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Die Geschichte eines Sterbenden

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14.02.2021
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Anmerkungen zum Text
Dies ist meine erste Kurzgeschichte. Ich bin 14 Jahre.

Die Geschichte eines Sterbenden

Hier lieg ich also. Ich kann es spüren. Mein Leben geht dem Ende entgegen. Ich fühle es. Ich fühle es in meinen Knochen…

Eigentlich kann ich es überall fühlen. Es wird langsam alles taub.

Es wird oft gesagt, dass während man stirbt, einem die eigene Lebensgeschichte nochmal vorgespielt wird… Ich glaube nicht daran. Doch wenn es so ist…

Dann werde ich allem alleine gegenübertreten müssen…

Es ist so hell…

Wo bin ich? Dass ist doch… das Haus meiner Eltern! Ja, es sind die gleichen teuren Möbel, die gleiche teure Ausstattung und das gleiche große Haus mit Garten. Was mache ich hier? Das ist wahrscheinlich nur meine Fantasie die mit mir durch geht. „Jonas!“ Was! Wer hat das gesagt! „Jonas, kommst du endlich? Morgen ist Vaters 30. Geburtstag, da musst du ausgeschlafen sein!“ Das kann nicht sein, dass ist die Stimme meiner Mutter! Jonas… Wie lange hab ich den Namen nicht mehr gehört! Es ist schon komisch, seinen eigenen Namen nach mehreren Jahren zu hören. Wenn man mich ansprach, nannte man mich „Herrn Nolde“. Jonas Nolde. Das ist mein Name. Aber was hatte Mutter gesagt? Morgen ist der 30. Geburtstag von Vater. Aber dann…

Dieser Tag hatte sich sehr stark in mein Gedächtnis eingebrannt. Ich war damals erst 4 Jahre alt. Es war ein Tag wie jeder andere, mit der Ausnahme dass wir morgen Vaters runden Geburtstag feiern wollten. Ich ging wie jeden Abend in mein Zimmer und meine Mutter brachte mich ins Bett. Doch ich konnte damals nicht schlafen. Ich schaute aus dem Fenster und sah im Garten eine in sich zusammengekauerte Gestalt. Ich weiß nicht wieso ich dies tat, aber ich lief automatisch in die Küche, holte ein großes Stück Brot und lief im Schlafanzug in die kalte Dezembernacht. Ich kann mich immer noch an das Gesicht des Mannes erinnern, als ich ihm das Brotstück entgegenhielt. Der ungläubige Gesichtsausdruck und die nach Hilfe flehenden Augen. Am Tag der Feier fand ich den Mann dann wieder. Er musste erfroren sein, das große Brotstück hatte er gerade mal zur Hälfte aufgegessen…

Als wollten mich meine Erinnerungen auch noch bestrafen, sah ich die Erinnerung von dem alten Mann glasklar vor meinen Augen. Die bleiche Haut, sie war fast schon transparent… Die tief in den Höhlen liegenden Augen… Und dann noch das Gesicht… Es war als hätte man die Haut nur angeklebt. Man konnte ganz klar die Wangenknochen erkennen. Hätte ich meinen Eltern von dem Mann im Garten erzählt, dann würde er, zu diesem Zeitpunkt, wahrscheinlich noch leben…

Das war ein Moment der mich mein ganzes Leben lang prägen sollte. Damals schwor ich mir, wenn ich Erwachsen bin, werde ich armen Menschen helfen.

Im nächsten Moment war ich woanders. Ich sehe mich in dem Raum um. Eine Reihe von Achtklässlern steht in dem Klassenzimmer. Ich erinnere mich… Und zwar an jeden von ihnen. Das waren alles meine Klassenkameraden. Mein Vater schickte mich zu einer Begabtenschule, nachdem ich einen Grundschulabschluss mit 1,0 hatte. Ich frage mich immer noch ob es ein Fehler war zu sagen, dass sogar Babys die Aufgaben hätten schaffen können. Trotz alledem waren wir eine Vorzeigeklasse. Nie gab es Ärger untereinander, wir hatten alle sehr gute Noten und wir waren fast nie laut. Doch von allen Mitschülern mochte ich Natalie am meisten. Natalie… Wäre ich schneller gewesen dann…

In der Klasse waren wir alle Freunde. Unser Motto: Einer für alle und alle für Einen! An die Schule hatte ich sehr schöne Erinnerungen.

Augen zu, Augen auf… Und schon bin ich woanders. Mal umschauen… Ach ja, das ist doch das Büro von Thomas, meinem Chef.

Nachdem ich studiert hatte, wurde ich im Alter von 26 Jahren Angestellter in der Firma „Centurytech“. Am Anfang war es eine kleine Firma. Doch ich arbeitete mich unermüdlich, immer und immer weiter der Firmen-Hierarchie hoch. Als ich dann 31 Jahre alt war, beförderte mich mein Chef zu seinem persönlichen Sekretär. Also half ich ihm. Und dann, durch meine Tipps (und unglaublichen Zufällen), ist Centurytech zu einer großen Firma geworden. In der gleichen Zeit sind ich und Thomas sehr gute Freunde geworden. Doch dann wurde Thomas krank. Sehr krank. Während er im Krankenhaus lag, musste ich seine Arbeit übernehmen. Doch es fühlte sich nicht richtig an. 2 Wochen nachdem ich die Firma übernehmen musste, wurde ich ins Krankenhaus gerufen. Als ich am Krankenhausbett stand war mir klar weshalb ich hierher gerufen wurde… Thomas, mein Freund und Chef lag im Sterben. Damals wollte ich es nicht glauben, der freundliche Mann mit dem Herz aus Gold, dem nichts so schnell aus der Ruhe bringen konnte, war todkrank? Als er mir sagte, ich solle die Firma übernehmen, dachte ich das wäre ein schlechter Scherz und ich sagte, dass ich ihn nicht ersetzen könnte. Doch er sagte mit ernster Miene, das Centurytech nie so weit gekommen wäre, wenn ich nicht da gewesen wäre. Auf seiner Beerdigung stand sogar in seinem Testament, dass ich die Firma übernehmen solle oder er würde aus dem Grab steigen und mir solange Ohrfeigen verpassen, bis ich keine Ohren mehr hätte. Als ich dies hörte, weinte ich mir wortwörtlich die Seele aus dem Leib. Denn es war diese Art des Humors den ich und Thomas gemeinsam hatten. Er meinte es also ernst!

Und wo bin ich jetzt… Ein Restaurant… Und sehr viele Leute? Natürlich, das Klassentreffen!

1 Jahr nachdem Thomas gestorben war, wurde ich von einem meiner Klassenkameraden angeschrieben, ob ich Lust auf ein Klassentreffen hätte. Zu der Zeit war Centurytech einer der besten Elektronik – Anbieter. Wir konnten sogar mit „Dosch“ und der „Kiemens AG“ mithalten. In der Videospiele-Industrie waren wir gleichauf mit „Mimtemdo“, „Kony“ und „Nanosoft“. Als ich zum Klassentreffen ging, war es fast wie in den alten Zeiten. Als wir über unser alltägliches Leben sprachen, staunten manche nicht schlecht, als ich sagte ich wäre der Firmenchef von Centurytech. Es stellte sich heraus, dass zwei meiner Schulfreunde in meiner Firma arbeiteten. Die hatten am meisten gestaunt! An dem Tag musste ich aber leider auch feststellen, dass Natalie schon jemand anderes geheiratet hatte. Das war bitter.

Schwarz… Weiß… Und ich bin wieder woanders. Was ist das für ein Ort? Ein Friedhof?!

Oh Nein, bitte nicht… Nicht… Nicht das Grab meiner Eltern!

Ungefähr 10 Jahre nach dem Klassentreffen verstarb mein Vater an einem Schlaganfall. 3 Jahre später holte der Tod auch meine Mutter zu sich. Wie sie es wollten, bestattete ich sie in einem Familiengrab. Die Einsamkeit wäre ohne meinen Cousin und meine Cousine nicht auszuhalten gewesen.

Und dieser Ort? Ach ja, das Familienanwesen.

Hier verbrachte ich noch die letzte Zeit meines Lebens. Mein Geld wurde nicht selten gespendet. Ich half oft und gerne. In meinen Träumen durchlebte ich oft den Moment, als ich dem armen Mann das Brotstück gab und den Moment als ich ihn am nächsten Tag fand. Ich wollte nie wieder so etwas sehen… Das war es was „Herrn Nolde“ ausmachte. Manchmal nannte man mich auch den „Spendenkönig“. In den weiteren Jahren traf ich auf alte Freunde, neue Freunde und manchmal auf Konkurrenten, die nicht selten versuchten meine Firma zu kaufen, obwohl ich wusste dass sie Angst vor Centurytech hatten.

Und jetzt bin ich wieder hier… Der gleiche Platz auf meinem Bett. Wenn ich nochmal über mein Leben nachdenke, dann hätte ich mir mehr trauen sollen. Vielleicht wäre dann Natalie mehr als nur eine Freundin gewesen. Ich wäre dann nicht so allein gewesen.

Nun ist das jetzt nicht mehr zu ändern… Es war nochmal schön alles zu sehen.

Ich glaube es wird langsam Zeit.

Mutter, Vater, Thomas… Ich bin gleich bei euch…​
 
Wortkrieger-Team
Beitritt
05.01.2015
Beiträge
632
Hallo aus der Nachtschicht und herzlich Willkommen bei den Wortkriegern,

leider hat mir dein Einstand nicht sehr gut gefallen, Nightwatch.

Das liest sich zu sehr wie das perfekte Leben runter; ein Mensch ohne Probleme erzählt uns nochmal all die geilen Sachen, die ihm passiert sind. Das ist öde. Gab es in seinem Leben nie Konflikte, an die er sich erinnert hat? War denn wirklich immer alles töfte? Mir reicht es nicht, dass ihm die Eltern weggestorben sind, denn das passiert irgendwann und ist nicht vermeidbar. Hier und da ein Konflikt tut einer Geschichte gut - am Ende kratzt du Natalie an. Das wäre doch eher etwas gewesen, was du uns hättest erzählen können. Ich meine, dem Mann passieren sogar gute Dinge, wenn andere Leute den Löffel abgeben. So funktioniert das Leben selten.

Es gibt auch kleinere handwerkliche Dinge, die ich bemängeln muss - so wechselst du von der Gegenwart in die Vergangenheit:

Hier lieg ich also. Ich kann es spüren. Mein Leben geht dem Ende entgegen. Ich fühle es. Ich fühle es in meinen Knochen…

So gehts los - dann findet ein Wechsel in eine andere Erinnerung statt:

Im nächsten Moment war ich woanders. Ich sehe mich in dem Raum um.

Erst sind wir in der Vergangenheit, dann in der Gegenwart.

Dann hast du kurz eine sprechende Person drin:

„Jonas!“ Was! Wer hat das gesagt! „Jonas, kommst du endlich? Morgen ist Vaters 30. Geburtstag, da musst du ausgeschlafen sein!“ Das kann nicht sein, dass ist die Stimme meiner Mutter! Jonas… Wie lange hab ich den Namen nicht mehr gehört! Es ist schon komisch, seinen eigenen Namen nach mehreren Jahren zu hören.

Bitte nicht als Block. Das liest sich unschön - ein weiterer Fehler befindet sich da auch noch drin. Der Prot stellt eindeutig eine Frage, aber du schließt mit einem Ausrufezeichen ab. Wenn du der Aussage etwas Nachdruck verleihen möchtest, mach einfach ein "!?" draus. Nur Ausrufezeichen ist nicht richtig.

Das sind jetzt Kleinigkeiten und um Details werden sich die Adleraugen kümmern, die da mehr Ahnung von haben als ich, aber ich möchte dir noch eins mitgeben:

Bleib dran! Du hast Potenzial und nur weil der Erstversuch einem Hänsel im Internet nicht gefallen hat, darfst du die Flinte nicht ins Korn werfen. Vom Schreibstil her kann da was draus werden, wenn du dich ransetzt und immer weiter verbesserst. Dabei gehen dir die Wortkrieger gern zur Hand! Also hinsetzen, Texte lesen und aus Feedback geben/nehmen lernen.
 
Mitglied
Beitritt
16.07.2020
Beiträge
22
Hallo @J.Nightwatch ,

Willkommen bei den Wortkriegern!
Nur so als allgemeine Info... Nimm das alles, was hier geschrieben wird, zu dieser oder zu deinen weiteren Geschichten, nicht persönlich. Wir sind alle hier, um etwas zu lernen. ;)
Nun zu deiner Geschichte:
Mir persönlich fehlt ein bisschen der Konflikt oder so die Haupthandlung. Klar, es geht um einen Sterbenden, der sein Leben nochmal vor dem inneren Auge durchlebt. Mir ist das alles aber ein bisschen zu offensichtlich. Wie wäre es, wenn die Leser erst am Ende rausfinden, dass die Person im Sterben liegt? Ich denke, es wäre vielleicht interessant, wenn du mit dem Teil anfängst
Wo bin ich? Dass ist doch… das Haus meiner Eltern! Ja, es sind die gleichen teuren Möbel, die gleiche teure Ausstattung und das gleiche große Haus mit Garten. Was mache ich hier? Das ist wahrscheinlich nur meine Fantasie die mit mir durch geht. „Jonas!“ Was! Wer hat das gesagt! „Jonas, kommst du endlich? Morgen ist Vaters 30. Geburtstag, da musst du ausgeschlafen sein!“ Das kann nicht sein, dass ist die Stimme meiner Mutter! Jonas… Wie lange hab ich den Namen nicht mehr gehört! Es ist schon komisch, seinen eigenen Namen nach mehreren Jahren zu hören. Wenn man mich ansprach, nannte man mich „Herrn Nolde“. Jonas Nolde. Das ist mein Name. Aber was hatte Mutter gesagt? Morgen ist der 30. Geburtstag von Vater. Aber dann…
und dann am Ende erst erläuterst, dass dein Protagonist im Sterben liegt. Dann wäre es vielleicht auch sinnvoll, den Titel ein wenig umzuändern... Aber das nur als Anregung. :)
Ich wünsche dir auf jeden Fall noch viel Spaß hier und bin gespannt, was sonst noch so von dir kommt!

LG chouette
 

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