Was ist neu
  • Da es bei dem letzten Update zu größeren Code-Änderungen kam, ist es empfehlenswert, dass ihr euren Browsercache einmal vollständig leert, um die reibungslose Funktion der Seite zu gewährleisten. Tipps dazu findet ihr hier: Anleitung zum Leeren des Browsercache.

Das verlorene Paar

Mitglied
Beitritt
14.10.2020
Beiträge
2
Anmerkungen zum Text
Folgendes ist meine erste hier veröffentlichte Kurzgeschichte, hinzufügen möchte ich, dass die Rechtschreibung sicher fern von Perfektion ist. Über Feedback wäre ich dankbar.

Das verlorene Paar

Das verlorene Paar

Was blieb, war nicht mehr als ein wellenartig wiederkehrendes, feines Kratzen auf den grünlichen Kachelfliesen unseres Balkons, der weit über den meisten anderen Hotelzimmern und hoch über dem Swimmingpool ragte, den die Ferienanlage, in der wir uns seit Freitagnachmittag, also vorgestern, aufhielten, einkesselte. Ich beobachtete schweigend, wie die Zacken der Kuchengabel auf den Steinfliesen auf und ab schliffen, wanderte mit dem Blick weiter, wie das von chiliroten Fingernägeln und den dürren Fingern, die ihnen folgten, besetzte Metall, in der Abendsonne immer wieder hervorglänzte, hinüber zu dem schlanken Arm mit der verrutschten Omega Uhr, schließlich sie in Gänze anstarrte, wie sie da lag, auf der wackligen Camping-Liege, wie sie schlief, mit dem Reiseführer auf der Brust, leise atmend, im roten Kleid. Trotz des Wetters war die Stimmung eisig. Eben hatten wir uns noch gestritten, eigentlich nicht über etwas Wesentliches, doch drehte sich unser Streit auch selten um Konflikte, die mit Argumenten zu lösen wären. Er sprudelte wie ein Geysir aus uns heraus, als würde sich auch bei der kleinsten Nichtigkeit ein natürlicher Druck unter uns aufbauen, der bis zur Eruption wachsen würde. So unberechenbar, so jeder Zeit bereit uns zu verschlingen.

Das sich langsam wieder abkühlende Wasser wankte trotz der Farben trist vor mir hin und her, zog unaufhörlich kreischendes Metall über die stumpfen Boden-Rillen. Ich saugte mit abschätzig geschürzten Lippen an meiner Zigarette.

Weil der Urlaub bisher weniger erfreulich lief als geplant und wir widererwarten nach einigen Artikeln im Internet doch wenig Ahnung von Kuba hatten, waren wir am Vortag während einem kleinen Waldspaziergangs in ein regelrechtes Sumpfgebiet geraten. Daher griff ich meine ruinierten Lackschuhe von der Flurablage, packte sie in eine leichte Stofftasche und verschloss in fließender Bewegung die Tür hinter mir.

Ich verstand kein Spanisch. Und auch nicht sonderlich viel von Schuhen. Aber was ich nicht verstand, sondern vor mir sah, waren einige tief schwarze Striemen auf meinen cognacfarbenen Schnürschuhen. Diese völlig indiskutabel ruinierten Schuhe, die, ich will betonen, nicht gerade günstig waren, zog ich mir nicht etwa beim gestrigen Spaziergang zu, nein- Der heftig gestikulierende, kubanische Junge vor mir, der wohlgemerkt Schuhe gegen Geld reinigte, hatte mir diese Frechheit beschert. Er redete in einer Weise auf mich ein, wohl um mich zu beschwichtigen, wenngleich er doch wissen musste, dass ich kein Spanisch verstand, dass es zum verrückt werden war. Ich forderte ihn in gebrochenem Englisch auf, mir die Schuhe zu erstatten, doch er schien mich nicht zu verstehen. Ich wandte mich wutentbrannt ab, dann machte ich kehrt und schleuderte ihm das ruinierte Paar Schuh hinterher, wie er sich armselig davonmachte, bestätigte mich nur.

So stand ich also an diesem Abend, heftig atmend, irgendwo auf der kubanischen Strandpromenade. In Socken. Ich machte mich immer noch wütend auf den Heimweg, meine Ehre verbot es, umzudrehen und dem verlorenen Paar hinterherzukriechen, um es wieder aufzusammeln. Ich folgte der asphaltierten Straße, vorbei an bunten Geschäften, die die Promenade gerade so noch erhellten. Bald aber bohrten sich die Spitzen harter Steinchen durch meine dünnen Sohlen und ließen das Laufen zur Qual werden. Es waren gar nicht mehr allzu viele Menschen unterwegs, doch fing ich mit meiner Schuhlosigkeit den ein oder anderen zweifelnden Blick, was mir noch viel säuerlicher aufstieß und mich letztlich dazu brachte, die Ladenstraße zu verlassen und eine kleine steinerne Treppe hin zum Meer hinabzusteigen, um am Strand, der recht einsam schien, zurückzulaufen. Der Sand war noch lauwarm, jedenfalls die oberste Schicht, was doch so viel angenehmer war, als die Straße. Der Strand war seelenverlassen, das Meer wankte als schwarze Masse am Horizont. Meine Schritte waren schwer und versunken immer tiefer im Sand, der je weiter man grub oder sackte, immer kälter wurde. Je weiter ich lief, desto mehr fror ich, der scharfe Wind, der durch meine leichte Bekleidung schnitt, war nicht gerade hilfreich. Nun wanderte ich also den Strand entlang, hatte, wie auch immer, diese Unannehmlichkeit mit den Schuhen kaum noch im Sinn, als sich etwas gänzlich seltsames zutrug. Meine Zehenspitzen stießen gegen Kork. Ich erschrak ein wenig, ich konnte ja so ganz ohne Lichtquelle kaum zu Boden sehen. Ich beugte mich hinab und hielt ein recht ordentliches Paar Korksandalen in den Händen. Nicht etwa diese hässlichen, typisch deutschen, nein, als ich mit der Hand über die Schnallen fuhr und im Dunklen das Leder betastete, fühlte sich das doch tatsächlich recht hochwertig an. Ich legte die Schuhe zurück an ihren Platz, ein seichter Wellensaum strich über die Schuhspitzen. Wenn sie so nahe am Meer lagen, so dachte ich mir, würden sie ohnehin vom Meer weggespült und somit verschwendet werden und- ich blickte mich um- weit und breit kein Mensch in Sicht. Nicht am Strand und im Wasser war keine Erhöhung über der Oberfläche zu erkennen. Bloß ein rostiger Metallstab ragte aus den Dünen hinter mir, irgendein Schild wohl, dass ich nicht entziffern konnte. Meine Füße fuhren vorsichtig in die Flip-Flops und als ich weiterging, war es mir an den Füßen gleich viel wärmer. Ich machte mich wieder auf zur Strandpromenade. Als ich zurück in die gelblichen Lichtkegel der Straßenlaternen trat, sah ich zu meinem Überraschen, ein Mädchen, dass mich ein wenig verwundert anblickte, sich aber gleich wieder abwand. Ich ging natürlich zunächst ohne mir weiter darüber Gedanken zu machen weiter, doch wieder fing ich kleine, fiese Blicke, die sich mir förmlich in den Nacken bohrten. Ich schaute an mir hinab. Kein Wunder, die Schuhe, die ich für ach so passend und wertig hielt, waren von schreiender Hässlichkeit und zudem knallig pink. Ein Frauenschuh. Nein. Das ging so nicht, lieber hätte ich meine Ehre für mein ruiniertes Paar Schuh, als für dieses intakte Paar potthässlicher Treter opfern sollen. Ich atmete genervt aus und machte kehrt. Ich musste die Schuhe wieder zurückbringen, es half ja nichts. Ich beeilte mich also, zurück zum Strand zu kommen, stapfte eilig, weil ich Ivonne nichts über meinen Verbleib gesagt hatte, zurück durch den Sand. Bald sah ich das verrostete Eisenschild. Ich riss mir die Sandalen von den Füßen und legte sie, damit sie nicht vom Meer erfasst werden konnten, mit genügender Entfernung zum Wasser in den Sand. Dachte ich, denn als ich sie ablegte und mir der Wind erneut schauernd durch die Knochen fuhr, war der Untergrund auf dem Ich die Schuhe ablegen wollte, doch weicher als es die Beschaffenheit von Sand hergäbe. Ich hob auf, was mich stocken ließ und was ich fand, war wirklich verwunderlich. Eine Strickjacke. Seltsam, dachte ich mir. Wer vergisst denn eine Strickjacke und gleichmit die Schuhe am Strand? Ich fror ja schon. Allerdings, so schlussfolgerte ich, würde die Strickjacke ebenfalls entweder pink oder violett sein und ich hätte sie in der Öffentlichkeit natürlich so niemals tragen können. Und wollen. Doch sah mich ja hier niemand, so ganz allein am Strand in der Dunkelheit und wenn ich mit den Schuhen und der Jacke das Meer entlang zurücklief, würde ich endlich von der Kälte geschützt sein. So lief ich also, nachdem ich wohlbemerkt erneut nach der eventuellen Besitzerin Ausschau hielt, den Weg zurück zum Hotel. Ich warf die Schuhe weg und steckte die Strickjacke, die bei Licht recht hübsch war, in meine Tasche.

Ivonne begrüßte mich mit Cocktails und einem Lächeln, die Augen unter der roten Sonnenbrille verborgen. Der Druck war noch gering. Am Abend hatte ich das alles fast vergessen, packte bloß meine Tasche vor dem Schlafengehen noch schnell um. Ich zog die Strickjacke hinaus, wobei und das war wieder einer dieser ganz merkwürdigen Zufälle, ein versiegelter Brief aus der Jackentasche viel. Ich lies alles auf den Teppich sinken, blickte mich in meinem Zimmer unauffällig um. Dann öffnete ich den Brief.

Als ich ihn gelesen hatte, ging mir dieses teerschwarze Wanken, diese ineinander verschmelzenden Ströme, die sich in ihrer Unberechenbarkeit auf alles werfen wollten, alles zerstören wollten und sich doch immer wieder nur als leichte Schäume auf den feucht benetzten Schuhspitzen der Flip-Flops niederschlagende, nicht mehr aus dem Kopf. Die Schuhe, die ins nichts deuteten, in die tiefste Dunkelheit zeigten. Was blieb, waren nur eine zurückgelassene Jacke und ein verlorenes Paar.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wortkrieger-Team
Beitritt
16.03.2015
Beiträge
3.147
Hallo @Enym Pounds

und willkommen bei den Wortkriegern.

Du sagst es selbst in der Info-Box und es ist absolut kein Beinbruch:
"hinzufügen möchte ich, dass die Rechtschreibung sicher fern von Perfektion ist."
Da sind einige Dutzend Fehler im Text (vor allem RS-Fehler, Kommafehler, Groß-/Kleinschreibung, s/ß, teilweise auch Grammatik), weswegen ich ihn ins Korrektur-Center verschiebe.

Schaue bitte hier die Hinweise.

Viel Erfolg bei der Überarbeitung.

Gute Grüße, GoMusic

Edit:
Ich mach mal den Anfang mit den ersten Absätzen, @Enym Pounds :


Chiliroten Fingernägeln
chiliroten (klein)

Omega Uhr,
Omega-Uhr

Camping-Liege
Campingliege

etwas wesentliches
etwas Wesentliches

Er sprudelte wie ein Geysir aus uns heraus, als würde sich auch bei der kleinsten Kleinigkeit ein natürlicher Druck, (KEIN KOMMA) unter uns aufbauen

Die Folgenden Fluten so unberechenbar, so jeder Zeit bereit uns zu verschlingen.
Die folgenden ... jederzeit bereit, KOMMA

Boden-Rillen.
Bodenrillen

widererwarten
wider Erwarten (hätte eine RS-Kontrolle finden müssen)

während einem kleinen Waldspaziergangs
eines kleinen

einige tief schwarze Striemen
tiefschwarze

meinen Cognacfarbenen Schnürschuhen.
cognacfarbenen

nein- Der heftig
nein. Der ...
 
Zuletzt bearbeitet:
Mitglied
Beitritt
14.10.2020
Beiträge
2
Hallo @GoMusic,
Vielen Dank für den Hinweis, mir war der Stellenwert der Rechtschreibung auf dieser Plattform nicht bewusst. Ich habe schonmal das für mich offensichtliche korrigiert, du hast auf jeden Fall recht, da waren (und sind vermutlich noch immer) einige Fehler drin. Ein inhaltliches Feedback wäre natürlich spannend, wenn dir etwas dazu einfällt. Ansonsten schon mal vielen Dank!
 
Wortkrieger-Team
Beitritt
16.03.2015
Beiträge
3.147
Ein inhaltliches Feedback wäre natürlich spannend, wenn dir etwas dazu einfällt.
Siehe hierzu in den Regeln, die ich verlinkt habe:
Inhaltliche Kommentare gibt es, wenn der Text aus dem Korrektur-Center wieder raus ist.
 
Wortkrieger-Team
Beitritt
02.09.2015
Beiträge
807
Hallo @Enym Pounds ,

und willkommen hier sowie im KC. In Deinem Profil habe ich gelesen, dass Du lesen und schreiben möchtest. Du bist noch jung und ganz am Anfang. Mit 18 war mir der Inhalt auch noch oft wichtiger als die Arbeit am Text. Im Studium und bei den ersten Wettbewerben wurde ich dann eines Besseren belehrt. Wer seinen Text liebt, sollte ihn auch pflegen.
Ich glaube, viele Deiner Fehler sind Flüchtigkeitsfehler und oft machst Du es Dir durch Schachtelsätze selbst schwer. Neben Zeichenfehler baust Du auch Bezugfehler ein. So hier:


Was blieb, war nicht mehr als ein wellenartig wiederkehrendes, feines Kratzen auf den grünlichen Kachelfliesen unseres Balkons, der weit über den meisten anderen Hotelzimmern und hoch über dem Swimmingpool ragte, den die Ferienanlage, in der wir uns seit Freitagnachmittag, also vorgestern, aufhielten, einkesselte.
Hier wird der Balkon eingekesselt. Das war so nicht gemeint, oder?
wie sie da lag, auf der wackligen Camping-Liege, wie sie schlief, mit dem Reiseführer auf der Brust, leise atmend() im roten Kleid.
Komma weg. Ebenfalls ein Satz, den Du teilen solltest. Da verliert der Leser den roten Faden.
So unberechenbar, so jeder Zeit bereit(,) uns zu verschlingen.

Das sich langsam wieder abkühlende Wasser wankte trotz der Farben trist vor mir hin und her, zog unaufhörlich kreischendes Metall über die stumpfen Bodenrillen.
Merkte GoMusic schon an.

Weil der Urlaub bisher weniger erfreulich lief als geplant und wir wider Erwarten nach einigen Artikeln im Internet doch wenig Ahnung von Kuba hatten, waren wir am Vortag während eine(s) kleinen Waldspaziergangs in ein regelrechtes Sumpfgebiet geraten.

Diese völlig indiskutabel ruinierten Schuhe, die, ich will betonen, nicht gerade günstig waren, zog ich mir nicht etwa beim gestrigen Spaziergang zu. Nein, der heftig gestikulierende, kubanische Junge vor mir, der wohlgemerkt Schuhe gegen Geld reinigte, hatte mir diese Frechheit beschert.
Den Satz kannst Du unterschiedlich gestalten. Der Gedankenstrich ist jedenfalls falsch gesetzt.
Okay, ich gebe zu, das ist eine Nerd-Regel. Es gibt Gedankenstriche – und Bindestriche - . Der Unterschied liegt in der Länge. Der Gedankenstrich wird auch Halbgeviertstrich genannt und den setzt man immer dann, wenn es um Gedanken geht, also um Atempausen und Einschübe.
Ich gehe heute – die Sonne scheint – zum Schwimmen ins Freibad.
Sie dachte nach – das war die Idee!
Und der Bindestrich verbindet Wörter:
Du musst die Waren noch aus- und einladen.
Weitere Verwendungen findest Du hier: Halbgeviertstrich – Wikipedia
Der Halbgeviertstrich versteckt sich bei Word in der Tastenkombi Strg+Minus im Ziffernblock, beim Mac Alt+-

wenngleich er doch wissen musste, dass ich kein Spanisch verstand, dass es zum verrückt werden war.
Nach zum kommt immer ein Substantiv, also Großschreibung „zum Verrücktwerden“.

Ich wandte mich wutentbrannt ab, dann machte ich kehrt und schleuderte ihm das ruinierte Paar Schuh(e) hinterher, wie er sich armselig davonmachte, bestätigte mich nur.

Bloß ein rostiger Metallstab ragte aus den Dünen hinter mir, irgendein Schild wohl, das() ich nicht entziffern konnte
Wenn man so alt ist wie ich, dann kennt man noch die Abgrenzungsregeln von daß und das. Trotz Rechtschreibreformen gelten die immer noch, auch wenn das „ß“ dem „ss“ gewichen ist (was dem kurzgesprochenen Vokal geschuldet ist).

Lässt sich „dieses, jenes, welches“ einsetzen, dann schreibt sich „das“ mit einem „s“. Zudem bezieht es sich auf ein Substantiv.

Das Haus, das (welches) auf der anderen Seite des Flusses steht, ist sehr alt.

„Das“ wird hier als Pronomen verwendet. Und vor „Haus“ natürlich als Artikel.

Dass das Haus, das (welches) auf der anderen Seite des Flusses steht, sehr alt ist, sieht man.

Hier leitet „dass“ einen Nebensatz (als Konjunktion) ein, schreibt sich also mit „ss“. Einfacher kann es werden, wenn man den Satz etwas umstellt:

Man sieht, dass das Haus sehr alt ist.

Ich habe nicht alles angemerkt, sondern beispielhaft, was mir ins Auge gefallen ist. Es gibt auch Korrekturtools im Netz, z. B. auf Duden.de. Das ist zwar in der kostenlosen Version mühsam, da nur kleine Textteile geprüft werden können, aber dennoch hilfreich.

Viele Grüße
Mae
 

Letzte Empfehlungen

Neue Texte

Neue Beiträge

Anfang Bottom