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  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

Die Schönheit

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17.07.2020
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Die Schönheit

Ich sitze in meinem grünen Rollstuhl und fahre auf dem Gehweg, die Eckernförder entlang. Die Bäume, die die Straße säumen, tragen schon unzählige Blätter, in den verschiedensten Grüntönen. Es ist ein warmer Sonntag im März und eine leichte Brise weht durch mein lichtes Haar. Der Himmel ist wolkenlos und der Geruch nach frischen Blumen steigt mir in die Nase. Leere Straßen liegen vor mir. Autos parken in ihren Garagen und rosten vor sich hin. Es sind kaum Menschen unterwegs. Hin und wieder sehe ich Paare, die einen Spaziergang machen oder einsame Jogger, die für das Home Office in Bestform sein müssen. Ich weiche gekonnt den Spaziergängern und möglichen Infizierten aus. Der unsichtbare Feind lauert in der Nähe, aber ich habe keine Ahnung, hinter welcher Ecke er sich versteckt. Ich steige in keinen Bus und betrete keine Geschäfte. Die Angst, vor dem Virus ist vorhanden, aber ich versuche, sie nicht täglich an mich heranzulassen, was mit Facebook und seinen Kollegen schwierig ist. Informationen im Überschuss fliegen einem permanent um die Ohren und man muss sehen, wo man bleibt und was man glaubt.

Ich bin sowas von Risikopatient. Ich leide an einer Muskelerkrankung. Also, ich leide selten, eher lebe ich damit. Meine Muskeln werden mit der Zeit immer weniger. Ich kann nur noch meinen Mund bewegen und das Atmen übernimmt eine Maschine für mich. Aber hey, es könnte mich schlimmer treffen. Ich habe eine eigene Wohnung und eine Frau, die mich seit drei Jahren liebt. Ein älterer Mann, vielleicht sechzig oder siebzig Jahre alt, sagte einmal zu mir: „Wenn dein Herz vor Glück stolpert, kann dir nichts mehr passieren.“ Ein schöner Gedanke. Ich halte an und lasse den Blick durch meine Umgebung schweifen. Ein Eichhörnchen huscht auf die Straße und bleibt auf halber Strecke sitzen, um eine Nuss zu verspeisen. Seelenruhig sitzt es da. Die warme Frühlingssonne scheint mir ins Gesicht und ich schließe für einen Moment die Augen. Vögel singen in der Nähe bunte Melodien. Sie klingen friedlich. Die Natur macht einfach unbeeindruckt weiter. Sie überlässt uns Menschen unserem Schicksal und lacht uns dabei grässlich ins Gesicht.
 
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Moin, moin @MichiTerra ,

nun, auch wenn ich wirklich auf eine richtige Geschichte, einen längeren Text von Dir gehofft hatte, will ich gerne ein paar Gedanken zu Deiner zweiten Geschichte hier lassen. Nur nochmal zur Erinnerung, es geht um Textarbeit, gerade bei eher biographischen Texten ist da oft kommentieren und verarbeiten schwierig.
Ich hab beim zweiten Lesen am ein paar Zitate rausgezogen und versuche Dir meine Gedanken da zu lassen, bei Unklarheiten einfach nachfragen.

Die Schönheit
Tja, naja, so richtig gelockt hat der Titel mich nicht und nach dem ersten Lesen betrachte ich ihn jetzt ratlos. Verrate mir doch bitte den Zusammenhang, ich sehen ihn gerade nicht.

Ich sitze in meinem grünen Rollstuhl und fahre auf dem Gehweg, die Eckernförder entlang.
Als erster Satz (ist ja der Einfänger) für mich ganz in Ordnung, Ich kriege ein klares Bild, die Verortung ist superklar, die Erzählperspektive auch.

Die Bäume, die die Straße säumen, tragen schon unzählige Blätter, in den verschiedensten Grüntönen.
Und hier finde ich zeigt sich für meinen Lesegeschmack eine Problemzone des Textes. Du hast einen Ich-Erzähler, eine konkrete Person. Und dann wirst Du oberallgemein. Also alles unkonkret, keine persönliche Wahrnehmung. Warum soll ich weiterlesen? Was macht das für mich als Leserin interessant. Ein weiter Blick als Einstieg wäre für mich in Ordnung, also zum Beispiel, das die Lindenallee tatsächlich von Bäumen gesäumt wird. Aber Dein Prot kann doch die vielen Blätter und Grüntöne entweder sehr speziell wahrnehmen oder aber klar artikulieren, das es alles nur allgemeines Durcheinander ist. So springt es für mich zu sehr. Mist, ich glaube nicht, dass ich mich klar ausdrücke, sorry.
Aber auf alle Fälle ist das dreifach "Die" unschön!

Es ist ein warmer Sonntag im März und eine leichte Brise weht durch mein lichtes Haar. Der Himmel ist wolkenlos und der Geruch nach frischen Blumen steigt mir in die Nase.
Ich glaube, mir fehlt einfach eine Reaktion vom "Ich", die Perspektive läd doch geradezu ein, ins Innere zu schauen. Also was macht das mit ihm? Wie reagiert er drauf? So ist es ein Bericht, oder?

Autos parken in ihren Garagen und rosten vor sich hin.
Da frag ich mich doch, warum sollen die Autos dort in den Garagen rosten, also Du willst doch eigentlich nur zeigen, das wenig Verkehr herrscht, oder?

Ich weiche gekonnt den Spaziergängern und möglichen Infizierten aus.
Hier wäre ich für eine Verbindung, die Spaziergänger sind doch die möglicherweise Infizierten, da läuft ja nicht noch eine zweite Gruppe von Personen rum, oder?

Informationen im Überschuss fliegen einem permanent um die Ohren und man muss sehen, wo man bleibt und was man glaubt.
Generell ist der Satz richtig und ich verstehe auch was Du sagen möchtest. Aber es ist wieder so eine allgemeine Formulierung, in diesem Falle sogar total abgegriffen. Der Ich-Erzähler könnte das doch viel individueller sagen/denken.

Ich kann nur noch meinen Mund bewegen und das Atmen übernimmt eine Maschine für mich. Aber hey, es könnte mich schlimmer treffen.
Das ist erzählerisch gut. Natürlich erst einmal weil es für den Leser etwas neues/individuelles ist. Aber vor allem, weil der Bruch, gegen die wohl zu erwartende Einstellung mit einer ganz persönlichen Meinung läuft. Okay, auch das "es könnte mich schlimmer treffen" ist ein häufig gebrauchter Satz. Zugegeben, ich mag manchmal solche Plattitüden, denn wir verwenden sie ja wirklich im realen Leben, für mich ist es so glaubhaft.

„Wenn dein Herz vor Glück stolpert, kann dir nichts mehr passieren.“ Ein schöner Gedanke.
Auch das finde ich hier gut gemacht, wenn Der kurze Text schon nur eine Szene und einen Prot hat, so bringt das Zitat doch etwas Leben rein. Hier frage ich mich, ob Du Dich mit dem Titel darauf beziehst? Dann wäre doch sowas wie "Stolperherz", "Dir kann nichts passieren" oder "Beruhigender Gedanke" möglich (sorry, Titel sind nicht meine stärkste Seite :-))

Vögel singen in der Nähe bunte Melodien. Sie klingen friedlich.
Das ist auch wieder sehr allgemein - Piep, Piep - Vögel halt. Mach es spezieller, zeig mir etwas besonderes, ich soll dem Prot doch folgen.
Beim "sie klingen friedlich" frage ich mich, was Du mir zeigen willst? Denn im Schlusssatz willst Du die Natur grässlich lachen lassen? Ich kann momentan noch nicht sehen, was die Aussage des Textes ist.

Die Natur macht einfach unbeeindruckt weiter. Sie überlässt uns Menschen unserem Schicksal und lacht uns dabei grässlich ins Gesicht.
Denn im Schlusssatz willst Du die Natur grässlich lachen lassen? Ich kann momentan noch nicht sehen, was die Aussage des Textes ist.

Also wie gesagt, so ganz hast Du mich noch nicht überzeugt. Einige gute Ansätze, aber natürlich auch nur aus meinem subjektiven Blickwinkel. Ich kann nur empfehlen, andere Geschichten zu lesesn und möglichst zu kommentieren, einfach Deinen ganz persönlichen Eindruck mit Begründung hinterlassen. Das hilft unheimlich doll beim Erkennen der eigenen Textschwächen. Zugegeben, Umsetzung ist dann immer nochmal ne andere Hürde, aber wir sind ja alle zum Lernen hier.
Schönes Wochenende in den Norden (schätze ich)
witch
 
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16.07.2020
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Hallo @MichiTerra ,

was mir an deiner Geschichte gefällt, sind die Beschreibungen... Man kann sich wirklich ziemlich gut in die Szene hineinversetzen... Das ist dir gut gelungen!
Allerdings überzeugt mich deine Geschichte nicht. Ich verstehe noch nicht so ganz, was mir deine Geschichte sagen soll... Soll es uns sagen, dass man sich nicht nur um Corona und seine Probleme kümmern soll, sondern auch auf das Gute (wie in diesem Fall die Liebe) konzentrieren soll?
Die Überschrift scheint mir auch leider nicht sooo ganz passend...
Es wäre nett, wenn du mir erläutern könntest, was du mit der Geschichte sagen möchtest... :)

Liebe Grüße chouette
 
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24.07.2020
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Ich sitze in meinem grünen Rollstuhl und fahre auf dem Gehweg
Für greenwitch mag der erste Satz ganz in Ordnung sein. Aber ich erwarte bei einer solchen Formulierung einen Widerspruch, eine Rebellion, oder ähnlich. Es kommt aber nichts in diese Richtung.

Ein Eichhörnchen huscht auf die Straße und bleibt auf halber Strecke sitzen, um eine Nuss zu verspeisen
Auf halber Strecke wohin? Wohl nicht zur Nuss, denn dort kommt es an. Aber auch nicht zur Strasse, denn es wollte vermutlich nur zur Nuss. Oder trug es die Nuss auf sich und machte auf der Reise einen Zwischenhalt zur Verpflegung?

Sie klingen friedlich. Die Natur macht einfach unbeeindruckt weiter. Sie überlässt uns Menschen unserem Schicksal und lacht uns dabei grässlich ins Gesicht.
"friedlich klingen" ist eine Impression, "grässlich" ist eine Interpretation. Beide kommen vom gleichen Erzähler, aber passen nicht zusammen. Nach meinem Gefühl müsste entweder das "klingen" oder das "friedlich" ersetzt werden.
 
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17.07.2020
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@chouette,

Hi, danke für dein Feedback. Die Message soll sein: Die Natur wird von den Menschen sehr oft unterdrückt und jetzt bedroht etwas die Menschheit und die Natur kann etwas durchatmen. Aber sie ist auch unbeeindruckt vom „Leid“ der Menschen. Ihre Schönheit bleibt für immer und wir müssen sie mehr wertschätzen. Daran angelehnt der Titel.
 
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Wortkrieger-Globals
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24.01.2009
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Hey @MichiTerra,

und auch von mir ein Herzliches Willkommen bei uns!

In deiner Antwort an lala91 fehlt irgendwie was, ich habe nur das Volltextzitat entfernt, nicht aber etwas aus deiner Antwort. Über den Bearbeitungsbutton kannst Du deinen Gedanken gern vervollständigen.

Das ist aber eigentlich nicht der Grund, warum ich mich unter deinem Text melde. Es ist schön, dass Du hier bist und ich will Dir die Freude jetzt auch nicht nehmen, muss Dich aber darauf hinweisen, dass deine beiden Texte hier nur mit viel gutem Willen und Augenzudrücken als Kurzgeschichte durchgehen, wie wir sie hier für uns auf der Seite definieren. Und ich sag mal, ein dritter Text dieser Art wird von den Moderatoren gelöscht werden. Was brauchen Texte hier also? Die Definition bezieht sich nicht auf kurzer Text, denn Du wirst viele Geschichten finden, die auch Länge haben. Was wir von einer KG erwarten, sind Handlung und Spannungsbogen. Das heißt, einen Konflikt und dessen Lösung (um es grob zu sagen), szenisch in Worten eingefangen. Du benennst zwar einen Konflikt, aber dann ist auch schon Ende. Deshalb wünschen sich deine Kommentatoren hier auch einen längeren Text, damit aus einem Gedanken eine Geschichte wachsen kann.
Schau im Netz mal nach Schreiben von Kurzgeschichten, Du wirst viel Input finden. Auch hier auf der Seite gibt es dazu Infomaterial. Auch hilft es, Dich hier umzulesen und mitzukommentieren. Denn die Leute, die Dir ihre Zeit schenken, sind auch Autoren die sich selbst Feedback wünschen. Kommentieren schult ungemein den eigenen Blick und schenkt Freude - eine win-win-Situation - und nur mit Nehmen + Geben kann diese Seite funktionieren.

In diesem Sinne,
beste Grüße, Fliege
 
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17.07.2020
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Hallo, alles klar! Einen dritten Text dieser Art werde ich selbstverständlich nicht mehr hier reinstellen. Nur noch richtige Geschichten. Das Feedback hat mir trotzdem geholfen.
 
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