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Die Mätresse

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Die Mätresse

Giulia Farnese 1474 - 1524,
Papst Alexander VI (Rodrigo Borghese) 1431 - 1503

Rom. Um 1600.

Im Vatikan gab es keine andere Statue, die nachweislich so viele junge und möglicherweise auch ältere Männer dazu verführt hat, sich in unbeobachteten Momenten vor ihr zu befriedigen und auf ihren makellosen Marmorkörper zu ejakulieren.
Deshalb entschloss man sich um diese Zeit, die "Bella Guilia" des Bildhauermeisters Guglielmo Della Porta in einen Bleimantel zu hüllen.

Gegen Entgelt waren die vatikanischen Sittenwächter aber noch bis ins 19. Jahrhundert bereit, den Bleimantel vorübergehend zu entfernen.
Das ist quellenkundlich gesichert.

Als Namen seines Modells für diese wohl sehr erotische Plastik, die Anfang des 20. Jahrhunderts aus bis heute unverständlichen Gründen vernichtet wurde, wählte Bildhauer Della Porta eine Frau namens:

Giulia Farnese.

Rom. 2016. Villa Borghese.

Hier besucht man Bilder von Raffael, unter anderem das Gemälde „Die Dame mit dem Einhorn“, das er in mehreren Versionen geschaffen hat. Sie zeigen alle eine junge blonde Schönheit mit einem klugen Antlitz, wachen Augen und einem Mund, der Sinnlichkeit verheißt und Durchsetzungsfähigkeit androht.
Sinnliche aber fast schmale Lippen, Herzmund, wache Augen, blond, aber nicht ostfriesen-blond.
Das historische Vorbild für die Portraits war:

Giulia Farnese.

Retrospektiv. Um 1500. Vatikan

Der Vatikan verkauft mehr Bordelllizenzen als die anderen großen europäischen Städte zusammen. Aus allen Ländern strömen junge Frauen hierher, um als Huren einen sozialen Aufstieg zu schaffen, der in anderen Gegenden der Welt und zu anderen Zeiten der Weltgeschichte völlig undenkbar wäre. Ein Kirchengelehrter übersetzt das Wort Kurtisane zum ersten Mal als „edle Hure.“ Ein Zehntel der Stadtbevölkerung besteht schließlich aus Prostituierten, die überwiegend das Ansehen von Kirchenmännern genießen, vom einfachen Abt bis hin und zu Kardinälen und Päpsten.

Angeblich gutaussehend (auf Gemälden riesige Nase, Basedow-Augen, schwulstige Lippen und vor allem sehr viel älter als Guilia), leidenschaftlich und klug wird Papst Alexander VI zum Bannerträger und Gestalter dieses Lustreichs und findet darin nach vielen schönen anderen Geliebten endlich eine Frau, die zukünftig jeden ihrer Briefe mit einem lateinischen Kürzel unterschreibt, welches bedeutet:
„Des Papstes gehorsame Sklavin.“
Dieses lässt Missdeutungen zu.
Der Name der angeblich so gehorsamen Sklavin:

Giulia Farnese

Retrospektiv. Italienischer Palast des spanischen Kardinals Rodrigo Borgia. 1489.

Pier Luigi Farnese hat bereits 1474 bei der Geburt seiner Tochter Giulia mit der Familie Orsini vereinbart, dass sie eines Tages einen männlichen Spross der Orsinis heiraten werde. 1489 wird sie dementsprechend dem einäugigen Orso angetraut. Man feiert die Hochzeit im Palast des Kardinals Borgia, dessen uneheliche inzwischen weltberühmte Tochter Lucrezia später Gulias beste Freundin werden wird.
Als Rodrigo Borgia die fünfzehnjährige Braut auf der Hochzeit sieht, macht er sie noch in dieser Nacht zu seiner Geliebten. Danach gibt er alle seine bisherigen unehelichen Kinder in die Obhut von Gulias neuer Schwiegermutter Adriana de Mila und verlässt seine römischen Geliebten, insbesondere seine langjährige Gefährtin Vanozza, die ihn bis an sein Lebensende immer wieder freundschaftlich vor Gulias Zaubermacht warnen wird.
1492 schenkt Giulia ihrem Geliebten Rodrigo Borgia ihre Tochter Laura.
Im August dieses Jahres wird Rodrigo Borgia zum Papst Alexander VI gekürt. Giulia sagt ihm an diesem Tage:
„Leg mir die Welt zu Füßen.“

Rom, Päpstliche Gemächer, retrospektiv ab August 1489

Giulia geht auf Rodrigo zu, der am Schreibtisch sitzt und sie berühren will, sie aber entzieht sich ihm.
„Es ändert sich nichts zwischen uns.“
Giulia stellt ihren Fuß vorsichtig auf seinen Schenkel und antwortet:
„Doch mein Herr, Gebieter und Papst.“
Er schiebt den langen Rock aus edlem Brokat über ihre Fesseln und will ihren Fuß küssen, doch wieder entzieht sie sich ihm.
„Das kostet dich einen Ring, mein Herr.“
Er nickt, küsst inbrünstig und lange ihre zierlichen Füße und leckt über das kunstvolle weiche Leder ihrer Schuhe, Kunstwerke, die man heute als High Heels bezeichnen würde.
Schließlich verlieren sich seine Hände auf ihrer Haut und drängen an den Innenseiten ihrer Oberschenkel hoch.
„Das kostet dich ein Bistum für meinen Bruder, mein Gebieter.“
Papst Alexander lehnt ab, lässt aber nicht von ihr.

Und noch in diesem Jahr kürt er den fünfundzwanzigjährigen Allesandro Farnese zum Kardinal, im Volksmund Cardinal Gonella
- "Röckchen" - und auch Cardinal "Fregnese" - auch als "Kardinal Möse" verspottet.

Doch das Volk täuscht sich in Gulias Bruder und ihren Absichten. Später wird er als Papst Paul III die Gegenreformation einleiten.
Erst nach seiner Ernennung besucht Gulia Rodrigo wieder in seinen päpstlichen Privatgemächern.
Wieder darf er ihre Füße küssen und ihre Oberschenkel streichen, dieses Mal gegen eine Kette und ein Landgut.
Schließlich fleht er sie auf Knien an, sich so wie früher endlich wieder vor ihm zu entkleiden und sich zu ihm zu legen.
Giulia knöpft langsam ihre Korsage auf, sieht ihn an und sagt lächelnd zu ihm:
„Das kostet dich das Himmelreich, mein Papst.“

Venedig, Retrospektive. 1501.

Giulia hat den Papst verlassen und verbirgt sich vor ihm einige Monate in ihrem Geburtsort Capodimonte bei ihrem eigentlichen Ehemann Orso, um dann weiter nach Venedig zu reisen. Die Venezianer schwärmen schon bald von ihrer Schönheit und Anmut. Dann erhält sie Post aus Rom. Der Briefwechsel zwischen ihr und Rodrigo wird von der vatikanischen Bibliothek lange unter Verschluss gehalten und erst kürzlich in Auszügen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Der Papst an Giuilia:
„Wir verbieten Ihnen unter Androhung von Ächtung und ewiger Verdammnis sich jemals wieder diesem einäugigen Zuchthengst Orso zu nähern.“
Eigentlich hätte Guilia damit aber das Heilige Sakrament der Ehe endlich erfüllt.

Rom, 1502.

Giulia gerät in die Hände des französischen Heeres, und der Papst bietet inständig darum, diese Geisel freizugeben.
Rodrigo beobachtet gelangweilt das Treiben. Die fünfzig schönsten Kurtisanen der Stadt sammeln zwischen umgerissenen Kandelabern auf Knien Maronen vom - mit frommen Freskos verzierten - Boden und werden dabei von den einfachen Kirchenmännern und auch von hohen Kirchenfürsten gefickt. Man schätzt Orgien dieser Art in Rom.
Für denjenigen, der die meisten Frauen nehmen kann, hat der Papst einen Preis gewidmet.
Von Venedig her breitet sich zum ersten Mal eine unbekannte sogenannte französische Krankheit aus, welche fast nur die Vornehmen der Gesellschaft befällt. Auch der uneheliche Sohn des Papstes Cesare Borgia wird noch an diesem Jahr an der Syphilis sterben.
Giulia ist nicht da.
Dann endlich eine Nachricht von den Franzosen.


Rom. Engelsburg, 1502.

Er hat sich angekleidet wie ein Borgia und nicht wie Papst Alexander. In einer edlen Rüstung, umgürtet mit Schwert und Dolch, blickt er die Burgzinnen hinab zu dem französischen Heer von viertausend Mann vor den Mauern seiner Festung.
Giulia steht vor den Männern.
Er geht die Turmtreppen hinab, lässt das Tor öffnen, nimmt wortlos ihre Hand und dreht seinen Feinden den Rücken zu, um zusammen mit ihr den Burghof zu betreten.
Niemand rührt sich. Die Feinde verlassen die heilige Stadt.

Päpstliche Gemächer, 1502.

Man hat für das Paar Kapaun aufgetischt und Rodrigo will ihn mit dem Messer zerteilen, aber Giulia unterbricht ihn.
„Das macht man so nicht mehr. Ich habe aus Venedig Dinge mitgebracht, die Gabeln genannt werden.“
Rodrigo kommt damit nicht zurecht, und Gulia stellt schnell ihren Fuß auf seinen Schenkel, weil sie seine neuerlichen Blutdruckattacken fürchtet und sich um ihn sorgt.
Er hat ohnehin keinen Appetit und küsst innig ihren Schuh, zieht ihn vorsichtig aus, nimmt lüstern ihren zierlichen Fuß tief in den Mund.
„Mein Herr, Gebieter und Papst ...“
Er fährt hoch und faucht sie an.
„Verdammt, bist du Braut Christi noch teurer geworden?“
„Ja, Herr,“ haucht sie.
„Sag einfach, was du willst und du bekommst es.“
Vorsichtig entzieht ihm ihren Fuß und beugt sich bis auf Augenhöhe zu ihm herab.
„Ich will dich, Rodrigo.
 
Senior
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Diese Geschichte liest sich teilweise wie aus der Wikipedia abgeschrieben. Habe keine Ahnung, was du damit bewirken wolltest – Literatur ist das gewiss nicht. Aber schön zu erfahren, wie man sich in Zeiten von sündhaft teuren Büchern die Zeit vertrieb: Mit der Betrachtung von nackten Statuten. Irgendwie beruhigend zu wissen, dass sich die Menschen in den letzten 500 Jahren nicht wirklich geändert haben. Zumindest in diesem Punkt nicht. :D

Wenn ich dir, Vertellminix, einen Rat geben darf: Verwebe all die historischen Details in eine Geschichte dieser außergewöhnlichen Dame, dann könnte es interessant werden. So nacherzählt ist das ziemlich fad - einzig die Stellen, in denen es so etwas wie einen Dialog gibt, sind etwas lebendiger.

Jedenfalls: Die Zeit damals, die hatte es in sich – kein Wunder, dass der Mönch Luther so erbost war. :D

Aber wie sagte jemand (den Namen habe ich vergessen): Die Schweizer lebten und leben brav, und alles, was sie je hervorbrachten, waren Uhren. Die lasterhaften Kardinale und Päpste aber finanzierten Kunstwerke, zu denen jedes Jahr hunderttausende Menschen aus aller Welt pilgerten – allein von den Einnahmen, die für vatikanische Museen entrichtet werden, könnten wahrscheinlich alle Bewohner des Vatikans ihr Lebensunterhalt bestreiten.
 
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Hola Vertellminix,

sei unbesorgt, mein Lieber, ich will Dir nix vertellen, auch nichts kommentieren, weil ich auf historischem Gebiet schwächle. Nur ein Wink:
Sinnliche aber fast schmale Lippen, Herzmund, ...
Sechs Worte voller Widersprüche – das könnte ein Rekord sein. Für mein Empfinden können sinnliche Lippen auf gar keinen Fall schmal sein; wenn sie aber schmal sind, können sie keinen Herzmund bilden.

Die Bemerkungen von Dion würde ich gern erweitern:
Die Schweizer ... alles, was sie je hervorbrachten, waren Uhren.
Die lasterhaften Kardinale und Päpste aber finanzierten Kunstwerke, ...
Da denk’ ich mir, dass dennoch die Schweizer das größte Kunstwerk geschaffen haben, indem sie der Welt täglich – und das seit 7oo Jahren! – zeigen, dass Menschen mit verschiedenen Sprachen und unterschiedlichen Mentalitäten tatsächlich imstande sind, alle Differenzen ohne Hauen und Stechen beizulegen und gedeihlich zusammenzuleben.
Dass Kirchenfürsten Kunstwerke finanzierten, war nur möglich, indem sie in ihrem riesigen Herrschaftsgebiet Steuern abpressten auf Teufel komm raus.

Viele off-topic-Grüße!
José
 
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Dion

Danke, natürlich ist mir konstruktive Kritik sehr willkommen, die sich ja von beckmesserischen Elogen eines selbsternannten Spiritus Rector für Prosa unterscheidet, auch vom Kassandragezeter dessen, für den alles epigonal oder plagiatorisch ist. In Zeiten von Guttenberg-Promotionen muss ja wohl alles abgeschrieben sein.

Schau mal auf Wikipedia, ob Du da so etwas findet. Es ist schon ein bißchen recherchiert. Es ist ein Ausriss aus einer Betrachtung dominanter Frauen über ihre päpstliche Schwächlinge.

In diesem Kontext spielen natürlich auch Marozia und Theodora eine Rolle.

Giulia Farnese deshalb, weil sie - weitgehend unbekannt - zumindest 5 Jahre lang die mächtigste Frau der Welt war.

Bei Wikipedia würde ich in Deiner Stelle zum Gesamtkontext "Pornokratie" googeln....
 
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In Zeiten von Guttenberg-Promotionen muss ja wohl alles abgeschrieben sein.

Schau mal auf Wikipedia, ob Du da so etwas findet.
So? Da schauen wir, wie Manches bei der Wikipedia und bei dir klingt – hier 3 Beispiele:

wikipedia schrieb:
Schon bei ihrer Geburt war vereinbart worden, dass sie ein Mitglied der Familie Orsini ehelichen sollte. Am 21. Mai 1489 heiratete sie Orsino Orsini, genannt „der Einäugige“ und Graf von Bassanello.
Vertellminix schrieb:
Pier Luigi Farnese hat bereits 1474 bei der Geburt seiner Tochter Giulia mit der Familie Orsini vereinbart, dass sie eines Tages einen männlichen Spross der Orsinis heiraten werde. 1489 wird sie dementsprechend dem einäugigen Orso angetraut.



Wikipedia schrieb:
Seine unehelichen Kinder aus der Verbindung mit der Römerin Vanozza de’ Cattanei wurden in die Obhut von Adriana de Mila, der Schwiegermutter Giulias, gegeben und wohnten mit ihr und Giulia im Palazzo Santa Maria in Portico, der sich in der Nähe des Vatikan befand und regelmäßige Besuche Rodrigos ermöglichte.
Vertellminix schrieb:
Danach gibt er alle seine bisherigen unehelichen Kinder in die Obhut von Gulias neuer Schwiegermutter Adriana de Mila und verlässt seine römischen Geliebten, insbesondere seine langjährige Gefährtin Vanozza …



Wikipedia schrieb:
Im Alter von 25 Jahren wurde dieser tatsächlich zum Kardinal ernannt. Der beim römischen Volk mit den Ausdrücken „Cardinale Gonella“ („Kardinal Röckchen“) und „Cardinal Fregnese“ („Kardinal Möse“) verhöhnte junge Mann sollte mehr als 30 Jahre später als Paul III. zum mächtigen Papst der Gegenreformation werden.
Vertellminix schrieb:
Und noch in diesem Jahr kürt er den fünfundzwanzigjährigen Allesandro Farnese zum Kardinal, im Volksmund Cardinal Gonella
- "Röckchen" - und auch Cardinal "Fregnese" - auch als "Kardinal Möse" verspottet.

Doch das Volk täuscht sich in Gulias Bruder und ihren Absichten. Später wird er als Papst Paul III die Gegenreformation einleiten.
Ich finde, diese Beispiele sprechen für sich.




Dass Kirchenfürsten Kunstwerke finanzierten, war nur möglich, indem sie in ihrem riesigen Herrschaftsgebiet Steuern abpressten auf Teufel komm raus.
Das ist nur zum Teil richtig, denn viel mehr Geld gaben Leute freiwillig – oder aus Angst! – um sich von ihren „Sünden“ freizukaufen. Das war und ist ein teuflisch gutes System: Den Leuten erst Angst einreden und das Gegenmittel zur Befreiung davon gleich mitzuliefern.

Egal wie, ich finde, das war damals ein gut angelegtes Geld. Oder wie man heute sagt: Eine Investition in die Zukunft.
 
Senior
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28.11.2014
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Lieber Vertellminix,

ich habe mir gestern einen Kommentar zu deiner Geschichte überlegt und ihn auch schon formuliert, sehe aber erst einmal davon ab, ihn dir zu kredenzen. Deine bisherigen Reaktionen auf die Kommentare zu deinen Texten lassen mich vermuten, dass auch mein Kommentar nicht zu einem Austausch über das Angemerkte, sondern eher zu lapidaren Äußerungen wie diesen

Vertellminix schrieb:
Danke für den Hinweis, dot

Vertellminix schrieb:
Danke, ganz besonders für das Wildschwein ...

führen könnte.

Und auch deine Definition von ‚konstruktiver Kritik’, wie du sie formulierst, gefällt mir nicht so recht, weil in ihr zu viel unterstellt wird, mit dem ich erst mal nichts anfangen kann:

Danke, natürlich ist mir konstruktive Kritik sehr willkommen, die sich ja von beckmesserischen Elogen eines selbsternannten Spiritus Rector für Prosa unterscheidet, auch vom Kassandragezeter dessen, für den alles epigonal oder plagiatorisch ist. In Zeiten von Guttenberg-Promotionen muss ja wohl alles abgeschrieben sein.

Ein beeindruckendes Wortgeklingel. Nur habe ich das Gefühl, dass du dich hier von vorneherein gegen diejenigen verwahren möchtest, die dir die Wikipedia-Lastigkeit (s. Dion) deines Textes vorwerfen könnten, um dich mit diesem Vorwurf nicht weiter auseinandersetzen zu müssen.

Das grundsätzliche Problem aber scheint mir bei dir ein anderes zu sein:

Profil Vertellminix schrieb:
Ich hoffe auf ein engagiertes und interessiertes Publikum.

In diesem Wunsch steckt mMn eine recht einseitige Betrachtung dieses Forums. Die Mitglieder sind dein (hoffentlich engagiertes und interessiertes) Publikum. Und so erklärt sich mir auch dein bisheriges Forums-Verhalten. Du beschränkst dich in deinen Repliken und Kommentaren (zu eigenen und auch zu Texten anderer) in der Regel auf kurze, lapidare und nach meinem Empfinden nichtssagende Statements.

Fazit:
Es wäre schön, lieber Vertellminix, wenn du die Grundidee dieses Forum ein wenig mehr verinnerlichen würdest. Sicherlich geht es darum, eigene Geschichten einzustellen, aber dazu gehört auch, die dazu formulierten Kommentare wertzuschätzen, indem man zeigt, dass man sie durchdenkt, annimmt oder verwirft. Im Austausch dazu – und nur so funktioniert dieses Forum – sollte man sich (im Rahmen seiner Möglichkeiten) mit den Texten anderer auseinandersetzen. Ich kann nicht erwarten, ernsthafte und konstruktive Kommentare zu meinen Texten zu erhalten, wenn ich nicht gleichzeitig bereit bin, auf die Texte anderer ebenso einzugehen.

In diesem Sinne begrüße ich dich bei den Wortkriegern.

Liebe Grüße
barnhelm

Nb: Meinen Kommentar halte ich erst mal in der Schublade, weil ich mir den Frust des lapidaren Ein-Zeilen-Dankes ersparen möchte.:D
 
Wortkrieger-Team
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19.05.2015
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Hi Vertell-mir-nix, Vertellminix,

äh, da ja mein Mod-Schwerpunkt bei Erotik, Humor und Historik liegt, also genau den Themen, die dir im Herzen schmoren, worte ich dir ein paar Anmerkungen:

Der Schluss:
Vorsichtig entzieht ihm ihren Fuß und beugt sich bis auf Augenhöhe zu ihm herab.
„Ich will dich, Rodrigo.
aus dem, was vorangeht, erschließt sich mir nicht, warum sie das sagt.

Zwei Stellen, Szenen, aus denen du einen nennenswerte Geschichte machen könntest (nachdem du die Bildungs- und Wissens-Dropping weggestrichen hast (mithin zwei Drittel des Textes):

, insbesondere seine langjährige Gefährtin Vanozza, die ihn bis an sein Lebensende immer wieder freundschaftlich vor Gulias Zaubermacht warnen wird.
wär interessant zu lesen, worin ihr Zauber bestand.

Die fünfzig schönsten Kurtisanen der Stadt sammeln zwischen umgerissenen Kandelabern auf Knien Maronen vom - mit frommen Freskos verzierten - Boden und werden dabei von den einfachen Kirchenmännern und auch von hohen Kirchenfürsten gefickt. Man schätzt Orgien dieser Art in Rom.
Für denjenigen, der die meisten Frauen nehmen kann, hat der Papst einen Preis gewidmet.
arg frivol, aber eine fellini-mäßige Szene, detailliert erzählt, in Kontext gebracht, könnte mir gefallen.

Mehr habe ich nicht.
viele Grüße
Isegrims
 
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20.08.2017
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"Vorsichtig entzieht sie ihm ihren Fuß und beugt sich bis auf Augenhöhe zu ihm herab:"

Isegrim, ich versuche ab und zu anzudeuten, dass im Binnenverhältnis zwischen Giulia und Rodrigo keineswegs sie die "Sklavin des Papstes" ist, sondern eine dominante Frau, die seine submissive Ader erkannt hat und nutzt.
In der Fußerotik bezeichnet man das schlagartige Verweigern eines begehrten oder angebeteten Körperteils der Partnerien auch als T&D-Technik (Tease and Denial).
Ein bißchen weit hergeholt, aber mit der Assoziation habe ich es geschrieben.

Danke, auch dafür, dass Dir etwas Fellinimäßiges gefallen könnte.
 
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Wortkrieger-Team
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19.05.2015
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In der Fußerotik bezeichnet man das schlagartige Verweigern eines begehrten oder angebeteten Körperteils der Partnerien auch als T&D-Technik (Tease and Denial).
:D dem Mund des Kerls einfach den lackierten Zehen entgegenstrecken, dazu braucht der nicht submissiv sein, überrascht und angegiert reicht.
Sind auch keine Vorkenntnisse inklusive TD-Seminare oder derartiges nötig. :Pfeif:
 
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20.08.2017
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Stimmt ganz genau, aber für die Submissivität des Papstes gab es noch andere Anzeichen.

Eigentlich habe ich Lust bei Zeit und Gelegenheit, das noch einmal ein bißchen aufzufächern.
 
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13.03.2013
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Hallo Vertellminix

Schnell drin ist man in der Geschichte nicht. Du hast, so denke ich, gerade deswegen ein paar harsche, bis giftige Kommentare erhalten. Historische Geschichten verlangen allerdings oft, dass viele erklärt wird. Einerseits ist das ein Vorzug (man erfährt so vieles, das man zuvor nicht wusste), andererseits hätte ich jedenfalls gerne, wenn ich spätestens nach einem Drittel wüsste, worum es in der Geschichte eigentlich geht. Das ist wichtig. Sonst kann es leicht geschehen, dass ich die Geschichte beurteile, noch bevor ich begriffen habe, wovon eigentlich erzählt wird. Ich urteile dann meistens ablehnend. Werde ich hingegen am Anfang auf eine bestimmte Sache gespannt gemacht, begreife, verzeihe und überlese ich vieles, an dem ich sonst ungeduldig hängen bleibe.

Giulia Farnese 1474 - 1524,
Alexander VI (Rodrigo Borghese) 1431 - 1503

Historische Geschichten beginnen oft mir der Nennung einer Zeit. Du weichst davon ab. Nicht ein Jahr oder eine Epoche wird genannt sondern die Eckdaten der Lebensspanne zweier Figuren. Finde ich gut, weil unkonventionell. Die zweite, ungewöhnliche Idee findet sich in den fettgeschriebenen Zeilen. Dort wird gesagt, ob das Erzählte retrospektiv ist. Das fand ich hilfreich.

Er hat sich angekleidet wie ein Borgia und nicht wie Papst Alexander. In einer edlen Rüstung, umgürtet mit Schwert und Dolch, blickt er die Burgzinnen hinab zu dem französischen Heer von viertausend Mann vor den Mauern seiner Festung.
Giulia steht vor den Männern.
Er geht die Turmtreppen hinab, lässt das Tor öffnen, nimmt wortlos ihre Hand und dreht seinen Feinden den Rücken zu, um zusammen mit ihr den Burghof zu betreten.
Niemand rührt sich. Die Feinde verlassen die heilige Stadt.

Die Geschichte wartet mit einigen Szenen auf. Gut wäre freilich, wenn sie stärker betont würden. Jemand meinte zum Beispiel, es seien nur die Stellen wirklich lebendig, an denen so etwas wie ein Dialog beschrieben werde. Meiner Ansicht nach können auch Stellen lebendig, tragend und vorantreibend sein, die keinen Dialog enthalten. Ein Beispiel dafür ist die oben zitierte Szene, in der du beschreibst, wie der Papst von der Stadtmauer herabschaut. Das ist eine Stelle, die lebendig vergegenwärtigt, ohne dass in der Szene etwas gesagt wird. Ich fand das eine spannende Stelle.

Noch einmal zurück zu der Frage des eigentlichen Themas der Geschichte:

Er hat ohnehin keinen Appetit und küsst innig ihren Schuh, zieht ihn vorsichtig aus, nimmt lüstern ihren zierlichen Fuß tief in den Mund.

Das war zum Beispiel eine Stelle, an der ich dachte: Ist das jetzt nötig, dass er diese Schweinigelei beschreibt, oder ist es einfach nur so, dass er den Leser in einer billigen und niederen Weise beeindrucken will? - Ich wusste bis ja bis zuletzt nicht, wovon im Grunde erzählt wird.

„Ich will dich, Rodrigo.

Bingo! - Hier habe ich bemerkt, dass das Ganze eine tiefere (nicht niedere) Sache erzählt. (Dem Satz fehlt übrigens noch ein schliessendes Gänsefüsschen.)

Fasse zusammen: Mir hat deine Geschichte gefallen. Historische Begebenheiten interessieren mich. Sie zeigen die grundlegenden Züge der Welt und des Menschen oft besonders deutlich auf. Gerne hätte ich jedoch gehabt, wenn du früher klar gemacht hättest, um welche Sache oder Frage es in der Geschichte eigentlich geht. Wie die Sache endet kann am Schluss beantwortet werden. Welches die Sache ist, kann mit Vorteil am Anfang klar gemacht werden. Könntest du überdies die Stellen stärker gewichten oder ausführlicher gestallten, die entscheidende Vorgänge unmittelbar zeigen, würde ich als Leser noch mehr unterhalten.

Gruss teoma
 
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20.08.2017
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teoma

Herzlichen Dank für deine hilfreichen Hinweise, keineswegs nur für die Gänsefüßchen.

Die Farnese als Dauergeliebte von Papst Alexander IV hat es in der perversten, grausamsten (zum Beispiel Rodrigos Erfindung namens "Birne des Papstes) und sittenlosesten Zeit des Vatikans geschafft, den damals mächtigsten Mann der Welt zu konditionieren, gleichzeitig ist sie beispielsweise für viele Maler, aber auch für Literaten zur Inspriration geworden.

Meiner Meinung ist ihre Bedeutung unzureichend gewürdigt, auch in der sehenswerten ZDF-Serie "Borgia".

Auf eine strenge Chronologie habe ich verzichtet, um einen roten Faden und einen Schwerpunkt entwickeln zu können.
 
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13.03.2013
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Hallo Vertellminix

Auf eine strenge Chronologie habe ich verzichtet, um einen roten Faden und einen Schwerpunkt entwickeln zu können.

Du beginnst damit, dass du Vorgänge erzählst, die nach der Zeit deiner Heldin geschahen. Was du oben sagst, verstehe ich darum so: Vertellminix hat diesen nicht streng chronologischen Anfang gewählt, weil er das Augenmerk auf die Heldin und ihre Schönheit lenken will. Ihr Wirkung auf Männer ist für ihn der Schwerpunkt der Geschichte und der Gegenstand, an dem er den roten Faden der Geschichte anknüpft. Ich dachte allerdings, dass ihr Wille die treibende Kraft der Geschichte ist. Was den Stein wirklich ins Rollen brachte, war ihr Streben. Sie war hungrig, ehrgeizig, vielleicht gar unersättlich: Zuerst wollte sie einen Ring, dann die Mütze eines Bischofs für ihren Bruder und dann den Papst (mit Haut und Haaren fressen). Vielleicht täuscht sie aber. Vielleicht war sie nicht gar so fatal.

Meiner Meinung ist ihre Bedeutung unzureichend gewürdigt, auch in der sehenswerten ZDF-Serie "Borgia".

War sie unersättlich? Wäre sie dafür zu würdigen? - Spannend ist ihre Geschichte sicher. Insofern bietet sie sicherlich Stoff, den man erzählen kann.

Gruss teoma
 
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Beitritt
20.08.2017
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49
teoma,

es gibt einige Spekulationen, was die Rolle und die Motive der Farnese betrifft.

War sie unersättlich? Wäre sie dafür zu würdigen? - Spannend ist ihre Geschichte sicher. Insofern bietet sie sicherlich Stoff, den man erzählen kann.

Gruss teoma

Als Unersättliche? Auch eine Idee. Politisch, erotisch, materiell?

Man könnte in einer Story auch einmal ein Auge auf die drei wesentlichen weiblichen Akteure im Hause Borgia werfen, auf die Kurtisane Vanozza de' Cattanei, auf die angebliche Giftmischerin und Meuchelmörderin Lucretia Borgia und auf die "zwielichtige" Giulia Farnese und darauf, mit welchen Strategien sie sich durchaus erfolgreich in einer scheinbar absoluten Männerwelt bewegen.
 
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