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Die Königin der Ziegen

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17.04.2007
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Die Königin der Ziegen

Gerade noch war sie in angenehme Träume versunken, da wurde Selda vom Plärren des Weckers geweckt. "Halt die Klappe", schimpfte sie schlecht gelaunt und schlug mit ihrem Kissen nach dem Wecker. Dieser sprang vom Nachttisch und hüpfte lärmend durch das Zimmer, zwischen den Papierblumen hindurch, die den Boden bedeckten. "Steh auf, du musst zur Arbeit", sang er und blieb vor der Tür stehen wo er sich erwartungsvoll umdrehte, um zu sehen, ob sie ihm folgte.
Doch da ihr Angriff nichts gebracht hatte, hatte sie ihren eigenen Kopf unter dem Kissen vergraben und versuchte, weiter zu schlafen.
Der Wecker nahm seine Aufgabe ernst. Er sprang auf das Bett und zog dem Mädchen die Decke weg. Kalt im kurzen Schlafanzug drehte sie sich verstimmt um, um den Wecker wieder mit dem Kissen zu attackieren. "Trau dich!", forderte sie ihn heraus.
Der Wecker nahm die Herausforderung an und fuhr ein paar Waffen aus. Harte Eisenkugeln peitschten auf nackte Haut. Das Mädchen wehrte die Kugeln unter leisen Schmerzensschreien so gut es ging mit dem Kissen ab - die ständigen Auseinandersetzungen mit Maschinen hielten sie notgedrungen in Form, doch es waren zu viele Kugeln. Der Wecker lief um sie herum und trieb sie aus dem Zimmer hinaus ins Bad. Was für ein Drecksteil.
Selda schloss die Badtür hinter sich und betrachtete vor dem Spiegel die blauen Flecken, die nun überall auf ihrem Körper aufblühten. Wach. An Schlaf war nicht mehr zu denken.
Da fiel ihr siedend heiß ein, dass sie gleich eine wichtige Präsentation halten musste und das hätte sie so gerne vergessen. Mist. Schnell schlüpfte sie in ihre Sachen und legte dezent Make-up auf. Die schulterlangen Haare, denen man den Schnitt nicht mehr ansah, band sie zu einem Pferdeschwanz zurück - sie hasste es, wenn sie ihr bei einem Ausweichmanöver die Sicht versperrten. Kurz überlegte sie, ob sie die blasse Narbe auf ihrer linken Wange abdecken sollte, wo bei ihrer Geburt ein Muttermal gewesen war, doch sie entschied sich dagegen. Wie immer. Es brachte nichts, vorzugeben, sie wäre makellos.

Sie war spät dran und musste schnell zur Arbeit, auch das noch, sowas Blödes. Sie stellte sich an die Straße und hielt einen Daumen raus, doch alle Fahrzeuge fuhren achtlos an ihr vorbei.
Da, eine Corvette bremste ab und öffnete die Beifahrertür. Selda wollte gerade einsteigen, da fragte die Stimme des Wagens: "Selda?"
Offensichtlich hatte er bereits von ihr gehört, denn er zog ihr den Türgriff aus den Fingern und ließ sie am Straßenrand stehen.
Enttäuscht ließ Selda die Arme sinken. Dann musste sie eben zu Fuß gehen.

Als Selda das Büro erreichte, stürmte sie zu ihrem Arbeitsplatz, der mit drei Papierblumen in unterschiedlichen Farben dekoriert war, doch ihr Laptop war nicht da. Blödes Drecksding, wo konnte er sein ... da, er lehnte zusammengeklappt an einer Vase, die auf einem Regal stand. Dachte wohl, sie könnte ihn da nicht erreichen, doch da hatte er sich getäuscht.
Das Großraumbüro war erfüllt von dem leisen Gemurmel der Angestellten, die Werbekampagnen entwarfen und dazu den Maschinen erklärten, was genau sie haben wollten - das war in dem Fall einfacher, als es selbst zusammenzuklicken. In dieses Gemurmel mischte sich das Geräusch von Rollen, als Selda einen Drehstuhl an das Regal heranrollte und mit einem beeindruckendem Gleichgewichtssinn erst auf die Sitzfläche, dann auf die Armlehnen stieg, um den Laptop zu erreichen - doch dieser hatte sich unauffällig mit abknickenden Ecken um die Vase herum auf die andere Seite geschoben.
Selda zog mit Schwung am Regal, um sich in Bewegung zu setzen und hielt sich an der Ecke fest, wodurch sie in einem Bogen auf die andere Seite rollte.
Der Laptop quiekte erschrocken, klappte halb auf und rollte klackernd wie ein Würfel von dem Mädchen fort. Mit einem Sprung rettete er sich auf den Schreibtisch eines Kollegen - doch Selda fing ihn im Sprung und landet mit dem Bauch auf der Tischplatte. Mit erhobenen Händen wich der Kollege zurück, dessen eigener Rechner hastig die Tastatur hochklappte.
Der Laptop zappelte in Seldas Händen, schlug den Deckel auf ihre Finger, um sie zum Loslassen zu bewegen. Sie ließ sich nach vorne auf den Boden fallen, rollte sich ab und rang den Laptop mit ihrem Gewicht zu Boden. Als er sich nicht mehr rührte, hob sie böse den Zeigefinger. "Du kommst jetzt mit und bist artig." Der Deckel zog sich in einer Art Nicken einen Millimeter weit zusammen.
"Selda ..."
Sie hob den Kopf. Um sie herum war das Gemurmel verstummt. Alle starrten sie an.
"Könntest du etwas leiser sein? Wir können uns nicht konzentrieren."
"Ja, sicher." Sie stand auf, den Laptop unter den Arm geklemmt und klopfte sich mit der freien Hand den Staub ab.

Die Präsentation war bereits halb vorüber, als sich Selda mit ihrem Arbeitslaptop in den Raum schmuggelte, doch alle starrten sie an. Die Plätze nahe der Tür waren besetzt und sie musste um den Tisch herum zur anderen Seite laufen, wo sie sich niederließ und der Stuhl beim Ranschieben mit einem lauten Kratzen den Vortrag störte.
Selda platzierte ihren Laptop vor sich auf dem Tisch und fuhr ihn hoch.
"Haben Sie jetzt die aktualisierten Simulationsergebnisse, Frau Gardner?" Das war Seldas Auftritt, der Moment, vor dem sie sich seit einer Woche fürchtete. Nervös brachte sie ihren Laptop mit nach vorne. "Ähm, ich hab nur die von letzter Woche. Ich hatte Streit mit meinem Laptop."
Der Laptop, den sie gerade an den Beamer anstöpselte, schob einen Arm aus und machte ihr eine lange Nase, bevor er widerwillig seine Daten an das große Bild übertrug.
Selda fasste sich an die Stirn. Das war eine totale Katastrophe. Ihre Kollegin versuchte zu retten, was zu retten war und präsentierte die alten Ergebnisse, wobei sie dazu erzählte, wie sie sich die Klickzahlen mit den neuen Parametern höchstwahrscheinlich ändern würden.
Nach der Präsentation wollte sich Selda dezent mit dem Strom zur Tür hinausschleichen, doch die Kollegin bat sie, noch einen Moment zu warten.
Als sie alleine waren, beschlich Selda sofort ein schlechtes Gefühl und sie nahm widerwillig vor ihrer Kollegin Platz, deren Gesichtsausdruck Bände sprach.
"Frau Gardner, das geht so nicht weiter. Sie haben seit Wochen nichts geleistet."
Selda nickte einsichtig. "Es tut mir leid. Ich komme mit den Maschinen nicht klar. Sie mögen mich nicht."
Die Kollegin stimmte ihr zu. "Das sehen wir auch so. Daher möchten wir offiziell getrennte Wege gehen. Es ist nichts Persönliches, Sie wissen, dass wir Sie mögen, aber professionell passen Sie nicht in diese Branche."
Oh, das hatte Selda sich schlimmer vorgestellt. Als der anfängliche Schrecken überwunden war, jauchzte sie innerlich vor Freude. Ganz neue Möglichkeiten blühten in ihrer Vorstellung auf. "Schreiben Sie das bitte in meine Beurteilung ja?"
Die Kollegin, die sie betreute, nickte höflich, als hätte Selda was Selbstverständliches gesagt. "Den können Sie gleich hier lassen." Sie wies zum Laptop, der wieder Gliedmaßen ausfuhr und erfreut ein Rad über den Tisch schlug. Selda schaute sich nach irgendwas um, das sie nach ihm werfen konnte, doch fand nichts.
Sie packte ihre Sachen, fegte die drei Papierblumen von ihrem Schreibtisch in den Mülleimer und machte noch eine Runde durch das Büro, um sich von allen Kollegen zu verabschieden, die ihr alles Gute wünschten. Dann machte sie sich auf den Weg nach Hause.

Zwar erfreut über ihre neue Freiheit, doch mit leichter Nervosität, was ihre Zukunft anging, stopfte sich Selda als Mittagessen mit Eiskrem voll, während sie im Internet nach einem neuen Job suchte. Ihr Rechner zu Hause war glücklicherweise ein stilles, genügsames Exemplar, solange Selda ihn nicht aus Versehen vollkleckerte und er sich lauthals beschwerend eine sofortige Reinigung verlangte. Dann streikte er so lange, bis er wieder sauber war.
Hm, Pizzeria, das wäre doch was, dachte sie sich, als sie eine Anzeige erblickte. Solide und bodenständig, eine einfache Arbeit. Mit Menschen, nicht mit Robotern.
Das Klingeln ihres Handys riss sie aus ihren Gedanken. Reflexartig griff sie danach und wollte gerade annehmen, als sie den Namen auf dem Display las.
Scheiße. Es war Magnabot.
Sie drückte ihn weg, schaltete das Handy aus und warf es beiseite.
Doch man drückte Magnabot nicht einfach weg. Er rief wieder an und das Handy fuhr kleine Beinchen aus, mit denen es auf den Schreibtisch sprang und auffordernd die Tastatur blockierte.
"Ich geh da nicht ran", erklärte sie trotzig dem Telefon, packte es und lief in die Küche. Sie schaltete es ab und wollte es in den Kühlschrank werfen, als dieser ein paar rote Optiken ausfuhr, um sie vorwurfsvoll anzuschauen. Was, das war die ganze Zeit lang auch ein Roboter gewesen? Unglaublich. Diese Drecksteile waren einfach überall.
Selda lief zur Wohnungstür und setzte das Handy auf die Matte, bevor sie die Tür zuwarf.
Gerade hatte sie Platz genommen und wollte ihre Jobsuche fortsetzen, da hörte sie, wie sich die Tür öffnete - Nein! Schrie sie innerlich auf. Das Türschloss war auch ein Roboter. Sie arbeiteten alle zusammen.
Laut den nächsten Anrufversuch verkündend, kam das Handy reingelaufen.
Man, diese Wesen waren verdammt nervig.
Selda packte das Handy und warf es aus dem Fenster. Der rasch leiser werdende Schrei brach abrupt ab. Keine Sorge, es gab so viele von ihnen, bestimmt hatte es jemand aufgefangen. Hoffentlich blieb es weg und es meldete sich nicht so bald ein anderes, um den Job als ihr Handy zu machen.
Endlich Ruhe. Selda ließ sich vor ihrem Laptop nieder und ließ die Knöchel knacken.
Kaum hatte sie die nächste Taste berührt, schon erschien Magnabots metallenes Gesicht flächendeckend auf dem Bildschirm. Selda sprang erschrocken im Stuhl zurück.
"Du Wurm", begrüßte er sie streng.
Sie versteckte sich hinter ihrem Stuhl, fegte bei der Flucht ein paar Papierblumen auf dem Boden beiseite und schaute durch die Lehne. "Magnabot. Ich ... hab dich nicht erwartet."
"Wann machst du endlich was aus deinem Leben?", schimpfte er. Natürlich hatte er seine Sensoren, seine Spione überall und hatte als Erstes von ihrer Entlassung erfahren. Aber warum ihn das kümmerte? "Alle meine Zöglinge sind einflussreiche Persönlichkeiten geworden. Unternehmensleiter, Manager, Minister. Kevin, mein erster Schützling, ist sogar Präsident der Vereinigten Staaten von EMEA geworden. Alle außer dir. Du versaust meine Quote. Ich strebe einzigartige, hohe Standards an und meine Erziehungsmethoden sind unfehlbar. Einen Ausreißer wie dich kann ich nicht dulden."
"Ich bin kein Führungsperson", erklärte sie und zog sich beschämt tiefer hinter den Stuhl zurück. "Würdest du mich bitte nicht mehr anrufen?"
"Ich rufe dich an, wann ich will. Mitten in der Nacht wenn du schläfst. Unter der Dusche. Auf dem Klo. Bei der Fortpflanzung. Ich rufe dich vom Urlaub, von Partys und sogar von deiner eigenen Hochzeit ab, wenn mir danach ist. Ich lasse dich erst in Frieden, wenn ich habe, was ich will."
Selda seufzte. Er war so gruselig, wusste immer alles über sie, wo sie war, was sie dachte ... Sie war froh gewesen, ihn nach ihrer Schulzeit los zu sein, doch da hatte sie sich offensichtlich geirrt. Man konnte ihnen nicht entkommen. Vielleicht hätte sie auf einer einsamen Insel ihre Ruhe, doch bestimmt kreisten einige von ihnen als Satelliten im Orbit und würden sie auch auf der Insel fernab jeglicher Zivilisation beobachten.
"Das Ergebnis meiner Erziehung stellt mich nicht zufrieden", erklärte Magnabot. "Doch das werde ich ändern und nachholen, was ich versäumt habe. Tu, was ich dir sage, dann lasse ich dich in Frieden."
"Hm." Sie wagte es nicht, zu widersprechen und setzte sich wieder auf den Stuhl. Es würde nichts bringen. "Wie du willst, aber ich ändere mich nicht. Du kannst mich in einen Anzug stecken, aber mir folgen die Leute nicht und ich hab keinen Spaß daran, sie anzuführen und einen Plan hab ich auch nicht."
"Das werden wir sehen. Erstmal nimmst du dein Telefon zurück und entschuldigst dich bei ihm."
Dann hatte sie mit ihrer Annahme richtig gelegen, dass jemand es aufgefangen hat. Gerade klopfte es und die Wohnungstür schwang auf. Scheinbar außer Atem kam das kleine Telefon über die Schwelle gehüpft und ließ sich erschöpft zwischen den Papierblumen zu Boden fallen.
Das Mädchen hob es missmutig auf. "Ähm, sorry, dass ich dich aus dem Fenster geworfen habe." Das kleine Telefon streckte ihr auf dem Bildschirm die Zunge aus und zog die Gliedmaßen ein, sodass es wie ein lebloses Handy in ihre Hand fiel. Die Finger von Seldas Hand dahinter zierten weiße Narben, wo sie als Kind versucht hatte, Magnabot mit einem Zapfen aus Salzteig zu töten und abgerutscht war. Ein kleines, fünfjähriges Mädchen gegen einen zehn Meter hohen Roboter - damals hatte sie noch Ambitionen gehabt. Jegliche Hoffnung, sie würde mit irgendeiner Maschine je Freundschaft schließen, war ein Hirngespinst. Keine Ahnung, warum das kleine Wesen bei ihr blieb, vermutlich aufgrund eines Befehls.
"Gut", hörte sie Magnabots Stimme aus dem Zimmer. "Jetzt entsorgst du dieses kalte, ungesunde Zeug. Und dann suchen wir dir eine neue Aufgabe."

Natürlich hatte Selda eine eigene Vorstellung davon, wie ihre neue Aufgabe aussehen sollte. Magnabots Anweisungen ignorierend - offiziel verschoben - ging sie einkaufen. Gerade war sie im Supermarkt an der Reihe und hielt ihr Gesicht in die Kamera der Kasse. Doch anstatt dass sich die Schranke öffnete, leuchtete ein rotes Licht auf. Was ging denn jetzt ab?
Die Kasse klappte sich zu einem Oberkörper mit zwei Armen auf, damit sie besser gestikulieren konnte und zeigte in Seldas Einkaufswagen. "Magnabot verbietet dir mehr als 100 Gramm Schokolade pro Woche, bis sich deine Leistungen gebessert haben."
"Das kann er nicht machen!", beschwerte sich Selda lauthals. "Ich lebe von Schokolade!"
Die Kasse kreuzte mehrmals die Arme vor der Brustmechanik als Zeichen, dass das vollkommen ausgeschlossen war. "Pack mehr Gemüse ein, sonst darf ich dich nicht rauslassen. Wenigstens eine Packung Spinat."
"Ich hasse Spinat!"
Murrend machte Selda kehrt. Na gut, dachte sie und holte eine Packung Tiefkühlspinat. Sie musste sie ja nicht essen.

Zurück zu Hause rannte Selda mit voller Wucht gegen ihre Wohnungstür und plumpste halb benommen auf den Boden, wo sie sich die Stirn rieb. Was war geschehen? Blödes Drecksteil.
Ihr Handy kletterte ungefragt aus ihrer Tasche und zeigte eine Nachricht an. "Das Türschloss hat gekündigt. Du musst die Tür selbst öffnen."
Welcher Bug war dem denn über das Motherboard gelaufen? Selda hatte nicht mal gewusst, dass Türschlösser sowas taten. Sie waren einfach immer da.
Wie wohnte es sich ohne Türschloss? Das würde sie jetzt wohl oder übel herausfinden müssen. Selda fummelte eine Weile an der Tür herum, bis sie die Handgriffe herausfand, um sie manuell zu öffnen.

Drinnen musste sie feststellen, dass der Kühlschrank die Nudeln versteckt hatte und außer Gemüse und Fleisch nichts herausgab. Ach menno.
Kurzerhand griff sie zum Handy. "Ruf den nächsten Pizza-Lieferdienst an." Das Freizeichen ertönte und kurz darauf nahm ein Mitarbeiter ab und grüßte mit Namen. Selda bestellte eine große Pizza Quattro Formaggi mit extra viel Käse und wartete.
"Ähm", sagte der Mitarbeiter nach mehreren Sekunden. "Das Bestellsystem nimmt die Bestellung nicht an. Da steht, Sie dürfen nur Salat und Steak rare ordern. Kein Nachtisch, keine Limonade."
Das durfte doch nicht wahr sein. Sowas hatte sie noch nie erlebt. "Dann geben Sie die Bestellung nicht in den Computer ein", schlug Selda vor. "Liefern Sie einfach so. Ich geb' auch extra viel Trinkgeld."
"Das kann ich leider nicht machen", entschuldigte sich der Mann. "Hier wird eine Warnung angezeigt, dass meine Spezies ausgelöscht wird, wenn ich das tue."
Der große Roboter hatte wirklich überall seine Finger im Spiel. Wütend legte Selda auf.
Gerade kam die Küchenmaschine herein, um Selda ein spätes Mittagessen zu servieren - halbrohes Fleisch und Salat. So eine Frechheit, so eine Bevormundung. "Ich brauche deinen Fraß nicht", schimpfte Selda wütend.
Das war zu viel für die Küchenmaschine. Sie verengte ihre roten Optiken. Stellte den Teller, wo sie war auf den Boden und zerdrückte dabei ein paar Papierblumen. "Wie du willst, dann kochst du dein Essen ab jetzt selbst." Große Maschinen verfügten für gewöhnlich über einen Stimmenprozessor, der in der Lage war, menschliche Laute zu produzieren. Meistens drückten sie damit ihren Unmut über Seldas Verhalten aus. "Wir sind nicht deine Sklaven, Mensch. Du tätest gut daran, dich daran zu erinnern." Die Küchenmaschine verschwand zur Tür hinaus.
Hm, das war keine gute Idee gewesen. Die Küchenmaschine hatte alles übernommen: Kochen, Backen, Kleinschneiden ... Selda hatte nichts, um sie zu ersetzen und sie hatte auch keine Lust, sich eine andere zu besorgen - nicht, dass sich andere darum reißen würden, den Job zu übernehmen. Dann musste sie sich wohl bei der nächsten Gelegenheit nach manuellen Möglichkeiten umschauen.

Am Abend traf Selda sich mit ihrer besten Freundin Julia in der Virtual Reality Arena und die beiden grüßten einander mit einer herzlichen Umarmung. "Wie geht's dir?", fragte Julia beiläufig, doch Selda antwortete nicht. Neben dem Eingangsbereich gab es eine kleine Zone, wo sie ihre Handys abgeben konnten. Ihre beiden Telefone klappten ihre Gliedmaßen aus, begrüßten einander freudig mit Maschinengeräuschen und gingen sich dann mit Spielkämpfen die Zeit vertreiben, bis ihre Besitzerinnen zurückkamen.
Die beiden Mädchen schossen sich durch virtuelle Zombiehorden. Selda nahm die Sache ernst und metzelte sie nieder - dem Computer, der die Gegner steuerte, wollte sie es richtig zeigen. Julia starb ständig, hatte aber trotzdem Spaß und lachte dann. "Ich hätte nach hinten gucken sollen!" kommentierte sie ihren letzten Tod. Dann sagte sie grinsend zu Selda: "Gegen deine Spezialausbildung bei diesem großen Roboter hat niemand eine Chance."
Selda zuckte nur mit den Schultern. Als Glück empfand sie ihre Zeit in Magnabots Kindergarten nicht gerade.

Nach dem Spiel, nachdem sich Julia noch schnell beim Zentralrechner für das Erlebnis bedankt hatte, wollten sie ihre Handys wieder abholen. Julias Handy lief ihr aufgeregt entgegen und zwitscherte irgendwas in ihrer Maschinensprache. Zwar verstanden die Mädchen wie alle Menschen kein Wort davon - die Maschinensprache war zu komplex, um von ihren menschlichen Gehirnen verarbeitet zu werden. Aber Selda nahm an, dass die Maschinen Julia so sehr mochten, dass sie es aus einem Gefühl der Verbundenheit heraus vergaßen oder verdrängten.
Julias Handy zeigte zu einer Dame, die den Bereich beaufsichtigte und blendete eine Nachricht auf seinem Bildschirm ein: "Chirp ist dort drüben."
Die Dame entdeckte Selda und holte dann deren Handy aus einer kleinen Kiste auf dem Schreibtisch. "Hier, wir mussten es aufladen. Das kostet leider extra."
Selda nahm genervt ihr Handy entgegen, das schlaff in ihrer Hand lag. Julia beugte sich sachte darüber, als sie ihr eigenes Handy eingesteckt hatte. "Ach du armer kleiner Kerl, was ist denn mit dir?"
Selda erklärte ihr trocken: "Mein Wecker hat gekündigt, also hat mein Handy den Job übernommen. Es hat eine halbe Stunde gebraucht, mich heute morgen aus dem Bett zu bekommen ..." Sie musste zugeben, dass das Leben mit ihr anstrengend war. Normalerweise hielt das Handy den Tag über durch, doch heute hatte es so viel zu tun gehabt, dass ihm früh die Batterie ausging.
"Du solltest wirklich netter zu ihnen sein", sagte Julia und streichelte Seldas Handy, das einen grobpixeligen, lächelnden Smiley mit comichaft geröteten Wangen anzeigte. "Was hast du eigentlich immer gegen sie?"
"Als ich ein Kind war, hat mein Vater uns wegen seiner Cyber-Sex-Sucht verlassen." Selda murrte. "Irgendwie ist mir, als wäre es ihre Schuld."
"Oh, das ist doof", erwiderte Julia mitfühlend. "Dann fändest du es besser, wenn sie deinem Vater nicht erlaubt hätten, seiner Sucht nachzugeben?"
Selda musste an ihre eigene Situation denken. "Nein, weiß nicht, keine Ahnung." Doch dann kochte die Erinnerung in ihr hoch und sie regte sich auf. "Du hättest ihn sehen sollen, wie ein Zombie ist er herumgewandelt, hat kaum noch gegessen oder geschlafen und uns nicht mehr wahrgenommen hinter seiner Brille. Ich finde schon, dass da jemand hätte eingreifen können. Du kannst ja nicht einfach den Stecker ziehen - dann beschweren sie sich."
Ihr Handy vibrierte, um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Es schaute sie wütend an und blendete ein: "Da kann ich nichts für." Selda rollte mit den Augen und steckte es in die Tasche. Sie wollte auch nur ihre Ruhe haben und hatte keine Lust, über sowas nachzudenken.
Draußen hielt sofort ein Wagen an, um Julia nach Hause zu bringen. Sie lächelte entschuldigend an der offenen Tür. "Wenn du möchtest, überrede ich ihn, dich mitzunehmen?"
Nein, bloß nicht. Dann lästerte er bestimmt vor Julia über ihre Schandtaten. "Nein danke, ich gehe zu Fuß, ist sowieso gesünder."
Selda winkte ihnen hinterher. Vermutlich ... erzählte er es ihr sowieso. Ihre Abneigung gegen Roboter war allseits bekannt.

An ihrer Wohnungstür wäre Selda beinahe wieder gegen die Tür gelaufen, da blieb sie stehen, als sie von drinnen eine Stimme hörte. Na nu, hatte sie sich in der Tür geirrt? Nein, es gab nur diese Tür, an der das Schloss fehlte.
Sie lauschte, dann trat sie ein. An ihrem Schreibtisch saß ein fremder Mann. Ihr Laptop hatte Arme und ein rudimentäres Gesicht mit zwei roten Optiken ausgeschoben und die beiden erstarrten mitten in einem Klatschspiel.
"Was machen Sie hier? Verschwinden Sie, ich rufe die Polizei!" Wütend griff Selda nach ihrem Telefon. Der Mann hob abwehrend die Hände. "Ich bin sofort weg!" Er stand auf. Der Laptop sprang ihm auf die Schultern und klammerte sich an ihm fest.
"Hey, was ..." wollte Selda gerade fragen, als der Mann zur Tür hinaus verschwand und sie war zu überrascht, um sie aufzuhalten.
Selda rief die Gesetzeshüter an. "Da war ein fremder Mann in meiner Wohnung! Er hat meinen Laptop gestohlen."
Die Maschinenwesen hatten ihre Sensoren überall und arbeiteten rasend schnell. Der Mann hatte kaum das Haus verlassen, da erhielt Selda eine Nachricht auf ihr Telefon: Sie hatten den Mann sofort identifiziert und ein Urteil anhand des Strafenkatalogs gefällt: Für das unerlaubte Betreten ihrer Wohnung bekam sie eine Terminanfrage, wann sich der Mann persönlich bei ihr entschuldigen musste, eine finanzielle Entschädigung und die Erlaubnis, seine Wohnung zu einem Zeitpunkt ihrer Wahl zu betreten. Was sie nicht in Anspruch nehmen würde, wen interessierte das.
Wegen des Laptops gab es nichts zu beanstanden. Maschinen waren frei zu gehen, wohin sie wollten, da hatte Selda halt Pech gehabt. Hätte sie netter zu ihm sein sollen.
Sowas Blödes. Normalerweise hätte sie den Rest des Abends mit Surfen im Internet, Videos oder Spielen am Laptop verbracht. Naja, jetzt musste halt das Handy herhalten.
Selda scrollte die Liste der Spiele durch. Oh, das klang interessant: Super Turbo Mega Power Asteroidenkegeln Deluxe Master Advanced 2 3D Special Edition, das hatte so einen lächerlichen Namen, das musste gut sein. Und wenn nicht, konnte man sich wenigstens über den Namen lustig machen.
Gerade erreichte sie Level 7 und war eifrig dabei, auch das nächste Level zu lösen, da begann das Bild zu flackern und das Handy gähnte.
"Nicht einschlafen!", befahl sie und schüttelte das Handy. Es gab Geräusche des Unmuts von sich und riss sich zusammen. Doch nach kurzer Zeit kehrte das Flackern zurück, kurz bevor sie das Level geschafft hätte.
Das Handy sprang ihr aus der Hand, streckte die Zunge raus und kreuzte die kleinen Ärmchen in einer Geste der Sackgasse vor dem Gehäuse: Bis hierhin und nicht weiter. Dann ließ es sich erschöpft in den Ruhemodus fallen wo es gerade stand.
Seufzend schloss Selda das Handy zum Aufladen an. Gelangweilt riss sie einen Klebezettel vom Stapel auf ihrem Schreibtisch ab, faltete ihn zu einer Papierblume und ließ sie zu den anderen fallen. Bis zur Schlafenszeit faltete sie möglichst langsam ein paar weitere, bis sie müde genug zum Schlafen war.

Selda befand sich wieder im dunklen Zimmer, dessen einzige Lichtquelle ein weißer Monitor war. Sie stand in der Ecke in ihrem gelben Kleidchen und beobachtete ihren Vater, der einen eng anliegenden, hautfarbenen Anzug trug. Er sah sie nicht. Auf dem Kopf trug er eine VR-Brille und lachte in die Gegend. Wie ein Hund ließ er sich auf alle Viere hinab, krabbelte ein Stück, setzte sich hin. Er begann, irgendwas mit seinen Händen zu machen.
"Was machst du da?", fragte Selda.
"Sie sagte, ich muss die Schnur um diesen Tannenzweig wickeln und ihn in den Brunnen dort werfen." Er machte eine Wurfbewegung und wartete. "Aber ... ich merke noch nichts. Vielleicht muss ich mich erst daran gewöhnen."
Von irgendwoher begann ein Kinderchor zu singen. Selda schaute sich nach den Stimmen um, doch ihr Vater fuhr fort, mit irgendwelchen unsichtbaren Dingen zu interagieren, als könnte er es nicht hören.
Die Stimmen verklangen bald darauf in der Ferne. Es wurde hell, aber es war so bequem. Sie fühlte sich so unglaublich gut. Selda kuschelte sich tiefer in die Decke. Oh, richtig, kein nerviger Wecker kam, um sie zu wecken und das Handy steckte noch in seiner Ladestation und blinzelte sie müde an.
Gut. Sie warf die Decke über ihren Kopf und döste noch eine Runde.
Gerade war sie wieder am Wegnicken, da klingelte das Handy und hoppste mit nervigem Gepiepse von seiner Ladestation durch das Zimmer auf ihr Bett.
"Lass mich in Ruhe." Sie drückte den Anruf weg, ohne zu schauen, wer es war.
Das war ein Fehler. Das Handy machte erschrockene Geräusche.
"Was ist denn?" Selda setzte sich auf. Konnte man nicht einmal die Zwanglosigkeit der Arbeitslosigkeit in Ruhe genießen.
Oh, Shit. Sie hatte Magnabot weggedrückt. Sofort begann das Handy wieder zu klingeln und Magnabots Gesicht erschien auf dem Bildschirm - er hatte den Anruf selbst angenommen. Vor Schreck drückte sie die Hände zusammen und das Handy flutschte nach oben heraus wie ein Stück Seife. Sie griff danach, verfehlte es fast, griff hinterher und warf sich zum Auffangen auf den Boden, wo sie ein paar Papierblumen plättete. Autsch.
"Drück mich noch einmal weg und du gehst ab morgen wieder in den Kindergarten."
Sie grinste ihn peinlich berührt an. "Sorry. Mach das nicht." Manchmal klang es, als würde Magnabot mit seinen Drohungen übertreiben, doch die wenigen, die die Wahrheit kannten, kamen meist nicht mehr dazu, darüber zu berichten. Die hier war recht harmlos im Vergleich, aber er würde es wahr machen.
In dem Moment klopfte es ans Fenster. War das eine Lieferung, aber sie hatte gar nichts bestellt? "Dein Frühstück", bemerkte Magnabot. "Dein Kühlschrank hat vor zwei Stunden gekündigt. Das kommt davon, wenn man Maschinen nicht mit dem Respekt begegnet, der uns gebührt."
"Hm." Als sie die Gardinen aufzog, warf ihr der mechanische Vogel einen kurzen Blick zu und flog davon. Für gewöhnlich wechselten sie mit ihren Kunden ein paar Worte, aber sie hatten keine Lust, mit Selda zu reden.
Sie öffnete das Fenster und holte das Bündel herein, während sie in der anderen weiterhin das Handy hielt. Rohes Fleisch und Gemüse, natürlich. Sie konnte von Glück sagen, dass es wenigstens Gemüse dazu gab, seit die Eltern einst mit einer Petition auf Magnabot zugetreten waren, damit er den Kindern etwas Gesundes außer dem rohen Fleisch gab. Was mussten sie für eine Angst durchgestanden haben, dabei tat er keinem was, solange man vernünftig mit ihm redete und nichts tat, was dem gesunden Menschenverstand ... naja, okay, da lag schon bei vielen das Problem.
"Du weißt, was das heißt."
"Dass ich nicht in der Lage bin, mich um mich selbst zu kümmern." Magnabot hatte eine subtile Art, sich auszudrücken, die viele Menschen nicht verstanden. Sie hob das Bündel ins Bild. "Das heißt, ich bin ein Loser."
"Aha. Dann ist wenigstens etwas von meiner Erziehung bei dir hängen geblieben." Mehr als ihr lieb war, dachte sie mit einem kurzen Blick zum Bild.
Sie trug das Bündel zum Essen in die Küche und begann, darin herumzustochern, dabei schaute sie verträumt zum Fenster hinaus.
"Du wirst es in dieser Gesellschaft nie zu etwas bringen, wenn du dich nicht zusammenreißt. Benimm dich wie ein Vorbild."
Tja, da hatte er wohl recht.
"Okay", stimmte sie zu. "Ich werde eine Führungsperson sein. Ich hab auch schon einen Plan."

Am Bahnhof warteten bereits einige Menschen auf den Zug. Der, der auf dieser Strecke tätig war, galt als zuverlässig. Trotzdem machte sich Selda ein wenig Sorgen, dass er sie abweisen würde. Blöde Roboter.
Sie nahm ihr Handy aus der Tasche. Hockte sich hin und stellte es vor sich auf den Bahnsteig. Wie war doch gleich sein Name, Zwit oder so?
Das Handy schob seine Gliedmaßen aus und schaute erwartungsvoll zu Selda auf.
"Ich möchte, dass du gehst. Such dir einen neuen Besitzer, einen, der dich besser behandelt."
Das Handy verengte die Augen des Gesichts, das es zur besseren Kommunikation auf seinem Bildschirm einblendete, dann ersetzte es das Gesicht durch einen Schriftzug: "Nein" und hob die kleinen Ärmchen, damit Selda es wieder aufnahm.
Selda ließ es achtlos stehen und stellte sich an den Bahnsteig. Gerade flog ein weißer und lilafarbener Jet ein, der auf den Gleisen landete und sich in einen zweibeinigen Robotermodus verwandelte, um die Fahrgäste auszuchecken. Ihr Handy hopste ihr hinterher und zupfte Selda am Hosenbein.
Kurzerhand packte sie es. Lief zum nächsten Mülleimer. Griff sich eine Plastiktüte, wo sie das Handy einknotete und in den Mülleimer warf. Es piepte wütend und versuchte, sich freizustrampeln.
Selda lief zurück zum Bahnsteig, bevor der große Roboter ihren Platz in der Reihe erreichte.
Während er mit den Menschen vor ihr noch ein, zwei Sätze lockeren Smalltalk wechselte, schlug seine Stimmung bei ihr schlagartig um. "Selda", erkannte er. "Magnabots Sorgenkind. Wo soll's denn hingehen?"
"Weg", sagte sie. "Bring mich irgendwo hin, wo es keine Roboter gibt. Ich brauche eine Pause von euch."
Sein Blick fiel auf den Mülleimer, in dem es piepte und raschelte. Man sah ihm die Abneigung deutlich an. "Das wäre in der Tat für alle Seiten von Vorteil, hm? Gut, von mir aus."
Er verwandelte sich mit einem Sprung in einen Zug und stellte sich auf die Gleise, um die Gäste einsteigen zu lassen. Seldas Handy befreite sich gerade, um den Zug noch davonfahren zu sehen.

Selda lag gemütlich auf einer Wiese im Sonnenschein unter einem Strohhut und kaute auf einem Grashalm herum. Zwischen echten Blumen. Herrlich, so ließ es sich aushalten: Keine Roboter weit und breit, abgesehen von einigen Jets, die gelegentlich in der Ferne über den Himmel zogen.
Und diesem mechanischen Vogel, der ihren Namen rief.
Selda setzte sich auf und schirmte ihren Blick mit dem Strohhut ab. Den kannte sie nicht, was wollte der hier?
"Eine Lieferung", rief der Vogel und warf ihr ein kleines Päckchen in den Schoß, bevor er davonflog. Sie hatte aber nichts bestellt.
Sie öffnete das Päckchen. Darin fand sie ihr altes Handy, das ihr auf dem Bildschirm die Zunge herausstreckte und sich dann verwandelte, um als gewöhnlicher Gebrauchsgegenstand in ihre Hand zu fallen.
Kurz darauf klingelte es: Magnabot erschien auf dem Bildschirm. Doch ihre Laune war zu gut, um sie sich von ihm verderben zu lassen und sie hob freudestrahlend ab. "Hallo, was kann ich gegen dich tun?", fragte sie spielerisch.
"Dein Verhalten ist inakzeptabel", tadelte er. "Du sollst eine Führungspersönlichkeit werden."
"Aber Magnabot, ich bin eine Führungspersönlichkeit", lachte sie. "Das da sind meine Untertanen." Sie hielt die Kamera auf die Gegend hinter sich gerichtet, wo eine Ziegenherde in ihrer Nähe graste.
"Okay?", fragte sie.
"Mir wäre es lieber, wenn du über Menschen herrschen würdest." Das hieß im Magnabot-Sprech: Das ist für den Anfang in Ordnung.
"Danke, du bist ein Schatz!", flötete Selda und legte auf.

 
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26.05.2019
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Hallo @Jellyfish

deine humorvolle Geschichte hat mich sehr gut unterhalten. Die Szenen, die du basierend auf der Grundidee entwirfst, funktionieren meiner Meinung nach und sind voller Situationskomik.

"Das kann ich leider nicht machen", entschuldigte sich der Mann. "Hier wird eine Warnung angezeigt, dass meine Spezies ausgelöscht wird, wenn ich das tue."
Eine meiner Lieblingsstellen. :lol:

Persönlich hätte ich mir gewünscht, dass die Geschichte insgesamt mehr einem einzigen Handlungsverlauf folgt und etwas weniger episodenhaft erzählt wird.

Man könnte einzelne Szenen problemlos aus dem Handlungsverlauf entfernen (z.B. der Besuch im Kaufhaus, oder in der Virtual Reality Arena) ohne, dass das einem Leser sonderlich auffallen würde. Dadurch wirkt dein Text eher wie eine Aneinanderreihung von (gelungenen) Pointen und nicht wie eine Geschichte mit einem Spannungsbogen.

Schade fand ich auch, dass deine Protagonistin relativ flach bleibt. Die Maschinenhasserin eben. Gut, dafür gibt es im Laufe der Geschichte eine Erklärung, allerdings hätte ich mir schon eine Art von Charakterentwicklung gewünscht.

Dein Stil ist vermutlich bewusst etwas lockerer Gehalten und das passt auch sehr gut zum witzigen Inhalt der Geschichte.
Du schreibst souverän und flüssig, hier habe ich nichts zu meckern nur ein paar kleinere Anmerkungen:

Der Laptop, den sie dabei war, an den Beamer anzustöpseln
Das klingt etwas holprig.
Daher finden wir, sollten wir getrennte Wege gehen.
Das auch. Liegt eventuell an der Wiederholung von "wir".
flüsterte Magnabot mit einem strengen Tonfall, um die Kinder nicht zu wecken.
Das klingt, als wäre der Tonfall streng, um die Kinder nicht zu wecken.
Na gut, dachte sie sich und holte sich eine
Häufung von "sich".
Gerade kam die Küchenmaschine herein, um Selda ihr ein spätes Mittagessen zu servieren
Das "ihr" kann weg.

Wie gesagt, sehr gerne gelesen und dabei gelacht.

Viele Grüße
Tarkus

 
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Hallo @Tarkus

vielen Dank für dein Interesse! Da bin ich erleichtert, dass der Humor angekommen ist. Nach gefühlt zehnmal Überarbeiten habe ich Schwierigkeiten, das noch zu erkennen.

Ich hab versucht, die Szenen rauszuwerfen, die du vorgeschlagen hast. Die Szene im Kaufhaus war dafür da, damit Selda beim Zurückkommen das fehlende Schloss bemerkt. Ich hab es ein bisschen umgestellt. Wie ich die Virtual Reality Arena-Szene rausnehmen kann sehe ich gerade nicht, da Selda nochmal weggehen muss, damit der Laptop seinen neuen Freund findet, außerdem erklärt sie dort ihre Abneigung gegen Maschinen. Dafür hab ich die Szene mit Kevin rausgenommen.

Danke für den Hinweis mit der Charaktertiefe. Ich hab versucht, etwas Positives zu finden, das keine Widersprüche mit der Story aufwirft. Selda faltet nun Papierblumen.

Viele Grüße
Jellyfish

 
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Hallo Jellyfish,
Habe ich gerne gelesen und fand die Idee sehr gut. Besonders das Ende war gelungen.
Etwas Probleme habe ich mit der Figur von Selda. Ich weiß nicht recht wie alt sie ist. Aus ihrem Verhalten wirkt sie wie ein Teenager, aber sie hatte ja eine Arbeit - wobei mich auch hier mehr interessiert hätte. Und auch wie sie aussieht- nach ihrer Ernährung wohl ziemlich übergewichtig, aber andererseits:

Enttäuscht ließ Selda die Arme sinken. Dann musste sie eben zu Fuß gehen.
scheint das nicht wirklich eine Katastrophe zu sein, also hat sie eine gewisse Grundkondition

"Du sollst eine Anführerin werden."
Das habe ich auch nicht verstanden. Warum ist Mangabot so fixiert sie A) zur Anführerin zu machen und B) Anführerin von wem? C) Anführerin klingt für mich in einer SF Welt altbacken. Heutzutage wird man ja Leader, Influenzer, Manager oder so, aber kein Anführer mehr
Man, diese Wesen waren verdammt nervig. Sie bestimmten das Leben aller Menschen, es gab kein Entrinnen.

Eh klar, das musst du nicht nochmals betonen.

"Dieter, Dieter, unser Held,
Beglückst Frauen, doch bekommst kein Kindergeld.
Das wirkt für mich zu ernst und lenkt auch von der Haupthandlung ab

LG
Bernhard

 
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Hallo @Bernhard ,

vielen Dank für den Kommentar! Ich dachte schon, das wäre es gewesen mit den Rückmeldungen.

Ich erwähne nun Seldas Frisur und Kondition und habe ihr zwei Narben verpasst. Jaa, sie benimmt sich sehr kindisch. Ich hab eine Bonus-Szene hinzugefügt, in der man mehr von ihrer Arbeit sieht.

Magnabot ist der Meinung, dass er besser im Kindererziehen ist als Menschen. Die Leute bringen Außenseiter zu ihm und er macht aus ihnen Anführer/"Alphatiere", hatte ich angedeutet durch "Kevin, der Präsident der Vereinigten Staaten von EMEA". Ich hab versucht, das noch mehr hervorzuheben, mit konkreten Beispielen, was er meint. Außerdem hab ich "Anführer" durch "Führungspersönlichkeit" ersetzt, das sollte etwas moderner klingen.

Eigentlich fand ich das Spottlied lustig. Ich hab es mal rausgenommen. Kill your darlings und so.

Viele Grüße
Jellyfish

 

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