Was ist neu

Fratzen

Bas

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Fratzen

Am Anfang war das Licht und sonst nicht viel. Ein bisschen Schädelbrummen, ein wenig Unwohlsein, ein paar Gedanken. Ja, jetzt hatte man also einen Menschen umgebracht, jetzt lag man mit einer Leiche im Bett und wusste nicht, wohin mit ihr und wohin mit sich selbst. Wie lange, bis sie anfängt zu riechen? Kann man sich wieder hinlegen, den Kater ausschlafen, oder klopft es dann schon an der Tür, weil es im Gang nach Tod stinkt?
Wie löst man einen Kadaver auf? Mehr Alkohol vielleicht, mehr Vergessen. Mehr Säure, um ihn zu zersetzen, aber wo ist das Regal mit der Säure und wie würde es wirken, danach zu fragen, wie viel Aufmerksamkeit würde man dadurch auf sich ziehen?
Die ersten schauen schon. Starren. Konturlose Fratzen, weit aufgerissene Mäuler und zerlaufene Augen, mehr Augenhöhle als Auge selbst: schwarz, tief, leer. Und mittendrin die Oberfratze, und wieder kommt mir die kalte Kotze, als ich sie sehe.

Manchmal, sagt meine Mutter, habe ich den Eindruck, mit dir stimmt etwas nicht. Manchmal habe ich das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben. Mit wem stimmt schon alles, sage ich, den will ich mal sehen. Sie sagt: Mit deinem Bruder zum Beispiel: Frau, Kind, Beruf. Und du: nichts davon. Geh mir nicht auf die Eier, denke ich, sag’s aber nicht, sage aber: Sébastien ist minderbemittelt, ein Kleingeist, ein verklemmter Degenerierter, ein Inzestuöser, ein – und die Ohrfeige sitzt. Warum, warum muss es mit dir immer ausarten. Vielleicht hast du tatsächlich etwas falsch gemacht, denke ich und gebe ihr einen Kuss auf die Stirn, der mehr sitzt als die Ohrfeige.

Ich sitze an der Hotelbar und wenn jemand meinen Gedanken folgen könnte, würde er sich verlaufen. Meine Gedanken sind ein Labyrinth und auf den Hecken liegt Stacheldraht, den ich selbst dort angebracht habe.
Ihr Kaffee, sagt die Fratze, und ich beachte sie nicht, ich trinke den Kaffee in einem Zug aus und verbrenne mir Lippen, Gaumen und Rachen mit boshafter Absicht. Wenn ich mich auflöse, nach und nach, dann bin ich unsichtbar, dann kann ich unter ihnen leben wie ein Geist. Wenn ich ein Stück Eisen in das offene Feuer halte, bis es glüht, bis es zischt, wenn ich es unter Wasser halte – was ich nicht mache –, könnte ich es schlucken und die Glut in mir löschen.
Die Fratze mustert mich und kurz schwebe ich über den Dingen, um dann Besitz zu ergreifen. Ich sehe durch ihre Augenhöhlen und ich sehe …
Einen Hut, und darunter zwei Augen, müde Augen, tote Augen, aber Augen. Lebendige Augen, Augen, die Funken sprühen, die Pfeile verschießen, und darunter eine Nase, gebogen, erst nach links und dann nach rechts. Eine Nase wie eine Bergstraße, zick und zack und hin und her, hässlich anzusehen und unmöglich wegzusehen. Wenn die Temperaturen sinken, nässt sie und wenn sie steigen, pfeift sie und wenn ich meine dreckigen Finger reinstecke, fördere ich braune Kruste zutage.
Sébastien über mir.
Sébastien mit geweiteten Augen, Sébastiens Faust, die mein Nasenbein bricht, Sébastien, der mich anschreit: Siehst du, was du machst? Siehst du, was du uns antust?
Gedankendonner, ich geh in die Knie, Glas fällt, Glas bricht, die Fratze stutzt und der Geist schwebt ängstlich zurück, zieht den Hut tiefer ins Gesicht, weil er das Gefühl hat, beobachtet zu werden.

Ich stehe im Gang und Sébastien fragt: Was willst du hier, ich sage: Geld! Was sonst! Gib mir Geld oder ich haue dir eine runter, ich erzähle deiner Frau, dass du alten Männern die Kimme leckst und erzähle deiner Tochter, dass du Kinder fickst! Du machst mich krank, sagt Sébastien und spuckt aus, während er mir das Geld reicht.

Ich kaufe mir Säure, Batteriesäure, ich nehme nacheinander sechzehn Batterien in den Mund und spüle sie mit kochendem Wasser den Rachen herunter. Ich kaufe mir ein Teppichmesser und setze es an meinem hässlichen Auge an, dort, wo Ober- und Unterlid aufeinandertreffen und sich begegnen wie zwei Fremde, ich ziehe einen senkrechten Graben zum Mundwinkel und stecke meine Hand in die klaffende Hauttasche, laufe über die Straßen mit meinem Zweispitz auf dem Kopf und nenne mich Napoléon, um nicht mehr ich zu sein.

Napoléon und wie weiter, fragt die Fratze am Schalter, und ich sage Bonaparte. Napoléon Bonaparte, murmelt die Fratze und blickt kurz hoch und hebt die Braue, und wenn sie jetzt noch die andere hebt, schlage ich ihr die Zähne aus. Aber die Augenbraue bleibt, wo sie ist.
Jetzt habe ich wieder ein Dach über dem Kopf. Zimmer Sieben-Null-Vier, ich bin telefonisch wieder erreichbar und kaum trete ich ein, schrillt der Apparat.
Monsieur Bonaparte.
Madame Soundso.
Möchten Sie empfangen?
Möchte ich? Ich sehne mich nach Nähe, nach einem Gespräch, aber gleichzeitig fürchte ich die Nähe und das Gespräch und was sie zutage fördern werden: Mehr braune Kruste, mehr Erinnerungen.
Schick sie rauf, und zwei Sekunden später klopft es an der Tür.

Olivier.
Soll ich mich tot stellen oder ihr öffnen,
Mach auf.
mich ihr öffnen, sie in den Arm nehmen und ihr sagen, wie sehr sie mir fehlt,
Ich bin’s.
wie sehr es mir fehlt, dass sie mir zuhört, mich versteht,
Bitte.
oder macht mich das angreifbar,
Olivier!
wird es ausarten,
Mach auf!
werde ich ausrasten
neben ihr aufwachen
nie mehr aufwachen

Ich stelle mich tot.

Ich bin tot, und meine Mutter und mein Bruder stehen am Sarg und tuscheln. Ich kann nicht verstehen, was sie sagen, aber ich kann sehen, wie seine Hand unter ihrer Kleidung über den Rücken wandert, kann sehen, wie sie die Augen schließt und das Kinn nach oben reckt.
Sébastien sagt: Jetzt hat er seine Ruhe, aber Sébastien meint: Jetzt sind wir ihn los.
Meine Mutter sagt: Ja.
Sébastien sagt: Jetzt können wir leben.
Sébastien sagt: Jetzt musst du nicht mehr gebeugt gehen, jetzt sollten wir feiern, und Sébastien flüstert: Komm. Sébastien hakt sie unter, Sébastien führt sie ins Hotel, meine Mutter sitzt mit im Schoß verschränkten Händen auf der Bettkante und Sébastien zieht langsam sein Hemd aus.

Gedankenblitze und Gedankensturm, der Hirnkessel pfeift und kocht über, ich reiße mir die Haare raus und stehe auf dem Fensterbrett und von unten starren die Fratzen herauf, skandieren undeutliche Worte, brabbeln Alphabetbrei und kotzen im Zahlenstrahl, Bonaparte!, Bonaparte Null-Vier-Sieben!, und ich springe mit Dornen an den Füßen in die Menge und trete ihnen im Flug in ihre Fressen

Am Ende war das Licht und sonst nicht viel. Und jetzt stehe ich wieder am Anfang.
Wie mein Name ist?
Olivier.
Familienname?
Soundso. Egal.
Wie es mir geht?
Besser, vermutlich.
Warum vermutlich?
Weil nicht mehr viel da ist vom Davor.
Das ist gut.
Ja.
Mach auf.
Leises Donnern.
Vermutlich sollte ich schlafen.
Und vermutlich ist morgen alles besser.

 
Seniors
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… und wusste nicht, wohin mit ihr und wohin mit sich selbst.

Fratzen und Maskerade –

beinahe wäre das ein Text, der an mir vorbeigegangen wäre,

lieber, oder doch besser

böser, bitterböser Bas,

und das bei einem näherungsweise alttestamentarischen Anfang

Am Anfang war das Licht und sonst nicht viel.
denn – wie vllt. mancher richtig vermutet, wenn ich rätsel, dann Sudoko und demnächst – wie jedes Jahr - Steuerbescheid(e). Und ja, seit جابر بن حيان weiß doch jeder: Königswasser ist gut, um den Inhalt selbst des letzten Hemdes mitsamt Leiche incl. Goldzahns aufzulösen.

Aber der Titel ist gut, trifft es, denn von seiner Herkunft her kennzeichnete ein Laubzweig (frasca) die Schenke und als Luther das Wort entlehnte und einführte, und der italienische Bedeutung vom dürren Ast bis zum belaubten Zweig (so das DWDS [Fratze – Schreibung, Definition, Bedeutung, Etymologie, Synonyme, Beispiele | DWDS] neue Inhalte zufügte, wie auch zum Folgenden) in Posse, albernes Gerede und unbedeutende Dinge wie auch dummes Zeug uminterpretierte.
Und die Bedeutung ist inzwischen weitausufernd von der Grimasse (!) als verkürztes Fratzengesicht.
So ist „der“ Fratz auch der hässliche, schlechte Mensch und das „ungezogene Kind“ und verharmlosend das schelmische kleine Kind (das DWDS betont besonders das „kleine Mädchen“, das ja jede Mutter selbst einmal war - welch ein Titel könnte da für einen trunkenen Muttermörder treffender sein?

Ich bin mir sicher, nachdem die erzwungene Mutterliebe sich in den Vormund wandelt kommt das Böse in mehr oder weniger ausgeprägter Form ins Mündel und die Dialektik der Befreiung beginnt. Wenn Hegel auch keineswegs ein Pädagoge war, so lässt sich doch feststellen, das Mündel will Vormund werden, besser SEIN.

Aber dazu bedarf es an sich keines Worts und Totschlags

..., jetzt hatte man also einen Menschen umgebracht, jetzt lag man mit einer Leiche im Bett Wie lange, bis sie anfängt zu riechen?
Ja, so sagt man wohl, dass man einen der sieben Sinne für den Leichengeruch missbraucht – dabei darfst Du sicher sein, dass es in Wirklichkeit viel schlimmer kömmt – Dein Eindruck ist verharmlosend!

Fratze und Ekel verbünden sich nun – denn Fliegen und anderes Ungeziefer übernehmen die Macht und der Kopf des Erzählers mag noch so schwer sein – Ekel wird sich breitmachen, tatsächlich wird – da ist die Wirkung des Suffs halb so wild – ihn Ekel überkommen und er sich der Invasion erwehren müssen, wenn Mutter zur Brutstätte künftiger Generationen Ungeziefers erwählt wird, denn überall in den Ritzen der Umgebung lauern die Fratzen des Geziefers und sich in den Ritzen und Öffnungen des Leichnams gütlich zu tun und der Nachkommenschaft ein erstes Mahl zu bereiten.

Ach, ich ereifere mich und find inzwischen, dass Du tatsächlich was von Rimbaud hast, dem Rimbaud in der Hölle, nachdem er das trunkene Schiff schon hinter sich hat.

So weit oder nah die ersten Gedanken und zu danken hab ich eigentlich @Carlo Zwei - selbst wenn ihr jetzt denkt, der Elch wäre besser an mir vorbeigegangen ...

Bis bald

Het windje

 
Wortkrieger-Team
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09.12.2016
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Hey @Bas,

du bist das also. :) Wäre ich jetzt erstmal nicht drauf gekommen.

Ich finde die Geschichte/das Psychogramm etwa bis zur Hälfte ziemlich spannend, aber dann wiederholt es sich zu sehr. Mir fehlt nicht unbedingt mehr Handlung, aber ein Bruch in der Figur. Ich lese nur Hass auf alles und jeden, und diese Wucht hat mich auch da getroffen wo sie sollte, aber ich hätte es spannender gefunden, wenn ich noch ein paar mehr Seiten gesehen hätte. Zynismus ist ja schon vorhanden, gerade am Anfang, aber mir fehlt noch irgendetwas anderes, das völlig konträr zum Anfang steht, sonst wirkt es etwas ermüdend, weil es ja auch keine Rahmenhandlung gibt, die von den Emotionen der Figur ablenkt. Vielleicht könnte er auf seine Umwelt eher unsicher wirken oder hilflos, sogar sympathisch, während es in seinem Innern ganz anders aussieht. Sowas in der Art.

Ich sitze an der Hotelbar und wenn jemand meinen Gedanken folgen könnte, würde er sich verlaufen.
Das gefällt mir sehr.


Geld! Was sonst! Gib mir Geld oder ich haue dir eine runter, ich erzähle deiner Frau, dass du alten Männern die Kimme leckst und erzähle deiner Tochter, dass du Kinder fickst!
Das ist mir zum Beispiel zu viel, dass er sich auch tatsächlich so mies verhält wie er denkt.


Ich kaufe mir Säure, Batteriesäure, ich nehme nacheinander sechzehn Batterien in den Mund und spüle sie mit kochendem Wasser den Rachen herunter
Irgendwie kriege ich da kein Bild. Die ganze Batterie schluckt er vermutlich nicht, aber die Säure. Und was passiert dann?


Ich sehne mich nach Nähe, nach einem Gespräch, aber gleichzeitig fürchte ich die Nähe und das Gespräch und was sie zutage fördern werden: Mehr braune Kruste, mehr Erinnerungen.
Hier könntest du seine Gedanken in einer Szene zeigen, in der er interagiert. Ansonsten lese ich zu schnell darüber hinweg, dass er auch noch eine andere Seite hat.

Also wie gesagt, die eine oder andere Szene, in der er ganz anders handelt als er denkt, hat als Kontrast gefehlt, um die Figur glaubhafter zu machen. Zumindest für mich.

Ein schönes Restwochenende wünsche ich dir mit nicht allzu viel Regen.

Liebe Grüße von Chai

 

Bas

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16.09.2018
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Hallo @Morphin,

ein paar deiner Vorschläge habe ich übernommen, bei anderen hadere ich noch, aber schon diese zwei, drei Feinheiten haben den Text aufgewertet, daher vielen Dank dir. Und natürlich freut es mich zu wissen, dass dir das so ziemlich uneingeschränkt gefallen hat, fühlt sich gut an. Bis bald!

Hallo @Friedrichard,

Aber der Titel ist gut, trifft es, denn von seiner Herkunft her kennzeichnete ein Laubzweig (frasca) die Schenke und als Luther das Wort entlehnte und einführte, und der italienische Bedeutung vom dürren Ast bis zum belaubten Zweig (so das DWDS [Fratze – Schreibung, Definition, Bedeutung, Etymologie, Synonyme, Beispiele | DWDS] neue Inhalte zufügte, wie auch zum Folgenden) in Posse, albernes Gerede und unbedeutende Dinge wie auch dummes Zeug uminterpretierte.
Und die Bedeutung ist inzwischen weitausufernd von der Grimasse (!) als verkürztes Fratzengesicht.
So ist „der“ Fratz auch der hässliche, schlechte Mensch und das „ungezogene Kind“ und verharmlosend das schelmische kleine Kind (das DWDS betont besonders das „kleine Mädchen“, das ja jede Mutter selbst einmal war - welch ein Titel könnte da für einen trunkenen Muttermörder treffender sein?

Ja, gut, ich hatte ja kurzzeitig überlegt, ihn zu ändern, aber wenn mich das nicht überzeugt, was dann? So betrachtet fühlt er sich sehr richtig an.

Ja, so sagt man wohl, dass man einen der sieben Sinne für den Leichengeruch missbraucht – dabei darfst Du sicher sein, dass es in Wirklichkeit viel schlimmer kömmt – Dein Eindruck ist verharmlosend!

Da sagste was ... Also ich weiß nicht, ob du das genau so meinst, aber riechen, das ist an der Stelle echt ein zu schwaches Wort ... Also schon klangtechnisch. Mal sehen, ob ich eine zufriedenstellende Alternative finde.

Ach, ich ereifere mich

Und das finde ich ganz wunderbar, da bilde ich mir dann ein, mit meinem Buchstabensalat etwas in dir ausgelöst zu haben und mehr will ich ja gar nicht. Und dass du Rimbaud erwähnst gefällt mir natürlich auch. Ohne dich wäre ich vielleicht nie in die rimbaudsche Welt eingetaucht und ganz sicher wäre ich ohne dich nicht zum richtigen Zeitpunkt in die rimbaudsche Welt eingetaucht, denn das ist ja immer so eine Sache, in welcher Lebenssituation liest man was, und ich glaube, Rimbaud kam bei mir im richtigen Moment. Vielen Dank fürs Vorbeischauen und für alles andere und bis bald, Friedel.

Hallo @Chai,

Ich finde die Geschichte/das Psychogramm etwa bis zur Hälfte ziemlich spannend, aber dann wiederholt es sich zu sehr.

Schade, wenn auch nachvollziehbar, was du schreibst:

Mir fehlt nicht unbedingt mehr Handlung, aber ein Bruch in der Figur. Ich lese nur Hass auf alles und jeden, und diese Wucht hat mich auch da getroffen wo sie sollte, aber ich hätte es spannender gefunden, wenn ich noch ein paar mehr Seiten gesehen hätte. Zynismus ist ja schon vorhanden, gerade am Anfang, aber mir fehlt noch irgendetwas anderes, das völlig konträr zum Anfang steht, sonst wirkt es etwas ermüdend, weil es ja auch keine Rahmenhandlung gibt, die von den Emotionen der Figur ablenkt. Vielleicht könnte er auf seine Umwelt eher unsicher wirken oder hilflos, sogar sympathisch, während es in seinem Innern ganz anders aussieht. Sowas in der Art.

Ich könnte jetzt nicht den Finger drauf legen, bei welchen Geschichten genau ... aber ich meine, so bin ich in der Vergangenheit schon mal vorgegangen. Wohl, weil ich das auch beim Lesen immer gut finde: Erstmal so 'ne weitestgehend einseitige Darstellung, dann den Blickwinkel bisschen justieren, und zack, sieht die Sache bzw. der Mensch ganz anders aus. Aber keine Ahnung, ob ich das bei dem Prota hier möchte ... Das ist ja quasi eine Momentaufnahme, zumindest in meiner Vorstellung findet das allermeiste hier auf mentaler Ebene statt, er liegt am Anfang im Bett und liegt am Ende im Bett und bewegt sich auch gedanklich nicht voran, er tritt auf der Stelle, wie schon seit Tagen, Wochen, Monaten, Jahren, kommt zu keiner neuen Erkenntnis ...

Das ist mir zum Beispiel zu viel, dass er sich auch tatsächlich so mies verhält wie er denkt.

Ja, auch das finde ich nachvollziehbar. Da hab ich auch kurz gestockt beim Schreiben, mittlerweile finde ich das aber okay.

Hier könntest du seine Gedanken in einer Szene zeigen, in der er interagiert. Ansonsten lese ich zu schnell darüber hinweg, dass er auch noch eine andere Seite hat.

Da schau ich noch mal drauf bzw. denke darüber nach. Noch denke ich, dass ich ihm diese andere Seite nicht geben will. Sie ist hier angedeutet, wer möchte und kann, darf also mehr in ihm sehen als den Spinner. Aber würde ich das jetzt ausschmücken ... In meiner Vorstellung wäre das irgendwie gefällig. Ein Mensch ist eben nicht immer das, was man in ihm sehen möchte, sondern manchmal nur das, was er ist.

Aber ich merke schon, da prallen zwei Welten aufeinander, zum einen eine holprige, in den Kinderschuhen steckende, noch lange nicht ausgereifte Idee von einem "echten" Charakter, zum anderen ... der Lesegenuss, Lesevorlieben, Erwartungshaltungen, Wünsche. Im besten Fall nähern sich diese Welten nach und nach an, vielleicht noch nicht hier, aber woanders :)

Vielen Dank auf jeden Fall für deine Auseinandersetzung mit der Geschichte, wie du siehst, haben deine Gedanken etwas angestoßen.

Bas

 

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