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Café Tempus

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09.12.2019
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Café Tempus

Jonas sah auf seine Armbanduhr, bevor er das Callcenter betrat. Er war schon wieder zu spät, fast zehn Minuten. Obwohl er diesmal extra früher losgegangen war. Wird Zeit für einen Urlaub, dachte er und ging zu seinem Arbeitsplatz. Die Kollegin, die ihm gegenübersaß, blickte kurz zu ihm hoch und schüttelte den Kopf, während sie mit einem Kunden sprach.
Nachdem er seinen Rucksack abgelegt hatte, schaltete er den Computer ein und setzte das Headset auf. Mit einem Taschentuch wischte er sich den Schweiß von Gesicht und Stirn. Auch ohne sich umzusehen, bemerkte er die Blicke seiner Kollegen.

„Herr Zitier?“, rief sein Vorgesetzter, als Jonas auf dem Weg in den Feierabend an seinem Büro vorbeiging.
Er blieb vor der offenen Tür stehen. „Ich hab´s leider eilig, hab noch einen Termin …“
„Nur ganz kurz, kommen Sie rein!“ Er deutete auf den Stuhl gegenüber seinem Schreibtisch. „Und machen Sie bitte die Tür zu!“
„Okay.“ Mit schnellen Schritten betrat Jonas das Büro, schloss die Tür und setzte sich. Er nahm sein Taschentuch und ging damit kurz übers Gesicht.
„Alles in Ordnung bei Ihnen?“, fragte sein Chef und sah ihn aufmerksam an.
„Ja, denke schon. Ich muss nur wirklich gleich los.“
„Dann mache ich es kurz. Sie waren in den letzten Wochen einige Male zu spät. Außerdem nehmen Sie mittlerweile deutlich weniger Anrufe entgegen als Ihre Kollegen. Woran liegt´s? Sind Sie krank, oder haben Sie privaten Stress?“
Jonas umklammerte das Taschentuch, merkte, dass er wieder schwitzte. „Nein, so weit alles in Ordnung. Bis auf die Scheidung, aber es ist fast alles geregelt.“
„Gut. Behalten Sie es bitte für sich: Auch im Callcenter werden Stellen abgebaut, beginnend schon ab nächstem Monat. Sie sind ein langjähriger, guter Mitarbeiter und ich möchte Sie gerne behalten. Aber es wird nicht nur nach Sozialpunkten entschieden, sondern auch nach Leistung.“
Jonas wischte sich wieder mit dem Taschentuch den Schweiß weg. „Aber ich werde doch nicht …“
„Reißen Sie sich zusammen!“, unterbrach sein Vorgesetzter. „Es wird keine Ausnahmen geben!“

Es war fast dunkel und regnete leicht. Nach einem erneuten Blick auf die Armbanduhr begann er zu laufen. Nur noch wenige Minuten, bis die S-Bahn in die Innenstadt abfuhr. Als er das Firmengebäude verlassen hatte, war es seiner Einschätzung nach kein Problem, das Gleis pünktlich zu erreichen.
Wo ist die Zeit geblieben?, fragte er sich, wie so häufig in den letzten Wochen.
Er erreichte die Treppen zum Bahnsteig und lief hinauf, nahm jeweils zwei Stufen auf einmal. Kurz bevor er oben ankam, rutschte er auf den regennassen Stufen aus und prallte mit dem Schienbein auf die Kante. „Scheiße!“, schrie er, drehte sich vorsichtig und blieb mit schmerzverzerrtem Gesicht sitzen. Am Bein färbte sich seine graue Stoffhose rot.
Mit geschlossenen Augen und geballten Fäusten wartete er, bis der Schmerz nachließ. Über ihm hörte er das dumpfe Poltern der einfahrenden S-Bahn.
„Scheiße!“, rief er erneut und stand auf.
Als er humpelnd den Bahnsteig erreichte, schlossen sich gerade die Türen. Wenige Schritte, bevor er den Türöffner drücken konnte, fuhr die S-Bahn los. Er blieb stehen, zitterte vor Wut und griff sich mit einer Hand an das schmerzende Bein.
Der Regen wurde stärker. Jonas sah sich um und ging zu einer überdachten Sitzbank. Nahm den Rucksack ab, setzte sich und schloss für ein paar Sekunden die Augen. „Tief durchatmen, ruhig bleiben“, flüsterte er.
Er musste seine Anwältin anrufen und ihr mitteilen, dass er später kam. Hoffentlich konnte sie seine Interessen auch ohne seine Anwesenheit vertreten und ließ sich nicht vom Anwalt seiner Noch-Ehefrau über den Tisch ziehen. Hauptsächlich beim Besuchsrecht seiner sechsjährigen Tochter. Jedoch fand er sein Smartphone nicht, so gründlich er den Rucksack auch durchsuchte. Und erinnerte sich nun auch, wo er es gelassen hatte. Natürlich im Büro, er hatte es nach der Mittagspause aufgeladen und dann vergessen.
„Fuck!“, rief er laut, lehnte den Kopf zurück an die Plexiglasscheibe und schloss die Augen.
„Hey, so was sagt man nicht“, sagte eine weibliche Stimme neben ihm.
Jonas öffnete die Augen und blickte hinüber. Drei Sitze weiter saß eine Jugendliche, er schätzte sie auf ungefähr fünfzehn, und sah ihn an. Die langen, braunen Haare hatte sie zu zwei Zöpfen geflochten.
„Tut mir leid. Kann ich mir für einen Anruf dein Smartphone leihen? Sorry, wenn ich frage, ist echt dringend.“
„Nein. Also grundsätzlich schon, aber ich hab´s nicht dabei. Meine Eltern haben es mir gestern abgenommen.“
„Na super.“ Er lächelte mit geschlossenen Lippen und schüttelte den Kopf. „Was für ein beschissener Tag.“
„Das sagt man …“, begann die Jugendliche.
Er hob entschuldigend die Hand. „Ja, hast recht, ´tschuldigung.“
Sie saßen einige Minuten schweigend und betrachteten die beleuchteten, verregneten Bahnsteige.
„Ihr Bein blutet“, sagte sie schließlich, als sie wieder zu ihm sah.
„Ja, ich hätte heute im Bett bleiben sollen. Was machst du hier, so alleine? Wo geht’s hin?“
„Ach, keine Ahnung. Ich möchte einfach nur weg.“
Jonas wartete, ob sie noch mehr sagen würde, und fragte dann: „Und was ist so schlimm, falls du es erzählen möchtest?“
„Na ja, schlimm … Nichts ist wirklich schlimm, aber irgendwie ist auch alles egal. Das Leben scheint so vorgezeichnet. Schule, dann eine Ausbildung oder so, eine Arbeit finden. Vielleicht eine eigene Familie gründen. Und dann? Hoffen, als Rentner noch einige gute Jahre zu haben, und dann war´s das irgendwann. Mein Opa … sorry, jetzt texte ich Sie zu.“
„Kein Problem.“
„Er hat hart bis zur Rente gearbeitet, sich sehr auf seinen Ruhestand gefreut. Und dann? Nur wenige Monate nach seinem letzten Arbeitstag starb er bei einem Verkehrsunfall.“ Sie starrte einige Sekunden in den Regen. „Jedem kann etwas passieren, auch mir. Also wofür soll ich Ziele haben? Ich könnte auch jeden Tag irgendwelche sinnlosen Dinge tun.“
„Aber es ist doch gut, dass du dir jetzt schon solche Gedanken machst. Ich glaube nur nicht, dass ich da ein guter Ratgeber bin. Überleg dir, was dir wichtig ist im Leben. Und vor allem, wer.“
„Ja, sollte ich wohl. Stattdessen sitze ich hier und hab keinen Plan. Und die Zeit läuft, unaufhaltsam.“
„Das kannste laut sagen. Entweder vergeht sie immer schneller, oder ich werde alt und langsam.“
Wieder schwiegen sie eine Zeitlang, zwei Gleise weiter brauste ein Zug mit hoher Geschwindigkeit durch.
„Ich denke, ich mache mich mal auf den Weg.“ Sie deutete auf die einfahrende S-Bahn.
„Und wohin?“
„Mal sehen. Hier." Sie holte ein Pflaster aus ihrer Jackentasche und gab es ihm. "Hat mich gefreut!“
Jonas blickte ihr nach und schüttelte wieder den Kopf. „Mich auch.“

Er sah auf die Bahnhofsuhr, es war bereits kurz nach acht. Wie war das möglich? Die Arbeit hatte er gegen 17 Uhr 30 verlassen. Der Verhandlungstermin war nun ohnehin vorbei, er würde zu Fuß nach Hause gehen. Es nieselte nur noch leicht, als er sich auf den Weg machte.

Gedankenverloren blieb Jonas stehen. Er musste sich verlaufen haben, diese kopfsteingepflasterte Gasse kannte er nicht. Einige Meter entfernt leuchtete ein blaues Schild mit der Aufschrift „Café Tempus“ in weißen Buchstaben.
Er näherte sich dem Eingang. Durch die Scheiben schien ein angenehmes, warmes Licht. Es erlaubte jedoch keinen Eindruck von dem dahinterliegenden Raum, als wäre es ein blickdichter Vorhang. Angezogen von der Wärme dieses Ortes trat er ein.

Das beruhigende Licht in dem langgezogenen Zimmer ging von einem Kronleuchter aus, der unter der hohen Decke hing. Die Tische und Stühle waren aus dunklem Holz.
„Setzen Sie sich, bin gleich bei Ihnen“, rief eine Frau mit langen, weißen Haaren. Sie stand hinter einer Theke am Ende des Raums.
Jonas ging zu einem Platz an der Wand, nahe der Tür. Legte den Rucksack und seine dünne Windjacke ab, bevor er sich setzte. Die Kälte, die er eben noch in den Knochen fühlte, spürte er kaum noch. Vor ihm stand eine brennende Kerze, sie verströmte einen angenehmen Duft. Mit seinem Taschentuch trocknete er sein vom Regen nasses Gesicht.
An der gegenüberliegenden Wand hingen zahllose Uhren in allen erdenklichen Größen. Über ihnen standen Namen, wie mit Tinte gezeichnet. Bei manchen bewegten sich die Sekundenzeiger ganz normal, bei einigen jedoch langsamer oder schneller. Teilweise konnte er sogar die Bewegung der Stundenzeiger deutlich erkennen.
Die Frau kam zu ihm und stellte eine Tasse mit schwarzem Kaffee auf den Tisch.
„Danke, woher wussten Sie …“
„Ach, eine gute Tasse Kaffee mag doch jeder. Darf ich?“ Sie setzte sich, bevor er antworten konnte und sah ihn mit einem angedeuteten Lächeln an.
„Danke.“ Jonas nahm die Tasse und trank einen Schluck. „Wo bin ich hier? Ich war auf dem Weg nach Hause, hab mich wohl ein wenig verirrt.“
„Ich erkläre Ihnen den Heimweg, wenn Sie gehen.“
„Okay. Haben Sie immer so spät noch geöffnet? Und warum die vielen Uhren?“
„Es war Ihre Entscheidung, hereinzukommen. Vielleicht kann ich Ihnen etwas über die Zeit erzählen“, sagte sie, als wenn damit seine Fragen beantwortet würden.
„Ich möchte eigentlich nur nach Hause, muss morgen wieder früh raus.“
Sie betrachtete ihn einige Sekunden. „Auch Sie haben schon viele Stunden verloren. Möchten Sie wissen, warum?“
Jonas trank wieder vom Kaffee und überlegte einen Moment, blickte wieder zu den Uhren. Er fühlte sich zunehmend müde, aber auch wohl in dieser Umgebung. „In Ordnung“, sagte er schließlich.
„Die Uhren haben Sie ja schon bemerkt. Niemand kann die Zeit anhalten, sie vergeht immer gleich schnell. Aber Sie können bestimmen, wie viel Ihnen verloren geht.“
„Wie das?“, fragte er. Seine Augenlider wurden schwer, trotz des Kaffees.
„Es kommt immer darauf an, wie viel Sie erledigt bekommen. Je mehr sich aufstaut, umso weniger bemerken Sie die Zeit. Die Last beeinflusst Ihre Wahrnehmung. Irgendwann vermissen Sie ganze Stunden. Bekommen Sie jedoch Ihre Vorhaben jeweils problemlos im Tag untergebracht, wird Ihnen das nicht passieren.“
„Ich weiß nicht … muss ich mal beobachten. Aber selbst wenn, so einfach ist es nicht. Das Leben fordert halt viel, privat und beruflich.“
„Ja, das stimmt natürlich“, antwortete sie mit einem Seufzer. „Was befürchten Sie, wenn Sie manche Sachen einfach liegen lassen?“
Er stellte leicht zitternd die Tasse ab. „Das hat immer Konsequenzen! Mein Arbeitsplatz ist ohnehin schon in Gefahr. Und eben erst habe ich einen Verhandlungstermin verpasst. Nun weiß ich nicht einmal, wann ich meine Tochter das nächste Mal besuchen kann.“
Wieder sah sie ihn mit ihrem ruhigen Blick und dem angedeuteten Lächeln an. „Nun, ich werde Sie mal nicht weiter stören. Sie haben recht, alles hat Konsequenzen. Aber müssen diese langfristig schlecht sein? Wenn Sie den Mut haben, nur so viel zu machen, wie es für Sie richtig ist, wird Sie dies dorthin führen, wo Sie hin möchten. Es kann ein langer und beschwerlicher Weg werden, aber irgendwann merken Sie, es lohnt sich. Denken Sie drüber nach!“
Sie stand auf, bevor er noch etwas sagen konnte und ging wieder in den hinteren Teil des Zimmers. Eben noch hatte er ihr aufmerksam zugehört, aber nun konnte er sich kaum noch wach halten und stand auf. Nahm seine Jacke und den Rucksack und ging zum Ausgang.
„Gehen Sie nach links und folgen der Gasse. Sie werden merken, danach kennen Sie sich wieder aus“, rief die Frau. „Der Kaffee geht aufs Haus.“
„Danke“, murmelte Jonas und verließ das Café.

Seine Armbanduhr zeigte kurz nach halb zehn, als er vorm Gebäude seines Arbeitgebers stand. Der seltsame Besuch im Café Tempus war fast zwei Wochen her. Die Chancen, seine Tochter regelmäßig zu sehen, standen nun noch schlechter. Er dachte an die Worte der weißhaarigen Frau, offensichtlich hatte sie recht. Je mehr er kämpfte, umso mehr Zeit ging ihm verloren. Nicht weit entfernt war ein Bistro, in dem er schon lange nicht mehr war. Noch einmal blickte er nach oben zur fünften Etage, betrachtete die Fenster des Callcenters. Er schwitzte wieder, wischte sich mit der Hand über die Stirn.
Und machte sich auf den Weg zum Bistro. Jetzt fiel ihm auch der Name wieder ein. Bistro Futurae.

„Tut mir leid“, sagte sein Vorgesetzter. „Ich hatte Sie gewarnt.“
„Ja, ist schon in Ordnung so. Vielleicht war es ohnehin an der Zeit, mal etwas anderes zu versuchen.“
„Na dann, wünsche ich Ihnen hierfür alles Gute. Dennoch verliere ich Sie ungern.“
„Danke, ich habe auch gerne hier gearbeitet. Aber nun mache ich mich mal auf den Weg.“

„Mami sagt, du bist nun von der Arbeit los“, sagte seine Tochter.
Jonas lächelte. „Ja, so in etwa. Das ändert sich auch wieder, nun hab ich aber erstmal mehr Zeit für dich. Also gehen wir auf den Spielplatz?“
„Jaaa!“
„Na dann los! Danach schauen wir mal in der Eisdiele vorbei.“
Er behielt sein Lächeln auf dem Weg nach draußen. Auch als er an dem Stapel Rechnungen vorbeiging.


Ein Jahr später

Erst nach einer guten Stunde hatte Jonas die Gasse gefunden. Nur existierte das Café Tempus nicht. Oder nicht mehr. Stattdessen befand sich in dem Haus ein Uhrengeschäft. Er trat ein und erkannte sie sofort. Die weißen Haare, das angedeutete Lächeln. Sie blickten sich an, ohne etwas zu sagen. Auch er lächelte.
„Wo ist ihr Café geblieben?“, fragte er schließlich.
„Oh, es existiert schon noch, nur nicht jetzt. Und ich glaube, Sie wissen schon alles, was für Sie wichtig ist. Wie geht es Ihnen?“
„Ich habe mich mittlerweile ganz gut an weniger Geld und mehr Zeit gewöhnt. Freizeit, vor allem. Ich arbeite zwar wieder am Telefon, aber nur noch halbtags zur Unterstützung des Gesundheitsamtes. Auch anstrengend, aber sinnvoller als mich von Versicherungskunden anschreien zu lassen.“
„Kann ich mir vorstellen. Und denken Sie daran: Sie gestalten ihr Leben, alles andere ist eine Ausrede.“
„Werde versuchen, es nicht zu vergessen. Außerdem schreibe ich nun ein wenig, bisher nur Kurzgeschichten als Hobby, aber vielleicht veröffentliche ich ja irgendwann mal etwas.“
„Wenn es Ihnen Spaß macht, gelingt es bestimmt. Ich kann Ihnen ein Forum empfehlen, in dem Sie auf Gleichgesinnte treffen und viel lernen können. Versuchen Sie es mal unter wortkrieger.de.“
„Danke, werde mal reinschauen. Also dann, vielleicht komme ich ja mal wieder vorbei.“
„Machen Sie das. Hoffentlich muss ich Sie nicht wieder im Café begrüßen.“
Er drehte sich noch mal um, bevor er hinaus ging. „Wer sind Sie?“
„Nur eine Helferin. Sie können noch viel entdecken in dieser Welt, wenn Sie es zulassen.“

Auf dem Weg nach Hause ging er durch den Stadtpark. Und entdeckte auf einer Bank die Jugendliche, mit der er an der Bahnstation gesprochen hatte. Neben ihr saßen eine Frau und ein Mann. Ihre Eltern, vermutete er.
Jonas lächelte, als sie ihm zuwinkte. Er nahm sein Taschentuch aus der Hosentasche und warf es in einen Mülleimer.
 
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Monster-WG
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Lieber @Rob F

was für eine schöne Geschichte. Hat mir gut gefallen. Gemächliches Tempo und ich war gespannt, wie sich alles entwickelt. Ich bin nah bei dem Protagonisten, kann mir alles bildlich vorstellen. Ein wenig hat mich Deine Story an Momo erinnert, an die Zeitdiebe.

Hier ein paar Anmerkungen:

Mit schnellen Schritten betrat Jonas das Büro, schloss die Tür und setzte sich. Er nahm sein Taschentuch und ging damit kurz übers Gesicht.

Ich hab mich anfangs gefragt, warum er immer so schwitzt, was wohl mit ihm los ist. Die Neugierde war schnell geweckt.

„Dann mache ich es kurz. Sie waren in den letzten Wochen einige Male zu spät. Außerdem nehmen Sie mittlerweile deutlich weniger Anrufe entgegen als ihre Kollegen.

Ihre

„Nein, soweit alles in Ordnung. Bis auf die Scheidung, aber es ist nun fast alles geregelt.“

Könnte man streichen, unnötiges Füllwort.

Jonas wartete, ob sie noch mehr sagen würde, und fragte dann: „Und was ist so schlimm, wenn ich fragen darf?“

Wortwiederholung

Jonas sah ihr nach und schüttelte wieder den Kopf. „Mich auch.“

Er sah auf die Bahnhofsuhr, es war bereits kurz nach acht. Wie war das möglich? Die Arbeit hatte er gegen 17 Uhr 30 verlassen. Der Verhandlungstermin war nun ohnehin vorbei, er würde zu Fuß nach Hause gehen. Es nieselte nur noch leicht, als er sich auf den Weg machte.

Gedankenverloren blieb Jonas stehen und sah sich in der Gasse um.

Wortwiederholung.

Ich finde es interessant, dass ihm immer die Zeit davon läuft, auch dass er so ein Pechvogel ist und stürzt, obwohl er dringend zur Bahn muss.

Sie sah ihn einige Sekunden an. „Auch Sie haben schon viele Stunden verloren. Möchten Sie wissen, warum?“
Jonas trank wieder vom Kaffee und überlegte einen Moment, sah wieder zu den Uhren.

Wortwiederholung
Die Begegnung mit der weißhaarigen Frau ist interessant, hat etwas Mystisches.

Er stellte leicht zitternd die Tasse ab. „Das hat immer Konsequenzen! Mein Arbeitsplatz ist ohnehin schon in Gefahr. Und eben erst habe ich einen Verhandlungstermin verpasst. Nun weiß ich noch nicht mal mehr, wann ich meine Tochter das nächste Mal sehe.“
Wieder sah sie ihn mit ihrem ruhigen Blick und dem angedeuteten Lächeln an.

Satzbau.
Vorschlag: Leicht zitternd / oder: Mit einem leichten Zittern stellte er die Tasse ab
Viele Füllwörter: Vorschlag: Nun weiß ich nicht einmal, wann ich ...
Und wieder 2 x sehen

Jonas hatte ihr noch aufmerksam zugehört, aber nun war er so müde, dass er aufstand, Jacke und Rucksack nahm und Richtung Ausgang ging.

Satzbau
Vorschlag: Eben noch hatte er ihr aufmerksam zugehört, aber ...

Erst nach einer guten Stunde hatte Jonas die Gasse gefunden. Nur existierte das Café Tempus nicht. Oder nicht mehr. Stattdessen befand sich in dem Haus ein Uhrengeschäft. Er trat ein und erkannte sie sofort. Die weißen Haare, das angedeutete Lächeln. Sie blickten sich an, ohne etwas zu sagen. Auch er lächelte.
„Wo ist ihr Café geblieben?“, fragte er schließlich.

Das ist sehr mystisch. Das gefällt mir :thumbsup:

„Ich habe mich mittlerweile ganz gut an weniger Geld und mehr Zeit gewöhnt. Freizeit, vor allem. Ich arbeite zwar wieder am Telefon, aber nur noch halbtags zur Unterstützung des Gesundheitsamtes. Auch anstrengend, aber sinnvoller als mich von Versicherungskunden anschreien zu lassen.“

Seine Entscheidung finde ich toll.

„Wenn es Ihnen Spaß macht, gelingt es bestimmt. Ich kann Ihnen ein Forum empfehlen, in dem Sie auf Gleichgesinnte treffen und viel lernen können. Versuchen Sie es mal unter wortkrieger.de.“
„Danke, werde mal reinschauen. Also dann, vielleicht komme ich ja mal wieder vorbei.“

Das ist einfach nur geil :thumbsup:

Jonas lächelte, als sie ihm zuwinkte. Er nahm sein Stofftaschentuch aus der Hosentasche und warf es in einen Mülleimer.

Super Ende.

Ich hatte großen Spaß beim Lesen. Vielen Dank.

Ich wünsch Dir einen schönen Abend.

LG Silvita
 

MRG

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12.03.2020
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Guten Abend @Rob F,

das ist ingesamt gut geschrieben, ich mag deinen Stil. Finde allerdings, dass der Plot der Geschichte nicht richtig überzeugend ist. Einerseits sind mir ein paar logische Unstimmigkeiten aufgefallen, andererseits habe ich die Szene mit dem Mädchen für unglaubwürdig gehalten. Ich gehe in der Textarbeit auf meinen subjektiven Leseeindruck ein:

Jonas sah auf seine Armbanduhr, bevor er das Callcenter betrat. Er war schon wieder zu spät, fast zehn Minuten. Obwohl er diesmal extra früher losgegangen war. Wird Zeit für einen Urlaub, dachte er und ging in dem Großraumbüro zu seinem Arbeitsplatz.
Finde die ersten Sätzen gelungen, du führst mich als Leser gut in deine Geschichte ein.

„Herr Zitier?“
Der Name hat mich an "herzitieren" denken lassen, war das Absicht? Für mich hat sich der Name etwas merkwürdig angehört.

Sie sind ein langjähriger, guter Mitarbeiter und ich möchte Sie gerne behalten. Aber es wird nicht nur nach Sozialpunkten entschieden, sondern auch nach Leistung.“
Generell finde ich deine Dialog überwiegend gelungen, hat für mich gut funktioniert. Habe diesen Dialog herausgegriffen, weil du hier den Konflikt deiner Geschichte vorstellst. Das weckt Spannung, bin gespannt, ob er gefeuert wird.

Mit geschlossenen Augen und geballten Fäusten wartete er, bis der Schmerz nachließ. Über ihm hörte er das dumpfe Poltern der einfahrenden S-Bahn.
Gut geschrieben, das Geräusch macht deine Geschichte für mich noch lebendiger.

„Fuck!“, rief er laut, lehnte den Kopf zurück an die Plexiglasscheibe und schloss die Augen.
„Hey, so was sagt man nicht“, sagte eine weibliche Stimme neben ihm.
Das ist so eine gute Überleitung, du weckst bei mir Interesse. Ich antizipiere, was wohl als nächstes passieren wird und dann? Redet sie über ein eintöniges Leben und überzeugt damit den Protagonisten in einem philosophischen Gespräch? Mich hat das nicht überzeugt. Das lag vor allem daran, dass dein Protagonist in der Situation ein klares Problem hat und unbedingt zu seiner Anwältin muss. Du schreibst vorher:

Er blieb stehen, zitterte vor Wut und griff sich mit einer Hand an das schmerzende Bein.
In so einer emotionalen Verfassung lässt man sich doch nicht auf so ein Gespräch ein.

„Ihr Bein blutet“, sagte sie schließlich, als sie wieder zu ihm sah.
„Ja, ich hätte heute im Bett bleiben sollen. Was machst du hier, so alleine? Wo geht’s hin?“
Er ist wütend, muss dringend zum Anwalt und dann sagt er, dass er lieber im Bett geblieben wäre und spielt den Beschützer? Das habe ich nicht verstanden. Und du löst das Problem des Protagonisten auch nicht auf:

Er musste seine Anwältin anrufen und ihr mitteilen, dass er später kam.
Habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass er ein Handy bekommt oder eine andere Möglichkeit, um sie anzurufen. Da er das nicht schafft, gehe ich davon aus, dass er seine Tochter wohl nicht mehr sehen wird.

Mein Opa … sorry, jetzt texte ich Sie zu.“
Hervorragender Dialog, habe ich dir abgekauft.

„Es war Ihre Entscheidung, hereinzukommen.
Hier hattest du mich wieder, nachdem ich vorher fast abgebrochen hätte.

Sie haben recht, alles hat Konsequenzen. Aber müssen diese langfristig schlecht sein? Wenn Sie den Mut haben, nur so viel zu machen, wie es für Sie richtig ist, wird Sie dies dorthin führen, wo Sie hin möchten.
Das ist für mich die Kernbotschaft deiner Geschichte. Allerdings sind das für mich Andeutungen, die mir nicht erklären, wie dann am Ende doch alles wieder gut wird. Da fehlt mir etwas, damit ich dir das Ende dann abkaufe.

Je mehr er kämpfte, umso mehr Zeit ging ihm verloren.
Das hat mich auch an Momo denken lassen und an die grauen Herren.

Hoffentlich konnte sie seine Interessen auch ohne seine Anwesenheit vertreten und ließ sich nicht vom Anwalt seiner Noch-Ehefrau über den Tisch ziehen. Hauptsächlich beim Besuchsrecht seiner sechsjährigen Tochter.
„Mami sagt, du bist nun von der Arbeit los“, sagte seine Tochter.
Hier ist für mich die zweite logische Unstimmigkeit. Hatte er nicht vorher noch Sorge, dass er seine Tochter nicht mehr sehen darf? Das ist doch ein Riesenproblem und dann hat plötzlich alles geklappt?

„Ich habe mich mittlerweile ganz gut an weniger Geld und mehr Zeit gewöhnt. Freizeit, vor allem. Ich arbeite zwar wieder am Telefon, aber nur noch halbtags zur Unterstützung des Gesundheitsamtes.
Hier hatte ich auch ein Fragezeichen. Ich dachte, dass er ganz frisch seinen Job verloren hat. Wie kommt es dann, dass er wieder halbtags arbeitet? Sagt seine Tochter nicht noch davor, dass er keinen Job mehr hat? Übersehe ich da etwas?
Das meinte ich ganz am Anfang mit dem Plot, die Chronologie scheint für mich nicht richtig zu passen.

„Wenn es Ihnen Spaß macht, gelingt es bestimmt. Ich kann Ihnen ein Forum empfehlen, in dem Sie auf Gleichgesinnte treffen und viel lernen können. Versuchen Sie es mal unter wortkrieger.de.“
Da musste ich schmunzeln!


Insgesamt mag ich deinen Schreibstil, aber diese Geschichte hat mir weniger gefallen. Da sind für mich einfach zu viele Fragezeichen. Hoffe, du kannst damit etwas anfangen.


Beste Grüße
MRG
 
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Senior
Monster-WG
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10.09.2014
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Hola @Rob F,

der Titel hat was – muss ich lesen. Erst mal überfliegen, ja, gefällt mir.
Ein paar Punkte hätte ich, die vielleicht überdacht werden könnten, doch das ist alles subjektiv:
… dachte er und ging in dem Großraumbüro zu seinem Arbeitsplatz.
Das Kursive finde ich überflüssig, ‚Callcenter‘ genügt mir.

Nachdem er seinen Rucksack in dem abschließbaren Rollcontainer verstaut hatte, …
Ist das Kursive nicht entbehrlich?

Mit einem Stofftaschentuch …
‚Taschentuch‘ würde mir genügen. Eventuell Taschentuch mit Adjektiv, aber ‚Stofftaschentuch‘ ist kein schönes Wort.

… bevor er oben ankam K rutschte er …

Am Bein färbte sich seine graue Stoffhose rot.
„Ihr Bein blutet“
Also hat er sich verletzt, offene Wunde. Doch im folgenden Text ist das vergessen, hat mich gewundert; wenigstens ein Pflaster könntest Du ihm spendieren.

… trotz des Kaffee(s).

Irgendwann vermissen s(S)ie ganze Stunden. Bekommen Sie jedoch i(I)hre Vorhaben …

… als er vorm Gebäude seines Arbeitgebers stand.
Dachte zuerst an das Privathaus seines Arbeitgebers. Wäre ‚Firma‘ nicht klarer? Und warum zweimal 'fünfter Stock'?

„Aber ich hatte Sie vorgewarnt.“
‚Ich hatte Sie gewarnt‘ – würde mir genügen.

Er behielt sein Lächeln auf dem Weg nach draußen. Auch als er an dem Stapel Rechnungen vorbeiging.
Das wirkt auf mich, als ob der Rechnungsstapel draußen sei. Klarer würde es durch Umstellung der beiden Satzhälften.

Lieber Rob F, ich finde Deinen Schreibstil sehr angenehm, und auch, wenn die Geschichte nicht übermäßig kompliziert herüberkommt, habe ich als Leser doch meinen Spaß.

Ist eine nette Idee, die jüngere Leser ans Nachdenken bringen könnte. Denen gönne ich jedes technische Spielzeug, doch Kids vertun im Schnitt drei Stunden täglich mit diesem Zeitvertreib, der – wie der Name sagt – die Zeit vertreibt bzw. vergeudet. Da kann es dann für wirklich wichtige Dinge knapp werden.

Ich sehe gerade den Komm von MRG, da kann ich ja meine ähnlichen Bemerkungen betr. Logik untern Tisch fallen lassen. Ja, es stimmt schon, ein bisschen hausbacken ist die Geschichte, Gott sei Dank ist sie nicht ‚Philosophisches‘ getaggt :cool: .
Trotzdem hab ich sie gerne gelesen, gut geschrieben!
José
 
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09.12.2019
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Hi @Silvita ,

die Zeitdiebe sind hier zwar nicht die grauen Männer, sondern eher die Umstände, aber es bleibt natürlich ein Thema, das wohl jeden immer mal wieder beschäftigt:
Wo ist die Zeit geblieben?

Danke für deinen Kommentar! Auch mich beschäftigt es immer wieder "mehr Zeit zu finden" und ich habe versucht, meine Gedanken hierzu in dieser Geschichte unterzubringen.
Freut mich sehr, wenn sie dir gefallen hat!

Ich finde es interessant, dass ihm immer die Zeit davon läuft, auch dass er so ein Pechvogel ist und stürzt, obwohl er dringend zur Bahn muss.
Je hoffnungsloser seine Situation ist, umso schlimmer wird es ... So muss er irgendwann darüber nachdenken, ob er nicht grundsätzlich einen anderen Weg einschlagen muss.

Die Begegnung mit der weißhaarigen Frau ist interessant, hat etwas Mystisches.
Ich hatte hierbei überlegt, ob ich den "Märchen"-Tag vergebe, aber ich denke "Alltag" und "Seltsam" passt schon ganz gut. Eine Aussage der Geschichte soll ja auch sein, dass mehr Hilfe da sein kann, als man grundsätzlich glaubt. Wenn man es zulässt, oder direkt danach fragt.

"Wenn es Ihnen Spaß macht, gelingt es bestimmt. Ich kann Ihnen ein Forum empfehlen, in dem Sie auf Gleichgesinnte treffen und viel lernen können. Versuchen Sie es mal unter wortkrieger.de"
„Danke, werde mal reinschauen. Also dann, vielleicht komme ich ja mal wieder vorbei.“

Das ist einfach nur geil :thumbsup:
Danke! Ist ja auch immer ein guter Tipp! :gelb:

Super Ende.
Auch hierfür vielen Dank! Er entledigt sich seines Stress-Taschentuchs!

Deine Formulierungsvorschläge habe ich übernommen, danke hierfür!

Viele Grüße und noch einen schönen Abend!
Rob


Hi @MRG ,

danke fürs Lesen und Kommentieren!

„Herr Zitier?“
Der Name hat mich an "herzitieren" denken lassen, war das Absicht? Für mich hat sich der Name etwas merkwürdig angehört.
Da hatte ich beim Schreiben gar nicht dran gedacht, aber du hast natürlich recht, so klingt es!
Ein ehemaliger Kollege von mir hieß tatsächlich so, ich habe den Namen gewählt, da er die Buchstaben für "Zeit" beinhaltet.

„Fuck!“, rief er laut, lehnte den Kopf zurück an die Plexiglasscheibe und schloss die Augen.
„Hey, so was sagt man nicht“, sagte eine weibliche Stimme neben ihm.

Das ist so eine gute Überleitung, du weckst bei mir Interesse. Ich antizipiere, was wohl als nächstes passieren wird und dann? Redet sie über ein eintöniges Leben und überzeugt damit den Protagonisten in einem philosophischen Gespräch? Mich hat das nicht überzeugt. Das lag vor allem daran, dass dein Protagonist in der Situation ein klares Problem hat und unbedingt zu seiner Anwältin muss.
Ich hatte hierbei daran gedacht, dass er nach dem ganzen Stress der letzten Zeit, und nachdem er nun auch noch hingefallen ist, sein Bein blutet, er hat den Zug verpasst, findet sein Smartphone nicht ... nur noch "Fuck!" schreit und erstmal erschöpft und resignierend sitzen bleibt. Und ihm das, für ihn zunächst belanglose, Gespräch mit der Jugendlichen hier ganz gelegen kommt. Zumal ja auch sie über ihre Probleme und Unzufriedenheit spricht, was ja auch ihn umtreibt.
Ich kann jedoch gerade hierbei gut nachvollziehen, dass der Beginn dieses Themas etwas gekünstelt wirkt. Ich habe mich bemüht, hierfür einen entsprechenden Einstieg zu finden.
Wichtig sind mir, bei allem Bemühen um realistische Dialoge, bei dieser Geschichte vor allem die Aussagen, die die Personen machen. Bei diesem Gespräch insbesondere der Satz:
"Überleg dir, was dir wichtig ist im Leben. Und vor allem, wer."

In so einer emotionalen Verfassung lässt man sich doch nicht auf so ein Gespräch ein.
siehe oben ; ich kann deinen Punkt gut nachvollziehen, bin jedoch noch etwas unschlüssig, wenn jemand den "jetzt reichts mir, alles was ich mache bringt doch eh nichts"-Zustand erreicht hat

Die nächsten beiden Punkte, die du genannt hast, beziehen sich ja soweit auch hierauf, ich hoffe ich hab dir meine Absicht hiermit soweit erklären können.

Sie haben recht, alles hat Konsequenzen. Aber müssen diese langfristig schlecht sein? Wenn Sie den Mut haben, nur so viel zu machen, wie es für Sie richtig ist, wird Sie dies dorthin führen, wo Sie hin möchten.
Das ist für mich die Kernbotschaft deiner Geschichte. Allerdings sind das für mich Andeutungen, die mir nicht erklären, wie dann am Ende doch alles wieder gut wird. Da fehlt mir etwas, damit ich dir das Ende dann abkaufe.
Hierbei ist mir nicht ganz klar, was du meinst. Am Ende unterhält Jonas sich ja nochmal mit der weißhaarigen Frau und erzählt, was er in seinem Leben geändert hat. An dieser Stelle gibt ihm die Frau ja bewusst nur Andeutungen, es ist ja seine Sache, ob er etwas daraus macht.

Hier ist für mich die zweite logische Unstimmigkeit. Hatte er nicht vorher noch Sorge, dass er seine Tochter nicht mehr sehen darf? Das ist doch ein Riesenproblem und dann hat plötzlich alles geklappt?
Er hat in dieser Szene die Möglichkeit, seine Tochter zu sehen. Ich schreibe jedoch nicht, dass grundsätzlich alles wieder für ihn in Ordnung ist. Er sieht ja auch, bevor er mit seiner Tochter die Wohnung verlässt, zu dem Stapel an Rechnungen. Diese Szene sollte also andeuten, dass zumindest die Richtung für Jonas wieder stimmt.

Hier hatte ich auch ein Fragezeichen. Ich dachte, dass er ganz frisch seinen Job verloren hat. Wie kommt es dann, dass er wieder halbtags arbeitet? Sagt seine Tochter nicht noch davor, dass er keinen Job mehr hat? Übersehe ich da etwas?
Das meinte ich ganz am Anfang mit dem Plot, die Chronologie scheint für mich nicht richtig zu passen.
Hier ist mir der Widerspruch nicht klar.
Er hat seinen vorherigen (Vollzeit-)Job verloren, und der Anfang der Geschichte zeigt ja auch (hoffe ich), dass das gut für ihn ist. Aber das schließt ja nicht aus, dass er irgendwann später eine andere Stelle annimmt, wie hier in Teilzeit. Und diese Arbeit macht ihm mehr Spaß, da er darin (beim Gesundheitsamt) einen Sinn sieht.
Also m.E. passen die Ereignisse schon zusammen.

Ich hoffe, ich konnte den Inhalt soweit erklären, sonst frag nochmal nach!

Viele Grüße,
Rob
 
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13.10.2019
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Guten Abend @Rob F,

die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Ich hatte sofort Parallelen aus meiner eigenen Arbeitswelt vor Augen und war gespannt, welches Lebensmotto mir für meine Zeitprobleme angeboten werden würde. Auch wenn die Auflösung etwas märchenhaft anmutet (Arbeit kündigen, mehr Zeit für sinnvolle Lebensinhalte und gleichzeitig keine Geldsorgen haben), so möchte ich doch an sie glauben und habe der weisen älteren Frau andächtig zugehört. Besonders berührt hat mich der folgende Abschnitt:
„Es kommt immer darauf an, wie viel Sie erledigt bekommen. Je mehr sich aufstaut, umso weniger bemerken Sie die Zeit. Die Last beeinflusst Ihre Wahrnehmung. Irgendwann vermissen sie ganze Stunden. Bekommen Sie jedoch ihre Vorhaben jeweils problemlos im Tag untergebracht, wird Ihnen das nicht passieren.“

Vielen Dank für die schöne Geschichte und liebe Grüße.

Margarete

(PS: Ich bin neu im Forum bzw. habe bisher immer nur mitgelesen...)
 
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Hi nochmal, @MRG ,

nachdem ich nochmal drüber nachgedacht habe, gehe ich davon aus, dass zum Ende hin (die letzten beiden Absätze) bisher nicht deutlich wird, dass bereits einige Zeit vergangen ist, seit Jonas im Café Tempus war.

Normalerweise versuche ich alles im erzählten Text unterzubringen, aber hier habe ich es nun mal mit einer einfachen Überschrift vor der Szene versucht, in der Jonas erneut die weißhaarige Frau trifft, diesmal im Uhrengeschäft. Zur Kennzeichnung, dass bereits ein Jahr vergangen ist.

Vielleicht wird die Entwicklung von Jonas so etwas nachvollziehbarer.

Viele Grüße,
Rob


Hi @josefelipe ,

freut mich, dass du im Zeitcafé vorbeigeschaut hast!

Hoffentlich beginnt auch eine Zeit der Veränderung in den USA, nun wird es ja spannend ... aber das nur am Rande.

der Titel hat was – muss ich lesen. Erst mal überfliegen, ja, gefällt mir.
Danke, gerade bei einem Alltagsthema war ich doch unsicher, ob es jemanden interessiert.

Das Kursive finde ich überflüssig, ‚Callcenter‘ genügt mir.
habe das Großraumbüro entfernt

Nachdem er seinen Rucksack in dem abschließbaren Rollcontainer verstaut hatte, …

Ist das Kursive nicht entbehrlich?
Ich habe den Satz vereinfacht in:
"Nachdem er seinen Rucksack abgelegt hatte ..."

‚Taschentuch‘ würde mir genügen. Eventuell Taschentuch mit Adjektiv, aber ‚Stofftaschentuch‘ ist kein schönes Wort.
Auch hier bin ich deinem Vorschlag gefolgt.

Also hat er sich verletzt, offene Wunde. Doch im folgenden Text ist das vergessen, hat mich gewundert; wenigstens ein Pflaster könntest Du ihm spendieren.
Danke für den Hinweis, ich habe am Ende des Szene auf dem Bahnsteig etwas ergänzt. Die Jugendliche gibt ihm ein Pflaster, bevor sie geht.

… als er vorm Gebäude seines Arbeitgebers stand.
Dachte zuerst an das Privathaus seines Arbeitgebers. Wäre ‚Firma‘ nicht klarer? Und warum zweimal 'fünfter Stock'?
Wenn ich nur "Arbeitgeber" oder "Firma" schreibe, fehlt mir irgendwie etwas, er steht ja schon vor dem Gebäude. Arbeitgeber/Firma ist ja doch eher abstrakt, hoffe du weißt, was ich meine ...
Den "fünften Stock" erwähne ich nur einmal, oder habe ich etwas übersehen?

‚Ich hatte Sie gewarnt‘ – würde mir genügen.
ist geändert

Er behielt sein Lächeln auf dem Weg nach draußen. Auch als er an dem Stapel Rechnungen vorbeiging.
Das wirkt auf mich, als ob der Rechnungsstapel draußen sei. Klarer würde es durch Umstellung der beiden Satzhälften.
finde ich an dieser Stelle nicht, er ist ja noch auf dem Weg nach draußen

ieber Rob F, ich finde Deinen Schreibstil sehr angenehm, und auch, wenn die Geschichte nicht übermäßig kompliziert herüberkommt, habe ich als Leser doch meinen Spaß.
Vielen Dank! Manchmal macht eine Geschichte ja auch Spaß, gerade weil sie nicht so kompliziert ist, hoffe ich zumindest!

Ja, es stimmt schon, ein bisschen hausbacken ist die Geschichte, Gott sei Dank ist sie nicht ‚Philosophisches‘ getaggt :cool: .
Es bleibt auch unwahrscheinlich, dass ich mich mal in philosophische Gewässer wage :gelb:

Vielen Dank für deine Eindrücke und bleib gesund!

Grüße aus Köln,
Rob


Hallo @Margarete ,

danke fürs Lesen und deinen Kommentar!

Auch wenn die Auflösung etwas märchenhaft anmutet (Arbeit kündigen, mehr Zeit für sinnvolle Lebensinhalte und gleichzeitig keine Geldsorgen haben), so möchte ich doch an sie glauben und habe der weisen älteren Frau andächtig zugehört.
Ich hoffe es klingt nicht völlig weltfremd, aber die "weise, ältere Frau" sagt ja u.a., dass es ein langer und beschwerlicher Weg werden kann.
Du hast auch den Punkt "keine Geldsorgen haben" genannt, und genau das wird wohl meistens der Knackpunkt sein. Einen Tod muss man halt sterben, aber wenn es möglich ist, kann m.E. weniger Geld, aber mehr Zeit glücklicher machen als der umgekehrte Weg. Nur ist auch hierbei wahrscheinlich "jeder Jeck anders", wie man in Köln sagt.

Besonders berührt hat mich der folgende Abschnitt (...)
Danke!
Zumindest ich (und Jonas ;)) habe eine ganz andere Ruhe, wenn ich meine Sachen zeitlich gut erledigt bekomme, als wenn ich ständig das Gefühl habe, nicht hinterherzukommen.
Aber es bleibt schwierig, auch ich arbeite weiter daran!

PS: Ich bin neu im Forum bzw. habe bisher immer nur mitgelesen...
Aber nun hast du mit diesem Kommentar einen Anfang gemacht! :thumbsup:

Viele Grüße!
Rob
 
Monster-WG
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Lieber @Rob F

die Zeitdiebe sind hier zwar nicht die grauen Männer, sondern eher die Umstände, aber es bleibt natürlich ein Thema, das wohl jeden immer mal wieder beschäftigt:
Wo ist die Zeit geblieben?

Danke für deinen Kommentar! Auch mich beschäftigt es immer wieder "mehr Zeit zu finden" und ich habe versucht, meine Gedanken hierzu in dieser Geschichte unterzubringen.
Freut mich sehr, wenn sie dir gefallen hat!

Das stimmt.
Gern geschehen.
Das hast Du sehr gut umgesetzt.

Je hoffnungsloser seine Situation ist, umso schlimmer wird es ... So muss er irgendwann darüber nachdenken, ob er nicht grundsätzlich einen anderen Weg einschlagen muss.

Das hast Du sehr gut rübergebracht.

Ich hatte hierbei überlegt, ob ich den "Märchen"-Tag vergebe, aber ich denke "Alltag" und "Seltsam" passt schon ganz gut. Eine Aussage der Geschichte soll ja auch sein, dass mehr Hilfe da sein kann, als man grundsätzlich glaubt. Wenn man es zulässt, oder direkt danach fragt.

Ja, Märchen wäre irgendwie too much. Und "mystisch" als Tag gibts wahrscheinlich nicht, gell?

Danke! Ist ja auch immer ein guter Tipp!

Das sehe ich auch so. Ich finde die Wortkrieger klasse :thumbsup:

Auch hierfür vielen Dank! Er entledigt sich seines Stress-Taschentuchs!

Deine Formulierungsvorschläge habe ich übernommen, danke hierfür!

Viele Grüße und noch einen schönen Abend!

Gern geschehen.

Ich wünsche Dir einen angenehmen Mittwoch.
LG Silvita
 
Senior
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"Die Zeit geht nicht, sie stehet still, / Wir ziehen durch sie hin;
Sie ist die Karawanserei, / Wir sind die Pilger drin. //
Ein Etwas, form- und farbenlos, / Das nur Gestalt gewinnt,
Wo ihr drin auf und nieder taucht, / Bis wieder ihr zerrinnt. //
Es blitzt ein Tropfen Morgentau / Im Strahl des Sonnenlichts;
Ein Tag kann eine Perle sein / Und ein Jahrhundert nichts. //
Es ist ein weisses Pergament / Die Zeit, und jeder schreibt
Mit seinem roten Blut darauf, / Bis ihn der Strom vertreibt. //
..." Gottfried Keller​

Seh ich es richtig oder täuscht mich mein Gedächtnis, dass ich Dich das letzte Mal zu Frau Gustos Zeiten besucht habe?,

lieber Rob?

Da wird es aber mal wieder „Zeit“ vorbeizuschauen, bevor der Zeitstrahl vor mir nur noch einen Katzensprung lang ist und hinter mir im Horizont verschwindet. So was wie ein „Café Tempus“ in Verbindung mit dem „Bistro Futurae“ täte wohl jedem gut - vor allem denen, die nach der weisungsgebundenen Arbeitszeit dem Diktat ihre Telefones hingeben - weil sie es zu müssen glauben und scheinbar nicht mehr anders können.

Bei einem Pilsken oder Maibock wäre sogar eine Teestube erträglich, über Zeit zu vielosophieren
„Zeit“ ist ein weites Thema und Du bietest ein Stück Literatur der Arbeitswelt vom Zeit- und Arbeitsdruck im Spannungsfeld zu privaten Angelegenheiten, die in der aktuellen Krisenzeit im Rausch des „Home-Office“ sogar den Arbeitsalltag in die private Wohnung verlegt – als wenn nicht der Beschäftigte schon den Arbeitsalltag bis in die dann nur noch sog. Freizeit hinein schleppt, ob er nun am Hochofen steht (und um Thyssen und seinen Arbeitsplatz fürchten muss) oder im Callcenter bequem sitzt und Marketing als Beratung verkleidet betreibt. Da verfolgt und verschlingt der „Wal“ den Jonas (hebr./dt. „Taube“) auf Dauer, wenn der ihn acht Stunden gefangen hält und – nach Arbeitsrecht – nach elf Stunden schon wieder zurückrufen kann. Ein bisschen Ironie leuchtet somit in der Wahl der Namen auf, wobei schon die ersten Worte mit dem Wortspiel meine Aufmerksamkeit wecken und vorgaukeln, wer da den Herrn Zitier herbei-zitiert müsste doch eigentlich so heißen. Namen sind manchmal tatsächlich Schall und Rauch.

Flusenlese

Die Kollegin, die ihm gegenüber saß, blickte kurz zu ihm hoch …
„gegenübersitzen“ zusammen

Auch ohne sich umzusehen[,] bemerkte er die Blicke seiner Kollegen.
„Nur ganz kurz, kommen Sie rein.“
Klingt nach mehr als einer bloßen Aussage – nicht mal nach einer Bitte! Wie gleich

„Und machen Sie bitte die Tür zu.“
der ich auf jeden Fall ein „!“ gönne!

„Nein, so[...]weit alles in Ordnung. Bis auf die Scheidung, aber es ist fast alles geregelt.“
Soweit ich weiß, nur als Konjunktion zusammen. Kommt relativ selten vor, wesentlich häufiger als unbestimmte örtl./zeitl. Angabe. Tipp: im Zweifel auseinander, verringert die Fehlerquote von 0,9 auf 0,1

„Reißen Sie sich zusammen“, unterbrach sein Vorgesetzter. „Es wird keine Ausnahmen geben.“
Das klingt doch schon ganz anders als oben!!!!!!!

Die Kälte, die er eben noch in den Knochen hatte, spürte er kaum noch.
Nicht unbedingt falsch, aber warum das schlichte „haben“ als Vollverb, wenn das folgende Verb („spüren“) schon die Vorlage für ein entsprechendes Verb liefert – „fühlen“, also „… die er eben noch in den Knochen fühlte, spürte er ...“

Noch einmal blickte er nach oben zur fünften Etage, betrachtete die Fenster des Callcenter

Genitiv-s nicht vergessen!

Kleine Flüchtigkeit
Er schwitz[t]e wieder, wischte sich mit der Hand über die Stirn.

Er drehte sich noch[...]mal um, bevor er hinaus ging. „Wer sind Sie?“
auseinander, weil eigentlich ein verkürztes „noch einmal“

Kurz & gut: Gern gelesen vom

Friedel
 
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@Friedrichard

Seh ich es richtig oder täuscht mich mein Gedächtnis, dass ich Dich das letzte Mal zu Frau Gustos Zeiten besucht habe?

Hallo Friedel,

das kann gut sein! Ich glaube, es ist seit den Gästen von Frau Gusto aber auch das erste Alltagsthema, vielleicht ja auch deswegen. Danke für deinen Kommentar!

"Die Zeit geht nicht, sie stehet still, / Wir ziehen durch sie hin;
Sie ist die Karawanserei, / Wir sind die Pilger drin. //
Ein Etwas, form- und farbenlos, / Das nur Gestalt gewinnt,
Wo ihr drin auf und nieder taucht, / Bis wieder ihr zerrinnt. //
Es blitzt ein Tropfen Morgentau / Im Strahl des Sonnenlichts;
Ein Tag kann eine Perle sein / Und ein Jahrhundert nichts. //
Es ist ein weisses Pergament / Die Zeit, und jeder schreibt
Mit seinem roten Blut darauf, / Bis ihn der Strom vertreibt. //
..." Gottfried Keller
Es gibt ja immer wieder versuche, zu ergründen und beschreiben, was die Zeit denn nun eigentlich ist. Vielleicht sind die Menschen aber auch die einzigen, die überhaupt darüber nachdenken und somit auch alleine den Zeitbegriff hervorgebracht haben? Nur um dann nicht zu wissen, was sie denn nun eigentlich ist ...
Tiere, die einfach ihrem natürlichen Rhytmus folgen, machen sich solche Gedanken garantiert nicht.
Also hat der Mensch die Zeit erfunden, um sich selbst zu immer mehr, immer schneller anzuspornen? Ist sie letzten Endes nur ein erfundenes "Leistungsmaß"?
Ich lasse es mal besser gut sein, sonst versinke ich doch noch im Philosophischen ...

So was wie ein „Café Tempus“ in Verbindung mit dem „Bistro Futurae“ täte wohl jedem gut
Auch wenn es sie mit diesen Namen wohl nicht gibt, existieren doch zum Glück immer wieder Orte, wo man gut abschalten kann, auch in Großstädten.
m.E. sind es hauptsächlich kleinere Cafés und Bistros, abseits der großen Ketten, die entsprechend individuell eingerichtet wurden. Wer aufmerksam ist, findet sich auch! Vielleicht sind einige der Besitzer ja auch ehemalige, leidgeplagte Angestellte, die irgendwann hingeschmissen haben.

Der Nachname "Zitier" hat für mich übrigens auch den Hintergrund, dass in ihm die Buchstaben für "Zeit" stecken. Der Klang von "Herr Zitier" ist ein passender Nebeneffekt, an den ich zunächst gar nicht gedacht hatte ... ein ehemaliger Kollege von mir hieß tatsächlich so.

Vielen Dank auch hierbei für die Flusenlese! Ich habe entsprechend korrigiert und bin beruhigt, dass es diesmal nicht allzu viele waren.

Im Sinne dieser Erzählung wünsche ich dir weiterhin eine gute Zeit, oder nach Volker Pispers:
Bis neulich!

Viele Grüße,
Rob
 

MRG

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12.03.2020
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Hi @Rob F,

wollte dir noch mal kurz eine Rückmeldung geben. Es wird mir jetzt klarer, wie du das gemeint hast mit diesen beiden Kommentaren von dir:

nachdem ich nochmal drüber nachgedacht habe, gehe ich davon aus, dass zum Ende hin (die letzten beiden Absätze) bisher nicht deutlich wird, dass bereits einige Zeit vergangen ist, seit Jonas im Café Tempus war.
Vielleicht wird die Entwicklung von Jonas so etwas nachvollziehbarer.

Ergibt für mich jetzt deutlich mehr Sinn.


Beste Grüße
MRG
 

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