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Das Tal der Geister

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09.12.2019
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Das Tal der Geister

Meriin stand am Grab ihres Vaters. Der weiße Gerfalke saß ruhig auf ihrer Schulter. Noch hatte er keinen Namen, keine magische Verbindung zu ihr.
„Ich habe meine Prüfungsaufgabe erhalten. Sie liegt im Tal der Geister.“
Selten bekam sie eine Antwort, aber heute war seine Seele nah.
Lass es.“ Ein vom Wind getragenes Flüstern.
„Warum?“
Nicht deine Bestimmung.“
„Das weißt du nicht.“
So oft schon habe ich versucht …“ Die Stimme ihres Vaters verklang, genau wie der Wind.
Sie blickte über den Friedhof hinaus, zur Weidefläche bis zum Beginn des Waldes, dessen Dunkelheit die Mittagssonne kaum durchdringen konnte. Kein Leben, keine Bewegung war zwischen den hohen Bäumen zu erkennen. In wenigen Tagen würde sie das Unterholz betreten, um ihre Ausbildung abzuschließen. Das Geistertal suchen, was auch immer dort ihre Aufgabe sein würde.

Sie folgte dem vom Friedhof abfallenden Weg zum Dorf. Der Gerfalke kreiste über ihr. Als ihre Heimat in Sicht kam, fast dreihundert Holzhütten, blieb sie stehen und hob den rechten Arm. Ihr weißer Gefährte bemerkte die Geste, spannte die Flügel und glitt spiralförmig hinab. Die Landung war so sanft, dass ihr Arm nicht runter gedrückt wurde. Meriin führte den Falken zur linken Schulter.
„Nicht über dem Dorf fliegen, du weißt ja, wie schreckhaft einige sind.“
Der Vogel gab ein dezentes „weeet“ von sich, bevor er den Kopf schüttelte und ruhig sitzen blieb.
„Ich weiß, aber bald beginnt ein Abenteuer.“ Sie lächelte, aber nur kurz. „Wenn ich morgen die Vorprüfung bestehe.“
Nach einigen Minuten bergab erreichten sie das Dorf. Vor den Häusern herrschte reges Treiben. Kinder spielten. Bewohner kamen vom Fluss zurück und hingen Wäsche auf. Einige sägten Holz, auch wenn der Winter noch Wochen entfernt war.
Die Tür zur Hütte aus rötlichem Holz, in der Meriin mit ihrer Mutter lebte, war nur angelehnt. Der Duft eines deftigen Eintopfs wehte ihr entgegen. Sie zeigte auf das Brett, das sie vor dem Fenster ihres Zimmers angebracht hatte. Der Gerfalke stieß sich von ihrer Schulter ab und schwebte dorthin. Nachdem er sie einige Sekunden mit zur Seite geneigtem Kopf angeblickt hatte, reinigte er mit dem Schnabel die Federn.

„Du bist spät“, sagte ihre Mutter, als Meriin die Hütte betrat.
„Ja, ich … war noch bei Vater.“
Sie hielt beim Umrühren des Eintopfes inne. „Lass seinen Geist ruhen, er hat es verdient. Du wirst bald deinen eigenen Weg gehen.“
Die Flammen in der kleinen Feuerschale waren fast erloschen. Meriin nahm die zwei Keramikteller vom Holztisch in der Mitte des Raumes. Mit einem großen Löffel verteilte ihre Mutter das Essen aus dem über der Schale hängenden Topf.
Sie setzten sich und aßen schweigend. Meriin blickte immer wieder auf und versuchte, das Leuchten in den Augen ihrer Mutter zu finden, die früher so fröhliche Art. Immer präsent, bis zum Tod des Vaters vor fast zwei Jahren. Jetzt waren das einzig lebhafte die Farben ihres Kleides, das sie selbst aus bunten Stoffen genäht hatte. Damals. Monoton verbrachte sie nun die Tage, als wäre es nur noch ihre Aufgabe, die Zeit zu ertragen.
„Bist du bereit für morgen?“
Meriin zuckte zusammen. „Was? Ja, ich … denke schon. Wird schon nicht zu schwierig, die wahre Prüfung kommt später.“
„Das Tal der Geister. Noch kannst du abbrechen und …“
„Nein, es war schon immer mein Wunsch und ich bin dankbar, dass die Tradition der Falkner noch nicht ausgestorben ist.“
„Aber du weißt bis heute nicht, warum, oder ist es dir klar geworden?“
Meriin drehte den Kopf und sah aus dem Fenster. Vor dem Haus gegenüber spielten zwei Kinder mit einem kleinen Holzball. „Nein. Auch Papa hatte es nie verstanden, wollte mich immer von den Falken fernhalten. Aber ich werde es auf meiner Reise herausfinden.“
„Vielleicht wusste er mehr, als du vermutest.“
Sie blickte ihrer Mutter in die Augen, glaubte kurz die frühere Entschlossenheit aufblitzen zu sehen. Dann senkte sie den Kopf und aß weiter.

Ihr Mentor, Aakon, stand schon auf der Weidefläche, nicht weit vom Friedhof entfernt. Sein rötlicher Turmfalke saß auf der Schulter, genauso ruhig wie ihr Gefährte. Im Hintergrund ragten die hohen Bäume des dunklen Waldes empor. Feenwald, nannte Meriin ihn mit ihren Freundinnen. In der Hoffnung, dass in seiner Finsternis so etwas lebte. Wie die leuchtenden kleinen Wesen, die abends über dem Fluss ihr farbenfrohes Spiel darboten.
„Bist du bereit?“, fragte Aakon.
„Denke schon. Was erwartet mich?“ Sie spürte die leichte Anspannung ihres Falken, wegen der Anwesenheit des anderen Tiers.
„Gehen wir ein Stück.“
Er drehte sich um und marschierte Richtung Wald. Meriin folgte schnellen Schrittes, bis sie nebeneinander gingen.
„Wie geht es deiner Mutter?“
„Nicht so gut, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sie irgendwann wieder aufblüht. Nur mache ich ihr jetzt durch meine bevorstehende Reise noch mehr Sorgen.“
Sie gingen einige Minuten schweigend.
„Und sagst du mir nun, was meine Aufgabe ist?“, fragte sie, als sie sich dem Wald näherten.
„Du musst dein Verständnis mit dem Falken nicht mehr beweisen, das hast du oft genug.“ Aakon zeigte auf die Bäume. „Bisher hattest du für alles genügend Vorbereitungszeit, aber nicht bei deiner letzten Aufgabe.“
Er blieb stehen. Meriin sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Dem Falken vertrauen, Einsamkeit, deinen Ängsten begegnen. Das wird deine Vorprüfung sein, bevor du dein Ziel erreichst. Die Reise durch den Wald zum Tal der Geister beginnt jetzt.“
Sie schüttelte den Kopf, blickte zurück Richtung Friedhof. „Aber ich habe keinen Proviant und meine Mutter …“
Aakon hob den Zeigefinger an die Lippen, wie schon unzählige Male im Training. „Ich werde deiner Mutter gleich Bescheid geben. Du hast jederzeit die Möglichkeit, abzubrechen.“ Er gab ihr eine kleine, aus Holz geschnitzte Pfeife. „Benutze sie und dir wird geholfen. Aber damit ist deine Prüfung vorbei. Dann bist du keine Falknerin.“
Meriin schossen unzählige Fragen durch den Kopf, aber ihr Mentor wandte sich schon ab und ging zurück.
„Was erwartet mich im Geistertal?“, rief sie hinterher.
Er antwortete nicht. Seine langen grauen Haare wurden vom Wind zerzaust.

Meriin wusste nicht, wie lange sie fast regungslos gestanden hatte. Immer wieder sah sie zwischen den Bäumen und dem Rückweg zum Friedhof hin und her. Schließlich näherte sie sich der Finsternis des Unterholzes, spürte dabei den fester werdenden Griff der Krallen ihres Gefährten.
Die kleine Pfeife steckte sie in die Tasche ihrer grünen Leinenhose. Nachdem sie tief durchgeatmet hatte, betrat sie den Wald.
Um sie herum wurde es still. Der Wind, das Rascheln des Grases, nicht mehr zu hören. Der Gerfalke gab ein kaum hörbares „weeet“ von sich, als wollte auch er nichts an diesem unheimlichen Ort stören. Ein Blick nach oben ließ sie durch das Blätterdach so gerade noch die Sonne erkennen.
„Also vertrauen wir Aakon. Immer nach Osten.“
Sie streichelte über die Federn des Falken und machte sich auf den Weg.

Nachdem sie tiefer in den Wald vorgedrungen war, hörte sie hier und dort Rascheln, Klopfen an den Baumrinden und etwas, das der Wind sein konnte. Oder ein Flüstern in einer fremden Sprache. Aber nie entdeckte Meriin ein Lebewesen, so aufmerksam sie auch beobachtete. Soweit es überhaupt möglich war, nur wenig Licht erreichte den Boden.
Gelegentlich passierte sie kleine Lichtungen, zu denen die Sonne besser durchkam. Sträucher mit roten Beeren wuchsen dort. Meriin pflückte eine und hielt sie dem Falken hin.
„Sind die essbar, was meinst du?“
Ihr Gefährte stupste die Frucht mit dem Schnabel an und aß sie schließlich.
„Na gut. Dann haben wir ja was fürs Abendessen.“
Sie zog ihr kleines Jagdmesser aus dem Gürtel und trennte so viele Beeren ab, wie in ihre lederne Umhängetasche passten.
Nach einigen Stunden begann die Dämmerung. Es würde nicht lange dauern, bis sie nichts mehr sehen konnten. Immer wieder berührte Meriin die Pfeife in der Hosentasche.
„Wir bleiben hier“, seufzte sie, als sie eine weitere Lichtung erreichten.
An deren Rand stand ein Baum mit einem dicken Stamm, der zum Teil hohl war. Sie deutete auf einen Ast, der Falke flog dorthin und schüttelte sich. Kleinere Blätter wirbelten aus seinen Federn in alle Richtungen. Mit seinem Schnabel suchte er nach weiteren ungebetenen Gästen.
„Wenn du fertig bist: Wie wäre es mit ein wenig Licht?“, sagte sie und rang sich ein Lächeln ab.
Der Gerfalke reinigte sich noch weiter, blickte dann zu ihr auf und neigte den Kopf. Er öffnete den Schnabel, ohne ein Geräusch von sich zu geben. Seine Augen blitzen bläulich auf, bis sich nach einigen Sekunden eine ebenfalls blaue Kugel vor seinem Kopf bildete. Wie eine kleine Luftblase, die sich bis zur Größe einer Honigmelone ausdehnte. Zunächst leuchtete sie schwach, wurde aber heller, bis ein Bereich von mehreren Metern um sie herum gut zu erkennen war.
„Was würde ich nur ohne deine Magie machen?“
Sie setzte sich in die Öffnung des Baumes, stellte die Umhängetasche vor sich und öffnete sie. Zusammen mit ihrem Gefährten aß sie zu Abend.

Meriin schreckte hoch. Durch das leise Summen der magischen Kugel und das beruhigende blaue Licht war sie schnell eingeschlafen. Aber was hatte sie geweckt? Etwas Rötliches tanzte vor ihr, ein Lichtpunkt. Sie rieb sich die Augen und krabbelte aus der Baumhöhle.
Ihr Gerfalke hatte die Lider halb geschlossen, blickte aber zu ihr von seinem Ast, als er sie und das fliegende rote Geschöpf bemerkte. Meriin streckte eine Hand danach aus, zog sie aber wieder zurück, als der Lichtpunkt sich ausdehnte. Nicht wie eine Kugel, er nahm nach und nach die Form eines Menschen an. Aus dem Rot wurden andere, leuchtende Farben. Tränen traten ihr in die Augen, als sie erkannte, um wen es sich handelte. Ihr Vater stand vor ihr, wie ein schimmernder Geist.
„Was … was machst du hier?“, flüsterte sie.
„Ich bin immer in deiner Nähe, auch wenn du es nicht merkst. Hier ist es einfacher, in diesem Wald ist die Magie noch stark genug.“
„Möchtest du mich überreden, keine Falknerin zu werden?“
„Die Magie verschwindet in dieser Welt, es wird nicht mehr lange dauern.“
„Vielleicht kann ich es ändern, wenn ich …“
„Nein“, unterbrach er. „Sobald du den Pakt mit dem Falken vollendest, bist du ein Teil von ihr. Und endest mit ihr.“
Meriin sah ihn an, schüttelte den Kopf. „Das weißt du nicht.“
„Vieles wird erst nach dem Tod deutlich. Du …“
Ein Fauchen ließ ihn herumfahren. Gelb leuchtende Augen tauchten in der Finsternis auf und näherten sich, wurden größer. Ein Geschöpf wie eine schwarze Katze, nur deutlich größer, trat in den blauen Schein. Spitze Zähne blitzten aus dem Maul hervor.
Ihr Vater drehte sich etwas zur Seite und ging rückwärts, lockte das Ungeheuer weg von Meriin. Es folgte ihm, mit eleganten Schritten und gesenktem Kopf.
„Kann es dich verletzen?“, fragte sie mit zitternder Stimme. Der Gerfalke landete auf ihrer Schulter, die Krallen angespannt.
„Wenn es ein magisches Geschöpf ist, kann es alles verletzen. Pass auf, es ist nicht nötig, lange durch den Wald zu reisen. Das Tal der Geister ist dort, wo …“
Weiter kam er nicht, das katzenartige Wesen setzte zum Sprung an. Der Geist ihres Vaters leuchtete rötlich auf und schwebte über dem Boden. Das Geschöpf fauchte und stürzte pfeilschnell nach vorne. Kurz bevor es die schimmernde Erscheinung mit ausgefahrenen Krallen erreichte, zog sich diese zu einem Punkt zusammen und schwirrte zur Seite. Das rote Licht sauste an Meriin vorbei und verschwand in der Nacht.
Der Angreifer prallte auf den Boden, stolperte und rollte sich über die Seite ab. Nach einigen hektischen Kopfbewegungen kam er auf Meriin zu. Ihr Gefährte stieß sich ab, landete vor ihr und fuhr die Flügel aus.
Grääähh“, drohte es mehrfach der näherkommenden Nachtkreatur.
Diese blieb zurück, blickte zunächst den Falken, dann Meriin an.
„Geh die Verbindung ein“, knurrte es ihr zu. „Werde einer von uns, hilf uns mit deiner Kraft.“
Es schlich sich rückwärts davon, bis die gelben Augen verschwunden waren.

Meriin wusste nicht mehr, seit wie vielen Tagen sie in dem Wald unterwegs war. Manchmal glaubte sie, dass ihr eine Lichtung bekannt vorkam, was aber nicht sein konnte. Sie orientierte sich weiterhin stets nach Osten. Neben den Beeren hatte sie Pilze gefunden, die sie und der Falke essen konnten.
Kurz bevor es dämmerte, kam sie zum mittlerweile dritten Mal an einen kleinen See, der nur geringfügig anders aussah als die vorherigen. Aus der abgestreiften Haut eines Tieres, dem sie nicht begegnen wollte, hatte sie sich einen Wasserschlauch gebunden. Sie kniete am Ufer, wusch sich Hände und Gesicht. Betrachtete dann ihre schemenhafte Spiegelung auf der Oberfläche. Selbst hierbei erkannte sie die Erschöpfung. Dunkle Ringe unter den Augen. Die kurzen braunen Haare standen in alle Richtungen ab. Mit etwas Wasser strich sie die Strähnen zurück, die sich bändigen ließen. Ihr Gerfalke stand neben ihr und trank. Meriin setze sich zurück und dachte an die Worte ihres Vaters, wie so oft in den letzten Tagen.
„… es ist nicht nötig, lange durch den Wald zu reisen. Das Tal der Geister ist dort, wo …“
„Was meinte er damit? Warum kommt er nicht wieder?“, sagte sie zu ihrem Begleiter.
Er blickte sie an, neigte den Kopf und begann, sich zu reinigen. Wie schon abends an den anderen Seen erschienen immer mehr der leuchtenden Punkte, in allen erdenklichen Farben. Bis auf Rot.
„Wo soll es hier ein Tal geben? Die einzigen Vertiefungen sind die Seen.“
Sie stand auf und versuchte, im letzten Licht des Tages zu erkennen, was sich unter der Oberfläche befand. Wie tief ging es hinab? Aber sie sah nur die Spiegelung der Bäume und der tanzenden Wesen. Oder waren es Geister, wie zuvor ihr Vater? Erst jetzt bemerkte sie, dass es nicht nur Reflektionen waren, sondern auch ein farbenfrohes Spiel unter Wasser. Die Lichtpunkte formierten sich zu einer kreisenden Spirale, deren Ende sie in der Tiefe nicht erkennen konnte. Sobald sie woanders hinblickte, trennten sie sich wieder. Aber nach und nach verlor sie durch das Schauspiel alles um sie herum, lächelte und fühlte eine tiefe Ruhe. Sie musste den Geistern nur folgen, ihnen Vertrauen. Das Wasser war angenehm kühl, als sie ohne nachzudenken hineinging. Sich fallen ließ und in die Mitte des leuchtenden Kreisels schwamm. Der Falke flog zu ihr, als sie lachend einen Arm ausstreckte. Sanft wurden sie in die Tiefe gezogen.

Die Lichtwesen um sie herum zirkulierten immer schneller und schneller. Meriin wurde schwindelig. Ihr Gefährte krallte sich an ihrem ausgestreckten Arm fest. Aus den bunten Punkten wurden Linien, immer weiter ging es hinab. Sie schloss die Augen, griff nach dem Falken, sie durften nicht getrennt werden. Auch sie drehten sich, wurden herumgewirbelt.
Dann war es vorbei, sie verließen das Wasser und schwebten einem Felsboden entgegen. Die mannigfaltigen Geschöpfe umgaben sie. Nachdem sie sanft auf einem Plateau gelandet waren, schwirrten sie davon, entlang dem in alle Richtungen leicht abfallenden Grund. Über ihnen befand sich das Wasser, als würde es ein durchsichtiger Boden zurückhalten. Ein bläulicher Schein ging von ihm aus.
Meriin blickte sich um. Sie konnte kein Ende der riesigen Kammer entdecken, sofern es denn überhaupt eine war. Überall befanden sich Artefakte, genauso bunt leuchtend wie die Lichtpunkte. Bücher, Schmuck, Holzkästchen … sogar Werkzeuge und Spiegel. Waren es Mitbringsel der Geister, etwas, das ihnen als Lebende wichtig war? Sie dachte an die Schreibfeder ihres Vaters, die sie und ihre Mutter nach seinem Tod nicht mehr gefunden hatten.
Als sie gerade danach suchen wollte, schwebte ein grünes Wesen herbei und verharrte einige Sekunden vor ihr. Dann dehnte es sich aus und veränderte seine Form, bis die schimmernde Gestalt einer jungen Frau vor ihr Stand. Ihr Kleid war hellgrün, genau wie ihre Augen. Etwas bewegte sich dahinter, wie ein Strom in eine andere Welt, zu dem Wissen vieler Leben.
„Hallo, Meriin“, sagte sie und lächelte. „Es wird Zeit, dich zu entscheiden.“

Der Gerfalke spannte die Krallen an, sie fuhr ihm kurz über die Federn.
„Wer … wer bist du?“, flüsterte Meriin.
„Ich habe viele Namen, aber es reicht, wenn du meine Aufgabe kennst. Als Erste bin ich einen Pakt mit der Magie eingegangen, mit einem Kleindrachen. Lange vor deiner Zeit, aber es war der Beginn der Verbindung zwischen Menschen und magischen Tieren.“
„Aber du bist gestorben …“
„Ja, die Magie schützt uns nicht davor, genauso wenig wie die Tiere. Aber ich hatte ein langes Leben und meine Existenz endete nicht durch den Tod meines Körpers.“
„Mein Vater sagte, die Magie wird schwächer.“
„Ihre Zeit auf dieser Welt geht zu Ende, aber an anderen Orten entsteht sie gerade erst. Ich werde mit den Nachlebenden eine andere Heimat finden, wenn es soweit ist.“
„Und was passiert dann mit den Lebenden, die eine Verbindung mit einem magischen Tier eingegangen sind?“
Die Frau in dem grünen Kleid blickte zu Boden. „Ich weiß es nicht. Vielleicht verlieren sie nur ihre Kräfte, vielleicht … sterben sie auch. Für immer.“
Meriin sah zu ihrem Falken, dann zu den zahllosen leuchtenden Punkten um sich herum. „Wie soll ich diese Entscheidung treffen? Selbst wenn ich die Prüfung bestehe, bleibt mir vielleicht nur eine kurze Zeit.“
„Du musst keine Falknerin werden, auch ohne eigene Kräfte kannst du ein gutes Leben führen.“
Etwas weiter entfernt, links hinter der Frau, sah sie ein rotes Lichtwesen kleine Kreise fliegen. Dann veränderte es sich, nach wenigen Sekunden erkannte sie ihren Vater.
„Darf ich?“, fragte Meriin.
„Sicher, ich warte hier.“
Sie ging die felsige Ebene hinab, vorbei an Gegenständen aus früheren Leben. Eine Brosche, ein Ring, eine Keramiktasse. Als sie ihn erreichte, lag tatsächlich seine Schreibfeder neben ihm.
„Was passiert, wenn ich eine Falknerin werde und die Magie endet, hier in dieser Welt?“
„Auch ich weiß es nicht.“
Eine Träne lief ihre Wange hinab, sie setzte sich und nahm die Feder.
„Du hast immer gerne geschrieben, Geschichten über den Fluss, ein geheimnisvolles Volk …“
„In meinen Gedanken mache ich das noch immer.“
Meriin sah auf.
„Vielleicht kann ich etwas verändern, wenn ich als Falknerin magische Kräfte habe. Zusammen mit anderen die Magie in unserer Welt halten.“
„Ich habe hierauf keine Antwort. Es wird Zeit. Du musst dich entscheiden, ob du die letzte Prüfung ablegen möchtest.“
Seine Erscheinung leuchtete rötlich auf und verwandelte sich wieder in einen Punkt. Der Falke sprang von Meriins Schulter und stellte sich vor sie, blickte sie an.
„Wir sind mit deinen Kräften auch so ein unschlagbares Team, oder?“, sagte sie nach einigen Minuten und streichelte sein Haupt. Dann legte sie das Schreibwerkzeug ihres Vaters ab und ging zurück zu der Frau im grünen Kleid.
„Komm!“, rief sie und hörte hinter sich das Flattern der Flügel. „Unsere Reise war nicht umsonst.“

***

Meriin genoss den Duft der Natur, als sie dem Pfad zum Dorf folgte. Ein leichter Wind wehte, die Vögel sangen in den Bäumen. Der Gerfalke gab wie fast jedes Mal auf diesem Weg sein „weeet“ von sich.
Als sie die rothölzerne Hütte erreichte, kam ihre Mutter gerade mit Wäsche vom Fluss zurück. Sie ließ die gereinigte Kleidung fallen und rannte zu ihrer Tochter, umarmte sie. Beide weinten, hielten sich aneinander fest.
„Du hast es geschafft.“
„Ja. Aber ich bin keine Falknerin.“
Ihre Mutter lehnte sich zurück und schüttelte irritiert den Kopf, wischte sich die Tränen weg.
„Es ist richtig so. Ich habe auch so alles, was ich möchte.“
Meriin ging zur Wäsche und hob sie auf.
„Gehen wir rein, ich habe jede Menge zu erzählen!“, sagte sie lächelnd und betrat die Hütte.

***

Sie saß an dem kleinen Holztisch, am Fenster ihres Zimmers. Die Nachmittagssonne schien herein.
„Was machst du?“, fragte ihre Mutter, als sie den Raum betrat und die Hände auf Meriins Schultern legte.
„Ach, ich … versuche mich mal am Geschichten schreiben. Es geht um ein geheimes Volk, das unter dem Fluss lebt.“
„Kommt mir irgendwie bekannt vor. Woher hast du die Schreibfeder? Ist es …“
„Nein, nicht die von Papa. Mein Falke war so nett. Na ja, eigentlich hatte er keine Wahl“, sagte Meriin und lachte.
Ihr Gefährte saß auf dem Brett vorm Fenster und genoss die Sonne.
„Na dann, störe ich dich mal nicht weiter. Euch.“
„Bleib ruhig.“ Sie berührte die Hände ihrer Mutter. „Vielleicht finden wir gemeinsam ein gutes Ende.“

 
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30.12.2020
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Hi @Rob F,
eine wirklich schöne Geschichte. Ich konnte mir die Kulisse, Personen und ihre Handlungen gut vorstellen - da hat meiner Ansicht nach nichts gefehlt.
Die Story an sich fand ich kreativ und insgesamt gut gelungen. Ab und an war ich kurz verwirrt, doch du hast Fingerspitzengefühl bewiesen und genau zum richtigen Zeitpunkt aufgeklärt.
Hier mal ein paar Anmerkungen. Vielleicht hilft`s dir ja weiter.

Der weiße Gerfalke saß ruhig auf ihrer Schulter. Noch hatte er keinen Namen, keine Verbindung zu ihr.
Das sehe ich gar nicht so. Auch im weiteren Verlauf wird deutlich, wie eng ihre Bindung ist.
So oft schon habe ich versucht …“ Die Stimme ihres Vaters verklang, genau wie der Wind.
Den Satz kannst du einfacher formulieren. Den zweiten Satz finde ich super.
bis zum Beginn des Waldes. Dessen Dunkelheit die Mittagssonne kaum durchdringen konnte.
vielleicht verbinden
auch wenn der Winter noch Wochen weg war.
entfernt?
Die Flammen in der kleinen Feuerschale waren fast aus.
erloschen?
Monoton verbrachte sie nun die Tage, als wäre es nur noch ihre Aufgabe, die Zeit zu bezwingen.
bezwingen klingt mE zu entschlossen für jemanden, der aufgegeben hat.
„Das Tal der Geister. Noch kannst du abbrechen und
„Lass es, bitte.
Ich weiß selbst nicht genau, wie man das macht. Doch wenn der Satz abhackt klingen soll, schreibe ich persönlich das mit einem -.
„Lass es, bitte. Es war schon immer mein Wunsch und ich bin dankbar, dass die Tradition der Falkner noch nicht ausgestorben ist.“
Aber du weißt bis heute nicht, warum, oder ist es dir klar geworden?
Meriin drehte den Kopf und sah aus dem Fenster. Vor dem Haus gegenüber spielten zwei Kinder mit einem kleinen Holzball. „Nein. Auch Papa hatte es nie verstanden, wollte mich immer von den Falken fernhalten. Aber ich werde es auf meiner Reise herausfinden.“
Vielleicht war ihm schon der Grund klar.“
Die beiden Sätze finde ich auch zu umständlich formuliert.
Meriin folgte schnellen Schrittes, bis sie neben ihm war.
bis sie nebeneinander gingen/ bis sie aufholte?
gleich Bbescheid geben
„Was erwartet mich im Geistertal?“, rief sie hinterher.
Er antwortete nicht, seine langen grauen Haare wurden vom Wind zerzaust.
Ggf: Er antwortete nicht. Der Wind erfasste seine langen Haare und zerzauste sie. M. blickte ihm hinterher, bis seine Gestalt zwischen den Bäumen verschwunden war.
Durch das leise Summen der magischen Kugel und das beruhigende blaue Licht war sie schnell eingeschlafen.
Ab und an fand ich das mit den Farben etwas viel. Erst ist alles blau, dann kommt der rote Vater, der noch andere Farben mitbringt und dann kam glaub ich noch was anderes in einer anderen Farbe. Bisschen viele Farben. Bei blauem Licht kann man meist schlechter schlafen.
„Möchtest du mich überreden, keine Falknerin zu werden?“
Die Magie verschwindet in dieser Welt, es wird nicht mehr lange dauern.
„Vielleicht kann ich es ändern, wenn ich …“
„Nein“, unterbrach er. „Sobald du den Pakt mit dem Falken vollendest, bist du ein Teil von ihr. Und endest mit ihr.“
Falknerin: Ich dachte die ganze Zeit, dass Falknerin zu sein etwas sehr Wichtiges in dieser Welt ist. Zum Ende hin wird aber klar, dass man mit verschiedenen magischen Tieren eine Symbiose eingehen kann. Dadurch erschien mir das mit der Falknerin etwas zu hochgepusht.

Magie verschwindet: Das habe ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht verstanden, aber hast du am Ende gut erklärt.

Ein Fauchen ließ ihn herumfahren. Gelb leuchtende Augen tauchten in der Finsternis auf und näherten sich, wurden größer. Ein Geschöpf wie eine schwarze Katze, nur deutlich größer, trat in den blauen Schein. Spitze Zähne blitzten aus dem Maul hervor.
Ihr Vater drehte sich etwas zur Seite und ging rückwärts, lockte das Ungeheuer weg von Meriin. Es folgte ihm, mit eleganten Schritten und gesengtem Kopf.
Wie der Vater die Katze weglockt ist mir zu unaufregend. Erst kommt das Vieh angesprintet und dann wird es schnell devot.
Diese blieb zurück, blickte zunächst den Falken, dann Meriin an.
Geh die Verbindung ein“, knurrte es ihr zu. „Werde einer von uns.
Sagt das die Katze? Wieso?
Betrachtete dann ihre schemenhafte Spiegelung auf der Oberfläche. Selbst hierbei erkannte sie die Erschöpfung.
Ggf: Ihre Erschöpfung spiegelte sich auf der glatten Oberfläche wider. Oder so.
„Ihre Zeit auf dieser Welt geht zu Ende, aber an anderen Orten entsteht sie gerade erst. Ich werde mit den Nachlebenden eine andere Heimat finden, wenn es soweit ist.“
„Und was passiert dann mit den Lebenden, die eine Verbindung mit einem magischen Tier eingegangen sind?“
Die Frau in dem grünen Kleid blickte zu Boden. „Ich weiß es nicht. Vielleicht verlieren sie nur ihre Kräfte, vielleicht … sterben sie auch. Für immer.“
Wenn die Frau schon so lange lebt, warum weiß sie nicht, was passiert, wenn die Magie verschwindet? Es scheint ja ein dynamischer Prozess zu sein - an manchen Stellen kommt sie, bleibt, verblasst, kommt woanders wieder.
Weshalb ist das überhaupt so tragisch? Können die Mensch-Tier-Symbiosen nicht mit der Magie von Ort zu Ort reisen?
„Komm!“, rief sie und hörte hinter sich das Flattern der Flügel. „Unsere Reise war nicht umsonst.“
Das Ende kam mir zu abrupt. Du baust diese ganze Reise dramatisch und emotional auf, dann sind sie angekommen, M. stellt fest "Hm, das finde ich jetzt doch alles blöd. Wir machen lieber unser eigenes Ding." und dann geht sie wieder. Vielleicht ein bisschen mehr ausbauen. :) Außerdem wenn die Magie verschwindet, was passiert dann mit ihrem Falken? Und zu Beginn hatte sie recht viel Angst vor dem Tag, wenn die Magie flöten geht, jetzt ist es ihr doch egal und sie schreibt lieber ein Buch?

Insgesamt mag ich die Geschichte, hoffentlich konnte ich dir zeigen, was ich nicht ganz verstanden habe. Du hast die Szenerie wirklich gut dargestellt und konntest viele schöne Momente erzeugen. :read:

Liebe Grüße,
Waldläufer

 
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09.12.2019
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Hallo @Waldläufer ,

danke für dein Feedback!

Ich konnte mir die Kulisse, Personen und ihre Handlungen gut vorstellen - da hat meiner Ansicht nach nichts gefehlt.
Danke, zur Umgebung habe ich mich ja trotz Fantasy-Handlung eher kurz gehalten, freut mich also, wenn es dennoch ausreichend vorstellbar war!

Die Story an sich fand ich kreativ und insgesamt gut gelungen. Ab und an war ich kurz verwirrt, doch du hast Fingerspitzengefühl bewiesen und genau zum richtigen Zeitpunkt aufgeklärt.
Danke auch hierfür! Der ein oder andere Dialog zum Ende hin ist vielleicht ein wenig tellig, aber Hauptsache, es ist nach der Geschichte soweit alles nachvollziehbar.

Der weiße Gerfalke saß ruhig auf ihrer Schulter. Noch hatte er keinen Namen, keine Verbindung zu ihr.

Das sehe ich gar nicht so. Auch im weiteren Verlauf wird deutlich, wie eng ihre Bindung ist.

Stimmt, so allgemein geschrieben passt es nicht. Ich hatte es auf eine magische Verbindung bezogen, die Meriin anstrebt und habe daher dieses Wort noch ergänzt.

... bis zum Beginn des Waldes. Dessen Dunkelheit die Mittagssonne kaum durchdringen konnte.

vielleicht verbinden

habe ich

Monoton verbrachte sie nun die Tage, als wäre es nur noch ihre Aufgabe, die Zeit zu bezwingen.

bezwingen klingt mE zu entschlossen für jemanden, der aufgegeben hat.

Ich habe es mal geändert in: "... die Zeit zu ertragen."

Meriin folgte schnellen Schrittes, bis sie neben ihm war.

bis sie nebeneinander gingen/ bis sie aufholte?

Ich habe es auf "nebeneinander gingen" geändert, danke für den Tipp!

Falknerin: Ich dachte die ganze Zeit, dass Falknerin zu sein etwas sehr Wichtiges in dieser Welt ist. Zum Ende hin wird aber klar, dass man mit verschiedenen magischen Tieren eine Symbiose eingehen kann. Dadurch erschien mir das mit der Falknerin etwas zu hochgepusht. Magie verschwindet: Das habe ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht verstanden, aber hast du am Ende gut erklärt.
Ich habe die ein oder andere Information, die ich noch unterbringen wollte, dann doch rausgelassen, es ist ja auch so schon recht viel. Es sollte auch darum gehen, dass es gar nicht mehr viele magische Tiere gibt und die Falken, mit denen die Menschen eine magische Verbindung eingehen können, gehören halt noch dazu. Daher spricht Meriin auch zu Beginn bei dem Gespräch mit ihrer Mutter davon als eine noch übriggebliebene Tradition.

„Geh die Verbindung ein“, knurrte es ihr zu. „Werde einer von uns.“

Sagt das die Katze? Wieso?

Ich hatte an dieser Stelle daran gedacht, dass das Wesen zuvor das Gespräch zwischen Meriin und ihrem Vater mitgehört hat. Es weiß wohl ohnehin, dass die Magie schwindet und hofft auf eine verstärkende Wirkung, wenn weitere Menschen einen magischen Pakt eingehen. Ich habe es daher erweitert in:
„Geh die Verbindung ein“, knurrte es ihr zu. „Werde einer von uns, hilf uns mit deiner Kraft.“

Wenn die Frau schon so lange lebt, warum weiß sie nicht, was passiert, wenn die Magie verschwindet? Es scheint ja ein dynamischer Prozess zu sein - an manchen Stellen kommt sie, bleibt, verblasst, kommt woanders wieder.
Weshalb ist das überhaupt so tragisch? Können die Mensch-Tier-Symbiosen nicht mit der Magie von Ort zu Ort reisen?
Sie hat zwar in der "Nachwelt" andere Welten entdeckt, in denen die Magie entsteht und in denen sie mit den anderen Geistern existieren kann. Nur besteht diese Möglichkeit nicht für Lebende.
Sie weiß nicht mehr darüber, was mit magischen Lebewesen passiert, wenn die Magie auf einer Welt verschwindet, da auch sie es noch nicht miterlebt hat. Sie ist auf dieser Welt geboren, vor langer Zeit, als die Magie noch stark war und erlebt (bzw. als Geist ...) jetzt zum ersten Mal, was dann genau geschieht.

Das Ende kam mir zu abrupt. Du baust diese ganze Reise dramatisch und emotional auf, dann sind sie angekommen, M. stellt fest "Hm, das finde ich jetzt doch alles blöd. Wir machen lieber unser eigenes Ding." und dann geht sie wieder. Vielleicht ein bisschen mehr ausbauen.
Es ist keine gravierende Änderung, aber Meriin nimmt sich am Ende nun zumindest etwas mehr Bedenkzeit. Auch wenn ich zuvor noch das ein oder andere einbaue: Irgendwann ist der Entscheidungszeitpunkt halt da. Für mich ist ihre gesamte Reise der Weg zu dieser Entscheidung. Aus meiner Sicht fällt es ihr nicht allzu schwer, da sie durch alle vorherigen Informationen ja weiß:
Sie muss sich nicht von ihrem Falken trennen und kann auf seine Magie weiterhin vertrauen, solange sie in dieser Welt existiert. Und so geht sie nicht das Risiko ein, nach der letzten Prüfung als Magiekundige ggf. gar nicht mehr lange zu leben. Sie selbst erlangt keine magischen Fähigkeiten, aber kann ihr Leben so weiterführen wie bisher und zu ihrer Mutter zurück. Außerdem können ihr die Erfahrungen, die sie gesammelt hat, nicht mehr genommen werden, daher sagt sie am Ende auch:
„Unsere Reise war nicht umsonst.“

Und zu Beginn hatte sie recht viel Angst vor dem Tag, wenn die Magie flöten geht, jetzt ist es ihr doch egal und sie schreibt lieber ein Buch?
Ich würde nicht sagen, dass es ihr egal ist, aber nun weiß sie ja, dass es eher ein Risiko darstellt, die magische Verbindung mit dem Falken einzugehen. Insofern lässt sie es, dass sie dann das Hobby ihres Vaters aufgreift, würde ich nicht unbedingt als direkten Ersatz sehen. Aber sie hat auf ihrer Reise mehr über ihn erfahren und versucht sich am Geschichtenschreiben.

Insgesamt mag ich die Geschichte, hoffentlich konnte ich dir zeigen, was ich nicht ganz verstanden habe. Du hast die Szenerie wirklich gut dargestellt und konntest viele schöne Momente erzeugen.
Danke, das freut mich sehr, sind auch ein paar Stündchen Arbeit reingeflossen.

Danke für dein ausführliches Feedback und viele Grüße!

Rob

 
Wortkrieger-Team
Beitritt
07.09.2014
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995

Hallo @Rob F ,
was ich an deiner Geschichte mag, ist die Beziehung zwischen Meriin und ihrem Falken. Das ist sehr fein gezeichnet, wie sehr die beiden verbunden sind. Auch gelingt es dir gut Spannung aufzubauen, das Geheimnisvolle zu Beginn. Am Ende allerdings habe ich das Gefühl, dass fast nichts passiert ist. Da gab es kein wirkliches Opfer, keine wirkliche Gefahr. Die Fallhöhe ist mir da zu gering. Ich verstehe das so, dass sie die Gelegenheit hätte, selbst magische Kräfte zu erlangen. Aber da die magische Welt gerade stirbt, besteht die Gefahr, dass sie mit ihr stirbt. Also macht sie es lieber nicht, hört auf ihre Eltern, die das sowieso vernünftiger finden. Mir ist gar nicht klar, warum sie vorher so dringend danach strebt, zu der magischen Welt dazu zu gehören. Und sterblich ist sie ja so oder so, oder?

Selten bekam sie eine Antwort, aber heute war seine Seele nah.
Lass es.“ Ein vom Wind getragenes Flüstern.
Schöner Einstieg
Die Landung war so sanft, dass ihr Arm nicht runter gedrückt wurde.
Wie gesagt, im Kontakt mit dem Falken, da sind so ganz schöne Töne drin. Das sie am Ende entscheidet, dass es so ja schon prima ist, kann ich verstehen.
„Das Tal der Geister. Noch kannst du abbrechen und …“
Lass es, bitte. Es war schon immer mein Wunsch und ich bin dankbar, dass die Tradition der Falkner noch nicht ausgestorben ist.“
Das hat der Vater oben gesagt. Ich würde das hier nicht noch einmal in anderem Zusammenhang wiederholen.
„Aber du weißt bis heute nicht, warum, oder ist es dir klar geworden?“
Das klingt merkwürdig, so als ob die Mutter mehr wüsste, es aber doch nicht sagt.
„Einsamkeit, Durchhaltevermögen, Spontanität. Das wird deine Vorprüfung sein, bevor du dein Ziel erreichst. Nur dein Gerfalke ist nun dein Helfer. Die Reise durch den Wald zum Tal der Geister beginnt jetzt.“
Die letzten beiden Eigenschaften klingen sehr pädagogisch. Fehlt noch Frustrationstoleranz.:D
Er gab ihr eine kleine, aus Holz geschnitzte Pfeife. „Benutze sie und dir wird geholfen. Aber damit ist deine Prüfung vorbei. Dann bist du keine Falknerin.“
Sie benutzt die Pfeife nicht, oder? Ist auch nicht in Gefahr, sie zu benutzen.
Es folgte ihm, mit eleganten Schritten und gesengtem Kopf.
gesenktem
Pass auf, es ist nicht nötig, lange durch den Wald zu reisen. Das Tal der Geister ist dort, wo …“
Schön, wie du hier wieder Spannung aufbaust.
Aus der abgestreiften Haut eines Tieres, dem sie nicht begegnen wollte, hatte sie sich einen Wasserschlauch gebunden.
auch ein hübsches Detail
„Du musst keine Falknerin werden, auch ohne eigene Kräfte kannst du ein gutes Leben führen.“
Irgendwie hat es was von: Schön und gut, deine Träume, aber werd mal lieber Beamte. In gewisser Weise auch wieder interessant, weil es komplett gegen die sonstigen Verläufe so eines Plots sind.
„Vielleicht kann ich etwas verändern, wenn ich als Falknerin magische Kräfte habe. Zusammen mit anderen die Magie in unserer Welt halten.“
Das wäre ein Ziel, wobei mir nicht klar ist, was sie da ohne Magie wirklich verlieren.
„Wir sind mit deinen Kräften auch so ein unschlagbares Team, oder?“, sagte sie nach einigen Minuten und streichelte sein Haupt.
Eben.
Sie zeigte auf das Brett, das sie vorm Fenster ihres Zimmers angebracht hatte.
vielleicht doch lieber "vor dem"?

Sie spürte die leichte Anspannung ihres Falken, wegen der Anwesenheit des anderes Tiers.
anderen Tieres
Du hast jeder Zeit die Möglichkeit, abzubrechen.“
jederzeit
Soweit es überhaupt möglich war, nur wenig Licht erreichte den Boden.
Zwei Sätze?

So, lieber Rob, ich habe das gerne gelesen, war aber zum Ende zunehmend verwirrt und auch irgendwie enttäuscht.

Liebe Grüße von Chutney

 
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09.12.2019
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758

Hallo @Chutney ,

vielen Dank für deinen Kommentar!

was ich an deiner Geschichte mag, ist die Beziehung zwischen Meriin und ihrem Falken. Das ist sehr fein gezeichnet, wie sehr die beiden verbunden sind.
Danke, hat auch Spaß gemacht, die entsprechenden Szenen zu schreiben. Was wahrscheinlich ein wenig fehlt, ist eine Entwicklung dieser Verbundenheit. Ich hatte mich nur dagegen entschieden, die Geschichte mit der finalen Prüfung enden zu lassen, sonst wäre hierdurch mehr möglich gewesen.

Am Ende allerdings habe ich das Gefühl, dass fast nichts passiert ist. Da gab es kein wirkliches Opfer, keine wirkliche Gefahr. Die Fallhöhe ist mir da zu gering.
Ich bin ja schon seit einigen Monaten hier angemeldet, aber erst so nach und nach wird mir klar, was mit dem Begriff "Fallhöhe" gemeint ist. Ja, so gesehen muss Meriin nicht viel befürchten, auch durch die kleine Pfeife, die ihr Ausbilder ihr gibt.
Die Spannung entsteht, hoffe ich, dadurch, dass es ja eher unwahrscheinlich ist, dass Meriin sich direkt helfen lässt und ihre Aufgabe abbricht, dafür ist sie ja nicht so weit gekommen. Die Fallhöhe besteht demnach lediglich darin, dass sie die Prüfung nicht schafft oder wie hier ablehnt, aber stimmt schon, es passiert ihr dadurch ja nichts. Es entspricht halt der Grundidee, die Protagonistin möchte eine Magiekundige werden und nähert sich der letzten Prüfung.

Ich verstehe das so, dass sie die Gelegenheit hätte, selbst magische Kräfte zu erlangen. Aber da die magische Welt gerade stirbt, besteht die Gefahr, dass sie mit ihr stirbt. Also macht sie es lieber nicht, hört auf ihre Eltern, die das sowieso vernünftiger finden.
So war es gedacht, nur die Begründung sehe ich anders: Sie folgt weniger dem Rat ihrer Eltern, das hat sie ja vorher auch nicht gemacht. Im Vordergrund steht schon die Tatsache, dass die Magie ihre Welt verlässt und sie dadurch vielleicht nicht mehr lange zu leben hätte.
So gesehen kommt ihr hierbei die geringe Fallhöhe entgegen: Sie verabschiedet sich zwar von ihrem Ziel, selbst magische Fähigkeiten zu erlangen, kann aber dennoch in ihr vorheriges Leben zurück.
Es ist hierdurch zwar kein dramatisches Ende, aber mir gefällt diese Variante besser, als der wahrscheinlich erwartete Verlauf: Sie beginnt die letzte Prüfung, schafft es und erreicht ihr Ziel.

Mir ist gar nicht klar, warum sie vorher so dringend danach strebt, zu der magischen Welt dazu zu gehören. Und sterblich ist sie ja so oder so, oder?
Ich habe hierfür auch kein tiefgründiges Ereignis, es ist eine noch bestehende Möglichkeit in Meriins Welt, durch eine Verbindung mit einem magischen Lebewesen selbst diese Fähigkeiten zu erlangen und sie möchte diesen Weg gehen. Die Magie übt eine Faszination auf sie aus, aber ich denke durch die Geschichte wird auch deutlich, dass es ihr letzten Endes mehr um ihren Falken und ihre Mutter geht, als um jeden Preis selbst magiekundig zu werden.

Lass es, bitte. Es war schon immer mein Wunsch ...

Das hat der Vater oben gesagt. Ich würde das hier nicht noch einmal in anderem Zusammenhang wiederholen.

Danke für den Hinweis, habe es geändert.

Einsamkeit, Durchhaltevermögen, Spontanität.

Die letzten beiden Eigenschaften klingen sehr pädagogisch. Fehlt noch Frustrationstoleranz.

Ja, passt vielleicht nicht so ganz zu dieser Welt. Ich habe es mal geändert in:
Dem Falken vertrauen, Einsamkeit, deinen Ängsten begegnen.

Sie benutzt die Pfeife nicht, oder? Ist auch nicht in Gefahr, sie zu benutzen.
Nein, aber sie denkt zumindest in einer Szene darüber nach:
"Nach einigen Stunden begann die Dämmerung. Es würde nicht lange dauern, bis sie nichts mehr sehen konnten. Immer wieder berührte Meriin die Pfeife in der Hosentasche."

„Du musst keine Falknerin werden, auch ohne eigene Kräfte kannst du ein gutes Leben führen.“

Irgendwie hat es was von: Schön und gut, deine Träume, aber werd mal lieber Beamte. In gewisser Weise auch wieder interessant, weil es komplett gegen die sonstigen Verläufe so eines Plots sind.

Es ist ja das, was ihr Vater ihr schon früher sagte, als er noch lebte. Vielleicht fehlen mir ein wenig die Ideen, es zu einem stärkeren inneren Konflikt von Meriin zu machen, sie trifft die Entscheidung am Ende durch alle Informationen, die sie erhält.

Das wäre ein Ziel, wobei mir nicht klar ist, was sie da ohne Magie wirklich verlieren.
Nichts von ihrem bisherigen Leben, nur halt die Magie selbst, die bisher ein Teil dieser Welt ist. Mehr in diese Richtung wäre bestimmt interessant, wie verändert sich das Leben der Menschen ohne die Magie, wäre dann nur m.E. zu viel für eine Kurzgeschichte. Ist aber ein interessanter Punkt!

Ich habe entsprechend deiner Vorschläge die entsprechenden Sätze angepasst, danke für die Hinweise! Und hoffentlich konnte ich ein wenig Licht ins Dunkel bringen.

So, jetzt bin ich schon etwas zu spät ... mal sehen, wer noch ins Finale kommt! :)

Danke für deine Mühe und viele Grüße,
Rob

 

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