Was ist neu
  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

Der Pitch

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10.07.2020
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Der Pitch

“Du hast Blut auf den Zähnen”, sagte Bea.
Clara vergrößerte das Bild ihrer Webcam. “Das ist Lippenstift. Ich hab’ nachgezogen, als ich mit Benni draußen war.” Sie nahm ein Papiertaschentuch aus der Box auf dem Schreibtisch und tupfte die Flecken weg.
“Sieh zu, dass das nachher nicht vor dem Kunden passiert. Es kommt nicht gut, wenn unsere Projektleiterin aussieht, als hätte sie gerade ihr Kind gefressen.”
“Klar.”
“... ni … ert”, sagte Bea. Ihr Gesicht zerfiel zu einer pixeligen Fratze. Ein kreisendes Ladesymbol erschien über dem Videochat.
Clara fluchte leise und öffnete die oberste Schreibtischschublade. Alle vier Kontrollleuchten am Router blinkten rot. Scheiße, dachte sie und zog den Stecker, während sie mit der anderen Hand nach ihrem Smartphone griff. “Router zickt”, tippte sie. “Mache Neustart - bin in 1 min wieder da.“ Ein paar Sekunden später erschien Beas Antwort: “Willst du mich verarschen? WIR BRAUCHEN DICH! PITCH STARTET IN 3MIN”
Während der Router hochfuhr, ging Clara ins Schlafzimmer und sah nach Benni. Er lag auf dem Bett und schlief. Sie fühlte seine Stirn und prüfte die Windel. Alles in Ordnung. Das Fieber war fort.

Eine Minute später blinkte der Router wieder grün. Neben Bea waren jetzt auch Christina und Robert im Videochat.
„Wo bist du?“, fragte Robert. „Das ist doch nicht dein Arbeitszimmer?“
Clara grinste. „Wir sind bei meinen Eltern im Taunus, in der Einliegerwohnung. Die sind eine Woche in Kärnten. Ich dachte, das tut Benni vielleicht ganz gut.“
“Was war eben los?”, fragte Bea.
“Keine Ahnung. Die Verbindung war auf einmal weg. Hab’ den Router neu gestartet.”
“Okay”, sagte Bea. “Wie geht’s Benni?”
“Alles super, er schläft. Sorry, dass er während der Generalprobe reingelaufen ist. Er hatte Hunger.“
Beas Lachen ratterte aus den Lautsprechern. “Der kleine Mann frisst dich noch auf!”
“Sechzehn Monate. Seine Welt besteht aus essen, rumlaufen, schlafen.”
“Glaub mir, bald wirst du dir wünschen, dass es wieder so wäre!”, sagte Christina. “Aber mach dir keine Sorgen. Wenn mal ein Kind durchs Bild läuft, das finden die bestimmt sogar gut. Vereinbarkeit von Beruf und Familie und so.”
Während Christina sprach, summte etwas in Beas Chat. Sie beugte sich vor und griff nach etwas außerhalb des Bildschirms. “SMS von Schelle”, sagte sie. “Wir sind in zwei Minuten dran.”
Clara zog ihre Bluse zurecht, setzte sich gerade hin und strich über ihre Frisur. Aus den Augenwinkeln sah sie, dass die anderen drei sich ebenfalls bereit machten.
“Ich muss euch nicht sagen, wie wichtig dieser Pitch für uns ist”, sagte Bea. “Wir brauchen einen neuen Auftrag. Eine Ausschreibung wie diese bekommt man nicht alle Tage. Deshalb holen wir uns den Job. Wir sind ein geiles Team! Wir sind verdammt gut vorbereitet! Wir wer-”
Die Videostreams wurden schwarz.

“Bea?”, sagte Clara. “Christina? Robert?” Keine Antwort. Sie riss die Schublade auf. Die Kontrollleuchten blinkten rot. Bitte nicht bitte nicht bitte nicht, dachte sie und zog den Stecker zum zweiten Mal. Sie spürte kalten Schweiß im Nacken. 30 Sekunden warten und wieder reinstecken. Sie stand auf und ging zur Schlafzimmertür. Benni hatte sich umgedreht. Sein aschblonder Kopf lag jetzt auf Pferdinand Pferd. Vor der Terrassentür lagen die Äste, die ihr Vater abgesägt, aber noch nicht kleingemacht hatte. Auf dem Plastiktisch standen sieben blasse Gartenzwerge, die neu bemalt werden sollten, und zwei leere Bierkästen. Oettinger. Wenn der Alte nicht immer das Billigste vom Billigsten kaufen würde, könnte ich gescheit pitchen, dachte sie. Sie drehte sich um, kehrte zurück an den Schreibtisch und steckte den Router wieder ein.
Einen Moment lang tat sich nichts. Dann öffnete sich ein neues Fenster: VERBINDUNG VERLOREN. ERNEUT VERSUCHEN? Ja, dachte Clara, was denn sonst, und klickte auf VERBINDEN.
Der Ton kam zuerst: “... gespannt auf ihre Vorstellung”, sagte eine Frauenstimme. Kurz darauf erschienen elf Video-Streams im Anwendungsfenster. Neben Bea, Christina und Robert waren jetzt acht weitere Männer und Frauen im Chat. Bea hatte ihnen nicht zu viel versprochen: Der komplette Vorstand wollte sich den Pitch anhören. Wir haben hier eine echte Chance.

“Vielen Dank, Frau Schelle”, sagte Bea. “Wir freuen uns sehr, dass wir Ihnen heute unser Konzept vorstellen dürfen. Es hat ja in der Vergangenheit bereits den einen oder anderen Berührungspunkt zwischen unseren Häusern gegeben, wir haben auch schon ein paar kleinere Projekte für Sie durchgeführt, und wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn wir Sie in diesem Transformationsprozess in den nächsten Jahren ebenfalls begleiten dürften. Oh, und ich sehe gerade, unsere Kollegin Clara König ist jetzt auch da.”
“Hallo”, sagte Clara. “Bitte entschuldigen Sie, dass ich verspätet dazustoße. Ich sitze bei meinen Eltern im Taunus und unsere Internetverbindung flattert. Mein Name ist Clara König, ich wäre Ihre Projektleiterin und werde Sie gemeinsam mit unserer Geschäftsführerin Bea Stockmann durch unsere Präsentation führen.” Acht von elf Köpfen auf ihrem Bildschirm lächelten und nickten in ihre Webcams.
“Willkommen, Frau König”, sagte die Frau, die Bea mit “Frau Schelle” angesprochen hatte. “Wir freuen uns, dass Sie dabei sind. Und machen Sie sich keine Sorge wegen der Verbindung. Vor unserem Wochenendhaus in Königstein haben sie letztes Jahr die Straße aufgerissen. Drei Wochen lang ging nichts mehr und irgendwie hat es dann doch geklappt.”
Clara lächelte. “Ich hoffe, es wird nicht so schlimm.”
“Bevor Sie dazukamen, haben wir schon eine kleine Vorstellungsrunde gemacht. Vielleicht stellen wir uns nochmal ganz kurz vor, mit Namen und Funktion. Mein Name ist Bianca Schelle und ich leite den Einkauf bei WMSB.”
“Hans Getschmer, IT.”
“Frank Kunz, Personalwesen.”
“Yasmin Yildiz, Produktentwicklung.”
“Natalie Bauer, Buchhaltung.”
“Friedrich Jakob, Vorstand.”
“Annika Saint-Catherine, Vorstand.”
“Robert Ligeaux, Vorstand.”
Clara nickte in die Webcam. Sie war froh, dass sie sich für die helle Bluse und den Blazer entschieden hatte. Konservativ trumpft. Dass sie keine Hose trug, musste ja niemand wissen.
“Dann wollen wir mal loslegen!”, sagte Bea und öffnete die erste Folie im Präsentationsmodus. “Die WMSB ist eines der größten und erfolgreichsten Bankhäuser der Welt”, begann sie. “Aber die Herausforderungen der Gegenwart machen auch vor Ihnen nicht halt. Vor allem die Digitalisierung fordert von Banken ein ganz neues Denken …” Die folgenden fünf Folien konnte Clara mehr oder weniger mitsprechen. Die Veränderungen im Privat- und Geschäftskundenbereich, die Erschütterungen auf den Finanzmärkten, neue Wettbewerber und so weiter und so fort. Sie wollte sich gerade zurücklehnen, als elf Videostreams erneut schwarz wurden und elf kleine Ladesymbole ihr unterbrochenes Tänzchen wieder aufnahmen.

Das kann doch nicht wahr sein. Sie riss die Schublade auf. Der Router blinkte rot. “Scheißteil!”, brüllte sie und zog den Stecker. Nach dem Pitch fahre ich zu Media Markt und hole einen neuen. 30 Sekunden, dann wieder einstecken. Sie stand auf, lief in die Küche, schenkte sich eine Tasse kalten Kaffee vom Morgen ein, schaute nach Benni, der eine weitere Vierteldrehung auf dem Bett gemacht hatte, kehrte zurück an den Schreibtisch — und erstarrte. Der Router blinkte immer noch rot.
Obwohl er keinen Strom hatte.
Clara kicherte nervös. Ich weiß nicht, in welcher Kindersklavenkolonie sie dich zusammengeklebt haben, aber du bist das beschissenste Stück Plastik, das ich je gesehen habe. Als sie den Stecker in die Steckdose drückte, schalteten die Leuchten auf Grün. Zehn Sekunden später war die Verbindung wieder da.
“... begleiten wir Ihre Teams über mehrere Wochen, um die konkreten Bedürfnisse vor Ort kennenzulernen. Wir denken uns nicht irgendwelche Leistungen aus, die möglicherweise überhaupt nicht zu Ihnen passen, sondern leiten alle unsere Vorschläge aus dieser dreimonatigen Bestandsaufnahme ab.”
Sie atmete auf und nippte an ihrem kalten Kaffee. Bea war erst auf Folie 5.
“Danke, Bea”, sagte Robert, als die nächste Folie erschien. “Mein Name ist Robert Kiehn, ich bin Projektleiter im Future Success Team in Dortmund. An dieser Stelle möchte ich Ihnen kurz schildern, wie ich in den vergangenen zwei Jahren mit Ihren Teams gearbeitet habe. Damit will ich Ihnen einen Eindruck davon geben, wie wir auch in diesem Projekt zusammenarbeiten können.”
Clara ließ ihren Blick nach unten wandern, über die Notizzettel und die Tischkante bis zur offenstehenden Schublade. Der Router blinkte jetzt wieder grün. Und das bleibt auch so, dachte sie, als ihr Handy vibrierte: NEUE NACHRICHT VON BEA.
Mach einen Hotspot mit dem Handy! Wir BRAUCHEN diesen Auftrag!
Clara klickte auf ANTWORTEN: Ich mache House-Sitting bei meinen Eltern, schon vergessen? Ziemlich schlechter Empfang hier.
“... zweiwöchentliche Meet-Ups, in denen die Teams sich über ihre Erfahrungen austauschen können. Dabei gestalten sie gemeinsam diese Boards, auf denen sie ihre individuellen Ziele festhalten. Dadurch können sie --”
Roberts Stimme brach ab.

Clara sprang auf. Die Tasse fiel zu Boden und zerbrach. Der Router blinkte rot. “Hurensohn!”, rief sie und zog den Stecker. 30 Sekunden. Sie ging auf die Knie und fing an die Scherben einzusammeln. Als sie nach dem abgebrochenen Henkel griff, fuhr ein scharfer Schmerz durch ihren linken Daumen: Sie hatte sich an der Scherbe geschnitten. Fluchend steckte sie den Finger in den Mund, setzte sich auf den Bürostuhl und beugte sich über den Router, der immer noch blinkte, obwohl er keinen Strom hatte. Sie war im Begriff, den Stecker zu verbinden, als sich ein Bluttropfen von ihrem Daumen löste und auf das Gerät fiel. Der Tropfen schlug auf der Plastikoberfläche des Routers auf und blieb zitternd hängen.
Dann bewegte er sich.
Mit offenem Mund sah Clara, wie ihr Blut in eines der Lüftungslöcher gesaugt wurde.
Die oberste Kontrollleuchte des Routers wechselte von Rot auf Grün.
“Nicht dein Ernst”, murmelte sie.
Sie klemmte ihren Daumen zwischen Zeigefinger und Mittelfinger und ließ einen weiteren Tropfen auf den Router fallen. Erneut verschwand das Blut im Lüftungsschlitz. Eine weitere Kontrollleuchte schaltete von Rot auf Grün.
“... ist natürlich ein längeres Projekt, das wir in verschiedene Phasen aufteilen würden, in denen die Abteilungen Ihres Hauses nach und nach eingebunden werden. Aber das kann Ihnen meine Kollegin Clara König viel besser erklären - Clara?”
Scheiße, ich bin dran. Sie drehte sich zum Laptop, setzte sich aufrecht hin und knipste ihr Neukunden-Lächeln an.

“Hallo”, sagte sie und versuchte, das Zittern in ihrer Stimme zu beherrschen. “Mein Name ist Clara König und ich bin Ihre designierte Projektleiterin.“
Oh, und mein Router trinkt Blut.
„Nachdem Robert Ihnen geschildert hat, wie wir an Projekte herangehen und welche Erfahrungen wir in Ihrem Haus bereits gesammelt haben, möchte ich Ihnen jetzt unseren ganz konkreten Vorschlag unterbreiten. Wir schlagen einen Prozess vor, der sich durch zwei zentrale Eigenschaften auszeichnet. Erstens, wir möchten alle Mitarbeitenden Ihres Hauses einbinden, und zwar aktiv. Das heißt, dass sie den Prozess - oder die Teilprozesse - selbst gestalten sollen. Wir wollen, dass die anstehende Veränderung Ihre Veränderung ist, beziehungsweise die Veränderung Ihrer Mitarbeitenden, und keine von außen initiierte Entwicklung.”
Aus den Augenwinkeln sah sie, dass eine der grünen Leuchten auf Rot umgeschaltet hatte. Wie in Trance tastete sie nach dem abgebrochenen Henkel der Porzellantasse.
“Zweitens …”, sagte sie, fasste den Henkel und schnitt tief in ihren Daumen. Ein brennender Schmerz schoss durch ihren Finger. Du bist verrückt, dachte sie, während sie die Tränen wegblinzelte. Sie musste ihren linken Arm am Ellenbogen festhalten, damit er nicht zitterte.
“Zweitens?”, fragte eine Stimme aus ihrem Laptop - der Mann, der sich als Friedrich Jakob vorgestellt hatte. Clara presste ihren blutverschmierten Daumen auf den Router.
“Zweitens ...”, sagte sie und räusperte sich. Dein Job hängt von diesem Pitch ab. Reiss dich zusammen. “Zweitens setzen wir einen adaptiven Prozess mit vielen Feedbackschleifen auf. Wir überprüfen unser Vorgehen in regelmäßigen Abständen und sind imstande, es schnell an neue Anforderungen anzupassen.”
Sie spürte etwas Warmes unter ihrem Daumen. Etwas Lebendiges.
Schau nicht hin.
Bea hatte die nächste Folie aufgerufen. “Wir beginnen mit Ihnen, dem Vorstand und den Bereichsleitern”, sagte Clara. “In mehreren Workshops erarbeiten wir das Leitbild Ihres Veränderungsvorhabens …”
Sie hatte diesen Teil so oft geübt, dass sie ihn auswendig kannte. Muskelgedächtnis, dachte sie, während der Router das warme Blut von ihrem Daumen saugte, das ist bloßes Muskelgedächtnis. Für einen Moment stellte sie sich vor, was für ein Bild sie abgeben würde, wenn jemand in die Wohnung käme: Sie saß am Schreibtisch, in Bluse und Blazer und Slip und Strümpfen, sprach zu elf Gesichtern in ihrem Laptop und ließ dabei den Router ihr Blut trinken, damit die Verbindung stabil blieb. Ich bin total durchgedreht, dachte sie.

Die nächsten beiden Folien schaffte sie im Autopilot. Als zwischendurch das zweite Lämpchen rot wurde, riss sie die Wunde in ihrem Daumen weiter auf. Das Saugen wurde stärker. Gieriger.
“Mama ..?”
Bennis Kopf tauchte neben ihren Knien auf. Er hielt Pferdinand Pferd am Schwanz.
“Psssst …!”, machte sie und schaltete ihr Mikro stumm. “Mami muss arbeiten!”
Benni blickte seine Mutter an, dann den Laptop, dann den blutbefleckten Router. “Ah-ah”, sagte er. Die Windel war voll.
“Gleich.” Sie strich ihm mit der Rechten durch die Haare. “Gleich kümmere ich mich um dich, okay? Ich muss nur noch ganz kurz arbeiten.” Dann wandte sie sich den elf wartenden Gesichtern in ihrem Laptop zu.
“Entschuldigen Sie”, sagte sie, nachdem sie das Mikro wieder eingeschaltet hatte. “Ich bin heute allein mit meinem einjährigen Sohn. Er ist ein bisschen krank. Ich soll Sie aber alle ganz herzlich grüßen von … von Benni und Pferdinand!”
Neun von elf Gesichtern lächelten.
“Es gibt schlimmere Unterbrechungen!”, sagte die Frau, die sich als Natalie Bauer vorgestellt hatte. “Aber fahren Sie doch bitte fort.”
Clara nickte. Ihr war schwindelig. “In der dritten Phase möchten wir mit einem hybriden Modell arbeiten, das Präsenz-Veranstaltungen mit virtuellen Veranstaltungen verbindet. Außerdem laden wir alle Mitarbeitenden ein, die wöchentlichen Online-Surveys auszufüllen, um ihren individuellen Fortschritt zu dokumentieren. Es ist natürlich klar, dass Ihre Mitarbeitenden ganz unterschiedliche Hintergründe haben. Diejenigen, die schon mit meinem Kollegen Robert gearbeitet haben, werden mit anderem Wissen und anderer Motivation an das Projekt herangehen als, sagen wir, jemand in der Entwicklung, die bislang noch nie Teil eines größeren Veränderungsvorhabens war.”

Annika Saint-Catherine hob die Hand.
“Dr. Saint-Catherine?”
“Vielen Dank für diese faszinierende Darstellung, Frau König”, sagte Saint-Catherine mit einem starken französischen Akzent. “Ich finde es wunderbar, dass Sie unsere Mitarbeiter einbinden wollen. Aber ich frage mich, wie effizient das ist. Wenn jeder so viel Gestaltungsraum hat - kommen wir dann auch ans Ziel?”
Clara nickte. In einer anderen Welt - in einer Welt, in der Router kein Blut tranken - hatte sie mit der Frage gerechnet und eine Antwort vorbereitet. Der Zettel lag neben dem Laptop, gleich über der offenstehenden Schublade.
“Ja, wir kommen ans Ziel. Offen gesagt, ich bin sogar überzeugt, dass wir schneller ans Ziel kommen als mit einem monolithischen Prozess, der keinen Raum für Individualität lässt”, begann sie.
Alle vier Kontrollleuchten blinkten rot.
“Es gibt gute Argumente dafür, dass Mitarbeitende das größte Kapital eines Unternehmens sind”, fuhr sie fort und griff nach dem Brieföffner ihres Vaters. "Nicht Patente, Maschinen, Immobilien oder dergleichen, sondern Mitarbeitende." Mit einem Ruck stieß sie den Brieföffner unter ihren Daumennagel. Vor Schmerz wurde ihr schlecht. "Weil sie das lebendige Wissen des Unternehmens sind." Sie hob die Klinge an, bis der Nagel sich aus dem Bett löste. "Deshalb sind wir der Überzeugung, dass Veränderungsprozesse maximal inklusiv sein müssen."
Saint-Catherine sah skeptisch in ihre Webcam.
“Lassen Sie es mich anders ausdrücken”, fuhr Clara fort, zupfte ihren blutigen Daumennagel vom Bett und schnippte ihn auf den Router. "Natürlich können Sie Veränderungsprozesse schneller durchziehen. Aber dann verlieren Sie unter Umständen das Wertvollste, was Sie haben."
Der Router war jetzt über und über mit Blut besudelt. Aus den Augenwinkeln sah Clara, wie ihr Daumennagel in einem Lüftungsschlitz verschwand.
Die Leuchten blinkten weiter rot.
“Was willst du?”, murmelte sie.
“Bitte?”, fragte Annika Sainte-Catherine.
“Oh, nein, Entschuldigung, ich habe mit meinem Sohn gesprochen”, antwortete Clara, ohne den Blick zu heben.
“Mama ..?”, sagte Benni.
Der Router blinkte hektischer. Er will mehr, dachte Clara. Aber was?
Dann begriff sie.

Eine Stunde später verabschiedeten sich die Gäste von WMSB. Wie üblich bat Bea ihr Team, für die Nachbesprechung ein paar Minuten im Videochat zu bleiben.
“Was meint ihr?”, fragte sie, während sie sich den ersten Schluck Pitch-Bier genehmigte.
“Ich fand’s gut”, sagte Robert. “Ich glaube, die haben verstanden, worum es geht.”
“Prima abgeliefert”, ergänzte Christina. “Dagegen können die andern nicht anstinken. Und Clara war beeindruckend. So präsent!“
“Schön”, sagte Bea. “Clara, was meinst du?”
Claras Platz war leer.
“Ist sie weg?”, fragte Christina, als Beas Handy summte. Bea entschuldigte sich und ging aus dem Bild. Als sie wiederkam, war sie blass.
"Was ist los?"
Bea schüttelte den Kopf. "Sie sind in der Notaufnahme."
„Oh scheiße. Ist das Fieber zurückgekommen?“
„Benni ... er ist verletzt. Er hat viel Blut verloren. Sie hat --"
Dann brach die Verbindung ab.
 
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Hi @Christophe

mir hat dein Text sehr gut gefallen. Du schreibst sehr flüssig, liest sich sehr gut!
Man kommt auch gleich gut in die Story hinein: Cool auch der Anfang, der das Ende schon in gewisser Weise vorwegnimmt.

Ich habe richtig mitgefiebert, wenn bei Clara immer wieder der Router „abstürzt“ – das wiederholt sich zwar, aber du schreibst es so, dass es nicht langweilig wird und sich – im Gegenteil – Spannung aufbaut.

Clara ließ ihren Blick nach unten wandern, über die Notizzettel und die Tischkante bis zur offenstehenden Schublade. Der Router blinkte jetzt wieder grün. Und das bleibt auch so, dachte sie, als ihr Handy vibrierte: NEUE NACHRICHT VON BEA.
Ich fand auch gut, wie du Claras Gedanken in die Geschichte hineingeflochten hast: Das klingt sehr flüssig und lebensecht.

Von meiner Seite gibt da nichts zu mäkeln. Zwei Punkte habe ich aber doch:

Wenn Clara das Projekt mit den drei Punkten vorstellt, war mir das teilweise zu umfangreich und auch ein bisschen zu technisch. Ich weiß nicht, ob die Geschichte das wirklich braucht - z.B.:
“In der dritten Phase möchten wir mit einem hybriden Modell arbeiten, das Präsenz-Veranstaltungen mit virtuellen Veranstaltungen verbindet. Außerdem laden wir alle Mitarbeitenden ein, die wöchentlichen Online-Surveys auszufüllen, um ihren individuellen Fortschritt zu dokumentieren. Es ist natürlich klar, dass Ihre Mitarbeitenden ganz unterschiedliche Hintergründe haben. Diejenigen, die schon mit meinem Kollegen Robert gearbeitet haben, werden mit anderem Wissen und anderer Motivation an das Projekt herangehen als, sagen wir, jemand in der Entwicklung, die bislang noch nie Teil eines größeren Veränderungsvorhabens war. Deshalb ist dieses Modell so angelegt, dass jeder Mitarbeitende so viel Gestaltungsfreiheit wie möglich bekommt. Konkret heißt das: Sie können einen Modulbaustein in zwei Wochen abschließen, Sie können ihn aber auch in sechs Wochen abschließen. Sie können das überwiegend über virtuelle Veranstaltungen tun oder in zwei bis drei Präsenzworkshops. Das überlassen wir Ihnen.”
Und persönlich war mir das Ende der Geschichte schon fast ein bisschen too much. Aber das ist natürlich eine persönliche Meinung: Mir dreht sich ja schon der Magen um, wenn sie sich den Daumennagel herunterzupft.
Aber ich weiß schon: Du willst das Thema überspitzen, davon lebt der Text und soweit funktioniert es auch prima!

Also: Coole Idee, prima umgesetzt! Sehr gerne gelesen!
Servus, Walterbalter
 
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10.07.2020
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Hallo @Walterbalter! Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar!


Cool auch der Anfang, der das Ende schon in gewisser Weise vorwegnimmt.
Danke - ich hatte gehofft, dass das funktioniert.

Ich habe richtig mitgefiebert, wenn bei Clara immer wieder der Router „abstürzt“ – das wiederholt sich zwar, aber du schreibst es so, dass es nicht langweilig wird und sich – im Gegenteil – Spannung aufbaut.
Nochmal danke. Die Wiederholungen machen mich natürlich schon nervös, weil ich befürchte, dass das langweilen könnte. Gleichzeitig braucht es, glaube ich, mindestens zwei Instanzen von "Router hängt sich auf", damit die Kontrollleuchten und dieser Stecker-raus-warten-Prozess eingeführt sind.

Ich fand auch gut, wie du Claras Gedanken in die Geschichte hineingeflochten hast: Das klingt sehr flüssig und lebensecht.
Danke - ich hoffe, sie flucht nicht zu viel. Ursprünglich sollte sie eher ängstlich sein, aber beim Schreiben haben sich dann permanent Flüche eingeschlichen. So gefällt sie mir ganz gut, sie ist halt ein bisschen cholerisch.

Wenn Clara das Projekt mit den drei Punkten vorstellt, war mir das teilweise zu umfangreich und auch ein bisschen zu technisch. Ich weiß nicht, ob die Geschichte das wirklich braucht - z.B.:
“In der dritten Phase möchten wir mit einem hybriden Modell arbeiten, das Präsenz-Veranstaltungen mit virtuellen Veranstaltungen verbindet. Außerdem laden wir alle Mitarbeitenden ein, die wöchentlichen Online-Surveys auszufüllen, um ihren individuellen Fortschritt zu dokumentieren. Es ist natürlich klar, dass Ihre Mitarbeitenden ganz unterschiedliche Hintergründe haben. Diejenigen, die schon mit meinem Kollegen Robert gearbeitet haben, werden mit anderem Wissen und anderer Motivation an das Projekt herangehen als, sagen wir, jemand in der Entwicklung, die bislang noch nie Teil eines größeren Veränderungsvorhabens war. Deshalb ist dieses Modell so angelegt, dass jeder Mitarbeitende so viel Gestaltungsfreiheit wie möglich bekommt. Konkret heißt das: Sie können einen Modulbaustein in zwei Wochen abschließen, Sie können ihn aber auch in sechs Wochen abschließen. Sie können das überwiegend über virtuelle Veranstaltungen tun oder in zwei bis drei Präsenzworkshops. Das überlassen wir Ihnen.”
Guter Punkt - danke! Ich werde kürzen. Die Situation soll authentisch wirken, aber gleichzeitig - da gebe ich dir völlig recht - muss die Story ja nicht den Pitch gleich komplett enthalten. :schiel:

Und persönlich war mir das Ende der Geschichte schon fast ein bisschen too much. Aber das ist natürlich eine persönliche Meinung: Mir dreht sich ja schon der Magen um, wenn sie sich den Daumennagel herunterzupft.
Aber ich weiß schon: Du willst das Thema überspitzen, davon lebt der Text und soweit funktioniert es auch prima!
Mmhja - ich glaube, ich verstehe deine Lesart; gleichzeitig glaube ich aber, dass es den relativ drastischen Schluss braucht. Hey, es ist ein menschenfressender Router! :aua:

Nochmal vielen Dank! Ich werde mich heute / morgen nochmal ransetzen und die Pitch-Teile verschlanken, ich glaube, das gibt der Story auch noch mal Tempo. Merci!

Man liest sich!

Christophe
 
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... als sich ein Bluttropfen von ihrem Daumen löste und auf das Gerät fiel. Der Tropfen schlug auf der Plastikoberfläche des Routers auf, spitzte hoch, fiel zurück und blieb vibrierend hängen.
Dann begann er, sich zu bewegen. Mit offenem Mund sah Clara, wie ihr Blut in eines der Lüftungslöcher gesaugt wurde.
Schöne neue Welt des Homeoffice',

böser Christophe,

da passt alles – der economiccall, perdonen Ustedes!, betriebswirtschaftliche leise Sound nebst gendergerechter Sprache (und sei es nur die Partizipierung des Mitarbeiters/der Mitarbeiterin als der, die, das „Mitarbeitende“) und das digitale Gerät gerät zum Symbol des nicht nur blutsaugenden, sondern alles verzehrenden Systems (das nicht nur die Produzenten, sondern hernach auch die Konsumenten aufsaugt, auffrisst. Das fängt behutsam an und endet im Gehäckselten (oder doch systemgerechten Gehexel des Zauberlehrlings technologischer Fortschritt?) oder als Umwandlung eines alten Filmtitels - Arbeit essen Seele auf.

Mir hat‘s gefallen und doch noch‘n paar Flusen

, dachte Clara, was denn sonst, und klickte auf OK.
Klickt sie tatsächlich auf „Oklahoma“?

Mach einen Hotspot mit dem Handy! Wir BRAUCHEN diesen Auftrag!!!
Braucht es des comicartigen Dreierpacks „!“?


Sie ging auf die Knie und fing an, die Scherben einzusammeln.
Komma weg, es kappt das komplexe Prädikat „einzusammeln anfangen“

Die oberste Kontrolleuchte des Routers wechselte von Rot auf Grün.
Einmal klappt es nicht, bis drei zu zählen (ansonsten schon ...)

“In mehreren Workshops erarbeiten wir das Leitbild Ihres Veränderungsvorhabens …”
wählt man nicht betriebswirtschaftlich (ich nenns mal "Economicall") Jargon?

“Aber fahren Sie doch bitte fort.”
Klingt nach mehr als eine bloßen Aussage …!

„Oh scheiße. Ist das Fieber zurückgekommen ?“
besser "… zurückgekommen?"

Wie derm auch wird - gern gelesen vom

Friedel
 
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10.07.2020
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Hallo @Friedrichard,

vielen Dank für deine Kritik!

da passt alles – der economiccall, perdonen Ustedes!, betriebswirtschaftliche leise Sound nebst gendergerechter Sprache (und sei es nur die Partizipierung des Mitarbeiters/der Mitarbeiterin als der, die, das „Mitarbeitende“) und das digitale Gerät gerät zum Symbol des nicht nur blutsaugenden, sondern alles verzehrenden Systems (das nicht nur die Produzenten, sondern hernach auch die Konsumenten aufsaugt, auffrisst. Das fängt behutsam an und endet im Gehäckselten (oder doch systemgerechten Gehexel des Zauberlehrlings technologischer Fortschritt?) oder als Umwandlung eines alten Filmtitels - Arbeit essen Seele auf.
Erstmal soll es eine Horrorstory sein - eine Art Monstergeschichte. Dass man sie auch gesellschaftskritisch lesen kann, finde ich spannend; beim Schreiben war das aber nicht mein Plan.

, dachte Clara, was denn sonst, und klickte auf OK.
Klickt sie tatsächlich auf „Oklahoma“?
:lol: - danke! Korrigiert.

Mach einen Hotspot mit dem Handy! Wir BRAUCHEN diesen Auftrag!!!
Braucht es des comicartigen Dreierpacks „!“?
Mmh - einerseits hast du völlig recht, das ist hässlich. Andererseits soll es halt Beas wörtliche Nachricht sein. Ich hab's trotzdem mal weggenommen, ich tendiere zu deinem Punkt.

Sie ging auf die Knie und fing an, die Scherben einzusammeln.
Komma weg, es kappt das komplexe Prädikat „einzusammeln anfangen“
Check - danke!

Die oberste Kontrolleuchte des Routers wechselte von Rot auf Grün.
Einmal klappt es nicht, bis drei zu zählen (ansonsten schon ...)
... dabei habe ich mit einem Abakus auf dem Schreibtisch getippt! ;)

“In mehreren Workshops erarbeiten wir das Leitbild Ihres Veränderungsvorhabens …”
wählt man nicht betriebswirtschaftlich (ich nenns mal "Economicall") Jargon?
Den verstehe ich leider nicht - würdest du ihn erklären?

“Aber fahren Sie doch bitte fort.”
Klingt nach mehr als eine bloßen Aussage …!
Puuh, so hatte ich das gar nicht gelesen. Gruselig!

„Oh scheiße. Ist das Fieber zurückgekommen ?“
besser "… zurückgekommen?"
Check!

Lieber @Friedrichard, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast!

Viele Grüße

Christophe[/QUOTE][/QUOTE]
 
Wortkrieger-Team
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02.09.2015
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Hallo @Christophe ,

und willkommen hierorts. Du legst ja ganz schön nach. An Sprache und Storyline habe ich nicht viel zu mäkeln. Das Ende hat bei mir allerdings auch für Stirnrunzeln gesorgt:


Kopf.
„Er … er ist mit dem Arm in den Häcksler geraten.“
WTF ist das für eine Mutter? Bevor ich den Arm meines Sohnes opfern würde, hätte ich den Fuß in den Router gehalten oder so.

Ich fand den Sprung vom Daumennagel dann auch heftig. Da hätte ich mit einem Finger oder Zeh weitergemacht. Eine Lösung wäre, dass der Knabe dem Router versehentlich zu nah kommt oder nicht auf Mama hört. Wäre dann aber ein anderer Spannungsbogen.

Im Übrigen gern gelesen!

LG
Mae
 
Mitglied
Beitritt
10.07.2020
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Hi @Maedy!

Danke für deinen Kommentar!

Dass das Ende unvermittelt und heftig kommt, habe ich heute (außerhalb der Wortkrieger) schon ein paar Mal gehört - ich denke, ich werde da nochmal rangehen. Deine Idee, dass der Junge sich dem Router versehentlich näher und dann angefallen wird, finde ich übrigens FANTASTISCH! Ich muss mal überlegen, ob ich dem nachgehe - aber du hast recht, dann müsste man die Geschichte anders entwickeln.

Schritt 1: Vorliegendes Ende verbessern (bei gleichbleibendem Spannungsbogen).

Schritt 2: Sehr ernsthaft über die Junge-wird-vom-Router-angefallen-Option nachdenken.

Vielen Dank für deine Tipps!

Hatte heute Nudeln:

Christophe

EDIT: @Maedy - ich hab das Ende etwas offener gemacht. Was hältst du davon? :Pfeif:
 
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Wortkrieger-Team
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02.09.2015
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Hallo @Christophe ,

das Problem ist diese Stelle:

Mama ..?”, sagte Benni.
Der Router blinkte hektischer. Er will mehr, dachte Clara. Aber was?
Dann begriff sie.
Die impliziert, dass sie aktiv tätig wird und etwas macht. Wenn am Ende der Sohn blutet ...

LG
Mae
 
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02.05.2020
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Nur ganz kurz: bin ich die einzige, die daran hängt, dass sie die Hand ihres Sohnes verfüttert, dabei pitcht - also das Mikrofon unmuted ist - und niemand hört den Sohn schreien?
 
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10.07.2020
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Nur ganz kurz: bin ich die einzige, die daran hängt, dass sie die Hand ihres Sohnes verfüttert, dabei pitcht - also das Mikrofon unmuted ist - und niemand hört den Sohn schreien?
Hi @feurig! Argh, du hast recht! :drool: Ich habe das Ende gerade auf den Hinweis von @Maedy hin etwas umgeschrieben. Funktioniert das? (Wenn wir mal so tun, als hättest du das erste Ende nie gesehen: Eigentlich lässt der Text doch offen, was genau sie tut ...?)

Vielen Dank für deinen Kommentar!

Christophe
 
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02.05.2020
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@Christophe,

Hm hm hm. Nach meinem Verständnis muss der Router ab dem Moment ihrer Erkenntnis für eine Stunde befriedigt werden. Also "verletzt" sich ihr Sohn immer noch während des pitches, ohne dass es jemandem auffällt...
 
Wortkrieger-Team
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02.09.2015
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Nur ganz kurz: bin ich die einzige, die daran hängt, dass sie die Hand ihres Sohnes verfüttert, dabei pitcht - also das Mikrofon unmuted ist - und niemand hört den Sohn schreien?
Hi @feurig! Argh, du hast recht! :drool: Ich habe das Ende gerade auf den Hinweis von @Maedy hin etwas umgeschrieben. Funktioniert das? (Wenn wir mal so tun, als hättest du das erste Ende nie gesehen: Eigentlich lässt der Text doch offen, was genau sie tut ...?)

Vielen Dank für deinen Kommentar!

Christophe
Ich stifte noch mehr Verwirrung. Das Ende hat mich stolpern lassen, weil die zuvor völlig unauffällige Mutter plötzlich den Arm ihres Sohnes opfert.
Das las sich für mich unschlüssig. Daher auch meine Idee, der Junge könnte versehentlich sich am Router verletzen und der schlabbert den Arm weg.

Eine andere Möglichkeit wäre die Mutter anders zu zeichnen:

*Mutter wider Willen, die eigentlich Karriere machen will

*Völlig überforderte Mutter, die in den Strudel der Situation kommt und eher unzurechnungsfähig den Sohnemann opfert

*Etwas erpresst die Mutter

Wären so meine spontanen Ideen.

LG
Mae
 
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10.07.2020
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Hi @Maedy und @feurig !

Ihr habt recht: Die Geschichte und das Ende passen noch nicht zusammen. Vielen Dank für eure Ideen — ich knöpfe mir den Autor mal vor! :lol: Dankeschön!!

Viele Grüße

Christophe
 
Senior
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12.04.2007
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Erstmal soll es eine Horrorstory sein - eine Art Monstergeschichte. Dass man sie auch gesellschaftskritisch lesen kann, finde ich spannend; beim Schreiben war das aber nicht mein Plan.
Das zeichnet besondere Werke - und wären es kleine Texte - aus, dass sie mehr enthalten, als selbst des Schöpfers Kunst hineinlegen will ...

Oder anders gesagt: Zur Gesellschaft und vor allem Kommunikation gehören immer mindestens zwo. Selbst der innere Monolog, was Rimbaud so ausdrückt "je est (statt "suis") un autre", ich ist, statt bin der andere

Wat binnich heut wieder kluch ...

Tschüss

Friedel
 
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“In mehreren Workshops erarbeiten wir das Leitbild Ihres Veränderungsvorhabens …”
worauf ich
wählt man nicht betriebswirtschaftlich (ich nenns mal "Economicall") Jargon?
und Du
Den verstehe ich leider nicht - würdest du ihn erklären?
hab ich doch glatt letztens vergessen zu erläutern,

lieber Christophe,

des besseren Verständniss' halber (hoff ich doch):

Die Betriebswirtschaftslehre befleißigt sich zunehmend angloamerikanischer Terminologie (dabei ist BWL eine nahezu deutsche Erfindung und wird im Schmalenbachgedächtniskreis gefeiert, ist doch in NRW ein Betriebswirtschaftler Wirtschaftsminister ...

Im von mir verballhornte Adjektiv “economical(ly)“ als “Economic[-]call“, oder besser "...-Call" des Jargons angolamerikaischer Dialektik, also besser statt „Leitbild“ „corporate philosophy“und des Deutschmonsters „Veränderungsvorhaben“ “change management“.

So viel oder doch eher so wenig für heute!

Ein schönes 15%iges Restwochenende aus'm Pott vom

Friedel
 
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Hallo @Christophe ,

als gestern meine Internetverbindung gesponnen hat , habe ich nur zaghaft ein Reset gewagt.
Man kann ja nie wissen, welche Art Futter mein Router plötzlich braucht!

Ich habe jetzt mal die vorhergehenden Kommentare überflogen.
Einmal antwortest du mit:
Ihr habt recht: Die Geschichte und das Ende passen noch nicht zusammen.

Ich bin da etwas anderer Meinung:
Clara König schlittert in etwas hinein; sie kann sich dem folgenschweren Sog der Digitalisierung nicht mehr entziehen.
Als Projektleiterin will Clara unbedingt den Auftrag nicht vermasseln.
Sie ist dem Team hörig und steigert sich derartig in die Verantwortung fürs Gelingen des Coups hinein, dass auch die Selbstverletzungen immer intensiver und irrsinniger werden.
In der Konsequenz kann das auch heißen, dass die Unversehrtheit des Kindes dem blutrünstigen Router geopfert wird.
Das hat mit fehlender Mutterliebe in dem Ausnahmezustand nichts zu tun, sondern mit der momentanen Verblendung der Prota, die wohl erst aus diesem Rausch aufwacht, als das Kind ernsthaft verletzt ist.

“Ich muss euch nicht sagen, wie wichtig dieser Pitch für uns ist”, sagte Bea. “Wir brauchen einen neuen Auftrag. Eine Ausschreibung wie diese bekommt man nicht alle Tage. Deshalb holen wir uns den Job. Wir sind ein geiles Team! Wir sind verdammt gut vorbereitet!

Clara König realisiert, dass alles dieser einen Chance untergeordnet werden muss.
Wir haben hier eine echte Chance.

NEUE NACHRICHT VON BEA.
Mach einen Hotspot mit dem Handy! Wir BRAUCHEN diesen Auftrag!

“Aber die Herausforderungen der Gegenwart machen auch vor Ihnen nicht halt. Vor allem die Digitalisierung fordert von Banken ein ganz neues Denken …”


Hoffentlich heißt das neue Denken nicht: Über Leichen gehen!

Ich würde an deiner Stelle nichts an der Fürsorglichkeit Claras ändern.
Mach sie nicht zur kalten Frau, der das Kind ein Klotz am Bein ist.
Man spürt ja über weite Phasen deiner Geschichte hinweg, dass sie nicht nur der beruflichen Aufgabe, sondern auch den Bedürfnissen ihres Kindes gerecht werden möchte. Sie schaut ja häufig nach dem Kind und will sich ihm auch wieder widmen, nur eben nicht während des Pitchs.

Am Ende bleibt offen, ob Clara die Verletzung ihres Kindes aktiv herbeigeführt hat oder den Übergriff des Routers nur nicht verhindert hat.

Ich sehe deine Geschichte als bitterböse Satire mit anfänglich subtilem Horror (ein Tröpfchen Blut, na ja), der sich zum Schluss ins fast Unerträgliche steigert, (sie hat doch nicht etwa!).

Wenn wir nicht aufpassen und gegensteuern, kann die digitale Welt uns total manipulieren und unsere Menschlichkeit auffressen.

Noch was zum Nachdenken:
Clara zog ihre Bluse zurecht, setzte sich aufrecht hin und strich über ihre Frisur.

Bitte nicht KOMMA bitte nicht KOMMA bitte nicht, dachte sie und zog den Stecker zum zweiten Mal.


“Bevor Sie dazu kamen (hier eher: dazukamen), haben wir schon eine kleine Vorstellungsrunde gemacht.

Deine Geschichte hat mich gepackt, und ich habe mich gerne von den Horrorvisionen mitreißen lassen.
Lieben Gruß und herzlich willkommen im Forum

kathso60
 
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32
Hallo @Friedrichard und @kathso60!

Vielen Dank für eure Kommentare!

@Friedrichard - Danke, jetzt habe ich deine Einordnung verstanden! Ich bin völlig bei dir. Eigentlich müsste man mal einen Text komplett in diesem Business-Lingo durchschreiben. :-)

@kathso60 - Puuh, dein Kommentar hat mich sehr gefreut! Deine Lesart entspricht meiner ziemlich perfekt. Das ursprüngliche Ende (Bennis Arm landet im Häcksler) war vermutlich etwas zu heftig, aber mit diesem vagen, aber blutigen (!) Ende kann ich sehr gut leben ... Vielen Dank auch für die sprachlichen Korrekturen, die setze ich gleich um!

Viele Grüße

Christophe
 

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