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  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

Collector

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Collector

Es war wahrscheinlich das Bistro mit der außergewöhnlichsten Aussicht im Universum.
Lissy setzte sich mit ihrem Kaffee an einen der kleineren Tische direkt an dem Panoramafenster und blickte auf „A0620-00“, das Schwarze Loch im Sternbild Einhorn.
„Woran denkst du?“, fragte ihr Kollege Scott, nachdem sie einige Minuten dort gesessen hatte. Er hatte sich ebenfalls einen Kaffee geholt und setzte sich zu ihr.
„Es ist wunderschön, aber auch ... ich weiß nicht, so fremdartig, beängstigend“, antwortete sie. Lissy sah erneut aus dem Fenster, sie umkreisten das Schwarze Loch in einem sicheren Abstand zum Ereignishorizont. In jedem Fall fand sie es faszinierend, umgeben von Partikeln in allen erdenklichen Farben. Rotierend wie ein bunter Wasserstrudel, der für immer im Nichts verschwand. Was mochte in seinem Inneren passieren?
„Wir sind noch lange genug hier, du wirst dir schon noch darüber klar werden“, meinte Scott.
„Ja, sieht wohl so aus. Ich hab einfach zu viel Zeit, aber das ist ja auch ein gutes Zeichen.“
„Wird die Föderation freuen, alle Versuchskaninchen gesund und munter.“ Scott blickte sich um, aber es war niemand in der Nähe. „Und wie sieht es mit Vince aus?“
„Im Moment ist er unauffällig, seine Stresswerte sind zwar noch etwas erhöht, aber nicht bedenklich. Ich erhalte direkt eine Nachricht, wenn seine Werte wieder steigen, genau wie bei allen anderen Crewmitgliedern.“ Sie hob ihr Handgelenk mit dem Kommunikator. „Aber ich spreche auch weiterhin regelmäßig mit ihm, werde mich auch gleich noch dransetzen, mit allen anderen an Bord einen Termin zu vereinbaren. Habe, glaube ich, etwas den persönlichen Kontakt verloren, aber es läuft alles so ruhig, seit wir hier angekommen sind.“
„Wir haben halt alle nicht allzu viel zu tun. Im Moment prüfen wir hauptsächlich, dass die Systeme der Collector fleißig Daten sammeln.“
„Falls ich über meine Zeit hier mal etwas schreibe, nenne ich den Artikel vielleicht ‚Ereignislos am Ereignishorizont‘, oder so ähnlich“, meinte Lissy.
Scott sah sich erneut kurz um. „Es muss ja nicht alles ereignislos sein. Sehen wir uns später noch?“, flüsterte er.
„Vielleicht.“

Lissy hatte in ihrem Behandlungszimmer den Ausblick auf das Schwarze Loch durch eine Seenlandschaft ersetzt. Beruhigende Farbtöne, blau und grün.
„Wie geht es Ihnen heute, Vince?“, fragte sie, nachdem er sich ihr gegenüber hingesetzt hatte.
„Auf jeden Fall besser als an den ersten Tagen, nachdem wir die Schlafkammern verlassen haben. Ich glaube, der Anblick des Schwarzen Lochs hat mich ziemlich aus der Bahn geworfen.“
„Ihre Werte sehen nun stabil aus, aber ich denke, wir behalten mal eine geringe Medikation bei. Vielleicht sprechen wir nochmal darüber. Macht Ihnen im Moment etwas Angst?“
„Na ja, ich … ich glaube, durch das Medikament geht es nun. Aber ich denke immer mal wieder darüber nach, wie ein kleiner Fehler dazu führen könnte, dass wir in das Schwarze Loch gezogen werden. Ich bin zwar nur als Sicherheitsoffizier an Bord, aber … na ja, so sehe ich es halt.“
„Ich denke, das müssen Sie nun nicht mehr. Wir sind schon einige Tage hier auf einem stabilen Kurs, und so bleibt es auch, bis wir wieder den Rückflug zur Erde beginnen. Wir fliegen nicht mehr näher heran. Wie wäre es, wenn Sie Scott mal ansprechen? Er kann Ihnen als Chefingenieur genau erklären, weswegen keine Gefahr droht. Dann sind sie bestimmt noch etwas beruhigter.“
Vince sah sie einige Sekunden an, ohne zu antworten und betrachtete dann mit glasigen Augen das Bild der Seenlandschaft. So als würde er hindurch sehen und das Schwarze Loch betrachten. Schließlich sagte er: „Es ist wahrscheinlich das Unbekannte, das mir Angst macht. Der Anblick ist so fremdartig, aber auch gleichzeitig so anziehend. So als würde es uns rufen, in sein Innerstes zu fliegen.“
„Aber sie wissen, dass es das nicht tut? Es ist nur die Faszination, die es ausübt. Seine Fremdartigkeit, die wir versuchen zu verstehen“, erklärte Lissy. „Vince?“
Er zuckte zusammen, als hätte sie ihn aus einer Trance geweckt und sah sie wieder an. „Ja, fremdartig ... Was wollte ich … Haben Sie je von dem Vorgehen der Föderation gehört, eine versteckte weitere Mission unterzubringen, von der die gesamte Crew nichts weiß? Bis eine entsprechende Person aktiviert wird?“
Lissy betrachtete Vinces Werte auf dem Holodisplay, aber sie waren weiterhin im Normbereich. „Ja, während der Akademie, und natürlich ist es immer wieder mal ein Gesprächsthema unter Kollegen. Aber soweit ich weiß, ist die ‚Mission Zwei‘ nur ein Gerücht, das bisher nie bestätigt wurde. Ich habe die Föderation immer als offen und kommunikativ erlebt, ich kann mir also eigentlich nicht vorstellen, dass sie ihre Mitarbeiter gegeneinander ausspielt.“
„Nein, wahrscheinlich nicht. Weiß auch nicht, wie ich jetzt darauf komme. Ich habe in der Nähe dieses Ungeheuers wahrscheinlich einfach nur Angst, dass jemand einen Fehler macht.“
„Also, Vince, Sie wissen ja, dass sie sich jederzeit bei mir melden können, wenn es Ihnen nicht gut geht, oder sie über etwas sprechen möchten. Falls ihre Angstgefühle wieder stärker werden, haben wir auch noch die Möglichkeit, die Medikation etwas zu erhöhen. In Ordnung?“
„Ja, danke, ich denke es wird gehen, und ich werde demnächst mal bei Scott vorbeischauen.“
„Machen Sie das. Falls vorher nichts ist, sehen wir uns in einer Woche wieder, zur gleichen Zeit.“

Lissy genoss die Ruhe in ihrem Behandlungszimmer. Alle Gespräche und Untersuchungen für diesen Tag waren erledigt. Sie drehte sich auf ihrem Stuhl zum Fenster und entfernte per Sprachbefehl die Seenlandschaft. Sie wollte schon immer das Weltall und fremde Welten sehen, inspiriert durch die Erzählungen ihres Vaters. Auch in der Finsternis des Alls war die Verzerrung zu spüren, je näher sie in Richtung des Zentrums des Schwarzen Lochs sah. Als würden sich Raum und Zeit auflösen und zu etwas völlig Neuartigem werden.
Es war zunächst ein kaum merkliches Gefühl, als würde sie ganz leicht durch eine unsichtbare Kraft nach vorne gezogen. Im Zentrum des Lochs breitete sich ein rötliches Licht aus. Die Kraft wurde stärker, zog sie immer schneller in Richtung des Leuchtens. Nicht nur sie, die gesamte Collector. Etwas kam aus dem roten Licht …
Lissy wachte schweißgebadet auf. Ihr Puls raste. Sie sah sich um und war natürlich in ihrer Kabine, alles war in Ordnung. Durch Konzentration auf ihre Atmung versuchte sie sich zu beruhigen, es dauerte dennoch einige Minuten, bis sie wieder etwas klarer denken konnte. Scott lag neben ihr und schlief tief und fest. Sie strich ihm über seine kurzen schwarzen Haare, als wollte sie sich davon überzeugen, dass er wirklich da war.
Es war kurz nach fünf Uhr morgens, nur noch knapp zwei Stunden, bis sie aufstehen musste. Sie war nun hellwach und entschloss sich, im Bistro einen Kaffee zu trinken, bevor sie duschte und ihre Arbeit begann. Sie band ihre langen blonden Haare zusammen und verließ leise die Kabine. Die Flure waren verlassen und Lissy genoss die Ruhe, genau wie zu Beginn ihres Traumes.
„Vince?“, fragte sie, als sie das Bistro betrat. Er stand vor dem Panoramafenster und blickte nach draußen. Neben ihm lag eine zerbrochene Kaffeetasse. Der Kaffee breitete sich weiter aus, erreichte seine Füße. „Was machen Sie hier um diese Zeit?“
Er antwortete, ohne sich zu ihr umzudrehen: „Wir hätten nicht hierher kommen sollen.“
Lissy prüfte ihren Kommunikator, bekam jedoch keinen Hinweis auf erhöhte Stresswerte. Sie ging näher an ihn heran und fragte: „Wie kommen Sie darauf? Haben sie mit Scott gesprochen?“
„Keine Technik kann dieser Macht etwas entgegensetzen. Ich werde nicht in seiner ewigen Finsternis gefangen sein.“
Erst jetzt bemerkte sie, dass er etwas in der Hand hielt. Eine große Scherbe der zerbrochenen Tasse. „Vince, lassen Sie uns reden. Ich sagte Ihnen doch ...“
Er drehte sich zu ihr um und unterbrach sie: „Sie müssen sich schützen. Ich kann es nicht.“
„Ich weiß nicht, was ...“ Weiter kam sie nicht. Mit einer schnellen Bewegung, der sie kaum folgen konnte, stach sich Vince mit der Scherbe in die Halsschlagader. Wieder und wieder. Sie wollte zu ihm laufen, ihn daran hindern. Stattdessen stolperte sie rückwärts und fiel hin. Rief über ihren Kommunikator nach Scott, er war der erste, an den sie dachte. Vince ging in die Knie, sein Hals war nur noch eine rote Masse. Das Blut lief die weiße Uniform herab, vermischte sich auf dem Boden mit dem Kaffee.

„Ich dachte, er wäre körperlich und mental stabil? Erklären Sie mir das!“, forderte Kapitän Glen von Lissy.
„Ich …“ Sie sah zu Scott, als könnte er ihr helfen die richtigen Worte zu finden. „Ich kann es noch nicht, aber ich werde gleich die Autopsie durchführen, zusammen mit Ilan.“
„Ich erwarte direkt im Anschluss Ihren Bericht. Bis dahin läuft hier alles so weiter, als wäre nichts passiert. Niemand außer den hier Anwesenden und Ilan weiß bisher davon, und ich erwarte, dass das so bleibt!“
„Und wenn jemand nach Vince fragt?“, wollte Rikon wissen, der Sicherheitschef der Collector. Er hatte geholfen die Leiche in den Operationsraum zu bringen, bevor ein Reinigungsroboter das Blut und den Kaffee beseitigte.
„Dann hat er eine Magen-Darm-Grippe und ruht sich in seinem Zimmer aus“, antwortete Glen. „Wir treffen uns hier in zwei Stunden wieder. Sonst noch etwas?“ Er blickte in die Runde, sie saßen in dem Besprechungsraum nahe der Brücke.
„Ja“, sagte Lissy. Alle sahen sie an, während sie überlegte, wie sie anfangen sollte. „Vince hat …“
„Sie unterliegen nach seinem Tod nicht mehr der ärztlichen Schweigepflicht, Doktor Plato. Also raus damit!“
„Vince fragte mich, ob ich je von der ‚Mission Zwei‘ gehört habe. Er schien nicht aufgebracht oder ängstlich, aber es beschäftigte ihn.“
„Ich weiß auch nach über zwanzig Jahren bei der Föderation nicht, wie dieser Unsinn entstanden ist. Die primäre und sekundäre Mission ist hier ja hoffentlich jedem bekannt. Wir sind die Ersten bei denen beobachtet wird, wie wir auf die Nähe eines Schwarzen Lochs reagieren. Eine versteckte weitere Mission existiert an Bord meines Schiffes nicht. War es das?“
Kapitän Glen blickte mit zusammengekniffenen Augen in die Runde. Keiner sagte mehr etwas.

Vince Leiche lag auf dem Obduktionstisch. Ilan war als Allgemeinmediziner und Chirurg an Bord und hatte bereits alles vorbereitet. „Ich habe die Wunde am Hals gereinigt, ansonsten ist er unverändert, ich habe ihm nur die Kleidung ausgezogen“, sagte er.
Obwohl er ein erfahrener Arzt war merkte Lissy an seiner leisen Stimme, dass die Obduktion eines Kollegen auch für ihn eine belastende Situation war. Es war als Neurologin und Psychiaterin noch weniger ihr Gebiet als seins, aber sie mussten dies abdecken, an Bord eines Raumschiffes. Sie betrachtete Vinces nackten Körper, und konnte außer seinem zerstörten Hals keine weiteren Verletzungen oder Hautunreinheiten erkennen. Kein Hinweis darauf, dass er Drogen genommen hatte. „Haben Sie etwas Auffälliges in seinen Blutwerten gefunden?“, fragte sie.
„Nein, nur das Medikament, das Sie ihm verschrieben haben. Und keiner ihrer vorherigen Tests wies auf eine Suidi … Suizidalität hin. Auerde … Außerdem … Entschuldigung ...“
„Ilan? Ist Ihnen nicht gut?“, fragte Lissy besorgt. Ilan stütze sich mit beiden Händen auf den Obduktionstisch, er war kreidebleich geworden.
„Habe schon seit fast einer Stunde Koschme … Kopfschmerzen, und …“
„Setzen Sie sich erst mal, ich hole Ihnen ein Glas Wasser!“
Ilan blickte auf, seine Augen waren blutunterlaufen. „Es ruft uns. Sie werden mich nicht aufhalten.“
„Ilan, was …“ Er griff mit einer schnellen Bewegung über den Obduktionstisch, packte sie am Kragen des Kittels und zog sie zu sich. Sie versuchte, ihn wegzudrücken, aber er war zu stark. Mit seiner anderen Hand tastete er nach dem Skalpell, das er bereits für die Obduktion neben die Leiche gelegt hatte. Lissy versuchte, seinen Arm festzuhalten, aber es war zu spät. Er umgriff das Skalpell und versuchte damit in Lissys Hals zu stechen. In letzter Sekunde schaffte sie es, seinen Arm nach unten zu ziehen, die Klinge stach in ihre Schulter. Sie schrie auf vor Schmerz. Ilan zog das Skalpell heraus und holte erneut damit aus. Lissy handelte instinktiv und rammte ihm den Ellenbogen ins Gesicht. Es gab ein Knacken, als seine Nase brach. Er ließ sie los, und sie taumelte zurück.
Ilan stand nach vorne gebeugt direkt hinter dem Obduktionstisch, griff sich an die Nase und betrachtete das Blut an den Händen. So als könnte er nicht glauben, was passiert war. Das Skalpell hatte er fallen gelassen. Lissy trat so fest sie konnte gegen den Tisch und traf Ilan damit an der Stirn, als er gerade aufblicken wollte. Sein Kopf wurde zurück in den Nacken geworfen. Er fiel nach hinten und blieb bewegungslos liegen. Blut lief aus seiner Nase und der Wunde an seiner Stirn.

„Zimmerservice!“, sagte Scott, als er ihre Kabine mit einem Tablett betrat. „Wie geht es dir?“
Lissy blickte ihn an, ihr Gesicht noch immer kreidebleich. „Danke, es geht schon. Aber wie geht es Ilan?“, fragte sie.
„Er kann sich an nichts erinnern.“ Er stellte das Tablett neben ihr auf dem Bett ab. „Aber er ist auf dem Weg der Besserung, hat nur eine leichte Gehirnerschütterung.“
„Gott sei Dank, ich hatte Angst, dass er eine Verletzung an der Halswirbelsäule hat. Aber was ist hier bloß los?“
„Bisher hat niemand eine Erklärung. Ich denke, Glens Entscheidung ist richtig, es wird bereits alles vorbereitet um hier wegzukommen, erst mal in eine sichere Entfernung zu diesem Ungetüm. Wahrscheinlich geht es morgen gegen Mittag zurück in die Schlafkammern.“
Lissy hatte trotz der Geschehnisse ihren Appetit nicht verloren und begann zu essen. „Ja, ist wohl das Beste. Obwohl es ja bisher keinen Beweis dafür gibt, dass das Schwarze Loch etwas damit zu tun hat“, meinte sie zwischen den Bissen.
„Nein, aber wenn wir später die Daten auswerten, werden wir schon dahinter kommen. Vielleicht eine bisher nicht entdeckte Strahlung.“
„Es gibt auch noch eine andere Möglichkeit. Ich muss immer wieder an Vinces Worte denken, seine Frage nach einer ‚Mission Zwei‘.“
„Lissy, bitte, das ist doch …“
„Warte doch mal, so abwegig ist es nicht. Es ist ja auch egal, ob man es ‚Mission Zwei‘ oder sonst wie nennt, aber irgendetwas Wahres ist an solchen Gerüchten immer dran. Also nur mal angenommen, irgendein geheimes Programm der Föderation versucht nach und nach, einen geeigneten Mitarbeiter zu finden und aktivieren. Was könnte der Zweck hiervon sein? Was soll derjenige machen?“
„Kann ich dir nicht sagen und ich glaube auch nicht, dass es so ist. Zerbrich dir nicht den Kopf darüber, du wirst sehen, es wird sich später alles aufklären. Tut mir leid, ich würde gerne weiter mit dir hierüber sprechen, aber ich muss zurück an die Arbeit. Wir sehen uns später.“ Er gab ihr einen Kuss auf die Stirn.
Lissy sagte nichts mehr, als er die Kabine verließ. Sie würde jemanden finden müssen, der ihr dabei half, diese Spur zu verfolgen. Sie aktivierte per Sprachbefehl ein Holodisplay und stellte eine Verbindung zu Rikon her.

„Sie sollten sich noch schonen“, meinte Rikon als sie sein Büro betrat. Sein Gesicht war wie üblich kaum zu sehen unter seinem Cappy und dem Vollbart.
„Es geht schon, ich kann mich im Moment einfach nicht ausruhen, bei allem was passiert ist. Haben Sie etwas gefunden?“, fragte Lissy.
„Ich habe nicht die höchste Berechtigungsstufe, kann jedoch die meisten Daten einsehen. Habe aber keinen Hinweis auf einen weiteren Missionsinhalt gefunden. Und auch sonst nichts in den Daten der letzten Tage, was auf eine Unregelmäßigkeit hindeutet. Die Zusammensetzung der Luft an Bord ist wie sie sein sollte und die Daten der Crewmitglieder haben Sie ja im Blick.“
„Ja, bei keinem der Drei gab es Auffälligkeiten, es bleibt ein Rätsel.“
„Ich habe eben eine Information eines Mitarbeiters von Scott erhalten, aber ich glaube nicht, dass es hier einen Zusammenhang gibt. Das Tiefenscan-Modul ist ausgefallen, ungefähr eine Stunde bevor Vince sich umbrachte.“
„Ach! Wofür ist es da?“, wollte Lissy wissen.
„Es analysiert den Bereich am Ereignishorizont, an der Grenze hinter der Licht und Materie dem Schwarzen Loch nicht mehr entkommen können. Das ist zumindest mein laienhaftes Verständnis, sonst müssten Sie Scott oder seine Mitarbeiter mal ansprechen, die können es Ihnen besser erklären“, erläuterte Rikon.
„Und was ist nun damit?“
„Das Modul ist wohl technisch in Ordnung, scheint ein Softwarefehler zu sein. Teile des Codes wurden durch kryptische Zeichen überschrieben, dadurch hat das ganze Modul seinen Dienst eingestellt.“
„Wurde die Software sabotiert?“
„Nein, es gibt keinen Hinweis auf einen manuellen Eingriff. Als hätte irgendetwas den Code überschrieben, vorbei an allen Sicherheitsmechanismen.“

Diesmal wusste Lissy, dass es ein Traum war. Aber es war mehr als das, etwas versuchte sie zu erreichen, wie schon in der letzten Nacht. Sie saß wieder in ihrem Behandlungszimmer und betrachtete das Schwarze Loch.
Vince lag auf der Patientenliege. Sein Hals war eine grässliche Wunde, dennoch versuchte er zu sprechen, kaum hörbar: „Ich kann Ihnen nicht helfen. Sie müssen selbst entscheiden.“
Das rötliche Leuchten begann sich erneut im Zentrum des Lochs auszubreiten. Etwas kam daraus hervor, schwarze Tentakel, die nur durch das rote Licht zu sehen waren. Sie kamen auf die Collector zu, immer schneller. Eins davon durchschlug die Scheibe und griff nach ihr …
Lissy wachte auf, fühlte sich diesmal sehr ruhig. Etwas war in ihrem Bewusstsein und würde ihr den Weg zeigen. Sie blickte zu Scott. Seine Augen waren offen, ausdruckslos nach oben gerichtet. Das Bettlaken war blutgetränkt, er hatte sich die Pulsadern aufgeschnitten. Sie betrachtete die Wunden teilnahmslos. Nichts spielte mehr eine Rolle, sie würden bald woanders sein.
Sie nahm die Rasierklinge, die neben Scott lag, stand auf und zog ihre Uniform an. Die Flure waren verlassen, als sie zum Kontrollraum ging. Der wachhabende Offizier saß an einem Tisch in der Mitte des Raumes. Er war über einem Artikel auf seinem Holodisplay eingeschlafen. Lissy ging zu ihm, zog seinen Kopf an den Haaren zurück und durchschnitt die Kehle. Sie ging zu den Kontrollelementen, es war fast geschafft.

Lissy saß im Bistro und frühstückte. Niemand wusste bisher von Scotts Tod, aber es würde nicht lange dauern, bis jemand nach ihm fragte. Die Leiche des Offiziers im Kontrollraum hatte mittlerweile wahrscheinlich jemand gefunden, aber sie würden davon ausgehen, dass auch er sich selber umgebracht hatte. Die Rasierklinge lag zu seinen Füßen.
Aber es spielte ohnehin keine Rolle mehr, denn der kritische Punkt war überschritten. Niemand hatte ihre Kurskorrektur bemerkt. Sie spürte die magnetische Kraft, die sie bereits aus ihren Träumen kannte. Die gesamte Collector näherte sich immer schneller dem Ende von Raum und Zeit.
Ihre Umgebung begann sich auszudehnen und dabei gleichzeitig zu verblassen. Alles verschwand nach und nach, bis sie nur noch von Finsternis umgeben war. Waren dies die letzten Erlebnisse, die an die Föderation übermittelt wurden?
Sie hatte keinen Körper mehr, aber ihr Bewusstsein war noch da. Ein nie gekanntes Gefühl von Frieden, befreit von allen körperlichen und seelischen Schmerzen. Und es war nicht mehr nur Finsternis um sie herum. Um sie befand sich ihr ganzes Leben, in allen denkbaren Varianten. Wie in Seifenblasen eingefangene Projektionen. Ihre Kindheit, wie sie war und hätte sein können. Eine Zukunft, wenn sie die Collector nie betreten hätte. Ihr Leben, wenn sie dem Weg ihres Vaters gefolgt wäre, als Pilotin.
Es gab keinen Grund mehr zur Eile. Sie begann bereits zu vergessen, was Zeit war. Hier war alles vorhanden, immer. Würde sie einfach hier verweilen? Oder hatte sie die Möglichkeit, eine der Realitäten zu betreten, die sich um sie herum befanden?

„Was liest du?“, fragte seine Kollegin. „Du solltest längst zu Hause sein.“
„Ja“, erwiderte Carl. „Eigentlich ist die Auswertung der Daten abgeschlossen, aber ich bin über eine Datei gestolpert, die ich einfach nicht verstehe.“
„Immer noch die Collector? Sieh mal zu, dass unser Chef das nicht erfährt, du solltest eigentlich schon beim nächsten Projekt sein!“
„Ja, ab morgen, versprochen. Aber schau mal. Hier ist eine manuell erstellte Datei, sie fiel mir wegen ihrem ungewöhnlichen Namen auf: ‚Ereignislos am Ereignishorizont‘. Wer schreibt denn so was?“, fragte Carl.
„Lass mal sehen, scheint ja sehr spannend da oben gewesen zu sein.“
„Die Datei enthält kaum Worte, vieles scheint bei der Übertragung verloren gegangen zu sein. Es fehlen bei den noch vorhandenen Worten auch einzelne Buchstaben. Aber ich habe nun zumindest eine Idee, was der Inhalt sein könnte: Andere Seite. Keine Gefahr. Alle Möglichkeiten. Frieden.“
„Sehr tiefgründig. Und dafür sitzt du hier noch, abends nach 21 Uhr?“
„Das Interessanteste ist das Speicherdatum. Muss ein Übertragungsfehler sein. Es besteht nur aus kryptischen Zeichen, was eigentlich gar nicht möglich ist. Wo kommt diese Datei her?“
„Kannst du erkennen, wer sie gespeichert hat?“, fragte seine Kollegin.
„Sie wurde ursprünglich angelegt von Dr. Lissiana Plato, einen Tag bevor die Collector in das Schwarze Loch stürzte. Der Benutzername der letzten Änderung besteht wieder nur aus kryptischen Zeichen.“
„Vielleicht ein Geist in der Maschine?“
„Ja, vielleicht. Ein Geist, irgendwo.“ Er wollte gerade das Holodisplay beenden, als ein Messenger-Fenster aufging. Der Benutzername bestand nur aus Zeichen, ähnlich dem Speicherdatum der Datei. Nach einigen Sekunden erschien eine Nachricht:

„$“%$§& ha §/%(/$/ hallo ca §%/$/&/ carl &/$!§“$§) liss $! y (%§&$“! habe hie r $)/§!$§% frieden §(/)%“$! ko &)§ kommen sie !)§%§$/( alle mögl §“&§(&!/ möglichkeiten $/%(/"§$ kein e "%§/§(%! ge )§(!%§$§ gefahr §)%(/!)§“
 
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Hi @Rob F

erstmal danke für die Geschichte, war eine tolle Abendlektüre. Obwohl der erste Abschnitt ja absichtlich sehr ruhig beginnt, ist einem natürlich sofort klar, dass irgendetwas seltsames oder schlimmes passieren muss und ich wollte dann auch ehrlich wissen, was denn passiert.

Mir sind ein paar Fehler aufgefallen und ein paar Formulierungen die ich holprig fand.

„Ich weiß immer noch nicht, ob ich es schön finde oder eher einen Alptraum“, antwortete sie.
wir halten mal eine geringe Medikation bei.
"behalten"

Aber es spielte ohnehin keine Rolle mehr, denn es begann, das Gefühl, das sie bereits aus ihrem Traum kannte. Wie eine magnetische Kraft, die sie in Richtung des Schwarzen Lochs zog. Ihre Umgebung, die gesamte Collector, immer schneller in den Abgrund.
Der Ausschnitt hier gefällt mir nicht besonders gut. Der erste Satz klingt holprig, der zweite müsste denke ich einfach nicht sein, weil die Anziehungskraft des Schwarzen Lochs dem Leser an der Stelle schon völlig klar ist und der dritte Satz ist denke ich grammatikalisch einfach falsch. Vielleicht kann man das gemeinsam umformulieren, aber ist natürlich nur meine Meinung.


Ein paar Punkte in der Geschichte waren für mich nicht ganz schlüssig, aber das ist jetzt wirklich rein persönliche Meinung.

Lissy arbeitet offensichtlich als eine Art Therapeutin, dass sie dann auch noch wie ein Gerichtsmediziner Obduktionen durchführt scheint schon ein verdammt breites Aufgabengebiet zu sein.

Der letzte Abschnitt mit Lissy, in dem sie im Bistro sitzt, hat mich etwas verwirrt zurück gelassen. Mit dem Abschnitt danach wird dann klar, dass zu dem Zeitpunkt vermutlich gerade das Schiff in das Schwarze Loch gestürzt ist, aber das ist an der Stelle nicht ersichtlich. Sie sitzt einfach beim Frühstück, alles um sie scheint gerade eher ruhig zu sein und plötzlich existiert sie außerhalb von Zeit und Raum. Der Sprung war etwas extrem.

Liebe Grüße,
Julian
 
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@JReichinger

Hi Julian,

danke für deinen Kommentar! Freut mich, wenn die Geschichte unterhaltsam und hoffentlich auch etwas spannend war! Zu deinen Anmerkungen:

Ich habe deine ersten beiden Formulierungsvorschläge aufgegriffen.

Aber es spielte ohnehin keine Rolle mehr, denn es begann, das Gefühl, das sie bereits aus ihrem Traum kannte. Wie eine magnetische Kraft (...)
Der Ausschnitt hier gefällt mir nicht besonders gut. Der erste Satz klingt holprig, der zweite müsste denke ich einfach nicht sein, weil die Anziehungskraft des Schwarzen Lochs dem Leser an der Stelle schon völlig klar ist und der dritte Satz ist denke ich grammatikalisch einfach falsch. Vielleicht kann man das gemeinsam umformulieren, aber ist natürlich nur meine Meinung.
Diese Sätze gefielen mir nach deinem Hinweis auch nicht mehr sonderlich, habe sie nun ein wenig anders formuliert.

Lissy arbeitet offensichtlich als eine Art Therapeutin, dass sie dann auch noch wie ein Gerichtsmediziner Obduktionen durchführt scheint schon ein verdammt breites Aufgabengebiet zu sein.
Ich erwähnte es bisher nicht direkt, aber meine Idee war, dass Lissy eine Neurologin und Psychiaterin ist. Und als Fachärztin in einem Notfall, genauso wie ihr Kollege Ilan als Allgemeinarzt, auch die Kenntnisse für eine Obduktion haben muss (auch die Föderation spart beim Personal...). Ich habe es nun in der Szene, in der die Obduktion stattfinden soll, etwas deutlicher gemacht.

Der letzte Abschnitt mit Lissy, in dem sie im Bistro sitzt, hat mich etwas verwirrt zurück gelassen. Mit dem Abschnitt danach wird dann klar, dass zu dem Zeitpunkt vermutlich gerade das Schiff in das Schwarze Loch gestürzt ist, aber das ist an der Stelle nicht ersichtlich. Sie sitzt einfach beim Frühstück, alles um sie scheint gerade eher ruhig zu sein und plötzlich existiert sie außerhalb von Zeit und Raum. Der Sprung war etwas extrem.
Der Abschnitt ist bisher so kurz, da ich davon ausgegangen bin, dass es tatsächlich sehr schnell geht, sobald die Collector dem Ereignishorizont zu nah kommt. Die Szene ist nun nicht unbedingt länger, aber ich hoffe, dass jetzt etwas deutlicher wird, was passiert, und was Lissy am Ende der vorherigen Szene manipuliert hat.
Die Szene bleibt für mich etwas schwierig, zum einen ist sie natürlich das Finale, auf das es hinausläuft. Andererseits habe ich inhaltlich alles untergebracht, was mir wichtig war ... muss ich nochmal drüber nachdenken.

Viele Grüße!
Rob
 
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Hallo @Rob F,

das ist eine gute Geschichte, wenn auch mit ein paar Defiziten, wie ich finde. Das Mysterium um das schwarze Loch und die zweite Mission fand ich sehr interessant, aber so richtige Spannung stellte sich für mich erst gegen Ende hin ein. Spannende Momente gab es davor ja auch, wie der Selbstmord von Vince, aber die Atmosphäre bleibt lange Zeit recht alltäglich und steril, niemand scheint wirklich besorgt zu sein oder gar in Panik zu verfallen. Wenn dein Ziel ein von Anfang an stärkerer Spannungsbogen ist, müsstest du da noch mehr Elemente einstreuen, denke ich, einige der Charaktere sollten stärker auf die Ereignisse reagieren, oder es sollten mehr mysteriöse Dinge, die mit dem schwarzen Loch zu tun haben, passieren, so was. Dass es für mich keinen durchgehend greifbaren Spannungsbogen gab, habe ich aber nicht unbedingt als negativ empfunden. Es gibt ja einige in sich spannende Situationen und Langeweile kommt keine auf. Das Ende kommt so auch mit etwas mehr "Wumms", wenn es nicht die ganze Geschichte über angedeutet wird. Mir schien es nur so, dass du es in diese Richtung schreiben wolltest.

Mein größter Kritikpunkt ist, dass deine Figuren recht flach bleiben. Das liegt vermutlich auch am großen Cast, ich hätte es besser gefunden, wenn es dort nur eine "skeleton crew" gibt, die Personen dann aber diverser und tiefer charakterisiert werden. Die Ereignisse würden mich so viel mehr mitnehmen. Mir würde es gefallen, wenn deine Figuren mehr Motivationen hätten, Hintergründe, Macken, Interessen, etwas, das sie mehr von einander unterscheidet. Deine letzte Geschichte "Frau Gustos Gäste" ging ja in die genau andere Richtung, es gab nur zwei Figuren, die wurden aber schön tief und unterschiedlich beschrieben. Vielleicht könntest du noch einen Mittelweg für diese Geschichte finden.

Die Selbstmord/Mord Szenen, wo die Leute durchdrehen, haben mir sehr gut gefallen, da hätte ich mir vielleicht nur etwas mehr Vielfalt gewünscht. Sich und andere umbringen kann man doch auf mehr Wegen, als nur mit Scherben und Skalpellen.
Das Ende, wo sich Lissy im schwarzen Loch (oder wo auch immer sie wirklich war) befand, fand ich auch sehr schön und hätte mir sogar gewünscht, dass ihre Erlebnisse dort umfangreicher beschrieben werden.
Auch schön, dass sie dann versucht, andere ins schwarze Loch zu locken, was ein perfider Plan von was auch immer dort haust, zu sein scheint.

Textkram:

„Ich weiß nicht, ob ich es schön finde oder eher einen Alptraum
Das hört sich schief an. "Ich finde es eher einen Alptraum." Da fehlt was.
Ob wunderschön oder albtraumhaft
Das hört sich besser an, vielleicht kannst du die beiden Stellen ja kombinieren?

„Im Moment ist er unauffällig, seine Angstwerte sind zwar noch etwas erhöht,
Direkt "Angstwerte" messen wird wohl auch in der Zukunft niemand, das hört sich seltsam an. Messen die nicht eher den Puls, Stresshormone, Cortisol, Adrenalin oder so? Vielleicht einfach "Stresslevel" oder so was?

Habe[,] glaube ich[,] etwas den persönlichen Kontakt verloren
Da müssen Kommas hin, glaube ich ;)

Lissy sah erneut aus dem Fenster, sie umkreisten das Schwarze Loch in einem sicheren Abstand zum Ereignishorizont.
Das schwarze Loch ist so ein zentrales Element, ich würde an dieser Stelle unbedingt näher beschreiben, was Lissy sieht. So ein schwarzes Loch kann man ja nicht direkt sehen – es frisst ja selbst das Licht, aber mit Materie und Licht interagiert es trotzdem, so ein Anblick muss wirklich atemberaubend sein, das würde ich gerne sehen.

„Falls ich über meine Zeit hier mal etwas schreibe, nenne ich den Artikel vielleicht ‚Ereignislos am Ereignishorizont‘, oder so ähnlich“
Sehr schöner Einfall :thumbsup:

„Auf jeden Fall besser als an den ersten Tagen, nachdem wir aus den Schlafkammern geweckt wurden.
Das hört sich seltsam an. Sie werden doch aus ihrem Schlaf geweckt, während sie in den Schlafkammern sind.

Was bist du?“, fragte sie, den Blick auf das Schwarze Loch gerichtet.
Zu dieser Zeit ist doch Lissy noch gar nichts mysteriöses passiert, was für sie mit dem schwarzen Loch in Verbindung steht, oder? Für sie ist das schwarze Loch ein schwarzes Loch.

Stattdessen stolperte sie rückwärts, fiel hin und rief über ihren Kommunikator nach Scott. Er war der erste, der ihr einfiel. Vince fiel auf die Knie
Unschöne Wiederholungen.

wollte Rikon wissen, der Sicherheitschef der Collector
Ich bin zwar nur als Sicherheitsoffizier an Bord
„Sie sollten sich noch schonen“, meinte Rikon als sie sein Büro betrat.
Rikon ist so eine Figur, die du einsparen könntest, finde ich. Vince ist doch Sicherheitsoffizier, reicht das nicht für die Sicherheit so einer kleinen Crew? Als später Rikon wieder erwähnt wurde, wusste ich gar nicht mehr, welchen Posten er auf dem Schiff hat.
„Ich habe eben eine Information eines Mitarbeiters von Mart erhalten, aber ich glaube nicht, dass es hier einen Zusammenhang gibt. Das Tiefenscan-Modul ist ausgefallen, ungefähr eine Stunde bevor Vince sich umbrachte.“
Mart ebenso. Könnte das nicht alles Scott übernehmen? Er steht ja Lissy nah, aber wir erfahren nicht viel über ihn. Das mit den Figuren ist natürlich nur meine persönliche Meinung, es sind deine Figuren und deine Geschichte.

Also nur mal angenommen, irgendein geheimes Programm der Föderation versucht nach und nach, einen geeigneten Mitarbeiter zu finden und aktivieren.
Das habe ich nicht ganz verstanden. Wie kann den etwas nach und nach Mitarbeiter suchen und wie kann es sie denn aktivieren? Kriecht da irgendwo ein Roboter durch die Lüftungsschächte? ;)
Zuerst dachte ich, dort ist eine Art Schläferagent eingeschleust worden, das scheint hier aber nicht so. Und: Gab es dort überhaupt diese zweite Mission? Mir schien es, als lässt du diesen Plotpunkt komplett fallen, Lissy wurde ja wie die anderen vom schwarzen Loch "aktiviert", zumindest las ich es so. Wenn es doch die zweite Mission war, würde ich das klarer machen.

Lissy wachte auf, fühlte sich diesmal aber sehr ruhig. Nun wusste sie, was sie zu tun hatte, niemand würde sie aufhalten.
Das kam mir sehr plötzlich. Ob nun "aktiviert" durch das geheime Programm, oder durch das schwarze Loch wahnsinnig gemacht, hier wüsste ich gerne, wie sich Lissy dort fühlt und was sie denkt, und, warum genau sie so plötzlich von rationalem Menschen zum Mörder wird.

Sie blickte zu Scott. Seine Augen waren offen, ausdruckslos nach oben gerichtet. Das Bettlaken war blutgetränkt, er hatte sich die Pulsadern aufgeschnitten. Sie betrachtete die Wunden teilnahmslos. Nichts spielte mehr eine Rolle, sie würden bald woanders sein.
Gute Szene. Ist ein schöner, kleiner Schockmoment, dass Scott bereits tot neben ihr liegt.

Die Flure waren verlassen, niemand bemerkte sie auf dem Weg zum Kontrollraum.
Wenn die Flure verlassen sind, ist ja auch niemand da, der sie bemerken könnte, denke ich. Wirkt redundant.

Um sie befand sich ihr ganzes Leben
Das kann ich mir nicht so recht bildlich vorstellen. Sieht sie da schwebende Holoscreens um sich herum oder sowas? Das würde ich näher beschreiben, und gerne auch konkrete Szenen aus ihrem Leben zeigen.

Ihr Leben, wenn sie dem Weg ihres Vaters gefolgt wäre, als Pilotin.
Das ist doch ein gutes Stichwort, um Lissy mehr zu charakterisieren, es müsste dann aber viel früher kommen.

Alles in allem habe ich die Geschichte trotz etwas Kritik sehr gerne gelesen.

Viele Grüße,
Catington
 
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13.01.2012
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Hi Rob!

Eine schöne, atmosphärische Geschichte, die mich an eine Mischung aus Solaris und Event Horizon erinnert. In der jetzigen Fassung finde ich deinen Stil sehr flüssig und auf den Punkt. Einiges könnte vielleicht noch runder geschliffen werden, nur ein Textbeispiel von mir:

Stattdessen stolperte sie rückwärts, fiel hin und rief über ihren Kommunikator nach Scott.
Da würde ich zwei Sätze draus machen, so "verwischt" das etwas, weil zu viel in einem Satz geschieht. Zum Beispiel: "Stattdessen stolperte sie rückwärts und stürzte zu Boden. Sie rief über ihren Kommunikator nach Scott."

Das einzige strukturelle Manko, das ich sehe, ist der Spannungsbogen, der nicht ganz durchhält. Womit ich keinesfalls sagen will, dass die Story langweilig ist - du hast einige drastische Szenen, das Mysterium um die "zweite Mission" und ein atmosphärisches Setting. Das alles animiert zum Weiterlesen. Aber ich glaube, um wirklich packend zu sein, ist deine Protagonistin etwas zu ... "dabei statt mittendrin". ;) Klar, sie ist an zentraler Stelle, ist am Ende natürlich "die Auserwählte" - aber sie kämpft nicht wirklich, letztlich "passiert" ihr das Ganze. Das gilt insbesondere für den Drehpunkt mit ihrem Traum und Scotts Selbstmord. Das sind starke Bilder, aber es fühlt sich sehr "leicht" an, wie sie die Seiten wechselt und das Schiff auf Kollisionskurs steuert.

Noch eine Winzigkeit: die Föderation ... Das ist mir etwas zu Abzieh-SciFi-mäßig. ;) Also, deshalb funktioniert es auch, der Leser hat sofort so eine Star Trek-Idee ... Aber ich hätte mir hier etwas mehr Kreativität gewünscht.

Gern gelesen!

Schönen Gruß
Meridian
 
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09.12.2019
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Hi @Catington ,

danke auch diesmal fürs aufmerksame Lesen und deine Anmerkungen!

Wenn dein Ziel ein von Anfang an stärkerer Spannungsbogen ist (...)
Ich glaube, es ist bei dieser Geschichte eine Spannung in zwei Stufen. Die erste Stufe ab der Szene, in der Vince sich umbringt. So bleibt es recht konstant bis zum Schluss, bis Lissy von der fremden Macht in Besitz genommen wird. Eine kontinuierlich ansteigende Spannung würde ich glaube ich nur hinbekommen, wenn die Geschichte deutlich länger wäre. Dann könnte z.B. das ein oder andere Unerklärliche passieren, bevor Vince sich umbringt, z.B. dass Crewmitglieder seltsame Dinge machen, immer vergesslicher werden usw. Andereseits geht es so recht überraschend (hoffe ich) und drastisch los, und ich denke ich lasse es erstmal so, finde es für die Länge der Geschichte soweit in Ordnung

Mein größter Kritikpunkt ist, dass deine Figuren recht flach bleiben.
Dem kann ich (leider) nur zustimmen! Ich hoffe, dass nun nach einer ersten Überarbeitung zumindest die Motivation von Lissy schon mal etwas deutlicher wird, an Bord der Collector zu sein.

Das liegt vermutlich auch am großen Cast (...)
Ich wollte hauptsächlich, dass auch durch die Personen, die ich erwähne, ein soweit realistisches Bild der Situation auf der Collector entsteht. Aber für eine Geschichte dieser Länge ist es wahrscheinlich etwas viel, ich habe also nun Scott zum Chefingenieur gemacht, und Mart entfernt. Mart war ja auch der einzige, der in keiner Szene aufgetaucht ist, und nun ist dadurch auch klar, welche Funktion Scott an Bord hat. Rikon lasse ich erstmal drin, ich wollte dass Lissy noch mit jemand anderem über ihren Verdacht einer "Mission zwei" spricht, da Scott dies ja nicht ernst zu nehmen scheint

... ob ich es schön finde oder eher einen Alptraum.
Ob wunderschön oder albtraumhaft ...

Das hört sich besser an, vielleicht kannst du die beiden Stellen ja kombinieren?
Ich habe die zweite Formulierung beibehalten und den anderen Satz umformuliert

Direkt "Angstwerte" messen wird wohl auch in der Zukunft niemand, das hört sich seltsam an.
Ich habe es mal allgemein in "Stresswerte" geändert

Das schwarze Loch ist so ein zentrales Element, ich würde an dieser Stelle unbedingt näher beschreiben, was Lissy sieht.
Ich habe es mal hiermit versucht:
„Ich weiß nicht, ob ich es schön finde oder alptraumhaft“, antwortete sie. Lissy sah erneut aus dem Fenster, sie umkreisten das Schwarze Loch in einem sicheren Abstand zum Ereignishorizont. In jedem Fall fand sie es faszinierend, umgeben von Partikeln in allen erdenklichen Farben. Rotierend wie ein bunter Wasserstrudel, der für immer im Nichts verschwand. Was mochte in seinem Inneren passieren?

Das hört sich seltsam an. Sie werden doch aus ihrem Schlaf geweckt, während sie in den Schlafkammern sind.
Habe es umformuliert

„Was bist du?“, fragte sie, den Blick auf das Schwarze Loch gerichtet.
Zu dieser Zeit ist doch Lissy noch gar nichts mysteriöses passiert, was für sie mit dem schwarzen Loch in Verbindung steht, oder? Für sie ist das schwarze Loch ein schwarzes Loch.
Ich habe diesen Satz ersetzt, so dass zumindest an dieser Stelle etwas über Lissys Motivation bekannt wird:
... Sie wollte schon immer das Weltall und fremde Welten sehen, durch die Erzählungen ihres Vaters ...

Also nur mal angenommen, irgendein geheimes Programm der Föderation versucht nach und nach, einen geeigneten Mitarbeiter zu finden und aktivieren.
Das habe ich nicht ganz verstanden. Wie kann den etwas nach und nach Mitarbeiter suchen und wie kann es sie denn aktivieren?
Ich wusste nicht, wie ich Lissys Vermutung genauer beschreiben kann, ohne dass es zu tellig wirkt. Ihre Vermutung ist, dass die Föderation bei den Crewmitgliedern eine Art "mentales Programm" installiert hat, z.B. bei einer der Voruntersuchungen vor dem Abflug. Und nun, z.B. durch ein computererzeugtes Signal, einen geeigneten Mitarbeiter sucht und aktivieren möchte, was bis zu diesem Zeitpunkt fehlgeschlagen ist. Also deine Vermutung eines Schläfers ging schon in die richtige Richtung.

Gab es dort überhaupt diese zweite Mission?
Nein, nach dem Gespräch mit Rikon glaubt Lissy nicht mehr daran. Die fremde Macht aus dem Schwarzen Loch scheint ja sogar die Systeme der Collector anzugreifen. Ich habe dies mit eingebracht, damit nicht von Anfang an zu deutlich ist, wer oder was für die Zwischenfälle verantwortlich ist.

Um sie befand sich ihr ganzes Leben
Das kann ich mir nicht so recht bildlich vorstellen.
Ich habe es mal so umschrieben:
Um sie befand sich ihr ganzes Leben, in allen denkbaren Varianten. Wie in Seifenblasen eingefangene Projektionen. Ihre Kindheit, wie sie war und hätte sein können ...

Ich schaue mal, ob mir zur Charakterisierung der Personen noch etwas mehr einfällt, es ist nun bezogen auf Lissy zumindest etwas mehr, und die Crew ist etwas überschaubarer geworden.

Danke für dein Feedback und viele Grüße!
Rob


Hi @Meridian ,

danke für deinen Kommentar, freut mich, dass dir die Geschichte soweit gefallen hat!

Zu deinen Anmerkungen:

Stattdessen stolperte sie rückwärts, fiel hin und rief über ihren Kommunikator nach Scott.
Da würde ich zwei Sätze draus machen, so "verwischt" das etwas, weil zu viel in einem Satz geschieht.
Ja, es ist wahrscheinlich allgemein gut, in einen Satz nicht mehrere Inhalte zu packen. Ich habe es nun entsprechend getrennt.

... Aber ich glaube, um wirklich packend zu sein, ist deine Protagonistin etwas zu ... "dabei statt mittendrin" ... aber sie kämpft nicht wirklich, letztlich "passiert" ihr das Ganze. Das gilt insbesondere für den Drehpunkt mit ihrem Traum und Scotts Selbstmord. Das sind starke Bilder, aber es fühlt sich sehr "leicht" an, wie sie die Seiten wechselt und das Schiff auf Kollisionskurs steuert.
Das finde ich einen guten Vorschlag! Ich habe es in der Szene, in der Lissy nach dem zweiten Traum aufwacht, auch mal angefangen zu formulieren ... aber dann erst mal wieder rausgenommen, da es nicht zu der vorherigen Handlung passt. Auch Vince und Ilan wurden ja von der fremden Macht "übernommen", ohne dass sie ihr etwas entgegensetzen konnten. Ich glaube, ich müsste hierfür eine längere Geschichte draus machen, in der die ersten Versuche der fremden Macht von den Betroffenen abgewehrt werden können, bis es ihnen irgendwann nicht mehr gelingt. Und Lissy bis zum Ende kämpft, dann aber verliert ... Im Moment meine ich, dass es nicht ganz passt, nur die o.g. Szene zu ändern. Muss ich nochmal drüber nachdenken.

Noch eine Winzigkeit: die Föderation ... Das ist mir etwas zu Abzieh-SciFi-mäßig.
Ja, da habe ich es mir einfach gemacht ... mal sehen, ob ich hierfür noch eine kreative eigene Idee habe! :idee:

Viele Grüße!
Rob
 
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Hey @Rob F,

SciFi, wie schön, les ich gerne, schreib ich gerne, mal sehen was du mitbringst.
„Ich weiß nicht, ob ich es schön finde oder alptraumhaft“, antwortete sie.
Mir persönlich zu konstruiert, besonders das alptraumhaft. Lass mich ihren Zweifel doch spüren.

werde mich auch gleich noch dran setzen
dransetzen zusammen, oder gleich etwas weniger Umgangssprachliches.

In jedem Fall fand sie es faszinierend, umgeben von Materie in allen erdenklichen Farben.
Hier musste ich sortieren, worauf sich die Farben beziehen, was sie umgeben, denn bei schwarzem Loch denke ich erst mal nicht an bunt. Ich finde den Einstieg insgesamt etwas holperig.

„Wird die Föderation freuen, alle Versuchskaninchen gesund und munter.“
Den Satz hab ich nicht kapiert. Welche Versuchskaninchen? Der kommt zu früh, ich weiß noch gar nicht, worum es geht.

Lissy hatte in ihrem Behandlungszimmer den Ausblick
Wieso Behandlungszimmer, ist sie jetzt Ärztin oder Therapeutin? Ich dachte, sie denkt über einen Artikel nach, wäre also Autorin oder Journalistin? Vllt. legst du besser nicht so viele Fährten aus?

Wir sind schon einige Tage hier auf einer stabilen Umlaufbahn
Ich dachte, eine Umlaufbahn wäre nur bei Planeten gegeben?

So als würde es uns rufen(Komma) in sein Innerstes zu fliegen.“
Sie wollte schon immer das Weltall und fremde Welten sehen, durch die Erzählungen ihres Vaters.
Der Bezug ist unsauber: Du kannst etwas durch eine Brille sehen, aber nicht durch eine Erzählung. So liest es sich jedoch leider.
Was du sagen willst, ist doch, dass die Erzählungen des Vaters ihr Interesse geweckt haben für fremde Welten.

Auch in der Finsternis des Alls war die Verzerrung zu spüren, je näher sie in Richtung des Zentrums des Schwarzen Lochs sah. Als würden sich Raum und Zeit auflösen und zu etwas völlig Neuartigem werden.
Wie geht das? Wie kann Lissy die Verzerrung spüren, wenn sie (bei völliger Finsternis) in Richtung Zentrum Schwarzes Loch sieht? Kann ich mir so nicht vorstellen. Wenn du eine unsichtbare Anziehungskraft meinst, hat das mit sehen nichts zu tun.

Sie war mittlerweile hell wach
hellwach, und bitte mit Füllwörtern wie mittlerweile, dennoch, immer, völlig, irgendein, etc. möglichst sparsam sein.

„Vince?“, fragte sie(Komma) als sie das Bistro betrat.
stach sich Vince mit der Scherbe in seine Halsschlagader
nach Möglichkeit die Possessivartikel durch einfache Artikel ersetzen, hier also die Halsschlagader, durch das sich ist es klar, dass es seine ist.

forderte Kapitän Glen von Lissy.
Ich finde die Einführung der Personen etwas blattschussmäßig, auch bei Scott, Vince, Ilan, Rikon, Mart, Carl. Du schmeißt die Namen in den Raum, lässt sie erst mal für sich stehen, ohne weitere Erklärung, die kommt dann spärlich Sätze später im Nachgang. Insgesamt erfahre ich sehr wenig über die vielen Figuren, über ihre Eigenschaften, ihr Äußeres, ihr Besonderes. Sie wirken auf mich - überspitzt gesagt - wie Transporteure der Idee. Das Problem dabei ist, dass ich so nicht mit ihnen mitfühle, mir ist quasi egal, wer sich wann den Hals aufschneidet, weißt?

Sie sah zu Scott, als könnte er ihr helfen(Komma) die richtigen Worte zu finden.
Magen-Darm-Grippe
MDG? Auf einem Raumschiff? Nicht lieber Weltraumhusten, oder was anderes Scifi-mäßiges? ;)

Es analysiert den Bereich am Ereignishorizont, an der Grenze hinter der Licht und Materie dem Schwarzen Loch nicht mehr entkommen können.
Hatte mich schon länger gefragt, was der Erlebnishorizont ist ...

Er war über einen Artikel auf seinem Holodisplay eingeschlafen.
einem Artikel

Aber es spielte ohnehin keine Rolle mehr, denn der kritische Punkt war überschritten. Niemand hatte ihre Kurskorrektur bemerkt. Sie spürte die magnetische Kraft, die sie bereits aus ihren Träumen kannte. Die gesamte Collector näherte sich immer schneller dem Ende von Raum und Zeit.
Ihre Umgebung begann sich auszudehnen und dabei gleichzeitig zu verblassen. Alles verschwand nach und nach, bis sie nur noch von Finsternis umgeben war.
Starke Stelle, da hast du mich.

Um sie befand sich ihr ganzes Leben, in allen denkbaren Varianten. Wie in Seifenblasen eingefangene Projektionen. Ihre Kindheit, wie sie war und hätte sein können. Eine Zukunft, wenn sie die Collector nie betreten hätte. Ihr Leben, wenn sie dem Weg ihres Vaters gefolgt wäre, als Pilotin.
Es gab keinen Grund mehr zur Eile. Sie begann bereits zu vergessen, was Zeit war. Hier war alles vorhanden, immer. Würde sie einfach hier verweilen? Oder hatte sie die Möglichkeit, eine der Realitäten zu betreten, die sich um sie herum befanden?
schön crazy, die Idee, auch mit dem Nachhapp der kryptischen Botschaft aus dem Off.

Die Idee mit der zweiten geheimen Mission ist klasse, auch das rätselhafte Einbinden des Schwarzen Lochs als Lenker der Geschicke, als eigenes Bewusstsein finde ich gut. Die Entwicklung der Geschichte läuft mir jedoch zu glatt, einmal träumen und zack ist die betroffene Person fremdgesteuert und bringt sich um, meh. Da fehlt mir die Irritation, die allmähliche Veränderung, das Subtile, vielleicht auch das Bösartige des anderen Bewusstseins. Denk an HAL im Film 2001, die Skrupellosigkeit, mit der er tötet, das scheinbar völlig rationale aber doch neurotische Verhalten. Das Vortäuschen von Fehlfunktionen.
Zu den Figuren habe ich schon was gesagt, davon abgesehen ist es mir auch zu viel Personal, das sich in deiner Geschichte tummelt, mal kurz ins Licht kommt und zu schnell wieder abtritt. Das verhindert auch eine Entwicklung. Da würde ich mir etwas mehr Fürsorge deinerseits wünschen, damit sie mir menschlich näher kommen.

Peace, linktofink
 
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09.12.2019
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256
Hi @linktofink ,

danke für den Kommentar und deinen kritischen Blick!

Einige Details ergeben sich erst im Verlauf der Geschichte, z.B. dass Lissy eine Fachärztin ist (Neurologie und Psychiatrie). Daher hat sie auch ein Behandlungszimmer. Es könnte natürlich in einer fernen Zukunft anders sein, aber als Psychotherapeutin dürfte sie keine Medikamente verschreiben. Außerdem dass es ein Teil der Mission ist, zu beobachten, wie Menschen auf die dauerhafte Nähe des Schwarzen Lochs reagieren, daher also auch "Versuchskaninchen" sind.

Zu den Personen: Ja, da habe ich mich verzettelt ... Ich habe nun "Mart" vollständig aus der Geschichte entfernt, aber das macht es natürlich nur geringfügig besser. Ich hatte hierbei eine eher kurzweilige Spannungsgeschichte im Sinn, in einem hoffentlich interessanten Setting, und habe ehrlich gesagt nicht so sehr damit gerechnet, dass auch hierbei mehr Interesse an den Personen besteht. Aber das scheint nicht so, und für die Zukunft weiß ich es ja nun, wie du am Ende treffend geschrieben hast:
"Da würde ich mir etwas mehr Fürsorge deinerseits wünschen, damit sie mir menschlich näher kommen."

Die Beschreibungen des Schwarzen Lochs: Es ist ja (ich glaube letztes Jahr) zum ersten mal eine Aufnahme eines Schwarzen Lochs gelungen. Ich habe also versucht, auch die "Umgebung" drum herum zu beschreiben, also Partikel in allen denkbaren Farben (zumindest bei mir), die "wie ein Wasserstrudel" um das Schwarze Loch zirkulieren und dann hineingesogen werden. Und wie ich den Bereich des Schwarzen Lochs selber besser beschreiben soll, weiß ich bisher nicht, da es ja eigentlich etwas Vernichtendes und "Nichtexistierendes" ist. Also ich denke, ich lasse es erstmal so wie bisher beschrieben.

Und abschließend zu der Handlung: Dein Vorschlag, die seltsamen Ereignisse langsam und eher subtil beginnnen zu lassen, und dabei auch den Charakteren mehr Raum zu geben, wäre ein grundsätzlich anderer Anfang, und würde wohl auch zu mehr Spannung und einem emotionaleren Finale führen. Ich hatte bei dieser Geschichte die Idee, die ruhige und entspannte Situation an Bord der Collector schon früh mit einem Ereignis plötzlich zu beenden, bei dem sich Vince überraschend umbringt. Habe aber dabei nicht so recht daran gedacht, dass es ab diesem Zeitpunkt schwierig wird, die Spannung weiter zu steigern, bis zum Finale.

Deine Anmerkungen zu Rechtschreibung, Kommas und Formulierungen habe ich soweit aufgegriffen, danke auch hierfür!

Viele Grüße,
Rob
 
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