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Ein Grummler

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Ein Grummler

Ihr Vater stand vor dem Panoramafenster seines Arbeitszimmers und blickte hinaus. Durch das Schneetreiben waren die Lichter der Stadt kaum zu sehen.
„Vater?“ Anna betrat den Raum. Die Schritte auf dem Parkett durchdrangen die Stille.
„Welche Termine habe ich morgen?“, fragte er nach einigen Sekunden.
„Keinen. Auch nicht in den nächsten Tagen.“ Sie versuchte, ihre Stimme ruhig klingen zu lassen. Als er nicht antwortete, fügte sie hinzu: „Du musst es akzeptieren, es gibt andere Aufgaben …“
„Nein!“ Sein Schrei ließ sie zusammenzucken.
Er drehte sich zu ihr. Seine Wangen gerötet, die Augen zusammengekniffen. Erst jetzt sah sie das Glas in seiner Hand.
„Ich habe diese Stadt zu dem gemacht, was sie ist. Seit mehr als zwei Jahrzehnten, sie gehört mir. Finde einen Beweis für diesen Betrug. Wofür bist du Anwältin?“
Sie blickten sich an, seine Erwartung schwebte wie etwas Greifbares zwischen ihnen.
„Die Wahlzettel wurden bereits nachgezählt. Ich … kann es nicht ändern.“ Ihre Stimme begann zu zittern.
„Dir wird etwas einfallen“, zischte er und trank von seinem Whisky. Kniff die Augen noch enger zusammen und sah wieder aus dem Fenster.
Sie verließ den Raum, er würde sie nicht weinen hören.

Anna stand vor dem Fenster ihres Wohnzimmers, ein Glas Rotwein in der Hand.
„Nicht“, sagte sie, als ihr Mann die Hand an ihre Hüfte legte.
Er wich zurück. „Halte dich von ihm fern, bis er sich beruhigt. Er wird es einsehen.“
„Du kennst ihn bisher nur, wenn er die Macht hat. Alles nach seinem Willen läuft. Niemand weiß, was er nun nach seiner Niederlage machen wird.“ Sie trank vom Rotwein. „Auch ich nicht.“
„Du bist nicht für ihn verantwortlich. Merkst du nicht, was er macht?“
„Er hat meiner Mutter und mir ein sorgenfreies Leben ermöglicht. Natürlich muss ich ihm helfen.“
Sie schwiegen. Ihr Mann stellte sich neben sie und blickte ebenfalls in die vom Schnee erhellte Dunkelheit.
„Er hat früh ein Vermögen geerbt und davon etwas abgegeben. Er macht kaum etwas anderes, als dir die Rechnung vorzuhalten“, sagte er schließlich.
„Hör auf!“ Annas Hand zitterte, als sie das fast leere Glas erneut zum Mund führte.
„Das ist keine Leistung. Väter, die jede freie Minute mit ihren Kindern verbringen, mit ihnen auf den Spielplatz gehen, zum Sport …“
Er sah Anna an. Ihr Gesicht war angespannt, die Lippen zusammengepresst.
„Löse dich von ihm, du bist nicht seine Angestellte. Ich gehe ins Bett.“ Er gab ihr einen Kuss auf die Wange.

„Und, was hast du?“, fragte ihr Vater. Er saß hinter seinem Schreibtisch aus dunklem Edelholz und rauchte eine Zigarre.
„Es gibt nur eine Möglichkeit. Du weißt, mit wem du eine Koalition bilden musst, um an der Macht zu bleiben“, antwortete Anna.
Er sah sie einige Sekunden an und lehnte sich zurück. Zog erneut an der Zigarre, bevor er antwortete. „Ich wollte von dir rechtliche Vorschläge, um eine Neuwahl zu erreichen. Nicht so einen Unsinn. Wie soll ich mit einer rechten Partei zusammenarbeiten, selbst wenn ich das wollte? Mehr möchtest du nicht für mich erreichen?“
„Lass das.“
„Was soll ich lassen? Du nimmst von mir alle Privilegien entgegen und speist mich mit so einer Antwort …“
„Ich mache schon, was ich kann! Siehst du das nicht?“
„Ja? Du lebst dein bequemes Leben und …“
„Hör auf!“ Sie wusste nicht, ob ihre Ohren durch die Lautstärke ihres Schreis klingelten, oder durch ihre Wut.
Ihrem Vater wäre fast die Zigarre aus der Hand gefallen. Aber er blieb ruhig und beobachtete sie.
„Hör auf.“ Diesmal flüsterte sie es und versuchte erst gar nicht, die Tränen zurückzuhalten. Es war schon lange an der Zeit, dass er sie als Mensch erlebte. „Mehr habe ich nicht“, fügte sie hinzu und verließ den Raum.

Sie war häufig auf der Brücke, wenn sie spazieren ging. Diesmal saß sie auf dem Geländer, die Füße über dem Fluss. Passagier- und Frachtschiffe fuhren unter ihr entlang.
Passanten, die wahrscheinlich ihre Mittagspause machten, gingen hinter ihr vorbei. Niemand schien sie zu beachten. War sie schon mal so nah dran, alles hinzuschmeißen? Nicht mehr an ihrem Leben zu hängen?
„Hey, da dürfen Sie nicht sitzen!“
Anna drehte den Kopf. Ein Junge mit blonden, kurzen Haaren stand neben ihr am Geländer. Sie blickte ihn irritiert an, als hätte er in einer fremden Sprache gesprochen.
„Ich glaube, das Wasser ist ziemlich kalt. Ich würde woanders schwimmen gehen.“
Sie schüttelte leicht den Kopf und konnte ein Lächeln nicht verhindern. „Ja … ist wahrscheinlich nicht so angenehm.“ Als hätte der Junge sie dazu aufgefordert, hob sie erst ein Bein über das Geländer, drehte sich und zog dann das andere nach. Sie rutschte herunter und blickte den Jungen an. „Bist du alleine hier? Wo sind deine Eltern?“
„Bin auf dem Weg nach Hause und wollte noch bei der Eisdiele vorbei. Die haben den leckersten Kakao überhaupt.“
Anna überlegte kurz. „Dann begleite ich dich ein Stück und gebe dir den Kakao aus, für deinen wertvollen Ratschlag.“
„Cool!“
„Wie heißt du?“
„Konrad.“
„Freut mich. Ich bin Anna.“

Sie wollte den Kakao zum Mitnehmen kaufen, aber Konrad ging in die Eisdiele und setzte sich an einen Tisch.
„Was hast du vor?“, fragte Anna.
„Ein Bananasplit kann ich doch nicht im Gehen essen, bei der Kälte.“
„Ach, doch kein Kakao? Na, meinetwegen.“ Sie nahm ebenfalls Platz und bestellte das Eis für Konrad und für sich einen Cappuccino.
„Und gehst du gerne zur Schule? Wie alt bist du?“, fragte Anna.
„Dreizehn. Sport macht Spaß, aber bei allem anderen muss man immer so aufpassen.“
„So ist das, aber auch beim Sport musst du achtsam sein, oder nicht?“
„Nö, das kann ich einfach.“
Sie lachte. „Na, das ist doch gut! Vielleicht wirst du Profisportler?“
„Ja! Tischtennis, Schwimmen, Judo, Basketball und … Turmspringen. Hauptsache, ich werde nicht so langweilig wie meine Eltern.“
Die Bedienung brachte die Bestellung, Konrad begann direkt zu essen.
„Und was machen sie?“
„Papa arbeitet in einer Bank“, antwortete er mit vollem Mund. „Zieht immer einen Anzug an und sieht aus wie die Men in black. Mama hilft schon mal in irgendeinem Laden, weiß nicht genau wo. Und deine?“
Wieder lachte Anna. „Meine? Meine Mutter lebt schon seit einigen Jahren in einem anderen Land, sie schreibt Romane. Mein Vater ... na ja, ist schwer zu erklären. Er ist sozusagen der Chef unserer Stadt und verbringt fast jede Minute mit seiner Arbeit.“
„Ein Grummler!“
„Was ist denn ein Grummler?“
„Na, Grummler halt! Das sind Leute, die den ganzen Tag nur arbeiten und grummeln!“
Anna dachte an ihren Vater, wie er mit seiner Zigarre hinterm Schreibtisch saß.
„Mein Schuldirektor ist auch einer. Und die Frau Merkel und der Herr Tramp! Obwohl die Frau Merkel nicht so schlimm ist. Ich stelle mir bei Grummlern immer das Krümelmonster vor.“
In ihren Gedanken verwandelte sich ihr Vater, bekam blaues Fell. Und hatte einen Teller mit Keksen vor sich. Diesmal lachte sie so laut, dass sie sich die Hand vor den Mund hielt.

Auf dem Rückweg zum Büro ging sie wieder über die Brücke. Betrachtete die Stelle, an der sie zuvor auf dem Geländer gesessen hatte. Die Kälte kroch in ihren Körper, als sie hinab zum Wasser sah. Schneebedeckte Schiffe zogen ihre Bahnen. Und dann kommt ein Junge vorbei und schlägt vor, besser ins Schwimmbad zu gehen, dachte sie kopfschüttelnd.
Sie ging weiter, aber nicht direkt zu ihrem Büro. Vorher würde sie etwas bei einer Bäckerei kaufen. Und nochmal ihren Vater besuchen.

Er telefonierte, als sie das Büro betrat. „Was ist mit den Briefwahlstimmen, können wir hiergegen vorgehen?“, sprach er in den Hörer.
Anna ging zum Schreibtisch, stellte einen Teller mit Keksen ab. Ihr Vater sah sie fragend an. Sie lächelte und ging wieder zur Bürotür.
„Was soll ich damit?“, rief er, kurz bevor sie den Raum verließ.
„Falls du Hunger hast. Krümel nicht so viel!“
Anna atmete tief durch, nachdem sie die Tür hinter sich geschlossen hatte. Dachte an Konrad und lächelte.

Sie stand wieder vor dem Wohnzimmerfenster, diesmal ohne ein Glas in der Hand.
„Hey“, sagte ihr Mann, als er spät von der Arbeit kam.
„Selber hey“, antwortete sie und drehte sich um. „Wie war dein Tag?“
„Zumindest habe ich heute mal eine normale Mittagspause geschafft. Hoffentlich wird es ab Januar ruhiger.“
„Bietet deine Firma immer noch die Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten?“
„Grundsätzlich schon. Also wenn entsprechende Stellen ausgeschrieben sind, aber im Moment sind es glaube ich recht viele. Warum fragst du?“ Er kam zu ihr, legte die Hände an ihre Hüften.
„Na ja, die Welt ist groß, vielleicht ist es woanders auch schön.“
„Und was ist mit deinem Job?“
„Da finden wir schon eine Lösung“, antwortete sie und küsste ihn.

„Hey, Konrad“, rief Anna.
Er drehte sich um, in etwa an der Stelle, an der sie sich das erste Mal getroffen hatten.
„Hallo! Waren Sie schwimmen?“
Anna lächelte, er hatte einfach ein Talent dafür. „Nein, das lasse ich lieber. Wie wär´s mit einem Kakao, oder nochmal ein Eis?“
„Klar!“
Sie gingen zur Eisdiele und setzten sich wieder an den gleichen Tisch.
„Womit hab ich das verdient?“, fragte er, nachdem sie bestellt hatten.
„Ach, war eine spontane Idee, als ich dich eben gesehen habe. Und ich fand deine Erzählung von den Grummlern interessant. Hast du noch mehr solche Ideen?“
Die Bedienung brachte die beiden Eis.
„Klar, jede Menge!“
„Na dann, erzähl mal.“
 
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Senior
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Hallo @Rob F,

Wie schön, dass Anna, in einem ihrer schwersten Momente Konrad begegnete, der sie nicht nur bei jeder Begegnung zum Lachen bringen kann, sondern wohl auch zahlreiche Ideen für die Grummler-Zähmung parat haben wird ...

Dieser symbolische Moment auf der Brücke ist schon fast ein zu häufig eingesetztes Klischee, in Filmen, Geschichten. Deine Lösung mag ich jedoch, sie bringt leisen Humor und Frische mit. Wie Anna fühle ich mich zum Schluss etwas erleichtert und wäre beim Eisessen gern dabei, um amüsiert von neuen Ideen zu hören.
Ja! Tischtennis, Schwimmen, Judo, Basketball und … Turmspringen. Hauptsache, ich werde nicht so langweilig wie meine Eltern.“
:D ;)

... irgendwie süß, wie Konrad seine eigene Meinung über alles stellt ... Die Eltern sind sicherlich alles andere als langweilig bei so einem Sohn.
Er ist sozusagen der Chef unserer Stadt und verbringt fast jede Minute mit seiner Arbeit.“
„Ein Grummler!“
„Was ist denn ein Grummler?“
„Na, Grummler halt! Das sind Leute, die den ganzen Tag nur arbeiten und grummeln!“

Anna dachte an Theo, wie er mit seiner Zigarre hinterm Schreibtisch saß.
„Mein Schuldirektor ist auch einer. Und die Frau Merkel und der Herr Tramp! Obwohl die Frau Merkel nicht so schlimm ist. Ich stelle mir bei Grummlern immer das Krümelmonster vor.“
In ihren Gedanken verwandelte sich ihr Vater, bekam blaues Fell.
Und hatte einen Teller mit Keksen vor sich. Diesmal lachte sie so laut, dass sie sich die Hand vor den Mund hielt.
Köstlich! Gefiel mir sehr.

Was soll ich damit?“, rief er, kurz bevor sie den Raum verließ.
„Falls du Hunger hast. Krümel nicht so viel!“
Anna atmete tief durch, nachdem sie die Tür hinter sich geschlossen hatte. Dachte an Konrad und lächelte.
>> da musste ich auch sehr schmunzeln.

Fazit: eine feine, kleine Feel-Good-Geschichte.

Viele Grüße, Petdays
 
Senior
Monster-WG
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10.09.2014
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Hola @Rob F,

ich bin allen Grummlern und Grantlern dieser Welt zugetan, deshalb mein Komm.
Ich hoffe, Du rückst sie ins rechte Licht.

„Vater?“ Anna betrat den Raum. Die Schritte auf dem Parkett durchdrangen die Stille.
„Welche Termine habe ich morgen?“, fragte Theo nach einigen Sekunden.
Vollbremsung. Vater – Anna – Theo?

Er stand weiter mit dem Rücken zu ihr.
Das ergibt für mich kein Bild.

„Nein!“
Sein Schrei ließ sie zusammenzucken.
Alles auf einer Zeile würde ‚Nein‘ als Schrei besser verdeutlichen.

„Die Stimmen wurden bereits nachgezählt. Ich … kann es nicht ändern.“ Ihre Stimme begann zu zittern.
Vielleicht könntest Du die beiden Stimmen …

… und trank aus seinem Glas.
Sehr (zu) brav. Da sollte Schwung rein! Bis jetzt tröpfelt der Text mittelmäßig vor sich hin. Du bist ein Autor im besten Alter, und dafür ist mir diese Schreibe zu lahm.
Er drehte sich zu ihr.
… und drehte sich wieder um.

ein Glas Rotwein in der Hand.
Sie trank vom Rotwein.
2 x Schlafwagen. So gehen Tempo / Spannung verloren.

Ihr Vater stand vor dem Panoramafenster seines Arbeitszimmers …
Anna stand vor dem Fenster ihres Wohnzimmers, …

„Nicht“, sagte sie, als ihr Mann die Hand an ihre Hüfte legte.
Hola Roberto! Was ist los? Dieses ‚nicht‘ klingt furchtbar nach Kammerzofe.

„Du kennst ihn bisher nur, wenn er die Macht hat. Alles nach seinem Willen läuft.
Das ‚wenn‘ überträgt sich nicht automatisch auf den zweiten Satz.


… die vom Schnee bedeckte Dunkelheit.
Das scheint mir nicht gelungen. Wie sollte das funktionieren?

„Er hat früh ein Vermögen geerbt und davon etwas abgegeben. Er macht kaum etwas anderes, als dir die Rechnung vorzuhalten“, sagte er schließlich.
„Hör auf.“ Annas Hand zitterte, als sie das fast leere Glas erneut*) zum Mund führte.
Lieber Rob, das Grummeln hab ich mir abgewöhnt, lieber schreibe ich lobende Kommentare.
So einen könntest Du selbstverständlich gerne haben. Da freut man sich.
Jedoch wenn ich hier herummeckere, dann soll es nützen – und da muss ich Dir offen und ehrlich sagen, dass Dein Text berichterstatterhaft, verwaltungsmäßig wirkt. Ich vermisse Lebendigkeit, Konfetti, Tempo. Sicherlich bin ich kein Sensationsleser, aber hier fehlt mir Würze.

Ich habe jetzt den halben Text gelesen und weiß nicht, was er mir sagen will, wohin die Reise geht – er berührt mich kein Stück. Und Emotionen? Leider null.
Und gerade das erwartet doch der Leser, verdammt noch mal.

Und hier kommt noch einmal das Glas:
Sie hielt das Glas so fest, als wollte sie es zerquetschen.
Schon klar – vom vollen Glas zum (Beinahe)-bruch, doch das reicht nicht.
Du hast doch die Dialoge! Da muss alles rein, was Sache ist!

Er saß hinter seinem Schreibtisch aus dunklem Edelholz und rauchte eine Zigarre.
Okay, ich will den Komm ordentlich abschließen, doch sollte ich hier aussteigen.
Es tut mir leid, aber langweiliger geht‘s wirklich nicht. Warum sollte das ein Mensch lesen wollen?

Du weißt, mit wem du eine Koalition bilden musst, um an der Macht zu bleiben“, antwortete Anna.
Auch im Hanseatischen würden Vater und Tochter anders miteinander reden.
Deinen Figuren fehlt Leben. Nix knirscht, vibriert, schäumt auf, wird (richtig!)wütend, schlägt mit der Faust auf den Tisch, dass die Heide wackelt, kommt hinterfotzig rüber, was weiß ich … - nein, ich lese einen Bericht.

An diesem Punkt ist es schlimm, weil ich mit der Lektüre abgeschlossen habe. Wenn jetzt noch der Knaller käme, wäre das zwar korrekt, aber ich bin draußen.

Ich habe den restlichen Text mehr überflogen als gelesen. Du hast ihn ohne nennenswerten Inhalt schier endlos ausgedehnt, und da er immer belangloser und platter (entschuldige, aber der ist wirklich nicht gut) wurde, war ich froh, das Ende erreicht zu haben.

Dein Text besteht aus zwei Hälften. Vieles ist geschwätzig, wiederholt sich (Kakao, Brücke und vieles mehr) und langweilt schlussendlich, so dass ich mich frage, wozu Du diesen Text überhaupt geschrieben hast.
Lust am Schreiben? Tja, aber schreiben mit Schmackes – erst dann macht es Spaß.

Lieber Rob F, als Meckerziegenbock fühle ich mich gar nicht gut. Das alles soll auf keinen Fall überheblich klingen, aber mit der Zeit habe ich doch ein bisschen Ahnung von den Dingen, die uns im Forum bewegen. Du bist sehr aktiv und hast als Mitglied viele Sympathien.
Das ist auch der Grund, Dir zu schreiben. Zu loben war meine Absicht, aber dieser Text hat mich leider schwer enttäuscht.

Schwamm drüber, das Schreiben hat ja nichts mit uns als Person zu tun. Und dass Du so aktiv bist, macht (beinahe) alles wieder gut.
Deshalb: Ein gutes Neues und guten Rutsch!
José

PS: Zog erneut an der Zigarre
*) Vielleicht sehe nur ich das so, aber ‚erneut‘ ist einfach grauenhaft, klischeebeamtenhaft.
 
Senior
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01.10.2002
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Guten Abend, José,

ich bin allen Grummlern und Grantlern dieser Welt zugetan, deshalb mein Komm.
:D Das glaube ich Dir sofort! Und ich mag sie auch oft, die alten Grummler ... Habe selbst einen Zuhause. ;)
2 x Schlafwagen. So gehen Tempo / Spannung verloren.
... da hast Du Recht.

„Nicht“, sagte sie, als ihr Mann die Hand an ihre Hüfte legte.
Hola Roberto! Was ist los? Dieses ‚nicht‘ klingt furchtbar nach Kammerzofe.
>> Warum soll das nach Kammerzofe klingen? Jeder hat mal keine Lust, besonders, wenn schwere Dinge auf der Seele lasten.

Ich vermisse Lebendigkeit, Konfetti, Tempo. Sicherlich bin ich kein Sensationsleser, aber hier fehlt mir Würze.
>> Eine knackige Zusammenstellung - Konfetti und Würze! Das ist ein hoher Anspruch, nicht leicht, aber lohnenswert. Und ich möchte auch in nächsten Texten ab und zu die Konfetti-Kanone betätigen! ;)

Nichtsdestotrotz ist es natürlich eine persönliche Geschmacksfrage, wie energievoll, tiefsinnig, polarisierend, aufwühlend, ja brutal ein Text sein soll. Und was man als spannend empfindet.

Hier finde ich eher die leisen Töne. Als Leser-Zielgruppe stelle ich mir weniger alte Grummler vor, sondern Leute, die eher den kleinen Snack wünschen, liebevoll zubereitet, mit etwas Leichtigkeit und ohne große "Kracher".

LG Petdays
 
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Senior
Monster-WG
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10.09.2014
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Liebe @petdays,

Petdays: Hier finde ich eher die leisen Töne.
Perfekt! Wenn man das so, wie es Rob F uns serviert, mag.

Dass und ob unsere privaten und völlig unmaßgeblichen Meinungen parallel oder konträr verlaufen, ist ohne Belang.

Und deshalb schreibe ich dir, schon halb im Pyjama. Ich vermute, Du hast meinen Komm ein bisschen als Schulmeisterei Dir gegenüber empfunden.
Nein, mitnichten war das meine Absicht. Wohl habe ich Deinen Komm überflogen, und der hat mich sogar bestärkt, dem Rob F eine vernünftige (positive) Kritik frei Haus zu senden – schließlich hat Dir dessen Text gefallen.

Der Rest ist bekannt, die Verschiedenartigkeit des Geschmacks muss respektiert werden.

Liebe Petdays, Du Urgestein von 2002 (Respekt & Kompliment!) - ganz liebe Grüße und beste Wünsche zum Jahreswechsel!

José
 
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09.12.2019
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Hallo @petdays ,

danke für deinen Besuch bei Anna, Konrad und dem Grummler!

Wie schön, dass Anna, in einem ihrer schwersten Momente Konrad begegnete, der sie nicht nur bei jeder Begegnung zum Lachen bringen kann, sondern wohl auch zahlreiche Ideen für die Grummler-Zähmung parat haben wird ...
Ja, kann man jedem in so einer (Stimmungs)Lage ja nur wünschen!

Dieser symbolische Moment auf der Brücke ist schon fast ein zu häufig eingesetztes Klischee, in Filmen, Geschichten.
War mir nicht klar, aber solange ich keine bessere Idee habe, lasse ich es mal so.

Deine Lösung mag ich jedoch, sie bringt leisen Humor und Frische mit. Wie Anna fühle ich mich zum Schluss etwas erleichtert und wäre beim Eisessen gern dabei, um amüsiert von neuen Ideen zu hören.
Danke, das freut mich natürlich! Es gibt ja von Herbert Grönemeyer das Lied Kinder an die Macht, und ich fand es eine interessante Idee, wie schnell etwas oder jemand seinen Schrecken verliert, wenn man es aus der Sicht und mit den Gedanken eines Kindes betrachtet.
So wird aus dem autoritären Vater ein grummeliges, keksessendes Krümelmonster ...

Fazit: eine feine, kleine Feel-Good-Geschichte.
Danke, das war das Ziel!

Viele Grüße und danke für deine Eindrücke,
Rob


@josefelipe

Hallo José,

du kannst aber grummeln! :gelb:

Da scheine ich jedoch einen Nerv bei dir getroffen zu haben, ich schreibe hierbei ja auch nicht anders als bei den meisten vorherigen Texten. Aber das ist natürlich in Ordnung, wenn es deine Meinung ist, danke für dein ausführliches Feedback!

Ich habe entsprechend deiner Vorschläge einige Sätze angepasst oder entfernt, danke für deine Mühe!

Wie ich im vorherigen Kommentar geschrieben habe: Es gibt von Herbert Grönemeyer das Lied Kinder an die Macht. Die Grundidee hierbei war hauptsächlich, wie anders, im positiven Sinne, etwas oder jemand wirken kann, wenn man es mal mit den Augen und Gedanken eines Kindes sieht. Die wichtigste Szene ist dabei das Gespräch von Anna mit Konrad in der Eisdiele, auch wenn es natürlich entsprechend einer Kurzgeschichte recht überschaubar ist. Schade, dass es so nicht bei dir ankam, aber ich hatte mir auch hierbei schon etwas gedacht.

Die Szenen zu Beginn sollten ruhige Momente sein, ich werde sie demnach auch nicht anpassen zu "sie schreien sich an und schmeißen Gläser an die Wand"-Szenen. Auch das ist natürlich Geschmackssache.

Also danke für deine Eindrücke und nicht zuviel grummeln! ;)

Viele Grüße und bleib gesund,
Rob
 
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Monster-WG
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20.08.2019
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Lieber @Rob F

auch diese Geschichte hab ich sehr gerne gelesen. Sie hat viel Humor, bringt mit zum Schmunzeln und das mag ich :) Wie immer bin ich nah dabei und kann mir alles gut vorstellen.

Hier ein paar Anmerkungen:

„Hör auf.“ Annas Hand zitterte, als sie das fast leere Glas erneut zum Mund führte.

Ausrufezeichen nach "Hör auf!"

Sie setzte sich zu ihm und bestellte das Eis für Konrad und für sich einen Cappuccino, als die Bedienung kam.

Könnte man streichen, ist m.E. unnötig.

Ich finde es toll, dass sie mitten in ihrer Verzweiflung auf Konrad trifft und sich auf die Begegnung einlässt. Deine Protagonistin ist mir sehr sympathisch, sie ist hilfsbereich, eine Kämpferin und hat Humor.

Schon dreizehn. Sport macht Spaß, aber bei allem anderen muss man immer so aufpassen.“

Kann man streichen. Unnötiges Füllwort.
Auch Konrad hat meine volle Sympathie :thumbsup:

In ihren Gedanken verwandelte sich ihr Vater, bekam blaues Fell. Und hatte einen Teller mit Keksen vor sich. Diesmal lachte sie so laut, dass sie sich die Hand vor den Mund hielt.

Lol :D Das ist herrlich!

Anna ging zum Schreibtisch, stellte einen Teller mit Keksen ab. Ihr Vater sah sie fragend an. Sie lächelte und ging wieder zur Bürotür.
„Was soll ich damit?“, rief er, kurz bevor sie den Raum verließ.
„Falls du Hunger hast. Krümel nicht so viel!“

Und da musste ich auch lachen. Toll! :bounce:

„Klar, jede Menge!“
„Na dann, erzähl mal.“

Das Ende hat mich ein wenig verwirrt.
Einerseits scheint sie ins Ausland gehen zu wollen, andererseits trifft sie sich wieder mit Konrad.
Will sie sich von ihm inspirieren lassen? Und davon ihre Entscheidung abhängig machen?

Du könntest die Geschichte durchaus noch weiter ausbauen :)

Ganz liebe Grüße,
Silvita
 
Beitritt
23.11.2016
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Hallo @Rob F,

Du bist wirklich produktiv!

Ich probiere es wieder einmal mit einem Kommentar bei Dir.

Zum Inhalt der Geschichte etwas zu sagen, fällt mir schwer, denn ich frage mich, was Du eigentlich erzählen wolltest. Annas Geschichte? Oder die des Grummlers?

In einer Antwort schreibst Du:


Es gibt von Herbert Grönemeyer das Lied Kinder an die Macht. Die Grundidee hierbei war hauptsächlich, wie anders, im positiven Sinne, etwas oder jemand wirken kann, wenn man es mal mit den Augen und Gedanken eines Kindes sieht.

Das führt mich gleich zum ersten Punkt, auf den ich hinweisen möchte, nämlich die Perspektive.

Für mich ist die nicht eindeutig gewählt:

Ihr Vater stand vor dem Panoramafenster seines Arbeitszimmers und blickte hinaus. Durch das Schneetreiben waren die Lichter der Stadt kaum zu sehen.
„Vater?“ Anna betrat den Raum.

Hier ist unklar, ob das ein personaler Erzähler sein soll, der Annas Perspektive einnimmt oder ein auktorialer. Wenn man die Geschichte daraufhin durchscannt, wirkt das eher auktorial. Aber dies auch nicht wirklich eindeutig.

Mit anderen Worten: aus meiner Sicht ist die Perspektive schwammig.

Das führt mich zu der Frage, warum Du nicht die Kinderaugenperspektive wählst, wenn es Dein Ziel war, etwas durch die Augen und Gedanken eines Kindes zu sehen?

Ich glaube, diese unklare Perspektive führt auch dazu, dass man wenig bis gar nicht in die Gefühlswelt der Protagonisten eintauchen kann.

Ich habe noch ein paar kleine Detailanmerkungen, sozusagen wahllos rausgepickt:

„Nicht“, sagte sie, als ihr Mann die Hand an ihre Hüfte legte.

Unnötige Wiederholung.


„Du bist nicht für ihn verantwortlich. Merkst du nicht, was er macht?“
„Er hat meiner Mutter und mir ein sorgenfreies Leben ermöglicht. Natürlich muss ich ihm helfen.“

Die Dialoge sind teilweise leider nicht gut. Hier geben Deine Protagonisten etwas von sich, was sie in der Realität so nicht sagen würden, denn die angesprochenen Themen haben sie sicherlich schon tausendmal durchgekaut und angedeutet und sich gegenseitig um die Ohren gehauen. Das wird dann anders ausgedrückt.

Das sind übrigens auch so Szenen, wo ich mich viel mehr Show gewünscht hätte.

Vereinzelte Passagier- und Frachtschiffe fuhren unter ihr entlang.

Die Schiffe sind wohl nicht vereinzelt, das hieße ja, sie wären zerstückelt.

„Ein Bananasplit kann ich doch nicht im gehen essen, bei der Kälte.“

"gehen" groß.

Sie setzte sich zu ihm und bestellte das Eis für Konrad und für sich einen Cappuccino.

Wieder so eine Dopplung.

Hoffentlich konntest Du diesmal mehr mit meinem Kommentar anfangen.

Gruß
Geschichtenwerker
 
Senior
Beitritt
01.10.2002
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776
Lieber José,

nur so als Ergänzung. Aus dem Alter, wo ich alles auf mich bezogen habe, bin ich schon länger raus. :D
Petdays: Hier finde ich eher die leisen Töne.
Perfekt! Wenn man das so, wie es Rob F uns serviert, mag.

Dass und ob unsere privaten und völlig unmaßgeblichen Meinungen parallel oder konträr verlaufen, ist ohne Belang.

Und deshalb schreibe ich dir, schon halb im Pyjama. Ich vermute, Du hast meinen Komm ein bisschen als Schulmeisterei Dir gegenüber empfunden.
>> Ich selber lese genretechnisch querbeet, also fast alles von lustiger Tiergeschichte, über Funny Romance, Krimi, bis hartem Thriller oder gar Blood and Gore aus dem Blutwurstverlag ... ;)
Wobei ich am liebsten die Zone zwischen stilistisch überzeugender Literatur und intelligentem, eher leiseren Thriller mag. Oder Old School Horrorgeschichten.

Gruß, petdays
 
Mitglied
Beitritt
09.12.2019
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Hi @Silvita ,

danke für dein Feedback!

Ich hatte die Idee für die erste Szene, als Donald Trump sich noch lautstark dagegen wehrte, die Wahl verloren zu haben. Neben der schwierigen Situation zwischen Anna und ihrem Vater wollte ich eigentlich versuchen, zusätzlich das politische Thema der Wahlniederlage weiterverfolgen, hatte aber hierzu keine entsprechenden Ideen.

Daher geht es nun darum, wie ein dreizahnjähriger Junge Anna auf eine andere Möglichkeit bringt, mit ihrem schwierigen Vater umzugehen. Auch bei Donald Trump kann ich mir gut vorstellen, dass er auf einmal blaues Fell bekommt und anfängt, Kekse zu essen. Vielleicht ist es ja bald soweit, wenn er aus dem Weißen Haus ausziehen muss :gelb:

Sie hat viel Humor, bringt mit zum Schmunzeln und das mag ich
Danke, das freut mich! Der Anfang ist wahrscheinlich etwas langatmig, aber ich hoffe, es wird unterhaltsamer, wenn Anna auf Konrad trifft.

Ich finde es toll, dass sie mitten in ihrer Verzweiflung auf Konrad trifft und sich auf die Begegnung einlässt. Deine Protagonistin ist mir sehr sympathisch, sie ist hilfsbereich, eine Kämpferin und hat Humor.
Ja, sie hat ihre Schwierigkeiten, sich gegen ihren Vater zu behaupten, aber dennoch stellt sie sich der Situation und findet ja durch Konrad einen Weg, ihm mit etwas Humor zu begegnen.

Auch Konrad hat meine volle Sympathie
Das wird ihn freuen! :gelb:
Hoffentlich behällt er seine Unbekümmertheit, aber ich glaube schon!

Das Ende hat mich ein wenig verwirrt.
Einerseits scheint sie ins Ausland gehen zu wollen, andererseits trifft sie sich wieder mit Konrad.
Will sie sich von ihm inspirieren lassen? Und davon ihre Entscheidung abhängig machen?
Sie beginnt ja zum Ende hin, auch einen Umzug ins Ausland für möglich zu halten, aber zu dem Zeitpunkt ist es ja erstmal ein Plan, den sie mit ihrem Mann weiterverfolgt. Sie trifft also nochmal Konrad und hofft auf mehr unbekümmerte Ideen, macht aber davon nicht ihre weiteren Pläne abhängig. Ich fand es halt schön, wenn die beiden in einer abschließenden Szene nochmal aufeinander treffen.

Ich habe entsprechend deiner Vorschläge einige Formulierungen angepasst, auch hierbei danke für deine Vorschläge!

Viele Grüße und noch einen schönen Abend,
Rob


Hallo @Geschichtenwerker ,

freut mich, dass du dich nochmal mit einer weiteren Geschichte von mir beschäftigt hast!

Zum Inhalt der Geschichte etwas zu sagen, fällt mir schwer, denn ich frage mich, was Du eigentlich erzählen wolltest. Annas Geschichte? Oder die des Grummlers?
Es geht um Annas Geschichte, sie ist ja die einzige, die in jeder Szene vorkommt. Wie sie durch ein zufälliges Treffen mit einem dreizehnjährigen Jungen eine Möglichkeit findet, ihrem fordernden und dominanten Vater mit etwas Humor zu begegnen.

Hier ist unklar, ob das ein personaler Erzähler sein soll, der Annas Perspektive einnimmt oder ein auktorialer. Wenn man die Geschichte daraufhin durchscannt, wirkt das eher auktorial. Aber dies auch nicht wirklich eindeutig.
Ich bin nicht ganz sicher, wie man es nun im Detail nennt, aber m.E. beschreibe ich die Handlung als auktorialer Erzähler, der den Fokus auf Anna legt. z.B. schreibe ich ja zu Beginn der ersten Szene: "Ihr Vater stand vor dem ..." (also Annas Vater)
Findest du das demnach für die gesamte Handlung eher unglücklich gewählt? Ich könnte es jetzt nicht 100 % sagen, habe das aber m.E. bei den meisten Geschichten so gehalten.

Das führt mich zu der Frage, warum Du nicht die Kinderaugenperspektive wählst, wenn es Dein Ziel war, etwas durch die Augen und Gedanken eines Kindes zu sehen?
Die Handlung soll sich ja darauf beziehen, wie Anna durch ihr Treffen mit Konrad ihren Vater weniger bedrohlich sieht, ihm eher "spielerisch" gegenübertritt. Daher ist mir nicht klar, was du mit "Kinderaugenperspektive" meinst? Die Geschichte aus Sicht von Konrad zu schreiben würde ja zu einer ganz anderen Handlung führen, es geht jedoch um den Konflikt zwischen Anna und ihrem Vater.

Ich habe entsprechend deiner Vorschläge die ein oder andere Textstelle angepasst, danke für die Hinweise!

Viele Grüße,
Rob
 
Beitritt
23.11.2016
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Hallo @Rob F,

ich nochmal:

Die Handlung soll sich ja darauf beziehen, wie Anna durch ihr Treffen mit Konrad ihren Vater weniger bedrohlich sieht, ihm eher "spielerisch" gegenübertritt.

Ich glaube da ist der Haken. Wenn Du das zeigen möchtest, die innere Änderung von Annas Haltung ihrem Vater gegenüber, müsste auch viel stärker der Fokus darauf liegen.

Da würde ich mir als Leser wünschen, viel stärker eintauchen zu können.

Klar, das kommt schon alles irgendwie in Deinem Text heraus, man versteht das zwischen den Zeilen. Vielleicht ist das auch Deine Art, die Dinge zu erzählen?

Ich möchte gar nicht zu sehr darauf herumreiten, denn schließlich ist es Dein gewähltes Format. Ich sage nur, wenn das der Fokus, sozusagen die Prämisse Deines Textes ist, würde ich auch alles danach ausrichten.

Die erste Frage wäre aus meiner Sicht zum Beispiel, ob bei diesem Vorhaben die auktoriale Erzählperspektive besonders geschickt ist.

Ich hätte bei der Aufgabe wahrscheinlich eher die Ich-Perspektive gewählt, um die Welt durch Annas Augen zu sehen.

Die nächste Frage wäre dann, wenn man die Ich-Perspektive wählt, welche Erzählzeit geeignet ist und welche Vor-/Nachteile sich daraus ergeben. Wählt man das Präteritum und setzt damit das Geschehene in die Vergangenheit und hat quasi ein "reflektiertes Ich" oder wählt man vielleicht sogar Präsens, um den Leser die Verwandlung der Haltung gegenüber dem Vater quasi live miterleben zu lassen.

Das sind Punkte, über die man nachdenken kann.

Mir scheint, aber vielleicht liege ich da völlig falsch, dass Du hier eine Idee hattest und dann einfach drauf los geschrieben. Das ist per se nicht schlecht und das habe ich auch eine Weile gemacht, bis es mir zu blöd wurde, weil ich nicht so viel Zeit zum Schreiben habe und immer wieder gemerkt habe, dass ich Projekte anfange, die dann nichts werden, weil nämlich irgendetwas nicht zusammenpasst (der Plot passt nicht zum Format Kurzgeschichte, die ausgewählten Szenen nicht zur Prämisse, der Charakter des Protagonisten nicht zu den gewählten Hürden, etc.). Das heißt jetzt nicht, dass ich Dir völlig davon abraten würde "drauf los zu schreiben", aber ich glaube es lohnt sich, ein wenig über die Konstruktion der Geschichte nachzudenken. Dazu gehören für mich u. a. die oben genannten Punkte.

Vielleicht liege ich auch ganz daneben mit meiner Vermutung.

Nimm Dir von meinen Gedanken, was Du als nützlich empfindest.

Gruß
Geschichtenwerker
 
Monster-WG
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20.08.2019
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Lieber @Rob F

danke für dein Feedback!

Gern geschehen.

Ich hatte die Idee für die erste Szene, als Donald Trump sich noch lautstark dagegen wehrte, die Wahl verloren zu haben. Neben der schwierigen Situation zwischen Anna und ihrem Vater wollte ich eigentlich versuchen, zusätzlich das politische Thema der Wahlniederlage weiterverfolgen, hatte aber hierzu keine entsprechenden Ideen.

Das hatte ich mir gedacht. Hier und da hatte ich beim Lesen sogar Trumps Bild vor Augen :D
Ich finde, Du hast das geschickt umgesetzt.

Daher geht es nun darum, wie ein dreizahnjähriger Junge Anna auf eine andere Möglichkeit bringt, mit ihrem schwierigen Vater umzugehen. Auch bei Donald Trump kann ich mir gut vorstellen, dass er auf einmal blaues Fell bekommt und anfängt, Kekse zu essen. Vielleicht ist es ja bald soweit, wenn er aus dem Weißen Haus ausziehen muss

Die Idee ist toll und gut umgesetzt.
Lol :bounce: Ja, das kann ich mir auch sehr gut vorstellen.

Danke, das freut mich! Der Anfang ist wahrscheinlich etwas langatmig, aber ich hoffe, es wird unterhaltsamer, wenn Anna auf Konrad trifft.

Langatmig hab ich den Anfang nicht empfunden, da alles flüssig geschrieben ist.

Ja, sie hat ihre Schwierigkeiten, sich gegen ihren Vater zu behaupten, aber dennoch stellt sie sich der Situation und findet ja durch Konrad einen Weg, ihm mit etwas Humor zu begegnen.

Das ist super :thumbsup:

Das wird ihn freuen! :gelb:
Hoffentlich behällt er seine Unbekümmertheit, aber ich glaube schon!

Ja, das glaub ich auch :)

Sie beginnt ja zum Ende hin, auch einen Umzug ins Ausland für möglich zu halten, aber zu dem Zeitpunkt ist es ja erstmal ein Plan, den sie mit ihrem Mann weiterverfolgt. Sie trifft also nochmal Konrad und hofft auf mehr unbekümmerte Ideen, macht aber davon nicht ihre weiteren Pläne abhängig. Ich fand es halt schön, wenn die beiden in einer abschließenden Szene nochmal aufeinander treffen.

Okay. Das ist logisch. So hab ich es auch interpretiert. War etwas verwirrend, aber so bleibt das Ende ein wenig offen.

Ich habe entsprechend deiner Vorschläge einige Formulierungen angepasst, auch hierbei danke für deine Vorschläge!

Gern geschehen.

Ich wünsche Dir einen schönen Tag.

Liebe Grüße,

Silvita
 
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10.09.2016
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Hey @Rob F ,

kurze Rückmeldung. Hab den Text und nicht den neuen genommen, weil ich gerade nicht so Lust auf Fantasy hatte. Ich sag zu einzelnen Stellen was und dann nochmal etwas allgemeiner. Fand die Idee mit der Begegnung gut, die das löst. Da können interessante Gespräche entstehen. Mit den Einzelheiten will ich auf ein paar Baustellen hinaus, die ich da sehe:

„Du musst es akzeptieren, es gibt andere Aufgaben …“
„Nein!“ Sein Schrei ließ sie zusammenzucken.

ich kann mich schwer in dieser Geschichte treiben lassen, weil ich das Gefühl habe, es ist alles wie ein Drehbuch gescriptet.

„Ich habe diese Stadt zu dem gemacht, was sie ist. Seit mehr als zwei Jahrzehnten, sie gehört mir. Finde einen Beweis für diesen Betrug. Wofür bist du Anwältin?“

Es gibt verschiedene Ratgeber, die sagen, bloß kein Tell, mach Dialog draus. Am besten ein Streitgespräch. Nach dem Motto: Infovergabe und Konflikt in einem Abwasch verarbeiten. Das funktioniert für mich fast nie. Ich nehme das so hin. Gerade bei Filmen, die eine sehr komplexe Geschichte in wenigen Szenen erzählen wollen. Aber selbst da. Es ist im Grunde eben für mich blankes Tell. Die Figuren erzählen wer sie sind, als ob die andere Figur das nicht wüsste.

sie, als ihr Mann die Hand

Das sind auch so Eingriffe. 'Ihr Mann'. Wer erzählt das, wo ist die Erzählinstanz? Es soll dann an manchen Stellen ja doch eine Art personaler Erzähler sein, hatte ich das Gefühl, und nichts anderes, würde ich sagen, macht hier Sinn. Allerdings ist das hier der Autor, der erklärt, dass das ihr Mann ist. Eben wie in einem Drehbuchskript. "Ihr Mann betritt die Bühne und greift nach ihrer Hand. Und dann halt wieder im Tell: „Er hat früh ein Vermögen geerbt und davon etwas abgegeben.“ – warum erzählt er sowas. Da ist der Autor und die Infovergabe völlig einsehbar.

Du kennst ihn bisher nur, wenn er die Macht hat. Alles nach seinem Willen läuft. Niemand weiß, was er nun nach seiner Niederlage machen wird.

auch hier

„Auch ich nicht.“

ich sehe auch bei der Figurenrede Baustellen. Das klingt nicht oral (zumindest nicht bei dem Alter), sondern wie in einem historischen Theaterstück. Das fällt für mich auch mit dem Script-Charakter der Story zusammen. Habe das Gefühl, du willst zu viele Infos rüberbringen. Die Figuren sind nur da, um etwas rüberzubringen und den Dialog zu befrieden. So entfaltet sich keine Eigendynamik. Einerseits gut, fokussiert zu bleiben, aber hier denke ich, es würde sicher nicht schlecht sein, die Figuren auch mal ein bisschen machen zu lassen. Auch mal ein bisschen mehr in Details zu gehen.

„Er hat früh ein Vermögen geerbt und davon etwas abgegeben. Er macht kaum etwas anderes, als dir die Rechnung vorzuhalten“

Die Stelle, die ich oben zitiert habe

„Bin auf dem Weg nach Hause und wollte noch bei der Eisdiele vorbei. Die haben den leckersten Kakao überhaupt.“

das wirkte auf mich konstruiert. Habe diese Figur nicht abgekauft. Hier fehlt mir einfach die Authentizität. Wirkt auf mich wie ein Pappkamerad. Warum erklärt er das alles? Warum in so langen, eloquenten, hier und da eingekindlichten Sätzen? Ich würde ihn knapper sprechen lassen. Er geht zum Kakaotrinken in die Eisdiele, das ist doch was Besonderes. Das würde ich ihne vielleicht erklären lassen, vielleicht weil andere ihn deswegen auch schon mal gefragt haben oder weil er es gewohnt ist, schräg angeguckt zu werden. Aber hier erfüllt er bislang einfach nur eine Funktion und das spürt man.

Hauptsache, ich werde nicht so langweilig wie meine Eltern
Und die Frau Merkel und der Herr Tramp! Obwohl die Frau Merkel nicht so schlimm ist.
auch die beiden Zitate


Jetzt habe ich auch schon ein paar allgemeine Dinge gesagt. Also ich würde versuchen, den Figuren mehr Freiraum zu geben. Auch mal eine Sequenz erzählen, die nicht glatt auf eine Message zuläuft. Letztlich ist auch das eine Frage von Show/Tell. Du zeigst das ja, der Cheffe schreit, ihr 'Mann' legt ihr die Hand auf die Taille und sie zieht sie zurück. Aber was macht diesen Cheff glaubhaft, was macht ihn zu mehr als dem Archetyp eines Cheffes. Die Figuren selbst sind mir hier zu sehr Behauptungen. Ich kann sie nicht in ihrem Setting fassen, glaube nicht an ihre Existenz. Das bekommst du über Details hin, über Sinnlichkeit, Konkretion, darüber, den Dingen und Personen einen Namen zu geben, durch 'natürliche', orale Figurenrede, die nicht nur auf Exposition zielt. Das wären Anregungen.

So weit, viele Grüße.
Carlo
 
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Hallo @Carlo Zwei ,

danke für deine Anmerkungen, die mir mal einen anderen Blick auf diesen und auch andere Texte geben.

Es ist ja in jeder Erzählung eine wichtige Frage, wie ich die Informationen unterbringe, die Personen aber dennoch wie real handelnde Personen wirken. Also nicht nur als Mittel zum Zweck, als Informationsübergringer.

Ich nehme für zukünftige Texte in jedem Fall mit, noch genauer zu überprüfen, ob die Informationen, die ich unterbringen möchte, tatsächlich notwendig sind. Und weiterhin jeweils zu überlegen, ob der ein oder andere tellige Satz nicht vielleicht besser ist, als Gesprächsinhalte zweckzuentfremden.

Ich lese weiterhin gerne Stephen King, habe vor einigen Wochen sein Buch Das Institut gelesen. Er macht das natürlich sehr geschickt und professionell, aber auch er bringt viele Informationen in den Dialogen unter. Durch die Hinweise bei den Wortkriegern achte ich mehr darauf, aber mittlerweile denke ich mir auch bei vielen Dialogen in seinen Büchern:
Sehr geschickt verpackt, aber zufällig erwähnen die Personen alle für den Leser relevante Informationen. Eigentlich würden sie nicht so reden, für einige der Informationen gab es gar keinen Anlass, sie zu erwähnen.

Noch nicht ganz sicher bin ich mir bei dem Punkt, wo du schreibst: "Beschreibt hier der Erzähler, oder der Autor?" Du hast hier als Beispiel die zweite Szene genannt, als Annas Mann seine Hand an ihre Hüfte legt. Aus meiner Sicht beschreibt hier der Erzähler, was in der Szene passiert. Oder anders gefragt: Wie müsste ich es schreiben, damit es nicht wie eine Information von mir als Autor wirkt?

Ich denke, ich lasse den Grummler mal Grummler sein, werde mir aber für zukünftige Texte in jedem Fall mal grundsätzlich Gedanken über die von dir genannten Punkte machen. Danke für deine Mühe!

Viele Grüße,
Rob
 
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Hey @Rob F

Er macht das natürlich sehr geschickt und professionell, aber auch er bringt viele Informationen in den Dialogen unter.

Ich denke auch, dass man das so machen kann. Vor allem in Filmen kann man das ja viel beobachten. Und es ist allemal geschickter, als das einfach plump zu tellen. Gerade in der Exposition verzeihen das Leser*innen (denen es mehr um andere Sachen geht). Da ist man dann froh, wenn man die großen W-Fragen schnell abgeklärt hat und es dann losgeht. Sehr abgefahrene Stories brauchen das regelrecht um schnell in Fahrt zu kommen (wenn ich an die Filme von Christopher Nolan denke). Hier im Forum wirst du immer auch einige Schreibende (einschließlich mir) treffen, denen das zu offensichtlich ist. Ich will eben, im Gegensatz zu vielen Rezipient*innen, gar nicht (oder zumindest nicht immer) das Gefühl bekommen, dass das eine Konstruktion ist, selbst wenn sie spannend ist. Es gibt aber selbst Fantasy, die einen das nicht spüren lässt. Tolkien, Lovecraft (soweit ich das beurteilen kann).

Sehr geschickt verpackt, aber zufällig erwähnen die Personen alle für den Leser relevanten Informationen. Eigentlich würden sie nicht so reden, für einige der Informationen gab es gar keinen Anlass, sie zu erwähnen.

Hehe, ich kenne das Gefühl genau und hab schon oft darüber gebrütet. Wie gesagt, ich denke, hier geht es um Schnelligkeit. Immer erlaubt sich das in keiner Story. Höchstens am Anfang und in Einschüben zwischendurch. Nicht durchgängig. Und es gibt viele Beispiele, wo das gar nicht passiert. Ich denke, dass ein Verzicht darauf zum Teil auch andere Geschichten hervorbringt, weswegen ich mich davor hüten will, das pauschal zu verurteilen. Aber man sollte sich dessen auf jeden Fall bewusst sein. Und dann kann man das ja auch verteidigen: "Ich finde das Tell an dieser Stelle angebracht". Da fangen Texte an, sich von den Regeln der Schreibratgeber zu emanzipieren, auch wenn sie diese Regeln kennen und respektieren.

Noch nicht ganz sicher bin ich mir bei dem Punkt, wo du schreibst: "Beschreibt hier der Erzähler, oder der Autor?" Du hast hier als Beispiel die zweite Szene genannt, als Annas Mann seine Hand an ihre Hüfte legt. Aus meiner Sicht beschreibt hier der Erzähler, was in der Szene passiert. Oder anders gefragt: Wie müsste ich es schreiben, damit es nicht wie eine Information von mir als Autor wirkt?

Missverständnis, glaube ich. Es geht nicht um die Geste des Hand-an-die-Hüfte-legens, das finde ich gerade etwas Gutes an der Stelle, weil es nonverbal viel zum Ausdruck bringt. Die Bezeichnung 'Mann' empfand ich hier als den Eingriff. Er bekommt keinen Namen, sondern wird hier vom Erzähler (der eigentlich gar nicht sichtbar sein sollte) in seiner Rolle als Mann Annas belassen. Das ist das Problem. Er ist nicht real, das 'Mann' bleibt eine Behauptung. Wäre der Erzähler etwas personaler, wäre das anders. Beispiel:

Original: Anna stand vor dem Fenster ihres Wohnzimmers, ein Glas Rotwein in der Hand.
„Nicht“, sagte sie, als ihr Mann die Hand an ihre Hüfte legte.


etwas personaler: Anna stand vor dem Fenster ihres Wohnzimmers, ein Glas Rotwein in der Hand. Eigentlich mochte sie Grenache nicht, aber das war eben Philipps Geschmack. „Nicht“, sagte sie, als er ihr die Hand an die Hüfte legte.

Ich habe hier 'ihrem Mann' fast automatisch einen Namen gegeben, auch wenn ich eigentlich etwas anderes zeigen wollte, es lässt sich aber auch ganz leicht ersetzen und dann wird deutlich, das 'ihr Mann' eher eine Bezeichnung/Zuschreibung von Anna ist und es nicht wie im Original nach einer Zuschreibung des Erzählers klingt, das ist der feine Unterschied:

Personal, aber mit 'ihr Mann': Anna stand vor dem Fenster ihres Wohnzimmers, ein Glas Rotwein in der Hand. Eigentlich mochte sie Grenache nicht, aber das war eben der Geschmack ihres Mannes. „Nicht“, sagte sie, als er ihr die Hand an die Hüfte legte.

Ich denke, ich lasse den Grummler mal Grummler sein

Ja, kenne das. Ist gut.

Danke für deine Mühe!

Ja, gerne.

Viele Grüße
Carlo
 
Mitglied
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09.12.2019
Beiträge
480
Hallo @Schwerhörig ,

danke für deinen Gesamteindruck!

Mich selbst stört hierbei mittlerweile das Politikthema zu Beginn ein wenig. Andererseits ist es so gut wie jedes andere, um zu zeigen, wie sich Annas Vater ihr gegenüber verhält. Eher als wäre sie seine Angestellte und nicht seine Tochter.

Viele Grüße!
Rob
 
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