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  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

Bier und Harn

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Bier und Harn

Auf einer neulich verweiterten Zeranda sitzt zermürblich das alte Quentnerpaar auf ihrem gemeinsamen Schierlingsplatz, der Bolliwutz-Wippe.

Der Fremdseher läuft. Ein Progrom auf den Dritten.


„Der linke Bellmatiner hat mindestens einen Plock zu wenig!“, fleucht Harnes mit zitterndem Stamm. „Siehst du das? Siehst du das, Bier?“

Woraufhin Biergitte antwortet: „Nein.“

„Unser alter Lassi hatte doch mindestens holundert!“, fabumentiert Harnes weiter. „Und gewachst war der Schweinsbube ..., min-des-tens mit Hundertwasser!“

„Ja“, schabt Biergitte. „Und seine Hufe …, immer schnatzte er damit durch den Saum. Ach, das habe ich gar gehört.“

Sehen kann Biergitte nicht, denn sie ist blond.

Die beiden passen gut umeinander, denn blond ist auch das Hühnerauge von Harnes.

„Ein Hammer, dass er gestorben ist ...“ Harnes legt in seinen Zimmerungen nach. „Über, war der Lassi. Ganz ein Flieger. Aber auch ein Möwer unter den Atzen. Habe ich dir eigentlich ehemals von dem Flitsch verzählt, der beim Lassi zum tragen kam?“

„Ja, der hatte ständig Magendarm.“

„Neinein, das Belebnis mit dem Flitsch. Ob ich dir das verzählt habe. Röhr doch mal wichtig zu!“

„Ich glaube nein, Harni“, begegnet Biergitte, die inzwitschernd ein Urinalmagazin aufgeschlagen hat.

„Es war ein Kauderwels! Zähne hatte der! Also, die Hauer vom Lassi, weil der ihn aus dem Schuss geschneckt hat. Selmals, Bierchen, als ich mit meinen Pfläumchen beim Hangeln war.“

„Ein Kauderwels? Du hast Joghurt getrunken! Kauderwelse sind zu hoch für die Bisch!“

„Ja, Bierchen, der war viel zu hoch. Kam rausgeschmaucht wie ein Rodeo, da hatte der Lassi Zeit zum finanziern.“

„Was hat der denn finanziert?“

„Na, auf den Kauderwels, der Lassi gebührte, der mit flotter Zung geradezu Hoheit erlangte!“

„Hä? Ach, daher der Gürtel mit Rosen am Rande?"

„Meinst du was? Ich hasse Scheiben! Schau, da keucht die Abendsau.“

Biergitte plustert und schmeißt die Bautzner auf.

„Du bist zu alt für Samenstau!“
 
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Wortkrieger-Globals
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Das ist ja Mal ein fickes Ding, Alter. Ein ruches Experimanent.
Ich hab dir noch den (doppelten) Titel aus dem Text operiert, brauchts nicht.
Wozu hast du Mundart getagt? Ist doch eher Kunstsprache/Schwurbelei. Bräucht es eigentlich auch nicht.

Fazit: Das Rentnerehepaar Brigitte und Hannes, pardon Biergitte und Harnes unterhalten sich Loriotmässig auf der Couch vor dem TV.
Die Episode will entschlüsselt werden, einige Begriffe sind leicht zu erraten, andere sind mir (noch) zu kryptisch. Der Weg ist das Ziel, die Handlung zweitrangig. Ich warte noch mit Fragen, vielleicht krieg ich's ja noch hin.

Schön, endlich wieder einmal ein richtiges Experiment.
Gruss dot
 
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Holla @dotslash

Kratzias, Blut verbannt, Kollage :-)

Mit Mundart hast du auf jeden Fall recht, das ist da eigentlich nicht drin. Bevor ich den Text hochgeladen habe, hab ich so oft drüber gelesen und das Gespräch nachgestellt, dass die Schwurbelei in meinem Kopf zu Mundart geworden ist und der Tag mir sinnvoll erschien.

Neben der Richtigdeutung der Geschichte, gibt es noch Stellen, die auf mehreren Ebenen Sinn ergeben (zumindest sollen sie das - bei mehrmaligem Durchlesen im kleinen zu weiterer Knobelei in Eigeninitiative anregen).

Freue mich sehr, auf einen Freund solcher Sache gestoßen zu sein und bin gespannt, wer die Geschichte auflösen kann. Interpretation auch gerne mit pn an mich, damit andere sich nicht verleiten (oder beirren) lassen können. Da wünsche ich natürlich auch dir noch viel Spaß dabei ;-)

Viele Grüße
-Kahasimir
 
Wortkrieger-Globals
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Hei @Kahasimir, uch nachmil.
Britt und Hans

Auf der erweiterten Veranda sitzt gemütlich das alte Rentnerpaar auf ihrem gemeinsamen Lieblingsplatz, der Holliwoodschaukel.

Der Fernseher läuft. Ein Programm auf dem Dritten.

„Der linke Dalmatiner hat mindestens einen Fleck zuwenig!“, flucht Hans mit zitternder Stimme. „Siehst du das? Siehst du das, Britt?“

Woraufhin Brigitte antwortet: „Nein.“


„Unser alter Lassie hatte doch auch mindestens hundert!“, argumentierte Hannes weiter. „Und gewaschen war der Saukerl, mit allen Wassern!“

„Ja“, schnaubt Brigitte. „Und seine Pfoten …, immer tapste er damit durch den Raum. Ach, das habe ich gern gehört.“

Sehen kann Brigitte nicht, denn sie ist blind.

Die beiden passen gut zueinander, denn blind ist auch das Hühnerauge von Harnes. [Der war mir zu flach]

„Ein Jammer, dass er gestorben ist ...“ Hannes legt in seinen Erinnerungen nach. „Folgsam, war der Lassi. Ganz ein Lieber. Aber auch ein Mörder unter den Tatzen. Habe ich dir eigentlich jehmals von dem Fisch erzählt, mit dem Lassie heim kam?“

„Ja, der hatte ständig Magendarm.“

„Neinein, das Erlebnis mit dem Fisch. Ob ich dir das erzählt habe. Hör doch mal richtig zu!“

„Ich glaube nein, Hansi“, begegnet Brigitte, die inzwischen ein Unterhaltungsmagazin aufgeschlagen hat.

„Es war ein Katzenwels! Zähne hatte der! Also, die Hauer vom Lassie, weil der ihn aus dem Fluss geschreckt hat. Damals, Brittchen, als ich mit meinen Enkeln beim Angeln war.“

„Ein Katzenwels? Du hast Joghurt getrunken! Katzenwelse sind zu gross für den Bach!“

„Ja, Brittchen, der war viel zu gross. Kam rausgeschnellt wie ein Rodeo, da hatte der Lassi Zeit zum zupacken.“

„Wo hat er zugepackt?“

„Na, auf den Katzenwels, der Lassie gehörte, der mundflink den Fisch erhaschte!“

„Hä? Ach, daher der Gürtel mit Rosen am Rande?" [Den verstehe ich nicht, wie bring ich bloss die Gürtelrose unter?]

„Wie meinst du das? Ich hasse Streiten! Schau, da kommen die Nachrichten.“

Brigitte gibt dazu ihren Senf. [Von Bautzner ausm Osten, gegoogelt. :D]

„Du bist zu alt fürs Rummachen!“[? Auch den kann ich nicht einordnen, kommt mir irgendwie losgelöst daher, jedenfalls kann ich mir keinen anderen Reim auf Samenstau machen. Hat Britt aber wohl nicht gemeint, oder?]
Soweit meine Übersetzung. Allerdings erscheint mir beim erneuten Lesen und ins Lesbare übersetzen der Text mehr und mehr zu verblassen, will sich irgendwie kein richtiges Aha-Erlebnis einstellen will. Entweder ist die Schweineleber zu seicht, aufgrund der Lesbarkeit zuwenig mutig umgesetzt, oder es bräuchte noch mehr Missverständnisse zwischen den beiden, um dem Tag Humor auszufüllen. So sind die komischen Stellen zum Teil eher flach (Blindes Hünerauge und Biergitte war blond/blind)

Trotzdem, ich hab mich darauf eingelassen und somit war er nicht ganz verkehrt, dein Text. Halt etwas "fluch bestalten".
Gruss dot
 
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Der Fremdseher läuft. Ein Progrom auf den Dritten.
Ja, Glückwunsch, sehr toller Text. Hat was von Dada, wie ich finde. Auch tolle, skurril und ein wenig altmodisch klingende Neologismen drin, die den Text noch weniger verorten, noch obskurer erscheinen lassen. Gefällt mir ausgesprochen gut.

Gruss, Jimmy
 
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Hi @dotslash,

zu 95% liegst du richtig. Ist echt interessant, wie jemand anderes den Text "umdenkt".
Ich glaube ein Problem dabei ist (evtl. aber von jedem Einzelnen abhängig), dass ich verschiedene "Ersatz- und Irreführungstechniken" ganz dreist durchmischt habe, ohne dafür auch nur eine strenge Regel festzulegen. Mein Motiv liegt darin, den Leser zum Schmunzeln zu bringen, zuallererst allein durch den Klang der Wortkombinationen und die Verwirrung. Das soll auch gar kein Ding mit großem Anspruch sein, sondern nur leicht einen Kalauer übertrumpfen. So als Snack zwischendurch, a la Loriot oder auch Heinz Erhardt. Kurz: Es ist lustig, weil es so blöd ist und so absurd klingt. Es ist Quatsch, von vorne bis hinten. Deshalb sind die Namen auch nicht Brigitte und Hannes, sondern tatsächlich Biergitte und Harnes, was unter anderem einen Lacher erzielen soll, als Harnes seine Frau das erste Mal anspricht. Dann die Kosenamen, tatsächlich Bierchen und Harni, das war so eine herrlich blöde Idee, da bin ich nicht drumherum gekommen. Man sollte ja über eigene Witze eigentlich nicht lachen, aber wenn ich mir die beiden und die Situation bildlich vorstelle, könnt ich mich immernoch beömmeln. Weil es blöd ist.


Auf einer neulich erweiterten Veranda, sitzt gemütlich das alte Rentnerpaar auf ihrem gemeinsamen Lieblingsplatz, der Hollywoodschaukel.

Der Fernseher läuft. Ein Programm auf dem Dritten.


„Der linke Dalmatiner hat mindestens einen Fleck zu wenig!“, keucht Harnes, mit zitternder Stimme. „Siehst du das? Siehst du das, Bier?“

Woraufhin Biergitte antwortet: „Nein.“

„Unser alter Lassi hatte doch mindestens hundert!“, argumentiert Harnes weiter. „Und mit allen Wassern gewaschen!“

„Ja“, schabt Biergitte. „Und seine Läufe (oder Krallen) …, immer kratzte/schabte er damit durch den Raum. Ach, das habe ich immer gehört.“

Sehen kann Biergitte nicht, denn sie ist blond.

Die beiden passen gut umeinander, denn blond ist auch das Hühnerauge von Harnes.

(Diese beiden, vorangehenden Zeilen sind reine "Bullshitterei". Gleichzeitig billiger Kalauer in Symbiose mit dem eventuell schlechtesten Blondinenwitz aller Zeiten.)


„Ein Jammer, dass er gestorben ist ...“ Harnes legt in seinen Schilderungen nach. „Über, war der Lassi. Ganz ein Flieger. Aber auch ein Löwe unter den Spatzen. Habe ich dir eigentlich jemals von dem Fisch erzählt, den der Lassi angeschleppt hat?“

(Ein Jammer - bis - Ganz ein Flieger: ist mehrfach deutbar. In Bezug auf "dass er gestorben ist", war der Lassi damals schon "Über". Aber auch "ganz ein Lieber" und ... Moment mal ... vielleicht auch ein Überflieger.)


„Ja, der hatte ständig Magendarm.“

(Billiglacher)

„Neinein, das Erlebnis mit dem Fisch. Ob ich dir das erzählt habe. Hör doch mal richtig zu!“

„Ich glaube nein, Harni“, begegnet Biergitte, die inzwischen ein Boulevardmagazin aufgeschlagen hat.

„Es war ein Kauderwels! Zähne hatte der! Also, die Zähne vom Lassi, weil der ihn aus dem Sprung geschnappt hat. Damals, Bierchen, als ich mit meinen Freunden beim Angeln war.“

(Kauderwels ist in dieser Geschichte der reale Name des Fisches und eine selbstironische Referenz an die Geschichte selbst.)

„Ein Kauderwels? Du hast doch getrunken! Kauderwelse sind zu groß für den Bach!“

„Ja, Bierchen, der war viel zu hoch. Kam aufgetaucht wie ein Torpedo, da hatte der Lassi Zeit zum reagieren.“

„Was hat der denn finanziert?“

„Na, auf den Kauderwels, der Lassi gebührte, der mit flotter Zung geradezu Hoheit erlangte!“

(Wieder zwei mögliche Varianten: "Na der Wels, den Lassi sich schnappte, der (Fisch, der) mit einem großen Sprung weit nach oben gelangte. Na der Wels, den Lassi sich schnappte, der (Hund, der) ebenfalls mit einem Sprung dorthin gelangte und wahrscheinlich tatsächlich eine flotte Zunge hat. Muss ein hoheitliches Gefühl für den Lassi gewesen sein :-) )

„Hä? Ach, daher der Gürtel mit Rosen am Rande?"

(Nur die Götter wissen, was Biergitte verstanden hat, vermutlich etwas ganz Anderes. Die Geschichte ist hier eigentlich schon zu Ende, ich wollte sie aber gerne noch mit einem einfachen Schenkelklopfer in Gedichtform zum Ende führen. Ab hier sind ihre Worte so, wie sie sie sagt. Hier liegt wohl ein Fehler vor, ich hätte wahrscheinlich von vornherein Biergittes Beiträge aus der Absurdität ausschließen sollen, damit man sich hier nicht verzettelt)

"Weißt du was? Ich lass es bleiben! Schau, da läuft die Tagesschau."

(Harnes wird bewusst, dass Biergitte meint, er hätte ihr gerade ein feucht-fröhliches Erlebnis gestanden und will schnell ablenken, weil ihre Ohren hören, was sie wollen und es für ihn in dem Gespräch nur noch etwas zu verlieren gibt. Selbst das versteht sie aber falsch und lässt die Situation weiter eskalieren)

Biergitte hustet und reißt die Augen auf.

„Du bist zu alt für Samenstau!“

Vielen Dank jedenfalls für dein Feedback, hat mich sehr gefreut. Ich möchte das gerne weiter besprechen und dann ein paar Änderungen vornehmen.

Viele Grüße
-Kahasimir
 
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Ja, Glückwunsch, sehr toller Text. Hat was von Dada, wie ich finde. Auch tolle, skurril und ein wenig altmodisch klingende Neologismen drin, die den Text noch weniger verorten, noch obskurer erscheinen lassen. Gefällt mir ausgesprochen gut.

Gruss, Jimmy
Hallo Jimmy,

danke fürs Lesen und deinen Kommentar. Habe mich sehr über das Lob gefreut (Habe es hier bisher selten gesehen, dass jemand etwas einfach so stehen lässt).
Mir selbst an die Nase greifen muss ich mir aber, weil mein Wissen im literarischen Bereich große Lücken aufweist (vielleicht auch eine Stärke, kann ich nicht immer genau sagen). Von Dada meine ich z.B. zu wissen dass es der Künstlername von jemandem ist, der in der obskuren, absurden, abstrakten Literatur zuhause war. "Neologismen" muss ich jetzt auch erstmal nachschlagen, danke für den Ansporn dazu ;-)

Guten Start in die Woche wünsche ich!
-Kahasimir

EDIT: Hab es nachgeschlagen und kann mir dafür gleich erneut an die Nase fassen, weil ich nachgeschlagen habe, bevor ich versuchte den Neo-log-ismus selbst abzuleiten, was ja eigentlich piepeinfach gewesen wäre. Naja, die Tomaten auf den Augen :-)
 
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Beklopfte Zähne,

Kahasimir,

aber komm, Marta, hier
Auf einer neulich verweiterten Zeranda, sitzt zermürblich …
&da
… zu wenig!“, fleucht Harnes, mit zitterndem Stamm.
ehern bodenlos findet

Vroidenreich Weinsteg am Steinweg
 

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