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Der Gang zum Tabakwarenhandel

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23.02.2021
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Der Gang zum Tabakwarenhandel

»Müssen Sie auch nach unten?«, fragte Grabowski die Dame, die sich wenige Momente zuvor aus der dritten Wohnungstür rechts geschält hatte, während sein Zeigefinger in leichter Bewegung abwartend um den Knopf des Aufzugs kreiste. Er befand sich im dreißigsten seines einunddreißig Stockwerke umfassenden Wohnblocks an der Inneren Kanalstraße und ließ seinen Finger schließlich auf dem nach unten zeigenden Pfeil nieder, ohne die Antwort abgewartet zu haben. Das sah ihm gar nicht ähnlich, doch erst heute Morgen hatte er beschlossen, in Zukunft etwas mutiger zu sein.
Er sah die Dame, die augenscheinlich seine Nachbarin war, von der Seite an.
»In der Tat«, antwortete sie süffisant und machte eine Bewegung mit ihrer linken Augenbraue, die er nicht verstand. Grabowski nickte zufrieden. Die Schiebetüren fuhren auseinander und er machte einen Schritt nach vorn, um sodann abrupt zu stoppen und der Dame den Vortritt zu gewähren. Sie verdrehte die Augen und ging hinein. Grabowski war sich sicher, dass sie sich sehr über seine Höflichkeit gefreut hatte, obwohl sie sich nichts hatte anmerken lassen. Er war zufrieden. Bis jetzt hatten alle seine Vorsätze blendend funktioniert.
Sie drücke auf E, seufzte und kramte in ihrer Handtasche, um nach kurzer Suche einen dunkelroten Lippenstift zu finden, den sie — gespitzten Mundes — vor dem Spiegel aufzulegen begann. Er beobachtete gespannt die Sorgfältigkeit, mit der sie arbeitete, den gekonnten Schwung, das sanfte Tupfen, bis die Dame innehielt und ihn fixierte, ohne sich umzudrehen. Er erschreckte sich, denn solch strenge Blicke war er nicht gewohnt.
»Was gibt es denn hier zu glotzen?«, fuhr sie ihn an.
»Nichts, gar nichts, schon gut, entschuldigen Sie«, stammelte er unbeholfen und wandte seinen Blick ab. Ihre forsche Art überraschte ihn, schließlich waren sie sich noch nie zuvor begegnet. Grabowski selbst hatte die Angewohnheit, neuen Bekanntschaften stets freundlich und interessiert gegenüberzutreten, da er dadurch, das war seine Vermutung, niemanden verärgern konnte. Nun war es doch geschehen und er begann zu schwitzen, da ihm die Situation missfiel. Er hatte sich nicht hinreichend auf sie vorbereiten können. Am liebsten hätte er den Aufzug sofort wieder verlassen, doch sie befanden sich erst auf Etage achtzehn, sechzehn, vierzehn.
Er musterte stattdessen das über den Zahlen angebrachte Informationsschild und fragte sich, wie in dieser kleinen Kabine elf Personen untergebracht werden sollten, wo der Dame doch zwei schon zu viel zu sein schienen. Nach einer endlosen halben Minute erreichten sie das Erdgeschoss und sie konnte es wohl gar nicht erwarten, dass sich die alten Metalltüren endlich öffneten, als hätten sie stundenlang festgesteckt.
»Auf Wiedersehen!«, rief ihr Grabowski noch hinterher, doch sie drehte sich nicht mehr um.
Die Begegnung hatte ihn verunsichert, das musste er wohl zugeben, doch er hatte etwas zu erledigen und konnte es sich nicht erlauben, umzudrehen. Er hatte am Morgen starke Lust verspürt, eine Zigarette zu rauchen, doch keine einzige im Haus gehabt, da er eigentlich gar kein Raucher war,
zumindest kein gewöhnlicher. Er bezeichnete sich als Genussraucher, zumindest hatte er diesen Begriff an seinem kreisrunden Kaffeetisch als den passenden definiert, und gerade heute hätte er seine guten Vorsätze eben gern mit einem Genussmittel zelebriert. Es blieb ihm also keine andere Mög- lichkeit, als den Weg zum Tabakwarenhandel auf sich zu nehmen.
»Guten Mittag, Herr Grabowski!«, sagte der junge Pförtner lächelnd, als er auf ihn zuging, um durch die Haustür nach draußen zu gelangen. »Merkwürdig«, dachte Grabowski, da er schwören konnte, den Mann noch nie gesehen zu haben. Er war wohl neu eingestellt worden und hatte die Namen der Mieter gelernt, was Grabowski sehr löblich fand, da es einiges an Fleiß erforderte; schließlich befanden sich im Haus mehrere hundert Wohnungen, vielleicht sogar tausend, da war er sich nicht ganz sicher. Höflich lüftete er seinen Hut, nickte dem jungen Mann anerkennend zu und verließ das Gebäude.
Es war kalt draußen, ungemütlich kalt, und es windete sehr. Der Himmel erstrahlte in einer Mélange aus Grautönen und begrub die Sonne nahezu komplett unter sich. Grabowski war verwundert, hatte er doch vor Antritt seiner Reise aus dem Fenster geschaut, wolkenloses Blau gesehen und sich aus diesem Grund für die leichteste seiner Cordjacken entschieden. Fröstelnd zog er seine Schultern zusammen und wärmte seine Oberarme mit seinen Handflächen. Erneut nach oben zu fahren würde nicht lohnen, da sein Vorhaben sicher schnell erledigt wäre. Außerdem konnte ihm doch auch keiner versichern, dass sich das Wetter nicht schon wieder ändern würde? Dann würde er beim Gang aus der Tür einen Hitzschlag erleiden, nein, das wäre schlimm, das konnte er nicht riskieren.
So drehte sich Grabowski fest entschlossen nach rechts und setzte sich in Bewegung. Vielleicht fünfzig Meter vor ihm ragte ein riesiger Turm auf, grau und lang und dünn, und er blieb fasziniert stehen. »Ist ja allerhand«, dachte er, »wie schnell die heutzutage bauen können«. Gestern hatte er doch mit Sicherheit noch aus dem Fenster geschaut, zumindest aber vorgestern, und von dem Turm war noch keine Spur gewesen. Er erfreute sich an der Effizienz des Menschen und war augenblicklich stolz, ebenfalls einer zu sein. Ein anderer kam ihm entgegen und grüßte im Vorbeigehen. »Herr Grabowski, hallo!«.
»Hallo«, erwiderte Grabowski und drehte sich in die Richtung, in die der Mann ging. »Entschuldigen Sie vielmals, ich würde Sie gern etwas fragen!«. Der Mann blieb stehen und sah ihn an. »Klar, schießen Sie los!«. Grabowski stockte verwirrt, da er nicht den Plan hatte, auf den Mann zu schießen. Generell lehnte er jegliche Form der Gewalt ab, da war er streng. Er brauchte einen Moment, um sich zu sammeln.
»Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie aufhalte«, sagte er schließlich und zeigte auf den Turm. »Ich bin auf der Suche nach einem Tabakwarenhandel«.
Der Mann schaute in Richtung des Turms, runzelte die Stirn und sah Grabowski prüfend an. »Ein Tabakwarenhandel«, wiederholte er. »Ganz recht«, antwortete Grabowski.
»Sie gehen die Straße einfach weiter, etwa fünf Minuten, dann sehen Sie auf der linken Seite Abduls Kiosk«, verriet der Mann schließlich und machte Anstalten, weiterzugehen. Grabowski griff nach seinem Ärmel und ließ sofort wieder los, da er meinte, sich zu erinnern, dass ein solches Verhalten allgemein als unhöflich angesehen wurde. »Nein«, sagte er dann, »Sie haben mich falsch verstanden. Ich suche einen Tabakwarenhandel. Ich möchte Zigaretten kaufen«.
Der Mann sah ihn entgeistert an, richtete den Blick dann kurz auf den Boden und korrigierte sich. »Ich verstehe. Natürlich rede ich von Abduls Tabakwarenhandel. Entschuldigen Sie mich, ich habe zu tun«. Schnellen Schrittes stapfte er fort, sodass sich Grabowski beeilen musste, ihm seinen Dank nachzurufen. Er drehte sich wieder in die Richtung, in die die Hand des Mannes gezeigt hatte und ging los.
»Herr Grabowski«, ertönte eine Stimme hinter ihm, »guten Tag!«.
Verdutzt drehte er sich um und blickte in das Gesicht einer älteren Dame, die zwei Hunde an zwei Leinen führte, die sie in ein- und derselben Hand hielt. »Hallo«, sagte er unsicher, lüftete verlegen seinen Hut und sah zu den Tieren hinunter, die ihn gespannt fixierten. Ihre Zungen wippten synchron zu ihren Schwänzen, wobei, nein, jetzt ist einer aus dem Takt geraten. »Schöne Hunde haben Sie, haben sie Namen?«, fragte er, während er ihnen seine kalte, rechte Hand entgegenstreckte. Die Hunde reagierten nicht, die ältere Dame lachte. »Herr Grabowski«, sagte sie kopfschüttelnd, »Ihr Humor hat mir schon immer gefallen«. Sie wandte sich ihren Begleitern zu. »Meine kleinen, ihr habt sicher Lust auf ein Leckerli, ja, ja? Das ist doch der Herr Grabowski, ja, der Herr Grabowski«. Sie streichelte die beiden ausgiebig, während Grabowski irritiert darüber nachdachte, wieso sie seine Frage nicht beantwortet hatte. Lange konnte er dem Rätsel jedoch nicht nachgehen, da ihm die Dame eine Tüte mit kleinen, braunen Stangen hinhielt, die schon durch das durchsichtige Plastik komisch rochen. Grabowski rümpfte die Nase. Er verstand nicht genau, was sie ihm sagen wollte.
»Danke«, erwiderte er schließlich mit einer reflexhaften Handbewegung. »Ich habe bereits gefrühstückt«. Die alte Frau lachte wieder. »Herr Grabowski, Sie sind mir ein Goldstück«. Erst, als sie den Hunden die Stangen hinhielt, verstand er. Seine Wangen wurden augenblicklich warm. Er lüftete seinen Hut, niemals würde er seine Étiquette vernachlässigen, auch nicht in Krisensituationen wie dieser, und sagte, dass er los müsse, er habe schließlich zu tun. Er kehrte der Dame und ihren Hunden den Rücken zu und bemühte sich, der Situation zu entfliehen. Durch den Wind konnte er die Abschiedsformel, die sie ihm zuwarf, nur teilweise vernehmen.
Mühsam schob Grabowski seinen linken Jackenärmel hoch, um auf seine Armbanduhr zu schauen, doch er musste feststellen, dass er es versäumt hatte, sie am Morgen aufzuziehen. Fest stand aber, dass er schon viel zu viel Zeit verloren hatte. In Richtung des Turms wollte er gehen, weshalb, wusste er gar nicht so genau. Er hatte einfach im Gefühl, dass es die richtige sein musste. Vielleicht war es die Form des Bauwerks, die ihn an das erinnerte, was er suchte. Er würde sein Ziel sicherlich in wenigen Momenten vor Augen sehen.
Auf der linken Seite, er war nun etwa fünf Minuten lang gelaufen, vielleicht aber auch nur vier oder bereits sechs, sah er plötzlich ein Geschäft, das erste auf seinem Weg, und drückte seine Nase ans Schaufenster. Besonders viel konnte er nicht erkennen, zumindest konnte er die vielen Farben,
die er sah, nicht miteinander in einen Zusammenhang setzen, der für ihn Sinn ergab, also entfernte er sich ein paar Schritte und blieb am Rand des Bürgersteigs stehen. Abduls Kiosk stand in großen, weißen Buchstaben auf der Scheibe. Grabowski war verunsichert, doch zu seinem Glück lief gerade in diesem Moment eine Gruppe junger Menschen auf ihn zu. »Mutig sein«, dachte er und sprach sie an, als sie sich ungefähr auf seiner Höhe befanden.
»Entschuldigen Sie, die Damen, die Herren«, sagte er mit leicht zitternder Stimme und wartete auf eine Reaktion. Die Gruppe ging noch ein paar Schritte, ehe sich einer, ein junger Mann zwischen zehn und dreißig, zu ihm drehte. »Ja?«, sagte er und blieb stehen, die anderen gingen weiter. Grabowski hob seinen Hut leicht an und erklärte: »Ich suche einen Tabakwarenhandel«.
Der junge Mann sah ihn ungläubig an und wies dann auf das Geschäft gegenüber. »Tabakwarenhandel... Sie brauchen Zigaretten?«, fragte er. Aufgeregt vor Freude, dass ihn nun endlich jemand verstand, stieß Grabowski ein kraftvolles »Ja!« hervor. »Dann gehen Sie einfach da rein, Abdul hat alles! Marlboro, Lucky, Camel«, sagte der Mann überzeugt. »Zigaretten«, antwortete Grabowski. Der junge Mann nickte.
Aufgewühlt bedankte er sich. Er, Grabowski, hatte es geschafft. Ganz allein hatte er sein Ziel erreicht, aller Widrigkeiten zum Trotz, unter stürmischen Bedingungen. Sogar geregnet hatte es, doch hier war er, Grabowski, und würde im nächsten Moment selbstsicher durch die Tür gehen und Zigaretten kaufen, zum ersten Mal in seinem Leben. Er bewegte sich über die Schwelle.
Ein plötzliches Piepen, grell und durchdringend und ohne jegliche Vorankündigung, ließ ihn zusammenfahren und wie angewurzelt stehenbleiben. Ruck- und reflexartig bewegte er seine Hände auf seine Ohren zu, wobei er seinen Kopf derart unkontrolliert bewegte, dass sein Hut beinahe herunterfiel, und unterdrückte einen krächzenden Schrei, der gerade dabei war, sich an seinen Stimmbändern vorbeizuquetschen, im allerletzten Moment. Grabowski legte schon seit jeher großen Wert auf ein einwandfreies Äußeres, weshalb er seine Kopfbedeckung erst in die richtige Position brachte, um sich im Anschluss um seine akustische Unversehrtheit zu kümmern. Zu seinem Glück hatte das Geräusch einen kurzen Moment zuvor wieder aufgehört. Erleichtert ließ er die Hände sinken, blinzelte und sah vier Augenpaare, die ihn anstarrten, als sei er im Handstand hereinspaziert.
»Guten Tag«, sagte Grabowski. Er ging zwei Schritte auf den dicklichen, mürrisch dreinblickenden Mann hinter dem Tresen zu. »Sie müssen Abdul sein. Mein Name ist Grabowski und ich würde bei Ihnen gern Zigaretten kaufen«. Der Mann sah ihn mit einem Blick an, den Grabowski nicht zu deuten wusste. Er schwieg einige Sekunden, bevor er seufzte und mit heiserer Stimme fragte: »Welche Marke?«.
»Welche Marke, das weiß ich nicht. Ich habe ja noch nie Zigaretten gekauft, müssen Sie wissen. Aber heute, ja, heute wage ich es. Man soll mutig sein, mutig sein und genießen. Der Genuss darf nicht zu kurz kommen in unserem Leben. Und dafür hätte ich gern die beste, ja, die leckerste Zigarette, die Sie haben«.
»Alles klar«, antwortete der Mann. »Nimm’ die hier«. Er legte eine weiße Packung auf den Tresen, in deren Mitte ein roter Kreis prangte. Darin stand in weißen Blockbuchstaben Lucky Strike. »Macht acht Euro«.
»Acht Euro, so soll es sein«. Aufgeregt fummelte Grabowski seine Geldbörse aus seiner Hosentasche. »Ein stolzer Preis für einen stolzen Herrn. Mutig. Und stolz, stolz...«, murmelte er leise und unverständlich. Er kippte das Münzfach auf dem Tresen aus, was der Mann mit einem genervten Räuspern quittierte. Konzentriert nahm er einzelne Münzen mit seiner linken Hand auf und zählte laut. »Drei, fünf, sechs. Sechs fünfzig, sieben... acht. Acht Euro«. Er legte die Münzen zurück auf den Tresen, goss den Rest zurück in seine Hand, nahm mit derselben vorsichtig, gar ehrfürchtig die Zigarettenschachtel auf und lüftete mit der anderen seinen Hut. »Es war mir eine Freude«, sagte er lächelnd und nickte allen Männern, die sich im Laden befanden, einzeln zu. Am Ausgang angekommen, piepte es erneut und Grabowski fuhr zusammen. Er legte eine Hand auf seinen Hut und entschwand mit eingezogenem Kopf ins Freie.
»Was war das denn?«, fragte einer der Männer irritiert.
»Das war Grabowski«, sagte Abdul kopfschüttelnd und zündete sich selbst eine Zigarette an. »Jeden Tag das Gleiche«.
 
Senior
Monster-WG
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10.09.2014
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Hola @oneill,

ein fehlerfreier Text liest sich gut – diesen Joker hast Du schon mal.

„Tabakwarenhandel“
Spreizt sich beim Lesen, und das ‚Trafik‘ der Österreicher kennen wir nicht.
Schwierig. Vielleicht statt sechs Silben das viersilbige ‚Tabakgeschäft / Tabakladen‘?

Lippenstift zu finden, den sie … … aufzulegen begann.
Rouge aufzulegen ist mir bekannt, Lippenstift auflegen klingt putzig.

Der Schwank mit dem Pförtner ist mir nicht ganz klar, denn zu jedem Namen gehört ein Gesicht – wenn sich jemand über tausend Namen + Konterfei merken könnte*), würde er nicht als Pförtner arbeiten.

… hatte er doch vor Antritt seiner Reise aus dem Fenster geschaut, … … Erneut nach oben zu fahren würde nicht lohnen, da sein Vorhaben sicher schnell erledigt wäre.
‚Reise‘ und ‚schnelles Vorhaben‘ beißen sich.

Dann würde er beim Gang aus der Tür einen Hitzschlag erleiden, …
Ännchen von Kalau …
Oder es sind seine Gedanken, dann soll er seine Eigenarten bewahren.

Étiquette und Mélange kannst Du im Deutschen getrost ‚ohne‘ schreiben.
(Klischee)

Ungefähr in der Mitte Deines Textes schwindet mein Interesse. Ja, natürlich – der ‚Seltsam-tag‘! Trifft auf Grabowski in vollem Umfang zu. Allerdings wird die Story (gefühlt) immer geschwätziger – im Gegenzug schwindet der Lesespaß.


*) Gedanken zur Person des jungen Pförtners laufen ins Leere, zu anderen Figuren bleiben sie Fragezeichen.
Das war sicherlich Dein Vorsatz, den Leser im Ungewissen zu halten – und das ist Dir auch bis zum Schluss gelungen. Okay, Klassenziel erreicht.
Weil aber bislang kein Feedback eintrifft, könnte es sein, dass sich einige Leser veräppelt fühlen. Ungefähr wie bei Texten, die dem Leser gegen Ende eine Nase zeigen: Bätsch, war ja nur ein Traum.

Im Rückblick finde ich die angehäuften Details teilweise nicht logisch, die werden steif und fest behauptet (die Suche des Protas nach dem Kiosk z.B.) – da fehlt mir eine angedeutete Unsicherheit Grabowskis bei seinen Wahrnehmungen, die es letztlich auch dem Leser ermöglichen würden, seine Schlüsse zu ziehen. Und das ist bei Deinem Text leider nicht der Fall.

Dessen ungeachtet kannst Du schreiben! Du solltest einen zweiten Versuch starten.

In diesem Sinne: Willkommen bei den Wortkriegern! Beim nächsten Mal zündet es – jede Wette!
Schöne Grüße
José
 
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23.02.2021
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Hallo @josefelipe,

danke für dein ausführliches Feedback, die Anmeldung im Forum hat sich schon jetzt gelohnt!

Vor allem dieser Punkt:
Allerdings wird die Story (gefühlt) immer geschwätziger – im Gegenzug schwindet der Lesespaß.
Da hast du absolut Recht! All diese Kleinigkeiten, die Weirdness des Herrn Grabowski, die merkwürdigen Kommentare und Äußerungen – das alles ist Teil seiner Demenz. Er legt diesen Weg zum Kippenkaufen ja täglich zurück, vergisst es aber immer wieder; daher kennen ihn zum Beispiel auch der Pförtner und die Hundedame so gut. Dass der Lesespaß dabei zu einem kleinen Teil auf der Strecke bleibt, ist gewollt, aber er sollte natürlich nicht in dem Maße schwinden, dass der Leser aufhört. Daran sollte ich also definitiv noch arbeiten!

Spreizt sich beim Lesen, und das ‚Trafik‘ der Österreicher kennen wir nicht.
Der Begriff 'Tabakwarenhandel' ist durchaus unhandlich, das stimmt. Ich hatte auch an den Trafik gedacht, Kiosk passt nicht. Vielleicht ist 'Tabakladen' gar nicht verkehrt.

Im Rückblick finde ich die angehäuften Details teilweise nicht logisch, die werden steif und fest behauptet (die Suche des Protas nach dem Kiosk z.B.) – da fehlt mir eine angedeutete Unsicherheit Grabowskis bei seinen Wahrnehmungen, die es letztlich auch dem Leser ermöglichen würden, seine Schlüsse zu ziehen.
Auch hier: Unsicherheit andeuten, ansonsten wirken sie nur seltsam und nicht sinnig. Stimmt!

Ich danke dir ganz herzlich für die Anregungen! Und für das Lob – das ist mir viel wert. Werde versuchen, das anzuwenden. Zweite Versuche gibt es einige!

Liebe Grüße,
David
 
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17.04.2007
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Hallo @oneill,

auch von mir ein Willkommen.

Hier begibt sich ein Mann zum Tabakladen/Kiosk, um Zigaretten zu kaufen. Er hat sich den Vorsatz gefasst, höflich zu sein und erinnert sich ständig selbst daran, sich gut zu benehmen.
Ich hab mich gewundert, warum ihn die Leute alle kennen, aber umgekehrt nicht. Zuerst dachte ich an die Truman-Show, dann an daran, dass er ein Problem mit dem Gedächtnis hat. Nachdem ich Josés Kommentar gelesen habe, handelt es sich wohl um einen Traum. In deinem Kommentar schreibst du: Demenz. Hm, dann verstehe ich den Sinn hinter dem Piepen nicht mehr. In der Traum-Interpretation wäre es der Wecker.

Hier ein paar kleine Eindrücke:

Er befand sich im dreißigsten seines einunddreißig Stockwerke umfassenden Wohnblocks an der Inneren Kanalstraße und ließ seinen Finger schließlich auf dem nach unten zeigenden Pfeil nieder, ohne die Antwort abgewartet zu haben.
Ich wollte erst sagen, dass man bei der Wahrscheinlichkeit schon davon ausgehen kann, dass sie nach unten will. Dann ist mir eingefallen, dass der Protagonist selbst nach unten will und es daher keinen Grund gibt, überhaupt zu warten. Keine Ahnung, was er für ein Problem hat. Nach dem Drücken des Knopfes bleibt höchstwahrscheinlich ohnehin genug Zeit dafür, dass sie antworten und herankommen kann.

Am liebsten hätte er den Aufzug sofort wieder verlassen, doch sie befanden sich erst auf Etage achtzehn, sechzehn, vierzehn.
Mir gefällt die Idee, die Bewegung des Fahrstuhls durch diese Zahlenfolge darzustellen.

Er musterte stattdessen das über den Zahlen angebrachte Informationsschild und fragte sich, wie in dieser kleinen Kabine elf Personen untergebracht werden sollten, wo der Dame doch zwei schon zu viel zu sein schienen.
Die Frage hat für mich eine unterhaltsame Logik.

und zeigte auf den Turm. »Ich bin auf der Suche nach einem Tabakwarenhandel«.
Ich bin verwirrt, was der Turm mit der Frage zu tun hat.

ehe sich einer, ein junger Mann zwischen zehn und dreißig, zu ihm drehte.
WTF, was für eine Zeitspanne.

Ich kann aus diesen Dingen weder eine Traum-Logik erkennen noch kenne ich mich genug mit Demenz aus, als dass diese Dinge Sinn ergeben. Ich finde sie nur merkwürdig und verwirrend. Kann sein, dass das Leute mit mehr Hintergrundwissen anders sehen.

Alles in allem fand ich die Geschichte interessant und leicht verwirrend.

Viele Grüße
Jellyfish
 
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23.02.2021
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Hi @Jellyfish,

auch dir ein ganz großes Danke für den Kommentar! Dass das Piepen im Kiosk den Wecker symbolisieren könnte, ist ein toller Punkt – da bin ich selbst überhaupt nicht drauf gekommen. Dass es sich um einen Traum handelt, habe ich von Vornherein unter anderem aus dem Grund ausgeschlossen, dass Träume an sich in Geschichten ja doch ziemlich ausgelutscht sind und man sich, wie auch José herausgestellt hat, als Leser ziemlich veräppelt fühlt, wenn man den ganzen Mist gelesen hat, es aber dann doch nicht passiert ist – nichtmal in der Geschichte.

Vorbild war eine reale Person, die an Demenz erkrankt ist; und es ist tatsächlich so, dass auch vollkommen normale und alltägliche Geräusche, beispielsweise eben das Piepen des Bewegungsmelders im Kiosk, furchtbare Angst auslösen können, da die Person nicht weiß, warum es denn jetzt genau in diesem Moment so laut wird. Die logische Verknüpfung fehlt, daher löst alles erstmal Angst aus. Ein anderes Symptom ist die fehlerhafte Assoziation des Kiosks mit dem Turm. Den hat er kurz zuvor gesehen, scheinbar zum ersten Mal (obwohl er von seinem Fenster aus darauf schaut), und erinnert sich im Gespräch noch daran, also verknüpft er ihn mit seinem Vorhaben.

Danke für das Feedback, es freut mich total, dass die Geschichte – trotz Verwirrungsaspekt – interessant war.

Liebe Grüße
David
 

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