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Novelle Die Rolltreppe

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18.02.2021
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Die Rolltreppe

EINIGE MINUTEN VOR STUNDE NULL

„Schatz, ich geh nur noch kurz was einkaufen und wir treffen uns dann am Auto, ja?“, sagte mein Freundin zu mir und verschwand in der Menge des Einkaufszentrums. Da stand ich dann, im ersten Stock, am Geländer lehnend und schaute dem Treiben der Leute zu. Sah wie kleine Kinder ihre Mütter in Spielzeuggeschäfte zerrten oder Männer vollbepackt mit randvollen Einkaufstaschen vor den Geschäften warteten, bis ihre Frauen herauskamen.
Dann beschloss ich schon mal zum Auto vorzugehen und lief in Richtung der Rolltreppe. Ich stieg auf die erste Stufe und fuhr hinunter, denn Blick immer noch auf die Menge unter mir gerichtet, als es plötzlich einen Ruck gab. Ich schaute mich um und realisierte erst einige Sekunden später, dass die Rolltreppe still stand.
Ich seufzte und wollte loslaufen, als ich fast hinflog, da ich meinen rechten Fuß nicht bewegen konnte. Verwirrt fiel mein Blick auf meinen rechten Schuh und ich sah, dass der Schnürsenkel dieses Schuhes in die Rolltreppe hineingezogen worden war.

STUNDE NULL

Da stand ich also und konnte nicht hinunter oder hinauf laufen. Als erstes durchwühlte ich meine Taschen, um vielleicht ein Taschenmesser oder ähnliches zu finden. Währenddessen drängelten sich die Leute, welche auf den Weg nach unten waren, Kopfschüttelnd und meckernd an mir vorbei.
„Ey Mann, lauf doch zu Alter!“, schnauzte mich ein junger Kerl beim Vorbeigehen an. Nach und nach verschwanden dann alle Leute von der stillgestandenen Rolltreppe.
Da ich nicht wusste wie ich weiterkommen sollte, setzte ich mich auf die Stufen. Ein Mann in Hausmeisterkleidung kam an mir vorbei, sah mich an und schüttelte den Kopf.
„Schatz, kommst du?“, hörte ich meine Freundin fragen, als sie an mir vorbeilief.
„Ich kann nicht“, sagte ich. „Ich stecke hier fest.“
„Jetzt machst du aber Witze wie?“, sie lächelte mich kurz an und sagte dann, „Also gut ich fahr dann schon mal mit dem Auto nachhause. Wenn du bei deinen Freunden warst oder was auch immer du vorhast, kannst du dann nachkommen.“
Während sie die restlichen Stufen runterging rief ich noch verwirrt hinterher: „So hab ich dass doch gar nicht gemeint!“
Doch sie verschwand ohne ein weiteres Wort hinter der Tür zum Parkhaus.
Eine gefühlte Ewigkeit später, es war schon dunkel, hörte ich hinter mir eine tiefe Stimme: „Hey, Sie dürfen doch gar nicht hier sein. Dass Kaufhaus ist geschlossen.“
„Ich weiß“, erwiderte ich. „Aber ich komme hier nicht weg.“
Verwirrt schaut mich der Mann vom Sicherheitsdienst an: „Was haben Sie denn eingeworfen?“
„Nichts“, antwortete ich, „aber ich stecke hier mit meinem Schnürsenkel in der Rolltreppe fest.“
Und um es ihm zu zeigen, hob ich meinen Fuß an soweit ich konnte. Der Mann leuchtete mit seiner Taschenlampe darauf und runzelte die Stirn.
„Können Sie mich nicht einfach los schneiden?“, fragte ich ihn.
Der Wachmann atmete tief ein und blickte eine Weile vor sich hin. Eine gefühlte Ewigkeit verstrich. Nach mehreren Sekunden atmete er aus und sagte: „Na hören Sie mal: Wenn ich Sie losmache und aus dem Gebäude lasse, muss ich einen PIN an der Ausgangstüre eingeben. Die Arbeiter in der Zentrale sehen dann, dass ich diesen eingegeben habe und wollen wissen weshalb. Also müsste ich wegen diesem Zwischenfall einen Bericht schreiben.“
Ich schaute ihn mit großen Augen an und fragte dann: „Sie wollen mir also nicht helfen, da Sie deswegen einen Bericht schreiben müssten?“
„Na, wenn Sie es so sagen klingt es ziemlich doof. Aber im Prinzip: Ja.“
Der Wachmann wendete sich zum Gehen.
„Aber Sie könnten mich doch wenigstens los schneiden“, rief ich ihm hinterher.
Er blieb stehen, verharrte einige Sekunden als würde er Überlegen, drehte sich dann um und sagte mit leichtem entsetzen: „Du liebe Güte, natürlich nicht. Sie könnten ja ein ganz raffinierter Dieb sein, der dass alles nur Vortäuscht.“
Dann drehte er sich um und das Licht seiner Taschenlampe verschwand mit ihm im Dunkeln.
Irgendwann später, schlief ich auf der Rolltreppe ein.

TAG EINS

Am nächsten Morgen, wurde ich gerüttelt und eine Stimme sagte: „Hören Sie, so geht das aber nicht.“
Während ich mir meine Augen rieb und versuchte richtig wach zu werden, fuhr die Stimme fort: „Das hier ist ein Kaufhaus und kein Hotel. Vor allem ist es mein Kaufhaus. Was sollen denn die Leute denken die hier einkaufen kommen und so einen umherstreifenden Penner auf der Rolltreppe sehen?“
Verschlafen schaute ich mich um. Ich sah Leute die mich nicht beachteten, Passanten die mich ansahen und murmelnd den Kopfschüttelten und auch ein paar Jugendliche welche mich aus dem ersten Stock lachend filmten.
Der Mann, welcher wohl der Manager des Kaufhauses war, hatte die ganze Zeit über weitergeredet.
„…und so bleibt mir nichts anderes übrig, als Ihnen Hausverbot zu erteilen“, sagte er und schaute mich auffordernd an.
„Falls Sie erwarten, dass ich jetzt gehe, muss ich Sie leider enttäuschen. Ich kann leider nicht, da ich hier festsitze“, erwiderte ich.
„Mir doch egal ob sie sich in einer irgendeiner Midlife Crysis befinden oder sonst irgendwelche Störungen haben. Bis zum Mittag sind sie weg oder ich lasse sie von der Polizei hinauswerfen“, er schnaubte noch kurz nachdem er das gesagt hatte und ging weg. Der weitere Vormittag verlief dann noch ganz ruhig. Ein paar Passanten hielten an und fragten mich, ob ich den nicht bemerkt hätte, dass die Rolltreppe nicht funktioniere. Auf meine Antwort, dass ich nicht wegkomme da mein Schnürsenkel in der Treppe festklemmte und ich nichts habe um ihn durchzuschneiden, gingen sie weiter.

Kurz nach Mittag sah ich den Manager wieder herlaufen. Mit ihm kamen auch zwei Polizisten.
„Da, das ist er“, sagte er zu den beiden Polizisten und zeigte dabei auf mich, „seit gestern sitzt er da und rührt sich nicht vom Fleck.“
Einer der beiden Polizisten kam auf mich zu: „Hallo, mein Name ist Walter Müller und der hinter mir ist mein Kollege, Jens Schwaboski.“
Der hintere Polizist, ein etwas älterer Herr, nickte mir Grüßend zu.
„Wir beide“, er sprach auf einmal sehr langsam und zeigte auf sich und seinen Kollegen, „sind von der Polizei.“
Ich schaute die beiden an und erwiderte leicht lachend: „Ach was? Und ich dachte, Ihr beide seid von der Feuerwehr.“
Er schaute mich an und drehte sich dann zu seinem Kollegen um und sagte: „Jens, funk mal die Zentrale an, die sollen so einen Psychodoktor herschicken. Wir haben hier eine verdächtige und scheinbar verwirrte Person.“
Er wendete sich wieder an mich und sagte mir mit einer leichten besorgten Stimme: „Sehen sie den nicht meine Uniform. Wir sind von der Polizei. Sehen sie? Hier steht es..“, er zeigte mit dem Finger auf einen Schriftzug auf seiner Uniform und sagte ganz deutlich, „P-O-L-I-Z-E-I“
„Ich weiß,“ sagte ich, „sollte ja nur ein kleiner Witz sein.“
„Mit uns macht man keine Witze“, erwiderte er ernst. „Also, warum besetzen Sie die Rolltreppe des Kaufhauses?“
„Ich besetze sie nicht, ich kann nur nicht von der Rolltreppe runter“, antwortete ich ihm.
Er machte plötzlich ganz große Augen und fragte mich fast flüsternd: „Werden Sie von jemanden festgehalten? Sind Sie in Gefahr? Bedroht sie jemand?“
„Nein,“, antwortete ich ihm ebenfalls flüsternd, „aber mein Schnürsenkel ist irgendwie in die Rolltreppe gekommen und jetzt komme ich nicht weg.“
„Nehmen Sie mich auf den Arm?“ fragte er mich.
„Aber nein“, antwortete ich ihm, „mit Ihnen macht man doch keine Witze.“
Er drehte sich um und ging zu seinem Kollegen. Die beiden stellten sich etwas abseits hin und unterhielten sich flüsternd.
Angestrengt konnte ich durch den Lärm, welcher im Kaufhaus herrschte, ein paar Wortfetzen aufschnappen.
„Wir nehmen Ihn mit auf das Revier“, sagte Walter.
„Spinnst du? Denk doch an den ganzen…“, ein lautes Scheppern störte mich beim Lauschen, sodass ich den anderen Polizisten nicht richtig verstand.
„Also gut,“, sagte Walter anschließend, „so machen wir es.“
Beide kamen zurück. Während der ältere Polizist abbog und mit dem Manager kurz redete, welcher mit hochrotem Kopf verschwand, kam der Polizist Walter wieder zu mir.
„Also, mein Kollege und ich sind zu dem Entschluss gekommen, dass wir Ihre kleine Demonstration rückwirkend genehmigen und ..“
„Aber ich Demonstriere hier doch gar nicht. Ich hänge hier nur fest!“ unterbrach ich den Polizisten.
„Unterbrechen Sie mich nicht, wenn ich rede. Geht ja auch schließlich um Ihre Angelegenheit“, sagte er auf einmal etwas lauter. „Also, solange nur Sie es sind der Demonstriert und keine Personen dazukommen, können Sie bleiben.“
Nachdem er das gesagt hatte, nickte er zufrieden und ging mit seinem Kollegen davon. Währenddessen saß ich sprachlos auf der Treppe.

Am späten Nachmittag kam der Hausmeister wieder vorbei. Bei ihm war eine etwas jüngere Dame mit kurz geschnitten blonden Haaren und einer großen runden Brille. Der Hausmeister zeigte mit dem Finger auf mich und die Dame ging die Stufen hoch.
„Guten Tag, mein Name ist Sandra Niemann und ich arbeite für die Stadtzeitung“, sagte sie mit einer freundlichen und sanften Stimme.
„Ich bin durch ein Internetvideo auf Sie aufmerksam geworden“, fuhr sie fort. „Jetzt wollte ich Sie fragen, ob Sie bereit wären, ein Interview mit mir zu führen?“
„Ein Interview? Über was?“, fragte ich die Reporterin leicht gereizt. „Ich sitze seit gestern hier fest und keiner will mir helfen.“
Sie kritzelte mit einem Bleistift schnell auf einem Notizblock herum, welchen sie hervorgekramt hatte.
„Also geht Ihre kleine Demonstration hier, gegen die Gesellschaft, welche einem einzelnen Individuum zu wenig Aufmerksamkeit schenkt, wodurch er in der gesamten Masse unterzugehen droht?“, fragte sie mich ohne auch nur einmal während ihres gesamten Satzes Luft holen zu müssen. Ich starrte sie währenddessen nur fassungslos an. „Und dieses „keine Aufmerksamkeit“ schenken, demonstrieren Sie hier in der Öffentlichkeit, indem Sie eine Notsituation vortäuschen?“, fragte sie noch anschließend.
„Was? Was reden Sie da?“ fragte ich verwirrt zurück.
„Clever, sehr clever.“
Sie kritzelte weiter auf ihrem Block und schloss diesen dann.
Anschließend wendete sie sich zum Gehen, als sie noch kurz inne hielt und sich noch einmal zu mir umdrehte.
„Eine Frage hätte ich allerdings noch: Was machen Sie beruflich?“
„Was hat denn das damit zu tun?“, fragte ich.
Sie schlug ihren Block nochmal auf, schrieb etwas hinein und murmelte: „Also Arbeitslos“, und ging weg.
Am Abend kam noch ein Obdachloser vorbei und setzte sich zu mir auf die Treppe. Er nahm mich in den Arm und bot mir etwas zu trinken an und meinte dabei: „Wir armen Hunde müssen ja zusammenhalten.“
Später war es wieder soweit. Die Leute verschwanden so nach und nach aus dem Gebäude, die Geschäfte schlossen und die Lichter gingen aus. Auch mein neuer Obdachloser Freund wurde freundlich vom Nachtwächter aus dem Kaufhaus befördert. Nur ich blieb wieder zurück.

TAG ZWEI

„NIEDER MIT DEM KAPITALISMUS! NIEDER MIT DEM KONSUM!“, tönte es am nächsten Morgen durch ein Megafon, weshalb ich aus der ungemütlichen Schlafposition, die ich auf der Treppe hatte, hochschreckte.
Verschlafen schaute ich diese hinunter und zählte vier Menschen am Fuß der Rolltreppe, die allen Anschein nach Demonstrierten. Einer hatte ein Megafon, einer hob eine Tafel hoch und die anderen zwei spannten ein Tuch auf, auf dem etwas Stand.
„NIEDER MIT DEM KAPITALISMUS! NIEDER MIT DEM KONSUM!“, schrie der mit dem Megafon wieder.
Einige Passanten blieben stehen. Sie lasen die Plakate oder machten Fotos von den vier Demonstranten. Einer der Demonstranten drehte sich um und sah mich.
„Hey Leute, er ist wach“, sagte er zu den anderen.
Diese drehten sich ebenfalls um.
„Schaut Ihn euch gut an“, sagte der mit dem Megafon zu seinen Leuten und den Passanten ringsum und zeigte dabei auf mich, „Dieser Mann dort hatte den Mut, dass zu tun was sich sonst keiner getraut hat.“
„Und dass wäre?“, fragte ein daneben stehender Passant stirnrunzelnd.
„Na, aufzubegehren gegen die, die das große Geld machen. Gegen die, die diese Welt mit diesem Geld regieren“, bekam der Passant als Antwort.
„Also eigentlich, will ich hier schon seit zwei Tagen weg“, rief ich von oben zu den beiden hinunter.
„Da seht ihr es?“, fragte der mit dem Megafon die Passanten. „Seit zwei Tagen will dieser Mann von hier weg, doch die großen Bosse wollen ihn hier behalten damit er weiter Geld ausgibt, damit diese Reicher werden.“
„So ein Blödsinn“, sagte einer der Passanten und ging weg.
Von Links näherte sich ebenfalls eine Gruppe aus vier Personen. Auch diese Gruppe hatte ein Megafon und einige Plakate dabei.
„Hey, was macht Ihr denn hier?“, fragte der mit dem Megafon die Demonstranten vor der Rolltreppe.
„Wir Demonstrieren hier gegen den Konsum und den Kapitalismus. Wie unser Vorbild auf der Rolltreppe. Und Ihr?“
„Wieso euer Vorbild? Er ist unser Vorbild“, sagten die anderen verdutzt.
„Wieso denn das?“, fragte der vom Rolltreppenende.
„Na, weil er für die Umwelt demonstriert. Hier war schließlich mal ein Park und dass soll auch wieder so sein,“ antwortet der andere.
„Ihr spinnt doch“, rief einer der Rolltreppendemonstranten.
„Die Ökos wollen unser Vorbild klauen“, rief sein Kollege daneben.
Plötzlich gingen die beiden Gruppen aufeinander los. Es wurde getreten und gehauen. Die einen Bissen und die anderen schlugen mit ihren Demonstrationsschildern um sich. Wie aus dem nichts erschienen die zwei Polizisten vom Vortag und trennten die beiden Gruppen.
„Aha, die Unterdrücker vom Staat,“ rief der Öködemonstrant.
„Das Regime schlägt wieder zu“, brüllte ein anderer.
„SITZSTREIK!“, brüllte einer in sein Megafon und alle setzten sich hin.
Da saßen sie nun: Links die Öködemonstranten, Rechts die anderen Demonstranten und zwischen den beiden standen die zwei Polizisten Rücken an Rücken mit verschränkten Armen vor der Brunst.
„Gehen Sie weiter es gibt hier nichts zu sehen“, sagten sie zu einer älteren Dame die sich dieses Schauspiel angeschaut hatte.
Der Polizist wandte sich an mich: „Hatten wir Ihnen nicht gesagt, dass nur Sie demonstrieren dürfen?“
„Ja,“, antwortete ich, „aber ich kenne die Typen nicht mal.“
Verärgert wendete sich der Polizist von mir ab.

Am Mittag bekamen die Polizisten Verstärkung und sie verlagerten mit viel Mühe den Sitzstreik vor den Eingang des Kaufhauses. Vor der Rolltreppe wurden Absperrbänder aufgebaut, damit keiner zu mir hoch gehen konnte.
Vor dem Absperrband versammelten sich ein paar Radio und Fernsehreporter.
„Hallo liebe Zuhörer unseres Radiosenders. Ich stehe hier in unseren schönen Stadt in unserem schönen Kaufhaus, weil ein namentlich Unbekannter eine Demonstration auf einer Rolltreppe veranstaltet. Seine Beweggründe, weshalb er dort oben sitzt, sind Unbekannt.“
„MEIN SCHNÜRRSENKEL HAT SICH IN DER ROLLTREPPE VERFANGEN!“, brüllte ich zornig von oben hinab.
„Haben Sie dieses Brüllen gehört, liebe Zuhörer? Ich hoffe ja dass die Polizei recht behält und der Anführer der Demonstranten auch wirklich nicht Gewalt bereit ist. Nach der Pause interviewen wir ein paar seiner Anhänger, welche eine Sitzblockade vor dem Eingang des Kaufhauses veranstalten.“
Nachdem er das gesagt hatte, verschwand der Radioreporter und seine Kollegen durch den Haupteingang gegenüber der Rolltreppe. Einige Minuten später kam der Hausmeister mit etwas Verpflegung vorbei. Während ich eilig mein Essen verschlang und etwas trank, entfernte er am oberen Ende der Rolltreppe die seitliche Abdeckung.
„Motor verreckt,“ war sein einziger Kommentar, während er die Abdeckung wieder befestigte und weiter ging.
In der Zwischenzeit, kam unten ein Mann in Anzug herein, der mir leicht bekannt vorkam. Die Reporter hatte er im Schlepptau.
„Was halten Sie von der Lage, Herr Bürgermeister?“, nun wusste ich weshalb mir das Gesicht bekannt vorkam. „Unsere Zuhörer in den angrenzenden Städten sind besorgt, dass sich so etwas häufen und sich solche Ideen weiter ausbreiten könnten. Werden Sie das Kaufhaus deshalb jetzt schließen?“
„Also ich glaube nicht dass sich solch eine Idee, eine Rolltreppe zu besetzen, weiter ausbreitet. Ich für meinen Teil befürworte es, das Kaufhaus offen zu lassen und alles beim alten zu belassen, da er ja im Grunde nicht wirklich jemand stört. Wenn wir Ihn ignorieren wird er schon weggehen“, antwortete der Bürgermeister.
„Ich kann euch hören!“ rief ich zu den beiden hinunter, jedoch schenkten sie mir keine Aufmerksamkeit.
„Und dass der Besitzer des Kaufhauses ein enger Freund von Ihnen ist, der auch Ihre Partei mit spenden unterstützt, spielt beim offen lassen des Hauses keine Rolle dabei?“ fragte ein Reporter. „Trotz eventueller Gefahren für die Sicherheit der Kunden?“
„Dazu mache ich keine Angabe. Für weitere Fragen wenden Sie sich bitte an meinen Pressesprecher“, antwortete der Bürgermeister harsch und verschwand wieder in der Menge.

Nach und nach verschwanden die Reporter aus dem Kaufhaus und mit Ihnen auch wieder die Kunden, was nur eines bedeuten konnte: Es wurde Abend.
Später sah ich durch das Glasfenster am Eingang einen hellen Schein in der Nacht und vernahm auch sowas wie Chor-Gesänge.

TAG DREI

Ich wachte auf und traute meinen Augen nicht, denn ich sah durch die Glasscheibe am Eingang, dass aus den acht Demonstranten vom Vortag über Nacht hunderte wurden. Natürlich waren sie in zwei Lager aufgespalten und wurden von einer größeren Polizeipräsenz bewacht. Leider war aber keiner da, der mir hätte helfen können oder es auch nur wollte. Ich hielt inne. Es war keiner da. Dass Kaufhaus war ruhig. Wahrscheinlich haben sie es gar nicht geöffnet. Draußen bei den Demonstranten und vor der Treppe scharrten sich wieder Grüppchen von Reportern zusammen.
„Gestern Abend sangen die Demonstranten in Chören dem Mann auf der Rolltreppe Lieder vor, damit dieser den Mut bekommt, durchzuhalten. Auch wurde ihm zu Ehre eine Lichterkette gebildet“, berichtete einer für das Fernsehen.
Nun kam meine Freundin durch die Eingangstür herein und ging zum Absperrband. Dort wurde sie sofort von Reportern belagert.
„Guten Tag, wir sind von den Landesnachrichten“, stellte sich einer vor, „Sie sind also die Freundin des Mannes auf der Treppe?“
„Ja,“, sagte sie mit Tränen in den Augen, „Ja, das bin ich. Und ich weiß nicht was ihn dort geritten hat. Sowas hat er noch nie gemacht.“
„Würden Sie ihn als komischen Kauz bezeichnen?“, fragte ein anderer.
„Das nicht direkt, aber er war schon manchmal komisch. Er hat sich mehr fürs Zocken und so interessiert. Außerdem ging er auch nie gern unter Leute“, antwortete sie unter weiteren Tränen.
„Da haben Sie es gehört meine Damen und Herren. Wir wissen nicht wen wir vor uns haben. Ein Sonderling auf Abwegen? Vielleicht einem dem die letzten Sicherungen durchgebrannt sind? Fest steht nur, er sitzt dort oben und hat keine Forderungen. Was nun als ….“
„Kann ich vielleicht meine Social Media Profile angeben?“, unterbrach ihn meine Freundin.
„Naja, ich weiß nicht ob das jetzt so passend ist“, sagte der Reporter verwirrt. „Aber wir können die Profile heute Abend, während der Ausstrahlung, unten Einblenden.“
„Danke“, schluchzte sie wobei sie ein Beamter wegführte.
Ich atmete durch um die Ruhe zu bewahren. Draußen gaben Demonstranten den Reporten Statements ab, weshalb sie dort waren. Auf einmal wurde es laut und eine größere Gruppe von Demonstranten kam von außerhalb dazu. Ein Reporter führte einen Mann mit kurzem Haarschnitt, wohl den Anführer der neuen Gruppe, in das Kaufhaus.
„Weshalb demonstrieren sie heute?“, fragte er den Mann.
„Wir demonstrieren, weil dieser Mann ein Patriot ist. Er weiß, dieser Laden gehört dem Volk. Unserem Volk. Und nicht den anderen“, antwortete er.
„Welchen anderen?“, hakte der Reporter nach.
„Na, den anderen halt. Wollen Sie es schriftlich haben?“, sagte der leicht verärgert und wendete sich mir zu: „Halte aus, Kamerad, wir stehen hinter dir. Heil dir, du Held unseres Landes und zukünftiges Idol unserer Kinder.“
Als er das gesagt hatte, begannen seine Demonstranten mit Heil rufen. Währenddessen wurden diese von den anderen beiden Gruppen ausgepfiffen und beschimpft.
Derweil saß ich immer noch auf der Rolltreppe fest.

Einige Stunden später kam noch der Hausmeister mit einem Paket bei mir vorbei. Er öffnete wieder die Abdeckung der Rolltreppe und baute ein Teil aus. Als er das Ersatzteil aus dem Packet dort Einfügen wollte, stockte er und atmete kurz durch.
„Verdammt,“, sagte er verärgert, „falsches Modell“, und packte zusammen. Währenddessen kam unten ein weiterer Anzugträger bei den Reportern an.
„Wir begrüßen nun unseren Landespolitiker, Wolfgang Neuber. Herr Neuber, wie Gedenken sie nun fortzufahren?“, fragte der Reporter.
„Nun, da für die Sicherheit genügend gesorgt ist, müssen wir die Versorgung des uns immer noch Unbekannten Mannes auf der Treppe kümmern“, antwortete er ohne auch nur ein lächeln zu zeigen.
„Und wie gedenken sie dies zu tun?“, fragte ein anderer Reporter.
„Nun, das Rote Kreuz hat sich bereit erklärt, im ersten Stock eine Art improvisierte Schwenkarm mit Seilwinde zu bauen, mit welchem sie dem Unbekannten Körbe mit Essen und Wasser zuführen können“, sagte er. „Des Weiteren, wird heute Abend ein Einsatzteam der Feuerwehr versuchen, den Mann von dort oben zu entfernen. Weitere Einzelheiten erfahren Sie vom leitenden Einsatzleiter.“
Damit ging er nach draußen und ein Feuerwehrmann und ein Rotes Kreuz Team mit Ausrüstung kamen herein. Das Team des Roten Kreuzes lief auf der anderen Rolltreppe an mir vorbei nach oben, während der Feuerwehrmann zu den Reportern ging. Dieser erklärte denen, trotz des herrschenden Baulärmes des Roten Kreuzes, wie sie vorgehen werden.
„Also, wir werden vom Eingang erst mal die Glasfassade entfernen, damit wir mit unserem Leiterwagen weitgenug herankommen können. Dann werden wir die Leiter des Leiterwagens ausfahren und Ihn von dort oben herunter holen.“
Bei den Reportern blieb es still. Einige schauten den Feuerwehrmann misstrauisch an, bis sich einer traute zu fragen: „Ist dieser ganze Aufwand auch wirklich notwendig? Ist dass alles nicht ein wenig Übertrieben?“
„Natürlich nicht. Glauben Sie mir, es geht mir hier nur um die Sicherheit meiner Leute. Und nun Entschuldigen Sie mich, ich muss mich jetzt um die Vorbereitungen kümmern.“
Der Feuerwehrmann drehte sich um und ging davon, während mich ein Korb mit Essen und Wasser am Kopf traf. Dieser hing am Seil der improvisierten Seilwinde, welches das Rote Kreuz aufgebaut hatte. Ich nahm mir etwas zu Essen und zu trinken raus und der Korb verschwand wieder.

Am Abend war es dann soweit. Die Polizei drängte die Demonstranten weiter nach hinten, damit die Feuerwehr Platz hatte. Innerhalb einer Stunde schafften sie es, die ganze Glasfassade am Eingang zu demontieren, wobei auch einiges zu Bruch ging. Dann kam der Leiterwagen. Die Demonstranten pfiffen und buhten während der gesamten Aktion. Er wurde soweit an das Gebäude herangefahren wie es nur ging. Ringsherum standen Feuerwehrmänner, welche dem Fahrer Signale gaben und Befehle zuriefen. Als nächstes stieg einer nach vorne in den Korb. Die Leiter wurde ausgefahren und kam immer näher zu mir. Mit jeder Sekunde die verstrich, kam die Leiter mit dem Korb vorne immer näher zu mir. Alles lief wie in Zeitlupe ab. Einige Meter vor mir gab es dann einen Ruck und die ganze Aktion stoppte.
Der Feuerwehrmann im Korb griff zum Funkgerät: „Was ist los?“, fragte er, „Warum halten wir?“
„Es geht nicht mehr weiter. Die Leiter ist jetzt komplett ausgefahren“, sagte eine Stimme aus dem Funkgerät.
„Toll. Und was mach ich jetzt?“, fragte der Mann weiter.
„Frag ihn, ob er näher zu dir herkommen kann. Dann kannst du ihm helfen in den Korb zu kommen“, antwortete die Stimme aus dem Funkgerät.
„Gut. Verstanden“, sagte der Mann in sein Funkgerät und wendete sich an mich.
„Kommen Sie her, ich helfe Ihnen“, rief er zu mir rüber.
„Ich kann nicht. Ich stecke hier mit meinem Schnürsenkel fest“, rief ich zu ihm zurück.
„Er kann nicht. Aktion abbrechen. Wiederhole Aktion abbrechen“, sagte der Feuerwehrmann in sein Funkgerät und die Leiter fuhr genauso langsam zurück wie sie gekommen war.
„Na toll. Noch eine weitere Nacht hier oben“, murmelte ich vor mich hin.

In dieser Nacht kam es scheinbar zu Streitigkeiten zwischen den Demonstranten. Von draußen drang viel Lärm, gemischt mit Polizeidurchsagen, herein. Ich hörte wie Steine auf Gegenständen landeten, sah rotes Licht wie von Leuchtfackeln hereinscheinen und hörte wie Autos und andere Objekte zertrümmert wurden.

TAG VIER

„Eine Verhängnisvolle Nacht für unsere Stadt“, sagte ein Reporter in die Kamera. „Letzte Nacht kam es wegen des Rolltreppen Mannes, wie Ihn die Presse mittlerweile nennt, zu Ausschreitungen zwischen den demonstrierenden Gruppierungen selber und auch der Polizei. Jedoch hat sich die Lage in den frühen Morgenstunden wieder beruhigt. Die Höhe der Schäden sind bisher noch nicht bekannt. Die Demonstranten stehen wieder friedlich an Ihren Plätzen, jedoch fordern diese nun, wie sie nachher noch in weiteren aufnahmen sehen können, Freiheit für den Rolltreppen Mann. Wir werden sehen wie es weiter geht.“
Er schaute seinen Kameramann an und fragte: „Haben wir es im Kasten?“
Sein Kameramann nickte und beide gingen nach draußen.
Vom Eingang schallte laute Musik herein, die wohl von den Demonstranten kam. Ich hörte Stimmen die gemeinsam irgendwelche Chöre anstimmten und viele Trillerpfeifen. Auch glaubte ich einen Kerl gesehen zu haben, welcher mit einem Bauchladen Snacks und Getränke an Demonstranten verkaufte.
Vor der Rolltreppe wurden Kameras auf Stativen aufgebaut, während draußen scheinbar Leinwände für eine Live-Übertragung platziert wurden. Zudem wurde einige Meter vor mir ein Mikrofon aufgebaut.
Der Korb des Roten Kreuzes traf mich mal wieder am Kopf. Während ich mich daraus bediente rief einer der Sanitäter zu mir herüber: „Kann man Ihnen noch etwas bringen?“
„Ja!“ ,rief ich zurück. „Ein Messer, damit ich endlich den verdammten Schnürsenkel durchschneiden kann.“
Plötzlich hörte ich meine eigene Stimme aus einem Lautsprecher heraus. Teile der Aufnahme waren jedoch mit Störgeräuschen überlagert, sodass man nur die Fetzen: „Ein Messer….endlich….verdammten….durschneiden“, hörte. Scheinbar wurde schon Live Übertragen.
Die Männer des Roten Kreuzes redeten hektisch miteinander, draußen ging ein Raunen durch die Demonstranten und die Polizisten eilten, mit ihren Funkgeräten in der Hand, hektisch hin und her.
Die Reporter haben sich wieder am Ende der Rolltreppe eingefunden und redeten in ihre Kameras.
„Eine dramatische Wendung“, sagte einer.
„Die Lage spitzt sich zu“, behauptete ein anderer.
Währenddessen genoss ich noch mein Frühstück.

Kurze Zeit später hörte ich Helikoptergeräusche und zu der Polizei gesellten sich nun auch Spezialeinheiten und scheinbar auch Teile der Bundeswehr hinzu.
Mit einer großen Schar an Reportern betrat wieder ein Mann im Anzug das Gebäude.
„Herr Wilfling, wie schätzen Sie die Lage ein? Sind Sie beunruhigt?“ fragte einer der Reporter.
„Also ich als Sicherheitsminister kann die Leute hier nur beruhigen“, begann der Sicherheitsminister mit den Reportern zu sprechen. „Wie sie sehen können wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft und sollte es zu Angriffen von Seiten des Mannes auf der Rolltreppe kommen, so lassen Sie mich Ihnen versichern, dass er nicht weit kommen wird.“
„Was macht Sie da so sicher, dass er nicht weit kommen wird?“, fragte ein anderer Reporter.
„Nun, weil in genau diesem Moment Scharfschützen die Dächer der umliegenden Gebäude besetzen und Ihn sofort erschießen werden, wenn er etwas versucht“, er lächelte zufrieden.
Der Hausmeister drängte sich, mit einem Paket in seinen Händen, zwischen den Reportern durch. Er ging durch die Absperrung und lief die Treppe hoch. Oben entfernte er wieder die Abdeckung, entfernte das alte Teil und setzte das neue Teil aus dem Paket hinein. Und….es passte. Scheinbar zufrieden mit sich und der Welt schraubte er die Abdeckung wieder an und pfiff dabei vor sich hin.
Auf dem Rückweg blieb er bei mir stehen.
„So die Rolltreppe funktioniert wieder“, sagte er. „Jetzt verraten Sie mir mal was Sie hier eigentlich machen.“
„Mein Schnürsenkel hat sich irgendwie in der Seite der Rolltreppe verfangen“ ,schilderte ich ihm mein Dilemma.
„Na, das haben wir gleich“, sagte er zog dabei ein kleines Klappmesser heraus.
Plötzlich hörte man von draußen entsetztes Kreischen und Gejohle, da man anscheinend das Messer in der Live-Übertragung nach außen sah. Die Polizisten und die Soldaten überschlugen sich mit Funksprüchen, während Securitymänner den Minister wegbrachten. Die Kameraleute filmten alles mit. Die Reporter hielten inne und starrten zu uns herüber.
Der Hausmeister hielt ebenfalls verwirrt inne und fragte mich: „Wieso haben Sie auf einmal vier kleine rote Punkte auf der Stirn?“
„Das sind wohl Laserpointer“, antwortete ich ihm. Mir stockte aus Angst vor den nächsten Minuten der Atem.
„Pff, diese Kinder und ihre Spielzeuge“, sagte der Hausmeister und schnitt mit einem Ruck den Schnürsenkel durch.
Gemeinsam liefen wir die Rolltreppe hinunter, während alle realisierten, dass es vorbei war. Plötzlich brach bei allen eine unbändige Freude aus. Die Leute jubelten, kreischten und klatschten. Einige stürmten an den Sicherheitskräfte vorbei in das Gebäude und stürmten auf uns zu. Die Reporter machten dasselbe. Beim Anblick der heranstürmende Menge blieb ich stehen, da ich nicht wusste was ich tun sollte.
Zu meiner Überraschung rannte die Menge nicht zu mir, sondern zum Hausmeister der weitergelaufen war.
„Was waren Ihre Gedanken, als Sie dort oben waren? Hatten Sie Angst vor dem Mann?“, fragte ein Reporter.
„Wie sind Sie auf die Idee mit dem Messer gekommen?“, fragte ein anderer.
„Kann ich ein Autogramm haben?“, fragte einer der Demonstranten.
„Dieser Mann dort…“, sagte Demonstrant, der schon am Fuß der Rolltreppe demonstriert hatte.
„Ist ein Mann des Volkes“, unterbrach ihn der mit dem Kurzhaarschnitt.
„Ja, dass auch“, antwortete der Mann mit dem Megafon leicht verwirrt. „Ich meinte eigentlich, dass er ein Held ist, der sich an unkonventionellen Methoden heran getraut hat und nicht nur den alten hohen Herren zu…“
„Ach halt die Klappe“, sagte der Öködemonstrant. „Er ist Hausmeister und somit auch für die Bäume und Pflanzen hier zuständig. Also ist er einer von uns.“
Schon entbrannte der nächste Streit zwischen den beiden.

Dass alles hörte und beobachtete ich aus der Entfernung heraus. Neben mir tauchten plötzlich ein Reporter und sein Team auf und bauten ihre Kamera auf.
Die Polizei löste währenddessen die Menge auf und wies den Hausmeister an zu dem Reporter und zu mir zugehen. Kaum war er da startete der Reporter auch sofort mit dem Interview.
„Was haben Sie dort oben getan“, fragte er ganz fasziniert.
„Ich habe einen Schnürsenkel mit einem Messer durchgeschnitten“, antwortete der Hausmeister sichtlich genervt.
„War es sehr schwer?“
„Nein, das hätte doch jeder geschafft.“
„Und bescheiden ist er auch noch“, dann schaute der Reporter mich an. „Wer sind sie jetzt nochmal?“
Doch bevor ich ihm antworten konnte, schob mich einer der Assistenten zur Seite und sagte mir zischend: „Verschwinden Sie hier. Wir führen hier ein wichtiges Interview.“
Während ich mich von der Gruppe entfernte, hörte ich den Reporter noch hinter mir sagen: „Das war unser heutiger Held des Tages.“
Ich ging nach draußen und atmete erst mal die frische Luft ein. Die Polizei war verschwunden. Genauso wie die Bundeswehr und die anderen Spezialeinheiten.
Ein paar Demonstranten kamen an mir vorbei.
„Und was machen wir morgen, nachdem das hier jetzt vorbei ist?“, fragte einer den anderen.
„Keine Ahnung. Aber sag mal, hast du eigentlich eine Ahnung wofür wir hier überhaupt demonstriert haben?“, fragte der Zweite.
„Ehrlich gesagt keine Ahnung, hab ich vergessen“, antwortete der Erste schulterzuckend. „Aber Hauptsache wir sind dabei gewesen und haben nicht nur zugesehen.“
Die beiden verschwanden um die Ecke und ich machte mich auf den Weg nach Hause.
„Hey, sind Sie nicht der Typ von der Treppe?“ fragte mich ein Passant einige Meter weiter.
„Ja“, antwortete ich ihm.
„Ich hätte eine Frage an Sie: Warum zum Geier haben Sie nicht einfach den Schuh ausgezogen?“
Sprachlos starrte ich ihn an. Der Passant schüttelte nur den Kopf und ging weiter.
Ich hingegen machte mich auf den Weg nachhause, mich immer wieder fragend wieso ich nicht auf die einfachste Idee der Welt gekommen bin.
 
Wortkrieger-Team
Senior
Beitritt
08.01.2002
Beiträge
5.078
Hallo @MarcDorf ,

willkommen bei uns Wortkriegern und speziell in der Satireabteilung.


Ich freue mich sehr, dass es sich um ein deutlich satirisches Thema handelt, über das du schreibst und somit hast du schon mal all meine Sympathien.

Naja...es kommt aber nun auch noch ein ABER:

Deine Geschichte (meiner Meinung nach ist es keine Novelle) ist viel zu ausführlich und gesprächig, da kann man durch den gesamten Text hindurch kräftig kürzen, ohne dass er
an Aussagekraft verliert.

Ich gestehe, dass ich in weiten Teilen der Geschichte schneller gelesen habe, weil viel zu wenig passierte.
Ein weiteres Problem, welches sich ganz besonders, so finde ich, bei Satiren stellt, ist der Spannungsaufbau, denn das eine Geschichte eine Satire ist, heißt noch lange nicht, dass ihr alle Merkmale einer guten Geschichte fehlen dürfen.
Und dazu gehört nun mal der Spannungsaufbau. Im Grunde genommen dümpelt deine Geschichte von Tag zu Tag und es schaukelt sich alles immer weiter auf, aber mehr Dramatik ist dann auch nicht da.
Ich habe jetzt keinen Tipp parat, wie du das ändern kannst. Deswegen mein Rat, der Geschichte in ihrer Ausführlichkeit an den Kragen zu gehen, um daraus eine kurze knackige Satire zu machen.

Manchmal gelingt einem das nur, wenn man schon eine ganze Weile den Text liegen gelassen hat.
Es geht nämlich darum, den eigenen Text so zu lesen, als sei man ein fremder Leser.
Und diese Distanz bekommt man manchmal nur hin, wenn schon ein Stück Zeit vergangen ist.
Was auch funktionieren kann, das musst du halt für dich herausfinden, ob es auch bei dir so ist, ist das Selbstvorlesen und zwar laut vorlesen der eigenen Geschichte. Auf diese Weise merkt man sehr gut, wo es langatmig wird und die Spritzigkeit verloren gegangen ist.

Im Grunde genommen ist dein Plot ja der, dass dein Protagonist von keinem der Beteiligten wahrgenommen wird mit seinem echten Problem. Alle meinen bereits das Richtige zu tun.
Ich käme dabei sogar auf die Idee, das alles noch weiter zu spinnen und am Ende deinem Protagonisten eine Art Hütte um seinen Platz herum zu bauen, wo er dann künftig auch mal ein wenig Privatsphäre hat und für sich sein kann und während der Geschäftsöffnungszeiten ist er quasi das Politikum, erteilt Ratschläge und hält Reden etc.


Was mir noch aufgefallen ist, du hast an etlichen Stellen Rechtschreibfehler drin, dir ein normal ausgestattetes Rechtschreibprogramm benennen müsste. Bitte korrigiere da den Text, also gehe nochmals bitte auf gründliche Suche.

Lieben Gruß

lakita
 

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