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Den Geistern begegnen

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Den Geistern begegnen

Es regnete, als seine Schwester beerdigt wurde. Die Trauergäste blickten unter den Regenschirmen wie versteinert vor sich hin.
Grigori fühlte sich ruhig, als er etwas Erde in Alinas letzte Ruhestätte fallen ließ. Aber dann sah er sie vor sich. Ihr strahlendes Lachen, eine Blume im schwarzen Haar. Sein Körper begann zu zittern, Tränen liefen die Wangen hinab.
Seine Mutter kam und umarmte ihn. Auch sie weinte. „Komm“, flüsterte sie. „Sie bleibt in unseren Herzen.“

***

Grigori bemerkte bei seinem Samstagsspaziergang erneut den Blumenladen. Er konnte noch nicht lange da sein, oder er hatte ihn bisher übersehen. „Jasmins“ stand in bunten Buchstaben auf einem Holzschild über dem Eingang.
Im Schaufenster sah er einige weiße Orchideen. Angeordnet in einem Dreieck, fast wie ein Herz. So wie seine Schwester sie immer aufgestellt hatte. Er ging näher an die Scheibe und erinnerte sich wieder an den Namen der Pflanze, als würde Alina zu ihm sprechen: „Miltonia. Du erkennst sie an dem Stiefmütterchengesicht.“
„Ja“, flüsterte er und betrat den Laden.
Die Inhaberin stand mit dem Rücken zu ihm. Lange, braune Haare. Nicht schwarz wie Alinas. Dennoch rechnete er damit, das Gesicht seiner Schwester zu erblicken, als sie sich umdrehte. Aber natürlich war sie es nicht.
„Kann ich Ihnen helfen?“, fragte sie.
Grigori blickte sie einige Sekunden irritiert an. Sie hob die Augenbrauen.
„Die Orchideen …“ Er drehte sich zum Schaufenster.
„Ja, ich habe sie erst heute morgen bekommen. Möchten Sie welche?“
„Stellen Sie sie immer so auf?“
„Was meinen Sie?“
„Die Anordnung … Entschuldigung, ist nicht wichtig. Ja, eine bitte.“
Die Frau kam zu ihm und nahm eine der Pflanzen. Er roch ihr dezentes Parfüm.
„Soll ich sie einpacken? Als Geschenk?“
„Ja, aber nicht als Geschenk. Danke.“
Sie ging zu einem kleinen Tisch am Rand des Ladens und begann mit dem Einwickeln. Grigori blickte sie an, hatte kurz Alina vor Augen. Wie sie die Miltonia in ihrer Dreiecksform aufstellte, auf dem Blumentisch in ihrem Zimmer.
„So, bitteschön.“ Sie hielt ihm die eingepackte Orchidee hin. „Macht vierzehn Euro.“
Er nahm einen Fünf- und einen Zehn-Euro-Schein aus seinem Portemonnaie. „Stimmt so.“
„Danke. Ich hoffe, sie macht Ihnen Freude.“ Sie zog einen Mundwinkel zu einem angedeuteten Lächeln. Ein kleines Grübchen bildete sich.
„Bestimmt. Seit wann sind Sie hier?“
„Erst ein paar Tage. Hat lange gedauert, etwas in einer guten Lage zu finden.“
„Kann ich mir vorstellen. Na dann, noch einen schönen Tag.“
„Ihnen auch“, sagte sie, als er schon fast draußen war.

Er dachte an einen der letzten Momente mit seiner Schwester, als er die ruhige Oberfläche des Sees betrachtete. Sie gingen oft hier spazieren. Meistens redete sie und er hörte zu, dachte er lächelnd. An jenem Tag ging es um einen Jungen aus einer Parallelklasse, in den sie sich verliebt hatte. Der sie nicht abwies, aber auch nicht wirklich in seine Nähe ließ.
Alina drehte sich zu ihm, wollte noch etwas sagen. Stattdessen kam sie näher und gab ihm einen kurzen Kuss auf den Mund. Lächelte und ging weiter. „Komm!“, rief sie lachend.
Grigori bekam keine Gelegenheit mehr, mit ihr darüber zu sprechen. Am nächsten Morgen übersah sie ein Lastwagenfahrer, als sie mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Schule war. Beendete ihr Leben schon nach sechzehn Jahren.

„Kann ich helfen?“, fragte Grigori.
Die Inhaberin des Blumenladens stand vor einigen Paletten mit Blumenerde und drehte sich zu ihm. „Ach, hallo! Ja, danke, der Lieferant hat sie einfach hier abgestellt und ist weitergefahren.“
„Was haben Sie denn mit so viel Erde vor?“, fragte er, als sie die Säcke nach drinnen trugen.
„Ich habe gerne genügend Vorrat. Eigentlich wollte ich mir das Schleppen sparen, aber vielleicht fahre ich beim nächsten Mal doch wieder selbst zum Baumarkt.“
„Oder sie vertrauen darauf, dass zufällig jemand vorbeikommt.“
„Mal sehen! Danke, dann haben wir es ja schon. Ich bin übrigens Jasmin.“ Sie hielt ihm die Hand hin.
„Grigori, freut mich.“
„Okay, dann … vielleicht kann ich Sie als Dankeschön auf einen Kaffee einladen? Falls Sie Zeit haben?“
„Hab ich. Aber was ist mit ihrem Laden?“
Jasmin drehte das Türschild auf Geschlossen und zwinkerte ihm zu. „Mittagspause!“

„Hatten Sie schon immer vor, sich selbständig zu machen?“, fragte Grigori, nachdem die Bedienung die Cappuccinos gebracht hatte.
„Ja, die Idee hatte ich schon früh. Ich habe direkt nach der Schule eine Ausbildung zur Floristin gemacht und bis vor einigen Wochen als Angestellte gearbeitet. Aber ich möchte nicht nur beraten und verkaufen, sondern selbst gestalten, also habe ich den Schritt gewagt.“
„Respekt! Finde ich mutig, aber Sie schaffen das schon.“
„Mal sehen, bis zum Frühling habe ich noch ein wenig Zeit für die Inneneinrichtung und dann kommen hoffentlich mehr Kunden. Was machen Sie? Also beruflich?“
„Ich arbeite als freier Journalist. Zur Zeit läuft es ganz gut, aber …“
Jasmin sah ihn an, legte den Kopf etwas zur Seite. „Aber es ist nicht ihr Traumjob.“
„Es ist in Ordnung, aber … nein, wahrscheinlich nicht.“
„Was interessiert Sie denn? Vielleicht haben Sie ein Hobby, aus dem mal ein Job werden könnte?“
„Ich würde gerne mehr mit anderen Menschen arbeiten, ihnen bei etwas helfen. Wahrscheinlich muss ich mir mal bewusster darüber Gedanken machen.“
„Das sollten Sie, denke ich. Mit viel Geduld ergeben sich bestimmt auch andere Möglichkeiten.“ Sie trank von ihrem Cappuccino. „Aber nicht von alleine.“ Wieder zog sie einen Mundwinkel zu einem Lächeln. Diesmal deutlicher, mit einem tieferen Grübchen.
Auch Grigori lächelte und dachte an seine Schwester.

„Das tut mir leid“, sagte Jasmin, nachdem Grigori seine Erzählung beendet hatte. Sie hakte sich bei ihm ein, während sie an diesem Sommerabend am See entlang spazierten. „Warum hast du bisher nicht davon gesprochen?“
„Weiß nicht, fällt mir halt nicht so leicht. Nun ist es fast zehn Jahre her, aber dennoch … als wäre es gerade erst passiert. Wir waren oft hier spazieren.“
Sie gingen eine Zeitlang schweigend, bis Jasmin sagte: „Interessant, dass sie auch so ein Faible für Blumen hatte. So gesehen wärst du ja vielleicht ohne sie nicht in meinen Laden spaziert.“
„Wer weiß. Hast du Geschwister?“
„Nein. Meine Mutter wollte unbedingt ein zweites Kind, aber … na ja, mein Vater halt nicht. Er hat immer gut für uns gesorgt, finanziell. Vielleicht hatte er Angst, dass das Geld nicht reicht.“
„Nur finanziell?“, fragte Grigori nach einigen Sekunden.
„Er war immer sehr distanziert. Mit meiner Mutter telefoniere ich regelmäßig, mit ihm eher selten. Vielleicht freut er sich auf seine Weise, wenn ich mich melde, aber eigentlich weiß ich es nicht. Habe immer den Eindruck, dass er es nur zur Kenntnis nimmt.“
Grigori blieb stehen, drehte sich zu ihr. „Ich denke, ich weiß, was du meinst. So wird er seine Aufgabe als Vater sehen. Auf seine Art sorgt er dafür, dass es dir und deiner Mutter gut geht.“
Sie blickten sich an, es war in etwa die Stelle, an der Alina ihn damals geküsst hatte. Grigori näherte sich Jasmins Gesicht, berührte ihre Lippen mit seinen. Zunächst blieb sie ruhig, öffnete dann den Mund. Ihre Zungen berührten sich. Er legte seine Hände an ihre Hüften, zog sie näher.

Er spürte Jasmins Körper, ihre Haut, als sie sich auf ihm bewegte. Sah sie auch mit geschlossenen Augen, während sie sich küssten. Ihre sonnengebräunte Haut und die langen, braunen Haare. Das charmante Lächeln mit einem Mundwinkel.
Aber es war noch jemand anderes da. Das Lächeln veränderte sich, wurde zu einem Lachen. Es ließ das ganze Gesicht und die Augen strahlen. Die Haare wurden dunkler und kürzer. Alina unterbrach den Kuss und flüsterte: „Endlich können wir weitermachen.“
„Das dürfen wir nicht.“ Dennoch umgriff Grigori ihre Hüften, sie bewegte sich schneller.
Sonnenlicht drang durch das Fenster, er öffnete die Augen. Konnte nicht erkennen, mit wem er schlief. Als wären Alina und Jasmin miteinander verschmolzen. Die Sonnenstrahlen durchdrangen ihren Körper, ließen ihn immer heller und zugleich leichter werden. Er schloss die Augen. Als er sie wieder öffnete, war sie verschwunden.
Seine Hände und Arme fühlten sich taub an. Blut lief an ihnen hinab, färbte das Bettlaken rot. Die Sicht verschwamm, als er versuchte, sein Handy zu erreichen.

***

Grigori saß mit seinen Eltern auf der großen Picknickdecke, sie spielten Karten. Nur Alina hatte sich in den noch kalten See getraut. Sie kam aus dem Wasser, vor Kälte zitternd, aber strahlte dabei übers ganze Gesicht. Die ganze Welt war für sie eine Entdeckungsreise. Hoffentlich ändert sich das nie, dachte Grigori.
Als sie näher kam, verschwand ihr Lachen. Sie hielt sich eine Hand vor den Mund und zeigte auf Grigoris Arme. Und schrie.
Erst jetzt spürte er die Schmerzen und blickte hinab. Blut quoll aus Schnitten an seinen Unterarmen, lief auf die Decke.
Dichter Nebel bildete sich über dem See, während ihn die Kraft verließ. Breitete sich aus und umhüllte ihn.

***

Er fühlte einen nie gekannten Frieden, durch die Stille und weiße Leere um ihn herum. Bis Farben und Stimmen ihn erreichten, langsam deutlicher wurden.
„Sprechen Sie nur ein paar Minuten mit ihm“, sagte der Arzt zu dem Polizisten.
„In Ordnung. Können Sie sich erinnern, was passiert ist?“
Grigori versuchte, die Worte durch den Nebel seiner Wahrnehmung zu verstehen. „Jemand hat mich verletzt. Und Jasmin … wo ist sie?“, brachte er nach einigen Sekunden hervor.
„Wen meinen Sie? Außer Ihnen war niemand in ihrer Wohnung. Seien Sie froh, dass Sie den Anruf noch geschafft haben.“
Er wollte etwas antworten, schloss dann aber die Augen. Seine Gedanken rasten. „Wer hat mich verletzt?“, fragte er schließlich.
„Das wollte ich Sie fragen. Wir haben keine Spuren einer weiteren Person gefunden“, sagte der Polizist.
„Das ist nicht möglich, es muss doch …“ Grigori schüttelte den Kopf und hustete.
Der Polizist wartete, bis er sich beruhigt hatte. „Wir haben eine Rasierklinge neben ihrem Bett gefunden. Haben Sie schon mal versucht, sich umzubringen?“

Grigori saß am See und betrachtete wieder die ruhige Wasseroberfläche. Niemand weiß, was darunter vor sich geht, dachte er.
Die Wunden an seinen Armen waren gut verheilt. Narben würden bleiben. Er machte sich nicht die Mühe, die Tränen wegzuwischen. „Lassen Sie es zu“, sagte ihm seine Psychologin immer wieder. „Begegnen Sie ihren Geistern. Sie wissen ja nun, was sonst passieren kann.“
Alina war nicht mehr da, in dieser Welt. Aber jemand anderes.
Er stand auf und ging zu dem Blumenladen. Im Schaufenster befanden sich bunte Pflanzen aller Art. Auch Miltonia, aber nicht in einem Dreieck angeordnet.
Grigori betrat den Laden, die Glocken über der Tür läuteten. Die Inhaberin drehte sich um. Strich die langen, braunen Haare zurück und lächelte. „Kann ich Ihnen helfen?“
„Ja. Die Orchideen, im Schaufenster.“
„Die Miltonia? Möchten Sie welche?“
„Gerne.“
Sie ging zu den Pflanzen. „Waren Sie schon mal hier?“
„Noch nicht drinnen, aber ich habe schon oft ihr Schaufenster bewundert.“
„Ach so. Ich dachte eben, ich kenne Sie irgendwoher.“

 
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Servus @Rob F,

"Seltsam, aber so steht es geschrieben" ... gab es mal in den 70ern als Satz am Ende auf jedem Gespenster-Heftchen. Der Tag "Seltsam" fehlt hier noch. Aber nicht, dass es die Geschichte schlechter macht. Nein, sie hat mir gut gefallen.

Das ist mir ins Auge gesprungen.

letzte Ruhestädte
Ruhestätte

Normal bin ich nicht der Super-Verbesserer. Der Text interessiert mich mehr, die Geschichte dahinter. In der Psychologie ist das nicht selten, eine derart tiefe Verbindung, unterbrochen durch einen Tod, danach kommt es zu Wahnvorstellungen. Das Hirn ist eines der Merkwürdigsten. Auf jeden Fall kurzweilig und dein Schreibstil hat das hervorgehoben.

Griasle
Morphin

 
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Hi @Morphin ,

danke für dein Feedback!

Ich finde Geschichten generell interessant, bei denen nicht immer klar ist, was tatsächlich passiert und was nur in der Vorstellung des Protagonisten.

Und muss dabei natürlich immer hoffen, dass es nicht zu verwirrend ist und eher nervt ...
Aber hierbei wird hoffentlich deutlich, dass ...

... zumindest die letzte Szene mit Jasmin real ist und die beiden eine Chance haben, sich besser kennzulernen. Grigoris Leben also noch eine positive Richtung nimmt.

In der Psychologie ist das nicht selten, eine derart tiefe Verbindung, unterbrochen durch einen Tod, danach kommt es zu Wahnvorstellungen.
Ja, Grigori hat die Folgen unterschätzt und sich nach dem Tod seiner Schwester nicht helfen lassen. Wobei es in diesem Alter natürlich die Aufgabe der Eltern gewesen wäre, das zu erkennen.

Danke für deine Eindrücke und viele Grüße!
Rob

 
Wortkrieger-Team
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Uih, @Rob F

nicht schlecht.
Richtig gut sogar.

Aber dann sah er sie vor sich. Ihr strahlendes Lachen. Es gab keinen Tag ohne ihre Fröhlichkeit. Sein Körper begann zu zittern. Tränen liefen die Wangen hinab.
"Es gab keinen Tag ohne ihre Fröhlichkeit." wirkt für mich wie ein Fremdkörper im Textfluss. Könnte weg.


„Jasmins“ stand in bunten Buchstaben auf einem Holzschild über dem Eingang.
Seit wann benutzten Kaufleute in ihren Firmennamen kein Deppen-Apostroph mehr? Habe ich was verpasst? :-)


Er dachte an einen der letzten Momente mit seiner Schwester, als er die ruhige Oberfläche des Sees betrachtete.
Hier wird schwuppdiwupp zum See gewechselt, wo du vorher sogar noch den Wochentag genannt hast:

Grigori bemerkte bei seinem Samstagsspaziergang erneut den Blumenladen.
Die Inhaberin des Blumenladens stand vor einigen Kartons und drehte sich zu ihm.
„Es ist hauptsächlich Blumenerde.
Ich könnte wetten, Blumenerde wird nicht in Kartons geliefert, sondern in Säcken auf Palette.

„Oder sie vertrauen darauf, dass zufällig jemand vorbei kommt.“
Oder Sie ... vorbeikommt

Jasmin drehte das Türschild auf geschlossen.
auf "geschlossen" oder: auf geschlossen

die Cappuccino
Plural: Cappuccinos oder Cappuccini

Nun ist es fast zehn Jahre her,
Ups, kam mir kürzer vor.

Er spürte Jasmins Körper, ihre Haut, als sie sich auf ihm bewegte.
Was passiert denn da?

Seine Hände und Arme fühlten sich taub an. Blut lief an ihnen hinab, färbte das weiße Bettlaken rot.
Das scheint wohl schon zehn Jahre so zu gehen. Der Arme.

Dass am Ende die Blumenverkäufrin ihn nicht kennt, passt wee die Faust aufs Auge.

Hat mir gefallen.

Schönen Abend und liebe Grüße,
GoMusic

 
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Hi, schöner Stil, hat mir gefallen. Die Sprünge sind anspruchsvoll für den Leser, aber ich bin (glaube ich) mitgekommen. Hat er sich tatsächlich vorgestellt, mit seiner Schwester zu schlafen? Dass es im Text um (pathologische) Geschwisterliebe geht, habe ich erst am Ende mitgekriegt. Bin nicht so gut im Namenmerken ;)

LG

 
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Hi @GoMusic ,

danke fürs Lesen und Kommentieren! Ich kehre hiermit mal zurück zum ausführlicheren Erzählen ...

nicht schlecht.
Richtig gut sogar.
Vielen Dank! :gelb:

"Es gab keinen Tag ohne ihre Fröhlichkeit." wirkt für mich wie ein Fremdkörper im Textfluss. Könnte weg.
Ich habe diesen Satz entfernt und dafür noch etwas zu ihrem Aussehen ergänzt:
"Aber dann sah er sie vor sich. Ihr strahlendes Lachen. Eine Blume in ihrem schwarzen Haar. Sein Körper begann ..."

Seit wann benutzten Kaufleute in ihren Firmennamen kein Deppen-Apostroph mehr? Habe ich was verpasst? :-)
In meiner Geschichte ist es halt so ;)

Hier wird schwuppdiwupp zum See gewechselt, wo du vorher sogar noch den Wochentag genannt hast:
Ja, das Problem habe ich grundsätzlich. Ich beschreibe die Szenen nacheinander und denke nicht daran, dass dem Leser ohne entsprechende Hinweise nicht klar sein kann, wann die nächste Szene spielt. Hierbei hatte ich eigentlich nur daran gedacht, dass Grigori nach dem ersten Besuch im Blumenladen zum See geht und sich an seine Schwester erinnert. Zumindest hierbei ist es m.E. nicht im Detail wichtig, ob es nun noch am gleichen Tag (Samstag) ist, was ja möglich wäre, oder z.B. am Folgetag.
Insgesamt finden die Ereignisse entsprechend der Reihenfolge der Szenen statt, in einer Szene erwähne ich, dass ca. 10 Jahre seit der Beerdigung vergangen sind.

Ich könnte wetten, Blumenerde wird nicht in Kartons geliefert, sondern in Säcken auf Palette.
Das wird so sein, habe es geändert, danke für den Hinweis!

Oder Sie ... vorbeikommt
ist korrigiert

auf "geschlossen" oder: auf geschlossen
habe mich für kursiv entschieden

Plural: Cappuccinos oder Cappuccini
"Cappuccini" als Mehrzahl kannte ich gar nicht, habe also die erste Variante genommen.

Was passiert denn da?
Ich lasse die Szene für sich sprechen ... :)

Danke für deine Eindrücke und viele Grüße!
Rob


Hallo @Abigail Rook ,

auch dir danke für deinen Kommentar!

Die Sprünge sind anspruchsvoll für den Leser, aber ich bin (glaube ich) mitgekommen.
Da habe ich beim Schreiben nicht dran gedacht, das Problem kennt wahrscheinlich jeder, der selbst schreibt: Die Informationen, an die der Autor denkt, finden sich dann halt nicht alle im Text. Zumindest mir fällt das aber teilweise erst auf, wenn mich jemand darauf hinweist, also dass Leser natürlich meine "Hintergrundgedanken" nicht kennen können.
Wenn es hierbei nicht grundsätzlich stört, lasse ich es erstmal so. Ich habe zumindest einen Hinweis, dass die Handlung nach der ersten Szene ca. 10 Jahre später spielt. Ich möchte aber halt auch nicht in jedem Absatz einen Zeithinweis verstecken, das würde dann ja auch etwas künstlich wirken.

Hat er sich tatsächlich vorgestellt, mit seiner Schwester zu schlafen?
In dieser Szene, die für mich die wichtigste der Geschichte ist, verschwimmen ja zwei Inhalte. Zum einen die vorgestellte Beziehung mit Jasmin, die bis dahin ja in der Realität gar nicht stattgefunden hat. Und die Liebe und der Verlust seiner Schwester Alina. Mit der bestehenden, nie geklärten Irritation, dass sie ihn kurz vor ihrem Tod geküsst hat.
Es sollte also nicht direkt um ein körperliches Verlangen nach seiner Schwester gehen, es vereint sich in dieser Szene nur alles, was er nie aufgearbeitet hat.

Danke fürs Lesen und viele Grüße!
Rob

 
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Hallo Rob F, der Text hat viele Probleme und funktioniert als Geschichte nicht.

Story, Konstruktion, Schwerpunkt

Ein Hauptproblem des Textes ist, dass er keinen Schwerpunkt besitzt, weder vom Plot her noch von der Bedeutungsebene. Geht es um die Trauer von Grigori angesichts des Todes seiner Schwester oder Alinas Tod oder um die sexuelle Beziehung zwischen den Geschwistern oder um Grigoris suizidale Neigungen oder um die Verschmelzung von Jasmin und Alina? Ich verstehe, dass Du das alles verknüpfen wolltest, aber statt einer Struktur, bietet die Geschichte nur Brei.

Je geheimnisvoller eine Geschichte sein soll, desto wichtiger ist ein klarer (sich nach und nach enthüllender) Grundgedanke. Sonst verheddert sich der Plot.

Meine Empfehlung ist, bei der Enthüllung eines grausamen Familiengeheimnisses einen Schwerpunkt zu legen, entweder auf den Tod der Schwester, die sexuelle Beziehung zwischen Grigori und Alina oder Grigoris Suizidversuche.

Ein Könner wäre natürlich auch in der Lage, all die verschiedenen Aspekte in eine Geschichte zu packen, aber dann muss die Konstruktion viel besser abgestimmt sein. Für Anfänger ist es besser, es bei einem Schwerpunkt zu belassen, denn das lässt sich dramaturgisch besser beherrschen.


Sprache, Tonfall, Erzählstil, Komposition

Die Art, wie Du erzählst, ist nicht immer stilsicher. Grundsätzlich wirkt der Text zwar nicht überladen, Du übertreibst es nicht mit Adjektiven, aber es gibt mehrere Schwächen. Die Sprache ist schlicht, aber nicht im guten Sinne. Es mangelt vor allem an Prägnanz. In diesem Tonfall kann man Freunden mündlich eine Ferienanekdote zusammenfassen, aber das reicht nicht für den Text in einem Buchdeckel. Viele Schriftsteller schauen sehr genau, wie ihre Lieblingsautoren Szenen beschreiben. Mal eine Seite abschreiben hilft, den eigenen Stil zu verbessern.

Das zweite Problem bei der sprachlichen Gestaltung betrifft das Verhältnis zwischen Dialog und Erzählstimme. Bei so viel banalem Smalltalk (zwischen Jasmin und Grigori) müsste die Erzählstimme einen Gegenpol bilden, damit das Ganze nicht zu flach wird. Das passiert aber nicht. Meine Empfehlung ist, die Dialoge kürzen und die Erzählstimme prägnanter gestalten.

Drittens nutzt Du Bilder, die durch häufigen Gebrauch in Pop-Kultur, Literatur und Film abgenutzt wirken: Ein Begräbnis im Regen, schwarze Regenschirme, versteinerte Gesichter, Blume im Haar, ein Spaziergang am See, ein emotional distanzierter Vater, rotes Blut auf weißen Bettlaken, Schnitte an den Unterarmen, Nebel über dem Wasser usw.

Gegen diese Bilder ist grundsätzlich nichts einzuwenden, aber es gibt in diesem Text nicht eine einzige originelle Szene. Gäbe es etwas, was man so noch nicht gelesen hat, wären die eher abgenutzten Bilder nicht so unschön.

Warum sind die handelnden Figuren so 0815? Warum sagen die nicht mal etwas Witziges, Unerwartetes, Originelles, Provozierendes? Die reden alle wie bei einer ZDF-Nachmittagsserie. So kann man keine Leser gewinnen.

Ich hoffe, Du kannst mit meinen Hinweisen etwas anfangen.

Gruß Achillus

 
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09.12.2019
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Hi @Achillus ,

danke für deine ausführliche Kritik!

Wann genau "funktioniert" ein Text denn nicht? Sorry, ist eine ernst gemeinte Frage, auch wenn es vielleicht anders klingt. Ich hoffe, dass nicht alle Texte so gesehen werden, die nicht einen "mathematisch genauen" Fokus haben.

@Morphin hat m.E. kurz und treffend beschrieben, worum es nach dem Tod von Grigoris Schwester geht.

Es geht darum, was mit Grigori passiert, dadurch dass er den Verlust seiner Schwester in sich hinein gefressen hat. Alle Ereignisse, das meiste findet ja in seinen Gedanken statt, ergeben sich hieraus. Da ist mir also nicht klar, warum dieser Inhalt zu diffus ist.

Der Smalltalk zwischen Grigori und Jasmin ist vielleicht etwas zu umfangreich, ich werde später nochmal schauen, ob ich ihn etwas kürze. Er hat hauptsächlich den Zweck, Grigori und seine Gedanken besser kennenzulernen.

Die Protagonisten sind eher "Alltagsmenschen", da gebe ich dir Recht. Ich bin im Moment schon ganz froh, wenn sie für die Handlung soweit vorstellbar sind. Aber es ist natürlich ein guter Hinweis, auch hierbei etwas innovativer zu sein, danke für den Tipp!

Der Erzählstil außerhalb der Dialoge ist sehr schlicht, so versuche ich es grundsätzlich zu halten. Ich glaube, da bräuchte ich mal ein Beispiel, wie das bei dieser Handlung auch anders/interessanter aussehen könnte.

Und du hast geschrieben, dass es in der Geschichte keine einzige originelle Szene gibt. Ich habe hierbei zumindest auf die, hoffentlich überraschende, Szene gesetzt, als Grigori zu Beginn mit Jasmin schläft.

Es geht bei der Handlung übrigens nicht um körperliche Liebe zwischen Geschwistern. Es war vor Alinas Tod ja nur ein Kuss, den Grigori jedoch nicht einordnen konnte, auch dieser Moment hat sich "verselbstständigt", da er ihn nie aufgearbeitet hat.

Nun habe ich allgemein geantwortet, bin aber hoffentlich auf alle deine Hinweise eingegangen.

Danke für deine Mühe und viele Grüße!
Rob

 
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Hallo Rob, erst mal grundsätzlich: Je komplexer eine Geschichte, desto schwieriger die Dramaturgie. Eine Geschichte, die sehr verwickelt ist, ist schwierig zu erzählen.

Im Fall Deiner Geschichte würden ihre Bestandteile schon für sich genommen Stoff für gute Geschichten hergeben:

  • der Tod einer geliebten Schwester, die mit 16 bei einem Unfall ums Leben kommt
  • die Wiederkehr der toten Schwester in einer anderen Frau quasi als Geist
  • eine sexuelle Verbindung zwischen Bruder und Schwester
  • Depression und Suizid als Reaktion auf den Tod eines geliebten Menschen
In Deiner Geschichte rührst Du aber alles zusammen. Als Leser weiß ich nicht, wo eigentlich der Schwerpunkt des Ganzen liegt. Man kann das mit einer Fotografie vergleichen. Jedes gute Foto hat einen Schwerpunkt, einen Ort zu dem das Auge sofort hingeht. Von diesem Schwerpunkt aus betrachtet man dann alles andere. Amateure fotografieren häufig einfach drauflos. Das Auge irrt dann beim Betrachten ziellos hin und her. Der Schwerpunkt fehlt. So ist das auch bei Deiner Geschichte.

Der Smalltalk zwischen Grigori und Jasmin ist vielleicht etwas zu umfangreich, ich werde später nochmal schauen, ob ich ihn etwas kürze. Er hat hauptsächlich den Zweck, Grigori und seine Gedanken besser kennenzulernen.

Das Problem ist nur, dass ein großer Teil davon in banalem Blabla besteht:

„Hatten Sie schon immer vor, sich selbständig zu machen?“, fragte Grigori, nachdem die Bedienung die Cappuccinos gebracht hatte.
„Ja, die Idee hatte ich schon früh. Ich habe direkt nach der Schule eine Ausbildung zur Floristin gemacht und bis vor einigen Wochen als Angestellte gearbeitet. Aber ich möchte nicht nur beraten und verkaufen, sondern selbst gestalten, also habe ich den Schritt gewagt.“
„Glückwunsch! Und Respekt, finde ich mutig, aber Sie schaffen das schon.“
„Mal sehen, bis zum Frühling habe ich noch ein wenig Zeit für die Inneneinrichtung und dann kommen hoffentlich mehr Kunden. Was machen Sie? Also beruflich?“

Das ist wirklich furchtbar. Klar, sprechen Menschen so. Aber das so eins zu eins in die Geschichte zu übernehmen ist sehr uninspiriert. Vor allem in solchem Umfang.

Der Erzählstil außerhalb der Dialoge ist sehr schlicht, so versuche ich es grundsätzlich zu halten. Ich glaube, da bräuchte ich mal ein Beispiel, wie das bei dieser Handlung auch anders/interessanter aussehen könnte.

Gute Beispiele für schnörkelloses Schreiben findest Du bei Michel Houellebecq. Ich weiß nicht, ob der Webmaster es toll findet, wenn ich hier Passagen zitiere, deshalb schau mal bei Amazon, dort gibt es Leseproben.

Und du hast geschrieben, dass es in der Geschichte keine einzige originelle Szene gibt. Ich habe hierbei zumindest auf die, hoffentlich überraschende, Szene gesetzt, als Grigori zu Beginn mit Jasmin schläft.

Das stimmt, denn da taucht ja die Schwester auf. Das ist von der Idee her gut, aber die Umsetzung ist zu plump:

Auch Grigori lächelte und dachte an seine Schwester. Als wäre Alinas Lebensweg auf Jasmin übergegangen.

Mit einem Satz - Jasmin ist jetzt Alina. Da kann man sich mehr einfallen lassen, wenn man das rüberbringen will.

Ich empfehle Dir einfachere Geschichten verrückter zu schreiben. Also keine 0815 Figuren, die komplizierte seelische Prozesse durchmachen, sondern besondere Menschen (Fähigkeiten, Intelligenz, Motive, Charaktereigenschaften) die eine verrückte, aber nachvollziehbare Story erleben.

Beispiele dafür in Literatur und Film gibt es genug: Das Schweigen der Lämmer, Psycho, Blair Witch Project, Rosemaries Baby, Die Vögel, Herr der Fliegen, Der Horla ...

Gruß Achillus

 
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09.12.2019
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Hi @Achillus ,

danke für die ergänzenden, anschaulichen Erklärungen!

Das Beispiel mit den Fotos finde ich sehr gut, so habe ich den Inhalt einer Geschichte noch nicht betrachtet.

Ich finde es beim Lesen durchaus interessant, wenn zu einem Leitthema verschiedene Randthemen nur gestreift werden, das gibt mir ja viel mehr Spielraum für eigene Gedanken, um die inhaltlichen Lücken zu füllen. Aber ist wahrscheinlich nicht jedermanns Sache.

Dann schaue ich mal, was ich zu Michel Houellebecq finde, und danke dir für deine Zeit!

Viele Grüße, Rob

 
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Moin @Rob F!

Ich mag deine Geschichte. Geschmäcker sind verschieden, das wissen wir - und bei mir ist es so, dass mir dein Sprachstil hier gefällt. Du schreibst klar und ruhig, und für mich ist das fokussiert. Geschichten erzählen aus dem Leben und das Leben ist komplex. Was hier passiert ist - Grigori hat nach einer ihn verwirrenden Geste seiner geliebten (im platonischen Sinne) Schwester eben diese verloren und versucht, damit klarzukommen - steht im Fokus. Die Folgen daraus, nämlich dass er es nicht richtig verarbeiten kann, entstehen danach. Ich finde nicht, dass man da irgendetwas trennen müsste.
Die Dialoge zwischen ihm und Jasmin finde ich realistisch, das passt für mich zur Handlung.
Ich wusste eine ganze Weile nicht, wo die Geschichte hinführt, wollte wissen, was passiert. Mit der Szene im Bett kommt Verwirrung ins Spiel, man spürt, dass etwas nicht normal ist, das finde ich ist dir gut gelungen.

„Die Orchideen … “
Da ist ein Leerzeichen zu viel nach den Punkten.

Beendete ihr Leben schon mit sechzehn Jahren.
Da würde ich "nach sechzehn Jahren" schreiben.

„Warum hast du bisher nicht davon gesprochen?“
Hier dachte ich: Finde ich gut, wie du dem Leser subtil, durch das "du", zeigst, dass sich Jasmin und Grigori vertrauter sind, du dadurch also klarmachst, dass die Handlung fortgeschritten ist. Wenn man das Ende noch nicht kennt, passt das gut. Natürlich kommt einen Satz später das mit den zehn Jahren dazu, da ist dann alles klar. Dennoch eine coole Art und Weise, den Fortschritt einer Beziehung subtil darzustellen.

sagte ihm seine Psychologin immer wieder.
Könnte man auch Psychotherapeutin draus machen, denn das wird sie wohl sein.

Grigori saß am See und betrachtete wieder die ruhige Wasseroberfläche. Niemand weiß, was darunter vor sich geht, dachte er.
Das hat mir besonders gut gefallen. Das ist ein sehr schöner Bezug zu der Anfangsszene, in der Grigori mit der Schwester am See ist. Zudem deutest du hier einen Vergleich an (zumindest habe ich es so verstanden), und zwar mit der Unergründlichkeit eines Menschen - bei Alina, denn Grigori wusste nicht, was sie mit dem Kuss bezwecken wollte, und bei ihm selbst, weil auch bei ihm Prozesse ablaufen, die nach außen nicht unbedingt sichtbar sind - wie das, was sich unter der Wasseroberfläche abspielt. Schön geschrieben!

Übrigens musste ich bei dem Namen Grigori sofort an Georgien denken, denn da haben so viele diesen Namen - eine nette Assoziation :)

Gerne gelesen.
Gruß,
rainsen

 
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Hallo @rainsen ,

bei deinem Kommentar hat mich u.a. gefreut, dass dir das ein oder andere Detail aufgefallen ist, wie z.B. die Tatsache, dass Jasmin und Grigori sich in einer Szene duzen. Oder am Ende Grigoris Gedanken zu allem unter der (See-)Oberfläche.

Ich wusste eine ganze Weile nicht, wo die Geschichte hinführt, wollte wissen, was passiert. Mit der Szene im Bett kommt Verwirrung ins Spiel, man spürt, dass etwas nicht normal ist, das finde ich ist dir gut gelungen.
Danke! Es beginnt ja erstmal, neben dem Tod von Grigoris Schwester, mit einer "Kennenlernen und Verlieben-Geschichte". Da musste ich natürlich hoffen, dass die Leser bis zur Bettszene, ab der sich ja alles ändert, dran bleiben, es also bis dahin nicht zu langweilig ist.

Da ist ein Leerzeichen zu viel nach den Punkten.
Da würde ich "nach sechzehn Jahren" schreiben.
Habe beides angepasst, danke für den Hinweis!

Hier dachte ich: Finde ich gut, wie du dem Leser subtil, durch das "du", zeigst, dass sich Jasmin und Grigori vertrauter sind, du dadurch also klarmachst, dass die Handlung fortgeschritten ist. Wenn man das Ende noch nicht kennt, passt das gut. Natürlich kommt einen Satz später das mit den zehn Jahren dazu, da ist dann alles klar. Dennoch eine coole Art und Weise, den Fortschritt einer Beziehung subtil darzustellen.
Wie zu Beginn erwähnt, freut es mich, dass es dir aufgefallen ist! Nach show, don´t tell habe ich nach Möglichkeiten gesucht, darzustellen, dass entsprechend Zeit vergangen ist.

Könnte man auch Psychotherapeutin draus machen, denn das wird sie wohl sein.
Das ist im Detail wahrscheinlich passender, aber ich finde der Satz liest mit der eher allgemeinen, kürzeren Bezeichnung "Psychologin" besser.

Das hat mir besonders gut gefallen. Das ist ein sehr schöner Bezug zu der Anfangsszene, in der Grigori mit der Schwester am See ist. Zudem deutest du hier einen Vergleich an (zumindest habe ich es so verstanden), und zwar mit der Unergründlichkeit eines Menschen - bei Alina, denn Grigori wusste nicht, was sie mit dem Kuss bezwecken wollte, und bei ihm selbst, weil auch bei ihm Prozesse ablaufen, die nach außen nicht unbedingt sichtbar sind - wie das, was sich unter der Wasseroberfläche abspielt. Schön geschrieben!
Es ist zum Ende der Geschichte nur ein Satz, aber er fasst ja nochmal zusammen, worum es geht. Neben seinen Gedanken zu Alina ist es ja auch sehr auf ihn selbst bezogen. Nicht nur anderen, auch ihm selbst ist kaum aufgefallen, was da in seinem Unterbewusstsein so alles passiert.

Danke für deinen aufmerksamen Kommentar und viele Grüße!
Rob

 
Monster-WG
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Lieber @Rob F

eine sehr mysthische Geschichte, voller Drama und Spannung. Düster, melancholisch und lässt einige Fragen offen. Ich kann mir alles gut vorstellen, bin nah am Protagonisten. Die Geschichte erschüttert, geht in die Tiefe. Das mag ich.

Hier ein paar Anmerkungen:

Jasmin drehte das Türschild auf Geschlossen. „Mittagspause!“

Hier würde ich mir ein Lächeln von ihr wünschen, vielleicht spitzbübisch :)

„Hatten Sie schon immer vor, sich selbständig zu machen?“, fragte Grigori, nachdem die Bedienung die Cappuccinos gebracht hatte.

Hier geht mir der Ortswechsel zu schnell. Könnte detaillierter sein.

„Glückwunsch! Und Respekt, finde ich mutig, aber Sie schaffen das schon.“

"Glückwunsch! Und Respekt! Finde ich mutig. Sie schaffen das schön."

Als wäre Alinas Lebensweg auf Jasmin übergegangen.

Hier würde ich eher schreiben "Als wäre Alinas Seela auf Jasmin übergegangen."

„Weiß nicht, fällt mir halt nicht so leicht. Nun ist es fast zehn Jahre her, aber dennoch … als wäre es gerade erst passiert. Wir waren oft hier spazieren.“

Hier war ich etwas verwirrt. Mir kams auch so vor, als wäre sie eben erst gestorben.

Als wären Alina und Jasmin miteinander verschmolzen.

Krass. Das hat mich sehr erschüttert.

Seine Hände und Arme fühlten sich taub an. Blut lief an ihnen hinab, färbte das weiße Bettlaken rot. Die Sicht verschwamm, als er versuchte, sein Handy zu erreichen.

Und auch hier war ich geschockt. Hab erst überlegt, ob er Jasmin umgebracht hat, weil sie nicht Alina ist.

Sie kam aus dem Wasser, vor Kälte zitternd, aber strahlte selbst dabei übers ganze Gesicht.

Könnte man streichen

„Wen meinen Sie? Außer Ihnen war niemand in ihrer Wohnung. Seien Sie froh, dass Sie den Anruf noch geschafft haben.“

Wow! Hat mich echt überrascht.

Sie ging zu den Pflanzen. „Waren Sie schon mal hier?“
„Noch nicht drinnen, aber ich habe schon oft ihr Schaufenster bewundert.“
„Ach so. Ich dachte eben, ich kenne Sie irgendwoher.“

Und da hatte ich Gänsehaut.

Du bringt die Gefühle Deines Protagonisten sehr glaubwürdig rüber.

Ganz liebe Grüße und einen schönen Sonntag,
Silvita

 
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Hi @Silvita ,

danke auch hierbei für deine Eindrücke!

Du schreibst ja grundsätzlich schon mal, wie die ein oder andere Szene auf dich wirkt. Finde ich immer sehr hilfreich, um einzuschätzen, ob ich etwas zu harmlos oder zu deutlich darstelle. Obwohl es zu deutlich für mich eigentlich nicht gibt ;)

Jasmin drehte das Türschild auf Geschlossen. „Mittagspause!“
Hier würde ich mir ein Lächeln von ihr wünschen, vielleicht spitzbübisch
Deinen Vorschlag einer entsprechenden Geste finde ich gut, aber da ich Jasmins Lächeln schon ab und zu erwähne, habe ich mich für ein Augenzwinkern entschieden.

Hier geht mir der Ortswechsel zu schnell. Könnte detaillierter sein.
Ich habe mir den Szenenwechsel nochmal durchgelesen, bin mir aber hierbei nicht sicher, was du meinst. Zum Abschluss der vorherigen Szene lädt Jasmin Grigori ja auf einen Kaffee ein, dementsprechend sitzen sie dann in der nächsten Szene in einem Café.

"Glückwunsch! Und Respekt! Finde ich mutig. Sie schaffen das schon."
Ich habe deinen Vorschlag übernommen, dabei jedoch das Wort "Glückwunsch" weggelassen, ich glaube so klingt es als Antwort etwas authentischer:
„Respekt! Finde ich mutig, aber Sie schaffen das schon.“

Hier würde ich eher schreiben "Als wäre Alinas Seela auf Jasmin übergegangen."
Ich finde deinen Vorschlag inhaltlich gut, das Wort Seele zu verwenden ... habe mich jedoch entschieden, diesen erklärenden/telligen Satz vollständig zu entfernen. Durch den vorherigen Satz "Auch Grigori lächelte und dachte an seine Schwester" deute ich etwas in diese Richtung ja schon an.

Hier war ich etwas verwirrt. Mir kams auch so vor, als wäre sie eben erst gestorben.
Ja, ich erwähne hier zum ersten Mal, wie viel Zeit seit Alinas Tod vergangen ist. In diesem Dialog hat es inhaltlich ganz gut gepasst, an vorherigen Stellen wirkte es auf mich etwas gekünstelt. In diesem Gespräch sprechen sie ja über Alina.

Sie kam aus dem Wasser, vor Kälte zitternd, aber strahlte selbst dabei übers ganze Gesicht.
Könnte man streichen
ist weg

Danke für deine Vorschläge und noch einen entspannten Sonntag!
Rob

 
Monster-WG
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Guten Morgen lieber @Rob F

danke auch hierbei für deine Eindrücke!

Du schreibst ja grundsätzlich schon mal, wie die ein oder andere Szene auf dich wirkt. Finde ich immer sehr hilfreich, um einzuschätzen, ob ich etwas zu harmlos oder zu deutlich darstelle. Obwohl es zu deutlich für mich eigentlich nicht gibt


Gern geschehen.
Es ist schön, dass Du das hilfreich findest. Das freut mich sehr :)

Deinen Vorschlag einer entsprechenden Geste finde ich gut, aber da ich Jasmins Lächeln schon ab und zu erwähne, habe ich mich für ein Augenzwinkern entschieden.

Das ist eine gute Idee :thumbsup:

Ich habe mir den Szenenwechsel nochmal durchgelesen, bin mir aber hierbei nicht sicher, was du meinst. Zum Abschluss der vorherigen Szene lädt Jasmin Grigori ja auf einen Kaffee ein, dementsprechend sitzen sie dann in der nächsten Szene in einem Café.

Ja, kann ich verstehen und handhaben viele Autoren so. Ich finde das immer ein wenig abgehakt, als würde der Autor sich die Zeit nehmen wollen, genauer zu beschreiben.
Du könntest ja erwähnen, dass sie den Laden verlassen und z.B. gegenüber in ein Café gehen. Ist nur ein Vorschlag.

Ich habe deinen Vorschlag übernommen, dabei jedoch das Wort "Glückwunsch" weggelassen, ich glaube so klingt es als Antwort etwas authentischer:
„Respekt! Finde ich mutig, aber Sie schaffen das schon.“

Das ist gut :thumbsup:

Ich finde deinen Vorschlag inhaltlich gut, das Wort Seele zu verwenden ... habe mich jedoch entschieden, diesen erklärenden/telligen Satz vollständig zu entfernen. Durch den vorherigen Satz "Auch Grigori lächelte und dachte an seine Schwester" deute ich etwas in diese Richtung ja schon an.

Da hast Du Recht.
Wobei ein ganz klein wenig Tell auch nie schaden kann :)

Ja, ich erwähne hier zum ersten Mal, wie viel Zeit seit Alinas Tod vergangen ist. In diesem Dialog hat es inhaltlich ganz gut gepasst, an vorherigen Stellen wirkte es auf mich etwas gekünstelt. In diesem Gespräch sprechen sie ja über Alina.

Das stimmt.

Danke für deine Vorschläge und noch einen entspannten Sonntag!

Sehr gerne.

Ich wünsche Dir einen guten Wochenstart.

Liebe Grüße,
Silvita

 
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Hallo Rob,

Die Geschichte hat etwas leicht Melancholisches, was ich mag und was mich (nur auf die Atmosphäre bezogen) entfernt an eine Geschichte von Ray Bradbury erinnert, die auch etwas berührend Altmodisch-Zeitloses hatte.

Meine Eindrücke:

Aber dann sah er sie vor sich. Ihr strahlendes Lachen, eine Blume im schwarzen Haar.
>> ein bekanntes, oft symbolisch aufgeladenes Motiv in Songs, Film und Literatur. Häufig handelt es sich um eine Rose. Ich bin mir unschlüssig, ob mir die Abstraktion (Blume) gefällt oder ich hier schon eine konkretere Blume sehen möchte...

Deine Stiefmütterchen-Orchidee gefällt mir als Bild. Gern hätte ich es noch mehr visualisiert und auch begründet. Warum ausgerechnet diese Blume? Gibt es dazu eine kleine Geschichte? Ist es wichtig, dass es eine Stiefmütterchen-Orchidee ist und nicht eine andere Blume?


Sie hatte schon damals, als Jugendliche, ihre Liebe zu Blumen entdeckt.
>> Für Momente bin ich hier gestolpert. Hat die Schwester etwa auch einen Blumenladen besessen? Aber du beziehst Dich auf die Anordnung der Blumen.


Aber es war noch jemand anderes da. Das Lächeln veränderte sich, wurde zu einem Lachen. Es ließ das ganze Gesicht und die Augen strahlen. Die Haare wurden dunkler und kürzer. Alina unterbrach den Kuss und flüsterte: „Endlich können wir weitermachen.“
„Das dürfen wir nicht.“
Dennoch umgriff Grigori ihre Hüften, sie bewegte sich schnelle
>> Hier beginnt die Metamorphose. Mir gefällt die Selbstverständlichkeit und ich weiß nicht, was Realität oder Fiktion ist, Dein Protagonist vermutlich auch nicht. Denkt er sich das in seiner Trauer nur aus? Oder ist es eine ungebetene Zwangsvorstellung, die er nicht abschütteln kann? Weil er sich als Trauernder glückliche Momente nicht erlauben kann. Weil ihn die Ähnlichkeit der beiden Frauen, die ihn zunächst so gereizt hatte, im entscheidenden Augendblick doch eher verstört, als begeistert. Mit einer gewissen praktischen Verzweiflung versucht er diese "Halluzination" auszublenden und "weiterzumachen". Das finde ich einen interessanten Aspekt, den ich mehr ausbauen würde.
Seine Hände und Arme fühlten sich taub an. Blut lief an ihnen hinab, färbte das weiße Bettlaken rot. Die Sicht verschwamm, als er versuchte, sein Handy zu erreichen.
>> Das ist mir leider viel zu plakativ und stereotyp, da bin ich kurz ausgestiegen.
Auch kommt mir der Umschwung viel zu plötzlich.
Ich sehe auf einmal die Konstruktion der Geschichte, die Scharniere und das empfinde ich als störend.

Gern möchte ich wieder in das magische Geschehen eintauchen, was zum Ende hin wieder möglich wird.

Die ganze Psychologin-Sequenz vorher stört mich leider auch.

Mir hätte es gereicht, wenn die Blumenverkäuferin eine magische Frau ist, die für Momente sein Leben bereichert und die vielleicht nur in seiner Phantasie existiert. Vielleicht ist sie auch ein helfender Geist, wie in einer Geistergeschichte.

Romantische Geistergeschichten mag ich ohnehin sehr.

Viele Grüße, Petdays

 
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Lieber @Rob F ,

ich habe die Geschichte gelesen, am Anfang mit viel Freude, dann hat die Story mich aber verloren.

Mir gefiel der sehr gefühlvolle Ton, der Bruder, der in der Blumemdeko Erinnerung an die Schwester fand.
Das hätte für mich gereicht. Jetzt sollte die Geschichte aber eine Traum(a)ebene bekommen. Auch damit kann ich leben. Ist ja ein ernstes Thema und warum nicht so lösen.

Was mich störte, war der Zusatzkonflikt mit der Schwesternliebe. Das ist zwar auch dramatisch, eine sexuelle Anziehungskraft zwischen Geschwistern, aber irgendwie wirft das ein schlechtes Bild auf die sich anbahnende Beziehung. Als würde er letztlich nur jemanden lieben können, der seiner Schwester ähnelt. Da fände ich es eher tricky, dass er in den Laden geht in der Hoffnung, es sei die Schwester, aber es stellt sich heraus, die Frau ist das komplette Gegenteil.
Nichtsdestotrotz sprachlich super geschrieben, anbei Flusen;


Sie hatte schon damals, als Jugendliche, ihre Liebe zu Blumen entdeckt.
Den Satz würde ich weglassen. Zu erklärend.
Nicht schwarz wie Alinas. Dennoch rechnete er damit, das Gesicht seiner Schwester zu erblicken, als sie sich umdrehte. Aber natürlich war sie es nicht.
Das würde ich auch weglassen, selbst bei Deiner Version. Die Erwartungshaltung erkennt der Leser.

LG
Mae

 
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Hallo @petdays ,

danke für dein Feedback!

>> ein bekanntes, oft symbolisch aufgeladenes Motiv in Songs, Film und Literatur. Häufig handelt es sich um eine Rose. Ich bin mir unschlüssig, ob mir die Abstraktion (Blume) gefällt oder ich hier schon eine konkretere Blume sehen möchte...
Ich werde es hierbei mal allgemein bei "Blume" belassen. Es ist ja auch aus der Sicht des noch sehr jungen Grigori beschrieben, da finde ich das schon passend.

Deine Stiefmütterchen-Orchidee gefällt mir als Bild. Gern hätte ich es noch mehr visualisiert und auch begründet. Warum ausgerechnet diese Blume? Gibt es dazu eine kleine Geschichte? Ist es wichtig, dass es eine Stiefmütterchen-Orchidee ist und nicht eine andere Blume?
Ich bin nicht gerade blumenkundig ... insofern steckt hierbei nichts Tiefgründigeres hinter, ich hatte mir einfach eine Planze rausgesucht, die auch vom Namen her schön klingt.

Hier beginnt die Metamorphose. Mir gefällt die Selbstverständlichkeit und ich weiß nicht, was Realität oder Fiktion ist, Dein Protagonist vermutlich auch nicht. Denkt er sich das in seiner Trauer nur aus? Oder ist es eine ungebetene Zwangsvorstellung, die er nicht abschütteln kann? Weil er sich als Trauernder glückliche Momente nicht erlauben kann. Weil ihn die Ähnlichkeit der beiden Frauen, die ihn zunächst so gereizt hatte, im entscheidenden Augendblick doch eher verstört, als begeistert. Mit einer gewissen praktischen Verzweiflung versucht er diese "Halluzination" auszublenden und "weiterzumachen".
Ich habe das für mich zutreffende markiert. Bei einem Text, der verschiedene Momente beschreibt, ohne alles im Detail zu erklären, kann es jedoch m.E. mehrere mögliche Erklärungen geben, durch die im Text vorhandenen Informationen.
In der Schlüsselszene (Bettszene) bricht Grigori endgültig zusammen, durch alles, was er nie besprochen und verarbeitet hat. Er hat hier also so etwas wie einen Fiebertraum (mir fällt gerade nichts besseres ein) und bekommt gar nicht mehr bewusst mit, wie er sich selbst mit der Rasierklinge verletzt.
Das ist zumindest meine Version ;)

Seine Hände und Arme fühlten sich taub an. Blut lief an ihnen hinab, färbte das weiße Bettlaken rot. Die Sicht verschwamm, als er versuchte, sein Handy zu erreichen.
>> Das ist mir leider viel zu plakativ und stereotyp, da bin ich kurz ausgestiegen.
Auch kommt mir der Umschwung viel zu plötzlich.
Ich sehe auf einmal die Konstruktion der Geschichte, die Scharniere und das empfinde ich als störend.
Ich habe zumindest mal das "weiße" vor Bettlaken entfernt, auch wenn es nur eine kleine Anpassung ist, entspricht es dadurch nicht mehr einem wohl sehr oft verwendeten Bild, rotes Blut auf etwas weißem.
Der Wechsel zwischen seiner Halluzination und dem Moment, als er seine (selbst zugefügte) Verletzung spürt, kommt sehr plötzlich und unerwartet, aber genauso sollte es an dieser Stelle auch sein. Ich hätte jetzt spontan auch keine Idee, was ich davor noch einbauen könnte.

Gern möchte ich wieder in das magische Geschehen eintauchen, was zum Ende hin wieder möglich wird.
Das freut und beruhigt mich! Das Ende sollte ja auch zeigen, dass Grigoris Leben noch eine positive Richtung nehmen kann. Er traut sich ja zum ersten Mal tatsächlich in den Blumenladen und begegnet Jasmin.

Danke für deine Eindrücke und viele Grüße!
Rob


Hallo @Maedy ,

danke auch dir für deinen Kommentar!

Was mich störte, war der Zusatzkonflikt mit der Schwesternliebe. Das ist zwar auch dramatisch, eine sexuelle Anziehungskraft zwischen Geschwistern, aber irgendwie wirft das ein schlechtes Bild auf die sich anbahnende Beziehung. Als würde er letztlich nur jemanden lieben können, der seiner Schwester ähnelt. Da fände ich es eher tricky, dass er in den Laden geht in der Hoffnung, es sei die Schwester, aber es stellt sich heraus, die Frau ist das komplette Gegenteil.
Bei dem oben markierten Satz gebe ich dir auf jeden Fall Recht, das war mir bisher gar nicht so klar. Ich hatte es eher so betrachtet, dass ihn der Verlust seiner Schwester, die er sehr geliebt hat, eher unterbewusst zu dem Blumenladen geführt hat. Und ob er sich tatsächlich in Jasmin verliebt, und umgekehrt, bleibt ja im Prinzip offen, da sie sich ja erst in der letzten Szene tatsächlich begegnen.
Aber es kann ja durchaus so sein, wie du es geschrieben hast, vieles was jemand macht kann ja mit frühen Erfahrungen zusammenhängen, ohne dass es einem so richtig bewusst ist.
In der Bettszene kommt ja im Prinzip alles zusammen, was Grigori nie verarbeitet hat und dazu gehört auch der Kuss seiner Schwester. Zu dem er nie erfahren hat, was für seine Schwester der Grund war. Ich meinte also aus Grigoris Sicht nicht direkt, dass er sich damals von seiner Schwester sexuell angezogen fühlte. Es ist eher sein Unverständnis, warum sie ihm den Kuss gegeben hat, das sich u.a. in seinen Gedanken immer mehr verselbständigte, daher denkt er bei der Szene im Bett auch an seine Schwester.

Ich hoffe, ich konnte meine Gedanken hierzu einigermaßen erklären ...

Den ersten von dir genannten Satz habe ich entfernt, beim zweiten bin ich mir noch nicht sicher, mal sehen.

Danke für deine Anmerkungen und viele Grüße,
Rob

 

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