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Der Bulliurlaub

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10.07.2001
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Der Bulliurlaub

Der Bulli-Horror-Urlaub


Vor einigen Jahren, als ich noch unbedarfter und naiver als jetzt war, wollte ich mal wieder mit meinem Bekannten in Urlaub fahren. Natürlich hatten wir - wie immer - eine ziemlich abgespeckte Reisekasse.
Warum dann einen sündhaft teuren Pauschalurlaub buchen, womöglich dahin, wo es einem überhaupt nicht gefällt. Dann lieber "Abenteuerurlaub" und auf Geratewohl losfahren. Ein VW-Bus bot sich da direkt an, den wir allerdings noch nicht besaßen. Bisher kamen wir gut mit Bus und Bahn zurecht. Wenn man also die Kosten eines Pauschalurlaubs gegen die Kosten der Anschaffung eines VW-Busses und somit den späteren Nutzen abwog, hatte man schnell den praktischen Wert und wir entschlossen und spontan zu einem VW-Bus-Kauf. Denn außer Sprit benötigt man ja nicht so wahnsinnig viel für einen "Abenteuerurlaub".
Schnell fanden wir auch in einer Wochenzeitschrift einen adäquaten VW-Bus für eine übersichtliche Summe. Er war 18 Jahre alt - hatte ein Jahr TÜV und war ehemals vom Deutschen Roten Kreuz. Die Farbe konnten wir uns ja nicht aussuchen, er war unten dunkelbraun und oben beige. Sein Kennzeichen lautete D-XR. Dies veranlasste uns, ihn auf "DER ROTE XAVER" zu taufen - es lag ja auf der Hand. Das malten wir dann auch mit Sprühfarbe auf seine Seiten, damit der Rost etwas überdeckt wurde.
Bis zum Urlaub hatten wir ja noch etwas Zeit und so fuhren wir stolz noch etwas durch die Gegend - er fuhr ganz gut. Allerdings qualmte er etwas, was uns jedoch gar nicht störte. Es störte allerdings ein wenig, dass alle paar Tage das Kupplungsseil riss. Man konnte es aber sehr gut selbst wieder reparieren, das ist der Vorteil eines VW-Busses. Das Kupplungsseil kostete auch nur ein paar Mark und wohlweislich legten wir uns gleich zwei Stück davon für die Reise in den Bus hinein, falls was passieren würde...
Selbstverständlich musste ich den Bus auch auf meiner Arbeit vorführen. Die Kollegen hingen bei meiner Ankunft schon morgens gespannt am Fenster und beobachtete, wie ich mit dem neuen Bus auf den Parkplatz fuhr. Was nun folgt, ist wieder typisch und zeichnete mich als Vollidioten aus: Beim Rückwärtssetzen in die freie Parklücke winkte ich noch huldvoll den Kollegen zu, wie sie staunend am Fenster wild winkten und fuchtelten - sie waren offensichtlich begeistert von dem Bus! Ich lachte und war stolz und fuhr weiter rückwärts in die Parklücke - bis es einen Ruck gab und mir gleich wieder das gerissene Kupplungsseil einfiel. Gerade jetzt, dachte ich, und gab weiter Gas, denn manchmal fuhr er noch ein paar Meter weiter nach dem Riss des Seiles. Und ich gab noch mehr Gas! Aber es bewegte sich nichts mehr und schielte nach meinen Kollegen die noch mehr winkten und die Fenster aufrissen und schrien. Irgendwas stimmte nicht und ich stieg aus dem Bus. Hinter mir befand sich gleich die Laterne. Die einzige Laterne weit und breit auf dem ganzen Parkplatz. Sie hatte sich tief in das Heck des armen Bulli hineingegraben. Irgendwie war ich schon erleichtert, dass es nicht das Kupplungsseil war. So konnte ich meinen Schmach verbergen und lässig in eine andere Parklücke (ohne Laterne) fahren. Die Beule war schon beträchtlich. Was die Kollegen betraf: einige schauten mich befremdet an und grüßten mich fortan nur noch sporadisch, andere konnten gar nicht genug davon bekommen, mir diese Angelegenheit stündlich unter die Nase zu reiben... Nur meine direkte Kollegin, mit der ich das Zimmer teilte, fand Verständnis für diese Situation - vielleicht DESHALB, WEIL wir zusammen in einem Zimmer saßen. Ihr Auto habe ich auch übrigens auch einmal beim Parken gestreift, und dass gleich als sie den ersten Tag bei uns arbeitete.
Ich habe sehr geschwitzt, als ich ihr das beichten musste, denn der schwarze Striemen an ihrem Auto war unübersehbar. Aber Gott sei Dank hatte sie gleich dafür Verständnis gehabt. Wahrscheinlich liegt es an ihrem grenzenlosen Verständnis, dass wir nun mittlerweile 11 Jahre befreundet sind - obwohl wir nicht mehr zusammen arbeiten und parken - oder vielleicht DESHALB?!.
Damit nun der gute Bus nicht noch weiter rostete, wollte ich doch mal mit Farbe "beigehen". Nun konnte ich meiner künstlerischen Ader freien Lauf lassen und ich akzentuierte diese Beule - ca. 50 - 50 cm Größe und 15 cm Tiefe - mit einem freundlichen hellgrün. Und damit war es nicht genug - denn man muss auch mal Mut zur Schande haben - einen Pfeil auf die Beule mit dem Zusatz "Beule" daneben. NUN war es soweit und ich beantragte also Urlaub und einen Auslandschutzbrief für Kfz. Es konnte nichts passieren und wir planten unsere Reise.
Es sollte durch Frankreich Richtung Spanien gehen, denn ich wollte unbedingt das Meer sehen. Nach kurzem Aufenthalt in Spanien war dann gleich wieder die Rückreise vorgesehen. Wir besorgten uns einen Campingkocher, eine transportable Dusche und alles, was man zum Campen benötigt inkl. Dosenfutter, Kupplungsseilen etc. Leider besaßen wir dann kein Geld mehr, den Bus durchchecken zu lassen, aber was soll schon an einem 18 Jahre alten VW-Bus mit 1 Jahr TÜV dran sein... Wir packten also freudestrahlend den Bus. Es war ziemlich eng dort, zumal wir ja in dem Bus auch schlafen wollten. Die Mutter meines Bekannten hatte uns noch schnell ein Riesenpaket mitgegeben, einen Staubsauger. Wenn wir schon nach Spanien fahren wollten, dann könnten wir ihn dort auch bei Ihrer dort lebenden Familie abgeben. Und auf dem Rückweg könnten wir dann gleich den spanischen Knoblauch mit einpacken. Zähneknirschend stopften wir auch noch das Riesenpaket in den guten Bulli.
Endlich ging es los. Wir fuhren abends mit ein paar Mark zum Tanken Richtung Belgien und bauten da als erstes einmal unser Tischchen auf und aßen unser fürstliches Mahl bestehend aus Würstchen und Kaffee. Nun benötigten wir noch Rauchwaren und fanden sogar eine Kneipe, die noch offen hatte. Denn schließlich war es schon 1.00 Uhr nachts. Natürlich meinten die betrunkenen Belgier, uns gleich abziehen zu müssen. Wir kauften für 10,- DM Zigaretten und zahlten mit einem 100 DM-Schein. Wir hatten ja nicht an belgisches Geld gedacht. Die Belgier wollten uns dafür 90 Belgische Franc als Wechselgeld wiedergeben, was soviel wert ist wie 4,50 DM. So hatten wir geringfügiges Theater und natürlich keine Zigaretten. So fuhren wir weiter...
Durch Paris kamen wir gut voran und der Bulli schluckte mehr Sprit als ein Düsenjet. Wir errechneten einen Durchschnittsverbrauch von 18 l auf 100 km!!! Super, verbleit! Aber da mussten wir durch. Anstatt die französische Autobahn zu nehmen, fuhren wir auf den Landstraßen Frankreichs - denn so konnten wir die horrenden Autobahngebühren sparen. Ich weiß nicht, ob jemand einmal bis Spanien nur auf den französischen Landstraßen gedümpelt ist.. derjenige weiß wohl, was wir durchgemacht haben. Die Stimmung war gleich NULL und eine Beschilderung war auch mehr als fehlend. Wir fuhren durch verschlafene Nester - gut, es war ja auch frühmorgens - und wieder durch verschlafene Nester und wieder und wieder und immer wieder. Und an jeder Kreuzung wurde lauthals diskutiert, wo es denn nun langging. Wir waren fix und fertig. Gegen Mittag lief unser Bus einfach aus und lief nicht mehr weiter. Wir standen mitten in Bordeaux - eine an sich schöne Stadt, die wir auch später länger genießen durften.
Da wir nicht wussten, was mit dem Bus los ist, winkten wir eine Carabinieri heran und ich war froh, dass mein Bekannter wenigstens etwas französisch sprach. Abschleppdienst soll her. Der kam dann auch und lud den Bulli auf, wir mit rein und hin zur Werkstatt. Gut, dass ich den Auslandsschutzbrief hatte.
Heute würde das aber nichts mehr werden mit der Diagnose, ist gleich Feierabend. Ich rief meine Versicherung an und teilte ihnen meine Panne mit. Diese teilte mir gleich ein Hotel in der Nähe der Werkstatt mit, wo wir dann bis zu drei Tagen nächtigen durften, bis das Auto wieder fuhr. Ich war sehr dankbar und wir begaben uns in dieses heruntergekommene Etablissement - das man mit Worten kaum beschreiben konnte. Aber unser Bus war ja nun gut aufgehoben und wir nahmen uns vor, das beste daraus zu machen. Morgen wollten wir gleich mal in der Werkstatt vorstellig werden.
In der Nähe des Hotels gab es NICHTS, aber auch gar nichts - so gingen wir früh zu Bett und standen am anderen Morgen nach dem überaus mäßigen Frühstück wieder bei der Werkstatt auf der Matte. Unfreundlich ließ man uns drei Stunden sitzen und machte sich dann an die Diagnose, die da lautete: Lichtmaschine! Mir wurde schlecht. Gut, dass ich kurz vorher eine Eurocard beantragt hatte und ich wies die Leute an, die Lichtmaschine zu reparieren. Die unmöglichen Mechaniker wußten genau, dass die Versicherung uns drei Übernachtungen gewährte und genau am vierten Tag wollten wir dann auch den Bulli repariert abholen können. Wir trieben uns solange in Bordeaux und Umgebung herum - wollten aber sehr gerne unseren Bulli wiederhaben. Endlich war es soweit und wir durften ihn auslösen: Kosten: 700,- DM!!!! Mir fiel die Kinnlade bis zum Boden und warf den widerlichen Vollidioten ihr Geld in den Rachen und wie fuhren los - nur Richtung Spanien. Dass eine kleine rote Lampe an der Amaturenanzeige leuchtete, führten wir auf einen Massefehler zurück, den diese nicht gut ausgebildeten Mechaniker verursacht hätten. Aber der Bulli fuhr. Wir fuhren und fuhren, bis es endlich dunkel wurde.
Schon überlegten wir, wo wir denn nun nächtigen sollten, ohne dass uns jemand überfallen könnte, da gingen spontan alle Lichter im Wagen aus, das Radio und auch die Scheinwerfer. Und der Bulli fuhr nicht mehr. Wir befanden uns auf einer stockdunklen kurvenreichen Landstraße, rechts und links Bäume, keine Ausweichmöglichkeit. Wir waren voller Panik, da uns herannahende Raser gar nicht wahrnehmen konnten. Außerdem kann ich unsere Wut nicht in Worte fassen. Es blieb nur noch Schieben übrig. Der Bulli wog bestimmt 1000 Tonnen, mit dem, was wir mithatten. Wir schoben das gute Stück dann in reinster Panik ich weiß nicht wie weit. Irgendwann fand sich dann ein Stück, auf dem wir endlich stehenbleiben konnten.
Wir kamen zu dem nächtlichen Entschluss, dass die Batterie kaputt sein müsse. Am nächsten Tag wollten wir dann eine neue Batterie kaufen. Wir schliefen also am Rande der Landstraße mehr oder weniger ein. Morgens stellten wir dann bei sengender Sonne und brütender Hitze fest, dass NICHTS in der Gegend war, wo man hätte eine Batterie kaufen können. Wir fanden dann aber natürlich über total überteuerte Batterie auf der Autobahnraststätte - nur gut, dass ich die Eurocard besaß...
Die Batterie war schnell eingebaut und wir fuhren weiter.
Dann kam uns DER Gedankenblitz! Die Mechaniker aus Bordeaux hatten uns lediglich die Batterie aufgetankt, so dass wir ein bisschen fahren konnten - sonst nix. Dafür kostete das Batterieaufladen auch 700,- DM!!!! Wir hatten eine unendliche Wut - wie man sich wohl vorstellen kann. Aber nun wußten wir ja, dass wir zwei Batterien besaßen und sie immer im Wechsel aufladen konnten. Das war unsere einzige Chance. Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Wir suchten eine Werkstatt, die uns für einen erschwinglichen Preis die Batterien auflud - denn da musste man auch aufpassen: von 10,- DM bis 100,- DM lauteten die Angebote fürs Batterieaufladen - dann weiterfahren und Batterie wechseln und wieder aufladen usw. Man musste allerdings den Bulli anschieben, damit er ansprang. Und das war das schlimmste. Natürlich blieb dieser Sch.....-Bulli nur dort stehen, wo eine kleine Straßenerhöhung war, so dass es doppelt so schwer war, ihn anzuschieben.
Erschwerend kam noch hinzu, dass ich mich wahnsinnig blöde anstellte mit dem Spiel: Gang einlegen, Kupplung kommen lassen und vorsichtig Gas geben.
Entweder machte ich vor lauter Hektik falsch herum oder ich hatte die Zündung aus. Das lag aber auch an der Brüllerei meines Bekannten hinter dem Bulli, der um sein Leben schob und ich stand unter Erfolgsdruck - so, dass gar nichts mehr ging. Es war fruchtbar. Aber bei dem Anschieben lernten wir viele nette und hilfsbereite Leute kennen, das hatte war für sich. Mein Bekannter wollte sofort kehrt machen und wieder nach Hause fahren. Bei mir kam allerdings die Sturheit oder der Trotz oder der Wahnsinn raus, dass ich unbedingt nach Spanien wollte an mein Meer. Außerdem hatten wir den blöden Staubsauger noch an Bord, den wir ja in Spanien abgeben sollten. Schließlich mussten wir ja nur bis Nordspanien, das wäre auch nicht mehr soo weit gewesen. Und außerdem klappte es ja mit dem Batterieaufladen ganz gut.
Wir kamen dann wahrhaftig auch nachts in Spanien an. Wir ließen den Bulli in einer Seitenstraße auslaufen, denn nun ging er aus, wenn man nicht immer Zwischengas gab. Wir waren aber zu erschöpft, noch irgendwas zu unternehmen und so schliefen wir dann auch gleich zwischen dem Staubsauger und dem ganzen Krempel ein. Morgens früh wurde ich wach und musste ganz fürchterlich... Weit und breit war kein Café geöffnet, wo man hätte "machen können". Zig Leute liefen allerdings schon geschäftig auf den Straßen herum und ich hatte nicht die geringste Chance irgendwo ungestört mein Geschäft zu verrichten. Ich hatte nicht mal eine Pesete im Portemonnaie. Schnell zückte ich meine Eurocard und rannte mit überkreuzten Beinen in die nahe gelegene geöffnete Bank um Geld zu holen. Dort palaverte man erst einmal stundenlang und dann wurde sich in Deutschland rückversichert, ob das auch seine Richtigkeit mit meiner Karte hätte und ich hatte mittlerweile schon gelbe Augen. Endlich hatte ich mein Geld und endlich hatte auch ein Café geöffnet. Ich kann das Gefühl gar nicht beschreiben, wie toll das war!
Dermaßen erleichtert besuchten wir die Familie und lieferten diesen Staubsauger ab, vergaßen aber ganz den verdammten Knoblauch einzupacken, der uns auch ziemlich egal war - nur wollten wir wenigstens einen Tag ausspannen und uns erholen.
Wir wollten nur weg aus der Stadt. Das hieß: Bulli anschieben. Ich Gang einlegen, Kupplung kommen lassen und am besten wieder den Motor abwürgen. Brüllerei von hinten! Ich kann es einfach nicht. Aber soweit kam es gar nicht. Wir hatten uns so selten dämlich an einer Nebenstraße einer Hauptstraße plaziert, dass der Verkehr gar nicht abriss, so dass wir gar nicht die Chance hatten, etwas schneller anzuschieben. Von allen Seiten kamen Autos und man musste sämtliche Vorfahrten beachten. Man hätte wohl wieder bis nachts warten müssen, bis der Verkehr nachläßt.
Ich komme selten in Rage, aber wehe wenn es denn so weit ist. Mir stiegen die Tränen der Wut in die Augen. Ich schrie, dass ich diesen Bulli jetzt irgendwo hinschieben werde, wo noch niemals Sonne geschienen hätte und wenn es mein letztes sei und ich glaube, ich meinte es auch so in dem Moment. Mir war alles egal. Ich stellte mich hinter den Bulli und schob ihn mit noch nie da gewesenen Kräften dermaßen Richtung Hauptstraße in die vorbeibrausenden Autos, dass alle Autos hupenderweise stoppten und uns vorließen. Die Karre sprang an, was wohl daran lag, dass mein Bekannter das Kupplungskommen-Gasgeben-Spiel besser beherrschte als ich und ich Kräfte einer Halbwahnsinnigen besaß zum Anschieben. Endlich konnten wir fahren. Jetzt waren wir auf einen Standort angewiesen, der etwas erhöht lag, so dass man den Bulli auch ohne große Anstrengungen anschieben konnte. Wir fanden auch einen wunderschönen Ort, der mich an die Highlands in Schottland erinnerte. Es war eine großartige Landschaft mit Wiesen und unter uns Felsenklippen und dann gleich der tosende Atlantik. Es war wirklich wunderschön. Und kein Mensch weit und breit. Endlich konnten wir uns etwas erholen.
Am nächsten Morgen war die Erholung dahin, denn ich wurde wach durch Schreie, Brüllerei und Kinderlachen. Natürlich musste ich wieder ganz dringend und ich schon die Gardinen des Bulli-Fensters beiseite. Ich konnte kaum meinen Augen trauen: Rings um uns saßen Großfamilien auf Decken und picknickten - während ein paar Meter ein Fußballspiel im Gang war. Es durfte echt nicht wahr sein. Natürlich, es war Sonntag und sonntags gehen die Spanier picknicken - egal wo. Und dort war eben der Picknick- und Fußballtreff!!! Mit überkreuzten Beinen fiel ich auch dem Bulli - ungekämmt und ungewaschen und robbte mich durch die Landschaft auf der Suche nach einem geeigneten Ort, wo ich endlich "machen konnte". Weit und breit lagen Menschen auf ihren Decken. In den Gebüschen, die geeignet gewesen wären, hockten Kinder. Also robbte ich mich weiter bis zu einem Campingplatz, wo ich endlich meine Notdurft verrichten durfte. Ob Männer wissen, wie gut sie es haben? Aber ich kann eben nicht alles entblößen...
Nun war es dann auch soweit, dass wir die Heimfahrt antreten wollten. Wir luden die verhassten Batterien auf, günstig oder nicht, war uns dann auch egal und fuhren so wieder durch die sengende Hitze zurück über die Pyrenäen - vorbei an ekelhaften Raststätten und auf eine französische Autobahn. Mir war es mittlerweile scheißegal, was diese Autobahngebühren kosteten, ich wollte nur möglichst bequem nach Hause.
Aus irgendeinem Grund kamen wir nur sehr langsam vorwärts. Unsere Höchstgeschwindigkeit lag bei 80 km/h - so dass uns viele Lkw hupenderweise überholten. Bei Steigungen lagen wir bei 60 km/h - manchmal auch darunter. Ich schimpfte und zeterte, doch es war nichts daran zu ändern. So tuckerten wir vor uns hin und als ob es verhext gewesen wäre: Kurz vor Bordeaux gab unser Bulli einen lauten Knall von sich und fuhr nicht mehr. Er qualmte und dampfte aus allen Löchern. Ein ADAC-Wagen fand uns dann auf der Strecke und lud uns auf. Ich wußte nicht, was wir machen sollten. Ich wußte nicht, ob die Versicherung noch einmal etwas übernehmen würde und so bat ich den ADAC-Helfer, den Bus auf der nächsten Raststätte stehenzulassen - bis wir Bescheid von der Versicherung bekommen. So setzte er uns bei der nächsten Raststätte aus. Wir hatten nur noch ein paar Franc in der Tasche, weit und breit war auch kein EC-Automat zu sehen. So baten wir die Frau Inhaber der Raststätte, uns ihre Telefonnummer zu geben, damit ich meine Versicherung bitten kann, zurückzurufen. Sie gab mir die Nummer und ich erklärte der Versicherung in Windeseile den Sachverhalt mit der Bitte um Rückruf, wie warten direkt vor dem Telefon. Wir warteten und warteten und warteten - geschlagene zwei Stunden!!! Kein Anruf kam und wir hatten auch keinen Franc mehr, um erneut anzurufen. Ich brach in haltloses Schluchzen aus! Daraufhin kam der Herr Inhaber. Wir erklärten ihm, was los war und er brüllte fürchterlich auf französisch seine Frau an. Plötzlich stellte sich heraus, dass sie uns in ihrem Deutschenhass die falsche Telefonnummer gegeben hat, so dass uns die Versicherung natürlich nicht erreichen konnte. Er entschuldigte sich vielmals und rief selbst die Versicherung an und klärte es.
Dann kam der Hammer! Er erklärte mir, dass die Versicherung mitteilt, dass wir den Wagen vor Ort stehen lassen sollen. Der Wagen würde dann verschrottet werden. Ich konnte es nicht fassen. Schließlich hatten wir unsere ganzen Sachen in dem Bus, die wir nicht hätten in Tüten packen können. Nein, das könne man nicht tun. Ich fand wie durch ein Wunder noch ein paar Franc und rief erneut die Versicherung an und erklärte ihnen, dass ich den Wagen nicht stehenlassen könne. Er solle nicht verschrottet werden.
Davon wäre auch keine Rede gewesen, sagte die freundliche Mitarbeiterin. Wer das denn behauptet hätte. Ich kam aus dem Heulen nicht mehr heraus. Sie rief zurück und erklärte mir, dass es wohl so sei, dass die Franzosen auf die deutschen Ersatzteile scharf seien. Ein Laster hole uns ab und bringe uns in ein Hotel.
Das Auto wird nach Deutschland zurückgeführt und wir fahren mit der Bahn nach Hause. Ich konnte meine Dankbarkeit kaum zum Ausdruck bringen, erklärte der Dame aber, dass wir kein Geld für ein Ticket haben. Das sei kein Problem, wie sollen erst einmal in ein Hotel, dann riefe sie uns dort an.
Erleichert kamen wir dann im Hotel an - kurz vor Bordeaux. Das Hotel war spitze, wir bekamen unser Frühstück zum Bett gebracht. Die Dame von der Versicherung rief uns an und teilte uns mit, dass um so und so viel Uhr ein Zug Richtung Deutschland fahren würde, die Tickets sind am Schalter hinterlegt - erster Klasse. Wir freuten uns wahnsinnig und packten unser Bündel und hasteten Richtung Bahnhof. Natürlich war unser Zug schon fort. Wir waren zu spät. Kurz danach fuhr allerdings ein anderer Zug, der hatte leider keine erste Klasse. Aber auch das war uns nachher piepegal. Wir kamen in ein Abteil mit Rucksackreisenden und waren so erleichtert, dass wir nun endlich nach Hause fahren durften. Es war ein fruchtbarer "Urlaub", aber hätte man ein wenig nachgedacht... aber egal.
Unser Bus kam dann zwei Wochen später an mit abgerissener Stoßstange - war uns auch egal. Gegen diese Mechaniker in Bordeaux konnten wir nichts ausrichten. Wir hatten keine Beweise - aber ich habe mir geschworen: Komme ich mal wieder nach Bordeaux fahre ich auf jeden Fall noch einmal zur ADIA-Werkstatt - Rue de la Benauge. Ich werde es NIE vergessen!!!
Nachdem wir unseren Bulli wiederhatten, ließen wir ihn reparieren. Er bekam einen Austauschmotor und eine neue Lichtmaschine.
Zwei Wochen später ging der Anlasser kaputt. Wir verschacherten ihn an irgendwelche Leute, die ihn als Container mißbrauchten. Allerdings muss ich zugeben, dass ich doch ein paar Tränen vergossen habe, als ich ihn abgegeben habe. Denn irgendwie hing ich an dieser miesen Kiste! Dieser Urlaub war so teuer wie eine halbe Weltreise. Ich hatte nachher 8.000,- DM in Worten achttausend Deutsche Mark MIESE auf dem Konto, die ich erst vor kurzem abgezahlt habe. Seitdem verfolgt mich mein Urlaubspech auf sämtlichen Reisen. Aber es gibt noch Hoffnung!!!

 
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27.06.2001
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Sehr gut geschriebene und interssante Geschichte. ich glaube, das du sie selbst, wenn auch nicht ganz so wie du sie geschrieben hast, erlebt hast.
auf alle Fälle gratuliere ich dir!

 
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10.07.2001
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Ich lege alle meine Hände ins Feuer, denn die Story ist (leider) genauso passiert, wie ich es geschrieben habe! Wie auch alle meine anderen Geschichten - eben URLAUBSREIF

 
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01.07.2001
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Geile Geschichte!
Ich hab mich kaputtgelacht! So Sachen passieren immer wieder, aber so viel in einem Urlaub ist wirklich Pech. Aber siehs positiv: du wirst dich dein Leben lang daran erinnern!
Das Leben liefert eben immer noch die besten Komödien!

 
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10.07.2001
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ja, ein paar Jahre später kann man auch mit einem gewissen Grinsen daran zurückdenken. Ich bin mit der Geschichte sogar bei "Fliege" gewesen, wird voraussichtlich am 23.08.01, 16.00 Uhr ARD, ausgestrahlt. War echt ´ne Hammergeschichte.

 

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