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Dunkelwelt

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Dunkelwelt

Der kleine Frachtraum war gefüllt mit veralteten Antriebseinheiten, Echolotsendern und Raumanzügen. Sogar einige antike Holzstühle, vielleicht das Wertvollste der Beute.
„Der Erlös wird für zwei, vielleicht knapp drei Wochen reichen“, meinte Silienne zu Connard.
„Immerhin, mit mehr hatte ich auch nicht gerechnet. Wird Zeit, diesen Quadranten mal zu verlassen. Komm." Connard nahm ihre Hand und ging mit ihr zur Brücke des kleinen Raumkreuzers.
„System Lalande, Quadrant Q3“, forderte er per Sprachbefehl. Die holografische Sternenkarte erschien in der Mitte der kuppelförmigen Brücke.
„Wir könnten noch zu den Siedlungen der Minenarbeiter. Eigentlich seltsam, dass die Arbeiten dort nicht wieder aufgenommen wurden“, meinte Connard. Mit einer öffnenden Handbewegung vergrößerte er die Ansicht eines Systems mit drei Planetoiden.
Silienne ging näher heran und betrachtete einen der Planeten. Er war dunkelblau, seine Helligkeit pulsierte wie ein langsam schlagendes Herz. Sie rief per Sprachbefehl die Detailinformationen auf. „Es ist eine Dunkelwelt, sieh.“
Auch Connard näherte sich den Informationen und begann zu lesen. „Ja, aber nur geringe Mengen der dunklen Materie. Und eine atembare Atmosphäre, wodurch auch immer die zustande kommt.“
„Hey, es gibt ein natürliches Höhlensystem. Wir könnten Gesteinsproben abbauen und sehen, ob jemand daran interessiert ist. Was meinst du?“
Connard überlegte einige Sekunden. „Von dort aus können wir weiter zur Axxon-Station, also warum nicht. Machen wir uns fertig für die Kältekammer.“
Sie legte von hinten die Arme um ihn. „Noch nicht.“

Silienne betrat die Brücke, im Bademantel und mit einem Handtuch um den Kopf.
„Willst du so auf den Planeten?“, lächelte Connard und reichte ihr eine Tasse Kaffee.
„Danke. Das wär doch mal was“, antwortete sie und lächelte ebenfalls, bevor sie vom Kaffee trank. Sie zeigte auf den Planeten, der durch das große Panoramafenster zu sehen war. „Die Farbschwankungen sind unheimlich. Verursacht es die dunkle Materie?“
Connard sah hinaus. „Weiß nicht. An der Oberfläche befindet sich nur wenig davon, ich habe vorhin einen Detailscan gestartet. Wir müssen in die tiefer liegenden Höhlen, wenn wir im Gestein etwas davon finden wollen.“
Silienne betrachtete das im Raum schwebende Hologramm eines felsigen Tals, in der Nähe einer Felswand. Hier war die farbliche Unstetigkeit des dunkelblauen Gesteins noch deutlicher zu sehen. Das gleichmäßige Pulsieren hatte eine fast hypnotische Wirkung. „Sieht nach einem guten Landeplatz aus.“
„Ja, auf jeden Fall genug freie Fläche. Hier befinden sich auch Zugänge zu den Höhlen, aber ich glaube nicht, dass der Minenroboter bei dem unebenen Boden und den schmalen Gängen weit kommen wird. Wahrscheinlich müssen wir selbst hinein.“
Silienne ging zum Fenster und legte sich eine Hand auf den Bauch. Connard stellte sich hinter sie. Ihre Hand zitterte kurz, als er sie mit seiner umgriff.
"Unser Sohn ruht in Frieden. Irgendwann bist du wieder soweit, hab Geduld“, sagte er und küsste ihre Wange.
Sie schwieg, blickte weiter auf den Planeten.
„Ich starte gleich die Landesequenz, du solltest dich anziehen.“
„Warum liegt diese Welt immer im Halbdunkel, auch die von der Sonne bestrahlte Seite?“, fragte sie, als hätte sie ihn nicht gehört. „So als würden wir sie sehen, aber eigentlich befindet sie sich an einem anderen Ort.“
Diesmal war es Connard, der schwieg.

Sie verließen den Raumkreuzer über die heruntergefahrene Rampe. Ein kleiner Minenroboter folgte.
„Keine Sterne, sieh“, sagte Silienne und zeigte nach oben. „Als würde diese Welt von einer blauen Decke umhüllt."
Trotz der atembaren Atmosphäre hatten sie die Raumanzüge an, hörten ihre Stimmen über die Kommunikationsverbindung.
Connard blickte hoch und betrachtete dann die Umgebung. „Wodurch entsteht hier diese saubere Luft?“, überlegte er. „Nichts als Felsen.“
„Vielleicht durch etwas unter der Oberfläche“, vermutete Silienne.
„Alles wirkt so friedlich, aber auch unendlich einsam. Warum konnten wir von oben die Oberfläche sehen, aber von hier aus nicht die Sterne?“
„Wir können die Atmosphäre später im Detail scannen, lass uns die Höhleneingänge prüfen. Ich möchte nicht länger als notwendig hier bleiben.“
Als sie die Felswand fast erreicht hatten, stiegen kleine, helle Lichtpunkte aus dem Boden empor. Tanzten um sie herum und durch sie hindurch. Silienne streckte die Hand aus und lachte.
„Was immer es ist, unsere Scanner erfassen es nicht“, sagte Connard.
Die Punkte entfernten sich einige Meter und begannen, geometrische Formen zu bilden. Rechtecke, Quader, Zylinder. Einige sahen kurzzeitig aus wie Türen und Fenster. Nach einigen Sekunden lösten sich die Formen auf und die Lichtpunkte verschwanden wieder im Boden.
Beide schwiegen, bis Connard schließlich sagte: „Unheimlich. Aber kein Grund, direkt wieder abzuhauen. Was meinst du?“
Silienne sah sich um, konnte aber nur die verlassene, blau pulsierende Felslandschaft sehen. „Scheint ja vorbei zu sein. Sie wirkten … weiß nicht, neugierig? Dann weiter, bevor ich es mir anders überlege.“

Die Höhle verengte sich weiter, wurde zu schmal für den Minenroboter.
„Stopp, kleiner Helfer, hier geht´s für dich nicht mehr weiter“, sagte Connard.
Sie nahmen die beiden Bohrwerkzeuge aus den Verankerungen des Roboters, ab hier würden sie sie tragen müssen.
Durch eine Berührung des Handgelenks aktivierte Silienne den Holo-Projektor, der eine Echolot-Karte des Untergrunds in den Raum vor ihnen zeichnete. „Die unterirdische Kammer ist nicht mehr weit“, sagte sie und deutete mit der anderen Hand auf den Hohlraum. „In ihrer Mitte bewegt sich etwas, könnte eine Wasseroberfläche sein. Das Gestein zeigt hier eine etwas höhere Dichte an dunkler Materie.“
Nach einigen Minuten erreichten sie die Kammer und schalteten die Helmlampen aus. Der kleine See in der Mitte des hohen Raums schimmerte in einem hellen Blau und leuchtete die Umgebung aus. Connard kniete sich an den Rand des Wassers und spürte trotz des Handschuhs einen Aufwind, der seine Hand nach oben drückte.
Auch Silienne streckte eine Hand aus. „Wie ist das möglich?“, flüsterte sie. „Die Luft durchdringt das Wasser, beides Grundlagen unseres Lebens. Wie ist das entstanden, hier unten?“
Connard beugte sich nach vorne „Wenn ich das wüsste. Der See geht tief hinab, ich kann trotz des klaren Wassers nicht bis zum Grund sehen.“ Er legte das Bohrwerkzeug ab und löste einen der kleinen Beutel vom Gürtel. „Ich werde etwas hiervon mitnehmen. Schau doch schon mal nach einem geeigneten Platz für die Bohrungen.“
„Gut“, antwortete sie, trennte sich jedoch erst nach einigen Sekunden vom Anblick des Gewässers.

Auch Silienne schaltete ihr Bohrwerkzeug ab und legte es auf den Boden. Connard benutzte seinen Handscanner über den gelösten und zerkleinerten Steinen und legte einige davon in einen Beutel. Als er voll war, reichte er ihn Silienne und füllte einen weiteren.
„Hörst du das?, fragte sie.
Connard stand auf und befestigte den Beutel am Gürtel. „Was meinst du?“
„Ist dein Außenmikrofon nicht an? Das Weinen eines Kindes, hör doch.“
Connard wollte die Einstellungen prüfen, aber dann bemerkte er es auch. Für ihn war es mehr wie ein Schluchzen, aus der Richtung, aus der sie gekommen waren.
„Wir müssen nachsehen, komm.“ Silienne strich beiläufig über ihren Bauch.
Connard schloss zu ihr auf, sie folgten dem Weg durch die Höhlen zurück zur Oberfläche. Das Geräusch wurde weder lauter noch leiser, als sie sich dem Ausgang näherten. Am Minenroboter angekommen, befestigten sie die Bohrwerkzeuge und Beutel und aktivierten ihn wieder.
„Komm mit, kleiner Freund“, sagte Connard, und an Silliene gerichtet: „Sei vorsichtig, wenn wir den Ausgang erreichen. Mir gefällt das nicht.“
Das Ende des Tunnels kam in Sicht. Etwas leuchtete dahinter. Die hellen Lichtpunkte waren wieder erschienen und hatten ein Haus geformt. Silienne blieb stehen und hielt sich mit einer Hand an Connards Schulter fest.
„Wie ist das möglich?“, fragte sie. „Das Heim meiner Eltern. Auf dem kleinen Mond, erinnerst du dich?“
Weitere der leuchtenden Wesen flogen heran, bildeten jedes Detail nach. Auch die Farben passten sich dem Original an. Weiße Wände und ein rotes Dach. Sogar der kleine Garten davor entstand, mit den von ihrer Mutter liebevoll gepflegten Pflanzen und den kuriosen Gartenzwergen ihres Vaters.
Beide betrachteten wortlos das entstehende Haus, bis es fertig schien. Der Roboter war hinter ihnen zum Stehen gekommen. Erst jetzt merkten sie, dass das Weinen nicht mehr zu hören war.
„Ich muss hinein“, flüsterte Silienne und ging auf das Haus zu.
„Warte“, sagte Connard, hielt sie am Ellenbogen.
Sie zog ihren Arm weg und ging weiter. „Lass mich. Vielleicht ist das Kind dort und braucht unsere Hilfe.“ Ihre Stimme blieb ein Flüstern, als sie durch den Garten ging und vorsichtig einen Fuß auf die erste Stufe setzte, hoch zur Veranda.
Connard folgte ihr und prüfte das Haus. Er konnte keinen Unterschied erkennen zu dem Gebäude, das er in Erinnerung hatte. Alle Fenster waren dunkel, schienen ihn wie stumme Seelen zu betrachten.
Silienne ging die Stufen hoch. Sie knirschten, als wären sie aus echtem Holz und nicht aus Licht entstanden.

Die Haustür war unverschlossen. Silienne öffnete sie und betrat den Flur. Die Deckenbeleuchtung ging an. Alles war genauso wie bei ihrem letzten Besuch. Über der hölzernen Kommode hingen Landschaftsbilder. Daneben das große Hochzeitsfoto ihrer Eltern. An der Wand gegenüber eine Garderobe in der Optik eines Geweihs. Auch hier knarzte der Boden.
Sie ging weiter, öffnete die Tür zum Wohnzimmer. Ihre Mutter und ihr Vater saßen nebeneinander auf der Couch. Vor ihnen, auf einem kleinen Tisch, standen zwei dampfende Tassen Kaffee.
„Sil, Schatz“, sagte ihre Mutter, als sie den Raum betrat. „Endlich bist du hier, wir haben gewartet.“
Ihr Vater nahm seine Tasse und trank vorsichtig.
„Setz dich zu uns. Wir haben nur selten Besuch.“
Silienne ging zu ihnen, setzte sich auf die Couch und blickte sich um. „Was ist das hier? Wie kommt ihr hierher?“
Ihre Eltern sahen sich an.
„Wir haben auf deine Tochter aufgepasst. Du darfst sie nicht mehr alleine lassen“, sagte ihr Vater und stellte die Tasse ab.
Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Schweiß bildete sich auf ihrer Stirn. Das Ticken der großen Wanduhr hallte durch den Raum, als Connard eintrat.
„Was …“, begann er, als ein Kind anfing zu weinen. Erst jetzt bemerkten er und Silienne das Kinderbett in der Ecke des Zimmers.
„Wie kann sie meine Tochter sein?“, fragte Silienne, stand auf und ging zu dem kleinen Bett. Das Mädchen trug einen rosa Strampelanzug und hörte auf zu weinen, als sie sich darüber beugte.
„Nimm sie zu dir“, meinte ihre Mutter.
Silienne sah zu Connard. Ihr Lächeln wurde breiter. Sie lehnte sich hinunter und nahm das Mädchen vorsichtig hoch. Trotz der Handschuhe ging es erstaunlich gut. Auch das Kind begann zu lächeln, als sie es in den Armen wiegte.
„Alles hier ist nicht echt“, sagte Connard zu ihr. „Ich weiß nicht, was hier vor sich geht, aber wir sollten verschwinden.“
Sie ging mit dem Kind zurück zu ihren Eltern, ohne zu antworten. Ihre Augen bekamen einen glasigen Blick.
„Wer hat dir erlaubt, hier zu erscheinen?“, fragte ihr Vater Connard. „Du warst noch nie gut für sie. Wird Zeit, dass du verschwindest.“
Bevor er antworten konnte, legte jemand von hinten einen Arm um seinen Hals und zog ihn zurück. „Hört der kleine Conni mal wieder nicht?“, sprach jemand hinter ihm. Er erkannte die Stimme seines älteren Bruders, der ihn weiter zog, Richtung Ausgang.
Connard versuchte mit seinen behandschuhten Händen den Arm zu umgreifen, aber er rutschte ab. „Hör auf, ich muss zu meiner Frau“, schrie er, aber sein Bruder brachte ihn vor die Tür, drehte sich um und stieß ihn die Verandatreppen hinunter.
Er landete hart auf dem felsigen Boden, die Knie und Handgelenke schmerzten trotz des Raumanzugs.
„Immer noch der Schwächling. Verschwinde. Niemand will dich hier“, rief sein Bruder und setzte sich auf die Treppen.

„Frag nicht, wie es sein kann“, sagte ihre Mutter und streichelte den Kopf des Kindes. „Akzeptier es einfach. Freu dich über sie, wie sie sich über dich freut.“
Silienne wiegte das Mädchen weiter langsam hin und her. „Darf ich ihr einen Namen geben?“
„Das wird nicht mehr nötig sein“, antwortete ihre Mutter und griff in den Ärmel des weiten Pullovers.
Erst nach einigen Sekunden wurde Silienne klar, was sie gehört hatte. Sie blickte hoch. Ihre Mutter beugte sich nach vorne und stach die dünne Nadel einer Spritze durch ihren Handschuh. Injizierte eine bläuliche Flüssigkeit.

Connard stand stöhnend auf und ging auf die Treppen zu. „Wer oder was bist du?“
„Erkennst du deinen eigenen Bruder nicht mehr?“, fragte die Person auf den Stufen.
„Was macht ihr mit Silienne? Lass mich zu ihr.“ Er wollte die Stufen hoch, aber das Ebenbild seines Bruders stand auf und schubste ihn zurück. So kräftig, dass er einige Schritte taumelte und erneut hinfiel. Anstatt aufzustehen, sah Connard zu dem Minenroboter. Und den daran befestigten Beuteln mit der dunklen Materie. Vorsichtig stand er auf und ging rückwärts in Richtung des Felswand. Sein Bruder blieb sitzen und zündete sich eine Zigarette an.

„Was hast du getan?“, rief Silienne und sah mit geweiteten Augen auf die Einstichstelle. Nachdem ihre Mutter die Nadel herausgezogen hatte, bildete sich eine dünne, blaue Schicht darüber.
„Ach, Kind. Wir freuen uns über jeden Besuch. Und über jeden, der bleibt.“ Die Stimme wurde leiser, die Farben der Umgebung begannen zu verblassen.
Silienne sah sich um. „Was passiert hier? Alles wird … weniger.“
Ihre Mutter legte etwas auf ihren Handschuh, einen spitzen Gegenstand.
„Es ist dein Mann, er macht etwas. Aber es ist nicht schlimm. Du hast alles, was du brauchst.“

Connard betrat die Höhle, die er zuvor mit Silienne erforscht hatte. Der Minenroboter folgte ihm. Als der Gang um eine Ecke führte, stand erneut das Ebenbild seines Bruders vor ihm.
„Conni, Conni … wo willst du denn hin? Hab ich dir noch nicht oft genug gesagt, dass du nirgendwo was verloren hast? Brauchst du nochmal ne Tracht Prügel?“
Connard blieb stehen, nur kurz, und ging weiter. „Du bist nur so real, wie ich es zulasse.“ Er erreichte die Erscheinung, sie hatte ihr selbstsicheres Grinsen verloren. Machte sich auf den Zusammenstoß gefasst … aber nichts geschah. Wie einen Geist hatte er das Wesen durchschritten. Connard sah nicht zurück, folgte weiter dem Tunnel. „Komm mit, kleiner Freund“, sagte er zu dem Roboter.
Er erreichte die Stelle, an der er ihn zurücklassen musste und nahm ihm die Beutel mit den Steinen ab. „Bin gleich wieder da.“ Nicht lange, und er sah am Ende des Gangs den blauen Schein der Kammer. Zuerst wollte er die Steine einfach irgendwo in dem Raum ablegen, aber dann ging er zu dem seltsamen, von Luft durchwehten Wasser. Und warf die Steine hinein. Trotz des Luftzugs versanken sie schnell, bis sie nicht mehr zu sehen waren.

Silienne stand auf der felsigen Oberfläche und blickte hoch. Diesmal konnte sie die Sterne sehen und lächelte, streckte die Arme zur Seite. Das Haus, ihre Eltern und das Mädchen waren verschwunden. Aber sie spürte etwas Fremdartiges in ihrem Bewusstsein. Wie ein Kind, das die ersten Schritte machte. Sie wusste nicht, wie lange sie hier schon stand, als Connard zu ihr kam.
„Alles in Ordnung?“, fragte er, seine Stimme ruhig und leise.
„Ja. Nun ist es gut.“
Sie standen eine Zeitlang schweigend, bis Silienne ihn ansah und fragte: „Warum waren deine Wünsche nicht stärker?“
„Was meinst du, ich konnte …“
„Du hast mir nie von deinem Bruder erzählt“, unterbrach sie ihn.
„Wir waren nicht unbedingt ein Herz und eine Seele. Was ist mit deinem Handschuh?“ Er zeigte auf die blaue, isolierte Stelle.
Sie betrachtete den Flicken und ging auf ihn zu. „Ein Geschenk.“ Silienne deutete nach oben. „Die Sterne, sieh. Andere werden kommen, irgendwann.“
„Deine Augen …“, begann Connard, als er das blaue Leuchten darin bemerkte.
„Möchtest du nicht hierbleiben?“, flüsterte sie, ihr Gesicht eine ausdruckslose Maske.
„Komm, du musst dich untersuchen lassen.“ Er wollte ihre Hand greifen, aber es befand sich etwas darin. Es sah aus wie ein langgezogener, spitzer Edelstein. Bevor er reagieren konnte, durchstach sie damit seinen Raumanzug. An der Brust, am Bauch. Er versuchte, die Löcher und das austretende Blut mit den Handschuhen abzudecken.
„Warum wolltest du kein Kind mehr?“, fragte Silienne, als sie weiter auf ihn einstach.

Silienne schwebte über Connards Körper. Und über ihrem eigenen, auch ihr Raumanzug war durchlöchert. Ihr Bewusstsein war noch da, aber nun als Teil von etwas anderem. Ein Funke eines Feuerwerks. Genau wie Connard.
Unzählige Seelen umgaben den Raumkreuzer. Lösten ihn auf, als würden sie eine Zeichnung ausradieren. Sie richtete ihre Wahrnehmung nach oben. Neue Besucher kamen, würden bald landen. Und vielleicht bleiben. Sie versank im Boden.
 
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Hi @Rob F,

großes Komplimen! Deine Geschichte funktioniert auf mehreren Ebenen, sie erzählt von einem traumatisierten Paar, das seinen unerfüllten Kinderwunsch nicht verarbeiten kann, und gleichzeitig funktioniert sie auch als einfache, klassische Gespenstergeschichte. Ich musste spontan an Solaris von Lem denken, an Don't Look Now von Daphne Du Maurier und an alle möglichen Kurzgeschichten von Shirley Jackson ... cool!

Du erzählst die Story stringent durch, nimmst keine falschen Abzweigungen (*hüstelhüstel*) und entwickelst nach und nach eine interessante, stille, unheimliche Welt. Am Plot habe ich nichts auszusetzen - nur einen Vorschlag: Mach das Trauma deiner Protagonisten stärker. Wie wäre es, wenn sie ein Kind verloren hätten, statt sich eines zu wünschen, das es einfach nicht gibt? Dann wäre Siliennes Motivation im Finale vielleicht auch stärker.

Ansonsten glaube ich, dass man die Geschichte ein bisschen kürzen könnte, einfach fürs Tempo, aber das kann auch ganz subjektiv sein.

Sehr gerne gelesen!

Viele Grüße

Christophe

Bisschen Textarbeit:

Hauptsächlich Elektroschrott und Einrichtungsgegenstände, die mit viel Fantasie noch gebraucht werden konnten.
Im Texteinstieg würde ich Überbegriffe wie "Elektroschrott" und "...gegenstände" vermeiden und stattdessen ganz konkret werden: Was genau sieht Silienne? Umso schneller hat der Leser ein Bild vor Augen und ist in deiner Story drin.

„Der Erlös wird für zwei, vielleicht knapp drei Wochen reichen“, sagte sie zu Connard, der neben ihr stand.
Kannst du einfach streichen, das ergibt sich aus dem Kontext.

„Es ist eine Dunkelwelt, sieh.“

„Stopp, kleiner Helfer, hier gehts für dich nicht mehr weiter“

„Wir müssen nachsehen, komm.“
Du gibst deinen Figuren durch ganz kleine Details eine eigene Sprache - wow! Sehr cool!

„Von dort aus können wir weiter zur Axxon-Station, also warum nicht. Also fertig machen für die Kältekammer.“
Also ... also.

„Die Farbschwankungen sind unheimlich. Verursacht es sie die dunkle Materie?“

„Als würde diese Welt von einer blauen Decke umhüllt."

cTrotz der atembaren Atmosphäre hatten sie die Raumanzüge an, hörten ihre Stimmen über die Kommunikationsverbindung.
Das ist auch so abstrakt. Vielleicht hat das System einen Namen oder so?

Kleine, helle Lichtpunkte stiegen aus dem Boden empor, als sie die Felswand fast erreicht hatten.
Ich kann nicht genau erklären, warum, aber ich würde den Satz umstellen: "Sie hatten die Felswand fast erreicht, als ..." Das stellt (glaube ich) die Lichtpunkte mehr in den Vordergrund (auch wenn sie in den hinteren Satzteil rutschen.)

Die Punkte entfernten sich einige Meter und begannen, geometrische Formen zu bilden. Rechtecke, Quader, Zylinder. Einige sahen kurzzeitig aus wie Türen und Fenster. Nach einigen Sekunden lösten sich die Formen auf und die Lichtpunkte verschwanden wieder im Boden.
Sehr cool!

Beide schwiegen, bis Connard schließlich sagte: „Unheimlich. Aber kein Grund, direkt wieder abzuhauen. Was meinst du?“
Hin und wieder lässt du deine Figuren ihre Gefühle in direkter Rede beschreiben - das wirkt, finde ich, nicht so realistisch. Interessanter fände ich es, wenn wir aus ihren Handlungen schließen könnten, wie sie sich fühlen.

Der kleine See in der Mitte des hohen Raums schimmerte in einem hellen Blau und leuchtete die Umgebung aus.

Sie zog ihren Arm weg und ging weiter. „Lass mich. Es ist das Haus meiner Eltern, wie sollte hier Gefahr drohen?“
Mmmmmh ... :dozey:

Alle Fenster waren dunkel, dennoch strahlte es auf unerklärliche Weise eine Präsenz aus.
Diese Beschreibung verstehe ich nicht.

„Endlich bist du hier, wire haben gewartet.“

Ihre Mutter beugte sich nach vorne und stach die dünne Nadel einer Spritze durch ihren Handschuh. Injizierte eine bläuliche Flüssigkeit.
Hier bin ich mir nicht ganz sicher, was passiert. Warum muss dieser Planet, muss diese Entität aus Licht und Energie, auf etwas so, mmh, Banales zurückgreifen wie eine Spritze?
 
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09.12.2019
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359
Hi @Christophe ,

danke auch hierbei fürs Lesen und Kommentieren!

nur einen Vorschlag: Mach das Trauma deiner Protagonisten stärker. Wie wäre es, wenn sie ein Kind verloren hätten, statt sich eines zu wünschen, das es einfach nicht gibt? Dann wäre Siliennes Motivation im Finale vielleicht auch stärker.
Ja, das ist eine gute Idee! Ich habe hierfür zu Beginn die entsprechende Stelle angepasst:
Silienne ging zum Fenster und legte sich eine Hand auf den Bauch. Connard stellte sich hinter sie. Ihre Hand zitterte kurz, als er sie mit seiner umgriff.
"Er ruht in Frieden. Irgendwann bist du wieder soweit, hab Geduld“, sagte er und küsste ihre Wange.
Sie schwieg, blickte weiter auf den Planeten.


Ansonsten glaube ich, dass man die Geschichte ein bisschen kürzen könnte, einfach fürs Tempo, aber das kann auch ganz subjektiv sein.
Da gebe ich dir grundsätzlich recht, es ist nur eher als ruhige, ausführliche Geschichte gedacht, bei der man auch etwas Geduld haben muss. Es geht durch die Szenen neben dem Handlungsverlauf ja auch darum, diese Welt etwas erleben, hoffe dass mir dies einigermaßen gelungen ist.

Im Texteinstieg würde ich Überbegriffe wie "Elektroschrott" und "...gegenstände" vermeiden und stattdessen ganz konkret werden
Stimmt, dadurch wird schon der Einstieg besser vorstellbar, ich habe es also detailliert.

„Der Erlös wird für zwei, vielleicht knapp drei Wochen reichen“, sagte sie zu Connard, der neben ihr stand.
Kannst du einfach streichen, das ergibt sich aus dem Kontext.
ist geschehen

Du gibst deinen Figuren durch ganz kleine Details eine eigene Sprache - wow! Sehr cool!
Sie stecken ja die meiste Zeit in den Raumanzügen, da habe ich mal über die Sprache versucht, sie zu charakterisieren.

„Von dort aus können wir weiter zur Axxon-Station, also warum nicht. Also fertig machen für die Kältekammer.“
Also ... also.
Ich habe mich also entschieden, ein also zu streichen!

Trotz der atembaren Atmosphäre hatten sie die Raumanzüge an, hörten ihre Stimmen über die Kommunikationsverbindung.
Das ist auch so abstrakt. Vielleicht hat das System einen Namen oder so?
Mal sehen, ob ich hierzu noch eine Idee habe. Im Moment leider nicht ...

Ich kann nicht genau erklären, warum, aber ich würde den Satz umstellen: "Sie hatten die Felswand fast erreicht, als ..." Das stellt (glaube ich) die Lichtpunkte mehr in den Vordergrund (auch wenn sie in den hinteren Satzteil rutschen.)
Ich habe den Satz umgestellt, auch da ich glaube, dass das Erscheinen der Lichtwesen in dem Satz zunächst eingeleitet werden sollte. Es kommt ja für den Leser völlig überraschend und könnte daher am Satzbeginn auch ein wenig überlesen werden.

Hin und wieder lässt du deine Figuren ihre Gefühle in direkter Rede beschreiben - das wirkt, finde ich, nicht so realistisch. Interessanter fände ich es, wenn wir aus ihren Handlungen schließen könnten, wie sie sich fühlen.
Ich habe bezogen hierauf bisher einen Satz von Silienne geändert. Es kommt insgesamt glaube ich nur an einer Stelle vor, bevor sie in die Höhle gehen. Da gebe ich dir grundsätzlich recht, es ist nur etwas schwierig, da sie durch die Raumanzüge ja kaum zu sehen sind.

Sie zog ihren Arm weg und ging weiter. „Lass mich. Es ist das Haus meiner Eltern, wie sollte hier Gefahr drohen?“
Mmmmmh ... :dozey:
Nun heißt es wie folgt, vielleicht ist es so von ihrer Motivation her nachvollziehbarer:
„Lass mich. Vielleicht ist das Kind dort und braucht unsere Hilfe.“

Alle Fenster waren dunkel, dennoch strahlte es auf unerklärliche Weise eine Präsenz aus.
Diese Beschreibung verstehe ich nicht.
Ich habe es geändert in:
Alle Fenster waren dunkel, schienen ihn wie stumme Seelen zu betrachten.

Hier bin ich mir nicht ganz sicher, was passiert. Warum muss dieser Planet, muss diese Entität aus Licht und Energie, auf etwas so, mmh, Banales zurückgreifen wie eine Spritze?
Die dunkle Materie spielt ja mit den Gedanken von Silienne und Connard. Das Haus und ihre Eltern werden jedoch durch die Lichtwesen simuliert. Demnach würde auch die Wirkung auf Silienne nachlassen, als Connard die Materie wieder in die Höhle bringt.
Die Spritze ist demnach ein Symbol, das die Lichtwesen aus dem Gedächtnis von Silienne kopieren, es könnte also auch etwas anderes sein. Sie injizieren Silienne damit etwas von der Materie und dringen damit endgültig in ihr Bewusstsein ein. Auch dadurch wird sie nach ihrem Tod zu einem der Lichtwesen.
Bei Connard geschieht dies durch die Waffe, die Silienne erhalten hat und mit der sie auf ihn einsticht.
Ich hoffe, das erklärt es soweit, sonst am besten nochmal nachfragen!

Danke für deine Vorschläge und viele Grüße,
Rob
 
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20.08.2019
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Lieber @Rob F

ich habe Deine Geschichte sehr gerne gelesen. Sie hat mich berührt! Sie hat etwas Düsteres, ist spannend und emotional. Ich bin nah bei den Protagnositen, kann mir die ungewohnte Umgebung sehr gut bildlich vorstellen.

Ein paar Kleinigkeiten sind mir aufgefallen:

Komm.
Wir müssen nachsehen, komm.
Komm mit, kleiner Freund

Du hast an vielen Stellen im Text Aufforderungen drin, da müssten jeweils Ausrufezeichen hin.

Was meinst?

Das klingt so umgangssprachlich, passt nicht zum restlichen Text.
Ich würde es ausschreiben.
Was meinst du?
[/QUOTE]

Die hellen Lichtpunkte waren wieder erschienen und hatten ein Haus geformt. Silienne blieb stehen und hielt sich mit einer Hand an Connards Schulter fest.
„Wie ist das möglich?“, fragte sie. „Das Heim meiner Eltern. Auf dem kleinen Mond, erinnerst du dich?“

Das ist sehr mysteriös. Da hab ich Gänsehaut gekriegt.

„Warte“, sagte Connard, hielt sie am Ellenbogen.

Nach Warte müsste ein Ausrufezeichen stehen, da es eine Aufforderung ist.

Er konnte keinen Unterschied erkennen zu dem Gebäude, das er nun in Erinnerung hatte.

Kann man streichen, unnötiges Füllwort.

Silienne öffnete sie und betrat den kleinen Flur. Die Deckenbeleuchtung ging an. Alles war genauso, wie sie es in Erinnerung hatte. Über der hölzernen Kommode hingen kleine Landschaftsbilder.
Vor ihnen auf dem kleinen Tisch standen ...
„Wie kann sie meine Tochter sein?“, fragte Silienne, stand auf und ging zu dem kleinen Bett.

Wortwiederholung.

„Nimm sie zu dir“, meinte ihre Mutter.
Verschwinde.
Lass mich zu ihr.
„Komm mit, kleiner Freund“, sagte er zu dem Roboter.

Auch hier Ausrufezeichen da Aufforderung.

Liebe Grüße und einen schönen Feiertag,
Silvita
 
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09.12.2019
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Hi @Silvita ,

bei deinem Feedback freut mich vor allem, dass die Protagonisten emotional zur Geltung kommen, insbesondere wahrscheinlich Silienne. Vielen Dank!

Komm.
Wir müssen nachsehen, komm.
Komm mit, kleiner Freund

Du hast an vielen Stellen im Text Aufforderungen drin, da müssten jeweils Ausrufezeichen hin.
Danke für den Hinweis, das hört sich plausibel an, dennoch werde ich es (erstmal) so lassen. Bei dieser ruhig erzählten Geschichte stören mich Ausrufezeichen irgendwie, weiß auch nicht ...
Ich werde aber, mit ein wenig Abstand zu dem Text, nochmal drüber nachdenken, für den Moment finde ich es in Ordnung so.

Das klingt so umgangssprachlich, passt nicht zum restlichen Text.
Ich würde es ausschreiben.
Was meinst du?
Ich habe das "du" noch ergänzt.

Die hellen Lichtpunkte waren wieder erschienen und hatten ein Haus geformt. Silienne blieb stehen und hielt sich mit einer Hand an Connards Schulter fest.
„Wie ist das möglich?“, fragte sie. „Das Heim meiner Eltern. Auf dem kleinen Mond, erinnerst du dich?“

Das ist sehr mysteriös. Da hab ich Gänsehaut gekriegt.
So war es gedacht ;)

Er konnte keinen Unterschied erkennen zu dem Gebäude, das er nun in Erinnerung hatte.
Kann man streichen, unnötiges Füllwort.
ist weg

Wortwiederholung.
Ich habe den entsprechenden Absatz überarbeitet, die häufige Verwendung von "kleinen" ist mir wohl durchgegangen.

Danke für deine Anmerkungen und Vorschläge, und noch ein schönes Wochenende!

Rob
 
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19.04.2020
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Guten Morgen Rob F,

musste der Roboter nicht draussen bleiben, oder verstehe ich da jetzt etwas nicht.

Schönen Sonntag und Gruss,

DF
 
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09.12.2019
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... musste der Roboter nicht draussen bleiben, oder verstehe ich da jetzt etwas nicht.

Guten Morgen werter @Dosenfood ,

der Minenroboter kommt solange mit, wie es die Gegebenheit der Höhle zulässt.

Also ja, du verstehst etwas nicht ;)

Auch dir noch einen schönen Sonntag!
 
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20.05.2017
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Moin @Rob F

Mein Lektoratsfokus liegt (surprise) auf der Sprache :) Also Anmerkungen!:
Silienne betrachtete den Inhalt des kleinen Frachtraums.
Diesen Satz braucht es nicht wirklich, oder? Hat was von "Er sah in den Spiegel: Er hatte grüne Augen blabla". Kannst mMn. direkt mit der Beschreibung des Gesehenen einsteigen. Dadurch sehen wir dann auch nicht die Betrachterin beim Betrachten, sondern sehen mit ihr zusammen den Raum. Ich denke in solchen Fällen oft daran, wie ich die Kamera führen würde, um eine solche Situation filmisch darzustellen.
„Der Erlös wird für zwei, vielleicht knapp drei Wochen reichen“, sagte sie zu Connard.
„Mit viel mehr hatte ich auch nicht gerechnet. Dieser Quadrant wird seit dem Ende des Krieges von Schrottsammlern geplündert. Wird Zeit, mal woanders zu suchen. Komm.“
Dassis son bisschen viel Dialogexpo, steh ich persönlich nicht so drauf, weil der Dialog dadurch mMn. unnatürlich klingt. So reden Menschen nicht miteinander, oder? Eher so vllt:
"Reicht für zwei Wochen", sagte sie zu Connard und rieb sich die Schläfen. "Maximal drei."
"Naja, viel mehr dürfen wir uns auch nicht erhoffen, wenn wir dauernd nur den Schrottsammlern hinterhertrotten. Geier."
Silienne lachte. "Wenn die Geier sind, was sind wir dann?"
"Maden", grinste Connard. "Komm."

Als Sponti-Idee.
Die dreidimensionale Darstellung des Quadranten mit seinen Sternen erschien in der Mitte der kuppelförmigen Brücke.
Holokarte? Holografische Sternenkarte? "Dreidimensionale Darstellung des Quadranten mit seinen Sternen" scheint mir zu umständlich für ein relativ etabliertes Konzept.
Beide betrachteten das Hologramm und suchten nach weiteren Orten für ihre Schatzsuche, wie sie sie nannten.
Dieses "Betrachten und Suchen" beschreibst du doch im Weiteren, nicht? Also auch hier finde ich die allgemeine Beschreibung überflüssig.
vergrößerte die Ansicht eines Systems mit drei Planetoiden.
Hier wäre es evtl. eleganter, zu beschreiben, wie er es macht. Das könnte die Situation "haptischer" machen. Also lass ihn z.B. wischen, einen Kreis in die Luft zeichnen, Pfeifen, Daumen und Zeigefinger auseinanderziehen oder sowas.

Soviel erstmal für den Anfang! Demnächst weiter :B

LG
Sisorus
 
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09.12.2019
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359
Hi @Sisorus ,

danke für deinen Kurzbesuch auf der Dunkelwelt!

Mein Lektoratsfokus liegt (surprise) auf der Sprache :)
Ach! Wie kommt´s? :gelb:

Diesen Satz braucht es nicht wirklich, oder? Hat was von "Er sah in den Spiegel: Er hatte grüne Augen blabla". Kannst mMn. direkt mit der Beschreibung des Gesehenen einsteigen. Dadurch sehen wir dann auch nicht die Betrachterin beim Betrachten, sondern sehen mit ihr zusammen den Raum. Ich denke in solchen Fällen oft daran, wie ich die Kamera führen würde, um eine solche Situation filmisch darzustellen.
Ich habe den Anfang angepasst, der Einleitungssatz ist nun direkt der Inhalt des Frachtraums. Der Einstieg in die Geschichte wirkt so direkter, danke für den Hinweis.

„Der Erlös wird für zwei, vielleicht knapp drei Wochen reichen“, sagte sie zu Connard.
„Mit viel mehr hatte ich auch nicht gerechnet. Dieser Quadrant wird seit dem Ende des Krieges von Schrottsammlern geplündert. Wird Zeit, mal woanders zu suchen. Komm.“

Dassis son bisschen viel Dialogexpo, steh ich persönlich nicht so drauf, weil der Dialog dadurch mMn. unnatürlich klingt. So reden Menschen nicht miteinander, oder?
Es ist nicht ganz so umgangssprachlich, wie du es vorgeschlagen hast, aber ich habe den Dialog etwas weniger erklärend gestaltet.

Die dreidimensionale Darstellung des Quadranten mit seinen Sternen erschien in der Mitte der kuppelförmigen Brücke.
Holokarte? Holografische Sternenkarte? "Dreidimensionale Darstellung des Quadranten mit seinen Sternen" scheint mir zu umständlich für ein relativ etabliertes Konzept.
Ich hatte hierbei auch ein wenig an nicht-Science-Fiction-Leser gedacht, aber stimmt schon, auch mit "Holografische Sternenkarte" ist es allgemein verständlich, habe es entsprechend geändert.

Beide betrachteten das Hologramm und suchten nach weiteren Orten für ihre Schatzsuche, wie sie sie nannten.
Dieses "Betrachten und Suchen" beschreibst du doch im Weiteren, nicht? Also auch hier finde ich die allgemeine Beschreibung überflüssig.
Habe den Satz enfernt.

... vergrößerte die Ansicht eines Systems mit drei Planetoiden.
Hier wäre es evtl. eleganter, zu beschreiben, wie er es macht. Das könnte die Situation "haptischer" machen. Also lass ihn z.B. wischen, einen Kreis in die Luft zeichnen, Pfeifen, Daumen und Zeigefinger auseinanderziehen oder sowas.
Nun ist es eine öffnende Handbewegung.

Danke für deine Vorschläge! und noch einen schönen Sonntag,
Rob
 
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1. Hallo @Rob F

Ach! Wie kommt´s? :gelb:
weils das ist, was mich am meisten interessiert und beschäftigt. Issim Grunde mein Bezug zum Schreiben überhaupt.

LG
Sisorus

P.S.: Hier kommen heute Abend ein paar neue Bemerkungen zum Text hin (wenn der Tag nach Plan läuft haha)
2. Hallo nochmal @Rob F !
Ich hab mir aus den nächsten Absätzen noch ein paar Dinge herausgepickt:

Fertig machen für die Kältekammer.
Das kommt mir irgendwie zu plötzlich. Also der Tonwechsel. Hier braucht es mMn. einen weicheren Ton (... er sah auf Uhr. "In fünfzehn Minuten vor der Kältekammer?" Statt zu antworten, schmiegte sich Silienne an seinen Rücken und legte die Arme um ihn. "Mach neunzig draus. Ich brauche dich noch für einen Moment." Sie drehte mit einer Hand kleine Kreise auf seinem Oberschenkel. Connard grinste. "Irgendeiner muss schließlich der glücklichste Bastard im Universum sein", dachte er.) also vom Palaver über den Planeten zur Kältekammer zur Erotik. Das geht gerade alles so abrupt.
Silienne ging zum Fenster und legte sich eine Hand auf den Bauch. Connard stellte sich hinter sie. Ihre Hand zitterte kurz, als er sie mit seiner umgriff.
Das ist sehr schematisch irgendwie. Generell gibt es einige Punkte, wo die Dinge mit extrem direkten Gesten erklärt werden. Ich glaube, das geht geschickter. Also blöder Spontanvorschlag: Sie reden über den Minenroboter. Connard nennt ihn scherzhaft ihr "Baby" ("Ja, ich glaube, das wäre zu viel für unser Baby") und Silienne ballt die Fäuste, sagt etwas wie "Nenn ihn bitte nicht so" etc. Ist jetzt auch etwas plump, aber gerade kommt der Moment sehr aus dem Nichts.
Trotz der atembaren Atmosphäre hatten sie die Raumanzüge an, hörten ihre Stimmen über die Kommunikationsverbindung.
Hier ist die Expo sehr direkt. Könnte man auch umgehen. Iwie so vllt:
V1. "Hörst du das auch?", fragte Connard. Silienne nickte. "Das Rauschen, nicht? Die Anzugkomm fängt irgendeine Strahlung auf. Vielleicht sollten wir doch erstmal ... " Connard winkte ab. "Nein, nein. Das ist nichts. Wie du schon sagst: irgendeine Strahlung."
V2. "blablabla", sagte Connard. Silienne hob die rechte Hand, modulierte mit der anderen die Frequenz der Kommunikationsverbindung. "Irgendwas rauscht", sagte sie. "Ich glaube, wir brauchen mal neue Anzüge."

So! Ich hoffe, da ist etwas dabei. Die Vorschläge gelten mehr oder minder analog für ähnliche Fälle.

LG
Sisorus

P.P.S.: Ist es Absicht, dass Connard, nun, eben nach dem französischen Wort für Arschloch benannt ist? Ich hab in der Geschichte nach Anhaltspunkten geschaut, finde ihn aber an sich ziemlich sympathisch, haha.
 
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Wortkrieger-Team
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Hallo @Rob F,

Erst mal Textkram, zum Inhalt später.
Sogar einige Holzstühle, vielleicht das Wertvollste ihrer Beute.
Würde vor Holzstühle antik einfügen, oder selten oder terrestrisch. Warum sonst sollten sie wertvoll sein?

Wird Zeit, diesen Quadranten mal zu verlassen. Komm.
So hingestellt, gehört da für mich ein Ausrufzeichen an den Schluss.

Die holografische Sternenkarte erschien in der Mitte der kuppelförmigen Brücke.
Wo denn genau, schwebt die Holographie in der Luft oder gibt es ein Kommandopult, über dem sie erscheint. Sie muss ja iwie bedient werden, die Karte. Du schreibst ja danach:
Mit einer öffnenden Handbewegung vergrößerte er die Ansicht eines Systems mit drei Planetoiden.
Wo steht er da?

Fertig machen für die Kältekammer.
Klingt wie ein Befehl, dabei sind sie doch zu zweit? Warum nicht: "Wir müssen uns fertig machen für die Kältekammer."?

Wir müssen in die tiefer liegenden Höhlen, wenn wir im Gestein etwas davon erwischen wollen
Erwischen passt für mich nicht, finden oder fördern passt besser.

Hier war die farbliche Unstetigkeit des dunkelblauen Gesteins
Was meinst du mit farbliche Unstetigkeit?

Silienne ging zum Fenster und legte sich eine Hand auf den Bauch. Connard stellte sich hinter sie. Ihre Hand zitterte kurz, als er sie mit seiner umgriff.
"Er ruht in Frieden.
Wer, der Bauch?

Irgendwann bist du wieder soweit, hab Geduld“, sagte er und küsste ihre Wange.
Ich lese da diffus sowas wie einen Kinderwunsch?

„Stopp, kleiner Helfer, hier gehts für dich nicht mehr weiter“
geht's

nun waren sie an einer schmalen Stelle,
Du hast oft hatten und waren im Text, beides schwache unpräzise Verben. Vorschlag hier: "Die Höhle verengte sich zu einem Durchlass von etwa zwei Metern. Zu wenig für den Minenroboter."
Auch etwas später das: "In ihrer Mitte hat etwas eine stetige Bewegung" geht für mich nicht. Warum nicht ganz einfach: "In der Mitte bewegt sich etwas?

auch wenn sie auch hier gering ist
Eins weg.

Silienne aktivierte den kleinen Projektor am Arm des Raumanzugs, um das durch das Echolot erzeugte Kartenhologramm aufzurufen.
Da fehlt mir persönlich die Präzision, der letzte Schliff. "Um das durch das" kannst du einfach kicken durch Umstellen. Vorschlag: "Durch eine Berührung des Handgelenks aktivierte Siliene den Holo-Projektor, der eine Echolot-Karte des Untergrunds in den Raum vor ihnen zeichnete."

In den Wänden wird eine höhere Dichte an dunkler Materie angezeigt, auch wenn sie auch hier gering ist.
Auch die Aussage würde ich präzisieren. Dort höher, hier gering, hä, warum? Sowas dahingestellt, bremst den Lesefluss.

und spürte trotz des Handschuhs einen Luftzug, der seine Hand nach oben drückte.
Ein Luftzug ist mir zu schwach, der muss ja stark genug sein, die Hand nach oben zu drücken, tut ein Lüftchen aber nicht. Wie wäre es mit Aufwind?

Connard benutzte seinen Handscanner über den gelösten und zerkleinerten Steinen und legte einige davon in einen Beutel.
Warum nicht: "Connard scannte einige gelöste und zerkleinerte Steine und legte sie in einen Beutel."

Connard wollte die Einstellungen prüfen, aber dann bemerkte er es auch. Für ihn war es mehr wie ein Schluchzen, aus der Richtung, aus der sie gekommen waren.
Kannst du auch gerader, näher dran schreiben: "Connard checkte die Einstellungen, das Außenmikro war laut Anzeige intakt. Er hörte ein Geräusch und klopfte gegen den Helm, das fremde Geräusch blieb. Kein Weinen, ein leises Schluchzen und es kam durch den Gang." Würde an vielen Stellen weiter schleifen und die Handlung konkreter, detailierter zeigen.

Silienne strich über ihren Bauch, kurz und beiläufig, als würde sie es nicht bewusst machen.
... kurz, beiläufig, beinahe unbewusst.?

Das leuchtende Gebäude wurde immer detaillierter
Wie genau geht das? Die leuchtenden Wände verdichteten sich, Wolken aus winzigen Lichtern kamen hinzu, füllten die Lücken und ergänzten das Vorhandene um immer neue Details. Weiße Wände und ein rotes Dach ... usw.
Diese wichtigen Stellen würde ich sorgsamer polieren, damit der Leser ein konkretes Bild bekommt.

Beide betrachteten wortlos das entstehende Haus, bis es fertig schien. Der Roboter war hinter ihnen zum Stehen gekommen. Erst jetzt merkten sie, dass das Weinen nicht mehr zu hören war.
„Ich muss hinein“, flüsterte Silienne und ging auf das Haus zu.
„Warte“, sagte Connard, hielt sie am Ellenbogen.
Sie zog ihren Arm weg und ging weiter. „Lass mich. Vielleicht ist das Kind dort und braucht unsere Hilfe.“
Das finde ich sehr gut.

Ihre Stimme blieb ein Flüstern, unsicher, als sie durch den Garten ging und vorsichtig einen Fuß auf die erste Stufe setzte, hoch zur Veranda.
Auch hier: Präzision! Was genau ist unsicher, die Stimme oder ihr Gang? Da fehlt was.

Silienne ging die Stufen hoch, knirschend, wie sie sie in Erinnerung hatte.
vermeidbar. Silienne ging die Stufen hoch. Sie knirschten wie die Stufen in ihrer Erinnerung.

Connard folgte ihr und prüfte das Haus. Er konnte keinen Unterschied erkennen zu dem Gebäude, das er in Erinnerung hatte. Alle Fenster waren dunkel, schienen ihn wie stumme Seelen zu betrachten.
Silienne ging die Stufen hoch, knirschend, wie sie sie in Erinnerung hatte. Als wären sie aus echtem Holz und nicht aus Licht entstanden.
Die Haustür war unverschlossen. Silienne öffnete sie und betrat den Flur. Die Deckenbeleuchtung ging an. Alles war genauso, wie sie es in Erinnerung hatte.
Aller guten Dinge sind drei?

Wir haben auf deine Tochter aufgepasst.
War es bei der Andeutung am Anfang nicht ein Junge (Er ruht in Frieden), oder habe ich da was falsch verstanden?

Ihre Mutter beugte sich nach vorne und stach die dünne Nadel einer Spritze durch ihren Handschuh. Injizierte eine bläuliche Flüssigkeit.
Ich sehe diese Auflösung, verstehe, warum du das reinbringst und denke doch, es wäre stärker gewesen ohne.
Das Gefühl der Mutterschaft, das Siliene erlebt hat und nicht mehr missen möchte, egal zu welchem Preis, hätte ich als Motiv für den Verbleib auf dem Planeten stärker gefunden. Und Connard muss sie alleine zurücklassen, weil sie sich dem Bewusstsein dieses fremden Wesens anschließt und für ihn unerreichbar wird. Und als er in die Atmosphäre aufsteigt, brennt sich das Gestein durch das Raumschiff und lässt es implodieren, oder so. Auf dem Planeten fliegen die Brocken durch den Gang und vereinen sich wieder mit dem Nukleus unter der Oberfläche.

Wie ein Flicken aus Knetgummi.
Sorry, aber das ist für meinen Geschmack zu terrestrisch für SciFi.

Die dunkle Materie. Sie hat uns unsere Wünsche und Ängste gezeigt.
Okay, damit hat es auch der letzte kapiert ... :Pfeif:

Silienne schwebte über Connards Körper. Und über ihrem eigenen, auch ihr Raumanzug war durchlöchert. Ihr Bewusstsein war noch da, aber nun als Teil von etwas anderem. Ein Funke eines Feuerwerks. Genau wie Connard.
Unzählige Seelen umgaben den Raumkreuzer. Lösten ihn auf, als würden sie eine Zeichnung ausradieren. Sie richtete ihre Wahrnehmung nach oben. Neue Besucher kamen, würden bald landen. Und vielleicht bleiben. Sie versank im Boden.
Das Ende finde ich gut, die Erklärung für die vielen Lichtpunkte ist gefunden, der Planet als Falle, der sich Seelen als Glühwürmchen einverleibt, das gefällt mir.

Die Geschichte ist komplex und vielschichtig. Die Konstruktion gefällt mir, da bringst du einiges zum Klingen, auch wenn nicht alles klar wird. Der Kinderwunsch als Motiv, der von der fremden Wesenheit ausgenutzt wird, um die Falle zuschnappen zu lassen, da steckt einiges an Überlegung hinter und das finde ich wirklich beachtlich. Schade fand ich, dass durch das Zurückbringen der dunklen Materie die Präsenz erlischt und durch den Injektionstrick doch die Falle durch die Hintertür zuschnappt. Da würde ich den Mutterschaftswunsch alleine hinstellen als Motiv, wie ich bereits schrieb, als freiwillige Entscheidung Silienes, um das neue Gefühl nicht zu verlieren. Da geht es um Sehnsucht, das packt mich als Motiv, als Bezug zu einer Grundkondition des Menschseins stärker, als es der Injektionstrick je kann, weißt? Das würde ich ausbauen und da herum das Ende stricken.
Noch ein Anmerkung zum Stil: Mir sind an einigen Stellen die Beschreibungen zu unpräzise, ich habe dir einige Beispiele aufgeführt. Auch bei der Sprache kannst du noch zulegen, begradigen, stärkere Verben benutzen, direkter schreiben. Insgesamt möchte ich dir ans Herz legen, literarischer zu schreiben, das geht auch bei Spannung, die dir immer wichtig ist. Die Schwerpunkte im Plot klarer ausbreiten, Kontraste schärfen, am Ausdruck schrauben.

Gerne gelesen, Peace, ltf.
 
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Hallo @linktofink ,

ein ausführliches Feedback, vielen Dank für deine Mühe!

Würde vor Holzstühle antik einfügen, oder selten oder terrestrisch. Warum sonst sollten sie wertvoll sein?
Ich hatte hierbei daran gedacht, dass in diesem Quadranten Holz ein seltener Rohstoff ist. Aber wenn ich das erwähne, würde es mir zu tellig, ich habe also antik ergänzt.

Wo denn genau, schwebt die Holographie in der Luft oder gibt es ein Kommandopult, über dem sie erscheint. Sie muss ja iwie bedient werden, die Karte. Du schreibst ja danach:
Mit einer öffnenden Handbewegung vergrößerte er die Ansicht eines Systems mit drei Planetoiden.
Wo steht er da?
Danke auch hierbei für den Hinweis, auch nach mehrmaligem Überlegen finde ich die Beschreibung jedoch ganz in Ordnung so. Ich gehe also hierbei davon aus, dass soweit klar ist, dass die holografische Sternenkarte auf Augenhöhe erscheinen wird, und Connard die öffnende Handbewegung an der entsprechenden Stelle (Dunkeltwelt) macht. Aus den Beschreibungen geht m.E. hervor, dass die Steuerung über Sprache und Handbewegungen erfolgt.

Klingt wie ein Befehl, dabei sind sie doch zu zweit? Warum nicht: "Wir müssen uns fertig machen für die Kältekammer."?
Ich habe den Satz umformuliert.

Wir müssen in die tiefer liegenden Höhlen, wenn wir im Gestein etwas davon erwischen wollen Erwischen passt für mich nicht, finden oder fördern passt besser.
habe es auf "finden" geändert

Hier war die farbliche Unstetigkeit des dunkelblauen Gesteins ...
Was meinst du mit farbliche Unstetigkeit?
Das zuvor erwähnte "Pulsieren" der blauen Gesteinsoberfläche. Ich wollte bei dieser Beschreibung etwas variieren, oder ist "Unstetigkeit" hierfür kein passendes Wort?

Silienne ging zum Fenster und legte sich eine Hand auf den Bauch. Connard stellte sich hinter sie. Ihre Hand zitterte kurz, als er sie mit seiner umgriff.
"Er ruht in Frieden.

Wer, der Bauch?

Irgendwann bist du wieder soweit, hab Geduld“, sagte er und küsste ihre Wange.
Ich lese da diffus sowas wie einen Kinderwunsch?
Ich habe den Satz nun geändert in:
"Unser Sohn ruht in Frieden. Irgendwann bist du wieder so weit, hab Geduld."

Du hast oft hatten und waren im Text, beides schwache unpräzise Verben. Vorschlag hier: "Die Höhle verengte sich zu einem Durchlass von etwa zwei Metern. Zu wenig für den Minenroboter."
Auch etwas später das: "In ihrer Mitte hat etwas eine stetige Bewegung" geht für mich nicht. Warum nicht ganz einfach: "In der Mitte bewegt sich etwas?
Ich habe beide Stellen angepasst.

Da fehlt mir persönlich die Präzision, der letzte Schliff. "Um das durch das" kannst du einfach kicken durch Umstellen. Vorschlag: "Durch eine Berührung des Handgelenks aktivierte Siliene den Holo-Projektor, der eine Echolot-Karte des Untergrunds in den Raum vor ihnen zeichnete."
Ein gutes Beispiel für eine Präzisierung, ich habe mir erlaubt, deinen Vorschlag unverändert zu übernehmen :gelb:

In den Wänden wird eine höhere Dichte an dunkler Materie angezeigt, auch wenn sie auch hier gering ist.
Auch die Aussage würde ich präzisieren. Dort höher, hier gering, hä, warum? Sowas dahingestellt, bremst den Lesefluss.
/
Ein Luftzug ist mir zu schwach, der muss ja stark genug sein, die Hand nach oben zu drücken, tut ein Lüftchen aber nicht. Wie wäre es mit Aufwind?
ist geändert

Warum nicht: "Connard scannte einige gelöste und zerkleinerte Steine und legte sie in einen Beutel."
Hierbei würde mir die Information fehlen, womit er denn scannt, ich lasse daher erstmal die bisherige Formulierung.

Silienne strich über ihren Bauch, kurz und beiläufig, als würde sie es nicht bewusst machen.
... kurz, beiläufig, beinahe unbewusst.?
habe es nun bei "beiläufig" belassen

Wie genau geht das? Die leuchtenden Wände verdichteten sich, Wolken aus winzigen Lichtern kamen hinzu, füllten die Lücken und ergänzten das Vorhandene um immer neue Details. Weiße Wände und ein rotes Dach ... usw.
Diese wichtigen Stellen würde ich sorgsamer polieren, damit der Leser ein konkretes Bild bekommt.
Ich habe die Beschreibung angepasst, kann aber sein, dass ich hierbei noch etwas weiter werkele.

Ihre Stimme blieb ein Flüstern, unsicher, als sie durch den Garten ging und vorsichtig einen Fuß auf die erste Stufe setzte, hoch zur Veranda.
Auch hier: Präzision! Was genau ist unsicher, die Stimme oder ihr Gang? Da fehlt was.
Ich habe unsicher entfernt, durch "Flüstern" und "vorsichtig" ist es ja schon beschreibend genug.

Connard folgte ihr und prüfte das Haus. Er konnte keinen Unterschied erkennen zu dem Gebäude, das er in Erinnerung hatte. Alle Fenster waren dunkel, schienen ihn wie stumme Seelen zu betrachten.
Silienne ging die Stufen hoch, knirschend, wie sie sie in Erinnerung hatte. Als wären sie aus echtem Holz und nicht aus Licht entstanden.
Die Haustür war unverschlossen. Silienne öffnete sie und betrat den Flur. Die Deckenbeleuchtung ging an. Alles war genauso, wie sie es in Erinnerung hatte.

Aller guten Dinge sind drei?
Jetzt nicht mehr!

War es bei der Andeutung am Anfang nicht ein Junge (Er ruht in Frieden), oder habe ich da was falsch verstanden?
Genau, Silienne und Connard haben bereits ein Kind verloren, einen Sohn. Die geheime Macht gibt ihr die Illusion, dass sie nun ein weiteres Kind hat, eine Tochter, um die sie sich kümmern muss.

Wie ein Flicken aus Knetgummi.
Sorry, aber das ist für meinen Geschmack zu terrestrisch für SciFi.
habe den Satz entfernt

Die dunkle Materie. Sie hat uns unsere Wünsche und Ängste gezeigt.
Okay, damit hat es auch der letzte kapiert ... :Pfeif:
Ja ... das ist in dieser Deutlichkeit wohl nicht notwendig, habe es geändert.

Schade fand ich, dass durch das Zurückbringen der dunklen Materie die Präsenz erlischt und durch den Injektionstrick doch die Falle durch die Hintertür zuschnappt. Da würde ich den Mutterschaftswunsch alleine hinstellen als Motiv, wie ich bereits schrieb, als freiwillige Entscheidung Silienes, um das neue Gefühl nicht zu verlieren. Da geht es um Sehnsucht, das packt mich als Motiv, als Bezug zu einer Grundkondition des Menschseins stärker, als es der Injektionstrick je kann, weißt? Das würde ich ausbauen und da herum das Ende stricken.
Danke für den Vorschlag, eine ziemlich interessante Idee! Bei meiner Version ist die geheimnisvolle Macht ja dann doch ein wenig hilflos, sie wird ja nur entsprechend stark, wenn genug dunkle Materie zusammenkommt. Und sie sich dadurch (und den Glauben der jeweiligen Person) tatsächlich manifestieren kann und in einem Körper einnistet.
Bei deiner Variante tue ich mich für den Moment nur ein wenig schwer, dass trotz allem Connard Silienne zurücklässt. Sie lieben sich, haben durch den Verlust eines Kindes schon viel zusammen durchgemacht. Und er hat das Ganze ja durchschaut, die Macht hat auf ihn kaum noch einen Einfluss.
Da muss ich nochmal überlegen, ob ich das Finale grundsätzlich umgestalte, aber wie gesagt, ist eine interessante Idee!

Noch ein Anmerkung zum Stil: Mir sind an einigen Stellen die Beschreibungen zu unpräzise, ich habe dir einige Beispiele aufgeführt. Auch bei der Sprache kannst du noch zulegen, begradigen, stärkere Verben benutzen, direkter schreiben. Insgesamt möchte ich dir ans Herz legen, literarischer zu schreiben, das geht auch bei Spannung, die dir immer wichtig ist. Die Schwerpunkte im Plot klarer ausbreiten, Kontraste schärfen, am Ausdruck schrauben.
Da war ich doch überrascht, wie viel du noch gefunden hast! Ich bemühe mich in jedem Fall, es auch grundsätzlich bei zukünftigen Texten zu beachten!

Also vielen Dank für deine Kritik und die vielen Vorschläge und Anregungen!

Viele Grüße!
Rob
 

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