Was ist neu

Eintagsschildkröten

Mitglied
Beitritt
15.06.2024
Beiträge
25
Zuletzt bearbeitet:

Eintagsschildkröten

Nach dem Regen bleiben die Schnecken zurück und kriechen über den trocknenden Asphalt, der sich allmählich von der Sonne erhitzt. Ich muss an die Nordseestrände denken. Ich kenne sie nur aus dem Fernsehen, aber die vielen kleinen Wassertiere fallen mir ein, die von der Flut angeschwemmt werden und im Trockenen liegen bleiben. Als hätte das Meer seine Weichteile ausgespuckt. Der Regen macht es genauso mit seinen Bewohnern, die nur im Nassen leben können. Es ist unmöglich, sie alle wegzutragen. Du gibst zumindest dein Bestes, sie nicht zu zertreten und hältst Ausschau nach den freien Stellen auf dem Asphalt, aber es gibt fast keine. Alles ist bedeckt von dieser dünnen, empfindlichen Schleimhautschicht.

Die alte Nachbarin streut eifrig Schutzkreise aus Schneckenkorn um ihre Beete, obwohl sie davon überzeugt ist, dass es nichts nützt: „Sie fressen alles, sogar das Schneckenkorn und werden noch größer und fetter davon, richtige Monsterschnecken.“

Sie hält mir den Salatkopf unter die Nase, die Ränder sind braun, die Blätter löchrig, in ihrer Hand fallen sie auseinander. „Schau dir das an!“ Sie ballt die Faust: „Diese blöden Viecher!“ Die Salatblätter liegen jetzt lose in ihrer Hand, eine Nacktschnecke sitzt in der Mitte, überall sieht an ihre glänzenden Schleimspuren. „Schau genauer hin. Siehst du die weißen Perlen nicht? Das sind Eier.“ Sie lässt die Salatpflanze in die braune Tonne fallen, es kommt mir verräterisch vor, so als würde sie ein bewohntes Vogelnest wegwerfen. Dann stelle ich mir vor, wie die kleinen Schnecken schlüpfen, in der feuchten Dunkelheit von den Abfällen bestens gedeihen und aus der Tonne herauskriechen.

Die alte Nachbarin schüttelt ratlos den Kopf. „Dabei mache ich mittlerweile gar nicht mehr den Fehler, sie mit der Gartenschere durchzuschneiden. Der Geruch lockt nämlich nur andere Schnecken an. Es sind Kannibalen, musst du dir vorstellen. Ich streue jetzt immer Salz drüber, davon trocknen sie aus. Es bleibt fast nichts über. Trotzdem werden es einfach nicht weniger.“

Ich frage: „Grobes oder feines Salz?“ Das ist wieder diese Mischung aus Ekel und Faszination, wie man sie empfindet, wenn man sich in einem Museum Folterinstrumente ansieht, man will es genau wissen und will es eigentlich gar nicht wissen. Die Nachbarin runzelt die Stirn: „Egal, welches Salz, man kann auch Essig nehmen.“

Jetzt wischt sie sich die Hände an der Stoffjacke ab und hinkt in ihren Garten zurück. Ich hätte ihr erzählen können, wie ich als Kind mit ihrer Tochter Schneckenzucht gespielt habe. Vielleicht hätte sie es lustig gefunden, aber wahrscheinlich nicht. Vielleicht würde sie mich mit Essig bespritzen oder mir Salz in die Augen streuen, die alte Hexe.

Dort, wo sie jetzt vorbeihinkt mit ihrer kaputten Hüfte, muss irgendwo die Stelle sein, an der wir unseren Schneckenbauernhof errichtet haben. Es ist ein sonnengeschützter Platz. Die Schatten sind dort immer weich und feucht wie Handtücher, die über Nacht draußen vergessen wurden und sich mit Regenwasser oder Tau vollgesogen haben.

Dort haben wir die Schnecken hingebracht, die wir nach dem Regen eingesammelt haben. Es war nicht meine Idee. Ich fasste sie nur mit Handschuhen an, während die Nachbarstochter sie mit bloßen Fingern einsammelte. Sie sagte, Schnecken seien ihre Lieblingstiere und dass sie sie mehr als Hunde oder Katzen liebe. Vor allem die Nacktschnecken liebte sie. Sie schaffte es auch irgendwie, die richtigen Pärchen zusammenzutun und in der richtigen Stellung im Gras zu positionieren.

Wenn sich Nacktschnecken begatten, sehen sie aus wie zwei Lippen, die ein O bilden, sie umkreisen einander so lange, bis sich das O mit Schleim füllt. Und so müssen irgendwie Eier entstehen. Ich kann nicht sagen, wie es genau weitergeht, ich hatte nicht die Geduld, länger zuzusehen, es dauert Stunden, wenn nicht Tage. Die Nachbarstochter würde es wissen, sie fand es aus unerfindlichen Gründen spannend, diese Zeitlupentänze zu beobachten.

Mit den Weinbergschnecken haben wir es auch probiert, aber sie spielten nicht mit. Obwohl sie ein Haus hatten, waren sie scheuer als die Nacktschnecken. Sie waren unentschlossen, ob sie sich in ihre Häuser zurückziehen oder davonkriechen sollten. Die Nachbarstochter sagte, in Frankreich spielen die Kinder Eierpecken mit den Häuserschnecken. „Das geht so: Jeder nimmt eine Schnecke. Man stößt sie zusammen und derjenige, dessen Schnecke einen Sprung hat, hat verloren.“ Sie hatte es irgendwo gelesen, sagte sie, vielleicht hat sie es sich ausgedacht. Sie mochte verstörende Dinge.

Während die Schnecken davonkrochen, fuhr sie fort: „In Frankreich gehen die Leute in den Wald und sammeln sie, wie man bei uns Pilze sammelt. Sie essen sie, ist das nicht eklig?“ Wir schüttelten uns bei der Vorstellung. Dann sagte sie: „Sie können ja nicht wissen, dass wir ihnen nichts tun.“

Ich habe sie einmal gefragt, mit welchen Schnecken der Mensch näher verwandt ist, mit den Weinbergschnecken oder den Nacktschnecken. Sie hat gemeint, mit den Weinbergschnecken. „Aber wir haben kein Haus.“ „Doch, wir haben ein Skelett, das ist unser Haus. Nur haben wir es nicht auf dem Rücken, sondern innen.“

Ich habe neulich im Schienenersatzverkehr-Bus daran denken müssen. Bei 100 Stundenkilometer auf der Autobahn kam mir plötzlich, dass ich nicht angeschnallt bin. Wenn jetzt etwas passiert, wenn der Bus jetzt, aus welchem Grund auch immer, eine Vollbremsung macht. Man hört ja von diesen Unfällen, bei denen Menschen unangeschnallt durch die Frontscheibe fliegen. In der Fahrschule werden einem diese schrecklichen Filme gezeigt. Ich suchte nach dem Gurt, wollte es nicht zu Ende denken. Dass man auch als Mensch wie eine zertretene Weinbergschnecke enden kann, Glas- und Knochensplitter im weichen Fleisch.

Das Haus nützt nichts. Weinbergschnecken krachen, wenn du draufsteigst, Nacktschnecken platzen eben und quillen aus. Trotzdem sind Nacktschnecken und Weinbergschnecken fast zu unterschiedlich, um sie mit demselben Wort zu bezeichnen.

Weinbergschnecken, vor allem die großen mit den grauen Häusern, erinnern mich an Schildkröten. Sie sind langsam, aber wenn sie sich erschrecken, ziehen sie in Sekundenschnelle den Kopf ein. Nacktschnecken zucken nur wie ein Auge, das sich schließen will. Die Nachbarstochter stimmte mir bei den Nacktschnecken zu, erzählte mir vom Kaninchenaugentest. „Da gibt es diesen umstrittenen Tierversuch, bei dem einem Kaninchen ein Mittel ins Auge getropft wird, um die Reaktion der Schleimhaut zu testen. Man kann den Kaninchenaugentest auch an Nacktschnecken durchführen. Für die Wissenschaft kommt es auf dasselbe raus, aber die Schnecke stirbt natürlich.“

Bei den Weinbergschnecken meinte sie, der Vergleich mit den Schildkröten sei dumm. Schnecken seien das genaue Gegenteil von Schildkröten. „Wenn eine Schnecke Glück hat, kann sie vielleicht ein Jahr alt werden. Schildkröten können mehrere hundert Jahre alt werden. Außerdem zerbricht ein Schildkrötenpanzer nicht wie ein Schneckenhaus.“

Meinetwegen. Dann sind es eben Eintagsschildkröten.

Nachtrag: Das ist jetzt mindestens zehn Jahre her, genau weiß ich es nicht. Man sieht kaum noch welche von diesen großen Schnecken, die wie Schildkröten aussehen. Im vorigen Monat war alles voller Nacktschnecken, jetzt sind auch sie verschwunden, vom Erdboden verschluckt. Wenn es noch länger trocken bleibt, werden auch die Schatten hinter dem Haus austrocknen.

Der Himmel ist durchsichtig-blau, er sieht wie ein leerer Spiegel aus, Flugzeuge zerkratzen ihn, keine einzige Wolke. Von meinem Fenster aus kann ich die Salatpflanzen der alten Nachbarin sehen, wie sie in der Sonne welken. Erst nach der Mittagshitze wird sie hinausgehen, um sie zu gießen.

Es macht mir Freude, mir vorzustellen, dass sich alle Schnecken ins Innere der Salatköpfe zurückgezogen haben. Sich eifrig durch die Blätter arbeiten, um ins kühle Herzstück zu gelangen, das sicher noch nach Regen riecht. Vielleicht überleben sie dort bis zur Salaternte. Und dann? Auch ein Salatkopf ist ein gefährlicher Ort für eine Schnecke. Sie könnten übersehen werden und in einer Schüssel mit Salz und Essig landen.

Es reicht. Man darf nicht zu viel über die Schnecken nachdenken. Sonst kriechen sie dir ins Hirn, nisten sich zwischen den Traumschichten ein und kommen nachts heraus. Dann wachst du auf und sie kriechen über deinen Körper, überziehen dich mit ihrer empfindlichen Schleimschicht, Schleimhaut, bis du das Licht darauf glühen spürst. Es gibt ja diese Träume, in denen man aufwacht und immer noch träumt.

 

Hallo @Jorinde21,
die schleimige Geschichte war ja echt stark. Interessanter als der Titel verspricht. Man hört eine gewisse Aufmüpfigkeit der Kinder gegenüber den Erwachsenen raus, die in den Schnecken nur die Schädlinge sehen, wohingegen sie von ihnen fasziniert sind. Die Verweigerung alle Dinge nur nach ihrer Nützlichkeit zu beurteilen.

Ich hätte gerne erfahren, was aus der Nachbarstochter geworden ist. Sie erinnert mich an einen Jungen aus meiner Heimat, der mit allem was gekreucht und gefleucht ist, gut konnte. Er wusste alles über diese Lebewesen, so ähnlich wie Deine Freundin, sogar die lateinischen Namen. Leider ist er keine Biologe geworden, wie man es hätte vermuten können, sondern ein Trinker.
Gruß Frieda

 

Liebe Frieda,

Vielen Dank für dein Kommentar! Also die Geschichte ist quasi von realen Begebenheiten inspiriert. Zumindest das mit der Schneckenzucht stimmt. Die Nachbarin gibt es auch, allerdings war ich damals diejenige mit der Schneckenfaszination und sie hat sich eher geekelt.😅

Ich hatte ursprünglich die Idee, zu schreiben, dass sie jetzt Biologie studiert. Dann kam es mir für die Geschichte überflüssig vor. Ich dachte dann, es wäre besser, offenzulassen, was aus ihr geworden ist und ob sie überhaupt noch lebt oder womöglich verunglückt ist (die Stelle mit dem Bus). Aber das ist mir dann doch nicht ganz so gelungen, wie ich wollte. Vielleicht fällt mir da noch etwas ein.

LG Jorinde

 

Hallo @Jorinde21!

Deine Schneckengeschichte gefällt mir gut! Sie enthält einige sehr gelungene Bilder.
Das Meer, das seine Weichteile ausspuckt. Der Spiegelhimmel, der von Flugzeugen zerkratzen wird. Oder die austrocknenden Schatten. Gelungen!

Anbei noch ein paar Dinge, die mir aufgefallen sind:

Der Regen macht es genauso mit seinen Bewohnern, die nur im Nassen leben können.
Hier würde ich seinen überdenken. Obgleich ich weiß, wie es gemeint ist.

Du gibst zumindest dein Bestes, sie nicht zu zertreten und hältst Ausschau nach den freien Stellen auf dem Asphalt, aber es gibt fast keine. Alles ist bedeckt von dieser dünnen, empfindlichen Schleimhautschicht.
Warum nicht Ich?
Ich gebe stets mein Bestes, sie nicht zu zertreten und halte Ausschau nach den freien Stellen auf dem Asphalt. Den Rest würde ich weglassen.

Die alte Nachbarin streut eifrig Schutzkriese aus Schneckenkorn um ihre Beete, obwohl sie davon überzeugt ist, dass es nichts nützt: „Sie fressen alles, sogar das Schneckenkorn und werden noch größer und fetter davon, richtige Monsterschnecken.“
Auch hier vielleicht Meine Nachbarin?
Die Rede könnest du ewas umstellen und anders betonen.
„Sie fressen alles, sogar das Schneckenkorn und werden davon noch größer und fetter. Richtige Monsterschnecken!“

Die Salatblätter liegen jetzt lose in ihrer Hand, eine Nacktschnecke sitzt in der Mitte, überall sieht an ihre glänzenden Schleimspuren.
Punkt nach Mitte. Überall sieht man ...

Sie lässt die Salatpflanze in die braune Tonne fallen, es kommt mir verräterisch vor, so als würde sie ein bewohntes Vogelnest wegwerfen.
Hier vielleicht auch ein Punkt nach fallen. Und Verrat scheint mir hier nicht recht zu passen.

Ich frage: „Grobes oder feines Salz?“ Das ist wieder diese Mischung aus Ekel und Faszination, wie man sie empfindet, wenn man sich in einem Museum Folterinstrumente ansieht, man will es genau wissen und will es eigentlich gar nicht wissen. Die Nachbarin runzelt die Stirn: „Egal, welches Salz, man kann auch Essig nehmen.“
Das gefällt mir sehr gut. Jemand regt sich richtig auf und wird mit etwas vollkommen sinnlosem konfrontiert. Klasse!

Vielleicht würde sie mich mit Essig bespritzen oder mir Salz in die Augen streuen, die alte Hexe.
Die alte Hexe kommt doch unverhofft. Hätte man vielleicht schon zuvor etwas anklingen lassen können.

Es ist ein sonnengeschützter Platz. Die Schatten sind dort immer weich und feucht wie Handtücher, die über Nacht draußen vergessen wurden und sich mit Regenwasser oder Tau vollgesogen haben. Dort haben wir die Schnecken hingebracht, die wir nach dem Regen eingesammelt haben.
Dies Bild finde ich ebenfalls gelungen und zugleich auch nicht. Kann es nicht deutlicher machen.
Würde Regenwasser oder weglassen. Ist mir zu lang und Regen kommt ja im Folgesatz schon wieder.

Wenn sich Nacktschnecken begatten, sehen sie aus wie zwei Lippen, die ein O bilden, sie umkreisen einander so lange, bis sich das O mit Schleim füllt.
Punkt nach bilden.

Ich kann nicht sagen, wie es genau weitergeht, ich hatte nicht die Geduld, länger zuzusehen, es dauert Stunden, wenn nicht Tage.
Auch hier würde ich trennen.
Ich kann nicht sagen, wie es genau weitergeht. Ich hatte nicht die Geduld, länger zuzusehen. Es dauert Stunden, wenn nicht Tage.

Das Haus nützt nichts. Weinbergschnecken krachen, wenn du draufsteigst, Nacktschnecken platzen eben und quillen aus.
eben würde ich tilgen.

Für die Wissenschaft kommt es auf dasselbe, aber die Schnecke stirbt natürlich
Fehlt da nicht ein Wort? raus vielleicht?

Meinetwegen. Dann sind es eben Eintagsschildkröten
Sehr gut!

Im vorigen Monat war alles voller Nacktschnecken, jetzt sind auch sie verschwunden, vom Erdboden verschluckt. Wenn es noch länger trocken bleibt, werden auch die Schatten hinter dem Haus austrocknen.
vom Erdboden verschluckt könnte, glaube ich, weg.
Und selbst anstatt auch könnte dies gelungene Bild vielleicht noch etwas verschärfen.

Das solls gewesen sein. Nimm, was dir passend erscheint und vergiss den Rest.

Beste Grüße,
Sammis

 

Hallo @Sammis,

Vielen lieben Dank für dein Feedback! Es freut mich sehr, dass dir mein Text gefällt!

Zu dem Satz:

Für die Wissenschaft kommt es auf dasselbe, aber die Schnecke stirbt natürlich.
Ich komme aus Österreich, bei uns sagt man eigentlich schon: "Für mich kommt es auf dasselbe." Aber du hast recht, schöner klingt es, wenn man es um ein "raus" ergänzt. Ich werde es ausbessern.

Auch sonst war einiges an Brauchbarem dabei, danke dir!

LG Jorinde

 

Mahlzeit @Jorinde21,

Geschichten hinter der Geschichte. In diese Kategorie habe ich deinen Text hineingelegt. Nicht wirklich die klassische Kurzgeschichte, aber ich bin kein Freund gestrenger Germanistikvorgaben. Viele Regeln sind dazu da, übertreten zu werden. Vor allem in Kunst und Literatur. Eine schöne Erzählung. Und erinnert mich an einen Nachbarn mit Jägerzaun-Garten und Nagelschere-Rasen, dass er sich über die vielen Schnecken beschwerte. Jahr auf Jahr. Und ich sagte: Keine Fressfeinde = viele Schnecken. Verwandeln sie ihren Garten in ein Fressfeinde-Paradies, dann werden es auch weniger Schnecken. Diese Vorstellung lag außerhalb seines Kosmos.

Schutzkriese
Wahrscheinlich Schutzkreise, das Schneckenkorn ringförmig um die Pflanzen gestreut.
überall sieht an ihre glänzenden Schleimspuren.
Ich kaufe ein ein 'm'
Ich fasste sie nur mit Handschuhen an, während die Nachbarstochter sie mit bloßen Fingern einsammelte. Sie sagte, Schnecken seien ihre Lieblingstiere und dass sie sie mehr als Hunde oder Katzen liebe. Vor allem die Nacktschnecken liebte sie. Sie schaffte es auch irgendwie
Das musst du nicht ändern. Es ist mir nur aufgefallen, weil ich das inzwischen vermeide. Gerade wenn ich meine Texte vorlese, fällt mir das dann auf und ich versuche während des Lesens eine Satzumbildung - was nicht immer gelingt. :D

Routiniert geschriebene Erzählung. Eine stille Geschichte. Hat mir gefallen.

Grüße
Morphin

 

Lieber @Morphin,

Herzlichen Dank für deine Rückmeldung! Die Schlampigkeitsfehler habe ich total überlesen. Danke, dass du mich darauf aufmerksam machst!
Zu dem letzten von dir zitierten Textausschnitt... Du hast recht. Ich weiß aber nicht, wie ich das verbessern könnte.😅

Glg Jorinde

 

Eine Möglichkeit ist ja die Namensgebung. Führt man einen Vornamen ein, ist man schon mal 50% der sie/er los.

Dort haben wir die Schnecken hingebracht, die wir nach dem Regen eingesammelt haben. Es war nicht meine Idee. Ich fasste sie nur mit Handschuhen an, während die Nachbarstochter sie mit bloßen Fingern einsammelte. Sie sagte, Schnecken seien ihre Lieblingstiere und dass sie sie mehr als Hunde oder Katzen liebe. Vor allem die Nacktschnecken liebte sie. Sie schaffte es auch irgendwie, die richtigen Pärchen zusammenzutun und in der richtigen Stellung im Gras zu positionieren.

Ich war nur mit Handschuhen in der Lage, die schleimigen Tiere anzufassen. Gerlinde schaffte das mit bloßen Fingern. Schnecken seien ihre Lieblingstiere, viel mehr als Katzen oder Hunde; an diesen Satz erinnerte ich mich. Und wenn schon Schnecken, dann nur Nacktschnecken, meinte sie einen Atemzug später. Gerlinde war in der Lage, die richtige Pärchen zu kombinieren, die richtige Position für beide im gemähten Gras zu finden.

Oder so ähnlich ...

 

Stimmt, das ist eine gute Idee. Irgendwie hab ich immer Schwierigkeiten damit einer Figur einen Namen zu geben. Meine Figuren sind quasi immer namenlos... Dabei weiß ich gar nicht, woran das liegt bzw. was mich da hemmt. Spricht ja eigentlich nichts dagegen.
Ich werds mir auf jeden Fall überlegen - Danke dir!!

 

Nach dem Regen bleiben die Schnecken zurück und kriechen über den trocknenden Asphalt, der sich allmählich von der Sonne erhitzt. Ich muss an die Nordseestrände denken. Ich kenne sie nur aus dem Fernsehen, aber die vielen kleinen Wassertiere fallen mir ein, die von der Flut angeschwemmt werden und im Trockenen liegen bleiben

Hallo,

im ersten Absatz passen die Bilder nicht. Die Schnecken kriechen über den trocknenden Asphalt, aber die Wassertiere werden angeschwemmt und bleiben im Trocknenen liegen. Das ist kein Vergleich, das sind verschiedene Dinge, der Sinn wird nicht übertragen.

Als hätte das Meer seine Weichteile ausgespuckt. Der Regen macht es genauso mit seinen Bewohnern, die nur im Nassen leben können. Es ist unmöglich, sie alle wegzutragen. Du gibst zumindest dein Bestes, sie nicht zu zertreten und hältst Ausschau nach den freien Stellen auf dem Asphalt, aber es gibt fast keine. Alles ist bedeckt von dieser dünnen, empfindlichen Schleimhautschicht.
Auch hier: Das Meer spuckt seine Weichteile aus. Was wären denn seine Weichteile: wirklich die Wassertiere? Vielleicht Quallen, aber keine Krebse oder Seesterne oder ähnliches. Das Meer spuckt sie ja nicht aus, sondern schwemmt sie an, schreibst du ja selbst. Mir kommt das widersprüchlich vor. Auch dass der Regen das genauso macht? Nein, der Regen verhält sich doch anders, der spuckt nichts aus, schwemmt nichts an. Und können Schnecken nur im Nassen leben? Auch der Asphalt ist nicht gänzlich bedeckt mit Schnecken, sondern mit einer Schleimhautschicht, das ist aber doch nicht dasselbe, oder?

Die alte Nachbarin streut eifrig Schutzkriese aus Schneckenkorn um ihre Beete, obwohl sie davon überzeugt ist, dass es nichts nützt:
Das wäre mein Einstieg. Den Rest finde ich überflüssig. Ich meine, was genau bringt er das dem Text? Wo ist der Mehrwert?

Sie hält mir den Salatkopf unter die Nase, die Ränder sind braun, die Blätter löchrig, in ihrer Hand fallen sie auseinander. „Schau dir das an!“ Sie ballt die Faust: „Diese blöden Viecher!“ Die Salatblätter liegen jetzt lose in ihrer Hand, eine Nacktschnecke sitzt in der Mitte, überall sieht an ihre glänzenden Schleimspuren. „Schau genauer hin. Siehst du die weißen Perlen nicht? Das sind Eier.“ Sie lässt die Salatpflanze in die braune Tonne fallen, es kommt mir verräterisch vor, so als würde sie ein bewohntes Vogelnest wegwerfen. Dann stelle ich mir vor, wie die kleinen Schnecken schlüpfen, in der feuchten Dunkelheit von den Abfällen bestens gedeihen und aus der Tonne herauskriechen.
Dialog realistisch, finde ich gut. Den Rest muss sich der Leser denken, das passiert assoziativ, was ich besser finde, nicht zu viel verraten.

Das ist wieder diese Mischung aus Ekel und Faszination, wie man sie empfindet, wenn man sich in einem Museum Folterinstrumente ansieht, man will es genau wissen und will es eigentlich gar nicht wissen.
Hier auch. Meer, Schnecken, Regen, Weichteile, Folterkeller und Instrumente ... bißchen viel. Oft ist weniger mehr.

Ich hätte ihr erzählen können, wie ich als Kind mit ihrer Tochter Schneckenzucht gespielt habe.
Ja, den Dialog hätte ich gerne gelesen, warum nicht hier etwas mehr in die Tiefe gehen, den Charakter plastisch machen? Bis jetzt ist das nur ein Stichwortgeber.

Vielleicht würde sie mich mit Essig bespritzen oder mir Salz in die Augen streuen, die alte Hexe.
Warum ist sie eine alte Hexe? Finde ich grenzwertig, weil es bis jetzt nichts gibt, wo der Leser das mittdenken könnte. Oder ist die Erzählerin von der Veganen Front?
ie hatte es irgendwo gelesen, sagte sie, vielleicht hat sie es sich ausgedacht. Sie mochte verstörende Dinge.
Muss nicht erwähnt werden, dass es verstörend ist. Ich möchte als Leser nicht die Wirkung von Objekten im Text erklärt bekommen, sondern das selbst wahrnehmen.

Ich habe neulich im Schienenersatzverkehr-Bus daran denken müssen. Bei 100 Stundenkilometer auf der Autobahn kam mir plötzlich, dass ich nicht angeschnallt bin. Wenn jetzt etwas passiert, wenn der Bus jetzt, aus welchem Grund auch immer, eine Vollbremsung macht. Man hört ja von diesen Unfällen, bei denen Menschen unangeschnallt durch die Frontscheibe fliegen. In der Fahrschule werden einem diese schrecklichen Filme gezeigt. Ich suchte nach dem Gurt, wollte es nicht zu Ende denken. Dass man auch als Mensch wie eine zertretene Weinbergschnecke enden kann, Glas- und Knochensplitter im weichen Fleisch.
Woher genau kommt dieser Gedanke? Warum hat sie da neulich dran denken müssen? Was genau hat sie dazu bewogen? Passt das Bild mit Skelett und Haus überhaupt? Ich denke nicht, denn wir können uns nicht in unser Skelett zurückziehen. Die Analogie ist mMn nicht korrekt.

Es reicht. Man darf nicht zu viel über die Schnecken nachdenken.
Joah. Mir fehlt hier irgendwie eine Geschichte. Der Dialog mit der Nachbarin könnte ein Herzstück davon sein, dass sie etwas über die Tochter erzählt und den Schnecken. Das sind auch so Dinge: die alte Nachbarin, die weiß doch das mit den Schnecken? Die müsste wissen, dass die Erzählerin auch etwas über Schnecken weiß, das Gespräch, der Einstieg müsste viel tiefergehend sein, auf einer anderen Ebene starten. Ich würde den Dialog über die Schnecken eher als Tarnung verwenden, denn eigentlich sprechen sie ja vielleicht über die Tochter, die a.) tot b.) vermisst c.) in die Großstadt gezogen ist oder sonst etwas. DA würde man tief und plastisch reingehen, und es geht so Stöckchen um Stöckchen weiter, Schnecken hier, Schnecken da, und Weinbergschnecken und die anderen, und wie die sich verhalten, aber eigentlich wird klar, die reden über etwas ganz anderes, nämlich über die Tochter.

Da ist Potential drin, aber so wie er jetzt ist, ist der mir zu ziellos, ohne Fokus, ohne Tiefe, ohne Charaktere, ohne Thema, zuviel Infos, die nirgends hinführen, die nichts zur Atmo beitragen. Dem Text fehlt auch eine Örtlichkeit, wie sieht es da aus, wie schmeckt der Ort, wie riecht der? Nicht alles haarklein auserzählen, aber wichtige Details, die man selbst ergänzen kann.

Gruss, Jimmy

 

Hallo @jimmysalaryman,

Danke fürs Lesen und Kommentieren!
Naja, eigentlich stehen für mich die Schnecken und nicht die Nachbarin im Vordergrund, darum ist es mir auch wichtig, mit den Schnecken zu beginnen. Das mit dem Strand werde ich womöglich streichen. Es gefällt mir mittlerweile selber nicht mehr. Da war nur ursprünglich dieses Bild von einer regennassen Straße auf der diese ganzen Schnecken und Würmer liegen, die mich an diese angeschwemmten Wassertiere erinnern. Regen und Meer lassen sich natürlich nicht so leicht vergleichen, aber das, was sie "zurücklassen" ähnelt sich doch in gewisser Weise.

Alles ist bedeckt von dieser dünnen, empfindlichen Schleimhautschicht.
Manchmal ist es so, dass so viele Weichtiere auf der Straße liegen, dass man keine Stelle freie findet. So als wäre eben der ganze Asphalt mit Schleimhaut überzogen. Das würde ich doch gerne so lassen.

Passt das Bild mit Skelett und Haus überhaupt? Ich denke nicht, denn wir können uns nicht in unser Skelett zurückziehen. Die Analogie ist mMn nicht korrekt.
Passt für mich schon in dem Sinn, dass beides ein Schutz ist. Ich habe es bewusst dem Kind (der Nachbarin) in den Mund gelegt, da muss es meiner Meinung nach nicht zu hundert Prozent sinnvoll sein.

Joah. Mir fehlt hier irgendwie eine Geschichte.
Hmm. Ich weiß, rote Fäden sind nicht meine Stärke, aber andererseits lese ich selber gerne episodenhafte Texte bzw. auch gerne Gedichte. Ob die Örtlichkeit für den Text so wichtig ist, weiß ich auch nicht. Vor allem, weil der Text ja sehr kurz ist.
Ich überlege aber, den Text irgendwie auszubauen, da ich noch einige Ideen hätte. Dann könnte ich mehr Informationen zur Nachbarin und zu der Örtlichkeit etc. einbauen. Ich werde darüber nachdenken.

Ich bedanke mich nochmal für dein Feedback!

LG Jorinde

 

Naja, eigentlich stehen für mich die Schnecken und nicht die Nachbarin im Vordergrund, darum ist es mir auch wichtig, mit den Schnecken zu beginnen.

So, ich nochmals. Klar, verstehe ich. Nur würde ich mich dann fragen, was wird mir hier eigentlich erzählt? Dann bleiben irgendwie ein paar Sätze über Schnecken stehen. Da passiert dann im Grunde nichts, es gibt keinen Konflikt, keinen Weg von A zu B, da ist kein Geheimnis, nichts unter der Oberfläche. Selbst in minimalistischen Episoden geht es um etwas, um was würde es dann hier gehen? Um ein paar Vergleiche mit Schnecken? Das wäre dann eventuell so etwas wie eine Miniatur, wo man sich das Objekt ansieht und betrachtet, aber selbst bei dieser Gattung muss doch ein Grund dafür da sein, das darf eben nicht beliebig wirken.

Ich denke, das liegt vielleicht auch an der behäbigen Perspektive, die ja alles nacherzählt, in Rückblenden. Du kannst doch schreiben, warum versuchst du es nicht mal mit Szenen? Dass du aktiv reingehst und diese Sache zwischen den beiden Freundinnen und den Schnecken szenisch aufbereitest, vielleicht sogar im Präsens, aber eigentlich egal, aber dass du dem Leser etwas zeigst, ihn dabei sein lässt. So kann auch Tiefe und Geheimnis entstehen, weil man nicht weiß, was passiert, da kann man den Leser besser manipulieren, um es mal bitterböse auszudrücken. Da könnte alles passieren. Hier, auch durch diesen Nachtrag, wirkt das eher wie eine Anekdote aus einem Tagebuch. Das kann sehr gut wirken, ein sehr guter Effekt sein, aber ich sehe hier in diesem speziellem Fall den Mehrwert nicht: Warum muss das so gekennzeichnet sein, was macht dieser Marker, der ja offensichtlicht etwas symbolisiert, für den Text, was gibt er ihm?

Es gibt ja diese Träume, in denen man aufwacht und immer noch träumt.
Auch das Ende. War es ein Traum oder doch nicht? Mir kommt das zu abrupt, das ist ein wenig der easy way out, man muss es eben irgendwie zuende bringen. Also, ich sage nicht, nein, vergiss den Text, der ist Schrott, sondern ich denke mir, in die Mitte gehen, den Glutkern suchen, sich selbst fragen, was will ich hier eigentlich erzählen? Das ist natürlich rein subjektiv, jeder Autor sucht nach einer eigenen Sprache und eigenen Tropen, jeder sieht Texte anders und schaut aufs Handwerk, und man ist nie ganz fertig mit dieser Entwicklung, deswegen sind wir ja hier.

Gruss, Jimmy

 

Lieber Jimmy,

Danke für deine weitere Rückmeldung! Ich weiß die Zeit, die du in meinen Text investiert hast, sehr zu schätzen!
Ich werde es auf jeden Fall einmal sacken lassen und mich dann (wenn ich wieder die Nerven dafür habe) wieder dransetzen!

Im Grunde sind die Sätze immer das, was bei mir zuerst da ist. Also meine Idee sind meistens eher Sätze/Bilder als Handlungen. Meistens (auch hier) endet es dann so, dass ich ca. fünf Word-Dokumente offen habe und bei dem Versuch, einen kohärenten Text zusammenzuzimmern, verzweifelt Sätze hin und her schiebe. Irgendwann war ich hier an einem Punkt, an dem ich nicht mehr konnte.😅
Danke dir nochmal!!

LG Jorinde

 

Hallo @Jorinde21,
zunächst mal Herzlich willkommen bei den Wortkriegern. Toll, dass du dich so einbringst ins Forengeschehen und schon fleißig am Kommentieren bist. Ich habe deinen Text gerne gelesen, finde er hat Potential und dass du schöne Bilder verwendest. Allerdings finde ich manche Sätze/Aussagen/Bilder auch noch nicht präzise genug.

Der Regen macht es genauso mit seinen Bewohnern, die nur im Nassen leben können. Es ist unmöglich, sie alle wegzutragen.
Der hier zB. Der Regen macht es genauso wie die Nordsee? Und er hat Bewohner? Wo wohnen denn die Bewohner des Regens, wenn die Sonne scheint? Nicht im Regen, oder? Das heißt ja doch, dass sie gar nicht seine Bewohner sind? Ich bin mir auch nicht sicher, ob sich das Wegtragen denn nun auf die Schnecken bezieht oder sämtliche "Bewohner", es gibt ja nicht nur die Schnecken, die Regen mögen/brauchen.

Alles ist bedeckt von dieser dünnen, empfindlichen Schleimhautschicht.
Ich empfinde die Nacktschnecken überhaupt gar nicht als dünn, gerade in Bezug auf das Wort "Haut", da ist ja noch ... ein Muskel? ... drunter, der die dick macht ...

Dann stelle ich mir vor, wie die kleinen Schnecken schlüpfen, in der feuchten Dunkelheit von den Abfällen bestens gedeihen und aus der Tonne herauskriechen.
uahhhaaa ... wie eklig
„Dabei mache ich mittlerweile gar nicht mehr den Fehler, sie mit der Gartenschere durchzuschneiden.
und noch mal ... igitt ... dann kommt ja auch noch Salz und Essig ... puh! Ich glaube, jeder der einen Gemüsegarten hat, hats wirklich schwer mit den Nacktschnecken ...

Vielleicht würde sie mich mit Essig bespritzen oder mir Salz in die Augen streuen, die alte Hexe.
Hier wird mir die Erzählerin unsympathisch ... warum nennt sie denn die Nachbarin eine alte Hexe? Weil sie so kaltherzig zu den Schnecken ist? Hier ist sie kaltherzig gegenüber der Nachbarin ...

Es ist ein sonnengeschützter Platz. Die Schatten sind dort immer weich und feucht wie Handtücher, die über Nacht draußen vergessen wurden und sich mit Regenwasser oder Tau vollgesogen haben.
Das fand ich ein tolles Bild ...

Vor allem die Nacktschnecken liebte sie.
Du hast dir mit den Nacktschnecken aber auch wirklich etwas ausgesucht, auf das ich krass stark mit Ekel reagiere, wahrscheinlich nicht nur ich ...

Nachtrag: Das ist jetzt mindestens 10 Jahre her
den "Nachtrag" finde ich nicht sehr elegant in diesem Text ...

Es macht mir Freude, mir vorzustellen, dass sich alle Schnecken ins Innere der Salatköpfe zurückgezogen haben. Sich eifrig durch die Blätter arbeiten, um ins kühle Herzstück zu gelangen, das sicher noch nach Regen riecht. Vielleicht überleben sie dort bis zur Salaternte. Und dann? Auch ein Salatkopf ist ein gefährlicher Ort für eine Schnecke. Sie könnten übersehen werden und in einer Schüssel mit Salz und Essig landen.
Das ist ja hier so die Quintessenz des Textes, oder? Hier fasst die Erzählerin noch mal zusammen irgendwie. Ich weiß aber nicht, wieso ihr diese Vorstellung Freude macht. Ich habe eigentlich nicht so richtig etwas über sie erfahren. Sie stellt Betrachtungen über Schnecken an, erinnert sich, assoziiert, aber warum, das weiß ich nicht. Was genau es für sie bedeutet. Es ist ja eigentlich kein Text über Schnecken, es ist ein Text über das Ich und ich wünsche mir da natürlich auch etwas über das Ich zu erfahren, also zumindest angedeutet. Wieso denkt sie über diese Schnecken nach, wieso nennt sie die Nachbarin alte Hexe, wieso freut sie sich, sich vorzustellen, dass die Schnecken in den Salatköpfen sind. Und wieso schreibt sie am Ende:
Es reicht. Man darf nicht zu viel über die Schnecken nachdenken. Sonst kriechen sie dir ins Hirn, nisten sich zwischen den Traumschichten ein und kommen nachts heraus. Dann wachst du auf und sie kriechen über deinen Körper, überziehen dich mit ihrer empfindlichen Schleimschicht, Schleimhaut, bis du das Licht darauf glühen spürst. Es gibt ja diese Träume, in denen man aufwacht und immer noch träumt.
Das kann ich nicht einordnen.

Für mich geht Literatur über die Betrachtung von Oberfläche hinaus. Dein Text im Moment noch nicht, er beschreibt, assoziiert, aber es gibt im Grunde nichts, was er mir erzählen will, zumindest lese ich es so und vermisse es. Nichtsdestotrotz freue ich mich mehr von dir zu lesen und zu schauen, wohin sich deine Schreiberei noch entwickelt.

Viele Grüße
Katta

 

Hallo @Katta,

Vielen lieben Dank für dein Feedback und die freundliche Begrüßung!

Der hier zB. Der Regen macht es genauso wie die Nordsee? Und er hat Bewohner? Wo wohnen denn die Bewohner des Regens, wenn die Sonne scheint? Nicht im Regen, oder? Das heißt ja doch, dass sie gar nicht seine Bewohner sind?
Mit dieser Stelle bin ich tatsächlich auch nicht zufrieden. Also der Meer-Vergleich kommt mir mittlerweile ein wenig zu kitschig vor. Aber die Regenbewohner würde ich dennoch beibehalten. Das ist ja das Geheimnisvolle an diesen Tieren: Man sieht sie eben nur, wenn es regnet und unmittelbar danach. Aus naturwissenschaftlicher Perspektive natürlich Blödsinn, aber für mich sind es eben doch irgendwie Regenbewohner.

Ich empfinde die Nacktschnecken überhaupt gar nicht als dünn, gerade in Bezug auf das Wort "Haut", da ist ja noch ... ein Muskel? ... drunter, der die dick macht ...
Da hast du natürlich recht. Ich hatte bei dem Bild ursprünglich auch Würmer etc. im Kopf. Diese "Regentiere", die dann auf der Straße liegen, gibt es ja in den unterschiedlichsten Größen und Formen. Aber da es ein Text über Schnecken ist, gebe ich dir recht. Danke für den Hinweis!

Hier wird mir die Erzählerin unsympathisch ... warum nennt sie denn die Nachbarin eine alte Hexe? Weil sie so kaltherzig zu den Schnecken ist? Hier ist sie kaltherzig gegenüber der Nachbarin ...
Also ich habe beim Schreiben (leider?) selten eine klare Intention, aber bei diesem Text hat sich irgendwie die Verletzlichkeit/Hilflosigkeit der Schnecken zu meinem Leitmotiv entwickelt. Aus Sicht der Erzählinstanz, die eben durch diese Kindheitserinnerungen eine gewisse Empathie für die Schnecken hat, wirkt die Nachbarin dann eben doch ziemlich brutal.

Es macht mir Freude, mir vorzustellen, dass sich alle Schnecken ins Innere der Salatköpfe zurückgezogen haben. Sich eifrig durch die Blätter arbeiten, um ins kühle Herzstück zu gelangen, das sicher noch nach Regen riecht.
Die "alte Nachbarin" soll eine Kontrastfigur zu den Kindern sein, die mit den Schnecken spielen usw. Hier und auch an der Stelle mit der Hexe wollte ich diesen kindlichen Blick nochmal aufleben lassen. Mit "Freude" meine ich hier eben die Schadenfreude darüber, dass die Schnecken sich rächen oder wie auch immer. ;-)

Ich bedanke mich jedenfalls nochmal für dein Feedback! Es ist auf jeden Fall viel Brauchbares dabei. Wie bereits erwähnt, habe ich vor, den Text auszubauen, wenn ich mehr Zeit habe. Mal schauen, was sich daraus entwickelt.

Herzliche Grüße
Jorinde

 

Hm, das Leben einer Eintagsfliege währet … drei Jahre (überwiegend als Larve), um sich zum Sex und allein der Fortpflanzung halber zu wandeln und Dein Debut hier lesend,

liebe @Jorinde21,

fällt mir wieder ein, wie ich mit meinem jüngeren Bruder mit acht (er mit sieben) Jahren unser Aquarium aus welchem Grund auch immer in der Klospülung „ertränkte“ … War mir damals das Leben von Goldfischen nix wert?

Aber warum hier

Ich muss an die Nordseestrände denken.
nix falsch – aber der Artikel, der den Plural vorgaukelt und an Grenzen denken lässt, die der Nordseestrand vom Dollart bis Sylt eigentlich so nicht hat. Vielleicht kannstu Dich vom „die“ trennen?

Du gibst zumindest dein Bestes, sie nicht zu zertretenKOMMA und hältst Ausschau nach den freien Stellen auf dem Asphalt, aber es gibt fast keine.
Der Infinitivsatz („sie nicht zu zertreten“) definiert quasi als Einschub das „Beste“

Die alte Nachbarin streut eifrig Schutzkriese aus Schneckenkorn um ihre Beete, …
...krise

Die Salatblätter liegen jetzt lose in ihrer Hand, eine Nacktschnecke sitzt in der Mitte, überall sieht man ihre glänzenden Schleimspuren.

„Schau genauer hin.* Siehst du die weißen Perlen nicht?
*Ist ein Ausrufezeichen weniger Wert als ein Fragezeichen?

Ich streue jetzt immer Salz drüber, davon trocknen sie aus. Es bleibt fast nichts über.
Sind wir nicht alle Sadisten? (siehe meine Einführung …, aber mit manchem Hund komm ich besser klar als mit seinem Herrchen ...)

Hier kommt – um die Nähe zum Meer zu fühlen – ein unfreiwilliger Gezeiten-Wechsel vor

Bei 100 Stundenkilometer auf der Autobahn kam mir plötzlich, dass ich nicht angeschnallt bin.

Nachtrag: Das ist jetzt mindestens 10 Jahre her, genau weiß ich es nicht.
„zehn“, in der schönen Literatur werden Zahlen ausgeschrieben. Ich empfehle allerdings nur bis „zwölf“, weil es hernach langeweilt und man stelle sich nach einer Volkszählung allein für ein kleines Volk von ca. 81 Millionen den Bandwurm vor von einundachtzigmillioneneinhunderachtundneunzigtausendsechshundertsechsundsechzig ...

Wie dem auch wird,

herzlich willkommen hierorts &, eh ich's vergess -

gern gelesen vom

Friedel

 

Hallo @Jorinde21,

deine Geschichte wirkt auf mich melancholich, aber auch distanziert. Sie lebt von dem Kontrast zwischen dem Ekeligen und dem von Faziniation für Schnecken geprägten Verhalten der Tierfreunde.
Mir ist es lieber, wenn über das Atmosphärische hinaus eine Aussageebene in einem Text zu finden ist.
Es gilt zwar als 'seltsam' die ansonsten verhassten Schnecken zu mögen, aber es ist in Zeiten des Naturschutzes auch nicht völlig absurd.

„Sie fressen alles, sogar das Schneckenkorn und werden noch größer und fetter davon, richtige Monsterschnecken.“

Hier dachte ich, dass du jetzt ein seltsames Element einführst: Schnecken, die vom Gift größer werden, sich vielleicht sogar aufmachen, dem Menschen seine überlegenheitsorientierte Hybris gegenüber der Natur aufzuzeigen.

Ich will jetzt nicht viel Textkritik schreiben, da hat @Friedrichhard sicher schon ganze Arbeit geleistet. Vom Verständnis her ist mir folgendes besonders aufgefallen:

Alles ist bedeckt von dieser dünnen, empfindlichen Schleimhautschicht.
"dieser" auf was bezieht sich das? Zu den Schnecken passt "dünnen" und "Schicht" nicht.

Der Regen macht es genauso mit seinen Bewohnern, die nur im Nassen leben können.
Du willst eine Analogie zum Meer herstellen, diese ist leider nicht sehr schlüssig.
Vielleicht: Genauso lässt der Regen irgendwann die im Stich, die nur im Nassen leben können.

Sie schaffte es auch irgendwie, die richtigen Pärchen zusammenzutun und in der richtigen Stellung im Gras zu positionieren.

Schnecken sind Zwitter. Worauf bezieht sich dann "die richtigen Pärchen"?

Vielleicht klingt mein Kommentar jetzt sehr negativ - aber trotz allem, ich habe den Text gerne gelesen, er ist flüssig geschrieben mit ansprechenden Beschreibungen.

Noch eine Kleinigkeit:

Schienenersatzverkehr-Bus
Warum dieses Wortmonster? Letztlich ist es egal, ob es ein Bus oder ein ... war.:)

Ach ja: Vielleicht kannst du die Geschichte zeitnah bearbeiten, dann werfen dir die Kritiker nicht dauernd die "Schutzkriese" vor.
Du bist eine der wenigen 'Neulinge' im Forum die nicht nur schreiben, sondern auch
kommentieren (und auf Kommentare reagieren), prima! Herzlich willkommen:thumbsup:

LG,

Woltochinon

 

Lieber @Friedrichard, Lieber @Woltochinon,

Vielen lieben Dank für euer Feedback! Beide Rückmeldungen sind sehr hilfreich!
Ich bin gerade dabei, mir Gedanken zu machen, wie ich bei dem Text mehr in die Tiefe gehen und die Geschichte mit der Nachbarstochter weiter ausarbeiten könnte. Ich kann zwar noch nicht genau sagen, in welche Richtung sich das entwickelt, aber ich werde den Einstieg auf jeden Fall ändern und das mit der Nordsee streichen. Womöglich auch das mit dem "Schienenersatzverkehr-Bus". Du hast Recht, @Woltochinon, es ist kein elegantes Wort. Ich wollte hier nur verdeutlichen, dass es kein Stadtbus war, der höchstens 50 Stundenkilometer fährt. Aber wie gesagt, wahrscheinlich werde ich die Stelle einfach streichen oder umschreiben.

Vielen Dank nochmal euch beiden!

LG Jorinde

 

Liebe @Jorinde21 ,

ich habe deine Geschichte gern gelesen, sie hat mir gut gefallen. Es sind viele schöne Bilder dabei, die für mich die Situation lebendig gemacht haben.

Ein paar Anmerkungen.

Jetzt wischt sie sich die Hände an der Stoffjacke ab und hinkt in ihren Garten zurück. Ich hätte ihr erzählen können, wie ich als Kind mit ihrer Tochter Schneckenzucht gespielt habe.
Nur als Anmerkung - ich war ein bisschen verwirrt, wie alt die Protagonistin ist. Ich ging erst davon aus, dass sie relativ jung ist. Da die Nachbarin aber schon alt ist und die Protagonistin mit ihrer Tochter gespielt hat, mutmaßlich ähnlich alt, war ich mir dann nicht mehr sicher ob die Protagonistin nicht eher ein mittleres Alter hat oder sogar älter ist.

Die Schatten sind dort immer weich und feucht wie Handtücher
Das Bild hat mir gut gefallen.

Der Himmel ist durchsichtig-blau, er sieht wie ein leerer Spiegel aus, Flugzeuge zerkratzen ihn, keine einzige Wolke.
Die zerkratzenden Flugzeuge fand ich sehr schön!


Im letzten Abschnitt beschäftigt sich die Protagonistin ja mit sich selbst, wie fühlen sich die Schnecken auf ihrer Haut an und sie fragt sich ob sie träumt. Das kam für mich unerwartet weil es vorher nicht wirklich thematisiert wurde. Ich würde das ausbauen oder weglassen, so wirkt es etwas angeflanscht.


Schöne Grüße
Philipp

 

Lieber @PhilippZ,

Herzlichen Dank für dein Feedback! Ich finde es interessant, dass bisher alle Kommentatoren von einer weiblichen Erzählinstanz bzw. einer "Protagonistin" ausgegangen sind. Ich habe zwar erwähnt, dass die Geschichte zum Teil autobiographische Elemente enthält, aber im Text wird das Geschlecht eigentlich offen gelassen. Das gleiche gilt für das Alter: Das einzige, was Aufschluss darüber gibt, ist das Ende der Geschichte. Ich denke, dass viele mein Alter und Geschlecht automatisch auf die Erzählstimme übertragen haben. Wahrscheinlich würde mir das aber auch passieren. ;-)
Wie gesagt, möchte ich den Text gerne etwas ausbauen. Ich habe bereits ein wenig mit Alter und Geschlecht der Figuren experimentiert, bin mir aber noch nicht sicher, was für mich am besten funktioniert. Ich würde ja gerne diese Zeitsprünge beibehalten, möchte sie aber gerne eleganter umsetzen. Naja, alles noch sehr chaotisch im Moment.🫣
Jedenfalls bedanke ich mich nochmals für deine Rückmeldung! Hab noch ein schönes Wochenende!☺️

LG Jorinde

 

Letzte Empfehlungen

Neue Texte

Zurück
Anfang Bottom