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Drei Häschen

AWM

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Drei Häschen

Als Simon die Treppe hinunterging, hörte er Mama in der Stube telefonieren und blieb stehen. Er legte die rechte Hand an die Brust und setzte sich auf eine Stufe, hielt die Luft an und beobachtete, wie die Balken an der Decke zu verschwimmen begannen. Dann schürzte er die Oberlippe, bis sie die Nasenspitze berührte und achtete auf den Atem, der an der Lippe kitzelte. Er nannte das „Schnurrbart machen“. Schnurrbärte waren etwas für Männer und die weinten nicht.
So saß er da und atmete tief ein und aus und bald pochte das Herz nicht mehr so stark und die Balken hörten auf zu verschwimmen. Mama machte die Tür der Stube auf und trat in den Flur. Ihre Augen waren glasig. Sie fuhr sich durchs Haar, legte den Hörer in die Halterung auf der Kommode und dann machte sie: „Puh.“ Es war ein hohes und bebendes „Puh.“
„Mama?“
Mama drehte sich herum, wischte sich mit dem Handrücken übers Gesicht und lächelte. „Lass das doch mit deinem Tick“, sagte sie und Simon hörte auf, die Oberlippe zu schürzen. „Papa geht es nicht gut. Du musst heute wieder ein großer Bub sein, okay?“

Simon hängte die Heugabel zurück an den Haken, strich Stroh von der Latzhose und ging aus dem Kuhstall. Da sah er Kater Aaron in die Hofeinfahrt schleichen. Mit seinem buschigen Schwanz streifte er die Pfosten des Holzzauns und das eigentlich weiße Fell an seinem Maul war rot.
„Wo Aaron ist, ist der Tod nicht weit“, hatte Mama einmal gesagt und gelacht, als sie einen toten Spatz von der Terrasse kehrte. Aber seit Papa im Krankenhaus war, achtete Simon pingelig darauf, dass der Kater keine Pfote in den Hof setzte.
„Mach, dass du wegkommst“, rief Simon. Er nahm eine Handvoll Splitt vom Hof, warf sie nach Aaron und der Kater fauchte und rannte davon.
Dann holte Simon den Eimer mit dem Hasenfutter. Der riesige Eimer polterte mit jedem Schritt gegen sein rechtes Knie und die Kartoffelschalen und Brotrinden hüpften gegen das Plastik. Auf dem Weg zum Hasenstall blieb er an der Rutsche hinterm Haus stehen. Das Metall war stumpf geworden und die rote Farbe löste sich in handgroßen Blättern von den Geländern. Simon erinnerte sich an das Gefühl, als Papa mit der Rutsche auf dem Anhänger in den Hof getuckert war und er beim Aufbauen helfen durfte. Wegen der Rutsche war mächtig was los gewesen. Tim, Peter und sogar Luisa waren gekommen. Zusammen rutschten sie herunter und kraxelten wieder hinauf und lachten, bis sie sich die Bäuche hielten und die Mücken in Wolken vor dem roten Abendhimmel flirrten. Simon schürzte die Oberlippe und ging zum Hasenstall.

Er öffnete das Scharnier, griff in den Futtereimer und legte Schalen und Brotrinde in die Tontöpfe. Marta und Sven hoppelten heran und gaben den Blick auf ihre Babys frei. Die drei Häschen hatten sich im linken hinteren Eck zusammengekuschelt. Simon steckte seinen Arm in den Stall und senkte vorsichtig die Hand, bis sie das Fell der Häschen berührte. Er spürte die Wärme, das schnelle Atmen und die kleinen Wirbelsäulen.
„Hab gehört, ihr habt Hasenbabys.“
Simon zuckte zusammen, zog die Hand heraus und drehte sich um. Luisa und Peter standen im Hof und Peter hielt Luisas Hand.
„Hallo“, sagte Luisa.
„Hallo“, sagte Simon.
„Habt ihr oder habt ihr nicht?“, fragte Peter.
„Eine Woche alt“, sagte Simon.
Luisa und Peter schoben sich vor die Öffnung des Stalls.
„Süß!“, kiekste Luisa.
„Hol sie mal raus“, sagte Peter.
„Lieber nicht“, sagte Simon.
Peter zuckte mit den Schultern und hob die Augenbrauen.
„Die sind noch ganz empfindlich. Müssen noch paar Wochen bei ihren Eltern bleiben.“
„Sagt wer?“ Peter schaute im Hof herum und ließ seinen Blick auf der leeren Garage ruhen, deren Tore Simons Mutter offen hatte stehen lassen.
„Lass ihn“, sagte Luisa. „Gehen wir den Staudamm weiterbauen.“ Luisa nahm Peter am Handgelenk. Die beiden drehten sich um und Simon spürte einen Stich in der Brust.
„Wartet!“

Simon, Luisa und Peter saßen neben der Rutsche auf dem Rasen, der herrlich weich war und schauten die Häschen an. Simon hatte sie in einen von Mamas Schuhkartons gelegt. Luisa nahm eines heraus. Es war das schönste, fand Simon. Es hatte weißes Fell und einen braunen Fleck auf dem linken und einen schwarzen Fleck auf dem rechten Auge. Und weil es das schönste war, hatte es Simon Luisa genannt. Das wusste die richtige Luisa natürlich nicht. Sie legte das Häschen in ihren Schoß und strich über das Fell und Simon konnte nicht genug davon bekommen zuzusehen, wie Luisa ihre Namensvetterin streichelte.
„Was ist?“, fragte Luisa.
„Nichts.“ Simon nahm schnell ein Häschen aus dem Karton – Michel – und legte es in seinen Schoß. Er spürte die Krallen durch den Stoff der Latzhose und strich über das schwarze Fell, das von der Nachmittagssonne ganz warm war. Simon legte den Zeigefinger hinter Michels linkes Ohr und drückte leicht dagegen. Das fühlte sich zart an und die Sonnenstrahlen machten das Ohr fast durchsichtig und hellrosa und Simon konnte den Umriss seines Zeigefingers sehen.
„Langweilig!“, rief Peter. Er riss ein Büschel aus dem Rasen und warf es neben sich, wo schon ein richtiger kleiner Grashaufen war. „Bauen wir jetzt noch den Staudamm, oder was?“
Luisa legte Luisa zurück in den Karton und stand auf.
„Wollen wir nicht noch rutschen?“, platzte es aus Simon heraus.
Peter lachte. „Seh´ ich aus wie …“ Er hielt inne und biss auf dem Inneren seiner Backe herum. „Wobei.“
Simon mochte es gar nicht, wenn Peter so grinste. Und schon war Peter beim Karton und griff Michel.
„Warte mal“, rief Simon. Aber Peter saß längst oben auf der Rutsche und hatte das Häschen im Schoß und trommelte mit den Fersen auf dem Metall herum.
„Achtung, Achtung!“, rief er. „Weltneuheit. Ich präsentiere: die Hasenrutsche!“
Luisa lachte und strich sich eine Locke von der Nase und Peter pfiff und rutschte herunter, das Häschen im Schoß, und als seine Füße den Boden berührten, ließ er das Pfeifen in ein „Bumm“ übergehen, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Luisa rannte zum Karton, hob ihre Namensvetterin heraus und stieg die Leiter der Rutsche hinauf.
„Darf ich es einmal alleine rutschen lassen?“, fragte sie.
„Ach komm. Der Rasen ist doch weich“, sagte Peter.
Der Rasen ist wirklich weich, dachte Simon. Aber zur Sicherheit ging er vor der Rutsche in die Hocke, ballte eine Faust und drückte gegen den Boden.
„Einmal“, sagte Simon und ärgerte sich, weil sich sein „einmal“ anhörte wie das seiner Mama.
Luisa lächelte. Sie umschloss das Häschen mit beiden Händen, schob es über die Wölbung der Rutsche und ließ los. Es schlittere mit einem Mordstempo herunter und plumpste ins Gras und hoppelte im Kreis herum, dass die Ohren schlackerten. Simon musste lachen. Peter boxte ihn auf die Schulter und grinste. Aber dieses Mal war es kein fieses Grinsen. Und dann rutsche Luisa herunter, ihre blonden Locken wirbelten nur so herum und sie nahm den Schwung der Rutsche mit und fiel Simon und Peter in die Arme.
Und dann ließen sie Elisabeth rutschen, danach war wieder Michel an der Reihe und schließlich ging es mit Luisa von vorne los. Und Simon passte auf, dass nichts passierte und nur ganz manchmal streifte ein Häschen die Begrenzung der Rutsche und nur ganz manchmal landete eines nicht auf den Pfoten, sondern auf dem Rücken oder auf der Seite auf dem Rasen, der ganz weich war. Und sie lachten, bis sie sich die Bäuche hielten. Und als die Mücken in Wolken vor dem roten Abendhimmel flirrten, legten sie die Häschen in den Karton, wo sie sich zusammenkuschelten.
„Magst du morgen mitkommen, Staudamm bauen?“, fragte Luisa.
„Ich muss meiner Mama ...“
„Schon gut“, unterbrach ihn Peter. „Wäre trotzdem toll, wenn du mitkommst.“

Als Luisa und Peter gegangen waren, setzte sich Simon auf die Rutsche und ließ sich zurückfallen. Das Metall war so warm an seinem Rücken, dass Simon eine Gänsehaut bekam und wie er da so lag, merkte er, dass er den ganzen Nachmittag nicht an Papa gedacht hatte. Aber ehe er darüber nachdenken konnte, ob das gut oder schlecht war, sah er Kater Aaron um die Hausecke schleichen.
Simon sprang auf, schob die Handflächen unter den Karton mit den Häschen und hob ihn auf.
„Gehst du weg“, zischte Simon. Aber Aaron ging nicht weg. Er setzte sich und starrte Simon mit seinen gelben Augen an. Simon stampfte nach vorne und machte „Zschhh“. Da kullerte etwas im Karton und Simon sah hinein. Luisa lag auf der Seite, die Augen milchig, die Öhrchen schnurgerade in den Nacken gelegt. Er schüttelte den Karton: Auch Michel und Elisabeth rührten sich nicht. Simon spürte das Gewicht der kleinen Körper auf den Handflächen.
Er zählte bis drei. Dann schürzte er die Oberlippe, bis sie die Nasenspitze berührte und achtete auf den Atem. Es kitzelte an der Oberlippe und schmeckte salzig und als er den Splitt im Hof unter Autoreifen knistern hörte, tropfte es vom Kinn und fiel in das Fell von Luisa, Michel und Elisabeth.

 
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Moin @AWM,

ich bin hin und her gerissen. Es ist eine einfache, kurze Geschichte, die mich schlussendlich emotional berührt hat. Das Ende sieht man kommen, aber gerade das ist gut, da sieht man den Zug sozusagen auf die Klippe zufahren; das hat auch was.

Allerdings versprichst du dem Leser im ersten Absatz etwas anderes, als du dann in den kommenden Absätzen ablieferst und dadurch hatte ich als Leser das Gefühl, du hättest dich auf halbem Weg verlaufen.

„Papa geht es nicht gut. Du musst heute wieder ein großer Bub sein, okay?“
Das lässt mich denken, in der Geschichte ginge es um den Vater und darum, dass Simon nun erwachsen sein muss. Und thematisch ist das ja auch so und der Vater wird auch kurz erwähnt, aber trotzdem fühlt sich alles ab dem zweiten Absatz irgendwie wie eine andere Geschichte an. Da fehlen Verbindungsstücke. Oder man lässt die Verbindungsstücke sein und nimmt den Anfang raus, schreibt nur die "zweite" Geschichte, die hier drin ist.

Aber wie gesagt, trotzdem hat die Geschichte mich berührt. Ich finde aber eben, dass man da noch an ein paar Schrauben drehen muss, um das volle Potential zu entfalten :D.

Noch ein paar sprachliche Sachen:

Sein Herzschlag wummerte vom Handgelenk bis in die Armbeuge.
Ich mag das Wort nicht, klingt irgendwie ... künstlich und unpassend.

Mama machte die Türe der Stube auf und trat in den Flur.
Warum Türe? Das klingt so übertrieben poetisch und aus einer anderen Zeit. Als hätte Goethe höchstselbst ein einzelnes Wort zu dem Text beigetragen.

Sie fuhr sich durchs Haar und legte den Hörer in die Halterung auf der Kommode. Mama ließ ihre Arme fallen, die Hände schlenkerten gegen den Stoff ihres Blumenkleides und dann machte sie:
Hier wirkt es, als wären Sie und Mama zwei unterschiedliche Personen. Und die Aufzählung wird irgendwie ungünstig unterbrochen. Du wolltest wahrscheinlich nen Bandwurmsatz vermeiden, aber vielleicht kriegst du das auch noch schöner hin.

Mit seinem buschigen Schwanz streifte er die Pfosten des Holzzauns
unnötiges Adjektiv, m.E.

Er nahm eine Handvoll Splitt vom Hof, warf sie nach Aaron und der Kater fauchte und rannte davon.
Ich hab ja so ein Faible für diese doppelten oder dreifachen Und-Konstruktionen, aber ich finde du übertreibst damit gelegentlich ein bisschen. Hier würde ich nach Aaron z.B. ein ; setzen und dann mit der Kater weitermachen. (Dann könnten m.E. alle anderen derartigen Konstruktionen im Text bleiben.)

„Süß!“, kiekste Luisa.
Noch nie gehört, aber süßes Wort. Das notier' ich mir :).

„Hol sie mal raus“, sagte Peter.
„Lieber nicht“, sagte Simon.
Peter zuckte mit den Schultern und hob die Augenbrauen.
„Die sind noch ganz empfindlich. Müssen noch paar Wochen bei ihren Eltern bleiben“, sagte Simon.
Sagt wer?“
Sagen ist ja so ein "stummes" Wort, das man ruhig häufiger benutzen kann, weil der Leser es einfach überließt, aber hier wird's mir dann doch etwas zu viel, besonders weil die sagtes so schnell aufeinanderfolgen.

Simon, Luisa und Peter saßen neben der Rutsche auf dem Rasen, der herrlich weich war und schauten die Häschen an. Simon hatte sie in einen von Mamas Schuhkartons gelegt. Luisa nahm eines heraus. Es war das schönste, fand Simon. Es hatte weißes Fell und einen braunen Fleck auf dem linken und einen schwarzen Fleck auf dem rechten Auge. Und weil es das schönste war, hatte es Simon Luisa genannt. Das wusste die richtige Luisa natürlich nicht. Sie legte das Häschen in ihren Schoß und strich über das Fell und Simon konnte nicht genug davon bekommen, zuzusehen, wie Luisa ihre Namensvetterin streichelte.
„Was ist?“, fragte Luisa.
„Nichts.“ Simon nahm schnell ein Häschen aus dem Karton – Michel – und legte es in seinen Schoß. Er spürte die Krallen durch den Stoff der Latzhose und strich über das schwarze Fell, das von der Nachmittagssonne ganz warm war. Simon legte den Zeigefinger hinter Michels linkes Ohr und drückte leicht dagegen. Das fühlte sich zart an und die Sonnenstrahlen machten das Ohr fast durchsichtig und hellrosa und Simon konnte den Umriss seines Zeigefingers sehen.
Wie heißt er nochmal? - Fällt mir auch im sonstigen Text auf, manchmal kannst du Namen streichen. Man muss dafür vielleicht etwas umbauen, so satztechnisch, damit immer klar wird um wen es gerade geht, aber hier wird mir der liebe Simon doch arg zum Stolperstein. Oder vielleicht habe ich mir das dann irgendwann angefangen einzubilden? Hmm. Jetzt kann ich zumindest nicht mehr nicht stolpern, sorry.

(An dieser Stelle habe ich mich dann übrigens die ganze Zeit gefragt, was das alles jetzt eigentlich mit dem Anfang zu tun hat. In manchen Geschichten ist so eine Frage gut, weil sie zum weiterlesen animiert, aber in dem Fall war es irgendwie eine unangenehme Neugierde, mehr ein Zweifeln am Autor. Vielleicht liegt das aber daran, dass dies der erste Text ist, den ich von dir lese (bin noch recht neu hier, nach langer Pause). Ich hatte da vielleicht noch nicht so viel vertrauen in deine Schreibkünste wie andere, die schon mehr von dir kennen.)

Naja und das Ende war dann großartig geschrieben. So traurig :(.

Um ein Fazit zu ziehen: Die Geschichte ist toll. Nicht sonderlich komplex oder super herausragend, aber das muss und kann ja auch nicht jede Geschichte sein. Allerdings müsstest du am Einstieg noch etwas arbeiten, sodass der Leser nicht das Gefühl kriegt, du wärst an irgendeiner Stelle falsch abgebogen. Das ist nie ein gutes Gefühl.

Sehr gern gelesen,
Manfred

 
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Hey @AWM ,

ein kurzer Rundumschlag. Mit hat das gut gefallen. Ich mag die gelbe Blume und die drei Häschen auch. Übrigens: Ostern? Die Atmosphäre ist dir nach einem etwas ruckeligen Start gut gelungen. Ist ein Analogon zur gelben Blume. Die Figurenkonstellation, die Motive der Figuren. Das Dabeiseinwollen, die Bosheit, das Mitlaufen.

Sein Herzschlag wummerte vom Handgelenk bis in die Armbeuge

Ich habe hier innerlich gestoppt und mich gefragt, ob es das so eindeutig braucht oder ob man das nicht auch zum Beispiel mit erlebter Rede machen könnte. Eine Frage, die Simon sich stellt oder so etwas.

bald pochte das Herz nicht mehr so stark

hier ähnlich.

Simon stellte die Heugabel zurück

zu unpräzise, finde ich.

das eigentlich weiße Fell an seinem Maul war bräunlich verfärbt

durch "Heugabel" + "Kuhstall" im Satz davor hatte ich tatsächlich 'dreckverschmiert' vor Augen. Bei meiner Katze damals (zugegeben weiß) war das frisch rot. Katzen putzen sich ja. Oder ich hab da was falsch verstanden und es geht nicht darum, dass das Blut ist.

die rote Farbe löste sich in handgroßen Blättern von den Geländern

schön

Und weil es das schönste war, hatte es Simon Luisa genannt. Das wusste die richtige Luisa natürlich nicht. Sie legte das Häschen in ihren Schoß und strich über das Fell und Simon konnte nicht genug davon bekommen, zuzusehen, wie Luisa ihre Namensvetterin streichelte.

eine schöne Idee. Ich hab hier aber festgestellt, dass ich den Protagonisten sehr jung eingeschätzt habe und dann verwundert war, dass er schon an Mädchen denkt. Aber später habe ich mich das nicht mehr gefragt. Vielleicht könnte da aber im ersten Abschnitt noch ein kleiner Marker sein.

„Einmal“, sagte Simon und ärgerte sich, weil sich sein „einmal“ anhörte wie das seiner Mama.

super

ganz manchmal
ganz manchmal
ganz weich
ganz ruhig

beim ganz manchmal doppelt gehe ich mit. Danach wirkte es auf mich eher versehentlich, selbst wenn es das wahrscheinlich nicht war.

mitkommen Staudamm bauen

mitkommen, Staudamm bauen

machte „Zschhh“; da kullerte etwas im Karton

Finde das Lautmalerische sehr schön. Das Semikolon stört mich hier aber, bringt mich raus aus dem Fluss. Ähnlich das Semikolon am Anfang.

Insgesamt gefällt mir das, wie gesagt. Ich finde die Sprache könnte präziser sein. Ich schreibe da gerne noch ein paar Stellen raus später. Ansonsten mochte ich die Vibes und denke auch, dass die Gelbe Blume und dieser Nachfahre zu deiner schreiberischen Basis gehört (auch wenn du dir in der Zeit auch sehr andere Richtungen erarbeitet hast). Ich freu mich, dass du da auf etwas sehr Starkes rekurrierst. Wäre gerne wieder dabei.

Gruß
Carlo

 
Monster-WG
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Hola @AWM,

eine Häs‘chengeschichte vom Schöpfer der Gelben Blume zur Osterzeit? Muss ich lesen!
Und was ich lese, gefällt mir. Die (lobenswerte) Akribie und Dein Scharfblick für die kleinen Dinge, die kleine Welt von Kindern und Hasenbabys, machen den Text lesenswert:

Simon legte den Zeigefinger hinter Michels linkes Ohr und drückte leicht dagegen. Das fühlte sich zart an und die Sonnenstrahlen machten das Ohr fast durchsichtig und hellrosa und Simon konnte den Umriss seines Zeigefingers sehen.

So viele schöne Details, dass sich meine Befürchtung, schlimmstenfalls eine ziemlich betuliche Kinder & Hasen-Geschichte lesen zu müssen, in Luft auflöste. Gleichzeitig fällt mir ein, dass AWM gute Texte macht. Ergo: Kompliment für diesen Text, immerhin stelle ich mir das schwieriger vor, mit völlig unsensationellem Plot den Leser bei der Stange halten zu können, als wenn Welten auseinanderbrechen.
Oh, halt! Das kommt ja noch! Simons, Luisas und Peters Welt bekommt ja auch einen gewaltigen Knacks durch Aarons Mordlust. Ein gelungener Schlusspunkt. Schade, dass das Gute nicht ohne das Böse sein kann.

Ich hab Deinen Text sehr gern gelesen – einfache Zutaten, meisterlich aufbereitet.
Und schöne Ostern!

José

 
Monster-WG
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Hey AWM

Ich komme mit der Geschichte motivisch nicht ganz klar. Zunächst wird der sterbende Vater etabliert, danach die Katze als Todbringer. Simon schaut, dass sie sich vom Hof fernhält. Anschliessend ein ziemlich harter Bruch, die ganze Sache mit den Hasen, aber im Hinterkopf wissen die Leser natürlich, dass das etwas mit dem Tod des Vaters zu tun haben wird. Simon widmet sich seinem eigenen Glück, denkt den ganzen Nachmittag nicht an seinen Vater. Am Ende ist die Katze da und die Hasen tot, Simon muss, so denke ich, von gewalttigen Schuldgefühlen ergriffen werden. So weit so gut.
Mit stellen sich da zwei Dinge quer. Erstens werden die Hasen (ich bringe es übrigens nicht über die Tastatur, das in Verkleinerungsform zu schreiben, ich hätte die Geschichte wohl auch nicht gelesen, wäre sie nicht von dir) nicht von der Katze als Todbringer getötet, sondern sie erliegen den Strapazen der Rutschbahn. Sehe ich das richtig? Das macht die Sache für mich dramaturgisch unrein. Ich fände es zwingender, wenn Simon, ganz vergessen in seinem Glück, die Katze vergisst, ihr Zutritt lässt und die Katze sich dann die Hasen holt. Simon tötet seinen Vater ja nicht - um es übertrieben zu formulieren - indem er bestimmte Dinge aktiv tut, sondern indem er sich in Gedanken von ihm abwendet, ganz bei sich ist. Es ist ein Töten durch Unterlassen, keine aktive Handlung. Die Hasen in deiner Geschichte werden aber durch Simons Hand aktiv getötet, wenn auch ungewollt. Das empfand ich als nicht so stimmig.
Zweitens kommt da diese Ebene hinzu, dass Simon Dinge tut, die er nicht tun will, um anderen zu gefallen. Das passt nicht unbedingt zum Hauptmotiv. Mir kommt es ingesamt vor, als hättest du zwei Prämissen gehabt und vermischt. Bei der ersten Prämisse steht der Vater im Zentrum, bei der zweiten die Hasen.

1. Die Sorge um das eigene Glück führt zum Leid der anderen.
2. Im Wunsch, anderen zu gefallen, machen wir uns schuldig.

Jetzt kann man natürlich sagen, umso besser für die Geschichte, denn durch die Verquickung wird sie komplexer und reichhaltiger. Aber so habe ich das beim Lesen nicht empfunden. Ich denke, es wäre sinnvoller, eine der beiden Prämissen konsequent auszugestalten und die andere fallen zu lassen. Ich glaube, die Problematik rührt daher, dass diese Prämissen beide sehr stark sind und mit dem gleichen Gewicht im Text erscheinen und dadurch in Konkurrenz zueinander geraten.

Lieber Gruss
Peeperkorn

 

AWM

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Hallo @Manfred Deppi und vielen Dank für deinen Kommentar

Allerdings versprichst du dem Leser im ersten Absatz etwas anderes, als du dann in den kommenden Absätzen ablieferst und dadurch hatte ich als Leser das Gefühl, du hättest dich auf halbem Weg verlaufen.
Ich weiß, was du meinst. Ich denke aber im Moment noch, dass das eher an den Punkten liegt, die Peeperkorn aufgelistet hat und vor allem an Kater Aaron und der Ursache für die toten Hasen. Mehr dazu in meiner Antwort an Peeperkorn.
Das lässt mich denken, in der Geschichte ginge es um den Vater und darum, dass Simon nun erwachsen sein muss. Und thematisch ist das ja auch so und der Vater wird auch kurz erwähnt, aber trotzdem fühlt sich alles ab dem zweiten Absatz irgendwie wie eine andere Geschichte an. Da fehlen Verbindungsstücke. Oder man lässt die Verbindungsstücke sein und nimmt den Anfang raus, schreibt nur die "zweite" Geschichte, die hier drin ist.
Ich sehe das mit dem ersten Absatz nämlich (bisher) nicht ganz so wie du. Der bedingt ja die ganze folgende Geschichte, die Simon durchläuft. Ein Kind, das Verantwortung übertragen bekommt, der es nicht gewachsen ist, weil es eben noch ein Kind ist. Das führt dann zu einer Katastrophe, die vielleicht auch das Ende der Kindheit markiert und vielleicht auch die Freundschaft zu Peter und Luisa auf alle Zeit mit einer Schuld "besudelt".
Der erste Absatz etabliert für mich schon das, um was es geht: das Ende der Kindheit, Verantwortung, der Tod der ins Leben bricht, auch das Bewusstsein, dass es den Tod gibt etc.
Vielleicht ändere ich da aber meine Meinung noch, wenn der Text ein bisschen liegt.
Ich mag das Wort nicht, klingt irgendwie ... künstlich und unpassend.
Muss schauen. Wollte natürlich eine kindliche Sprache nutzen und dachte, da passt wummern. Das ist mir wohl nicht immer so gut gelungen. Auch mit den zu vielen "unds" und "ganz" etc.
Warum Türe? Das klingt so übertrieben poetisch und aus einer anderen Zeit. Als hätte Goethe höchstselbst ein einzelnes Wort zu dem Text beigetragen.
War keine Absicht.
Hier wirkt es, als wären Sie und Mama zwei unterschiedliche Personen. Und die Aufzählung wird irgendwie ungünstig unterbrochen. Du wolltest wahrscheinlich nen Bandwurmsatz vermeiden, aber vielleicht kriegst du das auch noch schöner hin.
Danke. Ändere ich.
unnötiges Adjektiv, m.E.
Gibt auch Katzen mit unbuschigem Schwanz. Hatte da eine Perser im Kopf. Kann man auch drauf verzichten, da hast du recht. Finde jetzt aber auch nicht, dass das Adjektiv den Satz irgendwie langsamer macht etc.
Sagen ist ja so ein "stummes" Wort, das man ruhig häufiger benutzen kann, weil der Leser es einfach überließt, aber hier wird's mir dann doch etwas zu viel, besonders weil die sagtes so schnell aufeinanderfolgen.
Hast recht
Wie heißt er nochmal? - Fällt mir auch im sonstigen Text auf, manchmal kannst du Namen streichen. Man muss dafür vielleicht etwas umbauen, so satztechnisch, damit immer klar wird um wen es gerade geht, aber hier wird mir der liebe Simon doch arg zum Stolperstein. Oder vielleicht habe ich mir das dann irgendwann angefangen einzubilden? Hmm
Schaue ich, welche ich streichen kann
Um ein Fazit zu ziehen: Die Geschichte ist toll. Nicht sonderlich komplex oder super herausragend, aber das muss und kann ja auch nicht jede Geschichte sein. Allerdings müsstest du am Einstieg noch etwas arbeiten, sodass der Leser nicht das Gefühl kriegt, du wärst an irgendeiner Stelle falsch abgebogen. Das ist nie ein gutes Gefühl.
Wie gesagt: Für mich liegt dieses Zwitterhafte der Geschichte bislang nicht am Einstieg. Es liegt daran, dass Kater Aaron als Motiv die Geschichte in eine andere Richtung bewegt, als ich das ursprünglich geplant habe. Das wiegt umso schwerer, da die Geschichte - wie du ja auch sagst - kurz und eigentlich nicht sonderlich komplex angelegt ist. Da fällt das besonders auf.
Vielen Dank auf jeden Fall für deinen Kommentar
Gruß AWM

Servus @Carlo Zwei und vielen Dank für deinen Kommentar

Mit hat das gut gefallen. Ich mag die gelbe Blume und die drei Häschen auch.
Danke :)
Übrigens: Ostern?
War Zufall
ch habe hier innerlich gestoppt und mich gefragt, ob es das so eindeutig braucht oder ob man das nicht auch zum Beispiel mit erlebter Rede machen könnte. Eine Frage, die Simon sich stellt oder so etwas.
Also z.B. : "Es fühlte sich an, als wummere ..." ? Schaue ich.
zu unpräzise, finde ich
Okay, mache ich bisschen präziser. Mir ging es halt hier nur darum, zu zeigen, dass Simon mehrere Aufgaben am Hof erledigen muss, die man in seinem Alter wohl meist nicht alleine erledigen muss. Dass er zu viel Verantwortung aufgehalst bekommt, weil sein Vater weg und krank ist. Da dachte ich nicht, dass es wichtig ist, wo er die Heugabel jetzt genau zurückstellt.
durch "Heugabel" + "Kuhstall" im Satz davor hatte ich tatsächlich 'dreckverschmiert' vor Augen. Bei meiner Katze damals (zugegeben weiß) war das frisch rot. Katzen putzen sich ja. Oder ich hab da was falsch verstanden und es geht nicht darum, dass das Blut ist.
Ne, hast du richtig verstanden. Ändere ich.
Ich hab hier aber festgestellt, dass ich den Protagonisten sehr jung eingeschätzt habe und dann verwundert war, dass er schon an Mädchen denkt. Aber später habe ich mich das nicht mehr gefragt. Vielleicht könnte da aber im ersten Abschnitt noch ein kleiner Marker sein.
Das ist immer so ein Problem bei solchen Geschichten, weil jeder auch andere Erfahrungen gemacht hat. Die Protagonisten sollten so Erstklässler sein für mich. Wenn ich zurückdenke, habe ich mich da schon für Mädchen interessiert. Jetzt nicht in einem sexuellen Sinn. Aber man schwärmt für welche. Eigentlich war das sogar schon im Kindergarten so bei mir.
beim ganz manchmal doppelt gehe ich mit. Danach wirkte es auf mich eher versehentlich, selbst wenn es das wahrscheinlich nicht war.
War es nicht. Aber du hast recht und ich reduziere das.
Finde das Lautmalerische sehr schön. Das Semikolon stört mich hier aber, bringt mich raus aus dem Fluss. Ähnlich das Semikolon am Anfang.
Mach ich wohl weg. Fand ich aus irgendeinem Grund gerade "schick" :D

Vielen Dank für deinen Kommentar. Hat mich sehr gefreut und ich werde die Geschichte am Wochenende noch einmal angehen.
Gruß
AWM

Servus @josefelipe und vielen Dank für das Lob

Und was ich lese, gefällt mir. Die (lobenswerte) Akribie und Dein Scharfblick für die kleinen Dinge, die kleine Welt von Kindern und Hasenbabys, machen den Text lesenswert:
Dankeschön
Oh, halt! Das kommt ja noch! Simons, Luisas und Peters Welt bekommt ja auch einen gewaltigen Knacks durch Aarons Mordlust. Ein gelungener Schlusspunkt. Schade, dass das Gute nicht ohne das Böse sein kann.
Die Welt bekommt einen gewaltigen Knacks. Vielleicht auch ein Ereignis, dass das Ende der Kindheit markiert. Aber hier kommt mein "Problemkater" ins Spiel, der sich in die Geschichte geschlichen hat und zu viel Gewicht bekommt. Aaron hat die Häschen nämlich nicht getötet. Die Häschen sind wegen dem Rutschen gestorben. Dazu mehr im Kommentar an Peeperkorn.
Ich hab Deinen Text sehr gern gelesen – einfache Zutaten, meisterlich aufbereitet.
Vielen Dank dir!

Servus @Peeperkorn ein sehr guter Kommentar von dir, über den ich lange nachgedacht habe.

Mit stellen sich da zwei Dinge quer. Erstens werden die Hasen (ich bringe es übrigens nicht über die Tastatur, das in Verkleinerungsform zu schreiben, ich hätte die Geschichte wohl auch nicht gelesen, wäre sie nicht von dir) nicht von der Katze als Todbringer getötet, sondern sie erliegen den Strapazen der Rutschbahn. Sehe ich das richtig?
Ja, das siehst du richtig.
Da muss ich jetzt zwei Sachen erzählen. Als ich klein war, ist meinen Freunden und mir das passiert. Der Vater eines Freundes hatte Stallhasen und wir haben die kleinen zum Spielen bekommen und die rutschen lassen. Danach waren alle tot. Ich fand, dass da irgendwie viel drin steckt und habe das als gedanklichen Startpunkt für diese Geschichte genommen.

Der Kater Aaron war in der ersten Version noch gar nicht drin.
Der kam so rein: Ich habe etwas gebraucht, warum Simon auf der Rutsche liegend entdeckt, dass die Hasen tot sind. Da dachte ich dann an eine Katze, die ihm Anlass gibt, wieder zum Karton zu gehen, weil er die Hasen beschützen muss. Dann kam hinzu, dass Katzen im Aberglauben ja auch den Tod ankündigen. Gute Idee fand ich. Warum nicht noch eine Verzahnung einbauen? Also habe ich den Aaron vorne noch eingebaut mit der Sache, dass Simon darauf achtet, dass er nicht auf den Hof kommt. Und jetzt hat der Kater die Geschichte in eine andere Richtung gebracht und viel Gewicht bekommen.

Das macht die Sache für mich dramaturgisch unrein.
Da stimme ich dir nämlich voll zu.
Ich fände es zwingender, wenn Simon, ganz vergessen in seinem Glück, die Katze vergisst, ihr Zutritt lässt und die Katze sich dann die Hasen holt. Simon tötet seinen Vater ja nicht - um es übertrieben zu formulieren - indem er bestimmte Dinge aktiv tut, sondern indem er sich in Gedanken von ihm abwendet, ganz bei sich ist. Es ist ein Töten durch Unterlassen, keine aktive Handlung. Die Hasen in deiner Geschichte werden aber durch Simons Hand aktiv getötet, wenn auch ungewollt. Das empfand ich als nicht so stimmig.
Hast recht
Zweitens kommt da diese Ebene hinzu, dass Simon Dinge tut, die er nicht tun will, um anderen zu gefallen. Das passt nicht unbedingt zum Hauptmotiv. Mir kommt es ingesamt vor, als hättest du zwei Prämissen gehabt und vermischt. Bei der ersten Prämisse steht der Vater im Zentrum, bei der zweiten die Hasen.

1. Die Sorge um das eigene Glück führt zum Leid der anderen.
2. Im Wunsch, anderen zu gefallen, machen wir uns schuldig.

Hier gehe ich im Moment aber noch nicht ganz mit, obwohl ich deinen Punkt verstehe.
1. Selbst wenn man diese beiden Prämissen so identifiziert wie du, stehen sie nicht unbedingt gegeneinander, weil das eigene Glück ja durchaus im Wunsch anderen zu gefallen begründet sein kann. Motto: Wenn ich anderen gefalle, Bestätigung bekomme, bin ich glücklich.
2. Aber wichtiger: Das was du als zweite Prämisse identifizierst, war für mich als Simons Motivation gedacht, seine Verantwortung nicht zu übernehmen. Er will unbeschwert sein. Er will mit Peter und Luisa Kind sein. Er sehnt sich nach der Zeit, als er mit den ihnen gerutscht ist. Und deshalb ist es mehr, als anderen gefallen zu wollen. Peter und Luisa geben ihm die Gelegeneheit, das zu tun, was ihm selbst gefällt. Wieder Kind zu sein. Das ist also durchaus "die Sorge um sein eigenes Glück".
3. Finde ich nicht, dass nur bei der ersten Prämisse der Vater im Mittelpunkt steht. Das ist ja bei beiden Prämissen nicht unmittelbar der Fall, weil die "anderen" die konkret auf Grund der Handlungen Simons leiden, bei beiden deiner formulierten Prämissen die Hasen sind. Das Schicksal des Vaters ist ja nur eine Spiegelung: Angenommen er ist auch gestorben, dann wäre Simon ja nicht real an seinem Leiden schuld sondern nur in seiner kindlichen Vorstellung, weil er Kater Aaron auf den Hof gelassen hat. (Das Tragische daran wäre, dass Simons Kindheit endet und er gleichzeitig in einer kindlichen Vorstellung verhaftet bleibt, schuld am Tod seines Vaters zu sein)

Habe mir echt den Kopf über deinen Kommentar zerbrochen, was zeigt, dass die Geschichte wirklich ein Problem hat. Ich werde jetzt mal eine Version schreiben, in der ich die Rutsche herausnehme und Simon sich durch Unterlassen schuldig macht. Ich hoffe, dass sich die Geschichte dann runder und besser anfühlt.

Gruß AWM

 
Monster-WG
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Hey @AWM

Finde ich nicht, dass nur bei der ersten Prämisse der Vater im Mittelpunkt steht.
Da hast du natürlich recht. Ich hatte mir das im Kopf so zurechtgelegt, dass man aus beiden Prämissen eine je eigene Geschichte machen könnte. Bei der zweiten Prämisse bräuchte es den sterbenden Vater theoretisch nicht.

Ich zitiere einfach noch schnell die Passagen, die mich haben denken liessen, dass Simon eher gegen seinen Willen bei der Hasenrutsche mitmacht (und es dann tut, weil er Luisa mag.)

Langweilig!“, rief Peter. Er riss ein Büschel aus dem Rasen und warf es neben sich, wo schon ein richtiger kleiner Grashaufen war. „Bauen wir jetzt noch den Staudamm, oder was?“
Luisa legte Luisa zurück in den Karton und stand auf.
„Wollen wir nicht noch rutschen?“, platzte es aus Simon heraus.
Peter lachte. „Seh´ ich aus wie …“ Er hielt inne und biss auf dem Inneren seiner Backe herum. „Wobei.“
Simon mochte es gar nicht, wenn Peter so grinste. Und schon war Peter beim Karton und griff Michel.
„Warte mal“, rief Simon. Aber Peter saß längst oben auf der Rutsche und hatte das Häschen im Schoß und trommelte mit den Fersen auf dem Metall herum.
„Achtung, Achtung!“, rief er. „Weltneuheit. Ich präsentiere: die Hasenrutsche!“
„Ach komm. Der Rasen ist doch weich“, sagte Peter.
Der Rasen war wirklich weich, dachte Simon.
Das klang für mich nicht nach unbeschwert Kind sein als Handlungsmotiv. Vielleicht geht es ja nur mir so, aber ich habe die Passage eher als konfliktreich gelesen. Wenn da etwas mehr Initiative von Simon käme und es deutlicher spürbar wird, dass er einfach unbeschwert spielen möchte, dann würde sich das für mein Empfinden noch etwas besser als "Sorge um das eigene Glück" lesen lassen.

Lieber Gruss
Peeperkorn

 

AWM

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Servus @Peeperkorn und Danke für deinen erneuten Besuch

Ich zitiere einfach noch schnell die Passagen, die mich haben denken liessen, dass Simon eher gegen seinen Willen bei der Hasenrutsche mitmacht (und es dann tut, weil er Luisa mag.)
Das hast du auch nicht "falsch" gelesen. Natürlich liegt da viel Konflikt drin. Die Frage ist aber, warum Simon das zunächst nicht will. Der Konflikt lag für mich hier darin: Verantwortung (erwachsen sein) vs. Spaß (Kind sein). Er soll ein großer Junge sein, was heißt, dass er sich um den Hof kümmern soll. Er soll die Häschen (;D) nicht herausholen, weil sie noch zu klein sind. Er bleibt bei der Rutsche stehen und erinnert sich an die "gute alte Zeit". Das sollte dann eben die Sehnsucht nach der unbeschwerten Zeit zeigen.
Und dann gibt er sich dem Spaß, zu dem er angestiftet wird (durchaus konfliktreich, weil er eben diese Verantwortung hat) irgendwann hin und hat ja so viel Spaß, dass er seine Probleme und Verantwortung vergisst. Deshalb stimmt es schon, dass er sich nach anderen richtet, wie du sagst. Wenn er Peter und Luisa aber nur gefallen wollen würde und das was sie machen, eigentlich gar nicht selbst wollte, dann wäre es ihm ja die ganze Zeit über unangenehm.
Dazu kommt dann noch Luisa. Und dazu kommt dann noch, dass sich das Schicksal der Hasen, deren Kindheit endet, auch irgendwie in Simons Schicksal spiegelt. Und dazu kommt dann, dass die Geschichte einfach überladen ist ...

Gruß
AWM

 
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Das ist immer so ein Problem bei solchen Geschichten, weil jeder auch andere Erfahrungen gemacht hat. Die Protagonisten sollten so Erstklässler sein für mich. Wenn ich zurückdenke, habe ich mich da schon für Mädchen interessiert. Jetzt nicht in einem sexuellen Sinn. Aber man schwärmt für welche. Eigentlich war das sogar schon im Kindergarten so bei mir.

Doch, das ging mir tatsächlich auch so. Kannst du dieses Gefühl (also so ein erstes Interesse) nicht in ein zwei Sätzen dort einbauen? Musst es ja nicht überstrapazieren. Aber ich sehe da viel Potential, eben dieses ganz bestimmte Gefühl da präzise einzufangen.

Finde das Lautmalerische sehr schön. Das Semikolon stört mich hier aber, bringt mich raus aus dem Fluss. Ähnlich das Semikolon am Anfang.
Mach ich wohl weg. Fand ich aus irgendeinem Grund gerade "schick"

Ich weiß, was du meinst. Ist ja nicht verboten, etwas schön zu finden. Die Frage ist eher, ob sich das in den Text fügt. Meine Interpretation: Das Semikolon hat eben das Problem, dass es nicht wirklich verbreitet ist und damit ziemlich heraussticht und eben nicht als Wort, sondern als Satzzeichen. Da entfaltet es eine ziemliche optische Wirkung und sticht dann halt schon mal raus, wenn das übrige Textbild das nicht trägt.

Vielen Dank für deinen Kommentar. Hat mich sehr gefreut und ich werde die Geschichte am Wochenende noch einmal angehen.

Guck ich mir an

Viele Grüße!


Edit:
Ach so, das mit der Erlebten Rede:

Ich habe hier innerlich gestoppt und mich gefragt, ob es das so eindeutig braucht oder ob man das nicht auch zum Beispiel mit erlebter Rede machen könnte. Eine Frage, die Simon sich stellt oder so etwas.
Also z.B. : "Es fühlte sich an, als wummere ..." ? Schaue ich.

Eher ein Äquivalent, das ohne den typischen Verweis auf den Herzschlag/Puls auskommt

 
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Hallo @AWM,

mir fällt es (noch) schwer, meine Kommentare mit einem allgemeinen und doch aussagekräftigen Leseeindruck zu beginnen, deswegen steige ich mal direkt mit deinem Text ein und leite dich durch meinen Leseeindruck.
Mit dem Titel kann ich mich nicht anfreunden, aber das nur nebenbei.

Als Simon die Treppe hinunterging, hörte er Mama in der Stube telefonieren und blieb stehen. Er legte die rechte Hand auf die Brust und setzte sich auf eine Stufe: Sein Herzschlag wummerte vom Handgelenk bis in die Armbeuge. SimonEr hielt die Luft an und beobachtete, wie die Balken an der Decke zu verschwimmen begannen und zählte bis drei. Dann schürzte er die Oberlippe, bis sie die Nasenspitze berührte und achtete auf den Atem, der an der Lippe kitzelte. Er nannte das „Schnurrbart machen“. Schnurrbärte waren etwas für Männer; und die weinten nicht.
Dass ein Herzschlag vom Handgelenk bis in die Armbeuge wummert, finde ich komisch, und da es inhaltlich wenig beiträgt, würde ich es einfach rausstreichen. Aber natürlich ist das nur mein persönlicher Eindruck und du nimmst dir aus meinem Kommentar, was dir sinnvoll erscheint. Der letzte Satz gefällt mir gut, weil er den vorherigen Absatz einordnet. Es geht also nicht um irgendwelche körperlichen Erkrankungen, sondern um etwas emotionales, aber Simon will nicht weinen. Ich mag ja Semikolons und finde es schade, dass die so selten benutzt werden, aber hier finde ich es unnötig, ist aber sicherlich Geschmackssache.

Sie fuhr sich durchs Haar und legte den Hörer in die Halterung auf der Kommode. Mama ließ ihre Arme fallen, die Hände schlenkerten gegen den Stoff ihres Blumenkleides und dann machte sie: „Puh“. Es war ein hohes und bebendes „Puh“.
Das sind jetzt sicher Korinthen und wenn ich oberflächlich lese, ist auch alles ok, aber wenn ich hier tiefer einsteige, dann weiß ich nicht genau, was ich mir hier vorstellen soll. Also mit einer Hand fährt sie sich durchs Haar, weil mit der anderen legt sie den Hörer in die Halterung. Dann lässt sie ihre Arme fallen. Das ist so ein Ausdruck, den ich noch nie verstanden habe, ich finde nicht, dass man seine Arme wirklich fallen lassen kann. Ich vermute es geht um eine Art von Kraft- und oder Hilfllosigkeit, in der die Arme so runterfallen. Für mich beißt sich das dann mit dem Schlenkern der Hände. Also, ich denke, dass Arme schlenkern, nicht die Hände und wenn die Arme schlenkern, dann ist das eher willkürlich und passt für mich nicht zum kraftlosen Fallenlassen. Und was ich gar nicht zu fassen kriege, ist das "hohe und bebende Puh" ... keine Ahnung, was ich mir darunter vorstellen soll. Wie gesagt, Korinthen, ich denke, du willst hier eine gewissen Anstrengung zeigen und das verstehe ich durchaus.

„Papa geht es nicht gut. Du musst heute wieder ein großer Bub sein, okay?“
Ah, ok, alles klar. Der Papa ist im KH, denke ich mir. Darum die Kraftlosigkeit (oder was auch immer) der Mutter und die Angst von Simon. Männer weinen nicht und große Buben auch nicht. Ich denke übrigens an einen Jungen zwischen 5 und 7 Jahren.

Simon stellte die Heugabel zurück, strich Stroh von der Latzhose und ging aus dem Kuhstall.
Vielleicht, denke ich mir, bezog sich das "großer Bub sein" auch auf die Arbeit, die erledigt werden muss. Offenbar wohnt die Familie auf einem Bauernhof, auf dem die Tiere versorgt werden müssen, auch wenn es Papa nicht gut geht.

„Wo Aaron ist, ist der Tod nicht weit“, hatte Mama einmal gesagt und gelacht, als sie einen toten Spatz von der Terrasse kehrte. Aber seit Papa im Krankenhaus war, achtete Simon pingelig darauf, dass der Kater keine Pfote in den Hof setzte.
„Mach, dass du wegkommst“, rief Simon. Er nahm eine Handvoll Splitt vom Hof, warf sie nach Aaron und der Kater fauchte und rannte davon.
Für mich eine Schlüsselstelle. Der Papa ist im KH und Simon hat Angst, dass er sterben könnte, darum achtet er darauf dass der Kater nicht auf dem Hof auftaucht.

Der riesige Eimer polterte mit jedem Schritt gegen sein rechtes Knie und die Kartoffelschalen und Brotrinden hüpften gegen das Plastik.
Poltern und Plastikeimer passt für mich nicht so richtig zusammen ...

Simon erinnerte sich an das Gefühl, als Papa mit der Rutsche auf dem Anhänger in den Hof getuckert war und er beim Aufbauen helfen durfte.
Warum das Gefühl hier nicht benennen? War es vielleicht Freude? Aufregung?

Zusammen rutschten sie herunter und kraxelten wieder hinauf und lachten, bis sie sich die Bäuche hielten und die Mücken in Wolken vor dem roten Abendhimmel flirrten. Simon schürzte die Oberlippe und ging zum Hasenstall.
Auch eine wichtige Stelle, denn im letzten Satz wird deutlich, dass Simon wieder weinen will, diesmal wohl nicht wegen seiner Angst, sondern weil er diese unbeschwerte Zeit vermisst, als er einfach mit den anderen spielen konnte und nicht so viel Verantwortung trug.
Peter zuckte mit den Schultern und hob die Augenbrauen.
...
"Sagt wer?“ Peter schaute im Hof herum und ließ seinen Blick auf der leeren Garage ruhen, deren Tore Simons Mutter offen hatte stehen lassen.
Ich mag den Jungen nicht. Andererseits erscheint er mir älter als 5-7 Jahre, aber das ist alles Interpretation. Obwohl du es nicht schreibst, lese ich hier einen abschätzigen Blick heraus.

„Lass ihn“, sagte Luisa. „Gehen wir den Staudamm weiterbauen.“ Luisa nahm Peter am Handgelenk. Die beiden drehten sich um und Simon spürte einen Stich in der Brust.
„Wartet!“
Ich fange an, zu grübeln, was für eine Geschichte das hier ist/wird. Am Anfang dachte ich, es wird um Simons Vater gehen, seine Angst vor dessen Tod usw. Jetzt geht hier auf einmal so ein Konkurrenzding zwischen dem unsympathischen Peter und Simon auf. Und, "nein, bitte nicht", denke ich, als Simon sich von Peter provzieren lässt.

Und weil es das schönste war, hatte es Simon Luisa genannt.
Ok, alles klar. Simon muss sich mit Peter messen, um Luisa zu beeindrucken. Hmm...

Er spürte die Krallen durch den Stoff der Latzhose und strich über das schwarze Fell, das von der Nachmittagssonne ganz warm war. Simon legte den Zeigefinger hinter Michels linkes Ohr und drückte leicht dagegen. Das fühlte sich zart an und die Sonnenstrahlen machten das Ohr fast durchsichtig und hellrosa und Simon konnte den Umriss seines Zeigefingers sehen.
„Langweilig!“, rief Peter. Er riss ein Büschel aus dem Rasen und warf es neben sich
...
Peter lachte. „Seh´ ich aus wie …“ Er hielt inne und biss auf dem Inneren seiner Backe herum. „Wobei.“
Simon mochte es gar nicht, wenn Peter so grinste. Und schon war Peter beim Karton und griff Michel.
Es gibt noch mehr Stellen, aber die obere ist eine, in der deutlich wird, dass es sich bei Simon um einen sensiblen Jungen handelt, dessen Gegenstück Peter, der Grobian, ist, der so ein bisschen bully-mäßig rüberkommt.

„Warte mal“, rief Simon. Aber Peter saß längst oben auf der Rutsche und hatte das Häschen im Schoß und trommelte mit den Fersen auf dem Metall herum.
„Achtung, Achtung!“, rief er. „Weltneuheit. Ich präsentiere: die Hasenrutsche!“
Luisa lachte und strich sich eine Locke von der Nase und Peter pfiff und rutschte herunter, das Häschen im Schoß, und als seine Füße den Boden berührten, ließ er das Pfeifen in ein „Bumm“ übergehen, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Luisa rannte zum Karton, hob ihre Namensvetterin heraus und stieg die Leiter der Rutsche hinauf.
Hier denke ich, ich weiß jetzt, was das für eine Geschichte ist. Ich warte darauf, dass eines der Kinder auf einem Hasen landet. Und eigentlich will ich hier nicht mehr weiterlesen, weil ich solche Geschichten nicht mag, weil mir das zu brutal ist. Kennst du den Film "Sleepers"? Daran musste ich denken, man weiß die ganze Zeit, dass es ganz schrecklich schlimm wird ... Da bin ich nicht das Zielpublikum, aber weil das hier eine Schreibwerkstatt ist, lese ich weiter.

Simon musste lachen.
Die Stelle mag ich. Ich finde, sie verleiht Simon mehr Tiefe, hebt ihn raus aus der "sensibler Junge in Konkurrenz mit Stinkstiefel"-Klischee (sorry, das Wort Klischee ist nicht böse gemeint). Hier wird deutlich, dass er einfach ein Kind ist. Das find ich schön, obwohl mein Erwachsenenherz blutet, wenn ich daran denke, dass die eine Woche alten Hasenbabys die Rutsche runterrutschen.

Und sie lachten, bis sie sich die Bäuche hielten.
Hehe und hier greifst du eine frühere Formulierung auf, mit der ich da auch schon nicht zurecht kam. Es gibt ja die Redewendung: Sich den Bauch halten vor Lachen, was bedeutet, dass man einfach sehr doll lachen muss. Ich verstehe aber nicht, dass man so lange lacht, bis man sich den Bauch hält. Das sind vielleicht wieder Korinthen, aber für mich passt das Bild nicht. Ich finde aber auch die Originalredewendung schon blöd. Ich hab mir noch nie den Bauch gehalten vor lachen oder jemanden gesehen, der sich den Bauch hält. Wie hält mich sich überhaupt den Bauch, das klingt als würde er fallen, wenn man ihn nicht hielte. Also vielleicht auch nur Geschmackssache.

und wie er da so lag, merkte er, dass er den ganzen Nachmittag nicht an Papa gedacht hatte.
Aber ehe er darüber nachdenken konnte, ob das gut oder schlecht war, sah er Kater Aaron um die Hausecke schleichen.
Simon sprang auf, schob die Handflächen unter den Karton mit den Häschen und hob ihn auf.
Ok, immerhin ist an dieser Stelle klar, dass keines der Kinder auf einen Hasen gerutscht ist. Ich bin wahrlich erleichtert. Für mich ist die Hausecke noch weit weg, darum verstehe ich nicht, dass er aufsprang, das klingt so eilig. Aber egal, der Kater ist wieder auf dem Hof und Simon hat den ganzen Nachmittag nicht an seinen Vater gedacht. Ich denke, dass jetzt irgendwas mit seinem Vater passieren wird, weil warum solltest du ihn sonst erwähnen, gleich am Anfang in der Intro und dann hier...

„Gehst du weg“, zischte Simon. Aber Aaron ging nicht weg. Er setzte sich und starrte Simon mit seinen gelben Augen an.
Das gefällt mir gut. Das schwingt so etwas Unheilvolles mit.
Simon stampfte nach vorne und machte „Zschhh“; da kullerte etwas im Karton und Simon sah hinein. Simon schmeckte saure Spucke und es war, als ziehe sich seine Haut in einem Ruck zusammen. Luisa lag auf der Seite, die Augen milchig, die Öhrchen schnurgerade in den Nacken gelegt. Er schüttelte den Karton: Auch Michel und Elisabeth rührten sich nicht. Simon spürte das Gewicht der kleinen Körper auf den Handflächen.
Ich würde empfehlen den durchgestrichenen Satz wegzulassen, weil wir Simons Körpersymptome nicht brauchen, weil wir selbst welche haben als Leser ...

Er zählte bis drei. Dann schürzte er die Oberlippe, bis sie die Nasenspitze berührte und achtete auf den Atem. Es kitzelte an der Oberlippe und schmeckte salzig und als er den Splitt im Hof unter Autoreifen knistern hörte, tropfte es vom Kinn und fiel in das Fell von Luisa, Michel und Elisabeth.
Tatsächlich hätte ich es hier schön gefunden, wenn er jetzt hätte normal weinen dürfen, ohne Schnauzbart, den ich als Versuch interpretiere, sich abzulenken, um nicht zu weinen. Aber was hat es mit dem Auto auf sich, dass hereinfährt? Ist das wichtig? Das würde ich weglassen.

Also nun noch etwas allgemeinere Bemerkungen: Ich mag die Rolle des Katers, der für Simon den Tod anzukündigen scheint und das alles nur, weil die Mutter ihn so genannt hat und Erwachsene verstehen, wie das gemeint ist, aber Kinder denken halt noch magisch. Und nun sitzt er da und die Kaninchen sind tot. Also vielleicht liegt Simon richtig und die Mutter falsch. Ich mag solche Uneindeutigkeiten, die Möglichkeit ... Auch könnte Simon vielleicht sogar froh sein, weil die Kaninchen tot sind und der Kater nicht den Tod des Vaters angekündigt hat. Das wird aber nicht deutlich. Der Vater taucht am Ende gar nicht mehr auf, außer, dass er nicht mehr an ihn gedacht hatte, aber sonst spielt er nicht wirklich eine Rolle. Andererseits brauchst du ihn, damit es Sinn macht, dass Simon den Kater wegscheucht. Also so ganz weiß ich nicht, was für eine Geschichte du erzählen willst. Ich lese sie zwar so, dass der Kater, den Tod ankündigt und da macht der Vater Sinn und auch die toten Kaninchen, aber dann wiederum bin ich mir nicht sicher, weil der Kater und der Vater doch so nebenbei herlaufen und mir das Ganze noch nicht so richtig rund erscheint.

Viele Grüße
Katja

 
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Hallo @AWM,
ich habe nun auch noch mal die anderen Kommentare gelesen und will dazu noch einmal loswerden, dass es mir genau wie @Peeperkorn erging, ich das wohl aber nicht so gut ausdrücken konnte. Ich habe mich aber nun noch mal ein wenig zur Prämisse belesen, was sehr hilfreich war. Ich entdecke auch zwei Prämissen in deinem Text und ich denke, die decken sich mit denen von Peeperkorn (und ich hoffe, es ist ok, mich auf einen anderen Kommentar zu beziehen, wenn nicht bitte Bescheid sagen)
1. Der Konflikt mit Peter (sich provozieren lassen, Luisa gefallen wollen) führt zu Leid (Tod/Schuld).
--> Gefallen wollen führt zu Tod und Schuld.
2. Der innere Konflikt in Simon (Unachtsamkeit im Versuch ein großer Bub zu sein und Verantwortung zu tragen, vor allem für das Überleben des Vaters, indem er wachsam gegenüber dem Kater ist), führt zu Leid (Tod/Schuld).
--> Unachtsamkeit/Sorglosigkeit führt zu Tod und Schuld.

Für die 1. Prämisse brauchst du den Vater und den Kater mit deren jetzigen Bedeutungen nicht.
Im Moment steht für mich die 2. Prämisse im Vordergrund, von der aber durch den Konflikt mit Peter abgelenkt wird, darum kam mir dann immer mal wieder der Gedanke beim Lesen: Worum gehts? Was für eine Geschichte ist das? Die Geschichte der 2. Prämisse hat mir persönlich gut gefallen, der Konflikt mit Peter ehrlich gesagt nicht so richtig. Mir gefiele besser, wenn der Konflikt mit Peter rausfiele und die beiden Kinder vorbeikommen und sie einfach ins Spielen kommen. Vielleicht sagt Simon sowas wie: Ihr könnt rutschen, ich muss erst noch das und das tun. Aber dann hört er sie lachen beim Spielen und und dann denkt er: einmal rutschen ist wohl ok und dann wird er halt so reingesogen ins Spielen und Genießen und im-Moment-sein ... er könnte ihnen die Hasenbabys zeigen wollen usw ...

So, ich glaube ich habe jetzt ziemlich viel von dem wiederholt, was Peeperkorn geschrieben hat, aber es trifft genau den Punkt, der mich auch hat mit deinem Text straucheln lassen und nachdem ich das mit den Prämissen gelesen hatte, habe ich die obigen Prämissen erkannt.

Vielleicht ist das ja noch hilfreich.
Viele Grüße
Katta

 

AWM

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Servus @Katta und vielen Dank für deine Kommentare. Ich habe die Geschichte jetzt zunächst einmal sprachlich überarbeitet. Ich bin dabei eine neue Version zu schreiben. Da fällt die "Liebes-Konkurrenz" zwischen den Jungen raus und der Tod der Hasen durch die Rutsche. Was bleibt ist der Kater und der Vater.
So wie es jetzt ist, war die Geschichte vor allem auch motivisch überladen. Deshalb verstehe ich deinen Eindruck, dass du nicht weißt, was hier eigentlich erzählt werden soll.

Vielleicht, denke ich mir, bezog sich das "großer Bub sein" auch auf die Arbeit, die erledigt werden muss. Offenbar wohnt die Familie auf einem Bauernhof, auf dem die Tiere versorgt werden müssen, auch wenn es Papa nicht gut geht.
Ja, darauf bezog es sich. Ein kleiner Junge, der auf einen Schlag erwachsen sein muss und sich um den kleinen Hof kümmern muss, weil die Eltern weg sind. Dazu das Emotionale. Ihm wird gewissermaßen wie den Häschen zu viel zu früh zugemutet.
Warum das Gefühl hier nicht benennen? War es vielleicht Freude? Aufregung?
Habe das so gemacht, weil ich es so persönlicher und näher bei Simon finde. Dass es ein schönes Gefühl war, ist für mich hier klar.
Andererseits erscheint er mir älter als 5-7 Jahre, aber das ist alles Interpretation.
Gebe ich dir recht.
Jetzt geht hier auf einmal so ein Konkurrenzding zwischen dem unsympathischen Peter und Simon auf. Und, "nein, bitte nicht", denke ich, als Simon sich von Peter provzieren lässt.
Das kommt raus. Zumindest, was die Konkurrenz um Luisa angeht. Das ist eine der Sachen, die die Geschichte in eine andere Richtung treiben.
Kennst du den Film "Sleepers"?
Ja, sehr guter Film
Ich verstehe aber nicht, dass man so lange lacht, bis man sich den Bauch hält.
Es ist ein sprachliches Klischee, das ich aber extra eingebaut habe, weil ich fand, dass es zum Kindlichen passt. Werde es vielleicht streichen. Aber: Man hält sich den Bauch, weil man so viel lacht, dass die Muskeln wehtun.
Ich würde empfehlen den durchgestrichenen Satz wegzulassen, weil wir Simons Körpersymptome nicht brauchen, weil wir selbst welche haben als Leser ...
Mache ich
Tatsächlich hätte ich es hier schön gefunden, wenn er jetzt hätte normal weinen dürfen, ohne Schnauzbart, den ich als Versuch interpretiere, sich abzulenken, um nicht zu weinen. Aber was hat es mit dem Auto auf sich, dass hereinfährt? Ist das wichtig? Das würde ich weglassen.
Ich finde das mit dem Schnauzbart wichtig, weil das die Klammer der Geschichte ist. Es ist der Tick, mit dem er quasi spielt, erwachsen zu sein und der ihn davon abhält zu weinen. Hier funktioniert er nicht mehr. Es zeigt, dass Simon eben einfach noch ein Kind ist und auch in seinen Bemühungen, erwachsen zu sein, eben im Kindlichen verhaftet bleibt. Das Auto ist die Mutter, die zurückkommt.
Der Vater taucht am Ende gar nicht mehr auf, außer, dass er nicht mehr an ihn gedacht hatte, aber sonst spielt er nicht wirklich eine Rolle. Andererseits brauchst du ihn, damit es Sinn macht, dass Simon den Kater wegscheucht. Also so ganz weiß ich nicht, was für eine Geschichte du erzählen willst. Ich lese sie zwar so, dass der Kater, den Tod ankündigt und da macht der Vater Sinn und auch die toten Kaninchen, aber dann wiederum bin ich mir nicht sicher, weil der Kater und der Vater doch so nebenbei herlaufen und mir das Ganze noch nicht so richtig rund erscheint.
Gebe Bescheid, wenn ich die neue Version hochgeladen habe.

Gruß
AWM

 

CoK

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24.08.2020
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Hallo @AWM

Schreibtechnisch hat mir deine Geschichte super gefallen.
Der Kater wie so ein todbringender Rabe.
Dieser kleine Junge alleine auf dem Bauernhof, der seiner
Freundin zuliebe einen Fehler macht. Dann mit der Schuld, für den Tod der kleinen Häschen verantwortlich zu sein zurückbleibt.
Eine traurige Geschichte, die ich mir aber sehr gut vorstellen konnte.

Dann schürzte er die Oberlippe, bis sie die Nasenspitze berührte und achtete auf den Atem, der an der Lippe kitzelte. Er nannte das „Schnurrbart machen“. Schnurrbärte waren etwas für Männer und die weinten nicht.
War für mich eine der schönsten Stellen deiner Geschichte.

Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag.
Liebe Grüße CoK

 

AWM

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26.03.2018
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Liebe @CoK jetzt hätte ich dich fast vergessen. Sorry für die späte Rückmeldung und vielen Dank für deinen Eindruck und deine Lesart.

War für mich eine der schönsten Stellen deiner Geschichte.
Vielen Dank!

Ich wünsche dir einen schönen Sonntag
Gruß
AWM

 

Bas

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16.09.2018
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Hallo @AWM,

Er legte die rechte Hand auf die Brust und setzte sich auf eine Stufe

Habe es nicht als wahnsinnig störend empfunden, aber wie wäre es mit "an die Brust", um das doppelte auf zu vermeiden?

und dann machte sie: „Puh“. Es war ein hohes und bebendes „Puh“.

Ich freue mich immer, wenn ich an solchen Stellen kurz innehalten und das Beschriebene vor meinem inneren Auge abspielen lassen kann, um zu sehen, ob es funktioniert. Hier tut es das ganz ausgezeichnet - ein hohes und bebendes Puh, besser kann man das glaube ich nicht beschreiben.

ich finde den gesamten ersten Absatz klasse. Simon ist eindeutig ein Bub, ein Kind, die Erwachsenenwelt ist noch etwas fernes, fremdes, das er Stand jetzt höchstens kopieren, nicht selbst erleben kann. Toll dargestellt.

...

Und ich hatte vor, den Kommentar so weiterzuführen, aber dann war die Geschichte schon zu Ende. Ich wollte einfach nur lauschen. Das Ende ist tragisch, aber das macht es zu keiner tragischen Geschichte, keine, die mich erdrückt.

Ich finde allerdings auch, dass es den Tod der Häschen gar nicht gebraucht hätte, habe aber schon gesehen, dass du daran noch arbeitest. Bin gespannt auf die überarbeitete Version.

Besonders gefallen haben mir auch die Gespräche zwischen den Kids, das hat echt gewirkt.

Insgesamt mochte ich es einfach, dass du den Blick so fokussiert hast: Dieser Tag ins Simons Leben, das, was er da mit Luisa und Peter und den Häschen erlebt, das Traurige aber auch das Schöne, darauf liegt der Fokus. Das geht zwar Hand in Hand mit der Vatersache, aber die ist mehr unterschwellig, wie ein ... verdrängtes schlechtes Gewissen. Nichts, was in jedem zweiten Satz erwähnt werden muss, um es wahrzunehmen. Finde ich sehr gut umgesetzt. Eine unaufdringliche Geschichte, die nicht mehr aus sich macht, als sie ist, eher im Gegenteil.

Vielen Dank dafür!

Bas

 
Wortkrieger-Team
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10.02.2000
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Guten Tag @AWM,

ja, okay, Wortwiederholungen wie 'und' - manchmal. Ab und an passen zwei 'und' hintereinander gut. Vor allem, wenn das zweite einen wichtigen Satz beginnt. Aber das interessiert mich jetzt mal null. Ich lese die Geschichte und kann sagen: Genau so war es. Damals.

In einigen Kommentaren gibt es Hinweise auf Prämissen, Vater oder die kleinen Hasen, auf was achten, Wert legen, lesen oder verbinden ...

Damit kann ich nichts anfangen. Aber nicht, weil ich die Regeln oder Standards oder literarische Gewichtungen nicht kenne, sondern weil es diese im Erleben meiner Kindheit nicht gab. Und die Kindheit trotzdem so war, wie du sie beschrieben hast. Mit anderen Worten: Eine zu reglementierte Sichtweise würde diesem Text die Wucht nehmen.

Warum?

Natürlich gibt es eine Verbindung zwischen Vater (im KH, schwere Krankheit) vom Beginn zum Ende. Zum einen wird er ja noch mal erwähnt, nämlich indem er vergessen wurde (kann ich mich gut erinnern und das nachfühlen), zum anderen gibt es aber UNTER all dem, was du schreibst und beschreibst, noch etwas anderes, unsichtbares. Ich nenne es mal Gravitation. Diese Gravitation unerfahrener, spontaner, emotional agierender, irrationaler und manchmal gewissensfreier Kindheit, erzeugt genau die Situationen, die ich hier lese - und auch kenne.

Simon ist ein Teilchen, das in plötzlich auftretende Kraftfelder gerät und sich ihnen spontan anpasst, um "erleben" zu können. Er KANN sich diesen Kraftfeldern nur emotional anpassen, denn es fehlt schlicht an Erfahrung und Abstand, um sie rational abzuarbeiten und einzuordnen. Diese "Anpassungen" sind aber genau die Voraussetzung, um den inneren Kompass des Erwachsenwerdens zu schärfen. Er MUSS ein schlechtes Gewissen haben, er MUSS sich den Tod nicht erklären können, er MUSS Reize spüren, denn all das formt seine Persönlichkeit.

Das war für mich auch Kindheit. Kleine Häschen (die es für ein Kind nun mal sind) haben aufgrund ihrer Züchtung eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Herzschlag. Was ihnen passierte, rührt vermutlich einfach vom Stress her. Aber kein Kind kann das wissen. Umso wichtiger ist die Katze. Und der unmittelbar in der Schachtel liegende Tod, der explosionsartig den Vater wieder ins Spiel bringt und die Gewissheit, dass man ihn in völliger Gewissenlosigkeit für das Spiel vergessen hat, das aber zum Tod der drei Hasenjungen führte. Wieder ein Kreis mit einer Erfahrung, die erst Jahre später zu Erkenntnis wird. Auch das ist Kindheit.

Von Anfang bis Ende basiert dein Text auf Realem. Prämissen gibt es nicht, denn Prämissen halten in der Kindheit nur zwei Sekunden. Will ich das nachträglich "fokussieren", literarisch, verändere ich das, was Kindheit ist. Ungebremst chaotisch und nur eingeschränkt realistisch.

Ich mit meiner Kindheit fand mich in deinem Text zu 100 % wieder. Ein Flashback. Auch der Reiz des Mädchens, und dem kaum bewussten Tabudenken, das aber doch vorhanden ist, aufgrund adaptierter Verhaltensweisen und Anleitungen der Erwachsenen. Passt alles.

Habe ich sehr gerne gelesen.
Griasle
Morphin

 

AWM

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26.03.2018
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Hallo @Bas und @Morphin und Entschuldigung, dass ich euch so lange habe warten lassen

Habe es nicht als wahnsinnig störend empfunden, aber wie wäre es mit "an die Brust", um das doppelte auf zu vermeiden?
Das ist ein guter Vorschlag. Ändere ich.
Ich freue mich immer, wenn ich an solchen Stellen kurz innehalten und das Beschriebene vor meinem inneren Auge abspielen lassen kann, um zu sehen, ob es funktioniert. Hier tut es das ganz ausgezeichnet - ein hohes und bebendes Puh, besser kann man das glaube ich nicht beschreiben.
Ja, freut mich, dass du das auch so gelesen hast. Ich mag die Stelle nämlich auch. Andere haben da leider kein Bild bekommen.
Ich finde allerdings auch, dass es den Tod der Häschen gar nicht gebraucht hätte, habe aber schon gesehen, dass du daran noch arbeitest. Bin gespannt auf die überarbeitete Version.
Die Hasen sollten schon sterben. Es geht jetzt eher darum, wie sie sterben: durch die Rutsche oder die Katze. Ich habe immer noch Probleme mit diesem Punkt, da ich das Gefühl habe, wenn ich sie durch die Katze sterben lasse, was dramatgurgisch und prämissenmäßig mehr Sinn ergeben würde, wird die Geschichte zu eindimensional und vorhersehbar.
Besonders gefallen haben mir auch die Gespräche zwischen den Kids, das hat echt gewirkt.
Danke :)
Insgesamt mochte ich es einfach, dass du den Blick so fokussiert hast: Dieser Tag ins Simons Leben, das, was er da mit Luisa und Peter und den Häschen erlebt, das Traurige aber auch das Schöne, darauf liegt der Fokus. Das geht zwar Hand in Hand mit der Vatersache, aber die ist mehr unterschwellig, wie ein ... verdrängtes schlechtes Gewissen. Nichts, was in jedem zweiten Satz erwähnt werden muss, um es wahrzunehmen. Finde ich sehr gut umgesetzt. Eine unaufdringliche Geschichte, die nicht mehr aus sich macht, als sie ist, eher im Gegenteil.
Vielen Dank
dein Kommentar und deine Lesart haben mich sehr gefreut.
Gruß
AWM

Servus Morphin und vielen Dank für deinen Kommentar

ja, okay, Wortwiederholungen wie 'und' - manchmal. Ab und an passen zwei 'und' hintereinander gut. Vor allem, wenn das zweite einen wichtigen Satz beginnt. Aber das interessiert mich jetzt mal null. Ich lese die Geschichte und kann sagen: Genau so war es. Damals.
Habe das sogar schon ein bisschen reduziert, aber es sind wohl immer noch viele unds und manchmals. Sollte zu einer kindlichen Sprache beitragen. Schaue, wo ich das noch reduzieren kann.
n einigen Kommentaren gibt es Hinweise auf Prämissen, Vater oder die kleinen Hasen, auf was achten, Wert legen, lesen oder verbinden ...
Ich interessiere mich schon sehr für Theorie. Ich habe aber das Konzept der Prämisse noch nicht richtig nutzbar machen können für mich bisher. Also in dem Sinne, dass ich mir im Voraus eine zurechtlege und dann nach ihr schreibe. Es ist eher ein Konzept, dass ich dann im Nachhinein nutze und dann (meistens) weiß, was ich streichen muss und was wichtig ist, damit die Prämisse möglichst dicht bewiesen wird.
Es hört sich so einfach an mit der Prämisse, aber es ist schwierig für mich, das zu verstehen.
Mein größtes Problem damit ist Folgendes:
Nehmen wir als Beispiel "Gier führt zu Selbtsmord".
Ein Teil der Prämisse sollte sich ja auf den Protagonisten beziehen (Gier), "führt zu" ist die Handlung und "Selbstmord" die Lösung der Geschichte. Die Handlung der Geschichte soll jetzt diese Behauptung beweisen.
Jetzt mein Verständnisproblem: Wenn man nach dieser Prämisse schreiben würde, dann würde das doch die Wandlung des Protagonisten ausschließen, weil er immer gierig bleiben müsste, um diese Prämisse zu beweisen.
Oder aber die Prämisse würde nur für das letzte Drittel einer Geschichte gelten, wo sich der Prota zum Beispiel von einem großzügigen zu einem gierigen Menschen gewandelt hat und das dann zu Selbstmord führt.
Da jede Geschichte nur eine Prämisse haben soll, müsste die Prämisse, um für das gesamte Buch zu gelten, dann aber eigentlich heißen "Großzügigkeit führt zu Gier führt zu Selbtsmord."

Ich steige da einfach nicht ganz durch. Hilfreicher finde ich bisher, zwischen Topic und Theme zu unterscheiden.
Topic ist z.B. einfach: Liebe
Das Theme ist dann ein Standpunkt zu diesem Thema: z.B. Lernen sich selbst zu lieben.
Oder Topic: Schönheit.
Theme: Wahre Schönheit ist innerlich.
Das sind jetzt zwei klischeehafte Beispiele. Aber ich fahre damit bislang besser, weil es die Entwicklung der Charaktere für mein Verständnis einschließt. Jemand lernt, dass wahre Schönheit innerlich ist etc.
Wahrscheinlich ist das wiederum nichts anderes, als eine Prämisse, die nicht mit dieser "a führt zu b-Formel" formuliert ist. Keine Ahnung :D

Das war für mich auch Kindheit. Kleine Häschen (die es für ein Kind nun mal sind) haben aufgrund ihrer Züchtung eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Herzschlag. Was ihnen passierte, rührt vermutlich einfach vom Stress her. Aber kein Kind kann das wissen. Umso wichtiger ist die Katze. Und der unmittelbar in der Schachtel liegende Tod, der explosionsartig den Vater wieder ins Spiel bringt und die Gewissheit, dass man ihn in völliger Gewissenlosigkeit für das Spiel vergessen hat, das aber zum Tod der drei Hasenjungen führte. Wieder ein Kreis mit einer Erfahrung, die erst Jahre später zu Erkenntnis wird. Auch das ist Kindheit.
Ich habe ja erzählt, dass meinen Freunden und mir das mit den Hasen und der Rutsche wirklich passiert ist als wir Kinder waren. Wir dachten später aber, dass es innere Verletzungen waren. Deine Erklärung mit dem Herzschlag ist glaube ich noch wahrscheinlicher. Wir haben nämlich schon sehr aufgepasst und unten stand immer einer, der den Hasen aufgefangen hat.
Und: Ich finde wirklich, dass du die Geschichte sehr gut interpretiert und erklärt hast. Es ist nur so, dass ich es so nicht hätte tun können. Und dann ist es für mich ein Problem, wenn ich als Autor das nicht kann. Das heißt einfach, dass ich sie nicht im Griff habe.

Gruß
AWM

 
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Lieber @AWM,

ich möchte es mal kurz machen: in meinen Augen ist es eine sehr schöne Geschichte und du hast den Kern von Kindheit getroffen. Das Erspüren und Erfühlen von Dingen.

Käme man mit Psychologie, könnte man anführen, dass rationale Verarbeitung erst ab durchschnittlich zwölf Jahren beginnt. Es gibt natürlich immer Ausnahmen nach links und rechts (Gauß). Schreiben ist individuell, das Lesen ebenso. Sicher, es gibt die Regeln, den Werkzeugkasten des Autors, was sich im Laufe von Jahrzehnten im Schreiben als nützlich oder sinnvoll herausgestellt hat. Ich kann aber ein noch so guter Handwerker sein und die Mechanismen noch so gut beherrschen ... wenn ein Text kalt bleibt, erwärmt er mich nicht. ABER einen Leser, der auf diese Mechanismen großen Wert legt, der wird zufrieden sein. Also hat man ein Problem: Für wen schreibt man? Für die reinen Handwerker, die aber aufgrund ihrer Persönlichkeit keinen Zugang zu den tieferen Elementen finden? Oder für diejenigen, die das Tiefe entdecken, aber mit ein paar "und's" oder "denk ich mir, nehme ich meinen" leben können?

Man ist natürlich bestrebt, beides zu verbinden und es perfekt zu machen. Aber das gelingt - und dies liegt eindeutig in der Persönlichkeit - nur den Wenigsten. Einen emotionalen Kern erfassen (aufwachsen von Kindern) UND ihn auch noch schriftstellerisch professionell darzubieten ... da muss man suchen. UND - erschwerend - jetzt brauchst du noch einen Leser, der zu beidem imstande ist.

Stell also dein Licht nicht so weit unter den Scheffel. Mit dem Text zeigst du klar, dass du einen - und das ist wichtig - Zugang zu deinen Emotionen hast und sie SO beschreiben kannst, dass Leser:innen es nachfühlen können. In meinen Augen: Vergiss das mit Prämissen und Theorien und dem Kram. Schreib einfach. Danach kümmerst du dich um die üblichen Verdächtigen (Wortwiederholungen, Personalpronomen, Possessivpronomen usw.). Satzumstellungen zur Vermeidung kommen im Laufe der Schreibjahre. Routine entwickelt sich. Erzwingen kann man beim Schreiben nichts. Gib dir Zeit.

Griasle
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Hallo @AWM,

Ich interessiere mich schon sehr für Theorie. Ich habe aber das Konzept der Prämisse noch nicht richtig nutzbar machen können für mich bisher. Also in dem Sinne, dass ich mir im Voraus eine zurechtlege und dann nach ihr schreibe. Es ist eher ein Konzept, dass ich dann im Nachhinein nutze und dann (meistens) weiß, was ich streichen muss und was wichtig ist, damit die Prämisse möglichst dicht bewiesen wird.
Es hört sich so einfach an mit der Prämisse, aber es ist schwierig für mich, das zu verstehen.
Bevor ich meinen zweiten Kommentar in deinem Thread verfasst habe, habe ich mich ja noch mal ein wenig durchs Internet gelesen zur Prämisse. Es scheint ja viele Schreibende umzutreiben bzw. zu verwirren. Mich hat am meisten verwirrt, dass es so viele, teils widersprüchliche Aussagen dazu gibt. Ich habe aber einen Artikel hilfreich und verständlich gefunden, der hat auch meine Verwirrung etwas eingeordnet. Zumindest habe ich danach das Hilfreiche für mich an dem Konzept der Prämisse erkannt, momentan noch am ehesten, um zu erkennen, was mich an manchen Geschichten stört, nämlich wenn ich keine Prämisse erkennen kann, Synonyme wären vielleicht: wenn der rote Faden fehlt, oder: wenn ich nicht weiß, wo die Geschichte hinwill.

Mein größtes Problem damit ist Folgendes:
Nehmen wir als Beispiel "Gier führt zu Selbtsmord".
Ein Teil der Prämisse sollte sich ja auf den Protagonisten beziehen (Gier), "führt zu" ist die Handlung und "Selbstmord" die Lösung der Geschichte. Die Handlung der Geschichte soll jetzt diese Behauptung beweisen.
Jetzt mein Verständnisproblem: Wenn man nach dieser Prämisse schreiben würde, dann würde das doch die Wandlung des Protagonisten ausschließen, weil er immer gierig bleiben müsste, um diese Prämisse zu beweisen.
Oder aber die Prämisse würde nur für das letzte Drittel einer Geschichte gelten, wo sich der Prota zum Beispiel von einem großzügigen zu einem gierigen Menschen gewandelt hat und das dann zu Selbstmord führt.
Da jede Geschichte nur eine Prämisse haben soll, müsste die Prämisse, um für das gesamte Buch zu gelten, dann aber eigentlich heißen "Großzügigkeit führt zu Gier führt zu Selbtsmord."
In dem Artikel steht, dass sich die Prämisse auf den zentralen Konflikt des Protagonisten bezieht, nicht auf eine Charaktereigenschaft, sowie deren Lösung. Dein Beispiel mit der Gier ist schwierig einzuordnen, weil ich natürlich die Geschichte dazu nicht kenne. Aber vielleicht hilft dir ja der Artikel ...

Viele Grüße
Katta

 
Monster-WG
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Hey @AWM

Ich gehe mit @Morphin einig, dass die Verbindung von gutem Handwerk und Zugang zu (eigenen) Emotionen erstrebenswert ist, nicht aber - was wenig überraschen wird - mit der These, man solle die Theorie vergessen. Meiner Meinung nach ist es keineswegs zwingend, dass Denken das Fühlen bedrängt oder überlagert oder schmälert. Für mich sind Denken und Fühlen keine Gegensätze. Zudem bin ich davon überzeugt, dass man sehr bewusst und rational Werke schaffen kann, die irrational und aus dem Unbewussten geschöpft wirken. Produktion ist nicht gleich Rezeption. Lynchs Mullholland Drive zum Beispiel ist von vorne bis hinten, bis ins letzte symbolische Detail, durchdacht. Und doch wirkt der Film völlig anders. Daher also noch mal ein paar Überlegungen zur Prämisse.

Nehmen wir als Beispiel "Gier führt zu Selbtsmord".
Ein Teil der Prämisse sollte sich ja auf den Protagonisten beziehen (Gier), "führt zu" ist die Handlung und "Selbstmord" die Lösung der Geschichte. Die Handlung der Geschichte soll jetzt diese Behauptung beweisen.
Jetzt mein Verständnisproblem: Wenn man nach dieser Prämisse schreiben würde, dann würde das doch die Wandlung des Protagonisten ausschließen, weil er immer gierig bleiben müsste, um diese Prämisse zu beweisen.
Oder aber die Prämisse würde nur für das letzte Drittel einer Geschichte gelten, wo sich der Prota zum Beispiel von einem großzügigen zu einem gierigen Menschen gewandelt hat und das dann zu Selbstmord führt.
Da jede Geschichte nur eine Prämisse haben soll, müsste die Prämisse, um für das gesamte Buch zu gelten, dann aber eigentlich heißen "Großzügigkeit führt zu Gier führt zu Selbtsmord."
Ich glaube, das Problem liegt beim Fettgedruckten. Ich sehe das ganz pragmatisch. Der Sinn einer Prämisse ist es, dir als Autor einen Orientierungspunkt dafür zu geben, was für deine Geschichte relevant ist. Weil nur ein einziger Satz, ist sie natürlich notwendigerweise massiv vereinfachend. Aber es ist gar nicht ihr Anspruch, alle wesentlichen Elemente explizit zu machen, auch nicht die Charakterentwicklung. Dein Beispiel finde ich in dieser Hinsicht super. Gier führt zu Selbstmord. Da ist ja die innere Entwicklung impliziert. Wenn du dieser Prämisse folgst, dann bist du geradewegs gezwungen, deinen Charakter sich entwickeln zu lassen, und genau das macht meines Erachtens die Stärke dieser Prämisse aus.
Wenn du hingegen dem Theme / Topic folgst ...
Topic ist z.B. einfach: Liebe
Das Theme ist dann ein Standpunkt zu diesem Thema: z.B. Lernen sich selbst zu lieben.
Oder Topic: Schönheit.
Theme: Wahre Schönheit ist innerlich.
... hast du überhaupt keinen Anhaltspunkt, auch keinen Druck auf die Figuren. Wenn ich deine Prämisse oben lese, geht bei mir gleich der Film ab. Wenn ich Thema / Topic lese, zucke ich mit den Schultern und habe den Eindruck, von vorne beginnen zu müssen. Thema / Topic bleibt für mich zu vage, da hast du keinen narrativen Kern.
Ich würde mit beidem arbeiten. Thema / Topic festlegen, danach versuchen, daraus eine Prämisse zu entwickeln. Allzu ernst würde ich das selbst aber auch nicht nehmen wollen, und hier würde ich @Morphin, wenn ich ihn richtig verstanden habe, wiederum recht geben: Es wäre wohl verheerend, einen Text mit dem permanenten Bewusstsein einer Prämisse im Hinterkopf zu schreiben, das wäre lähmende Selbstzensur und führte zu den erwähnten kalten Texten. Und natürlich gibt es qualitativ unterschiedlich gute Prämissen. Fade Prämissen führen zu faden "Von-A-nach-B-Texten." Ich glaube aber, dass eine Prämisse immer wieder mal einen Orientierungspunkt setzen kann. Was will ich erzählen? Was ist der Kern? Die Prämisse kann z.B. eine Landschaftsbeschreibung massiv einfärben, Dialoge, etc. Vor allem beim Schreiben von längeren Texten hilft es mir, unnötige Szenen erst gar nicht in Angriff zu nehmen. Hauptsächlich ist die Prämisse für mich aber bei der Überarbeitung relevant. Sie zeigt mir, wo ich nachschärfen könnte und welche Beilagen womöglich entbehrlich sind.

Lieber Gruss
Peeperkorn

 

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