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Bald kommt der Schnee

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Bald kommt der Schnee

Auch an diesem Morgen lichtete sich der Nebel mit der aufgehenden Sonne. Caro stand auf dem Balkon und blickte auf das Dorf, in dem sie ihr ganzes Leben verbracht hatte.
„So früh heut?“, fragte Marie hinter ihr.
Caro drehte sich um. Ihre Schwester stand fertig angezogen in der Balkontür. „Konnte nicht schlafen. Paps ist auch in der Nacht nicht nach Hause gekommen.“
Marie atmete aus, eine weiße Wolke bildete sich. „Mach dir mal keine Sorgen. Wahrscheinlich hat er nach nem Kneipenabend bei nem Kumpel übernachtet und schläft erstmal seinen Rausch aus. Hastes nochmal auf dem Handy versucht?“
„Ja, klingelte aber immer bis zur Mailbox durch.“ Caro sah wieder zum Dorf, der Nebel war fast verschwunden. „Irgendetwas stimmt nicht.“
„Hey, ist nicht das erste Mal, dass er woanders pennt. Ich muss zur Arbeit, ruf mich an, wennde was erfährst.“
„Denk dran, im Hotel zu fragen, ob sie auch einen Job für mich haben.“
„Könnteste auch selbst, aber ich werd fragen. Bis später.“
Caro wartete, bis sie unten die Haustür hörte und zündete sich eine Zigarette an. Sah durch den Rauch Marie hinterher, wie sie der Straße hinunter ins Dorf folgte. „Sei schön pünktlich, Schwesterchen.“

Marie zog an der Zigarette und reichte sie Gregor, der nackt neben ihr lag. Der Wind rüttelte an den Fenstern des alten Gebäudes.
„Wir sollten langsam mal weitermachen, sonst kommt die Chefin uns noch suchen“, meinte Gregor und nahm einen tiefen Zug.
„Ach, die alte Hex rafft doch eh nix mehr. Und wenn schon, sollse uns doch erwischen. Vielleicht willse ja mitmachen.“ Marie kicherte.
Sie schwiegen einige Sekunden, betrachteten den Rauch, der sich im Zimmer ausbreitete.
„Zum Glück sind die Zimmer noch immer ohne Rauchmelder“, meinte Gregor.
„Sehr interessant.“ Marie drehte sich zu ihm und nahm ihm die Zigarette ab. Als sie gerade daran ziehen wollte, rief jemand auf dem Flur. „Marie?“ Kurz danach erneut, lauter. „Marie?“
„Scheiße“, fluchte Marie leise.
„Deine Schwester?“
„Ja. Hat wahrscheinlich wieder einen ihrer Anfälle. Sorry, ich muss zu ihr. Lüfte das Zimmer durch, ich komm wieder, sobalds geht.“ Sie gab ihm einen Kuss, stand auf und zog sich an.

„Caro“, zischte Marie, als sie sie in einem der Hotelflure fand. „Hör auf, hier rumzuschreien. Was machste hier?“
Caro drehte sich um und sah Marie mit Tränen in den Augen an. „Gott sei Dank, du bist hier. Es ist wieder etwas passiert. Im Wald. Wir müssen dorthin, bitte.“
„Hör auf, wir können Zuhaus drüber sprechen. Geh jetzt, ich hab noch zu …“
„Nein, wir müssen jetzt los“, unterbrach Caro. „Bald kommt der Schnee, ich weiß es.“
Marie legte eine Hand um Caros Nacken und zog sie zu sich. „Du wirst nun verschwinden und im Haus auf mich warten. Verstanden?“
Ihre Schwester antwortete nicht, weinte heftiger.
Marie lockerte den Griff etwas und streichelte über Caros Haaransatz. „Ich bin bei dir, sobalds geht.“
Caro begann zu zittern und murmelte etwas vor sich hin.
„Ist in Ordnung, wir sehn uns später. Ich bring dich zur Tür“, sagte Marie, legte einen Arm um ihre Schwester und führte sie hinaus. "Wart auf mich. Du weißt wo."

Caro lief durch den Wald. Zwischen den Bäumen heulte kalter Wind. Immer wieder sah sie in Gedanken einen Ort, den sie kannte. Etwas war dort passiert, nicht zum ersten Mal. Eine kleine Lichtung, nicht weit vom See entfernt, in dem sie und Marie früher häufig schwimmen waren.
Sie rannte schneller, wäre fast über eine Wurzel gestolpert. Die Lichtung kam in Sicht, schwer atmend sah sie sich um.
Blätter bedeckten den Boden, nur an einer Stelle waren es weniger. Auf den Knien schob sie sie beiseite, bis sie den Erdboden freigelegt hatte. Er war uneben, als hätte ihn kürzlich jemand umgegraben. Sie begann zu zittern und setzte sich, zog ihre Knie an die Brust.

Die Umgebung veränderte sich. Alles war schneebedeckt, der Boden, die kahlen Bäume. Auch damals hatte sie hier gesessen, als Kind. Nach einer Vision. Oder war es eine Erinnerung? Sie hatte eine kleine Schaufel aus dem Schuppen ihres Vaters mitgenommen und an einer Stelle den Schnee weggeschaufelt. Darunter der Boden war hart, aber sie hatte es geschafft, zu graben. Und den Kadaver des Hundes ihres Vaters freigelegt, sein Hals eine gefrorene, rote Wunde. Sie wusste nicht, wie lange sie dort gesessen und geweint hatte, bis ihre Schwester kam, nach ihr rufend.
Caro! Was machste hier?“ Marie kam zu ihr und wich erschrocken zurück, als sie den toten Körper sah. „Ist das … Sammy? Was haste getan?“
Caro blickte zu ihr auf. „Nichts! Ich hatte einen Traum, oder etwas Ähnliches, wie ihn jemand tötet und hier begräbt. Habe ihn gefunden, aber ich war es nicht. Du musst mir glauben, ich war …“
Marie sah sie mit kalten Augen an. „Biste sicher? Vielleicht wars kein Traum, sondern deine Erinnerung.“
Caro schwieg, Tränen liefen die Wangen hinab. Ihr kleiner Körper zitterte.

Sag, was du getan hast.“ Maries Blick blieb starr und durchdringend.
Nichts, ich habe …“ Ihre Stimme überschlug sich, verloren in einem Schluchzen.
Marie setzte sich zu ihr, nahm sie in den Arm. „Pssssst, ist in Ordnung. Ich werds niemandem erzählen. Wahrscheinlich hat er dich angegriffen und du hast dich verteidigt. Bleibt unser Geheimnis.“ Sie nahm das Gesicht ihrer Zwillingsschwester zwischen die Hände, wischte die Tränen weg. „Unser Geheimnis. In Ordnung?“
Caros Blick war glasig, als würde sie in eine andere Welt blicken. Schließlich schloss sie die Augen und nickte.


Caro kam zurück aus der Erinnerung und sah auf, als sich Marie neben sie setzte und einen Arm um sie legte. Für einige Minuten saßen sie schweigend nebeneinander und betrachteten den unebenen Boden.
„Dachte mir, dass ich dich hier find“, sagte Marie schließlich.
„Woher wusste ich, dass er hier liegt? Was habe ich diesmal getan?“, sprach Caro mit trockener Stimme.
„Solln wir nachsehn?“
Caro zögerte einige Sekunden. „Nein. Lassen wir ihn in Frieden.“
„Unser Geheimnis“, sagte Marie und stand auf, um die freigelegte Stelle wieder mit Blättern zu bedecken. Die ersten Schneeflocken fielen.

In der Dämmerung saßen sie auf der Terrasse vor dem Haus, nebeneinander auf der kleinen Holzbank. Der Schneefall hatte zugenommen, Straßen und Dächer verschwanden unter einer weißen Decke.
„Wann haben Sie ihren Vater das letzte Mal gesehen?“, fragte der Polizeibeamte. Er stand ihnen gegenüber und hatte einen Notizblock in der vor Kälte zitternden Hand.
Caro hatte die Beine über Maries gelegt, lehnte den Kopf an ihre Schulter. Marie streichelte langsam über Caros Oberschenkel. Der Beamte versuchte, es zu ignorieren.
„Gestern, so am frühen Nachmittag“, sagte Caro. „Ich bin in den Wald zum Spazieren, als ich wiederkam, war er weg.“
„Und er hat keine Nachricht hinterlassen? Kein Anruf seitdem?“
„Nein“, entgegnete Caro. „Das sagten wir Ihnen ja schon.“
„Und Sie, Frau Gaber?“ Der Polizist sah Marie an. „Hatten Sie noch Kontakt?“
„Ne, hab ihn gestern Morgen zuletzt gesehn, bevor ich früh zur Arbeit bin. War schon wach und saß in der Küche.“ Marie beugte ihren Kopf und küsste Caro auf die Stirn.
„Ist Ihnen dabei etwas aufgefallen? Hat er was gesagt, oder sich seltsam benommen? Anders als sonst?“
„Alles wie immer“, sagte Marie.
Der Beamte trat unruhig von einem Bein aufs andere, blätterte durch den Notizblock. „Arbeiten Sie nicht?“, fragte er, wieder an Caro gewandt.
Sie ließ sich einige Sekunden Zeit mit der Antwort. „Nein, bin aber auf der Suche. Ist halt nicht so einfach hier.“
„Und auch Ihnen hat er nicht gesagt, wo er hin wollte?“
„Schauen Sie doch mal in ihren Notizblock, das wissen Sie doch alles schon.“
Caro sah zu Marie auf, die sich erneut runter beugte und ihrer Zwillingsschwester einen Kuss auf den Mund gab.
„Was dagegen …“ Der Beamte hustete kurz. „Was dagegen, wenn ich mich im Haus mal ein wenig umsehe?“
„Haben Sie nen Durchsuchungsbefehl?“, wollte Marie wissen.
„Nein, aber es wäre einfacher …“
„Dann nich. Wird bald dunkel, bestimmt wartet Ihre Frau schon.“ .
Er steckte den Block ein und zog die Handschuhe an, die er unten den Arm geklemmt hatte. „Ich gebe Ihnen Bescheid, wenn wir ihn finden. Und rufen sie mich an, wenn ihnen noch was einfällt.“ Er sah sich nochmal um, als er vom Haus zur ins Dorf führenden Straße ging. Marie und Caro beachteten ihn nicht mehr.

„Gregor kommt gleich noch vorbei“, sagte Marie.
„Ach. Seid ihr ein Paar?“
„Weiß nich. Bisher hat er keine Ansprüche gestellt. Treffen uns halt.“
„Ja. Bestimmt habt ihr euren Spaß. Hast du Zigaretten?“
Marie holte eine Packung und ein Feuerzeug aus der Jackentasche. „Jetzt kann uns der Alte ja nich mehr erwischen.“ Sie kicherte und steckte sich eine Zigarette in den Mund. Caro nahm ihr das Feuerzeug aus der Hand und hielt ihr die Flamme hin.
Schweigend saßen sie nebeneinander, während sie abwechselnd an der Zigarette zogen.
„Was ist, wenn es keine Erinnerungen waren?“, unterbrach Caro die Stille und atmete den Qualm aus.
„Was meinste?“
„Der Hund. Und Paps. Es war mehr, als würde ich durch die Augen von jemand anderem sehen. Aber nicht zur gleichen Zeit, das Tageslicht stimmte nicht.“
Marie schwieg, zog an der Zigarette.
„Manchmal sehe ich etwas von dir, glaube ich. Wie du in einem der Hotelzimmer deine Zigaretten qualmst. Oder Gregor stöhnend auf dir liegt.“
Minuten vergingen, es war fast dunkel.
„Und gefällts dir?“, flüsterte Marie schließlich.
Diesmal war es Caro, die kicherte. „Weiß nicht. Vielleicht.“
„Unser Geheimnis?“
„Unser Geheimnis.“ Caro näherte sich Maries Mund. Sie küssten sich lange, schmeckten sich und den Rauch.
„Es wird kalt, lass uns reingehn. Er kann uns nichts mehr tun“, sagte Marie und nahm Caros Hand.

Caro betrat das Schlafzimmer ihrer Schwester, die Tür war nur angelehnt. Marie und Gregor standen vor dem Bett und küssten sich. Sie ging zu ihnen, schmiegte sich von hinten an Gregor.
„Hey, was ...“ Er dreht den Kopf zu ihr.
Caro näherte sich seinem Mund. „Keine Angst.“ Ihr Lippen legten sich auf seine. Er zog zurück, nur kurz, und kam ihr entgegen.
Marie küsste seinen Nacken, öffnete die Knöpfe des Hemdes.

Das erste Tageslicht schien durchs Fenster. Nach einigen Minuten hob Gregor den Kopf und rieb sich die Augen.
„Ich muss los“, sagte er mit rauer Stimme.
Marie legte einen Arm auf ihn, ohne aufzusehen. „Warum? Ist Samstag.“
„Ich …“ Er gähnte. „Ich helfe bei der Suche nach eurem Vater. Muss vorher noch meinen Hund abholen.“
Er wollte aufstehen, aber Caro hielt ihn an den Schultern. Auch Marie hatte sich aufgerichtet.

Gregor blickte über den See, der ruhig in der Sonne lag. Er genoss die Stille und Schönheit der Umgebung, der Schnee schmolz nur langsam. Trotz der warmen Kleidung bekam er eine Gänsehaut, als er an die Worte von Marie und Caro dachte.
Sein Hund trank aus dem See. „Benno, komm“, rief er und folgte dem Pfad zu der Lichtung, von der die Schwestern gesprochen hatten.
Benno lief hechelnd hinterher und nahm die Fährte schon einige Meter vor der Lichtung auf. Er wühlte an einer Stelle den Schnee beiseite, bis Gregor ihm die Leine anlegte, von dort wegzog und an einen Baum band.
„Ich weiß“, sagte Gregor und streichelte seinen Kopf, bevor er den Schnee wieder fest trat. „Lass uns gehen.“
Nach einigen Minuten traf er auf einen anderen Helfer. „Habt ihr was gefunden?“, fragte er Gregor.
„Nein, haben alles abgesucht, aber rund um den See gibt es keine Spur. Wahrscheinlich ist es wirklich falscher Alarm und der Alte vergnügt sich nur irgendwo.“

Caro betrachtete das Bild ihrer Mutter auf der Fensterbank. Es war der erste wärmere Tag, der auf den kommenden Frühling hindeutete. Der Schnee begann in der Sonne zu schmelzen, aber noch waren Straßen und Dächer weiß. Sie streichelte sanft über das Glas des Bilderrahmens.
„Hey“, sagte Marie hinter ihr. „Was machste?“
„Ich denke immer wieder, dass sie noch irgendwo ist. Auch nach über zehn Jahren. Vielleicht ist sie geflohen, um uns zu schützen. Aus einem Grund, den wir nicht verstehen.“
Marie legte das Kinn auf ihre Schulter, betrachtete ebenfalls das Foto. „Vielleicht. Aber wir sollten versuchen, auch damit abzuschließen.“ Einige Sekunden standen sie ruhig da. „Hatteste auch durch sie mal eine Vision? Oder über sie?“
„Nein“, antwortete Caro.
 
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Hallo @Rob F ,

ich finde deine Geschichte gut geschrieben und ich habe sie sehr schnell bis zum Schluss gelesen, ohne dabei ins Überfliegen zu geraten. Ich habe also insgesamt am Erzählstil nichts zu kritisieren :)

Ich möchte dir dennoch ein paar Punkte zur Überlegung da lassen.
Es hat mich ein wenig irritiert, dass das Sprachmuster der zwei Zwillingsschwestern so unterschiedlich ist. Wird das nicht eigentlich durch den Ort an dem man aufwächst und die Sprechweise der Familie geprägt? Das müsste bei den zweien ja eigentlich schon recht deckungsgleich sein.

Das Thema mit den Visionen ist ja schon ein sehr prägnantes Thema, hierbei entstehen natürlich gleich ein Haufen Fragen. Wann hat sie solche Visionen? Wenn ihre Schwester ein besonders emotionales Erlebnis hat? Zeitgleich zu diesem? Irgendwann später? Hast du dir da "Regeln" überlegt? Momentan kann ich schlecht einordnen, ob Caro spontan von Visionen übermannt wird oder wenn sie schläft, oder weggetreten ist und irgendwo anders wieder zu sich kommt? Die drei Visionen, die du in deinem Text aufzeigst, scheinen recht unterschiedlich bei Caro angekommen zu sein, das macht es schwierig den Visionen-Prozess einzuordnen. Es wäre leichter, sich auf diese Visionen einzulassen, wenn man ein besseres Gefühl für den Ablauf entwickeln könnte.

Die intime Nähe der Zwillingsschwestern kommt recht überraschend. Im Hotel springt Marie noch ziemlich unfreundlich mit Caro um. Der Umschwung beim Polizisten ist sehr plötzlich. Es fände es authentischer, wenn sich das schon etwas früher abzeichnen würde, bzw. nicht ganz so stark aus dem Nichts erscheinen würde.

Und den letzten Satz würde ich überdenken. Nicht falsch verstehen, ich finde den letzten Absatz sehr gut platziert und finde auch das offene Ende gut. Mich stört tatsächlich nur der letzte Satz.
„Nein“, antwortete Caro und drehte sich zu ihrer Schwester.
Das Umdrehen hängt etwas in der Luft.
 
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09.12.2019
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Hi @feurig ,

es ist nochmal eine etwas andere Art von Geschichte, freut mich also, wenn sie dir gefallen hat!

Es hat mich ein wenig irritiert, dass das Sprachmuster der zwei Zwillingsschwestern so unterschiedlich ist. Wird das nicht eigentlich durch den Ort an dem man aufwächst und die Sprechweise der Familie geprägt? Das müsste bei den zweien ja eigentlich schon recht deckungsgleich sein.
Ich könnte es allgemein nicht sagen, habe in meinem Freundeskreis keine Zwillinge. Ich habe es etwas unterschiedlich gestaltet, damit Marie und Caro unterscheidbar sind. Marie also direkter und frecher, Caro eher etwas ruhiger und vernünftiger. Ich hoffe also, dass das auch bei Zwillingen so sein kann, die zusammen im gleichen Dorf aufgewachsen sind, und nicht zu realitätsfremd ist. Die eine etwas forscher, die andere eher zurückgezogen.

Das Thema mit den Visionen ist ja schon ein sehr prägnantes Thema, hierbei entstehen natürlich gleich ein Haufen Fragen. Wann hat sie solche Visionen? Wenn ihre Schwester ein besonders emotionales Erlebnis hat? Zeitgleich zu diesem? Irgendwann später?
Ich hatte mir hierfür keine genauen Regeln ausgedacht, aber hatte eher daran gedacht, dass Caro diese Visionen zeitlich nach den jeweiligen Taten hat. Zu dem Hund und ihrem Vater passt es m.E. auch. Den Dialog zwischen Caro und Marie (nach der Befragung durch den Polizisten) habe ich entsprechend etwas angepasst, so dass es nun hoffentlich deutlicher wird. Danke für den Hinweis!

Die intime Nähe der Zwillingsschwestern kommt recht überraschend. Im Hotel springt Marie noch ziemlich unfreundlich mit Caro um. Der Umschwung beim Polizisten ist sehr plötzlich. Es fände es authentischer, wenn sich das schon etwas früher abzeichnen würde, bzw. nicht ganz so stark aus dem Nichts erscheinen würde.
Die deutliche Reaktion von Marie im Hotelflur hatte ich hauptsächlich wegen Maries Angst so geschrieben, darüber dass Caro in ihrer Aufgeregtheit etwas ausplaudert oder zu laut redet, so dass es jemand mitbekommt. Aber stimmt schon, es würde besser zum weiteren Verlauf passen, wenn sie hier etwas behutsamer vorgeht, ich habe diese Szene also etwas angepasst.
Bezogen auf die intime Nähe zwischen den Zwillingsschwestern weiß ich natürlich nicht, wie oft es vorkommt. Jedoch haben sie beide Schlimmes erlebt bei ihrem Vater, auch wenn ich es nur andeute, und ich dachte, diese Erfahrungen und sein endgültiges Verschwinden könnten zu dieser auch körperlichen Nähe führen.

Und den letzten Satz würde ich überdenken. Nicht falsch verstehen, ich finde den letzten Absatz sehr gut platziert und finde auch das offene Ende gut. Mich stört tatsächlich nur der letzte Satz.
...
Das Umdrehen hängt etwas in der Luft.
Mit dem letzten Satz bzw. Nebensatz wollte ich verdeutlichen, dass sich zum Abschluss Caro ihrer Schwester zuwendet. Aber vielleicht könnte es auch so verstanden wären, dass nun noch etwas zwischen den beiden passiert, ein Konflikt entsteht, oder so ähnlich? Ich habe also den Nebensatz entfernt, ich denke so ist die Aussage, dass die schlimme Zeit mit ihrem Vater vorbei ist, aber ihre Mutter ggf. noch lebt, noch mehr im Vordergrund.

Also auch hier danke für deinen Kommentar, da hast du mir inhaltlich auf jeden Fall weitergeholfen!

Viele Grüße,
Rob
 
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23.11.2016
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Hallo @Rob F,

Deinen Namen hatte ich schon öfters gesehen und ich dachte mir, jetzt lasse ich Dir mal einen Kommentar da.

Mit Deinem Text hatte ich so meine Schwierigkeiten, was daran liegen mag, dass ich schwer reingekommen bin.

Auch an diesem Morgen lichtete sich der Nebel mit der aufgehenden Sonne. Caro stand auf dem Balkon und blickte auf das Dorf, in dem sie ihr ganzes Leben verbracht hatte. Der Spätherbst hatte die Bäume der Blätter beraubt.
„So früh heut?“, fragte Marie hinter ihr.
Der Anfang hat aus meiner Sicht zwei Schwächen. Zunächst empfinde ich die Sprache als gestelzt, was sich dann übrigens nicht weiter durch den Text zieht. Man kann natürlich mal die Sprachstelzen auspacken, aber dann sollte das auch zum Text passen. Besonders aufgefallen ist mir der dritte Satz "Spätherbst ...". Das ist nach meinem Empfinden zu viel.

Beim ersten Satz habe ich ein zeitliches Problem, denn das Lichten des Nebels ist ein langsamer Vorgang, aber Caro steht ja nicht stundenlang auf dem Balkon und beobachtet, wie sich der Nebel lichtet, sondern der zweite Satz deutet an, dass es sich eher um einen kurzen Moment handelt, der dann eben nicht zu dem langen zeitlichen Vorgang des Eingangssatzes passt.

Und dann kommt die erste Dialogzeile, aus der man entnimmt, dass Marie hinter Caro steht. Stand sie schon vorher dort? Hat sie sich hingebeamt? Das kommt so aus dem nichts, dass für mich der Anfang einfach holpert.

Das führt mich zum nächsten Punkt, nämlich die Dialoge und den Dialekt. Generell bin ich nicht der Diaelektfan, benutze ihn aber selbst, wenn ich damit eine bestimmte Stimmung zeigen möchte. Zu einem Bauern in der tiefsten bayerische Provinz passt typischerweise kein gestochenes Hochdeutsch (außer er ist nicht von dort).

In Deinem Text kann ich aber keinen regionalen Bezug ausmachen, sodass ich dem Dialekt keinen Mehrwert beimessen kann, sondern mich hat das eher gestört. Vor allem, weil die Dialoge dadurch nicht fließen, sondern eben auch ein wenig holpern.

Noch mehr verwundert es mich dann, dass die beiden Schwestern so unterschiedlich sprechen. Ich könnte es noch verstehen, wenn beide in diesem Jargon miteinander kommunizieren würden, so als eine Art Geheimsprache (wofür der Dialekt nicht heftig genug ist), aber das ist nicht der Fall.

Also kurz gefragt: Warum der Dialekt? Was bezweckst Du damit?

Ein weiterer Punkt sind die Perspektivwechsel zwischen Caro und Marie. So etwas empfinde ich immer als schwierig, noch dazu auf Absatzebene und in einer Kurzgeschichte. Als Leser ist man schnell verwirrt und fragt sich immer, durch wessen Perspektive man gerade die Geschichte erlebt. Ich persönlich kann mich auch nicht auf Absatzebene ständig in eine andere Person hineinfühlen. Das hat bei mir den Effekt, dass ich die Geschichte automatisch oberflächlicher lese.

Was mich zu der Frage führt, welche Prämisse Du verfolgst oder welche Absicht als Autor. Das erscheint mir noch etwas unausgegoren. Möchtest Du die Gefühlswelt von Caro und/oder Marie darstellen? Oder geht es mehr um den Effekt, den Twist? Oder beides?

Je nachdem, wie Du die Frage beantwortest, sehe ich noch viel Potenzial, den Text entpsrechend zu optimieren.

Positiv ist mir übrigens aufgefallen, dass Du wenig Fehler im Text hast (zumindest sind mir beim ersten Lesen keine erwähnenswerten aufgefallen), weswegen mein Kommentar auch eher grundsätzlicherer Natur ist, was natürlich meistens um so unangenehmer ist.

Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel, sondern siehst es so, wie es gemeint ist, nämlich als Denkanstoß, vielleicht noch mehr aus dem Text herauszuholen.

Gruß
Geschichtenwerker
 
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20.08.2019
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Lieber @Rob F,

ich habe deine Geschichte gelesen, den Sinn davon versteh ich leider nicht. Der Vater bleibt verschwunden. Am Schluss stellt sich heraus, dass auch die Mutter irgendwann verschwunden ist. Die Visionen passen irgendwie nicht zu den übrigen Infos. Aber vielleicht steh ich ja einfach auf dem Schlauch. Der Text lässt sich flüssig lesen, gar kein Thema, du beschreibst bildhaft, es entsteht Kopfkino. Nur irgendwie hock ich nach dem Lesen jetzt da und frag mich: was willst du mit der Story zum Ausdruck bringen?

Was mir beim ersten Lesen gleich aufgefallen ist: du benutzt wahnsinnig oft das Verb „sehen“. Lass das mal in der Suchfunktion durchlaufen. Da gibt’s etliche Synonyme.

Was die Charaktere angeht. Naja. Anfangs hatte ich Sympathie mit Caro, mit Marie eher nicht. Die hat während der Arbeit Zeit zum Vögeln und Rauchen, aber für die Schwester will sie sich keine Zeit nehmen. :thdown:

Als die beiden dann auffällig Körperkontakt haben, während der Polizist da war, hab ich mich gefragt, was das soll? Wollten sie den anmachen? Sind sie ernsthaft daran interessiert zu erfahren, was mit dem Vater passiert ist?

Auch die Vorstellung, dass Zwillingsschwestern miteinander intim werden, find ich persönlich nicht so prickelnd und irgendwie daneben.

Hier noch ein paar sprachliche Anmerkungen:

Zitat Rob: Caro drehte sich um und sah Marie an, mit Tränen in den Augen.
…und sah Marie mit Tränen in den Augen an…

Zitat Rob: „Gott sei Dank, du bist hier. Es ist wieder etwas passiert. Im Wald. Geh mit mir dorthin, bitte.“
„Hör auf, wir können zu Haus drüber sprechen. Geh jetzt, ich hab noch zu …“
„Nein, wir müssen jetzt los“, unterbrach Caro. „Bald kommt der Schnee, ich weiß es.“
Marie legte eine Hand um Caros Nacken und zog sie zu sich. „Du wirst nun zurückgehen und im Haus auf mich warten. Verstanden?“
Ihre Schwester antwortete nicht, weinte heftiger.
Marie lockerte den Griff etwas und streichelte über Caros Haaransatz. „Ich bin bei dir, sobald es geht.“
Caro begann zu zittern und murmelte etwas vor sich hin.
„Es ist in Ordnung, aber du musst jetzt gehen. Ich bringe dich zur Tür“, sagte Marie, legte einen Arm um ihre Schwester und führte sie hinaus. "Warte auf mich. Du weißt wo."
In dem Absatz kommt extrem oft das Wort „gehen“ vor.

Zitat Rob: „Wann haben sie ihren Vater das letzte Mal gesehen?“, fragte der Polizeibeamte.
…Sie…

Zitat Rob: „Ne, hab ihn gestern Morgen zuletzt gesehen, bevor ich früh zur Arbeit bin. War schon wach und saß in der Küche.“ Marie beugte ihren Kopf und küsste Caro auf die Stirn.
Warum küssen und fummeln die aneinander rum vor dem Beamten? Irgendwie kommt bei mir da keine erotische Atmosphäre auf.

Zitat Rob: „Schauense doch mal in ihren Notizblock, das wissense doch alles schon.“
…Ihren…

Zitat Rob: „Ich muss los“, sagte er mit rauher Stimme.
…rauer…

Ich hoffe, meine Kritik ist nicht verletzend. Ich würd sehr gerne erfahren, was Du Dir bei dieser Geschichte gedacht hast.

Ganz liebe Grüße,

Silvita
 
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09.12.2019
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Hallo @Geschichtenwerker ,

danke fürs Lesen und die Kritik!

Der Anfang hat aus meiner Sicht zwei Schwächen. Zunächst empfinde ich die Sprache als gestelzt, was sich dann übrigens nicht weiter durch den Text zieht. Man kann natürlich mal die Sprachstelzen auspacken, aber dann sollte das auch zum Text passen. Besonders aufgefallen ist mir der dritte Satz "Spätherbst ...". Das ist nach meinem Empfinden zu viel.
Ich wollte direkt mit dem ersten Absatz schon mal eine entsprechende Atmosphäre schaffen, aber vielleicht war es etwas zu viel des Guten. Ich habe den Satz mit den Bäumen mal entfernt, auch da eine ähnliche Beschreibung später noch zweimal vorkommt.

Beim ersten Satz habe ich ein zeitliches Problem, denn das Lichten des Nebels ist ein langsamer Vorgang, aber Caro steht ja nicht stundenlang auf dem Balkon und beobachtet, wie sich der Nebel lichtet, sondern der zweite Satz deutet an, dass es sich eher um einen kurzen Moment handelt, der dann eben nicht zu dem langen zeitlichen Vorgang des Eingangssatzes passt.
Das war/ist mir so im Detail nicht klar. Muss ich nochmal drüber nachdenken, denn ich bin noch nicht recht überzeugt, dass der erste Satz widersprüchlich ist. Dass sich der Nebel mit der aufgehenden Sonne lichtet, kann ja auch durchaus etwas länger dauern.

Und dann kommt die erste Dialogzeile, aus der man entnimmt, dass Marie hinter Caro steht. Stand sie schon vorher dort? Hat sie sich hingebeamt? Das kommt so aus dem nichts, dass für mich der Anfang einfach holpert.
Caro hat sie zuvor nicht gehört, daher dreht sie sich auch direkt um. Würdest du die Szene nachvollziehbarer finden, wenn sie vorher Schritte hört, also wie Marie zur Balkontür geht?
Gebeamt hat sie sich nicht ;)

Also kurz gefragt: Warum der Dialekt? Was bezweckst Du damit?
Es ging mehr weniger um einen Dialekt, sondern eher um einen Ausdruck ihres etwas unterschiedlichen Charakters, auch wenn sie Zwillinge sind. Marie also direkter und frecher, Caro eher etwas ruhiger und vernünftiger. Ich hoffe also, dass das auch bei Zwillingen so sein kann, die zusammen im gleichen Dorf aufgewachsen sind, und nicht zu realitätsfremd ist. Die eine etwas forscher, die andere eher zurückgezogen.

Ein weiterer Punkt sind die Perspektivwechsel zwischen Caro und Marie.
Ja, das ist für mich der hauptsächliche inhaltliche Punkt, den ich bisher aber auch nicht so recht gelöst bekomme. Der Schwerpunkt sollte schon Caros Perspektive sein, in diesem Sinne könnte ich zumindest die zweite Szene streichen. Ich wollte halt insgesamt auch einen Eindruck von Marie vermitteln, auch wenn sie nicht unbedingt sympathisch ist. Weiterhin wollte ich die Szene unterbringen, in der Gregor sich entschließt, Marie und Caro zu helfen, zum Ende mit seinem Hund. Ich denke, hierdran siehst du mein Problem, die Handlung so beizubehalten, aber alles soweit aus Caros Perspektive zu beschreiben. Insofern habe ich diese Restriktion vollständig aufgegeben und die Szenen zu verschiedenen Personen geschrieben, um die Inhalte entsprechend unterzubringen.

Was mich zu der Frage führt, welche Prämisse Du verfolgst oder welche Absicht als Autor. Das erscheint mir noch etwas unausgegoren. Möchtest Du die Gefühlswelt von Caro und/oder Marie darstellen? Oder geht es mehr um den Effekt, den Twist? Oder beides?
Zum einen wollte ich durch Schilderungen zu der Umgebung (der Ort, der beginnende Winter, Wald und See ...) die Handlung durch eine entsprechende Atmosphäre unterstreichen, auch wenn ich es nun am Anfang etwas reduziert habe.
Zu den Inhalten "Gefühlwelt und Handlung" würde ich sagen: 50/50 . Die erste Idee der Geschichte bezog sich schon auf die Handlung. Ich wollte diesmal nur die Protagonisten, vor allem Marie und Caro, mehr darstellen als Personen in vorherigen Texten, aber das bleibt zugegeben mein Übungsfeld.
Also zusammengefasst: Maries und (vor allem) Caros Gefühlswelt, wie sie sich durch die Handlung entwickelt.

Positiv ist mir übrigens aufgefallen, dass Du wenig Fehler im Text hast (zumindest sind mir beim ersten Lesen keine erwähnenswerten aufgefallen)
Danke! Dann am besten nicht nochmal im Detail lesen ;)

Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel, sondern siehst es so, wie es gemeint ist, nämlich als Denkanstoß, vielleicht noch mehr aus dem Text herauszuholen.
Nein, alles in Ordnung! Danke fürs Hinterfragen und deine Anmerkungen.
Das Problem wirst du beim Schreiben ja wahrscheinlich genauso kennen: Vorschläge berücksichtigen, ohne die eigenen Vorstellungen für die Geschichte zu verlieren.

Viele Grüße!
Rob


Hallo @Silvita ,

danke für deinen Kommentar!

Sorry, ist nicht unhöflich gemeint, aber ich habe den Eindruck, dass du den Text nicht ausführlich/in Ruhe gelesen hast.

Ich lasse schon mal offen, wie genau etwas geschehen ist, aber eigentlich nicht, was passiert ist. Das entnehme ich auch den bisherigen Feedbacks, hier und im Freundeskreis. Der Hauptpunkt ist ja, was mit dem Vater geschehen ist und das geht aus dem Text schon hervor, ist ja im Prinzip der Dreh- und Angelpunkt. Hierdurch sollte dann auch die letzte Szene (hoffentlich) nachvollziehbar sein und Caros und Maries Zukunft eine positive Richtung geben.

Was mir beim ersten Lesen gleich aufgefallen ist: du benutzt wahnsinnig oft das Verb „sehen“. Lass das mal in der Suchfunktion durchlaufen. Da gibt’s etliche Synonyme.
Danke für den Hinweis, ich werde den Text nochmal prüfen und ggf. umformulieren!

Was die Charaktere angeht. Naja. Anfangs hatte ich Sympathie mit Caro, mit Marie eher nicht. Die hat während der Arbeit Zeit zum Vögeln und Rauchen, aber für die Schwester will sie sich keine Zeit nehmen.
Marie ist nicht unbedingt sympathisch, das stimmt schon. Die Szene im Hotelflur hat hauptsächlich den Hintergrund, dass Marie vermeiden möchte, dass Caros Worte durch andere gehört werden, die Zeit nimmt sie sich dann ja später.

Als die beiden dann auffällig Körperkontakt haben, während der Polizist da war, hab ich mich gefragt, was das soll? Wollten sie den anmachen? Sind sie ernsthaft daran interessiert zu erfahren, was mit dem Vater passiert ist?
Diese Stelle wirkt auf dich so, da dir selbst nicht klar ist, was mit dem Vater passiert ist.
Also nur soviel: Caro und Marie wissen bestens bescheid ;)
Sie interessieren sich einfach kaum für den Polizisten und seine Fragen.

Auch die Vorstellung, dass Zwillingsschwestern miteinander intim werden, find ich persönlich nicht so prickelnd und irgendwie daneben.
Ja, das kann ich schon nachvollziehen, es sollte jedoch auch nicht unbedingt eine "schöne" Geschichte sein. Es passieren permanent sehr häßliche Dinge in der Welt, es reicht ja, die Nachrichten zu schauen, und dies hat in Geschichten m.E. genauso seine Berechtigung. Ich weiß nicht, wie häufig es passiert, aber dass Geschwister intim werden, kommt halt vor, in dieser Geschichte durch gemeinsame schlechte Erfahrungen.

Ich hoffe, meine Kritik ist nicht verletzend. Ich würd sehr gerne erfahren, was Du Dir bei dieser Geschichte gedacht hast.
Nein, danke für deine Eindrücke, dafür habe ich den Text ja auch hier eingestellt.
Sorry, wenn ich nicht alles im Detail erklärt habe, aber ich denke, wenn dir klar wird, was mit dem Vater passiert ist, klären sich auch andere Punkte. Hoffentlich auch die Szenen zwischen Caro und Marie.

Danke auch für deine Formulierungsvorschläge, habe entsprechend einige Stellen angepasst!

Viele Grüße,
Rob
 
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20.08.2019
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Guten Morgen lieber @Rob F

vielen Dank für Deine Rückmeldung.

Zitat Rob: Sorry, ist nicht unhöflich gemeint, aber ich habe den Eindruck, dass du den Text nicht ausführlich/in Ruhe gelesen hast.
Kein Problem. Ich bin den Text in Ruhe durchgegangen. Wenn ich nur überflogen hätte, wären die sprachlichen Anmerkungen gar nicht möglich gewesen. Im ersten Durchgang ist einfach kein Groschen bei mir gefallen. :(

Zitat Rob: Ich lasse schon mal offen, wie genau etwas geschehen ist, aber eigentlich nicht, was passiert ist.
Konkret ausgeschrieben steht es aber nirgends. Nach Deiner Rückmeldung bin ich den Text nochmal durchgegangen und hab meine Phantasie spielen lassen. Ist schon alles mehr als subtil.

Zitat Rob: Das entnehme ich auch den bisherigen Feedbacks, hier und im Freundeskreis. Der Hauptpunkt ist ja, was mit dem Vater geschehen ist und das geht aus dem Text schon hervor, ist ja im Prinzip der Dreh- und Angelpunkt.
Also wenn ich interpretieren soll, dann würde ich vermuten, Caro hat den Vater ermordet und begraben? Aufgrund Maries Äußerung „Vater kann uns nichts mehr tun“ interpretiere ich weiter, dass er eventuell die Mädchen geschlagen, missbraucht hat? Und Alkoholiker war?

Zitat Rob: Hierdurch sollte dann auch die letzte Szene (hoffentlich) nachvollziehbar sein und Caros und Maries Zukunft eine positive Richtung geben.
Die letzte Szene fand ich in Ordnung. Da hatte ich kein Problem mit.

Zitat Rob: Diese Stelle wirkt auf dich so, da dir selbst nicht klar ist, was mit dem Vater passiert ist. Also nur soviel: Caro und Marie wissen bestens bescheid Sie interessieren sich einfach kaum für den Polizisten und seine Fragen.
Okay. Wenn ich also interpretiere, dass Caro den Vater getötet hat, weil er den Mädchen wehgetan hat, dann erklärt das immer noch nicht das Verhalten vor dem Polizisten. Sollten sie nicht wenigstens so tun, als würden sie sich Sorgen machen? Die machen sich doch sonst verdächtig.

Zitat Rob: Ja, das kann ich schon nachvollziehen, es sollte jedoch auch nicht unbedingt eine "schöne" Geschichte sein. Es passieren permanent sehr häßliche Dinge in der Welt, es reicht ja, die Nachrichten zu schauen, und dies hat in Geschichten m.E. genauso seine Berechtigung. Ich weiß nicht, wie häufig es passiert, aber dass Geschwister intim werden, kommt halt vor, in dieser Geschichte durch gemeinsame schlechte Erfahrungen.
Da kann ich Dir leider nur Recht geben. Auf der Welt geschehen sehr viele schlimme Dinge. Aber wenn Du das dem Leser so rüberbringen willst und es dann auch so ankommt, dann ist ja alles ok.

Zitat Rob: Sorry, wenn ich nicht alles im Detail erklärt habe, aber ich denke, wenn dir klar wird, was mit dem Vater passiert ist, klären sich auch andere Punkte. Hoffentlich auch die Szenen zwischen Caro und Marie.
Kein Problem. Ich bin jetzt noch mal alles durchgegangen und hab mir mit sehr viel Phantasie zusammengereimt, dass der Vater die Mädchen missbraucht, geschlagen hat und Caro den Vater im Wahn getötet hat.

Ganz liebe Grüße und schon mal ein schönes Wochenende,

Silvita
 
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Guten Morgen @Silvita ,

so subtil wollte ich es eigentlich gar nicht machen. Ich gehe wahrscheinlich immer davon aus, dass die Hinweise deutlicher sind, als sie es dann tatsächlich sind. Ich versuche, dies zukünftig etwas realistischer einzuschätzen.

Ich würde nur nochmal überlegen, wer denn nun die Mörderin ist ;)

Bei dem Gespräch mit dem Polizisten wird Marie und Caro klar, dass für sie nun ein neues Leben beginnt, daher hatte ich diese Szene so gestaltet.

Dir auch ein schönes Wochenende,
Rob
 
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Lieber @Rob F

das ist schön! Und vielleicht brauchen manche Leser ja nur dieses ganz subtile und ich brauch eher den Holzammer :)

Ah ok. Danke für den Hinweis. *lach* Dann war es wohl Marie?

Ok. Das ist interessant :)

Vielen Dank!

LG Silvita
 
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Hey @Rob F ,

deine letzte Geschichte hat mich ehrlich gesagt ein wenig frustriert zurückgelassen, weil ich sie nicht verstanden habe, du aber auf ihrer einfachen Zugänglichkeit beharrt hast. Gut möglich, dass es auch an mir lag. Vielleicht gefällt mir die hier ja besser.

Insgesamt habe ich das Gefühl, dass deine Geschichte in einen größeren Kontext eingebettet ist, den du aber nicht weiter ausführst, sondern einfach hinstellst. Ich glaube deine Geschichte (dieses Mal, Hurra!) verstanden zu haben, aber nur, weil man sich stellenweise die Sachen selbst zusammenreimt. Beispielsweise die Beziehung der Töchter zu ihrem Vater oder die der Töchter selbst. Caro und Marie haben irgendwie eine Affäre (?) und wissen, dass der Alte das nicht billigt, weshalb er aus dem Weg geräumt wird. Ähnlich dann wie der Hund.
Dann noch die Visionen. Caro erinnert sich an den Sex auf der Arbeit, den aber Marie hatte. Da die Information nicht grundlos im Text sein wird, gehe ich davon aus, dass die Visionen ähnlich wie beim Sex Erinnerungen Maries sind, sie also den Vater und den Hund umgelegt hat. Was die Marie eigentlich will, bleibt unklar. Sie vergnügt sich sowohl mit dem Gregor als auch mit ihrer Schwester. Insgesamt ist für mich hier der Knackpunkt der Logik: Das Ziel Maries ist Zweisamkeit mit Caro, der Konflikt zwischen ihr und ihrem Vater. Den zulösen, wäre aber auch anders möglich als durch Mord. Die beiden Schwester könnten z.B. in eine gemeinsame Wohnung ziehen. Vatermord ist mir als Mittel für diesen Zweck zwei Schüppen zu viel.

Caro drehte sich um, ihre Schwester stand fertig angezogen in der Balkontür.
Das sind zwei voneinander unabhängige Sätze, die würde ich trennen.

Die haben so einen schönen Slang drauf, reden aber von Dad? Wenn es etwas wäre wie Paps oder so, gut, aber das passt nicht ins Bild.

„Hör auf, wir können zu Haus drüber sprechen.
Zuhaus, wenn ich mich nicht irre.

Marie legte eine Hand um Caros Nacken und zog sie zu sich. „Du wirst nun verschwinden und im Haus auf mich warten. Verstanden?“
Ich wüsste gerne mehr über das Verhältnis der beiden Schwestern. Marie gibt den Ton vor, Caro lässt sich befehlen. Welche der beiden ist älter?

Darunter der Boden war hart
Hier solltest du den Satzbau ändern.

Marie setzte sich zu ihr, nahm sie in den Arm. „Pssssst, es ist in Ordnung. Ich werde es niemandem erzählen. Wahrscheinlich hat er dich angegriffen und du hast dich verteidigt. Es bleibt unser Geheimnis.“
Wie sieht der Hund denn aus? Totgeschlagen mit der Schüppe, erwürgt, schon halb verwest?

„Ne, hab ihn gestern Morgen zuletzt gesehen, bevor ich früh zur Arbeit bin. War schon wach und saß in der Küche.“ Marie beugte ihren Kopf und küsste Caro auf die Stirn.
Ich verstehe nicht, warum sie hier lügt. Nur, damit es auffällt und Marie dem Leser verdächtig wird? Wenn im Dorf bekannt ist, dass der Alte gerne mal Abends unterwegs ist, sich betrinkt und nicht nach Hause kommt, sollte sie diese Lüge doch nutzen. Nachts und betrunken kann eine Menge mehr passieren, als wenn der Vater am Frühstückstisch sitzt.

Wird bald dunkel, bestimmt wartet ihre Frau schon.“
Ihre groß.

So viel von mir. Gefallen hat mir das Bild der Marie, die ist sehr klar gezeichnet. Bei Caro gelingt dir das weniger. Mag aber vielleicht auch daran liegen, dass sie eine weniger starke/ überzeichnete Figur ist.

Liebe Grüße
Meuvind
 
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Hi @Meuvind ,

danke für deine Eindrücke! Freut mich, wenn es diesmal etwas nachvollziehbarer ist.

... deine letzte Geschichte hat mich ehrlich gesagt ein wenig frustriert zurückgelassen, weil ich sie nicht verstanden habe, du aber auf ihrer einfachen Zugänglichkeit beharrt hast.
Sorry, das war natürlich nicht meine Absicht! Ich glaube, mir war bei Agnes nicht ganz klar, welche Inhalte du im Detail meinst. Aber sonst frag nochmal nach, ich antworte dann natürlich, was ich mir dabei gedacht habe.

Beispielsweise die Beziehung der Töchter zu ihrem Vater oder die der Töchter selbst. Caro und Marie haben irgendwie eine Affäre (?) und wissen, dass der Alte das nicht billigt, weshalb er aus dem Weg geräumt wird. Ähnlich dann wie der Hund.
Ja, so war es gedacht. Ich ergänze als Grund für den Mord am Vater noch den Hintergrund, dass Caro und Marie es bei ihrem Vater alles andere als gut hatten. Ich habe auch hierzu keine Details genannt, aber der folgende Satz sollte dies verdeutlichen:

(...) „Es wird kalt, lass uns reingehen. Paps kann uns nichts mehr tun.“

Der frühere Mord an dem Hund ihres Vaters war gedacht als erstes deutlicheres Aufbegehren. Heimlich, wie ein Kind es vielleicht machen würde, wenn es sich noch nicht traut, dem Vater direkt entgegenzutreten.

Dann noch die Visionen. Caro erinnert sich an den Sex auf der Arbeit, den aber Marie hatte. Da die Information nicht grundlos im Text sein wird, gehe ich davon aus, dass die Visionen ähnlich wie beim Sex Erinnerungen Maries sind, sie also den Vater und den Hund umgelegt hat.
Auch das kann ich so bestätigen ;) Caro hat Visionen von Maries Taten.

Was die Marie eigentlich will, bleibt unklar. Sie vergnügt sich sowohl mit dem Gregor als auch mit ihrer Schwester. Insgesamt ist für mich hier der Knackpunkt der Logik: Das Ziel Maries ist Zweisamkeit mit Caro, der Konflikt zwischen ihr und ihrem Vater. Den zulösen, wäre aber auch anders möglich als durch Mord. Die beiden Schwester könnten z.B. in eine gemeinsame Wohnung ziehen. Vatermord ist mir als Mittel für diesen Zweck zwei Schüppen zu viel.
Kann ich gut nachvollziehen, nur das als Grund wäre etwas wenig. Daher wie oben erwähnt der Hinweis, dass ihr Vater sie nicht gut behandelt hat. Meine Intention dahinter war auch, dass hierdurch die körperliche Nähe zwischen den Schwestern entstanden ist (ich habe einfach mal angenommen, dass dies ein Grund sein kann, weiß nicht, wie realistisch es ist).

Ich wüsste gerne mehr über das Verhältnis der beiden Schwestern. Marie gibt den Ton vor, Caro lässt sich befehlen. Welche der beiden ist älter?
Hierzu musste ich selbst nochmal nachsehen, aber bei dem Gespräch mit dem Polizisten erwähne ich, dass sie Zwillinge sind. Ich würde daher sagen, dass Marie geringfügig älter ist und die Dominantere. Ich hoffe, ihr Charakter geht aus den Dialogen und der Handlung soweit hervor, u.a. aus der Szene im Hotelflur. Weiterhin ist Marie ja diejenige, die im Leben steht, arbeitet und einen Freund hat. Caro ist eher die Schüchterne, ohne Job und ohne Beziehung.

Wie sieht der Hund denn aus? Totgeschlagen mit der Schüppe, erwürgt, schon halb verwest?
Ich habe hierzu etwas ergänzt:
Und den Kadaver des Hundes ihres Vaters freigelegt, sein Hals eine gefrorene, rote Wunde.

„Ne, hab ihn gestern Morgen zuletzt gesehen, bevor ich früh zur Arbeit bin. War schon wach und saß in der Küche.“ Marie beugte ihren Kopf und küsste Caro auf die Stirn.
Ich verstehe nicht, warum sie hier lügt. Nur, damit es auffällt und Marie dem Leser verdächtig wird? Wenn im Dorf bekannt ist, dass der Alte gerne mal Abends unterwegs ist, sich betrinkt und nicht nach Hause kommt, sollte sie diese Lüge doch nutzen. Nachts und betrunken kann eine Menge mehr passieren, als wenn der Vater am Frühstückstisch sitzt.
Marie nennt hier den Zeitpunkt, an dem sie ihren Vater vor dem Mord das letzte Mal gesehen hat. Würde sie z.B. sagen, ihn noch später am (Vor-)Tag irgendwo gesehen zu haben, könnte sie sich ja gerade hierdurch verdächtig machen. Falls z.B. später jemand anderes etwas aussagt, wodurch dies widerlegt wird, oder sie sich in Widersprüche verwickelt.
Daher ist es so m.E. die sicherste Aussage, aber ich schließe natürlich nicht aus, hierbei etwas zu übersehen ... für den Moment halte ich es jedoch für plausibel, ansonsten bin ich für weitere Hinweise dankbar!

Ich habe entsprechend deiner Vorschläge einige Formulierungen angepasst, und mich auch für "Paps" statt "Dad" entschieden. Danke für die Hinweise!

Viele Grüße und noch eine gute Woche!
Rob
 
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Hey @Rob F

Dein Text ist sehr gut geschrieben, handwerklich passt da alles. Liest sich flüssig und es kommt aus meiner Sicht auch heraus, was Du sagen willst.

Zwei Eindrücke möchte ich Dir noch dalassen:

Oben wurde es schon angesprochen und ich muss mich da anschließen: Den Dialekt von Marie fand ich störend. Du schreibst, dass Du damit die beiden Schwestern unterscheidbarer machen wolltest. Aus meiner Sicht ist der Dialekt dafür gar nicht notwendig - die Unterschiede zwischen den beiden kommen auch so sehr gut heraus.
Natürlich hat die Sprechweise einen gewissen Effekt. Hatte aber irgendwie den Eindruck, dass der Dialekt bei Marie auch nicht ganz durchgängig war - sprich: In manchen Passagen redet sie ganz "normal", dann wieder mit Dialekt. Ich hab mich beim Lesen die ganze Zeit über gefragt, warum redet die so komisch? So gesehen hat es mich eher irritiert.

In der Szene mit dem Polizisten fand ich Deine Darstellung der beiden Schwestern ein bisschen too much. Irgendwie hatte ich den Eindruck, die hängen die ganze Zeit aufeinander, streicheln und küssen sich ständig. Du hast oben beschrieben, was Du damit aussagen wolltest, mir kam's wie ein Provokation dem Polizisten gegenüber vor, wobei ich nicht wusste, warum sie ihn provozieren wollen? Schadet ihnen ja eigentlich. Das war nicht ganz logisch.

Soviel in aller Kürze von mir!
Gerne gelesen,
Walterbalter
 
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09.12.2019
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Hi @Walterbalter ,

vielen Dank für dein Feedback!

Natürlich hat die Sprechweise einen gewissen Effekt. Hatte aber irgendwie den Eindruck, dass der Dialekt bei Marie auch nicht ganz durchgängig war - sprich: In manchen Passagen redet sie ganz "normal", dann wieder mit Dialekt. Ich hab mich beim Lesen die ganze Zeit über gefragt, warum redet die so komisch? So gesehen hat es mich eher irritiert.
Danke für den Hinweis, ich habe Maries Dialogzeilen nochmal geprüft und überarbeitet.
Neben der Unterscheidung sollte Marie hierdurch halt auch eher direkt und frech wirken, sie fasst Worte zusammen oder lässt Buchstaben weg.
Hierbei ist es für mich mittlerweile zugegeben schwierig geworden, dies grundsätzlich zu ändern, da ich Marie mittlerweile genauso vor Augen habe, mit dieser Sprechweise. Würde ich es also grundsätzlich ändern, wäre sie für mich irgendwie nicht mehr diese Person, hoffe du weißt, was ich meine.
Aber ich hoffe, dass es durch die o.g. Anpassungen etwas besser/passender geworden ist.

In der Szene mit dem Polizisten fand ich Deine Darstellung der beiden Schwestern ein bisschen too much. Irgendwie hatte ich den Eindruck, die hängen die ganze Zeit aufeinander, streicheln und küssen sich ständig. Du hast oben beschrieben, was Du damit aussagen wolltest, mir kam's wie ein Provokation dem Polizisten gegenüber vor, wobei ich nicht wusste, warum sie ihn provozieren wollen? Schadet ihnen ja eigentlich. Das war nicht ganz logisch.
Ich habe es ein wenig reduziert. Es hat aus meiner Sicht auch den Grund, dass Caro und Marie bewusst wird, nun beginnt für sie ein neuer Lebensabschnitt. Ihr Vater kann ihnen nichts mehr tun. Daher versinken sie in ihre eigene Welt, nehmen in diesem Moment alles um sie herum kaum wahr. Die beiden haben also weniger die bewusste Absicht, den Polizist zu provozieren.

Ich hoffe, dies erklärt noch das ein oder andere.

Danke für den Kommentar und viele Grüße!
Rob
 

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