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Ende einer Karriere

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24.06.2015
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Ende einer Karriere

Richard P. Dawn saß daheim vorm Kamin mit einem Glas Rotwein und den Gewinnprognosen für das nächste Quartal. Er wusste die Kritik seines Sohnes zu schätzen. Zweifellos hatte er ein paar innovative Ideen, aber er dachte nicht langfristig genug. Und so schlecht sahen die Zahlen nicht aus. Eine Steigerung von 1,2 Prozent … er hatte es noch drauf. Jonathan hatte das Potenzial, die Firma eines Tages zu übernehmen. Noch war es nicht so weit – noch lange nicht. Den Vorstand wusste Richard – allen Intrigen seines Sohnes zum Trotz – nach wie vor hinter sich.

Es klingelte – ein Mal, zweimal, beim dritten Mal länger. Das war ungewöhnlich. Nein, es war unerhört. Wofür wurde der Portier eigentlich bezahlt, wenn jemand einfach so, unangekündigt, bis zu seiner Wohnungstür vordringen konnte? Er griff das Telefon, wählte die Nummer des Portiers. Niemand hob ab. Was zum Teufel war da los? Das Klingeln an der Tür hörte nicht auf und ging ihm zunehmend auf die Nerven. Wütend stapfte Richard P. Down zur Tür. Er öffnete sie ruckartig.

„Wie kommen Sie …“ Ein junger Mann im billigen Anzug eines Vertreters stand ihm lächelnd gegenüber. Er ergriff seine Hand – ein leichtes Stechen in der Handfläche, trug wenig dazu bei Mr. Dawns Stimmung zu heben – und fiel ihm ins Wort: „Hi, Richard – ich darf doch Richard sagen? Ich bin Dan und ich bin hier im Auftrag von PR, Progressiv Retirement. Darf ich …“ Richard P. Dawn war kein geduldiger Mann. Genauer gesagt war er recht cholerisch – ganz besonders, wenn man ihn an einem seiner wenigen freien Abende in seinen eigenen vier Wänden belästigte. „Sie dürfen nicht. Weder das eine, noch das andere!“, plauzte er heraus, „Verschwinden Sie! Wie kommen Sie überhaupt hier hoch? Warum hat Sie der Portier …“

Der Mann schob ihn, mit einer Kraft, der er trotz aller Wut nichts entgegenzusetzen hatte und die doch nicht gewalttätig wirkte, in die Wohnung. „Der Portier ist leider indisponiert und wir sollten unsere Geschäfte wirklich drinnen besprechen. Sie sind … persönlicher Natur.“ Richards Gesicht lief rot an, seine Halsschlagader begann spürbar zu pulsieren, die Arterien an seinen Schläfen traten hervor. „Wir haben keine Geschäfte zu bereden. Ich kaufe nichts! Und jetzt verschwinden Sie, oder ich rufe den Sicherheitsdienst.“ Erfolglos versuchte er den Eindringling zurückzudrängen. „Ich fürchte der Sicherheitsdienst ist auch indisponiert, außerdem gibt es wohl ein Problem mit der Telefonanlage. Und wir haben in der Tat dringende Geschäfte zu bereden.“ Richards Geduld war nun endgültig am Ende. Eine solche Impertinenz hatte er noch nicht erlebt. „Haben Sie nicht verstanden? Verschwinden Sie aus meiner Wohnung!“, schrie er und fuchtelte in dem hoffnungslosen Versuch den Angreifer zu treffen mit seinen zu Fäusten geballten Händen um sich. Schließlich ging er dazu über, laut um Hilfe zu schreien.

„Richard, nun beruhigen Sie sich doch.“, die Stimme des Vertreters – oder sollte das eine Entführung werden? – klang ruhig und warm, „Sie wissen doch, dass Sie niemand hören kann. Ich verstehe Ihre Irritation, aber Sie können versichert sein, dass ich nicht ohne triftigen Grund in Ihre Privatssphäre eindringe.“ Richard wusste nicht wirklich warum und doch gelang es seinem Gegenüber ihn mit diesen Worten etwas zu beruhigen. „Und was soll nun dieser triftige Grund sein?“, hakte er mürrisch aber doch deutlich ruhiger nach. „Es geht um Ihren baldigen Tod, Richard, und mit bald meine ich: in knapp drei Stunden. Vielleicht haben Sie bei unserer Begrüßung das leichte Stechen in Ihrer Handfläche gemerkt. Es handelt sich um ein schwer nachweisbares, hochwirksames Nervengift. Aber keine Angst: Obwohl die Auswirkungen bei einer Obduktion denen eines Herzinfarktes stark ähneln, wird Ihr Tod beinahe schmerzfrei sein. Darauf legen wir großen Wert. Und auch darauf, dass unsere Kunden vor Ihrem Tod noch die Möglichkeit haben, einige wichtige Angelegenheiten zu regeln und natürlich, dass keiner unserer Kunden allein sterben muss. Richard, niemand sollte allein sterben müssen. Ich werde für Sie da sein – bis zum letzten Atemzug. Da können Sie ganz beruhigt sein.“

Richard P. Dawn war nicht beruhigt. Allerdings auch nicht wütend oder verzweifelt – eigentlich fühlte er gerade … nichts. Er setzte sich in einen seiner edlen, bequemen Ledersessel – nicht dass es irgendeinen Unterschied gemacht hätte, wenn er sich stattdessen auf einen Holzschemel gesetzt hätte, doch so etwas gab es in seinem Appartment nicht. Und genau das ging ihm in diesem Moment durch den Kopf – das und dass es wahrscheinlich ausgesprochen unpassend war, sich in einem Moment wie diesem, über seine Inneneinrichtung Gedanken zu machen.

„Seien Sie beruhigt Richard“ – die Stimmlage seines Mörders erinnerte Richard stark an die seines Therapeuten – „es gehen Ihnen jetzt sicher sehr verwirrende Gedanken durch den Kopf – das ist ganz normal. Sie stehen unter Schock. Auch das ist ganz normal. Allerdings verlangt es die begrenzte Zeit, die uns zur Verfügung steht, dass Sie trotz allem versuchen sich zu konzentrieren. Wir von *Progressiv Retirement* wollen, dass Sie würdig und gelassen aus dieser Welt gehen. Im Moment scheint Ihnen die Vorstellung in wenigen Stunden nicht mehr da zu sein natürlich erschreckend. Aber ich möchte versuchen Ihnen vor Augen zuführen, welch ein großer Gewinn Ihr unverhofftes Ableben zu eben diesem Zeitpunkt in Ihrer Karriere für Ihr Lebenswerk darstellt.“

Richard fragte sich, ob er sich gerade verhört hatte, das war einfach zu absurd. Erneut kochte die Wut in ihm hoch: „Gewinn, wollen Sie mich verarschen? Reicht es nicht, dass Sie mich ermorden?“, schrie er seinen Angreifer an. „Richard,“, die Stimme seines Gegenübers war ruhig und bestimmt und beinahe hypnotisch, „Richard, beruhigen Sie sich. Es ist ganz natürlich, dass Sie wütend auf mich sind, weil Ihr Leben durch mich endet. Aber wir von Progressive Retirement sind kein ‚Mörder’.“ – „Keine Mörder?!“, fiel Richard ihm ins Wort, „Wie nennen Sie es denn dann, einem Menschen einfach so zu vergiften.“

„Richard seien Sie versichert, wir sind mit Ihrem Sohn, eine Vielzahl alternativer Möglichkeiten für die Gestaltung Ihres Rückzugs aus der aktiven Firmenleitung …“ „Mein Sohn?“ Jetzt war Richard endgültig außer sich. „Jonathan die kleine Schildlaus? Er hat Sie beauftragt, mich kalt zu machen?“ – „Nun, Ihr Sohn …“, der Mann ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, „Ihr Sohn bevorzugte zunächst eine Alternativlösung, aber er hat schnell eingesehen, dass diese Ihnen gegenüber respektlos, ja ich möchte sagen lieblos gewesen wäre.“ – „Was soll denn respektloser und liebloser sein, als mich umbringen zu lassen?“

„Ihr Sohn dachte daran, Sie in den Ruhestand zu schicken – in eine luxuriöse Seniorenresidenz.“ „Ha, darauf hätte ich mich nie …“, Richard war wütend und verwirrt zugleich. Natürlich wäre ein luxuriöser Ruhestand viel liebe- und respektvoller gewesen, als seine Ermordung. Aber dennoch: Wie konnte Jonathan auch nur einen Moment daran denken, ihn – jetzt – in Rente zu schicken? Wie hatte er sich das vorgestellt. „Darauf hätten Sie sich nie eingelassen“, beendete sein Mörder den angefangenen Satz, „und das zu Recht. Sie sind nach wie vor ein erfolgreicher Geschäftsmann – immernoch auf dem Höhepunkt Ihre Karriere. Das heißt natürlich nicht, dass es uns nicht möglich gewesen wäre, Sie zum Rücktritt zu zwingen, Sie notfalls sogar entmündigen zu lassen. Aber was für ein Ende wäre das für einen Mann wie Sie gewesen? Wie würde die Öffentlichkeit, wie würden Ihre Geschäftspartner Sie im Gedächtnis behalten? Als einen Mann, der nicht wusste, wann es Zeit war, für ihn zu gehen. Und wenn Sie dann nach Jahren im Altersheim – nennen wir es doch beim Namen, wie kostspielig die ‚Seniorenresidenz’ auch sein mag, sie bleibt doch ein Altersheim. – Also wenn Sie schließlich irgendwann nach körperlichem und geistigem Zerfall, den das Alter nun mal mit sich bringt, einen schmerzhaften Tod gestorben wäre, würde sich niemand mehr an Sie erinnern können, wenn er Ihre Todesanzeige in der Zeitung liest.“

Langsam wurde Richard bewusst, dass der erste Eindruck, den er von diesem Mann und seinem billigen Anzug gehabt hatte, so falsch gar nicht gewesen war: Er war ein Vertreter. Nur versuchte er ihm keine Industrieroboter oder IT-Serviceleistungen schmackhaft zu machen, sondern sein vorzeitiges Ableben. „Hören Sie mal!“ – „Dan“, unterbrach ihn der Vertreter des Todes, „Sie dürfen mich ruhig Dan nennen.“ – „Hören Sie, Dan! Was immer Sie mir hier erzählen, ich hätte gerne noch ein paar Jahre weitergelebt, und ich hätte auch gerne noch ein paar Jahre das Unternehmen geleitet, das ich …“, Richards Stimme wurde nun laut und brüchig, als Trauer sich in seine Wut mischte und versuchte Tränen über seine wutrotes Gesicht zu vergießen, „… das ich mit meinen eigenen Händen aufgebaut und zu einer der erfolgreichsten Unternehmen unserer Branche gemacht habe.“

„Das haben Sie, Richard, und jeder bewundert Sie dafür. Und so soll man Sie in Erinnerung behalten. Genau das und der fortschreitende Erfolg Ihrer Firma sind die beiden Dinge, die Ihrem Sohn am wichtigsten sind. Glauben Sie mir. ‚Ich bin so stolz auf das Werk meines Vaters!’ Das waren seine genauen Worte. ‚Ich will sein Erbe in das neue Jahrtausend tragen!’, so hat er sein Anliegen mir gegenüber persönlich formuliert. Und so, wie ich Sie in meinen Recherchen für dieses Projekt kennengelernt habe – und glauben Sie mir: Niemand kennt Sie besser als ich, Richard! Es ist mir immer ein großes Anliegen, mich mit meinen Klienten im Vorfeld genauestens vertraut zu machen. – Ihre Firma und deren Erfolg und dass dieser Erfolg mit Ihrem Namen verbunden bleibt, das ist doch auch Ihr größtes Lebensziel. Sie stehen kurz davor dieses Ziel zu erreichen, dank des Engagements Ihres Sohnes. Und er hat alles, was er weiß und kann, vor allem die Leidenschaft für die Firma und die Familie – all das hat er von Ihnen. Richard, Sie können stolz sein auf Ihren Sohn. Jonathan ist so weit, in Ihre Fußstapfen zu treten. Glauben Sie mir. Ja, er muss noch viel lernen, aber das wird er, weil er das Wichtigste längst von Ihnen gelernt hat: ‚Alles für die Firma und die Firma für die Familie!’ Ein guter Leitspruch, wirklich Richard!“

„Wollen Sie mir jetzt einreden, ich kann die Zukunft der Firma beruhigt in die Hände meines Sohnes übergeben, weil er mich ermorden lässt?“ – „Weil er bereit ist, alles für den Erfolg der Firma und für ‚Ihr Gedächtnis’ zu tun, Richard.“ – „Hören Sie auf, mich Richard zu nennen, Dan. Sie kennen mich nicht! Ich weiß nicht, was mein Sohn Ihnen erzählt hat und was diese Anspielungen auf mein Gedächtnis sollen. Ich bin gewiss noch nicht dement und noch nicht senil. Ich weiß noch sehr gut, wie man eine Firma zu führen …“

„Richard – Mr. Dawn, wenn Ihnen das lieber ist – niemand zweifelt an Ihrem Verstand und Ihren Führungsqualitäten. Aber wie lange wären Sie wohl noch in der Lage, die Firma nicht nur zu leiten, sondern auch voran zu bringen? Statistisch gesehen lassen die Innovations- und die Führungskompetenz von Managern bereits ab dem siebenundfünfzigsten Lebensjahr deutlich nach. Ich habe mir die Vorstandsberichte der letzten zehn Jahre, gründlich angesehen und Richard – ich darf doch bei dieser vertraulichen Anrede bleiben – Sie sind wirklich eine Ausnahmepersönlichkeit: Sie führen die Firma bis zum heutigen Tage vorbildlich. Aber wie lange noch? Und glauben Sie wirklich, Sie würden es selber merken, wenn Sie nachlassen? Die Firma, die Arbeit – das ist Ihr Leben …“

„Ja! Verdammt! Das ist mein Leben“, schnaubte Richard, das Pochen des Blutes hinter seinen Schläfen schien immer lauter zu werden, ein drückender Schmerz, breitete sich in seiner Brust aus, „Und das wollen Sie mir nun nehmen!“ Richard gelang es nun nicht mehr, die Tränen zurückzuhalten, er bekam kaum noch Luft. War es das? War es nun so weit. Mit besorgtem Gesichtsausdruck kam Dan auf ihn zu, knöpfte sein Hemd auf, fächelte ihm Luft zu und reichte ihm ein Glas Wasser. „Richard beruhigen Sie sich! Bitte! Wir wollen doch nicht, dass Sie am Ende noch einen Herzinfarkt erleiden!“

Das war zu viel. Die ganze Situation, sie war einfach zu absurd. All die Wut, Verzweiflung, ja selbst die Todesangst, löste sich auf einmal in Richard und brach in einem lauten, kaum enden wollenden Lachanfall hervor. „Sie machen sich Sorgen, dass ich an einem Herzinfarkt versterbe, bevor Ihr Gift mich umbringt?“, grölte er. „Richard“, die Stimme der Vertreters oder Mörders oder Therapeuten – was immer da Richard vor sich hatte – klang nun sehr ernst, „Ich bin hier, um Sie vor Leid zu bewahren. ‚Meinem Vater soll es gut gehen’, das war der Wunsch Ihres Sohnes und dafür werde ich sorgen. Herzinfarkt! Das ist ein schrecklicher, schmerzhafter Tod. So – verzeihen Sie die Ausdrucksweise – so zu verrecken haben Sie ebenso wenig verdient, wie an Altersschwäche zu sterben. ‚Er schlief still und friedlich ein!’, liest man oft in der Zeitung. Wenn man Glück hat, ist das das Ende, nachdem man tagelang langsam erstickt und vertrocknet ist. Glauben Sie mir, so wollen Sie nicht enden. Ihr Tod wird nicht völlig schmerzfrei sein, aber es wird gut zu ertragen sein. Und Richard: Sie werden nicht allein sein, wenn Sie gehen. Das verspreche ich Ihnen. Niemand sollte alleine sterben müssen.“

Richard sah Dan in die Augen. Er war immer ein guter Menschenkenner gewesen. Das war wichtig in seinem Job. Man musste erkennen, wer einen anlügt oder einem nur in den Arsch kriecht, um selbst einen Vorteil zu haben. So abwegig es schien: Dans Sorge, ja alles, was er sagte, wirkte aufrichtig. Und wenn er recht hatte? Wenn Jonathan wirklich nur das Beste für die Firma wollte und für ihn. Er war, wenn er ehrlich war, immer stolz gewesen auf seinen Sohn. Er hatte viel an Persönlichkeit von ihm geerbt und viel über das Geschäft von ihm gelernt.

„Wenn Sie erlauben Richard. Ich weiß, ich klinge ein wenig, wie ein Vertreter“, sagte Dan, nun mit einem Augenzwinkern, „Aber Ihnen waren harte Zahlen und Fakten doch immer wichtig. Ich habe eine kleine Präsentation vorbereitet“, sagte er, in dem er einen Laptop aus einer Aktentasche hervorholte, die Richard bisher gar nicht wahrgenommen hatte.

Die Präsentation war wirklich sehr gut gestaltet, musste Richard einräumen. Sie enthielt alles: Statistiken über den Zusammenhang von Alter der Firmenleitung und Entwicklung des Marktwertes großer Familienunternehmen. Statistiken zu den diversen gesundheitlichen Problemen im Alter, zum Zusammenhang zwischen der öffentlichen Wahrnehmung der Leistungen eines Top-Managers und dem Abstand zwischen seinem Ausscheiden aus der aktiven Firmenleitung und seinem Tod, sowie einige sehr informative Ausführungen zum Sterbeverlauf bei einigen häufigen Todesursachen. „Diese kleine Präsentation war es, Richard, die Ihren Sohn letztlich davon überzeugt hat, eben jene Option für Ihr Ausscheiden aus der aktiven Firmenleitung zu favorisieren, die wir beide nun umsetzen.“, der Vertreter hielt kurz inne, bevor er fortfuhr. „Leider bleibt uns nicht mehr viel Zeit und wir haben noch einige wichtige Unterlagen durchzugehen. Sie wissen, dass Jonathan zurzeit nicht Ihr Haupterbe ist und dass noch nicht sichergestellt ist, dass er nach Ihrem Ausscheiden auch wirklich die Firmenleitung übernimmt. Nach dem, wie sich Ihr Sohn nun für Sie und für die Firma eingesetzt hat, wollen Sie das sicher ändern. Ich habe da einige Schriftstücke vorbereitet – natürlich großzügig zurückdatiert. Ihr Notar ist wirklich sehr kooperativ. Ich zeige Ihnen, wo Sie jeweils unterschreiben müssen und kann Ihnen selbstverständlich gerne, die Bedeutung jedes Schriftsatzes bei bedarf ausführlich erläutern.“

Zuerst zögernd, dann aber doch beherzt ergriff Richard den Federhalter, den ihm sein Gegenüber entgegenstreckte und setzte – ohne nachzufragen – Unterschrift um Unterschrift an die bezeichneten Stellen. Es waren viele Unterschriften und mit der Zeit merkte Richard, wie seinen Kräfte ihn mehr und mehr verließen. „Hier! Nur noch eine. Dann haben wir es geschafft. Das haben Sie wirklich gut gemacht Richard. Richard? Ist es schon so weit?“

Der Schmerz in Richards Brust war anders als vorhin – mehr ein Ziehen. Es war unangenehm aber auszuhalten. Das Atmen fiel ihm zunehmend schwerer, aber das Gefühl zu ersticken blieb aus. Er merkte nur, wie er langsam wegdämmerte. Dan nahm seine Hand. „Haben Sie keine Angst Richard. Sie sind nicht allein. Bald haben Sie es geschafft.“, beruhigend redete er aus Richard ein, bis der ihm ein Zeichen gab, zu schweigen und mit dem Ohr näher an seinen Mund zu kommen.

„Dan – heißen Sie wirklich so?“, flüsterte er. Dan lächelte: „Natürlich nicht, aber Sie dürfen mich wirklich gerne Dan nennen.“ – „Dan, ich bin stolz auf meinem Sohn. Sagen Sie ihm das.“ – „Das werde ich. Und ich weiß, dass er auch stolz auf Sie ist. Er kann stolz auf Sie sein. Man wird Sie nicht so schnell vergessen. Richard … Richard?“

Natürlich wusste Samuel, dass Richard tot war. Es war sein Job, das zu wissen, wie es sein Job war, dafür zu sorgen. Aber diesmal war es nicht einfach Routine. Samuel bewunderte Richard für sein Lebenswerk. Er war stolz, dass er ihn auf seinem letzten Weg hatte begleiten dürfen. Er packte die Papiere zusammen, bevor er alle Spuren seines Besuche routiniert beseitigte. Bevor er die Tür schloss, schaute er noch einmal zu Richards Leiche. „Ein großer Mann!“, ging es ihm durch den Kopf. Am liebsten hätte er ihm die Augen und den Mund geschlossen, aber das wäre unprofessionell gewesen. Menschen, die allein in ihrer Wohnung eines natürlichen Todes sterben, findet man nun einmal nicht mit geschlossenem Mund und geschlossenen Augen vor.

Richard P. Dawn war nicht allein, als er starb.

 

Ich weiß nicht, was mit meinem
Bildschirm los ist, aber ich sehe nur
Sterne*. Sterne* und nur halb voll
geschriebene Zeilen.

Und damit Herzlich Willkommen bei den Wortkriegern, SebasTEAn.

Schau doch mal, ob nur ich das so sehe :D

Nach einer Überbeitung lese ich mir den Text gerne durch. Bitte mache aber nur Absätze, wo es notwendig ist. Das sieht mir auch schon nach zu vielen aus :hmm:

Viel Spaß hier und viele Grüße,
GoMusic

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo sebasTEAan,

oh ja, das sind definitiv zu viele Absätze, das solltest du dir noch einmal genau anschauen und korrigieren. Ist zwar "nur" eine Formatierung, aber dennoch wichtig dafür, wie ein Text rüberkommt. Momentan wirkt das sehr hilflos, so nach dem Motto: einfach mal überall einen Absatz reingeklatscht!

Ein paar weitere Anmerkungen meinerseits:

Jonathan hatte das Potenzial, die Firma eines Tages zu übernehmen. Noch war es nicht so weit – noch lange nicht.
Die Kursivstellung der drei Worte machen für mich keinen Sinn, würde ich weglassen. Das ist nur ein Beispiel, ich führe jetzt nicht alle auf, aber du machst das ziemlich oft. Ist das wirklich notwendig? Mich hat es beim Lesen eher gestört.

das Klingeln an der Tür hörte nicht auf, wurde mehr und mehr nervtötend.
Das ist ein bisschen unglücklich formuliert, wie wäre es denn mit wurde immer nervtötender?

in leichtes Stechen in der Handfläche, trug wenig dazu bei [KOMMA] Mr. Dawns Stimmung zu heben

Weder das eine noch das eine noch das andere!
Da ist wohl etwas doppelt gemoppelt ;)

Sie sind … persönlicher Natur.
Hier passt die Kursivstellung gut.

Richards Geduld – nicht dass es diesen Begriff in seinem Wortschatz gegeben hätte –
Den Einschub mit den Gedankenstrichen würde ich streichen, du hast weiter oben bereits klar gemacht, dass Richard kein geduldiger Mensch ist.

Es geht um baldigen Tod Richard
Es geht um Ihren baldigen Tod [KOMMA] Richard.

Ihr Sohn dachte daran, Sie in den Ruhestand zu schicken*
Warum das Sternchen am Schluss?

Hören Sie mal, Dan
Auch hier passt die Kursivstellung.

Das haben Sie [KOMMA]Richard[KOMMA] und jeder bewundert Sie dafür

Und glauben[Leerzeichen]Sie wirklich

und brach in einem lauten, kaum enden wollenden Lachanfall hervor.

Am liebsten hätte er ihm die Augen und den Mund geschlossen, aber das wäre unprofessionell gewesen.
Warum? Ich fände die Geste sehr menschlich.

Niemand sollte allein sterben müssen!
Diesen Satz verwendest du zu oft. Überlege, wo du ihn am wirkungsvollsten einsetzen kannst, ich war jetzt am Schluss ein wenig genervt, ihn schon wieder vor mir zu sehen.

So, zum Inhalt: Deine Idee finde ich richtig gut. Den Vertreter und den Geschäftsmann charakterisierst du treffend. Vor allem die höfliche, äußerst gewählte Vertretersprache gelingt dir. Mich hat der Text auf jeden Fall berührt. Ich will hier jetzt keine moralische Diskussion anfangen, ob der Sohn nun wirklich im Sinne oder zum Besten seines Vaters gehandelt hat, das finde ich doch sehr weit hergeholt. Aber ich lasse die Geschichte erst einmal wirken, denn das tut sie.

Aber bitte, bitte, bitte überarbeite die Formatierung, das ist wirklich leserunfreundlich.

Viele Grüße
RinaWu

 

Da waren für mich viele gute Hinweise dabei (mal ganz abgesehen, von den offensichtlichen Flüchtigkeitsfehlern.) Ich selbst tue mich eher mit langen Absätzen schwer, aber vermutlich liegt das daran, dass ich ADS habe. Es war für mich also ein wichtiger Hinweis, dass das die meisten anderen wohl anders empfinden. Auch den Hinweis, mit dem kursiven zurückhaltender umzugehen, fand ich sehr gut.

 

Hallo sebasTEAan,

wenn es dir leichter fällt, mit vielen kleinen Absätzen zu schreiben, dann mach das ruhig. Aber bevor du die Geschichte dann anderen zu lesen gibst, lese sie dir durch und überlege dir genau, welche Absätze eigentlich zusammengehören. Dann musst du ja nur noch die Leerzeilen wieder rausnehmen. Vielleicht ist das leichter für dich, als es während des Schreibens schon so machen zu müssen.

Liebe Grüße
RinaWu

 

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