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Fünf Minuten Deutscher Meister oder "Der Mythos kehrt zurück!"

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16.05.2021
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Fünf Minuten Deutscher Meister oder "Der Mythos kehrt zurück!"

Es war am 34. Spieltag der Saison, am 19.5.2001. An diesem Tag wäre Schalke 04 beinahe Deutscher Meister geworden. Für alle Fans der FC Schalke 04, insbesondere diejenigen die damals mit dabei waren, war dieses eine Tragödie. Dabei hatte es so gut angefangen für die Schalker.
Hannes hatte an diesem Tag auch einen Stehplatz im Gelsenkirchener Parkstadion bekommen. Als Fanclub- und Vereinsmitglied war das nicht sehr schwer. Es war das letzte Spiel im ausverkauften Parkstadion. Schalke 04 spielte gegen die Spielvereinigung Unterhaching.

Zunächst lag Schalke mit 0:2 zurück und Unterhaching ging nach zwischenzeitlichem Ausgleich der Schalker in der 69. Minute wieder mit 2:3 in Führung. Am Ende aber siegten die Schalker noch mit 5:3. Jörg Böhme und brachte die Schalker wieder mit 4:3 in Führung und Ebbe Sand krönte dann den Abschluss des Spiels mit 5:3.

Bei der von Schiedsrichter Markus Merk geleiteten Partie des HSV gegen Bayern München, welche zeitgleich in Hamburg lief, erzielten zunächst die Hamburger in der 90. Minute das 1:0 durch Sergej Barbarez. Damit war zunächst Schalke 04 Deutscher Meister. Das Parkstadion tobte! Die Fans rannten nach dem Spiel auf das Spielfeld und jubelten. Ebenso auch die Spieler. Auch der damalige Trainer Huub Stevens und der damalige Manager Rudi Assauer feierten schon mit Schalke 04 die Meisterschaft. Und auch Hannes rannte aufs Spielfeld und umarmte jeden der ihm in den Weg lief. Es waren fast nur Schalker. Unterhachinger waren kaum gekommen. Aber selbst die wenigen die da waren gratulierten den Schalkern, obwohl viele auch Anhänger des FC Bayern München waren.

Aber dann passierte das Unfassbare für die Schalker, was diesen Tag auch für sie zu einer Tragödie machte: Als die Schalker nach dem Sieg gegen Unterhaching und dem Tor des HSV ihre vermeintliche Meisterschaft feierten führte gleichzeitig, in der vierten Minute der Nachspielzeit des Spiels in Hamburg, ein indirekter Freistoß im Strafraum des HSV zum 1:1-Ausgleich. Patrik Andersson schoss den von Stefan Effenberg vorgelegten Ball für die Bayern ins Tor. Zuvor hatte der vom FC Schalke 04 an den Hamburger SV ausgeliehene Torwart Mathias Schober nach Ansicht von Merk eine Rückgabe regelwidrig mit der Hand aufgenommen. Dieses war der Grund für den indirekten Freistoß der zum Ausgleich und damit auch zur Meisterschaft des FC Bayern München führte.
Das Spiel mit dieser entscheidenden Szene wurde auf einer Videoleinwand im Parkstadion übertragen. Hannes konnte es nicht glauben. Niemand konnte es glauben. Selbst Trainer und Manager von Schalke 04 nicht. Aber es war tatsächlich wahr: Schalke 04 war nicht Meister geworden. Hannes, der schon viel Alkohol getrunken hatte begann auszurasten. Die anfängliche Freude schlug nun in blinde Wut um. Das ging sogar soweit, dass er einem völlig verdutzten Fan der Spielvereinigung Unterhaching einen derben Faustschlag versetzen wollte.
„Verdammte Bayernsau!“, schrie Hannes als er auf den Fan zulief, der zudem noch eine Fahne des FC Bayern München bei sich hatte. Aber ein paar Schalker Fans konnten das verhindern.
Es waren Leute vom Fanprojekt „Schalker gegen Rassismus“, die bei eskalierender Gewalt Zivilcourage zeigten. Die Fans hielten Hannes fest und versuchten ihn zu beruhigen.
Hannes aber schrie: „Wie könnt ihr diese scheiß Bayernsau hier ins Stadion lassen!“
„Ganz ruhig ja, jeder kann hier zu unseren Spielen kommen, wenn es nicht gerade Nazis und Chaoten sind“, sagte einer vom Fanprojekt mit ernster Stimme.
„Wir haben eine tolle Saison gespielt, was regst Du Dich so auf?“, rief eine Frau.
„Lass den Unterhachinger doch in Ruhe“, rief eine andere.
Dann kamen ein paar Ordner und begleiteten Hannes aus dem Stadion. Hannes blinder Zorn war nun in tiefe Trauer umgeschlagen. Er wusste nun, er hatte einen Fehler gemacht. Und nun konnte er nicht mehr mit den anderen Schalkern zusammen den Saionabschluss feiern. Denn, auch wenn die Schalker sehr enttäuscht waren, sie wollten dennoch ihrer Mannschaft gratulieren, ebenso auch dem Trainer und dem Manager, dem Platzwart und überhaupt allen, die diese Schöne Saison möglich gemacht hatten. Manager Rudi Assauer rief den Schalkern noch am selben Tag zu: „Wir sind stolz auf euch!“

Hannes ging also, nachdem die Ordner ihn aus dem Stadion gebracht hatten ganz alleine, weinend und schimpfend zugleich, Richtung U-Bahn-Station um die nächste U-Bahn Richtung Hauptbahnhof zu nehmen.

Am Hauptbahnhof angekommen suchte er dann sofort die nächste Kneipe auf um mit ein paar Fans zu trinken. Er trank sehr viel an diesem Tag. Seinen Ärger und seinen Frust über die verpasste Meisterschaft und den Rausschmiss konnte er aber nicht vergessen. Und auch seine Wut auf den FC Bayern München und auf den Hamburger Torwart Mathias Schober.
Dann fuhr er, es war schon spät geworden mit der Bahn Richtung Bochum. Vom Bahnhof in Bochum war es nicht mehr weit.
„Schober!“, rief er auf dem Weg nach Hause. „Schober! Komm bloß nie wieder zurück!“ Einige Fans des VfL Bochum kamen ihm auf der Straße entgegen jubelten für den FC Bayern München, beide hatten ja immer noch eine Fanfreundschaft, und verhöhnten Hannes und den FC Schalke.
„Meister der Herzen? Ha ha ha! Meister der Herzen!“, rief ein Bochumer laut.

„Schnauze ihr Bayern-Huren!“, rief Hannes. Die Bochumer lachten und feierten aber weiter und ließen sich davon nicht beeindrucken. Sie sangen nur: „Bochum und der FCB, Bochum und der FCB. Bochum und der FCB! Hey! Hey! Hey!“ Und dann sangen sie auch noch das Lied „Stern des Südens“, das Vereinslied des FC Bayern München. Hannes ging schimpfend vor sich hin weiter die Straße herunter.

Karolina war zu Hause. Sie hatte sich heute extra sehr schön gemacht um mit Hannes zusammen zu Hause zu essen. Dafür hatte sie auch alles schon schön her gerichtet. Kim lag schon im Bett und schlief. Hannes wollte um spätestens 20:00 zu Hause sein. Aber er hielt sein Versprechen nicht und so saß Karolina ganz alleine am schön gedeckten Tisch mit den Kerzen und wartete. Sie rief Hannes auf seinem Handy an. Beide hatten nun schon längere Zeit ein Handy. Aber Hannes hatte das Handy abgestellt. Auch auf Kurznachrichten reagierte er nicht. Karolina sprach ihm auch auf die Mailbox. Aber die hörte Hannes gar nicht mehr ab. Über das Radio hatte Karolina das Spiel mitverfolgt. Und später hatte sie auch die Zusammenfassung im Fernsehen gesehen. Es tat ihr natürlich leid um die Schalker.

Nun war es schon 21:00 geworden. Die Pizza war schon kalt. Karolina telefonierte mit Sonja. Sonja war sehr angenehm überrascht sie zu hören.
„Hey Karolina“, sagte sie. „Geht es Dir gut?“
„Nein“, sagte Karolina sehr traurig.
„Seid doch zufrieden. Ihr habt eine gute Saison gespielt. Und bald holt ihr vielleicht auch den Pokal. Das Spiel war wirklich gut. Und das die Bayern Meister sind, na ja. Daran kann man jetzt nichts mehr ändern.“
„Nein, deswegen bin ich nicht traurig. Hannes ist nicht gekommen. Er geht auch an sein Handy gar nicht ran. Ich mache mir Sorgen.“
„Hat der Dich wieder alleine gelassen? Der ist bestimmt Frustsaufen. Na, da hast Du Dir ja echt einen feinen Kerl ausgesucht. Lässt Dich einfach sitzen.“
„Ich hab mir soviel Mühe gemacht und jetzt kommt er nicht.“ Karolina musste weinen.
„Beruhige Dich“, sagte Sonja. „Der wird schon kommen. Aber dann halte ihm mal ne richtige Standpauke. Das geht ja gar nicht. Was erlaubt der sich?“
„Er hatte es mir fest versprochen“, sagte Karolina und weinte.
Sonja wusste nicht recht was sie sagen sollte.
„Schau Dir doch einen schönen Film an“, schlug sie vor. „Gleich kommt der Film 'Schlaflos in Seattle'. Im Ersten“.
„Ja“, sagte Karolina und beruhigte sich ein wenig. „Ja das mache ich.“
„Das mit Hannes aber, das geht so nicht. Vielleicht solltet ihr euch mal eine Auszeit nehmen.“
Karolina hatte sich wieder beruhigt und sagte: „Ja, das wird bestimmt das beste sein.“
Karolina sah sich also den Film „Schlaflos in Seattle“ an. Er gefiel ihr sehr gut. Und bei den rührenden Szenen lief auch schon eine Träne über ihre Wange. Als der Film schon fast zu Ende war kam dann Hannes die Treppen des Hauses langsam hoch getorkelt, lallte irgendetwas daher und schimpfte auf die Bayern. Karolina konnte ihn deutlich hören. Einige Nachbarn kamen ins Treppenhaus, viele empörten sich über die Ruhestörung. Gisbert war an diesem Abend nicht zu Hause, er war mit seinen Freunden unterwegs.
Karolina machte die Haustür auf und kam Hannes entgegen.

„Hannes, um Himmels willen, sei ruhig“, sagte sie leise aber dennoch sehr empört. Es war ihr peinlich. Die Nachbarn schauten sie alle an. Sie schämte sich, für Hannes. Hannes selbst aber empfand keinerlei Schamgefühl. Nur bittere Enttäuschung über diese verpatzte Meisterschaft.„Scheiß Bayern! Scheiß Bayernpack! Ich hasse Bayern!“, rief er laut durch den Hausflur.
„Ruhe!“, rief ein Nachbar, „deswegen musst Du hier nicht so einen Lärm machen!“
„Schlechter Verlierer!“, rief ein anderer Nachbar.
„Wir haben nicht verloren, wir haben gewonnen!“, rief Hannes empört. Und dann rief er noch: „Du blöder Bochumer Bayernfreund! Wann seit ihr denn jemals Meister geworden?“


„Hannes!“, rief Karolina. „Komm in die Wohnung, schnell.“ Sie sah die Nachbarn an und sagte mit einem tiefen Gefühl von Scham: „Das ist mir alles so peinlich. Es tut mir sehr leid. Verzeihen Sie bitte.“ Sie war ganz weiß im Gesicht.
„Armes Mädchen“, sagte eine Frau. Hannes war nun endlich bei seiner offenen Wohnungstür angekommen und torkelte in die Wohnung hinein. Karolina schloss die Tür schnell hinter sich. Und dann sagte sie sehr eindringlich und energisch zu dem immer noch lauten Hannes: „Sei ruhig. Kim schläft. Die Nachbarn wollen ihre Ruhe haben und ich auch.“
Daraufhin jammerte Hannes nur: „Wir waren so nah dran! Wie hatten die Hände schon fast an der Schale und dann muss dieser blöde Schober...“
„Ruhe jetzt!“, zischte Karolina. „Das interessiert mich alles nicht. Sei jetzt endlich still, verdammt!“
„Das interessiert Dich nicht?“, fragte Hannes mit einem sehr bissigen Unterton. Und dann, schon lauter: „Das interessiert Dich nicht?!“
„Sei still, bitte, sei endlich still“, flehte Karolina. Aus Kims Zimmer hörte sie wie Kim, nun durch den Lärm aufgewacht, am weinen war. Karolina ging in Kims Zimmer, nahm die weinende Kim in den Arm.
„Mama, was ist los?“, rief Kim.
„Ist schon gut, mein Liebes. Papa ist traurig und sauer“, sagte sie zu Kim.
„Warum Papa?“, fragte Kim und sah ihren betrunkenen Vater an der dann lallend erwiderte: „Wir waren so nah dran an der Schale Kim, so nah“.
„Du stinkst nach Bier“, sagte Kim.
„Ja, Papa hat viel getrunken. Komm geh auf Dein Zimmer. Ich sing Dir noch was vor.“ Mit diesen Worten ging Karolina mit Kim auf ihr Zimmer. Hannes torkelte ins Wohnzimmer. Karolina hatte schon alles weggeräumt. Nur die Weinflasche stand noch auf dem Tisch. Hannes öffnete sie und trank aus der Flasche, während Karolina in Kims Zimmer an Kim's Bett saß und ihr ein paar schöne Einschlaflieder vorsang. Karolina versuchte ruhig zu bleiben, musste zwischendurch aber immer wieder anfangen zu weinen. Sie war nicht mehr glücklich mit ihrem Hannes.
„Papa beruhigt sich schon wieder“, sagte Karolina leise und weinte dabei.
„Mama“, sagte Kim. „Komm in mein Bett. Dann tröste ich Dich.“

Karolina weinte. Dann zog sie ihr Kleid und ihr Schuhe aus und legte sich zu Kim ins Bett. Sie umarmten sich beide. Langsam ging es Karolina wieder besser.
„Warum weinst Du so?“, fragte Kim.
„Weil ich mit Papa nicht mehr glücklich bin“, sagte Karolina.
„Warum?“
„Weil Papa immer noch an Fußball denkt und kaum noch an uns, deswegen“.
„Dann muss Papa eben mehr an uns denken. Er hat uns doch lieb, oder?“
„Ja, bestimmt. Dich hat er lieb.“ Und Karolina nahm Kim fest in den Arm. Kim spürte die Wärme und die Haut ihrer Mutter und Karolina fing wieder an zu singen, bis Kim irgendwann eingeschlafen war.

Hannes bekam davon nichts mit. Er saß im Wohnzimmer auf der Couch und hatte schon die halbe Weinflasche geleert. Dann sackte er um und schlief auf der Couch ein. Karolina kam zurück ins Wohnzimmer und sah Hannes nun schnarchend auf der Couch. „Schlaflos in Seattle“ war längst vorbei und es liefen gerade die Spätnachrichten der Tagesschau.

Hannes schnarchte. Karolina legte sich eine Decke um damit ihr nicht so kalt war. Sie schaltete den Fernseher aus, ging ins Schlafzimmer, zog sich ihren Pyjama an und ging alleine in ihr Bett und versuchte zu schlafen. Sie war schon fast eingeschlafen als sie Hannes in Schlafzimmer kommen hörte. Hannes machte die kleine Nachttischlampe an (natürlich eine Schalker-Lampe) zog seine Sachen aus und ging ins Bett. Sein Trikot war das einzige war er neben seiner Unterwäsche noch anhatte. Er drehte sich zu Karolina und rückte zu ihr. Diese aber rückte von ihm weg. Sie ekelte sich vor der Alkoholfahne.

„Du machst mich sehr traurig“, sagte sie mit dem Rücken zu ihm gewandt.
„Ich bin traurig“, sagte Hannes betrunken. „Sehr traurig.“
„Wie kann man sich wegen einem Fußballspiel so aufregen?“, fragte Karolina. Sie richtete sich auf und sagte, nun sehr erregt: „Das ist doch nur ein Spiel, ein dummes Fußballspiel, sonst nichts!“
„Sag das nicht!“, sagte Hannes der sich jetzt auch mühsam aufrichtete. „So was sagt man nicht. Fußball ist mehr als ein Spiel. Viel mehr!“
„Leise“, sagte Karolina scharf. „Bitte sei leise.“
„Nur ein Spiel, nur ein Spiel, es war das Spiel um die verdammte Meisterschaft“, sagte Hannes.
„Na und? Was ist das denn schon? Das ist doch nicht das Leben.“
„Doch, doch das ist das Leben.“
„Wir sind doch Dein Leben, ich und Kim. Wir sind eine Familie, das ist das Leben. Fußball gehört auch dazu ja, aber das kann doch nicht so wichtig sein.“

Hannes legte sich wieder hin. „Ach Du hast doch keine Ahnung. Was weißt Du schon.“ Er knipste das Licht wieder aus und sank in einen tiefen Schlaf. Er schnarchte gewaltig. Karolina konnte dieses Schnarchen nicht ertragen und ging mit ihrem Bettzeug ins Wohnzimmer. Dort legte sie sich auf die Couch. Sie weinte wieder. Dann sagte sie leise zu sich selbst: „Alles wird gut, Karolina. Alles wird gut.“ Sie nahm einen letzten Schluck Wein aus ihrem noch halbvollen Glas und dann schlief sie ein.

Am nächsten Tag beim Frühstück redeten beide kein Wort miteinander. Lange Zeit. Bis Karolina dann nach einer Weile Hannes sagte: „Ich will mich von Dir trennen.“
Hannes sah sie an als hätte er einen Geist gesehen. „Trennen? Du Dich von mir?“
„Ja“, sagte Karolina entschlossen. „Ich werde Kim zu meinen Eltern nehmen. Oder ich gehe zu einem meiner Verwandten.“
Hannes schwieg. „Du willst Dich scheiden lassen.“
Karolina seufzte. „Erst mal brauche ich Abstand von Dir. Dann werden wir sehen, wie es weiter geht. Ich rufe gleich meine Eltern an.“
„So. So einfach willst Du es Dir machen?“. Hannes geriet in Zorn.
„Einfach? Wer macht es sich denn hier einfach? Wer ist denn nie da für mich und für seine Tochter?“ Karolina war nun sehr erregt und schrie Hannes nun an „Wer hat denn nur seinen Fußball im Kopf? Wer denn? Ich vielleicht?“
„Schrei nicht so laut“, sagte Hannes und fasste sich an den Kopf. „Mein Kopf!“
„Das ist mir egal!“, rief Karolina. „Das ist mir, das ist mir … scheißegal ist mir das!“ Erschrocken über dieses unschöne Wort fasste sie sich mit der Hand an die Lippen. Dann sagte sie leise „Mein Gott wie rede ich denn?“
Kim kam aus ihrem Zimmer und sagte: „Mama, Scheiße sagt man nicht.“
„Ja, mein Schatz ich weiß. Entschuldige bitte. Setz Dich an den Tisch. Ich mach Dir jetzt Dein Frühstück.“
„Kann ich selber, Mama“, sagte Kim und griff zu einem Toast, welches sie sich dann mit Marmelade bestrich. Kim war schon sehr selbstständig für ihr Alter.

Ganz anders sah es bei Sonja und Christian aus. Christian verbrachte dieses Wochenende bei Sonja in Recklinghausen, sie sind beide immer noch sehr glücklich. Und auch an diesem Sonntag an dem sich Karolina und Hannes vorerst einmal getrennt hatten waren beide sehr glücklich miteinander. Nicht nur, weil sie sich immer noch sehr liebten, nein auch noch wegen einem anderen Ereignis, was damals viele Menschen sehr glücklich machte. Sonja und Christian waren beide zum letzten Saisonspiel der Borussia vom Niederrhein gegen den Chemnitzer FC gefahren. Sonja wollte dieses Mal nicht nüchtern bleiben und Christian der zwar nicht trank aber keinen Führerschein hatte konnte sie nicht nach Hause fahren. Also mussten beide den Zug nehmen.

Das hatte aber den Vorteil, dass die Fahrt sehr unterhaltsam wurde und man sich, da man sich ja nicht auf das Fahren konzentrieren musste, singen, wippen und feiern konnte. Das Zugabteil war randvoll mit Gladbachern, welche die Fahrt zu einem sehr lauten Erlebnis machen. Bereits am Bahnhof von Recklinghausen. Und als sie dann beide am Hauptbahnhof von Mönchengladbach waren, ja was glauben Sie was da los war. Ein riesiges Meer von von Gladbacher-Fans, mit vielen großen Fahnen. Dieses Meer bewegte sich nun vom Hauptbahnhof Richtung Busstation, zergliederte sich dort ein wenig und wurde dann von den vielen Sonderbussen Richtung Böckelberg transportiert. Und auch hier war die Stimmung riesengroß.

Sonja, selbst schon sehr durch den zahlreich ausgeschenkten Alkohol angeheitert, sang lautstark die Gladbacher-Fanlieder. Christian stand stocknüchtern daneben, hatte seinen Arm um seine Sonja und sang zwar nicht mit aber genoss trotzdem diese Atmosphäre. Damit er nicht wie ein Außenseiter wirkte hatte Sonja ihm einen ihrer zahlreichen Gladbacher-Schals geliehen.

Es dröhnte laut durch den Bus: „Borussia, Borussia!“ und „Wir steigen auf, auf, auf, auf, auf steigen wir! Auf steigen wir! Auf steigen wir!“
„Sing doch mit“, sagte eine junge Frau in einem Gladbacher-Trikot zu Christian.
Und da stimmte Christian dann doch mit ein: „Auf steigen wir! Auf steigen wir!“ Und die junge Frau sang mit. Sonja nahm noch ein Bier entgegen, was ein Gladbacher ihr entgegen hielt, gab ihm dafür eine Mark und leerte die Flasche.
„Sonja, trink nicht so viel“, sagte Christian. „Sonst ist Dir hinterher schlecht.“
„Mir kann gar nicht schlecht werden“, sagte Sonja lallend, „wir werden heute aufsteigen“.
„Kann man denn nicht auf ohne Alkohol Spaß haben?“, fragte Christian.
„Sei kein Spielverderber“, lallte Sonja und strich Christian über die Wange. Und dazu sagte sie: „Man steigt nicht alle Tage auf.“ Dann trank sie die Flasche leer. Der Bus war nun am Stadion angekommen und leerte sich wieder. Die Gladbacher bewegten sich nun gemeinsam Richtung Stadion am Böckelberg. Auch die Fans der gegnerischen Mannschaft waren eingetroffen. Die Fans des Chemnitzer FC hatten keine so gut Ausgangslage. Dennoch waren zahlreiche Fans da um ihre Mannschaft zu unterstützen, auch wenn an diesem Tag für Chemnitz schon alles entschieden war, denn die Mannschaft stand auf dem letzten Platz der Zweiten Bundesliga. Keine Chance also mehr den Klassenerhalt zu schaffen aber zumindest noch einen würdigen Abschied zu begehen. Viele Fans des Chemnitzer FC hatten auch Schals auf denen noch „FC Karl-Marx-Stadt“ zu lesen war. So hieß der Verein früher.

„Ich dachte immer die meisten Fans vom Chemnitzer FC wären rechts, aber wenn es noch so viele gibt die einen Schal mit Karl Marx drauf tragen kann das doch gar nicht so sein, oder?“, fragte Christian Sonja.
„Kann sein“, sagte Sonja. Es kümmerte sie wenig, was dort auf den Schals der gegnerischen Mannschaft stand.
„Ich hätte auch gerne so einen Schal“, sagte Christian. „Darf ich meinen Schal mit einem anderen tauschen?“
„Aber dann musst Du auch in den anderen Fanblock gehen und zwar ohne mich“, sagte Sonja etwas verärgert. Das „ohne mich“ hatte sie besonders stark betont.
„Gut dann lass' ich es“, sagte Christian. „Schade.“

Und dann begann schon wieder der Fangesang in den Sonja mit einstimmt. Dieses mal tat es auch Christian. Er hatte heute sogar extra das Vereinslied auswendig gelernt, was aber erst später im Block gesungen werden sollte. Sonja und Christian und die anderen Gladbacher-Fans zogen also in die Blocks. Sonja und Christian natürlich in die Nordkurve, dort wo die „härtesten“ Fans stehen. Ähnlich wie auf Schalke. Nur diese Fans hier waren natürlich Schwarz-Weiß-Grün gekleidet. Und Rot war auch dabei, das waren die Schals vom FC Liverpool. Und die Freundschaftsschale mit Liverpool.

Nachdem der Stadionsprecher nun die zahlreichen Fans begrüßt hatte, auch die Fans von Karl-Marx-Stadt, ähem, 'tschuldigung, vom Chemnitzer FC, wurden die Spieler der Mannschaften aufgerufen, bei den Gladbachern wurde, wie auch bei den Schalkern, erst die Nummer und dann der Vorname des Spielers vom Stadionsprecher und dann lautstark der Nachname des Spielers von den Fans ausgerufen. Eine Tradition die bei fast allen Vereinen in Deutschland schon damals üblich war und sich auch bis heute gehalten hat.

Nachdem nun alles Spieler ausgerufen waren stimmten alle Gladbacher des Gladbacher-Vereinslied „Die Elf vom Niederrhein“ an, was mit lautstarker Rockmusik über die Lautsprecher gespielt wurde. Und auch Christian sang das Lied mit.

Und dann begann das Spiel. Und es endete für die Borussia sehr erfolgreich. Ich möchte es an dieser Stelle nur kurz zusammenfassen: Mit einem 3:0 Sieg gegen den Chemnitzer FC durch Arie van Lendt (1:0, 12. Minute), Peter Nielsen (2:0, 33. Minute) und Peter van Houdt (3:0, 68. Minute) konnte Borussia Mönchengladbach am letzten Spieltag den zweiten Tabellenplatz verteidigen! Max Eberl verschoss in der 35. Minute einen Elfmeter. Aber das machte nichts mehr. Gladbach war zurück in der Ersten Bundesliga!

Und nachdem das Spiel zu Ende war stürmten die Gladbacher den Rasen des Stadions und feierten! Fahnen wehten, Schals wurden hochgehalten, das Gladbacher-Vereinslied noch einmal gesungen und sogar Fans von der gegnerischen Mannschaft (viele davon auch mit Karl-Marx-Stadt-Schals) gratulierten den Gladbacher-Fans. Bei der Gelegenheit fragte Christian auch einen der Chemnitzer-Fans ob die Fans vom Chemnitzer FC wirklich so rechts seien. Der Mann antwortete freundlich: „Leider gibt es da ein paar Idioten die immer wieder bei den Spielen unseres Vereins mit faschistischen Symbolen oder Gesängen Ärger machen müssen. Es sind nur wenige, aber die bekommen immer so viel Aufmerksamkeit in den Medien. Das wirft natürlich ein schlechtes Licht auf uns. Aber die meisten haben gar nichts damit zu tun, es positionieren sich aber auch leider nicht viele.“
„Dann tut es doch. Warum habt ihr sonst Karl Marx auf euren Schals?“, fragte Christian.
Der Mann lächelte. „Recht hast Du. Aber darüber machen sich die meisten keine Gedanken.“
„Sollte man aber, wenn man schon Karl Marx oder Karl-Marx-Stadt auf dem Schal hat“, meinte Christian. „Denn Karl Marx war Antifaschist“, ergänzte er noch.
„Feiert noch schön“, verabschiedete sich der Chemnitzer-Fan freundlich und ging wieder zu den anderen Fans seiner Mannschaft.

Sonja hatte derweil noch mehr getrunken und konnte sich gar nicht mehr auf den Beinen halten. Da hielt Christian es für besser, sie nun auf sicheren Wege wieder nach Hause zu bringen. Ein paar Gladbacher-Fans halfen ihn dabei. Sonja lallte daher, erzählte wirres Zeug und rülpste sogar manchmal. So hatte sie sich noch nie verhalten. Und so wurde die Rückfahrt für Christian nicht ganz so schön. Es wurde wieder viel gesungen, geklatscht und gewippt aber Sonja bekam nicht mehr allzu viel davon mit. Sie saß auf ihrem Platz, sang ein wenig mit, leiser und schwerfälliger und schlief dann plötzlich ein. Um sie herum feierten die Gladbacher-Fans. Christian saß aber neben ihr, legte wieder ihren Arm um sie und streichelte ihren Kopf. Hin und wieder vernahm Christian noch ein paar Worte von Sonja. „Du bist so lieb“, sagte leise. Oder „Wir sind wieder in der ersten Liga.“

Unterwegs stießen auch noch ein paar FC St. Pauli-Fans zu den Gladbachern. Auch sie feierten den Aufstieg ihrer Mannschaft, die heute als Tabellendritter in die erste Liga aufstieg. Auch sie sangen und Christian sang mit: „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“, von Hans Albers.
Viele FC St. Pauli-Fans hatten den gleichen schwarzen Pulli an, auf dem ein Totenschädel mit zwei gekreuzten Knochen zu sehen war, das inoffizielle Vereinsemblem.
„Deine Freundin hat wohl schon etwas zu viel, oder?“, fragte einer der Fans.
„Man steigt nicht alle Tage auf“, sagte Christian nur und lächelte.
Nun kam Sonja wieder etwas zu sich. Der Zug war schon in der Nähe von Recklinghausen angekommen.
„Kaffee?“, fragte einer er FC St. Pauli-Fans. Er hatte eine Thermoskanne dabei.
„Danke“, sagte Sonja noch sehr benebelt und nahm einen Becher entgegen. Nachdem sie ein wenig Kaffee zu sich nahm wurde sie schon etwas nüchterner.
„Ihr seid auch aufgestiegen, oder?“, fragte sie den FC St.Pauli-Fan.
„Sind wir. Das heißt, wir sehen uns vielleicht wieder, in Hamburg.“
„Und auf dem Böckelberg“, sagte Christian. Und dann zu Sonja: „Wollen wir nicht nach Hamburg fahren? Das fände ich schön.“
„Hätte ich nichts gegen. Ich mag St. Pauli“, sagte Sonja. „Aber müsst ihr unbedingt mit Köln befreundet sein?“
„Ich bin nicht so der Köln-Freund“, sagte der FC St. Pauli-Fan. Dabei zeigte er seinen Celtic Glasgow-FC St. Pauli-Freundschaftsschal und sagte dazu „Mehr Celtic.“
„Gut so“, sagte Sonja.
„Ich heiße Thorben“, sagte der FC St. Pauli-Fan.
„Sonja“, stellte sich Sonja, gab Thorben die Hand. Und auch Christian stellte sich vor. Und ebenso auch die anderen Fans des FC St. Pauli, welche alle freundlich in die Runde grüßten. Einen Freundschaftsschal mit Köln hatte keiner dabei. Ein Fan des FC St. Pauli trug ein Celtic-Trikot mit einem ebensolchen Freundschaftsschal wie Thorben.
Dann wandte sich Sonja zu Christian und sagte: „Ja von mir aus. Fahren wir nach Hamburg.“ Sonja trank den Becher Kaffee auf uns fühlte sich schon besser. „Entschuldige Schatz“, sagte sie dann zu Christian. Ich hab Dich heute wohl etwas blamiert, oder?“ Thorben unterhielt sich gerade mit einem anderen FC St. Pauli-Fan.
„Ja das hast Du“, sagte Christian. „Aber ich verzeihe Dir das. Tu es aber bitte nicht wieder.“
„Ja“, sagte Sonja. „Keine Sorge, das werde ich nicht.“
„Wie es Karolina wohl jetzt geht?“, fragte Christian.
„Ach ja, stimmt ja“, sagte Sonja. Beide hatten gestern noch darüber gesprochen. „Ich werde sie mal eben anrufen“, sagte Sonja, holte ihr Handy heraus und rief Karolina an.
„Hallo Sonja“, meldete sich Karolina am anderen Ende der Leitung.
„Hallo Karolina“.
„Glückwunsch zum Aufstieg“, gratulierte Karolina gleich sofort. Sie hatte es schon über die Nachrichten mitbekommen.
„Danke“, sagte Sonja. „Ja, wir kommen nächste Saison wieder nach auf Schalke. Wie geht es Dir denn heute?“
„Bin immer noch traurig“, sagte Karolina. Sie war gerade alleine. Kim spielte gerade in ihrem Zimmer. Hannes war mit seinen Freunden einen trinken gegangen und feierte mit ihnen den Aufstieg des 1. FC Nürnberg, der ja bekanntlich mit Schalke befreundet ist und an diesem Tag auch die Rückkehr in das Oberhaus des deutschen Fußballs schaffte.
„Ich werde mich erst einmal von Hannes trennen“, sagte sie. „Ich werde erst mal zu meinen Eltern zurück und dann suche ich mir eine Wohnung. Ach, das wird schwierig mit Kind. Aber ich muss es einfach.“ Karolina rannen ein paar Tränen über die Wange.
„Ja, das ist hart. Jetzt wo ihr eine Wohnung habt und schon verheiratet seid. Aber wenn es so besser ist, dann muss man eben diesen Weg gehen.“
„Ich hab nur Angst davor alleine zu sein“, sagte Karolina. „Auch wenn ich Kim habe.“
„Wir sind doch noch da“, sagte Sonja beruhigend. „Und wir werden Dir auch helfen.“
„Das ist lieb von euch“, sagte Karolina.
„Grüße auch von Christian“, sagte Sonja.
„Grüße ihn auch“, sagte Karolina.
„Ich habe auch heute ein wenig über den Durst getrunken“, sagte Sonja und schämte sich ein wenig dabei. „Jetzt geht es aber wieder. Christian hat gar nichts getrunken.“
„Ist auch besser“, sagte Karolina. „Nächste Woche werde ich zu meinen Eltern ziehen, könnt ihr mir dann wieder helfen?“
„Klar machen wir“, sagte Karolina. „Christian weiß ja jetzt wie es geht“, sagte sie mit einem Grinsen in Richtung Christian.
„Ich melde mich noch. Feiert noch schön“, sagte Karolina.
„Mach's gut“, sagte Sonja und legte auf.

Die Fans des FC St. Pauli hatten derweil ein Lied angestimmt, dass Christian besonders gut gefiel, weswegen er auch mit in den Gesang einstimmte. Es ging so:

Allez, St. Pauli, allez! Ma-gi-scher F-C!
Uuunser ganzes Lebeeen! Unsere ganze Kraaaft!“

Und das mehrere Male hintereinander. Die Melodie ist mir zwar vertraut aber leider nicht bekannt. Noch heute kann man es bei St. Pauli-Spielen hören. Mit diesem Gesang fuhr der Zug im Hauptbahnhof Recklinghausen ein. Sonja und Christian stiegen aus, mit ein paar anderen Gladbacher-Fans. Die FC St.Pauli-Fans fuhren weiter.

 
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Hallo @Sebastian79MS,

ich bin mir nicht sicher, worum es hier geht. Mir ist, als wären die Charaktere nur als Alibi da, um über die beiden Spiele zu schreiben, die aus meiner Sicht nichts miteiander zu tun haben. Vielleicht um den Kontrast zwischen den Fans darzustellen, wie sie mit Sieg und Niederlage umgehen?
Bei Hannes und Karolina führt die Niederlage zur Trennung. Sonja schlägt ihr scheinbar aus heitem Himmel vor, eine Auszeit zu nehmen, dabei erscheint mir dies hier wie ein einmaliges Ereignis in ihrer Beziehung. Es wird nicht beleuchtet, wie es vorher um sie stand, außer Karolinas vagem Vorwurf "Du denkst mehr an Fußball als an uns."
Sonja und Christian fahren zu einem anderen Spiel, Sonja betrinkt sich, kurze Zusammenfassung von dem anderen Spiel. Es gibt keinen Konflikt, keine Charakterentwicklung etc. Daher mein Eindruck, dass es gar nicht um sie geht, sondern um die Darstellung der Fans, vermutlich im Kontrast der beiden Spiele.

Der Text scheint für eine bestimmte Zielgruppe geschrieben zu sein, Ich bin über den dritten Absatz gestolptert: Schalke spielt gegen Unterhaching und die Unterhachinger gratulieren den Schalkern, "obwohl sie Bayern-Fans sind". Den Abschnitt musste ich dreimal lesen, um durch die Zusammenhänge zu steigen, dass da parallel ein anderes Spiel stattfindet, das bedeutsam ist. Mir erschließt sich immer noch nicht, warum Schalke Meister wird, wenn HSV gegen Bayern ein Tor schießt. Ich kenne nur diese Großereignisse, wo im aktuellen Spiel der Gewinner entschieden wird. Und Bayern gewinnt dann mit einem 1:1 Unentschieden. Ich bin raus.

Allerdings, wenn das Spiel für die Zielgruppe der Fußballfans geschrieben ist, dann dürfte es für sie noch weniger interessant sein darüber zu lesen, wie sich Fans so verhalten.

Ich glaube, das ist eigentlich eine coole Geschichte, auf diese Art um den Meistertitel gebracht zu werden. Das lässt sich sicher besser verpacken.

Bis die eigentliche Handlung um Hannes losgeht, habe ich bereits vergessen, wer das war.

Ich habe Mitleid mit Karolina, die sich zu Hause Mühe mit dem Essen gibt und ihr Mann kommt nicht und macht dann nur Stunk.

Und dann sangen sie auch noch das Lied „Stern des Südens“, das Vereinslied des FC Bayern München.
Danke, genau solche Erklärungen wie hier machen die Umstände für mich verständlich.

ja was glauben Sie[,] was da los war.
Huch, ich werde auf einmal als Leser angesprochen???

Und auch hier war die Stimmung riesengroß.
Den Ausdruck habe ich noch nie gehört.

„Ich hätte auch gerne so einen Schal“, sagte Christian. „Darf ich meinen Schal mit einem anderen tauschen?“
:lol: Verrat aus Naivität. Soll ich nicht lieber die Partei wählen, deren Farbe mir besser gefällt? Kann ich nicht die Flagge unserer Gegner tragen, die ist viel hübscher?

Er hatte heute sogar extra das Vereinslied auswendig gelernt
"sogar" und "extra" bedeuten hier das Gleiche, eins kann weg.

Ich möchte es an dieser Stelle nur kurz zusammenfassen:
Das ist nach der Hälfte des Textes die erste Stelle, wo ein Ich-Erzähler auftritt. Wieso? Hat doch bisher gut ohne geklappt. Was soll "an dieser Stelle" und "kurz zusammenfassen" überhaupt heißen, das wurde doch am Anfang auch gemacht?

Die Erklärung wegen der Faschisten unter den Chemnitzern ist irgendwie interessant, aber vielleicht zu viel Detail und nicht relevant für eine Kurzgeschichte.


Ein paar kleine Fehlerchen sind dabei, vielleicht nochmal drübergucken, hier eine kleine Auswahl.

insbesondere diejenigen[,] die damals mit dabei waren,
und weitere fehlende Kommas.

Und das(s) die Bayern Meister sind
(Ich muss hier die Auslassung mit runden Klammern kennzeichnen, sonst denkt der Parser, ich wolle den Rest des Textes durchstreichen.)

Sonja war sehr angenehm überrascht[,] sie zu hören.
Neben dem fehlenden Komma habe ich den Ausdruck noch nie gehört. Ich würde "von ihr zu hören" schreiben.

Und auch Christian sang das Lied mit.

Und dann begann das Spiel. Und es endete für die Borussia sehr erfolgreich.

Viele Sätze beginnen mit "Und", das erzeugt unnötige Wortwiederholungen am Anfang.

„Du bist so lieb“, sagte [sie] leise.

Ich hoffe, das hilft dir weiter.

Viele Grüße
Jellyfish

 
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@ Jellyfish

Danke für diese sehr ausführliche Kritik! Hab mich gefreut, dass jemand meine Geschichte gelesen hat. Zu den einzelnen Zitaten kann ich folgendes antworten:

Und dann sangen sie auch noch das Lied „Stern des Südens“, das Vereinslied des FC Bayern München.

Die Fans des VfL Bochum sind mit den Fans des FC Bayern befreundet. Aus Sympathie haben die Bochumer dieses Lied gesungen.

„Ich hätte auch gerne so einen Schal“, sagte Christian. „Darf ich meinen Schal mit einem anderen tauschen?“

Nebenbei sei erwähnt: Der Chemnitzer FC hieß früher "FC Karl-Marx-Stadt". Christian möchte den Schal haben weil auf dem Schal der Name "Karl Marx" mit drauf steht. Es wird in dieser Geschichte nicht sehr deutlich, aber er findet diesen Mann sehr sympathisch, weil er sich auch politisch nach ihm orientiert. Nur Christians Anmerkung, dass Karl Marx auch Antifaschist war. Ich wollte damit einen Widerspruch darlegen: Wenn viele Fans des Chemnitzer FC, die ja angeblich vorwiegend faschistisch sein sollen Schals tragen mit "FC Karl-Marx-Stadt" dann kann an dem Gerücht, dass sie vorwiegend rechts oder vorwiegend faschistisch sind nicht viel dran sein. Denn Karl Marx war nicht nur Kommunist sondern auch jüdischer Abstammung. Das wären zwei Gründe für einen Nazi keinen Schal mit "Karl-Marx-Stadt" zu tragen.

In dem Gespräch mit dem Chemnitzer und Christian wird aber auch nochmal Christians Haltung zu Karl Marx deutlich oder zumindest kann man es hier erahnen:

Bei der Gelegenheit fragte Christian auch einen der Chemnitzer-Fans ob die Fans vom Chemnitzer FC wirklich so rechts seien. Der Mann antwortete freundlich: „Leider gibt es da ein paar Idioten die immer wieder bei den Spielen unseres Vereins mit faschistischen Symbolen oder Gesängen Ärger machen müssen. Es sind nur wenige, aber die bekommen immer so viel Aufmerksamkeit in den Medien. Das wirft natürlich ein schlechtes Licht auf uns. Aber die meisten haben gar nichts damit zu tun, es positionieren sich aber auch leider nicht viele.“
„Dann tut es doch. Warum habt ihr sonst Karl Marx auf euren Schals?“, fragte Christian.
Der Mann lächelte. „Recht hast Du. Aber darüber machen sich die meisten keine Gedanken.“
„Sollte man aber, wenn man schon Karl Marx oder Karl-Marx-Stadt auf dem Schal hat“, meinte Christian. „Denn Karl Marx war Antifaschist“, ergänzte er noch.

Du schreibst: Mir erschließt sich immer noch nicht, warum Schalke Meister wird, wenn HSV gegen Bayern ein Tor schießt. Ich kenne nur diese Großereignisse, wo im aktuellen Spiel der Gewinner entschieden wird. Und Bayern gewinnt dann mit einem 1:1 Unentschieden. Ich bin raus.

Schalke lag dadurch, dass der HSV ein Tor gegen die Bayern schoss von der Anzahl der Punkte her vor den Bayern, auf Platz 1. Aber die Bayern schossen dann den 1:1 Ausgleichtreffer. Das brachte sie von der Anzahl der Punkte her dann wieder vor die Schalker auf den 1. Platz.

Du hast noch geschrieben: Mir ist, als wären die Charaktere nur als Alibi da, um über die beiden Spiele zu schreiben, die aus meiner Sicht nichts miteiander zu tun haben. Vielleicht um den Kontrast zwischen den Fans darzustellen, wie sie mit Sieg und Niederlage umgehen?

Die Charaktere sollen nicht als Alibi für die Spiele da sein, sondern sie sollen, wie Du schon richtig vermutet hast, den Kontrast zwischen Fans darstellen, wie sie mit Sieg und Niederlagen umgehen.

Ich hoffe meine Antwort konnte Dir weiter helfen. Mit Grammatik, dass muss ich noch üben. Und auch muss ich mehr darauf achten nicht so viele Wörter zu wiederholen.

Liebe Grüße!

Sebastian

 

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