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Einzelkampf

AWM

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Einzelkampf

Mit seinem Smartphone leuchtet Christian den Waldweg aus. Regen tropft vom Blätterdach. In der Ferne dringt Licht aus dem Fenster des Bauwagens. Christian geht schneller. Als er die Gitterstufen hinaufsteigt, spürt er das Vibrieren der Bässe. Er öffnet die Metalltür und tritt in die Hitze. Rauch steht in der Luft, brennt in den Augen. Die Onkelz singen: „Lass es zu, dass die Zeit sich um dich kümmert. Hör mir zu und mach es nicht noch schlimmer."
An der Bar schenkt Lukas aus. Auf dem Tresen liegt ein Big Pack Marlboro Rot.
„Servus Christian“, sagt Lukas.
Christian streckt ihm zehn Euro entgegen. „Eine Zehnerkarte und ein Bier, bitte.“
Lukas nimmt den Schein, sagt „Firma dankt“, kreuzt mit einem Kugelschreiber drei 50-Cent-Felder auf einer gelben Karte durch und stellt ein Bier auf den Tresen. Neben dem Tresen tanzen Miriam und Björn Walzer zu den Onkelz. Björn legt ihr die Hand auf den Arsch und lacht ihr in den Nacken. Am Tisch sitzen Tobi und Egbert und würfeln.
Egbert haut den Lederbecher mit den Würfeln auf den Tisch, deckt auf und brüllt: „Fünferpasch!“
„Scheiße“, sagt Tobi und fährt sich durch den Kinnbart. Er kippt einen Becher Vodka Big Pump weg. Das Zeug rinnt Tobi vom Kinn.
Ganz hinten in der Ecke sitzt Anton. Er trägt ein Bandshirt von „Mayhem“. Die feinen dunklen Haare, die sonst schlaff herunterhängen, hat er zurückgekämmt. Die Nase sieht breiter aus als früher. Vor ihm: eine Flasche Asbach, eine Flasche Cola und ein Plastikbecher. Er schenkt sich ein, ohne hinzusehen.
Christian schaut zu Lukas und nickt in Antons Richtung.
Lukas sagt: „Das erste Mal, dass der wieder hier ist. Tobi war letztens bei dem daheim. Musste was für die Eltern streichen. Der Psycho ist nur noch in seinem Zimmer und haut gegen Holz. Will, dass die Nerven an den Schienbeinen und Fäusten absterben. Hat zu Tobi gesagt, er bereitet sich vor. Wird krass, wenn Norman nachher kommt.“
„Der kommt?“, fragt Christian.
„Ist auf dem Sportfest. Wird rabendicht hier andüsen später“, sagt Lukas.
„Scheiße.“
„Nicht mein Problem“, sagt Lukas und bläst Rauch in die Luft.

Christian nimmt das Bier, steigt auf die Eckbank und drückt sich hinter Tobi und Egbert vorbei. Er setzt sich neben Anton.
„Lange nicht gesehen“, sagt Christian.
Anton nickt.
„Warum bist du hier?“, fragt Christian.
Anton zuckt mit den Schultern.
„Norman kommt noch. Besser, du gehst“, sagt Christian.
„Weißt du noch, wie wir immer Messerfinger nach der Schule an der Bushaltestelle gespielt haben?“, fragt Anton. Anton legt seine Hand auf den Tisch und spreizt die Finger. Auf der Haut kreuzen sich Blutkrusten. Mit der anderen Hand holt er ein Taschenmesser aus der Hose und haut die Klinge zwischen seine Finger. Sie rast hin und her: tak, tak, tak, tak. Christian sagt nichts. Anton schaut ihn das erste Mal heute Abend an. Er lächelt. In seinen wässrigen Augen spiegeln sich die Lichterketten, die über den Fensterrahmen hängen.
„Der ist es nicht wert. Lass gut sein und geh“, sagt Christian. Anton lässt die Klinge zwischen seinen Fingern weiter über den Holztisch rasen. Christian legt die Hand auf seine Schulter.
Anton zuckt zusammen. Die Klinge schneidet in den Zeigefinger. Blut fließt auf das Holz, sammelt sich in den Rillen.
Anton saugt Luft durch die Zahnzwischenräume, dreht sich zu Christian und sagt: „Ich brauch dich nicht.“ Er steckt das Messer zurück in seine Hosentasche.

Norman wirft seine Jacke mit dem schwarzen Schafsfellkragen über einen Barhocker. Er knallt einen Zwanziger auf den Tresen. Lukas kredenzt zwei Vodka Big Pump. Norman ext beide, schüttelt sich, fährt sich mit der Rechten durch das kurzrasierte Haar. Er schaut in die Runde, fängt an zu grinsen, geht zum Tisch.
„Macht mal Platz. Muss mit meinem Freund was bereden.“
Tobi und Egbert stehen auf, lassen Norman durch.
Er setzt sich neben Anton, mustert sein Gesicht, wiegt dabei den Kopf hin und her. „Weiß nicht, warum du vor Gericht rumgeheult hast. Sieht doch besser aus die neue Nase“, sagt Norman. Anton sieht ihn nicht an und schenkt sich einen neuen Becher Asbach Cola ein. Norman fährt mit der flachen Hand vor Antons Gesicht auf und ab. „Tut weh, wenn man Kohle in sowas Wertloses wie dich pumpen muss“, sagt er.
Dann nimmt er Anton den Becher vom Mund, hält ihn hoch über dessen Kopf und kippt ihn ganz langsam. Der Asbach-Cola perlt über Antons Haare, rinnt ihm übers Gesicht, tropft auf sein Shirt. Norman stellt den Becher auf den Tisch. Lukas macht die Musik aus. Tobi und Egbert haben aufgehört zu Würfeln. Anton blickt immer noch geradeaus. Der Asbach trieft von Haaren und Wimpern auf sein Shirt und in den Schritt seiner Jeans. Norman rutscht ein Stück zu Anton heran: „Schlag zu“, flüstert er ihm ins Ohr.
Anton greift die Flasche Asbach und füllt den Plastikbecher wieder auf, schiebt ihn Norman zu.
Der dreht sich zu Egbert und Tobi, sagt: „Satanist, der jetzt auf Jesus macht oder was.“ Die beiden lachen. Norman packt den Becher und schüttet Anton den Asbach ins Gesicht. Wieder füllt er den Becher und schiebt ihn zu Norman zurück. Wieder schüttet er ihm den Asbach ins Gesicht.
Dann steht Anton auf und steigt auf den Tisch, geht drei Schritte über die Platte, springt herunter und geht aus dem Bauwagen. Norman rennt Anton hinterher.

Christian geht den beiden nach. Sie sind in der Nacht verschwunden. Christian geht ein paar Meter Waldweg, ruft in die Dunkelheit. Dann hört er einen Schrei. Schritte, die sich entfernen.
Im Bauwagen bestellt er zwei Obstler bei Lukas und spült sie mit Bier hinunter.
„Psycho“, sagt Lukas. Er zieht die Augenbrauen hoch, macht seine Kreuze auf Christians Karte.
Christian kippt den dritten Obstler.
„Die Sauerei da hinten wischt auf jeden Fall Norman selber weg, wenn er wieder da ist“, sagt Lukas.
 
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Hi @AWM,

wow, das hat Zug! Eine sehr konzentrierte, bittere Flash Fiction, die mir sehr gut gefällt. Ich bin schon nach ein paar Sätzen dabei - eine Art Jugendtreff, mutmaßlich auf dem Land (jeder kennt jeden usw.), heftiges Gesaufe, Onkelz und Burzum, Antons Trauma, Normans Schuld, Antons Reaktion. Das ist stark, in dieser Konzentration. Sprachlich gibt's nichts auszusetzen: Du schreibst in knappen, drängenden Sätzen, das funktioniert.

Inhaltlich sind mir nur Kleinigkeiten aufgefallen:

1. In den ersten Absätzen kommen relativ viele Figuren mit Namen vor, das hat es beim ersten Lesen etwas schwer gemacht, den Überblick zu behalten. Vielleicht kannst du ein paar Namen einfach rausnehmen?

2. Norman kommt wirklich sehr boshaft rüber. Vielleicht hat er auch irgendeine klitzekleine Motivation, irgendeinen Hintergrund, irgendwas, was ihn menschlicher macht?

3. Diesen Satz hier:

„Vielleicht hat er sich auf was anderes vorbereitet, als wir dachten“, sagt Christian und kippt den dritten Obstler.

würde ich rausnehmen. Ich finde, dein Protagonist serviert da so ein bisschen die Pointe. Überlass das den Lesern.

Viele Grüße - ein verdammt guter Text!

Christophe
 
Wortkrieger-Team
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Hallo @AWM,

Mit der Taschenlampe seines Smartphones leuchtet Christian den Waldweg vor sich aus.
Das alleinstehende aus am Ende gefällt mir nicht so, vllt einfach beleuchtete.

Dass du hier die Onklez nutzt um die Gesellschaft im Bauwagen in die rechte Ecke zu rücken, finde ich ärgerlich, da diese Band sich seit über dreißig Jahren gegen rechts positioniert. Und dass dann Leute, die Onkelz hören, auch noch Burzum hören, finde ich schon krass.

Du hast ganz schön viel Personal, elf Namen finde ich (wenn es stimmt, dass Andreas = Steudinger ist). Du willst zeigen, dass die sich alle kennen, alle deutsche Namen haben. Teilweise finde ich es aber etwas schwierig alles zu sortieren und muss ein paar Zeilen zurück, um nachzuschauen, wer das denn genau war. Weiß nicht ob hier wirklich jeder einen Namen braucht.

Du machst schnell klar mit was für Leuten wir es zu tun haben und ich habe das Gefühl, ich kenne sie alle, eben weil man genau so Typen schon erlebt hat. Ich glaube, du könntest da noch etwas reduzieren, mit feineren Details arbeiten und den Lesern vertrauen.

Diese Messerszene zum Beispiel, soll die zeigen, was für ein Harter Kerl Anton ist? Das er keine Schmerzen, keine Angst vor Verletzungen hat? Ich fände es stärker, wenn Anton einfach ruhig bleibt, still vor sich hinstarrt. Das finde ich viel beängstigender.

Die Nase sieht breiter aus als früher.
Sie sieht doch nicht so aus, sie ist es.

Wieder füllt er den Becher und schiebt ihn zu Norman zurück. Wieder schüttet er ihm den Asbach ins Gesicht.
Das kann meiner Meinung nach auch weg oder müsste noch etwas verändert werden. Dass Norman ausrastet oder so.

„Vielleicht hat er sich auf was anderes vorbereitet, als wir dachten“, sagt Christian und kippt den dritten Obstler.
Lukas lacht kurz auf. „Wie auch immer“, sagt er. „Die Sauerei da hinten wischt auf jeden Fall Norman selber weg, wenn er wieder da ist.“
Vllt könntest du diese Sätze noch weglassen. Mit den Kreuzen auf der Karte, einer so alltäglichen Geste in dem Wahnsinn, aufzuhören, würde den Kontrast zwischen dem Geschehen und Business-as-usual verstärken.

Viele Grüße,
Nichtgeburtstagskind
 
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10.07.2020
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Hi @AWM und @Nichtgeburtstagskind,

Dass du hier die Onklez nutzt um die Gesellschaft im Bauwagen in die rechte Ecke zu rücken, finde ich ärgerlich, da diese Band sich seit über dreißig Jahren gegen rechts positioniert. Und dass dann Leute, die Onkelz hören, auch noch Burzum hören, finde ich schon krass.

Huch, so hatte ich das gar nicht verstanden. Meine Assoziation war eher: Teenies, die auf Krawall gebürstet sind, kein spezifischer Musikgeschmack, sondern eher: Wenn's meine Eltern und die Lehrer schockt, ist es gut. Insofern fand ich auch die Nebeneinanderstellung von Onkelz und Burzum nicht problematisch, es könnten - in meiner Lesart - genauso gut die 187 Straßenbande und Burzum sein oder was auch immer.

Viele Grüße!

Christophe
 
Zuletzt bearbeitet:

CoK

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Hallo @AWM

Ich war noch nie in einem Bauwagen. Du hast es geschafft mich mit deinem atmosphärisch toll geschriebenen „ Einzelkampf“ dorthin mitzunehmen.

Er lächelt. In seinen wässrigen Augen spiegeln sich die Lichterketten, die über den Fensterrahmen hängen.

Meine Lieblingsstelle.

Danke, ich finde es gut geschrieben.
Lg CoK
 

Bas

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16.09.2018
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Hallo @AWM,

Regen tropft dick vom Blätterdach auf den Boden.

Weiß nicht so recht, ob mir das "dick" da zusagt. Eher nicht.

Vor ihm: eine Flasche Asbach

Groß nach Doppelpunkt

Die werden rabendicht hier andüsen später

Hm. Fällt mir ein wenig schwer, das zu kaufen, "rabendicht andüsen".

Besser du gehst

Vielleicht eher: "Besser, du gehst"?

Sie rast hin und her: tak, tak, tak, tak.

Auch hier groß nach Doppelpunkt

fragt Anton. Anton legt seine Hand auf den Tisch und spreizt die Finger. Auf der Haut kreuzen sich Blutkrusten. Mit der anderen Hand holt er ein Taschenmesser aus der Hose und haut die Klinge zwischen seine Finger.

Ich glaube, das hätte funktionieren können. Wenn ich das vorgelesen bekommen hätte zum Beispiel. So, im überaufmerksamen Wortkriegermodus, kommt mir das leider zu konstruiert vor, dieses reduzierte, bewusste (vermute ich) Wiederaufgreifen.

(Nachtrag: Ich habe die Geschichte nicht nur einmal gelesen. Und mittlerweile funktioniert die Stelle. Was du jetzt mit dieser Info anfangen sollst? Keine Ahnung.)

Die der Geschichte zugrundeliegende Melodie, die du vor allem durch die vielen Namen, durch die ständigen Wechsel dieser Namen, die raschen Schnitte, vermitteln möchtest ... Ja, das macht was, das erzeugt eine Anspannung, hin und her, hin und her. Während die Kamera auf A zeigt, bleibt B im Verborgenen. Jede Sekunde kann es knallen.
Und eigentlich wollte ich auch hier kritisieren, dass der Funke bei mir da nicht gezündet hat. (Gezündet ist? Habe gerade ein Brett vorm Kopf.) Aber auch hier hat sich das nach mehrmaligem Lesen gelegt.

Ja, und dann betritt Norman die Bühne und die Geschichte nimmt so richtig Fahrt auf, fühlt sich natürlich an, homogen, hier auch schon im ersten Durchgang. Mein Herz klopft eindeutig schneller als gewöhnlich. Gleich knallt es, ganz sicher.
Das ist wirklich eine großartige Szene, finde ich. Kein Wort zu viel, keines zu wenig. Aber ein Komma zu wenig:

Er setzt sich neben Anton, mustert sein Gesicht wiegt dabei den Kopf hin und her.

nach "Gesicht"

Wobei ... Vielleicht ... Vielleicht fehlt mir die Szene, in der Norman den Bauwagen betritt. Er ist einfach da - und wirft seine Jacke über den Barhocker. Das trägt zum Tempo bei, aber ja, vielleicht ...

Und dann ... Das Ende. Das ich mir eindeutiger gewünscht hätte. Ich weiß nicht, was hier mein ideales Ende wäre, worauf ich da eigentlich hingefiebert habe während der Asbach-Duschen-Szene, wahrscheinlich auf Antons Katharsis, darauf, dass er Norman windelweich kloppt. Aber vielleicht wäre das auch zu naheliegend, vielleicht wäre es auch spannend, das noch weiter auszureizen, zu zeigen, wie er weiter die Wange hinhält, wie er sich auf dem Boden windet, sich noch mal die Nase brechen lässt und so dann letztlich als moralischer Sieger hervorgeht ... Aber wie soll man das umsetzen, ohne dass der Leser denkt, Mensch, Anton, hau ihm doch eine in die Fresse, dem Wichser! - Keine Ahnung.
Vielleicht hast du dir ähnliche Fragen gestellt und dich dann letztlich für diesen Weg entschieden, für den fallenden Vorhang? Hat er ihn denn abgestochen in deiner Vorstellung? Wahrscheinlich. Und ist das vielleicht doch das einzig richtige Ende, das uneindeutige?

Ach, wie auch immer, ich denke noch eine Weile darüber nach. So oder so ist das eine tolle, erfrischende und spannende Geschichte. Vielen Dank dafür!

Bas
 

AWM

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26.03.2018
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Hey @Christophe vielen Dank für deinen Kommentar.
In den ersten Absätzen kommen relativ viele Figuren mit Namen vor, das hat es beim ersten Lesen etwas schwer gemacht, den Überblick zu behalten. Vielleicht kannst du ein paar Namen einfach rausnehmen?
Da hast du Recht. Gerade in sonem kurzen Text ist das verwirrend. Ich werde Personal streichen. Wie @Nichtgeburtstagskind schreibt, kennt der Protagnonist natürlich alle. Und da hat es nicht gepasst für mich, wenn ich zum Beispiel geschrieben hätte: "Neben dem Tresen tanzen zwei Walzer zu den Onkelz." Das war mein Problem und so kamen die unnötig vielen Namen zustande.
Norman kommt wirklich sehr boshaft rüber. Vielleicht hat er auch irgendeine klitzekleine Motivation, irgendeinen Hintergrund, irgendwas, was ihn menschlicher macht?
Das stimmt auch. Eine besondere Tiefe hat er nicht :D Ich verteidige mich mal damit, dass das eine Flash Fiction ist und ein ganz kleiner Ausschnitt aus seinem Leben. Wir erleben Norman nur in dieser Ausnahmesituation, in der er auf sein Mobbingopfer trifft. Warum er Anton das erste Mal die Nase gebrochen hat, kommt nicht raus. Aber zumindest in dieser Szene ist die Motivation für mich klar. Er ist besoffen und musste Anton eine neue Nase zahlen, was ganz schön teuer ist.
„Vielleicht hat er sich auf was anderes vorbereitet, als wir dachten“, sagt Christian und kippt den dritten Obstler.
würde ich rausnehmen. Ich finde, dein Protagonist serviert da so ein bisschen die Pointe. Überlass das den Lesern.
[/QUOTE]
Ja, mit dem Ende generell schaue ich noch. Möchte noch ein wenig Abstand bekommen. Mit dem habe ich ein bisschen gekämpft. Den von dir angemerkten Satz werde ich aber zu 99 % streichen. Da hast du schon Recht, denke ich.
Gruß
AWM
Hallo @Nichtgeburtstagskind und vielen Dank für deinen Kommentar
Dass du hier die Onklez nutzt um die Gesellschaft im Bauwagen in die rechte Ecke zu rücken, finde ich ärgerlich, da diese Band sich seit über dreißig Jahren gegen rechts positioniert. Und dass dann Leute, die Onkelz hören, auch noch Burzum hören, finde ich schon krass.
Da bist du unnötig getriggert. Ich habe gar nicht daran gedacht, dass man das so lesen kann. Hier geht es nicht um irgendwelche Rechtsextreme. Politik spielt ja in der Geschichte auch überhaupt keine Rolle. Ich wollte Anton eher als Außenseiter darstellen, als "Dorfmetaller". Deshalb die Band "Burzum". Die ist wegen Varg sicher "edgy". Ich verbinde die aber nicht vordergründig mit rechtsextremen Fans. Ich kenne oder kannte viele, die das hören und überhaupt nicht politisch waren. Die Musik ist ja nicht politisch. Vielleicht ändere ich das Bandshirt aber einfach, um so eine Lesart ganz sicher zu vermeiden.
Weiß nicht ob hier wirklich jeder einen Namen braucht.
Ich finde schon, dass jeder einen Namen braucht, weil er die ja alle kennt ( wie du ja auch richtig sagst). Ich werde deshalb einfach Personal streichen. Sven und Sascha braucht es z.B. nicht.
Sie sieht doch nicht so aus, sie ist es.
Kann man sich drüber streiten. Eine Nase, die flacher ist, kann breiter aussehen, ohne, wenn man sie mit dem Maßband abmessen würde, breiter zu sein.
Du willst zeigen, dass die sich alle kennen, alle deutsche Namen haben.
Auch hier. Du hast eine ganz andere Lesart, als von mir intendiert. Du denkst, ich will zeigen, dass sie alle deutsche Namen haben, weil es so eine Art rechtsextremer Jugendclub ist? Auch daran habe ich gar nicht gedacht.
Diese Messerszene zum Beispiel, soll die zeigen, was für ein Harter Kerl Anton ist? Das er keine Schmerzen, keine Angst vor Verletzungen hat? Ich fände es stärker, wenn Anton einfach ruhig bleibt, still vor sich hinstarrt. Das finde ich viel beängstigender.
Nicht unbedingt, dass er ein harter Kerl ist. Das ist er nicht. Aber einer, der sich krass reinsteigert, immer mehr den "Anschluss" verliert, durch seine Vorbereitungen und seinen Tunnelblick und niemanden mehr an sich heranlässt. Einer, der auch einen Einzelkampf mit sich führt.
Vllt könntest du diese Sätze noch weglassen. Mit den Kreuzen auf der Karte, einer so alltäglichen Geste in dem Wahnsinn, aufzuhören, würde den Kontrast zwischen dem Geschehen und Business-as-usual verstärken.
Ich denke, ich werde dir und Christophe da folgen und auf jeden Fall die Deutung des Protas herausnehmen. Brauche noch ein ganz bisschen Abstand zum Ende.
Gruß
AWM
Hallo @CoK und vielen Dank für das Lob.
Gruß
AWM
Hey @Bas und vielen Dank für deinen Kommentar
Weiß nicht so recht, ob mir das "dick" da zusagt. Eher nicht.
Schaue ich. Habe an den Regen gedacht, der sich auf den Blättern sammelt und dann "dick" heruntertropft. Braucht es aber wohl nicht.
Groß nach Doppelpunkt
Nein. Nach einem Doppelpunkt schreibt man nur groß, wenn ein vollständiger Satz folgt.
Fällt mir ein wenig schwer, das zu kaufen, "rabendicht andüsen".
:D bei uns auf dem Dorf haben wir so geredet früher.
"Besser, du gehst"?
Ja
kommt mir das leider zu konstruiert vor, dieses reduzierte, bewusste (vermute ich) Wiederaufgreifen.

(Nachtrag: Ich habe die Geschichte nicht nur einmal gelesen. Und mittlerweile funktioniert die Stelle. Was du jetzt mit dieser Info anfangen sollst? Keine Ahnung.)
Verstehe, was du meinst. Ich gehe da noch einmal drüber. Sollte ja schon beim ersten Lesen funktionieren.
Wobei ... Vielleicht ... Vielleicht fehlt mir die Szene, in der Norman den Bauwagen betritt. Er ist einfach da - und wirft seine Jacke über den Barhocker. Das trägt zum Tempo bei, aber ja, vielleicht ...
Ich hatte zuerst eine Szene, in der er in den Bauwagen kommt und habe sie dann gestrichen ...
Ich weiß nicht, was hier mein ideales Ende wäre,
Weiß ich auch noch nicht. Denke, dass ich auf jeden Fall "Vielleicht hat er sich auf etwas anderes vorbereitet ..." streichen werde. Ich glaube aber schon, dass mir das offene Ende ganz gut gefällt. Vielleicht hat ihn Norman wieder verprügelt und die Schritte, die sich entfernen kommen von Anton, der verletzt wegrennt. Oder er hat Norman eben mit dem Taschenmesser abgestochen.
So oder so ist das eine tolle, erfrischende und spannende Geschichte.
Vielen Dank
Gruß
AWM
 
Wortkrieger-Team
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03.07.2017
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Da bist du unnötig getriggert. Ich habe gar nicht daran gedacht, dass man das so lesen kann. Hier geht es nicht um irgendwelche Rechtsextreme. Politik spielt ja in der Geschichte auch überhaupt keine Rolle. Ich wollte Anton eher als Außenseiter darstellen, als "Dorfmetaller". Deshalb die Band "Burzum". Die ist wegen Varg sicher "edgy". Ich verbinde die aber nicht vordergründig mit rechtsextremen Fans. Ich kenne oder kannte viele, die das hören und überhaupt nicht politisch waren. Die Musik ist ja nicht politisch. Vielleicht ändere ich das Bandshirt aber einfach, um so eine Lesart ganz sicher zu vermeiden.

Hi @AWM,

da habe ich wohl tatsächlich überreagiert.

Die Onkelz müssen leider oft dafür her halten, wenn jemand zeigen will, dass ein Person im Text rechts ist. Und auch wenn die Fans von Burzum nicht rechts waren oder sind, haben sich wahrscheinlich mittlerweile die meisten nichtrechten von der Band distanziert.
Finde ich daher in der Kombi schwierig. Brauchst du überhaupt die Bands und die Musik? Einen Metaller kann man ja auch ansonsten anhand seiner Kleidung ganz gut beschreiben. Übrigens sind die Metaller doch normalerweise lammfromm. ;)

Dann nur deutsche Namen ... und wenn man dann einmal auf dieser Schiene unterwegs ist, dann ist auch dies
Norman schüttelt sich, fährt sich mit der Rechten durch das kurzrasierte Haar.
ein eindeutiger Hinweis für eine rechtsradikale Gruppe. :bonk:

Viele Grüße,
NGK
 
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02.05.2020
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Hallo @AWM ,

diese Flash Fiction hat mich voll mitgenommen. Sie ist für mich zu stark an der Grenze, um sie zu mögen, aber ich glaube das ist wahrscheinlich auch nicht das Ziel gewesen.

Ich kann nicht viel ungesagtes beitragen, ich bin beim Ende sehr bei @Bas, verstehe allerdings auch die Intention des offenen Endes.
Ich bin mir inzwischen recht sicher, dass ich das Ende in dieser Form schwierig finde, weil ich nicht nachvollziehen kann, dass allen Beteiligten es völlig egal (zu sein scheint) ist, ob da jetzt einer der zweien niedergestochen rumliegt oder nicht. Vielleicht wäre es eine Lösung, zumindest den Schweregrad einer Verletzung anzudeuten, ohne klarzustellen wer auf dem Boden liegt und wer nicht.
Im aktuellen Zustand ist beim Ende vom Schlag auf die Nase bis zu verbluten nach Messerstich alles drin, das finde ich zu extrem für die Reaktion der "Zuschauer".

Ich wollte Anton eher als Außenseiter darstellen, als "Dorfmetaller". Deshalb die Band "Burzum". Die ist wegen Varg sicher "edgy".
Vielleicht passt dann auch Skalmöld.

Übrigens sind die Metaller doch normalerweise lammfromm.
Dem stimme ich zu :D
 
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26.12.2014
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Hallo AWM,

sehr schön! Hier wurde schon viel gesagt, ich versuche noch mal Originelles beizutragen ...
Du hast viele Namen im Text, wurde natürlich schon erwähnt, ich hatte anfangs ein paar Orientierungsprobleme, trotzdem ist die Idee nicht schlecht. Durch die Benamsung holst du die Personen aus der Anonymität, sie werden eine echte Gruppe von Individuen. Jeder hat offenkundig irgendwie mit jedem zu tun, denke ich mir, und das ist interessant.

Mit der Taschenlampe seines Smartphones leuchtet Christian den Waldweg vor sich aus.

Christian ist ein bisschen der Perspektivträger hier, trotzdem hast du keine echte Hauptperson, und das finde ich sehr spannend. Im Grunde liegt der Fokus auf der Gruppe als solcher. Statt Norman hätte auch Lukas den Anton provozieren können, eine wirkliche Rolle spielt es nicht. Außer Anton gewinnen die Personen, mit Ausnahme ihrer Namen, keine wirkliche Persönlichkeit, wozu vielleicht auch die Kürze des Textes beiträgt.

Egbert haut den Lederbecher mit den Würfeln auf den Tisch, deckt auf und brüllt

Trotz des rauen Umgangstons und vordergründiger Emotionen fühle ich keine innere Beziehung unter den Personen entstehen. Alles ist sehr äußerlich, kalt, nüchtern, ich nehme an, das hast du gewollt, und auch das ist spannend.

„Norman kommt. Besser, du gehst“, sagt Christian.

Woher weiß er das, wo hat er Norman gesehen? Könnte man Norman vorher einführen?

Christian geht ein paar Meter Waldweg, ruft in die Dunkelheit. Dann hört er einen Schrei. Schritte, die sich entfernen.

Sehr schöne Stelle. Gewalt manifestiert sich, die schon vorher ständig in der Luft lag, aber du deutest alles nur an.

Ich habe das Gefühl, hier in einer bestimmten "Szene" zu sein (Rocker? Neonazis vielleicht?), du machst das aber nicht deutlich, mir gefällt das. Was wie gesagt ein bisschen schade ist - dass alles so äußerlich bleibt, dass keine inneren Beziehungen deutlich werden.

Manlio
 

AWM

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26.03.2018
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Hallo @Nichtgeburtstagskind
Die Onkelz müssen leider oft dafür her halten, wenn jemand zeigen will, dass ein Person im Text rechts ist.
Ich weiß. Aber wie gesagt, war das so nicht gedacht.
Ich komme vom Dorf und da gab es so einen Bauwagen und man hat eben viel Onkelz gehört. An den Wochenenden gab es oft eine Schlägerei, die recht anteilnahmslos hingenommen wurden. So kam ich auf die Idee und das Setting.
Einen Metaller kann man ja auch ansonsten anhand seiner Kleidung ganz gut beschreiben.
Was ich ja gemacht habe ;D
ein eindeutiger Hinweis für eine rechtsradikale Gruppe.
:D
Gruß
AWM
Hey @feurig und vielen Dank für deinen Kommentar
Ich bin mir inzwischen recht sicher, dass ich das Ende in dieser Form schwierig finde, weil ich nicht nachvollziehen kann, dass allen Beteiligten es völlig egal (zu sein scheint) ist, ob da jetzt einer der zweien niedergestochen rumliegt oder nicht.
Die Geschichte hieß ursprünglich "Teilnahmslos". Vielleicht wäre das ein besserer Titel gewesen. Es geht mir schon um ein Umfeld, das in der Hinsicht Gewalt abgestumpft ist. Aber ich sehe deinen Punkt und das Problem schon. Wenn ich es bei den Schritten enden lasse, ist es halt sehr abrupt. Aber ich denke, dass ich das so mache. Den Satz von Christian am Schluss habe ich schon gestrichen, womit ich glücklich bin.
Gruß
AWM
Hey @Manlio und vielen Dank für deinen Kommentar. Hast gute Punkte angesprochen.
Durch die Benamsung holst du die Personen aus der Anonymität, sie werden eine echte Gruppe von Individuen. Jeder hat offenkundig irgendwie mit jedem zu tun, denke ich mir, und das ist interessant.
Ein paar Namen habe ich schon gestrichen. Werde noch Sven und Sascha rausnehmen, die es nicht unbedingt braucht.
Christian ist ein bisschen der Perspektivträger hier, trotzdem hast du keine echte Hauptperson, und das finde ich sehr spannend. Im Grunde liegt der Fokus auf der Gruppe als solcher.
Genau. Es ist aus Christians Sicht erzählt und trotzdem nimmt er nicht wirklich Einfluss auf die Handlung und sie hat auch nicht wirklich mit ihm zu tun. Fand die Idee cool für eine Flash Fiction. Bei einem längeren Text würde das, denke ich, nicht funktionieren, weil er ja kein wirkliches Ziel hat, nicht wirklich Teil des Konfliktes ist. Der urspüngliche Titel war "Teilnahmslos". Fand ich ein wenig langweilig. Denke mir jetzt aber, dass er wahrschenilich aussagekräftiger gewesen wäre.
Woher weiß er das, wo hat er Norman gesehen? Könnte man Norman vorher einführen?
Aus dem Gespräch mit Lukas weiß er ja, dass Norman auf dem Sportfest ist und später kommt. Vielleicht verwirrt dich, dass da kein "später" steht und du hast das so gelesen, dass Christian weiß, dass Norman unmittelbar jetzt kommt.
Gruß
AWM
 
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02.05.2020
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Die Geschichte hieß ursprünglich "Teilnahmslos". Vielleicht wäre das ein besserer Titel gewesen. Es geht mir schon um ein Umfeld, das in der Hinsicht Gewalt abgestumpft ist. Aber ich sehe deinen Punkt und das Problem schon.
Interessanterweise würde dieser Titel wahrscheinlich bereits mein Problem an der Basis lösen. Denn letztendlich liegt mein Problem ja nicht in der Geschichte begründet, sondern eher an dem fiesen und für mich eher unangenehmen Gefühl, das deine Geschichte bei mir hinterlässt und das ich als unaufgelöst empfinde. Mit dem Titel "Teilnahmslos" wäre ich wahrscheinlich besser auf die tatsächliche "Teilnahmslosigkeit" als Ende eingestellt und hätte zwar immer noch dasselbe unangenehme Gefühl, es wäre mir allerdings durch die Titelwahl bereits angekündigt worden und wäre damit einfach abgeliefert.
Mein Punkt und Problem ist damit sicher immer noch verständlich, aber im Prinzip kannst du das Problem mit "Ist ja so gewollt" abhaken :)
 
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20.05.2017
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Moin @AWM !
Gutes Ding. Nüchterne Trunkenheit und Gewalt. Macht schwere Hände irgendwie. Und mir gerade ungute Lust, jemandem im Café einen Tisch übern Kopf zu ziehn, haha. Spaß. Vielleicht.
Mir sind n paar sprachliche Dinge aufgefallen:
Mit der Taschenlampe seines Smartphones leuchtet Christian den Waldweg vor sich aus. Regen tropft vom Blätterdach auf den Boden. In der Ferne dringt Licht aus dem Fenster des Bauwagens in die Nacht.
Hier merkt man mMn. sehr, dass Du einen Anfang suchst. Beschreibungen häufen sich, die Sprache ist etwas ungeschickt. Später fließt Du besser. Zur Sprache also: "Taschenlampe seines Smartphones" ist umständlich. Warum nicht gleich Smartphone? Wir wissen, wie die Dinger funzen. Also: "Mit dem Smartphone ... "
Der nächste Satz hat fast dasselbe Problem. Regen tropfte vom Blätterdach auf den Boden. Ja, no shit. Regen tropft runner und unten ist Boden. Also: "Regen tropfte vom Blätterdach."
Dritter Satz wieder: ... aus dem Fenster des Bauwagens in die Nacht.
Hier störts mich am wenigsten, aber man könnte darüber nachdenken, das "in die Nacht" zu streichen. Schließlich wissen wir bereits, dass unser Prota den Weg ausleuchtet, es somit also dunkel ist.
Das Zeug rinnt ihm vom Kinn auf seinen Pullover.
Das Zeug rinnt ihm vom Kinn.
Finde ich stärker, weils animalischer ist. Natürlich widersprechen sich die Sätze gar nicht, aber das evozierte Bild ist dreckiger, tierischer. Wir enden nicht auf dem Stoff des Pullovers, sondern bleiben am Kinn, den Bartstoppeln, den schmutzigen Tropfen. Bisschen Kameraarbeit.
Anton lässt die Klinge zwischen seinen Fingern weiter über den Holztisch rasen. Christian legt die Hand auf seine Schulter. Anton zuckt zusammen. Die Klinge schneidet in den Zeigefinger.
Das finde ich zu konstruiert irgendwie. Also dieses "absolute Monomanie wird durch Berührung des alten Freundes für einen Moment unterbrochen"-Ding. Fänds stärker, wenn er das Messer einfach in den Tisch rammen und den alten Kollegen anschnauzen würde. Das Blut ist mir hier zu symbolisch.

So. Nörgel nörgel. Gern gelesen.

LG
Sisorus
 

AWM

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Beitritt
26.03.2018
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401
Hallo @Sisorus und vielen Dank für deinen Kommentar. Du hast echt gute Anmerkungen gemacht. Habe sie alle umgesetzt - bis auf die Messerfinger-Stelle. Da muss ich noch ein bisschen überlegen, ob ich mich davon trennen kann.

Gruß
AWM
 
Senior
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12.04.2007
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Die Nase sieht breiter aus als früher.

Moin,

AWM,

Du hast es geschafft, dass ich das erste Mal in einen Onkelz-Text keineswegs zu- und reingehört, sondern -geschaut hab und ihn ganz manierlich find und über die Werbebotschaft über die Freiheit von Hilfsarbeitern der entsprechenden Zigarettenmarke will ich mal nicht referieren, gleichwohl wurden bei den großen Trecks der Viehtreiber auch Bauwagen mitgeführt und ziemlich viel getrunken. War halt eher ein Leben in Vogelfreiheit und Ähnlichkeiten zu dem modernen Bauwagen Deiner story wird es gegeben haben – da aber an der frischen Luft und wenn man der Fernsehserie „Cowboys“ (da begann übrigens Clint Eastwoods Karriere) immer dicke Bohnen zu Mittag und den Rest des Tageslichtes blaue Bohnen, um vor allem das Vieh zu treiben ... Aufgeklärter und mit wenig Pathos überzeichnet setzt dagegen der Spätwestern "Open Range".
Und schwingt nicht hier
Hat zu Tobi gesagt, er bereitet sich vor. Wird krass, wenn Norman nachher kommt.“
ein kleines "High Noon" oder besser so was wie Westernmentalität mit?

Ein karges Leben – wie in und sicherlich um Deinen Bauwagen herum.

Bei „Mayhem“ musst ich mich – alles andere als ein Vorwurf oder Störung des vielgerühmten Leseflusses, wo immer der fließen mag - informieren, was sich hinter dem „Mai...“ oder „mögen…“ verberge. Da klag ich nicht, sondern freu mich, mein bescheidenes Wissen erweitert zu haben.

Paar Anmerkungen nebst winziger Flusenlese

Mit seinem Smartphone leuchtet Christian den Waldweg vor sich aus.
Nix falsch daran – aber es wird immer öfter das Reflexivpronomen gebraucht, wo es „eigentlich“ entbehrlich ist, ob man nun schlicht in den Spiegel schaut oder den Weg „vor sich“ ausleuchtet. Wäre es nicht eher erwähnenswert, wenn er den Weg „hinter sich“ ausleuchtete?

Der Asbach-Cola …
bestimmt nicht der zwote Teil das gramm. Geschlecht von Zusammensetzungen, wie „das Treppenhaus“, aber die „Haustreppe“?

Hier fehlt was
Der dreht sich Egbert und Tobi, sagt:
mutmaßlich ein „zu“

Und ist das so, dass man nur noch Aussagesätze von sich gibt (wiewohl die Sprachmelodie dergleichen vorgaukeln kann, wie vllt, hier schon):
„Eine Zehnerkarte und ein Bier, bitte.“
oder sollen nur laute Laute wie
„Fünferpasch!“
jenseits des Standardsatzes Bestand haben, was schon kurz darauf
„Scheiße“, sagt Tobi …
widerlegt wird. - Vielleicht soll aber das Signal zu Wunsch und Bitte und Fluch etc. Symbol der Tristesse sein

Christian legt die Hand auf seine Schulter.
Auf die recht oder die linke? Besser Plural, „Schultern“

Das "gern" schließt sich bei der Thematik eher aus, gleichwohl nicht ungern gelesen vom

Friedel
 
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AWM

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Hey @Friedrichard und vielen Dank für deinen Kommentar
ein kleines "High Noon" oder besser so was wie Westernmentalität mit?
Ja, die Assoziation ist nicht verkehrt.
Bei „Mayhem“ musst ich mich – alles andere als ein Vorwurf oder Störung des vielgerühmten Leseflusses, wo immer der fließen mag - informieren, was sich hinter dem „Mai...“ oder „mögen…“ verberge. Da klag ich nicht, sondern freu mich, mein bescheidenes Wissen erweitert zu haben.
Hatte zuerst eine andere Band (Burzum), was dazu führte, dass mit den Onkelz und Normans kurz geschorenen Haaren eine Lesart hin zu Rechtsextremen anscheinend nahe lag. Darauf wollte ich thematisch nicht hinaus, also habe ich jetzt Mayhem drin. Hoffe, du magst sie ;)
Nix falsch daran – aber es wird immer öfter das Reflexivpronomen gebraucht, wo es „eigentlich“ entbehrlich ist, ob man nun schlicht in den Spiegel schaut oder den Weg „vor sich“ ausleuchtet. Wäre es nicht eher erwähnenswert, wenn er den Weg „hinter sich“ ausleuchtete?
Ändere ich. Hab glaube ich noch nie so viele Anmerkungen für den ersten Satz bekommen :D Der ist mittlerweile ganz schön geschrumpft und besser geworden.
bestimmt nicht der zwote Teil das gramm. Geschlecht von Zusammensetzungen, wie „das Treppenhaus“, aber die „Haustreppe“?
Wahrscheinlich schon und mit deinen Beispielen hast du recht. Bei uns (BaWü) sagt man ein Vodka-Red Bull, ein Asbach-Cola etc. Auch in meinem jetzigen Wohnort (Salzburg) ist das so. Für mich hört sich eine Asbach-Cola also total komisch an, weil ich das, glaube ich, noch nie jemanden sagen hören habe und ich kann mich damit nicht anfreunden.
mutmaßlich ein „zu“
Danke! Hab ich recht lange nicht gecheckt. Dachte, du meinst da fehlt ein "sagt zu ihnen". Gleich verbessert.
Vielen Dank für deinen Besuch und Gruß
AWM
 
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dass mit den Onkelz und Normans kurz geschorenen Haaren eine Lesart hin zu Rechtsextremen a

Hoppela - der John Lennon der Plastic Ono Band hatte sich für (oder doch besser: zu) "Mother" die Haare auf Vietnam-Nahkampf-Kürze schneiden lassen. Ob Klaus Voorman (der Bassist der Band zu der Zeit) auch, weiß ich nicht, Ihn könnte man ja noch fragen ...

Tschüss

Friedel
 
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Lieber @AWM ,

habe mich gefreut zu lesen, dass du etwas Neues gepostet hast. Bin ich mehrmals durchgegangen und habe viele Dinge rauszitiert, aber wollte nicht gleich kommentieren. Ich hoffe, dass ich den Sinn der Zitate zusammenbekomme.
Du hast den Text, glaube ich, zwischen meinem ersten und zweiten Lesedurchgang ordentlich umgestellt (zum Guten). Der erste Lesedurchgang hat mich nicht so abgeholt, beim zweiten Durchgang war ich viel mehr mit dabei. Da habe ich auch deine Handschrift mitgelesen.

kreuzt mit einem Kugelschreiber drei 50-Cent-Felder auf einer gelben Karte durch und stellt ein Bier auf den Tresen.

das mochte ich und es ist eines von diesen Details, die ich an deiner Beobachtung schätze.

Hand auf den Arsch

Da bin ich kurz gestolpert, dachte über die Perspektive nach. Also wer das erzählt. Ob das kongruent ist. Bin da nicht zu einem Fazit gekommen, aber reagiert habe ich darauf schon.

Mit der anderen Hand holt er ein Taschenmesser aus der Hose und haut die Klinge zwischen seine Finger. Sie rast hin und her: tak, tak, tak, tak.

Sehr schön. Gute Syntax und gut gelöst das mit dem Klang.

„Weißt du noch, wie wir immer Messerfinger nach der Schule an der Bushaltestelle gespielt haben?“, fragt Anton. Anton legt seine Hand auf den Tisch und spreizt die Finger. Auf der Haut kreuzen sich Blutkrusten. Mit der anderen Hand holt er ein Taschenmesser aus der Hose und haut die Klinge zwischen seine Finger. Sie rast hin und her: tak, tak, tak, tak. Christian sagt nichts. Anton schaut ihn das erste Mal heute Abend an. Er lächelt. In seinen wässrigen Augen spiegeln sich die Lichterketten, die über den Fensterrahmen hängen.
„Der ist es nicht wert. Lass gut sein und geh“, sagt Christian. Anton lässt die Klinge zwischen seinen Fingern weiter über den Holztisch rasen. Christian legt die Hand auf seine Schulter. Anton zuckt zusammen. Die Klinge schneidet in den Zeigefinger. Blut fließt auf das Holz, sammelt sich in den Rillen.
Anton saugt Luft durch die Zahnzwischenräume, dreht sich zu Christian und sagt: „Ich brauch dich nicht.“ Er steckt das Messer zurück in seine Hosentasche.

Das kam mir konstruiert vor. So den Harten/Psycho vorspielen. Vor allem weil er es Christian dann nochmal so vorführt. Er hat nicht diese beängstigende Ruhe. "Ich brauche dich nicht" klingt bitter, muss aber auch schon sehr viel leisten. Da wird Christians und Antons Geschichte aufgemacht. Braucht es das? Dass sie in der Schule befreundet waren, reicht mir. Außerdem ist Christians Spruch "Der ist es nicht wert ..." ja auch kein "Ich bin für dich da", auf das Antons Antwort angemessen wäre.

„Satanist, der jetzt auf Jesus macht oder was.“ Die beiden lachen. Norman packt den Becher und schüttet Anton den Asbach ins Gesicht. Wieder füllt er den Becher und schiebt ihn zu Norman zurück.

fand ich gut. Die Sprache ist sehr plump und das soll sie


Dann kam die zweite Lese-Runde.

des Bauwagens

das habe ich erst aus den Kommentaren und dann beim zweiten Lesen erfahren. Ich dachte vor allem wegen der räumlichen Größe, es wäre ein (Jugend- oder Ruinen-)Club. Über 'Bauwagen' habe ich am Anfang drübergelesen. Und das finde ich schwierig. Denn es ist ja etwas Ungewöhnliches und du nennst das nur mit einem Wort: "Bauwagen" das muss alles leisten. Da wünsche ich mir ein zwei Sätze mehr. Wo dieser Bauwagen vorher gestanden hat, wessen Onkel den spendiert hat, etc. damit das hängen bleibt. Gerade am Anfang. Dann ist es verortet.

Ganz hinten in der Ecke

Verortung ist für mich das Problem des Textes. Das soll alles in diesem Bauwagen stattfinden. Ich weiß ja nicht, wie groß das Teil ist, aber die ganzen Szenen, Einzelgespräche, Bar etc. Was dort stattfinden soll, sehe ich in einem viel größeren Raum. Ich kann es mir dort nicht so richtig vorstellen.
"Ganz hinten in der Ecke", bei solchen Beschreibungen könntest du perfekt einfach noch mehr über das Inventar des Bauwagens erzählen. Ecke ist abstrakt.

nickt in Antons Richtung.
Lukas sagt: „Das erste Mal, dass der wieder hier ist.

vielleicht Anton anstatt durch den bloßen Namen beschreiben.

Lukas sagt: „Das erste Mal, dass der wieder hier ist. Tobi war letztens bei dem daheim. Musste was für die Eltern streichen. Der Psycho ist nur noch in seinem Zimmer und haut gegen Holz. Will, dass die Nerven an den Schienbeinen und Fäusten absterben. Hat zu Tobi gesagt, er bereitet sich vor. Wird krass, wenn Norman nachher kommt.“

Fällt für mich etwas raus. Das ist so akkurat verkürzt. Da fehlt mir das Plumpe. Die Ellipsen sitzen zu perfekt :p (solche Kommentare liebt man ja: zu perfekt – runterdummen!)

Beim zweiten Lesen war ich mehr drin. Fand das offene Ende gut. Ausschnitt aus etwas Größerem?? :)
Schönes Stück jedenfalls. Baustellen sehe ich bei der anfänglichen Klärung des Ortes: Bauwagen. Bei der Beschreibung des Inneren des Bauwagens. Beim genannten Ellipsen-Dialogschnipsel; bei der Fingerstech-Szene. Der Konflikt später hingegen ist gut spürbar. Auch wenn ich da auf eine plötzliche Entladung nach der Asbach-Demütigung gewartet habe. Vor allem, weil ein Messer im Spiel ist und Blut und Alk und der dieses Fingerhack-Spiel macht. Anyways: Gern gelesen

LG
Carlo
 
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Ich finde das eine sehr gute Story. Das Sujet, die Figuren, der Konflikt, das wirkt sehr authentisch auf mich. Ich kenne diese Metalszene, diese Partys in Bauwägen auf dem Dorf. Mir gefällt auch die Sprache, die du hierfür nutzt.
Meiner Meinung nach fände ich den Burzum-Pulli gut und stimmig im Text. So ist das nun mal in dieser Szene: Leute laufen mit Burzum-Pullis rum, es laufen die Onkelz. Deswegen gleich ein politisches Fass aufzumachen und den Text als Neonazistudie zu sehen, halte ich für überzogen. Du zeigst hier lediglich, was ist. Mir kam das sehr authentisch vor, weil ich es so kenne, und ich dachte nicht daran, da die Onkelz ins rechte Licht gerückt zu sehen o.ä.
Ich hab kein Problem mit den vielen aufkommenden Figuren und Personennamen. An ein paar Stellen könntest du Personalpronomen durch Figurennamen ersetzen, das würde schon klarer gestalten (siehe unten).
Das Ende ist für meinen ganz persönlichen Geschmack einen Tick zu offen, weil ich schon gerne wissen wollen würde, was nun aus Anton und seinem Schänder geworden ist, wer wen verprügelt hat. Die einzige Stelle, in der ich die Motivation einer Figur nicht zu 100% nachvollziehen konnte, war, als Anton seinem Peiniger den Becher immer wieder auffüllt und zuschiebt. Wieso macht er das? Ich fände es organischer, wenn Anton sich einschenkt und den Becher dem Peiniger nicht zuschiebt, sondern ihn einfach vor sich stellt, den Blick nach unten geneigt. Der Peiniger greift dann zu und schüttet es Anton über den Kopf und Anton schenkt den Becher wieder voll und stellt ihn vor sich, dann wieder dasselbe. Da würde das Mobben klar für mich herauskommen. Auch der Versuch Antons, durch Autorität zu dominieren, was ihm nicht gelingt. So wie es jetzt ist verstehe oder spüre ich Antons Motivation nicht ganz. Ich meine zu verstehen, was du mit dem Zuschieben des Bechers meinst oder intendierst, aber es fühlt sich für mich in der Situation nicht ganz stimmig und irgendwie ein wenig drüber an.
Alles Meckern auf hohem Niveau. Ich hoffe du verträgst mein endloses Lob. Ich finde den Text wirklich gut, auch in seiner Kürze, Fokussiertheit und Kompromisslosigkeit. Der Leser bleibt Beobachter, kann sich selbst zusammenreimen, was passiert und passiert ist.

An der Bar schenkt Lukas aus. Auf dem Tresen liegt ein Big Pack Marlboro Rot.
„Servus Christian“, sagt er.
Ich würde statt „er“ Lukas schreiben. Ansonsten weiß man nicht direkt, wer hier gemeint ist. Gerade, nachdem einige Figuren eingeführt wurden.
„Scheiße“, sagt Tobi und fährt sich durch den Kinnbart. Er kippt einen Becher Vodka Big Pump weg. Das Zeug rinnt ihm vom Kinn.
Dasselbe hier, würde Tobi schreiben
Anton zuckt mit den Schultern. „Norman kommt noch. Besser, du gehst“, sagt Christian.
Neue Zeile nach „Schultern“. Ansonsten denkt man zuerst, Anton würde das sagen

Viele Grüße
 
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Lieber @AWM

deine Story hat mich gleich von Anfang an gepackt. Düsteres Setting, super beschrieben, geiles Kopfkino.

Hier ein paar Anmerkungen:

Mit seinem Smartphone leuchtet Christian den Waldweg aus. Regen tropft vom Blätterdach. In der Ferne dringt Licht aus dem Fenster des Bauwagens. Christian geht schneller. Als er die Gitterstufen hinaufsteigt, spürt er das Vibrieren der Bässe. Er öffnet die Metalltür und tritt in die Hitze. Rauch steht in der Luft, brennt in den Augen. Die Onkelz singen: „Lass es zu, dass die Zeit sich um dich kümmert. Hör mir zu und mach es nicht noch schlimmer."

Genialer Einstieg. Ich bin sofort voll dabei :thumbsup:

Neben dem Tresen tanzen Miriam und Björn Walzer zu den Onkelz.

Da du oben die Band schon erwähnt hattest, könnte man es hier streichen.

„Lange nicht gesehen“, sagt Christian. Anton nickt. „Warum bist du hier?“, fragt Christian. Anton zuckt mit den Schultern. „Norman kommt noch. Besser, du gehst“, sagt Christian.

Ich würde jeweils ne neue Zeile beginnen, wenn die Personen wechseln.

„Weißt du noch, wie wir immer Messerfinger nach der Schule an der Bushaltestelle gespielt haben?“, fragt Anton. Anton legt seine Hand auf den Tisch und spreizt die Finger.

Vorschlag: ... fragt Anton, während er seine Hand auf den Tisch legt und die Finger spreizt.

Anton schaut ihn das erste Mal heute Abend an.

Könnte man streichen da logisch.

„Schlag zu!“, flüstert er ihm ins Ohr.

Ausrufezeichen

Satanist, der jetzt auf Jesus macht oder was?

Fragezeichen

Liebe Grüße und einen schönen Feiertag,
Silvita
 

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