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Betrüger

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Anmerkungen zum Text
Totentanz XI (Die Bettlerin)

Betrüger

Das Kleid ist blau, die silberne Brosche groß wie das Auge einer Kuh. Ingrid starrt darauf, während die Frau mit zittriger Stimme zu ihr spricht. Bete für unser Kind, sagt die Frau. Es liegt im Fieber, seit zwei Wochen schon. Neben ihr steht der Ehemann. Er klaubt drei Pfennige aus einem Lederbeutel.
Ingrid nickt und die Münzen fallen in ihre offene Hand. Sie senkt den Kopf. Die seidenen Poulaines des Mannes stecken in Holzpantoffeln, so werden sie nicht schmutzig. Zwei Paar Schuhe trägt er, zwei Paar Schuhe zur selben Zeit. Ingrid kniet auf das Pflaster und faltet die Hände. Heilige Muttergottes, flüstert sie. Mach das Kind dieser Leute gesund, ich bitte dich. Sie wiederholt die Worte. Sie spricht in sich hinein, damit die Jungfrau Maria es gewiss auch hört.
Valentin kniet nicht hin. Auf den Holzstecken gestützt, präsentiert er den Eheleuten seinen krummen Fuß. Dann fragt er sie nach dem Namen des Kindes.
Felix.
Was für eine glückliche Fügung! Valentin nimmt den Leinensack von der Schulter, langt hinein und hält das Stück Knochen in die Höhe, das er im Beinhaus aus einem Totenschädel gebrochen hat. Haare kleben daran. Vom heiligen Felix, sagt er. Es schützt und heilt. Ihr könnt es haben.
Nein, sagt der Mann, noch bevor Valentin einen Preis nennt. Die Eheleute gehen weiter, die Straße hoch zum Münster. Ingrid blickt den beiden hinterher. Die Frau geht gebückt, in den doppelten Schuhen kann der Mann kaum laufen. Heilige Muttergottes, bitte mach ihr Kind gesund!
Valentin legt die Hand auf Ingrids Schulter. Du kannst jetzt aufhören.

Sie liegen im Gras vor den Toren der Stadt. Mücken schwirren in schwarzen Wolken, der Fluss zieht träge dahin. Valentin kaut Sauerampfer. Drei Pfennige, sagt er. Da haben wir Glück gehabt. Solche Leute laufen uns nicht jeden Tag über den Weg.
Ja.
So wird das aber nicht weitergehen. Du musst dir ein Bettlerzeichen ans Gewand stecken.
Ingrid blickt hoch zum Himmel, zupft an den Hautfetzen, die ihr von den Lippen hängen. Die Julisonne dörrt ihren Leib aus, der Husten ist trocken. Ich weiß, sagt sie. Den Bettelvogt haben sie gesehen, kaum waren sie in der Stadt. Durch die Gassen ist er gestapft, in weißen Strümpfen, die Hände auf dem feisten Wanst. Wer kein Zeichen hat, wandert ins Schellenhaus. Ingrids Magen knurrt. Zwei Tage ist es her, ein halbes Brot und ein Stück Käse. Ich habe Hunger, sagt sie.
Valentin reißt Stängel aus der Erde und wirft sie ihr ins Gesicht. Hier, sagt er und lacht. Friss, du dumme Muß!

Einen Laib Brot hat Valentin für sie besorgt und so viel Wein getrunken, dass er um eine Pappel tanzt, den krummen Fuß über den Boden schleift. Er singt Lieder von der Freiheit des armen Mannes. Ich gehorche keinem Herrn, ruft er, und auch keinem da oben. Betrüger! schreit er in den Abendhimmel. Welche Gestalt hat er denn, der Jesus? Ist er Taube oder Feuerzunge? Valentin bleibt stehen und spuckt aus. Er sagt: Der Betrüger hat ein Interesse an der Unwissenheit des Volkes. Dem Betrüger kommen die dummen Weiber ganz recht, solche wie du. Noch einmal torkelt Valentin um den Baum, dann packt er sie und greift ihr unter das Kleid. Es ist ihm gleich, dass sie unrein ist in diesen Tagen.
Du stinkst, sagt er, als er von ihr steigt und sich auf den Rücken legt. Ingrid steht auf, das Blut läuft ihr die Beine hinunter. Und du erst, sagt sie. Wie ein Ziegenbock! Sie weiß, dass es stimmt, aber riechen kann sie es nicht. Sie hat noch nie etwas gerochen in ihrem Leben, weder Maiglöckchen noch frisch geschnittenes Gras und auch nicht, dass die Milch sauer geworden ist. Und da hat ihr der Herr, dem sie gedient hat, den Becher an den Kopf geworfen und sie aus dem Haus geprügelt, und sie ist übers Land geirrt und auf einem Feld ist sie ohnmächtig geworden, und Valentin hat sie gefunden.
Sie geht hinunter zum Fluss. Die Nacht ist warm, die Grillen zirpen. Ingrid hebt das Kleid hoch und steigt ins Wasser. Der Leib ist das abscheuliche Gewand der Seele. Sündig bin ich, Muttergottes, voller Schleim und Blut und Gallert.

Sie schläft in Valentins Armen. In der Nacht kommen die Gestalten. Ein Gerippe, um dessen Beine sich Schlangen winden. Der schwarz gewandete Tod sitzt auf einem Drachen und schleudert Pfeile. Einer trifft Ingrid in den Hals. Sie schreckt hoch. Eine Weile blickt sie ins Dunkel. Sie wischt den Schweiß von der Stirn, legt den Kopf auf Valentins Brust und lauscht. Sein Herz schlägt ruhig, eine große Trommel, gleichmäßig und dumpf. Dann hört sie zarte Orgelklänge und schließlich die klaren Stimmen der Engel. Die Schlangen fallen zu Boden, der Tod taumelt und stürzt vom Drachen. Im Hals löst sich der Krampf. Valentin schmatzt im Schlaf. Sie nimmt seine Hand und legt sie sich auf die Wange. Morgen wird sie alle Kraft brauchen, die sie besitzt. Ein Bettlerzeichen bekommen nur die Siechen und die Krüppel.

Die Kapelle liegt auf einem Hügel zwischen Fluss und Stadt. Dreimal gehen sie um das Kirchlein herum, es ist niemand hier um diese Zeit.
Bist du bereit?, fragt Valentin.
Ingrid nickt. Sie blickt nach oben zum Tympanon und da erhebt der heilige Michael das Schwert. Des Engels goldene Rüstung glänzt. Und siehe, auf seiner Linken hat der Menschensohn die Böcke versammelt, die Diebe und Mörder, die Huren und Betrüger. Ketten liegen um Hälse, einer hängt mit der Zunge am Galgen, andere stürzen kopfüber in die Hölle, den Dämonen ins offene Maul. Sie dreht sich zu Valentin. Ich habe Angst, sagt sie leise. Muttergottes, hilf mir!
Er drückt ihr ein Stück Holz in die Hand und öffnet die Eisentür. Nur einen spaltbreit öffnet er sie, dann nimmt er Ingrids verkrampfte Faust, löst den Zeigefinger, streckt ihn und danach den Mittelfinger. Da rein, sagt er. So.
Ingrid steckt die Finger in den Spalt, beißt auf das Holz und schließt die Augen. Sie fühlt die kühle Luft im Innern der Kapelle. Zwanzig Schritte geht Valentin. Er bleibt stehen und scharrt im Kies wie ein Pferd. Eine Amsel singt, Ingrid hört auf zu atmen. Er stößt einen Schrei aus, der Kies spritzt unter seinen Füßen, und das Schreien kommt näher, und Ingrid staunt, wie schnell er rennen kann mit dem krummen Fuß, und sie öffnet die Augen und das Licht der Sonne blitzt durch die Krone einer Eiche. Sie dreht den Kopf. Valentins Leib kracht gegen das Tor, die Schulter voran.

Das Zeichen ist aus dünnem Blech. Darauf ist das Wappen der Stadt zu sehen, ein Adler und ein Löwe. Gebet den Armen, steht am Rand geschrieben. Valentin steckt es ihr ans Gewand. Lange hat es gedauert, bis sie es bekommen hat. Die Hand haben sie sich angesehen, sie solle noch einmal wiederkommen, haben sie gesagt, und in den Büchern haben sie nachgeschaut, ob sie wirklich in der Stadt geboren ist.
So, sagt Valentin. Jetzt ist gut.

Sie sitzen vor dem Münster, unten auf der Treppe. Ingrids Herz pocht, sie spürt die Schläge im Hals und im Kopf. Valentin hat einen Lumpen um ihre Hand gewickelt. Er ist nass vom Eiter, die Hand ist ein einziger Schmerz. Ingrids Beine zittern, die Stirn glüht. Die Glocken schlagen, die Leute kommen zur Messe. Wie fröhlich sie schwatzen! Wie schön ihre Kleider sind! Eine Frau bleibt stehen und gibt Ingrid einen Haller.
Tausend Dank, sagt Valentin und greift in den Leinensack, der zwischen seinen Füßen liegt. Aber da ist die Frau schon die Stufen hochgestiegen.
Nur noch eine der Glocken ist zu hören, sie wird stetig leiser. Ingrid blickt nach oben zum Portal. Die Türen werden zugezogen. Und da sieht sie die Frau im blauen Kleid oben an der Treppe stehen und den Mann in den seidenen Poulaines und zwischen ihnen einen kleinen Jungen.
Felix! ruft sie.
Der Junge dreht sich um.
Heilige Muttergottes! Er ist gesund.
Wer? Valentin schaut sich um.
Der Junge. Felix.
Wo?
Oben vor dem Portal.
Da ist kein Junge, sagt Valentin nach einer Weile.
Schau, er winkt uns zu.
Da ist kein Junge, du dumme Muß.
Aber natürlich, sagt Ingrid und steht auf. Der Junge hüpft die Treppe herunter, Ingrid steigt die Stufen hoch. Ganz leicht geht es, als würde sie schweben. Der Junge lächelt, seine Wangen sind rot. Ingrid öffnet die Arme. Ganz leicht geht es und die Schmerzen sind weg und der Leib ist der Schrein des heiligen Geistes.
 
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Hallo Pepperkorn,

hier ein paar Dinge, die mir augefallen sind.

Die zwei Vergleiche im ersten Satz finde ich etwas zu viel. Der zweite ist, so denke ich, auch unnötig. Beim ersten ist vielleicht auch "himmelblau" ausreichend.

Du bist kein Freund von Anführungszeichen, oder? Bei einigen Stelle der direkten Rede verzichest du auf sie.

Du machst auch sehr viele Halbabsätze (Einmal Return gedrückt). Die gibt es eigentlich nur bei direkter Rede. Ansonsten wäre dann entweder Fließtext oder doch eine Leerzeile angebracht.

Zur Orthographie können andere sicherlich besser kommentieren.

Ansonsten gefällt mir Thema und die Umsetzung sehr gut. Du schafft es die mittelalterliche Atmosphäre und die vorherrschende Form von Religiösität gut rüberzubringen.

Liebe Grüße
Asha
 
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Hey Asha

Vielen Dank für die Rückmeldung. Das mit den Absätzen ist ein guter Hinweis, ich habe den Text nun etwas verdichtet.
Doch, doch, ich mag Anführungszeichen. Ich verzichte aber ab und zu ganz gerne darauf, weil das einem Text eine andere Färbung gibt, zumindest empfinde ich das so.
Ja, die beiden Vergleiche im ersten Satz. Ich mag den Rhythmus. Aber vielleicht kille ich den Darling noch, mal schauen.

Lieber Gruss
Peeperkorn
 
Wortkrieger-Globals
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Hallo @Peeperkorn

Düster und beklemmend, in Zeiten wie heute sowieso. Hat mich voll gepackt, dein Bettler/Heiler/Edelmann-Drama, die Szene der Verstümmelung zwecks Ergattern des begehrten Bettlerabzeichens - das war harter Tobak, wie Valentin mit der Schulter voran - da musste ich kurz wegschauen. Ohne Scheiss! Das barmherzige Ende Ingrids war auch für mich eine Erlösung aus deiner berührenden Geschichte.

Ich werde noch näher auf Details eingehen, wollte dir aber schon mal einen ersten Leseeindruck hinterlassen.

dumme Muß
dumme Nuss? Oder ein mittelalterliches Idiom?

Sehr gerne gelesen,
Gruss dot
 

AWM

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Hallo @Peeperkorn, eine tolle Geschichte. Hat mich an Tyll von Kehlmann erinnert ein bisschen und den Roman habe ich geliebt.
Das Kleid der Frau ist blau wie der Himmel an einem sonnigen Wintertag, die schwarze Brosche groß wie das Auge einer Kuh.
Ich würde es hier bei dem Bild der Brosche belassen. Ich weiß in diesem Satz noch gar nicht, wo wir uns befinden und das etwas ausgelutschte Bild mit dem Himmel hat im Verlauf der Geschichte durchaus seine Berechtigung. Es zeigt den Status zu dieser Zeit und passt auch perspektivisch zu deiner Protagonistin. Wenn ich aber als Leser herangehe und denke, das spielt im Jetzt, dann ist das Bild mit dem Himmel ein Klischee.
Welch Zufall! Valentin nimmt den Leinensack von der Schulter, langt hinein und hält das Stück Knochen in die Höhe, das er im Beinhaus aus einem Totenschädel gebrochen hat. Haare kleben daran. Vom heiligen Felix, sagt er. Es schützt und heilt. Ihr könnt es haben.
Ich habe mit Anmerkungen notiert, die ich nach dem Lesen der Geschichte nicht mehr so sehe. Hier fand ich zum Beispiel, dass der Titel der Geschichte zu deutlich ist. Ah, Valentin ist ein Betrüger! Und das, obwohl du es uns ja in der Geschichte so toll zeigst. Nach der Lektüre steckt hinter dem Titel natürlich viel mehr.
Heilige Muttergottes, bitte mach ihr Kind gesund!
Valentin legt die Hand auf Ingrids Schulter. Du kannst jetzt aufhören.
Auch hier: toll gemacht
und Valentin hat sie gefunden.
Das finde ich fast überflüssig.
Er drückt ihr ein Stück Holz in die Hand, schiebt sie zur Seite und öffnet die Eisentür. Nur einen spaltbreit öffnet er sie, dann nimmt er Ingrids verkrampfte Faust, löst den Zeigefinger, streckt ihn und danach den Mittelfinger. Da rein, sagt er. So.
Ingrid steckt die Finger in den Spalt, beißt auf das Holz und schließt die Augen. Sie fühlt die kühle Luft im Innern der Kapelle. Zwanzig Schritte geht Valentin. Er bleibt stehen und scharrt im Kies wie ein Pferd. Eine Amsel singt, Ingrid hört auf zu atmen. Er stößt einen Schrei aus, das Kies spritzt unter seinen Füßen, und das Schreien kommt näher, und Ingrid staunt, wie schnell er rennen kann mit dem krummen Fuß, und sie öffnet die Augen und das Licht der Sonne blitzt durch die Krone einer Eiche. Sie dreht den Kopf. Valentins massiger Leib kracht gegen das Tor, die Schulter voran.
Sehr starke Szene. Ich gebe aber zu, dass ich den ersten Absatz zweimla lesen musste. Hab nicht ganz kapiert, was abgeht. Ich glaube, ich würde das "schiebt sie zur Seite" streichen. Das würde den Ablauf etwas entschlacken und du hättest nicht das Bezugsproblem, ob er jetzt sie oder nur ihre Hand zur Seite schiebt.
Ingrids Beine zittern, die Stirn glüht.
Auch hier dachte ich, dass das streichbar wäre. Wir haben ihen Herzschlag, den Schmerz, den Eiter etc. Aber das ist natürlich wichtig. Sie hat Fieber und halluziniert.

Ich fand die Geschichte wirklich richtig toll und habe gerade beschlossen mir dein Buch zu bestellen.
Gruß!
AWM
 
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18.06.2015
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Lieber @dotslash

Ist schön, so ein erster Leseeindruck, man weiss ja nie so recht, ob ein Text funktioniert. An den Details muss sicher noch gefeilt werden.
Ja, die Szene an der Kapellentür. Im Verlauf meiner Recherche habe ich mir ein paar medizinische Berichte angeschaut: Sowas wird heute noch ab und zu gemacht, um die Versicherung zu kassieren, und da habe ich mir was abgekuckt. Allerdings ist mir dann nach einer Weile schlecht geworden, das eine Dokument war zu allem Überfluss auch noch bebildert. Aber cool, wenn die Szene einfährt.
Muß: „Mädchen, Frau, Dirne“, von dt. Mutze, „Vulva“, oder dt. Musche, „Hure“. Ich habe ein paar Ausdrücke aus dem Rotwelschen einfliessen lassen, der deutschen Gaunersprache.

Merci fürs Reinschauen!

Hey @AWM

Auch dir vielen Dank! Freut mich sehr. Den ersten Satz habe ich entsprechend deinem Vorschlag geändert, das wurde bereits moniert. Das "schiebt sie zur Seite" habe ich gestrichen, guter Hinweis. Ich hab das mit dem Stück Holz später in den Text reingeschrieben und zu wenig auf den Kontext geachtet. Dass Valentin sie gefunden hat, ja, das braucht es vielleicht wirklich nicht. Das muss ich mir noch mal durch den Kopf gehen lassen.

Witzig, dein Hinweis auf Kehlmanns "Tyll". Ich hatte einen ziemlichen Stapel Bücher auf dem Schreibtisch liegen, als ich am Text gearbeitet habe: "Der Körper im Mittelalter", "Angst im Mittelalter" usw. Und dann auch noch den Tyll. Ich habe mir gesagt, wenn ich nicht mehr weiter weiss, in sprachlicher Hinsicht, wenn ich das nicht hinkriege, dann schaue ich nach, wie Kehlmann es gemacht hat. Ich bin nicht nur begeistert von dem Text, weil Kehlmann sehr viel von Sachtexten übernommen hat, aber sprachlich fand ich das schon auch sehr gut. Das Buch blieb dann aber ungeöffnet und jetzt bin ich natürlich froh, wenn du darauf verweist und ich ohne schlechtes Gewissen sagen kann, dass ich nicht abgekupfert habe. :D

Dass du mein Buch bestellt hast, freut mich riesig. Ich hoffe, du wirst nicht enttäuscht, weil es doch ziemlich anders ist als die Totentänze.

Herzlichen Dank für diese Rückmeldung!

Lieber Gruss euch beiden
Peeperkorn
 
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10.09.2016
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Lieber @Peeperkorn ,

ich bin beeindruckt. Dieser Text ist wirklich brilliant. Er hat mich natürlich sofort auch an "Komm runter" erinnert. Das ist sicher kein Zufall. Das ist wirklich eine der besten Sachen, die ich hier seit Längerem gelesen habe. Sprachlich braucht man dazu eigentlich nichts mehr zu sagen. Das ist in seiner Bescheidenheit und der düsteren, meisterlich ins Bild gesetzten Stimmung einfach großartig. Ich hab mich an die spätmittelalterlichen Maler erinnert gefühlt; Cranach, auch an die flämische und altniederländische Malerei. Die Gottesfurcht, der Schmerz und die Hässlichkeit schwingt in jedem Bild mit. Aber auch Wahrheits- und Schönheitsdiskurse, mit denen du dich ja beschäftigt hast, werden dort angesprochen. Jeder Satz in diesem Text enthält präzise Beobachtungen und trotzdem viel Rhythmus und darin und darüber hinaus auch Poesie, eine dichte und ja, auch schöne Verwobenheit der Bilder und Bedeutungen. Was ich ganz besonders loben will, ist die aufgelöste Dialogform :D (und auch dass das szenisch recht aufgelöst ist, also nicht solchen starr linearen Erzählstrukturen folgt, immer wieder freie Sprünge schafft). Im letzten Text kritisiert, dass das irgendwie mutiger sein könnte. Hier ist es genau das. Auch wie du das präsentierst. Eine klare und doch mutige Komposition. Wo ich mir dringend etwas abschauen will: Die Art wie du im Subtext über soziale Gerechtigkeit sprichst und über religiöse Selbstgefälligkeit und religiös überformte Herrschaftsstrukturen. Das Religiöse wird da auch zur Metapher für eine gesellschaftliche Denkhaltung, die heute durchaus noch im Glauben an Individualkapitalismen fortbesteht, also was vor einigen Jahren als Neoliberalismus treffend beschrieben wurde, heute mit dessen Kritik vielleicht schon fast wieder fertig ist. Damit kennst du dich sicher besser aus. Über so Sachen wie Antagonismen, Spannung, selbst Haltung, brauche ich hier nicht sprechen. Da stimmt einfach alles in diesem Text. Auch nochmal loben muss man ja eigentlich die Aneigung des Alt- und Mittelhochdeutschen, die etymologischen Griffe und Kniffe, aus denen du dir das Vokabular deiner Geschichte gebaut hast. Das ist großartig umgesetzt, vor allem vor dem Hintergrund der besonderen Herausforderung des historischen Sujets.
Gibt es da also noch irgendetwas dran zu feilen, frage ich mich. Ich denke da gibt es etwas. Für mich sind das Einstieg und Ausklang deiner Geschichte. Zuerst zum Einstieg. Das ist in medias res, gut, es ist ja auch eine Kurzgeschichte/Ezählung. Du schreibst da sehr ausgeruht, das funktioniert und liest sich gut. Ich glaube, du könntest dem Anfang mehr Pfeffer geben. Den Leser irgendwie aus der Reserve locken und nochmal anders als über die hohe Professionalität, die da abstrahlt, fangen. Das ist zweifelsohne sehr gut, aber, ich finde, bestechende Anfänge haben diese gewisse Qualität, dich zu irritieren, da wirklich so eine kognitive Dissonanz zu erzeugen und dich gerne über eine halbe Seite richtig zu flashen. Dann kann man immer noch ruhig, professionell, brilliant weitererzählen.
Das zweite ist der Schluss. Wie du es gelöst hast, gefällt es mir gut. Aber ich weiß auch, dass da noch etwas ginge. Es ist recht klar, worauf du damit hinauswillst. Das da nochmal eine andere Lesart denkbar wird, ohne das jetzt auszusprechen, die von dem Jungen als numinoses Symbol getragen wird. Ja, das funktioniert. Es ist auch sprachlich hervorragend geschrieben. Aber es ist nicht eben überraschend, es läuft so aus, aber es knallt nicht. So etwas, denke ich, kann man bereits in der Planung berücksichtigen. Ich habe da auch konkret keinen Vorschlag oder so. Aber das ist hier schon mein Eindruck.
Und dann, was bleibt dann zu wünschen übrig? Nicht mehr viel. Eigentlich nicht wirklich etwas, das ich auf dem Schirm hätte. Wirklich ein toller Text. Danke dir!

präsentiert er den Eheleuten seinen krummen Fuß
Es schützt und heilt. Ihr könnt es haben.
Nein, sagt der Mann, noch bevor Valentin einen Preis nennt.

Das ist einfach eine so tolle Charakterisierung. Wirklich gemäldehaft.

Betrüger! schreit er in den Abendhimmel. Welche Gestalt hat er denn, der Jesus?

besonders diese Stelle hat mich an "Komm runter" denken lassen.

Noch einmal torkelt Valentin um den Baum, dann packt er sie und greift ihr unter das Kleid. Es ist ihm gleich, dass sie unrein ist in diesen Tagen.
Du stinkst, sagt er, als er von ihr steigt und sich auf den Rücken legt. Ingrid steht auf, das Blut läuft ihr die Beine hinunter. Und du erst, sagt sie. Wie ein Ziegenbock! Sie weiß, dass es stimmt, aber riechen kann sie es nicht.

ziemlich furchtbar ... eindrücklich geschrieben

Der Leib ist das abscheuliche Gewand der Seele. Sündig bin ich, Muttergottes, voller Schleim und Blut und Gallert.

genau wie das. Ich hatte wirklich – und manchmal, denke ich, bin ich ein recht abgebrühter Leser – ich hatte wirklich großes Mitleid mit ihr. Diese Ingrid ist ganz lebendig in meiner Vorstellung.

Morgen wird sie alle Kraft brauchen, die sie besitzt. Ein Bettlerzeichen bekommen nur die Siechen und die Krüppel.

da ist so viel Wille, so viel Haltung in diesem Text ...

Und siehe, auf seiner Linken hat der Menschensohn die Böcke versammelt, die Diebe und Mörder, die Huren und Betrüger. Ketten liegen um Hälse, einer hängt mit der Zunge am Galgen, andere stürzen kopfüber in die Hölle, den Dämonen ins offene Maul. Sie dreht sich zu Valentin. Ich habe Angst, sagt sie leise. Muttergottes, hilf mir!

grandios.

streckt ihn und danach den Mittelfinger

grausam und wieder sehr eindrücklich. Hat mich klar an die entsprechende Szene in Slumdog Millionaire erinnert. Wo ich mir so denke: das sind hammerharte Stellen, die einen aber nicht mehr loslassen und förmlich zwingen, über das Leid dieser Menschen nachzudenken und eventuell auch einen aktuellen Bezug herzustellen.

Wunderbarer Text, Peeperkorn. Noch ein Danke!
Lieben Gruß
Carlo
 
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16.04.2016
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Hallo @Peeperkorn

Sprachlich überzeugt mich der Text auf ganzer Linie. Du schreibst für alle Sinne, sodass ich fast augenblicklich in diese Welt eintauche. Die Figuren sind glaubwürdig, allerdings bleiben sie mir beide etwas zu eindimensional. Das ist immer so eine Ermessenssache, wie tief ein Charakter in einer Kurzgeschichte ausgearbeitet werden sollte. Für mich hätte es ein bisschen mehr sein dürfen.

Die Geschichte wirkt realistisch. Vielleicht sogar zu realistisch.
Für meinen Geschmack werden die Geschehnisse zu berichtend dargestellt. Wie eine gute Dokumentation. Um mich zu packen, sollte der Autor stärker lenken. So wird zum Beispiel kaum Spannung aufgebaut. Trostlosigkeit beherrscht die Szene von Anfang bis Ende. Ich ahne, dass die Amputation böse enden wird und irgendwie scheint es sogar ein gutes Ende zu sein, angesichts der Lebensumstände. Da ist mir zu wenig Konflikt. Die Protagonisten kämpfen nicht, sondern fügen sich in die Umstände. Daher gibt es auch von vorne herein keine Hoffnung. Ich schwelge in hervorragenden, barocken Bildern über Verfall und Morbidität, aber sie bleiben statisch. Weder packt mich die Handlung, noch überraschen die Figuren durch Veränderung.

Was sind die Gründe?
Nun, zum einen wird die Armut, die ja ursächlich für die Situation der Figuren ist, als eine Naturgewalt hingestellt. Die Unterteilung in Oberschicht, Besitzende und Unterschicht wird kaum thematisiert. So gibt es auch keine Verantwortlichen, die als Antagonisten funktionieren könnten. Weder die Diktatoren dieser Zeit, noch ihre Werkzeuge und das Gesellschaftssystem werden infrage gestellt.
Die Lebensumstände der Armen werden zwar geschildert, aber durch die Charakterisierung von Valentin schwingt ein Hauch von Dickens durch den Text: Es sind zwar bedauerliche Kreaturen, aber in letztendlich selbst an ihrem Schicksal schuld.
Das Schlagwort unserer Zeit wäre: bildungsfern.

Das erzeugt bei mir persönlich einen unangenehmen Beigeschmack, was den Autor nicht weiter zu jucken braucht.
Ich denke aber, dass die fehlende sozialkritische Reflexion auch der Geschichte nicht gut tut, da so eine Möglichkeit außer acht gelassen wird, der Handlung mehr Dynamik zu verschaffen.

Ungeachtet dieses Mangels in meinen Augen, war es doch ein Erlebnis, diesen Text zu lesen.

Schöne Grüße!
Kellerkind
 
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10.07.2019
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Guten Morgen @Peeperkorn! :-)

Ein großartiger Text. Du hast mich in einen Sog gezogen - hinein eine fremde, grausame und religiöse Welt, in der die Grenzen zwischen Glauben, Aberglauben und Realität verschwimmen, eine (für uns so richtig super aufgeklärte Rationalisten) krude Einheit bilden. Aus dieser Einheit generiert sich eine grausame, irrationale Kraft auf die Menschen und die hast Du sprachlich richtig, richtig gut umgesetzt. Dein Text wirkt auf mich in sich geschlossen, keine Stelle ragt irre hoch hinaus, keine gräbt ein tiefes Loch, hier schreibt jemand, der richtig gut schreiben kann, finde ich. Der Rhythmus stimmt.

Die angesprochene Einheit von Glauben, Aberglauben, Realität, Politik erinnert natürlich an Kehlmanns Tyll. Aber Kehlmann kann sich einen Roman lang Zeit nehmen. Du nicht, du musst sofort liefern:

Bete für unser Kind, sagt die Frau. Es liegt im Fieber, seit zwei Wochen schon. Neben ihr steht der Ehemann. Er klaubt drei Pfennige aus einem Lederbeutel.

Hier gefällt mir das Fehlen der Anführungszeichen. Die wörtliche Rede bettet sich in den Text ein, in die Situation. Ich weiß nicht, ob das so gewollt ist, aber durch solche Details stärkst du die krude Einheit. Im zweiten Satz ist mir nicht klar, ob die Frau das denkt oder spricht. Aber für deinen Text darf das nicht klar sein; es muss bewusst unklar bleiben. Das unklare Element zielt ins Irrationale, der Glauben wirkt irrational, er hat die Macht, Schicksal spielen zu dürfen. Gut, jetzt übertreibe ich, ich hoffe du kannst mit diesem Punkt etwas anfangen :-) Und zum Ende der kleinen Szene nimmt der Ehemann keine Pfennige, sondern klaubt sie. Ich weiß nicht, ob klauben als Synonym zu pflücken, pulen, sammeln in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz aktiv verwendet wird, hier im Leipziger Tiefland definitiv nicht. So skizzierst du die vorindustrielle Zeit deiner Geschichte.

Welch Zufall! Valentin nimmt den Leinensack von der Schulter, langt hinein und hält das Stück Knochen in die Höhe, das er im Beinhaus aus einem Totenschädel gebrochen hat. Haare kleben daran. Vom heiligen Felix, sagt er. Es schützt und heilt. Ihr könnt es haben.
Nein, sagt der Mann, noch bevor Valentin einen Preis nennt. Die Eheleute gehen weiter, die Straße hoch zum Münster. Ingrid blickt den beiden hinterher. Die Frau geht gebückt, in den doppelten Schuhen kann der Mann kaum laufen. Heilige Muttergottes, bitte mach ihr Kind gesund!
Valentin legt die Hand auf Ingrids Schulter. Du kannst jetzt aufhören.

Grausam gut geschrieben. Alleine das mentale Bild: Ein Mensch bricht in einem Beinhaus ein Stück Knochen aus einem Schädel. Ja Pepperkorn, ich bleibe mal bei einem stoischen: Gefällt mir :-D Aber besonders wichtig finde ich den Satz "Es schützt und heilt". Für mich geht es hier ganz und gar nicht um das Stück Knochen des heiligen Felix. Hier spricht die Verzweiflung des Bettlers; schützen und heilen sind zwei Wörter, die auf die totale Wirkung von Hoffnung und Glauben in einer nicht-spezialisierten Welt anspielen. Heute würde doch niemand ein Produkt so anpreisen. "Diese Aspirin, sie schützt und heilt". Nur so als Gedankengang erwähnt.

Die Julisonne dörrt ihren Leib aus, der Husten ist bleibt trocken.

Vielleicht entsteht mit bleiben eine "Kontinuität des körperlichen Leidens".

Friss, du dumme Muß!

Falls du irgendeinen kleinen Vorschlag zur Textweiterentwicklung hören möchtest, ganz subjektiv - hier ist er: Solche Ausdrücke können gerne öfters vorkommen, meinem Geschmack nach. Vielleicht sogar mit größerem Lokalkolorit.

Einen Laib Brot haben sie sich besorgt und so viel Wein getrunken, dass Valentin um eine Pappel tanzt, den krummen Fuß über den Boden schleift.

Als ich deinen Text gelesen habe, habe ich mich gefragt, was deinen Text so gut macht, was diesen Sog generiert. Hier ein kleines Detail: Der Betrunkene tanzt um eine Pappel. Er tanzt nicht um eine Eiche, eine Linde, einen Rotahorn, er tanzt um eine Pappel. Einhundert Leute haben wir gefragt: Nennen Sie einen dummen Baum. Neunundzeunzig haben geantwortet: Pappel.

Allerdings stockte ich an dieser Stelle auch: Im Absatz zuvor wird von Kohldampf und Hunger gesprochen; Absatz und plötzlich konnten sie sich Brot besorgen und haben Wein entdeckt. Auf mich wirkte das beim ersten Lesen zu überraschend. Aber ja, auch das ist subjektiv.

Ist er Taube oder Feuerzunge?

Schön! Feuerzunge!

Ingrid hebt das Kleid hoch und steigt ins Wasser. Der Leib ist das abscheuliche Gewand der Seele. Sündig bin ich, Muttergottes, voller Schleim und Blut und Gallert.

Eine tolle Stelle, die zum Anfang des Textes kitschig und überfrachtet geklungen hätte (glaube ich), jetzt aber, nach einigen Absätzen, ihre volle Wucht entfaltet. Auch folgt der Satz auf eine sinnliche, schöne Beschreibung (Maiglöckchen) und so kontrastiert der Glaube brutal und hart den Leib Ingrids. Auch hier finde ich deine Details klasse: Muttergottes, nicht Mutter Gottes, routiniert christlich dahingesagt, wieder diese seltsame krude Einheit des vorindustriellen Daseins. Religion zielt ja oft auf die "ganz großen Themen" ab, auf Welterklärung, auf Liebe, Barmherzigkeit, Sünde, Schicksal - das kann schnell kitschig wirken, aber durch deine realitätsnahe Sprache haut der Satz so richtig rein. Schön, dass du das Bild des Leib als Gewand zum Ende nochmal aufgreifst.

Oder sagt man Muttergottes südlich der Mainlinie? Hier im entchristlichten Osten definitiv nicht. De-fi-ni-tiv :-D

Darauf ist das das Wappen der Stadt zu sehen

Da ist kein Junge, sagt Valentin nach einer Weile.

Ja, auch das ein kleines und doch so wichtiges Details: Valentin sagt das "nach einer Weile", er hat nachgedacht. Ob er Hoffnung auf ein Kind hat? Ob er Ingrid anlügen möchte? An einem solchen kleinen Detail kann eine ewige Kette an psychoanalytischen Sitzungen beginnen. Stark. Und zeigt auch, was Sprache einfach mal kann, wie ein kleines Ding die ganze Wirkung eines Text verändern, abändern, beeinflussen kann.

****

Den - nennt man das so? - soziokulturellen, sozioökonomischen, gesellschaftlichen Hintergrund habe ich aus deiner Geschichte gar nicht so stark herausgelesen. Ich empfinde deinen Text nicht als sozialkritisch, muss er auch nicht sein. Er lebt vom realistischen Eindruck, den er auf mich vermittelt hat.

Ich hoffe, du konntest etwas mit meinen Ausführungen anfangen :-)

Ach, moment:

Bist du bereit?, fragt Valentin.

Noch ein Detail :-)

Lg aus Leipzig,
kiroly
 
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Lieber @Carlo Zwei

Ich hab mich an die spätmittelalterlichen Maler erinnert gefühlt; Cranach, auch an die flämische und altniederländische Malerei.
Sehr cool. Ich bin ja völlig kunstfrei aufgewachsen und habe die Welt der Bilder erst so mit fünfunddreissig entdeckt. Fürs Schreiben eine tolle Quelle der Inspiration. Ich erinnere mich an eine Ausstellung in Bern: Cranach und Berlinde de Bruyckere. Kennst du sie? Grossartige Künstlerin. Hat mir noch mal einen neuen Zugang zu Fleisch und Schmerz eröffnet und schwebt immer in meinem Hinterkopf, wenn es um diese Themen geht.
Jeder Satz in diesem Text enthält präzise Beobachtungen und trotzdem viel Rhythmus und darin und darüber hinaus auch Poesie, eine dichte und ja, auch schöne Verwobenheit der Bilder und Bedeutungen.
Da hab ich mich sehr drüber gefreut. Ich empfand es als schwierig, wieder ins Schreiben zu finden, nach der intensiven Überarbeitungsphase im Zusammenhang mit dem Roman und mitten im Kampf um Aufmerksamkeit für diesen. Da aber dieser Kampf momentan eh aussichtslos ist, kann ich mich wieder etwas besser auf die eigentliche Sache konzentrieren. Freut mich sehr, dass es für dich hier geklappt hat.
Im letzten Text kritisiert, dass das irgendwie mutiger sein könnte. Hier ist es genau das.
Das habe ich mir gedacht. Dieser Text hier fühlt sich für mich ähnlich an wie der ebenfalls sehr kurze Glanzmann, mit all den Vor- aber auch Nachteilen, die Kellerkind anspricht. (Grobe Figurenskizzen, wenig Entwicklung der Figuren, Spannungsbogen)
Wo ich mir dringend etwas abschauen will: Die Art wie du im Subtext über soziale Gerechtigkeit sprichst und über religiöse Selbstgefälligkeit und religiös überformte Herrschaftsstrukturen. Das Religiöse wird da auch zur Metapher für eine gesellschaftliche Denkhaltung, die heute durchaus noch im Glauben an Individualkapitalismen fortbesteht, also was vor einigen Jahren als Neoliberalismus treffend beschrieben wurde, heute mit dessen Kritik vielleicht schon fast wieder fertig ist.
Das ist schon spannend. Schau dir unbedingt noch @Kellerkind s und @kiroly s Kommentare an. Die Sammlung ist fast komplett. Es fehlt eigentlich nur noch eine Stimme, die den Text sozialkritisch und deswegen scheisse findet. :D
Ich werde mich in meiner Antwort an Kellerkind ausführlicher dazu äussern. Aber da muss ich noch etwas darüber nachdenken, das fordert mich heraus. In meiner Abneigung gegen moralinsaure Mitleidsgeschichten bin ich ja vielleicht übers Ziel hinausgeschossen und habe einen Sozialporno ins Forum gestellt. Ich muss das für mich noch klären, bin aber mal froh, dass du meine Absicht erspürt hast.
vor dem Hintergrund der besonderen Herausforderung des historischen Sujets.
Freut mich sehr. Das war auch einer der Gründe, weshalb ich keine ellenlange Geschichte daraus machen wollte. Dieser Herausforderung hätte ich mich nicht gewachsen gefühlt.
Gibt es da also noch irgendetwas dran zu feilen, frage ich mich. Ich denke da gibt es etwas. Für mich sind das Einstieg und Ausklang deiner Geschichte.
Ja, das sind zwei gute Punkte. Beim Einstieg sehe ich noch nicht so direkten Handlungsbedarf, das ist vielleicht meine Art, in einen Text hineinzugehen, ich mag es lieber etwas ruhiger, sodass sich die Leser schon mal ein Bild vom Setting etc. machen können.
Beim Schluss bin ich ganz bei dir. Ich habe schon beim Schreiben das Gefühl gehabt, dass da mehr gehen sollte. Ich habe mir das angeschaut, aber mir ist einfach nichts in den Sinn gekommen. Da fehlen unter Umständen bloss zwei Sätze oder so. Ich behalte das auf alle Fälle im Auge, gut, dass du den Finger draufgelegt hast.

Vielen Dank für diesen wunderschönen Kommentar!

Lieber Gruss
Peeperkorn
 
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Hallo @Kellerkind

Die Figuren sind glaubwürdig, allerdings bleiben sie mir beide etwas zu eindimensional. Das ist immer so eine Ermessenssache, wie tief ein Charakter in einer Kurzgeschichte ausgearbeitet werden sollte. Für mich hätte es ein bisschen mehr sein dürfen.
So wird zum Beispiel kaum Spannung aufgebaut.
Da ist mir zu wenig Konflikt.
Bezüglich Tiefe der Figuren hatte ich ähnliche Rückmeldungen (nicht aus dem Forum) zu meinem ersten Totentanz-Text, der von der Länge her mit diesem hier vergleichbar ist. Ich müsse aufpassen, dass meine Figuren nicht zu Karikaturen verkommen, wurde gesagt. Das ist tatsächlich eine Schwierigkeit, die mit dem ganzen Projekt des Totentanzes zusammenhängt. Dieser Text hier sollte zum einen (im Kontext des gesamten Projekts) nicht allzu lange werden und da ist Figurenzeichnung nicht einfach. Ich habe mir sogar kurz überlegt, den Text unter Flash Fiction einzustellen, um mir solche Kritik zu ersparen.
Zum anderen ist es wesentlich für die Totentänze, dass die Figuren (meistens Geistliche und Berufsleute) idealtypisch gezeichnet werden. Man soll sich im Memento mori ja wiedererkennen. Das übernehme ich ein Stück weit, wähle den typischen Gelehrten, den typischen Handwerker etc. Natürlich versuche ich, die Figuren individuell zu gestalten, aber sie bleiben halt immer auch ein wenig Typ.

Dasselbe gilt für die Spannung. Ich versuche schon zu variieren, aber das Ende bleibt sich halt immer gleich, in diesen Totentänzen. Ja, diese Texte sind eindeutig nicht auf Spannung ausgerichtet, auch nicht unbedingt auf Konflikte. Ich sehe das schon. Und meine passiven Protagonisten werden mir eh immer wieder um die Ohren gehauen. Klingt nach Ausrede, aber diese Elemente einer guten Geschichte im klassischen Sinne stehen für mich im Rahmen des Totentanz-Projekts nicht im Vordergrund.

Was sind die Gründe?
Nun, zum einen wird die Armut, die ja ursächlich für die Situation der Figuren ist, als eine Naturgewalt hingestellt. Die Unterteilung in Oberschicht, Besitzende und Unterschicht wird kaum thematisiert. So gibt es auch keine Verantwortlichen, die als Antagonisten funktionieren könnten. Weder die Diktatoren dieser Zeit, noch ihre Werkzeuge und das Gesellschaftssystem werden infrage gestellt.
Die Lebensumstände der Armen werden zwar geschildert, aber durch die Charakterisierung von Valentin schwingt ein Hauch von Dickens durch den Text: Es sind zwar bedauerliche Kreaturen, aber in letztendlich selbst an ihrem Schicksal schuld.
Natürlich juckt mich das, wenn du anschliessend von einem unangenehmen Beigeschmack sprichst. Ich könnte jetzt erklären, wo ich bei Wahlzetteln mein Kreuzchen setze und was meine hehren Absichten waren und so weiter und so fort. Bringt alles nichts, denn das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Man muss über den Text sprechen und nicht über meine Absichten.

Da könnte ich zunächst darauf verweisen, dass das Thema derart eindeutig sozialkritisch ist, dass sich die Frage nach sozialkritischen Elementen erübrigt: Menschen verstümmeln sich selbst, um an Geld zu kommen. Welches soziale System lässt so etwas zu? Auf diese Frage läuft der Text doch hinaus, meines Erachtens. Deine Bemerkung, es fehle die Sozialkritik, hat mich daher ziemlich überrascht, gelinde gesagt.
Aber auch das reicht nicht, den Text gegen deine Kritik zu verteidigen. Sozialpornos auf RTL zeigen ja auch Elend und Schmerz und ich bin sicher, deren Produzenten würden Floskeln wie «die Realität zeigen, wie sie ist» und «auf Missstände aufmerksam machen» in den Mund nehmen, um diese reaktionären Machwerke zu verteidigen.

Daher versuche ich zwei, drei Passagen aus dem Text zu zitieren, die zum einen auf die herrschenden Instanzen verweisen, zum anderen zeigen, dass die Figuren keineswegs selbst an ihrem Schicksal Schuld haben.

Da ist zunächst der Titel. Ich hoffe, es wird deutlich, dass der Ausdruck «Betrüger» im Verlauf der Geschichte seine eindeutigen Referenzobjekte (Ingrid und vor allem Valentin) verliert. Valentin nennt nämlich die Propheten und Herrschenden Betrüger und das sollte doch auch dem Leser zu denken geben, wer hier wen betrügt. Am Ende wird Ingrid (von ihren Sinnen / von der Religion) betrogen, ich persönlich lese den Schluss als pseudoversöhnlich.

Folgende Passagen stellen das Ganze in einen grösseren sozialen Kontext.
Den Bettelvogt haben sie gesehen, kaum waren sie in der Stadt. Durch die Gassen ist er gestapft, in weißen Strümpfen, die Hände auf dem feisten Wanst. Wer kein Zeichen hat, wandert ins Schellenhaus.
Ein Bettlerzeichen bekommen nur die Siechen und die Krüppel.
Die Hand haben sie sich angesehen, sie solle noch einmal wiederkommen, haben sie gesagt, und in den Büchern haben sie nachgeschaut, ob sie wirklich in der Stadt geboren ist.
Mir scheint, die disziplinierende Machtausübung der herrschenden Schichten komme hier durchaus zum Ausdruck.

Dann zur Frage, ob Ingrid an ihrem Schicksal Schuld hat:
Und da hat ihr der Herr, dem sie gedient hat, den Becher an den Kopf geworfen und sie aus dem Haus geprügelt,
Das scheint mir ebenfalls ziemlich klar beantwortet. Natürlich habe ich mir überlegt, ob ich auch noch schreiben muss, wie sie sich eine neue Stelle gesucht hat, wie sie verzweifelt an die Türen klopft etc. etc. Aber wie gesagt: Wer trennt sich freiwillig und aus Leichtsinn zwei Finger ab? Gemäss dem Motto, dass es besser ist, seine Protagnoisten handeln zu lassen, statt sich ewig zu erklären, dachte ich, die Handlungsweise mache den Druck genügend spürbar, der auf ihr lastet. Und da ist ja auch noch die persönliche Abhängigkeit von Valentin. Ist halt auch nicht immer alles nur soziologisch erklärbar, finde ich.

Valentin durchschaut im Übrigen die herrschenden Verhältnisse:
Er sagt: Der Betrüger hat ein Interesse an der Unwissenheit des Volkes.
Natürlich ist Valentin eine etwas provokative Figur. Ich finde ihn übrigens nicht bildungsfern, im Gegenteil, er spricht ja beinahe schon aufklärerische Gedanken aus, wenn er über die Unwissenheit des Volkes referiert (und dabei aus einem Buch zitiert, das erst viel später erscheinen wird).

Aber ich sehe schon, dass er «selbst an seinem Schicksal Schuld zu sein» scheint, weil er das Bettlertum auch feiert. Ich will jedoch zwei Relativierungen vorbringen, auch wenn diese ein Stück weit einander widersprechen:
Zum einen war das Betteln vor der Reformation nicht so sehr geächtet und es gab durchaus Leute, die Stolz darauf waren, nicht zu arbeiten (Arbeit galt ja als Strafe für die Vertreibung aus dem Paradies) und eben frei zu sein und davon geben die Bettlerlieder Zeugnis. Ich habe gelesen, dass in gewissen Zeiten bis 20% der Bevölkerung sich so durchgeschlagen hat. Deren Stigmatisierung erfolgte erst im Zuge der Aufwertung der Arbeit durch die Reformation und die Installation der neuzeitlichen Zwangsgesellschaft. Ich fand es jedenfalls spannend, einen solchen Bettler «alter Schule» auftreten zu lassen, auch wenn das vielleicht politisch unkorrekt erscheinen mag.
Zumindest vordergründig. Denn Valentin hat zweitens einen krummen Fuss und es stellt sich durchaus die Frage, ob sein Bettlertum tatsächlich von ihm so gewählt wurde – ungeachtet dessen, wie er selbst das darstellt. Also, ich finde, der Text ist insgesamt ziemlich weit weg von einer Romantisierung des Bettelns.

In einem gebe ich dir auf alle Fälle recht, der Text betreibt keine Ursachenforschung und in diesem Sinne ist es auch kein sozialkritischer Text. Wiederum muss ich sagen: So ein Text sollte das auch nicht werden. Ich habe jedoch schon darauf gehofft, dass die oben zitierten Passagen genügend Hinweise geben, um den Text so zu lesen, wie ich mir das wünsche, ohne dass ein übler Beigeschmack entsteht. Das hat in deinem Fall offensichtlich nicht gereicht, ich habe aber beschlossen, diesbezüglich nicht nachzubessern.

Gefreut haben mich deine Anmerkungen zur Sprache. Immerhin. Das macht mich zuversichtlich, in Zukunft Texte schreiben zu können, die sprachlich überzeugen und deine oben genannten Kriterien erfüllen. Das werden dann aber wohl eher längere Texte sein, ich denke, Figurenzeichnung, Figurenentwicklung, Konflikte, Spannungsentwicklung und das Zeichnen von sozialen Rahmenbedingungen braucht etwas Raum, bzw., ich befürchte, das kriege ich in so kurzen Texten nicht hin.

Vielen Dank für deine Rückmeldung, die hat mich zum Grübeln gebracht.

Lieber Gruss
Peeperkorn
 
Wortkrieger-Team
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Hej, Peeperkorn,
ich fang mal mit meiner Schimpfe an, keine Angst, sie ist nur kurz, denn ansonsten find ich deinen Text hervorragend.
Das Kleid der Frau ist blau, die schwarze Brosche groß wie das Auge einer Kuh. Darauf starrt Ingrid, während die Frau mit zittriger Stimme zu ihr spricht.
Weiter hinten ist deine Sprache wahnsinnig souverän, kein Wort zu viel, keines zuwenig, jedes Beistrichelchen sorgt für den entsprechenden Rhythmus, nur hier der Anfang, der funzt für mich nicht.
Dieses Darauf starrt Ingrid ruckelt in meinen Leseaugen, das kann aber auch Geschmackssache sein. Nur beim Rest ist das anders, ich kann es nicht richtig erkären oder beweisen, es ist so, als überlagerten sich die Bilder hier so ein bisschen. Du willst ja den Blick auf Ingrid lenken, wie sie diese Brosche anstarrt, während die Frau zu ihr spricht. Würde denn Ingrid nicht direkt diese Brosche anstarren, sich von ihr wie hypnotisiert fühlen, eben nur die Brosche und nur die sehen, und würde sie denn wirklich dabei bemerken, dass das Kleid der Frau blau ist? Mich stört der Umweg über das Kleid, das durch die Benennung der Farbe so ein wenig hervorgehoben ist.

Aber das ist auch das einzige.

Ansonsten schnürts einem schon den Atem weg. Wie devot, wie angepasst und gehorsam Ingrid ist. Wie sehr ihr der Glaube ein Trost ist, ein Trost, der ihr einen Sinn verschafft, eine trügerische Art von Idylle und Aufgehobensein. Ich bin nicht gläubig, kenne viele sehr freundliche und liebe gläubige Menschen, die immer ganz entsetzt sind, wenn ich mit ihnen über Religion und ihre Funktion streite.
Für das unterworfene Volk einer feudalistischen Herrschaft, in dem sich dein Text ja ansiedelt, und ich sage mal frech, nicht nur für die, hat Religion eine sehr unterdrückerische Funktion, sie passt an und macht gehorsam, eine Ingrid stellt nichts in Frage.
Die beiden sehr unterschiedlichen Protagonisten fand ich sehr spannend. Da ist Valentin, der ja ziemlich schlau ist und durchblickt, der für Ingrid eine Art Beschützer ist, aber wie gewalttätig und grausam ist er andererseits auch. Und Ingrid, naja, natürlich geht einem ihr Schicksal nahe, aber man kriegt eben auch so ein bisschen Zorn, wie schafsgläubig sie ist. Und wie sie sogar am Ende noch von ihrem Glauben veräppelt wird. So lese ich das halt.

Peeperkorn, ich wills kurz machen, die Zeit drängt mich, das ist ein Wahnsinnstext, den ich empfehlen mag. Da sitzt für mich alles. Ich mach es aber erst morgen.

Bis dahin und ach ja, noch was: Dein Buch habe ich zum Geburtstag bekommen, es liest sich verdammt, verdammt gut.
Lass es dir gut gehen.
Novak
 
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Hallo Peeperkorn,

Ich sage mal wenig Konstruktives und schließe mich schlicht dem wohlverdienten hier Lob an. Das ist sprachlich sehr gut gemacht, in der relativen Knappheit sehr dicht und auf eine schmutzige Art poetisch. Die Szene, als sie vor der Stadt auf der Wiese liegen, finde ich großartig, auch wie sie da über ihren (knappen) Dialog und die Handlungen charakterisiert werden.

Mit dem Einstieg:
Das Kleid der Frau ist blau, die schwarze Brosche groß wie das Auge einer Kuh. Darauf starrt Ingrid, während die Frau mit zittriger Stimme zu ihr spricht.
... bin auch ich nicht vollkommen glücklich, das klappert für mich immer noch im zweiten Satz. (Einstieg mit dem Verwieswort "darauf".) Das ist aber Jammern auf seeehr hohem Niveau.

Toller Text!

Schöne Grüße
Meridian
 
Wortkrieger-Team
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07.09.2014
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Lieber @Peeperkorn ,
das ist die erste Geschichte, die mitten in der Zeit spielt, in der die Totentänze entstanden sind, wenn ich nicht irre. Du bist direkt an der Quelle. Während es in den anderen Geschichten diese "mittelalterliche" Irritation gibt, dass der Tod jeweils personifiziert wird, dass die Art des Sterbens etwas mit dem zu tun hat, was man ist und wie man gelebt hat, erscheint das Ganze hier aus einem Guss.

Ich musste an das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern denken, da ist der Tod auch das Schönste am Leben. Und mich überkam eine große Dankbarkeit für die sozialen Errungenschaften in unserer Gesellschaft, was sicher auch mit der aktuellen Situation zu tun hat. Ein fehlender Geruchssinn, der direkt ins Elend führt, was für eine Idee.
Ich finde die Lesart von Novak interessant, die Religion als der große Betrug, mit dem das Volk unmündig und folgsam gehalten wird. Und doch fand ich am Ende, nach all der Empörung, Trost in der Vorstellung, dass Ingrid jetzt vom kleinen Felix in den Himmel geholt wird. Ich bin zwar auch schon ewig aus der katholischen Kirche ausgetreten, aber die Geschichten, mit denen wir aufgezogen wurden, sitzen eben tief.
Valentin ist wahrscheinlich schon mit dem Klumpfuß geboren, er hat seine Kämpfe geschlagen und hat bisher überlebt, er bewegt sich in diesem Leben wie ein Fisch im Wasser. Ingrid ist für ein Leben als Dienerin erzogen worden. Aus diesem Leben wird sie vertrieben. Und schon in der ersten Szene wird deutlich, dass sie nicht für das Leben auf der Straße gemacht ist, dass sie zu weich ist.
Anders gelesen hat der Valentin ja viel von dem, was im Mittelalter mit dem Teuflischen verbunden wurde, den Klumpfuß eben, er ist ein Betrüger und er leugnet Gott und er denkt auch noch selber, während Ingrid etwas von einer Märtyrerin hat, einschließlich der Bereitschaft zur Selbstverstümmelung, auch wenn das nur ihrem Überleben dienen soll. Ihre Gedanken, Wünsche und vor allem ihre inneren Bilder zählen in ihrer Welt nicht, werden aber in dieser Geschichte sichtbar gemacht.

Mir gefallen die ersten Sätze jetzt sehr gut, nachdem du sie verändert hast. Die sind gleichzeitig hypnotisch und sperrig und reißen einen rein in die Perspektive von Ingrid. Vielleicht ist das "schwarze" noch entbehrlich.

Ich wünsche dir schöne Ostertage, lieber peeperkorn.:)

Herzliche Grüße von Chutney
 
Senior
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18.06.2015
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Hey @kiroly

Dein Gefühl für Sprache, für Nunancen macht sich nicht nur in deinen Texten bemerkbar, sondern auch in den Kommentaren. Fand ich sehr schön zu lesen, vielen Dank!

Hier gefällt mir das Fehlen der Anführungszeichen. Die wörtliche Rede bettet sich in den Text ein, in die Situation. Ich weiß nicht, ob das so gewollt ist, aber durch solche Details stärkst du die krude Einheit. Im zweiten Satz ist mir nicht klar, ob die Frau das denkt oder spricht. Aber für deinen Text darf das nicht klar sein; es muss bewusst unklar bleiben.
Ja, ich denke, der Effekt kann recht gross sein, wenn man die Zeichen weglässt. Mit gefällt es, mit beiden "Systemen" zu arbeiten. Zur Frage, ob nach dem Fragezeichen noch ein Komma kommt (Bist du bereit? fragt Valtenin), habe ich hier schon Diskussionen geführt. In Büchern findet man alle Varianten (zum Teil sogar innerhalb desselben Buchs). Mir gefällt die puristische, die sich mit einem Zeichen begnügt.
Die Julisonne dörrt ihren Leib aus, der Husten ist trocken.
Vielleicht entsteht mit bleiben eine "Kontinuität des körperlichen Leidens".
Ja, sehe den Punkt, aber ich wollte da auf Veränderung hinaus. Der Juli dörrt den Leib aus, der Husten ist trocken geworden.
Ich weiß nicht, ob klauben als Synonym zu pflücken, pulen, sammeln in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz aktiv verwendet wird, hier im Leipziger Tiefland definitiv nicht.
Nein, wir verwenden das auch nicht aktiv.
Als ich deinen Text gelesen habe, habe ich mich gefragt, was deinen Text so gut macht, was diesen Sog generiert. Hier ein kleines Detail: Der Betrunkene tanzt um eine Pappel. Er tanzt nicht um eine Eiche, eine Linde, einen Rotahorn, er tanzt um eine Pappel. Einhundert Leute haben wir gefragt: Nennen Sie einen dummen Baum. Neunundzeunzig haben geantwortet: Pappel.
Hehe. Hatte ich nicht auf dem Radar. Ich habe einfach nach "Baum" und "am Wasser" gegooglet und mir was ausgesucht. Was ich mir anrechnen kann, ist allenfalls die Suche nach dem konkreten Gegenstand.

Allerdings stockte ich an dieser Stelle auch: Im Absatz zuvor wird von Kohldampf und Hunger gesprochen; Absatz und plötzlich konnten sie sich Brot besorgen und haben Wein entdeckt. Auf mich wirkte das beim ersten Lesen zu überraschend.
Ja, ich wollte hier mittels dieses Sprungs Valentin weiter charakterisieren. Zunächst lacht er Ingrid aus und nennt sie eine Muß. Offenbar im nächsten Moment besinnt er sich dann aber und merkt, dass sie tatsächlich was zu essen braucht und dann ist er bereit, sich darum zu kümmern. Ich wollte also Valentin damit etwas weicher zeichnen, als er sonst daherkommt. Aber vielleicht ist das um zu viele Ecken gedacht.
Ingrid hebt das Kleid hoch und steigt ins Wasser. Der Leib ist das abscheuliche Gewand der Seele. Sündig bin ich, Muttergottes, voller Schleim und Blut und Gallert.
Eine tolle Stelle, die zum Anfang des Textes kitschig und überfrachtet geklungen hätte (glaube ich), jetzt aber, nach einigen Absätzen, ihre volle Wucht entfaltet. Auch folgt der Satz auf eine sinnliche, schöne Beschreibung (Maiglöckchen) und so kontrastiert der Glaube brutal und hart den Leib Ingrids.
Vielen Dank. Der Text ist an einigen wenigen Stellen ja auch Collage. Das abscheuliche Gewand der Seele ist ein Ausspruch eines Papstes, ich hab vergessen, welcher. Und Schleim und Blut und Gallert stammt vom heiligen Odo von Cluny, 10. Jh., aus seinen Reflexionen über das Wesen der Frau.
Oder sagt man Muttergottes südlich der Mainlinie? Hier im entchristlichten Osten definitiv nicht.
Hm, ist lange lange her, seit ich jemanden dieses Wort aussprechen gehört habe. Es gibt auf alle Fälle beide Varianten, als Kind habe ich das schon als ein Wort gelernt.
Den - nennt man das so? - soziokulturellen, sozioökonomischen, gesellschaftlichen Hintergrund habe ich aus deiner Geschichte gar nicht so stark herausgelesen. Ich empfinde deinen Text nicht als sozialkritisch, muss er auch nicht sein. Er lebt vom realistischen Eindruck, den er auf mich vermittelt hat.
Wie ich Kellerkind geschrieben habe, war ich zumindest bemüht, den Text nicht als blosse Bilderorgie der Gewalt zu konzipieren und zumindest den einen oder anderen Hinweis auf die sozialen Umstände und auch Ursachen zu geben. Eine eigentliche Ursachenforschung oder eine begriffliche Reflexion gibt es aber nicht, und so würde ich auch sagen, dass der Text nicht sozialkritisch im engeren Sinne ist.

Dein Besuch hat mich sehr gefreut. Vielen Dank für deine Zeit!

Lieber Gruss
Peeperkorn
 
Wortkrieger-Globals
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02.02.2004
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2.968
Hallo @Peeperkorn

Vollmundig habe ich versprochen, später noch mehr ins Detail zu gehen, und nun hast du inzwischen so tolle und kluge Rückmeldungen erhalten, nebst einer wohlverdienten Empfehlung, so dass ich mich kaum getraue, da noch was anzukritteln. Aber henusode ...

Das Kleid der Frau ist blau, die Brosche groß wie das Auge einer Kuh. Ingrid starrt darauf, während die Frau mit zittriger Stimme zu ihr spricht.
Die Straffung hat hier dem Einstieg enorm gut getan. Es reicht das adlige Blau zu erwähnen. Sehr gut,

Einen Laib Brot haben sie sich besorgt und so viel Wein getrunken, dass Valentin um eine Pappel tanzt, den krummen Fuß über den Boden schleift.
Hier ist mir wie @kiroly der Sprung von nichts zu plötzlich Haben auch aufgefallen. Du erklärst das mit einer Kehrtwendung Valentins hin zu Mitgefühl für Ingrid. Das kommt jedoch nicht rüber. Villeicht wenn du statt beide nur Valentin die Lebensmittel ergaunern lässt, so quasi, schau, ich hab für uns Brot und Wein besorgt. In andern Worten natürlich, aber ja, dann würd ich Valentins Fürsorge spüren.

Die Kapelle liegt auf einem Hügel zwischen Fluss und Stadt. Dreimal gehen sie um das Kirchlein herum, es ist niemand hier um diese Zeit.
Bist du bereit? fragt Valentin.
Ingrid nickt. Sie blickt nach oben zum Tympanon und da erhebt der heilige Michael das Schwert. Des Engels goldene Rüstung glänzt. Und siehe, auf seiner Linken hat der Menschensohn die Böcke versammelt, die Diebe und Mörder, die Huren und Betrüger. Ketten liegen um Hälse, einer hängt mit der Zunge am Galgen, andere stürzen kopfüber in die Hölle, den Dämonen ins offene Maul.
Da staunte ich, was so eine Kapelle (O-Ton: Kirchlein) auf dem Hügel doch für ein stattliches Portal hat. ;)

Peeperkorn schrieb:
kiroly schrieb:
Oder sagt man Muttergottes südlich der Mainlinie? Hier im entchristlichten Osten definitiv nicht.
Hm, ist lange lange her, seit ich jemanden dieses Wort aussprechen gehört habe. Es gibt auf alle Fälle beide Varianten, als Kind habe ich das schon als ein Wort gelernt.
Ich kenne es von meinem (durch katholische Heirat) erweiterten Umfeld ebenfalls als ein Wort, sogar Duden empfiehlt die Zusammenschreibweise: Duden | Muttergottes.

Der Junge lächelt, seine Wangen sind rot.
Hier hast du die roten Wangen ergänzt. Wolltest du damit die Gesundung hervorstreichen, oder eher ein weltliches Erröten? Wie wäre es mit seine Wangen leuchten rosa, so wie bei Puten. Verbindung ins Jenseits. Na, vlt. schiess ich jetzt aber übers Ziel hinaus.

Ein ganz toller Text, der zum Mehrfachlesen einlädt und dabei nichts an Kraft verliert.

Liebe Grüsse
dot
 
Mitglied
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16.04.2016
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Hallo @Peeperkorn
danke für Deine ausführliche Antwort.
Was die Figurentiefe betrifft: Ich dachte mir schon, dass es eine bewusste Entscheidung war, nur wesentliche Merkmale der Protagonisten herauszuheben. Ich hadere selbst mit mir, wie detailliert ich in meinen Texten die Figuren einer Kurzgeschichte zeichnen sollte. Vielleicht ist es mir im ersten Moment negativ aufgefallen, da Deine Erzählweise meine Neugier weckt, sodass ich nun auch mehr über diese Welt und ihre Bewohner erfahren will.
Also: Schreib einen Roman!

Über die Haltung eines Textes und seine Wirkung könnte man sicher ausschweifend diskutieren. Ich befürchte, so eine Diskussion würde sich verselbstständigen und die Ebene dieses Textes verlassen. Andererseits will ich Deine Ausführungen nicht lapidar wegwischen, deshalb formuliere ich ein paar Gedanken dazu, ohne den Ehrgeiz, überzeugen zu wollen.
Ich weiß, dass es genügend Leser gibt, die gerade die von Dir zitierten Textstellen anders auffassen würden. Und ich rede nicht von ultrakonservativen Neoliberalen, sondern von progressiven Bildungsbürgern mit denen ich beruflich und privat viel zu tun habe. Sozialpolitisches Engagement, ohne den Willen zur grundsätzlichen Veränderung, verlangt nach einer moralischen Rechtfertigung für systemische Ungerechtigkeit. Das grobschlächtige Wesen Valentins entspricht eben der Klischee-Welt, in der auch alkoholkranke Obdachlose, Drogen-verkaufende Afrikaner u. a. zuhause sind.
Wenn ich es recht verstand, wird unser lieber Herr Jesus als Betrüger entlarvt. Nun wird der Christ sagen: Wer das Böse im Herzen trägt, kann den Heiland nicht erkennen – und Valentin ist definitiv kein netter Kerl. Auch im Mittelalter wurden Ehefauen nicht grundsätzlich wie Huren bestiegen. Wozu ist es nötig, Valentin diese unangenehme Seite anzudichten. Bin ich zu romantisch, wenn ich mir wünsche, dass bei all dem Dreck, der unvorstellbaren Armut und der gesellschaftlichen Verachtung wenigstens die Beiden einander etwas Halt und Liebe geben? Oder ist das Bettlervolk gar nicht zu zivilisiertem Verhalten fähig? Gleich der Tiere? Und wieso versuchen die Beiden nicht einmal, mit ehrlicher Arbeit über die Runden zu kommen? Meine Güte; sind die etwa so faul, dass die sich lieber die Finger abhacken?
Und das ist, glaube ich, der Grund für den Beigeschmack. Natürlich muss man nicht mit dem erhobenen Zeigefinger predigen, wie inhuman dieses System der sozialen Schichtung war (und noch ist). Aber durch die Darstellung des Valentins und, in geringerem Maße, seiner (unerträglich) passiven Frau, erhält das Bild Schlagseite in eine unbeabsichtigte Richtung. Wer denkt nicht bei solchen Typen, ähnlich wie in den gefakten Doku-Soaps, na die haben das schon irgendwie selbst verschuldet.
Nicht Valentin hatte ich mit den "Bildungsfernen" gemeint. Sondern die heutige Unterschicht, deren Armut mit ihrer vermeintlichen Faulheit und selbstverschuldetem Bildungsmangel gerechtfertigt wird. Ich habe gestern erst in einem Forum gelesen, wie ein Großteil der Foristen forderten, dass Arbeitslose zur Spargelernte gezwungen werden. Natürlich nur für Mindestlohn.
Wie gesagt: Die Diskussion führte an dieser Stelle etwas zu weit.

Ich gratuliere zur Empfehlung!
Trotz meiner kleinlichen Kritik, erkenne ich natürlich, dass großes Können in der Geschichte steckt.
Das wird vor allem bei mehrfachem Lesen deutlich. Dein Stil gefällt mir sehr.
Und die geäußerten Vergleiche mit D. Kehlmann lese ich mit Befremden.
Das hier ist weit besser, weil ich an keiner Stelle den Eindruck verschwurbelter Eitelkeit gewinne.

Schönen Gruß!
Kellerkind
 
Senior
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Die Lebensumstände der Armen werden zwar geschildert, aber durch die
Charakterisierung von Valentin schwingt ein Hauch von Dickens durch den
Text: Es sind zwar bedauerliche Kreaturen, aber in letztendlich selbst an
ihrem Schicksal schuld.
Kellerkind​

Alles schon gesagt oder doch zumindest angedeutet,

lieber Peeperkorn -

selbst einem Einwurf (und dann tatsächlich noch einem) von Kellerkind muss ich zustimmen (s. o.) – was der Erzählung und vor allem der Empfehlung keinen Abbruch tut (umso mehr, als ich als junger Mensch Dickens geradezu gefressen hab), denn – kein Beinbruch, aber dergleichen passiert, wenn es heißt
Ich habe Kohldampf, sagt sie.
„Kohldampf“ taucht – egal, ob Deutsch, Welsch, Jiddisch oder Rotwelsch (= Gaunersprache) erst um1835 auf*, und selbst wenn durch die von-Steinschen-Reformen die Leibeigenschaft abgeschafft wurde, wurde Kinderarbeit zunächst erst in Preußen (1839) immerhin näherungsweise abgeschafft (ganz gut im Netz der Beitrag zum „Preußischen Regulativ“), wenn auch nicht aus humanistischen Erwägungen. Die lieben Kleinen taugten nicht mal mehr zum Strammstehen und das sollte Kanonenfutter zumindest können (dass sich Landwirte einen Scheiß darum kümmerten, ist ein anderes „ständisches“ Problem!). So ergibt sich auch für Turnvater Jahn ein anderes Bild und die Landwirtschaft verweigerte sich erst recht diesem neumodischen Krams.

Aber auch hier
Bist du bereit?[,] fragt Valentin.
greift Kellerkind korrekt ein. Wie es da steht, muss eigentlich seit karolingischer Zeit „fragt“ mit Majuskel beginnen.

Genug für heute, denn eigentlich wollt ich nur zur berechtigten Empfehlung gratulieren, die Gitarre nach Jahr und Tag mal wieder rausgeholt und Little Red Rooster gespielt, ist mir doch in meinem copywrite Brian Joes übern Weg gelaufen ...

Tschüss und frei nach dem konsequentesten Menschen, den ich erleben durfte, Wolfgang Neuss

fröhliche Ostern und fröhliche Western!

Friedel

* Mein J, hab ich eine Quelle vergessen anzugeben, diesmal nicht die Brüder Grimm, sondern
"„Kohldampf“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache>, abgerufen am 12.04.2020.
 
Zuletzt bearbeitet:
Senior
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21.12.2015
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Lieber @Peeperkorn ,

ich bin leider ein bisschen spät dran. Die wichtigen und richtigen Dinge sind schon gesagt. Der Totentanz geht also der Vollendung entgegen. Es war klar, dass du auf die geschichtlichen Quellen zurückgreifen würdest. Und die sind es, die in meiner Familie interessante Diskussionen ausgelöst haben. Da siehst du, wie nachhaltig deine Texte wirken ;).

Valentin reißt Stängel aus der Erde und wirft sie ihr ins Gesicht. Hier, sagt er und lacht. Friss, du dumme Muß!
Da ist kein Junge, du dumme Muß.

Zuerst dachte ich, ein Tippfehler. aber einem Peeperkorn passieren solche Fehler nicht. Also schauen, ob es eine Erklärung gibt. Gibt es.
Also habe ich das Rätsel meiner Familie vorgelegt. Wir alle sind schwäbisch-alemannischer Herkunft, teilweise in Konstanz zu Hause und beruflich Grenzgänger in die Schweiz.

Die beiden Enkel (15 und 13) tippten sofort auf: du dumme Nuss! Großes Erstauenen, dass nicht.
Meine Schwiegertochter grübelte dann darüber nach, in welche der untersten Sprachsschubladen die Bezeichnung einsortiert werden könnte. Da du sie dem Valentin in den Mund gelegt hast, wohl eher in eine der untersten. Oder war es eine ständeunabhängige gebräuchliche Bezeichung für Dirnen, Huren und Co? Es kam ein eine beträchtliche Sammlung weiterer Ausdrücke zusammen. Die Kids waren voll bei der Sache. Ein schöner Frühabend auf der Terrasse, zwei Meter Abstand zur Oma.

Den Bettelvogt haben sie gesehen, kaum waren sie in der Stadt. Durch die Gassen ist er gestapft, in weißen Strümpfen, die Hände auf dem feisten Wanst. Wer kein Zeichen hat, wandert ins Schellenhaus.
Da wüsste ich gerne, ob diese Einrichtung allgemeingültig in Schweizer Städten war, und ob sie überall so brutal umgesetzt wurde. Almosen geben war an sich eine ritterliche Tugend. In den kirchlichen Einrichtungen gab es oftmals die einzigen sozialen Hilfen.

Der Tod als Erlösung. Dieser Aspekt ist wohl ein pandemisches Axiom.

Liebe Grüße, gerade auch an Ostern
wieselmaus
 
Mitglied
Beitritt
11.04.2020
Beiträge
26
Dein reduzierter Schreibstil passt sehr gut zum Bildungshorizont deiner Protagonisten. Mir gefällt, dass du auf ungebräuchliche Ausdrücke verzichtest, um einen mittelalterlichen Flair zu erzeugen. Außerdem mag ich deine konsequente Vermeidung von Adjektiven. Mich stört lediglich Valentins Leibesfülle. Adipositas als Stigma der Armen gibt es erst seit der Neuzeit. Ich bezweifle, dass ein Bettler im Mittelalter fett werden konnte.

Guter Text! Danke fürs Teilen.
 

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