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Feste Formen

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Feste Formen

Juter Film.
Saujut.
Zustimmung.
Und nu? Der junge Abend unbeendet, offen und formbar, formfordernd. Halbkahle Köpfe zwischen den Altbaufassaden, schwere Körper, Jeans, Lederjacken, die Augen tief im Schädel. Zur Kneipe. Bierchen. Zwei, Drei. Nicht Genuss, Gewohnheit.
Das Spiel, Fred? Müdes Nicken zum Flachbildschirm über der Kneipe.
Richtig scheiße, Ulli. Wieder Nicken, Augen und Tresen bierverklebt. Leere Gläser, dann kreisrunde Flecken, dann volle Gläser. Lauf der Dinge.
Und der Motor des Ganzen, die alte Wirtin, kaum auszumachen im holzfarbenen Kleid. Aber hörbar. Rasseln. Schlag auf die Brust, dann auf die Theke. Ärzte, alles Pfuscher. Kohle, Kohle, immer Kohle.
Zaster, och! Lachen, Kopfschütteln, auch gleichzeitig.
Mensch, Ulli!
Was? Was?
Zahnlücken, schwarz oder gold. Alles dazwischen, Murks. Alles darüber hinaus, nix für echte Männer. Noch eens!
Die Luft draußen dunkel, aber nicht kälter als zuvor. Wenig fahrende Autos auf der Lessingstraße. Schwebende Lichtschmiere über unsichtbaren Laternenpfählen.
Eine Sache, Fred. Nur eine. Also?
Fred der Denker: Kopf zur Seite gelegt, Hand zwischen den Beinen und die Augen schmal. Sein Blick auf den schwankenden Endlosfassaden. Oder eben ein schwankender Blick. Vielleicht beides.
Wie ‘ne riesige Welle aus Beton, Mensch.
Was?
Ne Muschi, Ulli. Meine Sache. Eine feuchte Muschi. Auf Stöckelschuhe. Jo.

Zufriedenes Brummen im Halblicht des Hausflurs. Fred noch in der Dunkelheit und wieder in Gedanken, die Beine beschwert mit Stein und Asphalt.
Rin jetze! Essen und Pennen.
Jau, jau.

Licht, Stufen, Tür, ein Teller von Ullis Suppe und dann das Bett. Keine Dunkelheit am Sockel der Welle.
 
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Hi @Sisorus,

hab etwas übrig für Telegrammstil und war deshalb am Anfang deiner Geschichte sehr gespannt. Allerdings fehlte mir zum Schluss das Ende und die Entwicklung. Oder ich hab's nicht mitbekommen, weil doch zu kurz + knapp beschrieben. Romantik???
Ich habe zwar ein vages Bild von Fred und Ulli, aber deine Geschichte lässt da sehr viel Spielraum für den eigenen Film im Kopf. Würde mich schon interessieren, wie du sie siehst.
Grüße von Snowmaid
 
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Hallo @Snowmaid !
Vielen Dank erstmal fürs Lesen! Der Text war insofern als "Experiment" gedacht, als dass kein einziges Verb darin vorkommen sollte. Und ohne Verben (so mein Gedanke) passiert auch nichts. Ein Tag dessen Existenz unerheblich ist, weil sich nichts entwickelt, nichts bewegt, er ist völlig getrennt von gestern und morgen, isoliert, aber gleichsam auch eine Nische Ruhe in einer Welt, der Stadt, deren oberste Maxime gerade die Veränderung ist. Fred und Ulli haben sich ihre kleine Höhle gegraben, geben sich gegenseitig Zuflucht, Wärme (daher die "Romantik", womit ich aber zugegebenermaßen kokettieren wollte) diese zwei Verkörperungen des harten Mannes, und faseln dabei von Spielen und Muschis, um ihre symbolischen Män(n)tel dabei nicht ablegen zu müssen. Sie existieren am Fuß, Sockel einer riesigen Welle aus Beton. Das waren soweit meine Gedanken dazu. An sich also ein kleines Stil-Experiment, um herauszufinden, ob und wie ein solcher Stil funktioniert. Fandest du ihn denn prinzipiell gut lesbar?

LG
Sisorus
 
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Hallo @Sisorus ,
Der Text war insofern als "Experiment" gedacht, als dass kein einziges Verb darin vorkommen sollte.
Das hast du ziemlich gut hinbekommen. An vielen Orten, wie zum Beispiel am Anfang, habe ich die Verben kaum vermisst. Die Romantik kann ich leider nicht ganz nachvollziehen.
Der junge Abend unbeendet, offen und formbar, formfordernd.
Die Stelle hat mir sehr gut gefallen. Bringt die Situation gut auf den Punkt.
Fandest du ihn denn prinzipiell gut lesbar?
Das leider nicht überall. Aber das kann man bei dem Experiment auch nicht unbedingt erwarten. Dennoch eine nette Idee.

Liebe Grüße,
Träumerle
 
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Hallo @Sisorus ,

Das hast du ziemlich gut hinbekommen. An vielen Orten, wie zum Beispiel am Anfang, habe ich die Verben kaum vermisst. Die Romantik kann ich leider nicht ganz nachvollziehen.

Die Stelle hat mir sehr gut gefallen. Bringt die Situation gut auf den Punkt.

Das leider nicht überall. Aber das kann man bei dem Experiment auch nicht unbedingt erwarten. Dennoch eine nette Idee.

Liebe Grüße,
Träumerle

Hallo @Träumerle,

schön, dass du vorbeigeschaut hast :) Ja, vielleicht habe ich eine etwas eigene Vorstellung von "Romantik", sehe ich ein :D Ich fand selbst, dass der Text sich trotz seiner Einschränkung überraschend gut liest, weswegen ich mich überhaupt dazu entschied ihn zu teilen. Vielleicht werde ich in dieser Form demnächst eine etwas längere Geschichte schreiben, mal sehen. Es wäre mir aber auf jeden Fall eine große Hilfe, wenn du mir genauer sagen könntest, wo die Sprache dich hat stolpern lassen. Was funktioniert nicht?

Vielen Dank fürs Lesen und liebe Grüße,

Sisorus
 
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Hallo @Sisorus ,
Ja, vielleicht habe ich eine etwas eigene Vorstellung von "Romantik", sehe ich ein :D
Gar kein Problem. Verschrobenheit kann einen Text richtig gut machen. Nur würde ich davon abraten, wenn du keine Verben benutzen willst. Da fehlt dir eventuell die Möglichkeit, diese Vorstellungen zu erklären.
Es wäre mir aber auf jeden Fall eine große Hilfe, wenn du mir genauer sagen könntest, wo die Sprache dich hat stolpern lassen. Was funktioniert nicht?
Nun denn... An die Arbeit.
Juter Film.
Saujut.
Zustimmung.
Und nu? Der junge Abend unbeendet, offen und formbar, formfordernd. Halbkahle Köpfe zwischen den Altbaufassaden, schwere Körper, Jeans, Lederjacken, die Augen tief im Schädel. Zur Kneipe. Bierchen. Zwei, Drei. Nicht Genuss, Gewohnheit.
Das Spiel, Fred? Müdes Nicken zum Flachbildschirm über der Kneipe.
Richtig scheiße, Ulli. Wieder Nicken, Augen und Tresen bierverklebt. Leere Gläser, dann kreisrunde Flecken, dann volle Gläser. Lauf der Dinge
Wie schon früher angemerkt: Der Anfang ist super gelungen.
Und der Motor des Ganzen, die alte Wirtin, kaum auszumachen im holzfarbenen Kleid. Aber hörbar. Rasseln. Schlag auf die Brust, dann auf die Theke. Ärzte, alles Pfuscher. Kohle, Kohle, immer Kohle.
Ich schreibe einfach mal, was ich hier gelesen habe. Das kannst du dann mit deiner Intention abgleichen.
Die Wirtin steht im Mittelpunkt, hat Lungenprobleme und für Ärtzte nichts übrig, weil sie ihr zu teuer sind.
Zaster, och! Lachen, Kopfschütteln, auch gleichzeitig.
Mensch, Ulli!
Reden die immernoch über geldgeile Ärzte oder schon über den Bierpreis?
Bei Ersterem frage ich mich, ob der Abschnitt davor keine allgemeine Information war, die der Erzähler nur dem Leser mitgeteilt hat. So kam es nämlich rüber.
Bei Option zwei finde ich den Übergang nicht so schön. Von Geld für die Ärzte zu Geld für das Bier ist ganz schön verwirrend.
Was? Was? Zahnlücken, schwarz oder gold. Alles dazwischen, Murks. Alles darüber hinaus, nix für echte Männer.
Wessen Zahnlücken? Hier hast du mich verloren.
Noch eens!
Die Luft draußen dunkel, aber nicht kälter als zuvor. Wenig fahrende Autos auf der Lessingstraße. Schwebende Lichtschmiere über unsichtbaren Laternenpfählen.
Eine Sache, Fred. Nur eine. Also?
Fred der Denker: Kopf zur Seite gelegt, Hand zwischen den Beinen und die Augen schmal.
"Noch eens!", Würde doch eigentlich andeuten, dass es in der Kneipe weitergeht, aber dann sind sie plötzlich draußen. Abgesehen davon und von der beginnenden "Romanze" am Ende jedoch auch gut lesbar.
Sein Blick auf den schwankenden Endlosfassaden. Oder eben ein schwankender Blick. Vielleicht beides.
Wie ‘ne riesige Welle aus Beton, Mensch.
Was?
Auch ganz gut.
Ne Muschi, Ulli. Meine Sache. Eine feuchte Muschi. Auf Stöckelschuhe. Jo
Da wären wir nun bei deiner Erotik, wo ich mir schwer tue, ihr zu folgen.
Zufriedenes Brummen im Halblicht des Hausflurs. Fred noch in der Dunkelheit und wieder in Gedanken, die Beine beschwert mit Stein und Asphalt.
Rin jetze! Essen und Pennen.
Jau, jau.

Licht, Stufen, Tür, ein Teller von Ullis Suppe und dann das Bett. Keine Dunkelheit am Sockel der Welle.
Auch nicht schlecht. Sie kommen nach Hause und gehen ins Bett.
Falls du jedoch die Romantik hier auch irgendwo eingebaut hast, um sie nicht einfach draußen auf der Straße liegen zu lassen: Das bemerkt man nicht.

Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen. Bin gespannt, wie der nächste Text aussieht.

Liebe Grüße,
Träumerle
 
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Hallo @Sisorus ,

Gar kein Problem. Verschrobenheit kann einen Text richtig gut machen. Nur würde ich davon abraten, wenn du keine Verben benutzen willst. Da fehlt dir eventuell die Möglichkeit, diese Vorstellungen zu erklären.

Nun denn... An die Arbeit.

Wie schon früher angemerkt: Der Anfang ist super gelungen.

Ich schreibe einfach mal, was ich hier gelesen habe. Das kannst du dann mit deiner Intention abgleichen.
Die Wirtin steht im Mittelpunkt, hat Lungenprobleme und für Ärtzte nichts übrig, weil sie ihr zu teuer sind.

Reden die immernoch über geldgeile Ärzte oder schon über den Bierpreis?
Bei Ersterem frage ich mich, ob der Abschnitt davor keine allgemeine Information war, die der Erzähler nur dem Leser mitgeteilt hat. So kam es nämlich rüber.
Bei Option zwei finde ich den Übergang nicht so schön. Von Geld für die Ärzte zu Geld für das Bier ist ganz schön verwirrend.

Wessen Zahnlücken? Hier hast du mich verloren.

"Noch eens!", Würde doch eigentlich andeuten, dass es in der Kneipe weitergeht, aber dann sind sie plötzlich draußen. Abgesehen davon und von der beginnenden "Romanze" am Ende jedoch auch gut lesbar.

Auch ganz gut.

Da wären wir nun bei deiner Erotik, wo ich mir schwer tue, ihr zu folgen.

Auch nicht schlecht. Sie kommen nach Hause und gehen ins Bett.
Falls du jedoch die Romantik hier auch irgendwo eingebaut hast, um sie nicht einfach draußen auf der Straße liegen zu lassen: Das bemerkt man nicht.

Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen. Bin gespannt, wie der nächste Text aussieht.

Liebe Grüße,
Träumerle

Hallo Träumerle,
sehr lieb, dass du dir die Mühe gemacht hast noch mal über den Text zu schauen. Danke! Ich kann deine Fragen gut nachvollziehen, werde sie jedoch nicht hier beantworten, sondern lieber die kritischen Punkte im Text überdenken und gegebenenfalls verändern. Alles andere wäre schließlich billiges Gespoile, nicht? :D

Vielen Dank, dir und liebe Grüße,

Sisorus
 
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Frisch gewagt, nur halb gewonnen, gedenke ich, wenn es in einer Antwort heißt
Der Text war insofern als "Experiment" gedacht, als dass kein einziges Verb darin vorkommen sollte. Und ohne Verben (so mein Gedanke) passiert auch nichts.
Also ein ellipsoider Satz(auf)bau oder doch eher Satz(ab)bau als sprachlicher Brandbeschleuniger (als solchen setz ich Ellipsen ein).

Ein Vorsatz, der an sich misslingen muss, wenn wir bedenken, dass im Deutschen (und sicherlich auch einigen Sprachen mehr) wenn schon nicht jede Wortart, so doch die meisten in eine andere Wortart überführt werden oder sich verwandeln können, wenn etwa ein Bäcker zu Backendes zu einem G/gebackenen/Gebäck verwandelt. Wie Du siehst,

Sisorus,

und vor allem das Partizip I beschreibt Geschehen(des) als andauernd und somit unvollendet (das laufende Geschäft im Gegensatz zum gelaufenen). Partizip II bezeichnen als Abstrakta durch anhängen etwa der Nachsilbe -sein oder -ung (und weiteren Endungen) einen erreichten Zustand („Erregtsein, Erregung“) usw. usf. Wie hier
Saujut.
Zustimmung.

Sprache ist flexibler, als man denkt - ohne unbedingt die Schulgrammtik auszuhebeln, die Anregungen stammen übrigens aus einem älteren Duden (Bd. 4, 5. Aufl., 1995!, direkt vor der kultusministeriösen Rechtschreibreform, die 2006 alles andere als vollendet war und die heutigentags noch durch den Rat für Rechtschreibung weitergeführt wird – man könnte auch behaupten, repariert wird. Hätt‘ ich das 2006 gewusst, ich hätte mir nicht Bd. 1 und 4 in diesem verflixten Jahr besorgt, allein die Etymologie wirkt zeitlos …Aber den Gedanken einer permanenten Reformation find ich in Ordnung, selbst wenn ich ab und zu finde, dass Einführungen oder auch nur Anmerkungen wie zu "lol" etwa die Dudenredaktion auf jeden Blödsinn reagieren lässt, wenn er nur oft genug verbreitet wird (so was steht uns im Großen mit der Einführung der permanenten Sommerzeit noch bevor ...) Aber weiter geht's

Hinzu kommen noch Scheinpartizipien wie „gestreift, geblümt“, die nicht auf Verben, sondern Substantiven (Streifen, Blume i. d. Folge.) basieren. Aber das Steuerrecht – lass es Dir von einem alten, gebrechlichen Mann sagen - ist viel komplizierter als ein bloßes Bilanzsprungrisiko …

Der Text – jetzt hab ich nicht aufs Einstellungsdatum geachtet – wirkt auf mich wie der Vorläufer des Apfelbaummotivs … und dass sich Dein Vorsatz nicht absolut realisierten lässt, kommt in der Infinitvbildung
..., die alte Wirtin, kaum auszumachen im holzfarbenen Kleid
zu Tage, kein Beinbruch. Aber hier sag ich „nö“,
Auf Stöckelschuhe. Jo.
selten tritt jemand auf „die“ Stöckelschuhe (Akk.), wäre ein sehr knapper und barfüßig schmerzlicher Laufraum, sondern eher zumeist im Dativ auf „den Stöckelschuhen“ auf einem Weg.

Bis bald

Friedel
 
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Hallöchen @Friedrichard ,
die Texte sind, das hast du ganz richtig erkannt, nah beieinander entstanden. Ich muss gestehen, dass ich bei deinem Kommentar nicht ganz mitkomme. Zielt die Kritik auf das Vorhaben an sich, die Konsequenz der Umsetzung oder die literarische Qualität des Produkts? Dass Partizipien auf Verben basieren (grammatikalisch einige ihrer Eigenschaften beibehalten) ist mir bewusst. Sie sind aber dennoch klar unterscheidbar von Verben, nicht? Was genau stört dich an der Infinitivkonstruktion? Das Verb an sich (sein) wurde doch den Kommata einverleibt? Darf ich deinen Kommentar so verstehen, dass du dir mehr Konsequenz meinerseits gewünscht hättest? Also Verzicht auf Verbstämme etc?

Zu die Stöckelschuhe: im Berlinerischen hat man noch nie zwischen Akkusativ und Dativ unterschieden jehabt, wenn ick mir recht entsinne. Dat der Kerl nich janz korrekt berlinert, is Absicht jewesen, aba jut, wenne mir sachst dat dit ne halbgare Idee gewesen wahr, glob ich dir dit ooch. Keene halben Sachen mehr, wa!?
 
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30.12.2018
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Hi @Sisorus

ich find's super! :)
Klar, es passiert nicht viel, war ja auch dein Ansatz. Aber du hast da ein paar tolle Sätze drin, die ich sofort mal rausklauben muss:

Bierchen. Zwei, Drei. Nicht Genuss, Gewohnheit.

Richtig gut, das sagt so viel aus. Ich kann sie mir direkt vorstellen, jeden Abend derselbe Ort, immer das gleiche Bier, immer dieselben Gespräche. Nicht Genuss, Gewohnheit eben. Man weiß nicht, was man sonst tun soll.

Leere Gläser, dann kreisrunde Flecken, dann volle Gläser. Lauf der Dinge.

Auch hier wieder, gekonnt wie ich finde.

Rasseln. Schlag auf die Brust, dann auf die Theke. Ärzte, alles Pfuscher.

Die kann ich mir auch super vorstellen. So eine mit kurzen schwarz-gefärbten Haaren. Höre das Lachen direkt im Kopf. :D

Zahnlücken, schwarz oder gold. Alles dazwischen, Murks. Alles darüber hinaus, nix für echte Männer.

Meine Lieblings-Stelle! :thumbsup: Interpretiere ich das richtig? Entweder, die Zähne haben eine Goldummantelung bekommen oder sterben dazwischen einfach weg? Und alles darüber hinaus, also: Zahnhygiene, Zahnarzt, Zahnersatz, etc. ist natürlich nichts für echte Männer?

Spitze!

Schwebende Lichtschmiere

Top!

Alles in allem funktioniert das echt richtig gut für mich. :) Du hast ein Gespür für diese Art von Szenerie, diese trostlos verlassene Plattenbau-Ästhetik. Hab natürlich auch direkt die Apfelbaum-Geschichte darin wiedererkannt. ;)

Generell finde ich auch toll, wenn Autoren experimentieren und was Neues versuchen. Also Respekt auch dafür.

Oh, eine Anmerkung:

Augen und Tresen bierverklebt.

Hier hing ich kurz. Würde vielleicht einfach nur »verklebt« schreiben, denn die Augen können nicht wirklich bierverklebt sein. Wenn du einfach »verklebt« schreibst, weiß man direkt, was gemeint ist.

Viele liebe Grüße, PP
 
Senior
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Ziel der Kritik, wenn's denn überhaupt eine ist,

Sisorus,

ist der Hinweis, dass solche Versuche wie einn Ausschluss einer der wichtigsten Wortarten überhaupt, nie völlig gelingen wird im Karneval der Wortarten, selbst wenn die Partizipien zu Adjektiven gerinnen.

Die Infinitivkonstruktion stört keineswegs, denn was könnte an einer gelungenen Konstruktion falsch oder misslungen sein oder überhaupt stören?

Nix!

Aber Partizipien sind ohne Verben (ihr Muttertier quasi) gar nicht möglich und die Herkunft schwingt immer mit, selbst wenn sie sich als Adjektiv verkleiden, die Minuskel in der Substantivierung gegen die Majuskel tauschen. Sie scheuen sich nicht, etwas anderes zu werden als sie sind oder waren und können doch nicht ihre Herkunft verleugnen.
Die vier Eingangsworte - in alfabetischer Reihenfolge - frisch, gewagt, gewonnen, halb - gehen ohne Hilfsverb in die gleiche Richtung - das einschränkende "nur" könnt' auch ein "immerhin" bedeuten - eben, weil Sprache nix Absolutes ist. Dem Gebackenen erkennt man die Herkunft vom Verb "backen", dem "Geblümten" sieht man die Leichtigkeit der Blume an.

Genug geplaudert für heute vom

Friedel
 
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20.05.2017
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@PlaceboParadise
Freut mich, dass du diesem kurzen Text soviel abgewinnen konntest :) das mit den Zähnen hast du ganz richtig verstanden (die Stelle mag ich selbst ganz gern hehehe. freut mich also, dass sie bei dir ankam!).
Das "bierverklebt" überlege ich mir nochmal. Danke für den Hinweis :)!

@Friedrichard
Sprache ist sehr wohl absolut, hat wenigstens das Potenzial dazu, denn mindestens absolut verwirrend kann sie durchaus sein! :) Danke für die Erläuterung. Manchmal brauche ich die Dinge etwas aufgeschlüsselt.

LG

Sisorus
 
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01.12.2015
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Hallo @Snowmaid !
Vielen Dank erstmal fürs Lesen! Der Text war insofern als "Experiment" gedacht, als dass kein einziges Verb darin vorkommen sollte. Und ohne Verben (so mein Gedanke) passiert auch nichts. Ein Tag dessen Existenz unerheblich ist, weil sich nichts entwickelt, nichts bewegt, er ist völlig getrennt von gestern und morgen, isoliert, aber gleichsam auch eine Nische Ruhe in einer Welt, der Stadt, deren oberste Maxime gerade die Veränderung ist. Fred und Ulli haben sich ihre kleine Höhle gegraben, geben sich gegenseitig Zuflucht, Wärme (daher die "Romantik", womit ich aber zugegebenermaßen kokettieren wollte) diese zwei Verkörperungen des harten Mannes, und faseln dabei von Spielen und Muschis, um ihre symbolischen Män(n)tel dabei nicht ablegen zu müssen. Sie existieren am Fuß, Sockel einer riesigen Welle aus Beton. Das waren soweit meine Gedanken dazu. An sich also ein kleines Stil-Experiment, um herauszufinden, ob und wie ein solcher Stil funktioniert. Fandest du ihn denn prinzipiell gut lesbar?

LG
Sisorus
HI @Sisorus,
war leider aus Zeitmangel wieder eine Weile abgetaucht. Deshalb erst jetzt: als Stilexperiment find ich´s gut ;)
Grüße vom Snowmaid
 
Mitglied
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19.03.2019
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Hallo @Sisorus
Der Text war insofern als "Experiment" gedacht, als dass kein einziges Verb darin vorkommen sollte.
Finde, das liest sich sehr flott - erinnert von der Sprachmelodie ein wenig an ein Drum-Solo, so tack! tack! tack! Tusch! Die Dialoge find ich gut in den Text eingeflochten, lockern das ganze ein wenig auf. Diese abgehackten Sätze, die passen auch gut zur Handlung - zwei Besoffene torkelnd zwischen Kneipe und Betonwelt - und gerade wenn man besoffen ist (übel besoffen) neigt man ja
zur Einsilbigkeit, und ist nicht mehr imstande vollständige Sätze zu formulieren.
Weiß nicht, ob dieser Schreibstil bei einem längeren Text funktioniert, oder ob es für den Leser dann zu anstrengend wird. Ich würds an deiner Stelle aber mal ausprobieren, weil ich diesen kurzen Text insgesamt gut gemacht finde.
Sein Blick auf den schwankenden Endlosfassaden. Oder eben ein schwankender Blick. Vielleicht beides.
Oh yes!:D
Hab ich gern gelesen.
Gruß
balon
 
Mitglied
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20.05.2017
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HI @Sisorus,
war leider aus Zeitmangel wieder eine Weile abgetaucht. Deshalb erst jetzt: als Stilexperiment find ich´s gut ;)
Grüße vom Snowmaid
Willkommen zurück @Snowmaid ;)
Alles gut :) stecke gerade selbst mitten in einem Umzug und bin dementsprechend inaktiv. Danke dir nochmals für's Lesen!
Hallo @Sisorus

Finde, das liest sich sehr flott - erinnert von der Sprachmelodie ein wenig an ein Drum-Solo, so tack! tack! tack! Tusch! Die Dialoge find ich gut in den Text eingeflochten, lockern das ganze ein wenig auf. Diese abgehackten Sätze, die passen auch gut zur Handlung - zwei Besoffene torkelnd zwischen Kneipe und Betonwelt - und gerade wenn man besoffen ist (übel besoffen) neigt man ja
zur Einsilbigkeit, und ist nicht mehr imstande vollständige Sätze zu formulieren.
Weiß nicht, ob dieser Schreibstil bei einem längeren Text funktioniert, oder ob es für den Leser dann zu anstrengend wird. Ich würds an deiner Stelle aber mal ausprobieren, weil ich diesen kurzen Text insgesamt gut gemacht finde.

Oh yes!:D
Hab ich gern gelesen.
Gruß
balon
Ja moin @balon !
Freut. Mich. Das. Du. Damit. Etwas. Anfangen. Kannst. Undirgendwiewärees. Doch. Auch. Schönfastgeil. Viiiielleeeicht... Einenganzentextdemrythmuszuunterwerfenbiserkaumnochles. Bar. Ist. Hast mich da vielleicht auf eine blöde Idee gebracht, Kollege! :D Vielen Dank für's Mitlesen und -torkeln. LG
 
Senior
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12.04.2007
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moin, ‘si‘so:rʊz,

vi:, ven daın ɛks‘perimɛnt ın ‘lɑʊtʃʁıft ʊnt ımɐ noχ ‘o:nə ‘vɛʁp, ‘a:bɐ ɑʊχ ‘o:nə ‘pa:rtızip?

¿zo: lɑʊt ʃʁıft ‘e:bn niçt nur ʃtilə ʃʁıft?

ıç ‘hofə, hap' mıç trots ‘vɛʁbn fɐ‘ʃtɛntlıç ‘ɑʊzgə‘drykt.

t͡ʃys ʊnt ainən ʃœnən rest‘sontak fom

‘fri:dəl
 
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20.05.2017
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moin, ‘si‘so:rʊz,

vi:, ven daın ɛks‘perimɛnt ın ‘lɑʊtʃʁıft ʊnt ımɐ noχ ‘o:nə ‘vɛʁp, ‘a:bɐ ɑʊχ ‘o:nə ‘pa:rtızip?

¿zo: lɑʊt ʃʁıft ‘e:bn niçt nur ʃtilə ʃʁıft?

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‘fri:dəl
Nabend Richard des Friedens,

meinste das wäre einen Versuch wert? Hrm. Ich parks im überfüllten Hinterkopf und krams beim nächsten Miniaturversuch hervor. Zeit habe ich bald zum Glück wieder genug!

Gut's Nächtle
Sisorus
 

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