dass sich der Text dann zum eigentlichen Kampf hin etwas zieht. Da komme ich dann doch ein bißchen ins Querlesen.

Die Königin gab ihren Befehl an ein Dutzend Elemente. Kundschaften und berichten.
Kundschaften bedeutet: Halte den Kopf unten, lass dich nicht entdecken und beobachte den Eindringling.
Und was machen die Untergebenen? Sie tauchen aus einer spiegelglatten Seeoberfläche auf und dann greifen sie sogar die Menschen an. Okay, die Menschen haben zuerst geschossen, aber dieses Volk ist ein Kollektiv. Solange die Königig nichts anderes sagt, werden sie sich an ihren Wortlaut halten. Die Kundschafter haben eindeutig von Beginn an in ihrem Auftrag versagt. Da wurde nix gekundschaftet. Gar nix. Nein, nein, nein.


Sie zählte neun weitere Kreaturen, die sich um die bodenpräparierenden Maschinen drängten, als würden sie von diesen angezogen.
Schachtelsatz und Relativsatz. Deinen Kampf macht das zähflüssig.
"Neun weitere Kreaturen drängten sich um die (bodenpräparierenden) Maschinen. Wurden sie von ihnen angezogen?"
Trotz der hektischen Situation fragte sich Sennya für einen Moment, ob sie auf Lärm reagierten.
Das ist Tell in einer Kampfszene. Nein, nein, nein.
"Reagierten sie vielleicht auf den Lärm?"
Erst jetzt bemerkte sie, dass an einer der Maschinen jemand stand, sie konnte in ihrer Aufregung und der beginnenden Dunkelheit jedoch nicht erkennen, wer es war.
Schachtelsatz -> Langsam
Eine weitere Kontur zeichnete sich bei den Maschinen ab. Da stand noch einer ihrer Kollegen!

Normalerweise war dies der Moment, in dem sie aufwachte.
Schöner Satz, gefällt mir sehr gut.

Eventuell würde mir das Ende besser gefallen, wenn dieses Auftauchen der Kreaturen nicht in der Anglerszene wäre, sondern in einer separaten danach. Wenn sie in der späten Dämmerung an den See spazieren würde, die Worte ihres Vaters reflektieren würde, vielleicht sogar die Flasche Whiskey in den See werfen würde, als Zeichen für ihre persönliche Veränderung. Aber ich kann auch verstehen, wenn du das so lassen möchtest, denn mit der Ankündigung oben passt das ja sehr gut zusammen.
 
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09.12.2019
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Hi @feurig!

dein Schreibstil gefällt mir einfach, also finde ich mich immer hier ein
Danke, das freut mich natürlich! Ich befürchte ja immer, dass ausführlichere/gemächlichere Texte eher abschrecken, in der heutigen Zeit kurzer Informationshappen ...

Allerdings frage ich mich langsam, ob es ein Konzept hinter dem Genre-Hopping gibt?
Nicht unbedingt ein Konzept, aber ich probiere halt verschiedene Richtungen aus, habe ja auch erst vor einem guten halben Jahr angefangen, mal selbst etwas zu schreiben. Aber dein Eindruck ist schon richtig, es macht schon Spaß, etwas in einer erfundenen Welt zu schreiben (wobei sie hier ja der Erde sehr ähnlich ist, bis auf die unentspannten Bewohner unter der Erde).

Deine Geschichte liegt - denke ich - auf dieser Skala eher auf der "Starship Troopers"-Hälfte
Ja, das passt denke ich ganz gut. Ein aus meiner Sicht wichtiger inhaltlicher Unterschied besteht darin, dass es hierbei ja keine Angriffsmission mit Soldaten ist, sondern eher eine Ingenieurstruppe, die sich mit automatisierten Waffen zur wehr setzt. Insgesamt ist hierbei also auch etwas die Frage, welche Partei hier eigentlich "die Angreifer" sind.

Die Relativsätze am Anfang machen deinen Text zähflüssig.
Ich habe das tellige ein wenig reduziert und die Sätze verkürzt, der Einstieg liest sich nun hoffentlich etwas flüssiger.

Wenn alles gut ging, würden sie sich in einigen Monaten wiedersehen und gemeinsam erleben, was die Gewässer hier beherbergten.
Ha ha :)
Gut, dass du diesen Satz nochmal aufgegriffen hast. Ich hatte beim Schreiben an dieser Stelle das genaue Ende noch nicht vor Augen, aber so ist es ja eine gute Anspielung geworden!

Okay, ab hier weiß ich eigentlich schon was passieren wird, deswegen finde ich, dass sich der Text dann zum eigentlichen Kampf hin etwas zieht. Da komme ich dann doch ein bißchen ins Querlesen.
Ja, für eine Kurzgeschichte dauert es schon, bis der eigentliche Kampf dann beginnt. Ich tue mich hierbei nur schwer, etwas herauszunehmen, da ich auch das Gespräch zwischen Sennya und Renoss auf jeden Fall haben wollte und ein wenig die Kampfvorbereitungen beschreiben wollte. Aber dafür ist es ja dann ein längerer Kampf, ich hoffe, das entlohnt dann für die Geduld.

Solange die Königig nichts anderes sagt, werden sie sich an ihren Wortlaut halten. Die Kundschafter haben eindeutig von Beginn an in ihrem Auftrag versagt. Da wurde nix gekundschaftet. Gar nix. Nein, nein, nein.
Da muss ich mit einem Jein antworten ;) Es wirkt schon von Beginn an wie ein Angriff, aber eigentlich machen sie ja erstmal nichts anderes, als Geräuschen hinterherzulaufen. Die weglaufenden Schritte von Sennya und der Lärm der Maschinen. Erst nachdem sie beschossen wurden, musste einer der Soldaten dran glauben, aber insgesamt gehen sie auch dann noch nicht zum Gegenangriff über. Also einigen wir uns auf: Ein verwirrter Kreaturensoldat tanzte aus der Reihe und hat halt jemanden erledigt :sconf:

Deine Formulierungsvorschläge zu den Sätzen während der Kämpfe habe ich aufgegriffen, wenn auch ein wenig abgewandelt. Auch hier liest es sich nun hoffentlich etwas flüssiger.

Also auch hierbei danke ich dir für dein Feedback und die Vorschläge, und hoffe die Geschichte war trotz der eher simplen Handlung ein wenig unterhaltsam!

Viele Grüße,
Rob
 
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02.05.2020
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Hallo @Rob F ,

Ich befürchte ja immer, dass ausführlichere/gemächlichere Texte eher abschrecken, in der heutigen Zeit kurzer Informationshappen
Ich finde deine Texte unterhaltsam und eigentlich auch nicht gemächlich. Du machst es deinen Lesern einfach der Geschichte zu folgen und zeigst klare Bilder. Aber nun gut ... ich lese viel Fantasy und dabei eher 800+ Seiten Romane, vielleicht habe ich auch einfach ein anderes Verständnis von "kurz" ;)
Ich bin auf jeden Fall eine erfreute Leserin deiner Texte, auch wenn ich bei vielen deiner Texte manchmal bedauere, dass du den Weg nicht ganz zu Ende gehst.

Sennya betrachtete die schweren Maschinen vor der untergehenden Sonne. Morgen früh würden sie beginnen, die Kanalisation zu graben. Vor ihr lag die staubige Fläche, die für die erste Stadt auf Opal Drei vorbereitet wurde.
Vielleicht würde ich Satz 2 und 3 noch tauschen. Das wäre von der Reihenfolge vielleicht etwas besser. Die Kanalsiation ist ja ein Teil der Stadt, warum vom 100tel ins 10tel, anstelle vom 10el ins 100el.

Ein aus meiner Sicht wichtiger inhaltlicher Unterschied besteht darin, dass es hierbei ja keine Angriffsmission mit Soldaten ist, sondern eher eine Ingenieurstruppe, die sich mit automatisierten Waffen zur wehr setzt. Insgesamt ist hierbei also auch etwas die Frage, welche Partei hier eigentlich "die Angreifer" sind.
Hm. Da könnten wir jetzt philosophisch werden, ob ein Angriff weniger ein Angriff ist, wenn man einer automatisierten Waffe den Angriffsbefehl gibt, oder die Waffe selbst hält. ;)
Ja, für eine Kurzgeschichte dauert es schon, bis der eigentliche Kampf dann beginnt. Ich tue mich hierbei nur schwer, etwas herauszunehmen, da ich auch das Gespräch zwischen Sennya und Renoss auf jeden Fall haben wollte und ein wenig die Kampfvorbereitungen beschreiben wollte. Aber dafür ist es ja dann ein längerer Kampf, ich hoffe, das entlohnt dann für die Geduld.
Darum ging es mir eigentlich gar nicht. Da habe ich dich auf die falsche Fährte geführt. Wenn ich erstmal das Gefühl habe, ich weiß worauf der Plot rausläuft, und dann merke, dass es tatsächlich darauf rausläuft, werde ich etwas ungeduldig. Weil keine Überraschung kommt. Dass es dann tatsächlich zum Kampf kommt ist halt eher die Lieferung des Erwarteten. Das ist ein bißchen schade. Denn natürlich unterhält dein Text, aber wenn man eigentlich schon weiß, was passieren wird ist eben die Spannungskurve nicht so bombastisch.
Es wirkt schon von Beginn an wie ein Angriff, aber eigentlich machen sie ja erstmal nichts anderes, als Geräuschen hinterherzulaufen.
Sie stellen sich zu dumm an, um tatsächlich als Kundschafter fungieren zu können. Das wäre mein Punkt. Wenn der Lenker eines Kollektivs einen Befehl erteilt, versucht das Kollektiv diese Aufgabe zu erfüllen. Dass ein riesiges Insekt aus dem spiegelglatten See einfach auftaucht um zu kundschaften - also ungesehen zu beobachten - finde ich vom Konzept her schwierig. Natürlich geht das dann noch viel weiter, aber generell sind in einem Kollektiv nicht alle gleich - auch wenn das natürlich eine Konzeptmöglichkeit ist - sondern sind spezialisiert auf ihre Aufgaben. Siehe Ameisen oder Bienen.
Der "Feind" in deiner Geschichte ist mir einfach etwas zu simpel aufgebaut. Der "Fehler" den sie machen - eben nicht kundschaften sondern naiv auftauchen - zu simpel.
 
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29.06.2020
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Hallo Rob,

danke für die Geschichte. Hat mich sehr unterhalten, gerade auch weil du mit dem einen oder anderen Stereotyp gearbeitet hast. Für mich las es sich wie eine Mischung aus Alien und Starship Troopers. Allerdings hätte ich gerade am Anfang mehr Zeit in den Aufbau des Spannungsbogens gesteckt. Wenn du da in das klassische Horrorgenre schaust, werden nicht selten die ersten 40-50% der Geschichte verwendet, um Charaktere, Setting und Motivationen zu beschreiben. Und das hat einen Grund: Du willst ja eine Reaktion beim Leser hervorrufen, wenn der Sympathieträger oder das Arschloch vom Dienst durch die Klauen enthauptet wird. Das geht nur durch Bindung, und die fehlt mir bei dir noch ein wenig.

Dafür war die Idee mit den Zwischenblenden zum Schwarm ganz nett. Wenn du die erste Konfrontation länger herausziehen würdest, könntest du dieses Mittel noch stärker zum „foreshadowing“ nutzen. Der Leser merkt schnell, dass es hier noch knallen wird, und je mehr er die einzelnen Charaktere kennenlernt, umso mehr fürchtet er sich davor. Vielleicht „fakest“ du einen Angriff. Baust mit wackelnden Kisten eine Bedrohung auf, die sich als einfaches Schwein (oder ähnlichem) herausstellt.

Denk dabei an sowas wie (Achtung: doofer Vergleich) dubstep. Der Leser fragt sich wann der „Beat dropped“ und du spielst mit dieser Erwartung. Aber wenn es dann plötzlich kracht - dann richtig.

Alles klar. Soviel von mir. Gerne mehr Sci-Fi Horror. :)

Viele Grüße,
Ben
 
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09.12.2019
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Hi @Ben Camp ,

danke für deinen Kommentar, freut mich sehr, dass dich die Geschichte unterhalten hat!

Zumindest im Moment habe ich zwar nicht vor, diesen Handlungsablauf nochmal umzukrempeln, aber danke für die Hinweise zum Foreshadowing, kann ich auf jeden Fall nachvollziehen.

Demnach erfolgt hier der erste, kurze Angriff zu früh, es ist dann wahrscheinlich nur ein wenig ein Drahtseilakt, den Leser nicht zu lange hinzuhalten, aber auch nicht zu früh die Katze aus dem Sack zu lassen. Werde ich für zukünftige Texte auf jeden Fall mitnehmen, bewusster mit der Erwartung der Leser spielen.

Danke für dein Feedback und viele Grüße!

Rob
 
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01.09.2005
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Hallo @Rob F,

Kolonisten, Kollektiv und Königin: Am Anfang schreit alles Aliens, im Verlauf wird es dann Starship Troopers. Nicht nur wegen gepanzerter Mehrbeiner, die von futuristischen Großkalibern "in Stücke" geschossen werden, sondern auch wegen dieser Botschaft, dass die "Monster" nur ihre Welt verteidigen und wir den Beef eigentlich angefangen haben. Aber ich sehe schon, die Vorbilder sind ausführlich diskutiert, ich gehe da mal nicht weiter drauf ein.

Eine Handvoll meiner Lieblingsfilme sind B-Science-Fiction, mit weniger Geld und weniger Kompetenz in allen Belangen zusammengeklaut aus großen Vorbildern, aber mit so viel Spaß an der Sache, dass dieser Funke beim Anschauen überspringt. Ähnlich ging's mir mit deiner Geschichte. Es ist sehr schnell klar, dass du gar nicht versuchen willst, das Rad neu zu erfinden, es ist mehr so ... wenn dir Deep Star Six gefällt, könntest du das hier auch mögen. Und ich find Deep Star Six klasse.

Klar ist das auch Fluch. Da springen Leute ab wegen dieses Gefühls, das alles schon mal gelesen oder gesehen zu haben. Wenn du damit leben kannst, ist die Geschichte völlig in Ordnung so. Passt halt eher in ein Heft als zwischen Hardcover-Deckel, jetzt mal traditionell gesprochen, aber diese Heft-Literatur, Perry Rhodan und der Kram, das hat ja Unmengen Leser, das ist ja eine eigene Form.

Also alles in allem für mich eine gelungene Story, einfach weil sie weiß, was sie ist.

was die Gewässer hier beherbergten.
Du benutzt manchmal unpassend förmliches Vokabular.

Wie meistens unrasiert und mit zerzausten Haaren, als wäre er gerade erst aufgestanden.
Entweder vor oder hinter dem Komma reicht, beides ist doppelt gemoppelt.

Diese wildschweinähnlichen Kreaturen
Manchmal sagen die Leute Sachen, die klingen nach dem Autor. "diese hässlichen Astroschweine" oder irgendwas (Predators übrigens?)

Jedes Element des Kollektivs
Zweimal Kollektiv. "Zusammenschluss" oder so. Irgendwas Organisches wäre besser.

fragte Einsatzleiter Renoss, er war noch näher an das Bild gegangen.
. Er

wie eine Kreuzung aus einer Spinne und einem Skorpion
Die sind sich so ähnlich, dass ich über "Kreuzung aus" stolpere.

Kleinwagen
Ich verorte die Geschichte zeitlich irgendwo, wo Kleinwagen klingt, als würde heute jemand sagen: "So mächtig wie ein Zweiergespann, verstehße, wie ich meine?"

Apropos Auftritt der Viecher und deren Größe: Dieser Vergleich kommt nach der Szene, in der die Protagonistin den ersten Kontakt hat. Da habe ich mich gefragt, bei diesem "insektenartigen" Bein, das ihr da entgegenkommt, wie sie das aus der Entfernung erkennen kann, weil ich zu dem Zeitpunkt kaum Anhaltspunkte die Größe betreffend habe.

Außer dem ersten Mal, wo sie die "Hummerscheren" auf dem Schirm sehen. Das ist mein zweiter Punkt. Das hat sich schon nicht ohne Grund etabliert, dass das Aussehen des Monsters in den allermeisten Geschichten dieser Art bis zur direkten Konfrontation verborgen bleibt. Du nimmst dir da einen Knalleffekt durch dieses Vorausgreifen.

Sie lief an ihnen vorbei, ihr Container befand sich ganz am Ende, und rief: „Schießt sie in Stücke!“
An so einer Actionstelle würde ich keinen Einschub machen.

Niemand greift meine Maschinen an.
Da musste ich schon auch ein bisschen die Augen rollen. Comic Relief aus dem Baukasten.

Neun weitere Kreaturen drängten sich um die bodenpräparierenden Maschinen,
Das ist ja sogar ein wichtiges Element, dass die Hummermonster da angreifen, weil die Maschinen ihnen den Boden umgraben, aber hier finde ich das sehr ungeschickt eingefügt. Das interessiert doch in dieser Hektik des Angriffs nicht, was genau das für Maschinen sind.

die Person
"Person" klingt immer wie Polizeifunk, "eine verunfallte Person"

als wäre es butterweich
als wäre es aus Butter ... eigentlich heißt "butterweich" dasselbe, aber in der Kürze der Worte liegen die Bilder im Kopf.

Die Kreatur griff erneut zu, umklammerte diesmal seinen Hals und trennte den Kopf ab.
Gerade wegen dieses leicht trashigen Charmes könnten solche Beschreibungen ruhig etwas bunter daherkommen, mit Blutfontänen und so.

Die Geschöpfe reagierten nicht mit einem Gegenangriff, als wären sie nur auf die Maschinen und die Umgebung fixiert.
Das musste ich mehrmals lesen, um es zu verstehen.

über den Holoscreen
Der Screen? Ist schwierig, weil es englisch ist, aber für mich wäre es "die". (Sehe gerade, Duden sagt du hast Recht).

Viel ist es nicht, sind ja keine Kampfmission.
Darum ist der erste Alien mehr Horrorfilm als der zweite. Für Soldaten gehört's irgendwie dazu, dass man das Leben aufs Spiel setzt, ob nun gegen Terroristen oder Monsterkäfer. Bei Zivilisten haut das ganz anders rein. Interessant, dass sich trotzdem alles so Starship Troopers anfühlt, wahrscheinlich auch, weil alle sehr selbstverständlich den Umgang mit Waffen zu beherrschen scheinen. Ach Moment, Kampfmission ... also Soldaten sind sie schon?

„In Ordnung, Tarmm, bis später. Mach dir keine Sorgen, wir kriegen das schon hin“, meinte Sennya und beendete die Verbindung.
hin." Sennya beendete die Verbindung.

"Dann scheinen Sie aber fast täglich zu kämpfen“, konnte Sennya es sich nicht verkneifen
"konnte ..." braucht's nicht, da komme ich auch so drauf.

Sie band sich die schulterlangen rötlich-blonden Haare zusammen
Aussehen von Figuren natürlich einbinden ist echt schwierig. Viele lassen es ganz und der Geschichte fehlt nichts. Jeder Leser passt die Figuren im Kopf perfekt auf sich selbst an. Und ist dann enttäuscht, wenn die Verfilmung ins Kino kommt. Hier habe ich mich echt gefragt, was das gerade zur Sache tut, ihre Haarfarbe.

Und wenn weiterhin alles ruhig bleibt, unseren armen Botaniker begraben.
unseren Botaniker. "armen" klingt für mich nicht nach dieser Figur.

Warum? Dumme Riesenspinnen,
Das ist irgendwie zu flach. Natürlich sagt er das nur, um sich hinterher umgucken zu dürfen, dass die ja gar nicht dumm sind.

Am Zugang zu deren Höhlen ist es weiterhin ruhig
ihren. Gesprochene Sprache und korrekte Grammatik haben meist nicht viel miteinander zu tun.

Kampfdrohnen und die Geschütze am Zugang sie nicht aufhalten können. Wir bringen die Kampfdrohen
Du umgehst die Dopplung nicht, indem du beim zweiten Mal einfach einen Buchstaben weglässt. :)

wird dieses Vieh durch die fallende, noch aktive Maschine schon schwer verletzt
Auch hier, wer würde das so sagen: "die fallende, noch aktive Maschine" und "schwer verletzt"? "Die Maschine fällt und macht hoffentlich Mus aus dem scheiß Käfer."

Ich werde solange unseren Botaniker begraben, er wird unser einziges Opfer bleiben.
. Er / Ich würde es aber ganz weglassen.

ein endloser Strom des Grauens
"des Grauens" ist zu dick

Welche Ironie, dachte Sennya
Sollte dem Leser überlassen bleiben, die Ironie zu erkennen.

Diese Kreaturen schienen nichts anderes im Sinn zu haben, als uns zu vernichten. Dennoch sind wir diejenigen, die in ein fremdes Ökosystem eingedrungen sind und unzählige Geschöpfe getötet haben.
Das ist der ganze Punkt der Geschichte. Durch das Ausformulieren, und dann auch noch so nachgereicht, ist das platt.

Viele Grüße
JC
 
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09.12.2019
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Hi @Proof,

freut mich, dass du bei dieser Geschichte noch vorbeischaust! Ich dachte, sie wäre schon in den Archiven verschwunden, ist ja doch in den letzten Wochen viel eingestellt worden, auch durch die aktuelle Challenge.

Ähnlich ging's mir mit deiner Geschichte. Es ist sehr schnell klar, dass du gar nicht versuchen willst, das Rad neu zu erfinden, es ist mehr so ... wenn dir Deep Star Six gefällt, könntest du das hier auch mögen. Und ich find Deep Star Six klasse.
Danke, das freut mich natürlich! Ich hatte allgemein nach einer Rahmenhandlung gesucht für eine Geschichte, bei der ich mal versuche, eine längere Actionsequenz zu beschreiben, ohne Handlung und Personen zu kurz kommen zu lassen.

Da springen Leute ab wegen dieses Gefühls, das alles schon mal gelesen oder gesehen zu haben. Wenn du damit leben kannst, ist die Geschichte völlig in Ordnung so.
In dem Fall kann ich das, eine tiefgründige Geschichte und Protagonisten stand hierbei auch nicht im Vordergrund, aber darauf legen natürlich viele Wert.
Was ich bisher schade fand, war dass sich niemand so direkt zu den Kampfbeschreibungen geäußert hat, sie nehmen ja doch ungefähr das letzte Drittel des Textes ein. Ich gehe daher davon aus, dass sie in Ordnung waren, also weder besonders toll noch schlecht.

Jedes Element des Kollektivs
Zweimal Kollektiv. "Zusammenschluss" oder so. Irgendwas Organisches wäre besser.
Ich habe noch keine alternative Wortidee, ich habe daher erstmal an der o.g. Stelle "des Kollektivs" entfernt. Durch die vorherige Erwähnung ist es m.E. auch so verständlich.

Ich verorte die Geschichte zeitlich irgendwo, wo Kleinwagen klingt, als würde heute jemand sagen: "So mächtig wie ein Zweiergespann, verstehße, wie ich meine?"
Ja, da habe ich wohl spontan den erst besten Vergleich genommen, aus der heutigen Zeit. Nun ist der Vergleich ein kleiner Bodengleiter, auch wenn es etwas mehr Raum für Interpretationen lässt.

Das hat sich schon nicht ohne Grund etabliert, dass das Aussehen des Monsters in den allermeisten Geschichten dieser Art bis zur direkten Konfrontation verborgen bleibt. Du nimmst dir da einen Knalleffekt durch dieses Vorausgreifen.
An diese mögliche Wirkung hatte ich nicht gedacht, das ist auf jeden Fall ein guter Hinweis. Ich dachte, es bleibt trotzdem einigermaßen spannend, da ich ja zunächst nur die hummerähnlichen Scheren erwähne. Aber ich glaube, einen richtig guten Effekt hätte es nur dann, wenn ich eine deutlich kreativere Idee für die Kreaturen hätte. Und bei dem einfachen Fokus dieser Geschichte würde ich mir diese Idee glaube ich auch eher für eine andere Geschichte aufheben, ich denke das passt hier so schon.

als wäre es aus Butter ... eigentlich heißt "butterweich" dasselbe, aber in der Kürze der Worte liegen die Bilder im Kopf.
Habe es geändert

Interessant, dass sich trotzdem alles so Starship Troopers anfühlt, wahrscheinlich auch, weil alle sehr selbstverständlich den Umgang mit Waffen zu beherrschen scheinen. Ach Moment, Kampfmission ... also Soldaten sind sie schon?
Ich hatte hierbei an "für einen möglichen Kampf" trainierte Ingenieure gedacht. Also im Prinzip eine Truppe, die auf fremden Planeten den Bau von Städten auf den Weg bringt, aber für entsprechende Gefahren auch kampffähig sein muss. Viel passiert ja mit automatisierten Waffen, sie arbeiten hiermit einen entsprechenden Plan aus. Ich habe beim Schreiben immer mal wieder ein wenig an das A-Team gedacht, so halb professionell, aber irgendwie klappt es dann doch.

Hier habe ich mich echt gefragt, was das gerade zur Sache tut, ihre Haarfarbe.
Speziell an dieser Stelle nichts, das stimmt schon. Wie du zuvor geschrieben hast, wollte ich auch zu Sennyas Aussehen zumindest etwas schreiben. Ich dachte, es passt hier ganz gut, da ihre Haare nach dem Kampf durcheinander sind und sie sie zusammenbindet.

Kampfdrohnen und die Geschütze am Zugang sie nicht aufhalten können. Wir bringen die Kampfdrohen ...
Du umgehst die Dopplung nicht, indem du beim zweiten Mal einfach einen Buchstaben weglässt. :)
Und ich dachte, ich komme damit durch ... ;)
Habe es an der zweiten Stelle nun nur "Drohnen" genannt.

Strom "des Grauens" ist zu dick
Habe es mal geändert in:
Weitere kamen nach, ein endloser, alptraumhafter Ansturm.

Ich habe durch deine Anmerkungen auch noch weitere Sätze angepasst, erwähne es hier nur nicht alles im Detail.

Danke für deine Zeit und viele Grüße!
Rob
 

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