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Gasthof

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Gasthof

Er war auf der Suche nach einer Bleibe für die Nacht. Wie immer, bewegte er sich abseits der teuren Hotelrouten. Das Geld für ein drei -, oder gar viersterne Hotels hatte er sowieso nicht. Er übernachtete in billigen Gasthöfen, welche es auf dem Land, zwischen den Grosstädten, en Masse gab. Jedes Dorf hatte einen Gasthof, der gleichzeitig das soziale Zentrum des Dorfes bildete und als eine Art Gemeindezentrum fungierte. Man traf sich, sozialisierte, trank ein paar Bierchen und ging früh zu Bett. Das war ganz in seinem Sinn. Er war ein Frühaufsteher und Frühstück wurde in den Gasthöfen meist schon ab 05:00 Uhr serviert. Meistens gehörte zu den Gasthöfen eine eigene Schlachterei und das Frühstück war, ausser “Bio”, auch noch vorzüglich.

Wenn er zahlte – bar natürlich – hatte er immer das Gefühl, das man froh war, ihn wieder loszuwerden und wieder unter sich zu sein. Oftmals sah sich das Betreiberehepaar verdächtig ähnlich, aber das war nicht sein Problem. Er war froh, wenn er, nach einem langen Arbeitstag, Abends seine Ruhe hatte und fiel nicht auf. Er nahm sein Abendessen zu sich, ging auf sein Zimmer, summierte die angefallene Verkaufsprovision des Tages und fragte sich, wie es finanziell weitergehen sollte. So ging das jeden Abend. Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Und irgendwie schaffte er es doch immer, aber er musste auf seine Ausgaben aufpassen und deshalb verbrachte er die Nächte auch in Gasthöfen, anstatt in Hotels.
Die Gasthöfe buchte er nie. Wenn der Tag beendet war, suchte er einfach ein Dorf in der Nähe auf, ging zum Gasthof dort und fragte nach einem Zimmer.

Heute hatte er Pech. Bereits in drei Dörfern in der Umgebung von Nürnberg hatte er eine Absage erhalten. Ausgebucht, Urlaub, Renovierung. Nicht gut und es wurde spät. Es war bereits 22:00 Uhr und er befürchtete schon, das er im Auto übernachten, oder sich in einem sündhaft teuren Hotel in Nürnberg einquartieren musste. Er fuhr in ein weiteres Dorf und war schon etliche Kilometer von der Autobahn entfernt. Der Gasthof befand sich auf dem Dorfplatz und hiess “Zur Linde”. So typisch für deutsche Provinz. Die Gaststube war bis auf zwei Biertrinker, welche am Tresen sassen, gänzlich unbestetzt. Zu dieser späten Stunde schlief Provinzdeutschland bereits. “Guten Abend”. Keine Antwort.
Er ging zum Tresen. Einer der Bietrinker stand auf. Es gab ein Zimmer und er freute sich innerlich über sein Glück und den günstigen Preis. “Kann ich noch etwas essen ?”. “Etwas Warmes kann ich ihnen nicht mehr anbieten. Die Küche ist seit einer Stunde geschlossen.” Der andere Biertrinker grunzte. Der Koch, nahm er an. “Wir haben sehr guten Aufschnitt. eigene Herstellung. Leberwurst, Blutwurst und so weiter. Ich könnte ihnen ein bischen Brot mit Aufschnitt zubereiten.”-“ Gern. Vielen Dank.” Er bestellte sich ein Bier. Der Mann, den er als Koch ausgemacht hatte, hiefte sein Hinterteil vom Barhocker und zapfte ihm ein frisches Bier, welches nach dem langen Tag einfach köstlich schmeckte.
Das Brot und die Aufschnittplatte kamen und er bedinete sich reichlich. Es schmeckte hervorragend und das sagte er auch, nachdem er fertig war. Die beiden waren in ein leises Gespräch vertieft und sahen desweilen auf ihre Uhren. Es kam keine Antwort.

Um 23:00 Uhr begab er sich auf sein Zimmer im Obergeschoss. Er war gesättigt, hundemüde und überschlug die Tagesprovision nicht, sondern zog sich seinen Pyjama an, putzte sich die Zähne und legte sich ins Bett. Wenige Minuten später war er eingeschla
Um Mitternacht erwachte er jedoch bereits wieder. Aufgeweckt durch lautes Poltern und laute Gespräche aus der Gaststube des Gasthofes. Er blickte etwas desorientiert auf die Uhr und befürchtete, das es bereits Zeit war, den Tag zu beginnen. Überrascht stellte er fest, das es erst kurz nach Mitternacht war.
Er wartete, aber die Geräusche verstummten nicht. Im Gegenteil. Es wurde immer lauter.
Als er die Nase voll hatte, kleidete er sich notdürftig an und ging nach unten, um festzustellen, was dort vor sich ging und um sich zu beschweren.

Die Gaststube war voll bestetzt. Das ganze Dorf schien anwesend zu sein. Sogar Kinder waren dabei. Es wurde heftigst diskutiert. Er trat ein und niemand schien Notiz von ihm zu nehmen.

Als er etwa die Mitte der Gaststube erreichte, wurde es still.
“Was geht hier vor ? Was machen sie alle hier um diese Zeit ?”
“Aufschnitt” sagte jemand hinter ihm . Eine Axt sauste durch die Luft und ihm wurde das Lebenslicht ausgeblasen.
 
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Man glaubt, das man weiss, wo man herkommt. Das man weiss, wer man ist. Das alles in Ordung ist, solange man in der Realität weilt und sich an den täglichen Dingen des Lebens festhalten kann, welche einem die Gewissheit geben, das man “aktiv” am Leben teilnimmt.
Dass

Anbei: Die Dass-Orgie wäre leicht zu vermeiden. (z.B. Infinitiv)
Über weiss/ß äußere ich mich nicht weiter, vielleicht tippst du auf einer Schweizer Tastatur.

Alternativ, ohne Dass und ohne weiß, aber immer noch mit 4x man:
Man glaubt zu wissen, wo man herkommt und wer man ist. Alles wäre in Ordnung, solange man in der Realität weilt und sich an den täglichen Dingen des Lebens festhält, die einem Gewissheit geben, aktiv am Leben teilzunehmen.
 
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10.07.2020
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Hi @Dosenfood,

deine Story gefällt mir sehr gut! Sie grotesk und witzig - hat mich an die Tagline von Schlingensiefs "Das deutsche Kettensägenmassaker" erinnert: "Sie kamen als Freunde und wurden zu Wurst." :lol:

Insgesamt finde ich die Story aber etwas unentschlossen: Sie könnte eine Flash Fiction sein, konsequent auf die Pointe hin geschrieben, oder sie könnte eine Short Story sein, die etwas komplexere Themen entwickelt und Fragen aufwirft. Zurzeit hängt sie ein bisschen im Niemandsland zwischen diesen beiden Möglichkeiten, finde ich. Dementsprechend zwei Ideen:

1. Du kürzt sie herunter auf eine Flash Fiction, die auf die Pointe zurast. (Unten schlage ich gleich ein paar Kürzungen vor.)

2. Du entwickelst das satirische Element weiter, gibst der Story also ein richtiges Thema. Warum machen die Dörfler die Fremden zu Aufschnitt? Dieses Bild hat ja jede Menge Potenzial: Geht's da um das Gefälle zwischen Dorf und Land, um Tradition und Moderne, um Arrivierte und Abgehängte ..? Sind Yuppies besonders zart, weil sie so viel Yoga machen ..? ;)

Diesen Absatz hier:

Man glaubt, das man weiss, wo man herkommt. Das man weiss, wer man ist. Das alles in Ordung ist, solange man in der Realität weilt und sich an den täglichen Dingen des Lebens festhalten kann, welche einem die Gewissheit geben, das man “aktiv” am Leben teilnimmt.
Wenn einem jedoch diese fadenscheinige, dünne Decke weggezogen wird, merkt man, wie labil das ganze Lebensgebilde eigentlich ist. Wie anfällig gegenüber jeglichen internen und externen Einflüssen.

... würde ich komplett streichen. Short Stories profitieren oft von "in late, out early" - steig so spät wie möglich und gerne direkt in die Handlung ein und geh' so früh wie möglich wieder raus. Letzteres gelingt dir ziemlich gut (gnihihi); ersteres kannst du recht einfach erreichen, wenn du den ersten Absatz killst, zumal der auch so eine Art "Interpretationshilfe" bietet, serviert vom auktorialen Erzähler - ich finde, das braucht es nicht. Überlass das deinen Lesern! Um ganz radikal zu denken: Wolltest du eine Flash Fiction daraus machen, könntest du ohne weiteres bei Absatz 4 ("Heute hatte er Pech ...") einsteigen.

Ohjee, das ist lang. Kurz gesagt: Wenn du die Themen, die hier drinstecken, ausbaust, kannst du eine spannende Satire basteln - oder du reduzierst und landest bei einer extrem schnellen, galligen Flash Fiction. Beides ist cool!

Viele Grüße, sehr gerne gelesen, ich bin ein großer Fan von Redneck-/Hillbilly-Zeug, und du lieferst hier ordentlich ab. So sollten Samstage beginnen!

Christophe
 
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Wortkrieger-Team
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16.03.2015
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Hi @Dosenfood

bei der vorigen Geschichte gar nicht auf Kommentare reagieren, bei der davor sagen, du überarbeitest, aber nichts passiert ...
Zwischendurch mal Ein-Satz-Kommentare bei anderen ...
Ich könnte so weiter und weiter schreiben.
Ach, ich merke, ich spreche schon wieder mit einer Parkuhr oder Konservendose ...
 
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09.12.2019
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@Dosenfood

Einfache Verfahrensumstellung:
Ersetze Aktion [neue Geschichte schreiben] durch Aktion [aktuelle Geschichte korrigieren]

Oder als Restriktion:
Neue Geschichte erst erlaubt, wenn aktuelle Geschichte korrigiert

Sofort und kostenneutral umsetzbar!
 
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Beitritt
19.04.2020
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39
Guten Morgen Herr Rob F,

das Sie meine Geschichten überhaupt noch lesen, ist schon bemerkenswert.
Aktuelle Geschichte korrigiert.

Einen schönen Sonntag wünsche ich und Gruss,

DF

Guten Morgen Herr Christophe,

vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich habe den Anfang gestrichen.

@Herr GoMusic : Schön, auch einmal wieder von Ihnen zu hören.
Denken Sie doch vielleicht einmal darüber nach, warum ich mich Dosenfood nenne.

Schönen Sonntag und Gruss,

DF
 
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09.12.2019
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@Dosenfood

das Sie meine Geschichten überhaupt noch lesen, ist schon bemerkenswert

Die ein oder andere deiner Geschichten hat ja auch eine durchaus interessante Grundidee.

Nur bedeuten "Dosenfutter"/ trashige Geschichten ja nicht gleichzeitig dahingeschluderte Texte, auch hierbei solltest du schon auf Rechtschreibung, Zeichensetzung und Formulierungen achten.

Deine Geschichten werden ja auch weiterhin beachtet und kommentiert, das hat dann auch mit ein wenig Respekt vor deinen Lesern zu tun.

Aktuelle Geschichte korrigiert.
:thumbsup:

Auch dir noch einen schönen Sonntag,
Rob
 

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