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  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

Die Schattenlosen

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26.08.2019
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Die Schattenlosen

Als Noah die Wohnung betrat, hörte er das Klappern aus der Küche. Marie kam ihm mit einem Tablett entgegen.
„Du kommst spät.“
In ihrem Blick konnte er keinen Vorwurf erkennen. Trotzdem hörte er eine leichte Verärgerung.
„Es ist genau fünf.“
Im Wohnzimmer stellte sie das Tablet ab, verteilte Untertassen und Teetassen auf dem Tisch. Löffel legte sie daneben.
Auf das Stövchen in der Mitte stellte sie eine Teekanne aus dem gleichen, weißen Porzellan. Danach folgten Milchkännchen und Zuckerdose.
Inzwischen hatte Noah sich auf das Sofa gesetzt und sah ihr bei dem täglichen Ritual zu.
Marie setzte sich ihm gegenüber und gab einen Löffel Kandis in die Tasse. Danach schüttete sie beiden heißen Tee ein. In der Stille hörte man den Kandis leicht knacken. Mit dem Löffel rührte sie langsam und gleichmäßig um.
Obwohl sich ihr Kandis noch nicht aufgelöst hatte, rutschte er auf dem Sofa nach vorne: „Ich war heute im Unteren Viertel.“
Der Löffel bewegte sich langsam weiter. Ihr Blick blieb auf die Tasse gerichtet. Die Flüssigkeit glänzte in den dünnwandigen, weißen Tassen wie geschmolzene Bronze. „Ist es nicht gefährlich dort?“
Er lachte. „In gewisser Weise schon. Im Gegensatz zu hier war es dort voller Leben und Lachen. Überall Menschen auf der Straße. Kinder.“
Sie blickte kurz auf, nippte dann.
„Marie.“ Noah stockte, blickte sie an: „Ich, ich möchte ein Kind!“
Sie lächelte: „Sind wir nicht etwas zu alt dafür?“
„Ich meine es ernst, Marie.“
„Du willst, dass ich dich ernst nehme? Du treibst dich in dem Armenviertel herum und erklärst mir dann plötzlich, dass du ein Kind willst? Das soll ich ernst nehmen? Du weißt genau, dass wir überhaupt kein Kind bekommen können.“
„Das ist nicht wahr. Und das weißt du auch. Wir haben alles einfrieren lassen. Wir könnten sofort ein Kind bekommen.“
Marie lehnte sich vor: „Du bist tatsächlich verrückt geworden. Du weißt schon, dass wir sterblich werden würden? Dass sie den genetischen Eingriff rückgängig machen und den Alterungsprozess wieder in Gang setzen würden?“
„Ich weiß das alles, Marie. Wir haben das damals gemeinsam unterschrieben.“
Sie schüttelte den Kopf, wurde lauter: „Das ist Wahnsinn! Du wirst in einem Monat 187 Jahre alt. Du kannst noch tausende Jahre leben und siehst immer noch wie dreißig aus. Und das willst du aufgeben, weil du jetzt einmal im Unteren Viertel warst?“
„Tausende Jahre? Wir drehen uns jetzt schon in den immer gleichen, sinnlosen Handlungen und Ritualen endlos im Kreis. Wir wollten den Tod überlisten und jetzt wälzen wir jeden verdammten Tag diesen Stein den Berg hinauf. Das ist nicht mehr unsere Zeit.“
„Dann gehe ich also am besten morgen zu einer Kollegin aus der genetischen Abteilung und sage, dass wir sterblich werden wollen. Wenn sie fragt, sage ich einfach: Ist nicht mehr unsere Zeit. Okay?“
Noah stand auf und zeigte auf die Bücherregale an den Wänden: „Warum hältst du so an deinen Papierbüchern fest? An dem Porzellan deiner Mutter und deinen täglichen Ritualen?“ Mit einer Hand zog er die bodenlangen Vorhänge von den Fenstern und klatschte leise. Die milchig getönten Scheiben wurden durchsichtig. Draußen schwebten lautlos unzählige Flugdrohnen durch die Häuserschluchten.
„Das ist nicht mehr unsere Heimat. Und das weißt du. Wir haben irgendwann die Zeit verloren, Marie.“ Er setzte sich in einen Sessel und blickte sie an. „Und uns auch.“
„Deine Theatralik kannst du dir sparen.“ Sie begann, den Tisch abzuräumen. „Meine Heimat ist hier. Und in meiner Forschung. Früher dachte ich auch: bei dir. Ich brauche jedenfalls kein Kind, um einen Sinn in mein Leben zu bringen.“ Sie hielt inne, drehte sich in seine Richtung. „Aber wenn du willst, dann zieh in die Unterstadt. Ein Kind darfst du auch alleine großziehen, wenn du sterblich wirst. Meine Eizellen kannst du gerne haben. Ich brauche sie nicht.“
„Weißt du, welche Namen sie da unten für uns haben? Ich habe es gehört, als ich durch die Gassen gegangen bin. Nicht Götter oder Elben. Sie nennen uns die Schattenlosen.“ Seine Stimme wurde mit den letzten Worten leiser. Er blickte auf seine Hände, drehte sie im Licht. „Und sie haben recht. Wir sind durchsichtig geworden. Als hätten wir unsere Seelen verkauft.“
Marie schnaubte und schritt mit dem Tablet aus dem Wohnzimmer.
Als er aus der Küche ein Klirren hörte, ging er zur Tür.
Marie kauerte auf dem Boden. Ihr Rücken war ihm zugewandt. Sie hielt etwas vor sich in den Händen, den Kopf tief gebeugt. Als er näher kam, bemerkte er, dass sie zitterte. Er ging um sie herum und sah die zerbrochene Tasse in ihren Händen. „Nur noch eine.“ Ihr Körper bebte, als sie aufschluchzte. „Jetzt habe ich nur noch eine.“
Er legte vorsichtig eine Hand auf ihre Schulter. „Es tut mir so leid, Marie. Ich …“
Marie fuhr herum, wich seiner Hand aus. „Lass mich in Ruhe mit deinem Mitleid!“ Sie schniefte, ihre Stimme war leise: „Du verrätst alles, was uns zwei ausgemacht hat.“ Marie stand auf: „Du wolltest einer der ersten sein, der den Menschen das Feuer bringt. Das hast du gesagt, weißt du nicht mehr? Wir wollten keine Kinder. Wir wollten was bewegen.“ Marie stand auf, öffnete die Wohnungstür und trat hinaus. Dann drehte sie sich noch einmal um: „Ich hätte wissen müssen, dass du zu schwach bist.“

Als sie im Unteren Viertel ankam, stand die Sonne tief. Marie ließ sich durch die engen, geschäftigen Gassen treiben. Menschen gingen zu Fuß, waren einfach gekleidet. Sie sah Eltern mit Kinderwagen. An einem Spielplatz blieb Marie stehen, schaute den Kindern zu, hörte ihr Gelächter. Dann sah sie den Schatten. Er lag langgestreckt von den Fußspitzen bis zum Sandkasten vor ihr.
Sie drehte sich um und verließ das Untere Viertel.
 
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25.12.2019
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Hallo @Daeron,

die Idee hinter deiner Geschichte hat mir sehr gut gefallen, die Umsetzung hingegen nicht so richtig. Hier steckt eine Menge Potenzial drin. Ich wage mal zu behaupten, die Geschichte müsste doppelt so lang sein, die braucht Raum zum Atmen. Du musst mehr von der Welt zeigen, damit sich da ein richtiger Kontrast aufbaut und die verschiedenen Denkweisen der Figuren bestärkt. Für mich ist das momentan ein ganz normales Paar mit verschiedenen Ansichten zum Thema Kinderwunsch. Von den verschiedenen Vierteln habe ich keine Bilder im Kopf, für mich schlendern die da aus ihrem Altbau durch die Straße um die Ecke. Aber du hast doch selbst geschrieben, ihre Selbstwahrnehmung ist, dass sie Götter oder Elben sind. Das will ich sehen.
Dann gibt es noch ein paar Tell/Infodump-Stellen, die du bestimmt eleganter verpacken kannst.

Mit einer Hand zog er die bodenlangen Vorhänge von den Fenstern und klatschte leise. Die milchig getönten Scheiben wurden durchsichtig. Draußen schwebten lautlos unzählige Flugdrohnen durch die Häuserschluchten.
Die Flugdrohnen reichen nicht, um mir die Welt vorstellen zu können. Was genau sieht Noah, wenn er durch das Fenster schaut? Inwiefern ist sein Viertel unterschiedlich von dem unteren?

Er lachte: „In gewisser Weise schon. Im Gegensatz zu hier war es dort voller Leben und Lachen. Überall Menschen auf der Straße. Kinder.“
Sie blickte kurz auf, nippte dann.
„Marie[.]“(,) Noah stockte, blickte sie an: „Ich, ich möchte ein Kind!“
Sie lächelte: „Sind wir nicht etwas zu alt dafür?“
Bei "Marie" Punkt oder Auslassungspunkte hin und das Komma weg, was folgt ist ja ein neuer Satz.
Und: Die Doppelpunkte hinter lachte, blickte sie an, lächelte sollten durch einen Punkt ersetzt werden. Doppelpunkte würde ich da nur setzen, wenn die Handlung auch etwas mit sprechen zu tun hat: Er sagte, schrie etc.

Marie lehnte sich vor: „Du bist tatsächlich verrückt geworden. Du weißt schon, dass wir sterblich werden würden? Dass sie den genetischen Eingriff rückgängig machen und den Alterungsprozess wieder in Gang setzen würden?“
Das ist ein Infodump vom Autor an den Leser, so würden die nicht reden, denn sie wissen das ja alles, wie der Prot selbst sagt:
„Ich weiß das alles, Marie. Wir haben das damals gemeinsam unterschrieben.“
Klar, für Scifi-Konzepte ist es schwierig, sowas organisch zu verpacken, es würde der Geschichte aber definitiv gut tun.

„Tausende Jahre? Wir drehen uns jetzt schon in den immer gleichen, sinnlosen Handlungen und Ritualen endlos im Kreis. Wir wollten den Tod überlisten und jetzt wälzen wir jeden verdammten Tag diesen Stein den Berg hinauf. Das ist nicht mehr unsere Zeit.“
Das ist eine Behauptung, die du nicht zeigst. Das Tee-Ritual von Marie vorher geht da total in die richtige Richtung, das würde ich vertiefen und/oder mehr solcher Rituale und sinnlosen Handlungen zeigen.

„Weißt du, welche Namen sie da unten für uns haben? Ich habe es gehört, als ich durch die Gassen gegangen bin. Nicht Götter oder Elben. Sie sagen Vampire zu uns, die Schattenlosen.“
"Die Schattenlosen" finde ich sehr schön. Vampire impliziert aber, dass die da "oben" die unten auf irgendeiner Art und Weise "aussaugen", aber davon sehe ich in der Geschichte nichts. Hier spürt man wieder das fehlende Worldbuilding.

„Es tut mir so leid, Marie. Ich …( .)
Punkt weg, die Auslassungspunkte beenden auch den Satz.

Als sie im Unteren Viertel ankam, stand die Sonne tief. Marie ließ sich durch die engen, geschäftigen Gassen treiben. Menschen gingen zu Fuß, waren einfach gekleidet. Sie sah Eltern mit Kinderwagen. An einem Spielplatz blieb Marie stehen, schaute den Kindern zu, hörte ihr Gelächter. Dann sah sie den Schatten. Er lag langgestreckt von den Fußspitzen bis zum Sandkasten vor ihr.
Sie drehte sich um und verließ das Untere Viertel.
Das ist ein guter Ansatz, endlich das untere Viertel zu beschreiben, es bleibt mir hier aber viel zu oberflächlich und allgemein. Es wirkt wie eine Szene aus einer ganz normalen Stadt, das "obere" Viertel ja auch. Was dort "einfach gekleidet" ist, weiß ich auch nicht, vor allem ohne eine Beschreibung der ansonsten üblichen Kleidung.
Wie sich Marie dort fühlt oder was sie denkt, ist mir nicht ersichtlich. Das macht das Ende unbefriedigend. Hat sie der Besuch im unteren Viertel umgestimmt? Auch in der Hinsicht musst du mehr zeigen, damit das emotional resoniert.

Hier steckt eine richtig gute Geschichte drin, muss nur ausgebaut werden.

Viele Grüße,
Catington
 
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26.08.2019
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Hallo @Catington ,

danke für deine Rückmeldung! Ich habe die Fehler bereinigt. Mir ist selbst beim Verfassen der Geschichte aufgefallen, dass ich manche Infos durch die Hintertür einführen muss. Das hast du natürlich direkt gemerkt. Ich werde mir mal Gedanken machen, wie ich das verbessern kann. Da sind ja viele gute Hinweise von dir.

Das Ende habe ich übrigens absichtlich offen gelassen. Sie denkt ja nach, sonst wäre sie nicht im Unteren Viertel. Außerdem schaut sie sich die Kinder an. Wie sie sich entscheidet, möchte ich aber bewusst offen lassen, weil ich eigentlich keine eigene Meinung zu der Thematik abgeben will. Daher erfährt der Leser auch nichts von ihren Gedanken.

Gruß Daeron
 
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02.05.2020
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Hallo Daeron,

der Ansatz für deine Geschichte hat mir gut gefallen, die Aufarbeitung innerhalb eines Dialogs auch. Ich sehe das auch mit den Infodumps innerhalb des Dialogs nicht so wirklich, zumindest ich kann mich an mindestens Debatten in meinem Haushalt erinnern, in denen Punkte widergekäut wurden, die uns beiden bewusst sind. Und ähnlich wie in deinem Beispiel waren das keine Diskussionen über den Einkaufszettel und es waren auch keine Infodumps für mithörende Geräte.

Ich hadere dagegen sehr mit den Bezeichungen Vampir / Schattenlose / durchsichtig werden. Wie passt das zusammen? Vampire werden zumeist (außer vielleicht die glitzernden) als große Einflussnehmer auf die Weltgeschichte dargestellt, schattenlos und durchsichtig klingt dagegen eher nach passiv und ohne Einfluss.

Was ist das Feuer, das der Protagonist zu den Menschen bringen wollte? Was für eine Aufgabe erinnert ihn an Sisyphos?
Was macht der Protagonist überhaupt? Seine Frau forscht. An was? Da beide dafür unsterblich werden wollten, wäre das relevant.
Was für eine Rolle haben die Methusalems in dieser Welt?

Das sind alles Fragen, die mit den gegebenen Namen zusammenhängen.

Auch ihr Zusammenbruch über der Tasse liegt - vielleicht auch wegen dieser ganzen ungeklärten Fragen - etwas quer. Ja, es bestätigt, dass sie sich an Altes und Rituale klammert, aber warum? Mit ihrem Verhalten hätte ich eher erwartet, dass sie die Tasse absichtlich zerbricht, weil sie jetzt keine mehr für ihn benötigt.

Einzelne Wortklaubereien möchte ich mir sparen, ich ... eh ... fühle mich noch etwas neu und gucke da lieber zu.
 

AWM

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26.03.2018
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Servus @Daeron ich stimme @Catington zu: Die Geschichte müsste länger sein. Ich glaube, dass du das beim Schreiben selbst gemerkt hast. Die Infos, die der Leser rbaucht, verpackst du in Dialogen. Das ist eine Spur eleganter als in telligen Infodump-Stellen, aber es ist immer noch Infodump. Man merkt, dass die beiden so nicht miteinander reden würden und das nur tun, damit der Leser die Informationen bekommt, die er zum Verstehen der Geschichte braucht. Weitere Anmerkungen:
Als Noah die Wohnung betrat, hörte er das Klappern aus der Küche. Marie kam ihm mit einem Tablett entgegen.
Du hast Perspektivenwechsel drin, was mit gerade bei einer so kurzen Geschichte nicht gefällt. Ich würde bei Noahs Perspektive bleiben und nicht zu Maries wechseln am Ende.
Trotzdem hörte er eine leichte Verärgerung.
Hast dann relativ nah beieinander hört hört. In ihrem Ton lag eine leichte Verärgerung.
verteilte Teetassen und Untertassen auf dem Tisch.
Zuerst de Untertassen dann die Teetassen
Kleine Löffel legte sie daneben.
"Kleine" finde ich hier überflüssig, weil man weiß, dass es Teelöffeln sind.
Auf das Stövchen in der Mitte stellte sie eine Teekanne aus dem gleichen, weißen Porzellan.
Kanne würde reichen. Dann hast nicht so oft Tee.
Danach folgten Milchkännchen und Zuckerdose.
Milchkännchen und Zuckerdose folgten.
In der Stille hörte man den Kandis leicht knacken.
Schön! Würde nur "leicht" streichen.
Obwohl sich ihr Kandis noch nicht aufgelöst hatte, rutschte er auf dem Sofa nach vorne: „Ich war heute im Unteren Viertel.“
Hier ist auch so ein Problem mit der Perspektive. ich bin hier in Noahs. Und aus seiner Perspektive kann er doch nicht sehen, ob sich ihr Kandis schon aufgelöst hat.
Ihr Blick blieb auf die Tasse gerichtet. Die Flüssigkeit glänzte in den dünnwandigen, weißen Tassen wie geschmolzene Bronze.
Und hier sind wir in ihrer Perspektive.
Sie blickte kurz auf, nippte dann.
"dann" streichen.
„Marie.“ Noah stockte, blickte sie an: „Ich, ich möchte ein Kind!“
Ein "Ich" streichen.
Du treibst dich in dem Armenviertel herum und erklärst mir dann plötzlich, dass du ein Kind willst?
Generell die Dialoge entschlacken. Du treibst dich im Armenviertel rum und willst danach ein Kind?
Du weißt genau, dass wir überhaupt kein Kind bekommen können.“
Auch hier: "überhaupt" streichen.
„Das ist nicht wahr. Und das weißt du auch. Wir haben alles einfrieren lassen. Wir könnten sofort ein Kind bekommen.“
Das geht auch schon in Richtung Infodump. Kann man aber noch durchgehen lassen. Besser wäre aber: "Das stimmt nicht. Das weißt du. Wir haben alles enfrieren lassen."
„Du bist tatsächlich verrückt geworden. Du weißt schon, dass wir sterblich werden würden? Dass sie den genetischen Eingriff rückgängig machen und den Alterungsprozess wieder in Gang setzen würden?
"Du bist verrückt geworden." Marie lächelte bitter. "Sie würden den Eingriff rückgängig machen. Wir würden altern."
„Das ist Wahnsinn! Du wirst in einem Monat 187 Jahre alt. Du kannst noch tausende Jahre leben und siehst immer noch wie dreißig aus. Und das willst du aufgeben, weil du jetzt einmal im Unteren Viertel warst?“
Hier ist es einfach zu viel Infodump. Das sind Sachen, die du uns durch die Geschichte näherbringen müsstest und dazu ist sie einfach zu kurz.
Ok?“
okay
Draußen schwebten lautlos unzählige Flugdrohnen durch die Häuserschluchten.
Das ist eine der seltenen Stellen, die das ganze verorten. Davon bräuchte es mehr. Wie sieht die Zukunft aus?

Gruß!
AWM
 
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04.10.2006
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Hallo, @Daeron ,

ich habe deine Geschichte ohne Mühe und mit Interesse bis zum Schluss gelesen, was ein gutes Zeichen ist.

Die Infodump-Kritik kann ich unterschreiben, auch die Hinweise, dass der Trott des Ewiggleichen stärker in den Handlungen insbesondere von Marie aufscheinen sollte. Auch die Perspektivhinweise von @AWM unterschreibe ich.

Anonsten muss ich aber sagen, dass mich deine Dialoge durchaus angesprochen haben, auch wenn einige der Formulierungen eher Schreib- als Sprechsätze sind.

Zu drei Punkten habe ich eine konkrete Anmerkung zu machen:

Ich weiß nicht, wie du auf die "Schattenlosen" gekommen bist, aber ich finde, dass diese Bezeichnung Charme hat, sie sich auslegungsfähig und bietet kreative Anknüpfpunkte an das, was deine unsterblichen (?) Protagonisten ausmacht. Die Vampire würde ich aber lassen, denn wie @Catington und @feurig angemerkt haben, hinkt dieser "Vergleich" - Noah und Marie sind ja keine Parasiten oder ernähren sich von den "Normalsterblichen".

Die Sache mit der zerbrochenen teetasse handelst du zu nebensächlich ab, ich konnte sie nicht einordnen, hatte aber auch wenig Anlass, Maries Reaktion zu hinterfragen. Symbolisiert die zerbrochene Tasse das zerbrechen der beziehung (es ist nur noch eine Tasse übrig)? Realisiert sie, dass ihre Unsterblichkeit eher Fluch als Segen ist, weil die künstliche Aufrechterhaltung der "Normalität" zerbrechlich ist und die Schattenlosen von der Lebenswirklichkeit im Hier und Jetzt abgeschnitten sind - sie leben in der Vergangenheit, oder schlimmer noch, sie sind Teil einer Vergangenheit, und auch wenn sie unsterblich sind, sind sie eigentlich nicht lebendig? Oder ist es ihre Tasse, die hier zerbricht, ist es die Erkenntnis, dass der Stein stets aufs Neue wieder zu Tale rollt, dass Noah recht hat? Ich finde, dass du dem Leser an dieser Stelle nicht die Zeit gibst, sich diese Gedanken zu machen, zu schnell ist diese keineswegs unwichtige Episode vorüber, nicht zuletzt bildet sie ja den Anlass für Marie, in die unteren Viertel (die Unterwelt, hier als Gegenteil des Totenreichs?) hinabzusteigen.

Und schließlich der Schlussabsatz im Unteren Viertel. Zu knapp, zu oberflächlich, man spürt nicht den Kontrast zum "trauten Heim", nicht, dass hier das Leben regiert, während "oben" eine eher museale Stimmung in Ritualen erstarrt ist. Das geht deutlicher. Und auch, wenn du schreibst, dass du keine Richtung vorgeben möchtest, will ich dich ermuntern, dich selbst für eine zu entscheiden, und diese Richtung ganz zart anklingen zu lassen. Marie, die "Schattenlose" sieht ihren Schatten, sie erkennt, dass sie dem Leben noch nicht verlorengegangen ist, dass sie zurückkehren kann ins Leben? Dieses "sag ich aber nicht, was sie entscheidet" hat mir das an sich spannende Leseerlebnis etwas verdorben. Ich will nicht DIE Antwort, aber ich brauche etwas, um meine eigene Antwort zu finden.

Zum Ende hin - so mein Eindruck - verlierst du die Lust, den Atem und dadurch den Leser. Investiere noch ein wenig Energie in dieses letzte Drittel, damit reicherst du die nette Idee zum Nachdenkstück an.

Und nicht demoralisieren lassen - ich habe die Geschichte gerne gelesen, und wünsche dir weiterhin viel Erfolg!
 
Wortkrieger-Team
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19.05.2015
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Hallo @Daeron

so, wie versprochen, ein paar Anmerkungen zu deinem Text.
Die Thematik fixt mich nicht besonders an, aber die Idee hinter der Geschichte mag ich, darüber lohnt es sich zu schreiben.
Der Text hat auch sprachlich einen guten Flow, die Dialoge funktionieren gut, die Beschreibungen auch. Die Details fehlen mir allerdings. Was ich lese, enthält keinerlei dystopische Elemente. Das muss nichts Großartiges sein, kann (und sollte) beiläufig und ohne Erklärungen erzählt werden, aber die Fremdheit der Zukunft eben zeigen. Was ich letztlich lese, ist eine Wihnzimmerstory, die auch vor zwanzig Jahren hätte stattfinden können und auch das untere Viertel erinnert nicht eher an Bekanntes.

Textstellen:

„Du kommst spät.“
In ihrem Blick konnte er keinen Vorwurf erkennen. Trotzdem hörte er eine leichte Verärgerung.
„Es ist genau fünf.“
Im Wohnzimmer stellte sie das Tablett ab, verteilte Teetassen und Untertassen auf dem Tisch. Kleine Löffel legte sie daneben.
Due Erklärungen zwischen den Dialogfetzen brauchst du mMn nicht, da kann man ruhig mutiger und redundanter bleiben.

In der Stille hörte man den Kandis leicht knacken.
hübsche Beobachtung

„Du willst, dass ich dich ernst nehme? Du treibst dich in dem Armenviertel herum und erklärst mir dann plötzlich, dass du ein Kind willst? Das soll ich ernst nehmen? Du weißt genau, dass wir überhaupt kein Kind bekommen können.“
würde mich interessieren, warum der Preis für das ewige Leben plus Wohlstand mit Kinderlosigkeit verbunden ist

Wir wollten den Tod überlisten und jetzt wälzen wir jeden verdammten Tag diesen Stein den Berg hinauf. Das ist nicht mehr unsere Zeit.“
mm, warum wälzen sie den Stein hinauf, worin besteht ihre Mühe?

„Das ist nicht mehr unsere Heimat. Und das weißt du. Wir haben irgendwann die Zeit verloren, Marie.“ Er setzte sich in einen Sessel und blickte sie an. „Und uns auch.“
Da brauche ich Details, keine Erinnerungsfetzen vielleicht, ein innerer Monolog

„Weißt du, welche Namen sie da unten für uns haben? Ich habe es gehört, als ich durch die Gassen gegangen bin. Nicht Götter oder Elben. Sie sagen Vampire zu uns, die Schattenlosen.“
so, klingt nett, auch geheimnisvoll, aber warum ist das so?

Du wolltest einer der ersten sein, der den Menschen das Feuer bringt. Das hast du gesagt, weißt du nicht mehr? Wir wollten keine Kinder. Wir wollten was bewegen.“
aha Prometheus, auch da wünsche ich mir eine Verdeutlichung.

Dann sah sie den Schatten. Er lag langgestreckt von den Fußspitzen bis zum Sandkasten vor ihr.
Sie drehte sich um und verließ das Untere Viertel.
und das mit dem Schatten weißt natürlich auf Legenden hin, aber was sagt das aus?

Ich finde, in dem Text stecken Möglichkeiten, die ungenutzt bleiben

viele Grüße
Isegrims
 
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26.08.2019
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Vielen Dank für eure Rückmeldungen! Es waren einige Augenöffner dabei.
Ich werde auf jeden Fall die ganze Geschichte noch einmal richtig überarbeiten. Gerade die Figuren, die Darstellung der Zukunft und den Unterschied zwischen Unterem Viertel und der Welt der "Schattenlosen" gehe ich an. Eigentlich macht das alles ja die Atmosphäre aus.
Ich hatte mich so auf die Dialoge konzentriert (war meine persönliche Hauptaufgabe), dass ich das wohl etwas außer Acht gelassen habe.

Ich gehe mal nacheinander auf euch ein:

@feurig, warum willst du keine Wörter klauben? Jedes Wort, das besser klingt, ist mir willkommen!
Wie die anderen hast du ein Problem mit den Vampiren. Eigentlich wollte ich damit erklären, wie sie auf die "Schattenlosen" kommen, weil Vampire wohl manchmal auch so genannt werden. Aber anscheinend passt es nicht so richtig. Also fliegen die Vampire raus.

Eigentlich wollte ich in der Geschichte mit Andeutungen spielen, die möglichst selbsterklärend sind (Sisyphos, etc.). Aber anscheinend habe ich damit nur Erwartungen geweckt, die nicht erfüllt werden.
Werde ich ändern.

Auch die Figurendarstellung wird dir nicht deutlich genug ausgeführt. Und dabei hatte ich gedacht, wenn ich zu viel schreibe, dann langweile ich... Werde ich ändern.
Danke dir!

Servus @AWM,
du hast den Perspektivenwechsel angesprochen. Ist mir gar nicht aufgefallen, du hast aber recht, werde ich auch ändern.
Eigentlich finde ich die Szene mit Marie am Ende aber wichtig. Ich weiß auch nicht, wie ich das ändern könnte.
Ich werde versuchen, die Dialoge etwas zu entschlacken. Ich versuche aber auch, Bildungsbürgertum darzustellen, daher vielleicht etwas zu viele Nebensätze, etc.
Um den Infodump werde ich mich auch kümmern, @Catington hatte das ja auch angesprochen.

Lieber @brudervomweber ,
schön, dass du die Geschichte gern gelesen hast! Und keine Angst, ich lasse mich nicht davon demoralisieren. Es ist ja alles vollkommen berechtigte Kritik und ehrlich gesagt habe ich jetzt richtig Lust, daran zu arbeiten. Durch Corona habe ich endlich mehr Zeit.

Du schreibst
Realisiert sie, dass ihre Unsterblichkeit eher Fluch als Segen ist, weil die künstliche Aufrechterhaltung der "Normalität" zerbrechlich ist und die Schattenlosen von der Lebenswirklichkeit im Hier und Jetzt abgeschnitten sind - sie leben in der Vergangenheit, oder schlimmer noch, sie sind Teil einer Vergangenheit, und auch wenn sie unsterblich sind, sind sie eigentlich nicht lebendig?
So ähnlich hatte ich mir das gedacht. Die Teetasse symbolisiert für Marie den Faden zur Vergangenheit, zur "ihrer" Zeit. Sie gehörte ihrer Mutter, die seit über 100 Jahren tot sein muss und ist Bestandteil ihres Teerituals, das nun so nicht mehr durchführbar ist. Dadurch ist wieder eine Brücke in die frühere Welt abgebrochen. Anscheinend braucht sie diese doch.
Bei meiner Mutter gab es ein ähnliches Teeservice. Für mich hat das auch eine enorme ideele Bedeutung - einfach durch die häufigen Teestunden in der Familie, die ja auch ein Ritual waren.
Ich werde mir mal GEdanken machen, wie ich diese Situation noch etwas deutlicher machen kann.

Dir auch herzlichen Dank für deine Rückmeldung!

Hallo @Isegrims,
vielen Dank für deinen Besuch!
Schön, dass du trotzdem weiter gelesen hast, obwohl dich das Thema nicht so anfixt. Ich bin im Moment ziemlich mit den Gedanken darin, wie unsere Zukunft werden könnte.
Wenn ich an KI und die Spinnereien zum ewigen Leben denke, macht mich das sehr skeptisch.

Aber eine "Wohnzimmerstory" - sehr passend, ich musste lachen - wollte ich eigentlich nicht schreiben. Ich hatte einfach zu sehr den Konflikt vor Augen, ohne das Drumherum auszugestalten.

Wenn es okay ist, werde ich dich und alle anderen Kommentatoren einfach noch einmal anschreiben, wenn ich mit der Überarbeitung fertig bin.

Lieben Dank für eure Mühe
Gruß Daeron
 
Senior
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12.04.2007
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»Spiel nicht mit den Schmuddelkindern,
Sing nicht ihre Lieder.
Geh doch in die Oberstadt,
Machs wie deine Brüder!«
Franz-Josef Degenhardt​

„Du wolltest einer der ersten sein, der den Menschen das Feuer bringt.
Moin,

Daeron,

nicht erschrecken, dass einer vorbeischaut, der an und für sich SF (Science + Fantasy) weiträumig umgeht und meidet.

Der Titel hat mich angelockt und siehe, es sind Näherungen an Mythen aus dem östlichen Mittelmeerraum (Genesis, Prometheus [= der Vorausschauende], der eigentliche Kulturbringer mit dem Feuer, Götter brauchen keine Drohne, aber Boten von Hermes bis Engel) Da wird das Alter Methusalems erreicht und Noah (der „zweite“ Adam [hebr, „Mensch“], wie er auch bezeichnet wird, dessen Geschichte glaubwürdiger ist als die eigentliche Schöpfungsgeschichte [weshalb erhalten sonst alle Knochenfunde Hominider weibl. Namen wie „Lucy“?] und Marie (die aus dem Meergeborene) – eigentlich die ägyptische Isis [welche die alten Helenen „eigentlich“ als Geflüchtete ansehen], wobei Du es schaffst, in einem bürgerlichen Haushalt
Als Noah die Wohnung betrat, hörte er das Klappern aus der Küche.
zu beginnen.

Und mal im Ernst: Was war der Olymp anderes als der Wohnsitz einer Großfamilie mit dem Boss, der sich durch die Welt fickte und der doch seine Gattin fürchtete, dass sie mal dahinter käme (auch Götter haben Geheimnisse voreinander) und den Feuerspender- Prometheus - zur Strafe an den Kaukasus fesseln ließ (die Leber , selbst an der, die gefressen wird, klingt nicht umsonst ähnlich wie das Leben). Und hierarchisch ist Gesellschaft immer schon aufgebaut, was nicht erst der Hinweis auf den ewigen Sisyphos
… wälzen wir jeden verdammten Tag diesen Stein den Berg hinauf.
Mag den Scientisten der Text erweiterungsbedürftig erscheinen, für mich sind die „Schattenlosen“ jene aus dem Schattenreich, der Unterwelt. Wo kein Licht, da kein Schatten. Hades & co mögen nicht mit mir hadern! Auch die Götter unterliegen physikalischen Gesetzen (selbst wenn dem Prometheus die angeknabberte Leber immer wieder nachwächst - mit dem Sieg des Monotheismus nützte es ihm wenig).

wahrlich nur'n bissken Flusenlese

I
m Wohnzimmer stellte sie das Tablett ab, verteilte Teetassen und Untertassen auf dem Tisch. Kleine Löffel legte sie daneben.
Hastu die Doppelung Teetasse – Teelöffel gescheut?

Danach schüttete sie beiden den heißen Tee ein.
An sich ist der Artikel entbehrlich

Ist nicht mehr unsere Zeit. Ok?“
Ok? Was mag der Sinn sein, hier (Ok)lahoma zu nennen? Und selbst die korrekte „Abkürzung“ des „okay“ ist hirnrissig: o. k.“ = zwei Buchstaben, zwei Punkte und ein Leerzeichen zwischen erstem Punkt und zweitem Buchstaben sind fünf Zeichen gegen vier Buchstaben im ausgeschriebenen „okay“ ...

Marie schnaubte und schritt mit dem Tablet[t] aus dem Wohnzimmer.
Wie dem auch wird, gern gelesen vom

Friedel,
der noch einen schönen Tag vor den Eisheiligen wünscht (abgesehen davon, dass es Zeit wird, mal wieder ausreichend zu regnen)
 

MRG

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Beitritt
12.03.2020
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Hallo @Daeron ,

hier ein Gegenbesuch. Mir hat deine Geschichte ziemlich gut gefallen. An Stellen wo ich gestockt habe, hast du mich direkt durch den Dialog wieder eingefangen. Interessant gemacht, das merke ich mir.

Als Noah die Wohnung betrat, hörte er das Klappern aus der Küche.
Ich mag es, wenn Texte mit den Sinnen arbeiten. Einstieg hat mich daher gut abgeholt.

„Es ist genau fünf.“
Hier war ich mir nicht ganz sicher, wer das sagt? Ich kann es einmal als Verteidigung lesen und einmal als Anklage.

Danach schüttete sie beiden heißen Tee ein.
Was für eine Sorte ist das? Würde für mich das ganze noch lebendiger machen und ich hätte einen Geschmack auf der Zunge. Das kann allerdings auch nur an meiner subjektiven Lesepräferenz liegen.

„Ich war heute im Unteren Viertel.“
Spannend, was ist das "Untere Viertel"? Ich finde, dass man sowohl hier als auch in deinem gesamten Text ein gutes Selbstbewusstsein des Autors, also von dir, wahrnehmen kann, was deine Welt betrifft. Ich kann mich als Leser so besser darauf einlassen und bin gespannt, was als nächstes offenbart wird.

„Ist es nicht gefährlich dort?“
Verdeutlicht sehr gut ihre Position und ist nebenbei für mich als Leser interessant. Warum ist es dort gefährlich?

„Ich, ich möchte ein Kind!“
Das hat mich zuerst stocken lassen, hat für mich gar nicht in den Dialog gepasst.

Du treibst dich in dem Armenviertel herum und erklärst mir dann plötzlich, dass du ein Kind willst?
Für sie offensichtlich auch nicht, richtig gut gemacht! Das meinte ich auch ganz am Anfang mit "einfangen durch den Dialog".

dass wir sterblich werden würden
Hier eine weitere Offenbarung, die ich dir absolut abkaufe.

Wir drehen uns jetzt schon in den immer gleichen, sinnlosen Handlungen und Ritualen endlos im Kreis.
Dein Dialog funktioniert gut, du baust einen klaren Konflikt zwischen den beiden auf. Liest sich gut.

Draußen schwebten lautlos unzählige Flugdrohnen durch die Häuserschluchten.
Das meine ich mit der Selbstverständlichkeit, die deine Welt für mich als Leser glaubwürdig macht.

„Deine Theatralik kannst du dir sparen.“
Genau das habe ich als Leser gedacht und dann sagt sie es. Hat bei mir ein Schmunzeln ausgelöst.

Nicht Götter oder Elben. Sie nennen uns die Schattenlosen.
Stark, offenbart mir seine Selbstzweifel und du deckst wieder neue Informationen während des Dialogs auf.

Wir wollten keine Kinder. Wir wollten was bewegen.
Hier kommt ihre Position, die sie auch vorher schon klar vertreten hat. Liest sich stimmig.


Insgesamt ist dir eine gute Geschichte gelungen, die ich gerne gelesen habe. Mir gefällt wie du mit dem Dialog spielst und zudem mag ich mit welcher Selbstverständlichkeit du die Welt einführst.


Beste Grüße,
MRG
 
Mitglied
Beitritt
26.08.2019
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„Die Weltereignisse im Jahre 1813, an denen ich nicht tätigen Anteil nehmen durfte [...] zerrissen mich wiederholt vielfältig, ohne mich von meiner Bahn abzulenken".

Dies stammt von Chamisso, lieber @Friedrichard und fast kann es einen beruhigen, dass die Welt auch schon früher Kopf stand und einen Menschen innerlich zerreißen konnte. Heute brauchen wir keine Schlachten dafür.
Von Chamisso stammt auch "Schlemihls wundersame Geschichte", an die ich denken musste, als ich gelesen hatte, dass Vampire auch die "Schattenlosen" genannt werden. Denn Schlemihl hat seinen Schatten und damit - was erst später herauskommt - seine Seele verkauft. Dies hat mich dann zu dem Titel inspiriert. Deine Deutung kam mir nicht in den Sinn, aber ich finde sie - gerade vor dem Hintergrund der anderen mythologischen Anspielungen - sehr passend. Und das ist auch der Grund, dass ich die "Schattenlosen" nicht auflösen wollte. Der Spielraum des Lesers wird sonst m.E. nur eingeengt. Ich mag Texte lieber, die Raum für eigene Assoziationen lassen.

nicht erschrecken, dass einer vorbeischaut, der an und für sich SF (Science + Fantasy) weiträumig umgeht und meidet.
Ehrlich gesagt hoffe ich immer, dass du vorbeischaust, da deine Beiträge für mich immer sehr wertvoll sind - nicht nur durch grammatikalische Klarstellungen. Daher danke ich dir, dass du trotz des Tags zu meiner Geschichte gefunden hast. Übrigens schaue ich wegen dir immer am Ende meiner Geschichten, ob ich nicht zu oft den Plusquamperfekt benutzt habe...
Die anderen Hinweise deinerseits habe ich berücksichtigt.

Danke für deinen Besuch!

Und für deinen auch, @MRG ,
es freut mich sehr, dass dir die Geschichte gefallen hat! Gerade dein Lob für die Dialoge tun gut, denn damit kämpfe ich sehr.

Hier war ich mir nicht ganz sicher, wer das sagt? Ich kann es einmal als Verteidigung lesen und einmal als Anklage.
Du hast recht. Ich werde bei der Neubearbeitung daran denken.
Ich habe übrigens an Earl Grey Tee gedacht. Dann werde ich das auch noch einbauen.

Insgesamt ist dir eine gute Geschichte gelungen, die ich gerne gelesen habe. Mir gefällt wie du mit dem Dialog spielst und zudem mag ich mit welcher Selbstverständlichkeit du die Welt einführst.
Vielen Dank! Das tut gut.
Wenn du erlaubst, sende ich dir eine Nachricht, sobald ich die Geschichte überarbeitet habe.

Viele Grüße
Daeon
 
Senior
Beitritt
12.04.2007
Beiträge
5.655
Ehrlich gesagt hoffe ich immer, dass du vorbeischaust, da deine Beiträge für mich immer sehr wertvoll sind - nicht nur durch grammatikalische Klarstellungen. Daher danke ich dir, dass du trotz des Tags zu meiner Geschichte gefunden hast. Übrigens schaue ich wegen dir immer am Ende meiner Geschichten, ob ich nicht zu oft den Plusquamperfekt benutzt habe...
Das les ich gerne,

Daeon,

sehn wir mal von dem ein wenig zwanghaft klingenden Schluss ab ...

Tschüss und bis bald

Friedel
 

MRG

Mitglied
Beitritt
12.03.2020
Beiträge
72
Hi @Daeron,

du kannst mich gerne verlinken, sobald du deinen Text überarbeitet hast.

Beste Grüße,
MRG
 
Wortkrieger-Team
Beitritt
04.03.2018
Beiträge
937
Hallo @Daeron,

das Besondere des schattenlosen Daseins wird nicht klar. Worin genau liegt der Reiz? Was genau macht diese Existenz aus? Wozu führt das, was sind die Auswirkungen? Nicht nur zu Eintönigkeit und Überdruss, sondern sicherlich auch zu einer Kumulation erlernter Fähigkeiten, zu einem schier unglaublichen Erfahrungszuwachs und im besten Fall zu einer großen menschlichen Reife.
Den Aspekt des Aus-der-Zeit-Fallens hast du angedeutet, interessanter Gedanke, auch da könntest du mehr rausholen. Du hast das mit dem Geschirr und den Büchern reingenommen, das Alten-Zeiten-hinterhertrauern, die Nostalgie ist es nicht nur. Bei vielen alten Menschen ist das Übrigbleiben ein Problem, wenn alle Bekannten und Freunde versterben, wenn final niemand mehr bleibt, der einem nahesteht, so dass einem die ganze Welt fremd vorkommt. Auch das kann den Kinderwunsch triggern. Einerseits die menschliche Nähe, die mal war, noch mal zu spüren, zu rekonstruieren, andererseits den Kontakt zum wirklichen, zum jungen Stadt-Leben wiederzufinden.
Das sind Effekte, die womöglich im Vorfeld von den Genetikern nicht bedacht wurden, dass durch die ständige Wiederholung des Immergleichen bei gleichzeitiger Reduzierung der Kontakte das Seelenleben leidet. Das bekäme ich gerne gezeigt.
Ein weiterer Punkt ist die enorme soziale Ungleichheit, die du nur ankratzt. Ich glaube nicht an eine friedliche Koexistenz zwischen Unter- und Oberstadt. Dafür ist das Gefälle zu groß, die Versuchung zu riesig, es gibt zu viel zu gewinnen. Für die Möglichkeit, Tausend Jahre alt zu werden, würde gekämpft und gemordet und nicht hinter vorgehaltener Hand über Schattenlose geredet. Da müsste also z.B. eine Schutzmacht installiert werden, irgendetwas, das den Bestand dieses Gefälles gewährleistet. Oder ein Fakt zementiert das, z.B. die medizinische Versorgung der Bevölkerung ist von dieser Genetiker-Kaste abhängig, weißt?
Was genau sind denn nun die Schattenlosen? Sind das Menschen, die sich nicht vermehren und deshalb keine Spuren im Leben hinterlassen? Sind das ätherische Wesen, die durch ihre zunehmende Vergeistigung entstofflicht werden? Oder sind das Menschen, die nicht gesehen werden, die ein Schattendasein führen, weil sie aufgrund ihrer selbstgewählten Isolation ohne Teilhabe leben? Das würde ich gerne aus dem Text ablesen können. Bleib dran.

Peace, linktofink
 

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