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Eine Taube

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Eine Taube

Er hatte die Zielperson im Visier. Freie Sicht an diesem fast wolkenlosen Sommertag. Der ältere Mann im Fadenkreuz saß in einem Straßencafé und trank einen Cappuccino.
Harvey konzentrierte sich auf die Atmung, bis er nur noch das Ziel, die Waffe und die Luft wahrnahm, die durch seine Nase ein- und ausströmte. Als er den Abzug betätigte, unmittelbar vor dem Schuss, flog eine Taube durch die Sichtlinie. Sein Arm zuckte. Die Kugel streifte den älteren Mann, riss ein Stück von seinem Ohr ab. Er fiel zur Seite, war für Harvey hinter einem Tisch nicht mehr zu sehen. Menschen liefen zu ihm, holten ihre Smartphones hervor.
Harvey zählte die Sekunden. Herzschlag und Atmung beschleunigten sich. Er bekam keine Möglichkeit mehr, erneut zu schießen und brach ab. Demontierte das Scharfschützengewehr und versteckte es in der falschen Gitarre. Wann hatten seine Hände das letzte Mal gezittert?
Seine Flucht begann. Die Organisation, la vita, duldete keine Fehler.

Alles war ruhig, als Harvey das Hotel verließ. Niemand stellte Fragen, als er den Schlüssel an der Rezeption abgab. Ein Blick auf sein Smartphone zeigte ihm, was er vermutet hatte. La vita hatte bereits den Empfang unterbrochen, ihn von der Außenwelt abgeschnitten.
Er atmete tief durch und ging durch die Seitenstraßen der kleinen, italienischen Stadt. Die Gitarre hatte er mit einem Gurt umgehangen, seinen Rucksack auf dem Rücken. Es würde dauern, bis die Polizei das Hotel durchsuchte, wenn sie es überhaupt tat. Es gab wenige Waffen mit einer solchen Reichweite und genügend nähere und damit wahrscheinlichere Orte für einen Attentäter.
Der Bahnhof war bereits zu sehen, als er einen kleinen Platz mit Cafés und Bistros erreichte. Wohin?, fragte er sich zum wiederholten Male. Seine sonst klaren, professionellen Gedanken waren verschwunden. Zum ersten Mal seit fast vierzig Jahren konnte er nach einem Schuss nicht dem Standardvorgehen folgen. Wegen einer Taube, dachte er und schüttelte leicht den Kopf. Wenn la vita ihre Philosophie beibehalten hatte, boten nur andere Menschen in seiner Nähe die Chance, zu überleben. Sie riskierten keine Zeugen, nicht bei ihren eigenen Leuten.

In einem der Straßencafés waren nur wenige Plätze besetzt. Harvey ging dorthin, nahm Platz und lehnte die Gitarre an den Tisch. Noch bevor er bestellen konnte, kam jemand zu ihm. Eine junge Frau mit blonden, kurzen Haaren. Ungeschminkt und mit sonnengebräunter Haut. Harvey schätze sie auf knapp über zwanzig.
„So jung und schon bei den Sturmtruppen?“, fragte er.
Sie neigte den Kopf leicht zur Seite und zog die Augenbrauen hoch.
„Nicht so wichtig. Was kann ich für Sie tun?“
„Darf ich?“ Sie zeigte auf den Stuhl vor sich.
„Als wenn meine Antwort einen Unterschied machen würde.“ Harvey nahm eine Packung Zigaretten aus der Brusttasche seines Hemdes und zündete sich eine an.
„Ich kann Sie auch von ein paar Plätzen weiter beobachten. Oder Sie kommen einfach mit und wir bringen es direkt hinter uns.“ Sie legte die Hand auf ihre Handtasche. „Ich habe alles Notwendige dabei.“
Er nahm einen tiefen Zug, betrachtete sie durch den Qualm. „Bitte“, sagte er schließlich und deutete auf den Stuhl. Bevor er eine Frage stellen konnte, kam die Bedienung. Beide bestellten einen Espresso.
„Wie heißen Sie?“, fragte Harvey und hielt ihr die Schachtel Zigaretten hin.
„Nein, danke. Simona. Es bedeutet mir viel, Sie zu treffen, wenn auch unter diesen Umständen. Bei la vita sind Sie eine Legende.“
„Tja, bald dann wohl tatsächlich. Warum hat man Sie geschickt? Ich dachte, sie würden jemand Erfahreneren einsetzen für mein letztes Geleit. Nicht persönlich nehmen.“ Er nahm einen weiteren Zug.
„Schon in Ordnung. Ich beobachte Sie schon länger, wie es bei älteren Schützen so üblich ist.“ Sie sprach leise, aber deutlich. „Warum hätte ich ablehnen sollen? Ein leicht verdientes Zusatzgehalt. Ob Sie es glauben oder nicht, aber zur Zeit bin ich eine der Besten, wenn es um Genauigkeit und Schnelligkeit geht. Und ich zögere nicht.“
Die Bedienung kam, stellte die Getränke auf den Tisch.
„Was ist passiert?“, fragte Simona, nachdem sie beide vom Espresso getrunken hatten.
„Eine Taube“, antwortete Harvey und konnte ein Lächeln nicht verhindern.

„Das glaubt mir niemand“, meinte Simona, nachdem Harvey seine Erzählung beendet hatte. „Eine Taube bringt den großen Harvey zu Fall.“
„Irgendwann ist es wohl soweit. Bisher habe ich genauso gedacht wie Sie. Mir passiert nichts, ich kann meinen Job. Wahrscheinlich ist es noch lange hin, aber irgendwann sind auch Sie dran.“
Ihr kurzzeitiges Lächeln verschwand. „Wer weiß, aber das werden Sie nicht mehr erleben. Was haben Sie nun vor? Sie können nicht ewig hier sitzen.“
Er zündete sich eine weitere Zigarette an, blies den Qualm aus und blickte sie an. „Ich könnte Sie erschießen. Oder das Genick brechen.“
„Überschätzen Sie sich nicht. Außerdem hätten Sie nicht viel davon, dann würde die Organisation nur jemand anderen schicken, vielleicht auch mehrere.“ Sie stand auf und schob den Stuhl an den Tisch. „Wir sehen uns.“

„So spät noch wach?“
Harvey zuckte hoch. Er befand sich in dem Café, das im Bahnhof rund um die Uhr geöffnet hat. Simona setzte sich ihm gegenüber.
„Das sollte ich Sie fragen. Dürfen Sie schon so lange unterwegs sein?“, antwortete er mit trockener Stimme.
Sie lächelte. „Einmal in der Woche darf ich länger raus. Wenn ich in guter Gesellschaft bin.“
Beide tranken von ihrem Kaffee.
„Wie lange wollen Sie das noch durchhalten? Ihnen wird das Geld ausgehen, irgendwann werden sie krank. Sie wissen, dass es vorbei ist. Ich parke in einer Seitenstraße, kommen sie doch einfach mit.“
„Ich lehne so ein Angebot einer jungen Dame nicht gerne ab, aber Sie sind mir zu schnell. Wir kennen uns doch noch gar nicht.“
Simona lehnte sich nach vorne und funkelte ihn an. „Ich könnte Sie auch einfach hier erschießen. In dieser Stadt interessiert es ohnehin niemanden.“
Diesmal war es Harvey, der lächelte. „So unruhig? Trinken Sie besser weniger Kaffee. Sie sollten jetzt gehen, Ihre Eltern machen sich bestimmt Sorgen.“
Sie blickte ihn weiter an, der Mund eine schmale Linie. „Es wird mir eine Freude sein, Sie zu erledigen“, zischte sie, nahm ihre Handtasche und stand auf.

Harvey betrachtete sich im Spiegel der Bahnhofstoilette. Mittlerweile hatte er sich an die Augenringe und den wachsenden, grauen Bart gewöhnt. Er hatte alles zur Körperhygiene im Rucksack. Nach fast drei Wochen störte es ihn jedoch kaum noch, sich äußerlich immer mehr den Obdachlosen anzunähern. Vielleicht war es irgendwann von Vorteil.
Für heute reicht Zähneputzen und Katzenwäsche, entschied er und packte seine Sachen wieder ein. Auf dem Weg nach draußen kaufte er sich ein belegtes Brötchen und einen Kaffee. Er hatte seine Orte, an denen er glaubte, sicher zu sein, und machte sich auf den Weg zu dem Platz, auf dem Simona ihn das erste Mal angesprochen hatte. Seit einigen Tagen hatte er sie nicht mehr gesehen, aber sie würde ihn schon im Blick haben. Auf den richtigen Moment warten, wahrscheinlich nachts, bis sie ihn ohne Zeugen erledigen und in ihrem Wagen verstecken konnte.
In der Mitte des Platzes befand sich ein kleiner Brunnen. Davor breitete er seine Decke aus und setzte sich. Die Gitarre behielt er umgehangen, legte sie auf den Oberschenkeln ab. Ein Blick in seine Brieftasche zeigte ihm, dass er noch Geld für eine knappe Woche hatte. Er lehnte den Kopf an den Brunnen. Versuchte, die Leere in seinen Gedanken zu verdrängen, einen Plan zu entwickeln.
Eine Taube kam auf ihn zu und pickte nach etwas auf dem Boden.

Ein leichtes Ziehen an der hinteren Hosentasche weckte ihn. Ruckartig riss er die Augen auf. Vor ihm hockte ein Mann in der Vormittagssonne und zog an seiner Brieftasche. Harvey packte seinen Arm. Der Mann zögerte nicht und schlug ihm ins Gesicht.
Mit der Brieftasche in der Hand richtete sich der Fremde auf und rannte davon. Harvey stand taumelnd auf und lief mit Rucksack und Decke in den Händen hinterher.

Er hatte seine Form noch nicht vollständig verloren. Trotz der Gitarre, die ihn beim Laufen behinderte, hatte er den Dieb in einer ruhigen Seitenstraße eingeholt. Trat ihm im Laufen einen seiner Füße nach innen, wodurch sich der Fremde verhakte und hart auf dem Asphalt aufschlug. Harvey setzte nach und traf ihn mit der Faust am Hinterkopf. Es knackte, als der Mann mit dem Gesicht auf den Asphalt schlug und seine Nase brach.
„Bleib schön liegen“, sagte er, nahm seine Brieftasche an sich und durchsuchte ihn. Neben einem Schlüsselbund fand er in seinen Taschen ein Smartphone und Portemonnaie. Beides nahm er an sich und verstaute es zusammen mit der Decke im Rucksack.
Er richtete sich auf und blickte sich um. Auf beiden Straßenseiten befanden sich hohe Altbauten. Durch die Enge der Straße lag alles im Schatten. Niemand war zu sehen oder hören. Es war eine Stadt der Mafia, die Scheiben dunkel, wie blinde Augen.
„Nicht gut“, flüsterte er.

Harvey hörte das Elektroauto erst kurz bevor es um die Ecke bog. Der schwarze Wagen ohne Nummernschild hielt auf der verlassenen Straße auf ihn zu. Er zog den am Boden liegenden Mann mit beiden Händen hoch. Hielt ihn vor sich und ging rückwärts, auf den Bürgersteig. Der Wagen kam zum Stehen, die Fahrertür öffnete sich. Eine Person mit schwarzer Skimaske stieg aus und eröffnete sofort mit einer schallgedämpften Pistole das Feuer.
Während die Kugeln in dem Mann vor ihm einschlugen, griff Harvey in die Innentasche seiner dünnen Sommerjacke und hielt den kleinen Revolver bereit. Die Schüsse hörten auf, er wusste, dass er nicht viel Zeit hatte. Er stieß den Mann nach vorne und schoss. Die erste Kugel traf den Angreifer in die Schulter des Schussarms, die zweite in den Oberarm. Die Person, eine Frau, stieß einen leisen Schrei aus, hielt sich den Arm und ließ die Waffe fallen.
Harvey zielte auf ihren Kopf und ging in einem sicheren Abstand um sie herum, hob die Waffe auf. „Gehen Sie zum Kofferraum“, sagte er. Als sie nicht reagierte, feuerte er einmal nach oben. "Los!“
Sie setzte sich stöhnend in Bewegung, während Blut aus den Wunden auf die Straße tropfte.
„Öffnen Sie ihn und nehmen Sie den Verbandskasten heraus. Und dann auf den Fahrersitz.“ Er sah sich um, die Fenster blieben dunkel. Dennoch nahm er Bewegungen dahinter wahr. Es wurde Zeit, zu verschwinden.

„Ziehen Sie die Maske aus und verbinden Sie die Wunden“, sagte Harvey vom Rücksitz, die Waffe weiter auf ihren Kopf gerichtet.
Simona zog sich mit der Hand des unverletzten Arms die Maske über den Kopf und öffnete den Verbandskasten.
„Schlafen Sie nicht ein. Wenn uns die Polizei erwischt, sind Sie genauso dran.“
„Wohin fahren wir?“, fragte Simona, während sie leicht zitternd begann, die Wunden zu verbinden.
„Zu den Wäldern, nördlich der Stadt. Alles weitere erfahren Sie dort. Wenn Sie etwas versuchen, erschieße ich Sie. Auch während der Fahrt.“
Sie blickte ihn im Rückspiegel an.
„Was ist? Haben Sie gedacht, ich bleibe der nette alte Mann und lasse mich einfach abknallen? Wenn Sie brav sind, haben Sie eine Chance, zu überleben.“ Er zeigte auf ein kleines Foto neben dem Armaturenbrett. „Wer ist das?“
Simona zögerte. „Meine Tochter. Aurora.“

Über einen befahrbaren Waldweg erreichten Sie eine kleine Lichtung. „Halten Sie hier“, sagte Harvey. „Aussteigen.“
Simona stellte den Motor ab, öffnete die Tür und stieg aus. Hinter ihr verließ auch er den Wagen, beide schlossen die Tür. Sie sah ihn an, ohne etwas zu sagen.
„Meine Situation kann nicht mehr schlechter werden. Ihre schon. Sie werden nun anrufen und meinen Tod bestätigen.“
Sie lächelte, trotz der Schmerzen. „Tolle Idee, Harvey. Sie wissen, dass sie die Leiche sehen wollen.“
„Ja, aber das ist dann ihr Problem. Ich werde Sie fesseln und knebeln. Wenn sie Glück haben, werden sie irgendwann gefunden. Und ich will ihre Bankkarte mit der Geheimzahl. So habe ich zumindest wieder eine Chance.“
Sie drehte sich zur Seite, als wollte sie in den Wald gucken und nachdenken. Und trat ihm gegen die Innenseite des Knies, so schnell, dass er die Bewegung kaum mitbekam. Er knickte ein und stütze sich ab, bekam jedoch einen Schlag vors Kinn, bevor er reagieren konnte. Ihm wurde schwarz vor Augen, wusste in dem Moment noch nicht mal mehr, ob er die Waffe noch in der Hand hielt. Simona hörte nicht auf und schlug erneut zu.

Als er wieder zu sich kam, blinzelte er mehrfach, bis er die Augen offen halten konnte. Simona stand vor ihm und zielte auf seinen Kopf. „Wie ich Ihnen bei meiner Begrüßung sagte, überschätzen Sie sich nicht.“
Harvey wollte antworten, ließ es dann aber, als er das Blut im Mund schmeckte. Stattdessen spuckte er aus.
Simona sah ihm in die Augen, beobachtete und erforschte ihn. Er hielt dem Blick stand, bis sie schließlich das Smartphone aus der Tasche holte und jemanden anrief.
„Ich bin verletzt und brauche Hilfe. Scannen Sie meine Koordinaten.“ Sie lauschte der Stimme am anderen Ende, blickte ihn weiter an. „Nein. Er konnte fliehen", antwortete sie und beendete das Gespräch.
"Warum tun Sie das? Wer sind Sie?", fragte Harvey nach einigen Sekunden.
"Erinnert Sie mein Name nicht an jemanden? Vor langer Zeit, in einem kleinen spanischen Küstenort?"
"Welcher Ort, ich ..." Er schüttelte leicht den Kopf. "Sie sind doch nicht ..."
"Nein", unterbrach in Simona. "Ich bin nicht Ihre Tochter. Und Simona ist auch nicht mein richtiger Name, ich benutze ihn nur innerhalb la vita. Es ist der Name meiner Mutter, ich hoffe, Sie erinnern sich noch."
Harvey atmete tief ein und aus. "Ist lange her, aber ja, ich hätte die Ähnlichkeit erkennen sollen. Wie geht es ihr?"
"Gut. Sie lebt noch immer dort. Hätten Sie ihr damals nicht geholfen, die Schulden zu begleichen, wer weiß, was passiert wäre. Vielleicht würde es mich nicht geben. Haben Sie nicht gemerkt, dass ich mit Platzpatronen geschossen habe?"
"Nein, ich werde wohl doch langsam alt."
"So siehts aus. Es musste realistisch aussehen, aber bevor ich Ihnen nach den Schüssen etwas sagen konnte, kamen Sie ja auf die glorreiche Idee, tatsächlich auf mich zu schießen. Ich dachte, Sie hätten außer dem Gewehr keine Waffe." Sie hob die Hand, als er etwas entgegnen wollte. "Wir haben nicht mehr viel Zeit. Machen Sie, dass Sie hier weg kommen. Nehmen Sie die Papiertüte aus dem Handschuhfach, damit sollten Sie einige Zeit klarkommen."
"Warum haben Sie mir nicht einfach direkt die Wahrheit gesagt? Oder auf der Fahrt hierhin?", fragte Harvey, als er vorsichtig aufstand.
"In der Öffentlichkeit? Keine gute Idee. Und als wenn Sie mir auf der Fahrt hierhin auch nur ein Wort geglaubt hätten. Machen Sie voran, wir werden uns wiedersehen."
"Sagen Sie mir noch Ihren richtigen Namen?"
"Havenne."

Harvey blickte zum Meer, als Havenne sich neben ihn auf die Bank setzte.
„Beim ersten Mal haben Sie wenigstens gefragt“, sagte er.
„Darüber sind wir hinaus. Meine Nachfolger scheinen auch nicht sehr erfolgreich zu sein.“
„Hört sich nicht so an, als wären Sie verwundert. Was haben Sie getan?“
„Jetzt überschätzen Sie mich mal zur Abwechslung. Ich habe nicht mehr getan, als den Harvey-Job abzugeben, die beiden Wunden waren Argument genug. Im Moment ist Jules auf Sie angesetzt. Scheint so, als hätten Sie noch Freunde bei la vita.“
„Das liegt an meinen guten Manieren. Danke für das Startgeld, hoffe ihre Tochter musste nicht hungern.“
Havenne lächelte. „Nein, wir kommen schon klar. Ich musste mir zwar einiges anhören und wurde zurückgestuft, aber das ist schon in Ordnung. Weniger Geld, aber mehr Zeit für Aurora. Ich habe mich übrigens fortgebildet und bin nun über die Sturmtruppen im Bilde.“
„Ach! Haben Sie alle Filme gesehen?“
„Nur die Originaltrilogie.“
Harvey zündete sich eine Zigarette an. „Gute Entscheidung. Belassen Sie es dabei.“
Sie betrachteten eine Weile das Meer. „Was machen Sie eigentlich den ganzen Tag?“, wollte sie schließlich wissen.
Er deutete auf eine kleine Papiertüte neben sich. „Ich füttere die Tauben.“
 
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Guten Morgen @Rob F

ich habe Deine Geschichte mit großem Interesse gelesen. Dein Stil gefällt mir, das einzige, was mir persönlich ein wenig fehlt sind die Emotionen. Es dümpelt alles irgendwie vor sich hin, obwohl es doch mega spannende Szenen sind. Das ist schade.

Hier ein paar Dinge, die mir aufgefallen sind:

Er bekam keine Möglichkeit mehr, erneut zu schießen und brach ab.

Wie geht es ihm dabei? Regt ihn das nicht auf? Ist er nicht ärgerlich? Hat dein Prota wirklich so nen emotionslosen Charakter? Willst Du das so rüberbringen? Als Leser wüsste ich gerne, was in ihm vorgeht.

Ein Blick auf sein Smartphone zeigte ihm, was er vermutet hatte. La vita hatte bereits den Empfang unterbrochen, ihn von der Außenwelt abgeschnitten.

Hat er keine Angst?

Leider ist es unter diesen Umständen, aber es bedeutet mir viel, Sie zu treffen. Sie sind bei la vita eine Legende.“

Das klingt holprig.
Vorschlag: Es bedeutet mir viel, Sie zu treffen, auch wenn es unter diesen Umständen ist. Bei la vita sind sie eine Legende.

„Eine Taube“, antwortete Harvey und konnte ein Lächeln nicht verhindern.

Oh ... Wie schön!!! Er zeigt Emotionen. Das find ich gut :thumbsup:


Ein leichtes Ziehen an seiner hinteren Hosentasche weckte ihn.

... der hinteren Hosentasche

„Wohin fahren wir?“, fragte Simona, während sie stöhnend begann, die Wunden zu verbinden.

"stöhnend" hattest Du grad weiter oben schon

„Nein, wir kommen schon klar. Man hat mich zwar zurückgestuft, aber das ist in Ordnung.

Wieso wird sie nicht härter bestraft? La vita ist doch angeblich so streng. Er verbockt nen Auftrag und soll zur Strafe gleich abgeknallt werden, sie lässt ihn entkommen und wird nur zurückgestuft.


Er deutete auf eine kleine Papiertüte neben sich. „Ich füttere die Tauben.“

Das Ende gefällt mir sehr gut!

Liebe Grüße und einen schönen Mittwoch,
Silvita
 
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Hi @Silvita ,

danke für deinen Kommentar. Freut mich, wenn du die Geschichte interessant fandest, ein Katz- und Maus-Spiel, ausgelöst von einer Taube. :)

Dein Stil gefällt mir, das einzige, was mir persönlich ein wenig fehlt sind die Emotionen.
Ich hatte mir zum Verhalten/den Emotionen der Protagonisten folgendes gedacht:

Harvey behält als Profi-Killer, der seit langem im Geschäft ist, zunächst die Nerven nach seinem Fehlschuss. Und in den Gesprächen mit Simona gibt er sich ohnehin keine Blöße. In den Szenen, in denen er alleine ist, kommt jedoch (hoffentlich) durch, dass ihn die Situation zermürbt. Er ist der Gejagte, muss ständig unter Leuten bleiben ...

Simona ist zunächt sehr selbstsicher, verliert jedoch schon im zweiten Gespräch mit Harvey etwas die Nerven. Und sie lässt sich ja dann doch zu einem eher unüberlegten Angriff verleiten.

Daher erstmal als Rückfrage, welche der Szenen nach dem Auftakt du zu unemotional findest? Sie sind ja beide Profi-Killer, die trotz der Situation versuchen, ihr Ziel zu erreichen.

Er bekam keine Möglichkeit mehr, erneut zu schießen und brach ab.
Wie geht es ihm dabei? Regt ihn das nicht auf? Ist er nicht ärgerlich? Hat dein Prota wirklich so nen emotionslosen Charakter? Willst Du das so rüberbringen? Als Leser wüsste ich gerne, was in ihm vorgeht.
Ich würde Harvey nicht grundsätzlich als emotionslos beschreiben, zumindest in der letzten Szene kommt dies hoffentlich etwas durch. Hier ist er jedoch bei der Ausübung seines Jobs, auch wenn nun etwas schiefgegangen ist. Daher fand ich es so ganz passend. In den weiteren Szenen bröckelt seine Professionalität ja nach und nach, bis er die Chance hat, selbst anzugreifen.

Ein Blick auf sein Smartphone zeigte ihm, was er vermutet hatte. La vita hatte bereits den Empfang unterbrochen, ihn von der Außenwelt abgeschnitten.
Hat er keine Angst?
Zu diesem Zeitpunkt noch nicht unbedingt, aber ich habe nach dem o.g. Satz noch etwas ergänzt.

Leider ist es unter diesen Umständen, aber es bedeutet mir viel, Sie zu treffen. Sie sind bei la vita eine Legende.
Das klingt holprig.
Danke für den Hinweis, habe die Sätze geändert.

Ein leichtes Ziehen an seiner hinteren Hosentasche weckte ihn.
... der hinteren Hosentasche
/
„Wohin fahren wir?“, fragte Simona, während sie stöhnend begann, die Wunden zu verbinden.
"stöhnend" hattest Du grad weiter oben schon
habe beide Sätze angepasst

Wieso wird sie nicht härter bestraft? La vita ist doch angeblich so streng. Er verbockt nen Auftrag und soll zur Strafe gleich abgeknallt werden, sie lässt ihn entkommen und wird nur zurückgestuft.
Ja, das ist eine gute Frage ... Eine solche Regelung muss m.E. endlich sein, sonst würden ja irgendwann alle Auftragskiller von la vita nur noch Jagd aufeinander machen. Und wenn ein Killer gejagt wird, der einen Auftrag verbockt hat, wird sich la vita schon darauf einstellen, dass es nicht ganz so einfach werden kann und evtl. mehrere Versuche notwendig sind.
Ich habe hierzu im letzten Absatz noch einen Satz von Simona erweitert, dass sie bei la vita erstmal keine gute Zeit hatte nach ihrem Fehlversuch.

Das Ende gefällt mir sehr gut!
Danke! Harvey schließt Frieden mit den Tauben :gelb:

Danke für deine Hinweise und noch einen schönen Abend!
Rob
 
Monster-WG
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Guten Morgen @Rob F

ich habe den angepassten Text gerade nochmal gelesen und finde ihn jetzt besser :)

danke für deinen Kommentar. Freut mich, wenn du die Geschichte interessant fandest, ein Katz- und Maus-Spiel, ausgelöst von einer Taube.

Gern geschehen. Ja, eine sehr schöne Idee, und ich mag Tauben :) :thumbsup:

Und in den Gesprächen mit Simona gibt er sich ohnehin keine Blöße. In den Szenen, in denen er alleine ist, kommt jedoch (hoffentlich) durch, dass ihn die Situation zermürbt. Er ist der Gejagte, muss ständig unter Leuten bleiben ...

In den Gesprächen mit Simona kommt seine Ruhe durch. Ich kann verstehen, dass er sich vor ihr keine Blöße geben möchte, aber Du könntest eventuell seine Gedanken einfließen lassen. So erfährt der Leser, was in seinem Kopf vorgeht, aber Simona bekommt nichts davon mit :)

Daher erstmal als Rückfrage, welche der Szenen nach dem Auftakt du zu unemotional findest? Sie sind ja beide Profi-Killer, die trotz der Situation versuchen, ihr Ziel zu erreichen.

Das Unemotionale bezieht sich auf die ganze Geschichte. Ich weiß gar nicht, wie ich es erklären soll. Die Geschichte ist gut geschrieben, sie birgt Spannung. Aber die Emotionen kommen nicht bei mir an. Ich fühle nicht mit. Bei dem Inhalt Deiner Story müsste es mich viel mehr packen. Ich habs weiter unten an den Beispielen versucht, etwas deutlicher rüberzubringen.

Ich würde Harvey nicht grundsätzlich als emotionslos beschreiben, zumindest in der letzten Szene kommt dies hoffentlich etwas durch.

Gut, dass Dein Protagonist nicht grundsätzlich emotionslos ist. :thumbsup:

Zu diesem Zeitpunkt noch nicht unbedingt, aber ich habe nach dem o.g. Satz noch etwas ergänzt.

Das ist jetzt besser.

Ich habe hierzu im letzten Absatz noch einen Satz von Simona erweitert, dass sie bei la vita erstmal keine gute Zeit hatte nach ihrem Fehlversuch.

Und das auch.

Danke! Harvey schließt Frieden mit den Tauben

Das ist toll :herz:

Als er den Abzug betätigte, unmittelbar vor dem Schuss, flog eine Taube durch die Sichtlinie. Sein Arm zuckte.

Hier wüsste ich als Leser zum Beispiel gerne, was in dem Moment in seinem Kopf vorgeht. Was denkt er? z.B. Scheiße! Das darf jetzt nicht wahr sein.

Harvey zählte die Sekunden. Er bekam keine Möglichkeit mehr, erneut zu schießen und brach ab. Demontierte das Scharfschützengewehr und versteckte es in der falschen Gitarre. Seine Flucht begann.

Auch hier wüsste ich gerne, was er denkt.

Wohin?, fragte er sich zum wiederholten Male. Seine sonst klaren, professionellen Gedanken waren verschwunden. Zum ersten Mal seit fast vierzig Jahren konnte er nach einem Schuss nicht dem Standardvorgehen folgen. Wegen einer Taube, dachte er und schüttelte leicht den Kopf.

Hier kommt ein klein wenig die Verzweiflung durch. :thumbsup:

„Das sollte ich Sie fragen. Dürfen Sie schon so lange unterwegs sein?“, antwortete er mit trockener Stimme.
Sie lächelte. „Einmal in der Woche darf ich länger raus. Wenn ich in guter Gesellschaft bin.“
Beide tranken von ihrem Kaffee.

Diesen Dialog finde ich insgesamt sehr gut und humorvoll :thumbsup:

Seit einigen Tagen hatte er sie nicht mehr gesehen, aber sie würde ihn schon im Blick haben. Auf den richtigen Moment warten, wahrscheinlich nachts, bis sie ihn ungesehen erledigen und in ihrem Wagen verstecken konnte.

Hier ist mir noch ne Wortwiederholung aufgefallen.

Versuchte, die Leere in seinen Gedanken zu verdrängen, einen Plan zu entwickeln.
Eine Taube kam auf ihn zu und pickte nach etwas auf dem Boden.

Das ist klasse :thumbsup:

Er richtete sich auf und sah sich um. Auf beiden Straßenseiten befanden sich hohe Altbauten. Durch die Enge der Straße lag alles im Schatten. Niemand war zu sehen oder hören.

Ich hoffe, ich konnte Dir übermitteln, was ich meine. Jedenfalls ist der Text nach der Anpassung jetzt besser. Ein wenig Tempo könnte noch rein, aber alles in allem gut :)

Ganz liebe Grüße und einen schönen Freitag,
Silvita
 
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Hi @Silvita ,

danke, dass du dich erneut hiermit beschäftigt hast!

Es bleibt zwar schwierig, dem alten Fuchs Harvey noch die ein oder andere Emotion zu entlocken, aber ich habe entsprechend deiner Hinweise zu Beginn noch zwei Sätze ergänzt. Im weiteren Verlauf der Geschichte kommt sein Befinden ja zumindest schon etwas mehr hervor.

Harvey zählte die Sekunden. Herzschlag und Atmung beschleunigten sich. Er bekam keine Möglichkeit mehr, erneut zu schießen und brach ab. Demontierte das Scharfschützengewehr und versteckte es in der falschen Gitarre. Er konnte sich nicht erinnern, wann seine Hände das letzte Mal zitterten.
Seine Flucht begann. Die Organisation, la vita, duldete keine Fehler.


Die beiden Wortdoppelungen habe ich entdoppelt, danke für die Hinweise!

Viele Grüße,
Rob
 
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28.12.2009
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Es gab wenige Waffen mit einer solchen Reichweite und genügend nähere und damit wahrscheinlichere Orte für einen Attentäter.

Bei einem solchen, wie hier impliziert, weit entfernten Ziel beachtest du nicht nur die Atmung etc. Da spielen ganz andere Dinge eine Rolle: Wind, abgebende Wärme der umliegenden Gebäude, Corioliskraft, Gewicht des Projektils, etc. Deswegen finden sich Marksmen auch meistens in Duos zusammen. Außerdem wird es mit einer so seltenen Waffe natürlich auch einfacher für die ermittelnden Behörden, weil man weiß, nicht jeder Depp läuft mit einem McMillan durch die Gegend; spezieller Kaliber, spezielle Verkäufer ...

Er hat seit vierzig Jahren den ersten Job verkackt, und dann kommt so ein Satz:
So jung und schon bei den Sturmtruppen?“, fragte er.

Klingt jetzt sehr cool. Zu cool für einen, der im Grunde gerade schon gejagt wird. Dieser ganze Dialog zwischen den beiden - vollkommen übertrieben und unmotiviert. So eine "Legende" wird doch einfach ausgeknipst. Da wird doch nicht vorher großartig noch die Vita ausgebreitet oder small talk betrieben. Und dann, das sie ihn nicht sofort umlegt, da muss es einen guten Grund für geben, der wird mir nie so ganz klar. Warum macht sie das, warum verschont sie ihn? Wenn das jetzt seine ihm unbekannte Tochter wäre ... aber so. Was ist das überhaupt für eine Mafia-Organisation, die ihren Mitgliedern erlaubt, eigene Entscheidungen zu treffen? Sie wird dann einfach zurückgestuft, wie in einer beliebigen Firma? Ganz ehrlich, das ist vor allem eins, nämlich unglaubwürdig.

Als sie nicht reagierte, feuerte er neben ihr auf den Asphalt.
Damit riskiert er aber Abpraller, die ihn selbst gefährden könnten. Auch das mit dem Körper, den er als Schild benutzt, funktioniert nicht bei allen Kalibern. Ich habe schon mal zwei hintereinanderstehende Sauen mit einer einzigen .308 erlegt - klar, das ist Jagdmunition, die verhält sich anders, aber bei einem Vollmantelgeschoss würde ich vermuten, dass dies durchschlägt. Mit meiner 45 ACP würde ich das nicht versuchen. Überhaupt: Handfeuerwaffen sind für den absoluten Naheinsatz. 5-10 Meter. Letzte Möglichkeit zur Verteidigung. Da kannst du nicht so zielen wie mit einer Langwaffe. Und warum hilft er hier überhaupt? Das ist halt nicht motiviert.

Gruss, Jimmy
 
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Hi @jimmysalaryman ,

danke für dein Feedback!

Ich fand es eine interessante Variante, dass Jäger(in) und Gejagter zunächst den ein oder anderen Wortwechsel haben. Habe hierbei ein wenig an den Film Heat mit A. Paccino und R. de Niro gedacht, auch wenn es hierbei um einen Kriminellen und einen Polizisten ging.

Die Geschichte ist daher wahrscheinlich nur für Leser interessant, die bereit sind, zur Unterhaltung ein wenig "Hollywood-Realität" zu akzeptieren. Ich kann deine Kritik also gut nachvollziehen, ist wahrscheinlich nicht jedermanns Sache.

Jetzt bin ich nochmal bei einem Filmvergleich, ich habe bei der Reaktion von Harvey auf Simonas Angriff an Total Recall gedacht, als Arni auf einer Rolltreppe einen Unbeteiligten als Schutzschild verwendet. Da dachte ich mir in meiner laienhaften Logik, wenn das für Waffen in der Zukunft als Schutz funktioniert, müsste das ja heute auch reichen.

Mit dem Warnschuss auf den Asphalt werde ich nochmal überlegen, ist wahrscheinlich nicht so sinnig.

Schade, dass der Text nichts für dich ist, aber vielleicht dann beim nächsten Mal. Glückwunsch übrigens zu deinem Buch!

Viele Grüße,
Rob
 
Monster-WG
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10.07.2020
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Hi @Rob F!

Habe deine Story jetzt erst gelesen - und Spaß gehabt. Tarantino hat mal über “Kill Bill” gesagt, dass das der Film ist, den die Figuren aus “Pulp Fiction” sich im Kino ansehen würden. So ähnlich lese ich deine Story: Denn diese Verbindung von einem Thriller-Plot auf der einen Seite und diesen sehr melodramatischen Dialogen auf der anderen — das ist total unrealistisch und over the top, aber auch unterhaltsam und, auf eine merkwürdige Weise, märchenhaft. Luc Besson würde das mögen. 😉

Und die Prämisse deiner Story ist super — Auftragskiller scheitert, weiß um seine bevorstehende Tötung, setzt sich ins Café und plaudert dort mit seiner designierten Henkerin. Bis etwa zur Hälfte der Story finde ich das spannend, dann wird es - für meinen Geschmack - zu melodramatisch, auch, weil ich das gegenseitige Sich-Verschonen nicht nachvollziehen kann. Warum verhalten die sich auf einmal so, naja, unprofessionell? Ketzerische Frage: Wie sehr hängst du an diesem versöhnlichen Ende? Vielleicht gibt’s da auch eine schnellere, nicht ganz so positive Variante ...

Insgesamt aber - das möchte ich betonen - macht mir der Text großen Spaß. Pramisse cool, Schreibe klar und zweckmäßig, stringent durchgezählt. Ich glaube, dass die zweite Hälfte ein paar Straffungen und vielleicht einen anderen Schluss vertrüge, aber auch diese Version macht Spaß.

Bitte nicht schießen:

Christophe
 
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Habe hierbei ein wenig an den Film Heat mit A. Paccino und R. de Niro gedacht, auch wenn es hierbei um einen Kriminellen und einen Polizisten ging.

Ja, ist eine super legendäre Szene, aber da sind beide motiviert. Pacino hatte den De Niro Charakter schon fast im Sack, er lässt sie aber laufen, weil er weiß, das bringt nichts. Er will das große Ding abwarten, von dem er ahnt, dass sie es drehen werden. Da knistert es, weil beide wissen, ALLES steht auf dem Spiel. Das müsstest du hier irgendwie hinkriegen, das beide Figuren motiviert sind. Weißt du, wie ich meine?

Gruss, Jimmy
 
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@jimmysalaryman
Das müsstest du hier irgendwie hinkriegen, das beide Figuren motiviert sind. Weißt du, wie ich meine?
Ja, ich denke schon. Im Moment ist es hauptsächlich meine eigene Motivation, die Handlung so aufzubauen, Simonas Verhalten macht nicht unbedingt Sinn.
Da habe ich im Moment nur ihren Charakter als Begründung: Sie überschätzt sich in ihrem jungen Leichtsinn und fordert Harvey offen heraus. Will damit ihre Stärke und (angenommene) Überlegenheit demonstrieren.
Aber das ist als Motivation wahrscheinlich etwas dünn? Also es müsste noch eine Begründung geben, warum sie so denkt, damit es für den Leser nachvollziehbar ist?
Harveys Motivation ist erstmal nur zu überleben, bis er einen Plan findet. Da fehlt mir im Moment noch eine Idee, welche Motivation er bereits im ersten Gespräch mit Simona haben könnte.

@Christophe
Danke schon mal für deinen Kommentar! Werde ihn am Wochenende lesen und beantworten.
 
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28.12.2009
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Ja, sie könnte eine Undercoveragentin sein, die ihn nicht ermorden will und kann. Seine ihm unbekannte Tochter. Die eingeschleuste Spionin einer anderen Organisation. So etwas. Sie braucht auch etwas davon, sonst ist das ein Nullsummenspiel.
 
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394
Hi @Christophe ,

danke fürs Lesen und Kommentieren!

Denn diese Verbindung von einem Thriller-Plot auf der einen Seite und diesen sehr melodramatischen Dialogen auf der anderen — das ist total unrealistisch und over the top, aber auch unterhaltsam und, auf eine merkwürdige Weise, märchenhaft. Luc Besson würde das mögen.
Danke, es ist bei einer solchen Geschichte wahrscheinlich wichtig, schnell rüberzubringen, dass alles eher im Sinne von leichter Unterhaltung steht, damit der Leser bezogen auf Realitätsnähe ab und zu mal ein Auge zu drückt - also so: ;) :gelb:
Ich hoffe also, dass nach dem ersten Dialog zwischen Simona und Harvey die Art der Geschichte soweit deutlich wird.

Auftragskiller scheitert, weiß um seine bevorstehende Tötung, setzt sich ins Café und plaudert dort mit seiner designierten Henkerin.
Ich hatte auch bei dieser Geschichte einfach mal mit einer Grundidee angefangen, ein Profi-Killer versiebt einen Auftrag und wird zum Gejagten, und dann von Szene zu Szene überlegt, wie es weitergehen könnte. Eigentlich hatte ich eher eine realistischere Flucht im Sinn, aber dann dachte ich aus Harveys Situation heraus: Warum sollte er jetzt irgendwohin flüchten? Jemand von der Organisation wird ihn ohnehin schon im Blick haben - dann kann er sich auch in ein Café setzen, bleibt damit in der Öffentlichkeit und wartet einfach mal, was passiert. Und so ging es dann weiter, Simona taucht auf usw.

Bis etwa zur Hälfte der Story finde ich das spannend, dann wird es - für meinen Geschmack - zu melodramatisch, auch, weil ich das gegenseitige Sich-Verschonen nicht nachvollziehen kann. Warum verhalten die sich auf einmal so, naja, unprofessionell?
Ich wollte im zweiten Teil der Geschichte zeigen, dass es trotz der eher ironischen Dialoge um zwei Profis geht, die auch entsprechend in Aktion treten. Vielleicht auch interessant durch die sehr unterschiedlichen Charaktere, die junge Simona und der alte Harvey, die sich trotzdem nichts schenken.

Harvey lässt Simona am Leben, aus Gründen die auch ein wenig aus dem ersten Dialog hervorgehen. Wenn er sie umbringt, wird nur jemand anderes, ggf. auch mehrere, auf ihn angesetzt. Bei Simona hat er den Vorteil, dass er weiß, wie sie aussieht. Außerdem erfährt er von ihrer Tochter, sie wird also für ihn menschlicher als seine zuvor anonymen Auftragsziele.

Bezogen auf Simona gebe ich dir recht, das ist wahrscheinlich der hauptsächlich fehlende Inhalt der Geschichte: Simonas Motivation, Harvey so offen zu konfrontieren und sich zu erkennen zu geben. Je nachdem, wofür ich mich entscheide, sollte ihr Verhalten dann auch plausibler werden.
Ich finde den Vorschlag von @jimmysalaryman gut, dass sie Harveys Tochter ist und ihn eigentlich beschützen möchte. Sie konnte daher z.B. noch nicht offen mit ihm reden, da sie zu Beginn ja nie alleine waren und sie demnach befürchten musste, dass jemand von der Organisation la vita in der Nähe ist. Aber da muss ich nochmal in Ruhe überlegen, welchen Hintergrund Simona hat und welche Szenen ich dementsprechend anpassen muss.

Wie sehr hängst du an diesem versöhnlichen Ende? Vielleicht gibt’s da auch eine schnellere, nicht ganz so positive Variante ...
Wenn es notwendig ist, kann ich mir schon vorstellen, den zweiten Teil der Geschichte umzuschreiben, vor allem die beiden Kampfszenen.
Dass die Schlussszene ein weiteres Gespräch zwischen Simona und Harvey ist, ist mir jedoch schon wichtig. Ich finde es ein interessantes Ende, nachdem sie sich zuvor ordentlich bekämpft haben.
Aber das hängt auch, wie zuvor erwähnt, davon ab, welchen Hintergrund ich Simona noch gebe.

Insgesamt aber - das möchte ich betonen - macht mir der Text großen Spaß. Pramisse cool, Schreibe klar und zweckmäßig, stringent durchgezählt. Ich glaube, dass die zweite Hälfte ein paar Straffungen und vielleicht einen anderen Schluss vertrüge, aber auch diese Version macht Spaß.
Vielen Dank! Gerade die Dialoge haben mir beim Schreiben viel Spaß gemacht, und es freut mich natürlich, wenn es auch so ankommt!

Viele Grüße,
Rob
 
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Mitglied
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09.12.2019
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@jimmysalaryman , @Christophe

Ich habe mich doch für eine etwas andere Variante entschieden. Simona ist nicht Harveys Tochter, ihm jedoch aus persöhnlichen Gründen zu Dank verpflichtet und hat ihm deswegen geholfen.

Alle Änderungen befinden sich im vorletzten Absatz, der Dialog zwischen den beiden ist nun entsprechend länger und erklärt den Hintergrund von Simonas Motivation.

Danke für eure Vorschläge und viele Grüße,
Rob
 
Monster-WG
Beitritt
20.08.2019
Beiträge
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Guten Morgen lieber @Rob F

danke, dass du dich erneut hiermit beschäftigt hast!

Gern geschehen.

Harvey zählte die Sekunden. Herzschlag und Atmung beschleunigten sich. Er bekam keine Möglichkeit mehr, erneut zu schießen und brach ab. Demontierte das Scharfschützengewehr und versteckte es in der falschen Gitarre. Er konnte sich nicht erinnern, wann seine Hände das letzte Mal zitterten.
Seine Flucht begann. Die Organisation, la vita, duldete keine Fehler.

Das finde ich super :thumbsup:

Ich hab in den Kommentaren gesehen, dass da auch Filme bzw. ein Film angesprochen wurde. Kennst Du Assessins mit Stallone und Banderas? Ich musste beim Lesen Deiner Story ein bisschen an den Film denken :)

Hab einen schönen Sonntag!

LG Silvita
 
Mitglied
Beitritt
09.12.2019
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@Silvita

Ich hab in den Kommentaren gesehen, dass da auch Filme bzw. ein Film angesprochen wurde. Kennst Du Assessins mit Stallone und Banderas? Ich musste beim Lesen Deiner Story ein bisschen an den Film denken
Beim Schreiben hatte ich nicht an diesen Film gedacht, habe ihn aber vor vielen Jahren mal gesehen. Stimmt, er ist wahrscheinlich der bessere Vergleich, geht ja auch um zwei Attentäter, die sich in Dialogen und Kampfszenen nichts schenken.

Noch einen schönen Abend,
Rob
 

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