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Eeks

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Eeks

Es ist wirklich das ungeheure Maß sozusagen ehrlicher Mühe und Arbeit kaum glaublich, das mitunter bei Humbug und Schwindel geleistet wird.
-aus: Heimito von Doderer, Die Merowinger

I – Der Rebell
Es war eine traurige Zeit. Eekswillklatu schloß die Tür hinter sich – eine altmodisch hölzerne Tür, mit Klinke – und hängte tief seufzend seinen Mantel an den Haken neben derselben. Schon wieder einen Arbeitstag verschwendet. Den zweihundertdreißigtausendsiebenhundertundachtzehnten in Folge. Er war über sechshundert Jahre lang hartnäckig gewesen, hatte es nicht an Ehrgeiz und Enthusiasmus fehlen lassen und stets alles gegeben. Doch in letzter Zeit spürte er so etwas wie Ernüchterung – ein völlig neues Gefühl, seiner Einstellung eigentlich zuwider, doch von Tag zu Tag unvermeidlicher. Mit einem weiteren Seufzer, gefolgt von resignierendem Kopfschütteln, begab sich Eekswillklatu in seine Küche, die sich im nächstoberen Stockwerk seines Stammes – fast echte Eiche – befand. Kochen war seine Leidenschaft. Die zweite Leidenschaft nach seinem Beruf. Bisher. Er könne ja Koch werden, dachte er, und verwarf den unsinnigen Gedanken gleich wieder. Das war Zynismus, bitterer Zynismus, und außerdem gar nicht seine Art. Eekswillklatu wußte, daß Kobolde eine Aufgabe zu erfüllen hatten. Eekswillklatu zog sich seine Schürze an, dekoriert mit gelben Blumen und Soßenflecken aller Art, und machte sich daran, das schon zurecht gelegte Gemüse - aus Eigenanbau – zu bearbeiten. Waschen, schneiden, mixen, würzen. Frustessen. Aber handgemacht. Es schmeckte widerlich, was wohl seiner mangelnden Motivation oder steigenden Depression zuzuschreiben war, aber es war handgemacht. Das befriedigte irgendwie – es war so etwas wie seine eigene, kleine Rebellion, seine ganz private Revolte, von der niemand wußte und die auch überhaupt niemanden interessierte, und die doch etwas Besonderes war, etwas Einzigartiges. So wie Eekswillklatu.
Nach dem Essen kam die Post. Jeden Tag dasselbe, zur gleichen Zeit, auf die Sekunde genau, es sei denn, Eekswillklatu aß einfach zu einem anderen Zeitpunkt, aber das war Selbstbetrug und das wußte er. Also schlurfte Eekswillklatu satt aber gelangweilt die Treppe wieder hinunter, verließ seine Wohnung und machte sich auf den Weg zu seinem Briefkasten. Dieser befand sich knappe zwei Kilometer entfernt von seiner Haustür. Die Postroboter lieferten nicht an fast echte Eichenbäume im Stadtpark, so daß dieser tägliche, kleine Umweg sich nicht vermeiden ließ. Immerhin mußte er zu Fuß gehen und das tat er. Das befriedigte irgendwie – aber diesen Gedanken vermied er diesmal intuitiv. Wenn er diesen Kampf gegen die dekadente Welt schon austrug, mußte er nicht auch noch ständig an die Sinnlosigkeit dieser Unternehmung erinnert werden. Das geschah ohnehin jeden Tag zur Arbeitszeit, oft genug und ausgedehnt, quasi ewig. Da mußte einem der Spaziergang zum Briefkasten noch als Ausdruck ungetrübten Revoluzzergeistes erhalten bleiben.
Der Weg durch den Park war ernüchternd. Das mußte sich Eekswillklatu nach den ersten zweihundert Metern doch eingestehen. Es blühten die Blumen, in neuem Glanz standen die Blüten, saftig glänzte das Gras, auf den Milimeter genau geschnitten, und stolz reckten die Bäume ihre gepflegten Kronen in den blauen Nachmittagshimmel. Doch es war traurig, denn kein Mensch hatte sich ins Frühlingsgrün verirrt, keine spielenden Kinder, keine spazierenden Paare, niemand ging mit einem Hund Gassi, keine Radfahrer, keine verliebten Blicke, keine Frühlingsgefühle – nur Gartenpflegeroboter. Gartenpflegeroboter, die sich lieblos und ohne jeden Enthusiasmus aus reinem Selbstzweck um die Pflege der Grünanlagen kümmerten. Kleine Roboter, die ohne sich bücken zu müssen die fast echten Blumenbeete goßen, mittelgroße Roboter, die die fast echten Hecken stutzten und riesige Roboter auf mechanischen Stelzen, die über die rechte Form der fast echten Baumwipfel wachten. Es gab außerdem Rasenmähroboter, Erdumgrabroboter, Bäumchenpflanzroboter, Parkbankputzroboter (daß die Bänke keiner benutzte, störte die Roboter wenig), Wegfreikehrroboter und Mülleimerleerroboter sowie unzählige weitere Modelle, alle auf einen einzigen, eng begrenzten Aufgabenbereich hin programmiert. Roboter also überall, präzise wie ein Uhrwerk, gründlich wie eine YT-40b Reinigungskolonne und unnütz wie ein Kropf. Eekswillklatu grübelte, wann er hier wohl den letzten Menschen gesehen haben mochte, aber kam zu keinem Schluß. Was heuer einen Menschen dazu veranlassen konnte, den Stadtpark zu besuchen, war ohnehin schwer zu sagen.
Bald hatte Eekswillklatu den Ausgang – in Anbetracht der Tatsache, daß es für niemanden von Interesse war, den Park zu betreten, sondern außer Eekswillklatu allen, die sich u.U. zwischen die Grünflächen verirrt haben könnten, daran gelegen war, ihn schnellstmöglich zu verlassen, ist der Ausdruck 'Eingang' hier ungeeignet - des Parkes erreicht, wo die (fast echte) Natur plötzlich und zur Gänze von grauen Betonklötzen verschlungen war und man den Eindruck hatte, der kleinste Flecken Grün müsse ein Loch in der Realität sein. Eekswillklatu wandte sich nach links in Richtung Drittes Viertel, Straße C, Ecke Straße s, wo er seine leerstehende Zweitwohnung hatte. Ihm war es inmitten der farblosen Stadt irgendwann zu bunt geworden, so daß er sich mehr aus Verzweiflung denn aus Überzeugung entschieden hatte, sein Leben in eine der hohlen, fast echten Eichen zu verlegen. Die Wohnungen selbst waren zwar auch in der Stadt äußerst wohnlich, aber wenn man zu den wenigen – er war der einzige – gehörte, die aus Jobgründen die Wohnung bisweilen auch verlassen mußten oder es einfach nur als angenehm empfanden, aus dem Fenster zu schauen (eine in dieser Stadt unerhörte Tätigkeit), waren sie gänzlich ungeeignet. Denn das langweilige und wenig inspirierende, ja schlicht häßliche Aussehen der Straßen, Gassen und Plätze vermochte solche Schwärmerei kaum zu belohnen.
Eekswillklatu schauderte es. Gleichgültigkeit ist gefährlich, wenn man ihr gegenüber gleichgültig wird. Und so ging es ihm in dieser Umgebung in bedenklichem Maße. Die grauen Betonklötze, die sich ständig wiederholten, eintönig und penetrant, zogen und zerrten an seinem Willen, in Eekswillklatu die Frage aufwerfend, wie lange es noch dauern würde, bis derselbe am Asphaltboden läge. Noch nicht, entschied er spontan, wenngleich ohne Überzeugung, bog in den Hauseingang zur Linken und öffnete die Tür, hinter welcher sich sein Briefkasten befand.
„Guten Tag, Eeks“ begrüßte ihn der Briefkasten, „es ist zehn nach sechs, es warten fünf Sendungen auf dich.“ Die freundliche, persönliche Art des Briefkastens war ätzend, beinahe Parodie auf sich selbst, so blechern und monoton Briefkästen nun einmal tönen. Eekswillklatu hörte nicht zu. Den Briefkasten ließ das kalt. „Zwei Rechnungen, eine Mahnung, eine Beschwerde und ein Paket.“ säuselte er weiter in sanftem Singsang, soweit das Briefkästen möglich ist. Ein Paket? „Ein Paket?“ frug Eekswillklatu, eher rethorisch. Der Briefkasten antwortete ohnehin nicht. „Das Paket bitte.“ sagte Eekswillklatu in einem Ton, der eine gewisse freudige Erwartung nicht verbergen konnte, und bereute denselben Tonfall im nächsten Augenblick wieder, hatte er es sich doch zum Grundsatz gemacht, keine Gespräche mit seinem Briefkasten zu führen. Dieser ging auf das ungewollte Konversationsangebot jedoch sofort ein. „Gerne, Eeks! Weißt du schon, was es ist?“
„Nein.“ Trocken, betont humorlos. (Hier schien es Eekswillklatu, als sei es ein grundlegendes Prinzip seiner Zeit, daß der, der nicht konnte, wollte, und der, der wollte, nicht konnte.)
„Huletsch&Quetzel“ zitierte sein Gesprächspartner das Etikett, mit dem das Paket versehen war. „Das kommt mir doch bekannt vor!“
Eekswillklatu nahm den Karton entgegen, den der Blechkasten ausgespuckt hatte und nickte, das Etikett lesend, zustimmend. „Huletsch&Quetzel.“
„Eben. Was ist es?“
Mit dem Auspacken des Paketes beginnend, begab sich Eekswillklatu zur Tür. Die Neugierde des Apparates ärgerte ihn zunehmend. (Hier wiederum schien es Eekswillklatu, als sei es ein feststehendes Gesetz seiner Zeit, daß die, die keine Gefühle hatten, Gefühle zeigten und die, die welche hatten, nicht.) Er öffnete die Türe und trat in die trostlose Schlucht grauer Betonklötze, hinter ihm das weinerliche Klagen des Briefkastens.
Huletsch&Quetzel hatten wieder Nachschub geschickt. Die neuesten Errungenschaften auf dem Gebiete des Piesackens, der Wahnsinnigmachung und der Weißgluttreiberei. In Eekswillklatu keimte neue Hoffnung auf, die ihm Aussicht auf berufliche Situationsverbesserung versprach. Wohl mochten neue Utensilien ihm dabei von großer Hilfe sein. Man brauchte heuer schwere Geschütze, High-Tech, das neueste vom Neuesten, das beste vom Besten.


II – Die Revolution scheitert

Den Rückweg zu seiner Wohnung im fast echten Eichenbaum sparte sich Eekswillklatu. Stattdessen wählte er den bequemen, modernen Weg der Teleportation, direkt in die Küche, um noch etwas zu essen, bevor er seine Neugierde schließlich befriedigte. Die letzte Hülle Verpackungsmaterial fiel schließlich und zum Vorschein kam etwa ein dutzend neuer Ärgernisse und Nervtötereien. Zuerst bemerkbar machte sich ein daumennagelgroßer Papagei, der als er aus der Verpackung hinaushoppste, sofort zu plappern anfing. Eekswillklatu schlug ihn umgehend tot. Auch die bellende Katze und der lebendige, eigenwillige Gummiteller überstanden die erste Bestandsaufnahme nicht unbeschadet. Sich solcherart vom Gröbsten getrennt, packte Eekswillklatu, schon wieder ernüchtert, den Rest der Aufdenweckergehereien in seine dehnbare Tasche aus superelastischer Baumwolle und machte sich auf den Weg.
Gegenüber seinem vorigen Gang durch den Park hatte sich derselbe wenig überraschend praktisch nicht verändert. Noch immer zeigte sich ihm ein Bild metallischer Langweiligkeit. Roboter säumten seinen Weg, kreuzten ihn oder liefen parallel einher. Manche überholten ihn, manche überholte er. Besonders drollig und ebenso traurig waren die unzähligen Hundekotaufleseroboter, die verzweifelt umherirrten, immer bemüht, die garantiert seit Generationen nicht mehr vorhandenen Zielobjekte aufzuspüren. Es waren die größten Roboter von allen, daher immer gebückt unterwegs, mit gigantischen Buckeln – eine Fehlkonstruktion. Eine Ironie der Evolution. Geschöpfe, denen das Gepiesacktsein der Lebensinhalt war. Geschöpfe, die Eekswillklatu zum vermutlich einzigen seiner Art machten.
Weidenallee 27. Welche Perversion. Weder Weide noch Allee waren weit und breit zu sehen. Abgeholzt schon vor langer Zeit, um den regenfesten Förderbändern Platz zu machen, die zwar technisch inzwischen längst überholt waren, aber dennoch in rostigem Zustande die Straße einrahmten. Immerhin regenfest. Die Gegend war auch sonst recht heruntergekommen, das Haus selbst ein Betonklotz, wie sie typisch waren für diese Straße. Gegend. Stadt. Überhaupt. Die 2 hing schief an der rechten Seite des Einganges, die 7 fehlte ganz. Glücklicherweise gehörte Eekswillklatu zum geringen Teil der Bevölkerung, der noch des Rechnens mächtig war. Die Tür quietschte, als er sie öffnete. Glücklicherweise gehörte die Tür zu dem geringen Teil der Bevölkerung, der noch dazu in der Lage war, sich zu artikulieren. Eekswillklatu entschuldigte sich und marschierte entschlossen an der langen Reihe vormals schneeweißer Briefkästen im Eingangsbereich vorbei, deren Begrüßungsworte ignorierend. Eekswillklatu haßte es, wenn ihn fremde Briefkästen anquatschten. Trotzdem war es natürlich verständlich - er kannte ja den Zustand des Gesprächspartnermangels zu Genüge und sicher hatten sich zugestaubte Blechboxen auch gegenseitig wenig zu sagen.
Eekswillklatu ignorierte den Aufzug und, aus einer Laune heraus, auch die Treppe, und stand stattdessen direkt vor der Tür im sechsten Stock, die sein Ziel gewesen war. Die Klingel, deren zugehöriges Namensschild unleserlich geworden war, funktionierte nicht, und so klopfte er mehrere Male energisch, bis er Gerumpel auf der anderen Seite vernahmen. Ein Roboter, an seiner auf menschlich getrimmten Form als Mädchenfürallesroboter zu erkennen, öffnete, ließ Eekswillklatu hinein, schloß die Tür, und verschwand sogleich wieder. Eekswillklatu zog seinen Mantel aus und hängte ihn an einen der dafür vorgesehenen, aber verwaisten Haken. Ebenso entledigte er sich seines Hutes und seiner Schuhe und ging sodann an die Arbeit. Nein, zuerst in die Küche, wo er sich einen mitgebrachten Tee machte und in Gedanken genervt die Vorgehensweise durchging. Nach dem erfolglosen Versuch, den Tee zu genießen, nahm er Phase eins in Angriff: Er wollte herausfinden, wer sein Opfer war.
Dazu ging er durch den Wohnbereich zu den Schlafzimmern, die man in den genormten Wohnungen nicht suchen mußte. Im ersten fand er einen Greis, mindestens neunzig Jahre alt und schweratmend, in einem Lehnstuhl sitzend. Wie bei allen diesen Fällen konnte Eekswillklatu nicht mit Sicherheit sagen, wo der Greis aufhörte und der Stuhl begann, so dick war die Staubschicht dazwischen. Dieses 'Verwachsen' war eine ebenso widerwärtige wie gewöhnliche Begleiterkrankung der Moderne. Im nächsten Zimmer lagen zwei etwa fünfzigjährige, vermutlich Mann und Frau. Das Auf und Ab der Brustkörbe verhinderte den Eindruck des Todes, den man sonst gewonnen hätte, angesichts der glasigen Augen und der künstlich gebräunten Haut, die sich an vielen Stellen schon bedrohlich invasorisch dem Bettlaken näherte. In den verbliebenen zwei Zimmern registrierte Eekswillklatu eine beträchtliche Anzahl Kinder, von denen eines, soviel verriet ihm sein geschulter Blick, echt war.
Nach der Bestandsaufnahme ging er ans Werk. Zuerst kam der Schabernack, von dem er wußte, daß er nichts brachte. Etwa die abschreckenden Düfte für die Schlafräume, die gegen den allgemeinen Verwesungsgeruch jedoch keine Chance hatten. Fast genoß er das Hundekotaroma. Oder die Reißzwecke unter dem Sitzkissen, die Salz-Zucker-Nummer, das Kleinteileverschwindenlassen und den ganzen anderen altmodischen Kram. Es war eine Art Ritual, von dem Eekswillklatu nicht lassen konnte. Ein schönes Ritual. Da aber niemand die Schlafräume verließ, völlig sinnlos.
Dann folgten die Schockeffekte, die zwar auch hoffnugslos veraltet waren, jedoch manches Mal eine gewisse Wirkung zeigten. Der Auftritt als Teufel etwa, mit Kochtopfkopfbedeckung und Besen in der Hand, verleitete den alten Mann zu einer Zuckung des rechten Augenlides, was Eekswillklatu in eine euphorische Ekstase versetzte, die allerdings nach dreistündiger, ergebnisloser Fortsetzung der Vorstellung wieder verflogen war. Auch die grausige Einlage mit dem ebenso rasselnden wie kopflosen Gespenst vermochte für kurzzeitige Begeisterung Eekswillklatus zu sorgen, da in den Kinderschlafräumen während des Auftrittes die Hölle los war – die Kinder schrieen vor Aufregung, was aber nicht mehr beeindruckte, als Eekswillklatu feststellte, daß es nur die unechten waren. Für die Aufführung des heulenden Werwolfes schließlich, für die er eigens einen Vollmond an die Decke projizierte, bekam er gar den ehrfürchtigen Beifall der Kommoden und Bettgestelle, wohingegen deren Besitzer völlig ungerührt blieben.
Auch in der letzten Phase, die die Benutzung der neuesten Errungenschaften der Ärgertechnik vorsah, waren die Reaktionen der Dinge überschwenglich, verglichen mit denen der Personen. Das Krachgerät AX-5000 etwa, das mit dem Trait „Dezibelrekordhalter“ beworben wurde, veranlaßte die Briefkästen, in geheimer Abstimmung einen der ihren als Beschwerdeführer zu bestimmen und an die Tür klopfen zu lassen. Insbesondere die beiden im 'Verwachsen' begriffenen Menschen mittleren Alters ließen sich durch nichts aus der Ruhe bringen - auch nicht durch die besonders fiesen Rattenroboter RAT-II, die sich an der Haut der Unruhelosen zu schaffen machten. Schließlich blieb Eekswillklatu neben der Frustration nur noch ein kleiner Datenträger, den Huletsch&Quetzel als „ultimativen Aufscheucher“ bezeichneten. Von Computertechnik überfordert, wandte Eekswillklatu sich an einen der Haushaltsroboter, der ihm gerne behilflich war und die Daten in den Zentralsteuercomputer der Wohnung speiste. Wenige Sekunden später sackte der Roboter mit einem kläglichen Surren in sich zusammen und war nicht mehr zum Aufstehen zu bewegen. Auch die anderen Roboter hatten ihren Geist aufgegeben wie auch sämtliche Maschinen in sämtlichen Räumen. Auch auf den Beruhigungstee, der zum ersten Mal ein solcher anstatt des üblichen Aufputschtees war, mußte Eekswillklatu verzichten, da das zuständige Gerät ebenfalls dienstunfähig war.
Eekswillklatu motivierte sich mit der Aussicht auf Erfolg, wurde jedoch mit jeder ereignislosen Stunde – und es waren derer viele – zunehmend unruhig. Schließlich bemühte er sich aussichtslos um Wiederbelebung der Roboter. Als er die Unmöglichkeit solchen Vorhabens erkannte, übernahm er die Versorgung der Wohnung und ihrer Insaßen zunächst allein, was allerdings schon nach wenigen Tagen am Umfang der Aufgabe scheiterte. Nach einiger Zeit der Erholung verstieg Eekswillklatu sich gar in die Idee, die Menschen zum Leben zu bewegen.
Endlich verließ er nach quälenden Tagen die Wohnung. Die Tür quietschte. Einer der Briefkästen rief ihm „Mörder!“ hinterher – es mußte der der zu Ende gegangenen Familie sein, der nun alle Hoffnung auf zukünftige menschliche Annäherungsversuche fahren lassen mußte.

III – Von der Sinnlosigkeit des Daseins als tragischer Held

Der Optimismus suchte sich ein gemütliches Fleckchen im Schatten, der auf Eekswillklatus Seele gefallen war. Das Selbstbewußtsein hatte sich schon Mal ein Plätzchen daneben reservieren lassen, denn es brauchte eine lange Weile für den Weg, denn es war schon alt und runzlig und außerdem ein Krüppel. Die Melancholie hingegen sonnte sich im Selbstmitleid und sagte sich mit Bestimmtheit, daß sie keine Chance gehabt hatte und daß es deshalb in Ordnung sei, den Stuhl, auf dem Eekswillklatu stand, umzustoßen, um danach die Seele baumeln zu lassen. Der Optimismus schließlich seufzte noch ein letztes Mal, bevor er die Augen schloß und sich wünschte, im nächsten Leben als Briefkasten wiedergeboren zu werden.

 
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Hi falk!

Die Geschichte gefiel mir überwiegend recht gut.

Du zeichnest aus der Sicht eines synthetischen Lebewesens/Roboters, das wohl zum Spaßmachen erschaffen wurde, das Bild einer Gesellschaft, der alle Arbeit durch Maschinen abgenommen wird und die dadurch in absoluter Erstarrung begriffen ist.
Irgendwann ist die Lethargie so groß, dass nichts und niemand in der Lage ist, auch nur das kleinste Bisschen Gefühlsregung in ihnen wach zu kitzeln. Dadurch wird am Ende auch die Arbeit von Eekswillklatu sinnlos, und damit seine Existenz.

Man kann darüber streiten, ob das surreale "Verwachsen" der Menschen mit ihren Möbelstücken nicht ein wenig Plausibilität kostet. Wenn die Menschen so sehr erstarren, wie können sie dann kommunizieren und ihre Wünsche äußern?

Davon abgesehen aber hast du es verstanden, Atmosphäre zu erzeugen. Diese Sinn- und Hoffnungslosigkeit, dieses jegliche Fehlen eines Auswegs, wie Eeks sich gegen eine unvermeidliche langfristige Entwicklung anstemmt, obwohl er diese Entwicklung und ihre Unvermeidbarkeit seit langem beobachtet und mit immer entmutigenderen Resultaten zufrieden sein muss - dass er am Ende Selbstmord begeht, ist einfach die zwingende Konsequenz.

Alles in allem eine sehr zum Nachdenken anregende, anrührende Geschichte, inhaltlich für kg.de-Verhältnisse ungewöhnlich anspruchsvoll.

Stilistisch war der Text etwas zähflüssig, mit elendig langen Sätzen, mit unnötig umgewandelten Verben, sehr berichtend; das mag durchaus zur melancholischen Stimmung des Textes passen, aber es hemmt eben auch den Lesefluss erheblich. Das Interesse am Text nahm bei mir zwar nicht ab, aber ich musste das Lesen letzte Nacht wegen Übermüdung unterbrechen und heute wieder aufnehmen, was, glaube ich, eher gegen die Machart spricht.
Wenn du den Text so hinzukriegen versuchst, dass er sich genauso melancholisch, aber von der Geschwindigkeit her leichter liest, können wir über eine Empfehlung verhandeln. ;)

Die Abschnittstitel solltest du entfernen. Sie sind nicht nötig und sagen nicht wirklich etwas aus.

Einige Details:

Eekswillklatu schloß die Tür hinter sich – eine altmodisch hölzerne Tür, mit Klinke – und hängte tief seufzend seinen Mantel an den Haken neben derselben.

Das klingt immer unschön, egal ob dieser Stil Absicht ist oder nicht. :(
Warum schreibst du nicht "daneben" anstelle von "neben derselben"?

hatte nichts an Ehrgeiz und Enthusiasmus fehlen lassen,

Hatte es nicht

dann konnte einen das langweilige und wenig inspirierende, ja schlicht häßliche Aussehen der Straßen, Gassen und Plätze mit der Zeit die gute Laune kosten.

Diese Wendung wirkt etwas seltsam, unfreiwillig ironisch, denn gute Laune hatte er ja vorher auch nicht. Wie wär's mit "Das ewige, phantasielose Grau legte irgendwann unvermeidlich einen Schatten auf das Gemüt" oder so ähnlich? :)

daß sie keine Chance gehabt hatte und daß es deshalb in Ordnung sei, den Stuhl, auf dem Eekswillklatu stand, umzustoßen, um danach die Seele baumeln zu lassen.

Das Bild finde ich etwas schief. Die Seele lässt man baumeln, wenn man sich erholt, und hier baumelt auch nicht die Seele, sondern der Körper.

Bestimmt gibt es noch weitere Stellen. Wenn du den Text stilistisch umarbeiten willst, habe ich sicher etliche Anregungen in petto. Mal sehen, wie sich die Diskussion entwickelt ...

Ciao, Megabjörnie

 
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Man dankt für die Anmerkungen! :)

Ich hatte gehofft, diesmal nicht den Vorwurf der Zähflüssigkeit lesen zu müssen, aber gut - irgendwann gelingt mir das auch noch. Prinzipiell hast du natürlich Recht, daß es eher hinderlich ist, wenn man als Leser aufgrund des Stils Pausen einlegen muß oder Kopfweh bekommt. Insofern bin ich für Glattbügelvorschläge durchaus offen. Allerdings in bedingtem Maße, denn den typischen, fließenden Stil des Dahinplätscherns mag ich nicht so.

Drei deiner vier Vorschläge habe ich umgesetzt - die Seele kann ruhig weiter baumeln, denn mir gefällt der Bildbruch ausgesprochen gut. :)
Die Abschnittstitel will ich auch so belassen - sie sind, denke ich, vor allem auch hilfreich für die Lesbarkeit.

Du zeichnest aus der Sicht eines synthetischen Lebewesens/Roboters, das wohl zum Spaßmachen erschaffen wurde

Tatsächlich hatte ich das Bild eines Koboldes vor Augen, der sich in der Situation befindet, gerade seine Überflüssigkeit zu realisieren. Aber es stimmt, mit einem künstlichen Lebewesen vor Augen funktioniert die Erzählung auch. Ich hatte anfangs direkte Hinweise auf die Identität des Protagonisten eingebaut, aber dann wieder komplett gestrichen, weil es mir zu plakativ erschien.

 
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Hi falk!

Da fällt mir ein ... An irgendeiner Stelle heißt es, er wäre der Einzige seiner Art. Das kommt natürlich merkwürdig, denn von Kunstwesen könnte man viele herstellen. Es ist einfach nicht möglich, darauf zu kommen, dass du einen Kobold meinst. Wenn du das aufrechterhalten willst, solltest du schon darauf hinweisen.
Unmöglich ist es übrigens auch deshalb, weil du ihn so inszenierst, als sei er Teil eines Systems. Er erhält brandneue Scherzartikel von einem Unternehmen, er wohnt wie ein normaler Bürger, wird so behandelt ( Postzusendungen ), und er rebelliert - aber Kobolde stehen doch immer außerhalb und brechen allenfalls ungefragt in das Leben der Menschen ein, um danach wieder zu verschwinden, weil sie nicht entdeckt werden wollen.
Trotzdem funktioniert die Geschichte natürlich auch mit einem Kobold, obwohl ich das als Leser natürlich in der SciFi zuallerletzt erwarte. Aber du solltest vielleicht kurz skizzieren, wie er so sehr Teil des Systems werden konnte. Irgendwann wird er ja auch mal eine getarnte Existenz geführt haben.

Übrigens: Seine Hoffnung, als Briefkasten wiedergeboren zu werden, steht im Widerspruch zu seiner These, es sei

ein feststehendes Gesetz seiner Zeit, daß die, die keine Gefühle hatten, Gefühle zeigten und die, die welche hatten, nicht.

Denn dadurch spricht er dem Briefkasten ja die Seele ab - es sei denn, er ist selbst ein seelenloser Roboter, der auch weiß, dass er keine Seele hat. Das wiederum steht im Widerspruch zum Erhängen. ;)

Ein paar weitere Stellen:

stets alles gegeben und zu keiner Zeit den Kopf in den Sand gesteckt, so sehr es ihm auch manchmal nötig erschienen war,

Das ist ziemlich schief. Den Kopf in den Sand steckt man aus Feigheit vor einer Herausforderung, und die Konnotation "ängstlich" suggeriert eine Eigenschaft, die Eekswillklatu überhaupt nicht zeigt, geschweige denn dass er keinen Grund dafür hat.
Was erscheint ihm denn notwendig? Zu resignieren? Aufzugeben? Alles hinzuwerfen? Das kann nur "notwendig" sein, wenn er Alternativen hat. Aber die hat er doch nicht, sondern würde er ja nicht Selbstmord begehen.

Mit einem weiteren Seufzer, gefolgt von resignierendem Kopfschütteln, begab sich Eekswillklatu in seine Küche, die sich im nächstoberen Stockwerk seines Stammes – fast echte Eiche – befand und dort den ganzen Platz einnahm.

Inwieweit ist es wichtig, dass die Küche dort den ganzen Platz einnimmt? Wir haben hier doch nicht etwa überflüssiges Beiwerk? :teach:

Er könne ja Koch werden, dachte er, und verwarf den unsinnigen Gedanken gleich wieder.

Warum schreibst du seine Gedanken nicht einfach in direkter Rede? Das liest sich viel glatter, zumal sie ja auch üblich ist. Gerade der Konjunktiv kommt hier besonders merkwürdig. :(
Das Komma kann hier, glaube ich, auch weg.

Das war Zynismus, bitterer Zynismus, und sonst gar nicht seine Art.

Warum sagt er das? Im ersten Teil des Satzes scheint es, als hätte er ein schlechtes Gewissen deswegen oder es sei ihm verboten, zynisch zu sein, im zweiten relativierst du dies wieder. Wenn es sonst nicht seine Art ist, so what? Dann ist das noch kein Grund, den Zynismus zurückzudrängen, denn er kann dies auf die schlimmer werdende Situation draußen schieben.
Interessanterweise ändert sich der Eindruck, wenn du das "sonst" durch "außerdem" ersetzt.

Eekswillklatu zog sich seine Schürze an, rot-weiß gestreift, dekoriert mit gelben Blumen und Soßenflecken aller Art, und machte sich daran, das früh morgens schon zurecht gelegte Gemüse - aus Eigenanbau – zu bearbeiten.

Warum die vielen Details? Erschweren die nicht ein wenig das Lesen und vor allem: unnötig? Sagen sie wirklich genug aus, um die Hemmung des Leseflusses zu rechtfertigen?

und die doch etwas Besonderes war, etwas Einzigartiges.

So, das für's Erste, ich muss weg. Da liegt offensichtlich noch ein Haufen Arbeit vor uns. :D

Eine Frage hätte ich da noch zum Bildbruch: Du weißt ja wohl, dass ein gestandener Lektor alter Schule wie Volker Hage diesen aufs Schärfste geißeln würde.
Warum verwendest du ihn trotzdem? Was würdest du dem Lektor entgegenhalten ( übrigens auch eine interessante Frage für die Diskussion in der Autorenrubrik )?

Ciao, Megabjörnie

 
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Der Bildbruch entsteht ja nur dadurch, daß das Bild des Seele baumeln lassens schon eine uneigentliche Bedeutung hat, d.h. vom Leser mit einem bestimmten positiven Ausdruck in Verbindung gebracht wird. Rein bildlich paßt der Ausdruck aber auch hervorragend zum Baumeln an einem Galgen. Dadurch entsteht ein starker Kontrast zwischen dem beschriebenen Bild und dem Bild, das der Leser im Kopf hat, was mEn einen sehr drastischen Effekt hat.

Werde den Text heute mal unter Berücksichtigung deienr Vorschläge überarbeiten und heute abend posten.

PS: Sorry, daß die Antwort so lange auf sich warten ließ. Habe durchaus nicht das Interesse verloren, sondern war vielmehr die Tage in Dresden und Prag statt auf kg.de - war auch schön. :D

 
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Der Bildbruch entsteht ja nur dadurch, daß das Bild des Seele baumeln lassens schon eine uneigentliche Bedeutung hat, d.h. vom Leser mit einem bestimmten positiven Ausdruck in Verbindung gebracht wird.

Da bin ich mir nicht so sicher. Baumeln tut ja nicht die Seele, sondern der Körper. Und wenn du das Moment der Erlösung meinst, dann passt es auch nicht so richtig. Denn "Die Seele baumeln lassen" ist etwas temporäres, das der Erholung dient, damit man später mit neuer Kraft an sein irdisches Werk gehen kann.
Hier schwebt die Seele aber davon.

 
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So, Text ist generalüberholt.

Baumeln tut ja nicht die Seele, sondern der Körper.

Unsinniger Gedanke - schließlich befindet sich die Seele im Körper und nicht etwa irgendwo daneben oder darunter. Ergo baumelt sie indirekt - eben bildlich - auch. Aber da können wir uns ewig streiten - mir gefällt die Formulierung so und wenn du nicht ungeheuer gewichtige Argumente auffährst, mag ich sie auch nicht ändern. :)

Seine Hoffnung, als Briefkasten wiedergeboren zu werden, steht im Widerspruch zu seiner These...

Da aber die leblosen Dinge lebendiger zu sein scheinen als die belebten, ist der Gedanke, als seelenloses Etwas wiedergeboren werden zu wollen, gar nicht so abwegig. Ok, nach naturwissenschaftlich anerkannter Seelentransfertheorie funktioniert das natürlich nicht. Aber hey, wir sind hier bei der Sci-Fi! :D

Warum schreibst du seine Gedanken nicht einfach in direkter Rede?

Weil ich sie nicht mag. Sie bricht den Text so auf und wirkt wie ein Fremdkörper. Freilich mag man sagen, es verbessere auch den Lesefluß. Das stimmt, aber hier entscheide ich mich gegen die Lesbarkeit. Ich versuche, wörtliche Rede immer so gut wie möglich von meinen Texten fernzuhalten.

Die anderen Punkte habe ich geändert, sowie noch zahlreiche weitere, kleine Verbesserungen vorgenommen. Insbesondere die Details im ersten Absatz habe ich, wie von dir gewünscht, gekürzt. Nun schreckt es vielleicht weniger ab...

 
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Gute Geschichte

Hallo,

also ich finde die Geschichte super.

+steckt sehr viel Kreativität drin
+ Cooler Zukunftsgedanke Roboter mit Aufgaben und ohne wirkliche Aufgaben
+ Menschen ohne Lebenslust
+ entspannende Geschichte

Recht gut, hat mich begeistert

 
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21.04.2004
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Hallo falk,

hmmmm, das ist so eine Geschichte, wo ich erstmal mit dem Mausrädchen 10x rauf und runter fahren muss, ehe ich irgendwas dazu sagen/schreiben kann. Also, äh, keine Ahnung, ich kann nicht sagen, dass sie mir nicht gefallen hat - aber irgendwie ist sie komplett, äh, neben der Spur. Ein echter Kobold in einem Setting, wo Briefkästen quatschen und staubbedeckte Menschen mit dem Stuhl verwachsen. :drool: Wie kommt man auf sowas?! :schiel: Also, äh, sie funktioniert seltsamerweise, auch der letzte, eher abstrakt formulierte Absatz fügt sich, äh, irgendwie in die Geschichte ein, aber alles ist so komisch; sowas würde ich NIE schreiben. :stoned: :drool: :stoned: DOKTOR FREUD, HABEN SIE NOCH EINEN TERMIN FÜR MICH FREI!??? DOCH, ES IST SEHR DRINGEND! :schiel:

Ich versuche, wörtliche Rede immer so gut wie möglich von meinen Texten fernzuhalten.
Genau! Diese lästige Fliege, lang lebe der innere Monolog! *Ironie-Modus aus* :D

 
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12.12.2001
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sowas würde ich NIE schreiben.

Dazu fällt mir spontan das Eingangszitat ein:

Es ist wirklich das ungeheure Maß sozusagen ehrlicher Mühe und Arbeit kaum glaublich, das mitunter bei Humbug und Schwindel geleistet wird.

Übrigens sind beim Verfassen des obigen Textes tatsächlich keinerlei Joints zu Schaden gekommen! :D

 
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07.02.2005
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Hallo falk,

ich fange gleich mal mit den Kleinigkeiten an, die mir beim Durchlesen aufgefallen sind.

Warum ist alles immer „fast echt“?
Könnte man genauer erklären.

„gründlich wie eine YT-40b Reinigungskolonne“
Diesen Vergleich finde ich nicht gut.
Ich habe keine Ahnung, was eine YT-40b Reinigungskolonne ist, aber ich stelle mir irgendwas mechanisches darunter vor, so ungefähr einen Haufen Putzroboter, die verschiedene Aufgaben - Moment mal! Genau das soll hier ja verglichen werden. Hmmm.

:)

„den Ausgang - in Anbetracht ... hier ungeeignet - des Parkes“
Extreeeeeeem langer Einschub.
Finde ich aber gerade deshalb witzig.
:)

„die sich u.U. zwischen“
Haben solche Abk. etwas in Geschichten verloren?
Ich finde nein.

„die (fast echte) Natur“
Ich finde, auch solche Klammern haben in Geschichten nichts verloren.
Kann man wieder als Einschub machen
die - fast echte - Natur
oder
die - selbstverständlich fast echte - Natur
oder gewagter :)
die - natürlich fast echte - Natur

„(daß die Bänke keiner benutzte ...“
Hier hab ich die Klammern übersehen.
:)

„typischw aren“
Tippfehler.

„deren begrüßungsworte“
Groß schreiben.

Das Wiederaufgreifen der sprechenden Briefkästen in der Weidenallee 27 finde ich gut.

Eekswillklatus Sichtung der Bewohner der Weidenallee 27 ist cool.

„das Kleinteileverschwindenlassen“
Finde ich etwas diffus.
Hier könnte man spezifischer werden.

„den ehrfürchtigen Beifall der Kommoden und Bettgestelle“
Kommt mir an dieser Stelle etwas plötzlich und finde ich etwas zu abgedreht.
Wenn sich gleich darauf die Briefkästen beschweren, macht das allerdings Sinn.
Trotzdem würde ich auch das Eigenleben der anderen Möbelstücke außer den Briefkästen irgendwie planten, zB durch ein Wispern, als Eekswillklatu die Wohnung betritt.

„Insaßen“
Schreibfehler.

„es musste der“ - „fahren lassen musste“
Wiederholung musste.

Soviel zu den Einzelheiten.
Jetzt zum Gesamteindruck.

Am Anfang macht mich die Geschichte neugierig.
Die Schockeffekte beim Betreten der Wohnung finde ich gut.
Am Schluss finde ich es dann doch sehr duster und deprimierend.
Das ist aber wahrscheinlich so beabsichtigt.

Außerdem werden einige Sachen nicht aufgeklärt.
ZB Eekswillklatus Beruf.
Und warum die Natur im Park nur *fast echt* ist.
Wenn das mehrfach erwähnt wird, weckt das natürlich die Neugierde des Lesers.
Ich finde, dann sollte der Autor auch was erklärendes dazu sagen.
Wenn du das nur als seltsames Detail am Rande haben willst, solltest du es nicht so oft erwähnen.

Ich habe hier schon mindestens eine Geschichte von dieser Art gelesen.
Es geht hauptsächlich um Gesellschaftskritik.
Die Hauptfigur ist Idealist und möchte die Welt verändern.
Sie hat allerlei Marotten, mit denen sie ihre Abneigung gegen die vorherrschenden Zustände ausdrückt.
Die Betrachtungsweise der Geschichte ist eher philosophisch und behäbig.
Es gibt keine unentrinnbaren inneren oder äußeren Zwänge, die die Hauptfigur zum Handeln treiben.
Die Hauptfigur hat viel Zeit.
Eigentlich interessiert mich Gesellschaftskritik nicht besonders, und ich finde solche Geschichten immer etwas langsam und langweilig.
Aber der wahre Kern macht sie doch meistens einigermaßen interessant.

Gut an deiner Geschichte ist, dass sich die Monotonie des alltäglichen Lebens nicht in Sprache und Erzählweise niederschlägt.
Außerdem werden immer neue Fragen gestellt, deren Antworten mich interessieren.
Was für Post erhält Eekswillklatu?
Was ist in dem Paket?
Was hat er mit diesem ganzen Zeug vor?
Was will er in der Weidenallee 27?
Auch die sanften, morbiden Schockeffekte bei der Beschreibung der Familie finde ich gelungen.

Insgesamt haut mich deine Geschichte zwar nicht aus den Socken, aber ich finde sie doch überdurchschnittlich.

viele Grüße
jflipp

 

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