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Die Schattentochter

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09.12.2019
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Die Schattentochter

Die fahrenden Händler verstauten ihre Waren auf den hölzernen Anhängern.
„Wann werdet ihr wiederkommen?“, fragte Lumiel einen der Lebensmittelverkäufer, der bis auf einige Gewürze seine Ware losgeworden war.
Der sah kurz zu den anderen Händlern. Viele waren es nicht mehr, die zu diesem Ort reisten, der Zeltstadt hinter dem Gebirge am Rand der Tahirr-Wüste.
„Ich weiß es nicht, es gibt Gerüchte …“, sagte er.
Lumiel blickte zur Seite, vorbei an den Zelthäusern zu dem fast weißen Sand, der sich bis zum Horizont erstreckte.
„Es muss nicht stimmen“, flüsterte sie, mehr zu sich selbst.
„Die Seher irren sich selten, es ist eher die Frage, wann es den Weg in unseren Teil des Landes findet. Und was aus den Tiefen der alten Völker auferstanden ist. Ihr solltet fliehen, auf die andere Seite des Gebirges. Hier seid ihr schutzlos und allein.“
Er ging zu seinem vor den Warenanhänger gespannten Pferd und stieg auf.
„Wartet nicht zu lange!“, rief er und trabte mit seinem Gaul zum Gebirgspass.

Lumiel betrat das Zelthaus, in dem sie mit ihrem Vater lebte. Er hatte die Lebensmittel bereits in dem hölzernen Regal verstaut.
„Wie lange wird es reichen?“, fragte sie.
„Zwei Wochen, vielleicht ein paar Tage mehr“, antwortete er und setzte sich an den kleinen Tisch. Vor ihm stand eine Keramiktasse mit schwarzem Kaffee, auf den er selbst bei der Mittagshitze nicht verzichtete.
„Ich gehe gleich mit Runas ins Gebirge, vielleicht fangen wir etwas.“
„Frag ihn lieber, was die Seher mit Dia’ssor meinen. Welcher Teufel kommt da über die Wüste?“
„Vielleicht ist es gar nicht …“
„Doch!“, unterbrach er. „Alle hier spüren es, etwas nähert sich. Bleibt nicht zu lange weg, denk an die Versammlung.“
„Ja, Vater.“ Sie gab ihm einen Kuss auf die Stirn und verließ das Zelt.

Sie waren seit mehr als einer Stunde unterwegs und näherten sich der Schlucht, die das Gebirge durchzog.
„Hast du über meine Frage nachgedacht?“, fragte Runas.
„Welche deiner hundert in den letzten Tagen?“, antwortete Lumiel ihrem Mentor und lächelte.
„Warum es dich zum Feuer zieht. Ich habe schon viele auf ihrem Weg zur Magie begleitet, aber die meisten haben sich der Erde oder dem Wasser gewidmet.“
„Weiß nicht, es hat mich schon immer fasziniert. Manchmal denke ich an meine Mutter, wenn ich irgendwo eine Flamme sehe, aber es fühlt sich an wie … Erinnerungen, die hinter einer Tür verschlossen sind.“
„Dann musst du den Schlüssel finden. Es ist wichtig, seine Vergangenheit zu kennen und damit im Reinen zu sein.“
„Ja“, entgegnete sie leise, wie jedes Mal, wenn er eine direkte Anweisung gab.
Nach einigen Minuten erreichten sie den Rand der Schlucht. Runas band sich die langen, silbern glänzenden Haare zusammen. Lumiel zog das weiße Tuch stramm, das sie sich zum Schutz gegen die Sonne um den Kopf gebunden hatte. Ihre schwarzen schulterlangen Haare kamen darunter hervor.
Sie begannen den Abstieg. Instinktiv fanden sie Felsvorsprünge, an denen sie hinabklettern konnten. Einen Teil der Strecke schloss Lumiel die Augen und versuchte die Umgebung durch ihre Gedanken wahrzunehmen. Kurz vor dem Grund wäre sich fast abgerutscht, konnte sich aber gerade noch halten.
„Lass dir Zeit, bis du dir deiner Wahrnehmung sicher bist“, sagte Runas, als sie unten ankam.
Sie setzten sich in den Schatten am Rand der Schlucht. Er nahm die tönerne Trinkflasche aus seiner Gürteltasche und reichte sie Lumiel.
„Danke“, sagte sie, nahm den Deckel ab und trank einen Schluck. „Was hat es mit Dia’ssor auf sich?“ Sie gab ihm die Flasche zurück.
„Es ist bisher nur ein Gerücht, dass einer der Seher diesen Namen nannte. Ich habe nicht viel in den Büchern meiner Vorfahren gefunden, nur Andeutungen, dass es sich um einen Geist aus den Seelen der alten Völker handelt. Und ...“
„Was?“
„Er wird durch Angst angezogen, ernährt sich von ihr.“
Lumiel bekam Gänsehaut. Dann bemerkte sie eine Bewegung, etwas weiter weg, auf der anderen Seite der Schlucht. Ein Schatten verschwand in einer Felshöhle.
„Was war das?“, flüsterte sie.
„Geh nachsehen. Vielleicht etwas fürs Abendessen.“
Sie blickte zu ihrem Mentor, aber er trank nur aus der Flasche und blickte zu Boden. Was immer bedeutete, dass er nichts mehr sagen würde und sie selbst entscheiden musste, was zu tun war. Bevor sie aufstand, strich sie über das Muttermal an ihrem Hals. Für sie hatte es die Form einer tanzenden Flamme.

Der Eingang zur Höhle war breit genug für Lumiel, aber sie musste sich ducken. Nach einigen Metern wurde das aus der Schlucht eindringende Sonnenlicht schwächer.
„Sulis!“, rief sie und streckte die rechte Hand aus.
Eine gelb-rote Flamme loderte auf, schwebte über ihrer Handfläche und spendete genügend Licht. Das Muttermal an ihrem Hals wurde warm, wie jedes Mal, wenn sie Magie ausübte. Sie ging weiter, der Stollen führte leicht bergab und wurde dabei breiter und höher. Schließlich erreichte sie eine Kammer, in deren Mitte sich ein kleiner See befand. Am Ufer tranken mehrere Lebewesen von dem Wasser. Lumiel ging vorsichtig näher. Die Geschöpfe erinnerten sie an Wüstenmäuse, nur größer.
Nachdem sie eine Weile ruhig gestanden hatte, flüsterte sie mehrmals das Wort „Sagita“. Pfeile mit einer brennenden Spitze materialisierten sich vor ihr und schwebten in der Luft. Mit einer schiebenden Bewegung der linken Hand ließ Lumiel sie bis zur Mitte des Sees gleiten. Manche der mäuseähnlichen Wesen blickten auf, tranken dann aber weiter.
Lumiel dachte an ihre Mutter. Die wenigen bewussten Erinnerungen an sie waren geprägt von Liebe und Zuneigung. Nachdem sie mehrfach zwischen den Pfeilen und den Geschöpfen hin- und her geblickt hatte, ließ sie die linke Hand sinken. Die magischen Waffen fielen und versanken zischend im Wasser. Sie setzte sich an den Rand des Sees, trank selbst einige Schlucke und verließ dann die Höhle.

„Das eigene Überleben erfordert immer Opfer“, sagte Runas, als sie zurückkam und sich neben ihn in den Schatten setzte.
„Ich weiß, aber … ich konnte es nicht.“
Ihr Mentor zog einen Dolch aus seinem Gürtel und warf ihn in die Luft.
„Ciderre!“, rief er und deutete mit einer schnellen Handbewegung in Richtung der Höhle.
Mit einem Zischen durchschnitt die Waffe die Luft und verschwand in der Dunkelheit des Höhle.

Lumiel betrat mit ihrem Vater den vollen Versammlungsplatz. Die Sonne stand tief am Himmel. Nach einigen Minuten stieg im Zentrum der Menschenmenge der Stadtvorstand auf das Podest, traditionsgemäß bestehend aus zwei Frauen und zwei Männern. Die Gespräche der Einwohner verebbten.
„Ihr wisst, warum wir uns hier versammeln“, sagte eine der beiden Frauen mit kräftiger Stimme. „Uns droht Gefahr und es gilt, eine Entscheidung zu treffen. Bevor wir abstimmen sollt ihr wissen, worum es geht. Ein Seher von jenseits der Berge ist hier.“
Ein hagerer Mann in weißem Gewand wurde von einem Begleiter auf das Podest geführt. Mit milchigen, blinden Augen stand er vor den Einwohnern, dennoch schien es Lumiel, als würde er sie wahrnehmen, ihre Stimmung spüren.
Er hob seine rechte Hand und öffnete sie mit der Handfläche nach oben. Etwas lag darauf, eine Kugel mit einer Oberfläche aus vielfältigen Farben. Sie waren in Bewegung, verschmolzen miteinander und bildeten neue Muster. Der Seher flüsterte etwas, daraufhin hob sich die Kugel in die Luft und schwebte einige Meter über seinem Kopf.
Die Luft begann mit bunten Punkten zu flimmern, als wären unzählige Glühwürmchen aus dem Nichts erschienen. Sie wirbelten durcheinander und verblassten, bis nach und nach das Bild eines Berges aus dunkelgrauem Gestein entstand. Die weiteren Bilder rauschten an Lumiel vorbei, als wäre sie ein Vogel, der auf den Berg zuflog und abtauchte, einem Mineneingang entgegen. Männer gingen hinein und kamen wieder heraus, mit Schubkarren voller glänzendem Gestein. Dann ging es in den Stollen, in regelmäßigen Abständen waren Fackeln an der felsigen Wand angebracht und spendeten gerade genügend Licht. Arbeiter mit Spitzhacken und anderem Werkzeug bearbeiteten die schimmernden Wände. Obsidian, flüsterte Lumiel.
Ein Mann am Ende des Tunnels kam in Sicht. Mit aller Kraft schlug er mit einem schweren Hammer gegen den Fels. Das Gemäuer gab nach und fiel nach hinten, fast wäre der Mann hinterher gestolpert. Er hielt sich am Rand der entstandenen Öffnung fest und sah in die Finsternis dahinter. Weitere Arbeiter kamen zu ihm und versuchten etwas zu erkennen. Sie wollten sich schon abwenden, als weit unten ein bläuliches Schimmern erschien. Es wurde langsam größer, kam näher. Unzählige, leuchtenden Formen waren wie ein Kreisel angeordnet. Wie gebannt starrten die Männer zu der Erscheinung. Erst als sie nur noch wenige Meter entfernt war, konnten sie die vielen Gesichter erkennen. Ihre Minen verzerrt von Schmerz und Wut. Also würden sie wie in früheren Leben schreien, ohne gehört zu werden. Mit zitternden Beinen stolperten die Arbeiter rückwärts und flohen aus dem Stollen. Fielen dabei immer wieder hin, trampelten über die am Boden liegenden.
Das Bild des Sehers löste sich auf. Die bunten Punkte wirbelten durcheinander, bis sie kurz hintereinander verschiedene Orte zeigten. Ein Dorf, durch welches das leuchtenden Wesen mit den vielen Gesichtern schwebte, die Einwohner in Panik fliehend. In einem Wald ein einsames Haus, die Familie saß zitternd und einander umschlungen in einer Ecke, während die unheimliche Erscheinung um ihr Heim geisterte. Ähnliche Eindrücke von Städten, Burgen und Waldgemeinschaften. Auf dem Boden liegende Menschen, bewegungslos und mit leerem Blick.
Dann hörte es auf, so plötzlich, als hätte nie etwas stattgefunden. Die Einwohner der Zeltstadt schwiegen und hielten sich aneinander fest.
„Ich verschwinde!“, durchbrach die Stimme eines Mannes die Stille, während er von dem Versammlungsplatz stürmte.
Weitere folgten und es dauerte nicht lange, bis neben dem Seher und seinem Begleiter nur noch der Stadtvorstand, Lumiel, ihr Vater und Runas da waren.
„Komm, wir müssen hier weg!“, sagte Lumiels Vater und wollte ihre Hand nehmen.
„Warte!“
Sie ging zu dem Seher, der vom Podest geführt wurde. Das Muttermal an ihrem Hals prickelte, so stark spürte sie die Magie des Mannes.
„Was möchte es?“, fragte Lumiel.
„Das, wodurch es erschaffen wurde“, antwortete der Seher mit einem kaum hörbaren Flüstern.
„Angst? Und wenn wir es schaffen, keine Furcht vor ihm zu haben?“
Sie bekam keine Antwort mehr, der Mann schloss müde die Augen und ließ sich zu seinem Zelt führen.
„Komm“, sagte ihr Vater erneut. „Auf der anderen Seite des Gebirges gibt es genügend Magier, die diesem Wesen entgegentreten werden. Wir verschwinden morgen früh mit den anderen.“

Lumiel folgte im reflektierten Licht des Mondes dem Gebirgspass, bis sie auf einer ebenen Fläche rechts davon den kleinen Friedhof erblickte. Auch in der Dunkelheit fand sie das Grab ihrer Mutter und setze sich davor. Nicht zum ersten Mal an diesem Ort entrollte sie die Pergamentrolle, die ihr Runas vor einigen Monaten gegeben hatte. Bevor sie es sich erneut anders überlegen konnte, begann sie zu lesen, sprach den Zauber. Die Wörter aus einer Sprache der Magie, die sie nicht kannte. Sie bekam Gänsehaut bei ihrem fremdartigen Klang.
„… mor’han á vet’han“, beendete sie die Zauberformel.
Einige Sekunden passierte nichts, dann drang leuchtender Rauch aus der Erde, als würde darunter eine Kerze brennen. Nach und nach formte er ein Gesicht. Lumiel schossen Tränen in die Augen, als sie ihre Mutter erkannte. Die schon so früh in ihrer Kindheit gestorben war. Wieder kribbelte an ihrem Hals das Mal.
„Mein Kind, du bist hier. Wir haben nicht viel Zeit.“
Die schimmernde Erscheinung driftete immer wieder auseinander, als habe sie wenig Kraft, in der irdischen Welt zu existieren. Lumiel streckte die Hand aus, ihre Finger glitten durch den Rauch.
„Ich … Wir brauchen Hilfe. Etwas kommt hierher.“
„Ja, ich weiß. Die gepeinigten Seelen der alten Völker hätten nicht gestört werden dürfen.“
„Hat es etwas mit mir zu tun?“
„Es hat mich euch allen zu tun. Ihr könnt nicht vor euren Ängsten fliehen, sie sind ein Teil von euch.“
„Aber was kann ich tun?“
„Denke an das Feuer.“
„Warum? Es ... fasziniert mich.“
„Ja? Oder hast du Angst davor? Erinnere dich daran, wie ich gestorben bin,“ Das aus Rauch bestehende Gesicht wurde durchsichtiger, das Leuchten schwächer. „Akzeptiere die Angst, anstatt vor ihr zu fliehen.“
Bevor Lumiel noch etwas sagen konnte, verschwand ihre Mutter wie der Qualm einer ausgeblasenen Kerze. Die Tränen flossen wieder, als die Erinnerungen hervorkamen. Die brennenden Hütten, verletzte und schreiende Menschen. Das Fauchen des Drachen, der über dem Dorf wütete und Feuer spie. Ihr Vater hatte sie in Sicherheit gebracht und lief zurück, um ihre Mutter in den Flammen zu suchen. Weinend und schreiend hatte Lumiel sich abgewandt, als er mit der verbrannten Leiche zurückkam.
Lumiels Volk hatte die Warnungen ignoriert und dafür einen bitteren Preis gezahlt. Zu spät waren sie aus dem westlichen Teil des Landes geflohen, das nun sich nun vollständig unter der Kontrolle der Drachen befand. Nun waren sie auch hier, am Rand der Tahirr-Wüste, in Gefahr.
Hoffentlich sind wir diesmal schnell genug, dachte Lumiel und ging zurück zur Zeltstadt.

Schweißgebadet wachte sie auf, konnte das Feuer und die Hitze des Albtraums noch spüren. Nachdem sich ihr Atem etwas beruhigt hatte, warf sie die Seidendecke zurück und ging nach draußen. Ein leichter, kühlender Wind wehte. Sie ging an den Rand der Zeltstadt und blickte über die flache Wüstenebene. Das reflektierte Mondlicht und der helle Sand ließen in der Nacht alles wie aus einer anderen Welt wirken.
„Lumiel“, flüsterte jemand hinter ihr.
Sie zuckte zusammen und fuhr herum. Runas kam auf sie zu und legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter.
„Was machst du hier, mitten in der Nacht?“, fragte sie.
„Wahrscheinlich das gleiche wie du, ich konnte nicht schlafen und …“
Er hielt inne und sah zum Horizont. Lumiel folgte seinem Blick. Erst nach einigen Sekunden sah sie es: Ein bläuliches Schimmern, klein wie ein Nadelstich im Mantel der Nacht.
„Es ist hier“, sagte Runas mit trockener Stimme.
Für einige Sekunden standen sie beide wie erstarrt.
„Wir müssen die anderen wecken und -“
„Nein!“ Lumiel hielt ihn am Ellenbogen, als er sich umdrehen wollte. „Ihre Angst wird es nur noch schneller machen.“
„Was hast du vor?“
„Es ablenken. Wenn du mein Signal siehst, alarmierst du alle und ihr flieht, so schnell ihr könnt.“
„Du kannst nicht alleine …“
„Doch!“, unterbrach sie ihn. „Die Menschen hier brauchen dich und deine Erfahrung. Ich komme zu euch, so schnell es geht. Vertrau mir!“
Bevor Runas antworten konnte, rannte Lumiel über den feinen Sand der Wüste.

Sie lief dem Geisterwesen entgegen. Nach einigen Minuten hielt sie an und kniete sich hechelnd in den Sand. Das bläuliche Schimmern war nun deutlich näher.
„Sulis!“, sagte sie, nachdem sie zu Atem gekommen war.
Eine kleine Flamme entstand über ihrer geöffneten Handfläche. Sie spürte die magische Verbindung und befahl dem Feuer, einige Meter nach vorne zu schweben. Instinktiv strich sie über das warm gewordene Muttermal.
„Crellare!“, rief sie in die Stille der Nacht.
Die Flamme wurde größer, brannte nun wie ein Lagerfeuer. Neben der Faszination für das lodernde Wesen spürte sie die Angst und versuchte, sie zuzulassen.
„Crellare“, wiederholte sie noch mehrmals, bis eine fast fünf Meter hohe Feuersäule über dem Sand flackerte.
Ihr Körper zitterte, wurde abwechselnd heiß und kalt. Wie am Grab ihrer Mutter strömten die Erinnerungen auf sie ein. Die Schreie, fliehende Menschen … und überall die vernichtenden Flammen. Sie stand auf, streckte die Arme zur Seite und wartete mit geschlossenen Augen. Hinter sich hörte sie die aufgeregten Rufe der Einwohner.

Ihre Haare wurden von stärker werdendem Wind durcheinander gewirbelt. Als sie die Lider öffnete, schwebte das geplagte Wesen direkt vor ihr. Sein bläuliches Leuchten erhellte die Umgebung. Die unzähligen Gesichter vibrierten, umkreisten einander. Blickten sie wütend, aber auch neugierig an.
Lumiel versuchte mit zitternden Beinen stehen zu bleiben, mehrmals drohten sie nachzugeben.
„Was immer euch angetan wurde, es ist vorbei. Mein Volk und ich sind keine Gefahr!“, rief sie.
Das Gesicht eines alten Mannes mit Bart betrachtete sie, seine Nasenspitze berührte fast ihre. Lumiel spürte, wie die geplagten Seelen versuchten, in ihre Gedanken einzudringen. Nicht lange schaffte sie es, sie fernzuhalten. Bilder von in Minen arbeitenden Menschen breiteten sich in ihren Gedanken aus. Immer mehr brachen zusammen, wurden von Aufsehern geschlagen und getreten. Manche schafften es, wieder aufzustehen. Die zu schwachen wurden zum Ende eines Stollens geschliffen und lebend in einen tiefen Schacht geschmissen.
Lumiel spürte Tränen ihre Wangen hinablaufen. „Es tut mir leid!“, rief sie in ihren Gedanken. „Aber mein Volk und ich sind nicht eure Feinde!“
Das Flüstern der unzähligen Geister in ihrem Kopf ließ sie erzittern. Dann wurde es still, bis nach einigen Sekunden eine raue Stimme zu ihr sprach. Sie verstand die Sprache, auch wenn die Worte verzerrt und alt klangen, wie sie es von manchen Zaubersprüchen kannte.
„Auch ihr seid schuldig!“, sagte die Stimme.
„Nicht an eurem Schicksal“, antwortete sie. „Was wollt ihr?“
„Schmerzen weitergeben. Unsere Peiniger bestrafen.“
„Diese Menschen existieren nicht mehr. Ihr müsst euren Frieden finden. Vielleicht kann ich euch helfen?“
Für eine Weile war es still. „Wie?“, fragte die raue Stimme.
„Ich bringe euch an einen anderen Ort, jenseits der Wüste und Berge. Dort wird euch nichts an die Verbrechen erinnern, die euch angetan wurden.“
Um sie herum begann wieder das Flüstern. „Und was verlangst du?“, drang es daraus hervor.
„Helft mir ins Feuer.“
Nach einigen Sekunden verschwanden die geplagten Seelen aus ihren Gedanken und nahmen etwas von ihr mit. Sie hatte sich noch nie so frei gefühlt, als würden die Geister ihre Ängste davontragen. Wieder wäre sie fast hingefallen, aber sie hielt stand, als das Wesen sie umgab und in seine Mitte nahm.
Sie wandte sich der Feuersäule zu. Nichts kann mir etwas anhaben, dachte sie und betrat die Flammen. Dabei spürte sie keine Hitze, sondern eine Geborgenheit, die sie schon lange nicht mehr erlebt hatte.
„Unialis!“, schrie sie in die Nacht, wurde eins mit dem Feuer und den geplagten Seelen.

Lumiel näherte sich dem hektischen Treiben. Die Einwohner riefen durcheinander, bauten Zelthäuser ab und verstauten ihre Habseligkeiten in ledernen Taschen und Beuteln. Runas bemerkte sie erst, als sie fast bei ihm war. Erschrocken über ihre dunklere Haut und die rötlichen Augen wich er zurück.
„W… Wer …“, stotterte er.
„Noch immer Lumiel, hoffe ich“, antwortete sie. „Mein Name sagte es schon immer: Eine Tochter der Schatten, aus den Flammen entkommen.“
Er betrachte sie einige Sekunden und kam vorsichtig näher. „Was ist passiert?“, fragte er.
„Ich habe mich mit meinen Ängsten und dem Feuer verbündet.“
„Und das Geisterwesen?“
„Die geplagten Seelen befinden sich an einem sicheren Ort.“ Sie tippte sich an die Stirn. „Irgendwann lasse ich sie frei, wenn ich eine geeignete Ruhestädte gefunden habe.“
„Anscheinend hast du deine Ausbildung früher abgeschlossen, als ich dachte“, sagte Runas kopfschüttelnd und lächelte kurz. „Und jetzt?“
„Suchen wir ein neues Zuhause. Es gibt bessere Orte als diesen.“

***

Sie legte die Schaufel ab und setzte sich in den Schatten eines Baumes. Lumiel würde das neue Grab ihrer Mutter später mit Blumen bedecken. Einige Meter entfernt erblickte sie Runas, der wie viele andere ebenfalls dabei war, eine neue Ruhestädte für die mitgenommenen Gebeine seiner Vorfahren herzurichten. Als auch er fertig war, setzte er sich zu ihr.
„Hier werden wir es gut haben“, sagte Lumiel.
„Glaube ich auch, so viel Natur und Leben. Obwohl ich mich erst daran gewöhnen muss, nicht ständig den Sand in Kleidung und Haaren zu haben.“
Lumiel lachte. „Das wirst du schon.“
„Bestimmt. Ich gehe gleich jagen, die Wälder hier geben einiges her. Kommst du mit?“
„Ich weiß nicht, ob ich …“
„Auch hier wird uns irgendwann etwas bedrohen, du musst deinen Weg fortsetzen.“ Er stand auf und hielt ihr die Hand hin.
Sie zögerte, ließ sich dann aber aufhelfen.
„In Ordnung, aber vorher habe ich noch etwas zu erledigen.“

Die Wiese reichte bis zum Horizont, voller bunter Blumen und summender Insekten. Lumiel setzte sich im Schneidersitz, schloss die Augen und genoss den Duft der Natur. Auch in ihren Gedanken sah sie die Umgebung, aber hier befand sich etwas im Gras. Eine hölzerne Falltür, nur wenige Meter entfernt. Ihr geistiges Ich erhob sich und ging zu dem verdeckten Loch im Boden. Sie zögerte einige Sekunden, dann beugte sie sich nach vorne und zog langsam die Tür auf. Darunter erwartete sie nur Finsternis, bis nach einer Weile ein bläuliches Leuchten erschien. Weit entfernt, nur stecknadelgroß, aber es kam näher. Lumiel trat einige Schritte zurück und setzte sich wieder. Die Natur um sie herum wurde still, als würde alles den Atem anhalten und gespannt warten. Wind drang aus der Öffnung und wehte das Gras drumherum zur Seite. Dann schwebte das Geisterwesen hervor und verharrte zunächst ruhig in der ungewohnten Umgebung. Bis die unzähligen Gesichter wild durcheinander wirbelten, zunächst nah beieinander, dann entfernten sie sich immer weiter in alle Richtungen. Gleichzeitig verblasste ihre Erscheinung, als würden sie ein Teil dieser Welt. Auch glaubte Lumiel zu erkennen, dass die Wut in ihren Gesichtern nachließ, besänftigt durch ihre neue Freiheit und die Schönheit der Natur.
„Es gibt immer einen besseren Ort“, sagte sie, als sie um sich herum einen Luftzug spürte.
Für einen Moment glaubte sie, die Konturen des Gesichts des alten Mannes mit Bart zu erkennen, das schon in der Wüste vor ihr geschwebt hatte. Dann war es verschwunden und der Wind legte sich. Alles wirkte wie vorher, die Insekten gingen ihrem geschäftigen Treiben nach.
„Findet euren Frieden!“, rief Lumiel, drehte sich um und ging zurück zu ihrem neuen Zuhause.

 
Monster-WG
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02.05.2020
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Hallo @Rob F ,

vielen Dank für diese kurzweilige Fantasygeschichte. Wir kennen uns als Autor und Kommentatorin schon ein bisschen, daher weißt du, dass ich natürlich auch Kritik im Gepäck habe :)

Also würden sie wie in ihren früheren Leben schreien, ohne gehört zu werden
Typo

der bis auf einige Gewürze seine Ware losgeworden war.
Ist das wichtig? Ich gehe davon aus, da nur noch wenige Händler zu der zeltstadt reisen, sind sicher alle leergekauft und sie wählt ihn sicherlich nicht zum beantworten ihrer Frage aus, weil er alles bis auf Gewürze verkauft hat. Vielleicht eher, weil sie seine letzten Waren gerade selbst kauft?
Er sah kurz zu den anderen vom fahrenden Volk.
Da war ich m mir nicht sicher, ob er zu den Bewohnern der Zeltstadt schaut - Zelte sind ja auch mobil - oder zu anderen Händlern.
„Warum es dich zum Feuer zieht. Ich habe schon viele auf ihrem Weg zur Magie begleitet, aber die meisten haben sich der Erde oder dem Wasser gewidmet.“
„Weiß nicht, es hat mich schon immer fasziniert. Manchmal denke ich an meine Mutter, wenn ich irgendwo eine Flamme sehe, aber es sind wie … Erinnerungen, die hinter einer Tür verschlossen sind.“
„Dann musst du den Schlüssel finden. Es ist wichtig, seine Vergangenheit zu kennen und damit im Reinen zu sein.“
"... es fühlt sich an wie Erinnerungen" vielleicht? "es sind wie" klingt seltsam. Zusätzlich finde ich den Dialog mit dem Wissen der späteren Auflösung schwierig. Das Schicksal Ihrer Mutter wird nicht so unbekannt sein, dass es ihr Mentor nicht wüsste, weshalb er ihr sicherlich den Zauber für das Gespräch mit ihrer Mutter gegeben hat, aber es klingt hier schlicht nicht so, als wüsste er nicht, dass sie die Erinnerung einfach blockiert. Zusätzlich finde ich die Auflösung "ich fühle mich zum Feuer hingezogen, weil ein Drache meine Mutter damit getötet hat" irgendwie seltsam. Klingt so ein bisschen nach Stockholm-Syndrom. :shy:

Sie begannen den Abstieg. Instinktiv fanden sie Felsvorsprünge, an denen sie hinabklettern konnten. Einen Teil der Strecke schloss Lumiel die Augen und versuchte die Umgebung durch ihre Gedanken wahrzunehmen. Kurz vor dem Grund wäre sich fast abgerutscht, konnte sich aber gerade noch halten.
Hier passt mMn der Beginn des Absatzes nicht zum Ende des Absatzes. Es klingt zuerst so, als würden sie ganz normal - aber halt gekonnt - klettern, tatsächlich suchen sie sich den Weg ja aber magisch.
Was hat es mit Dia’ssor auf sich?“ Sie gab ihm die Flasche zurück.
„Es ist bisher nur ein Gerücht, dass einer der Seher diesen Namen nannte. Ich habe nicht viel in den Büchern meiner Vorfahren gefunden, nur Andeutungen, dass es sich um einen Geist aus den Seelen der alten Völker handelt.
Warum kann nur sie ihm das fragen? Ist er eigentlich total verschroben und spricht nicht mit jedem? Haben die anderen Angst oder zu viel Respekt vor ihm?
Hab keine Furcht vor der Angst.“
Ist ja richtig und mit zweimal Angst klingt es auch blöd, aber so klingt es auch nicht so gut. Vielleicht eher, Angst gehört zum Leben / akzeptiere die Angst in dir, oder so.
Weinend und schreiend hatte Lumiel sich abgewandt, als er mit der verbrannten Leiche zurückkam.
Lumiels Volk hatte die Warnungen ignoriert und dafür einen bitteren Preis gezahlt. Zu spät waren sie aus dem westlichen Teil des Landes geflohen, das nun sich nun vollständig unter der Kontrolle der Drachen befand.
Mit dem Leichnam fliehen halte ich persönlich für unrealistisch. Den Leichnam zuerst so vorzubereiten, dass nur die Gebeine transportiert werden müssen aber auch, für sowas hat man auf der Flucht ja nicht wirklich Zeit. Du brauchtest für deine Auflösung zwar ein Gespräch mit ihrer mutter, aber da fände ich Halluzinationen oder eine magische Reise ins Unterbewusstsein glaubwürdiger.
Die Luft begann mit bunten Punkten zu flimmern, als wären unzählige Glühwürmchen aus dem Nichts erschienen. Sie wirbelten durcheinander und verblassten, bis nach und nach das Bild eines Berges aus dunkelgrauem Gestein entstand
Sehr schöne Idee, gefällt mir sehr gut!
Alles weitere wirkte, als würde es durch die Augen eines Vogels gezeigt, dachte Lumiel
Vielleicht "die Bilder rauschten an Lumiel vorbei als wäre sie ein Vogel" oder so ähnlich, dass mit dem "dachte Lumiel" finde ich nicht so schön.
In einem Wald ein einsames Haus, die Familie saß zitternd und einander umschlungen in einer Ecke, während die unheimliche Erscheinung um ihr Heim geisterte.
Das klingt eigentlich nicht so, als wären die Bedrohung so riesig. Keine Verwüstung, kein Tod, keine unterjochung... Versteh mich nicht falsch, ich brauche keinen Mord und todschlag, aber Menschen brauchen einen sehr guten Grund, um ihre heim zu verlassen. Einen wirklich guten. Nur die Drohung von Angst - mit den Wissen dass der Verängstiger sich weiterbewegt, das sagen die Bilder des Sehers ja ziemlich deutlich - wird keinen Menschen ohne Erleben der Angst sofort fliehen lassen.

Insgesamt ist mir dann das Ende - die Auflösung des Konflikts zu einfach. Kein Zweifel, kein anfängliches Scheitern und die große Bedrohung wird durch die Schönheit einer Wiese friedlich. Und sie im Kopf einzusperren war weder schwer, noch haben die Geister versucht auszubrechen.
Ja, sie ist was besonderes, aber auch das ist irgendwie ja nur eine Nebensache :(

Ich habe mich trotzdem über die Geschichte gefreut und sie auch gern gelesen!
Liebe Grüße
feurig

 
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09.12.2019
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Hallo @feurig ,

danke für deinen ausführlichen Leseeindruck!

... dass ich natürlich auch Kritik im Gepäck habe
Habe ich gehofft und befürchtet! :)

... der bis auf einige Gewürze seine Ware losgeworden war.

Ist das wichtig? Ich gehe davon aus, da nur noch wenige Händler zu der zeltstadt reisen, sind sicher alle leergekauft und sie wählt ihn sicherlich nicht zum beantworten ihrer Frage aus, weil er alles bis auf Gewürze verkauft hat. Vielleicht eher, weil sie seine letzten Waren gerade selbst kauft?

Im ersten Satz erwähne ich, dass die Händler ihre (nicht verkauften) Waren wieder auf die Anhänger verstauen. Wichtig ist das o.g. Detail nicht unbedingt, es sollte nur zeigen, dass die Dorfbewohner durch die sich entwickelnde Situation vor allem die Lebensmittel aufgekauft haben. Ich lasse es erst mal so stehen.

Er sah kurz zu den anderen vom fahrenden Volk.

Da war ich mir nicht sicher, ob er zu den Bewohnern der Zeltstadt schaut - Zelte sind ja auch mobil - oder zu anderen Händlern.

Ich habe "fahrendes Volk" durch "Händler" ersetzt. Das Wort habe ich zwar im ersten Satz schon, aber in der vorherigen Version war "fahrenden" doppelt und das Wort "Verkäufer" hatte ich kurz vorher auch schon.

"... es fühlt sich an wie Erinnerungen" vielleicht? "es sind wie" klingt seltsam. Zusätzlich finde ich den Dialog mit dem Wissen der späteren Auflösung schwierig. Das Schicksal Ihrer Mutter wird nicht so unbekannt sein, dass es ihr Mentor nicht wüsste, weshalb er ihr sicherlich den Zauber für das Gespräch mit ihrer Mutter gegeben hat, aber es klingt hier schlicht nicht so, als wüsste er nicht, dass sie die Erinnerung einfach blockiert. Zusätzlich finde ich die Auflösung "ich fühle mich zum Feuer hingezogen, weil ein Drache meine Mutter damit getötet hat" irgendwie seltsam. Klingt so ein bisschen nach Stockholm-Syndrom.
Ich habe für diesen Satz "fühlt sich an wie" übernommen. Ihrem Mentor mag die Vergangneheit von Lumiel bekannt sein, aber es geht ihm ja darum, dass Lumiel selbst den Weg zu ihren Erinnerungen findet. Oder gibt es hier einen Logikfehler, den ich nicht sehe ... ?

Sie begannen den Abstieg. Instinktiv fanden sie Felsvorsprünge, an denen sie hinabklettern konnten. Einen Teil der Strecke schloss Lumiel die Augen und versuchte die Umgebung durch ihre Gedanken wahrzunehmen. Kurz vor dem Grund wäre sich fast abgerutscht, konnte sich aber gerade noch halten.

Hier passt mMn der Beginn des Absatzes nicht zum Ende des Absatzes. Es klingt zuerst so, als würden sie ganz normal - aber halt gekonnt - klettern, tatsächlich suchen sie sich den Weg ja aber magisch.

Es war schon zweigeteilt gemeint: Zunächst klettern sie ganz normal, also ohne Magie. Sie sind nicht zum ersten Mal dort und daher geübt. Dann versucht Lumiel es mit geschlossenen Augen und mit Hilfe ihrer magischen Fähigkeiten, was ihr am Ende noch nicht so ganz gelingt.

"Was hat es mit Dia’ssor auf sich?“ Sie gab ihm die Flasche zurück.

Warum kann nur sie ihm das fragen? Ist er eigentlich total verschroben und spricht nicht mit jedem? Haben die anderen Angst oder zu viel Respekt vor ihm?

Das nicht unbedingt, in der vorherigen Szene trägt Lumiels Vater ihr das nur auf, da sie ja erwähnt, dass sie Runas trifft. Außerdem passt es hier inhaltlich m.E. ganz gut :gelb:

Hab keine Furcht vor der Angst.

Ist ja richtig und mit zweimal Angst klingt es auch blöd, aber so klingt es auch nicht so gut. Vielleicht eher, Angst gehört zum Leben / akzeptiere die Angst in dir, oder so.

Ja, vielleicht muss es auch nicht immer sein, um jeden Preis Wortwiederholungen zu vermeiden. In der Psychologie wird gerade die Formulierung "Angst vor der Angst" verwendet. Ich habe es mal geändert in:
„Akzeptiere die Angst, anstatt vor ihr zu fliehen.“

Weinend und schreiend hatte Lumiel sich abgewandt, als er mit der verbrannten Leiche zurückkam.

Mit dem Leichnam fliehen halte ich persönlich für unrealistisch. (...)

Da muss ich noch mal überlegen. Die Alternative wäre, dass der Vater zurückläuft und mit der Leiche seiner Frau aus den Flammen zu seiner Tochter kommt ... aber dann fliehen sie und lassen die Leiche einfach dort? Es wäre zwar logischer um schneller fliehen zu können, aber so richtig kann ich es mir dennoch nicht vorstellen.

Die Luft begann mit bunten Punkten zu flimmern, als wären unzählige Glühwürmchen aus dem Nichts erschienen. Sie wirbelten durcheinander und verblassten, bis nach und nach das Bild eines Berges aus dunkelgrauem Gestein entstand.

Sehr schöne Idee, gefällt mir sehr gut!

Siehste! :gelb:

Alles weitere wirkte, als würde es durch die Augen eines Vogels gezeigt, dachte Lumiel.

Vielleicht "die Bilder rauschten an Lumiel vorbei als wäre sie ein Vogel" oder so ähnlich, dass mit dem "dachte Lumiel" finde ich nicht so schön.

Ja, das ist einer der Sätze, bei dem mir eine für die Fantasywelt passende Beschreibung schwerfiel. Aber ich finde deinen Vorschlag gut und habe ihn übernommen.

In einem Wald ein einsames Haus, die Familie saß zitternd und einander umschlungen in einer Ecke, während die unheimliche Erscheinung um ihr Heim geisterte.

Das klingt eigentlich nicht so, als wäre die Bedrohung so riesig. Keine Verwüstung, kein Tod, keine unterjochung... Versteh mich nicht falsch, ich brauche keinen Mord und Todschlag, aber Menschen brauchen einen sehr guten Grund, um ihre Heimat zu verlassen. Einen wirklich guten. Nur die Drohung von Angst - mit den Wissen dass der Verängstige sich weiterbewegt, das sagen die Bilder des Sehers ja ziemlich deutlich - wird keinen Menschen ohne Erleben der Angst sofort fliehen lassen.

Es sollte hierbei die Angst vor dem Unbekannten sein, aber habe mal zumindest noch einen Satz ergänzt:
"Auf dem Boden liegende Menschen, bewegungslos und mit leerem Blick."

Insgesamt ist mir dann das Ende - die Auflösung des Konflikts zu einfach. Kein Zweifel, kein anfängliches Scheitern und die große Bedrohung wird durch die Schönheit einer Wiese friedlich. Und sie im Kopf einzusperren war weder schwer, noch haben die Geister versucht auszubrechen.
Ja, sie ist was besonderes, aber auch das ist irgendwie ja nur eine Nebensache
Ich finde grundsätzlich die Idee passend, dass das Geisterwesen tatsächlich "nur" aus geplagten Seelen besteht, die nicht unbedingt jemandem direkt etwas anhaben wollen. Und es demnach Lumiel gelingt, es durch einen Zauber einzufangen und an einem schönen Ort wieder freizulassen, in der Hoffnung, dass es dort für die Seelen besser wird. Aber da ich mich früher, auch durch "Das schwarze Auge", mehr mit Fantasy beschäftigt habe, gebe ich dir recht, es klingt schon nach recht viel, was Lumiel am Ende gelingt. Da muss ich noch mal überlegen, ob mir für das Finale noch etwas anderes einfällt.

Also danke für deine Zeit und die Anmerkungen!

Viele Grüße,
Rob

 
Monster-WG
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Hallo @Rob F ,

Die fahrenden Händler verstauten ihre Waren auf den hölzernen Anhängern.
„Wann werdet ihr wiederkommen?“, fragte Lumiel einen der Lebensmittelverkäufer, der bis auf einige Gewürze seine Ware losgeworden war.

Im ersten Satz erwähne ich, dass die Händler ihre (nicht verkauften) Waren wieder auf die Anhänger verstauen. Wichtig ist das o.g. Detail nicht unbedingt, es sollte nur zeigen, dass die Dorfbewohner durch die sich entwickelnde Situation vor allem die Lebensmittel aufgekauft haben.
Zum Anfang habe ich eine etwas andere Meinung. Du musst bedenken, dass ein Leser deine Geschichte ja noch nicht kennt. Du erwähnt Waren (Lebensmittel sind auch Waren) und der Händler hat bis suf Gewürze (Lebensmittel) alles verkauft. Wo soll sich deine Intention, zu zeigen dass nur Lebensmittel gekauft wurden, abzeichnen?

aber dann fliehen sie und lassen die Leiche einfach dort? Es wäre zwar logischer um schneller fliehen zu können, aber so richtig kann ich es mir dennoch nicht vorstellen.
In deinem Szenario brennt das Haus, weil ein Drache die Stadt verwüstet. Wie langsam würdest du dich denn bewegen, wenn du versuchst deine Tochter vor dem Flammentod zu bewahren? Tote haben keine Körperspannung, sie sind schwer zu transportieren. Da musst du erstmal einen Wagen besorgen etc. Während ein Feuersturm um dich tobt?


Es sollte hierbei die Angst vor dem Unbekannten sein, aber habe mal zumindest noch einen Satz ergänzt:
"Auf dem Boden liegende Menschen, bewegungslos und mit leerem Blick."

Ich finde grundsätzlich die Idee passend, dass das Geisterwesen tatsächlich "nur" aus geplagten Seelen besteht, die nicht unbedingt jemandem direkt etwas anhaben wollen
Das finde ich auch, deinen neuer Satz oben untergräbt das. Deine Geschichte hat es aber auch eigentlich gar nicht nötig, dass alle aus der Zeltstadt fliehen müssten. Warum denn? Lass sie doch ihre Ängste durch die Geister erleben, dann ist es auch realistischer, dass sie sich ihren Ängsten in Form des Feuers stellt. Möglicherweise ist auch dieser Aspekt derjenige, der die Geister beruhigt.

es durch einen Zauber einzufangen und an einem schönen Ort wieder freizulassen, in der Hoffnung, dass es dort für die Seelen besser wird.
Das ist eine schöne Hoffnung. Die Geister sind jedoch bereits durch viele Landstriche gereist, es ist unwahrscheinlich, dass sie dabei keinen schönen Ort durchquert haben, und damit ist die Lösung zu einfach. Sie werden schon eine andere Befriedung benötigen, bevor sie an einem schönen Ort - dagegen spricht ja nichts - freigelassen werden.

Liebe Grüße
feurig

 
Seniors
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Hallo Rob,
nur ein kurzer Kommentar, normalerweise hab ich es nicht so mit fantasy, aber durch deinen flüssigen Schreibstil bin ich ganz gut in die Geschichte hineingesogen worden und hab sie interessiert bis zum Ende gelesen.
Ich habe bis auf ein paar Kleinigkeiten (Rechtschreibfehler zum Beispiel) nur zwei größere Anmerkungen.
Das eine ist der Anfang, ich hatte Mühe hineinzukommen. Ich glaube, dass es an den Namensbezeichnungen und den Personalpronomen lag, kannst ja mal schauen, ob du was damit anfangen kannst. Ich schreibe meine "Verwirrungen" direkt in das Zitat hinein.

Die fahrenden Händler verstauten ihre Waren auf den hölzernen Anhängern.
„Wann werdet ihr wiederkommen?“, fragte Lumiel (am Namen hab ich nicht gewusst, ob das Mann oder Frau, ich hielt Lumiel automatisch zunächst für einen Mann) einen der Lebensmittelverkäufer, der bis auf einige Gewürze seine Ware losgeworden war.
Er (Und wenn du jetzt hier "er" schreibst, weiß ich durch mein vorheriges Missverständnis nicht, wer gemeint ist, dieser Lumiel oder der Lebensmittelverkäufer. Ich würde also "der Lebensmittelverkäufer" schreiben oder zumindest "der", denn dann weiß man sofort, dass das "er" sich auf den Lebenmittelverkäufer bezieht) sah kurz zu den anderen Händlern. Viele waren es nicht mehr, die zu diesem Ort reisten, der Zeltstadt hinter dem Gebirge am Rand der Tahirr-Wüste.
„Ich weiß es nicht, es gibt Gerüchte …“, sagte er.
Sie (Und hier stand ich jetzt auf dem Schlauch, weil ich ja Lumiel für einen Mann hielt. Also entweder schreibst du nochmal Lumiel oder führst Lumiel vrorher deutlicher als lady ein) blickte zur Seite, vorbei an den Zelthäusern zu dem fast weißen Sand, der sich bis zum Horizont erstreckte.
„Es muss nicht stimmen“, flüsterte sie, mehr zu sich selbst.
Das zweite ist die Geistergestalt und die Situation, wenn Lumiel sich ihr stellt.
Ohne jetzt Detailarbeit leisten zu wollen, ich fand das Geisterwesen anfangs recht spannend geschildert dann finde ich allerdings, dass es nicht wirklich furchterregend ist und dass die eigentlich spannendste Stelle deiner Geschichte, der Kampf zwischen Lumiel und dem Angstgeist, reichlich spärlich und viel zu wenig ausgearbeitet ist. Lumiels Emotionen werden zu wenig gezeigt, ihr Widerstreit mit sich selbst, das Wesen gibt viel zu schnell auf, da ist überhaupt kein wirklicher Konflikt, kein Kampf, alles geht total glatt, Lumiel zaubert einfach ein bisschen rum und schon ist alles paletti. Also es plätschert (jetzt sehr frech gesagt) mir zu sehr dahin. Ich finde, das würde nicht schaden, da noch bisschen draufzulegen.
Ansonsten fand ich deine Geschichte schön und lesenswert. Gute Sonntagmorgenlektüre beim Kaffee.
Bis die Tage
Novak

 
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Hallo @Rob F ,

das ist eine beeindruckende Geschichte. Mir gefällt das Setting, der Plott-Bogen und die Auflösung. "Es ist wichtig, sich den Ängsten zu stellen." Das ist gut.

Ich bin nicht so der Experte für Text-Kritik und Details, aber da haben ja schon einige angefangen. Mir geht es aber ein wenig wie @Novak, dass ich den Einstieg noch nicht so richtig überzeugend fand und mir von dem "Kampf" bzw. der Konfrontation mit dem Dia’ssor zu schnell vorbei ging. Da hätte ich mir mehr gewünscht, mehr Emotion, mehr Konfikt.

Aber wie gesagt, die Grundgeschichte ist klasse.

Gerne gelesen und kommentiert,
Gerald

 
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Hallo @feurig ,

danke für die Ergänzung.

Zum Anfang habe ich eine etwas andere Meinung. Du musst bedenken, dass ein Leser deine Geschichte ja noch nicht kennt. Du erwähnt Waren (Lebensmittel sind auch Waren) und der Händler hat bis suf Gewürze (Lebensmittel) alles verkauft. Wo soll sich deine Intention, zu zeigen dass nur Lebensmittel gekauft wurden, abzeichnen?
Für mich liegt hierbei die Hauptaussage darin, dass hauptsächlich die Lebensmittel leergekauft wurden, durch die Aussagen:
"Die fahrenden Händler verstauten ihre Waren auf den hölzernen Anhängern."
"... einen der Lebensmittelverkäufer, der bis auf einige Gewürze seine Ware losgeworden war."

In deinem Szenario brennt das Haus, weil ein Drache die Stadt verwüstet. Wie langsam würdest du dich denn bewegen, wenn du versuchst deine Tochter vor dem Flammentod zu bewahren? Tote haben keine Körperspannung, sie sind schwer zu transportieren. Da musst du erstmal einen Wagen besorgen etc. Während ein Feuersturm um dich tobt?
Es sind hier m.E. zwei Inhalte:
Lumiels Vater birgt die Leiche ihrer Mutter aus den Flammen. Trotz des Gewichts kann ich mir wie zuvor erwähnt nicht vorstellen, dass er die Leiche findet und dann einfach wieder wegläuft, trotz der Gefahr.
Was direkt nach dem Angriff des Drachen passiert, ist ja im Detail nicht Inhalt der Geschichte. Zumindest Lumiel und einige andere nehmen ihre verstorbenen Angehörigen mit. Es wäre mir zu dieser Vergangenheitsszene zu ausführlich und detailliert, wenn ich nun zum Beispiel noch beschreibe, was genau vom Dorf den Angriff überstanden hat. Also ob zum Beispiel Pferde, Transportanhänger ... insofern lasse ich es mal bei der Rückblende in diesem kurzen Umfang.

Das finde ich auch, deinen neuer Satz oben untergräbt das. Deine Geschichte hat es aber auch eigentlich gar nicht nötig, dass alle aus der Zeltstadt fliehen müssten. Warum denn? Lass sie doch ihre Ängste durch die Geister erleben, dann ist es auch realistischer, dass sie sich ihren Ängsten in Form des Feuers stellt. Möglicherweise ist auch dieser Aspekt derjenige, der die Geister beruhigt.
Es ist wahrscheinlich genau die Stelle, an der die Geschichte auch anders weitergehen könnte, nachdem der Seher die magischen Bilder gezeigt hat.
Ich überlege noch mal, da muss ich mir ein wenig mehr Zeit nehmen ...

Das ist eine schöne Hoffnung. Die Geister sind jedoch bereits durch viele Landstriche gereist, es ist unwahrscheinlich, dass sie dabei keinen schönen Ort durchquert haben, und damit ist die Lösung zu einfach. Sie werden schon eine andere Befriedung benötigen, bevor sie an einem schönen Ort - dagegen spricht ja nichts - freigelassen werden.
Auch hier muss ich dann noch mal schauen, je nachdem, ob ich "das Finale" überarbeite.

Viele Grüße,
Rob


Hallo @Novak und @C. Gerald Gerdsen ,

danke für eure Kommentare! Meine Rückmeldung folgt in den nächsten Tagen, ich mache mir zu der Szene, in der Lumiel dem Geisterwesen gegenübertritt, noch mal Gedanken ...

Viele Grüße und einen guten Start in die Woche,
Rob

 
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vorweg: Ich behandle hier die Version von gestern (9:25 Uhr).

Lieber @Rob F,

Die fahrenden Händler verstauten ihre Waren auf den hölzernen Anhängern.
den Anfang finde ich leider nicht gelungen. Da kommt kaum Spannung auf und dann setzt du auch noch einen Absatz, damit steht dieser Satz so alleine, als würde er tatsächlich etwas bedeuten.

Deine Geschichte hat sehr interessante Ansätze und ich kann vor allem deinen zielstrebigen, gut lesbaren Schreibstil loben. Da wird nicht viel herumgeschwafelt; man kann's auch anders machen aber du machst es eben so und das liegt dir.
Besonders schöne Stellen waren:

Ein bläuliches Schimmern, klein wie ein Nadelstich im Mantel der Nacht.
„Nein!“ Lumiel hielt ihn am Ellenbogen, als er sich umdrehen wollte. „Ihre Angst wird es nur noch schneller machen.“
Schöne Idee!
Das eigene Überleben erfordert immer Opfer“, sagte Runas, als sie zurückkam und sich neben ihn in den Schatten setzte.
Interessant! Die Szene hat mir sehr gut gefallen, allerdings erschließt sich mir nicht so richtig ihr Sinn im Rest der Handlung.

Leider konnte mich deine Geschichte trotzdem nicht ganz überzeugen. Und das liegt vor allem an einer Sache: Klischees. Das Fantasy-Genre ist ja praktisch vergraben in ihnen, da ist es meiner Meinung nach besonders wichtig, sich ihrer zumindest nicht allzu stark zu bedienen. Ich will ein paar Beispiele nennen:

Die Seher irren sich selten, es ist eher die Frage, wann es den Weg in unseren Teil des Landes findet. Und was aus den Tiefen der alten Völker auferstanden ist. Ihr solltet fliehen, auf die andere Seite des Gebirges. Hier seid ihr schutzlos und allein.“
Lumiel betrat das Zelthaus, in dem sie mit ihrem Vater lebte.
Der Name klingt wie ein Elb aus Lothlórien.
„Frag ihn lieber, was die Seher mit Dia’ssor meinen. Welcher Teufel kommt da über die Wüste?“
„Vielleicht ist es gar nicht …“
Dieses Apostroph mitten im Wort ... kann man mögen, zählt für mich aber dazu. Vor allem wenn es immer und immer wieder bei düsteren, bösen Namen verwendet wird.
Ich habe nicht viel in den Büchern meiner Vorfahren gefunden, nur Andeutungen, dass es sich um einen Geist aus den Seelen der alten Völker handelt. Und ...“
Er wird durch Angst angezogen, ernährt sich von ihr.
Die Idee finde ich eigentlich gut. Das erinnert mich an The Witcher, Staffel 2. Hatte ich gerade geschaut kurz bevor ich deine Geschichte gelesen hab. Dort ist es halt Wut. Man kennt das so irgendwie schon. Finde ich nicht so schlimm, aber weil du dich öfters solchen Klischees bedienst, fällt es besonders auf.
Weitere folgten und es dauerte nicht lange, bis neben dem Seher und seinem Begleiter nur noch der Stadtvorstand, Lumiel, ihr Vater und Runas da waren.
Was ein Zufall.

Für mich ist die Geschichte insgesamt zu flach. Du erzählst hier etwas und das lässt sich gut lesen und ist kurzweilig, aber es bleibt nicht hängen. Leider hatte ich durchweg das Gefühl, etwas zu lesen, was schonmal da war. Und das ist doof, ich weiß, damit schlage ich mich selbst auch ständig rum (und deswegen habe ich lange nicht geschrieben). Das ist dieses Grundproblem, das man als Autor hat: Eine eigene Stimme finden, etwas neues sagen. Dazu habe ich letztens ein Gedicht gefunden:

„Grad so behilft sich der Poet.
Du liebe Zeit, was soll er machen?
Gebraucht sind die Gedankensachen
Schon alle, seit die Welt besteht."
(Erneuerung von Wilhelm Busch)
Für mich hatte das bei deiner Geschichte die Folge, dass die Figuren und die Handlung mich kaum erreicht haben. Noch dazu fiel das Finale flach, auch weil du das meines Erachtens viel zu schnell abhandelst.

Ich hoffe meine Kritik hilft dir weiter, das war jetzt ja doch ganz schön böse. Sorry. Ich hab die Geschichte trotzdem gerne gelesen. Vielleicht ist es auch Geschmackssache, das kann ich mir zumindest vorstellen und anderen hat es ja auch besser gefallen als mir.

Grüße,
Manfred

PS: Noch eine Kleinigkeit:

Nach einigen Minuten stieg der Stadtvorstand auf das Podest im Zentrum der Menschenmenge, traditionsgemäß bestehend aus zwei Frauen und zwei Männern. Die Gespräche der Einwohner verebbten.
Grammatikalisch bezieht sich der Nebensatz hier auf die Menschenmenge. Ich glaube das ist nicht richtig, es geht ja um den Stadtvorstand.

 
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Hallo @Novak und @C. Gerald Gerdsen ,

danke für eure Kommentare! Sie gehen inhaltlich in die gleiche Richtung, daher eine gemeinsame Antwort.

Das eine ist der Anfang, ich hatte Mühe hineinzukommen. Ich glaube, dass es an den Namensbezeichnungen und den Personalpronomen lag, kannst ja mal schauen, ob du was damit anfangen kannst. Ich schreibe meine "Verwirrungen" direkt in das Zitat hinein.
... dass ich den Einstieg noch nicht so richtig überzeugend fand
Ich habe den Anfang noch mal selbst gelesen, es sind jedoch für mich nur Informationen vorhanden, die ich für die Personen, das Setting und die Handlung auch unterbringen möchte, also m.E. kein unnötiger Balast, den ich entfernen könnte/möchte. Gerade bei Fantasy- und SF-Geschichten kann u.a. der Beginn einer Geschichte etwas informationsüberfordernd sein (für mich beim lesen genauso), aber das lässt sich glaube ich nicht immer vermeiden. Es sollte sich dann nur nicht durch die gesamte Geschichte durchziehen, aber das scheint ja nicht der Fall zu sein.

Ich würde also "der Lebensmittelverkäufer" schreiben oder zumindest "der", denn dann weiß man sofort, dass das "er" sich auf den Lebenmittelverkäufer bezieht.
Ich habe deinen Vorschlag mit "der" übernommen.

Sie (Und hier stand ich jetzt auf dem Schlauch, weil ich ja Lumiel für einen Mann hielt.
Auch das ein guter Hinweis, es war mir nicht klar, dass der Name Lumiel auch für einen männlichen gehalten werden kann, aber stimmt, ohne Vorwissen hätte ich mich das wahrscheinlich auch gefragt. Ich habe auch hier deinen Vorschlag übernommen, so wird es wahrscheinlich deutlicher:
Lumiel blickte zur Seite, vorbei an den Zelthäusern zu dem fast weißen Sand, der sich bis zum Horizont erstreckte.
„Es muss nicht stimmen“, flüsterte sie, mehr zu sich selbst.

Das zweite ist die Geistergestalt und die Situation, wenn Lumiel sich ihr stellt.
Ohne jetzt Detailarbeit leisten zu wollen, ich fand das Geisterwesen anfangs recht spannend geschildert dann finde ich allerdings, dass es nicht wirklich furchterregend ist und dass die eigentlich spannendste Stelle deiner Geschichte, der Kampf zwischen Lumiel und dem Angstgeist, reichlich spärlich und viel zu wenig ausgearbeitet ist.
und mir von dem "Kampf" bzw. der Konfrontation mit dem Dia’ssor zu schnell vorbei ging.
Es ist auch jetzt kein epischer Kampf in sieben Akten ... aber ich habe die Szene, in der Lumiel dem Geisterwesen gegenübertritt, etwas verlängert. Es findet nun eine Kommunikation zwischen ihr und den geplagten Seelen statt, dadurch wird hoffentlich die letzte Szene auch nachvollziehbarer, wenn Lumiel die Geister wieder freilässt.

Danke fürs Lesen und eure Anmerkungen!

Viele Grüße,
Rob

Hallo @Manfred Deppi ,
danke für deine Kritik, meine Antwort folgt spätestens am Wochenende.
Viele Grüße, Rob

 
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Hallo @Manfred Deppi ,

danke fürs Lesen, hier also noch meine Rückmeldung:

Die fahrenden Händler verstauten ihre Waren auf den hölzernen Anhängern.

den Anfang finde ich leider nicht gelungen. Da kommt kaum Spannung auf und dann setzt du auch noch einen Absatz, damit steht dieser Satz so alleine, als würde er tatsächlich etwas bedeuten.

Der erste Satz alleine wird wohl nicht mitziehen, jedoch ist der Absatz zu Beginn recht kurz und sollte Interesse wecken durch die Erwähnung, dass eine unbekannte Gefahr über die Wüste kommt und deshalb die fahrenden Händler die Zeltstadt zunehmend meiden.

Deine Geschichte hat sehr interessante Ansätze und ich kann vor allem deinen zielstrebigen, gut lesbaren Schreibstil loben. Da wird nicht viel herumgeschwafelt; man kann's auch anders machen aber du machst es eben so und das liegt dir.
Danke, ich versuche schon, Handlung, Personen und Setting nach und nach aufzubauen. Aber es muss ja kein Widerspruch sein, direkt in die Handlung einzusteigen, gerade bei einer Kurzgeschichte erwarte ich das auch als Leser.

Das eigene Überleben erfordert immer Opfer“, sagte Runas, als sie zurückkam und sich neben ihn in den Schatten setzte.

Interessant! Die Szene hat mir sehr gut gefallen, allerdings erschließt sich mir nicht so richtig ihr Sinn im Rest der Handlung.

Ich wollte zu Lumiel auch eine grundsätzliche Entwicklung zeigen, über die Geschichte hinaus. Daher greife ich diesen Punkt in der vorletzten Szene auch noch mal auf. Unbedingt notwendig wäre es nicht, das stimmt schon, aber in den meisten Texten schreibe ich das ein oder andere ergänzend zur Haupthandlung.

Lumiel betrat das Zelthaus, in dem sie mit ihrem Vater lebte.

Der Name klingt wie ein Elb aus Lothlórien.

Ist schon zu lange her, dass ich HdR gelesen habe ... ich hatte einfach nach Fanasynamen gesucht und bei Lumiel fand ich die Bedeutung Schattentochter passend für diese Handlung.

„Frag ihn lieber, was die Seher mit Dia’ssor meinen. Welcher Teufel kommt da über die Wüste?“

Dieses Apostroph mitten im Wort ... kann man mögen, zählt für mich aber dazu. Vor allem wenn es immer und immer wieder bei düsteren, bösen Namen verwendet wird.

Ein Zeitlang bin ich mal bei Fantasyromanen geblieben, mein Bruder war da immer ein guter Lieferant ... ist aber schon lange her, war mir daher so nicht bekannt. Ich finde es hier ganz passend und lasse es mal so, ist aber ein guter Tipp für zukünftige Texte dieser Art.

„Er wird durch Angst angezogen, ernährt sich von ihr.“

Die Idee finde ich eigentlich gut. Das erinnert mich an The Witcher, Staffel 2. Hatte ich gerade geschaut kurz bevor ich deine Geschichte gelesen hab. Dort ist es halt Wut. Man kennt das so irgendwie schon. Finde ich nicht so schlimm, aber weil du dich öfters solchen Klischees bedienst, fällt es besonders auf.

Es ist ja schon ein wenig die Frage, ob das so unbedingt Sinn macht, so wie das Geisterwesen entstanden ist. Aus den verängstigten Seelen der Minenarbeiter wurden nach ihrem Tod die wütenden, auf Rache sinnenden Seelen ... also wahrscheinlich würden sie auch sonst so handeln, aber vielleicht passt es dennoch, wenn sie durch Angst, die sie zuvor selbst erlebt haben, angezogen werden.

Weitere folgten und es dauerte nicht lange, bis neben dem Seher und seinem Begleiter nur noch der Stadtvorstand, Lumiel, ihr Vater und Runas da waren.

Was ein Zufall.

Ja! :gelb:
Als wenn es in einem Film oder einer Serienfolge anders wäre ...

Leider hatte ich durchweg das Gefühl, etwas zu lesen, was schonmal da war. Und das ist doof, ich weiß, damit schlage ich mich selbst auch ständig rum (und deswegen habe ich lange nicht geschrieben). Das ist dieses Grundproblem, das man als Autor hat: Eine eigene Stimme finden, etwas neues sagen
Bezogen auf den Handlungsverlauf kann ich es nicht beurteilen, dafür habe ich insgesamt doch zu wenig in diese Richtung gelesen und die bisherigen Romane liegen einige Zeit zurück.
Aber insgesamt sehe ich es auch so, es ist eine schwierige, aber auch interessante Aufgabe, im Umfeld einer Fantasy- oder Science Fiction-Welt mal etwas eigenes zu finden, abseits von Elben, Zwergen und dunklen Minen ...

Nach einigen Minuten stieg der Stadtvorstand auf das Podest im Zentrum der Menschenmenge, traditionsgemäß bestehend aus zwei Frauen und zwei Männern. Die Gespräche der Einwohner verebbten.

Grammatikalisch bezieht sich der Nebensatz hier auf die Menschenmenge. Ich glaube das ist nicht richtig, es geht ja um den Stadtvorstand.

Danke für den Hinweis, ich habe den Satz umgestellt.

Dazu habe ich letztens ein Gedicht gefunden:
„Grad so behilft sich der Poet.
Du liebe Zeit, was soll er machen?
Gebraucht sind die Gedankensachen
Schon alle, seit die Welt besteht."
(Erneuerung von Wilhelm Busch)​
Ein scheinbar schon lange bestehendes Problem ... aber ab und zu gelingt es Autoren, etwas Neues zu finden, oder durch die Art des Schreibens die Leser in eine andere Welt zu entführen.

Ich hoffe meine Kritik hilft dir weiter, das war jetzt ja doch ganz schön böse. Sorry.
Schon okay, da habe ich hier schon mehr auf den Deckel bekommen ;)

Ich hab die Geschichte trotzdem gerne gelesen.
Also doch! :thumbsup:

Danke für deine Anmerkungen und viele Grüße,
Rob

 

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