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Der Flipperautomat

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04.04.2020
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Der Flipperautomat

Billy schlurft aus der Werkstatt heraus und saugt die vertrauten Gerüche der Tankstelle in sich hinein – Staub, Benzin, gegrilltes Fleisch aus Henrys BBQ-Laden nebenan; selbst die vertrockneten Gebüsche, die den Straßenrand säumen, meint er riechen zu können. Der Wind bläst unnachgiebig und weht ihm Sandkörner ins Gesicht. Er hält sich die ausgestreckte Hand an die Stirn und schirmt die Augen vor dem Bombardement ab. Er muss niesen, die Sandkörner kratzen unter den Augendeckeln; mit dem Ärmel seines Blaumanns wischt er sich über Nase und Mund. Er geht hinüber zum Zigarettenautomaten, steckt zwei Quarter in den Münzschlitz und zieht sich eine Packung Luckies aus der Maschine. Die Mittagssonne brennt auf seinen Nacken herab und die Sandkörner prasseln weiter auf seine verschwitzte Haut ein. Er lässt die Tankstelle mit gesenktem Kopf hinter sich und kämpft sich gegen den Wind bis zu Henrys Laden vor. Er setzt sich an den Tresen und wischt sich mit dem Ärmel über Nase und Mund; mit der anderen Hand kratzt er Schweiß und Staub vom Hals und streift das braune Gemisch an der Gesäßtasche ab.
„Das Gleiche wie immer?“, fragt Laurie, den Blick auf Notizblock und Kugelschreiber gerichtet.
„Bitte“, sagt er. Er starrt auf ihre abgekauten Fingernägel und den Ring, der ein tiefes Tal in den fleischigen Finger schneidet, und krempelt einen Ärmel des Blaumanns hoch.
Laurie kritzelt die Bestellung auf den Notizblock, reißt das Blatt ab, faltet es schräg und steckt es in den Zettelhalter vor seinem Platz. Sie wendet sich ab und geht hinüber zu Henry, der am Grill steht und pfundweise Steaks auf den Rost hievt. Rauch steigt auf, begleitet von einem scharfen Zischen. Henry dreht sich um und hebt die Hand, mit der er die Grillzange festhält, zum Gruß.
„Hi“, sagt Henry.
Billy nickt und kramt die Luckies und ein Feuerzeug aus der Brusttasche. Er öffnet die Packung und zündet sich eine Zigarette an. Als Laurie kurz darauf die Coke vor ihm abstellt, legt er den Kopf in den Nacken, bläst den Rauch lautstark nach oben und sieht zu, wie der Deckenventilator den Rauch in ihr Gesicht treibt. Sie sieht auf und fixiert zum ersten Mal seine Augen. Er sieht die Tusche, die ungleichmäßig und verklumpt an ihren Wimpern hängt und er sieht die geplatzten Äderchen, die wie rote Flüsse durch das Weiß ihrer Augäpfel ziehen. Sie sagt nichts, greift nach dem Kugelschreiber, den sie von früh bis spät hinter dem Ohr trägt, und tippt mit dem Druckknopf auf den Tresen; ihr Mund ist leicht geöffnet, die Zungenspitze an den linken Eckzahn gedrückt. Er schmunzelt, rupft das Blatt aus dem Zettelhalter, faltet es so, dass die Ecken perfekt aufeinanderliegen, und steckt es wieder in den Zettelhalter. Dann steht er auf, wischt sich mit dem Ärmel über Nase und Mund, geht hinüber zur Jukebox und lässt Chapel of Love von den Dixie Cups spielen.

* * *​

Er summt die letzte Strophe des Liedes mit, als Frank und der Sheriff zwei Minuten später in den Laden kommen und sich neben ihn setzen.
„Hast du Hardees Wagen fertig?“, fragt Frank.
„Kann ihn heute Nachmittag abholen“, sagt Billy. „Muss ihn bloß noch abspritzen.“
„Guter Junge“, sagt Frank und klopft ihm auf die Schulter. „Du hast schon bestellt?“ Frank deutet auf die Bestellung in Billys Zettelhalter und sagt, ohne eine Reaktion abzuwarten: „Laurie, Darling, zweimal Steak für den Sheriff und mich.“
Laurie kommt an den Tresen und streicht sich eine Strähne aus dem Gesicht. „Was darf’s zu trinken sein?“, fragt sie.
„Zwei Bier, Sweetheart“, sagt Frank. „Ist immerhin Freitag.“
Laurie schreibt die Bestellung auf, faltet die Zettel so, dass die Ecken perfekt aufeinanderliegen, und steckt sie in die Halter. „Schon unterwegs“, sagt sie und macht sich auf den Weg zu Henry.
Der Sheriff legt seinen Hut auf den Tresen und glättet sich mit Daumen und Zeigefinger den Schnurrbart. „Jesus“, sagt er. „Sie sieht von Tag zu Tag kaputter aus.“
Frank kann sich ein Lachen nicht verkneifen und schnaubt durch die Nase.
Billy fingert eine neue Zigarette aus der Packung und zündet sie an. Er nimmt einen Schluck von der Coke und beobachtet Laurie, die am Zapfhahn steht: Die fettige Schürze verdeckt ihre Hüfte, doch darüber quillt der Bauchspeck hervor, und wenn sie sich auf die Zehenspitzen stellt, um ein Bierglas aus dem Schrank zu fischen, dann hebt sich ihre Bluse und entblößt die milchige, mit roten Druckstellen überzogene Haut. Er zieht den Rauch mit einem zischenden Geräusch in die Lungen.
„Hör mal“, durchbricht Frank seine Gedanken, „kannst du Hardee den Wagen nach Feierabend vorbeibringen?“ Frank legt seine Hände aufeinander und klopft mit dem Mittelfinger der oberen Hand auf den Tresen. „Der Scheißkerl kommt vor abends nicht aus dem Kieswerk und ich schaff’s heute nicht.“
„Wär n’feiner Zug“, sagt der Sheriff. „Wenn du’s nicht tust, wird Scarlett mich drum bitten, und ich …“
„Geht klar“, sagt Billy. „Geht klar“, wiederholt er.
„Warum musste sich deine Schwester auch von dem verfluchten Hardee schwängern lassen“, sagt Frank.
„Wär nicht passiert, wenn ich da gewesen wäre“, sagt der Sheriff, „das schwör ich bei Gott.“
Billy kichert vor sich hin, den Kopf auf den Handballen gestützt, und lässt den Rauch stoßweise zwischen den Zähnen entweichen. „Hey Sheriff“, sagt er dann und wischt sich mit dem Ärmel über Nase und Mund. „Nixon hat den Lieutenant aus der Haft entlassen. Schon gehört?“
Der Sheriff zieht eine Augenbraue hoch. „Was?“, sagt er.
Billy drückt die Zigarette im Aschenbecher aus und schiebt ihn zur Seite. Er steht auf, läuft zur Jukebox, schnappt sich den Big Spring Herald aus dem Zeitungsständer und lässt ihn auf das Besteck des Sheriffs fallen. „Hier“, sagt er. „Lies selbst.“
Der Sheriff funkelt ihn an, packt die Zeitung, dreht sich leicht zur Seite, faltet die Zeitung auf und überfliegt die Schlagzeilen auf der Frontseite.
„Was für ein Lieutenant?“, fragt Frank.
„Sei still“, sagt der Sheriff.
Laurie kommt an den Tresen und stellt die Biere ab. „Was gibt’s Neues in der Welt, Sheriff?“, fragt sie.
Der Sheriff bewegt die Lippen, doch sein Blick bleibt auf die Zeitung gerichtet.
Billy zündet sich eine neue Zigarette an und schiebt den Aschenbecher wieder zu sich hin. Er wischt sich mit dem Ärmel über Nase und Mund und betrachtet aus dem Augenwinkel das Namensschild auf Lauries üppigem Busen.
„Welcher Lieutenant?“, flüstert Frank, das Gesicht hinter dem Bierglas versteckt.
Billy sagt: „Er war damals …“
„Schluss!“, sagt der Sheriff und schlägt mit der Faust auf den Tresen. Laurie zuckt zusammen und hält sich die Hände vor die Brust. Sie sieht Frank mit großen Augen an und verschwindet dann in Richtung des Grills. Als sie weg ist, sagt der Sheriff: „Nicht hier, verstanden?“ Der Sheriff faltet die Zeitung unsauber zusammen und steckt sie in die Außentasche seiner Jacke.

* * *​

Billy verlässt Henrys Laden als Erster und geht durch den Staub zurück in die Werkstatt. Er läuft hinüber zur Werkbank und schaltet den alten Radioapparat ein. Hardees Ford steht in der Mitte des Raums, die Motorhaube noch immer aufgeklappt. Er hält die Motorhaube mit der linken Hand fest, löst mit der rechten Hand den Bügel, klappt ihn ein und lässt die Motorhaube mit einem metallischen Knall ins Schloss fallen. Dann wischt er sich mit dem Ärmel über Nase und Mund und setzt sich auf den Drehstuhl vor der Werkbank. Er holt die Luckies aus der Brusttasche und zündet sich eine an; von der Wand blickt die verstaubte Miss Juli 1970 lüstern und nur mit einer Perlenkette bekleidet auf ihn herab.
„Was war das eben?“
Billy dreht sich zum Eingangstor der Werkstatt um und sieht zwischen den blaugrauen Rauchfäden die Silhouette des Sheriffs.
„Was hast du dir dabei gedacht?“, fragt der Sheriff.
„Raus aus meiner Werkstatt“, sagt Billy.
Der Sheriff drückt den Lichtschalter an der Wand und zieht das Tor hinter sich zu. Die Neonröhren an der Decke beginnen zu flackern und tauchen die Werkstatt kurz darauf in hellweißes Licht.
„Mach das Tor wieder auf und raus hier“, sagt Billy.
„Du verfluchter Idiot“, sagt der Sheriff und kommt auf ihn zu. „Was fällt dir ein, den Lieutenant vor Frank und Laurie zu erwähnen?“ Der Sheriff packt ihn am Kragen des Blaumanns und drückt ihn gegen die Wand. „Die Schlampe würd‘s doch jedem erzählen.“
Billy lässt die Zigarette auf den Boden fallen. Er reißt die Hände nach oben und stößt dem Sheriff mit aller Kraft gegen die Brust. Der Sheriff kracht auf den Kofferraum von Hardees Wagen und knallt mit dem Kopf auf die Heckscheibe. „Fick dich, Roger“, sagt er. Er wendet sich ab und setzt sich wieder auf den Drehstuhl. „Hier bist du vielleicht der große Sheriff“, sagt er, „aber vergiss nicht, wen du vor dir hast.“ Er wischt sich mit dem Ärmel über Nase und Mund und zündet sich eine neue Zigarette an. „Du standest unter meinem Kommando.“
Der Sheriff stützt sich mit beiden Armen auf den Knien ab, die Hüfte an Hardees Wagen gelehnt und atmet schwer. „Sie dürfen‘s nicht wissen“, sagt der Sheriff. „Wenn das die Runde macht, kann ich meinen Posten räumen und dich werden sie mit brennenden Fackeln aus der Stadt jagen.“ Der Sheriff tastet nach seinem Hut auf Hardees Kofferraum und lässt sich auf den Boden sinken. „Jesus … Ist es das, was du willst?“
„Die wissen längst, dass wir dort waren, Roger“, sagt er.
„Aber nicht, dass wir in seinem Platoon waren“, sagt der Sheriff. „Wenn das rauskommt, dann verlieren wir alles, kapierst du das nicht? Calley und My Lai, das geht Hand in Hand.“ Der Sheriff fährt sich mit zittrigen Fingern durchs Haar. „Ich hab eine Familie, Herrgott.“
„Scheiß auf deine Familie!“ Billy schnippt die Zigarette zum Eingangstor und springt auf. „Und was habe ich?“, sagt er. Er wischt sich dreimal kräftig mit dem Ärmel über Nase und Mund und spürt, wie warmes Blut über seine Lippen läuft. „Sieh es dir an, Roger“, sagt er. Er kniet sich vor den Sheriff hin und streckt ihm sein Gesicht entgegen. „Sieh es dir an!“ Das Blut tropft auf die Uniform des Sheriffs und er kann die Tränen nicht zurückhalten.

* * *​

Das Tor der Werkstatt steht offen und der Wind hat nachgelassen. Billy riecht Fleisch, hört das Ticken der Uhr an der Wand und starrt auf das Bild der drallen Miss Juli 1970.
„Hey … bist du … komm … Shop rüber“, knackt es aus dem Funkgerät, das auf der Werkbank steht.
Er steht auf, fährt mit der Hand über die Beule im Kofferraum von Hardees Wagen und verlässt die Werkstatt. An der zweiten Zapfsäule steht ein olivgrüner Plymouth Valiant, den er hier noch nie gesehen hat. Er kratzt eine Handvoll Sand auf dem Boden zusammen, hebt ihn auf und zerreibt ihn zwischen den Händen. In den Fenstern von Henrys Laden spiegelt sich die tiefstehende Sonne; das Licht brennt in seinen Augen. Er steuert den Zigarettenautomaten an, wirft zwei Münzen ein, zieht eine neue Packung Luckies aus der Maschine, öffnet die neue Packung und zündet sich eine Zigarette an. Als er auf den Boden spuckt, kommt eine junge Frau aus dem Tankstellen-Shop. Sie sieht ihn an, wendet das Gesicht gleich wieder ab und verschwindet eilig hinter dem Steuer des Valiants. Er sieht zu, wie sich der aufgewirbelte Staub wieder auf den Boden legt und geht in den Shop hinein.
„Du sollst nicht an der Tankstelle qualmen, verflucht“, sagt Frank. „Wie oft muss ich dir das noch eintrichtern?“
„Nur die Ruhe, Frank“, sagt er. „Passiert schon nichts.“
„Ist der Wagen sauber?“, fragt Frank.
Billy nickt.
„Sag Hardee, dass er die Rechnung nächste Woche bezahlen soll. Der Mistkerl schuldet mir schon genug Geld.“ Frank nimmt ein Bündel Quittungen aus der Kasse und beginnt damit, sie auf dem Verkaufstresen zu sortieren.
„Warum sagst du es ihm nicht?“, fragt Billy. „Bin nicht dein Geldeintreiber, Frank.“
„Hey“, sagt Frank und tritt hinter dem Verkaufstresen hervor, „was denkst du eigentlich, womit ich dich bezahle?“
Billy läuft hinüber zum Kühlschrank und schnappt sich eine Dose Coke. Er trinkt die Dose in einem Zug leer und lässt den Zigarettenstummel hineinfallen. Dann läuft er an den Kühlschränken vorbei, wirft die Dose in den Abfalleimer und stellt sich vor den Flipperautomaten.
„Klar, bedien dich ruhig“, sagt Frank in theatralischem Ton. „Verflucht, was ist los mit dir heute?“
„Alles gut“, sagt Billy. Er wirft eine Münze in den Flipperautomaten und schießt die silberne Kugel auf das Spielfeld.
„Ach ja? Und was sollte das mit dir und Roger? Drüben bei Henry?“, fragt Frank.
„Nichts. Eine alte Army-Geschichte. Nicht der Rede wert.“
„Erzähl mir nichts“, sagt Frank. „Ich habe den Artikel gelesen. Ganz schön heftig, was dieser Calley und seine Männer da in der Provinz abgezogen haben. Frauen und Kinder? Scheiße … Kennt ihr den Typen etwa?“
„Lass gut sein, Frank“, sagt Billy. „In Vietnam kannte jeder jeden.“ Die Kugel saust zwischen den Hebeln hindurch und verschwindet im Automaten. Er zündet sich eine neue Zigarette an und lässt sie im Mundwinkel hängen. „Sonst noch was?“, fragt er.
„Wisch den Staub von den Tankplätzen, bevor du zu Hardee gehst, die Tankstelle sieht aus wie Sau“, sagt Frank. „Und mach die verfluchte Zigarette aus.“
Billy spürt, wie seine Nase juckt, doch er lässt die Hände in den Hosentaschen.

* * *​

Hardee ist nicht zu finden und vom Vorarbeiter erfährt Billy, dass Hardee das Kieswerk vor einer halben Stunde zusammen mit Kowalski verlassen habe. Er lässt die Lagerhalle hinter sich, trottet über den Parkplatz, steigt in den Wagen, öffnet die Dose Bier, die er auf dem Heimweg trinken wollte, und zündet sich eine Zigarette an. Er flucht vor sich hin und schaltet das Radio ein. Einen Moment lang hört er sich den Live-Kommentar des Rangers-Spiels an, nimmt einen tiefen Zug von der Zigarette und wechselt auf den Musik-Kanal.

… A hill to take, a battle to be won.
Kiss me goodbye and write me while I’m gone.
Goodbye my sweetheart, hello Viet…


Mit dem Handballen schlägt er auf das Radio ein. Asche und glimmender Tabak rieseln auf die Fußmatte der Beifahrerseite nieder. Er schüttet Bier auf die schwelenden Stellen; der beißende Textilgeruch ätzt in seinen Nasenhöhlen. Er kurbelt das Fenster runter, wirft das Bier, die Zigarette und die Fußmatte auf den Parkplatz. Mit beiden Händen packt er das Lenkrad, rüttelt daran, wirft sich im Sitz vor und zurück.
Er schreit.

* * *​

Die Fenster von Henrys Laden sind komplett schwarz, nur das schwach leuchtende Reklameschild mit der Aufschrift All You Can Meat! erhellt den Vorplatz. Billy stellt den Wagen vor der Werkstatt ab, läuft zu Henrys Laden hinüber und bleibt vor dem ersten Fenster stehen. Er schirmt das Gesicht mit beiden Händen ab und drückt sie gegen das Glas. Das Licht der Jukebox wird vom Grill und dem mit Chromstahl überzogenen Tresen reflektiert. Er sieht die Umrisse der Aschenbecher und der Gabeln und Messer, die für den nächsten Tag bereitliegen. Er zündet sich eine Zigarette an und setzt sich auf die mit Staub überzogenen Holzplanken, mit dem Rücken lehnt er sich an die Wand unter dem Fenster. Ein Hund mit struppigem Fell trippelt über den Vorplatz, bleibt stehen und sieht ihn an. Dann reckt er die Schnauze in die Luft und schnüffelt. Billy schnippt die Zigarette in Richtung des Köters, verfehlt ihn aber deutlich. Der Hund kratzt sich mit der Hinterpfote am Ohr, setzt sich wieder in Bewegung und verschwindet aus dem schummrigen Lichtkegel der Leuchtreklame.
Billy geht zurück zur Werkstatt, schiebt das Tor hoch, fährt Hardees Wagen rückwärts hinein und zieht das Tor hinter sich zu. Aus dem Metallschrank neben Miss Juli fischt er eine gebrauchte Fußmatte, klopft sie ab und legt sie auf den Boden der Beifahrerseite. Er stemmt beide Arme in die Hüfte und betrachtet die Fußmatte. Dann holt er die Luckies und das Feuerzeug hervor und zündet sich eine Zigarette an.
Kurz darauf geht er durch die Hintertür in den kleinen Lagerraum, der die Werkstatt mit dem Tankstellen-Shop verbindet. Er öffnet eine weitere Tür, streift sich den Blaumann von den Schultern und setzt sich auf die Schüssel. Er überlegt, ob er nochmals eine rauchen soll, lässt es dann aber sein. Auf dem Metalldeckel des Papierhalters liegt eine dicke Schicht Staub. Er wischt den Dreck mit dem Ärmel weg, beugt sich nach vorne, inspiziert sein Gesicht und tupft die Nase mit Papier ab. Die Spülung trägt seine Scheiße und die blutigen Fetzen nur widerwillig und nach mehrfachen Versuchen weg.
Als er aus der Toilette tritt, bemerkt er unter der Tür, die in den Shop führt, einen dünnen Streifen Licht. Er erstarrt, hört gleichmäßiges Scheppern, gedämpfte Stimmen, klatschende Geräusche. Blut schießt in seinen Kopf. Stöhnen.
Er umgreift die Türklinke mit schweißnasser Hand; sein Herz hämmert gegen den Brustkorb. Dunkle Tropfen prasseln auf Boden und Stiefel. Er drückt die Klinke nach unten und öffnet die Tür.
Sie schreit nur kurz und schrill, als sie ihn sieht.
„Verflucht“, sagt Frank. „Was tust du hier?“ Frank zieht den Schwanz aus ihr raus, bückt sich, packt Unterhose und Jeans und reißt sie hoch. „Raus!“, sagt Frank.
Sie presst die Schenkel zusammen, doch ihre Scham kann sie nicht verbergen.

* * *​

In der Wüste vor der Stadt ist die Luft kühl und rein. Billy liegt auf dem Rücken, hat Arme und Beine wie ein Engel ausgestreckt; die spitzen Steine unter seinem Körper stören ihn kaum, nur das Pochen in seiner Brust und das unregelmäßige Klacken des abkühlenden Motors durchbrechen die Stille. Er blickt hoch zum Himmel, sucht die Sternbilder, die er sich in langen Nächten eingeprägt hat, und schließt dann die Augen. Er spürt die feuchte Luft im Gesicht, das warme Metall in seinen Händen, die Enge durchnässter Stiefel. Er sieht grünes Dickicht und namenlose Tiere, die an namenlosen Pflanzen hochklettern, die starren Blicke regungsloser Männer. Er riecht Benzin, lodernde Hütten, verbranntes Fleisch, den Gestank seines ungewaschenen Schritts. Er hört das Auf und Ab kleiner Füße im Matsch, das Kratzen von Klingen auf frisch herausgeschälten Knochen.
Mit dem Ärmel wischt Billy sich über Nase und Mund.
Er hört Sirenen.
 
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MRG

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Hallo @sevas ,

die Geschichte hat mich gefesselt, konnte und wollte nicht einmal aufhören zu lesen. Gefällt mir richtig gut. Mir sind vor allem die Motive Rassismus, Macht und Gewalt aufgefallen.

Der Sheriff sitzt auf dem Pott und seilt einen Neger ab. Ja, das waren seine Worte!
Musste nach dem ersten Satz zucken, war abgeschreckt. Diesen Effekt hast du dann durch den zweiten Satz sehr schön eingefangen. Mir als Leser wird sofort klar, dass der Sheriff ein Rassist ist. Und auch Frank, da er so sehr über den Spruch lacht.

Muss ich mir merken, den Spruch.
Ist bestimmt spannend, ein Sheriff zu sein.

Der Protagonist steht in einem Machtgefälle zum Sheriff, will vielleicht auch ein bisschen so sein wie er. Das ist eine schöne, indirekte Charakterisierung, ganz subtil wird mir als Leser deutlich, wie die Verhältnisse zwischen den Personen sind. Gut gelungen, funktioniert für mich.

Guter Mann, der Frank. Wüsste nicht, was ich ohne ihn tun würde. Gibt ja kaum noch Jobs in dem verdammten Kaff.
Es geht weiter, indem auch das Machtgefälle zwischen dem Protagonisten und Frank dargestellt wird. Frank steht eindeutig über ihm in der sozialen Hierarchie, weil er sein Boss ist.

War aber nichts für mich, zu heiß, zu gefährlich.
Der Protagonist wird subtil als ängstlich, bzw. nicht als mutig dargestellt. Das ist eine Andeutung, die mir den Rest der Geschichte plausibel erscheinen lässt. Stark!

Muss wohl rot sein, kann ich aber nicht sicher sagen, die Karre ist mit Staub zugekleistert.
Die Beschreibung liest sich für mich echt und funktioniert gut, um die Welt des Protagonisten glaubwürdig zu machen. Ich mag auch, dass du in der Rolle des Protagonisten bleibst, "kann ich aber nicht sicher sagen".

„Billy, hast du gesehen, ob die zwei hier Benzin gezapft haben?“
„Ich habe Ihnen doch gesagt, dass wir nicht getankt haben“, sagt der Mann mit starkem Akzent.
Nachdem die "Welt" des Protagonisten gebaut wurde, fängt der Konflikt an, es wird spannend. Mir gefällt auch dein Dialog, er hat eine klare Funktion und treibt den Plot weiter nach Vorne. Was passiert als nächstes? In einem Buch würde ich jetzt Seite für Seite umschlagen, ich bin ganz bei dir und in der Geschichte.

und drehe das Schild mit der Aufschrift GESCHLOSSEN nach außen.
Eine erste Andeutung, dass etwas Schlimmes passieren muss. Ich mag es, erhöht die Spannung und ich fange an zu antizipieren, worauf das wohl hinaus läuft?

„Habe ich etwa mit dir gesprochen, Söhnchen?“ Der Sheriff baut sich vor dem Taco auf
Der Sheriff schaltet sich ein, sein Rassismus kommt hier deutlich heraus und sein Machtmissbrauch deutet sich an. Ein gerechter Sheriff nennt niemanden "Söhnchen" und baut sich schon gar nicht vor einem Mitbürger auf. Ist dir gut gelungen.

„Die beiden haben Sprit getankt und wollen nicht dafür bezahlen.“
Der Grundkonflikt wird im Dialog wiederholt, ohne, dass du es extra erzählen musst. Geschickt gemacht, das merke ich mir.

Ich gehe zur Kasse und drücke den Schalter. Laut brummend beginnen sich die Rollläden zu senken.
Die Geschichte wird dunkler, wortwörtlich und nimmt weiter an Fahrt auf. Ich erlebe die Geschichte und kann gut in sie eintauchen, deine Beschreibungen funktionieren richtig gut für mich.

Worauf wartest du?“, brüllt mich Frank an. Er lässt die Hand von ihrem Mund und reißt ihren Kopf an den Haaren nach hinten. Sie schreit auf, schluchzt und schlägt auf die Glasscheibe.
Die Gewalt baut sich immer weiter auf, ich habe Mitgefühl für die arme Frau und eine starke Ablehnung gegen Frank. Billy kommt mir auch vor, wie ein Feigling, aber zugleich kann ich ihn auch verstehen, er ist in einer furchtbaren Lage. Wenn er nicht macht, was ihm gesagt wird, wird es übel für ihn ausgehen.

„Fick dich, Frank“, schluchze ich hervor. „Ihr beide, fickt euch!“
„Du kletterst jetzt unter den scheiß Automaten, legst dich auf den Rücken und ziehst die Arme der Schlampe nach unten“, sagt der Sheriff.

So sieht Machtlosigkeit aus. Es scheint, als würden seine Worte gar nicht gehört werden. Dein Dialog ist beeindruckend.

Er packt Miss Juli am Genick, drückt ihr Gesicht aufs Glas. Mit der freien Hand löst er seinen Gürtel, öffnet den Hosenknopf und greift an den Reißverschluss.
Der Höhepunkt der Gewalt, furchtbar... und toll geschrieben.

Der Sheriff hält seinen Revolver auf mich gerichtet. „Los, runter mit dir!“
Der Höhepunkt der Machtlosigkeit? Nein, es geht noch schlimmer:

Frank lächelt. „Komm, du zuerst, Billy.“


Wow, sevas, dir ist eine richtig krasse Geschichte gelungen. Das Thema regt mich zum Nachdenken an, ist dunkel und spricht Tabus an, die immer wieder bewusst gemacht werden sollten in meinen Augen (Rassismus, Vergewaltigung). Mich hast du mit deiner Geschichte gefesselt, ich sitze hier gerade und bin wirklich beeindruckt. Deine Beschreibungen sind subtil, lassen mich an der Geschichte teilhaben; deine Charaktere kommen mir lebendig und komplex vor. Ich mag sie zwar nicht, wobei Billy mir noch am sympathischsten ist, aber genau das spricht für deine Charaktergestaltung. Ich schaue mir gleich dein Profil an, bin gespannt, was du noch geschrieben hast.

Edit: Okay, habe nachgeguckt, das ist deine erste Geschichte. Bin noch mehr beeindruckt und will unbedingt deine nächste lesen.


Beste Grüße,
MRG
 
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Hi @MRG,

vielen lieben Dank für dein ausführliches Feedback und die Zeit, die du dir dafür genommen hast. Ich steige am besten gleich in die Kommentare ein:

die Geschichte hat mich gefesselt, konnte und wollte nicht einmal aufhören zu lesen. Gefällt mir richtig gut. Mir sind vor allem die Motive Rassismus, Macht und Gewalt aufgefallen.
Ich freue mich sehr, dass dich der Text fesseln konnte. Und mit den Motiven hast du recht, Rassismus und Macht(losigkeit) waren die Themen, die ich anschneiden wollte.

Der Sheriff sitzt auf dem Pott und seilt einen Neger ab. Ja, das waren seine Worte!
Musste nach dem ersten Satz zucken, war abgeschreckt. Diesen Effekt hast du dann durch den zweiten Satz sehr schön eingefangen. Mir als Leser wird sofort klar, dass der Sheriff ein Rassist ist. Und auch Frank, da er so sehr über den Spruch lacht.
Das klingt jetzt vielleicht doof, aber ich bin froh, dass der erste Satz genau diese Wirkung auf dich hatte. Und dass die nachfolgenden Sätze dann hoffentlich doch noch zum Weiterlesen animieren ;)

Muss ich mir merken, den Spruch.
Ist bestimmt spannend, ein Sheriff zu sein.
Der Protagonist steht in einem Machtgefälle zum Sheriff, will vielleicht auch ein bisschen so sein wie er. Das ist eine schöne, indirekte Charakterisierung, ganz subtil wird mir als Leser deutlich, wie die Verhältnisse zwischen den Personen sind. Gut gelungen, funktioniert für mich.
Guter Mann, der Frank. Wüsste nicht, was ich ohne ihn tun würde. Gibt ja kaum noch Jobs in dem verdammten Kaff.
Es geht weiter, indem auch das Machtgefälle zwischen dem Protagonisten und Frank dargestellt wird. Frank steht eindeutig über ihm in der sozialen Hierarchie, weil er sein Boss ist.
War aber nichts für mich, zu heiß, zu gefährlich.
Der Protagonist wird subtil als ängstlich, bzw. nicht als mutig dargestellt. Das ist eine Andeutung, die mir den Rest der Geschichte plausibel erscheinen lässt. Stark!
Genau, Billy soll als absolutes "Beta-Männchen" daherkommen, der sich problemlos unterordnet, etwas einfacher gestrickt und nicht allzu ehrgeizig oder zäh ist.

Muss wohl rot sein, kann ich aber nicht sicher sagen, die Karre ist mit Staub zugekleistert.
Die Beschreibung liest sich für mich echt und funktioniert gut, um die Welt des Protagonisten glaubwürdig zu machen. Ich mag auch, dass du in der Rolle des Protagonisten bleibst, "kann ich aber nicht sicher sagen".
Super, das freut mich natürlich sehr. Da ich keine Beschreibungen der Landschaft oder der weiteren Umgebung drin habe, hoffte ich, dass der Staub (in Zusammenspiel mit dem Sheriff) ein genug klares Bild über den möglichen Ort der Geschichte erzeugen kann.

„Billy, hast du gesehen, ob die zwei hier Benzin gezapft haben?“
„Ich habe Ihnen doch gesagt, dass wir nicht getankt haben“, sagt der Mann mit starkem Akzent.
Nachdem die "Welt" des Protagonisten gebaut wurde, fängt der Konflikt an, es wird spannend. Mir gefällt auch dein Dialog, er hat eine klare Funktion und treibt den Plot weiter nach Vorne. Was passiert als nächstes? In einem Buch würde ich jetzt Seite für Seite umschlagen, ich bin ganz bei dir und in der Geschichte.
Obwohl ich immer noch unsicher bin, ob der Anfang vielleicht ein bisschen zu tellig ist.

und drehe das Schild mit der Aufschrift GESCHLOSSEN nach außen.
Eine erste Andeutung, dass etwas Schlimmes passieren muss. Ich mag es, erhöht die Spannung und ich fange an zu antizipieren, worauf das wohl hinaus läuft?
Auch hier muss ich dir gestehen, dass ich nicht ganz sicher war, ob das Schild gut gewählt ist (kennt man ja bereits zu Genüge). Aber als Turning Point finde ich es eben schon gut und bin froh, dass es die gewünschte Wirkung erzielt.

„Habe ich etwa mit dir gesprochen, Söhnchen?“ Der Sheriff baut sich vor dem Taco auf
Der Sheriff schaltet sich ein, sein Rassismus kommt hier deutlich heraus und sein Machtmissbrauch deutet sich an. Ein gerechter Sheriff nennt niemanden "Söhnchen" und baut sich schon gar nicht vor einem Mitbürger auf. Ist dir gut gelungen.
Ja, der Sheriff ist echt ein mieser Kerl. War aber doch irgendwie spannend, sich mal in so einen Typen reinzuversetzen.

„Die beiden haben Sprit getankt und wollen nicht dafür bezahlen.“
Der Grundkonflikt wird im Dialog wiederholt, ohne, dass du es extra erzählen musst. Geschickt gemacht, das merke ich mir.
Das fällt mir tatsächlich erst jetzt auf … Ich werd's mir ebenfalls merken ;)

Ich gehe zur Kasse und drücke den Schalter. Laut brummend beginnen sich die Rollläden zu senken.
Die Geschichte wird dunkler, wortwörtlich und nimmt weiter an Fahrt auf. Ich erlebe die Geschichte und kann gut in sie eintauchen, deine Beschreibungen funktionieren richtig gut für mich.
Das freut mich sehr! Ich mag das Brummen, muss in solch einer Situation bestimmt schrecklich klingen :eek:

Worauf wartest du?“, brüllt mich Frank an. Er lässt die Hand von ihrem Mund und reißt ihren Kopf an den Haaren nach hinten. Sie schreit auf, schluchzt und schlägt auf die Glasscheibe.
Die Gewalt baut sich immer weiter auf, ich habe Mitgefühl für die arme Frau und eine starke Ablehnung gegen Frank. Billy kommt mir auch vor, wie ein Feigling, aber zugleich kann ich ihn auch verstehen, er ist in einer furchtbaren Lage. Wenn er nicht macht, was ihm gesagt wird, wird es übel für ihn ausgehen.
Das war auch die Frage, die mich selbst am meisten beschäftigt hat: Wie würde ich hier reagieren?

„Fick dich, Frank“, schluchze ich hervor. „Ihr beide, fickt euch!“
„Du kletterst jetzt unter den scheiß Automaten, legst dich auf den Rücken und ziehst die Arme der Schlampe nach unten“, sagt der Sheriff.
So sieht Machtlosigkeit aus. Es scheint, als würden seine Worte gar nicht gehört werden. Dein Dialog ist beeindruckend.
Auch hier klingt's wieder doof, wenn ich sage, dass ich mich freue (ist ja doch eine ziemlich üble Stelle) … Aber ja, ich freue mich, dass die Dinge so rüberkommen, wie ich mir das ausgedacht habe.

Er packt Miss Juli am Genick, drückt ihr Gesicht aufs Glas. Mit der freien Hand löst er seinen Gürtel, öffnet den Hosenknopf und greift an den Reißverschluss.
Der Höhepunkt der Gewalt, furchtbar... und toll geschrieben.
Mir selbst fällt gerade auf, dass da ziemlich viele G-Wörter in dem Abschnitt stecken … Genick, Gesicht, Glas, Gürtel :sealed:

Der Sheriff hält seinen Revolver auf mich gerichtet. „Los, runter mit dir!“
Der Höhepunkt der Machtlosigkeit? Nein, es geht noch schlimmer:
Frank lächelt. „Komm, du zuerst, Billy.“
Jap, immer noch einen oben drauf ;)

Wow, sevas, dir ist eine richtig krasse Geschichte gelungen. Das Thema regt mich zum Nachdenken an, ist dunkel und spricht Tabus an, die immer wieder bewusst gemacht werden sollten in meinen Augen (Rassismus, Vergewaltigung). Mich hast du mit deiner Geschichte gefesselt, ich sitze hier gerade und bin wirklich beeindruckt. Deine Beschreibungen sind subtil, lassen mich an der Geschichte teilhaben; deine Charaktere kommen mir lebendig und komplex vor. Ich mag sie zwar nicht, wobei Billy mir noch am sympathischsten ist, aber genau das spricht für deine Charaktergestaltung. Ich schaue mir gleich dein Profil an, bin gespannt, was du noch geschrieben hast.
Edit: Okay, habe nachgeguckt, das ist deine erste Geschichte. Bin noch mehr beeindruckt und will unbedingt deine nächste lesen.
Vielen herzlichen Dank @MRG für das tolle Feedback, es haut mich doch ziemlich aus den Socken. Es gibt noch eine andere Geschichte von mir, und da habe ich die Themen "Plot" und "Konflikt" sträflich vernachlässigt. Jetzt wollte ich es natürlich besser machen und bin dank deiner Kommentare ganz zuversichtlich, dass es mir dieses Mal bereits besser gelungen ist :thumbsup:

Vielen lieben Dank nochmals für alles! Ich wünsche dir einen super Restsonntag und man liest sich ;)

Herzliche Grüße

sevas
 
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03.07.2017
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Hallo @sevas,

ich hatte eigentlich noch beim Walhai vorbeischauen wollen, die Geschichte mochte ich echt gerne. Und jetzt ist deine zweite da, da dachte ich, da kann ich ja direkt hier vorbeischauen.

Diese Geschichte gefällt mir leider nicht. Sie wirkt ziemlich plump.

Schon der erste Satz schreckt mich ab. Nicht weil ich schockiert bin, sondern weil ich einen billigen Effekt des Autors wittere.

Du willst hier eine derbe Sprache benutzen, aber mir kommt sie oft unnatürlich vor. Insbesondere der Sheriff wirkt wie das Klischee eines Bösewichts:
„Ruhe!“, unterbricht ihn der Sheriff und geht auf den Mexikaner zu. „Habe ich etwa mit dir gesprochen, Söhnchen?“ Der Sheriff baut sich vor dem Taco auf und stemmt die Arme in die Hüften.
„Du bleibst schön hier, Freundchen“, sagt der Sheriff und langt an sein Holster. „Du willst doch nicht, dass wir dich auch festketten müssen, oder?“


Miss Juli hat aufgehört zu zappeln. Ihre Arme hängen schlaff an den Seiten des Automaten herunter. Ich drücke ihr den Lappen in den Mund. Meine Sicht verschwimmt.
Miss Juli ist für mich leider kaum mehr als eine Sexpuppe. Mir fehlt hier der Blick fürs Detail. Die kleinen Dinge, die die Frau zu einem Menschen machen, die, die mich mitfühle lassen.

Ich kann dir sehr empfehlen, die Texte von jimmysalaryman zu lesen. Da geht es auch oft dreckig und düster zu,aber da geht’s immer um echte Menschen, das fehlt mir hier leider.

Tut mir leid, dass ich hier jetzt nur gemeckert habe. Vllt schau ich mal noch beim Walhai vorbei und lass noch was positives da. :)

Liebe Grüße,
Nichtgeburtstagskind
 
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04.04.2020
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Guten Morgen liebes @Nichtgeburtstagskind,

ich hatte eigentlich noch beim Walhai vorbeischauen wollen, die Geschichte mochte ich echt gerne. Und jetzt ist deine zweite da, da dachte ich, da kann ich ja direkt hier vorbeischauen.
vielen herzlichen Dank für deinen Besuch in diesem Thread :thumbsup: Ich freue mich und schätze es sehr, dass du dir gleich die Zeit für beide Geschichten genommen hast.

Diese Geschichte gefällt mir leider nicht. Sie wirkt ziemlich plump.
Ich wollte mich nach dem Walhai an eine andere Textsorte wagen und mich dabei insbesondere auf die Fehler, die ich beim Walhai gemacht habe, konzentrieren (fehlender Plot/Konflikt). Beziehst du das plump denn insbesondere auf die Figuren (Sheriff, Miss Juli etc.) oder auch auf den Plot/Konflikt an sich? Da würde mir deine Einschätzung sehr helfen.

Schon der erste Satz schreckt mich ab. Nicht weil ich schockiert bin, sondern weil ich einen billigen Effekt des Autors wittere.
Auch das ist sehr wertvoll für mich, vielen Dank :thumbsup: Geht es dir hier vor allem um die Position des Satzes oder um den Satz an sich? Würde er anders auf dich wirken, wenn ich z.B. den Frank zuerst wiehern lasse und erst danach erkläre, warum er diese Tränen lacht, ich den ersten Satz quasi weiter nach hinten schiebe? Effekthascherei möchte ich natürlich vermeiden.

Du willst hier eine derbe Sprache benutzen, aber mir kommt sie oft unnatürlich vor.
Ja, eine solche Sprache war tatsächlich etwas ganz Neues für mich. Ich hoffe, dass dich die ganze Fragerei nicht stört, aber ich möchte wirklich verstehen, wie ich das verbessern kann. Gibt es bestimmte Stellen, die du besonders misslungen oder unnatürlich findest? Oder ist es so, dass du die derbe Sprache des Protas (oder anderer Figuren) generell unglaubwürdig findest?

Insbesondere der Sheriff wirkt wie das Klischee eines Bösewichts:
Der Sheriff ist ziemlich schablonenhaft, das gebe ich zu. Ich werde mir da mal überlegen, was ich da noch retten oder beim nächsten Mal besser machen kann.

Miss Juli ist für mich leider kaum mehr als eine Sexpuppe. Mir fehlt hier der Blick fürs Detail. Die kleinen Dinge, die die Frau zu einem Menschen machen, die, die mich mitfühle lassen.
Ich kann dir sehr empfehlen, die Texte von jimmysalaryman zu lesen. Da geht es auch oft dreckig und düster zu,aber da geht’s immer um echte Menschen, das fehlt mir hier leider.
Das werde ich auf jeden Fall machen, vielen Dank für den Tipp!

Tut mir leid, dass ich hier jetzt nur gemeckert habe. Vllt schau ich mal noch beim Walhai vorbei und lass noch was positives da. :)
Sei bitte unbesorgt, da gibt's absolut nichts, wofür man sich entschuldigen müsste :thumbsup: I'm new in the game, und nur so kann ich mich verbessern. Im Profil habe ich sogar geschrieben, dass ich mir schonungslose, ehrliche Kritik erhoffe. Schulterklopfer bringen da wenig ;)

Vielen lieben Dank nochmals liebes @Nichtgeburtstagskind für die offenen Worte! Und wie gesagt, ich hoffe die Nachfragerei geht in Ordnung …

Ich wünsche dir einen super Start in die neue Woche.

Herzliche Grüße

sevas
 
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Hallo @sevas ,

eine spannende Geschichte, mitreißend und fesselnd, in diesem Punkt stimme ich @MRG zu. Ich kann daneben aber auch einige Kritikpunkte von @Nichtgeburtstagskind verstehen. Dazu später mehr, hier erst einmal mein Eindruck.


Der Sheriff sitzt auf dem Pott und seilt einen Neger ab. Ja, das waren seine Worte!
Hat mich beinahe davon abgehalten, die Geschichte überhaupt zu lesen. Allemal gibst Du mit diesem ersten Satz dem Text einen eher dilettantischen und banalen Charakter. Falls es witzig auf den Leser wirken soll, dann ist es ebenso unpassend, da die Geschichte in eine ganz andere Richtung läuft.
Lass den Sheriff das in wörtlicher Rede sagen. So werden die Eindrücke, die beim Leser entstehen gleich auf den Sheriff übertragen und nicht als charakterlich für den ganzen Text wahrgenommen. Vllt findest Du einen sanfteren Einstieg, vllt auch einen, der mit der krassen Eskalation der Geschichte harmoniert.
Frank wieherte wie ein Gaul, kriegte sich gar nicht mehr ein. Tränen hat er gelacht.
zu viel, finde ich. Repetitiv
Gibt ja kaum noch Jobs in dem verdammten Kaff.
Vllt kannst Du das subtiler an den Leser bringen, wobei mit:
Wüsste nicht, was ich ohne ihn tun würde.
dieser Gedanke schon entsteht
Muss wohl rot sein, kann ich aber nicht sicher sagen, die Karre ist mit Staub zugekleistert.
Auch hier finde ich, zu viele Inormationen / Details,
Ich laufe zu ihm rüber und erblicke den Sheriff,
Wie überaus eloquent. Würde der rassistische Automechaniker aus dem Kaff nicht ländlicher reden oder denken?
Blitzartig greife ich zur Tasche, aus der mein schmutziger Putzlappen heraushängt.
Na, der Putzlappen vom Automechaniker ist vermutlich schmutzig ;)
Vielleicht ruft ein Öllappen größeren Ekel beim Leser hervor


Insbesondere der Sheriff wirkt wie das Klischee eines Bösewichts
Da gehe ich mit @Nichtgeburtstagskind konform, mich hat er auch sofort an den typischen rassistischen Hinterwäldlersheriff erinnert, mit seinem Revolver, der Marke und dem grauen Oberlippenbart. Vom Frank habe ich ein deutlicheres Bild, der Sheriff bleibt irgendwie "eingebaut", wie aus der typischen rassistischen Geschichte eben.
Miss Juli ist für mich leider kaum mehr als eine Sexpuppe.
Auch hier muss ich zustimmen. Ungefähr das Gleiche wie beim Sheriff. Wobei ich auch sagen muss, dass gerade dieses Bild der Sexpuppe stimmig für die Geschichte ist. Und auch ihr hast Du ein wenig Tiefe gegeben mit ihrer aufbrausenden Art. Vllt fehlt mir hier ein wenig Augenkontakt mit dem Prota, ein wenig Kommunikation. Es könnte doch sein, dass sie merkt, wie der Prota sich sträubt gegen die Gewalt, und so sucht sie seinen Blick oder wie auch immer.

Und noch etwas: der Titel will mir nicht so ganz passen zur Geschichte, dafür wird diesem Automaten zu wenig Text beigemessen und davon abgesehen hat der keinen wirklichen Bezug zum Thema.



Alles in allem hat mir die Geschichte gefallen. Mal abgesehen vom ersten Satz, bin ich schnell in die geschichte eingetaucht, das Setting hast du gut aufgebaut, die Atmosphäre hat gestimmt. An den Charakteren kannst du feilen, etwas, mit dem ich selbst mich sehr schwertue. Spannend war die Geschichte allemal.

MfG Putrid Palace
 

AWM

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Hallo @sevas ich lasse mal kurz meinen Eindruck da. Geschrieben ist die Geschichte gut. Mir geht es aber beim Erzählerischen ähnlich wie @Nichtgeburtstagskind. Es sind für mich aber Dinge, die sich recht leicht ändern lassen. Dazu müsstest du allerdings ein paar Szenen mehr einbauen.
Auf mich wirken deine Figuren arg eindimensional. Die beste Figur ist zweifellos der Protagonist: Ein naiver Charakter, nicht wirklich böse, der sich aber verleiten lässt.
Der Sheriff sitzt auf dem Pott und seilt einen Neger ab. Ja, das waren seine Worte! Frank wieherte wie ein Gaul, kriegte sich gar nicht mehr ein. Tränen hat er gelacht. War aber auch lustig. Muss ich mir merken, den Spruch. Witziger Typ, der Sheriff.
Hier ist mir nicht ganz klar, wessen Worte das jetzt waren. Hat das der Sherrif gesagt oder Frank? Als Einstieg finde ich das ungeschickt, weil es mich verwirrt hat.

Jetzt zu den Figuren: Ich fände es wesentlich besser, wenn du nicht gleich so mit der Tür ins Haus fallen würdest. Auch das betrifft den Einstieg. Frank und der Sheriff sind zu unsympathisch. Wäre besser, wenn sich langsam ein Unwohlsein aufbauen würde. Sie wären nett zu deinem Prota und streuen gleichzeitig hier und da eine rassistische Bemerkung ein und irgendwann kippt das ganze. Habe letztens auf Netflix "Bis zum Untergang" gesehen. Da geht es um Prepper, die zu einem Star der Szene fahren. Ein cooler Typ und alles ist gut und irgendwann sagt er, die Waffe hilft am besten, wenn die Migrantenströme die Städte fluten oder irgendwie sowas. Da war das viel besser gelöst als bei dir.
Ich finde auch, dass die Situation bei dir zu plötzlich kommt. Man kennt sowas ja aus Filmen. Da ist es meistens so, dass die Situation langsam eskaliert und die Beteiligten irgendwann nicht mehr zurückkönnen und dann das Schlechteste in ihnen zum Vorschein kommt. Hier ist es so, als machen die das mit jedem "Taco" der vorbeikommt.
Die Opfer selbst sind nichts als Opfer. Es fällt mir schwer mit ihnen zu leiden, weil sie so blass bleiben. Es sind Mexikaner und die Frau sieht gut aus. Du gibst ihnen keine Tiefe. Es wäre zum Beispiel möglich, dass sie die beiden erst gefangen nehmen und dein Prota der Frau Essen bringen muss und dann irgendwie eine Beziehung zu ihr aufbaut, die ihn seinen Rassismus infrage stellen lässt. So könntest du langsam eine Wandlung deines Protas aufbauen.
Dann das Ende: Ich nehme es Frank nicht ab, dass er deinem Prota den Vortritt lässt. Ganz egal, wie sehr er ihn damit quält. Dein Prota ist am Ende der Nahrungskette. Frank würde irgendetwas anderes verlangen aber das nicht.

Gruß!
AWM
 
Senior
Monster-WG
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Hola @sevas,

‚Der Sheriff sitzt auf dem Pott und seilt einen Neger ab.’*)
Hoppla. Schreibt das der sevas vom Walhai? Anscheinend ist er’s.
Dann will ich mich mal auf die neuen Töne einstellen ...

Und in der Tat, dieser Text knallt wirklich! Der geht ab wie Lucy – bevor ich irgendetwas anmerken geschweige denn zitieren kann, bin ich schon am Ende. Peng. Noch Fragen?

Aber selbstverständlich!
Zu Beginn fehlen mir die Gänsefüßchen, die würden für Klarheit sorgen. Doch ist man schnell im Flow, weil Du auf die richtigen Effekte setzt. Dass heutzutage (und früher sowieso) so etwas im wahren (US-amerikanischen) Leben wirklich möglich ist, würde ich nicht anzweifeln. Rechtsbeugung bis hoch ins Oval Office.
Du hast diesen Text zu einem günstigen Zeitpunkt eingestellt – wäre Obama noch Chef, würden viele Leser wahrscheinlich den Plot für fiktiv halten, aber unter diesem Twitter-Verrückten ist alles möglich. Ku-Klux-Klan beweist das, der Colt sitzt locker. (Oder - crazy Gedanke - Du hättest den Text zu Obamas Zeiten weniger drastisch formuliert:lol:).

Und völlig klar: Dieser Plot findet im Klischee-Amerika statt; und egal, ob die Figuren Tiefe haben oder nicht (was ja bei einem Tankstellen-Sketch entbehrlich ist:shy:), ob sie ihre Rollen gut oder schlecht spielen, es bleibt Rollenspiel, weil sie gar keine andere Wahl haben.

Ich schlucke leer.
Perfekt.

... beide Pfoten mit Handschellen an die Haltegriffe eines Kühlschranks gekettet.
Sehr gut, dass Du die Billysprache durchgezogen hast.

Miss Juli
Ein verdammt passender Name in diesem Subkulturkreis der Pin-up girls.

Das Ding ist gut geschrieben, für mich keine Frage – da rausche ich als Leser nur so durch. Auch die wörtliche Rede scheint mir durch und durch authentisch, ein Western ist nun mal klein Eastern. Seriosität hat der Text auch, denn mit Billys misslicher Lage möchte der Leser nicht tauschen. Über das Ende könnte man geteilter Meinung sein.
Ich denke, dass Frank als Initiator der ganzen Scheiße den größten Druck hat und niemandem den Vortritt lassen würde; eher sagt er Billy nach ‚vollbrachtem Werk’, jetzt dürfe er auch mal ...

Jedenfalls überrascht mich Deine Vielseitigkeit. Mit diesen zwei Geschichten hast Du einen überzeugenden Start hingelegt, Glückwunsch!
Ich freue mich, dass sich unter Deinem Nick ein großes Talent ins Forum eingeschlichen hat.

Gerne gelesen? Aber so was von!!
Und beste Grüße!
José

*) Ich würd's streichen. Schaut aus, als ob ein Witz an den Mann gebracht werden soll. Haste nicht nötig.

PS: Hab mir die Korybant angeschaut – klassisch schön! Danke für die Präsentation.
 
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Guten Morgen @Putrid Palace,

vielen herzlichen Dank dafür, dass du den Text gelesen und kommentiert hast. Da sind viele Inputs dabei, die mir weiterhelfen und die ich natürlich auch aufnehmen/umsetzen werde.

Der Sheriff sitzt auf dem Pott und seilt einen Neger ab. Ja, das waren seine Worte!
Hat mich beinahe davon abgehalten, die Geschichte überhaupt zu lesen. Allemal gibst Du mit diesem ersten Satz dem Text einen eher dilettantischen und banalen Charakter. Falls es witzig auf den Leser wirken soll, dann ist es ebenso unpassend, da die Geschichte in eine ganz andere Richtung läuft.
Lass den Sheriff das in wörtlicher Rede sagen. So werden die Eindrücke, die beim Leser entstehen gleich auf den Sheriff übertragen und nicht als charakterlich für den ganzen Text wahrgenommen. Vllt findest Du einen sanfteren Einstieg, vllt auch einen, der mit der krassen Eskalation der Geschichte harmoniert.
Der Einstieg ist problematisch (aus mehreren Gründen), das sehe ich jetzt klar. Witzig sollte der Satz keinesfalls sein, da würde ich dem Text bewusst die Ernsthaftigkeit nehmen (was ja doch irgendwie passiert ist, aber das war nicht beabsichtigt). Mir war klar, dass dieser erste Satz heikel ist, und ich habe versucht, das mit dem zweiten Satz gleich wieder aufzufangen. Mein Ziel war ein schneller Einstieg in die Gedanken-/Gesinnungswelt der Beteiligten. Den Anfang werde ich auf jeden Fall überarbeiten und das Trio wohl erst einmal in der Gruppe einführen, bevor Billy sich dann in die Werkstatt verzieht.

Frank wieherte wie ein Gaul, kriegte sich gar nicht mehr ein. Tränen hat er gelacht.
zu viel, finde ich. Repetitiv
Stimmt, den zweiten Teil braucht's nicht, der kommt raus.

Gibt ja kaum noch Jobs in dem verdammten Kaff.
Vllt kannst Du das subtiler an den Leser bringen, wobei mit:
Wüsste nicht, was ich ohne ihn tun würde.
dieser Gedanke schon entsteht
Guter Hinweis, vielen Dank :thumbsup: Ich denke, der Kaff-Satz kann sogar ganz raus …

Muss wohl rot sein, kann ich aber nicht sicher sagen, die Karre ist mit Staub zugekleistert.
Auch hier finde ich, zu viele Inormationen / Details,
Ja, diese Info bietet in der Tat keinen Mehrwert, da stimme ich dir zu.

Ich laufe zu ihm rüber und erblicke den Sheriff,
Wie überaus eloquent. Würde der rassistische Automechaniker aus dem Kaff nicht ländlicher reden oder denken?
Auch das stimmt natürlich ;) Das passt nicht und wird überarbeitet.

Blitzartig greife ich zur Tasche, aus der mein schmutziger Putzlappen heraushängt.
Na, der Putzlappen vom Automechaniker ist vermutlich schmutzig ;)
Vielleicht ruft ein Öllappen größeren Ekel beim Leser hervor
Kill the obvious ;) Danke für den Hinweis, auch hier wird's eine Überarbeitung geben :thumbsup:

Insbesondere der Sheriff wirkt wie das Klischee eines Bösewichts
Da gehe ich mit @Nichtgeburtstagskind konform, mich hat er auch sofort an den typischen rassistischen Hinterwäldlersheriff erinnert, mit seinem Revolver, der Marke und dem grauen Oberlippenbart. Vom Frank habe ich ein deutlicheres Bild, der Sheriff bleibt irgendwie "eingebaut", wie aus der typischen rassistischen Geschichte eben.
Jap, der Sheriff ist der größte Schwachpunkt der Geschichte, das sehe ich voll und ganz ein. Um den habe ich mich zu wenig gekümmert. Ich werde versuchen, ihm und auch Frank mehr Tiefe zu geben.

Miss Juli ist für mich leider kaum mehr als eine Sexpuppe.
Auch hier muss ich zustimmen. Ungefähr das Gleiche wie beim Sheriff. Wobei ich auch sagen muss, dass gerade dieses Bild der Sexpuppe stimmig für die Geschichte ist. Und auch ihr hast Du ein wenig Tiefe gegeben mit ihrer aufbrausenden Art. Vllt fehlt mir hier ein wenig Augenkontakt mit dem Prota, ein wenig Kommunikation. Es könnte doch sein, dass sie merkt, wie der Prota sich sträubt gegen die Gewalt, und so sucht sie seinen Blick oder wie auch immer.
Ich denke, dass ich den Opfern (unbewusst oder weil ich's nicht besser wusste) so wenig Tiefe gegeben habe, da ich das Augenmerk zu sehr auf Billy gelegt habt (für mich war/ist er das Hauptopfer der ganzen Geschichte, was natürlich insofern unglücklich ist, da nicht nur er Leid ertragen muss). Deine Idee mit der Kommunikation zwischen Miss Juli und Billy finde ich sehr spannend und werde ich mir da etwas in diese Richtung überlegen.

Und noch etwas: der Titel will mir nicht so ganz passen zur Geschichte, dafür wird diesem Automaten zu wenig Text beigemessen und davon abgesehen hat der keinen wirklichen Bezug zum Thema.
Mit Titeln fühle ich mich generell noch unsicher und hoffe, dass dies etwas ist, wofür man mit der Zeit ein Gespür bekommt.

Alles in allem hat mir die Geschichte gefallen. Mal abgesehen vom ersten Satz, bin ich schnell in die geschichte eingetaucht, das Setting hast du gut aufgebaut, die Atmosphäre hat gestimmt. An den Charakteren kannst du feilen, etwas, mit dem ich selbst mich sehr schwertue. Spannend war die Geschichte allemal.
Ich werde insbesondere den Anfang nochmals grundlegend überarbeiten und das Augenmerk dann auf die Tiefe der Figuren legen. Für die vielen Inputs, die du mir gegeben hast, danke ich dir ganz herzlich @Putrid Palace :thumbsup:

---

Guten Morgen auch an dich @AWM und ein herzliches Dankeschön für die Eindrücke und die Zeit, die du aufgewendet hast. Auch da sind so viele gute Sachen dabei, dass ich jetzt viel klarer sehe, wo ich nochmals ran muss und was ich besser machen kann.

Mir geht es aber beim Erzählerischen ähnlich wie @Nichtgeburtstagskind. Es sind für mich aber Dinge, die sich recht leicht ändern lassen. Dazu müsstest du allerdings ein paar Szenen mehr einbauen.
Auf mich wirken deine Figuren arg eindimensional. Die beste Figur ist zweifellos der Protagonist: Ein naiver Charakter, nicht wirklich böse, der sich aber verleiten lässt.
Das stimmt, die Figuren sind sehr schablonenhaft und oberflächlich. Deine Ideen gefallen mir sehr gut und zumindest für den Anfang der Geschichte habe ich schon das eine oder andere Bild im Kopf. Vielen Dank :thumbsup:

Der Sheriff sitzt auf dem Pott und seilt einen Neger ab. Ja, das waren seine Worte! Frank wieherte wie ein Gaul, kriegte sich gar nicht mehr ein. Tränen hat er gelacht. War aber auch lustig. Muss ich mir merken, den Spruch. Witziger Typ, der Sheriff.
Hier ist mir nicht ganz klar, wessen Worte das jetzt waren. Hat das der Sherrif gesagt oder Frank? Als Einstieg finde ich das ungeschickt, weil es mich verwirrt hat.
Den Einstieg werde ich noch einmal ganz neu aufziehen und dabei auch darauf achten, dass man gleich versteht, wer hier was sagt oder tut.

Jetzt zu den Figuren: Ich fände es wesentlich besser, wenn du nicht gleich so mit der Tür ins Haus fallen würdest. Auch das betrifft den Einstieg. Frank und der Sheriff sind zu unsympathisch. Wäre besser, wenn sich langsam ein Unwohlsein aufbauen würde. Sie wären nett zu deinem Prota und streuen gleichzeitig hier und da eine rassistische Bemerkung ein und irgendwann kippt das ganze.
Das sind sehr wertvolle Hinweise, die ich in die Überarbeitung einfließen lassen werde. Die Geschichte nur in Billys Kopf beginnen zu lassen, war nicht optimal. Ich werde die drei auf jeden Fall anders und lebendiger einführen.

Habe letztens auf Netflix "Bis zum Untergang" gesehen. Da geht es um Prepper, die zu einem Star der Szene fahren. Ein cooler Typ und alles ist gut und irgendwann sagt er, die Waffe hilft am besten, wenn die Migrantenströme die Städte fluten oder irgendwie sowas. Da war das viel besser gelöst als bei dir.
Spannend, da werde ich gerne reinschauen und darauf achten, wie das in der Sendung umgesetzt wurde. Danke dir für den Tipp!

Ich finde auch, dass die Situation bei dir zu plötzlich kommt. Man kennt sowas ja aus Filmen. Da ist es meistens so, dass die Situation langsam eskaliert und die Beteiligten irgendwann nicht mehr zurückkönnen und dann das Schlechteste in ihnen zum Vorschein kommt. Hier ist es so, als machen die das mit jedem "Taco" der vorbeikommt.
Das ist ein sehr guter Punkt, den ich so noch gar nicht gesehen habe. Du hast aber vollkommen recht, das liest sich fast wie eine Routineübung von Frank und dem Sheriff. Da werde ich daran zu beißen haben :sealed:

Die Opfer selbst sind nichts als Opfer. Es fällt mir schwer mit ihnen zu leiden, weil sie so blass bleiben. Es sind Mexikaner und die Frau sieht gut aus. Du gibst ihnen keine Tiefe. Es wäre zum Beispiel möglich, dass sie die beiden erst gefangen nehmen und dein Prota der Frau Essen bringen muss und dann irgendwie eine Beziehung zu ihr aufbaut, die ihn seinen Rassismus infrage stellen lässt. So könntest du langsam eine Wandlung deines Protas aufbauen.
Bei meinem Kommentar an @Putrid Palace ist mir bereits klar geworden, dass ich dem Billy die Rolle des Hauptopfers gegeben und vielleicht auch deswegen – aber nicht nur, ich will mich nicht rausreden – den anderen Opfern zu wenig "Liebe" geschenkt habe. Ich weiß nicht, ob ich die Geschichte derart ausweiten möchte, dass daraus ein Kidnapping mit Verpflegung und allem drum und dran wird … Aber eine stärkere Verbindung zwischen Billy und den anderen Opfern wäre auf jeden gut für die Geschichte, muss mir aber noch überlegen, wie ich das anstellen werde.

Dann das Ende: Ich nehme es Frank nicht ab, dass er deinem Prota den Vortritt lässt. Ganz egal, wie sehr er ihn damit quält. Dein Prota ist am Ende der Nahrungskette. Frank würde irgendetwas anderes verlangen aber das nicht.
Puh, auch das ein sehr guter Hinweis … Da habe ich den guten Frank wohl zu einfach gestrickt. Das sehe ich ein, seine Reaktion ergibt psychologisch nur bedingt Sinn. Ich werde mich da mal in die Thematik einlesen und dann mit einer (hoffentlich) überzeugenderen Version zurückkommen.

Ich danke euch allen für die Kommentare und die Hinweise, die mir die Augen öffnen und mich wissen lassen, wie ich meine Schreibe verbessern kann. Ich schätze das wirklich sehr und hoffe, dass ich irgendwann auch etwas davon zurückgeben kann. Habt alle eine super Woche!

Herzliche Grüße

sevas
 
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Hallo @sevas,

ui, da hast du in der Zwischenzeit ja schon viele hilfreiche Bemerkungen bekommen.

Freut mich sehr, dass du so gut auf die Kritik reagierst! Du wirst sehen, wenn man hier durchhält, kann man mehr lernen, als in jedem Schreibkurs oder aus jedem Schreibratgeber der Welt.

Ich versuch mal deine Fragen zu beantworten.

Beziehst du das plump denn insbesondere auf die Figuren (Sheriff, Miss Juli etc.) oder auch auf den Plot/Konflikt an sich?
Den Plot finde ich ganz gut. Und eigentlich kann auch ein Plot absurd, langweilig, whatever sein. Die Figuren sind es, die ihn tragen müssen. Also hier liegt es eindeutig an den Figuren.

Geht es dir hier vor allem um die Position des Satzes oder um den Satz an sich? Würde er anders auf dich wirken, wenn ich z.B. den Frank zuerst wiehern lasse und erst danach erkläre, warum er diese Tränen lacht, ich den ersten Satz quasi weiter nach hinten schiebe?
Ich finde des Satz insgesamt nicht so prickelnd. Ist halt die Holzhammermethode. Schaut mal, was ein dummes Arsch der Sheriff ist!!

Ja, eine solche Sprache war tatsächlich etwas ganz Neues für mich. Ich hoffe, dass dich die ganze Fragerei nicht stört, aber ich möchte wirklich verstehen, wie ich das verbessern kann. Gibt es bestimmte Stellen, die du besonders misslungen oder unnatürlich findest? Oder ist es so, dass du die derbe Sprache des Protas (oder anderer Figuren) generell unglaubwürdig findest?
Hier kann ich dir schwer eine genaue Stelle nennen. Ich finde die Figuren in allem zu eindimensional – Sprache, Verhalten, Aussehen. Schau mal in den Discord Chat, da hatten wir gerade eine hilfreiche Kommunikation zum Thema Charakterbildung.

Ich muss aber auch sagen, dass ich mich bisher nicht an so einen Text rangetraut habe. Man soll ja über das schreiben, was man kennt. Ich kenne niemanden, der sich so verhält und so redet, habe auch beruflich nicht mit solchen Leuten zu tun. Was wenn ich aber trotzdem darüber schreiben möchte? Ich würde mir einige Dokumentationen/ Reportagen zu dem Thema anschauen, die Leute dort beobachten – was tragen sie, kleine Bewegungen herausschreiben, wie sprechen die, Formulierungen rausschreiben. Dann besteht zwar immer noch die Gefahr, dass jemand der sich dort wirklich auskennt, deinen Text für unglaubwürdig hält, aber die meisten Durchschnittsleser kannst du damit bestimmt überzeugen. ;)

Das ist natürlich eine sehr persönliche Herangehensweise, aber vllt hilft es dir ja trotzdem etwas.

Einfacher könntest du es dir hier machen, indem du aus der Ich-Person herausgehst. Dann müsste nämlich die Erzählerstimme nicht mehr gleich der Stimme des Charakters sein. Damit würdest du das Problem etwas entschärfen, auch wenn natürlich die wörtliche Rede und das Verhalten noch bearbeitet werden müssten.

Liebe Grüße und weiterhin viel Spaß,

NGK
 
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04.04.2020
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Buenos días lieber @josefelipe,

ich freue mich gerade sehr darüber, dass du mir die Treue hältst und auch hier wieder reingeschaut hast :thumbsup: Muchas gracias für die Lektüre, die Analyse und die lieben Worte!

‚Der Sheriff sitzt auf dem Pott und seilt einen Neger ab.’*)
Hoppla. Schreibt das der sevas vom Walhai? Anscheinend ist er’s.
Er ist's, und er hat's getan :sealed: Und er bereut's natürlich. Nach dem Walhai wollte ich unbedingt etwas Neues versuchen. Der Versuch ist nicht ganz geglückt, aber mit Hilfe der Wortkrieger bekomme ich das Ding vielleicht doch noch auf die richtige Bahn gelenkt :thumbsup: Rückwärtsgang rein, aus dem Bild fahren, überarbeiten und sachte ins Bild zurückrollen lassen ;)

Und in der Tat, dieser Text knallt wirklich! Der geht ab wie Lucy – bevor ich irgendetwas anmerken geschweige denn zitieren kann, bin ich schon am Ende. Peng. Noch Fragen?
Keine! :) Ich freue mich, dass du den Text in einem Zug (Schuss?) durchlesen konntest.

Zu Beginn fehlen mir die Gänsefüßchen, die würden für Klarheit sorgen.
Den Anfang werde ich komplett umbauen und die wuchtige Straßensperre mit Aufschrift "Erster Satz" wegräumen. Das hat nicht geklappt, das verstehe ich jetzt voll und ganz.

Dass heutzutage (und früher sowieso) so etwas im wahren (US-amerikanischen) Leben wirklich möglich ist, würde ich nicht anzweifeln. Rechtsbeugung bis hoch ins Oval Office.
Du hast diesen Text zu einem günstigen Zeitpunkt eingestellt – wäre Obama noch Chef, würden viele Leser wahrscheinlich den Plot für fiktiv halten, aber unter diesem Twitter-Verrückten ist alles möglich. Ku-Klux-Klan beweist das, der Colt sitzt locker. (Oder - crazy Gedanke - Du hättest den Text zu Obamas Zeiten weniger drastisch formuliert:lol:).
Haha, das ist wirklich ein interessanter Gedanke :lol: Da werde ich mal drüber nachdenken … Wobei ich mir durchaus vorstellen kann, dass Frank & Co. zu Zeiten Obamas nicht minder übel (oder gar noch übler?) drauf gewesen wären. Für mich selbst habe ich die Zeit so um 1992 rum festgelegt (91 kam Terminator 2 raus und im gleichen Jahr auch der dazugehörige Flipperkasten).

Und völlig klar: Dieser Plot findet im Klischee-Amerika statt; und egal, ob die Figuren Tiefe haben oder nicht (was ja bei einem Tankstellen-Sketch entbehrlich ist:shy:), ob sie ihre Rollen gut oder schlecht spielen, es bleibt Rollenspiel, weil sie gar keine andere Wahl haben.
Vielleicht (und wahrscheinlich nicht mal dann) hätte es geklappt, wenn ich die Figuren (erkennbar) überzeichnet und mit Klischees behaftet (zugekleistert) hätte … Aber das habe ich nicht. Die Klischees sind da und ich habe sie nicht erkannt. Tut weh, aber tut mir auch die Augen öffnen.

... beide Pfoten mit Handschellen an die Haltegriffe eines Kühlschranks gekettet.
Sehr gut, dass Du die Billysprache durchgezogen hast.
Tatsächlich hatte ich da zuerst "… beide Hände mit Handschellen …" stehen :lol: War ein guter Reminder, mich wieder auf den Billy zu konzentrieren ;)

Miss Juli
Ein verdammt passender Name in diesem Subkulturkreis der Pin-up girls.
Ich habe fieberhaft nach etwas gesucht, damit ich von "Frau" wegkomme. Der Kalender an der Wand der Werkstatt ist ja so gesehen ebenfalls ein Klischee, aber da könnte man wohl drüber hinwegsehen, wenn der Rest stimmiger wäre ;)

Das Ding ist gut geschrieben, für mich keine Frage – da rausche ich als Leser nur so durch. Auch die wörtliche Rede scheint mir durch und durch authentisch, ein Western ist nun mal klein Eastern. Seriosität hat der Text auch, denn mit Billys misslicher Lage möchte der Leser nicht tauschen. Über das Ende könnte man geteilter Meinung sein.
Ich denke, dass Frank als Initiator der ganzen Scheiße den größten Druck hat und niemandem den Vortritt lassen würde; eher sagt er Billy nach ‚vollbrachtem Werk’, jetzt dürfe er auch mal ...
Auch das Ende werde ich nochmals gründlich überarbeiten, so ist es zu unglaubwürdig, das sehe ich absolut ein.

Jedenfalls überrascht mich Deine Vielseitigkeit. Mit diesen zwei Geschichten hast Du einen überzeugenden Start hingelegt, Glückwunsch!
Ich freue mich, dass sich unter Deinem Nick ein großes Talent ins Forum eingeschlichen hat.
Vielen herzlichen Dank @josefelipe für die aufbauenden Worte! Ich bin echt froh, dass ich auf das Forum gestoßen bin, und dass auch die Neuen bzw. deren Texte akzeptiert und aufgenommen werden. Das erstaunt mich immer wieder. Und was soll ich sagen, der Lernfaktor ist einfach immens …

Gerne gelesen? Aber so was von!!
Das freut mich wirklich :thumbsup: Danke dir!

*) Ich würd's streichen. Schaut aus, als ob ein Witz an den Mann gebracht werden soll. Haste nicht nötig.
Ja, das kommt raus … Lesson learned ;)

PS: Hab mir die Korybant angeschaut – klassisch schön! Danke für die Präsentation.
Oh, den Dank muss ich an die liebe @Katla weiterleiten, sie ist es, die die Meilen auf der Korybant im Meilenbuch vorweisen kann. Ich selbst darf leider nur Boote mit Motor fahren, am Segelschein bin ich noch dran :read:
 
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Liebes @Nichtgeburtstagskind,

vielen herzlichen Dank dafür, dass du nochmals vorbeigeschaut und dir Zeit für meine Fragen genommen hast. It's highly appreciated :thumbsup:

ui, da hast du in der Zwischenzeit ja schon viele hilfreiche Bemerkungen bekommen.
Absolut ;) Da ist einiges zusammengekommen und ich weiß jetzt, was ich zu tun habe.

Freut mich sehr, dass du so gut auf die Kritik reagierst! Du wirst sehen, wenn man hier durchhält, kann man mehr lernen, als in jedem Schreibkurs oder aus jedem Schreibratgeber der Welt.
Das glaube ich dir sofort und werde mein Bestes geben, um nicht in der Mitte des Wegs einzuknicken. Ich mache jetzt erst einmal meine Hausaufgaben und werde mich dann mit einer überarbeiteten Fassung zurückmelden (und einen großen Bogen um die Stolperpfade machen ;)).

Beziehst du das plump denn insbesondere auf die Figuren (Sheriff, Miss Juli etc.) oder auch auf den Plot/Konflikt an sich?
Den Plot finde ich ganz gut. Und eigentlich kann auch ein Plot absurd, langweilig, whatever sein. Die Figuren sind es, die ihn tragen müssen. Also hier liegt es eindeutig an den Figuren.
Frank & Co. werden aufs Reißbrett gezerrt, keine Frage. Da habe ich insgesamt viele gute Hinweise bekommen, die ich umsetzen werde.

Geht es dir hier vor allem um die Position des Satzes oder um den Satz an sich? Würde er anders auf dich wirken, wenn ich z.B. den Frank zuerst wiehern lasse und erst danach erkläre, warum er diese Tränen lacht, ich den ersten Satz quasi weiter nach hinten schiebe?
Ich finde des Satz insgesamt nicht so prickelnd. Ist halt die Holzhammermethode. Schaut mal, was ein dummes Arsch der Sheriff ist!!
Für den neuen Anfang habe ich bereits einige Ideen, der wird ganz anders daherkommen. Und da kommt natürlich auch dieser Satz weg (oder zumindest an eine andere Stelle).

Ja, eine solche Sprache war tatsächlich etwas ganz Neues für mich. Ich hoffe, dass dich die ganze Fragerei nicht stört, aber ich möchte wirklich verstehen, wie ich das verbessern kann. Gibt es bestimmte Stellen, die du besonders misslungen oder unnatürlich findest? Oder ist es so, dass du die derbe Sprache des Protas (oder anderer Figuren) generell unglaubwürdig findest?
Hier kann ich dir schwer eine genaue Stelle nennen. Ich finde die Figuren in allem zu eindimensional – Sprache, Verhalten, Aussehen. Schau mal in den Discord Chat, da hatten wir gerade eine hilfreiche Kommunikation zum Thema Charakterbildung.
Danke dir für den Tipp mit dem Chat! Ich war eben drin und habe die entsprechenden Stellen rausgesucht. Da sind super Sachen dabei, die ich bei der Überarbeitung berücksichtigen werde :thumbsup:

Ich muss aber auch sagen, dass ich mich bisher nicht an so einen Text rangetraut habe. Man soll ja über das schreiben, was man kennt. Ich kenne niemanden, der sich so verhält und so redet, habe auch beruflich nicht mit solchen Leuten zu tun. Was wenn ich aber trotzdem darüber schreiben möchte? Ich würde mir einige Dokumentationen/ Reportagen zu dem Thema anschauen, die Leute dort beobachten – was tragen sie, kleine Bewegungen herausschreiben, wie sprechen die, Formulierungen rausschreiben. Dann besteht zwar immer noch die Gefahr, dass jemand der sich dort wirklich auskennt, deinen Text für unglaubwürdig hält, aber die meisten Durchschnittsleser kannst du damit bestimmt überzeugen. ;)
Den Anspruch, wirklich jeden restlos zu überzeugen, habe ich natürlich nicht. Die Basis muss aber stimmen, da besteht kein Zweifel. Ich finde deine Herangehensweise sehr spannend und werde auch hier auch einiges für mich mitnehmen, vielen Dank!

Einfacher könntest du es dir hier machen, indem du aus der Ich-Person herausgehst. Dann müsste nämlich die Erzählerstimme nicht mehr gleich der Stimme des Charakters sein. Damit würdest du das Problem etwas entschärfen, auch wenn natürlich die wörtliche Rede und das Verhalten noch bearbeitet werden müssten.
Die Perspektive möchte ich schon so beibehalten, auch wenn ein Wechsel vielleicht einfacher wäre. Ich habe jetzt ohnehin ein paar Herausforderungen vor mir, und da will ich es mir nicht an anderer Stelle leichter machen. Ich lasse den Text jetzt mal nach unten wandern und melde mich dann mit einer hoffentlich ausgereifteren Version zurück ;)

Nochmals vielen lieben Dank für alles liebes @Nichtgeburtstagskind und ich wünsche dir einen ganz fantastischen Abend.

Herzliche Grüße

sevas
 
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28.12.2009
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Das klingt alles wie der drölfzigste Aufguss von Tarantino oder noch besser: country noir. So wie Joe Lansdale in etwa: Neger, Tacos, Mexen, Knarren, Challenger. Jaja, so stellt man sich vor, wie es in den Staaten läuft, in Tejas oder New Mexico. Ganz ehrlich: Was wird mir hier erzählt? Rassistische Cops und Ladenbesitzer, die einfach durchfahrende Gäste der Freiheit berauben, um sie zu erniedrigen und vergewaltigen? Warum? Warum ausgerechnet die? Und wie können die das machen, ohne aufzufallen? Denken die da nicht mal drüber nach? Ist das eine impulsive Tat? Wohl kaum. Da passt irgendwie nichts, weder Motivation noch sonstwas. Und dann hast du einen Protagonisten, der das in Rollenprosa erzählt, der aber einfach vollkommen unausgegoren wirkt, weil mal ist er der Einfaltspinsel, der nicht rafft, was abgeht, dann kriegt er es aber hin, sich unbemerkt die Videoaufnahmen anzusehen. Und überhaupt? Warum sagen die ihm Bescheid? Warum holen die ihn dazu? Der Sheriff und der andere Typ könnten das ohne ihn als Zeugen machen, je weniger das wissen, desto besser. Das ist einfach ein unglaubwürdiges Setting schon ganz zu Beginn. Neger würde in den Staaten auch niemand sagen: da sagst du eventuell Spook, oder Bootlips oder Kaffir. Dann auch diese ganze halbstarke Sprache da, es wirkt einfach fürchterlich aufgesetzt. Das sind doch keine echten Menschen, das sind Pappfiguren, die betont coole Sachen sagen sollen.
Scheiße Frank, was läuft hier?“
Das ist so der Dialog, den ein Kollege von Rambo sagen würde, nachdem Rambo fünfzig Vietcong umgelegt hat. Es ist doch klar, was da läuft. Dein Protagonist hat auch nur leise moralische Bedenken, er schreitet ja nie ein, er macht nie etwas, und mir wird auch nicht erklärt, warum das so ist, weil der Sheriff und der Ladenbesitzer müssten ihn sowieso umlegen, weil er die Geschichte auch später noch erzählen kann, und das er dann als Erster die Miss Juli vergewaltigen darf, ist natürlich an Zynismus nicht zu überbieten. Das fungiert dann irgendwie als Belohnung, dass er die Schnauze hält, oder wie? Da steckt auch schon eine Menge Menschenverachtung mit drin, in dem Text, wie ich finde, und da werden Gewaltphantasien voyeuristisch bedient, ohne dass sie einem Zweck dienen. Denn was ist hier der Glutkern deiner Narrative? Gewalt existiert? Ernsthaft? Für mich ist das nichts, sorry.

Gruss, Jimmy
 
Senior
Monster-WG
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10.09.2014
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Hola @sevas,

wenn ich sehe, wie turbulent es auf Deinem Thread zugeht, dann hoffe ich für Dich, keine anderen Verpflichtungen zu haben:). Folgendes:
sevas schrieb:
... werde mich dann mit einer überarbeiteten Fassung zurückmelden.
Bitte nimm Dir Zeit, und auch, wenn Du längere Zeit nicht auftauchst, gerätst Du bei uns nicht in Vergessenheit.
Ich schreibe Dir noch mal wegen dem Finale: Solltest Du das Ende ungefähr so gestalten, wie ich vorgeschlagen habe, dann wäre denkbar, dass wegen der Herabwürdigung durch seinen Chef bei Billy das Fass überläuft und er dem ordentlich eins drüberzieht. Macht nix, wenn er liegen bleibt. Irgendetwas Hartes wird schon in Reichweite sein. Nur so als Idee.

Wir schreiben und lesen uns.
José
 
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04.04.2020
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Lieber @jimmysalaryman,

vielen lieben Dank für deine Kommentare und die offene, ehrliche Kritik.

Dass mir der Text auf so ziemlich allen Ebenen misslungen ist, ist mir mittlerweile klar und diese Tatsache akzeptiere ich auch. Ich habe etwas Neues ausprobiert und dabei ein denkbar schlechtes Thema gewählt, dem ich nicht gewachsen war und mit dem ich mich nicht auseinandergesetzt habe. Ich habe meine Hausaufgaben nicht gemacht, ein Klischee ans andere gereiht, Plot- und Logiklöcher eingebaut, die psychologischen Aspekte ignoriert und auf billige Effekte gesetzt. Ja, ich habe viele Fehler gemacht und möchte auch keinen davon schönreden. Auch die Ich-habe-es-nicht-besser-gewusst-Karte spiele ich nicht aus, wäre ja auch gelogen. Ob ich mich mit all dem als Menschenverächter geoutet habe … Ich wäre mir einer solchen Gesinnung bislang nicht bewusst gewesen. Aber auch hier akzeptiere ich jede Meinung. Bereue ich es, diesen Text geschrieben und eingestellt zu haben? Teilweise, klar. Andererseits nehme ich viele Dinge und Erkenntnisse aus dem Ganzen mit und hoffe, dass es mir erlaubt sein wird, daraus meine Lehren zu ziehen und es beim nächsten Mal besser zu machen.

@Nichtgeburtstagskind hat mich bereits auf deine Texte aufmerksam gemacht. Sehr gerne werde ich mich mit diesen Texten befassen und von ihnen lernen.

Für die offenen Worte danke ich dir @jimmysalaryman und wünsche dir eine super Restwoche.

Herzliche Grüße

sevas

---

Hola @josefelipe,

doch doch, die anderweitigen Verpflichtungen gibt’s durchaus ;) Aber sie sollen mir nicht als Vorwand dienen …

Die Zeit für die Überarbeitung werde ich mir nehmen, keine Frage. Bislang habe ich keine einzige Zeile geändert und lasse den Text erst einmal ruhen. Jetzt daran rumzuschrauben und übermorgen eine neue Fassung einzustellen, würde die Sache höchstens verschlimmern. Für den Hinweis bzw. Rat danke ich dir und werde ihn auch befolgen.

Ein Dankeschön auch für deine Überlegungen zum Ende. Mal schauen, was ich da machen kann. Vielleicht wird’s mir auch gar nicht gelingen und ich hake den Text einfach ab. Auch das würde ich natürlich dann an dieser Stelle kommunizieren.

Schreiben und lesen werden wir uns auf jeden Fall in der Zwischenzeit :thumbsup:

Ich danke dir für deine Zeilen lieber @josefelipe und wünsche auch dir eine wunderbare Woche.

Herzliche Grüße

sevas
 
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28.12.2009
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Nein, nicht du bist menschenverachtend, sondern der Text hat diese Tendenz. Ich sage auch gar nicht, da ist alles schlecht dran. Mich würde aber bei einem solchen Text interessieren, wie jemand zum Rassisten wird, die backstory, und genauso die des passiven Voyeurs. L.A Crash, da gibt es diese Figur des rassistischen Cops, aber ich bekomme auch seine Geschichte präsentiert, der leidende, kranke Vater, die Schwierigkeiten mit der Bürokratie, und dann ist er auch noch so pflichtbewusst, dass er den Afroamerikanern, die er am Anfang des Films gedemütigt hat, aus dem brennenden Auto hilft. Soll meinen: nichts ist schwarz und weiß. Und das fehlt mir hier. Das steckt sicherlich Potential drin, aber du musst es eben auch rausholen. Einfach dranbleiben.
 
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04.04.2020
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Hi @jimmysalaryman,

got it :thumbsup: Habe ich falsch interpretiert und persönlich genommen, my bad, nehm's gleich wieder zurück und entschuldige mich für den Aussetzer. Ich danke dir für die weiteren Tipps und Einblicke, ich verstehe, was du mir sagen willst und werde diese Aspekte in die Überarbeitung einfließen lassen.

Thanks again & herzliche Grüße

sevas
 
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04.04.2020
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Liebe Wortkrieger,

ich hoffe, dass euch diese Zeilen bei bester Gesundheit erreichen.

Ende April hatte ich hier meine zweite Kurzgeschichte „Der Flipperautomat“ eingestellt (der eine oder andere mag sich vielleicht daran erinnern). Viel Zeit ist seither vergangen und ich habe die Geschichte für längere Zeit links liegen lassen, musste Abstand zu ihr gewinnen.

Mit der Überarbeitung habe ich mich sehr schwergetan und erst vor Kurzem wurde mir klar, dass ich den Text nicht retten kann und dass ich ihn eigentlich auch gar nicht retten will. Stattdessen habe ich die Geschichte neu geschrieben, das Setting und den Großteil des „Personals“ aber (so gut es ging) übernommen und hoffentlich weniger schablonenhaft gezeichnet. Auch die Themen sind nicht mehr ganz identisch.

Die neue Fassung bzw. Geschichte findet ihr oben im Haupt-Text des Threads.

Ob der neue Text auch wirklich besser ist, kann ich selbst nur schwer beurteilen; er ist auch ziemlich experimentell geworden und ich habe keine Ahnung, ob das alles funktioniert. Erfahren werde ich das nur, indem ich den neuen Text hier einstelle.

Ich würde mich sehr freuen, wenn der eine oder andere der zweiten Fassung eine Chance gibt.

Herzlichst,
sevas
 
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MRG

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12.03.2020
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Guten Morgen @sevas,

habe mich richtig gefreut, dich hier wieder zu lesen (und vielen Dank für deinen hilfreichen Kommentar, darauf gehe ich nach diesem Beitrag ein). Ich kann mich noch gut an deine Geschichte erinnern, war ziemlich flott und die Geschichte ging gut nach Vorne. Wenn ich mir die Kommentare noch mal dazu anschaue, dann waren wohl zwei Kritikpunkte, dass die Charaktere etwas eindimensional waren und du ein Klischee bedienst. Mein Eindruck bei dem jetzigen Text ist, dass du versucht hast sehr viele Informationen zu verarbeiten, um diese Tiefe zu erzielen. Für mich hat das leider nicht funktioniert. Ich habe den roten Faden nicht so richtig erkennen können und habe mich gefragt, was denn genau die Geschichte ist. Es gibt eine kurze Passage, wo du auf die Vergewaltigung aus der Version davor anspielst, aber das konnte ich nur wissen, weil ich eben deine erste Version gelesen habe. Ich weiß, dass man das überhaupt nicht gerne hört (spreche aus Erfahrung), aber ich fand die Version davor besser. Ich gehe in meiner Textarbeit darauf ein:

Er schlurft aus der Werkstatt heraus und saugt die vertrauten Gerüche der Tankstelle in sich hinein – Staub, Benzin, gegrilltes Fleisch aus Henrys BBQ-Laden nebenan;
Ich finde das als ersten Satz absolut ausreichend, würde den zweiten Teil streichen.

Er muss niesen, die Sandkörner kratzen unter den Augendeckeln; mit dem Ärmel seines Blaumanns wischt er sich über Nase und Mund. Er geht hinüber zum Zigarettenautomaten, wirft zwei Quarter in den Münzschlitz und zieht sich eine Packung Luckies aus der Maschine.
Stilistisch ist mir aufgefallen, dass hier etwas oft das Wort "er" auftaucht. Ich habe bei meinen Geschichten oft das Gleiche Problem, habe hier im Forum den Tipp bekommen, dann lieber mit einem Namen zu arbeiten. So kannst du mehr Abwechslung reinbringen.

Er starrt auf ihre abgekauten Fingernägel und den Ring, der ein tiefes Tal in den fleischigen Finger schneidet. Er fragt sich, ob sie das Ding ohne Zange jemals wieder loswird, und krempelt einen Ärmel des Blaumanns hoch. Er könnte schwören, dass sie ihre Tage hat.
Ich finde, dass diese Passage nicht so gut funktioniert. Irgendwie kommt mir das nicht so zusammenhängend vor. Er schaut auf den Ehering, ihm fällt auf, dass sie den wohl nicht mehr so leicht vom Finger bekommt und dann denkt er an ihre Tage?

Er summt die letzte Strophe des Liedes mit, als Frank und der Sheriff zwei Minuten später in den Laden kommen und sich neben ihn setzen.
Ich mag, wie du die Umwelt mit deinem Protagonisten interagieren lässt. Das ist in meinen Augen eine Stärke von dir. Das macht die Beschreibungen für mich dynamischer und auch interessanter zu lesen.

„Warum musste sich deine Schwester auch von dem beschissenen Hardee schwängern lassen“, sagt Frank.
„Wär nicht passiert, wenn ich hier gewesen wäre, das kannst du mir glauben“, sagt der Sheriff.
Während ich den Text gelesen habe, konnte ich die Figuren nicht so gut voneinander trennen. Ich finde, dass die vom Dialog auch recht ähnlich sprechen. Mein Wunsch wäre gewesen, wenn du jedem von ihnen ein besonderes Merkmal verpasst, woran ich sie noch besser erkennen könnte (nach dem Motto, blauer Hut, roter Hut etc.).

Der Sheriff drückt den Lichtschalter an der Wand und zieht das Tor hinter sich zu. Die Neonröhren an der Decke beginnen zu flackern und tauchen die Werkstatt kurz darauf in hellweißes Licht.
Das finde ich eine gelungene Stelle. Wieder die Interaktion mit der Umwelt und das Bild der Werkstatt taucht vor meinem geistigen Auge auf. Mochte ich!

„Du standest unter meinem Kommando.“
Hier wird es spannend und ich frage mich, wer das wohl ist? Muss ja einen gewissen Rang innegehabt haben.

„Wenn das rauskommt, dann verlieren wir alles, verstehst du das denn nicht?
Diese Frage hat für mich nicht so richtig in den sonstigen Dialog gepasst. Kommt mir an dieser Stelle etwas zu förmlich vor bzw. zu steif im Vergleich zu dem, was er sonst gesagt hat.

Er riecht Fleisch, hört das Ticken der Uhr an der Wand und starrt auf das Bild der drallen Miss Juli 1970.
Das könnte auch ein guter erster Satz sein. Richtig gut geschrieben.

„Klar, bedien dich ruhig“, sagt Frank in theatralischem Ton. „Was ist heute bloß los mit dir?“
„Alles gut“, sagt er.
Sagt man da wirklich "Alles gut"? Ich hatte eher so etwas wie, "Halt's Maul" erwartet.

„Und mach die scheiß Zigarette aus.“
Er spürt, wie seine Nase juckt, doch er lässt die Hände in den Hosentaschen.
Das ist eine Charakterzeichnung, die ich interessant finde und davon würde ich mir auch noch mehr in deinem Text wünschen. Du zeigst hier, dass er Gewaltpotential in sich trägt, was er allerdings auch kontrollieren kann. Insgesamt ist mir dein Protagonist etwas zu weit weg.

Er schüttet Bier auf die schwelenden Stellen; der beißende Textilgeruch ätzt in seinen Nasenhöhlen. Er kurbelt das Fenster runter, wirft das Bier, die Zigarette und die Fußmatte auf den Parkplatz. Er packt das Lenkrad mit beiden Händen, rüttelt daran, wirft sich im Sitz vor und zurück.
Er schreit.
Er, Er, Er,. Das ist mir hier nochmal stark aufgefallen und ich bin als Leser darüber gestolpert.

Der Hund reckt die Schnauze in die Luft und schnüffelt. Er schnippt die Zigarette in Richtung des Hundes, verfehlt ihn aber deutlich. Der Hund kratzt sich mit der Hinterpfote am Ohr, setzt sich wieder in Bewegung und verschwindet aus dem schummrigen Lichtkegel der Leuchtreklame.
Das würde ich sprachlich vielleicht zusammenfassen, sodass du nicht drei mal "Hund" benötigst. Vielleicht wäre es hier auch hilfreich, wenn du für deinen Protagonisten einen Namen hättest und dann bei dem Hund mit "er" arbeiten könntest?

Er furzt lang und laut und spürt, dass er scheißen muss.
Das hat mich zum Schmunzeln gebracht, weil das für mich gar nicht zu dem üblichen Ton gepasst hat. Ich bin mir nur noch nicht ganz sicher, ob ich das drin lassen würde oder nicht.

Sie schreit nur kurz und schrill, als sie ihn sieht.
„Verflucht“, sagt Frank. „Was tust du hier?“ Frank zieht den Schwanz aus ihr raus, bückt sich, packt Unterhose und Jeans und reißt sie hoch. „Raus!“, sagt Frank.
Das ist für mich der Bezug zu deiner ersten Geschichte. Dein Protagonist beobachtet also die Vergewaltigung. Ich habe mal den Tipp bekommen, dass der Protagonist der aktive Part sein soll und er sollte die Geschichte voran treiben. Mein Vorschlag wäre hier, vielleicht die Perspektive von Frank in der Ich-Perspektive zu erzählen? Wenn ich es richtig sehe, dann ist er derjenige, von dem die Handlung ausgeht.


Lieber @sevas, ich möchte dir noch einmal kurz sagen, dass ich deine erste Geschichte wirklich gut fand. Wenn ich die Kritikpunkte richtig lese, dann ging es darum eine gute Erzählung auf ein sehr gutes Niveau zu heben (falls das jemand anders sieht, bitte korrigieren).

Also die Geschichte ist mir immer noch richtig gut im Kopf geblieben. Von daher würde ich vorschlagen, dass du die alte Geschichte vielleicht doch etwas mehr als Grundlage nimmst vom Plot her. Und vielleicht kannst du den Tipp von @Nichtgeburtstagskind umsetzen und in die Ich-Perspektive gehen.

Ich hoffe, dass du weiterschreibst! Denn die erste Geschichte gehörte tatsächlich für mich mit zu den besseren Geschichten, die ich bis zu dem Zeitpunkt hier im Forum gelesen hatte. Die jetzige Version kommt mir dahingegen etwas zu langatmig vor und mir fehlt der "Zug" der Story, was ich in der ersten Version sehr gut fand.


Beste Grüße
MRG
 
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04.04.2020
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Hi @MRG,

und vielen herzlichen Dank für deinen (erneuten) Besuch!

Ich steige direkt ein:

habe mich richtig gefreut, dich hier wieder zu lesen (und vielen Dank für deinen hilfreichen Kommentar, darauf gehe ich nach diesem Beitrag ein).
Das freut mich sehr, vor allem auch, dass mein Kommentar bei deiner neuesten Geschichte hilfreich war. Dort hast du ein wirklich spannendes Setting entworfen und ich hoffe ganz fest, dass du die Geschichte bzw. die Welt weiter ausbauen wirst :thumbsup:

Ich kann mich noch gut an deine Geschichte erinnern, war ziemlich flott und die Geschichte ging gut nach Vorne. Wenn ich mir die Kommentare noch mal dazu anschaue, dann waren wohl zwei Kritikpunkte, dass die Charaktere etwas eindimensional waren und du ein Klischee bedienst.
Ich kann mich auch noch bestens an deinen Kommentar von damals erinnern, und die positiven Aspekte daraus (vor allem was den Zug der Geschichte angeht) sind nach wie vor sehr wertvoll für mich. Die Klischees und die eindimensionalen Charaktere haben dem Text natürlich nicht gutgetan, und ich habe lange mit der Überarbeitung gehadert. Vielleicht werde ich mich eines Tages doch noch an die Überarbeitung der ursprünglichen Fassung wagen, aber um den Kopf frei zu bekommen, habe ich mich für eine neue Fassung mit (mehr oder weniger) gleichem Personal entschieden. Das ist nicht optimal, klar, aber der Kopflüftung war's doch zuträglich.

Mein Eindruck bei dem jetzigen Text ist, dass du versucht hast sehr viele Informationen zu verarbeiten, um diese Tiefe zu erzielen. Für mich hat das leider nicht funktioniert. Ich habe den roten Faden nicht so richtig erkennen können und habe mich gefragt, was denn genau die Geschichte ist. Es gibt eine kurze Passage, wo du auf die Vergewaltigung aus der Version davor anspielst, aber das konnte ich nur wissen, weil ich eben deine erste Version gelesen habe. Ich weiß, dass man das überhaupt nicht gerne hört (spreche aus Erfahrung), aber ich fand die Version davor besser.
Der neue Text ist etwas ganz anderes, das stimmt (und der Titel passt überhaupt nicht mehr, aber ich laße ihn mal so stehen …). Die Figuren sind plus/minus identisch, zumindest was die Namen betrifft, aber die Themen sind unterschiedlich (die Vergewaltigung ist z.B. komplett raus, da gehe ich weiter unten noch detaillierter drauf ein). Der Text ist ein Experiment, auf mehreren Ebenen, und es ist auch mein erster Versuch, Figuren mehr Tiefe zu geben (eine verdammt knifflige Sache). Dass dir die erste Fassung besser gefallen hat, verstehe ich bestens und diese Tatsache gibt mir für kommende Projekte erneut wertvolle Hinweise :thumbsup:

Er schlurft aus der Werkstatt heraus und saugt die vertrauten Gerüche der Tankstelle in sich hinein – Staub, Benzin, gegrilltes Fleisch aus Henrys BBQ-Laden nebenan;
Ich finde das als ersten Satz absolut ausreichend, würde den zweiten Teil streichen.
Ich muss sagen, dass mir der komplette Einleitungssatz ganz gut gefällt, da er auch so etwas wie eine Brücke zum letzten Absatz der Geschichte schlägt (und diesen kontrastiert). Drüber nachdenken, den ersten Satz zu kürzen, werde ich aber auf jeden Fall.

Er muss niesen, die Sandkörner kratzen unter den Augendeckeln; mit dem Ärmel seines Blaumanns wischt er sich über Nase und Mund. Er geht hinüber zum Zigarettenautomaten, wirft zwei Quarter in den Münzschlitz und zieht sich eine Packung Luckies aus der Maschine.
Stilistisch ist mir aufgefallen, dass hier etwas oft das Wort "er" auftaucht. Ich habe bei meinen Geschichten oft das Gleiche Problem, habe hier im Forum den Tipp bekommen, dann lieber mit einem Namen zu arbeiten. So kannst du mehr Abwechslung reinbringen.
Die extreme Wiederholung (und starre Form) ist ein Experiment, auch was die ganzen Zigaretten und die Ärmelwischerei angeht. Ich habe vor Kurzem einen Text gelesen, wo das ähnlich gemacht wurde (jedoch in kürzerer Form) und ich wollte mal sehen, wie das hier wirken könnte bzw. wie weit ich gehen kann. Mir ist völlig klar, dass der Schuss komplett nach hinten losgehen könnte, aber versuchen wollte ich es eben doch. Ich wollte damit auch ein wenig die Einbahnstraße, auf der Er sich befindet, aufzeigen, die extremen Rituale, an die er sich klammert. Wie gesagt, es ist ein Experiment, keine Ahnung, ob das klappt, aber dein Eindruck ist bereits ein erster, wichtiger Hinweis für mich.

Er starrt auf ihre abgekauten Fingernägel und den Ring, der ein tiefes Tal in den fleischigen Finger schneidet. Er fragt sich, ob sie das Ding ohne Zange jemals wieder loswird, und krempelt einen Ärmel des Blaumanns hoch. Er könnte schwören, dass sie ihre Tage hat.
Ich finde, dass diese Passage nicht so gut funktioniert. Irgendwie kommt mir das nicht so zusammenhängend vor. Er schaut auf den Ehering, ihm fällt auf, dass sie den wohl nicht mehr so leicht vom Finger bekommt und dann denkt er an ihre Tage?
Hier wollte ich die Backstory der beiden ein wenig aufzeigen, zwischen den Zeilen jedoch, was ich aber ebenfalls als superknifflig empfinde. Das mit den Tagen … Das sollte einfach zeigen, dass er sie eben sehr gut kennt, aber das kann ich bestimmt noch anders oder besser machen.

Er summt die letzte Strophe des Liedes mit, als Frank und der Sheriff zwei Minuten später in den Laden kommen und sich neben ihn setzen.
Ich mag, wie du die Umwelt mit deinem Protagonisten interagieren lässt. Das ist in meinen Augen eine Stärke von dir. Das macht die Beschreibungen für mich dynamischer und auch interessanter zu lesen.
Auch dies ein wertvoller Hinweis, danke! Gut zu wissen, dass das für dich funktioniert.

„Warum musste sich deine Schwester auch von dem beschissenen Hardee schwängern lassen“, sagt Frank.
„Wär nicht passiert, wenn ich hier gewesen wäre, das kannst du mir glauben“, sagt der Sheriff.
Während ich den Text gelesen habe, konnte ich die Figuren nicht so gut voneinander trennen. Ich finde, dass die vom Dialog auch recht ähnlich sprechen. Mein Wunsch wäre gewesen, wenn du jedem von ihnen ein besonderes Merkmal verpasst, woran ich sie noch besser erkennen könnte (nach dem Motto, blauer Hut, roter Hut etc.).
Das stimmt, die Sprechweisen der einzelnen Figuren könnten mehr individuelle Färbung vertragen. Das werde ich mir anschauen.

Und wie du hier schreibst:

„Wenn das rauskommt, dann verlieren wir alles, verstehst du das denn nicht?
Diese Frage hat für mich nicht so richtig in den sonstigen Dialog gepasst. Kommt mir an dieser Stelle etwas zu förmlich vor bzw. zu steif im Vergleich zu dem, was er sonst gesagt hat.
„Klar, bedien dich ruhig“, sagt Frank in theatralischem Ton. „Was ist heute bloß los mit dir?“
„Alles gut“, sagt er.
Sagt man da wirklich "Alles gut"? Ich hatte eher so etwas wie, "Halt's Maul" erwartet.
… werde ich die Dialoge auch in Bezug auf Authentizität noch einmal abklopfen. "Alles gut" finde ich jedoch gar nicht so unpassend, ein "All good" wäre – in Anbetracht des Handlungsorts – ja durchaus denkbar. "Halt's Maul" fände ich hier zu heftig, Frank ist ja trotz allem noch sein Boss (die stille Auflehnung erfolgt dann eher durch die Partie an Flipperautomaten [Rücken zugedreht] und durch das erneute Anzünden einer Zigarette). Aber ich gehe ohnehin nochmals über die Dialoge, denn auch ein "bloß" aus Franks Mund wirkt unpassend, der würde eher ein "nur" oder "eigentlich" raushauen … Danke für die Hinweise!

„Und mach die scheiß Zigarette aus.“
Er spürt, wie seine Nase juckt, doch er lässt die Hände in den Hosentaschen.
Das ist eine Charakterzeichnung, die ich interessant finde und davon würde ich mir auch noch mehr in deinem Text wünschen. Du zeigst hier, dass er Gewaltpotential in sich trägt, was er allerdings auch kontrollieren kann. Insgesamt ist mir dein Protagonist etwas zu weit weg.
Ein mögliches Gewaltpotenzial wollte ich hier eigentlich gar nicht andeuten, viel mehr eine weitere Mini-Entwicklung, denn hier läßt er die Ärmelwischerei zum ersten Mal sein, darauf wollte ich mit den Händen, die in den Hosentaschen bleiben, eigentlich zielen.

Er schüttet Bier auf die schwelenden Stellen; der beißende Textilgeruch ätzt in seinen Nasenhöhlen. Er kurbelt das Fenster runter, wirft das Bier, die Zigarette und die Fußmatte auf den Parkplatz. Er packt das Lenkrad mit beiden Händen, rüttelt daran, wirft sich im Sitz vor und zurück.
Er schreit.
Er, Er, Er,. Das ist mir hier nochmal stark aufgefallen und ich bin als Leser darüber gestolpert.
Hehe, wie gesagt, das Experiment mit den Wiederholungen … Ich habe eine Vermutung, wie das Resultat des Experiments aussehen wird ;)

Der Hund reckt die Schnauze in die Luft und schnüffelt. Er schnippt die Zigarette in Richtung des Hundes, verfehlt ihn aber deutlich. Der Hund kratzt sich mit der Hinterpfote am Ohr, setzt sich wieder in Bewegung und verschwindet aus dem schummrigen Lichtkegel der Leuchtreklame.
Das würde ich sprachlich vielleicht zusammenfassen, sodass du nicht drei mal "Hund" benötigst. Vielleicht wäre es hier auch hilfreich, wenn du für deinen Protagonisten einen Namen hättest und dann bei dem Hund mit "er" arbeiten könntest?
Stimmt, die Wiederholung von "Hund" ist sehr unschön, da muss ich nochmals ran. Dem Protagonisten habe ich absichtlich keinen Namen gegeben, so als Andeutung auf die bereits erfolgte Selbstaufgabe. Ist nicht ideal, vor allem in Kombination mit den starren Er-Sätzen, denn an manchen Stellen beißt sich das auch mit den Zeilen davor (man könnte mit Er auch Frank oder den Sheriff meinen).

Er furzt lang und laut und spürt, dass er scheißen muss.
Das hat mich zum Schmunzeln gebracht, weil das für mich gar nicht zu dem üblichen Ton gepasst hat. Ich bin mir nur noch nicht ganz sicher, ob ich das drin lassen würde oder nicht.
Ich auch nicht :lol: Der Satz ist auch im Manuskript rot eingefärbt. Wahrscheinlich ist es besser, das "Bedürfnis" im Hinterzimmer/Lagerraum durch Show statt Tell zu zeigen (und die Komik zu vermeiden) …

Sie schreit nur kurz und schrill, als sie ihn sieht.
„Verflucht“, sagt Frank. „Was tust du hier?“ Frank zieht den Schwanz aus ihr raus, bückt sich, packt Unterhose und Jeans und reißt sie hoch. „Raus!“, sagt Frank.
Das ist für mich der Bezug zu deiner ersten Geschichte. Dein Protagonist beobachtet also die Vergewaltigung. Ich habe mal den Tipp bekommen, dass der Protagonist der aktive Part sein soll und er sollte die Geschichte voran treiben. Mein Vorschlag wäre hier, vielleicht die Perspektive von Frank in der Ich-Perspektive zu erzählen? Wenn ich es richtig sehe, dann ist er derjenige, von dem die Handlung ausgeht.
Das sollte eigentlich keine Vergewaltigung darstellen, aber ich verstehe komplett, dass du dies so interpretiert hast, du kennst ja die erste Fassung. Hier geht's mehr darum, dass er sie (Laurie, hier aber ohne Namen) zusammen mit Frank sieht. Der Akt an sich ist aber keine Vergewaltigung, mehr der Moment, in dem die stille, leise Hoffnung, die in der Szene zuvor (hoffentlich verständlich) aufkommt, komplett verschwindet.

Lieber @sevas, ich möchte dir noch einmal kurz sagen, dass ich deine erste Geschichte wirklich gut fand. Wenn ich die Kritikpunkte richtig lese, dann ging es darum eine gute Erzählung auf ein sehr gutes Niveau zu heben (falls das jemand anders sieht, bitte korrigieren).
Also die Geschichte ist mir immer noch richtig gut im Kopf geblieben. Von daher würde ich vorschlagen, dass du die alte Geschichte vielleicht doch etwas mehr als Grundlage nimmst vom Plot her. Und vielleicht kannst du den Tipp von @Nichtgeburtstagskind umsetzen und in die Ich-Perspektive gehen.
Ich hoffe, dass du weiterschreibst! Denn die erste Geschichte gehörte tatsächlich für mich mit zu den besseren Geschichten, die ich bis zu dem Zeitpunkt hier im Forum gelesen hatte. Die jetzige Version kommt mir dahingegen etwas zu langatmig vor und mir fehlt der "Zug" der Story, was ich in der ersten Version sehr gut fand.
Danke, @MRG, das ist eine wichtige Info für mich (und zudem sehr erbaulich). Ursprünglich wollte ich die erste Fassung auch tatsächlich optimieren, hab's aber offen gesagt und aus vielerlei Gründen nicht hingekriegt. Der Text hier ist mein Versuch, die Geschichte vorerst einmal zu einem Abschluss zu bringen, um den Kopf auch für andere Ideen frei zu haben. Wie gesagt, vielleicht werde ich mich doch mal noch an die Überarbeitung der eigentlichen, ursprünglichen Fassung machen, aber zuvor möchte ich auch noch andere Dinge ausprobieren, weiterschreiben werde ich auf jeden Fall.

In diesem Sinne: Man liest sich! Und vielen Dank nochmals für deinen ausführlichen Kommentar, ich ziehe hier – wie auch beim ersten Mal – viel Wertvolles daraus.

Einen super Wochenstart und fröhliche Weihnachtstage wünsche ich dir!

Liebe Grüße
sevas
 

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