Was ist neu
  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

Copywrite Ferner Morgen

Mitglied
Beitritt
20.05.2017
Beiträge
120

Ferner Morgen

Der Dachboden war erfüllt von stiller Magie. Müde Schatten streckten in den Winkeln ihre Glieder und unzählige Staubkörner fingen das Feuer der Abendsonne, verstreuten es im Raum. Von Franz war noch immer nicht mehr zu sehen als sein Kopf. Mit zerzaustem Haar und offenem Mund ragte er aus dem Halbdunkel der Luke.
“Komm schon, du Träumer”, sagte sie. “Immer dasselbe mit dir!”
“Was ist, wenn deine Oma aufwacht?”
“Dann sag ich ihr, dass alles deine Idee war! Komm schon!”
Franz warf einen letzten Blick hinunter, schüttelte den Kopf und kletterte hoch.
“Hier”, sie winkte ihn heran, griff nach seiner Hand. Obwohl er erst ein halbes Jahr beim Horvath in Ausbildung war, fühlten sich seine Handflächen schon anders an. Da waren Wölbungen, Vertiefungen, Schwielen. War es das, was ihre Mutter meinte, wenn sie vom Erwachsenwerden sprach? Aber was sollte sich schon ändern? Wohin sollte es gehen, das Lachen? Wohin die flüchtig aufgedrückten Küsse?
“Was ist denn?”
Seine Stimme holte sie zurück in die glosende Gegenwart. Zurück zwischen die wandhoch gestapelten Kisten und Truhen, zurück auf den Dachboden mit seinen spinnenverwebten Ecken und dem Geruch alten Holzes, der im Rest des Hauses wenig mehr war als eine ferne Erinnerung, hier aber die Luft zu etwas Ewigem machte.
“Augen zu.”
“Was hast du da hinter dem Rücken, Liesi?”
“Ist doch egal! Jetzt mach schon!”
Franz verzog den Mund, wie er es immer tat, wenn er sich geschlagen gab, und schloss die Augen. Wie ulkig er doch aussah. Und wie schön mit den Segelohren, den schiefen Lippen, der einen Braue, die immer höher saß als die andere. Ihr ewig überraschter Franz.
“Liesi?”, fragte er, ohne die Augen zu öffnen.
Manchmal hätte sie ihn in Grund und Boden knutschen können.
“Waarte.”
Sie holte die Hand hinter dem Rücken hervor und führte sie ihm ganz nah ans Gesicht. Nicht lachen. Noch nicht.
“Kannst aufmachen!”
Er blinzelte verwirrt, als er den Papierknödel in ihrer Hand sah. Er war vergilbt und übersät mit kleinen schwarzen Punkten.
“Was ist denn das?”, fragte er und schob die Nase noch etwas näher heran. Sah er es denn immer noch nicht? Bitte Gott, lass es ihn sehen, bitte, bitte … Sie konnte nicht mehr, blähte die Backen. Dann endlich. Er riss die Augen auf, den Kopf zurück und sah sie an, als wäre sie Satan höchstselbst.
“Da sind ja lauter tote Ameisen dran!”
Endlich konnte sie ihr Gelächter loslassen.
“Hahaha, sieht aus wie Stracciatella oder? Haha!”
“Bäh, Liesi. Wirklich. Also wirklich. Du bist doch wirklich … ”
Sie warf das Papier hinter sich und küsste ihn, knutschte ihn in Grund und Boden.

Liesi blinzelte und fuhr sich mit den Händen durch die Haare. Stracciatella. Urkomisch, dieser Blick und der Sprung zurück.
“Weißt du noch, Franz?”
Franz hob den Kopf aus dem Reiseführer, richtete sich auf. Mit einer Hand rieb er seinen unteren Rücken. Zwar beschwerte er sich nie, aber Liesi sah, wie er jeden Abend aus dem Zimmer heraushumpelte.
“Ich weiß nur, dass die auf Feuerland ein echtes Problem mit Bibern haben”, sagte er und wedelte mit dem Reiseführer.
“Du hast gleich ein Problem mit mir!” Liesi warf die Fernbedienung nach Franz. Das Ding kam kaum zehn Zentimeter weit, bevor es vom dick ummantelten Kabel am unteren Ende zurückgerissen wurde und gegen das Bettgestell knallte. Franz lachte und legte die Fernbedienung zurück auf die Matratze. Unter der Bettdecke rieb Liesi die Klaviatur ihrer Rippen, versuchte ihrem Atem den Weg zur Lunge zu zeigen. Langsam. Und lächeln, sonst würde er sich nur Sorgen machen. Eins. Zwei. Nicht wieder aufsetzen. Die Luft gehorcht den Liegenden.
“Weiß ich noch was?”, fragte er und klappte den Reiseführer zu. Er ließ einen Daumen zwischen den Seiten, schob ihn geistesabwesend hin und her, machte blinde Streifzüge über Gletscher, durch Kanäle und Wälder.
“Augen zu”, sagte Liesi und presste die Lippen aufeinander.
“Wieso denn da-”, mitten im Satz brach er ab, verzog den Mund. “Das war wirklich ekelhaft, Liesi.”
Sie grinste, ließ die Hand auf und zu schnappen, damit er seine hineinlegte.
“Aber es sah wirklich aus wie Stracciatella, oder?”
Franz seufzte. “Das du auch immer an solche Momente zurückdenkst”, sagte er. “Lass uns doch lieber über unseren Urwald reden. Über den Teich, über die exotischen Tiere und Früchte, die wir einander damals in die Bäume … ”
Liesi drückte Franz’ Hand, senkte den Kopf und sah ihm von unten in die Augen wie eine Lehrerin, die versucht, ihrem Schüler die richtige Antwort zu entlocken.
“Es sah aus wie Stracciatella. Sei ehrlich.”
“Nein.”
“Doch.”
“Na gut, vielleicht ein wenig.”
Manchmal könnte sie ihn wirklich …
Vor dem Fenster pulsierte die Krone einer Flatterulme. Die Blätter nahmen den Wind in sich auf, hielten ihn für einen Moment fest und gaben ihn dann wieder frei, sodass die letzten Sonnenstrahlen des Tages im Takt ihres Atems in den Raum gestreut wurden.
Es klopfte an der Tür und Christa kam herein. Unter ihren makellos weißen Stoffhosen leuchteten wie immer farbige Turnschuhe mit riesigen, wie aufgeblasenen Sohlen. Heute waren sie grün. Strahlend grün. Ein Grün, dass eine längst vergangene Sommersonne über längst vergangene Köpfe hängte. Von Baumwipfel zu Baumwipfel, endlos in alle Himmelsrichtungen.
“Es ist spät”, sagte Christa und lächelte erst Franz, dann Liesi an.
Franz nickte, stand auf, tat, als würde er husten, um sein Stöhnen zu verbergen. Dann beugte er sich zu Liesi herunter, drückte ihre Hand – Nein, im Grunde hatte sich nichts verändert. Schwielen hin oder her – und gab ihr zwei Küsse. Einen auf die Stirn, einen auf den Mund. Dann einen sehr langen dritten, als sie die Hände auf seine Wangen legte und ihn zu sich zurückzog.
“Bis morgen, Liesi”, sagte er. “Den Reiseführer lasse ich dir da. Such uns doch etwas Schönes raus, ja?”
Manchmal …
“Ist gut. Bis morgen, Franzl”, sagte sie.
Ein paar Minuten später sah sie durchs Fenster dabei zu, wie ein bläulichschwarzer Volvo unter der Flatterulme entlangrollte, die Schatten der Blätter auf dem Dach ein wenig weiter trug und schließlich verschwand.
“Komm schon, du Träumer”, sagte sie.
 
Zuletzt bearbeitet:
Mitglied
Beitritt
20.05.2017
Beiträge
120
Ich glaube, ich habe es mir etwas leicht gemacht. Aber immerhin ist es auch mein erster Copywrite :)
Meine Vorlage war @ernst offshore s "Witwer"
Ein kleines melancholisches Märchen über Liebe und Verlust, dessen Erweiterung mir definitiv Spaß gemacht hat. Die "Romantik" ist definitiv nicht das Genre, in dem ich mich am wohlsten fühle. Somit aber auch eines, mit dem ich mich auseindersetzen sollte. Ein erster Schritt ist hiermit gemacht, schätze ich :p

LG
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Mitglied
Beitritt
20.01.2018
Beiträge
499
Hey Sisorus,

ich glaube, wir kennen uns noch nicht. Freut mich, von dir zu lesen.

Ich kenne leider die Vorlage vom Ernst nicht, daher kann ich dir keinen vergleichenden Eindruck geben. Behalte also im Hinterkopf, dass meine Anmerkungen sich nur auf deinen Text als Original beziehen, nicht als Copywrite.

Springen wir hinein. Ich habe auch gar nicht viel, nur ne handvoll Kram:

Sie hingen in der Luft wie reife Sterne, die es nur zu pflücken galt, aber wenn man nach ihnen griff, tanzten sie wilde Spiralen und ließen sich nicht fangen.
Ich mag sowohl das Bild mit den Sternen als auch das mit Pflücken, aber für mich passen sie nicht zusammen. Sterne pflückte ich nicht, sondern eher Äpfel, Birnen, du verstehst. Das mit den ausweichenden Staubpartikeln wäre aber ein Bild, dass ich mir zumindest in der (unerfüllten) Liebe sehr gut vorstellen kann: Das Greifen nach einer Sache, die man aber nicht zu fassen bekommt.

schüttelte den Kopf und kletterte hoch.
Du hattest vorher das Bild vom Kohlkopf benutzt, würde sich doch anbieten, hierbei zu bleiben.

Obwohl er erst ein halbes Jahr beim Horvath in Ausbildung war, fühlten sich seine Handflächen schon anders an
Sie sind also schon länger zusammen, ich schätze mal heimlich? Warum sonst auf dem Dachboden verstecken, wenn es doch alle wissen? Oder geht es nur darum, dass die Oma nichts mitbekommt?

Und wie schön, mit den Segelohren,
Komma nach schön weg.

die immer höher saß, als die andere.
Komma nach saß weg.

Liesi warf die Fernbedienung nach Franz. Das Ding kam kaum zehn Zentimeter weit, bevor es vom dick ummantelten Kabel am unteren Ende zurückgerissen wurde und gegen das Bettgestell knallte.
Ich lese das als eine sehr gelungene Art, mir durch die Blume zu sagen, dass Liesi im Krankenhaus oder Altenheim liegt, zumindest betreut. Find ich gut, wie du das machst. Gerade genug Wink mit dem Zaunpfahl.

Zum Titel: Warum Ferner Morgen? Weil Franz erst Morgen sie wieder besucht im Altenheim/ Krankenhaus, passiert vielleicht etwas, nachdem der Text vorbei ist? Könnte mir nur vorstellen, dass einer der beiden verstirbt und sich Morgen aufschiebt in die Ferne. Oder weil die beiden Zeitebenen s weit auseinanderliegen? MMn würde sich "Stracciatella" als Titel viel besser anbieten.

Zur Romantik: Ich bin weder der klassische Leser von Romantik noch hab ich es je geschrieben :lol: daher ist alles, was ich dir dazu anmerke, höchst subjektiv. Für mich ist die Liebe irgendwie recht einseitig zwischen der fast schon klammernden Liesi und dem träumenden Franz, der eher auf seine Umgebung reagiert als auf seine Liese. Das ist für die Kürze des Textes genug, ich kann mir von beiden Figuren ein Bild machen. Ich kenne ja auch das Original nicht, daher kann ich nicht beurteilen, wie viel du übernommen hast und welche Figuren ein komplettes Persönlichkeits-Makeup bekommen haben. Ich glaube aber, dass mir beide Figuren für einen längeren Text nicht reichen würden. Dafür fehlt der Konflikt, der Punkt, an dem sich beide aneinander reiben. Die Beziehung der beiden läuft zu glatt, als dass sich daraus selbst Spannung entfalten könnte (zumindest eine, die mich mitnimmt, aber ich kann weder mit Romantik noch was mit eventuellen Anspielungen auf das Original anfangen).

So viel oder wenig von mir.

Liebe Grüße
Meuvind
 
Mitglied
Beitritt
20.05.2017
Beiträge
120
Hallo @Meuvind
die Freude ist ganz meinerseits. Ernsts Geschichte ist ähnlich kurz, ich kann sie Dir sehr ans Herz legen. Deine Hinweise zur Kommasetzung habe ich direkt umgesetzt, vielen Dank!

Ich mag sowohl das Bild mit den Sternen als auch das mit Pflücken, aber für mich passen sie nicht zusammen. Sterne pflückte ich nicht, sondern eher Äpfel, Birnen, du verstehst.
Total. Einen ähnlichen Gedanken hatte ich selbst. Zuerst waren es sogar gleichzeitig Glühwürmchen und reife Sterne :'D Fand mich schon arg diszipliniert, als ich die Insekten tilgte. "Schöne" Bilder fallen mir auch einfach sehr schwer. Leichter sind die schmutzigen, die tristen und hoffnungslosen. So oder so, wahrscheinlich hast du recht. In der aktuellen Form ist es ungeschickt. Ich überlege mir das nochmal.
Du hattest vorher das Bild vom Kohlkopf benutzt, würde sich doch anbieten, hierbei zu bleiben.
Hatte ich angedacht. Allerdings war ich mir hier zweierlei Dinge nicht sicher:
1. Wie mache ich das ordentlich? Ein simples "Kohlkopf" statt "Kopf" fänd ich unschön. Was also sonst? Er schüttelte die Blätter? Das Gemüse (ein Schelm, wer hier Schmutzges denkt)?
2. Ich will den armen Franz nicht allzu lächerlich darstellen. Zwar neckt die Liesi ihn gern, mag ihn aber auch sehr leiden. Vielleicht den Kohlkopf komplett rauswerfen?
Sie sind also schon länger zusammen, ich schätze mal heimlich? Warum sonst auf dem Dachboden verstecken, wenn es doch alle wissen? Oder geht es nur darum, dass die Oma nichts mitbekommt?
Die zeitliche Verortung ist hier (ähnlich wie im Original) sehr vage, das stimmt. Das lässt auch den Zweck des Aufstiegs unerklärt. Vielleicht enge ich den Raum der möglichen Interpretationen noch etwas ein. Ich warte noch 1-2 Reaktionen ab, dann schaue ich :)
Ich lese das als eine sehr gelungene Art, mir durch die Blume zu sagen, dass Liesi im Krankenhaus oder Altenheim liegt, zumindest betreut. Find ich gut, wie du das machst. Gerade genug Wink mit dem Zaunpfahl.
Vielen Dank für die wortpermeablen Blumen :) Genau so wars gedacht.
Dafür fehlt der Konflikt, der Punkt, an dem sich beide aneinander reiben. Die Beziehung der beiden läuft zu glatt, als dass sich daraus selbst Spannung entfalten könnte (zumindest eine, die mich mitnimmt, aber ich kann weder mit Romantik noch was mit eventuellen Anspielungen auf das Original anfangen).
Völlig richtig, völlig richtig. Auch das ist jedoch, mMn., eine Facette des Originals. Es ist sehr märchenhaft, skizziert eine makellose Beziehung anhand zweier Markierungen auf einem langen Zeitstrahl. Dabei ist der Endpunkt des Originals eindeutiger, auch kraftvoller. Meine Geschichte umfasst einen ähnlich langen Raum, befindet sich jedoch vollends innerhalb des im Original aufgespannten Rahmens. Vielleicht habe ich eine eher undankbare Dramaturgie gewählt, ich bin mir nicht sicher.

Vielen Dank für deine Korrekturen und die sehr treffsicheren Bemerkungen. Die werden bei der Überarbeitung auf jeden Fall mit einbezogen!

LG
Sisorus
 
Zuletzt bearbeitet:
Wortkrieger-Team
Beitritt
31.01.2016
Beiträge
1.862
N’Abend @Sisorus ,

als bekennender Fan von Romantik und @ernst offshore ist dieser Besuch bei deiner Copywrite-Geschichte gleichzeitig Kür und Pflicht für mich und ich kann dir nur rechtgeben, du machst es dir leicht. Aber genau deswegen klingt in jedem Satz etwas von ernst und dem Witwer mit, quasi überlagert und deswegen unharmonisch in meinem Kopf.

Du schreibst die Geschichte im Grunde nocheinmal, nur Franz denkt an sich und Liesl während sie noch lebt und mit ihm zurückdenken kann. Du lässt die Charaktere nahezu gleich, hier die quirlige Liesl, die selbst bettlägerig noch mehr Energie hat als Franz und der latent wehmütige Franz mit Rücken an ihrer Seite.
Bestehen als eigene Geschichte kann sie durchaus, aber wo bleibt denn da der Sisorus, die nächste Ebene einer eigenen Handlung? Sie ist vorverlegt, Liesl lebt noch, während der Witwer eben ohne die wilde Hummel an die Anfänge denkt.

Zum anderen fehlt mir die Nähe zu Franz - ich muss das jetzt vergleichen, weil ... na ja, es ist eben derselbe Franz, den du da übernommen hast, dieselbe Traurigkeit und der zu erwartende Verlust, die vergangene gemeinsame Zeit. Ich bin sogar ein bisschen sauer auf deinen Franz, denn im Gegensatz zu ernstens Franz, hat deiner ja seine fidele Liesl noch. Da könnte er aber schon mal dankbar sein!

Ich weiß also nicht so genau, was ich mit deinem Copywrite-Projekt anfangen soll. Das soll dich aber nicht weiter stören, ist eben nur ein Leseeindruck.

Bester Gruß, Kanji
 
Mitglied
Beitritt
20.05.2017
Beiträge
120
Hallo @Kanji :)

vielen Dank für den super Kommentar. Scheinbar haben einige Dinge, die ich mir mit dem Text vornam, nicht funktioniert. Das ist sehr lehrreich! Im Einzelnen:
Aber genau deswegen klingt in jedem Satz etwas von ernst und dem Witwer mit, quasi überlagert und deswegen unharmonisch in meinem Kopf.
Schade! Die Überlagerung ist gewollt. Sogar die Metaphern habe ich versucht danach auszuwählen, ob @ernst offshore sie benutzen würde. Magst Du vielleicht genauer darauf eingehen, warum es zu einer Dis- statt einer Harmonie kommt?
Du schreibst die Geschichte im Grunde nocheinmal, nur Franz denkt an sich und Liesl während sie noch lebt und mit ihm zurückdenken kann.
Ah, hier habe ich dann ziemlich sicher etwas versaut. Franz' Denke soll hier eher fern sein. @ernst offshore schreibt oft sehr nah an seinen Protagonisten, lässt erlebte Rede und Metaphorik um sie herumranken, selbst wenn er in der dritten Person fabuliert. Das wollte ich hier emulieren, nur mit Liesi statt Franz. So wie Liesi im "Witwer" etwas fremdes an sich hat (finde ich), stets eine Art Objekt des Blicks bleibt, sollte es hier mit Franz geschehen. Es ist Liesi die "zurückdenkt". Liesi, die stirbt. Daher auch die andere Zeitform. Während die Erinnerung im "Witwer" erlebt wird, ist sie hier selbst schon Vergangenheit.
Zum anderen fehlt mir die Nähe zu Franz - ich muss das jetzt vergleichen, weil ... na ja, es ist eben derselbe Franz, den du da übernommen hast, dieselbe Traurigkeit und der zu erwartende Verlust, die vergangene gemeinsame Zeit. Ich bin sogar ein bisschen sauer auf deinen Franz, denn im Gegensatz zu ernstens Franz, hat deiner ja seine fidele Liesl noch. Da könnte er aber schon mal dankbar sein!
Kann ich voll verstehen. Und sicher ist er das auch. Er liebt seine Liesi, aber sein Gefühlsleben ist ein sehr Innerliches, sodass wir aus Liesis Perspektive wenig Greifbares davon mitbekommen. Franz leidet, aber er leidet wie einer, der seine Schmerzen mit einem Husten zu verstecken sucht. Das habe ich nicht gut umgesetzt.

Vielen Dank für Deinen Leseeindruck @Kanji !

LG
Sisorus
 
Mitglied
Beitritt
10.09.2016
Beiträge
448
Lieber @Sisorus ,

schöner Text. Ich kenne die Vorlage von Ernst bislang auch nicht, fürchte ich, werde ich unbedingt nachholen; glaube, da ist mir was durch die Lappen gegangen. Es hat aber auch etwas Gutes. So kann ich deinen Text jetzt erstmal unabhängig davon besprechen. Es wird auf jeden Fall witzig, weil sich mein Feedback nicht sehr mit dem von Meuvid und Kanji deckt. Ich finde, dieser Text hat sehr viele Qualitäten. Erst einmal ist die Sprache gut. Da sind ein paar wunderbare sprachliche und beobachtungsmäßige Stücke drin. Da gibt es zwar noch ein höheres Level aus meiner Sicht, aber das was du lieferst finde ich schon sehr gut – dazu vielleicht noch mehr. Um das mit der Spannung aufzugreifen. Das ist ja sowieso eine Kategorie, die auch in sehr guten, sehr starken Texten bisweilen vernachlässigt wird. Unnötigerweise, wie ich finde, aber es ist eben auch nur ein Teil der großen ganzen Sache und nicht lebensnotwendig. Was deine Geschichte betrifft, sehe ich da durchaus Spannung. Da gibts für mich eigentlich keine Abzüge. Die Spannung ist vielleicht nicht so stark wie in manch anderem Text, aber es drängt schon latent die Frage, ab dem Abschnittswechsel, welche Folgen die Zeit mit sich gebracht hat und ich finde auch, dass du das einlöst. Also von daher, wie gesagt, kein Meckern. Der Text hat noch viel mehr zu bieten, ich will aber nur noch auf ein zwei Dinge eingehen. Mir gefällt das Thema gut. Klar, dass ist jetzt von Ernst geliehen, dennoch ist das ja jetzt auch deine Geschichte. Dieses Thema gibt was her, da wurde zwar auch schon viel gemacht, aber es ist immer noch spannend. Musste ein wenig lustigerweise an den Film Oben denken; bisschen nervig, und irgendwie auch schrill, ganz süß aber wenigstens auch, besonders die Charles Dickens-mäßige Vorgeschichte des Opas und seiner Jugendliebe, die ist wirklich toll. Dann finde ich es auch schön, dass du dir immer wieder die Mühe machst, den Leser mit kleinen Finten und größeren Umbrüchen (Krankenhausbett) zu überraschen, ob nun emotional positiv oder negativ. Und noch ein Letztes (es gäbe wirklich noch mehr zu besprechen): nochmal die Sprache. Man merkt, dass du dir Mühe gibst. Und das ist nicht dieses vernichtende: wirkt bemüht. Ich merke eben, dass da Mühe drin steckt. Ich finde nicht, dass jede deiner Beobachtungen bereits voll ins Schwarz trifft, jeder Stilgriff konsequent durchgezogen, jedes Sprachbild perfekt ist, aber das Niveau empfinde ich gerade durch diese Mühe als bereits sehr hoch. Mehr als eine Prise Mut steckt da drin. An der Stelle möchte ich mit Potentialen ansetzen, die ich hier noch sehe. Eben in der Sprache, das ist vielleicht das schwierigste, aber schon für dich, denke ich, wichtig. Es reicht nicht, sich etwas Mühe damit zu geben. Du hast den Text, finde ich, auch vergleichsweise schnell gepostet. Es kann sein, dass der Text etwas mehr Zeit und Konzentration gebraucht hätte. Die Mühe ist da, aber ich finde, das ist noch nicht genug. Es muss noch genauer sein, noch intensiver, noch raffinierter. Ich glaube, du hast es dir noch etwas zu leicht gemacht. Da geht noch mehr. Aber dann eben nicht in ein zwei Tagen runterschreiben, sondern geduldig und konzentriert. Ich will dir nicht Unrecht tun, immerhin weiß ich ja nicht, wie und wo du schreibst, aber das hier ist ja kein Wettrennen. Lass dir einfach Zeit. Ein zweites Kleines, dann muss ich mal langsam aufhören. Ich denke, du könntest ruhig auch nach einer Sprache deiner Figuren suchen, an der man ihr Milieu, ihre Geisteshaltung, ihren Charakter etc. ablesen kann. Etwas, dass spezifisch ist. So. Das wars.

Kleine Anmerkungen:

tanzten sie wilde Spiralen
Tanzen sie wirklich 'wilde Spiralen'? Wenn ich in meinem wirklich sehr staubigen Zimmer zur Nachmittagszeit danach greife, weichen sie eher leichtfüßig dem Luftzug meiner Greifbewegung aus. Sie schweben viel eher in Wellen zu allen Seiten. Wildes Tanzen habe ich da selten erlebt.

Jedes Staubkorn glühte in der Abendsonne
Wirklich jedes? Selbe Situation in meinem Zimmer nachmittags: Die Staubkörner bei mir werden eher im Radius der Sonne nach außen hin schwächer im Zentrum golden von der Sonne angeleuchtet. Sonst müsste die Sonne irgendwie von (schräg) unten kommen, denke ich.

in der Luft wie reife Sterne
Ich finde diese doppelte Metapher etwas viel. Staubkörner wie reife Früchte und gleichzeitig wie Sterne. Würde mich für eines entscheiden.

in der Luke
Würde das präzisieren. So entsteht nicht wirklich ein Bild von der Situation bei mir. Ich weiß gar nicht, um was für eine Luke es da geht.

wie ein von irgendeiner Ladung herabgerollter und vergessener Kohlkopf
hehe, fand das gut.

“Komm schon, du Träumer”, sagte sie. “Immer dasselbe mit dir!”
“Was ist, wenn deine Oma aufwacht?”
warum sagt er das Markierte? Ist sie so laut? Müsste da, finde ich, noch rein.

Horvath
Da hatte ich irgendwie einen Ödön von Horvath Bezug erwartet. Den ich aber nicht entdeckt habe. Gibts den? Sonst würde ich eventuell einen profaneren Namen wählen oder besser noch diesen Bezug herstellen, weil warum denn eigentlich nicht?

Da waren Wölbungen, Vertiefungen, Schwielen. War es das, was ihre Mutter meinte, wenn sie vom Erwachsenwerden sprach? War das das Ende des einen, der Anfang des anderen? Aber was sollte sich schon ändern? Wohin sollte es gehen, das Lachen? Wohin die flüchtig aufgedrückten Küsse?
hat mir gut gefallen. Einzig auf den letzten Satz konnte ich mir keinen Reim machen.

glosende
krass. Das Wort kannte ich noch gar nicht.

mehr war als eine ferne Erinnerung, hier aber die Luft zu etwas Ewigem machte.
gefällt mir trotz des Pathos auch gut.

verzog den Mund KOMMA wie er es immer tat
der einen Braue, die immer höher saß als die andere. Ihr ewig überraschter Franz.
wunderbare Beschreibung

Manchmal hätte sie ihn in Grund und Boden knutschen können.
hat mir auch sehr gut gefallen. Süßes Bild.

“Was ist denn das?”, fragte er und schob die Nase noch etwas näher heran. Sah er es denn immer noch nicht? Bitte Gott, lass es ihn sehen, bitte, bitte…
Hat mir gefallen, wie nah du hier mit der Personalen Rede an sie rangehst. Guter Griff, finde ich.

nur die Auslassungzeichen am Ende ... da kommt ein Leerzeichen zwischen letztes Wort und erstem Punkt


“Da sind ja lauter tote Ameisen dran! Pfui!”
Endlich konnte sie ihr Gelächter loslassen.
“Hahaha, sieht aus wie Stracciatella oder? Haha!”
hehe, super. Schöne Stelle.

“Ich weiß nur, dass die auf Feuerland ein echtes Problem mit Bibern haben”
machte blinde Streifzüge über Gletscher, durch Kanäle und Wälder.
so etwas mag ich auch immer gerne. Diese scheinbar unwillkürlichen Absurditäten der Informationsgesellschaft.

und sah ihm von unten in die Augen wie eine Lehrerin, die versucht, ihrem Schüler die richtige Antwort zu entlocken.
Ich denke, die Lehrerin in deinem Bild versucht durch den Blick nichts zu entlocken, das würde sie durch eine Frage versuchen. Eher wartet sie (an-)gespannt auf die erhoffte Antwort.

die Krone einer Flatterulme
hehe, schön.

“Bis morgen, Liesi”, sagte er. “Den Reiseführer lasse ich dir da. Such uns doch etwas Schönes raus, ja?”
Manchmal…
was bedeutet dieses Manchmal ?

Und wieder die Sache mit den Auslassungszeichen.

Gern gelesen.
Carlo
 
Zuletzt bearbeitet:
Wortkrieger-Team
Beitritt
31.01.2016
Beiträge
1.862
Moin, @Sisorus ,

Magst Du vielleicht genauer darauf eingehen, warum es zu einer Dis- statt einer Harmonie kommt?
das will ich gern versuchen. Dazu wähle ich aber dann doch lieber ein Bild, denn als ich deinen Text erneut gelesen habe, hatte ich den Eindruck, ich würde ihn auf einem Pauspapier lesen, das auf dem Text vom offshore liegt und die Worte und Buchstaben lägen übereinander, ich konnte also beide gleichzeitig sehen, so daß ich mir Mühe geben musste, den einen Text vom anderen zu unterscheiden. So in etwa.

Die Idee deiner Intention, die Perspektive zu wechseln, die Charaktere andersherum zu zoomen (ich musste emulieren nachlesen :shy:), ist wunderbar. Vielleicht braucht’s bei einem Leser wie mir etwas deutlicher, klarer, also fettgeschrieben.

Ich habe unlängst selbst einen Text vom Meister :D kopiert und verstehe, was du meinst, wenn du sagst, ernst schriebe nah am Protagonisten. Die kann man dann gar nicht verändern, dachte ich damals. Die musste ich eher noch stärker abbilden, überzeichnen womöglich. So kam ich dann zu dem Schluss, dass es lediglich möglich ist, an der Handlung zu schrauben und zu löten.

Das habe ich nicht gut umgesetzt.
Gäh, woher denn? Bloß in meim Hirn funzt’s nicht so recht. :kuss:

Gruß, Kanji
 
Wortkrieger-Globals
Beitritt
24.01.2009
Beiträge
3.646
Hey @Sisorus,

als ich in einer CW-Runde einst den @ernst offshore zugelost bekam, habe ich ziemlich mit den Zähnen geknirscht. Ich fand das unglaublich schwer, eine Lücke in seinen Geschichten zu finden, in die ich hinstechen konnte. Beholfen habe ich mich am Ende mit einem cross over, ich habe Figur und Thema der einen Story in das Setting einer anderen geworfen, seine Geschichten Geschichten sein lassen und drauf losgeschrieben. Vom Original sind dann nur noch Namen und Ort geblieben. Insofern bin ich immer sehr neugierig, wie andere das anpacken.
Du hast Dich entschieden, nah am Original zu bleiben, sowohl sprachlich (ein Herausforderung!) als auch sonst. Wenn man in deinem Text jetzt Spannung vermisst, so will ich mal sagen, das betrifft das Original ja auch. Insofern hast zu perfekt kopiert :D Ernst hat ein Davor und Danach erzählt, hat die Phase des Konfliktes einfach übersprungen, aber weil er so schön schreibt, der Ernst, und weil er das mit der Traurigkeit so schön kann, verzeiht man ihm gern. Du dagegen bist eigentlich genau in die Konfliktphase gegangen, Du hast Dich nicht feige drum gedrückt, aber genutzt hast Du die Chance in meinen Augen leider nicht. Im Gegenteil. Ich finde, die todkranke Liesi wirkt mobiler als der Franz. Klar, der hat auch seine Probleme, aber mir will einfach der Gedanke nicht kommen, dass die Liesi demnächst sterben wird. Eher hat die ne Blinddarm-OP hinter sich. Also, so richtig will sich das Thema Tod mir nicht aufdrängen. Im Originaltext auch nicht, wenn da nicht der Titel wäre ... Bisschen mehr die Liesi leiden lassen, nicht nur Bett und Fernbedinung, sondern eben auch was körperliches von ihr dazutun, ist ja eigentlich schnell gemacht. Sie wirkt halt viel zu lebendig auf mich in der jetzigen Version. Aber Vorsicht vor dem künstlichen Dramaeffekt. Der Pfad dürfte schmal sein. Und ist natürlich auch schwierig, in den Konflikt zu gehen, wenn Du aus Liesis Perspektive schreibst. Sie stirbt. Sie will stark sein für ihren Franz, sie will ihre letzten Tage mit ihm noch so unbeschwert wie möglich verbringen undkramt daher in ihren Erinnerungen nach Episoden, in denen das Lachen noch unbeschwert war. Diese Unbeschwertheit will sie wieder heraufbezwingen, aber der Franz spielt nicht mit. Eigentlich ist der Background ganz hübsch, nur erschließt sich mir das erst im Nachgang, jetzt, wo ich den Kommentar schreibe. Beim Lesen waren mir die Fäden sehr viel zu dünn gewebt, was ich sehr, sehr schade finde.

Trotz der kritischen Worte fand ich die Geschichte sehr hübsch erzählt. Das Du wirklich versucht hast, Ernst seine poetische Ader aufzugreifen, schon allein davor ziehe ich meinen Hut. Aber der Kohlkopf - jetzt mal ehrlich - das Bild passt so überhaupt nicht ins poetische. Das kommt so plumb bäuerlich daher - nee, nee, nee :D. Will sagen, die Latte lag hoch und bleibt auch liegen. Trotzdem ist das hübsch geworden. Ich habe es bei allem Für und Gegen gern gelesen!

Beste Grüße, Fliege
 
Mitglied
Beitritt
20.05.2017
Beiträge
120
Wunderschönen guten Morgen, ihr Lieben :)
Vielen Dank, für die Kommentare! Ihr pickt ziemlich treffsicher gerade die Probleme heraus, die ich selbst noch mit dem Text habe :'D

@Carlo Zwei
Die Mühe ist da, aber ich finde, das ist noch nicht genug. Es muss noch genauer sein, noch intensiver, noch raffinierter. Ich glaube, du hast es dir noch etwas zu leicht gemacht. Da geht noch mehr. Aber dann eben nicht in ein zwei Tagen runterschreiben, sondern geduldig und konzentriert.
I feel attacked! Nein, triffst absolut ins Schwarze. Ich schrieb den Text an einem Tag. Saß dann eine knappe Woche jeden Tag davor, löschte hier ein Wort, fügte dort eins ein. Mal litt Liesi, mal fuhr Franzl Fahrrad, mal Auto. Aber vorran ging es nicht. Oder wenigstens nur schleichend langsam. Der Staub hörte auf Glühwürmchen, Frucht und Stern zugleich zu sein. statt Schlangengrün, trug die Schwester dann Sonnenbaumgrün und zu guter Letzt rief Liesi dann ihren Franz noch sehr pathetisch zurück, bevor sie sich der sehr sehr langen Nacht ergab. Aber Carlo ... Es ging so furchtbar langsam. Und ich hatte so viele Fragen, fühlte mich so in der Schwebe, haltlos, hilflos bei jeder Veränderung. Ich weiß nicht, für wen ich schreibe und somit auch nicht wie und was. Ist es zu spät, um aufs Malen umzusatteln? Damals im Kindergarten gab's doch für meine impressionistischen Figüren das ein oder andere Lob :')
Ich denke, du könntest ruhig auch nach einer Sprache deiner Figuren suchen, an der man ihr Milieu, ihre Geisteshaltung, ihren Charakter etc. ablesen kann. Etwas, dass spezifisch ist. So. Das wars.
Ja, definitiv. Sie sind etwas flach die beiden, nicht? Allerdings sind sie auch Märchenfiguren. Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Bin gespannt auf Ernsts Meinung, muss ich zugeben.
Tanzen sie wirklich 'wilde Spiralen'? Wenn ich in meinem wirklich sehr staubigen Zimmer zur Nachmittagszeit danach greife, weichen sie eher leichtfüßig dem Luftzug meiner Greifbewegung aus. Sie schweben viel eher in Wellen zu allen Seiten. Wildes Tanzen habe ich da selten erlebt.
Es ist sehr romantischer Staub, you see? Vielleicht wenn du schneller greifst, fast danach schlägst, vor Aufregung und jugendlichem Übermut? Eine genauere Auseinandersetzung mit der Dynamik des Staubs würde mir aber sicher nicht schaden. Bei nächster Gelegenheit gehe ich auf die Jagd!
Wirklich jedes? Selbe Situation in meinem Zimmer nachmittags: Die Staubkörner bei mir werden eher im Radius der Sonne nach außen hin schwächer im Zentrum golden von der Sonne angeleuchtet. Sonst müsste die Sonne irgendwie von (schräg) unten kommen, denke ich.
Ich möchte hier sehr nah an Liesi sein und vor ihren Augen soll wirklich jedes Staubkorn glühen. Ganz sicher bin ich mir bzgl. der Erzählperspektive jedoch wirklich nicht. Auch ist's keine Art des Erzählens, die im Originaltext vorkommt. Dort wird eher sauber mit "wie"-Vergleichen u.Ä. gearbeitet. Ich kann mir vorstellen, dass ich Liesis Perspektive etablieren müsste, damit solche Bilder funktionieren. Hm.
Würde das präzisieren. So entsteht nicht wirklich ein Bild von der Situation bei mir. Ich weiß gar nicht, um was für eine Luke es da geht.
Hat mich selbst gestört. Überlege mir etwas. "Dachbodenluke" schien mir zu hässlich. Aber so schwer kann's nicht sein.
krass. Das Wort kannte ich noch gar nicht.
Ist in Austria geläufiger, glaube ich. Als kleines Osterei für @ernst offshore gedacht :)
Hat mir gefallen, wie nah du hier mit der Personalen Rede an sie rangehst. Guter Griff, finde ich.
Ein Griff des Originals. Ernst macht ihn scheinbar generell ganz gerne. Ich weiß selbst gar nicht wirklich, wie ich dazu stehe. Kann schnell un/diszipliniert/ordentlich wirken, glaube ich.
was bedeutet dieses Manchmal ?
Das ursprüngliche "Manchmal könnte sie ihn ..." soll im Text immer weiter verfallen. Es ist der Schlaf, es ist die Nacht, die ihn kürzt.

Vielen Dank für Deinen, wie immer, sehr durchdachten Kommentar @Carlo Zwei . Hast vieles getroffen, auch ein paar wunde Punkte. Aber keine Sorge, ich steh auf den Schmerz :D

Hallo nochmal @Kanji
und danke, dass Du Dir ein weiteres Mal die Mühe machst! Ich denke, dass nicht nur Du es gerne etwas klarer hättest. Oder: Its not you, its me, wie es so schön heißt :)
Gäh, woher denn? Bloß in meim Hirn funzt’s nicht so recht. :kuss:
Haha, eben! Und da Dein Hirn ganz passabel zu funktionieren scheint, gebe ich eine ganze Menge auf Deinen Eindruck ;) No taksies-baksies!

Hallo @Fliege
super Anmerkungen zum Text, vielen Dank!
Vom Original sind dann nur noch Namen und Ort geblieben. Insofern bin ich immer sehr neugierig, wie andere das anpacken.
Ich verrate Dir jetzt mal, was mein erster Ansatz war :D
1979. Die zwei schnackenden Männer in der Höhle. Skizzieren so Phänomene dieser Ära, vermuten Gefahren in der Dunkelheit. Mir fiel auf, dass 1979 das Ende der Roten Khmer markierte und da kam mir eine Idee:
Dort in der Dunkelheit ist wirklich etwas. Und zwar der wahre Geist von 1979. Der blutgetränkte, hungernde Geist der Verzweiflung, der Angst, des Todes. Er lamentiert den schmutzigen Spiegel der Reisfelder, die unzählbaren Hände, die er darin versenkte, den langen Marsch, die Beine, die ihm brachen, die Tränen, die er weinte, die Väter, Mütter, Töchter, Söhne, die er verlor. Er belauscht die Männer, ritzt sich ihre Namen in seine mit nichts als der Haut Unschuldiger bespannten Rippen. Ja. Wäre 'n anderer Text geworden haha
Bisschen mehr die Liesi leiden lassen, nicht nur Bett und Fernbedinung, sondern eben auch was körperliches von ihr dazutun, ist ja eigentlich schnell gemacht. Sie wirkt halt viel zu lebendig auf mich in der jetzigen Version.
Hab ich überlegt. Ehrlich. Aber ich wollte das Märchen Märchen bleiben lassen. Nur vielleicht war ich da zu sehr Disney, zu wenig Grimm. Definitiv etwas, worüber ich nochmal nachdenken sollte und werde.
Aber der Kohlkopf - jetzt mal ehrlich - das Bild passt so überhaupt nicht ins poetische. Das kommt so plumb bäuerlich daher - nee, nee, nee :D.
Also ein bisschen bäuerlich ist sie doch, unsere Liesi :'D meinst Du nicht? Der Franz ist halt ihr süßer Trottel, ihr Hanns-Guck-In-Die-Luft. Aber ich verstehe schon, was Du meinst. Nachdenken, nachdenken, ich muss so viel nachdenken :')

Vielen Dank euch allen, für die so treffenden wie kritischen Bemerkungen. Mir scheint, ich hätte dem Ganzen mehr meiner eigenen Note aufdrücken sollen. Nächstes Mal, nächstes Mal. Dann wird auch der disziplinierteste Text in blutgetränktes Dada-Gefasel verwandelt höhö

LG
Sisorus

P.S.: Jetzt wo ich so darüber nachdenke ... Im Grunde habe ich einen mittelmäßigen Fanfiction geschrieben :'D Oh män
 
Zuletzt bearbeitet:
Senior
Beitritt
12.04.2007
Beiträge
5.659
»Was er auch immer mir gefällt,
Nachahmen nicht. Die Griechen kamen
Auch nur mit einer Nase zur Welt.
Was kümmert mich ihre Kultur?
Ich lasse sie halter dabei,
Und trotze auf Mutter Natur;
...« Matthias Claudius​


Zum Original, oder besser Vorbild hab ich mit dem durchaus heute unterschätzten Matthias Claudius begonnen, warum nicht auch bei Dir, (man glaubt gar nicht, wie oft man Claudius zitiert, ohne es zu wissen, Claudius ist – wenn schon nicht „verstaatlicht“, so doch sozialisiert, weniger Volksgut als Gemeingut geworden) und die wenigen Zeilen aus »Den griechischen Gesang nachahmen?« trifft es ganz gut, wir wollen ja nicht das Plagiat fördern und die Nacherzählung gehört m. E. eh zum Gedächtnistraining auf die harte Schulbank, wobei man eh nie auslernt. Kurz: Die Verse treffen m. E. sehr gut, wie mit Vorbildern und Vorlagen gut auskommen ist,

lieber Sisorus,

und insofern find ich Deine „Abschrift“ gelungen (bis auf den Kohlkopf, der ja nicht erst seit Birne mit einem Vorurteil zu kämpfen hat - da könnt‘ man besser den verschlüsselten „kabes“ nehmen oder noch besser den „Kürbis“, hätt‘ noch was zu grübeln und den Reformationstag – pardon, auf neudeutsch ist er ja dem Aberglauben und dem Warten auf den Großen Kürbis der Peanuts verfallen – als einschneidender Veränderung). Es ist m. E. eine durchaus gelungene „Kopie“. Ich finde, dass ist eine gute Maxime fürs copywrite, womit wir bei der Flusenlese sind

Sie hingen in der Luft wie reife Sterne, …
Hängen Sterne oder Staub(körner)? Einem Volkslied nach „stehen“ die einen am Himmelszelt und die andern „schweben“ eher hinab und werden durch jedes Lüftchen wieder aufgewirbelt …, wie ja der Schluss des Satzes
..., aber wenn man nach ihnen griff, tanzten sie wilde Spiralen und ließen sich nicht fangen.
belegt (was natürlich auch für die gilt, die nach den Sternen greifen ...)

“Waaarte.”
Braucht es des comichaften [‘var:tə], da die erste Silbe eh gedehnt gesprochen wird? Im Ruhrlatein (die Abschweifung sei mir gestattet) wird das "r" sowieso durchs gedehnte a verschluckt zum "waate (ma')"

Er war vergilbt und übersä[...]t mit kleinen schwarzen Punkten.
Zwar sagte er nie etwas, aber Liesi sah, wie er jeden [A]bend aus dem Zimmer heraushumpelte.
(oder „wie er abends aus …“, wen das „jeden“ entbehrlich ist)

Franz nickte, stand auf, tat[,] als würde er husten, um sein Stöhnen zu verbergen.
Das Komma vorm „tun“ ersetzt nur ein „und“ in der Aufzählung gleichrangiger Verben (es bedeutet nix anderes als "Franz nickte, stand auf "und" tat ...") und die Konjunktion „als“ leitet einen vollständigen Satz ein.

Und zum Abschluss noch zum „Geständnis“
Ich glaube, ich habe es mir etwas leicht gemacht.
Warum sollte man es sich unnötig schwer machen?, findet der

Friedel,

der nicht ein "gern gelesen" vergessen darf!
 
Mitglied
Beitritt
04.09.2017
Beiträge
337
Gude @Sisorus,
Die "Romantik" ist definitiv nicht das Genre, in dem ich mich am wohlsten fühle.
umso besser finde ich, dass du es trotzdem probiert hast. Ich auch kein allzugroßer Romantikleser, daher verlierst du mich tendenziell bei Sätzen wie "Ich könnte ihn in Grund und Boden knutschen". Aber hier überlasse ich das Feld vielleicht lieber anderen :lol:

Ich versuche daher mal vor allem auf das Erzählerische einzugehen:
Jedes Staubkorn glühte in der Abendsonne.
-> Ich finde, der erste Satz könnte etwas aussagekräftiger sein. Du setzt mit glühenden Staubkörnern schon die Sprache, die du durch den Rest auch durchziehst. Aber hier könnte für mich mehr Information drin sein, z.B. noch eine räumliche Verortung (Unter dem Dach der Scheune ...) oder ein Gedanke damit verknüpft werden, der mir mehr über die Figuren erzählt. Ich weiß z.B. relativ wenig über Liesls "Hauptbeschäftigung". Vielleicht ginge da so etwas wie: "Jedes Staubkorn glühte genau so in der Abendsonne, wie Liesl es sich vom Sand der Sahara vorstellte." Wäre so vielleicht noch etwas unrund, könnte aber das Fernweh anklingen lassen.

War es das, was ihre Mutter meinte, wenn sie vom Erwachsenwerden sprach? War das das Ende des einen, der Anfang des anderen? Aber was sollte sich schon ändern? Wohin sollte es gehen, das Lachen? Wohin die flüchtig aufgedrückten Küsse?
-> Mir häufen sich hier die Fragen etwas zu sehr. Ich würde vorschlagen, da ein, zwei zu streichen. Würde: "War das Ende des einen, der Anfang des anderen?"

Über den Teich, über die exotischen Tiere und Früchte, die wir einander damals in die Bäume … ”
Da fehlt mir etwas die Vorstellung, wie der Satz enden soll. Früchte in die Bäume? Normalerweise pflückt man sie doch von Bäumen. :D

Ich glaube, ich habe es mir etwas leicht gemacht.
An der Stelle kann ich zumindest vorwegnehmen, dass ich ähnlich nah am Text bleiben werde. Vielleicht ist das fürs erste Copywrite auch okay :shy::D

Soweit so kurz von mir, vielleicht war ja noch Ungesagtes dabei :)

Liebe Grüße
Vulkangestein
 
Wortkrieger-Team
Beitritt
03.07.2017
Beiträge
1.053
Hallo @Sisorus

ich mach auch zum ersten Mal beim CW mit und kann verstehen, dass du dich hier nicht zu weit aus dem Fenster lehnen wolltest. Und ich finde deine Version eigentlich ganz hübsch. Klar, du bist sehr nah dran, an Ernsts Geschichte, aber das finde ich irgendwie auch schön. Ich mag es, dass du auf die Details achtest. Man merkt, dass du dich mit Ernsts Geschichte auseinander gesetzt hast. Und sich so auf einen anderen Autor einzulassen, ist ja auch eine ganz schöne Herausforderung.

Wie viel Sisorius da jetzt drin steckt, kann ich nicht sagen, ich habe festgestellt, dass ich noch keinen deiner Texte kommentiert habe. :eek:

Ich kannte Ernst Geschichte nicht und finde es super, dass solche Schätze durch CW hervorgeholt werden.

Mit dem Titel kann ich nicht so viel anfangen. Der Bezug wird mir nicht ganz klar. Willst du damit auf den Zeitsprung hindeuten?

Jedes Staubkorn glühte in der Abendsonne. Sie hingen in der Luft wie reife Sterne, die es nur zu pflücken galt, aber wenn man nach ihnen griff, tanzten sie wilde Spiralen und ließen sich nicht fangen.
Ich finde das Bild eigentlich ganz hübsch. Staubkörner im Licht mag ich. Ich finde es nur nicht so glücklich platziert, denn diese Staubkörner im Licht könnten ja erstmal überall sein. Damit erschwerst du dem Leser den Einstieg. Ich würde auch immer von einer der Protagonisten ausgehen. Dann hat der Leser einen Startpunkt und kann der Person beim Erleben folgen. Irgendwie so:
Liesi duckte sich unter den alten Querbalken und wischte sich Spinnweben aus dem Gesicht. Vor ihr glühten Staubkörner in der Abendsonne, die durch das milchige Fenster fiel.

Du nennst ihren Namen auch erst sehr spät. Warum?

War es das, was ihre Mutter meinte, wenn sie vom Erwachsenwerden sprach? War das das Ende des einen, der Anfang des anderen? Aber was sollte sich schon ändern? Wohin sollte es gehen, das Lachen? Wohin die flüchtig aufgedrückten Küsse?
Zu viel. Besonders gegen Ende, zu kitschig. Das sind ja Liesis Fragen. So Fragen stellt kein Kind.

Franz verzog den Mund wie er es immer tat, wenn er sich geschlagen gab und schloss die Augen.
Komma nach Mund und nach gab.

Manchmal hätte sie ihn in Grund und Boden knutschen können.
Ich mag das. :herz: Bei uns heißt das verpisematuckeln, wenn man jemanden so lieb hat, das man ihn zerknuddeln könnte.

“Da sind ja lauter tote Ameisen dran! Pfui!”
Ich glaube nicht, dass er wirklich pfui sagt. Würde ich streichen.

Urkomisch, dieser Blick und der Satz zurück.
Meinst du mit Satz hier Sprung? Finde ich nicht so geschickt die Formulierung.

Diese weißen Plastikstühle mit ihren winzigen Sitzflächen
Ich hatte da erstmal so Imbissstühle vor Augen und dachte, die beiden wären draußen. Vielleicht nochmal nachschärfen, so dass der Leser sich gar nicht erst verläuft.

wie er jeden abend aus dem Zimmer heraushumpelte.
Abend groß.

Ein paar Minuten später sah sie durchs Fenster dabei zu, wie Franz’ bläulichschwarzer Volvo unter der Flatterulme entlangrollte,
Der Wagen wird ja nicht nur Franz gehören. Also entweder „wie ihr bläulichschwarzer ...“, wobei das ihr etwas missverständlich ist, oder einfach „wie der bläulichschwarze ...“

Soweit von mir. Ich hoffe, es ist was hilfreiches dabei.

Liebe Grüße,
Nichtgeburtstagskind
 
Mitglied
Beitritt
20.05.2017
Beiträge
120
Hallouuu! Grammatik und Zeichensetzung habe ich entlang eurer Vorschläge ausgebessert. Mersie. Ein paar neue Sätzchen sind nun auch eingeflossen. Ich bin mir nicht sicher, ob alle funktionieren. Nun im Detaille:

Hallo Peace-Dick aka @Friedrichard
freut mich, dass Du vorbeischaust und die Idee des Copywrites als durch meine Geschichte unversehrt ansiehst :'D
und insofern find ich Deine „Abschrift“ gelungen (bis auf den Kohlkopf, der ja nicht erst seit Birne mit einem Vorurteil zu kämpfen hat - da könnt‘ man besser den verschlüsselten „kabes“ nehmen oder noch besser den „Kürbis“, hätt‘ noch was zu grübeln und den Reformationstag – pardon, auf neudeutsch ist er ja dem Aberglauben und dem Warten auf den Großen Kürbis der Peanuts verfallen – als einschneidender Veränderung).
Ach, am blöden Gemüse spalten sich hier die Geister, wa? Ich lasses nochmal drinne, aber es steht nun auf der Ernteliste.
Hängen Sterne oder Staub(körner)? Einem Volkslied nach „stehen“ die einen am Himmelszelt und die andern „schweben“ eher hinab und werden durch jedes Lüftchen wieder aufgewirbelt …, wie ja der Schluss des Satzes
Na gut! Jetzt sinds Früchte. Ihr habt gewonnen :'D Hängende reife Früchte. Nun Gnade, bitte!
Braucht es des comichaften [‘var:tə], da die erste Silbe eh gedehnt gesprochen wird? Im Ruhrlatein (die Abschweifung sei mir gestattet) wird das "r" sowieso durchs gedehnte a verschluckt zum "waate (ma')"
Ich habe als Kompromiss eins der "a"s gelöscht. Jetzt siehts aus wien Tippfehler :lol: Das einfache "Warte" hört sich so bitter- bier- und sonstwasernst an, finde ich. Daher die etwas plumpe Verzerrung. Störts arg?

Danke Dir fürs Vorbeischauen und den Kommentar, Pax-Divitiae-Terra (womit ich mit meinem Latein offiziell am Ende bin)

Hallo @Vulkangestein
vielen Dank auch Dir fürs Vorbeispazier'n und Kommentier'n! Machst n paar echt gute Punkte.
-> Ich finde, der erste Satz könnte etwas aussagekräftiger sein. Du setzt mit glühenden Staubkörnern schon die Sprache, die du durch den Rest auch durchziehst. Aber hier könnte für mich mehr Information drin sein, z.B. noch eine räumliche Verortung (Unter dem Dach der Scheune ...) oder ein Gedanke damit verknüpft werden, der mir mehr über die Figuren erzählt. Ich weiß z.B. relativ wenig über Liesls "Hauptbeschäftigung". Vielleicht ginge da so etwas wie: "Jedes Staubkorn glühte genau so in der Abendsonne, wie Liesl es sich vom Sand der Sahara vorstellte." Wäre so vielleicht noch etwas unrund, könnte aber das Fernweh anklingen lassen.
Der erste Satz ist nun ein anderer. Zwar ohne das Fernwehthema, aber er verortet das Geschehen recht plump. Keine große Kunst, gebe ich zu. Aber funktioniert er?
-> Mir häufen sich hier die Fragen etwas zu sehr. Ich würde vorschlagen, da ein, zwei zu streichen. Würde: "War das Ende des einen, der Anfang des anderen?"
Deal.

Danke nochmal für den Kommentar, liebes Vulkangestein :) Kannste mit den Änderungen was anfangen?

Banschour @Nichtgeburtstagskind !
auch Dir vielen Dank für die Dinge, die Du tatst! (Absofort pack ich eine allgemeine Danksagung an den Anfang. Mir gehen die Ideen aus ...)
Man merkt, dass du dich mit Ernsts Geschichte auseinander gesetzt hast. Und sich so auf einen anderen Autor einzulassen, ist ja auch eine ganz schöne Herausforderung.
Freut mich, dass das durchkommt. Im Grunde wars mein Hauptziel, Ernst ein kleines Geschenk zu machen :)
Wie viel Sisorius da jetzt drin steckt, kann ich nicht sagen, ich habe festgestellt, dass ich noch keinen deiner Texte kommentiert habe.
Schande! Nein, Quark. Ka wieviel von mir in irgendeinem meiner Texte steckt. Ich bin blutiger Anfänger, habe ungefähr soviel Stil, wie n hungriger Bauarbeiter am Buffet. Da schwankt und verändert sich viel. Glaube nicht, dass man "mich" herauslesen kann.
Mit dem Titel kann ich nicht so viel anfangen. Der Bezug wird mir nicht ganz klar. Willst du damit auf den Zeitsprung hindeuten?
Einerseits der Zeitsprung, si. Vor allem aber darauf, dass der letzte Abend nicht enden wird. Jedenfalls nicht für Liesi. "Bis morgen", sagt Franz. "Bis morgen", sagt sie. Aber der Morgen ist fern. Sehr fern.
Ich finde das Bild eigentlich ganz hübsch. Staubkörner im Licht mag ich. Ich finde es nur nicht so glücklich platziert, denn diese Staubkörner im Licht könnten ja erstmal überall sein. Damit erschwerst du dem Leser den Einstieg. Ich würde auch immer von einer der Protagonisten ausgehen. Dann hat der Leser einen Startpunkt und kann der Person beim Erleben folgen. Irgendwie so:
Liesi duckte sich unter den alten Querbalken und wischte sich Spinnweben aus dem Gesicht. Vor ihr glühten Staubkörner in der Abendsonne, die durch das milchige Fenster fiel.
Hast total recht. Hab da jetzt was ziemlich einfaches vorgeklatscht. Meinste das kann was? :)
Du nennst ihren Namen auch erst sehr spät. Warum?
1. Weil Ernst es mit Franz im Original auch so macht.
2. Weil der Erzähler so nah an Liesi ist, dass man sie kaum unterscheiden kann. Für "ihn" ist "sie" also ganz klar Liesi. Betont die Perspektive mMn. Jedenfalls war das, glaube ich, Ernsts Intention :'D
Zu viel. Besonders gegen Ende, zu kitschig. Das sind ja Liesis Fragen. So Fragen stellt kein Kind.
Zu meiner Verteidigung: sie sollen Jugendliche sein. Der Franzl ist ja schon in Ausbildung! Hab trotzdem eine der Fragen gestrichen. Was meinste?
Ich mag das. :herz: Bei uns heißt das verpisematuckeln, wenn man jemanden so lieb hat, das man ihn zerknuddeln könnte.
Freut mich :) Aber sei ehrlich; "verpisematuckeln" hast Du Dir ja wohl ausgedacht! Verrücktes Wort :D
Der Wagen wird ja nicht nur Franz gehören. Also entweder „wie ihr bläulichschwarzer ...“, wobei das ihr etwas missverständlich ist, oder einfach „wie der bläulichschwarze ...“
Damit haderte ich beim Schreiben schon ne Weile. Wollte, dass es klar wird, dass Franz den Wagen fährt. Aber da gab es auch den letzten Satz noch nicht. Eigentlich dürfte der ja schon reichen. Jetzt ists "ein" Wagen.

Also danke Dir und sowieso allen und jedem sowie dem Rest :)

LG
Sisorus
 
Senior
Beitritt
12.04.2007
Beiträge
5.659
Störts arg?
Nö!
Aba "verpissematuckeln" gibbet auch im Pott, weiß aber nicht, aus welchem Sprachteich es gefischt wurde ...

Kannze mich jlauben!,

Friedel
 
Beitritt
14.08.2012
Beiträge
2.324
Sogar die Metaphern habe ich versucht danach auszuwählen, ob @ernst offshore sie benutzen würde.
An sich mag ich es ja, wenn sich einer sprachlich ein bisschen aus dem Fenster zu lehnen wagt, sich originäre, bisher ungelesene Bilder einfallen lässt („Unsere Atemwölkchen ließen ein leises Klirren hören, als sie zusammenstießen“, usw.), aber gleich mal diese ersten Sätze:
Der Dachboden war wie erfüllt von stiller Magie. Jedes Staubkorn glühte in der Abendsonne. Sie hingen in der Luft wie reife Früchte, die es nur zu pflücken galt, aber wenn man nach ihnen griff, tanzten sie wilde Spiralen und ließen sich nicht fangen.
... hm, na ja … also ohne überheblich sein zu wollen, lieber Sisorus, nein, behaupte ich jetzt einfach mal, so was würde ich nicht schreiben. :sealed:

Okay, die ursprünglichen Sterne sind jetzt rausgeflogen, aber nach wie vor kann ich mit dem Sprachbild der Staubkörner, die es wie reife Früchte zu pflücken gilt, überhaupt nix anfangen. Auch wenn mir natürlich klar ist, warum du es wählst: Du bereitest damit das nächste Bild vor, nämlich den vergeblichen Versuch, die Staubkörner zu fangen. Aber warum sollte wer versuchen, Staubkörner zu fangen, frag ich mich da unwillkürlich. Weder Franz noch Liesi tun das ja, oder? Du schreibst ja explizit „wenn man nach ihnen griff.“ (Das Indefinitpronomen hat in personal erzählten Geschichten in den allerseltensten Fällen was verloren, sag ich jetzt mal.)
Was ich sagen will: Mir scheint, du hast hier eine Metapher um der Metapher Willen entworfen und dabei völlig aus den Augen verloren, ob die Metapher der Atmosphäre des Szenarios überhaupt dienlich ist bzw. ihr gerecht wird.
Für mein Gefühl verschwurbelt verundeutlicht dieses Früchte-pflücken-wollen-Bild eine Szene, die du mit dem ersten Satz:
Der Dachboden war wie erfüllt von stiller Magie.

… ja schon ganz wunderbar eröffnest.
(Ich wäre nicht offshore, würde ich bei dem Satz nicht auch ein Haar in der Suppe finden:
Ich würde das „wie“ weglassen. Zum einen liest sich der Satz dann rhythmischer, zum anderen klingt mir das „wie“ unnötig relativierend.
Der Dachboden war erfüllt von stiller Magie.
Klingt doch besser so, oder? Und ich glaube nicht, das irgendwer Magie hier im Sinne von Hokuspokus lesen wird, ist ja keine Fantasy-Geschichte.)

Derweil steckte Franz immer noch in der Luke. Im Halbdunkel, dazu mit zerzaustem Haar und offenem Mund, sah er aus wie ein von irgendeiner Ladung herabgerollter und vergessener Kohlkopf.
Franz sieht also wie ein Kohlkopf aus. Hm.
Schon klar, du meinst seinen Kopf. Das steht aber nicht da, musst du zugeben. Und von welcher (Wagen?)Ladung sollte auf einem Dachboden irgendwas herunterfallen?
Merkst du’s, Sisorus? Auch dieses Bild ist einigermaßen schief. Noch bevor ich die Szene richtig verorten kann, führst du mich mit dem Bild schon wieder woanders hin, auf einen Markt, auf eine Straße, wo von einem Wagen was runterfällt, oder so, was weiß ich. Und sobald ich dann draufgekommen bin, dass es Liesis Sicht ist, von der ich hier lese, frage ich mich natürlich, ob sich Liesi tatsächlich so ein Bild aufdrängen würde.
Ich ahne natürlich, dass der ganze Anfang, den ich hier so gnadenlos demontiere, dir vermutlich lieb und teuer ist. Aber wie heißt es so schön? Genau: „Kill your Darlings!“*)
Was ich sagen will: Ich würde den ersten Absatz gnadenlos entrümpeln und die Bilder der Situation entsprechender malen:

Der Dachboden war erfüllt von stiller Magie. Unzählige Staubkörner glühten in der Abendsonne und umtanzten Liesi wie winzige Meteore. Von Franz war noch immer nicht mehr zu sehen als sein Kopf. Mit zerzaustem Haar und offenem Mund ragte er im Halbdunkel aus der Luke.
“Komm schon, du Träumer”, sagte sie. “Immer dasselbe mit dir!”
“Was ist, wenn deine Oma aufwacht?”
“Dann sag ich ihr, dass alles deine Idee war! Komm schon!”


Oder so. :Pfeif:

Oh Mann, jetzt hab ich fast eine Stunde nur an den ersten Zeilen herumgedoktert …
Ich glaub, ich lass das vorerst mal mit der Detailarbeit.
Aber an diesem Verbeißen in Details siehst du vielleicht schon, Sisorus, dass mir deine Geschichte nicht egal ist. Im Gegenteil, ich mochte sie wirklich sehr, ich finde es richtig berührend, was du aus der Vorlage gemacht hast.
Auch wenn ich „Witwer“ längst nicht mehr zu meinen gelungensten Geschichten zähle, so ist sie doch die, in der mein meistes Herzblut drinsteckt. Tatsächlich entstand die Geschichte damals als quasi so eine Art kleiner Würdigung der Liebe meiner Eltern zueinander. (Auch wenn die Rollen insofern vertauscht waren, dass es im wirklichen Leben meine Mutter war, die sehr früh ihren Mann verlor. Und die dann über dreißig Jahre lang als Witwe lebte, nicht weil es ihr an Verehrern gemangelt hätte – sie war bis ins hohe Alter eine ungemein attraktive Frau – nein, einfach deshalb, weil es ihr vollkommen undenkbar erschien, nach der „Liebe ihres Lebens“ eine weitere Beziehung einzugehen. Ja, war gewissermaßen eine „märchenhafte" Liebe …)
Und für die Figur der Liesi wiederum stand mir B. Patin, die erste große Liebe meines eigenen Lebens.
So gesehen hast du dir mit der Geschichtenwahl natürlich eine ziemlich große Kiste vorgenommen, aber ich muss sagen … doch, du hast sie bravourös geschultert. Ich finde es wirklich schön, wie sich deine Szenen wie fehlende Puzzlesteine in meinen Entwurf einfügen und trotzdem auch für sich stehen können.

Also ein dickes Lob von mir, auch dafür natürlich, dass du offenbar auch fleißig andere Geschichten von mir gelesen hast. Zumindest meinte ich, da und dort ein paar Zitate und stilistische Anleihen zu entdecken. („glosen“ usw.)

Also, Sisorus, vielen Dank für diesen schönen Text.

offshore



*) Der große William Goldman gab übrigens einen einfachen Rat, wie man einen guten Text schreibt:
Schreibe den besten Text, den du zuwege bringst, und kürze ihn um das schlechteste Drittel. Kürze das Übrige wiederum um ein Drittel. Übrig bleibt ein guter Text.
:D
 
Zuletzt bearbeitet:
Mitglied
Beitritt
20.05.2017
Beiträge
120
Ah! Der Autor himself @ernst offshore :herz:
Was für ein liebevoller und aufmerksamer Kommentar, vielen Dank!
... hm, na ja … also ohne überheblich sein zu wollen, lieber Sisorus, nein, behaupte ich jetzt einfach mal, so was würde ich nicht schreiben.
Haha na gut, na gut. Ich glaube, ich gab mich mit dem Anfang zu schnell zufrieden. Er entstand aus einer oberflächlichen Suche nach einer "schnulzigen" Metapher. Und was gibt es da besseres als Sonnen und Früchte und Sterne und Glühwürmchen und Tänze :'D? Nein, nein. Du hast völlig recht. Ist Quark. Ich setze mich da nochmal dran, hab ihn gerade schonmal provisorisch ersetzt (deinen Vorschlag zum Kohlkopf fast verbatim übernommen), bin aber noch nicht ganz zufrieden.
Du schreibst ja explizit „wenn man nach ihnen griff.“ (Das Indefinitpronomen hat in personal erzählten Geschichten in den allerseltensten Fällen was verloren, sag ich jetzt mal.)
DAS! DAS stört mich am meisten. Wirklich hässlich, Du hast völlig recht. Ist mir total durch die Lappen gegangen. Pfui!
Der Dachboden war erfüllt von stiller Magie.
Ob Du es glaubst oder nicht, das war die ursprüngliche Version. Das "wie" schlich sich sogar genau aufgrund der Angst ein, die Du benennst. Fliegt wieder raus.
Ich ahne natürlich, dass der ganze Anfang, den ich hier so gnadenlos demontiere, dir vermutlich lieb und teuer ist.
Lieb und teuer sind mir die Dinge zwischen meinen Ohren und meinen Beinen. Auf dem Rest darf man herumhacken, keine Sorge :) Vor allem, wenn man es so gründlich und konstruktiv macht wie Du. Ich mach noch ne Kiste aus dem Ganzen. Die Story steht zwar längst, aber die "Bearbeiten"-Funktion werde ich sicher noch des Öfteren nutzen.
So gesehen hast du dir mit der Geschichtenwahl natürlich eine ziemlich große Kiste vorgenommen, aber ich muss sagen … doch, du hast sie bravourös geschultert. Ich finde es wirklich schön, wie sich deine Szenen wie fehlende Puzzlesteine in meinen Entwurf einfügen und trotzdem auch für sich stehen können.
Das hinter der Geschichte so viel steckte, konnte ich natürlich nicht ahnen. Aber mir fiel durchaus auf, dass sie sehr ehrlich ist. Auch sehr frei vom philosophischen Ballast, vom Zynismus mag man sagen, der viele Deiner restlichen Geschichten durchzieht. Eine meiner Notizen zu Dir:
Schöne Dinge verdienen, brauchen Opfer.
Im Witwer nicht. Im Witwer ist die Schönheit Schönheit. Nicht erkauft, nicht erkämpft und nicht vergolten.
Ernst, es freut mich sehr, wirklich sehr, dass die Geschichte Dir eine Freude machen konnte.
Also ein dickes Lob von mir, auch dafür natürlich, dass du offenbar auch fleißig andere Geschichten von mir gelesen hast. Zumindest meinte ich, da und dort ein paar Zitate und stilistische Anleihen zu entdecken. („glosen“ usw.)
Ich glaube, ich las sie alle. Jedenfalls die, die die Suchfunktion aus den Eingeweiden des Forums kratzen konnte. Und ja, es sollte, bis zu einem gewissen Grad, eine Deiner Geschichten werden. Oder eben unsere, wenn man so will :) Das ist sicher etwas anmaßend, schließlich kennen wir uns nicht wirklich, aber ich bin ein furchtbarer Großkotz und Egomane. Solche Dinge nehme ich mir ganz ungeniert heraus :'D
Also, Sisorus, vielen Dank für diesen schönen Text.
Danke Dir Ernst. Für die vielen Texte, die ich von Dir lesen durfte. Und für diesen wirklich rührenden Kommentar.

LG
 
Zuletzt bearbeitet:
Wortkrieger-Team
Beitritt
19.05.2015
Beiträge
2.040
Hallo @Sisorus

ich habe bisher nichts von dir gelesen. Schätzungsweise nach der Lektüre dieses Textes hat sich daran nichts geändert, denn ich erkenne eine Menge @ernst offshore -Kopie, aber kaum etwas, das dich mir als Autor greifbar machen könnte. Ein paar stilistische Feinheiten entdecke ich, sprachlich geschmeidig erzählt, was mir gut gefällt.
Als Copy-Write hätte ich mir etwas mehr Freiheiten gewünscht, aber sie's drum, ich mag halt auch die ernt'sche Melancholie, die Wehmut, die oft nur knapp am Kitsch vorbeischrammt. Was dir auch gelingt.
Die Figuren bleiben mMb ein wenig künstlich, besonders von der Liesi habe ich kaum eine Vorstellung.

Paar Textstellen:

Der Dachboden war erfüllt von stiller Magie. Müde Schatten streckten in den Winkeln ihre Glieder und unzählige Staubkörner fingen das Feuer der Abendsonne, verstreuten es im Raum.
du hast kaum ein Verlust, wenn die die Adjektive streichst. Gibt noch mehr solcher Steichchancen im Text.

Seine Stimme holte sie zurück in die glosende G
aha, hab gerade gelsen, dass du losen von Ernst hast, trotzdem ein hässliches Wort

Da waren Wölbungen, Vertiefungen, Schwielen. War es das, was ihre Mutter meinte, wenn sie vom Erwachsenwerden sprach?
schöne Stelle :Pfeif:

Die Blätter nahmen den Wind in sich auf, hielten ihn für einen Moment fest und gaben ihn dann wieder frei, sodass die letzten Sonnenstrahlen des Tages im Takt ihres Atems in den Raum gestreut wurden.
auch hier ein starkes Bild

Ein paar Minuten später sah sie durchs Fenster dabei zu, wie ein bläulichschwarzer Volvo unter der Flatterulme entlangrollte, die Schatten der Blätter auf dem Dach ein wenig weiter trug und schließlich verschwand.
“Komm schon, du Träumer”, sagte sie.
du lässt den Text gut ausklingen, d a weht was nach

viele Grüße aus dem Frühlingstaunus
Isegrims
 
Mitglied
Beitritt
20.05.2017
Beiträge
120
Hallo @Isegrims !
Freut mich sehr, dass Du vorbeischaust. Und ja, Du hast recht. Ich war hier vielleicht feige, hab mich zu wenig getraut. Gleichzeitig
Schätzungsweise nach der Lektüre dieses Textes hat sich daran nichts geändert, denn ich erkenne eine Menge @ernst offshore -Kopie, aber kaum etwas, das dich mir als Autor greifbar machen könnte.
weiß ich selbst gar nicht, was mich als Autor definieren würde. Ich bin auf der Suche. Eine ganze Weile schon. Schreibe dieses, schreibe jenes, versuchs mit Überfluss und Sparsamkeit, Ausgelassenheit und Beherrschung, und komme doch zu keinem Punkt. Ich habe keine Sprache, kein Idiom, keine Stimme, höchstens einen leisen Grundton. Stilfindung ist und bleibt auf jeden Fall eine meiner großen Baustelle.
du hast kaum ein Verlust, wenn die die Adjektive streichst. Gibt noch mehr solcher Steichchancen im Text.
Ja, Du hast recht. Ich sollte da etwas disziplinierter sein. Ich sehe heute nochmal drüber. Danke Dir :)
aha, hab gerade gelsen, dass du losen von Ernst hast, trotzdem ein hässliches Wort
Haha, ich mag das Wort total! Was stört dich daran?
du lässt den Text gut ausklingen, d a weht was nach

viele Grüße aus dem Frühlingstaunus
Isegrims
Vielen Dank nochmal, lieber Isegrims. Für die Offenheit und natürlich auch das Lob. Wir lesen voneinander!

LG
 
Senior
Beitritt
21.12.2015
Beiträge
1.256
Hallo Sisorus,

ich habe lange überlegt, wie ich deine Geschichte kommentieren sollte.
Du hast wirklich ein schwieriges Los erwischt. Da hatten schon einige ihre Schwierigkeiten, den Grat zwischen Unterwerfung oder Flucht zu gehen. Es geht ein starker Sog von Ernst's Texten aus. Wenn man die Poesie seiner Bilder und Dialoge übertreffen will, braucht man ein ordentliches Selbstbewusstsein.

Ich bin auf der Suche. Eine ganze Weile schon. Schreibe dieses, schreibe jenes, versuchs mit Überfluss und Sparsamkeit, Ausgelassenheit und Beherrschung, und komme doch zu keinem Punkt. Ich habe keine Sprache, kein Idiom, keine Stimme, höchstens einen leisen Grundton. Stilfindung ist und bleibt auf jeden Fall eine meiner großen Baustelle.
Dieser Kommentar von dir hat mich gerührt und empört. Inzwischen hast du deinen Text ja schon bearbeitet. Für sich genommen, gefällt er mir sehr gut. Die Bilderflut, zu der du neigst, ist etwas gebändigt, besser nachvollziehbar für jemanden wie mich, die ich mich der präzisen, manchmal minimalistischen, pointierten Sprache verschrieben habe. In der jetzigen Form habe ich ihn gerne gelesent, auch wenn manche ihn immer noch zu nahe an die Vorlage angekettet sehen.

Also, was hat mich gerührt und empört?

"Ich habe keine Sprache, kein Idiom, keine Stimme, höchstens einen leisen Grundton."

Warum diese Verzweiflung? Das ist wahrhaftig nicht wenig, lieber Sisorus. Ich meine, es kommt nur darauf an, diesen leisen Grundton zu pflegen. Du findest ihn bestimmt in deinen Texten, die dir besonders am Herzen liegen, als das, was für dich unverzichtbar ist. Das müssen nicht unbedingt die von der Community am besten beurteilten Texte sein. Du kannst dir vornehmen, diesen Grundton zum tragenden Element einer neuen Geschichte zu machen. Hilfreich könnte sein, sich einen spannenden Plot zu überlegen. Es sollte etwas passieren, was den Leser bei der Stange hält. Poesie und Plot sind dafür starke Fesseln. Der Rest ist Erfahrung. Es ist übrigens meine Erfahrung, die ich dir hier verrate.;)

aufmunternde Grüße
wieselmaus
 
Zuletzt bearbeitet:

Letzte Empfehlungen

Neue Texte

Neue Beiträge

Anfang Bottom