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Serie Doktor Brändli und Käpt’n Rotschulter

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Anmerkungen zum Text
Weil die Krümel von svg die Challenge so bereichert habt, habe ich diese Geschichte für sie geschrieben. Ihr habt bei mir so tolle Erinnerungen geweckt. Vielen Dank dafür. lg snif
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Die Geschichte ist Teil einer Serie. Den ersten Band rund um sieben Geschichten von Doktor Brändli, Tiger und dem Latz nannte ich "Die erste Woche". Diese Geschichte ist (hoffentlich) der Beginn der zweiten Woche ...

Doktor Brändli und Käpt’n Rotschulter

Als Doktor Brändli aufwachte, war ihm schlecht. Speiübel und schwindlig. Seine Träume hatten ihn die ganze Nacht hin und her geworfen. Als hätte er in einem Wasserbett zusammen mit einer aufgedrehten Horde wild umherhüpfender Affen geschlafen. Oder in der Hängematte einer Kajüte, auf stürmischer See, mitten im Tornado. Er tastete seine Matratze ab und freute sich, dass es immer noch die gleiche war - die alte, weiche. Das beruhigte ihn, sein Schwindel legte sich und er stand auf.

In der Küche war es fast still. Ausser dem Vogelgezwitscher, das durch das offene Fenster hineindrang, und dem Joghurt. Schweigend schabten Tiger und der Latz die letzten Resten aus ihren Bechern.
Doktor Brändli trat ein und nickte ein wortloses Guten Morgen.
Tiger und der Latz erwiderten den stillen Gruss.
Gerade als sich Doktor Brändli über diesen Frieden zu freuen begann, trat jemand von aussen wuchtig gegen die Flügel der Küchenfenster. Sie flogen auf und jemand schrie mit grausigem Gejaule: «Heyho! Auf den Boden, ihr elenden Landratten! Alle Mann klar zum Enteeerrrn!!!»
Doktor Brändli schaute um sich.
Tiger schreckte auf und streckte dem Eindringling mit grossen Augen seinen Löffel entgegen. Als hätte er einen Degen in der Hand.
Der Latz, der gerade das letzte bisschen Zitronenjoghurt auf sein Löffelchen gehäuft hatte, musste kurz entscheiden, ob er den Rest verschlingen oder als Waffe einsetzen wollte. Er entschied sich für das Letztere. Er spannte den Löffel mit dem Finger und schleuderte die Ladung dem Schurken entgegen.
Und traf.
Mitten auf die Augenklappe.
Die Situation war entschärft. Der Eindringling hielt inne.
Er wandte sich dem bunten Gefieder auf seiner Schulter zu und fragte: «Hast du mir jetzt gerade aufs Auge gekackt?»
«Nein, nicht möglich. Aaak.» Auf der rechten Schulter des Mannes hockte ein Papagei, der eine Windel trug. «Klar zum Enteeerrrn. Aaak.»
Doktor Brändli, Tiger und der Latz musterten den Besuch. Vor ihnen stand ein buckliger, bärtiger alter Mann mit schiefen Zähnen. Auf dem Kopf ein schwarzes Tuch mit Totenkopf. Darunter zerzauste Haare. Augenklappe - mit Joghurt. Fette Warze am Kinn, umringt von einem struppigen Bart. Gestreifter Pulli. Blau-weiss und viel zu eng. Auch auf dem dicken Bauch ein paar Joghurtspritzer. Säbel links im Gurt, rechts die Pistole. Schwarze Hochwasserhosen. Links der Stiefel, rechts das Holzbein.
«Ne. Das war keine Kacke. Das war …» Der Latz warf den Löffel in die Höhe, fing ihn stilsicher und grinste. «... ich. Das ging voll ins Auge. Zumindest auf die Augenklappe.»
Doktor Brändli fasste sich und räusperte. «Äh. Werter Herr …» Er machte eine Pause und winkte den Piraten zu sich. «Normalerweise – das heisst, bevor jemand in diesem Haus zum Küchenfenster eindringt, was sowieso eher ungewöhnlich ist …» - Doktor Brändli konnte sich an dieser Stelle einen scharfen Blick nicht verkneifen - « …stellt er sich erst vor.»
Der Pirat winkte ab und fauchte: «Käpt’n Rotschulter stellt sich nicht vor. Käpt’n Rotschulter entert. Dieser Kahn hier gehört jetzt mir. Und ihr seid meine Gefangenen.»
«Äh, das ist kein Schiff. Das ist ein Haus», korrigierte ihn der Latz.
«Umso besser», konterte der Pirat. «Auf meiner Schatzkarte ist ja auch ein Haus eingezeichnet.»
Auf das Wort Schatzkarte reagierte Tiger normalerweise mit spitzen Ohren. Aber er zeigte noch immer mit dem Löffel auf den Vogel. «Der hat eine Windel.» Er bewegte den Löffel auf und ab. «Warum?»
«Windel. Kacke. Aaak.»
Rotschulter humpelte herum. «Das muss so sein! Sonst kackt er mir die ganze Schulter voll.» Er warf die Arme hoch. «Ich kann mir als Käpt’n Rotschulter keine weiss verkackten Schultern leisten.»
Das klang logisch.
Aber der Latz war noch nicht zufrieden: «Warum heisst du denn Rotschulter und nicht Graubart, oder sowas? Deine Schulter ist nicht rot. Die ist blau-weiss.» Der Latz schaute sich um. Er fühlte sich gerade unglaublich weise.
«Das ist unwichtig. Schluss mit den Fragen.»
«Aaak. Roter Bart unter rote Schulter. Aaak.»
«Wirst du wohl den Schnabel halten?», raunte der Pirat und zog den Säbel. Der Papagei flatterte und bunte Federn flogen durch die Küche.
«Roter Bart unter roter Schulter?» Der Latz ahnte etwas. «Kann es sein, dass …?»
Der Pirat presste seine Oberarme an den Körper.
«… dass unter deinen Armen …», setzte der Latz nach und grinste.
Der Pirat zögerte kurz, dann fuchtelte er mit dem Säbel herum. «Kein Pirat kann Käpt’n Rotachselhaar heissen. Verstanden, Schlauberger?» Er richtete seinen Säbel gegen den Latz. «Ich hätte auch lieber einen roten Bart. Und jetzt Schluss damit!»
Der Latz presste die Lippen zusammen. Er sah zu Tiger, lupfte einen Arm und deutete unter die Achsel.
«Rote Achselhaare? Echt jetzt?», flüsterte Tiger.
Der Latz nickte. Beide prusteten los.
«Ruuuu-heeee! Ich verbiete allen Gefangenen jegliches Lachen, Grinsen oder Kichern! Ab soooo-foooort!», schimpfte der Käpt’n lauthals und haute seine geballte Faust auf den Küchentisch.
Einen Moment war es ruhig. Dann grölten die beiden wieder los.
«Ach, was rede ich mit euch Seeteddybären. Schrubbt das Deck! Aber blitzblank! Ich muss mich jetzt um den Schatz kümmern.»
Rotschulter griff in seinen Pulli zwischen seine Brusthaare und holte eine vergilbte Karte hervor. Er öffnete sie und strich sie auf dem Küchentisch glatt. «So. Hier wären wir also.» Auf der Karte waren einige undefinierbare Umrisse, ein paar Zahlen, ein paar Worte und ein grosses X zu sehen. Der Käpt’n drückte seinen dicken Zeigefinger auf das rote X.
Tiger hatte sich eingekriegt. «Ist das Blut?», fragte er.
«Was denn sonst, du Schwimmhilfe», knurrte der Pirat.
«Aaak. Erdbeeren. Aaak.»
«Schnabel, du Farbfederratte!»
Doktor Brändli hatte sich erst etwas im Hintergrund gehalten. Er trat an den Küchentisch und fragte: «Woher hast du die alte Karte?»
«Von meinem Urgrossvater.» Der Käpt’n wurde etwas rührselig. «Kurz vor seinem Tod versteckte er sie in seinem Fernrohr. Gerade noch bevor ihn die Eingeborenen massakrierten.»
«Aaak. Massierten, aaak, massierten.»
Der Käpt’n warf einen massakrierenden Blick auf seine Schulter.
«Wie hiess dein Grossvater?», wollte Doktor Brändli wissen.
«Käpt’n Rotnase», antwortete der Pirat.
Der Latz schaute kurz zu Tiger, griff sich an die Nase, dann an die Haare, dann wieder an die Nase und machte eine lange Bewegung nach unten.
«Echt? Nasenhaare?», flüsterte Tiger.
«Lange, rote», konnte der Latz noch aus sich hinauspressen und dann kugelten sich die beiden mit hochroten Köpfen.
«Aaak. Nasenhaare. Aaak. Rote Zöpfchen. Aaak», krächzte der Vogel und bevor die linke Faust des Piraten auf seiner rechten Schulter landete, flog der Papagei weg und landete auf Tigers Kopf.
«Freut mich. Ich bin Tiger.» Tiger blickte aufwärts.
«Aaak. Ich Kaka. Aaak.»
«Kacke?»
«Kaka! Nicht Kacke, AAAK!» Kaka pickte Tigers Ohr.
«Ich will auch so einen Vogel.» Tiger genoss es sichtlich.
«Den hast du schon längst», konterte der Latz.
«Wo?» Tiger schaute aufgeregt um sich.
«So, fertig jetzt. Nehmt euch zusammen, ihr drei», mahnte Doktor Brändli und klapperte alle drei mit den Augen ab. Er schüttelte den Kopf und wandte sich wieder der Karte zu. «Und hier, wo das grosse, rote X ist, hier ist der Schatz deines Urgrossvaters versteckt, oder?»
Käpt’n Rotschulter nickte und sah etwas eifersüchtig zu Tiger hinüber. Kaka kitzelte ihn gerade hinter dem Ohr.
Doktor Brändli sinnierte über der Karte. «Und wie kommst du darauf, dass das rote Kreuz meine Küche sein soll?»
Käpt’n Rotschulter zuckte mit den Schultern. Er schob die Karte beiseite, hob sein Holzbein, schraubte das untere Teil ab, klaubte daraus einen Dolch und kratzte ein grosses, tiefes X in Doktor Brändlis Küchentisch. «Deswegen», meinte er und sah nochmals zu Tiger und Kaka rüber.
Doktor Brändli kratzte sich am Kopf. Das hatte er nicht erwartet. Er fuhr mit der flachen Hand über den Küchentisch.
Der Latz eilte herbei und kochte. «Hast du nicht mehr alle Blechtassen in deinem Kajütenschrank, du … du Süsswasserpaddler? Was fällt dir ein, den Tisch zu ruinieren?»
«Krieg dich ein, Frottee-Seesack, der ist nicht ruiniert, nur zerkratzt.» Der Käpt’n sass seelenruhig da und holte mit dem Dolch ein paar Essensresten aus seinen Zahnlücken. «Der Schatz muss hier sein. Auf der Karte ist ein X und auf dem Tisch auch.»
«Klingt logisch.» Tiger hatte mitgehört. Er eilte herbei mit Kaka auf der Schulter und war fasziniert.
Das Frottee konnte der Latz nicht auf sich sitzen lassen. Er trat vor Rotschulter hin, stemmte so etwas wie Hände in die Hüfte und holte aus: «Jetzt mach mal einen Punkt, du …»
Der Pirat kratzte einen Punkt in den Küchentisch. «So meinst du?»
Der Latz warf die Hände hoch. «Du kannst doch nicht …»
«Doch ich kann», meinte der Pirat und schnitze gleich noch einen Totenkopf daneben. «Siehst du?»
Der Latz war ausser sich und rang nach Luft. «Küchentischmörder!», schrie er.
Der Küchentisch hatte alles über sich ergehen lassen und meinte nur: «Wow. Coole Tattoos.»
Doktor Brändli kratzte sich am Bart. «Hm. Aber du musst schon zugeben, Käpt’n Rotschulter, du hast eine sehr eigentümliche Art, Schatzkarten zu lesen.»
«Aaak. Käpt’n kann nicht Karten lesen. Aaak.»
«Schnauze, Verrätergefieder. Wenn wir wieder auf See sind, gehst du über die Planke», raunte der Pirat und verstaute den Dolch wieder im Holzbein.
Danach war es kurz still.
Rotschulter sah zu Kaka.
Kaka sah zu Rotschulter.
Rotschulter grinste.
Kaka auch.
Auf einmal brachen beide in lautes Gelächter aus.
«Aaak! Vogel über Planke gehen! Aaak!» Kaka flatterte von Tigers Schulter zurück auf Rotschulters Schulter.
Rotschulter grölte und hielt sich seinen dicken Bauch.
Doktor Brändli lachte auch herzhaft.
Selbst der Latz musste widerwillig ein Grinsen über sein Gesicht huschen lassen.
Nur Tiger verstand die Welt nicht mehr. «Erst will er ihn umbringen, dann sind sie wieder dicke Freunde.» Er verschränkte die Arme, schüttelte den Kopf und war enttäuscht.
«Dann kannst du gar nicht Karten lesen, hm? Du Herrscher der sieben seichten Weltpfützen.»
«Klar kann ich.»
«Aaak!»
Rotschulter mustertete Kaka. «Okay. Nein, ich kann es nicht. Aber mein Vater hiess quasi Käpt’n Kartenleser.»
«Aaak!»
«War das mein Grossvater?»
«Aaak, aaak!»
«Bei Neptuns nassem Nackenbart! Jetz lass mich doch mal flunkern, du Flatterfloh!» Der Käpt’n ballte die Faust.
«Aaak.» Kaka verschränkte die Flügel.
«Ach, was solls.» Rotschulter gab auf. «Mein Urgrossvater konnte nicht mal eine Schatzkarte zeichnen, dieser Kuschelpirat.» Er rollte die Karte ein und steckte sie in seine Brusthaare zurück.
«Ah. Das ist der, der massakriert wurde», präzisierte der Latz.
«Aaak.»
«Massiert, natürlich. Massiert.» Der Latz blinzelte zu Kaka.
Der Pirat stützte sich mit beiden Ellbogen auf den Küchentisch. «Wir sind seit Generationen keine echten Schatzsucher mehr. Wenn uns etwas gefällt, markieren wir es einfach mit einem X und tun so, als wäre es der Schatz auf der Schatzkarte», seufzte der Käpt’n.
«Cool», meinte Tiger. «So findet man ja Tausende von Schätzen.»
«Klar», meinte der Latz. Er steckte seinen Finger in einen Joghurtbecher und malte dem Tiger ein grosses X auf die Stirn. «Dein Hirn ist zwar nicht viel wert, aber äusserst selten.»
Tiger wollte eigentlich über diese Aussage nachdenken, aber seine Beine waren schneller. Er spurtete zum Kühlschrank, holte einen neuen Becher, steckte seinen Finger mitten durch den Aludeckel und rannte los, um Schätze zu suchen. Und den Latz.

Doktor Brändli wusste gar nicht, dass er so viele Schätze im Haus hatte. Es gab kaum etwas, was nicht markiert wurde. Der Kühlschrank, die Rollschuhe, die Luftpolsterfolie, das Klo. Sogar der Bauch des Paketboten, der an der Tür geklingelt hatte, wurde mit einem grossen X aus Joghurt versehen - was er nicht zu schätzen wusste. Wer genau hinsah, konnte in der Gartenwiese sogar das kleine Vergissmeinnicht entdecken, das auf jedem der Blütenblätter ein kleines, feines X trug.
Tiger, der Latz und Kaka kehrten nach ausgiebigem Toben an den Küchentisch zurück. Total mit Joghurt verkleckst. So sehr haben sie sich gegenseitig geschätzt.
«Kaka hat die Windel verloren», kicherte Tiger.
«Aaak. Windel weg. Aaak. Nicht suchen.»
«Jetzt musst du dich Käpt’n Weissschulter nennen», meinte der Latz schelmisch. «Oder Kackschulter. Was dir lieber ist. Auf jeden Fall lenkt das von deinem Schulterbart ab.»
Da schüttelte es die drei wieder.
Käpt’n Rotschulter wollte erst wieder losfluchen, aber lachte dann doch mit. Er und Doktor Brändli hatten in der Zwischenzeit muntere Geschichten aus Seegarn gestrickt. Das machte Laune.
«Ich muss weiter. Die See ruft. … Kaka …» Der Pirat zeigte auf seine Schulter.
Kaka zögerte. Er setzte sich erst auf Tigers Schulter und rieb den Kopf an seiner Wange.
Dasselbe tat er mit dem Latz, dem plötzlich die Augen ganz furchtbar zu brennen begannen, wie er meinte.
Dann flog er dem Käpt’n auf die Schulter.
Die beiden schritten Richtung Küchenfenster und bestiegen den Sims.
«Erklär mir noch etwas, bevor du gehst», meldete sich Doktor Brändli.
«Was denn?» brummte Käpt’n Rotschulter.
Doktor Brändli fragte: «Warum in aller Welt hast du das X gerade auf unseren Küchentisch geschnitzt?»
Der Pirat hob seinen Kopf.
Er sah erst zu Kaka.
Dann zum Latz.
Dann zu Tiger.
Dann zu Doktor Brändli.
Auf einmal zog er seinen Säbel, richtete sich auf und schrie lauthals: «Weil ihr alle elende Landratten seid! Ihr Trockenduscher! Alle sofort zum Deckschrubben. Ich will mich in jeder Ecke dieses Kahns spiegeln können, wenn ich wiederkomme! Ihr wasserscheuen Gummihaie, ihr!»
Dabei grinste er seltsam. Und alle grinsten mit.
 
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17.08.2019
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An die Krümel von @svg: Weil ihr die Challenge so bereichert habt, habe ich diese Geschichte für euch geschrieben. Ihr habt bei mir so tolle Erinnerungen geweckt. Vielen Dank dafür.
lg snif
 
Wortkrieger-Team
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04.03.2018
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An die Krümel von @svg: Weil ihr die Challenge so bereichert habt, habe ich diese Geschichte für euch geschrieben. Ihr habt bei mir so tolle Erinnerungen geweckt. Vielen Dank dafür.
Lieber @snif, da kann ich gar nicht anders, als sofort deinen Text zu lesen.

Er tastete seine Matratze ab. Es war immer noch die gleiche. Die alte, weiche. Das beruhigte ihn.
Ich weiß ja, dass Du das gerne so machst, aber durch die kurzen Sätze und die vielen Punkte erzeugst Du ein Stakkato, wo Du das Erzähltempo eigentlich bremsen könntest, weil der Doktor ja merkt, dass alles okay ist.

Schweigend schabten Tiger und der Latz die letzten Resten aus ihren Bechern.
Wer oder was sind Tiger und Latz? Im Laufe des Textes höre ich sie reden, aber bekomme leider kein Bild zusammengestellt. Den Piraten hingegen beschreibst du bis zur Farbe seiner Achselhaare.

Darunter zerzauste Haare. Augenklappe. Mit Joghurt. Zerzauster Bart. Fette Warze am Kinn. Gestreifter Pulli. Blau-weiss. Mit dezenten Joghurtspritzern. Zu eng. Dicker Bauch. Säbel links im Gurt. Rechts die Pistole. Schwarze Hochwasserhosen. Links der Stiefel. Rechts das Holzbein.
Sind mir der Ellipsen zu viele, ich komme nicht in den Flow, weil mich mich gehetzt fühle.

«Äh, das ist kein Schiff. Das ist ein Haus», korrigierte ihn der Latz.
«Umso besser», konterte der Pirat. «Auf meiner Schatzkarte ist ja auch ein Haus eingezeichnet.»
Klasse.

«Ich kann mir als Käpt’n Rotschulter keine weiss verkackten Schultern leisten.»
Das klang logisch.
Krümel werden das mögen, sure.

Der Latz schaute sich um. Er fand seine Frage smart.
Kennen Kinder smart? Abgesehen vom Auto jetzt.

Der Latz schaute kurz zu Tiger, griff sich an die Nase, dann an die Haare, dann wieder an die Nase und machte eine lange Bewegung nach unten.
«Echt? Nasenhaare?», flüsterte Tiger.
«Lange, rote», konnte der Latz noch aus sich hinauspressen und dann kugelten sich die beiden mit hochroten Köpfen.
snif, Du hast es drauf.

«Ich will auch so einen Vogel.» Tiger genoss es sichtlich.
«Den hast du schon längst», konterte der Latz.
«Wo?» Tiger schaute aufgeregt um sich.
hehe, ja genau, wo denn wohl?

Der Latz eilte herbei und kochte. «Hast du nicht mehr alle Blechtassen in deinem Kajütenschrank, du … du Süsswasserpaddler? Was fällt dir ein, den Tisch zu ruinieren?»
Toll, da werden die Kinder sich freuen über deine gelungenen Schimpfkanonaden.

Der Käpt’n sass seelenruhig da und holte mit dem Dolch ein paar Essensresten aus seinen Zahnlücken. «Der Schatz muss hier sein. Auf der Karte ist ein X und auf dem Tisch auch.»
Bestechende Logik. :D

Der Latz warf die Hände hoch. «Du kannst doch nicht …»
«Doch ich kann», meinte der Pirat und schnitze gleich noch einen Totenkopf daneben. «Siehst du?»
Tja, wenn man beim Wort genommen wird, muss man über jeden Satz dreimal nachdenken.

Der Küchentisch hatte alles über sich ergehen lassen und meinte nur: «Wow. Coole Tattoos.»
Huuuch, jetzt fängt der Tisch das Reden an? Coole Idee mit den Tattoos.

Schnauze, Verrätergefieder. Wenn wir wieder auf See sind, gehst du über die Planke
Den Piratenjargon, den hast Du echt verdammt gut eingefangen.

Du Herrscher der sieben seichten Weltpfützen.
Hihi.

Dem Joghurt nach zu urteilen, das sie über sich verteilt hatten, mussten sie sich alle drei besonders intensiv zu schätzen gewusst haben.
An manchen Stellen finde ich es ein bisschen zu sehr um die Ecke. Das ist eine davon.

Auf einmal zog er seinen Säbel, richtete sich auf und schrie lauthals: «Weil ihr alle elende Landratten seid! Ihr Trockenduscher! Alle sofort zum Deckschrubben. Ich will mich in jeder Ecke dieses Kahns spiegeln können, wenn ich wiederkomme! Ihr wasserscheuen Gummihaie, ihr!»
Dabei grinste er seltsam. Und alle grinsten mit.
Schönes Ende.

Lieber snif, die Figur des Piraten zeigst Du überragend, die Sprache, das Auftreten, der Sidekick Kaka, das stimmt alles. Ich würde mir aber wünschen zu erfahren, wer Tiger und Latz sind und wer Doktor Brändli, denn die bleiben leider alle blass. Sie dienen mehr als Stichwortgeber, denn als echte Figuren mit eigenen Interessen.
Die Idee mit den Joghurt-Kreuzen finde ich okay, aber als Auflösung zu schwach. Ich war etwas enttäuscht, dass es nach der fantasievollen Vorarbeit keine wirkliche Schatzsuche wird. Ich fühle mich etwas um das Abenteuer betrogen, weißt? Gut, der Rotschulter, der kann die Schatzkarte nicht lesen, aber warum, zum Henker, helfen ihm die anderen drei Figuren nicht dabei und tatsächlich finden sie einen Schatz, eine Kiste voller Gold, Mensch! Unrealistisch? Nicht mehr als ein Pirat, der plötzlich in der Küchentür steht. Also geh doch in die Vollen, zieh alle Register und schenke uns bitte, bitte ein richtiges Abenteuer.
Mit besten Wünschen (die hoffentlich erfüllt werden :D), Peace, linktofink
 
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17.08.2019
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Hey @linktofink

Danke für den Kommentar. Ich werde noch näher darauf eingehen, wollte jedoch noch etwas für die anderen Leser vorausschicken ...

Wer oder was sind Tiger und Latz? Im Laufe des Textes höre ich sie reden, aber bekomme leider kein Bild zusammengestellt. Den Piraten hingegen beschreibst du bis zur Farbe seiner Achselhaare.

Ich hätte die Geschichte wohl besser als "Serie" markiert. Vor ein paar Jahren habe ich Geschichten rund um das Haus von Doktor Brändli im Selbstverlag in ein kleines Büchlein zusammengepackt:
Doktor Brändli und die Bande der sieben garstigen Zahnbürsten: Acht Kinderkurzgeschichten

Die letzte Geschichte dieses Bandes findet man auch hier im Forum:
Doktor Brändli und das grosse Rennen gegen den wildgewordenen Suppentopf

Den ersten Band (Intro und sieben Geschichten) nannte ich "Die erste Woche". Die obige Geschichte ist (hoffentlich) der Beginn einer zweiten Woche. :)

Auf den Rest deines Kommentars gehe ich noch ein. Da sind wieder ein paar tolle Hinweise dabei. Schon jetzt mal vielen Dank für dein Feedback. Bedeutet mir viel ...

lg
snif
 
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Senior
Monster-WG
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15.07.2004
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Moin @snif.
Also, um es gleich zu schreiben: :thumbsup::thumbsup::thumbsup:
Mir und meinen beiden Krümeln gefiel es ausgezeichnet. Ich mag einfach deine Art zu schreiben, deine Figuren und die Art, wie sie miteinander agieren. Ganz große Vorlese-Kino!


Als Doktor Brändli aufwachte, war ihm schlecht. Speiübel und schwindlig. Seine Träume hatten ihn die ganze Nacht hin und her geworfen. Als hätte er in einem Wasserbett zusammen mit einer aufgedrehten Horde wild umherhüpfender Affen geschlafen.
Kann ich total nachvollziehen. Ganz ehrlich. Bei mir reicht schon das Wasserbett. Einer der schlimmsten Nächte meines Lebens. Mir war speiübel.


Er tastete seine Matratze ab. Es war immer noch die gleiche. Die alte, weiche.
Diesen Einschub mag ich voll. Das macht den Text gemütlich.
In der Küche war es fast still. Außer dem Vogelgezwitscher, das durch das offene Fenster hineindrang, und dem Joghurt. Schweigend schabten Tiger und der Latz die letzten Resten aus ihren Bechern.
Ach, und noch so ein tolles Bild. Der Joghurt-Mampf-Lärm


Gerade als sich Doktor Brändli über diesen Frieden zu freuen begann, trat jemand von aussen wuchtig gegen die Flügel der Küchenfenster. Sie flogen auf und jemand schrie mit grausigem Gejaule: «Heyho! Auf den Boden, ihr elenden Landratten! Alle Mann klar zum Enteeerrrn!!!»
Doktor Brändli schaute um sich.
Tiger schreckte auf und streckte dem Eindringling mit grossen Augen seinen Löffel entgegen. Als hätte er einen Degen in der Hand.
Der Latz, der gerade das letzte bisschen Zitronenjoghurt auf sein Löffelchen gehäuft hatte, musste kurz entscheiden, ob er den Rest verschlingen oder als Waffe einsetzen wollte. Er entschied sich für das Letztere. Er spannte den Löffel mit dem Finger und schleuderte die Ladung dem Schurken entgegen.
Und traf.
Mitten auf die Augenklappe.
Die Situation war entschärft. Der Eindringling hielt inne.
Sehr schöne Szene.


Doktor Brändli, Tiger und der Latz musterten den Besuch. Vor ihnen stand ein buckliger, bärtiger alter Mann mit schiefen Zähnen. Auf dem Kopf ein schwarzes Tuch mit Totenkopf. Darunter zerzauste Haare. Augenklappe. Mit Joghurt.
:lol:

Zerzauster Bart. Fette Warze am Kinn. Gestreifter Pulli. Blau-weiss und viel zu eng. Mit dezenten Joghurtspritzern auf dem dicken Bauch. Säbel links im Gurt. Rechts die Pistole. Schwarze Hochwasserhosen. Links der Stiefel. Rechts das Holzbein.
Ich mag die Art, wie du den Piraten beschreibst. Es war mir nur ein bisschen zu stakkatoartig. Mit den fetten Änderungen wäre es ein bisschen abgemildert.
Tiger richtete den Löffel inzwischen gedankenversunken auf den Papagei: «Der Vogel, … der trägt eine Windel. Der hat nicht gekackt.»
«Ne. Das war keine Kacke. Das war …» Der Latz warf den Löffel in die Höhe, fing ihn stilsicher und grinste. «... ich. Das ging voll ins Auge. Zumindest auf die Augenklappe
Würde ich streichen. Das haste du vorher schon erwähnt und schwächt den triumphalen Spruch des Latz's ab.

Doktor Brändli fasste sich und räusperte. «Äh. Werter Herr …» Er machte eine Pause und winkte den Piraten zu sich. «Normalerweise – das heisst, bevor jemand in diesem Haus zum Küchenfenster eindringt, was sowieso eher ungewöhnlich ist …» - Doktor Brändli konnte sich an dieser Stelle einen scharfen Blick nicht verkneifen - « …stellt er sich erst vor.»
Und auch hier: einfach gut geschrieben!

Rotschulter humpelte herum. «Das muss so sein! Sonst kackt er mir die ganze Schulter voll.» Er warf die Arme hoch. «Ich kann mir als Käpt’n Rotschulter keine weiss verkackten Schultern leisten.»
Das klang logisch.
Große Lacher beim Krümelpublikum!


Aber der Latz war noch nicht zufrieden: «Warum heisst du denn Rotschulter und nicht Graubart, oder sowas? Deine Schulter ist nicht rot. Die ist blau-weiss.» Der Latz schaute sich um. Er fand seine Frage smart.
Smart stört mich hier. Unheimlich clever bzw. scharfsinnig gefiele mir besser. Aber eventuell ist smart in der Schweiz einfach geläufiger. Hier sagt es eigentlich niemand.

«Rote Achselhaare? Echt jetzt?», flüsterte Tiger.
Stellvertretend für alles, was davor zu dem Thema war: :lol:

Tiger hatte sich eingekriegt. «Ist das Blut?», fragte er.
«Was denn sonst, du Schwimmhilfe», knurrte der Pirat.
Schwimmhilfe :lol:. Eine Beleidigung, die ich mir merken muss.
«Aaak. Erdbeeren. Aaak.»
«Schnabel, du Farbfederratte!»
Doktor Brändli hatte sich erst etwas im Hintergrund gehalten. Er trat an den Küchentisch und fragte: «Woher hast du die alte Karte?»
«Von meinem Urgrossvater.» Der Käpt’n wurde etwas rührselig. «Kurz vor seinem Tod versteckte er sie in seinem Fernrohr. Gerade noch bevor ihn die Eingeborenen massakrierten.»
«Aaak. Massierten, aaak, massierten.»
Der Käpt’n warf einen massakrierenden Blick auf seine Schulter.
Vielleicht nicht für alle Kinder verständlich, aber ich habe mich herrlich amüsiert. Meine Krümel haben herzlich mit mir mitgelacht.

«Ich will auch so einen Vogel.» Tiger genoss es sichtlich.
Dito. Er soll für uns einen mitbestellen!


«Den hast du schon längst», konterte der Latz.
«Wo?» Tiger schaute aufgeregt um sich.
:D genau mein Humor :p

«Krieg dich ein, Frottee-Seesack, der ist nicht ruiniert, nur zerkratzt.»
Eben!:lol:

Der Latz war ausser sich und rang nach Luft. «Küchentischmörder!», schrie er.
Eben!:lol::lol:

Der Küchentisch hatte alles über sich ergehen lassen und meinte nur: «Wow. Coole Tattoos.»
Kein Witz: Ich lese das vor und denke: Snif wird doch jetzt nicht den Küchentisch... und doch: er wird... :lol::lol::lol:

«Wir sind seit Generationen keine echten Schatzsucher mehr. Wenn uns etwas gefällt, markieren wir es einfach mit einem X und tun so, als wäre es der Schatz auf der Schatzkarte», seufzte der Käpt’n.
«Cool», meinte Tiger. «So findet man ja Tausende von Schätzen.»
Ich gebe meinen Job auf. Endlich: meine Berufung gefunden! ;)
Dasselbe tat er mit dem Latz, dem plötzlich die Augen ganz furchtbar zu brennen begannen, wie er meinte.
Schöne Stelle. Aber nur ein Beispiel, weil soooo viele schöne Stellen.

Dann flog er dem Käpt’n auf die Schulter.
Die beiden schritten Richtung Küchenfenster und bestiegen den Sims.
«Erklär mir noch etwas, bevor du gehst», meldete sich Doktor Brändli.
«Was denn?» brummte Käpt’n Rotschulter.
Doktor Brändli fragte: «Warum in aller Welt hast du das X gerade auf unseren Küchentisch geschnitzt?»
Der Pirat hob seinen Kopf.
Er sah erst zu Kaka.
Dann zum Latz.
Dann zu Tiger.
Dann zu Doktor Brändli.
Auf einmal zog er seinen Säbel, richtete sich auf und schrie lauthals: «Weil ihr alle elende Landratten seid! Ihr Trockenduscher! Alle sofort zum Deckschrubben. Ich will mich in jeder Ecke dieses Kahns spiegeln können, wenn ich wiederkomme! Ihr wasserscheuen Gummihaie, ihr!»
DAS ist doch mal ein Grund! Absolut nachvollziehbar.

Dabei grinste er seltsam. Und alle grinsten mit.
Gilt auch für Familie svg!!!

Sehr schön. Ich mag die Auflösung gern. Die Joghurt-Kreuze. Einfach alles. Such ja gerade was zu meckern. Finde aber nichts.
Sehr, sehr gern gelesen und vorgelesen.
Warum veröffentlichen die eigentlich Conny statt so etwas?

LG svg

P.S.: Habe gerade deinen Dr. Brändli-Geschichtenband im Selbstverlag entdeckt und direkt bestellt. Freue mich echt wie ein kleines Kind darauf. Warum sagst du denn nichts darüber, snif ... ;)

P.P.S.: Aaahaaaa. Doch einen kleinen Kritikpunkt gefunden. Eigentlich ist Dr. Brändli für den Titel viel zu sehr Nebenfigur. Ha! Jetzt habe ich es dir aber gegeben!!!
 
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17.08.2019
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Hey @linktofink

Danke, dass du dich mit dem Text auseinandergesetzt hast und für dein ungeschminktes Feedback.(Naja, schön wäre es, wenn es ungeschminkt wäre - denn vielleicht hast du dich ja aus Rücksicht auf ein eventuell vorhandenes fragiles Gemüt meinerseits etwas zurückgehalten. Was schade wäre. Denn einer, der so gute Kindergeschichten schreibt wie du, darf mir mit Kritik voll "in die Fresse hauen". Das wär kein Stolperstein für mich - sondern ein Schemel. So, das wollte ich einfach mal loswerden.)

Auf den einen Punkt mit Tiger und dem Latz bin ich ja schon eingegangen und habe die Geschichte neu als Teil einer Serie markiert.

Er tastete seine Matratze ab. Es war immer noch die gleiche. Die alte, weiche. Das beruhigte ihn.
Ich weiß ja, dass Du das gerne so machst, aber durch die kurzen Sätze und die vielen Punkte erzeugst Du ein Stakkato, wo Du das Erzähltempo eigentlich bremsen könntest, weil der Doktor ja merkt, dass alles okay ist.
Du weisst, dass ich das gerne mache … hm. Das klingt für mich ein wenig nach «ist ok, aber übertreibs nicht damit». Bin froh für diesen Hinweis. Diese kurzen Sätze passen hier echt nicht. Das ändere ich. Das sollte mehr fliessen, da sich die Situation ja beruhigt.

Darunter zerzauste Haare. Augenklappe. Mit Joghurt. Zerzauster Bart. Fette Warze am Kinn. Gestreifter Pulli. Blau-weiss. Mit dezenten Joghurtspritzern. Zu eng. Dicker Bauch. Säbel links im Gurt. Rechts die Pistole. Schwarze Hochwasserhosen. Links der Stiefel. Rechts das Holzbein.
Sind mir der Ellipsen zu viele, ich komme nicht in den Flow, weil mich mich gehetzt fühle.
Auch hier ist zuviel Stakkato. Habe das auch ein wenig verflüssigt.

Der Latz schaute sich um. Er fand seine Frage smart.
Kennen Kinder smart? Abgesehen vom Auto jetzt.
Auch @svg hat darauf hingewiesen. Da bricht manchmal meine englischsprachige Herkunft durch. Das Wort «smart» gefällt mir einfach. Das hat was weiches und trotzdem pfiffiges. Aber ist nicht deutsch genug. Clever (@svg) wäre besser, aber ich habe es nun komplett verdeutscht.

snif, Du hast es drauf.
*heyho 😊

Der Latz eilte herbei und kochte. «Hast du nicht mehr alle Blechtassen in deinem Kajütenschrank, du … du Süsswasserpaddler? Was fällt dir ein, den Tisch zu ruinieren?»
Toll, da werden die Kinder sich freuen über deine gelungenen Schimpfkanonaden.
Ich liebe solche neuen Wortschöpfungen. Auch hier besteht akute Gefahr, dass ich es übertreibe.


Der Küchentisch hatte alles über sich ergehen lassen und meinte nur: «Wow. Coole Tattoos.»
Huuuch, jetzt fängt der Tisch das Reden an? Coole Idee mit den Tattoos.
Auch das ergibt sich aus dem ersten Band. In Doktor Brändlis Haus kann alles sprechen – das Sofa, der Schimmel an der Wand, selbst die dicke Luft im Keller. Ab und zu lass ich einen Statisten zu Wort kommen.

Den Piratenjargon, den hast Du echt verdammt gut eingefangen.
Der Pirat war meine persönliche Motivation für die Geschichte und ich muss sagen, Rotschulter und auch Kaka sind während des Schreibens so lebendig geworden, dass ich mir überlege, sie ab und zu in die Geschichten einzubauen. So ein Pirat muss sich an keine Etikette halten, der darf sagen, was er will. Das macht Spass.

Dem Joghurt nach zu urteilen, das sie über sich verteilt hatten, mussten sie sich alle drei besonders intensiv zu schätzen gewusst haben.
An manchen Stellen finde ich es ein bisschen zu sehr um die Ecke. Das ist eine davon.
Verstehe. Das ist zuviel. Ich mag diese umständlichen Formulierungen zwischendurch, aber für Kindergeschichten sind sie wohl gar gewagt. Ist geändert.

Schönes Ende.
Danke. Ich mag es auch. Es ist ein schönes Gefühl, wenn einem als Autor beim Lesen der eigenen Schreibe ein Lächeln übers Gesicht huscht. Das war bei diesem Schluss der Fall. Das klingt vielleicht etwas überheblich, ist aber nicht so gemeint. Ich denke, du weisst, wie ich das meine.

Ich würde mir aber wünschen zu erfahren, wer Tiger und Latz sind und wer Doktor Brändli, denn die bleiben leider alle blass. Sie dienen mehr als Stichwortgeber, denn als echte Figuren mit eigenen Interessen.
Hm. Darauf bin ich schon eingegangen. Es würde mich sehr interessieren, ob du dasselbe schreiben würdest, wenn du die anderen Geschichten auch kennst. Die ganze WG existiert schon länger. Der Pirat ist neu. Deswegen kriegt er auch das Gewicht.

Die Idee mit den Joghurt-Kreuzen finde ich okay, aber als Auflösung zu schwach. Ich war etwas enttäuscht, dass es nach der fantasievollen Vorarbeit keine wirkliche Schatzsuche wird. Ich fühle mich etwas um das Abenteuer betrogen, weißt?
Hier machst du es mir echt schwer, linktofink. Ich verstehe, was du meinst. Die Art, wie sich die Geschichte entwickelt hat, mag das, was du schreibst auch noch stützen, denn wie gesagt, war anfangs nur der Pirat in meinem Kopf. Der Rest des Plots hat sich während dem Schreiben entwickelt. Auch die Auflösung. Dementsprechend könnte es gut sein, dass diese Entwicklung für den Leser spürbar ist und ihn enttäsucht - was ich natürlich nicht will. Andererseits bildet jede Geschichte der Serie einen Tag im Leben der WG ab. Eine richtige Schatzsuche mit allem Drum und Dran triebe mich wohl von der Kurzgeschichte hinweg Richtung Novelle, oder? Vielleicht seh ich das auch zu eng …

Nochmals herzlichen Dank für deine sehr geschätzten Inputs. Ich kreuze sie mit Zitronenjoghurt an.

Lg
snif

@svg : bin gerade ziemlich unter Strom, aber melde mich bald ...
 
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Hoy snif, nochmal ein kurzer return.
Ich liebe solche neuen Wortschöpfungen. Auch hier besteht akute Gefahr, dass ich es übertreibe.
Finde ich nicht, ein Pirat darf laut werden und so richtig auf die Kacke hauen. Du sagst es selber
So ein Pirat muss sich an keine Etikette halten, der darf sagen, was er will. Das macht Spass.
genau! Für mich bist du entfernt davon, zu überziehen.

Der Küchentisch hatte alles über sich ergehen lassen und meinte nur: «Wow. Coole Tattoos.»
Huuuch, jetzt fängt der Tisch das Reden an? Coole Idee mit den Tattoos.
Auch das ergibt sich aus dem ersten Band. In Doktor Brändlis Haus kann alles sprechen – das Sofa, der Schimmel an der Wand, selbst die dicke Luft im Keller. Ab und zu lass ich einen Statisten zu Wort kommen.
Ich hab den bestellt. Wenn ich aus dem Urlaub zurückkomme, werde ich ihn mir reinziehen. Dann wird es hoffentlich klarer. :D

Hier machst du es mir echt schwer, linktofink. Ich verstehe, was du meinst. Die Art, wie sich die Geschichte entwickelt hat, mag das, was du schreibst auch noch stützen, denn wie gesagt, war anfangs nur der Pirat in meinem Kopf. Der Rest des Plots hat sich während dem Schreiben entwickelt. Auch die Auflösung. Dementsprechend könnte es gut sein, dass diese Entwicklung für den Leser spürbar ist und ihn enttäsucht - was ich natürlich nicht will. Andererseits bildet jede Geschichte der Serie einen Tag im Leben der WG ab. Eine richtige Schatzsuche mit allem Drum und Dran triebe mich wohl von der Kurzgeschichte hinweg zur Novelle, oder? Vielleicht seh ich das auch zu eng …
so weit würde ich gar nicht ausholen. Das muss keine Schatzinsel 2 werden. ich dachte an sowas wie eine Klappe im Keller, die sie finden, weil sie die Karte, die auf dem Kopf steht, einmal umdrehen. Und tatsächlich ist darunter ein geheimer Raum, von dem niemand wusste und darin steht zum Beispiel eine lange Kiste und als sie die öffnen, befindet sich darin das Skelett eines Piraten und auf der Schulter das Skelett eines kleinen Papageis. Und das Piratenskelett hält einen wunderschönen Piratensäbel und der Papagei schöne Ringe für die Papageienfüße. Und dann explodieren die beiden in eine Freudenkanonade, die das Haus zum beben bringt. Und Tiger und Latz und Dr. Brändli bekommen eine Einladung auf das Piratenschiff. Nur mal so gesponnen, um zu zeigen, dass es örtlich und zeitlich auch problemlos passend gehen würde. Aber ich will dir nicht deine Geschichte zusenfen. Die Krümel waren ja auch mit der jetzigen Auflösung glücklich, also alles gut. :Pfeif:

Tschau und Peace, linktofink
 
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Hey @svg

Allen svg’s schon hier mal wieder einen herzlichen Dank, dass ihr euch mit der Geschichte befasst habt. Für dich gilt selbstverständlich auch, was ich linktofink schon geschrieben habe: Hau voll rein mit Kritik, ich will lernen.

Mir und meinen beiden Krümeln gefiel es ausgezeichnet. Ich mag einfach deine Art zu schreiben, deine Figuren und die Art, wie sie miteinander agieren. Ganz große Vorlese-Kino!
Bedeutet mir viel. 😊 Danke auch deinen Krümeln.

Er tastete seine Matratze ab. Es war immer noch die gleiche. Die alte, weiche.
Diesen Einschub mag ich voll. Das macht den Text gemütlich.
Ich habe diese Passage nach Anregung von linktofink noch etwas verflüssigt. Hoffentlich ist sie jetzt nicht so gemütlich, dass man einschläft.

Ach, und noch so ein tolles Bild. Der Joghurt-Mampf-Lärm
*grins. Du kennst das. Alle Schweigen am Frühstücktisch und man hört das Schaben der Löffel in den Bechern. Hat etwas Friedliches.

Zerzauster Bart. Fette Warze am Kinn. Gestreifter Pulli. Blau-weiss und viel zu eng. Mit dezenten Joghurtspritzern auf dem dicken Bauch. Säbel links im Gurt. Rechts die Pistole. Schwarze Hochwasserhosen. Links der Stiefel. Rechts das Holzbein.
Ich mag die Art, wie du den Piraten beschreibst. Es war mir nur ein bisschen zu stakkatoartig. Mit den fetten Änderungen wäre es ein bisschen abgemildert
Ich haben deinen Vorschlag übernommen und versucht, noch mehr Stakkato rauszunehmen.

Tiger richtete den Löffel inzwischen gedankenversunken auf den Papagei: «Der Vogel, … der trägt eine Windel. Der hat nicht gekackt.»
«Ne. Das war keine Kacke. Das war …» Der Latz warf den Löffel in die Höhe, fing ihn stilsicher und grinste. «... ich. Das ging voll ins Auge. Zumindest auf die Augenklappe.»
Würde ich streichen. Das haste du vorher schon erwähnt und schwächt den triumphalen Spruch des Latz's ab.
Ja. Ich verstehe. Irgendetwas hat mich auch gestört hier. Einerseits gefällt es mir, dass Tiger beim Papagei mit der Windel fasziniert hängenbleibt, aber andererseits ist es doch eine Verdoppelung. Ich geh da nochmals drüber.

Aber der Latz war noch nicht zufrieden: «Warum heisst du denn Rotschulter und nicht Graubart, oder sowas? Deine Schulter ist nicht rot. Die ist blau-weiss.» Der Latz schaute sich um. Er fand seine Frage smart.
Smart stört mich hier. Unheimlich clever bzw. scharfsinnig gefiele mir besser. Aber eventuell ist smart in der Schweiz einfach geläufiger. Hier sagt es eigentlich niemand.
Habe ich auch geändert. Linktofink hat das auch erwähnt.

Schwimmhilfe . Eine Beleidigung, die ich mir merken muss.
Ist mein Lieblingsschimpfwort in der Geschichte. :-D

«Den hast du schon längst», konterte der Latz.
«Wo?» Tiger schaute aufgeregt um sich.
genau mein Humor
Alle, die einen Vogel haben, möchten gern einen solchen Vogel, oder? 😉

Der Küchentisch hatte alles über sich ergehen lassen und meinte nur: «Wow. Coole Tattoos.»
Kein Witz: Ich lese das vor und denke: Snif wird doch jetzt nicht den Küchentisch... und doch: er wird...
*lach … du kennst die Geschichten schon gut. Schreib ruhig auch mal eine. Wow, das wär spannend … 😊

Dasselbe tat er mit dem Latz, dem plötzlich die Augen ganz furchtbar zu brennen begannen, wie er meinte.
Schöne Stelle. Aber nur ein Beispiel, weil soooo viele schöne Stellen.
Danke.

Dabei grinste er seltsam. Und alle grinsten mit.
Gilt auch für Familie svg!!!
Schön euch zum Grinsen gebracht zu haben.

Warum veröffentlichen die eigentlich Conny statt so etwas?
Jölchen klingt eh abenteuerlicher als Conny. Ein bisschen Konkurrenz würde der Conny mehr als guttun.

P.S.: Habe gerade deinen Dr. Brändli-Geschichtenband im Selbstverlag entdeckt und direkt bestellt. Freue mich echt wie ein kleines Kind darauf. Warum sagst du denn nichts darüber, snif ...
Hier noch was zu dem Band. @svg @linktofink:
Ich wollte den Band hier eigentlich nicht bewerben. Ich denke nur, man versteht die Geschichten im Zusammenhang besser. Ich habe noch ein paar Exemplare zu Hause, die ich gerne verschenke. Also, falls ihr noch nicht bestellt habt, schreibt mich an. Und noch was dazu: Bitte denkt beim Lesen daran, dass das mein erstes Kind war. Ich habe es nicht neun Monate ausgetragen, sondern eher nach neun Wochen rausgepresst. Die Illustrationen sind grottenschlecht und es enthält teilweise noch massiv zu viel Moralinsäure. Aber ich wollte es unbedingt auf einen Termin fertigstellen, … und das merkt man leider auch. Die Ansprüche wachsen nach und nach. Das wollte ich einfach noch loswerden …

Aaahaaaa. Doch einen kleinen Kritikpunkt gefunden. Eigentlich ist Dr. Brändli für den Titel viel zu sehr Nebenfigur. Ha! Jetzt habe ich es dir aber gegeben!!!
Stimmt. Doktor Brändli ist zwar eher der ruhige Typ. Aber dennoch fehlt hier in der Geschichte, dass er alle Fäden in den Händen hält. Darüber denke ich noch nach …

Es macht echt Spass, an der Schreibe zu arbeiten. Deswegen nochmals herzlichen Dank, dass ihr euch so damit auseinandersetzt. Das schätze ich sehr. Markier auch deine Familie mit einem Zitronenjoghurt-X. 😊

lg snif
 
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Ich habe noch ein paar Exemplare zu Hause, die ich gerne verschenke. Also, falls ihr noch nicht bestellt habt, schreibt mich an.
Liegt schon zuhause, lieber snif, und wartet darauf, dass ich es zerpfl, mit Genuss lese.
Peace, :D
 
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:D @linktofink ... dann kriegst du eben den zweiten Band geschenkt, falls es den Mal geben sollte :cool: gruess snif
 
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Hey @snif,

endlich Regen! Nicht nur für die Natur, sondern auch für mich gut, weil ich so wieder drinne hocke und endlich mal kommentieren komme. Gelesen habe ich Doktor Brändli und Co natürlich schon längst.

Als hätte er in einem Wasserbett zusammen mit einer aufgedrehten Horde wild umherhüpfender Affen geschlafen.

Was für ein schöner Vergleich. Mir wird selbst ganz übel, allein der Vorstellung wegen.
Gerade als sich Doktor Brändli über diesen Frieden zu freuen begann, trat jemand von aussen wuchtig gegen die Flügel der Küchenfenster. Sie flogen auf und jemand schrie mit grausigem Gejaule: «Heyho! Auf den Boden, ihr elenden Landratten! Alle Mann klar zum Enteeerrrn!!!»
Doktor Brändli schaute um sich.
Ich sehe ein, dass es die jemandse braucht, aber schön sind se nich.
Und sehr schöne Gefahr!

Tiger schreckte auf und streckte dem Eindringling mit grossen Augen seinen Löffel entgegen. Als hätte er einen Degen in der Hand.
Tiger ist so geil!

Er wandte sich dem bunten Gefieder auf seiner Schulter zu und fragte: «Hast du mir jetzt gerade aufs Auge gekackt?»
Bin mir sicher, die Kinder freuen sich jetzt nen Keks oder einen Scheißerchen.

«Normalerweise – das heisst, bevor jemand in diesem Haus zum Küchenfenster eindringt, was sowieso eher ungewöhnlich ist …» - Doktor Brändli konnte sich an dieser Stelle einen scharfen Blick nicht verkneifen - « …stellt er sich erst vor.»
Ich mag, dass keiner von den Dreien da die Ruhe verliert. Kommt halt so ein Typ daher, gefährlich und schrecklich wie sonst was und die drei so: Aha. Nice!

Rotschulter humpelte herum. «Das muss so sein! Sonst kackt er mir die ganze Schulter voll.» Er warf die Arme hoch. «Ich kann mir als Käpt’n Rotschulter keine weiss verkackten Schultern leisten.»
Das klang logisch.
Absolut.

Der Latz schaute sich um. Er fühlte sich gerade unglaublich weise.
Tut der das nicht immer? Ich dachte das wäre sein Naturell.

«Roter Bart unter roter Schulter?» Der Latz ahnte etwas. «Kann es sein, dass …?»
Der Pirat presste seine Oberarme an den Körper.
«… dass unter deinen Armen …», setzte der Latz nach und grinste.
Weiß nicht, ob die Kids das so erfassen, aber ich fand es auch irgendwie eher lau. Ist aber sicher Geschmack.

«Ach, was rede ich mit euch Seeteddybären. Schrubbt das Deck! Aber blitzblank! Ich muss mich jetzt um den Schatz kümmern.»
Das ist so herrlich absurd.

«Was denn sonst, du Schwimmhilfe», knurrte der Pirat.
Aber Fluchen kann der Käpt'n herrlich. Ganz wunderbar!

«Ich will auch so einen Vogel.» Tiger genoss es sichtlich.
Ich auch!

«Den hast du schon längst», konterte der Latz.
«Wo?» Tiger schaute aufgeregt um sich.
Ja, diese typischen Latz-Tiger-Gespräche - ich bin da so ein Fan von.

Doktor Brändli sinnierte über der Karte. «Und wie kommst du darauf, dass das rote Kreuz meine Küche sein soll?»
Käpt’n Rotschulter zuckte mit den Schultern. Er schob die Karte beiseite, hob sein Holzbein, schraubte das untere Teil ab, klaubte daraus einen Dolch und kratzte ein grosses, tiefes X in Doktor Brändlis Küchentisch. «Deswegen», ...
:lol:

Der Latz eilte herbei und kochte. «Hast du nicht mehr alle Blechtassen in deinem Kajütenschrank, du … du Süsswasserpaddler? Was fällt dir ein, den Tisch zu ruinieren?»
«Krieg dich ein, Frottee-Seesack, der ist nicht ruiniert, nur zerkratzt.»
Was die schön löffeln, äh belöffeln können.

«Klingt logisch.» Tiger hatte mitgehört.
Ach Tiger - was habe ich dich gern.

Der Latz war ausser sich und rang nach Luft. «Küchentischmörder!», schrie er.
:lol:

Der Küchentisch hatte alles über sich ergehen lassen und meinte nur: «Wow. Coole Tattoos.»
Und gleich noch einen drauf!

Der Pirat stützte sich mit beiden Ellbogen auf den Küchentisch. «Wir sind seit Generationen keine echten Schatzsucher mehr. Wenn uns etwas gefällt, markieren wir es einfach mit einem X und tun so, als wäre es der Schatz auf der Schatzkarte», seufzte der Käpt’n.
Ja, ist natürlich eine Auflösung, aber auch die, in der am wenigsten Abenteuer drin steckt.

Doktor Brändli wusste gar nicht, dass er so viele Schätze im Haus hatte.
Ja, so läuft das dann. Ich finde diese ganze Schimpftirade ja göttlich, aber die Geschicte darunter ist doch recht flach. Böser, schlimmer Pirat steht in Küche, Wortgefechte, Friede und Freude und Eierkuchen und Schätze ohne Ende. Liest sich super, witzig, aber spannend ist nicht. Nun gut, auch Lachen ist schön.

Tiger, der Latz und Kaka kehrten nach ausgiebigem Toben an den Küchentisch zurück. Total mit Joghurt verkleckst. So sehr haben sie sich gegenseitig geschätzt.
Schönes Wortspiel.

Er und Doktor Brändli hatten in der Zwischenzeit muntere Geschichten aus Seegarn gestrickt.
Sprachlich auch sehr schön gemacht.


Ich hatte auf jeden Fall Spaß!
Beste Grüße, Fliege
 
Senior
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12.04.2007
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Er [Käpt‘n Rotschulter] und Doktor Brändli hatten in der Zwischenzeit muntere Geschichten aus Seegarn gestrickt.

Mir war gerade, als wärestu,

lieber Snif,

schon eine kleine Ewigkeit hierorts, so vertraut kommen mir Brändli, pardon, Dr. Brändli (so viel Zeit muss sein) und seine anarchischen Konsorten vor – und bin doch tatsächlich da ins (gesponnene) Garn gelaufen und muss verblüfft den 13. Monat erkennen.

Watte Zeit verweht, grausam, aber allemal besser als (sich) lange weilen müssen. Und weil ich gleich raus muss für die K-Oten schnelle Flusenlese

Seine Träume hatten ihn die ganze Nacht hin und her geworfen.
Mutmaßlich „hin- und herwerfen“

Ausser dem Vogelgezwitscher, das durch das offene Fenster hineindrang, und dem Joghurt.
Unnötige Doppelung, wenngleich in unterschiedlicher Funktion als Pronomen und Artikel, vllt „durchs offene Fenster“?

Doktor Brändli schaute um sich.
Gewöhnungsbedürftige Stellung der Präposition als Erstglied, wenn man für gewöhnlich sich um-schaut. Bedeutet wahrscheinlich mehr, dass man um sich herumschaut – also einen geschlossenen Kreis bildet, statt nur rechts und links nebst geradeaus nur einen Halbkreis ...

Besser „nee“, lautmalerisch unterschieden im [nə ] und [ne:] ...

Rotschulter griff in seinen Pulli zwischen seine Brusthaare und holte eine vergilbte Karte hervor.
Warum zweimal „sein“? Rotschulter hat bestimmt keine Bange um Besitzständ, also warum „seinen … seine“ – in wessen Brusthaar kann er schon in seinem Pulli greifen – außer Frl. Grinsekatze trüge eben den Pulli Rotschulters.

Der Latz schaute kurz zu Tiger, griff sich an die Nase, dann an die Haare, dann wieder an die Nase und machte eine lange Bewegung nach unten.
An den Kopf oder die Stirn oder (auf den Kopf und) „ins Haar“
... und bevor die linke Faust des Piraten auf seiner rechten Schulter landete, flog der Papagei weg...
wer hat das eine so breite Schulter, dass eine eines Piraten angemessen große Faust darauf landen könnte?
Aber trägt der kleinste wie der größte Vogel überhaupt „Schulter“? Selbst der Condor kann nix „schultern“. Unser tapferer Freund Nils, der Sohn vom Holger – den kennstu bestimmt – sitzt schlicht auf einem Gänserücken (fast hätt ich schelmisch "Braten" geschrieben ...)

«Was denn?»[,]brummte Käpt’n Rotschulter.

Sehr gerne gelesen vom

Friedel,
der noch ein schönes Wochenende wünscht
 

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