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Clubrausch

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17.07.2020
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Clubrausch

Ich sitze hier unter Leuten und fühl mich leicht. Die Musik ist gut! Ich bewege meinen Rollstuhl durch den Club und drehe mich, als würde ich schweben. Ich nehme aufmerksame Blicke auf mich. Sie beobachten mich. Die Leute wundern sich, dass ich hier aufkreuze und unbeschwert meine Runden drehe. Sie denken sich, wie kann so jemand, trotz einer schweren Krankheit, so lebendig sein. Aber hey, es geht. Es ist kein Problem. Viele feiern mich auch einfach ab und klopfen mir auf die Schulter. Zwei Leute strecken mir Daumen hoch entgegen und ich nicke ihnen knapp zu. Ich brauche ihre Anerkennung nicht, aber danke. Ich stehle mich genau in die Mitte und manövriere meine Hand von der Steuerung und fische mühevoll nach meinem Handy, das neben meinem Oberschenkel liegt. Endlich liegt es in meiner Hand und ich kann WhatsApp öffnen. Die Meute tanzt um mich herum, aber ich kann nur das neue Profilbild von dem Mädchen wahrnehmen. Ihre roten Haare leuchten mir entgegen und mein Herz hämmert gegen meine Brust. Ich schließe Whatsapp wieder und schaue auf. Ich lasse den Blick durch den Club schweifen und plötzlich sehe ich die roten Haare. Mir stockt der Atem. Ihre grünen Augen fixieren mich und ein Lächeln umspielt ihren Mund. Sie kommt auf mich zu und ich nehme, nichts mehr war. Ein paar Herzschläge später, drückt sie ihre süßen Lippen gegen meine und ich bin im Himmel. Perfekt!
 
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29.12.2013
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hallo @MichiTerra
und herzlich willkommen!

ein paar Leseeindrücke von mir:
zuerst war ich anhand der Überschrift skeptisch, ob das so ein stumpfer Sauftrip aus ner Disse wird.


Ich sitze hier unter Leuten und fühl mich leicht.
Müsste glaube ich "fühle" heißen. Das "leicht fühlen" ist nicht gewöhnlich und damit fand ich das gut.
Die Musik ist gut.
ja. Ok.
Ich bewege meinen Rollstuhl durch den Club und drehe mich, als würde ich schweben.
gut. Damit kommt sie Besonderheit Deines Textes raus.. Macht neugierig zum weiterlesen.
Ich nehme aufmerksame Blicke auf mich.
mhm. Ab hier wird es Klischeehaft.
Sie beobachten mich.
ist mit dem vorsatz redundant.
Die Leute wundern sich, dass ich hier aufkreuze und unbeschwert meine Runden drehe.
wenn er so leicht ist und sich amüsiert, wieso ist er dann so auf die anderen fokussiert? Passt für mich nicht ganz zusammen.
Sie denken sich, wie kann so jemand, trotz einer schweren Krankheit, so lebendig sein.
oh, wie ich sowas schon im realen Leben doof finde: Leute die denken was andere denken! Das stimmt zu 99% nicht. Gerade bei Geschichten ist sowas doch unnötig. Muss es der Ich-erzähler sein? Wenn es dir als Autor wichtig ist, dass die anderen das denken, dann lass es die anderen denken. Oder willst du wirklich, dass dein Protagonist so ein Klischeehaftes (oder aus meiner Sicht: Eingeschränktes) Denken hat?

soweit meine Gedanken dazu.
ich hoffe, du kannst damit etwas anfangen!
Gruß
pantoholli
 
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17.07.2020
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Hey, vielen Dank für dein Feedback. Das verschafft mir einen neuen Blickwinkel auf meine Geschichte. Ich glaube, es kommt sehr häufig vor, dass man denkt, was die anderen denken könnten. Also mir geht das leider manchmal so. Findest du, dass macht den Protagonisten etwas unsympathisch?
 
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uff. Kann ich gar nicht beantworten. Dann jeder denkt was andere denken können. Das ist normal. Es kommt darauf an, was man damit macht.

je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr habe ich den Eindruck, dass du versuchst etwas nobles zu vermitteln - die normalen Gedanken eines Rollstuhlfahrers, aber der Text (oder der Protagonist selbst) bleibt in genau den Klischees verfangen, die du anprangerst und das gibt dem Text einen bitteren Beigeschmack, der das noble verblassen lässt.

und damit ist es egel, ob ich den Protagonisten sympathisch finde, oder nicht.

Gruß
pantoholli
 
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17.07.2020
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Naja, ich versuche zu vermitteln, das man auch als Rollstuhlfahrer, unbeschwert am normalen Leben teilnehmen kann, egal wie hart das Schicksal ist und glücklich sein kann. Und das man sich auch gegen Widerstände durchkämpfen muss: Komische Blicke der Leute z.B. usw.
 
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29.12.2013
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Hallo, Ich habe es geahnt und glaube Du hast meine Kritik am Text nicht verstanden.

Ein Ich-Erzähler hat einen Vorteil: Man kann als Autor die Gefülstwelt des Protagonisten einfacher darstellen - er hat aber auch einen großen Nachteil: Man kann auch als Autor die Dinge NUR aus Sicht des Protagonisten zeigen! Das bedeutet, als Leser lese ich alles durch die Brille des Protagonisten - ALLES.

An Deinem Text lese ich also die Sätze: "Sie beobachten mich. Die Leute wundern sich, dass ich hier aufkreuze und unbeschwert meine Runden drehe." eher so, dass das die Empfindungen des Protagonisten sind. Ob das Einbildung ist, oder ob er wirklich beoabachtet wird kann ich als Leser gar nicht einschätzen - da kommt dann meine Interpretation ins Spiel: Und für mich ist jemand, der sich in einem Club wirklich amüsiert jemand, der einach nur die Musik genießt - sich dabei bewegt. Wenn er sich dabei wirklich amüsiert, sind ihm die anderen völlig egal. Insofern lese ich die Stelle so, dass der Prota sich sehr abmüht sich zu amysieren, aber er es nicht schafft. Er fühlt sich ständig beobachtet. Er ist nicht frei - er ist gefangen in dem Klischee, dass ihn alle anstarren - ob das so ist, oder nicht. Er tanzt nicht, sondern baut sich seinen eigenen Spießrutenlauf im Kopf. Die Kröunung war für mich dann das Denken was andere Denken.
Deshalb meine Frage im ersten Kommentar, ob es wirklich der Ich-Erzähler sein muss. Denn mit dieser Perspektive vermittelt Dein Text nicht das, was du wolltest - zumindest bei mir, kann sein, dass andere das anders lesen.

So war jedenfalls mein Leseeindruck.

Gruß
pantoholli
 
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17.07.2020
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Ok, ich glaube jetzt habe ich verstanden, was du meinst. Dein Leseeindruck ist sehr interessant und bringt mich zum Nachdenken. Vielleicht probiere ich mal eine andere Perspektive aus.
 
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29.12.2013
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Apropos die andere Perspektive und meine Anmerkungen:
Wenn ich mir vorstelle, in einer Disco tanzt ein Rollstuhlfahrer mit, dann habe ich 3 Möglichkeiten:
- Nicht hinschauen - dann stolpere ich irgendwann über ihn
- vorbeischauen und ihn im periphären Blick wahrnehmen - dann schaue ich verstohlen vorbei
- ihn anschauen - dann starre ich ihn an.
^^kann ich als "normaler" mich überhaupt richtig verhalten? (Die Frage bezieht sich auf das Klischee!) Rein physikalisch muss ich ihn irgendwann anschauen, um ihn nicht umzutanzen. Und vom Kopf her - hey, ich schaue mir auch andere Tanzende an - ich habe sogar Spaß dran, mir Leute, die sich amüsieren, anzuschauen. Wenn ich mir dann den Rollstuhlfahrer anschauen - ist das dann nicht sogar eine Art Gleichstellung?
Das der Rollstuhlfahrer sich dann angestarrt fühlt - ist das dann (m)ein Problem?
Diese Gadenken stehen auch hinter meiner Aussage, dass der Rollstuhlfahrer in dem Klischee verfangen ist.

Weiß nicht, ob das jetzt schon zu off-topic ist. Fiel mir aber noch dazu ein.

Gruß
pantoholli
 
Wortkrieger-Team
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31.01.2016
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Hey @MichiTerra ,

dein szenischer Beitrag aus der Ich-Perspektive fällt recht kurz aus und im engeren Sinne fehlt ihr eine ganze Menge, um bei mir als Leser, Emotionen, eine Bindung oder Nähe zuzulassen. Ich schaue mir diesen Moment im Club an und freue mich am Ende mit dem Protagonisten. Es wäre für mein Empfinden eine gute Ausgangssituation für eine ... Geschichte eben. Mit einer Handlung, einem Konflikt, einer Wendung, einer Atmosphäre.

Sie kommt auf mich zu und ich nehme, nichts mehr war.

wahrnehmen

So mein Leseeindruck. Ich wünsche dir hier viel Spaß im Austausch mit Gleichgesinnten. Kanji
 
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17.07.2020
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@pantoholli,

So habe ich das noch gar nicht gesehen. Man möchte ja als Rollstuhlfahrer so normal wie möglich behandelt werden. Ich habe das manchmal auch, wo ich denke "Oh, der starrt mich jetzt an, weil ich anders bin", aber vielleicht denken sich die Leute auch einfach gar nichts in dem Moment.
 
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08.01.2018
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Hi @MichiTerra und willkommen bei den Wortkriegern!
Im Moment lassen sich Stärken wie Schwächen in deinem Schreiben erkennen. Trau dir doch mal mehr zu - und uns auch. Würde gern mal mehr lesen. Und du würdest sicher gern mehr schreiben. Oder hast schon? Nur zu! Wir vertragen das. Und du auch.
Hau mal rein!
Gefällt mir bisher zwar, lockt mich aber nicht aus der heimischen Werkstatt. Der verlangt es nach Konflikten, Zwietracht, Unverständnis oder ... was weiß ich.
Auf jeden Fall darfst du dich weit ungehemmter austoben, wenn dir danach ist.
Liest sich aber schon mal nett. Noch nicht perfekt, aber nett. Mach mal.

Liebe Grüße
Joyce
 
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17.07.2020
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@Kanji,

Hey, vielen Dank für dein Feedback. Du hast recht. Eine richtige Geschichte ist es nicht, eher so ein kurzer Einblick in die Gefühlswelt von dem Protagonisten mit ein wenig Handlung. Ich schreibe viele kleine Texte, mit kurzen Einblicken, habe aber schon längere Texte angefangen, die eine Geschichte werden.

@joycec,

Ok, danke! Der Text ist auch schon etwas älter, mittlerweile schreibe ich auch längere Texte. Aber vielleicht werde ich diesen noch mehr ausbauen. Danke für deine motivierenden Worte. :-)
 
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