Was ist neu

Es ist zu spät

Mitglied
Beitritt
10.02.2021
Beiträge
39
Zuletzt bearbeitet:

Es ist zu spät

Ein weißer Mann mittleren Alters mit Kurzhaarfrisur sitzt vornübergebeugt auf einem Stuhl, der schon bessere Tage gesehen hat. Mit den Händen stützt er den Kopf. Die Finger vergräbt er in den Haaren. Seine Ellbogen bohren sich in die Oberschenkel. Die ordentliche Bundfaltenhose fängt an der Stelle bereits an, verknittert auszusehen. Die Abzeichen auf seiner Schulter stechen mit ihrem Glanz unwirklich stark hervor. Übertroffen werden sie nur von den Sternen auf den Schultern seines Gegenübers, sein Chef, der ihn nachdenklich ansieht. »Jetzt mach‘ Dir mal keinen Kopf. Die Medien regen sich halt gerne auf. Insbesondere dann, wenn es um Neger geht. Die beruhigen sich auch wieder!«
Ein stummes Nicken gefolgt von einem tiefen Atemzug. »Danke, Chef. Kann ich jetzt gehen?«
An der frischen Luft geht er langsam in Richtung Auto und wählt dabei die Rufnummer seiner Frau. Wenn sie schon bei seinen Eltern angekommen sind, kann er sich sicher sein, dass die Presse sie in Ruhe gelassen hat. Kurz überlegt er, ob er sofort zum Elternhaus fährt oder ob er erst noch zuhause vorbeischaut, ob und wie viele Reporter ihm dort auflauern. »Schatz?«, fragt sie, »bist Du noch dran?«
»Hm.«
»Wir haben alles. Kannst Du bitte direkt herkommen? Die Kinder sind kaum zu bändigen.«
Das vertraute Geräusch der knirschenden Steine auf der Auffahrt wirken wohltuend. Vor dem Aussteigen hält er sich am Lenkrad fest und fixiert dessen Mitte. Die Bilder des Tages flackern auf: Sein Knie auf dem Hals des Schwarzen. Seine Schweißtropfen, die auf die dunkle Haut des Mannes tropfen. Geschrei um ihn herum, dass klingt dumpf und irgendwie fern. Das schwarze Gesicht ist in den Asphalt gedrückt. Die Lippen bewegen sich. Sie bewegen sich nur auf einer Seite. Er fixiert den Mann. Schlägt das Herz des Niggers noch? Der eigene Atem dröhnt ihm in den Ohren. Die Angst springt ihm in den Nacken. Ein Schauer, Gänsehaut; er versucht die Erinnerung abzuschütteln.

In der Küche haben sich alle versammelt und schauen ihn an. Nur seine Frau steht auf, um ihm einen schnellen Kuss auf die Wange zu geben. Sein Junge scheint die Maiskörner einzeln vom Teller aufzulesen. Die Kleine kaut lieber ihre Haare. Den Mut, seine Eltern anzusehen, findet er nicht. Als er sich dazusetzt, springt der Junge vom Tisch auf. »Danke für das Essen, Oma. Ist es Ok, wenn ich schon nach oben gehe?«
»Setz‘ Dich!«, antwortet er an ihrer Stelle.
Stille. Der einzige, der Geräusche von sich gibt, ist der Fernseher in der Ecke über der Spüle. Zu seiner Erleichterung stellt er fest, dass gerade bloß Werbung läuft. Nicht die Bilder, die ihn von nun an verfolgen werden. Anstatt sich wieder hinzusetzen, sucht sein Junge den Augenkontakt zu ihm. Langsam und als müsste er ein Gewicht stemmen, hebt er den Kopf. Mit Hilfe eines Atemzugs streckt er den Brustkorb zur vollen Größe auf. Das hat er gelernt. Autorität ausstrahlen. Endlich sieht er dem Jungen in die Augen und hofft, dass er die geübte Strenge ausstrahlt.
»Setz‘ Dich«, sagt er noch einmal. Dieses Mal etwas leiser. Plötzlich fällt ihm das Atmen leichter. Seine Gesichtszüge entspannen sich. Sein Junge knickt ein. Als er sich setzt, sehen alle das gefährliche Funkeln in den Augen des Jugendlichen. Die Zeit scheint still zu stehen. Alle sitzen sie da und schauen ins Nichts und doch wagen sie den einen oder anderen verstohlenen Blick auf ihn; Auf den Jungen und ihn. »Was …«, kommt es leise über die Lippen seines Jungen. »Was hast du getan? Er ist tot! Tot! Papa. Seine Familie-«, die Stimme versagt ihm. Er fragt sich, warum sein Junge das so ausdrücken musste. An der Haustür klingelt es. »Das ist bestimmt unser Anwalt«, sagt sein Vater und kümmert sich um den Neuankömmling.

Am nächsten Morgen ist das Zimmer seines Sohnes verlassen. Alle Habseligkeiten, der Koffer, alles von ihm ist weg. Die Anrufe bei Freunden, Verwandten und Familie laufen ins Leere. Seine Eltern, seine Frau und auch sein kleines Mädchen rennen im Haus hoch und runter; treppauf und treppab. Was ist nur passiert? Sie rufen noch einmal an und noch einmal. Versichern sich, dass sich nichts geändert hat. Die umliegenden Krankenhäuser haben keine Jugendlichen unter ihren Neuzugängen. Die örtliche Polizei fragt nach dem Alter. Sechzehn. Da können sie im Moment nichts tun. Der taucht schon wieder auf. Sein Mund ist trocken. Bewegungsunfähig sitzt er auf dem Bett seines Jungen. Wo kann er sein? Was ist passiert? Was … ich bin schuld! Dieser eine Gedanke. Ich bin schuld! Seine Augen sind viel zu trocken. Müsste da nicht wenigstens eine Träne sein. Irgendetwas? Nichts.
Die letzten Sonnenstrahlen dieses grausigen Tages erleuchten die Zimmerdecke. Da überkommt ihn die Lösung: Die Schwarzen! Sie haben ihn. Sie haben meinen Jungen entführt. Sie wollen Rache! Ohne irgendjemandem Bescheid zu geben, stürmt er aus dem Haus und zum Auto. Wo? Wo wohnt ihr, ihr Bastarde? Das Internet weiß alles. Dem Himmel sei Dank. Vor ihrem Wohnblock ist viel los. Zu viel. Wie soll er ungesehen da durchkommen? Seine Finger verkrampfen sich und er schaut den Jugendlichen auf dem Platz beim Kicken zu. Ihr Spiel ist so schrecklich normal. So unbeschwert. So als sei noch alles wie vor zwei Tagen. Bevor er … Er sieht den schwarzen Mann … Nein, ein Junge! Er war noch kein Mann. Er war ein Junge. Was hast du bloß getan?

 
Wortkrieger-Team
Seniors
Beitritt
10.02.2000
Beiträge
2.420
Zuletzt bearbeitet:

Guten Tag @Chrio,

ich freue mich über deine Geschichte. Der erste neu geschriebene Text für diesen Bereich. Vielen Dank. Ich möchte mich auf das konzentrieren, was drin steckt zum Thema. Seit geraumer Zeit werden in der Forschung/Soziologie vier Bereiche genannt. Du hast mit einem sehr wichtigen angefangen:

Die Medien regen sich halt gerne auf. Insbesondere dann, wenn es um Neger geht. Die beruhigen sich auch wieder!« Ein stummes Nicken gefolgt von einem tiefen Atemzug. »Danke, Chef. Kann ich jetzt gehen?«
Das ist der klassische institutionelle Rassismus. Bedeutet, dass in öffentlichen/staatlichen/öffentlich-rechtlichen Institutionen (aber auch kirchenrechtlichen) wichtige Strukturen oder Schaltstellen (Vorgesetzte jedweder Art oder auch Bildungsinhalte) einen formellen (schriftlich fixierten) oder informellen Rassismus pflegen und weitergeben. Das Informelle ist dabei das gefährlichere. Stille Duldung, "machen wir halt so", Traditionen, unausgesprochene "Regeln". Und wie in deinem Beispiel (Polizei) fallen diese Vorgänge und Verhaltensweisen auf einen "Korpsgeist".

Ein gesellschaftlich-kultureller Rassismus zeigt sich im Konflikt Vater/Sohn. Die Weitergabe von Typisierungen und Klischees vom Vater auf den Sohn hat wohl nicht funktioniert, denn der Sohn weiß zumindest, dass die Handlung falsch war (ob er wirklich einen rassistischen Hintergrund vermutet, geht nicht genau hervor, nehme ich aber mal an).

Das hat er gelernt. Autorität ausstrahlen. Endlich sieht er seinem Sohn in die Augen und hofft, dass sein Gesicht die geübte Strenge ausstrahlt.
Nähmen wir einmal den Rassismus raus, dann bleibt hier eine patriarchale Struktur mit ordentlich Gewaltpotential, denn die Familie ist ja still, und nach einem kurzen Schock im Täter, blüht dieses Potential wieder auf, denn nur das hat er gelernt - und sicher auch in all den Jahren ausgeübt; auf seine ganze Umgebung. Ein ganzer Kerl. Der Sohn zieht seine Konsequenzen und tut das einzig Richtige.
Da überkommt ihn die Lösung: Die Neger! Sie haben ihn. Sie haben meinen Sohn entführt. Sie wollen Rache!
Rassifizierung und Stereotypisierung - das dritte Element. Ganz klassisch folgt der Mann dem Erlernten und Eingeübten. Dies ist sein Rahmen innerhalb dessen er Sicherheit und Sinn sieht. Alles darüber hinaus ist Angst und Unsicherheit, Unkenntnis und Feigheit. Innerhalb dieses engen Rahmens funktioniert rassistische Logik sehr gut. Er lebt in einem Paradigma und das ernährt sich selbst.

Jetzt hast du mich aber überrascht, denn mit wenigen Sätzen erlaubst du ein Hindurchdringen des Paradigmas von außen.

Ihr Spiel ist so schrecklich normal. So unbeschwert. So als sei noch alles wie vor zwei Tagen. Bevor er … Er sieht den schwarzen Mann … Nein, ein Junge! Er war noch kein Mann. Er war ein Junge. Was hast du bloß getan?
Was kann passiert sein? Entweder ist der Schock der Tötung so intensiv und nachhaltig, dass der Schutz durch Typisierung und Klischeeverhalten noch nicht wieder zu 100% aktiviert ist und nun eine erweiterte Wahrnehmung ermöglicht - oder die Strukturen waren doch nicht so fest. Nähme man einen Menschen in dieser Phase aus dem "System des institutionellen Rassismus" heraus, wäre die Wahrscheinlichkeit, ihn zu einer anderen Weltsicht zu bringen, recht hoch.

Literarisch liegt noch viel Potential im Text. Elemente wie Familie/Sohn/Dienststelle oder die Suche nach dem Sohn. Jede Menge Stoff. :)

Ich finde sie gut und vor allem ist es mutig, denn man muss tief hinabtauchen (wollen) in die Persönlichkeitsstrukturen.

Beste Grüße
Morphin

 
Mitglied
Beitritt
10.02.2021
Beiträge
39

Lieber @Morphin ,

vielen herzlichen Dank für Deinen Kommentar, die Rückmeldung und die Einordnungen.

Das Thema ist definitiv sensibel! Dieser von Euch so gut eingerahmte Bereich hat mir den Mut geschenkt, die KG zu veröffentlichen. Sie musste raus.

Ich danke Dir sehr für die genauen Einordnungen. So treffend hätte ich es schwerlich auf den Punkt bringen können.
Du hast Recht, es sind die systematischen Aspekte, die schwierig zu durchbrechen sind. Auch hier in der KG. Umso mehr freut mich Deine Rückmeldung. Thanks a lot!

Fussel ist korrigiert.

Liebe Grüße
Chrio

 
Monster-WG
Beitritt
20.08.2019
Beiträge
559

Hallo @Chrio

hab mich gefreut, eine Geschichte von Dir zu entdecken und dann noch bei dem Thema "Wir gegen Rassismus." Ich habe Deinen Text gern gelesen. Finde es sehr mutig, dass Du Dich mit dieser schwierigen Thematik auseinandersetzt. Mir ist die Geschichte ein wenig zu oberflächlich, Du könntest viel mehr in die Tiefe gehen. Da ist so viel Potential, um Emotionen beim Leser wachzukitzeln. Auch sprachlich hakt es an ein paar Stellen, aber daran kann man arbeiten.

Hier meine Leseeindrücke:

Mit seinen Händen stützt er seinen Kopf, die er zugleich in seinen Haaren vergräbt. Seine Ellbogen bohren sich in seine Oberschenkel oberhalb des Knies. Seine ansonsten ordentliche Bundfaltenhose fängt an der Stelle bereits an verknittert auszusehen. Die Abzeichen auf seiner Schulter stechen mit ihrem Glanz unwirklich stark hervor. Übertroffen werden sie nur von den Sternen auf den Schultern seines Gegenübers, sein Chef, der ihn nachdenklich ansieht. »Jetzt mach‘ Dir mal keinen Kopf. Die Medien regen sich halt gerne auf. Insbesondere dann, wenn es um Neger geht. Die beruhigen sich auch wieder!« Ein stummes Nicken gefolgt von einem tiefen Atemzug. »Danke, Chef. Kann ich jetzt gehen?«

Erstmal zum Inhalt. Ich kann mir Deinen Prota gut vorstellen. Es wird sofort klar, dass da emotional was los ist. Ich überlege, ob er Cop ist oder beim Militär ist. Indem Du das Wort "Neger" schreibst, kann ich mir sofort denken, dass es um Rassismus geht. Das find ich als Einstieg gelungen. Natürlich frag ich mich, was genau passiert ist und somit ist die Neugierde geweckt.

Die vielen Wortwiederholungen sind störend beim Lesen. Hier würde ich varriieren. Ich fänds auch nicht schlecht, wenn Du die Namen der Protas nennen würdest, dann kannst Du besser abwechseln.

... oberhalb des Knies - kannst Du Dir schenken. Würde ich streichen.

"Jetzt macht dir mal keinen Kopf."
Du/Dir/Dich wird in Dialogen klein geschrieben.

Kann ich jetzt gehen

An der frischen Luft geht er langsam in Richtung seines Autos und wählt dabei die Rufnummer seiner Frau.

Wortschiederholung.

Wenn sie schon bei seinen Eltern angekommen sind, kann er sich sicher sein, dass die Presse sie in Ruhe gelassen hat. Kurz überlegt er, ob er sofort zu seinem Elternhaus fährt oder ob er erst noch zuhause vorbeischaut, ob und wie viele Reporter ihm dort auflauern. »Schatz?« fragt seine Frau »Bist Du noch dran?« »Hm.« »Wir haben Alles. Kannst Du bitte direkt herkommen? Die Kinder sind kaum zu bändigen.«

Wortwiederholungen.

Vorschlag: Er hofft, dass sie schon bei seinen Eltern angekommen ist, denn das würde bedeuten, dass die Presse sie in Ruhe gelassen hat. Soll er direkt zu seiner Familie fahren? Oder erst noch zuhause vorbeischauen, was die Reporter dort treiben?
"Schatz?" hört er seine Frau. "Bist du noch dran?"
"Hm."
"Wir haben alles. Kannst du bitte direkt herkommen. Die Kinder sind kaum zu bändigen."

Das vertraute Geräusch der knirschenden Steine auf der Auffahrt wirken wohltuend auf seine Nerven.

Streichkandidat.

Sein Knie auf dem Hals des Schwarzen. Seine Schweißtropfen, die auf die dunkle Haut des Mannes tropfen. Geschrei um ihn herum, dass klingt dumpf und irgendwie fern. Sein Gesicht ist in den Asphalt gedrückt. Die Lippen bewegen sich. Sie bewegen sich nur auf einer Seite. Er fixiert den Mann. Schlägt sein Herz noch? In seinen Ohren dröhnt sein eigener Atem.

Okay. Hier erfahre ich in etwa, was passiert ist. Ich muss natürlich sofort an die aktuellen Medienberichte denken und kann mir somit die Szene gut ausmalen. Hier könntest Du mehr in die Tiefe gehen. Was geschieht um die beiden herum? Ich erfahre von Geschrei. Wer ist da? Kollegen? Passanten? Warum greift niemand ein? Warum fixiert er den Schwarzen? Was ist passiert? Auch hier wieder viele Wiederholungen und an manchen Stellen muss ich immer erst überlegen, wen Du grad meinst. Das ist verwirrend. Auch hier noch mal der Vorschlag, den Namen des Protas zu nennen.

Vorschlag: Pauls Knie auf dem Hals des Schwarzen. Seine Schweißtropfen, die auf die dunkle Haut des Mannes tropfen. Geschrei um ihn herum, das dumpf klingt und irgendwie fern. Das Gesicht des Schwarzen auf den Asphalt gedrückt, seine Lippen bewegen sich, allerdings nur auf einer Seite. Paul fixiert den Mann, der bewegungslos unter ihm liegt. Ob sein Herz noch schlägt? In Pauls Ohren dröhnt sein eigener Atem....

In der Küche seiner Eltern haben sich alle versammelt und schauen ihn an. Nur seine Frau steht auf, um ihm einen schnellen Kuss auf die Wange zu geben. Sein Sohn scheint die Maiskörner auf seinem Teller einzeln zu zählen. Seine Tochter isst lieber ihre Unterlippe. Den Mut, seine Eltern anzusehen, findet er nicht. Als er sich dazusetzt, springt sein Sohn vom Tisch auf. »Danke für das Essen, Oma. Ist es Ok, wenn ich schon nach oben gehe?« »Setzt DichAntwortet er stellvertretend für seine Mutter. Stille.

Die Szene könntest Du detaillierter beschreiben. In was für einem Haus leben sie? Sind sie arm? Reich? Wie sind seine Eltern? Wie heißen die Kinder? Wie alt sind sie? Da könntest Du noch viel mehr reinpacken.
Gut finde ich, dass Du zeigst, dass er Respekt (oder Angst?) vor den Eltern hat. Schade finde ich, dass seine Eltern in der Szene gar nicht agieren. Die Frau tut irgendwie so, als wäre nichts schlimmes passiert. Auch die vielen Wiederholungen würde ich ausmerzen.

"Danke fürs Essen, Oma. Ist es ok, wenn ich schon nach oben gehe?"
"Setz dich!", antwortet Paul stellvertretend für seine Mutter.

Stille. Der einzige, der Geräusche von sich gibt, ist der Fernseher in der Ecke über der Spüle. Zu seiner Erleichterung stellt er fest, dass gerade bloß Werbung läuft. Nicht die Bilder, die ihn von nun an verfolgen werden. Anstatt sich wieder hinzusetzen, sucht sein Sohn den Augenkontakt zu ihm. Langsam und als müsste er ein Gewicht stemmen, hebt er seinen Kopf. Mit Hilfe eines Atemzugs streckt er seinen Brustkorb zur vollen Größe auf. Das hat er gelernt. Autorität ausstrahlen. Endlich sieht er seinem Sohn in die Augen und hofft, dass sein Gesicht die geübte Strenge ausstrahlt.

Im ersten Moment dachte ich, der Sohn würde den Kopf heben. Dann wird mir klar, es geht um den Hauptprota. Wie merkt er, dass der Sohn Augenkontakt sucht, wenn er den Kopf noch gesenkt hält?

»Setzt Dich«, sagt er noch einmal. Dieses Mal etwas leiser. Plötzlich fällt ihm das Atmen leichter. Seine Gesichtszüge entspannen sich. Sein Sohn knickt ein. Als er sich hinsetzt, sehen alle das gefährliche Funkeln in seinen Augen.

dich

Dein Hauptprota ist streng, der Sohn hat offensichtlich Respekt. Das bringst Du gut rüber.

Alle sitzen sie da und schauen ins Nichts und doch wagen sie den einen oder anderen verstohlenen Blick auf ihn.

entweder: werfen den einen oder anderen verstohlenen Blick auf ihn / oder wagen sie den einen oder anderen Blick zu ihm

Hier frage ich mich, ob alles solche Angst vor ihm haben. Warum agieren sie nicht? Anfangs hatte ich eher den Eindruck, dass er Angst vor den Eltern hat, da er es nicht wagt, sie anzuschauen. Würde ich klarer herausarbeiten.

Die letzten Sonnenstrahlen dieses grausigen Tages erleuchten die Zimmerdecke. Da überkommt ihn die Lösung: Die Neger! Sie haben ihn. Sie haben meinen Sohn entführt. Sie wollen Rache! Ohne irgendjemandem Bescheid zu geben, stürmt er aus dem Haus und zu seinem Auto.

In meinem Kopf entstand eher der Eindruck, dass der Sohn gegangen ist, weil er die Situation nicht aushält.
Dennoch finde ich die Reaktion des Hauptprotas nachvollziehbar. Hier hast Du das Thema Rassismus klar herausgearbeitet.

Bevor er … Er sieht den schwarzen Mann … Nein, ein Junge! Er war noch kein Mann. Er war ein Junge. Was hast du bloß getan?

Und hier reflektiert er endlich.

Als ich durch war mit der Geschichte, kam mir der Gedanke, dass der Vorgesetzte in der Einstiegsszene zu wenig reagiert. Da hätte ich mir mehr gewünscht.

Sehr gern gelesen.

Ich wünsch Dir einen wundervollen Tag.

Liebe Grüße,
Silvita

 
Mitglied
Beitritt
12.01.2019
Beiträge
53

Guten Tag @Chrio,

vielen Dank für die Geschichte. Zu einem wirklich wichtigen Thema und ich finde, das hast du gekonnt gepackt, hat mich sehr nachdenklich gemacht - so sollte das sein. Und auch danke Morphin für die schöne Einordnung.

Sprachlich ist das ausbaufähig, gerade der erste Absatz hat bei mir kräftig geholpert:

Ein weißer Mann mittleren Alters mit Kurzhaarfrisur sitzt vornübergebeugt auf einem Stuhl, der schon bessere Tage gesehen hat.
Ein okay-iger erster Satz, aber ich denke, man kann da mehr rausholen.

Mit seinen Händen stützt er seinen Kopf, die er zugleich in seinen Haaren vergräbt.
Da stimmt was nicht. Das klingt, als beziehe sich das die auf den Kopf, obwohl es ja eigentlich die Hände sind.

Und dann ist da noch das Seine-Trinkspiel (

Ein weißer Mann mittleren Alters mit Kurzhaarfrisur sitzt vornübergebeugt auf einem Stuhl, der schon bessere Tage gesehen hat. Mit seinen Händen stützt er seinen Kopf, die er zugleich in seinen Haaren vergräbt. Seine Ellbogen bohren sich in seine Oberschenkel oberhalb des Knies. Seine ansonsten ordentliche Bundfaltenhose fängt an der Stelle bereits an verknittert auszusehen. Die Abzeichen auf seiner Schulter stechen mit ihrem Glanz unwirklich stark hervor. Übertroffen werden sie nur von den Sternen auf den Schultern seines Gegenübers, sein Chef, der ihn nachdenklich ansieht. »Jetzt mach‘ Dir mal keinen Kopf. Die Medien regen sich halt gerne auf. Insbesondere dann, wenn es um Neger geht. Die beruhigen sich auch wieder!« Ein stummes Nicken gefolgt von einem tiefen Atemzug. »Danke, Chef. Kann ich jetzt gehen?«
) und die für meinen Geschmack zu kurzen Sätze in dem Absatz und dem ganzen Text. Aber zur Sprache hat schon Silvita was gesagt und sicher haben Andere noch mehr zu sagen, da halte ich mich diesmal zurück.

Ich möchte eher auf den Inhalt eingehen, denn auch wenn ich da ein tolles Grundgerüst sehe, fehlt mir stellenweise die Tiefe. Bzw. da ist zwar Tiefe, aber auch viel verschenktes Potential, leider. Auch die anderen Kommentatoren haben das schon angemerkt. Ich denke, du kannst mit dem Text in zwei Richtungen gehen (wenn du ihn denn überhaupt überarbeiten willst, das ist ja selbstverständlich deine Entscheidung. Ich würde es aber persönlich empfehlen):

1. Deutlich ausbauen. Da könnte man meines Erachtens ganze Szenen ergänzen, um das Verhältnis zwischen den Figuren und vor allem das Innere des Protagonisten mehr auszuarbeiten. Nur zwei Denkanstöße, zwei Stellen, die man etwas ausschmücken könnte:

Ein Schauer, Gänsehaut; er versucht die Erinnerung abzuschütteln.
Er fragt sich, warum sein Junge das so ausdrücken musste.

Vielleicht könnte man den Mord ja auch direkt zeigen? Was fühlt er währenddessen? Wie reagieren die Kollegen auf der Arbeit (neben dem einen, den du zeigst)? Die Stimmung der Familie genauer erläutern, Einzelgespräche, vor allem mit seiner Frau. Wusste sie, wen sie geheiratet hat? Oder ist sie überascht von ihrem Mann? Ein Wiedersehen mit dem Sohn vielleicht? Er sagt seinem Vater ins Gesicht: Ich will nie wieder zurück zu dir! Und das bricht ihn dann endgültig. Ich würde bei einer Überarbeitung in die Richtung den Fokus klar auf die Suche nach dem Sohn legen, die gerade beschriebene Szene als Finale und während der Suche kann man dann das vorher genannte abarbeiten.
Ich würde an deiner Stelle vielleicht sogar mal mit einem Ich-Erzähler experimentieren. Dann kannst du in die Sprache seinen Charakter einfließen lassen und viel stärker noch zeigen wie und was er denkt.
2. Die Länge so lassen und dich noch weiter von der Hauptfigur distanzieren. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das funktionieren kann, aber ich denke, es wäre einen Versuch wert. Ich stelle mir das so vor: Ein neutraler, unaufgeregter Erzähler erzählt von dem Mord und den Streitereien mit der Familie (hier würde ich dann trotzdem etwas ausbauen), vor allem dem Sohn, und schildert eine letzte Begegnung zwischen Vater und Sohn am Ende. Es wird nicht erwähnt, was die Hauptfigur denkt oder fühlt. Das bleibt rätselhaft, du überlässt dem Leser fragen wie: Bereut er seine Taten? Ist er am Ende böse auf den Sohn oder erkennt er seine eigenen Fehler? Die ganze Zeit kann der Leser nicht richtig fassen, wer der Mann eigentlich ist und was ihn dazu verleitet, so schreckliche Dinge zu tun. Da musst du dann aber, glaube ich, im Detail sehr gut schreiben, also so kleine Sachen einbauen, die Hinweise geben.

Ich glaube das ist ein Text, mit dem man viel Experimentieren kann. Deswegen wollte ich dir mal zwei Vorschläge machen. Ob das alles so funktioniert, wie ich es mir denke, kann ich dir nicht sagen. An deiner Stelle würde ich mal verschiedene Versionen von der Geschichte zumindest in Rohform anfertigen und testen, was dir persönlich am besten gefällt. Oder vielleicht siehst du das schon von vornherein. Oder du willst gar nichts ändern, das ist natürlich auch okay.

Trotz allem echt eine tolle Geschichte!
Viele Grüße,
Manfred

EDIT, PS: Und übrigens sind die Absätze in der Geschichte glaube ich etwas groß, oder? In Gesprächen bei Perspektivwechseln arbeitet man normalerweise mit einfachen Zeilenumbrüchen.
Also so einem, wie ich jetzt gerade benutzt habe.

 
Mitglied
Beitritt
10.02.2021
Beiträge
39

Liebe @Silvita , lieber @Manfred Deppi ,

ganz herzlichen Dank für Eure Kommentare! Sowohl literarisch als auch inhaltlich habt ihr sehr gute Punkte, über die ich jetzt nachdenke.

Auch hier wieder viele Wiederholungen und an manchen Stellen muss ich immer erst überlegen, wen Du grad meinst. Das ist verwirrend. Auch hier noch mal der Vorschlag, den Namen des Protas zu nennen.
Danke fürs Durchkämmen nach den Wortwiederholungen!

Name für den Prota möchte ich vermeiden. Für die Leseführung wäre es zwar ein Gewinn, aber ich möchte (wie @Morphin mir schon für das Opfer erklärt hat) den Prota als Personenvariable handhaben.
Allgemein gesprochen schwächel ich bei der Leseführung. Das fällt mir immer wieder auf. Dabei bin ich unsicher, an welcher Ebene es liegt. Hole mir dafür demnächst die Unterstützung eines Profis. Wenn jemand dazu aber zufällig einen guten Buchtipp, ein Video oder eigene Erfahrungen teilen mag, würde ich mich sehr freuen.

Und dann ist da noch das Seine-Trinkspiel (
:lol: Das war mir bei der Überarbeitung vor dem Veröffentlichen echt entgangen... schäm. War zu sehr vom Inhalt eingenommen. Das ist mal wieder ein gutes Beispiel für Blindheit ggü dem eigenen Text.
@Silvita hat mir dazu ja sehr gute Anregungen zu gegeben. Dank Dir, Du Liebe. Ich bin dran.

Ich denke, du kannst mit dem Text in zwei Richtungen gehen
1. Deutlich ausbauen.
2. Die Länge so lassen und dich noch weiter von der Hauptfigur distanzieren.
Danke für die konkreten Überlegungen. Für mich kommt tatsächlich eher die zweite Version in frage. Vielleicht hat jemand anderes Lust #Version-1 auszuarbeiten? :D

ich würde an deiner Stelle vielleicht sogar mal mit einem Ich-Erzähler experimentieren.
Die letzten Wochen habe ich erkannt, wie stark verbreitet die Ich-Perspektive ist. Jetzt ist mir auch klar, warum ich Probleme habe, Literatur zu finden, die ich so richtig feiere. Leider bin ich so gar kein Fan des Ich-Erzählers. Für die Distanz in #Version-2 käme ein Ausbau des allwissenden Erzählers der Sache näher.
Wieder allgemein gesprochen: Die Auswahl der Erzählerstimme fällt mir schwer. Ich habe auch schon ein paar Schreibtipps dazu gelesen. Nur ist mir noch schleierhaft, wie genau ich diese im eigenen Text umsetze. Da lerne ich anhand dieser KG hoffentlich dazu.

Ich glaube das ist ein Text, mit dem man viel Experimentieren kann.
Mag jemand mit experimentieren, #Version-1 (s.oben)?

Und hier reflektiert er endlich. Als ich durch war mit der Geschichte, kam mir der Gedanke, dass der Vorgesetzte in der Einstiegsszene zu wenig reagiert. Da hätte ich mir mehr gewünscht. Sehr gern gelesen.
Oder du willst gar nichts ändern, das ist natürlich auch okay. Trotz allem echt eine tolle Geschichte!
Darauf sage ich ein Klares: Ich bin unschlüssig. Meine Neigung ist es, sehr kurz und knapp zu schreiben. Dank Eurer Anmerkungen verstehe ich langsam das Problem dabei: Das zwingt meine Leserschaft zu mehr Arbeit, was wiederum ein triftiger Grund ist, da nachzubessern. Das Grundgerüst der KG möchte ich so belassen; mE gilt es die Ergänzungen zu finden, die bloß in meinem Kopf, aber (noch) nicht zu lesen sind.

Wie gesagt: Für Tipps zur Leseführung und Erzählerstimme, entweder anhand dieser KG oder allgemein, sind mir überaus willkommen. Gerne auch als PN.

Vielen lieben Dank! Auch an Alle, die einfach nur so lesen.

Liebe Grüße
Chrio

 
Wortkrieger-Team
Monster-WG
Seniors
Beitritt
03.07.2017
Beiträge
1.300

Hallo @Chrio,

Respekt, dass du dich an einen solchen Text gewagt hast. Mir fiel es ja schon schwer ihn zu lesen, die Bilder und die Stimme von George Floyd werden einen wohl nie loslassen.

Aber genau deswegen machen wir ja dieses Projekt. Die Texte müssen weh tun, um wachzurütteln.

Mit der Umsetzung bin ich leider aus mehreren Gründen nicht ganz glücklich.

Erstmal zur inhaltlichen Ebene. Du hast dich für die Sicht des Täters entschieden, willst dadurch die rassistischen Strukturen und Gedanken offenlegen. Leider machst du dir es meiner Meinung nach oft einfach. Sagst nur, der denkt halt so, der ist eben ein Rassist und Rassisten denken so, auch wenn sie selbst eine Familie haben.
Und nur weil er so ein harter Typ ist, einer der Autorität ausstrahlen will, deswegen kann er die Bilder wegschieben?
Mich erreicht das leider nicht.

Ich denke, das liegt auch an der bereits angesprochenen Knappheit des Textes. Er bleibt zu sehr an der Oberfläche. Auch durch viele tellige Passagen. Ein Beispiel:

Seine Eltern, seine Frau und seine Tochter sind in hellem Aufruhr.
Da entstehen keine Bilder. Die Leute bleiben mir fremd.

Wo kann er sein? Was ist passiert? Was … ich bin schuld! Dieser eine Gedanke. Ich bin schuld! Seine Augen sind viel zu trocken. Müsste da nicht wenigstens eine Träne sein. Irgendetwas? Nichts.
Die letzten Sonnenstrahlen dieses grausigen Tages erleuchten die Zimmerdecke. Da überkommt ihn die Lösung:
Wie kommt es zu diesem Sinneswandel? Für mich nicht nachvollziehbar.

Die Bilder des Tages flackern auf
Hat der Polizist wirklich gesehen, dass der Mann unter ihm leidet, dass er etwas sagt? Warum presst er den Mann so sehr in den Boden, dass dieser erstickt? Weil der Polizist Angst hat. Weil er wirklich glaubt, dass dunkelhäutige Menschen eine Gefahr sind, dass sie es darauf angelegt haben, unschuldige Weiße zu töten und dass wenn man ihnen nicht Einhalt gebietet, selbst das Opfer wird. Das ist Rassismus. Davon spüre ich aber gar nichts. Als hätte der Polizist in diesem Moment auch nur einen Gedanken an den Menschen unter sich verschwendet.

»Was …« kommt es leise über die Lippen seines Sohnes. »Was hast du getan? Er ist tot! Tot! Papa. Seine Familie-« seine Stimme bricht.
Eigentlich eine sehr emotionale Szene. Mich erreicht sie leider nicht. Ich finde es schade, dass du die Familie nicht genauer darstellst. Sie haben keine Namen, keine Gesichter, kein Alter. Vielleicht könnte die Geschichte schon funktionieren, wenn du nur diese eine Szene erzählst. Der Polizist kommt nach Hause. Was passiert dann? Nur diese eine Szene im Detail könnte meiner Meinung nach mehr transportieren, als diese kurzen unpersönlichen Szenen.

Trau dich, da noch tiefer einzutauchen, dir die Zeit zu nehmen.


Eine Sache noch: Das N-Wort sollte nach Möglichkeit überhaupt nicht mehr verwendet werden.

Du machst es dir einfach, indem du dieses Wort verwendest, dem Leser ist sofort klar, dass er es hier mit einem Rassisten zu tun hat. Und du wirst vllt sagen, die reden nunmal so, daran können wir nichts ändern.
Aber Sprache hat eben doch einen Einfluss und wenn wir doch bewusst entscheiden können, ob wir ein solches Wort in einem unserer Texte benutzen oder nicht, warum sollten wir es dann tun? Es gibt andere Möglichkeiten zu zeigen, dass jemand ein Rassist ist. Und damit sind wieder beim Thema "Show, don't tell." Eine Szene könnte hier viel mehr transportieren als dieses Wort.

Vielen Dank für deinen Beitrag und viele Grüße,
NGK

 
Mitglied
Beitritt
10.02.2021
Beiträge
39
Zuletzt bearbeitet:

Liebe @Nichtgeburtstagskind ,

vielen Dank, dass Du mir Deine Kritik gegeben hast.
Inzwischen habe ich eine Nacht darüber geschlafen und mich wieder beruhigt. Ich habe mich von Deinen Worten angegriffen gefühlt und bin emotional geworden (s. unten). Das ist für diese Diskussion wenig förderlich und genau das, was dieses Forum mit dem Hinweis auf gute Praxis beim Kommentieren vermeiden wollte. Bitte lese doch noch einmal die Hinweise zu dieser Kategorie und deinen eigenen Kommentar. Vielleicht möchtest Du ihn dann noch einmal überarbeiten.

Eine Sache noch: Das N-Wort sollte nach Möglichkeit überhaupt nicht mehr verwendet werden. Du machst es dir einfach, indem du dieses Wort verwendest, dem Leser ist sofort klar, dass er es hier mit einem Rassisten zu tun hat. Und du wirst vllt sagen, die reden nunmal so, daran können wir nichts ändern.
Aber Sprache hat eben doch einen Einfluss und wenn wir doch bewusst entscheiden können, ob wir ein solches Wort in einem unserer Texte benutzen oder nicht, warum sollten wir es dann tun? Es gibt andere Möglichkeiten zu zeigen, dass jemand ein Rassist ist. Und damit sind wieder beim Thema "Show, don't tell." Eine Szene könnte hier viel mehr transportieren als dieses Wort.
Es ist mir schon klar, dass das N-Wort nicht mehr verwendet werden sollte. Aber ist es deswegen wirklich verschwunden? Ich habe neulich dazu einen interessanten Radiobeitrag gehört, der das thematisiert. Es ging dabei nicht um das N-Wort, sondern um Menschen mit Behinderung. Das Argument war, grob zusammengefasst, dass nicht die Worte die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern, sondern dass die gesellschaftlichen Verhältnisse die Worte ändern. Leider habe ich es versäumt, mir Sender, Redner oder wenigstens Tag und Uhrzeit zu merken. Ich werde das aber gerne versuchen herauszufinden und nachreichen. Und ich finde das plausibel: Nur weil wir nach schöneren Worte suchen, ändert das wenig bis gar nichts an der Haltung von Menschen.
[emotionale Reaktion entfernt]

Nur diese eine Szene im Detail könnte meiner Meinung nach mehr transportieren, als diese kurzen unpersönlichen Szenen. Trau dich, da noch tiefer einzutauchen, dir die Zeit zu nehmen.
Das ist ein ziemlich guter Tipp. Ich danke Dir. Das erscheint mir sinnvoll. Und stimmt schon, da die Vater-Sohn-Beziehung den Twist begründet, sollte ich sie wohl besser etablieren.

Liebe Grüße
Chrio

 
Wortkrieger-Team
Monster-WG
Seniors
Beitritt
03.07.2017
Beiträge
1.300

Hallo @Chrio

wie bereits in den Privatnachrichten geschrieben:

Wie traurig wäre es, wenn wir bei diesem Thema nicht emotional würden?

Aber dann bin ich bei dieser Geschichte wohl raus.

Viele Grüße,
NGK

 
Mitglied
Beitritt
10.02.2021
Beiträge
39

Hallo @Nichtgeburtstagskind ,

schon klar, natürlich ist das emotional! Nur ist das der Diskussion in dieser Rubrik zuträglich? Ich hatte sie so verstanden, dass sie eben versucht anders zu enden als die Kommentare, die häufig unter den Online-Artikeln unserer Medien zu finden sind.

Liebe Grüße
Chrio

 
Wortkrieger-Team
Monster-WG
Seniors
Beitritt
02.09.2015
Beiträge
1.220

Liebe @Chrio ,

ich habe mir nicht alle Kommentare durchgelesen. Also es kann sich etwas doppeln. Ich komme erst einmal zu den Details, die ich kopiert habe:

Oberschenkel. Die ordentliche Bundfaltenhose fängt an der Stelle bereits an, verknittert auszusehen.
Ich glaube, das Komma ist da fakultativ. Ich fände es vom Lesefluss schöner.
Ein weißer Mann mittleren Alters mit Kurzhaarfrisur sitzt vornübergebeugt auf einem Stuhl, der schon bessere Tage gesehen hat. Mit den Händen stützt er den Kopf. Die Finger vergräbt er in den Haaren. Seine Ellbogen bohren sich in die Oberschenkel. Die ordentliche Bundfaltenhose fängt an der Stelle bereits an verknittert auszusehen. Die Abzeichen auf seiner Schulter stechen mit ihrem Glanz unwirklich stark hervor. Übertroffen werden sie nur von den Sternen auf den Schultern seines Gegenübers,
Dieser ganze Abschnitt ist so beschreibend. Das ließe sich auch in einen Satz packen: Ein weißer Mann mittleren Alters sitzt auf einem schäbigen Stuhl, den Kopf in die Hände gestützt. Die Abzeichen ...
ich glaube, da ginge inhaltlich nichts (von Bedeutung) verloren.
auflauern. »Schatz?«, fragt sie. »Bist Du noch dran?«
Ich glaube, Du musst noch etwas Zeichensetzung bei der wörtlichen Rede üben oder jedenfalls besser drauf achten. Die Regel lautet:

»Hallo«, sagte ich (also ohne Punkt)
aber:
»Hallo!«, rief ich.
»Hallo?«, fragte ich.

Das ist nicht ganz logisch, aber es ist so. Aufpassen muss man bei der Redebegleitung in der Mitte. Hier kommt es darauf an, ob der Satz nach der Redebegleitung weitergeführt
wird.

»Hallo«, sagte ich, »ich bin hier.«

»Hallo?«, fragte ich. »Ist jemand hier?«


Sein Knie auf dem Hals des Schwarzen. Seine Schweißtropfen, die auf die dunkle Haut des Mannes tropfen.
Ich würde vorschlagen: Das Knie auf dem Hals des Schwarzen. Seine Schweißtropfen, die ...
Sein Gesicht ist in den Asphalt gedrückt.
Hier ist auch ein Bezugsfehler drin. Das wäre nun er, der sein Gesicht in den Asphalt drückt. Das Gesicht des Demonstranten, vielleicht?
»Setz(t) dich!«, antwortet er an ihrer Stelle.

»Setzt Dich«, sagt er noch einmal. Dieses
Siehe oben.
ihn. »Was …«, kommt es leise über die Lippen seines Jungen. »Was hast du getan? Er ist tot! Tot! Papa. Seine Familie – « Die Stimme versagt ihm.

Die letzten Sonnenstrahlen dieses grausigen Tages erleuchten die Zimmerdecke.
Also, wenn schon grausig, dann erläuterte das.

Ihr Spiel ist so schrecklich normal. So unbeschwert.
Hier ebenfalls.

Die Szene ist natürlich bekannt und ich glaube, man kann sehr viel aus ihr machen. Wie wirkt so eine Tat auf Täter und Familie. Wie wird er eigentlich vom Ordnungsbeamten zum Täter? Deine Geschichte ist aber irgendwie “blutleer”. Ich kann keine Beziehung zu den Personen aufbauen, komme nicht in ihre Köpfe.
Der Sohn verschwindet, man kann sich denken, warum. Aber nur der Vater scheint es nicht zu verstehen? Das kommt mir unschlüssig vor.
Du solltest den Leser in die Gedanken deiner Protagonisten lassen. So schaue ich einfach auf sie drauf und beobachte sie beim Agieren, das sich mir mehr oder weniger erschließt.

Ich bin mir sicher, dass Du beim Schreiben der Geschichte Gefühle hattest und auch hinter dem Handeln einer jeden Person eine Intention gesehen hast. Du sprichst aber weder das eine noch das andere aus. Im Moment ist die Geschichte für mich eher das Knochengerüst einer Kurzgeschichte. Was ihr fehlt ist Fleisch. Ich bin mir sicher, dass Du das bei der Überarbeitung hinbekommst. Aus der Romanrunde hatte ich den Eindruck, dass Du durchaus charakterisieren kannst.

Liebe Grüße
Mae

 
Mitglied
Beitritt
10.02.2021
Beiträge
39

Hallo @Maedy ,

vielen herzlichen Dank für Deinen Kommentar und bitte entschuldige die späte Rückmeldung.

Die Formfehler habe ich korrigiert und noch einmal mit den Tipps zur Zeichensetzung hier im Forum gegen geprüft. Du hast vollkommen recht, da waren einige Fehler im Text.

Deine anderen Änderungsvorschläge wandern noch eine weitere Runde durch meinen Kopf bzw. ich lasse sie mal noch ein wenig liegen. Dieser beschäftigt mich tatsächlich am meisten:

Deine Geschichte ist aber irgendwie “blutleer”. Ich kann keine Beziehung zu den Personen aufbauen, komme nicht in ihre Köpfe.
Als Leserin freue ich mich selbst über die Innenansichten, die mir erlauben, in die Figuren hineinzuschauen.
Andererseits entschied ich mich in dieser KG bewusst dazu, sämtliche Innenansichten weg zu lassen und führe damit einen Schreibtipp ins Extreme. Der Schreibtipp kam von Ronny Rindler (Schauspieler und Schreibcoach), der darauf hinwies, dass Alles, was man nicht von außen sieht, als 'tell' zu behandeln ist. Das erschien plausibel.
Dein Hinweis macht mir jetzt ganz deutlich, dass Geschichten ein gewisses Maß an 'tell' brauchen - wie auch immer man 'tell' genau für sich definiert. Ich vermute, es ist wie mit Vielem: Die Dosis macht das Gift.

Liebe Grüße
Chrio

 
Seniors
Beitritt
12.04.2007
Beiträge
6.183

Du traust Dich was zum Debut,

liebe @Chrio,

mit einem solchen Thema hierorts einzusteigen ist allemal bemerkenswert. -

und damit herzlich willkommen hierorts!

Das Wesentliche ist gesagt, dass ich direkt auf den Punkt komm, denn – obwohl ich mich ungern Kommentare ein, muss es zum Auftakt sein, denn hier zu dem Satz

Die ordentliche Bundfaltenhose fängt an der Stelle bereits an, verknittert auszusehen.

Zu dem @Maedy bemerkt
Ich glaube, das Komma ist da fakultativ. Ich fände es vom Lesefluss schöner.

und Du antwortest
Die Formfehler habe ich korrigiert und noch einmal mit den Tipps zur Zeichensetzung hier im Forum gegen geprüft.

Nun, zu allem gibt es Ausnahmen – wie in diesem Falle innerhalb der Regeln zur Kommasetzung bei Infinitiven (in unserm Fall hier „auszusehen“), denn gleichgültig, was Du da gelesen hast, eine andere Regel hat da Vorrang, wenn es gilt, das Prädikat nicht zu zerschlagen, dass Maedy eher per Zufall richtig liegt.

Warum?

Das Prädikat ist nicht schlicht und einfach , es besteht nämlich nicht nur aus dem „anfangen“, vielmehr ist das „aussehen“ dem „anfangen“ zuzurechen und - ein Komma zerschlüge die Einheit. Also korrekt:

Die ordentliche Bundfaltenhose fängt an der Stelle bereits an verknittert auszusehen.

Oder eleganter umgesetzt
Die ordentliche Bundfaltenhose fängt an der Stelle bereits verknittert auszusehen an.

Oder – warum so umständlich, wenn’s noch einfacher geht
Die ordentliche Bundfaltenhose beginnt an der Stelle bereits zu knittern.

Wobei das doppelte an gleich halbiert wird.

Dass ein unordentlicher Mensch, der andere Dinge für wichtiger hält als unbedingt gebügelte Kleidung, hat schon eine gewisse Ironie.

Aber noch eine Stelle ist auf jeden Fall zu korrigieren

Ist es Ok, wenn ich schon nach oben gehe?«

Ok, OK, ok wird zwar ähnllich wie okay ausgesprochen, ist aber m. W. Abkürzung von Oklahoma. Nach den Buchstaben müssen (Abkürzungs-=Punkte folgen, nach deutscher Grammatik k. o., K. O,- und da frag ich mich, wo da die Abkürzung sein soll bei zwei Buchstaben, zwei Punkten und einem Leerzeichen ... Empfehlung: Ausschreiben!

Bis bald

Friedel

 

Letzte Empfehlungen

Neue Texte

Neue Kommentare

Anfang Bottom