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De Flammendeern (Angeliter Platt, üm Flensburg rüm)

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De Flammendeern (Angeliter Platt, üm Flensburg rüm)

De Flammendeern

To een Tied, as de Wind kold üm de Hüser strek, grode, swere Wolkens vör sik her pustete un dickte Regendroppens de Stroten un de Felder pietschen, dor mokte een ole, eensome, rike Mann in Kamin sien obendlikes Füer an. Möselik slorfend har he dat Holz to den Kamin drogen, et dor langsom un swerfällig opstapelt un mit een lange, dünne Fidibus anfunzelt.
Sien ole Lehnstuhl har Jakob dicht an dat opene Füer rückt, dormit he ok nuch vun de Wärme afbekeem. Vun Tied to Tied säch he op un tröcke sik, as kunne he so een bit mehr Neechte spörn, sien kostbore, mit dicken Pelz bestückte Husrock noch een bet faster üm sik. He wer alleen, as jeden Obend.
„Mmm ...“, brabbelte he vör sik hin un: „Och ...“. Dor wer keen, de em besöken wull, nich een Minsch har Lust, un dat schon gor nich, em döch sien Levensobend to beglieden.
„Oh man, keen Minschenseel mach mi lieden.“, süfze he, „Keen een deelt mit mi de Tied.“ He nöhm een Sluck von de dunkle, rode Wien, de em int warme Licht vunne Flammen ut de düre Kristall anlüchtete. „Dorbi hev ik doch allns, wat een Minsch bruken kunn: Geld un Hüser, Autos un Aktien, wertvulle Gemälde – ik kann dat echt nich verston!“
He versunk mit sien drurige Blick int knisterne, Funken spreuende Füer. Rot un Orange, de hitten Spitzen blau farvt, züngelten de Flammens op un dol ut de lüchtende Glot.
„Ji sünd ok keen Trost.“, murrte de ole Kirl mit een vun Harten sik anslikendet Selbstmitlid. „Ober ji warmt mi to mindest.“ Deep sunk he mit sien Ogens in dat flackernde Speel.
„Psst!“ Wat wer dat? Jakob säch üm sik. Har he nich jüst in düsse Moment een Wispern vernomen?
„Nee, nich achter di! Hier, kiek in de Glod, hier bün ik!“ Ut de Glot un den levigen Speel vun de Flammens griente he nieschirig un total baff een zartet, glöniges Gesicht an. „Ik war di ünnerholen.“ Dat Gesicht reckte sik un streckte sik to een slanke, danzende Gestalt.
„Ik fot et nich! Wat för een büst du denn?“ Jakob glövte et meist nich. „Un wat hest du in mien Füer to söken?“
„Ik bün de Flammendeern, mien Ole. Un dor wo ik bün, dat is nich dien Füer, sündern mien! Is nich allens dien, wat du mit dien Ogens sühst.“ Danzend huschte de Deern vun Scheid to Scheid, ehr langet, rodet Hoor knüsterte um ehre lüchtende Scholterns. Se wirbelde lachend un strohlend mit de annere Flammens ümme Wette in Kamin rüm.
„Oha, du büs jo een ganz zappelige lütje Madam! Sech mi mol, worüm drivst du di bi mi rüm? Büst du ok so alleen?” Jakob wer för bass erstunt. Wat sächen sien olen, möden Ogens dor nur? So watt wer doch nich möglich, dat kunne nu wiss nich angoon, wöre he nu tüdelich? Un likers! He kunne et nich lügnen, düsse levhafte Flammendeern kunne he in de Tat sehn. Üm sik seker to sien schlöt he kort sien Ogens un rev se heftig. Ober as he wedder int Füer kieken dei, dor smeegte sik de Deern jümmers noch ut de Flammens rut.
„Pah!“, röpt de Lütje em to. « Ik un alleen ? Kannst du denn nich mien ganze Fründe seen? Se danzen mit mi un sünd de ganze Tied bi mi. Dat is ja wohl nich to översehen, oder?“ Se breitete ehre Arms ut un striekelte över de veelen flackernden Lichters. „So scheun sünd se, so hit! Wie kunn ik dor insom sien?“
Jakob överlechte. All de Minschen, wirklich, jede een har Fründe oder Bekannte an sunne Obende. Nur he, he wer ohne jede Begleitung. As jümmers. Woran lecht dat bloß? He har dat doch to Richtum bröcht. Kunne he sik nich allns köpen, wat een Minsch tofreden un glücklich moken dei? Worüm nur wer he op eenmol so untofreeden. So alleen, dat he schon mit dat Füer snakte?
„So!“, grummelte he streng de hüppende Flammendeern an, „Dat is also dien Füer? Man, ik hev dat anmokt, in mien Kamin, mit mien Holt. Du kannst doch nur dor sien, wiel ik di dat gestatte.“ He nickte er mulsch to. „Wenn ik nich dor wer, denn wers du een Nix!“
„Hey, du ole Knaddelkopp, krich di mol in. Ik wunner mi nich, dat du so alleen und insom büst. Sech mi, wat hest du denn erreicht in din Leven? Is ja dull, du hest een Hus. Dat is schon een feinet Ding. Un du hest ne Masse Sokens und een groden Hopen Geld, beste Krom. Un? Mokt di dat warm?”
„Du hest jo echt een grode Klapp, lütjet Gör! Du dor, inne rußige Kamin, wat hest du denn schon? Mach jo sien, genog Hitten, und, dor gev ik die Recht, ok sooo veel hitte Gesellschaft. Ober dien leven is sacht veel to kort un wis mehr as knapp an Tied. Sühst du, un ik hev de Macht doröver, ik kann din Leven to jede Tied utlöschen.“ Jakob wer grantig. Wie kunne dat sien, dat düsset lütte freche Ding siene Werte in Frage stei? Un liekers: De Deern hare Gesellschaft, un he? He wer so alleen, dat he intwischen mit de Flammens snackte. He säch sik üm. Ton Glück wer he ok hüt alleen, dache he, denn so richtig normol wer dat jo nich, mit son Flammendeern to sabbeln, eegentlich wer dat doch eher Tünkrom.
„Nana, nu zick mol nich so rüm, du Gnaddelbüdel. Kiek mal, is dat nich scheun?“ Se hoppte mit ein gesmeidige Saatz op een grode, dicke Scheit mitten mang in dat Hart von dat lodernde Füer. Dor dreite se sik wirbelig ob ehre Tehenspeten, ehr Flammenklied brietete sich ut, veel winzige Flämmken flackerten an den glutroten Stoff vun ehrn Rock und lüchteten to den opregenden Danz. Se stampfte in de Glot, Dusende vun knisterigen Funkens stoben döch den Rum vunne Kamin, golden un sülbern und rotglüsig susten se in den Schornsteen rin. De glöhende Deern lachte een spröhendet, funkelndet Lachen. Se har nix anneres, as düsset Lachen un de feine Glot. « Dat licht ganz alleen bi di, wo lang ik leven dei, mien Olde. Ober jüst in düsse Moment leve ik. Un et is scheun, vör di to danzen.“
Jakob nickte. De Lütje har Füer in de Mors un jede Menge Spoß an ehr Leven, ganz wiss. Se har nix anneres as den Danz in Kamin und ehre Fründe üm sik, un likers wer se glücklich.
„Siehste!“, röp se ganz ut de Pust, „Dat het doch wat, nich?“ Knisternd löt se ehr rodet Hoor üm sik fallen. „Ik will gor nich so ol und gnaddelig warn as du! Dat is ok gor nich för mi bestimmt. Min Sok is et, de Lüt worm to holen, se en bet Spoß to bringen un se to trösten. Dat is okay! Mehr will ik ok gar nich. Dorto langt mien kortet Leven. Ik muss nich bange sien um mien Kroms, ik hev nix to verleern un so kann ik nur gewinnen. Kiek di doch mol an: Du hest nu wunderscheune rote Backens von min Hitten.“ Un se hüppte wedder von Scheit to Scheit un suchte een wenig Wind ut den Schornsteen.
Jakop nickte. „Dor is wiss watt dran, dorför dank ik di.“ Har he egentlich nich duernd watt vergeten in sein Leven? Wiss, he har jümmers alleen an sik un sein Sokens dacht, wer nich veel Platz in sien Kopp un sien Harten wesen för annere Lüt. De wullen doch nur sien Geld, oder? Un dat har he nu dorvon: He wer ol und insam worn, oh man, he wer sölbens Schuld. Wenn de lütje zappelige Deern em verlote, denn har se em so bannig deepe Freude hinterloten.
„Un wenn ik mol gohn mut? Hev ik dann ok een erfreut? Ward ok nur een mi vermissen?“
„Streng mol dien Kop an, Jakob! Denk no!“ wisperte de Deern. Mit een lütte Flamm dei dat Füer noch lüchten, een levet Grienen stunn int Gesicht vunn de lütje, fürige Dänzerin. „Min Tied is nu bald üm, se wer wohrlich kort, doch ik glöv, ik hev een ganze Masse errikt.“ Se hockte sik een wenig deeper in de schwache Glot, löt ehr Föt in de warme Asche baumeln un wunkte Jakob ton Avschied noch mol to. Un schon wer se wech.
De ole Kirl säch noch lange in de kole, witte Asche. „Een weiset Kind, de lütje Flammengöre.“ He nickte bedächtich un stemmte sik lansam ut sien Lehnstuhl rut. „Se het Recht. Toletzt is dat gar nich so wichtig, ob du een Leven ganz lang leven kunnst. Tofreeden kann een nur sien, wenn de Schluss ok noch gemeutlich is.“
He blickte no mol op den Kamin und et wer em tomoot, as höre he een lieset, tofreedenet Kichern ut de Asche klingen.
 
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hi petra!

also, soweit ich das ganze verstanden habe, gefällt es mir sehr gut!

Eine alte Geschichte eigentlich ja, der Vergleich zwischen reich und einsam und arm und glücklich mit Freunden. Allerdings gefällt mir Deine Variante mit dem Flammenmädel sehr gut. Du bringst auch (auch durch den Dialekt) die Stimmung vor dem Kamin gut rüber, meiner Meinung nach. Zu einzelnen Formulierungen kann ich als Bayerin nix sagen. :D

schöne Grüße
Anne
 
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De Flammendeern

Hallo Anne!

Es freut mich, dass gerade Du als Bayerin Dich durch das Norddeutsche gelesen hast.

Gewiss, es ist ein altes Ding, das Thema! Und trotzdem ist es aktuell, gerade in meinem Job. Ich arbeite als Krankenschwester im Nachtdienst auf einer Station, auf der fast nur Krebspatienten liegen. Wenn ich ein wenig Zeit habe, bekommen sie immer eine Gute Nacht Geschichte vorgelesen. Diese Geschichte hat den Hintergrund, mit einem freundlichen Lächeln meinen Kranken, die nicht mehr so viel Hoffnung haben, zu bedeuten, dass es nicht auf die Quantität des Lebens ankommt, sondern auf die Qualität. Irgendwie verstehen sie, was ich meine, ohne dass es ihnen noch mehr weh tut.

Ich hänge die Kamingeschichte noch mal in Hochdeutsch an, damit sie ein wenig einfacher zu lesen ist für die, die gar kein Platt verstehen. Eine
Übersetzung sozusagen.

Ganz herzliche Grüße aus dem pustigen Norddeutschland

Petra
 
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Das Flammenmädchen - Übersetzung Flammendeern aus dem Angeliter Platt

Das Flammenmädchen

Zu einer Zeit, als der Wind kalt um die Häuser strich, große, schwere Wolken vor sich her trieb und dicke Regentropfen die Straßen und die Wiesen peitschten, zündete ein alter, einsamer, reicher Mann im Kamin sein abendliches Feuer an. Wie immer schlecht gelaunt und mürrisch und zu geizig, seine Heizung aufzudrehen hatte er, mühselig schlurfend das Holz in den Kamin getragen, es behäbig dort aufgeschichtet und mit einem langen, dünnen Hölzchen angezündet.
Seinen Lehnstuhl hatte der ständig mäkelnde Jakob dicht an das offene Feuer gerückt um jedes bisschen Wärme in sich aufzunehmen.
Hin und wieder sah er auf, sah um sich und zog, als wolle er etwas mehr Nähe spüren, seinen kostbaren, pelzverbrämten Kaschmirhausmantel noch fester um sich. Er war allein, wie jeden Abend.
„Mmm.“, seufzte er und: „Ach ...“ Niemand wollte ihn, nicht ein Mensch war bereit, ihm Gesellschaft zu leisten an diesem warmen Feuer, und keiner hatte Lust, das schon gar nicht, ihn durch seinen Lebensabend zu begleiten.
„Keiner mag mich.“, murmelte er. „Niemand teilt mit mir die Zeit.“ Er nahm einen Schluck von dem dunklen roten Wein, der im Licht der Flammen aus dem wertvollen Kristall leuchtete. „Dabei habe ich doch alles, was der Mensch braucht: Geld und Häuser, Autos und Aktien, wertvolle Gemälde – ich kann es einfach nicht verstehen.“
Sein Blick versank in das knisternde, Funken sprühende Feuer. Rot und Orange, an den Spitzen bläulich verfärbt züngelten die Flammen hin und her aus ihrer Glut.
„Auch ihr seid kein Trost.“, murrte der Alte selbstmitleidig. „Aber ihr gebt mir wenigstens Wärme.“ Tief versank er mit seinen Augen im flammenden Spiel.
„Pssst!“ Was war das? Der Mann sah sich um. Hatte er nicht eben ein Wispern vernommen?
„Nee, nicht hinter dir! Hier, schau in die Glut, hier bin ich!“ Neugierig und überrascht starrte er wieder ins Feuer. Aus der Glut und dem lebendigen Spiel der Flammen schaute ihm lachend ein zartes, glühendes Gesicht entgegen. „Ich werde dich unterhalten!“ Das Gesicht streckte sich, reckte sich zu einer schlanken, tanzenden Gestalt.
„Wer bist du?“, fragte der Mann erstaunt, „Was machst du dort in meinem Feuer?“
„Ich bin das Flammenmädchen, Alterchen. Und das hier ist nicht dein Feuer, sondern meines. Es gehört nicht alles dir, was deine Augen sehen!“ Tanzend huschte das Mädchen von Scheid zu Scheid, ihre langen, roten Haare knisterten um ihre leuchtenden Schultern, sie wirbelte lachend und strahlend mit den anderen Flammen um die Wette im Kamin herum.
„Oh, du bist ja eine ganz lebhafte kleine Dame. Warum leistest du mir Gesellschaft, bist du auch einsam?“ Jakob war verwirrt. Sahen seine alten, müden Augen richtig? So etwas gab es doch gar nicht, es war nicht logisch und nicht real. Und trotzdem, er konnte in der Tat nicht leugnen, dieses lebhafte Flammenmädchen wirklich zu sehen. Sicherheitshalber rieb er seine Augen, schloss sie dann um sie daraufhin nur noch weiter zu öffnen und dem sich aus der Glut schmiegenden Mädchen neugierig zuzusehen.
„Pah!“, rief die Kleine ihm zu. „Ich und einsam? Siehst du denn meine Freunde nicht? Sie tanzen mit mir und begleiten mich. Wir teilen uns miteinander unser Wichtigstes, die Glut. Ist doch wohl nicht zu übersehen, oder?“
Sie breitete ihre Arme aus und strich über die vielen flackernden Lichter. „So schön sind sie, so heiß! Wie kann ich da einsam sein!“
Jakob überlegte. Alle Menschen, wirklich jeder hatte Freunde oder Kinder oder Bekannte an solchen Abenden. Nur er war ohne jede Begleitung. Wie immer! Doch warum eigentlich? Hatte er es nicht zu Reichtum gebracht, konnte er nicht alles kaufen, was glücklich machte? Wieso hätte er mit anderen etwas teilen sollen? Schließlich konnte ja jeder allein für sich sorgen – wenn nicht, Pech gehabt! Warum nur war er auf einmal so unzufrieden. So einsam, dass er schon mit dem Feuer sprach?
„So, das ist also dein Feuer. Ich habe es entfacht, in meinem Kamin, mit meinem Holz. Du bist doch nur da, weil ich es gestatte.“, sagte er streng zu dem hüpfenden Flammenmädchen. „Ohne mich bist du ein Nichts!“
„Hey, krieg dich mal ein, alter Mann. Kein Wunder, dass du einsam bist. Was hast du nur erreicht in deinem langen Leben? Na toll, du hast ein Haus. Ist schon ein feines Ding! Und du hast jede Menge Sachen und einen Haufen kaltes Geld, na Klasse. Und? Wärmt es dich?“
„Sei nicht so vorlaut, kleine Göre. Du da, im rußigen Kamin, was hast du denn schon? Vielleicht genügend Hitze, und, ich gebe es ja zu, auch wärmende Gesellschaft. Aber dein Leben ist kurz und begrenzt. Ich habe die Macht darüber, kann dich jeder Zeit erlöschen lassen.“ Jakob war ärgerlich. Wie konnte dieses kleine, freche Ding seine Werte schmälern? Und doch, wenn er es richtig bedachte: Sie hatte Gesellschaft – und er nicht. Er war so weit, dass er mit den Flammen im Kamin sprach. Sicherheitshalber sah er sich im Kaminzimmer um. Zum Glück war er allein, denn Normal war es ja nicht, sich mit einem Flammenmädchen zu unterhalten.
„Nana, nun zick mal nicht so rum, Alterchen. Sieh nur, ist das nicht schön?“ Sie sprang mit einem geschmeidigen Satz auf einen großen, dicken Scheit direkt in das Herz des lodernden Feuers. Dort drehte sie sich wirbelnd auf ihren Zehenspitzen, ihr Flammenkleid breitete sich aus, viele kleine Flämmchen flackerten am glutroten Stoff ihres Rockes und beleuchteten den aufregenden Tanz. Sie stampfte in die Glut, Tausende von knisternden Funken stoben durch den Raum des Kamins, golden und silbern und rotglühend knisternd sausten sie dem Schornstein entgegen.
Das Flammenmädchen lachte ein sprühendes, funkelndes Lachen. „Es liegt in deiner Hand, wie lange ich lebe, alter Mann. Aber in diesem Moment lebe ich! Und es ist schön, vor dir zu tanzen.“
Jakob nickte. Die Kleine hatte Feuer – und jede Menge Spaß an ihrem Leben. Sie hatte nichts als ihr Lachen und ihren Tanz in der Glut, und trotzdem war sie glücklich.
„Siehste!“, rief sie atemlos, „Das hat doch was, nicht wahr?“ Knisternd ließ sie ihre leuchtend roten Haare um sich fallen. „Ich mag gar nicht so alt und knurrig werden wie du, das ist nicht mein Ding. Ist mir auch gar nicht bestimmt. Meine Aufgabe ist es zu wärmen, zu trösten und zu unterhalten, das ist okay. Mehr will ich nicht! Dazu langt ein kurzes Leben. Ich brauche nichts zu fürchten, habe nichts zu verlieren und nur zu gewinnen. Schau dich an: Du hast jetzt wunderschöne rote Wangen von meiner Hitze.“ Und sie sprang von noch einmal von Scheit zu Scheit, und zog damit ein wenig Wind aus dem Schornstein.
Jakob nickte. „Stimmt, kleines Flammenmädchen. Das danke ich dir.“
Ein anderer Weg, den ich gehen könnte, dachte Jakob. Wenn dieses quirlige Etwas ihn verlassen würde, dann hätte sie ihm Freude hinterlassen. „Und wenn ich mal gehen muss? Wem habe ich dann Freude gegeben? Wird irgend jemand mich vermissen?“
„Denke, Jakob, denke!“, wisperte das Mädchen. Schwach flackerte das Feuer noch, ein leises Lächeln stand im Gesicht der kleinen, feurigen Tänzerin. „Mein Leben neigt sich dem Ende zu, doch ich habe viel erreicht.“ Sie hockte sich ein wenig tiefer in die schwache Glut, ließ ihre Füße in der warmen Asche baumeln und winkte Jacob zum Abschied noch einmal zu. Dann verblasste sie.
Der Alte sah noch lange Zeit in die weiße Asche. „Ein weises Kind, die kleine Flammengöre.“ Er nickte bedächtig und erhob sich langsam aus seinem Lehnstuhl. „Es stimmt: Es ist nicht die Länge des Lebens, die uns zum Schluss zufrieden macht, es sind die Gemütlichkeit und die Güte, die uns begleiten sollten.“ Er blickte noch einmal auf den Kamin und es war ihm, als hörte er ein leises, zufriedenes Kichern aus der Asche klingen.
 
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13.08.2005
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Hallo Petra,

eine nette kleine Geschichte hast Du da geschrieben. Ein wenig Dickens "Weihnachtsgeschichte" mit nur einem Geist. Gerade am Anfang geizt Du nicht mit sinnlichen Details, und das ist sicher gerade bei Geschichten auf Platt ganz wichtig.
Schade, dass die beiden aus dem Reden nicht rauskommen. Nicht einmal eine Rückblende auf sein Leben gönnst Du dem Alten. So erleben wir letztlich nur einen Dialog, in dem der Alte, der jahrelang seinen Stiefel gefahren ist, plötzlich nach einer kurzen Unterhaltung eine 180 Grad-Wendung macht. Klar hat die Deern recht, immerhin hast Du sie ja zu diesem Zweck erfunden :)
Üm sik seker to sien schlöt he kort sien Ogens un rev se heftig.
Da unterhält er sich also die ganze Zeit mit dem Mädel, guckt sie an und stellt sich dann die Frage, ob es sie wirklich gibt? Wahrlich wunderlich. Ein solches Prozedere hätte ich am Anfang erwartet.
He säch sik üm. Ton Glück wer he ok hüt alleen, dache he
Nun ist er seit Jahren allein und guckt sich trotzdem um, ob da nicht jemand ist und guckt? Und ist froh, niemanden zu sehen? Den zweiten Satz würde ich streichen, zu oft hast Du schon seine Einsamkeit betont. Und warum sieht er sich sonst um? Wirft er einen Blick auf seinen Reichtum, den er jetzt schon fast mit anderen Augen sieht?

Wie gesagt: alles in allem wenig Geschehen in der Geschichte, dafür aber viel von der heimeligen Stimmung, die mE wesentlich fürs Plattdeutsche ist.

(Ich seh gerade, es ist ja schon ein halbes Jahr her, dass Du die Geschichte ins Netz gestellt hast. Die Mundart-Rubrik scheint nicht unbedingt zu den meistfrequentierten hier im Forum zu gehören. :) )

Herzliche Grüße,
Ennka
 
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18.04.2002
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Hallo Petra,

durch deine Art zu schreiben vermittelst du einen guten Eindruck über das Geschehen, erzeugst Assoziationen.
Die `Bekehrung´ des Alten geht zwar etwas leicht vonstatten, doch bei einer märchenhaften Geschichte muss das wohl so sein.
Der Dialekt gibt dem Text eine zusätzliche Stimmung, etwas Gemütlich-behäbiges, interessant, wie diese Sprachvariante die Wirkung der Geschichte beeinflusst.

L G,

tschüß Woltochinon
 
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22.03.2005
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Hi petra.t!

Ick häv kiene Ahnung, ob du noch up düsse Website büsst, doch du häst een bannich ördentliches Stück Literatur avgäben.

So, und bevor ich noch alle plattdeutschen Dialekte durcheinander kriege und mich total blamiere, mal lieber in der Hochsprache. :D

Die Geschichte hat einen Bonus: Es gelingt ihr, die Vorzüge der plattdeutschen Sprache ( denn als das kann man sie betrachten; sie ist vom Hochdeutschen nicht weniger weit entfernt als das Niederländische ) am Beispiel einer heimelig-gemütlichen Geschichte über die Einsamkeit der Reichen und den Wert immateriellen Glücks zu zeigen.
Denn liest man den Text auf deutsch, wirkt er wie ein banales, ödes Lehrstück mit dem berühmten erhobenen Zeigefinger.
Woran dieser Unterschied in der Wahrnehmung liegt, ist schwer zu sagen. Ich denke, das hat etwas damit zu tun, dass man das Plattdeutsche mit "ländlich" gleichsetzt, und von einer ländlichen Kultur erwartet man keine tiefgründigen philosophischen Gedankengebäude, sondern ein Gefühl der Gemütlichkeit. Vielleicht liegt es auch daran, dass das Plattdeutsche viel wärmer, eben "heimeliger" klingt als das Hochdeutsche und dass das Thema mehr auf diese Sprache zugeschnitten ist.
Allein wenn man das Wort "Gnaddelbüdel" zu übersetzen versucht, stößt man auf ernsthafte Schwierigkeiten. Kein hochdeutsches Äquivalent wäre vom Klang so harmonisch und hätte gleichzeitig diesen ironisch-neckischen Beiklang.

Die Rechtschreibung kann ich natürlich nicht so leicht überprüfen, aber da vertrau ich dir mal. ;)

Ciao, Megabjörnie
 

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