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Express ins Elend

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05.03.2015
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Express ins Elend

Max ließ die kleingehackten Zwiebeln und den Knoblauch vom Plastikbrett in die Pfanne rutschen. Bei ein paar unwilligen Stückchen half er mit dem Messer nach. Es zischte und heißes Öl spritzte ihm an die Hand. Er merkte, wie hungrig er war. Seine Mitbewohnerin kam mit einer Freundin in die Küche.
„Das riecht aber gut.“
Max begrüßte die beiden kurz und widmete sich wieder seiner Sauce. Er streute Zucker, Salz und Chilipulver dazu und als sich die ersten braunen Stellen bildeten, kippte er eine große Dose Tomaten drüber. Während er umrührte, hörte er seine Mitbewohnerin mit übertriebener Überraschung in der Stimme sagen:
„Was ist überhaupt los? – Du trägst ja eine Hose!“
„Ja, ich weiß auch nicht, warum ich die überhaupt anprobiert habe. Aber als ich gesehen habe, wie sie sitzt, musste ich sie kaufen“, antwortete die Freundin.
Max schaute sich die junge Frau genauer an. Sie konnte nicht älter als Zwanzig sein. Die schwarze Jeans stand ihr tatsächlich ziemlich gut. Sie war sehr schlank, hatte aber relativ breite Schultern. Durch die Hose bekam sie ein wenig Taille.
„Gehst du sonst unten ohne oder warum ist es was Besonderes, wenn du eine Hose trägst?“, fragte Max.
„Nein, nein. Aber sonst trage ich eigentlich immer Röcke.“
„Verstehe. Die stehen dir sicherlich genauso ausgezeichnet.“
Sie errötete leicht.
„Danke dir. Du bist ja ein Charmeur.“

Max aß drei Teller Nudeln, dann ging er duschen. Bevor er das Bad verließ, warf er einen letzten Blick in den Spiegel. Er sah genauso aus, wie er aussehen wollte. Das neue Band-Shirt von Led Zeppelin spannte ein wenig über seiner Brust, die er vom Vater seiner Mutter geerbt hatte, die zwei Mal umgeschlagenen Ärmel legten seinen kompakten Bizeps frei, der gerade noch klein genug war, um nicht aufgepumpt zu wirken. Er trug die Haare drei Millimeter kurz und ließ sich an Oberlippe und Kinn einen Bart stehen. Zusammen mit den ausgewaschenen Jeans und den schlichten Adidas-Sneakern verlieh ihm dieser Look ein Auftreten, mit dem er aus dem Meer von Wuschelköpfen und Gelfrisuren an der Uni herausstach, das wusste er. Er fuhr sich mit der Hand über den Schädel und sah sich einen Moment lang in seine blassblauen Augen. Ein Gefühl von Entfremdung packte ihn, dann tauchte er in einen See voll Kraft.

Er verließ das Haus, zog sich die Kapuze seines Hoodies über den Kopf und kramte die Zigarettenschachtel aus der Innentasche seiner Lederjacke. Dann überquerte er die Straße und ging durch den Park. Bis auf die Wege und den Sportplatz war alles stockduster. Er erinnerte sich daran, wie er irgendwann mal mit seinen Freunden genau in dieser Düsternis gehockt hatte. Es war Sommer gewesen und sie hatten ein paar Tüten geraucht. Sie hatte nichts gesehen außer die rot aufglühenden Spitzen und waren umweht worden vom Geruch sich öffnender Türen. Von irgendwo war der Klang von Bongo-Trommeln zu ihnen getragen worden, verheißungsvoll und wild, aber auch bedrohlich. Plötzlich war Blaulicht aufgezuckt. Sie hatten das Gras ins Gebüsch geworfen und waren still geworden, dann hatte der unberechenbare Psycho ihrer Truppe laut gerufen: „Hier sind wir!“ Max hatte ihm eine verpasst und zugeraunt, dass er bloß die Schnauze halten soll. Irgendwann war es wieder schwarz geworden und sie hatten weitergeraucht.

Kurz vor Elf erreichte Max den Barbarossaplatz. In einem Kiosk kaufte er sich eine neue Schachtel Kippen und ein Bier. Jan kam mit der nächsten Bahn aus Rodenkirchen.
„Hello!“
„Hi, alles klar bei dir?“, fragte Max.
Die beiden großen Kerle schlugen ein und umarmten sich. Max zündete sich eine an. Die Bahn stand noch immer an der Station und Max bemerkte, wie ihn hinter der Scheibe eine Frau fixierte.
„Ich glaub, ich hab heute Mojo“, sagte er.
„Wie kommst du drauf?“, fragte Jan mit seinem Affengrinsen.
„Ist so ein Gefühl. Wie sieht’s bei dir aus?“
„Vielleicht. Kann ich noch nicht sagen. Hast du Hunger? Ich muss auf jeden Fall noch was essen.“
„Nein, ich hab grad drei Teller Nudeln gegessen.“
"Oruc?"
„Sag du es mir."
„Oruc!“

Im Imbiss drängten sich so viele Leute, dass die Scheiben beschlagen waren.
„Ich warte draußen“, sagte Max.
Er lehnte sich an ein Straßenschild und zündete sich die nächste Kippe an. Es waren viele Leute unterwegs und auch die Kneipe gegenüber war gerammelt voll. Nach etwa zehn Minuten kam Jan mit einem Dürüm wieder raus.
"Immer noch nur Fleisch mit Sauce?", fragte Max.
"Yessir", sagte Jan und biss beherzt in die unteramdicke Rolle.
„Ich glaube, heute ist ne gute Nacht. Mega viel los“, sagte Max.
„Ja, ist mir auch schon aufgefallen", schmatzte Jan und wischte sich Tsatsiki vom Kinn. "Ist irgendwas Besonderes?“
„Keine Ahnung, weiß von nichts.“
„Wahrscheinlich Zufall. Manchmal gehen einfach alle gleichzeitig raus.“

Sie liefen zurück zum Barbarossaplatz und nahmen die 18 zum Dom. Vor dem Eingang zum Club hatte sich bereits eine große Traube gebildet. Unter einigen Jacken lugten schrille Sportklamotten hervor, ein paar Frauen trugen Schweißbänder und hattten sich die Haare toupiert.

„Hier, deine Nummer“, das Mädel in der Garderobe reichte Max den Zettel heraus und lächelte ihn dabei zuckersüß an. Er lächelte zurück und wandte sich dann zu Jan:
„Dann wollnwamal.“
Jan tat so, als wollte er Max boxen, der drehte sich weg, und Jan sprang ihm auf den Rücken.
"Hör auf, Alter. Das ist ja peinlich."
Max schüttelte ihn ab und sie stiegen nacheinander die Treppe hoch. Ein hässlicher Bass warf sich ihnen entgegen und der Gesang kreischte hinterher. Körper zwängte sich an Körper, die niedrige Decke sorgte für noch mehr Enge. Auf einer Bühne heizten zwei verschwitzte Männer in viel zu knappen Trikots der Menge mit Showeinlagen und Zwischenrufen aus einem Megafon ein. Wegen diesem Wahnsinn war die Party schnell berühmt geworden.
„Ich geh uns zwei Kölsch holen“, schrie Max. Er wühlte sich zur Bar, passte einen Typen ab, der sich mit seinen Drinks vom Tresen wegdrehte, und zwängte sich in die Lücke. Auf die Ellenbogen gestützt aus der Reihe der Wartenden hervorragend verfolgte er die Barkeeper mit seinen Augen und als einer den Blick schweifen lief, fing Max ihn auf und zeigte blitzschnell das Peace-Zeichen. Der Barkeeper nickte ihm zu. Da spürte Max, wie ihn jemand in die Seite knuffte. Eine junge Frau mit offenem Gesicht deutete an, dass sie ihm etwas sagen wollte, und er beugte sich zu ihr herunter:
„Wir stehen schon länger hier!“
Max musste sich konzentrieren, um die Worte zu verstehen. Sie setzte eine beleidigte Mine auf, die bald einem Lächeln wich.
„Du warst halt zu langsam!“, gab er schnippisch zurück.
Dann lächelte er sie breit an. Sie gab ihm einen Klapps auf die Schulter und schaute böse.
„Was wollt ihr denn haben?“, fragte Max, diesmal betont höflich.
„Drei Gin Tonic.“
Der Barkeeper stellte die beiden Kölschstangen auf die Theke und Max gab ihm 4 Euro in Münzen. Dann rief er:
„Und noch drei Gin Tonic, bitte!“
Er zwinkerte der Frau zu und ließ sie dann mit ihren Freundinnen stehen. Als er sich noch einmal kurz umdrehte, fing er erneut ein Lächeln von ihr auf. Er stellte sich wieder neben Jan an die Wand und fischte eine Gauloises aus der Schachtel. Sie betrachteten die Tanzfläche.
„Nicht schlecht, oder?“, sagte Max.
„Alles andere als schlecht, würde ich sagen“, gab Jan zurück. Kurz darauf ging er die nächste Runde holen. Vor Max tanzte ein Grüppchen junger Frauen und noch ehe er sich irgendwelche Gedanken zu ihnen machen konnte, tänzelte eine zu ihm rüber:
„Ich liebe dein T-Shirt!“
Max schaute demonstrativ an sich runter.
„Danke.“

Jan kam zurück und reichte ihm ein volles Glas. Max zog den Schaum ein und ließ das kühle Bier seine Kehle hinunterlaufen. Ihm wurde plötzlich klar, dass alles für eine famose Nacht bereitet war, er musste nur noch loslassen. Er trank mehr Bier, dann auch den einen oder anderen Tequila. Seine Tanzbewegungen wurden ausladender und als eine aufblasbare Gummischildkröte bei ihm landete, führte er ein paar schlechte Walzerschritte mit ihr vor und die Umstehenden lachten über seinen Scherz. Kurz darauf kam wieder eine Frau unvermittelt auf ihn zu.
„Du siehst wirklich unfassbar gut aus!“
Die Frau war Max vorher nicht aufgefallen und er hatte keine Ahnung, warum sie ihm das einfach so sagte. Er bedankte sich und erzählte Jan, was gerade passiert war.
„Und das geht schon den ganzen Abend so.“
Jan schlug ihm vor die Brust:
„Wie’s aussieht, hast du heute wirklich Mojo.“
„Kann sein, aber das ist nicht normal. Ich komm mir vor wie ein scheiß Rockstar. Was ist hier los?“
Jan lachte. Er begriff nicht, dass das Ganze Max wirklich surreal vorkam. Er hatte Vergleichbares noch nie erlebt. Er holte mehr Bier und tanzte nun so ausgelassen, dass die Menschen neben ihm zu Schemen wurden.

Irgendwann ließ er den Blick wieder schweifen und ihm fielen drei Personen auf, die gerade den Tanzsaal betraten. In der Mitte ging ein schwarz gekleideter Mann um die Fünfzig. Er war mittelgroß, sehr schlank und glattrasiert. Seine grauen, ein wenig schütteren Haaren hatte er zu einem Pferdeschwanz gebunden. In jedem seiner Arme hatte sich eine Mittzwanzigerin eingehakt, auch sie beide ganz in Schwarz: Rechts eine schlanke Brünette, die ein kurzes Kleid und Strumpfhosen trug, links eine dralle Blondine mit zum Bob gestutzten Haaren in Jeans und hautengem Top. Beide steckten in High-Heels und hatten nicht an Make-up und Lippenstift gespart. Nicht nur Max, auch Jan fielen die drei sofort auf.
„Was wollen die denn hier?“, fragte er Max.
„Keine Ahnung, aber die passen null hierher.“
„Sieht aus wie ein Zuhälter mit zwei Call-Girls."
„Aber echt, ey!“
Die drei sahen sich kurz im Raum um, dann ging der Mann an die Bar und die Frauen steuerten eine Art Tresen neben der Tanzfläche an. Max behielt sie weiter im Auge und sah, wie der Mann mit drei Long Drinks zurückkam und zwei davon an die Frauen reichte. Sie zogen an den Strohhalmen und unterhielten sich. Nach einer Weile begannen die Frauen zu tanzen und wurden vom stampfenden Sumpf verschluckt. Max ging zu den Klos.

Als er zurückkam, blieb er zwischen Bar und Tanzfläche stehen, um nach Jan Ausschau zu halten, entdeckte ihn aber nicht. Stattdessen tauchte die schwarz gekleidete Blondine vor ihm auf und durchbohrte ihn mit einem Blick aus stechend grünen Augen. Diesen Blick konnte Max deuten, aber in dieser Intensität hatte er ihn noch nie aufgefangen. Er hielt ihm stand, machte zwei Schritte auf sie zu und packte sie, ohne ein Wort mit ihr zu wechseln. Sie erwiderte seinen Kuss und eng umschlungen standen sie eine Weile mitten in der Menschenmenge. Seine Hände gingen auf Erkundungstour und sie ließ es geschehen.
„Sollen wir rausgehen?“, fragte er sie, als er sich der unruhigen Umgebung gewahr wurde. Sie nickte.
„Ich muss aber noch kurz Tschüss sagen“, sagte sie.
Max erinnerte sich, dass sie Teil dieses seltsamen Grüppchens war. Er entdeckte Jan und ging zu ihm.
„Alter, ich bin weg.“
„Mit der Blonden?“
„Ja“, grinste Max und schaffte es nicht, den Stolz aus seiner Stimme herauszuhalten.
„Ich weiß nicht, irgendwas kommt mir da komisch vor“, sagte Jan.
„Ach, komm schon“, entgegnete Max. „Was soll da komisch sein? Glaubst du wirklich, dass das Nutten sind, oder was?“
Jan zögerte kurz, dann zuckte er mit den Schultern.
„Wahrscheinlich nicht.“
Er schlug Max auf den Rücken.
„Have fun! Und schreib mir morgen, wie’s war.“

Die Frau wartete an der Treppe auf Max. Er musterte sie noch einmal. Sie hatte eine Figur wie Sophia Loren, noch größere Brüste sogar, und dieselben vollen Lippen, sah also aus wie Fleisch gewordene Weiblichkeit. Es wirkte schon überzeichnet. Übersah er etwas? Was hatte so eine Frau an der Seite von einem schmierigen alten Sack in einem Studentenclub zu suchen? Und warum gab es gleich noch ein brünettes Gegenstück zu ihr? Und warum hatte sie sich ihm augenblicklich an den Hals geworfen, ohne jedes Spielchen? Hatte Jan etwa recht gehabt? Waren die beiden Nutten und das alles eine Falle? Max kamen Zweifel. Als er bei der Frau war, entschuldigte er sich, um erneut zu den Toiletten zu gehen. Über das Waschbecken gebeugt spritzte er sich Wasser ins Gesicht. Es wirkte alles äußerst komisch, das stand außer Frage. Aber andererseits hatten sich ihm die Frauen den ganzen Abend lang förmlich aufgedrängt, warum auch immer. Wusste der Teufel, was sie mit diesem Typen und dieser anderen aufgetakelten Frau hier zu suchen hatte. Vielleicht waren sie Nutten, hatten aber schon Feierabend. Ach, Quatsch! Wahrscheinlich schoben Jan und er sich nur einen Film. Bei Lichte betrachtet waren da doch einfach nur zwei Frauen mit einem alten Typen bei der falschen Party gelandet. War ihm doch auch schon passiert. Max blickte in den Spiegel und realisierte, dass sein Grübeln eine Scharade war. Er hatte seine Entscheidung längst getroffen. Und wenn er sich jetzt nicht allzu naiv verhielt, bestünde doch gar kein Risiko. Was sollte schon passieren? Er verließ den Toilettenraum und ging mit der Frau zur Garderobe. Das Mädchen lächelte ihm wieder zu, kaum merklich diesmal, und Max meinte eine Spur von Bedauern in ihrem Blick zu erkennen.

Sie verließen den Club und gingen über den Parkplatz, wo die Penner hinkacken und die Taxifahrer eine rauchen. Max bot der Frau seinen Arm an und sie hakte sich unter.
„Wie heißt du eigentlich?“, fragte er.
„Giulia, und du?“
„Max.“
„Bist du aus Köln?“
„Nein, aus Duisburg.“
„Ah, und was machst du hier?“
„Mit dir irgendwo hingehen ... Wo gehen wir eigentlich hin?“
„An den Rhein, hab ich gedacht.“
„Ok.“
Max drehte sich kurz um. Niemand folgte ihnen. Auch wenn er sich mittlerweile fast sicher war, dass sie keine Nutte war, so wollte er doch ein wenig Abstand zum Club gewinnen und die Uferpromenade lag ein paar hundert Meter entfernt.
„Und, was machst du so? Studieren?“, fragte er.
„Nein, ich arbeite“, antwortete sie.
„Ok. Als was?“
„Als Model“, erwiderte sie, als sei das ein Beruf wie Verkäuferin oder Lagerist.
Model? Was sollte das heißen? Das war doch ein Code-Wort für Nutte. Oder war sie Nacktmodell? Ein Laufstegmodell war sie jedenfalls nicht, mit dieser Figur. Vielleicht war sie Pornodarstellerin. Dann war die andere Frau auch eine und der Typ war ihr Manager oder ein Regisseur. Max blickte sich wieder um und sah den Dom grünlich aufschießen. Er liebte diesen Anblick, auch wenn er nicht katholisch war, ja nicht einmal getauft. Kein halbes Dutzend Mal war er in dieser Kirche gewesen, aber darum ging es nicht, denn die zwei Zacken waren schlichtweg die Leuchttürme seines ganzen Lebens gewesen. Kein Auto war mehr auf den Straßen und auch die Promenade zog sich verlassen an dem dunklen Streifen entlang, der die Stadt zerriss. Max war nicht mehr so selbstsicher wie zuvor. Die paar mit ihr gewechselten Worte hatten ihm klargemacht, dass er nichts mit der Frau zu reden hatte, und er spürte, dass sie das auch wusste. Das schmerzte ihn und es fühlte sich plötzlich falsch an, mit ihr Richtung Ufer zu gehen.

Sie lehnten sich an das Mäuerchen. Er nahm sie in die Arme und küsste sie, fuhr ihr mit einer Hand unters Top und spürte die straff sitzenden Träger ihres BHs auf. Ihre Hände glitten ganz selbstverständlich auch unter sein Shirt. Sie strich ihm über den Bauch.
„Wow, so hart!“, säuselte sie.
Max stutzte. Meinte sie das ernst? Er war ganz gut in Form, das schon. Aber er hatte keinen Waschbrettbauch. Hatte sie das gesagt, um ihm zu schmeicheln? So etwas hatte er noch nie erlebt und ihm kam wieder das Wort in den Sinn: Nutte. Er ließ den Blick schweifen, aber sie waren noch immer allein. Er spürte, wie sie ihm zart über den Hals leckte und ließ sich wieder fallen. Seine Hand fuhr in ihre Jeans, zwischen ihre Pobacken. Sie stöhnte auf, während er das tat, doch als er seine Hand vorne in die Hose rutschen lassen wollte, hielt sie ihn auf.
„Das geht heute nicht.“
Max zog seine Hand zurück. Hatte sie ihre Tage? Oder wollte sie nicht so weit gehen? Er murmelte:
„‘Tschuldigung“.
„Konntest du ja nicht wissen“, sagte sie. Es klang arglos wie von einem Kind gesprochen. Dann sagte sie im selben Tonfall:
„Aber ich kann dir einen blasen, wenn du willst.“
„Klar will ich!“, hörte Max sich zustimmen, bevor er ihren Satz verarbeitet hatte. Jan hatte recht gehabt! Er ging einer Masche auf den Leim wie der letzte Dorftrottel. So verhielten Frauen sich nicht, schon gar nicht unter der Hohenzollernbrücke. Das war ein Set-Up. Das war hundert Pro ein Set-Up! Sie packte in seinen Schritt. Aber es wusste doch überhaupt niemand, wo sie waren. Sie begann, seine Hose aufzuknöpfen. Wie sah die Falle aus? Sie hatte doch niemandem geschrieben.
„Warte! Nicht hier“, sagte er.
Sie hielt inne.
„Lass uns da rüber gehen.“
Er nickte zum Büdchen, wo man tagsüber Tickets für Rheinfahrten kaufen konnte. Die zum Fluss hin liegende Rückseite lag im Schatten der Laternen. Dort würden sie kaum zu sehen sein.

„Sag mir Bescheid, bevor du kommst“, bat sie.
„Ok.“
Wieder wunderte sich Max über ihren Tonfall. Sie ging in die Hocke, öffnete seine Hose, zog sie herunter und begann. Max verschränkte seine Arme hinter dem Kopf, nur um sie sogleich wieder herunterzunehmen und in die Seiten zu stemmen. Auf der anderen Flussseite leuchtete es grün von der Spitze des Messeturms: „koeln“. Er blickte zu ihr herunter. Sie lutschte und saugte so beherzt wie keine vor ihr. Dabei sah sie auffordernd zu ihm hoch. Es wirkte alles nicht echt, dachte Max. Es wirkte … professionell. Genau in diesem Moment erfasste ein Lichtkegel den kleinen Raum zwischen Bude und Geländer.
„Scheiße“, stieß Max hervor und zog die Frau schnell hoch, sodass sie ihn verdeckte.
„Was ist los?“
Schon standen sie wieder im Dunklen und Max starrte den Rücklichtern eines Straßenkehrfahrzeugs hinterher, die ein gutes Stück die Promenade runter glühten. Es musste kurz aufgeblendet und dann gewendet haben.
„Ich dachte, da käme jemand.“
„Wäre das schlimm?“
„Ich steh hier mit heruntergelassener Hose.“
„Soll ich aufhören?“
„Auf keinen Fall!“
Max küsste sie und zog Top und BH unter ihre Brüste. Er streichelte sie, vergrub dann sein Gesicht zwischen ihnen. Ihm war jetzt egal, wer noch abkassieren käme. Er biss ihr heftig in den Hals, während sie es mit der Hand beendete. Es tropfte zwischen ihnen aufs Pflaster.

Max zog seine Hose hoch.
„Danke, das war toll“, sagte er.
„Hat mir auch Spaß gemacht“, sagte sie.
Er sah sie an. So stark geschminkt war sie gar nicht. Sie legte den Kopf an seine Brust, fragte:
„Und jetzt?“
„Ich weiß nicht … Sollen wir nach einem Kiosk suchen und uns noch was zu trinken holen?“
„Hat denn jetzt noch was auf?“
„Irgendwas hat immer auf.“
„Ok, ich folge dir.“
Sie lachte und drückte den Kopf noch etwas fester an ihn. Max war das unangenehm. Er wollte sie nicht so nah an sich haben.

Sie machten sich im Bahnhof auf die Suche nach einem Kiosk. Im hellen Licht der Passagen merkte Max, wie erschöpft sie aussah. Und als sie die Domtreppe hinaufstiegen, schwankte sie. Er reichte ihr die Hand, um ihr zu helfen. Sie griff danach und ihre Jacke ging auf. Max sah, dass ihre Brüste noch freilagen.
„Ähm …“
Er deutete auf den Bereich.
„Ups … Oh Gott!“, sie lachte und zog ihr Top hoch.

Sie setzten sich auf die Stufen vor dem Hauptportal. Ihr Kopf sank auf seine Schulter und Max legte den Arm um sie. Er begann sich elend zu fühlen. Er nahm einen Schluck und starrte das Café vor ihnen an.
„Die haben guten Kuchen.“
„Was?“
„Die haben guten Kuchen“, wiederholte er.
„Wer?“
„Na, das Café.“
Sie öffnete die Augen.
„Ja?“
„Ja. Gehen alle Omas hin. Die kennen sich aus.“
Sie lächelte matt und schloss die Augen wieder.
Max starrte weiter das Café an. Er war nie selbst drin gewesen.
„Zu Hause wartet mein Freund“, sagte sie irgendwann.
Max war geschockt.
„Zu Hause wartet dein Freund?“
„Ja.“
Er rieb sich die Stirn, setzte dann wieder die Flasche an. Einige Zeit verstrich, keiner von beiden sagte etwas. Er zündete sich eine an.
„Seid ihr schon lange zusammen?“
„Drei Jahre.“
„Und ihr wohnt zusammen?“
„Ja.“
Sie schwiegen wieder.

Die Kälte der Steinplatten begann Max zu schmerzen. Er dachte: Gleich wird es hässlich. Er stand auf.
„Ich glaube, es wird Zeit, nach Hause zu gehen. Sonst holen wir uns hier den Tod.“
Sie sah ihn aus glanzlosen Augen an. Max hielt ihr die Hand hin und sie stand unsicher auf.
„Weißt du, welchen Zug du nehmen musst?“
„Den nach Duisburg.“
„Alles klar … Finden wir schon.“

Er führte sie bis zum Gleis. In fünf Minuten kam der Regionalexpress Richtung Ruhrgebiet. Max atmete durch. Was für ein Glück!
„Gibst mir deine Nummer?“, fragte sie.
Max verstand nicht.
„Aber dein Freund?“
„Ist doch egal. Gibst du sie mir?“
„Klar.“
Er kramte sein Handy raus.
„Sag du mir deine, dann lass ich anklingeln“ sagte er.
„Ok.“
Sie begann die Zahlen herunterzubeten.
„Warte kurz, ich muss noch eben …“
Er tippte auf dem Gerät herum und seufzte:
„Moment noch.“
Sie stand regungslos da.
„Alles klar, jetzt kannst du.“
Sie diktierte ihm ihre Nummer.
„Aber du gibst mir deine Nummer auch, oder?“, fragte sie.
Der Zug schlich durch die Eisenbögen der Brücke langsam heran.
„Natürlich. Aber lass uns vorher kurz konzentrieren. Ist das dein Zug?“
Er zeigte hoch zur Anzeigetafel, wo neben der Zugnummer die Ziele standen: Düsseldorf, Duisburg, Essen, Dortmund.
Sie schaute zur Tafel.
„Glaub schon.“
Der Zug hatte das Gleis erreicht und kam behutsam zum Stehen.
„Gibst du mir jetzt deine Nummer?“
„Ja, gleich.“
Die Türen öffneten sich und Max schob die Frau sachte in ihre Richtung.
„Du musst jetzt einsteigen, sonst verpasst du deinen Zug. Ich lass dann gleich direkt anklingeln.“
„Wirklich?“
„Ja.“
Sie stieg ein.
„War ein schöner Abend“, sagte Max.
„Ja“, erwiderte sie und beugte sich zu ihm.
Er drückte ihr einen Kuss auf und machte einen Schritt zurück.
„Ciao.“
„Ciao."
Sie winkte. Auch er hob die Hand zu einem letzten Gruß. Die Tür schloss sich und Max blickte auf den Knutschfleck an ihrem Hals.

Giulia schlug die Augen auf und starrte in kaltes Licht und ein leeres Abteil. Wo war der junge Mann? War er Tickets kaufen gegangen? Ach nein, das ging ja in diesen Zügen gar nicht. Sie dachte nach und sah ihn zu einer Treppe gehen. War er gar nicht eingestiegen? Rolf! Natürlich nicht. Ach du Scheiße, Rolf! Wo waren Natalie und Tommy? Ein dunkler Raum tauchte vor ihr auf und Nebel stieg ihr in die Nase. Sie küsste Natalie auf die Wange. Richtig, sie hatte die beiden im Club stehen gelassen, um mit diesem jungen Mann mitzugehen. Ein schwarzer Fluss. War das der Rhein? Max, so hieß er doch. Sie schmeckte noch das nussige Salz. Wie frei er gewirkt hatte, wie höflich er gewesen war. Sie fasste nach ihrem Handy. Drei SMS. Später. Sie drückte sich durch die Kontakte. Nichts. Auch keine unbekannte Nummer. Nur immer wieder: Rolf – und ein paar Mal Natalie. Ihre Brust zog sich zusammen. Aber er hatte es ihr doch versprochen. Vielleicht würde er ja noch … Nein, er würde nicht mehr anrufen, sie wusste es doch. Es war wie immer.

Dass ihr kein weißer Ritter die Hand reichen würde, um sie aus der ganzen Scheiße rauszuholen, hatte Giulia schon früh begriffen. Nach dem Tod ihrer Mutter war sie öfter mal nach der Schule bei ihrem Vater mitgefahren und hatte dabei beobachtet, dass ihm so gut wie keiner der einsteigenden Leute auch nur mal ein Hallo entgegenbrachte. Selbst in einer Stadt wie Duisburg war er Luft für die Menschen. Eine Zeit lang war er den 937er gefahren, der bei der Gegend beim Zoo vorbeikam, dann auch mal den 940er ganz im Süden durch Hüttenheim und Huckingen, wo die wirklich reichen Leute wohnten. Stiegen dort Jungs zu, beachteten sie Giulia gar nicht, anders als auf Fahrten durch Hochfeld oder Meiderich, wo sie dauernd angemacht worden war, auch von älteren Männern. Sie war damals Elf, Zwölf gewesen. Einmal hatte ihr Vater es mitbekommen und den Bus angehalten, obwohl sie mitten zwischen zwei Haltestellen gewesen waren. Dann war er mit einem „Du, Wichser!“ auf den Typen los, hatte ihn gepackt und so heftig zur Tür herausgestoßen, dass dieser auf dem Bürgersteig aufgeschlagen war. Obwohl sie in diesem Moment vor Stolz auf ihren Vater geplatzt war, war ihr die Szene auch unbeschreiblich unangenehm gewesen, denn im Gesicht einer alten Frau in einem guten Mantel hatte sie pure Abscheu gesehen. Später war sie dann nicht mehr bei ihrem Vater mitgefahren und als sie die ersten Jungs getroffen hatte, hatte sie ihm nichts davon erzählt. Für ihn war sie dann immer bei einer Freundin und er hatte nie dort angerufen, um das zu überprüfen.

Sie öffnete die oberste SMS. Sie kam von Tommy:
„Süße wo bist du? Rolf hat angerufen. Bin nicht ran und hab mein Handy ausgemacht. Meld dich, Natalie“

Giulia kannte Natalie von der Ausbildung zur Textilreinigerin, die sie nach der Hauptschule anderthalb Jahre gemacht hatte, bis sie den Geruch nicht mehr ertrug. Sie hatten sich auf Anhieb gut verstanden und in der Berufsschule jede Pause zusammen verbracht, JPS rauchend und Kapselkaffee vom Kiosk im Durchgang trinkend. Giulia hatte erfahren, dass Natalies Mutter unter Multipler Sklerose litt und schon seit Jahren im Rollstuhl saß. Vielleicht war das der Grund dafür, dass sie so eine starke Verbindung zu ihr spürte. Nachdem Giulia die Ausbildung abgebrochen hatte, waren sie in Kontakt geblieben, und auch als Natalie in ihrem dritten Lehrjahr mit Tommy zusammengekommen war, war das Band zwischen ihnen nicht gerissen. Tommy betrieb in Ratingen ein American Diner, das Sunset Blvd. Es war schnell zu einer lokalen Institution geworden, weil er die einzigen handgemachten Burger im ganzen Landkreis anbot. Auf die Idee mit dem Diner war er nach einer Trailertour durch "die Staaten" gekommen, wie er neuen Gäste erzählte, während er sich auf ihren Tisch stützte, um ihnen auch gleich seinen Ring mit dem Adler zu präsentieren: Die Route 66 rückwärts, von LA nach "Tschikago", so sprach er es aus, "Tschikago". Natalie arbeitete mittlerweile auch im Restaurant. Tommy sagte den Leuten sogar, sie würden es zusammen betreiben, aber das machte er nur, um nett zu sein. Natalie war nicht beteiligt. Trotzdem beneidete Giulia ihre Freundin. Sie waren ein Stückchen Weg gemeinsam gegangen, doch dann hatte sich das Schicksal Natalie gegenüber gnädig gezeigt, während sie richtig in die Scheiße geraten war. Natalie war sogar dabei gewesen, als Giulia Rolf getroffen hatte. Drei Jahre war das jetzt her. Sie hatten als Hostessen auf der Autoshow in Essen gejobbt, am Stand einer Felgenfirma. Den Namen wusste Giulia nicht mehr, aber an das Logo konnte sie sich erinnern: ein Löwenkopf. Es war leicht verdientes Geld gewesen: Sie mussten sich Hotpants und hohe Schuhe anziehen und die Besucher anquatschen, ob sie nicht bei einem Gewinnspiel mitmachen wollten. Fünfzehn Euro hatte es dafür die Stunde gegeben. Für Natalie, die damals noch in der Wäscherei arbeitete, war es ein nettes Zubrot gewesen, für Giulia hatten es einen sorgenfreien Monat bedeutet. Rolf war mit den Jungs aus seinem Club auf der Messe gewesen, alle in Kutte. Damals ging das noch. Während die anderen am Stand vorbeiliefen, war er stehengeblieben. Giulia hatte ihm eine von den Karten gegeben, wo man seine Telefonnummer und Adresse hinterlassen musste, wenn man an dem Gewinnspiel teilnehmen wollte, und er hatte nur seine Nummer draufgeschrieben und gesagt:
„Die ist für dich!“
„Ach, ja?“, hatte sie ihn gefragt, „Und von wem ist die?“
„Von Rolf.“
Sein Bart hatte sich zu einem Lächeln verzogen und er war weitergangen. Sie hatte ihm nachgeblickt und die Aufnäher auf seinem Rücken betrachtet. Er war der einzige in der Gruppe gewesen, der keine Glatze getragen hatte. Als sie Natalie in der Pause von der Begegnung erzählt hatte, war diese wütend geworden.
„Vergiss das direkt, meine Kleine, bitte!“
Natalie hatte verstanden, was sie meinte, aber Rolf hatte sie nicht mehr losgelassen. Nach fünf Tagen hatte sie ihn angerufen und sie hatten sich in einem Café verabredet, das ein Kumpel von ihm betrieb. Giulia war etwas zu früh gewesen und hatte vor dem Eingang gewartet, als Rolf auf seiner Harley angedonnert war. Ein Kribbeln war ihren ganzen Oberkörper hochgestiegen und nach einem Kaffee und zwei Rum-Cola zwischen Topfpflanzen und einem Spielautomaten war sie hinter ihm auf die Maschine geklettert. Einen Helm für sie hatte er schon dabeigehabt. Sie hatte zum ersten Mal seinen steinharten Brustkorb umklammert. Damals hatte sie noch nichts von den Spritzen und Pillen verstanden, die in seinem Kleiderschrank lagen. Sie hatte das gleichförmige Kreuz auf seinem Nacken angesehen und seine dünne, hühnerhafte Haut. Bevor er das Motorrad zum Leben erweckte, hatte er ihr zugeraunt:
„Komm nicht an den Auspuff, der wird heiß.“
Drei Wochen später war sie zu ihm in die Zweizimmerwohnung in Nord-Marxloh gezogen, auch wenn Natalie alles versucht hatte, sie davon abzubringen. Seitdem hörte Giulia jede Nacht die A59 rauschen – auch bei geschlossenen Fenstern.

Sie schrieb Natalie an Tommys Nummer zurück:
„Ja ales ok. Binim Zug“
Sie las die anderen beiden Nachrichten. Rolf:
„Wo bist du?“
Noch einmal Rolf:
„Schreib mir sofort wo du bist!“
Giulia steckte das Handy weg und lehnte sich ans Fenster. Verlassene Fußballfelder schossen vorbei, dann nichts als tiefstes Schwarz. Sie nickte ein.

„Düsseldorf Hauptbahnhof.“
Die Durchsage weckte sie. Draußen erhoben sich tote Häuserfronten, dann ein riesiger Kasten mit rot schimmernden Fenstern. Mitten drin saß eine schwarze Frau mit pinkem BH und starrte zu Giulia hinunter. Ob sie vor Rolf zu Hause sein würde? Sie sah auf die Uhr. 4:19. Noch eine Viertelstunde bis Duisburg. Dann noch die Fahrt zur Wohnung. Bis dahin war er sicher da. Sollte sie zu Papa? Ach, was würde das schon bringen? Dort würde Rolf als erstes nach ihr suchen. Sie konnte nirgends hin. Rolf kannte ganz Duisburg.

Der Zug erreichte den Düsseldorfer Flughafen. Ein älteres Paar stieg zu und schob zwei Trolleys durch den Gang. Sie grüßten Giulia und setzten sich ein paar Plätze hinter ihr hin. Wo sie wohl gerade herkamen? Vielleicht aus Amerika? Giulia erinnerte sich an den ersten Sommer mit Rolf. Sie waren zu seinem fetten Kumpel nach Mallorca geflogen, auf dessen Finca. Immer wenn Rolf im Haus und sie mit dem Fettsack allein am Pool war, hatte der sie angeglotzt und fies gelächelt. Aber als sie Rolf davon berichtet hatte, hatte der nur gemeint:
„Lass gut sein.“
Die beiden Männer hatten nichts anderes getan, als den ganzen Tag mit rotem Kopf auf der Terrasse zu lümmeln und Bier in sich hineinzuschütten, ein Cerveza nach dem anderen. Sie hatte stumm dabeigesessen oder sich in die Sonne gelegt, auch wenn das hieß, dass der Scheißköter mit ihr mitlief und sie mit seinem Blick aufspießte. Jede Nacht hatte Rolf sich in diesem Urlaub über sie gewälzt und sie hatte seinen schweren Körper nur von sich runter bekommen, indem sie mitspielte. Einmal hatte er gefragt, ob sein Kumpel dabei sein durfte, aber sie hatte Nein gesagt. Gott sei Dank, hatte Rolf das damals akzeptiert. Sie war sich sicher, dass er heute anders handeln würde. Nie wieder würde sie mit ihm nach Mallorca fahren!

Giulia wurde es ganz schlecht bei diesen Erinnerungen und sie wischte sie weg. Was sollte sie tun? Es würde ihr nichts anderes übrigbleiben, als ihm geradewegs ins Gesicht zu lügen. Sie musste sich jetzt eine Geschichte zurechtlegen. Nach dem Konzert waren sie über die Brücke mit den ganzen Schlössern in eine Bar gegangen, die Tommy kannte. Sie hatte irgendwo hinterm Bahnhof gelegen, es sah dort aus wie in Duisburg. Wie hieß die noch? Sie dachte nach. Da war diese Wand aus echtem Eis gewesen, in der die ganzen Flaschen standen. Sie kam nicht drauf. War ja auch egal, wie sie hieß. Von da hatte sie Rolf geschrieben. Sie schaute sich die SMS an:
„Schatzi,gehe noch in einem Club.“
„Gehen tommy und natalie auch mit?“
„Ja“
„Ok. Aber schreib mir in einer stunde wider.“
„Mach ich. Kussi!“

Das war um 1:34 Uhr gewesen. Zwischen 2:54 Uhr und 3:02 Uhr hatte Rolf drei Mal angerufen und dann die erste Nachricht geschrieben, auf die sie nicht geantwortet hatte:
„Wo bist du?“
Zwischen 3:14 Uhr und 3:25 Uhr hatte er dann weitere fünf Mal angerufen und danach die zweite Nachricht geschrieben:
„Schreib mir sofort wo du bist!“
Wie sollte sie ihm ihr Schweigen nur erklären? Es war unmöglich. Diesmal würde er sie umbringen. Es zog ihr die Kehle zu und sie begann zu schluchzen.

„Junge Frau. Geht es Ihnen gut?“
Der grade erst zugestiegene Mann beugte sich zu ihr herunter, seine Frau stand mit besorgter Mine hinter ihm. Giulia schwieg und wischte sich mit dem Ärmel über die Augen.
„Können wir irgendwas für Sie tun?“
Diesmal sprach die Frau. Giulia merkte, wie trocken ihr Mund war.
„Haben Sie vielleicht etwas Wasser?“
Die Frau kramte eine noch verschlossene Halbliterflasche hervor.
„Hier, die können Sie haben.“
„Vielen Dank.“
„Können wir Ihnen sonst noch irgendwie helfen?“, fragte der Mann.
„Nein, geht schon.“
„Wo müssen Sie denn hin?“
„Nach Duisburg.“
„Da sind sie ja gleich da. Holt sie jemand ab?“
„Ja, mein Freund“, sagte Giulia.
„In Ordnung“, sagte der Mann, „Aber wenn was ist, wir sitzen da drüber, ja?“
„Ok, danke.“
Die beiden kehrten auf ihre Plätze zurück und Giulia trank mehr von dem Wasser.

Sie stand auf und schaute zu dem Paar rüber.
„Machen Sie es gut“, sagte der Mann.
Seine Frau schaute besorgt:
„Alles Gute.“
„Tschüss“, hauchte Giulia und verließ den Zug.

Im McDonald’s bestellte sie sich einen großen Kaffee und eine Kirschtasche. Sie wurde ruhiger. Es musste doch irgendeinen Ausweg geben. Rolf war misstrauisch und hatte einen guten Instinkt, was Menschen anging, aber sie glaubte nicht, dass er ihr wehtun wollte. Wenn sie ihm doch nur eine glaubhafte Geschichte erzählen könnte. Sie nippte am Kaffee und ging alles noch einmal durch. Rolf hatte Natalie einmal angerufen, dann hatte die ihr Handy ausgemacht. Natalie könnte ihm also morgen sagen, dass ihr Akku leer gewesen war. Und den Anruf zuvor hatte sie in der lauten Disco einfach nicht gehört. Das klang zwar unwahrscheinlich, aber es war denkbar. Manchmal passierten solche Dinge doch. Aber was war mit ihr selbst? Wie sollte Giulia erklären, dass sie stundenlang nicht auf Rolfs Nachrichten und Anrufe reagiert hatte? Sie sah auf ihr Handy und ihr fiel etwas ein: Weil im Club ihre Tasche geklaut worden ist. Das war doch auch möglich: Ihre Tasche ist geklaut worden und daher konnte sie nicht auf seine Nachrichten reagieren. Und weil Natalies Handy leer war, konnte sie ihn damit nicht anrufen. Und Tommys Handy hatte ihr auch nichts genützt, denn weil Rolf ja dauernd neue Prepaid-Karten kaufte, kannte sie seine Nummern nie auswendig. Ein warmes Gefühl erfasste Giulia. Es gab zumindest eine kleine Chance. Sie sah auf die Uhr. Fast Fünf. Jetzt fiel ihr noch etwas auf: Rolf hatte sich nicht mehr gemeldet. Das konnte bedeuten, dass er eingeschlafen war. Bestimmt hatte er sich eine ganze Flasche vorgenommen, wie er es immer tat, wenn er richtig wütend war. Bitte, bitte, bitte lass ihn eingeschlafen sein, flehte Giulia für sich. Sie sah ihn genau vor sich, wie er mit seinem kolossalen Körper auf der Couch hing, nackt bis auf diese scheußliche Schlabberjogginghose mit dem Skelettbeinaufdruck, vor sich den letzten Rest Whiskey und drei leere Pötte Hüttenkäse. Und überall dieser beschissene kleine Mexikaner, auf dem Poster, auf dem Feuerzeug, auf der Kutte überm Stuhl, ja sogar auf der Kaffeetasse, die seit Tagen auf dem Tischchen stand. Er musste einfach eingeschlafen sein! Sie würde dann gleich behaupten, sie stünde schon länger vor der Tür, er aber habe ihr Klingeln nicht gehört. Dann würde sie ihm direkt von der geklauten Tasche erzählen. Und wenn er nach Natalies Handy fragte, würde sie ihm erzählen, dass sie natürlich erst mal überall die Tasche gesucht hätten, auch in der Bar. Und als ihr dann eingefallen sei, dass sie ihm ja mal schreiben sollte, sei Natalies Handy leer gewesen.

Sie ging alles wieder und wieder durch, bis sie sich sicher fühlte, jede seiner Fragen ohne Zögern beantworten zu können. Am Taxistand nahm sie 20 Euro aus ihrem Portemonnaie und zerknickte ihre Bankkarte. Das Geld steckte sie sich in die Gesäßtasche. Dann schaltete sie das Handy aus und stopfte die ganze Tasche in einen Mülleimer. Sie stieg hinten in ein Taxi ein.
„In die Wilhelmstraße, bitte.“
Der Fahrer nickte und manövrierte das Fahrzeug aus der Einbuchtung. Er war noch jung und vermutlich Türke.
„Kommst aus Marxloh?“, fragte er und warf ihr über den Rückspiegel einen Blick zu.
Ihr war nicht nach Reden zumute.
„Nein.“
„Aber aus Duisburg?“
„Ja.“
Er ließ nicht locker.
„Welche Gegend?“
„Neudorf“, log sie.
In Wahrheit war sie in Hochfeld aufgewachsen, im zweiten Stock eines Eckhauses an einem kleinen Park. Ohne das Einkommen der Mutter hatte ihr Vater es schwer gehabt, die Wohnung zu halten, doch er hatte es irgendwie geschafft. Die Kneipe im Erdgeschoss war schon sein zweites Wohnzimmer gewesen, als Giulias Mutter noch gelebt hatte. Am Wochenende war auch sie nach unten gegangen, wenn sie Giulia ins Bett gebracht hatte. Der Wirt hatte immer ein nettes Wort und eine Fanta für Giulia parat gehabt, und auch die meisten Gäste kannten sie, doch Giulia hatte das Leben in dem Haus nie ein Gefühl von Heimat vermittelt. Ab und zu war sie wieder aufgestanden, nachdem die Mutter runter zum Vater gegangen war, und hatte dann lange die Umrisse des Turms der Stadtwerke im Nachthimmel angestarrt. Kurz nachdem er grün beleuchtet zum neuen Markenzeichen der Stadt geworden war, war sie ausgezogen.

Der Fahrer erzählte ihr, dass seine Schwester auch in Neudorf wohnen würde, dann ließ er sie in Ruhe. In der ersten Dämmerung fuhren sie auf die Autobahn und Giulia kamen wieder die Tränen.

„Hier kannst du mich rauslassen“, wies sie den Fahrer an. Er stoppte vor der Trinkhalle mit dem Sinalco-Schild, wo Rolf an Werktagen fast jeden Morgen um kurz nach Sechs einen Kaffee trank, wenn er von seiner Tour zurückkam. Er sagte, der würde ihn müde machen, und tatsächlich schlief er für gewöhnlich schnell ein. Sie ging die paar Schritte zum Haus und atmete tief ein. Ihr Leben hing an ihrer Geschichte. Sie drückte den Knopf.

Der Summer ertönte. Giulia stieg die schwarz-weiß gesprenkelten Terrazzostufen hoch und klopfte an die Wohnungstür, genau so, wie er es ihr eingeimpft hatte: Erst ein und dann zwei Mal. Sie hörte ihn durch den Flur gehen. Die Tür öffnete sich und Rolf blickte auf den Knutschfleck an ihrem Hals.

 

MRG

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Hallo @Henry K.,

ich finde, dass das Teil gut geschrieben ist, konnte ich mich gut draufeinlassen, bin auch nicht gestolpert oder rausgeflogen. Zudem gelingt dir die Charakterzeichnung von Max ziemlich gut, ab und an fand ich es ein bisschen zu beschreibend und erklärend, aber das kann auch an meinem Geschmack liegen; du hast ja durchaus auch Szenen drin bzw. Rückblenden, die Max nach und nach vorstellen.

Das was mir allerdings Probleme bereitet hat war der Fokus deiner Geschichte. Du beginnst mit vielen Namen und ich erwarte als Leser sofort, dass die alle eine Bedeutung haben, aber dann merke ich, dass der erste Absatz gar nicht relevant ist für die Story. Es geht eben überhaupt gar nicht um Joe, Lena oder Florina, nein Max steht im Vordergrund. Für meinen Geschmack könntest du da einiges rauskürzen und dich stattdessen noch stärker auf Max fokussieren. Zudem war ich etwas enttäuscht, als dann der Zuhälter mit den beiden Frauen auftaucht und da ein Konflikt in der Luft liegt, der aber eigentlich überhaupt kein Konflikt ist. Max macht dir eine direkt klar, sie bläst ihm einen und er will ihr seine Nummer nicht geben. Da hast du meiner Einschätzung nach einiges an Potential verschenkt. Ich hätte gerne weitergelesen, um diesen Konflikt zu verstehen.

Insgesamt denke ich, dass es dem Text gut tun würde, wenn du dich für ein Thema entscheidest, das dann komplett durcharbeitest und den Konflikt stärker ins Zentrum stellst. Sprachlich finde ich das nämlich gelungen, da machst du meiner Einschätzung nach sehr viel richtig und daher fand ich es schade, dass die Geschichte dahinter für mich noch nicht so funktioniert hat.

Hier die Details:

Max hörte es zischen und der Geruch von Zwiebeln und Knoblauch stieg ihm in die Nase.
„Gib dem Mann doch mal ein Bier!“, rief Joe vom Herd Lena zu, die neben dem Kühlschrank stand und mit ihrer Freundin Florina tratschte.
Ich mochte den Einstieg, hatte aber direkt eine WG-Party im Kopf und habe erwartet, dass sich darum die Geschichte drehen wird. Dazu kommen die ganzen Namen, die bei mir sofort Erwartungen auslösen, die allerdings nicht erfüllt werden, weil die genannten Personen für die Geschichte gar nicht relevant sind.

Max war Florina vorhin erst vorgestellt worden und sah sie an dem Abend das erste Mal. Sie war sehr schlank, hatte aber relativ breite Schultern. Unter ihrem Longsleeve zeichneten sich feste Brüste ab. Sie konnte nicht älter als Zwanzig sein. Ein kindliches Blitzen in ihren braunen Augen und ihre geröteten Wangen gefielen Max, auch wenn sie gar nicht sein Typ war.
Dann dachte ich, dass hier die Story liegt: Es geht um eine Affäre zwischen Max und Florina. Übrigens hat es mir gefallen, wie du sie beschrieben hast.

„Isser nicht!“ Joe kam wieder in die Küche. „Fall ja nicht auf dieses Gesabbel rein.“
„Hey, als Jurist bin ich der Wahrheit verpflichtet“, sagte Max.
„Du studierst Jura?“, fragte Florina.
„Nein“, antwortete Max.
Das habe ich dann nicht verstanden, weshalb wird das erwähnt? Soll das ausdrücken, dass Max ein Lügner ist? War mir nicht klar.

Max kannte Joe noch nicht allzu lange. Sie hatten die Orientierungswoche an der Uni zusammen gemacht und Max hatte ihm als Einheimischer ein paar Tipps zu Köln geben können. Danach hatten sie sich in Seminaren wiedergetroffen und angefreundet.
Du nimmst dir hier Zeit, um Joe vorzustellen, aber er taucht später ja gar nicht mehr auf. Das weckt bei mir wieder Erwartungen und lässt mich dann enttäuscht zurück, als mit Joe gar nichts passiert. Dann hätte ich ihn lieber als irgendeinen Freund bezeichnet, wenn du dadurch Max Charakter zeichnen willst.

Einmal, im Sommer, hatten seine Freunde und er dort in der Düsternis der Nacht ein paar Tüten geraucht, während von der Wiese der Klang der Bongo-Trommeln zu ihnen hinübergeweht worden war. Plötzlich war Blaulicht aufgezuckt. Sie hatten das Gras ins Gebüsch geworfen und Alex, der unberechenbare Chaot ihrer Truppe, hatte laut gerufen: „Hier sind wir!“ Max hatte ihm eine verpasst und zugeraunt, dass er bloß die Schnauze halten soll, doch die Polizisten hatten es gehört. Sie waren zu ihnen gekommen und hatten ihnen mit Taschenlampen ins Gesicht geleuchtet. Nach einem knappen Wortwechsel war rausgekommen, dass sie gerufen worden waren, weil jemand am Telefon angekündigt hatte, sich aufzuschlitzen. Als die Polizisten wieder weg waren, hatte sich Erleichterung breit gemacht, doch dann war jemandem aufgefallen, dass Markus fehlte, der Halbwaise war und kürzlich auch noch seine Mutter verloren hatte.
Ich finde, dass die Rückblenden sehr geschmeidig rüberkommen, könnten für meinen Geschmack aber dichter sein, bzw. finde ich, dass du davon etwas zu viele drin hast und stattdessen zu wenig klar ist, was eigentlich passiert, was die Geschichte ist.

Das schwarze Band-Shirt von Led Zeppelin spannte ein wenig über seiner Brust, die er vom Vater seiner Mutter geerbt hatte, die zwei Mal umgeschlagenen Ärmel legten seinen kompakten Bizeps frei, der gerade noch klein genug war, um nicht aufgepumpt zu wirken. Er trug die Haare drei Millimeter kurz und ließ sich an Oberlippe und Kinn einen Bart stehen. Zusammen mit den ausgewaschenen Jeans und den schlichten Adidas-Sneakern verlieh ihm dieser Look ein gewisses Auftreten unter seinen Mitstudenten, das wusste er.
Das habe ich sehr gerne gelesen, du hast viel Potential in dem Text und vor allem auch mit Max als Charakter. Das war mein Eindruck.

Dann ging er die Reihe von Altbauten entlang, die den Park flankierten. In dem Haus mit der Kneipe hatte mal Rainer gewohnt, der Freund seiner Mutter.
Sehr guter Übergang, um die Rückblende anzubringen. Das fließt schon gut, finde ich.

Kurz vor Elf erreichte Max den Barbarossaplatz. In einem Kiosk kaufte er sich eine neue Schachtel Kippen und ein Bier. Jan kam mit der nächsten Bahn aus Rodenkirchen.
„Hello!“
„Hi, alles klar bei dir?“, fragte Max.
Die beiden großen Kerle schlugen ein und umarmten sich. Max kannte Jan seit bald zehn Jahren und war im Grunde den gleichen Weg gegangen wie er: Frühe Scheidung der Eltern, mit wenig Einsatz und durchschnittlichen Noten durch die Schule, nachmittags auf den Basketballplatz.
Jetzt kommt auf einmal Jan als eine weitere Person und das stört mich als Leser: Weshalb ist es nicht Joe, den ich schon kenne?

„Hier, deine Nummer“, das Mädel in der Garderobe reichte Max den Zettel heraus und lächelte ihn dabei zuckersüß an. Er lächelte zurück und wandte sich dann zu Jan:
„Dann wollnwamal.“
Okay, du platzierst, dass Max irgendwie an diesem Tag eine extrem attraktive Ausstrahlung hat, aber ich frage mich, weshalb das so ist? Die Begründung mit dem Manischen fand ich nicht so überzeugend. Da hätte ich gerne mehr drüber erfahren.

Der Barkeeper stellte die beiden Kölschstangen auf die Theke und Max gab ihm 4 Euro in Münzen.
Ob man die wirklich für 4 Euro bekommt? Hätte gedacht, dass die teuerer wären.

Jan war ein guter Tänzer und hatte nie Hemmungen, sich aufs Parkett zu begeben. Bei Max war das anders. Er hatte sich Zeit seines Lebens für sein mangelndes Tanztalent geschämt, bis er sich irgendwann dann doch ein paar Schritte zugelegt hatte, mit denen er durch den Abend kam.
Du kontrastierst Max mit Jan und zeigst mir als Leser, dass er in vielerlei Hinsicht etwas schüchtern ist bzw. sich für sein Tanzstil geschämt hat.

„Kann sein, aber das ist nicht normal. Ich komm mir vor wie ein scheiß Rockstar. Was ist hier los?“
Jan lachte. Er begriff nicht, dass das Ganze Max wirklich surreal vorkam. Er hatte Vergleichbares erst einmal erlebt. Damals hatte ein Arzt ihm ein Mittel gegen Psychosen verordnet und er hatte trotzdem weiter Party gemacht, drei oder vier Nächte hintereinander.
Hier hätte ich mir eine bessere Begründung gewünscht, das fand ich interessant, aber das wurde nur kurz angerissen, ohne abgeschlossen zu werden.

Sie aber hatte laut gelacht, ihn angesmilet und ihm später eine nagelneue Jacke aus einer alten Kollektion geschenkt.
Hier bin ich kurz über das "angesmilet" gestolpert.

„Was wollen die denn hier?“, fragte er Max.
„Keine Ahnung, aber die passen null hierher.“
„Sieht aus wie ein Zuhälter mit zwei Call-Girls."
„Aber echt, ey!“
Hier ist der Konflikt, habe ich gedacht. Den würde ich schon viel weiter nach vorne nehmen, das hat mir am Anfang gefehlt.

Diesen Blick konnte Max deuten, aber in dieser Intensität hatte er ihn noch nie aufgefangen. Er hielt ihm stand, machte zwei Schritte auf sie zu und packte sie, ohne ein Wort mit ihr zu wechseln. Sie erwiderte seinen Kuss und eng umschlungen standen sie eine Weile mitten in der Menschenmenge. Seine Hände gingen auf Erkundungstour und sie ließ es geschehen.
„Sollen wir rausgehen?“, fragte er sie, als er sich der unruhigen Umgebung gewahr wurde. Sie nickte.
„Ich muss aber noch kurz Tschüss sagen“, sagte sie.
Fand ich nicht glaubwürdig und war hier enttäuscht: Du nimmst dir so viel Zeit, um Max darzustellen, ihm Tiefe zu geben und dann kommt eine hübsche Frau daher und auf einmal werden beide für mich als Leser zu Pappfiguren. Fand ich schade!

„Giulia, und du?“
„Max.“
„Schöner Name.“
„Danke. Bist du aus Köln?“
„Nein, aus Duisburg.“
„Ah, und was machst du hier?“
„Mit dir irgendwo hingehen“, lachte sie.
Das passt für mich alles nicht zusammen: Einerseits ist sie ein Teil dieser mysteriösen Gruppe und auf der anderen Seite redet sie so locker daher.

Max stutzte. Meinte sie das ernst? Er war ganz gut in Form, das schon. Aber er hatte keinen Waschbrettbauch. Hatte sie das gesagt, um ihm zu schmeicheln? So etwas hatte er noch nie erlebt und ihm kam wieder das Wort in den Sinn: Nutte.
Du wiederholst diese sonderbare Attraktivität von Max, aber das wird dann gar nicht weiter ausgeführt. Lässt mich als Leser etwas enttäuscht zurück, da hätte ich mir mehr gewünscht.

Sie stöhnte auf, während er das tat, doch als er seine Hand vorne in die Hose rutschen lassen wollte, hielt sie ihn auf.
„Das geht heute nicht.“
Max zog seine Hand zurück. Hatte sie ihre Tage? Oder wollte sie nicht so weit gehen? Er murmelte:
„‘Tschuldigung“.
„Konntest du ja nicht wissen“, sagte sie. Es klang arglos wie von einem Kind gesprochen. Dann sagte sie im selben Tonfall:
„Aber ich kann dir einen blasen, wenn du willst.“
„Klar will ich!“, hörte Max sich zustimmen, bevor er ihren Satz verarbeitet hatte. Jan hatte recht gehabt! Er ging einer Masche auf den Leim wie der letzte Dorftrottel.
Hier kam Spannung auf, weil er denkt, dass er betrogen wird und genau das habe ich auch gedacht. Denn es geht alles viel zu einfach. Zudem hast du ja vorher schon den Gedanken platziert, dass es sich bei ihr um eine Prostituierte handeln könnte.

Es wirkte alles nicht echt, dachte Max. Es wirkte … professionell. Genau in diesem Moment erfasste ein Lichtkegel den kleinen Raum zwischen Bude und Geländer.
Hier kommt der Konflikt und ich dachte: Ja, endlich! Jetzt kommt der Knall! Aber weit gefehlt, es war dann doch nichts. Ich finde, dass das eine der Schwachstellen deiner Story ist.

Sie setzten sich auf die Stufen vor dem Hauptportal. Ihr Kopf sank auf seine Schulter und Max legte den Arm um sie. Er begann sich elend zu fühlen. Er nahm einen Schluck und starrte das Café vor ihnen an.
„Die haben guten Kuchen.“
„Was?“
„Die haben guten Kuchen“, wiederholte er.
„Wer?“
„Na, das Café.“
Sie öffnete die Augen.
„Ja?“
„Ja. Gehen alle Omas hin. Die kennen sich aus.“
Hier folgt ein unangenehmer Dialog, den ich gut kaufen kann, aber mir ist nicht ganz klar, warum ich das lese. Ich möchte doch mehr über Max und seine mysteriöse Attraktivität lese, von der mysteriösen Gang und von einem Konflikt, dem Max sich stellen muss. Denn gerade dann offenbart sich ja ein Charakter noch einmal ganz anders.

„Zu Hause wartet mein Freund“, sagte sie irgendwann.
Max war geschockt.
„Zu Hause wartet dein Freund?“
„Ja.“
Das passt für mich alles nicht zusammen; wieso ist sie dann ein Teil dieser mysteriösen Gang?

Sie diktierte ihm ihre Nummer.
„Aber du gibst mir deine Nummer auch, oder?“, fragte sie.
Der Zug schlich durch die Eisenbögen der Brücke langsam heran.
„Natürlich. Aber lass uns vorher kurz konzentrieren. Ist das dein Zug?“
Sie gibt ihm ihre Nummer, er will ihr aber nicht ihre geben. Da fehlt mir die Relevanz und es gibt noch so viele offene Fragen, die ich aber als Leser nicht beantwortet komme.


So weit meine Eindrücke, bin gespannt, wie du die Geschichte geplant hast und wo für dich das Zentrum, der Fokus beim Schreiben lag. Sprachlich finde ich das jedenfalls gelungen, nur bei der Geschichte würde ich nachschärfen, vor allem bei einem Konflikt.

Beste Grüße
MRG

 
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Zuletzt bearbeitet:

@MRG Vielen Dank schon mal für den langen Kommentar. Es sind einige spannende Punkte für mich dabei, aber bevor ich genauer darauf eingehe, will ich noch etwas abwarten, ob sich noch mehr Feedback ansammelt.

Nur zu Joe: Da hast du Recht, der war zu präsent beim Auftakt, das kann ich schon sagen. Habe eine erklärende Passage gekürzt. Man könnte auch noch die Autaktszene kürzen, wo ja auch eine Information über ihn enthüllt wird, aber da steckt für mich auch eine kleine Information zu Max drin, die ich noch nicht opfern will ;-)

Nachtrag: Parkszene gekürzt.

Nachtrag: Manie-Passage gekürzt.

@MRG

Bin deinen Kommentar noch einmal durchgegangen und habe mich entschlossen, nun doch schon die ganze Story zu veröffentlichen. Ich wollte eigentlich erst einmal ausloten, ob das Grundsetting funktioniert, und Teil 2 vor diesem Hintergrund noch mal genau auf den Prüfstand stellen, aber durch deine Kommentare habe ich realisiert, dass einfach zu viel aufgemacht und ohne Teil 2 nicht geschlossen wird. Und dass die Salami-Taktik vielleicht später genau den Blick fürs Ganze verstellen wird.

Ich hoffe, jetzt beantworten sich auch deine Fragen an den Text dann schon grösstenteils.

VG, HK

 

MRG

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Hallo @Henry K.,

Habe deinen Text gestern angefangen und dann in mehreren Etappen gelesen (ist ja auch eine wichtige Information, finde ich).

Durch den zweiten Teil wird es etwas plausibler, aber ich finde, dass das Problem noch immer besteht: Mir ist der Fokus der Geschichte nicht klar und es liest sich für mich noch nicht wie eine durchgehende Geschichte. Mir fehlt da irgendwie der Zusammenhang, ich frage mich gerade woran ich das festmache? Ich glaube es liegt daran, dass du so viele Erwartungen und "Fässer" bei mir als Leser aufmachst, dass eine Kurzgeschichte dafür zu begrenzt ist. Dadurch zerläuft sich die Wirkung in meinen Augen. Denn ich finde, dass du gute Ansätze drin hast, die dann aber durch Fragezeichen und zu vielen Abzweigungen etwas verschüttet werden. Da würde ich noch einmal nachschärfen. Das war jedenfalls mein Leseeindruck. Hoffe, es hilft deinem Text weiter.

Beste Grüße
MRG

 
Seniors
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Hallo @Henry K. ,

ich habe deine Geschichte komplett durchgelesen und denke, bevor es an die eigentliche Textarbeit geht, also um einzelne Formulierungen, müsstest du doch der ganzen Story ein anderes Konzept geben, als es jetzt der Fall ist.

Wenn ich so auf die Geschichte draufschaue, geht es doch eigentlich in der Hauptsache um zwei Personen, nämlich Max und noch mehr um Giulia.
Und insoweit wäre meine Empfehlung, dass du alles, was nicht direkt oder indirekt in Bezug auf die beiden wichtig !!!!, die Betonung liegt auf wichtig, ist, solltest du streichen. Und das wird eine Menge sein.
Ich weiß, dass mein Vorschlag so rein gar nicht auf viel Freude bei dir stoßen wird, denn auch ich kenne das gut, dass der Wunsch eines Kritikers, etwas zu streichen, bei mir immer erstmal Widerstände auslöst. So sicherlich auch bei dir.
Und am Ende bist natürlich du allein der Regisseur deiner Geschichte und nicht ich.
Ich kann dir nur aufzeigen, was mich stört.
Verarbeiten und entscheiden musst du.

Meiner Meinung nach schreibst du viel zu viel Details, die nichts mit der eigentlichen Story zu tun haben. Gleich der gesamte erste Teil, in welchem Max sich quasi erstmal warm macht, um dann später in diesen Club zu gehen, ist nicht notwendig. Er verwirrt eher, weil man anfänglich natürlich als Leser denkt, dass hier etwas Wichtiges passiert.
Das tut es aber noch lange nicht.
Erst im Club fängt die eigentliche Geschichte an. Alles davor ist nur Beiwerk, das nicht zielführend ist. Und bedenke bitte, wir befinden uns in der Rubrik Kurzgeschichte, nicht Roman.
Das heißt also, dass du straffen und raffen musst, wo du nur kannst und dich bei all dem, was Max vor dem Club erlebt, fragen musst, ob das nun wirklich unerlässlich ist, um die weitere Geschichte voran zu treiben oder ihr mehr Tiefe zu geben.

Für mich ist die eigentliche Handlung, dieses grandiose Missverständnis zwischen Max und Giulia. Sie hofft, sich durch ihn vielleicht von Rolf befreien zu können und er wundert sich ununterbrochen darüber, dass sie sich so anders verhält als seine sonstigen Bekanntschaften und vermutet in ihr eher das Flittchen. Die Tragik ist die, dass beide vermutlich miteinander glücklich werden könnten, wenn sie sich mehr öffnen würden.
Es geht also um das Thema Vertrauen, Misstrauen, Selbstvertrauen, Selbstwertgefühle und was das alles anrichtet, denn deine Story endet ja tragisch. Man kann sich bildlich vorstellen, was mit Giulia geschehen wird.

Ich bin mir sicher, dass es eine sehr gute Geschichte werden kann, wenn du alles das weglässt, was nicht mit den beiden zu tun hat.

Sodann ist mir aufgefallen, dass du eine Flut von Personen in dieser Geschichte untergebracht hast und wieder einmal bestärkt mich das in der festen Annahme, dass man bei Kurzgeschichten unbedingt, die Personenanzahl sehr sehr klein halten sollte.
Vielleicht ist es dir gar nicht so bewusst, aber ich zähle dir mal all die Personen auf, die in deiner Story auftauchen: Max, Joe, Natalie, Tommy, Rolf, Giulia, Jutta, Rainer, Kalli, Jan, Lena, Florina, Alex, Axel...das sind insgesamt 14 Personen. So viele hat man in manchen Romanen noch nicht einmal.

Mir ist dann noch etwas aufgefallen, was es zudem irre schwer macht, sich auf all diese Namen und Typen einzulassen, nämlich deine Schilderung dieser Charaktere. Sicherlich ist positiv anzumerken, dass du bei allen diesen Personen versuchst, sie zu beschreiben und nicht einfach nur als Namen mit ins Spiel zu bringen, aber du machst das auf die denkbar unergiebigste Weise.
Es bleiben für mich nur Namen, wenn du mir ihre äussere Hülle beschreibst. Ich merke mir doch nicht, ob jemand blonde Haare, schwarze, graue oder braune hat. Weshalb? Weil ich damit rein gar nichts verbinde. Ich merke mir aber, wenn du bestimmte für diese Person typische Gesten, Verhaltensweisen, Sprüche, Eigenarten, Eigenheiten schilderst. Ich versuche dir mal ein paar eher primitive Beispiele zu benennen: Ein Junge/Mann wirft in unvorsehbaren Zeitabständen immer seinen Kopf so seitlich nach hinten, als hätte er seine lange Haarmähne nach hinten zu schleudern, damit sie nicht ins Gesicht, in die Stirn fallen. Tatsächlich hat er aber raspelkurze Haarstoppeln auf dem Kopf.
Ein anderer trägt auch bei tiefster Dunkelheit riesiggroße Sonnenbrillen, so dass man nie seine Augen erkennt, was zu jeder Menge Probleme führt, weil man nie weiß, ob er grad etwas lustig findet oder bitterernst. Vielleicht verzieht er auch nie das Gesicht und bleibt in seiner Mimik starr und nur die Worte und deren Klang lassen einen Aufschluss auf das zu, wie er es sagt und wie er es dann auch gemeint haben könnte.
Jemand schlappt immerzu aus seinen Schuhen, die vermutlich zwei Nummern zu groß sind, man hört ihn also bereits am Gang. Er muss auch ab und zu seinen stets tiefe in seinen Hosentaschen vergrabenen Hände blitzartig hervorziehen, weil er desöfteren stolpert und dabei fast Schuhe und Gleichgewicht verliert.
Und so weiter...es geht also jedes Mal darum, charakterlich interessante Kleinigkeiten zu beschreiben.
Mir fällt grad eine Szene aus einen der Jean-Paul Belmondo-Filme ein. Da streift er sich einfach nur mit dem Daumen über seine Lippe und die Kamera zeigt das in Großaufnahme. Es reichen oftmals nur kleine Besonderheiten, die Personen müssen nicht bis zum Rand mit Eigenheiten gefüllt sein.

Tja, das sind so meine Eindrücke zu deiner Geschichte und ich würde mich bereits freuen, wenn du sie verstehst und nachvollziehen kannst.


Sie trug eine schwarze Jeans, die ihr tatsächlich fabelhaft stand. Max war Florina vorhin erst vorgestellt worden und sah sie an dem Abend das erste Mal. Sie war sehr schlank, hatte aber relativ breite Schultern. Unter ihrem Longsleeve zeichneten sich feste Brüste ab. Sie konnte nicht älter als Zwanzig sein. Ein kindliches Blitzen in ihren braunen Augen und ihre geröteten Wangen gefielen Max, auch wenn sie gar nicht sein Typ war.
Hier ist so ein Beispiel für eine eigentlich seelenlos beschriebene Person. Was sie trägt und so weiter, ist hier überhaupt nicht so wichtig. Was tut sie? Was genau ist dieses kindliche Blitzen? Ich kann mir darunter nichts vorstellen, schildere doch allein das genauer. Und wenn du schreibst, dass sie gar nicht Max Typ war, was war denn sein Typ? Hier würde es doch Sinn machen, wenn man weiß, was ihn eigentlich stört.
„Ich muss zugeben, du hast nicht zu viel versprochen“, lobte er Joe überschwänglich, denn der hatte ihm von ein paar Tagen erzählt, dass er ein Auge auf Lena geworfen hat.
Hier bei diesem Satz bin ich hängengeblieben, weil ich ihn zunächst nicht verstand. Das war jetzt zwischen beiden ironisch gemeint, nicht wahr? Aber das kommt so unvermittelt, dass ich nicht damit rechne, dass die beiden sich auf dieser Ebene sprachlich befinden.
. Ein Gefühl von Entfremdung packte ihn, dann tauchte er in einen See voll Kraft.
Hier möchte ich dich fragen: Ja, was denn nun? Gefühl der Entfremdung verstehe ich, aber wieso taucht er dann in einen See voll Kraft? Entfremdung macht doch eher unsicher, schwankend und ist eher das Gegenteil von Kraft. Das wirkt daher unharmonisch, wie du ihn hier beschreibst.


Lieben Gruß

lakita

 
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Hallo @lakita,

vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar, der sehr hilfreich. Tatsächlich habe ich alles vor dem Eintritt in den Club erst später angefügt - eigentlich begann die Story mit dem Clubeintritt. Mir war aufgefallen, dass ich eben die hier oft angeprangerte Todsünde "tell" statt "show" begangen hatte. Ich hatte geschildert, was Max vorher am Abend beim Essen bei Freunden getan hatte, wie sein Verhältnis zu Jan ist usw. und in meinen Augen wirkte es dann konstruiert. Also habe ich bewusst noch mal früher angesetzt, um all das zu zeigen, nicht zu sagen.

Die neue Idee war, das ganze formal so aufzuziehen, dass genau 12 Stunden (von Acht Uhr abends bis Acht Uhr morgens) geschildert werden und sich Max und Giulia so ziemlich genau in der Mitte, um 1 begegnen. Die Story sollte auch egtl. "Von Acht bis Acht. Oder: Die Geschichten von Max und Giulia" heißen und wie ein Film ablaufen, der erst Max, dann Giulia folgt, darum auch die vielen äußerlichen Details und die eher beobachtenden Figurenzeichnungen. Ich hatte gehofft, alles taucht dadurch klar vor dem Leser auf, nur um dann wieder zu verschwinden, weil die nächste Szene beginnt.

Deine Beobachtungen und Bemerkungen treffen also voll ins Schwarze, gleichzeitig hätte ich aber ja den ganzen Einleitungsteil nicht noch geschrieben, wenn ich die darin eingefangenen Informationen für entbehrlich halten würde.

Ich will jetzt nicht zu viel rumerklären, aber die Geschichte, die ich erzählen will, ist im Kern folgende:

Urknallmässig treffen zwei Menschen kurz aufeinander, die eigentlich nie aufeinander treffen würden, da sie durch ihre Herkunft und ihre Schicht voneinander klar getrennt sind. It's a one in a million moment und entsprechend ist die Vereinigung auch nur kurz wie ein Wimpernschlag - und dazu unvollkommen. Danach ist die Mauer wieder da.

Eben da beide eigentlich nie zusammenkommen würden, verhandelt der Text die Frage, wieso das doch passiert ist. Dafür zeigt der erste Teil Möglichkeiten auf, v. a. indem er Max eigenes Grübeln über diese Frage beschreibt. Im zweiten Teil wird dann mehr oder weniger enthüllt, warum es wirklich zu der Vereinigung gekommen ist.

Damit diese Zusammenkunft nicht willkürlich erscheint, muss Teil 1 natürlich auch all die Informationen bieten, die nach Lesen von Teil 2 eine plausible Erklärung zulassen. Ich wollte hier auf jeden Fall sicherstellen, dass nichts "Magisches" oder "Unerklärliches" im Spiel ist, sondern dass es rationale Erklärungen für ein extrem unwahrscheinliches Szenario gibt.

Dass zu viele Personen vorkommen, kann ich einerseits nachvollziehen, andererseits sehe ich auch nicht, wie man diese wegkürzen sollte: Max, Giulia, Jan, Rolf, Natalie und Tommy sind unentbehrlich. Und die Szene mit Joe, Florina und Lena würde sich komisch lesen, wenn man keine Namen benutzt, denke ich, genauso die mit Axel und Rainer. Einzig der Name Alex ist entbehrlich.

Ich will natürlich nicht auf meiner Story beharren, wenn sie nicht funktioniert. Aber den Kern der Geschichte ändern will ich natürlich auch nicht. Schwierig. Bleibt wohl nur, abwarten, wie ich später über alles denke, wenn ich mehr Abstand habe :-)

Viele Grüße und bis bald
HK

 
Seniors
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Hallo @Henry K. ,

ich hab mir schon gedacht, dass du deiner Geschichte eine andere Aussage zugeteilt hast. Und so wie du es erklärst, ist es sicherlich auch in sich in gewisser Weise logisch.
Ich freue mich jedoch, dass du verstanden hast, was ich meine. Das ist doch schon mal was.

Und selbstverständlich kannst du jede Menge Namen tilgen und Text kürzen.

Von Anfang bis hier geht es deutlich kürzer und ohne Namen, allenfalls den von Joe würde ich lassen.

„Muss so in ner knappen Stunde weg.“
„Schade“, sagte Florina.
Sind die beiden Frauen überhaupt wichtig? Ist wichtig, dass er vorher etwas trinkt und isst?
Kann es nicht einfach eine anonyme Bedienung, Kellnerin sein, die ihm das Bier reicht?
Muss die sich namentlich mit ihrer Freundin über derartig Belangloses austauschen?
Bei mir würde hinter jeder meiner Fragen ein "nein" stehen.

Wichtig sind nur die Namen Max, Giulia, Natalie, Rolf, Jan und Tommy.
Den Rest könntest du namenlos lassen, ohne dass ihre Handlungen, wenn du sie dringend als Figuren in der Geschichte behalten willst, undeutlicher werden. Figurennamen sind oft nur Figurennamen, richtig unterscheiden kann man als Leser sie nur durch ihre Eigenheiten.
Arbeite lieber diese Eigenheiten heraus, dann brauchst du keine Namen.

Lieben Gruß

lakita

 
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Hi @lakita,

wie gewünscht bin ich Amok gelaufen und habe Joe, Lena, Florina, Axel, Alex, Rainer und Ulli gekillt bzw. in die zweite Reihe verschoben. Dazu habe ich den Einstieg gestrafft, Jan abgestuft und Hintergrundinfos zu Max rausgestrichen. Auch die Mallorca-Szene wurde gekürzt.

Sind die beiden Frauen überhaupt wichtig?

Die Idee für das ausladende Setting und die Aufführung von Joe und Co. war es, zu zeigen, dass Max sich souverän im studentisch-bürgerlichen Milieu bewegt. Florina (jetzt = die Freundin der Mitbewohnerin) gefällt ihm optisch eigentlich nicht, sie ist die weniger weibliche Gegenfigur zur späteren Begegnung. Dafür entwickelt sich zwischen den beiden aber ein sprachlich-geistiger Flirt. Und auch Lena, die "keine Partymaus" ist und die Max gar nicht interessiert, wendet sich ihm zu und nicht Joe, der um sie buhlt.

Die Anfangsszene und auch die längere Parkszene sollten außerdem folgendes Setting schaffen: Max hat einen behüteten Hintergrund, es gab die Mutter, die mit ihm in den Park geht, es werden Au-pair-Mädchen erwähnt und er studiert. Er könnte also wie Joe, Lena und Florina in WGs rumhängen, über die Uni reden und eine konventionelle Beziehung anstreben, so nenne ich es mal. In gewisser Weise warten hier das gemachte Bett und Sicherheit.

Ihn zieht es aber in einen Abenteuerraum: Schon als kleines Kind musste es die grösste Rutsche sein und er liebte es auf den Baum über dem Teich zu klettern, weil die Gefahr bestand, nicht nur auf die Nase, sondern sogar ins Wasser zu fallen. Später stehen das Kiffen und die Polizeierlebnisse für diese Welt. Und er weiss sich in dieser Welt auch durchaus zu behaupten: Sein Stiefvater Rainer hat ihm von seinen wilden Zeiten erzählt, war ein unkonventioneller Typ, der das Leben spielerisch angeht, und somit ein starkes Rollenvorbild. Zwischen dem Kneipengänger Rainer und Giulias Eltern gibt es starke Parallelen. Und im Freundeskreis ist Max denn auch einer, der durchaus austeilt und nicht (mehr) einsteckt (eine kurz Szene, wo er als Jugendlicher selbst einsteckt wurde schon gestrichen).

Genau diese, ich nenne es mal: brutale Männlichkeit macht die Begegnung mit Giulia möglich. Gleichzeitig verkörpert Giulia ein Maß an Verrohung und Brutalität, der Max nicht gewachsen ist, was er "spürt", denn er hat ja eben eine Art Instinkt für die Elemente dieser Welt. Hätte er diesen Instinkt nicht, würde er die Frau aus dem Club retten wollen, und am Ende hätte er es mit Rolf zu tun. Hier liegt für mich das ehrlichste und brutalste Moment der Story: Max schickt Giulia bewusst und aktiv allein zurück in ihr Elend, ist eben kein Retter.

Was ich also gerade nicht erzählen will: Bürgerlicher Intellekto fliegt durch jede Menge Zufälle aus seinem Milieu - das wäre humoristisch, unernst (man denke an Filme wie "Micky Bleu Eyes"). Mich interessiert die ernsthafte Frage, was Schichten, Milieus und Menschen eigentlich unterscheidet und was sie verbindet. Max ist darum so was wie ein Grenzgänger - er kann und will sich in mehreren Welten bewegen. Giulia, aber auch Jan und die anderen können (oder wollen) das nicht.

Ergibt das alles halbwegs Sinn? Ich hoffe, diese Elemente sind nach den Kürzungen nun noch immer abgedeckt.

Henry K. schrieb:
. Ein Gefühl von Entfremdung packte ihn, dann tauchte er in einen See voll Kraft.
Hier möchte ich dich fragen: Ja, was denn nun? Gefühl der Entfremdung verstehe ich, aber wieso taucht er dann in einen See voll Kraft? Entfremdung macht doch eher unsicher, schwankend und ist eher das Gegenteil von Kraft. Das wirkt daher unharmonisch, wie du ihn hier beschreibst.

Das ist bewusst ein Oxymoron als Stilmittel, damit Leser hier hängen bleibt. Denn dieser Satz ist elementar: Er beschreibt den Übergang von Max. Er entfremdet sich von seiner bürgerlich-gesitteten Seite und gerade weil er damit viel Hemmendes loswird, hat er eine Art Kraft gewonnen. Vor den Kürzungen war es natürlich präsenter, dass er sich bewusst vom sicheren Weg wegbewegt: Florina hat er im Grunde schon für sich gewonnen, er könnte in der WG bleiben, sich unterhalten, sich mit ihr zu einem Date verabreden ... Aber das reizt ihn nicht. Also geht er ganz bewusst raus in die Nacht, froh darüber, dass die anderen nicht mitkommen, denn das würde alles durchkreuzen.

Viele Grüsse und danke für die Hilfe noch mal.

Hi @MRG ,

auch auf deinen Kommentar will noch mal genauer eingehen. Vieles habe ich jetzt schon aufgeklärt, hoffe ich, aber ein paar Punkte sind noch offen.

Für meinen Geschmack könntest du da einiges rauskürzen und dich stattdessen noch stärker auf Max fokussieren.

Die Story fokussiert jetzt stärker auf Max und Giulia.

Henry K. schrieb:
Max war Florina vorhin erst vorgestellt worden und sah sie an dem Abend das erste Mal. Sie war sehr schlank, hatte aber relativ breite Schultern. Unter ihrem Longsleeve zeichneten sich feste Brüste ab. Sie konnte nicht älter als Zwanzig sein. Ein kindliches Blitzen in ihren braunen Augen und ihre geröteten Wangen gefielen Max, auch wenn sie gar nicht sein Typ war.
Dann dachte ich, dass hier die Story liegt: Es geht um eine Affäre zwischen Max und Florina. Übrigens hat es mir gefallen, wie du sie beschrieben hast.

Von Lakita kam genau an dieser Beschreibung Kritik - also 1:1 in Sachen Leserfeedback ;-) Durch die Änderung des Anfangs wurde die Passage nun aber so oder so leicht geändert. Ich hoffe, sie ist nicht schlechter geworden.

Henry K. schrieb:
„Isser nicht!“ Joe kam wieder in die Küche. „Fall ja nicht auf dieses Gesabbel rein.“
„Hey, als Jurist bin ich der Wahrheit verpflichtet“, sagte Max.
„Du studierst Jura?“, fragte Florina.
„Nein“, antwortete Max.
Das habe ich dann nicht verstanden, weshalb wird das erwähnt? Soll das ausdrücken, dass Max ein Lügner ist? War mir nicht klar.

Stelle ist rausgeflogen. Sie sollte zeigen, dass Max nicht nur physisch souverän ist, sondern auch mit Worten umgehen kann, indem er Sprache bewusst zu seinen Zwecken einsetzt. Hier lügt er, ganz richtig, aber dadurch, dass er es selbst offenlegt, wird ein Witz draus. Außerdem hat er damit Florina bewusst zu einer Reaktion (Überraschung) gebracht, sie also mit Worten manipuliert. Dieses Verhalten wird er später wieder zeigen. Außerdem hatte ich hier noch das Ende der Story im Sinn, wo Giulia lügen muss. Max kann sich also in seinen Kreisen entscheiden, ob er lügen will oder nicht, bei Giulia hängt alles davon ab. Das sollte zeigen, was die Welten trennt.

Henry K. schrieb:
Einmal, im Sommer, hatten seine Freunde und er dort in der Düsternis der Nacht ein paar Tüten geraucht, während von der Wiese der Klang der Bongo-Trommeln zu ihnen hinübergeweht worden war. Plötzlich war Blaulicht aufgezuckt. Sie hatten das Gras ins Gebüsch geworfen und Alex, der unberechenbare Chaot ihrer Truppe, hatte laut gerufen: „Hier sind wir!“ Max hatte ihm eine verpasst und zugeraunt, dass er bloß die Schnauze halten soll, doch die Polizisten hatten es gehört. Sie waren zu ihnen gekommen und hatten ihnen mit Taschenlampen ins Gesicht geleuchtet. Nach einem knappen Wortwechsel war rausgekommen, dass sie gerufen worden waren, weil jemand am Telefon angekündigt hatte, sich aufzuschlitzen. Als die Polizisten wieder weg waren, hatte sich Erleichterung breit gemacht, doch dann war jemandem aufgefallen, dass Markus fehlte, der Halbwaise war und kürzlich auch noch seine Mutter verloren hatte.
Erweitern ...
Ich finde, dass die Rückblenden sehr geschmeidig rüberkommen, könnten für meinen Geschmack aber dichter sein, bzw. finde ich, dass du davon etwas zu viele drin hast und stattdessen zu wenig klar ist, was eigentlich passiert, was die Geschichte ist.

Wurde stark gekürzt.

Henry K. schrieb:
Das schwarze Band-Shirt von Led Zeppelin spannte ein wenig über seiner Brust, die er vom Vater seiner Mutter geerbt hatte, die zwei Mal umgeschlagenen Ärmel legten seinen kompakten Bizeps frei, der gerade noch klein genug war, um nicht aufgepumpt zu wirken. Er trug die Haare drei Millimeter kurz und ließ sich an Oberlippe und Kinn einen Bart stehen. Zusammen mit den ausgewaschenen Jeans und den schlichten Adidas-Sneakern verlieh ihm dieser Look ein gewisses Auftreten unter seinen Mitstudenten, das wusste er.
Das habe ich sehr gerne gelesen, du hast viel Potential in dem Text und vor allem auch mit Max als Charakter. Das war mein Eindruck.

Danke, das freut mich. Ich hoffe, Giulia ist ähnlich gut gelungen?

Henry K. schrieb:
Dann ging er die Reihe von Altbauten entlang, die den Park flankierten. In dem Haus mit der Kneipe hatte mal Rainer gewohnt, der Freund seiner Mutter.
Sehr guter Übergang, um die Rückblende anzubringen. Das fließt schon gut, finde ich.

Durch das geänderte Setting leider jetzt raus. Aber schön, dass er geklappt hätte :-)

Henry K. schrieb:
Kurz vor Elf erreichte Max den Barbarossaplatz. In einem Kiosk kaufte er sich eine neue Schachtel Kippen und ein Bier. Jan kam mit der nächsten Bahn aus Rodenkirchen.
„Hello!“
„Hi, alles klar bei dir?“, fragte Max.
Die beiden großen Kerle schlugen ein und umarmten sich. Max kannte Jan seit bald zehn Jahren und war im Grunde den gleichen Weg gegangen wie er: Frühe Scheidung der Eltern, mit wenig Einsatz und durchschnittlichen Noten durch die Schule, nachmittags auf den Basketballplatz.
Erweitern ...
Jetzt kommt auf einmal Jan als eine weitere Person und das stört mich als Leser: Weshalb ist es nicht Joe, den ich schon kenne?

Joe ist Geschichte, Jan ist der Gewinner und geblieben. Ich wollte eigentlich zeigen, dass Max anders als Giulia viele Freunde, also Zugang zu massig Sozialleben hat, während sie nur eine einzige Freundin hat und gefangen ist in ihrem Leben mit Rolf. Aber du und Lakita hattet völlig recht - das waren zu viele konkrete Nebenfiguren (und damit falsches Framing ;-)

Henry K. schrieb:
„Hier, deine Nummer“, das Mädel in der Garderobe reichte Max den Zettel heraus und lächelte ihn dabei zuckersüß an. Er lächelte zurück und wandte sich dann zu Jan:
„Dann wollnwamal.“
Okay, du platzierst, dass Max irgendwie an diesem Tag eine extrem attraktive Ausstrahlung hat, aber ich frage mich, weshalb das so ist? Die Begründung mit dem Manischen fand ich nicht so überzeugend. Da hätte ich gerne mehr drüber erfahren.

Diese Anmerkung ist auch rausgeflogen, ich will aber noch anmerken, dass das keine Begründung war, sondern eine Möglichkeit, die Max selbst wieder verworfen hatte. Der Text lässt offen, warum Max diese Ausstrahlung hatte, er bietet dazu nur Erklärungsmöglichkeiten an. Die mit dem Manischen ist aber entbehrlich gewesen, das stimmt.

Henry K. schrieb:
Der Barkeeper stellte die beiden Kölschstangen auf die Theke und Max gab ihm 4 Euro in Münzen.
Ob man die wirklich für 4 Euro bekommt? Hätte gedacht, dass die teuerer wären.

Die Story spielt um die Jahrtausendwende, durch die SMS im zweiten Teil sollte das jetzt noch klarer werden.

Henry K. schrieb:
Jan war ein guter Tänzer und hatte nie Hemmungen, sich aufs Parkett zu begeben. Bei Max war das anders. Er hatte sich Zeit seines Lebens für sein mangelndes Tanztalent geschämt, bis er sich irgendwann dann doch ein paar Schritte zugelegt hatte, mit denen er durch den Abend kam.
Du kontrastierst Max mit Jan und zeigst mir als Leser, dass er in vielerlei Hinsicht etwas schüchtern ist bzw. sich für sein Tanzstil geschämt hat.

Gestrichen, es sollte aber weniger Max Schüchternheit zeigen, als vielmehr, dass er gerne alles im Griff hat. Er weiß, dass er kein guter Tänzer ist, also vermeidet er die Situation. Aich später versucht er ja immer die Kontrolle zu behalten und nichts zu riskieren. Im Fall vom Tanzen will er keinen Spott riskieren, der bei seinen geringen Fähigkeiten ja eine realistische Reaktion der Leute wäre.

Nachtrag: Ich denke gerade an eine Filmszene, wo der Satz fiel: "Auf der Strasse musst du dein Lachen und dein Weinen im Griff haben."

Diese Kontrolle über seine Emotionen hat Max, doch anders als Rolf kann er sie zumindest zeitweise ablegen und sich auch mal etwas "befreien". Und genau das macht ihn für Giulia attraktiv: Er wirkt frei, ohne dadurch albern und konturlos zu werden, ist also schon teilweise wie Rolf, hart zu sich (beide trainieren ihren Körper) und anderen - was wiederum Parallelen zu ihrem Vater/Männlichkeitsideal hat.

Henry K. schrieb:
„Kann sein, aber das ist nicht normal. Ich komm mir vor wie ein scheiß Rockstar. Was ist hier los?“
Jan lachte. Er begriff nicht, dass das Ganze Max wirklich surreal vorkam. Er hatte Vergleichbares erst einmal erlebt. Damals hatte ein Arzt ihm ein Mittel gegen Psychosen verordnet und er hatte trotzdem weiter Party gemacht, drei oder vier Nächte hintereinander.
Hier hätte ich mir eine bessere Begründung gewünscht, das fand ich interessant, aber das wurde nur kurz angerissen, ohne abgeschlossen zu werden.

Wie gesagt, gestrichen.

Henry K. schrieb:
„Was wollen die denn hier?“, fragte er Max.
„Keine Ahnung, aber die passen null hierher.“
„Sieht aus wie ein Zuhälter mit zwei Call-Girls."
„Aber echt, ey!“
Hier ist der Konflikt, habe ich gedacht. Den würde ich schon viel weiter nach vorne nehmen, das hat mir am Anfang gefehlt.

Durch die Kürzungen sollte er nun auch gefühlt früher auftauchen, hoffe ich.

Henry K. schrieb:
Diesen Blick konnte Max deuten, aber in dieser Intensität hatte er ihn noch nie aufgefangen. Er hielt ihm stand, machte zwei Schritte auf sie zu und packte sie, ohne ein Wort mit ihr zu wechseln. Sie erwiderte seinen Kuss und eng umschlungen standen sie eine Weile mitten in der Menschenmenge. Seine Hände gingen auf Erkundungstour und sie ließ es geschehen.
„Sollen wir rausgehen?“, fragte er sie, als er sich der unruhigen Umgebung gewahr wurde. Sie nickte.
„Ich muss aber noch kurz Tschüss sagen“, sagte sie.
Erweitern ...
Fand ich nicht glaubwürdig und war hier enttäuscht: Du nimmst dir so viel Zeit, um Max darzustellen, ihm Tiefe zu geben und dann kommt eine hübsche Frau daher und auf einmal werden beide für mich als Leser zu Pappfiguren. Fand ich schade!

Wie in einem anderen Kommentar erwähnt, sollen sich die beiden wie bei einem Urknall begegnen. Max hat sie schon beobachtet gehabt und war ja den ganzen Abend auf der Suche nach dem ultimativen Abenteuer - sonst hätte er ja nicht drei, vier Gelegenheiten einfach verstreichen lassen. Für ihn ist die Sache also sofort klar: Sie ist quasi der Endgegner, denn sie ist die Frau an sich. Das macht sie aber auch zu einem reinen Objekt, wenn man so will, sodass ein verbaler Flirt auch keinen Reiz hat. Dass Giulia Max auch beobachtet hatte, kann man sich anhand ihrer Erinnerung erschließen: Sie erinnert sich, wie frei er gewirkt hatte. Vielleicht geht dieser Satz unter. Wir wissen ja bereits, dass Max im Club stark aufgefallen ist, und somit ist es völlig logisch, dass sie ihn auch bemerkt hat. Und demnach kann es auch von ihrer Seite aus direkt zur Sache gehen.

Henry K. schrieb:
„Giulia, und du?“
„Max.“
„Schöner Name.“
„Danke. Bist du aus Köln?“
„Nein, aus Duisburg.“
„Ah, und was machst du hier?“
„Mit dir irgendwo hingehen“, lachte sie.
Erweitern ...
Das passt für mich alles nicht zusammen: Einerseits ist sie ein Teil dieser mysteriösen Gruppe und auf der anderen Seite redet sie so locker daher.

Interessant, dass du hier diesen Eindruck von Giulia hattest. Für mich klingt sie nicht locker, sondern betrunken und simpel. Habe das noch etwas nachgeschärft.

Henry K. schrieb:
Max stutzte. Meinte sie das ernst? Er war ganz gut in Form, das schon. Aber er hatte keinen Waschbrettbauch. Hatte sie das gesagt, um ihm zu schmeicheln? So etwas hatte er noch nie erlebt und ihm kam wieder das Wort in den Sinn: Nutte.
Du wiederholst diese sonderbare Attraktivität von Max, aber das wird dann gar nicht weiter ausgeführt. Lässt mich als Leser etwas enttäuscht zurück, da hätte ich mir mehr gewünscht.

Wie schon erwähnt, bietet der Text einige Erklärungsmuster an. Aber ja, er löst die Frage nicht auf.

Henry K. schrieb:
Sie stöhnte auf, während er das tat, doch als er seine Hand vorne in die Hose rutschen lassen wollte, hielt sie ihn auf.
„Das geht heute nicht.“
Max zog seine Hand zurück. Hatte sie ihre Tage? Oder wollte sie nicht so weit gehen? Er murmelte:
„‘Tschuldigung“.
„Konntest du ja nicht wissen“, sagte sie. Es klang arglos wie von einem Kind gesprochen. Dann sagte sie im selben Tonfall:
„Aber ich kann dir einen blasen, wenn du willst.“
„Klar will ich!“, hörte Max sich zustimmen, bevor er ihren Satz verarbeitet hatte. Jan hatte recht gehabt! Er ging einer Masche auf den Leim wie der letzte Dorftrottel.
Erweitern ...
Hier kam Spannung auf, weil er denkt, dass er betrogen wird und genau das habe ich auch gedacht. Denn es geht alles viel zu einfach. Zudem hast du ja vorher schon den Gedanken platziert, dass es sich bei ihr um eine Prostituierte handeln könnte.

Schön, dass das der Eindruck der Stelle ist.

Henry K. schrieb:
Es wirkte alles nicht echt, dachte Max. Es wirkte … professionell. Genau in diesem Moment erfasste ein Lichtkegel den kleinen Raum zwischen Bude und Geländer.
Hier kommt der Konflikt und ich dachte: Ja, endlich! Jetzt kommt der Knall! Aber weit gefehlt, es war dann doch nichts. Ich finde, dass das eine der Schwachstellen deiner Story ist.

Kann man sicher so sehen, aber ein Thema der Story ist das Sehen und welche Annahmen wir auf Grund von äußeren Eindrücken über andere Menschen machen. Hier soll dargestellt werden, wie unsicher und wechselhaft das ist. Kommt endlich die Bestätigung für die Theorie von Max? Nein, denn auch der Scheinwerfer beleuchtet nur ein neues Puzzlestück im Gesamtbild.

Auch an dich noch mal vielen Dank für dein Feedback!

VG, HK

 
Monster-WG
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20.08.2019
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Hallo @Henry K.

ich hab mich durch die doch sehr lange Geschichte durchgekämpft und werde nicht so recht schlau daraus. Viele Stellen sind flüssig beschrieben und es entsteht Kopfkino. Allerdings bin ich mir nicht so sicher, was nun die Kernaussage sein soll. Du schreibst sehr sehr lange aus der Perspektive von Max. Dann der plötzliche Wechsel in ihre Perspektive und das Ende legt nahe, dass es in der Geschichte letztendlich um sie geht. Daher verstehe ich den ganzen langen Max-Einstieg nicht wirklich. Du beschreibst ihn gut, ich entwickle Nähe von ihn, kann mir den Typen gut vorstellen, aber so wie ich den Text interpretiere ist er ja letztendlich nur eine unwichtige Nebenfigur. Warum legst Du den Fokus nicht komplett auf sie und schreibst die Geschichte aus ihrer Perspektive?

Hier einige Leseeindrücke:

Er verließ das Haus. Er zog sich die Kapuze seines Hoodies über den Kopf und kramte die Zigarettenschachtel aus der Innentasche seiner Lederjacke. Er überquerte die Straße und ging durch den Park. Bis auf die Wege und den Sportplatz war alles stockduster. Er erinnerte sich daran, wie er irgendwann mal mit seinen Freunden genau in dieser Düsternis gehockt hatte.

Zu viele Sätze, die mit "er" anfangen. Da würde ich Abwechslung reinbringen.

Vorschlag: z.B. Punkt acht verließ er das Haus, zog sich die Kapuze des Hoodies über den Kopf und kramte die Zigarettenschachtel aus der Innentasche seiner Lederjacke, bevor er die Straße überquerte und durch den Park ging.

Die beiden großen Kerle schlugen ein und umarmten sich. Die Bahn stand noch immer an der Station und Max bemerkte, wie ihn hinter der Scheibe eine Frau fixierte.

Das ist mir an dieser Stelle zu beschreibend.

Vorschlag: Sie schlugen ein und umarmten sich.

Oruc?"
„Sag du es mir."
„Oruc!“

Was ist Oruc???

Er lehnte sich an ein Straßenschild und zündete sich die nächste Kippe an.

Wieso die nächste??? Davor hatte er sich noch keine angezündet. Würde ich streichen.

Es waren viele Leute unterwegs und auch die Kneipe gegenüber war gerammelt voll. Es dauerte lange, bis Jan mit einem Dürüm wieder rauskam.

2 Sätze hintereinander, die gleich beginnen.
Vorschlag: Viele Leute waren unterwegs und auch die Kneipe ...

Vor dem Eingang zum Club, der unter einem der Bögen der Hohenzollernbrücke klebte, hatte sich bereits eine große Traube gebildet.

Der "klebende" Eingang erzeugt komisches Kopfkino. Würde ich ändern.

Er wühlte sich zur Bar. Er passte einen Typen ab, der sich mit seinen Drinks vom Tresen wegdrehte, und zwängte sich in die Lücke.

Die Sätze würde ich verbinden.
Er wühlte sich zur Bar, passte einen ...

Max musste sich konzentrieren, um die Worte zu verstehen. Sie setzte eine beleidigte Mine auf, die bald einem Lächeln wich, das das des Mädels an der Garderobe an Strahlkraft noch übertraf.

Uff. Das klingt super strange: das das des.
Ich würde den Teil komplett streichen.

Vor Max tanzte ein Grüppchen junger Frauen und noch ehe er sich irgendwelche Gedanken zu ihnen machen konnte, tänzelte eine zu ihm rüber:

über sie

Er musterte sie noch einmal. Sie hatte eine Figur wie Sofia Loren oder irgendeine andere klassische Filmdiva, dazu auffallend große Brüste und volle Lippen. Sie sah aus wie Fleisch gewordene Weiblichkeit, es wirkte schon überzeichnet. Übersah er etwas? Was hatte so eine Frau an der Seite von einem schmierigen alten Sack in einem Studentenclub zu suchen?

Eine Figur wie Sofia Loren reicht völlig, um beim Leser das passende Bild zu erzeugen.

Vorschlag: Sie hatte eine Figur wie Sofie Loren und volle Lippen. Der Fleisch gewordene Männertraum.

Was hatte so eine Frau an der Seite von einem schmierigen alten Sack in einem Studentenclub zu suchen? Und warum gab es gleich noch ein brünettes Gegenstück zu ihr? Und warum hatte sie sich ihm augenblicklich an den Hals geworfen, ohne jedes Spielchen? Hatte Jan etwa recht gehabt?

Du baust an einigen Stellen immer wieder Spannung auf. Der Leser stellt sich Fragen? Was kommt da noch? Was wird passieren? Leider passiert dann ja nicht wirklich viel.

Und wenn er sich jetzt nicht allzu naiv verhielt, bestünde doch gar kein Risiko. Was sollte schon passieren? Er verließ den Toilettenraum und ging mit der Frau zur Garderobe. Das Mädchen lächelte ihm wieder zu, kaum merklich diesmal, und Max meinte eine Spur von Bedauern in ihrem Blick zu erkennen.

Das Frage ich mich auch. Was soll schon passieren? Max macht sich viel zu viele Gedanken. Finde ich übrigens für einen Mann, wie Du ihn darstellst und der schon was intus hat ziemlich unglaubwürdig.

Sie verließen den Club und gingen über den Parkplatz, wo die Penner hinkacken und die Taxifahrer eine rauchen. Max bot der Frau seinen Arm an und sie hakte sich unter.

Würde ich streichen, nicht wirklich relevant.
Dann ein Zeitfehler. ... eine rauchten wäre korrekt

„Mit dir irgendwo hingehen ... Wo gehen wir eigentlich hin?“

Unschöne Wortwiederholung.

Max drehte sich kurz um. Niemand folgte ihnen. Auch wenn er sich mittlerweile fast sicher war, dass sie keine Nutte war, so wollte er doch ein wenig Abstand zum Club gewinnen und die Uferpromenade lag ein paar hundert Meter entfernt.

Auch hier wieder ein Spannungsaufbau, der leider ins Leere läuft.

Was sollte das denn heißen? War das nicht ein Code-Wort für Nutte? Oder war sie Nacktmodell? Ein Laufstegmodell war sie jedenfalls nicht, mit dieser Figur. Vielleicht war sie Pornodarstellerin. Dann war die andere Frau auch eine und der Typ war ihr Manager oder ein Regisseur. Max blickte sich wieder um und sah den Dom grünlich aufschießen. Er liebte diesen Anblick, auch wenn er nicht katholisch war, ja nicht einmal getauft. Kein halbes Dutzend Mal war er in dieser Kirche gewesen, aber darum ging es nicht, denn die zwei Zacken waren schlichtweg die Leuchttürme seines ganzen Lebens gewesen. Kein Auto war mehr auf den Straßen und auch die Promenade zog sich verlassen an dem dunklen Streifen entlang, der die Stadt zerriss. Max war nicht mehr so selbstsicher wie zuvor. Die paar mit ihr gewechselten Worte hatten ihm klargemacht, dass er nichts mit der Frau zu reden hatte, und er spürte, dass sie das auch schon wusste. Das schmerzte ihn und es fühlte sich plötzlich falsch an, mit ihr Richtung Ufer zu gehen. Trotzdem ging er weiter.

Einige unnötige Füllwörter, die ich streichen würde.

Und auch das kaufe ich Max nicht wirklich ab. Er hat was getrunken, ne scharfe Braut im Arm und hört nicht auf zu grübeln. Das passt für mich nicht.

Sie lehnten sich an das Mäuerchen. Er nahm sie in die Arme und küsste sie, fuhr ihr mit einer Hand unters Top und spürte die straff sitzenden Träger ihres BHs auf. Ihre Hände glitten ganz selbstverständlich auch unter sein Shirt. Sie strich ihm über den Bauch.

Steichkandidat.

Das war ein Set-Up. Das war hundert Pro ein Set-Up!

Was meinst Du damit?

Sie packte in seinen Schritt. Aber es wusste doch überhaupt niemand, wo sie waren. Sie begann, seine Hose aufzuknöpfen. Wie sah die Falle aus? Sie hatte doch niemandem geschrieben.
„Warte! Nicht hier“, sagte er.

Hier finde ich die Situation fast schon lachhaft. Das nehme ich dem Max absolut nicht ab. Nee. Niemals!

Sie lachte und drückte den Kopf noch etwas fester an ihn. Max war das unangenehm. Er wollte sie nicht so nah an sich haben.

Lol :D Das ist dann leider irgendwie typisch Mann (sorry für das Klischee). Das kauf ich ihm ab. Einen Blasen darf sie ihm, aber danach bitte schön Abstand halten.

Giulia schlug die Augen auf und starrte in kaltes Licht und ein leeres Abteil. Wo war der junge Mann? War er Tickets kaufen gegangen? Ach nein, das ging ja in diesen Zügen gar nicht.

Und hier dann der plötzliche Perspektivwechsel. Und ich dachte, da kommt später noch mal was mit Max, der tauchte dann aber leider nicht mehr auf.

Was sollte sie nun tun?

Unnötiges Füllwort.

Rolf war misstrauisch und hatte einen guten Instinkt, was Menschen angeht, aber sie glaubte nicht, dass er ihr wehtun wollte.

anging

Rolf hatte sich nicht mehr gemeldet.

An der Stelle ging dann meine Phantasie mit mir durch. Hatte mir ausgemalt, dass Max heimlich rausbekommen hat, wer "der Freund" ist und ihn sich vorgeknöpft hat. Oder dass sonstwas mit diesem Rolf passiert ist.

Du kannst zwar sehr gut Spannung erzeugen, leider läuft alles ins Leere, was ich als Leser dann ärgerlich finde. Das ist, wie wenn mir jemand ständig nen Duplo vor die Nase hält und mich nie abbeißen lässt.

Der Summer ertönte. Giulia stieg die schwarz-weiß gesprenkelten Terrazzostufen hoch und klopfte an die Wohnungstür, genau so, wie er es ihr eingeimpft hatte: Erst ein und dann zwei Mal. Sie hörte ihn durch den Flur gehen. Die Tür öffnete sich und Rolf blickte auf den Knutschfleck an ihrem Hals.

Schade! Der Typ ist leider zu Hause. Hätte mir was anderes erhofft.

Ganz liebe Grüße und einen schönen Tag,
Silvita

 
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05.03.2015
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Hallo @Silvita,

vielen Dank fürs "Durchkämpfen" - das klingt ja nicht sehr erbaulich für mich :-)

Die sprachlichen Hinweise sind topp - davon werde ich viele nachher direkt umsetzen.

Zu den inhaltlich Punkten habe ich gerade in einer Antwort das meiste schon erläutert. Hier aber noch ein paar Sätze zu neueren Aspekten, die du einbringst.

Henry K. schrieb:
Oruc?"
„Sag du es mir."
„Oruc!“

Was ist Oruc???

Eine stadtbekannte Kölner Dönerbude. Dachte, durch den darauffolgenden Absatz wird das auch für Ortsunkundige klar ...

Henry K. schrieb:
Er lehnte sich an ein Straßenschild und zündete sich die nächste Kippe an.

Wieso die nächste??? Davor hatte er sich noch keine angezündet. Würde ich streichen.

Naja, er hat eine an der Bahnstation geraucht, von dort sind sie zur Imbissbude. Und auch wenn die länge des Weges nicht klar ist, so impliziert das "nächste" ja einfach, dass er kurz vorher wohl schon eine geraucht hat. Sehe ich jetzt nicht so kritisch.

Henry K. schrieb:
Vor dem Eingang zum Club, der unter einem der Bögen der Hohenzollernbrücke klebte, hatte sich bereits eine große Traube gebildet.

Der "klebende" Eingang erzeugt komisches Kopfkino. Würde ich ändern.

Der Club, nicht der Eingang klebt unter der Brücke. Hmmm, muss ich noch mal mit Abstand betrachten.

Henry K. schrieb:
Max musste sich konzentrieren, um die Worte zu verstehen. Sie setzte eine beleidigte Mine auf, die bald einem Lächeln wich, das das des Mädels an der Garderobe an Strahlkraft noch übertraf.

Uff. Das klingt super strange: das das des.
Ich würde den Teil komplett streichen.

Ja, war ein Wackelkandidat. Aber dachte mir, man würde es ja auch so sagen, wenn man redet :-)

Henry K. schrieb:
Er musterte sie noch einmal. Sie hatte eine Figur wie Sofia Loren oder irgendeine andere klassische Filmdiva, dazu auffallend große Brüste und volle Lippen. Sie sah aus wie Fleisch gewordene Weiblichkeit, es wirkte schon überzeichnet. Übersah er etwas? Was hatte so eine Frau an der Seite von einem schmierigen alten Sack in einem Studentenclub zu suchen?

Eine Figur wie Sofia Loren reicht völlig, um beim Leser das passende Bild zu erzeugen.

War auch ein Wackelkandidat - gekauft.

Vorschlag: Sie hatte eine Figur wie Sofie Loren und volle Lippen. Der Fleisch gewordene Männertraum.

Nein, das sehe ich nicht so. Für mich ist Giulia in Max' Alltagskreisen eben nicht die Traumfrau - sie ist too much, zu trashig und billig - auch wenn sie an diesem Abend nicht so angezogen ist. Aber es scheint direkt durch, Jan sagte es ja auch.

Henry K. schrieb:
Was hatte so eine Frau an der Seite von einem schmierigen alten Sack in einem Studentenclub zu suchen? Und warum gab es gleich noch ein brünettes Gegenstück zu ihr? Und warum hatte sie sich ihm augenblicklich an den Hals geworfen, ohne jedes Spielchen? Hatte Jan etwa recht gehabt?

Du baust an einigen Stellen immer wieder Spannung auf. Der Leser stellt sich Fragen? Was kommt da noch? Was wird passieren? Leider passiert dann ja nicht wirklich viel.

Genau das ist leider die Aussage, die der Text treffen soll: Man macht falsche Annahmen im Leben, vor allem über seine Mitmenschen.

Henry K. schrieb:
Und wenn er sich jetzt nicht allzu naiv verhielt, bestünde doch gar kein Risiko. Was sollte schon passieren? Er verließ den Toilettenraum und ging mit der Frau zur Garderobe. Das Mädchen lächelte ihm wieder zu, kaum merklich diesmal, und Max meinte eine Spur von Bedauern in ihrem Blick zu erkennen.

Das Frage ich mich auch. Was soll schon passieren? Max macht sich viel zu viele Gedanken. Finde ich übrigens für einen Mann, wie Du ihn darstellst und der schon was intus hat ziemlich unglaubwürdig.

Naja, Giulias ist eine Frau aus dem Milieu. Es kann also eine Menge passieren. Max spürt diese potenzielle Gefahr genau, weil er eben keine besoffene Klischeefigur von einem Mann ist. Und er hat ja im Rückblick auch recht gehabt mit seinem Gefühl.

Henry K. schrieb:
Sie verließen den Club und gingen über den Parkplatz, wo die Penner hinkacken und die Taxifahrer eine rauchen. Max bot der Frau seinen Arm an und sie hakte sich unter.

Würde ich streichen, nicht wirklich relevant.
Dann ein Zeitfehler. ... eine rauchten wäre korrekt

Unsicher - finde, das deutet noch mal darauf hin, dass der Spassraum verlassen wird. Und das Präsenz sehe ich hier als richtig an, weil es immer noch so ist ;-)

Henry K. schrieb:
„Mit dir irgendwo hingehen ... Wo gehen wir eigentlich hin?“

Unschöne Wortwiederholung.

Gewollt, um ihre sprachliche Einfallslosigkeit zu zeichnen.

Henry K. schrieb:
Max drehte sich kurz um. Niemand folgte ihnen. Auch wenn er sich mittlerweile fast sicher war, dass sie keine Nutte war, so wollte er doch ein wenig Abstand zum Club gewinnen und die Uferpromenade lag ein paar hundert Meter entfernt.

Auch hier wieder ein Spannungsaufbau, der leider ins Leere läuft.

Genau so sollte es auf den Leser wirken - sorry :-)

Und auch das kaufe ich Max nicht wirklich ab. Er hat was getrunken, ne scharfe Braut im Arm und hört nicht auf zu grübeln. Das passt für mich nicht.

Seine Sensoren gehen eben nie aus. Dass er sich überhaupt so hat gehen lassen im Club, ist schon "sensationell" für seine Massstäbe.

Henry K. schrieb:
Das war ein Set-Up. Das war hundert Pro ein Set-Up!

Was meinst Du damit?

Mehr oder weniger Jugendsprache/Slang für "Falle" / "Hinterhalt"

Henry K. schrieb:
Sie packte in seinen Schritt. Aber es wusste doch überhaupt niemand, wo sie waren. Sie begann, seine Hose aufzuknöpfen. Wie sah die Falle aus? Sie hatte doch niemandem geschrieben.
„Warte! Nicht hier“, sagte er.

Hier finde ich die Situation fast schon lachhaft. Das nehme ich dem Max absolut nicht ab. Nee. Niemals!

Naja, sie stehen im Grunde mitten auf einem Weg. Das wäre schon ziemlich krass, dort stehen zu bleiben, vor allem, wenn man Gefahr wittert.

Henry K. schrieb:
Sie lachte und drückte den Kopf noch etwas fester an ihn. Max war das unangenehm. Er wollte sie nicht so nah an sich haben.

Lol :D Das ist dann leider irgendwie typisch Mann (sorry für das Klischee). Das kauf ich ihm ab. Einen Blasen darf sie ihm, aber danach bitte schön Abstand halten.

Ja, das ist schon recht authentisch, würde ich sagen ... *hust

Aber du stellst es hier auch nicht ganz richtig da: Sie hat es ihm ja angeboten, so wie sie sich überhaupt fast schon aufgedrängt hat - das ausnutzende Element ist hier also so nicht gegeben.

Du kannst zwar sehr gut Spannung erzeugen, leider läuft alles ins Leere, was ich als Leser dann ärgerlich finde. Das ist, wie wenn mir jemand ständig nen Duplo vor die Nase hält und mich nie abbeißen lässt.

Ich sag mal, danke für das Kompliment :-D

Henry K. schrieb:
Der Summer ertönte. Giulia stieg die schwarz-weiß gesprenkelten Terrazzostufen hoch und klopfte an die Wohnungstür, genau so, wie er es ihr eingeimpft hatte: Erst ein und dann zwei Mal. Sie hörte ihn durch den Flur gehen. Die Tür öffnete sich und Rolf blickte auf den Knutschfleck an ihrem Hals.

Schade! Der Typ ist leider zu Hause. Hätte mir was anderes erhofft.

Auch hier: Schön, dass du es schade fandst. Ziel war es, dass man mit Giulia mitleidet.

Auf jeden vielen Dank für dein Feedback und dein Zeit

VG, HK

 
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Hallo @Henry K.,

wow, Respekt, du hast ja wirklich das alles gehörig gestrafft und eingedampft und all die Namen rausgeworfen. Finde ich sehr gut, dass du das geschafft hast, denn dadurch hat deine Geschichte eindeutig an Klarheit gewonnen.
Ich weiß, wie schwer es ist, sich von Texten zu trennen und seinen eigenen Text umzuschreiben. Von daher hast du meine ganze Hochachtung, dass du es geschafft hast.

Meine Wunschliste wäre jetzt, dass du anstatt die Figuren der Geschichte von aussen zu beschreiben, ihnen etwas Individuelles gibst, das von innen kommt. Dazu habe ich ja schon vorher ausführlich dargelegt, wie ich es meine.

Und hier sind mir noch drei Stellen aufgefallen:

Nein, ich hab grad drei Teller Nudeln gegessen.“
"Oruc?"
„Sag du es mir."
„Oruc!“
Was soll das Oruc genau bedeuten. Ich habe es gegoogelt und es könnte Türkisch sein und Hunger locker übersetzt heißen. Aber wozu jetzt dieser Ausdruck, es sind ja beide keine Türken. Wenn du hier besonderen Slang in den Dialog bringen willst, müsstest du es so anlegen, dass sie noch mehr in dieser (für mich unverständlichen) Sprache sprechen. Dann könnte dieses Oruc auch bleiben, aber so wirkt es wie ein Fremdkörper.
Wieder wunderte sich Max über ihren Tonfall.
Hier verschweigst du dem Leser, was für ein Tonfall es denn war, den sie hervorbringt. Wäre doch spannend dies zu erfahren.
War er gar nicht eingestiegen?
Logikfehler. Sie verabschieden sich vor dem Zug. Es geht zwar alles schnell, aber es ist schon vorher klar, dass er nicht mit einsteigt. Wenn sie nicht komplett unterbelichtet ist, weiß sie es beim Einsteigen, dass er ihr nicht folgt. Vielleicht wäre es eine Idee, die Abschiedsszene anders zu formulieren, so dass sie (und der Leser) fest davon ausgeht, er steigt mit ein.

Ansonsten finde ich, dass die Story sehr gewonnen hat.

Lieben Gruß

lakita

 
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Hey @lakita noch mal,

wieder habe ich gerade in einer Antwort schon einige Fragen beantwortet :-)

Hier zum Rest:

wow, Respekt, du hast ja wirklich das alles gehörig gestrafft und eingedampft und all die Namen rausgeworfen. Finde ich sehr gut, dass du das geschafft hast, denn dadurch hat deine Geschichte eindeutig an Klarheit gewonnen.
Ich weiß, wie schwer es ist, sich von Texten zu trennen und seinen eigenen Text umzuschreiben. Von daher hast du meine ganze Hochachtung, dass du es geschafft hast.

Hab da ehrlich gesagt wenig Probleme mit, finde das ist der befriedigendste Teil des ganzen Schreibens :-)

Meine Wunschliste wäre jetzt, dass du anstatt die Figuren der Geschichte von aussen zu beschreiben, ihnen etwas Individuelles gibst, das von innen kommt. Dazu habe ich ja schon vorher ausführlich dargelegt, wie ich es meine.

Ich kann diesen Wunsch verstehen, aber ich habe da extreme Berührungsängste mit, weil ich Sentimentalität und Schwülstigkeit und Andichterei von Gedanken so weit wie möglich, in jedem Fall, ohne Ausnahmen vermeiden will :-D

Scherz beiseite: Ich strebe schon eine glasklare, nüchterne, reduzierte Ästhetik an, die im Grunde nur beschreibt. Filmisch wären meine Vorbilder kalte Dokumentationen, ohne Erzähler zusammengeschnitten, collagenartig, für sich sprechend. In Geschichtenform ist das natürlich schwierig.

Nachtrag: Ich sehe aber den Kompromiss, mehr äussere Dinge zu suchen/erdichten, die Individualität erzeugen und für Inneres stehen (könnten).

Henry K. schrieb:
Wieder wunderte sich Max über ihren Tonfall.
Hier verschweigst du dem Leser, was für ein Tonfall es denn war, den sie hervorbringt. Wäre doch spannend dies zu erfahren.

Verdammt wird hier genau gelesen, es werden wirklich fast immer genau die Stellen identifiziert, bei denen ich mir selbst nicht 100 % sicher war - was wiederum gut ist, denn anscheinend könnte ich das dann ja vorher erkennen.

Hier hatte ich erst "lakonisch" drin, wollte aber mit einem "wieder" klarmachen, dass er sich vorher schon gewundert hat. Dann las es sich aber für mich so, als würde gesagt werden: "arglos wie ein Kind" und "lakonisch" wären dasselbe. Das wollte ich so nicht riskieren, also habe ich das lakonisch gestrichen, auf dass der Leser denkt: Aha, sie klingt wieder "arglos wie ein Kind".

Wohl ein Fail ;-)

Henry K. schrieb:
War er gar nicht eingestiegen?
Logikfehler. Sie verabschieden sich vor dem Zug. Es geht zwar alles schnell, aber es ist schon vorher klar, dass er nicht mit einsteigt. Wenn sie nicht komplett unterbelichtet ist, weiß sie es beim Einsteigen, dass er ihr nicht folgt. Vielleicht wäre es eine Idee, die Abschiedsszene anders zu formulieren, so dass sie (und der Leser) fest davon ausgeht, er steigt mit ein.

Ne, das ist kein Anschlussfehler, es sollte zeigen, wie betrunken sie ist. Nachdem er sie in die Bahn verfrachtet hat, hat sie sich hingesetzt und ist kurz eingeschlafen. Als sie wieder erwacht, ist Köln für sie schon am verblassen. ich war und bin mir bewusst, dass hier eine erzähltechnische Schwierigkeit auftaucht: Sie muss sehr betrunken sein, um Rolf zeitweise zu vergessen und auch, um sexuell SO enthemmt zu sein. Max lenkt ja danach auch die ganze Situation und führt sie quasi an der Hand. Im Zug muss sie dann aber wieder so klar sein, dass sie sich erinnert und erste Gedanken zu ihrem Drama hat. Und in Duisburg bleibt dann objektiv eigentlich ein bisschen zu wenig Zeit, um so weit auszunüchtern, dass sie so einen komplexen Plan austüfteln kann - aber es ist mit Adrenalin und Angst und Kaffee und Zucker (und vl Erfahrung in solchen Dingen) schon theoretisch denkbar, dass es gelingt.

Ansonsten finde ich, dass die Story sehr gewonnen hat.

Merci! ;-)

VG, HK

 
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Ich nochmal @Henry K.,

nun gut, wenn Giulia betrunken und dadurch benebelt ist, dann ist das natürlich eine andere Geschichte als die, die ich dir wegen Unlogik unterstellt hatte. ABER wenn sie betrunken ist und erst, nachdem der Zug schon eine Ecke gefahren ist, quasi sich ihrer Situation bewusst wird, dass sie allein fährt, dann müsstest du es auch so schreiben.
Stehen tut es da bisher noch nicht.

Dass du nicht richtig verstehst, was ich an deinen Personenbeschreibungen zu kritisieren habe, finde ich sehr schade. Wir reden da gehörig aneinander vorbei.
Ich versuch es nochmals: Wenn du eine Figur in eine Handlung hinein bringen möchtest, gibt es die Möglichkeit, dass du sie einfach handeln lässt. Auf diese Weise erkennt der Leser, wen er da vor sich hat. Gut zu lesen in der Geschichte von @Peeperkorn "Hohlräume". Er muss gar nicht beschreiben, wie die Akteure seiner Geschichte aussehen, sondern er beschreibt, was sie tun und dadurch gewinnen sie Charakter, werden lebendig vor den Augen des Lesers.
Das ist also eine der Methoden.

Aber es gibt auch noch eine andere und auch hierfür gibt es grad frisch ein gutes Beispiel:
Wenn du dir die Figuren in der Geschichte @jimmysalaryman "Licht" anschaust, dann liest du dort nicht, was für Kleidung sie anhaben, sondern er bringt gewisse Merkmale und Eigenheiten über diese Personen zu Tage. Sie gewinnen dadurch an Kontur und Charakter.

Abgesehen davon, dass du natürlich eine gute Mischung aus diesen beiden Methoden wählen kannst, fällt mir tatsächlich momentan keine weitere Methode ein, Personen in einer Geschichte vorzustellen.

Was nicht gut läuft, sind deine Beschreibungen reiner Äusserlichkeiten. Es ist mir schlicht piepegal, ob ein Protagonist eine schwarze oder blaue Jeansjacke anhat, aber wenn du mitteilst, dass auf seiner blauen Jeansjacke ein Abzeichen der Seashephards aufgenäht ist, wird aus dieser Tatsache ein winziges Stückchen Charakterzug offen gelegt.
Nicht aber, wenn du mir zur blauen Jeansjacke noch beschreibst, dass er graue Stoffhose trug und Sneakers an den Füssen.
Wenn Giulia von dir als Blondine beschrieben wird, dann habe ich nur ein Bild vor Augen, dass jemand helle Haare hat. Wenn du aber beschreibst, dass sie ihre blonden Haare zu einem dicken Zopf geflochten hatte, von dem kein Härchen abstand und dessen Zopfende mit einer übertrieben großen Taftschleife verziert war, dann habe ich schon ein ganz anderes Bild vor mir.
Ach und wo ich grad bei Vergleichen bin. An einer Stelle beschreibst du ihre Figur und vergleichst sie mit Gina Lollobrigida. Klar, so kann man es auch machen, weil vermutlich jeder diese Frau kennt. Aber wenn deine Protagonistin blond ist, aber jeder weiß, dass Gina immer nur dunkle Haare hatte, dann liegt da wieder etwas quer, weil es nicht so richtig passt.

So und nun gebe ich meine missionarische Tätigkeit auf, dir weiterhin plastischere Figuren abzuverlangen. Entweder es hat nun bei dir Pling gemacht oder aber es tut es in einem Jahr. :D :Pfeif:

Lieben Gruß

lakita

 
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Hi @lakita ,

danke für den erneuten Versuch, es mir zu erklären. Ich muss darüber nachdenken.

VG, HK

Nachtrag: Ich habe Jan, Rolf und Tommy mehr Attribute verliehen. Geht das in die Richtung, die du vor Augen hattest?

 
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@Henry K.,

ja, aber noch längst nicht genug.

verlieh ihm dieser Look ein gewisses Auftreten,
Was für ein sog. "gewisses Auftreten"? Wie wirkt er auf andere Männer, auf andere Frauen? Du mogelst dich um genau diese Details herum.
fragte Jan mit seinem Affengrinsen.
Wie sieht das aus, wenn man jemandem ein Affengrinsen bescheinigt? Vermutlich bleckt er eine ganze Zahnreihe oder? Und wie sehen diese Zähne aus? Schief, schieben sie sich übereinander, sind sie vergilbt, teevergilbt, tabakvergilbt, ungeputzt? Oder hat er eines dieser Zahnschienengebisse? Guck doch mal spaßeshalber (naja, studienhalber meinte ich) an diesem Wochenende allen Leuten aufs Gebiss, die du so triffst. Das sind häufig Wahrnehmungen, die bei uns im Unterbewusstsein laufen, aber wie wirkt jemand auf dich, der so ein Fernsehgebiss hat? Alles strahlendweiß und blitzeblank und gerade. Oder ist dir schon mal aufgefallen, dass manche Menschen ein viel zu großes Gebiss haben, ich nenne es Pferdegebiss, meist sind das erschreckend große Hauer als hätte der Kopf größer werden sollen. Oder denke an Menschen mit Zahnlücken. Sind diese in der Mitte der Schneidezähne sieht es manchmal echt niedlich aus, so ein bisschen kleinkindchenhaft als müsste sich da noch etwas zurechtwachsen. Aber fehlen gar Zähne im sichtbaren Bereich, was löst das bei einem aus, wenn man es sieht? Da hat jemand vielleicht Angst vor dem Zahndoc oder kein Geld für den Zahnersatz oder es ist ihm eh alles egal. All das sind nur Kleinigkeiten, die wir im täglichen Leben wahrnehmen, darüber aber nicht groß nachdenken. Sie laufen eher im Unterbewusstsein ab.
Als Autor bist du aber derjenige, der das aufzeigen muss. Weil der Leser muss ja durch deine Augen blicken.
Und die Zähne sind jetzt nur ein stellvertretendes Beispiel für jede Menge Eigenschaften, die so ein Mensch hat.
Der Gang zum Beispiel. Wir registrieren bei jedem Menschen, der uns entgegenkommt, den Gang. Manche Menschen gehen derartig brutal, die vermitteln dir das Gefühl, du wirst gleich von der Stelle gerammt, wenn du nicht ausweichst. Oder manche trippeln so unsicher, dass du am liebsten hinterher gehen möchtest, um sie aufzufangen, zu stützen, falls sie wegknicken. Auch hier gibt es unendlich viele Möglichkeiten durch die Schilderung des Gangs etwas über die Persönlichkeit der Figur auszudrücken.


"Oruc?"
„Sag du es mir."
„Oruc!“
Das hast du mir übrigens immer noch nicht erklärt, was es bedeutet.
Jan tat so, als wollte er Max boxen, der drehte sich weg, und Jan sprang ihm auf den Rücken.
"Hör auf, Alter. Das ist ja peinlich."
Gut gemacht! Hier schilderst du eine Situation, die etwas über die beiden aussagt. Genau so hab ich es mir gedacht. Das ist eine Methode, etwas über eine Person auszusagen, in dem man sie etwas tun lässt.
Rechts eine schlanke Brünette, die ein kurzes Kleid und Strumpfhosen trug, links eine dralle Blondine mit zum Bob gestutzten Haaren, die Jeans und ein hautenges Top trug. Beide steckten in High-Heels und hatten nicht an Make-up und Lippenstift gespart.
Nein hier bist du immer noch im "ich beschreibe mal was sie trägt"-Modus.
Was sieht man als Mann, wenn man eine Frau erblickt? Etwa, dass sie eine Strumpfhose trägt? Ok, wenn er Strumpffetischist ist, dann sieht er genau die zuerst, aber danach sofort dasjenige, was dieses Teil in ihm auslöst. Vielleicht ist es der seidige Glanz, der ihm dann auffällt und so weiter. Aber jemand, der nicht gerade diesen Fetisch hat, wird das Bein sehen und wie es geformt ist und ob diese Strumpfhose es auf erotische Weise unterstreicht oder eher abtörnend verpackt. Dasselbe mit dem Kleid. Kein Mann schaut sich ein Kleid an, es sei denn, er ist Modeschöpfer. Er schaut, was in dem Kleid steckt. Was legt es frei, was verhüllt es, was lässt es erahnen.
Die Bezeichnung hauteng ist schon mal ein guter Anfang, aber nicht alles. Hauteng heißt noch nichts, sondern was genau kommt beim Betrachter an? Ein erotisches Hauteng oder eher ein unerotisches, weil sich jede Menge Bauchrollen abzeichnen, der Busen schlapp hängt oder platt anliegt.
Der Blick eines Mannes auf eine Frau muss aber nicht automatisch immer ein erotischer sein, sondern er kann auch ganz sachlich sein. Was könnte er dann sehen? Zum Beispiel wie wackelig oder stabil sie auf den Highheels geht, wieviel Schrittlänge das Kleid zulässt, wirkt sie kräftig und standsicher, klingt ihre Stimmer verhuscht und piepsig oder klar und kräftig?
Und wenn eine Figur mit Make-up nicht spart, was genau führt zu dieser Einschätzung?
Wirken die Lippen übertrieben groß? Sieht die Haut aus als sei ihr eine dicke Farbschicht aufgelegt worden. Begräbt der Kajalstrich die Augenfarbe?
Was genau sieht man, wenn man eine Frau nuttig findet?
Du siehst, es sind sehr viele Details, die das alles auslösen können und genau die musst du aufspüren, um sie dem Leser mitzuteilen.

Fröhliches Beobachtungswochenende wünsche ich dir

lakita

 
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@lakita

Hi ein letztes Mal für heute ;-) Ich gehe die Tage deinen Kommentar noch mal genauer durch. Ich will nur schon mal vorschicken, dass ich nicht denke, dass es im Sinne der Story ist, Jan noch genauer zu schildern. Seine Rolle wurde ja extra verkleinert und er trägt zur Handlung nicht viel als Persönlichkeit bei.

Bei der Zeichnung von Max verstehe ich deine Kritik generell nicht ganz. Da ist in der Story alles drin, was du von einer Charakterzeichnung erwartest und in einem anderen Feedback wurde das auch so gesehen - wie dort übrigens auch die Beschreibung der Freundin der Mitbewohnerin positiv aufgenommen wurde.

Dann bei den Frauen im Club: Das ist ja die Sicht von Max und er kann sie ja eben nur oberflächlich beschreiben, denn er sieht sie ja das erste Mal. Für einen ersten Eindruck sind das schon viele Details, finde ich. Ausserdem soll die Truppe von Giulia im ersten Teil ja generell oberflächlich und ominös bleiben - bei Giulia, um klar zu machen, dass Max sie eben nicht als Individuum kennenlernt, sondern als Lustobjekt und Vertreterin ihres Milieus.

"Oruc" ist der Name des Imbiss. Hatte ich einer Antwort oben schon erklärt. In Köln kennt man den.

VG und schönes WE, HK

Nachtrag:

Henry K. schrieb:
verlieh ihm dieser Look ein gewisses Auftreten,
Was für ein sog. "gewisses Auftreten"? Wie wirkt er auf andere Männer, auf andere Frauen? Du mogelst dich um genau diese Details herum.

Habe das präzisiert, auch wenn in meinen Augen "ein gewisses Auftreten" als Beschreibung schon etwas recht konkretes aussagt, nämlich dass jemand eben auffällt. Wodurch Max auffällt, erfährt der Leser ja: Er sieht maskulin-athletisch aus und unterstreicht das bewusst.

Henry K. schrieb:
fragte Jan mit seinem Affengrinsen.
Wie sieht das aus, wenn man jemandem ein Affengrinsen bescheinigt? Vermutlich bleckt er eine ganze Zahnreihe oder? Und wie sehen diese Zähne aus? Schief, schieben sie sich übereinander, sind sie vergilbt, teevergilbt, tabakvergilbt, ungeputzt? Oder hat er eines dieser Zahnschienengebisse? Guck doch mal spaßeshalber (naja, studienhalber meinte ich) an diesem Wochenende allen Leuten aufs Gebiss, die du so triffst. Das sind häufig Wahrnehmungen, die bei uns im Unterbewusstsein laufen, aber wie wirkt jemand auf dich, der so ein Fernsehgebiss hat? Alles strahlendweiß und blitzeblank und gerade. Oder ist dir schon mal aufgefallen, dass manche Menschen ein viel zu großes Gebiss haben, ich nenne es Pferdegebiss, meist sind das erschreckend große Hauer als hätte der Kopf größer werden sollen. Oder denke an Menschen mit Zahnlücken. Sind diese in der Mitte der Schneidezähne sieht es manchmal echt niedlich aus, so ein bisschen kleinkindchenhaft als müsste sich da noch etwas zurechtwachsen. Aber fehlen gar Zähne im sichtbaren Bereich, was löst das bei einem aus, wenn man es sieht? Da hat jemand vielleicht Angst vor dem Zahndoc oder kein Geld für den Zahnersatz oder es ist ihm eh alles egal. All das sind nur Kleinigkeiten, die wir im täglichen Leben wahrnehmen, darüber aber nicht groß nachdenken. Sie laufen eher im Unterbewusstsein ab.
Als Autor bist du aber derjenige, der das aufzeigen muss. Weil der Leser muss ja durch deine Augen blicken.
Und die Zähne sind jetzt nur ein stellvertretendes Beispiel für jede Menge Eigenschaften, die so ein Mensch hat.
Der Gang zum Beispiel. Wir registrieren bei jedem Menschen, der uns entgegenkommt, den Gang. Manche Menschen gehen derartig brutal, die vermitteln dir das Gefühl, du wirst gleich von der Stelle gerammt, wenn du nicht ausweichst. Oder manche trippeln so unsicher, dass du am liebsten hinterher gehen möchtest, um sie aufzufangen, zu stützen, falls sie wegknicken. Auch hier gibt es unendlich viele Möglichkeiten durch die Schilderung des Gangs etwas über die Persönlichkeit der Figur auszudrücken.

Danke für die lange Erläuterung, aber das gleitet für mich ein wenig ins Dozieren über Selbstverständlichkeiten ab. Oder fragst du mich ernsthaft, ob mir "schon mal aufgefallen [ist], dass manche Menschen ein viel zu großes Gebiss haben"? Nicht nur du, jeder nennt das "Pferdegebiss" :-D

Der Punkt, den ich oben ja schon angklingen hab lassen, ist doch: Wie viele konkrete Attribute braucht eine Figur? Und ich denke nicht, dass hier viel mehr nötig ist, als geliefert wurde. Das ist also eine bewusste Entscheidung von mir gewesen und nicht ein Unvermögen, Menschen zu beschreiben, weil ich mir die nicht genau angucke (was nicht heisst, dass es da nichts zu lernen gäbe).

Henry K. schrieb:
Rechts eine schlanke Brünette, die ein kurzes Kleid und Strumpfhosen trug, links eine dralle Blondine mit zum Bob gestutzten Haaren, die Jeans und ein hautenges Top trug. Beide steckten in High-Heels und hatten nicht an Make-up und Lippenstift gespart.
Nein hier bist du immer noch im "ich beschreibe mal was sie trägt"-Modus.
Was sieht man als Mann, wenn man eine Frau erblickt? Etwa, dass sie eine Strumpfhose trägt? Ok, wenn er Strumpffetischist ist, dann sieht er genau die zuerst, aber danach sofort dasjenige, was dieses Teil in ihm auslöst. Vielleicht ist es der seidige Glanz, der ihm dann auffällt und so weiter. Aber jemand, der nicht gerade diesen Fetisch hat, wird das Bein sehen und wie es geformt ist und ob diese Strumpfhose es auf erotische Weise unterstreicht oder eher abtörnend verpackt. Dasselbe mit dem Kleid. Kein Mann schaut sich ein Kleid an, es sei denn, er ist Modeschöpfer. Er schaut, was in dem Kleid steckt. Was legt es frei, was verhüllt es, was lässt es erahnen.
Die Bezeichnung hauteng ist schon mal ein guter Anfang, aber nicht alles. Hauteng heißt noch nichts, sondern was genau kommt beim Betrachter an? Ein erotisches Hauteng oder eher ein unerotisches, weil sich jede Menge Bauchrollen abzeichnen, der Busen schlapp hängt oder platt anliegt.

Du behauptest, hier stellten sich Fragen, die aber im Text bereits sehr deutlich beantwortet werden: Sie sieht aus wie Sophia Loren, ist Fleisch gewordene Weiblichkeit, aufreizend wie eine Hure (was beide Kerle finden), zieht den Protagonisten an, ist ein Model (in welcher Form auch immer), dann vergräbt er sein Gesicht in den Brüsten. Und selbst ohne dass alles wissen wir, dass er auf der Suche nach einer Frau ist, drei, vier am Rand stehen lässt und sich für sie entscheidet. Ich glaube, das alles macht klar, dass sie sehr attraktiv ist und keine abturnenden Bauchrollen oder einen Hängebusen hat.

Dasselbe zu den Strumpfhosen: Die Frau, die sie trägt, ist schlank, sieht ebenfalls aus wie ein Call-Girl und wird das "brünette Gegenstück" zur Blondine genannt. Auch hier sind alle Infos da, die der Leser braucht, um die Rolle der Figur zu verstehen, denke ich.

Der Blick eines Mannes auf eine Frau muss aber nicht automatisch immer ein erotischer sein, sondern er kann auch ganz sachlich sein. Was könnte er dann sehen? Zum Beispiel wie wackelig oder stabil sie auf den Highheels geht, wieviel Schrittlänge das Kleid zulässt, wirkt sie kräftig und standsicher, klingt ihre Stimmer verhuscht und piepsig oder klar und kräftig?
Und wenn eine Figur mit Make-up nicht spart, was genau führt zu dieser Einschätzung?
Wirken die Lippen übertrieben groß? Sieht die Haut aus als sei ihr eine dicke Farbschicht aufgelegt worden. Begräbt der Kajalstrich die Augenfarbe?
Was genau sieht man, wenn man eine Frau nuttig findet?
Du siehst, es sind sehr viele Details, die das alles auslösen können und genau die musst du aufspüren, um sie dem Leser mitzuteilen.

Im Grunde ja jetzt schon beantwortet. Ich denke nicht, dass man alles ausbuchstabieren muss. "Nicht an Make-up gespart" sollte beim Leser ein Bild erzeugen (mit den anderen Infos). Mehr geht hier einfach nicht - denn der Protagonist, aus dessen Sicht erzählt wird, steht am anderen Ende eines Clubs. Soll er da sehen, welche Schattierung der Lidstrich hat? Nein, er sieht nur die deutlichsten Signale: Kleidung, Figur, Style. Das ist gewollt und im Sinne der Story, in meinen Augen.

Und "nuttig" wird hier nicht als Beschreibung benutzt, das ist das Fazit, dass die Figuren aufgrund der Beschreibung/Eindrücke sofort ziehen.

Ich danke dir trotzdem sehr für deine Perspektive, sie hat geholfen, das alles für mich noch einmal klarer zu sortieren und einige Entscheidungen von mir zu bekräftigen. Bei anderen Punkten von dir, habe ich ja auch nachgeschärft.

VG, HK

 
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Deine Story hat mich total geschockt. Das läuft alles unter dem Motto „Verschwende Deine Jugend“. Schade, dass junge Leute schon so kleinbürgerlich sind. Ich habe die strenge Trennung zwischen Sex und Liebe immer für ein Merkmal des Spießers gehalten. Ich habe oft bei den Anderen den Satz gehört: <Es ist nur Sex.> und habe mich gewundert, dass der Sex so geringgeschätzt wird. Aber ich schien die Einzige zu sein, der das auffiel, bis ich eines Tages mal bei Helene Hegemann etwas Ähnliches gelesen habe. Sie verstand das genauso wenig wie ich. Meiner Meinung nach ist eine starke körperliche Anziehungskraft oft schon die Liebe, unabhängig davon, aus welchem gesellschaftlichen Kontext man kommt. Ein englischer Professor hat im Fernsehen mal gesagt, dass das wichtigste der Geruch ist. Wenn man von dem Geruch des anderen angezogen wird, liegt man genetisch weit auseinander, und das ist gut für die Vermehrung. Von der Konstellation: junger Mann, mit bürgerlichem Hintergrund trifft Mädel mit Problemen und lässt sie wohl meist hängen, leben und lebten abertausende von Schriftstellern und Filmemachern auf der Welt. Wenn es das nicht gäbe, wären die Bücherregale leer. Früher waren es oft die Eltern, die solche Verbindungen verhindert haben, so nach dem Motto: „Wenn Du sie nicht sein lässt, wirst Du enterbt.“ Damit kann sich heute keiner mehr rausreden, denn eigentlich kann in der Beziehung jeder frei entscheiden und seinen Gefühlen folgen. Viele Leute, die sich spontan auf Sex einlassen, natürlich nicht alle, suchen irgendwie Hilfe bei dem Anderen. Wenn alles in ihrem Leben in Ordnung wäre, würden sie oft sowas nicht machen. Das gilt auch für Männer, aber natürlich mehr für Frauen. Uns haben sie von Kindheit an über Märchen, Songs, Filme eingetrichtert, dass ein Mann kommen wird, der uns errettet. Bei dem, was wir tun, werden wir von unserem Unterbewusstsein angeleitet und in Extremsituationen, und eine solche ist ja ein One-Night-Stand, handeln wir nach eingelernten Verhaltensmustern und richten uns nach Vorurteilen, die uns eingepflanzt wurden. Wahrscheinlich ist es ein abgegriffenes Klischee, wenn man sagt, der Student und die junge Frau sind beide in den Käfigen ihrer Herkunft und Erziehung gefangen, aber es ist die Wahrheit.
Frieda

 
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Hallo @Frieda Kreuz

einerseits freue ich mich darüber, dass du den Text (nicht) Text sein lässt und seinen Inhalt zum Ausgangspunkt nimmst, etwas zu seiner inhaltlichen Thematik zu sagen. Andererseits halte ich es für gewagt, Inhalte literarische Texte so zu behandeln. Du nimmst deine Interpretation des Textes und baust darauf eine Art Argumentation auf, die sich in meinen Augen auf die Realität bezieht, so als würde der Text die Realität abbilden oder darüber eine direkte Aussage machen. Weißt du, was ich meine? Das wäre ja so, als würde man auf Basis eines Textes aus dem Horror-Genre ein Plädoyer für Pazifismus halten, weil das im Text geschilderte Maß an Gewalt nicht human ist. Weisst du, was ich meine?

VG, HK

 
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Hallo Henry K.,

danke für Deine insgesamt spannend und flott geschriebene Geschichte aus dem Milieu junger Leute. Ich konnte mich in Max, Deinen ersten Protagonisten, recht gut einfühlen, seine unternehmungslustigen, nicht ganz uneitlen Charakterzüge sind für mich gut greifbar beschrieben:

„Zusammen mit den ausgewaschenen Jeans und den schlichten Adidas-Sneakern verlieh ihm dieser Look ein Auftreten, mit dem er aus dem Meer von Wuschelköpfen und Gelfrisuren an der Uni herausstach, das wusste er.“
Deine Dialoge schildern zwar anschaulich den Szenenjargon, transportieren aber zum Teil wenig Inhalt. Hier zwei Beispiele:
"Immer noch nur Fleisch mit Sauce?", fragte Max.
"Yessir", sagte Jan und biss beherzt in die unteramdicke Rolle.
„Ich glaube, heute ist ne gute Nacht. Mega viel los“, sagte Max.
„Ja, ist mir auch schon aufgefallen", schmatzte Jan und wischte sich Tsatsiki vom Kinn. "Ist irgendwas Besonderes?“
„Keine Ahnung, weiß von nichts.“
„Sie betrachteten die Tanzfläche.
„Nicht schlecht, oder?“, sagte Max.
„Alles andere als schlecht, würde ich sagen“, gab Jan zurück. Kurz darauf ging er die nächste Runde holen.
Das ist trotz aller Authentizität doch ein wenig arg flach und könnte meiner Meinung nach stark gekürzt werden.
„Giulia schlug die Augen auf und starrte in kaltes Licht und ein leeres Abteil. (…)
Hier wechselst Du ziemlich abrupt die Erzählperspektive. Leider kam ich da nicht mehr hinterher und habe erst mal die Lust am Weiterlesen verloren. Ich persönlich finde Geschichten, die konsistent aus einer Perspektive geschrieben sind, grundsätzlich glaubwürdiger, kann aber auch mehrspektivisches Erzählen verkraften. Nur kam hier der Wechsel sehr unvermittelt.
Vielleicht kannst Du den/die Leser/in ja besser auf diesen Schwenk vorbereiten, indem Du schon vorher Interesse an Gulias Innenleben weckst?

Viele Grüße,
A. Martin

 
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Hi @Henry K.

Wollte mich nur kurz melden da es schon schrecklich tief in der Nacht ist. Doch der Finsternis zum Trotz will ich ungetrübt ein paar Worte schleifen lassen. Nun, er hat mir gefallen und vor allem Giulia... sie ist für mich die Person die Konsistenz besitzt und eigentlich in den Vordergrund gehört und nicht der schnöde Student Max... er hat die Aufmerksamkeit nicht verdient, denn er ist für mich ein Student wie hundert andere auch, nur heute besonders erfolgreich bei den Frauen.
Ich schließe mich also der Kritik von Lakita an (soweit ich sie gelesen habe), der erste Teil muss meiner Meinung nach gestrafft werden, der Anfang kann nur im Club sein, denn Max fehlt es an Persönlichkeit, ja, zumindest so wie du ihn darstellst ist er (eben meiner Meinung nach Platt) und nur ein gutes altes Trittbrett um zu Giulia in ihren Zug der Zeit zu steigen und ihr Leben zu erfahren. Da beginnt für mich der spannende Teil und ich habe mit interesse mehr über Herkunft und ihre Erfahrungen erfahren. Diesen Teil finde ich dann richtig gut und nicht zu ausführlich geschildert sondern gerade richtig, in Form und Farbe.
Ihr vergebliches Warten auf die Nummer. Die Flucht in ihrem Kopf. Und die Fahrt zu ihrem Henker (vielleicht).
An Max liebe ich nur seine Anziehung zum nächtlichen Dom... seine Fragen wen er hier vor sich hat, als er sie zwischen seinen Beinen spürt und den Ausflug an den Rhein und eben Köln als die Stadt im Hintergrund... sonst bleibt mir nichts von ihm übrig. An Giulia ist so viel dran... und da könnte die Geschichte (eben wieder meiner Meinung nach) auch an deinen Schluss vorbei schießen und noch weiter gehen... Du machst ja einen richtigen Cliffhänger... und der soll dann im Kopf des Lesers aufgelöst werden, warum?

Danke für deinen Text... danke für dein Schreiben
Und hiermit versinke ich in meinem Kopfkissen und lasse Dich, das Forum und den gestrigen Tag für heute in Frieden

Mit lieben Grüßen aus der Nacht

G.

 

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