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Gesprächsraum

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Gesprächsraum

Almon blickt am Ende der Schicht durch die gläserne Wand des Kontrollraums. In den Abläufen der Produktionshalle findet er keine Unregelmäßigkeiten. Im Sekundentakt fertigen Materieprinter Einzelteile für Raumgleiter. Selbststeuernde Transportfahrzeuge bringen sie in den anliegenden Weiterverarbeitungsbereich. Am Rand der Halle schweben Reparaturdrohnen, die bei einer Störung aktiv werden. Almons Aufgabe während der Zehn-Stunden-Schicht besteht darin, die Hand auf eine schwarze Fläche an der Wand rechts von ihm zu legen, sollte den Drohnen die Behebung nicht gelingen. Was dann passiert, weiß er nicht. Es ist noch nicht vorgekommen in den zwei Jahren, die er als Produktionswächter arbeitet.

Er geht zu der Tür gegenüber der Glaswand. Als er davor steht, fährt sie zischend zur Seite. In dem kleinen Raum dahinter zieht er Schuhe, Socken und den grauen Arbeitsanzug aus und schmeißt sie durch eine Klappe in der Wand. Mit geschlossenen Augen und zur Seite gestreckten Armen wartet er, bis die Düsen um ihn herum Reinigungsflüssigkeit versprühen. Nach einigen Sekunden Einwirkzeit wird er mit heißem Wasser abgespritzt und durch warme Luft getrocknet. Ein Wandpaneel öffnet sich. Almon nimmt den Ganzkörper-Schutzanzug heraus und zieht ihn an.

Als er den Flur des inneren Rings betritt, geht der Produktionswächter für die nächste Schicht an ihm vorbei und nickt ihm zu. Almon wendet sich nach rechts und folgt dem in weiß gehaltenen Gang in Richtung des Transportschiffes. Sein Blick wandert über die Schutzkleidung der vorbeigehenden Menschen. Es ist mehr als ein Mal passiert, dass ein kleiner Riss an einem Ärmel oder Hosenbein die Evakuierung und Grundreinigung einer kompletten Station erfordert hat. Durch die Fenster sieht er den dunkelgrünen Planeten. Ein lebensfeindlicher Ort voller Rohstoffe. Umgeben vom inneren und äußeren Ring, zwei kreisförmigen Raumstationen mit Produktionsstätten und Wohnmodulen.

Nach einigen Minuten erreicht Almon das angedockte Transportschiff. Ein rechteckiger Kasten mit Cockpit und Antriebseinheit. Er biegt nach links in den Zugangskorridor und betritt den Innenraum. Darin stehen im Abstand von jeweils zwei Metern die Passagiersitze. Ungefähr die Hälfte sind bereits belegt und von gläsernen Wänden umgeben, wodurch die Helme abgenommen werden können. Almon setzt sich auf einen Platz in der hinteren Ecke. Kurz danach fahren die Schutzwände aus dem Boden und trennen ihn von der Umgebung. Er schnallt sich an, nimmt den Kopfschutz ab und schließt die Augen. Als das Schiff zu vibrieren beginnt, öffnet er die Lider. Der Boden ist transparent und gibt den Blick auf Schwärze und weit entfernte Sterne frei. Ist es irgendwo anders als hier?, fragt sich Almon. Ohne sterile Umgebungen, der Illusion von Arbeit und virtuellen Welten. Mit einem Ruck legen sie ab und fliegen zum äußeren Ring.

Auch vor Almons Wohneinheit ist ein Reinigungsraum. Nach der Prozedur betritt er in Jogginghose, T-Shirt und Hausschuhen sein Zuhause. Hinter ihm schließt die Tür und die Deckenbeleuchtung springt an. Er geht ins Wohnzimmer und setzt sich auf die Couch.
„Aktivieren: Speisekarte“, sagt er.
Ein holografisches Display mit Gerichten und Getränken erscheint vor ihm. Mit dem Zeigefinger wählt er ein Steak mit Kartoffeln und ein Bier. Als Kind konnte er noch natürlich gewachsene Lebensmittel essen, auf der Farm seiner Eltern. Bevor die Behörde ihn mit sechzehn Jahren zum Arbeitsdienst einberufen hat. Der Einspruch wurde abgelehnt, durch seine schlechten Noten sah man keinen Sinn in einer weiteren Schulbildung. Seitdem versucht er sich einzureden, dass auch die Nahrung aus dem Labor schmeckt. Nach einigen Minuten ertönt der Signalton aus der Küche. Er steht auf und holt seine Bestellung, die sicher verpackt über den Zulieferungsschacht angekommen ist.

Nach dem Abendessen aktiviert Almon per Sprachbefehl das Display mit den virtuellen Unterhaltungsangeboten. Konzerte, Discotheken, Dating Events. Alles erlebbar von der Couch aus. Im Posteingang wartet eine Chat-Anfrage von Yvette. Er holt die VR-Brille unter dem Tisch hervor. Und legt sie wieder beiseite, als er eine Eins neben dem Symbol für den Gesprächsraum sieht. Mit dem Zeigefinger fährt er durch die Darstellung eines Tisches mit zwei Stühlen. Das Bild einer älteren Frau mit langen grauen Haaren erscheint. Darunter steht der Name Leatrice. Almon schätzt sie auf knapp über siebzig. Die Anfrage ist für heute Abend 21 Uhr.
„Warum nicht?“, sagt er nach einer Weile und nimmt an.

Almon verlässt den Reinigungsbereich in schwarzer Hose und weißem Hemd. Der Raum dahinter erinnert ihn an einen Urlaub seiner Jugend, als er mit seinen Eltern und seiner Schwester zu einer Berghütte gefahren ist. Mehrere kleine Teppiche liegen auf dem Boden. Flammen lodern in einem steinernen Kamin. Zwei Holztische stehen in der Mitte, die Scheibe dazwischen unterteilt das Zimmer. Auf der anderen Seite sitzt Leatrice und blickt ihn aufmerksam an.
„Ich hatte hier noch nie einen so jungen Gesprächspartner“, sagt sie und lächelt.
„Bin auch erst das zweite Mal hier“, antwortet Almon und nimmt ihr gegenüber Platz.
„Es gibt nicht viele, die noch ein persönliches Gespräch suchen.“
„Liegt bei mir wahrscheinlich daran, dass ich das Glück hatte, viel Zeit mit Familie und Freunden verbringen zu können. Gespräche statt auf Holo-Screens gucken.“
Leatrice beugt sich vor. „Dann sind Sie wohl nicht von der Erde?“
„Nein, von Irtha, einem kleinen Mond mit Atmosphäre. Aber auch dort wütet mittlerweile eine Epidemie und zwingt die Bewohner in die Isolation.“
„Vielleicht haben die Menschen die Krankheiten selbst erschaffen, um die Kriege zu beenden. Nun kämpfen wir gegen Viren und Bakterien und nicht mehr gegen uns selbst.“
„Wer weiß. Warum kommen Sie hierhin?“, fragt Almon.
„Auch ich habe eine Zeit erlebt, in der ich viel Kontakt zu anderen Menschen hatte. Dieser Raum kommt dem noch am nächsten.“
Almon betrachtet sie. Die obersten beiden Knöpfe der Bluse sind geöffnet, die künstlich gebräunte Haut darunter leicht faltig. Mit zurückgebundenen Haaren und aufrechter Haltung wirkt sie selbstbewusst, nur ihr gelegentlicher Griff ans Ohrläppchen stört dieses Bild.
„Was machen Sie beruflich?“
„Ich spiele Software-Updates ein und teste endlos, ob danach noch alles funktioniert.“
Diesmal lächelt Almon. „Dann können Sie mir bestimmt sagen, was passiert, wenn ich in einem Kontrollraum meine Hand auf die schwarze Fläche lege.“
„Irgendjemand erhält ein Signal und muss sich was einfallen lassen.“
„Sie?“
„Wenn ich Pech habe und gerade im Dienst bin.“ Wieder greift sie sich ans Ohr. „Haben Sie eine Freundin?“
Er zögert einen Moment. „Seit einigen Wochen habe ich eine Chat-Bekanntschaft, sie heißt Yvette.“
„Und trefft ihr euch?“
„Nein. Wir haben unsere Bio-Scans noch nicht abgeglichen und wissen nicht, ob wir es dürfen.“ Er bemerkt Leatrices fragenden Blick. „Wahrscheinlich endet unser Kontakt, wenn wir nicht kompatibel sind.“
„Nicht dass die Menschheit ausstirbt, weil mögliche Paare nicht den Vorstellungen der Behörde entsprechen.“ Sie tippt gegen die Glaswand. „Lassen Sie sich nicht alles nehmen.“
„Haben Sie jemanden?“
„Nein, schon seit einigen Jahren nicht mehr. Aber wenigstens kann ich hier ab und zu mit jemandem reden. Wie wäre es, wenn wir unsere Bio-Scans abgleichen?“
Trotz des Altersunterschieds sieht Almon zu ihrem Dekolleté, dann lässt er sich von ihrem Blick einfangen. „Warum nicht?“

Bevor er ins Bett geht, prüft Almon die Chat-Anfrage von Yvette. Das Symbol daneben ist grün, sie ist noch online. Mit dem Zeigefinger fährt er hindurch, nach einigen Sekunden erscheint ihr Gesicht auf dem holografischen Display.
„Hey!“, sagt Yvette und blickt ihn mit müden Augen an. „Was machst du noch so spät?“
Er lächelt. „Das wollte ich dich gerade fragen. Wie war dein Tag?“
„Im großen und ganzen wie immer. Der Rohstoffabbau auf dem Planeten läuft ohne Zwischenfälle. Ob es die Maschinen überhaupt merken würden, wenn die Menschen ihre Arbeit einstellen?“
„Keine Ahnung, wäre vielleicht einen Versuch wert. Steht dein Angebot noch?“
„Was meinst du?“ Sie hält sich die Hand vor den Mund und gähnt.
„Ein Tanz.“
„So spät noch?“
„Warum nicht?“
Sie überlegt einen Moment, dann aktiviert sie etwas über ihr Display.
Vor Almon erscheint ein Symbol. Es zeigt zwei Menschen, die sich die Hände geben. Nachdem er es berührt hat, wird das Licht in seinem Wohnzimmer gedimmt. Ein Hologramm von Yvette erscheint. Barfuß und im Schlafanzug beginnt sie, sich zum langsamen Rhythmus eines Soul-Liedes zu bewegen. Er geht zu ihr, führt seine Handfläche an ihre und versucht sich die Berührung vorzustellen. Dabei denkt er lächelnd an Leatrice und ihre übereinstimmenden Bio-Scans.
„Worüber freust du dich?“, fragt Yvette.
„Dass ich nicht alleine bin“, antwortet Almon.

 
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Hallo @Rob F ,

jetzt sitze ich hier und weiß nicht, was ich schreiben soll.

Irgendwie schaffe ich es nicht, mich von der Geschichte so richtig packen zu lassen. Einerseits beschreibst du die Umgebung und Almons Verhalten gut und detailliert. Auch die Langeweile und gefühlte Sinnlosigkeit wird spürbar, mit dem kleinen Twist am Ende.

Andererseits ist da ganz viel Infodump und seine eigene "Stimme" wird nicht sichtbar. Vieles würde er so nicht beschreiben, es klingt, als ob es für den Leser geschrieben ist.

Was dann passiert, weiß er nicht. Es ist noch nicht vorgekommen in den zwei Jahren, die er als Produktionswächter arbeitet.
Das ist so ein "tell". Hier fehlt mir etwas, das ihn greifbarer macht. Fragt er sich das? Spielt er mit dem Gedanken, es einfach mal auszuprobieren, nur damit mal was passiert? Fühlt er sich überflüssig? Verstehst du, was ich meine?

Als er den Flur des inneren Rings betritt, geht der Produktionswächter für die nächste Schicht an ihm vorbei und nickt ihm zu. Almon wendet sich nach rechts und folgt dem in weiß gehaltenen Gang in Richtung des Transportschiffes. Sein Blick wandert über die Schutzkleidung der vorbeigehenden Menschen. Es ist mehr als ein Mal passiert, dass ein kleiner Riss an einem Ärmel oder Hosenbein die Evakuierung und Grundreinigung einer kompletten Station erfordert hat. Durch die Fenster sieht er den dunkelgrünen Planeten. Ein giftiger, lebensfeindlicher Ort voller Rohstoffe. Umgeben vom inneren und äußeren Ring, zwei kreisförmigen Raumstationen mit Produktionsstätten und Wohnmodulen.
Hier ist mal ein Detail, das ein bisschen mehr hergeben würde. Wieder verschenkst du die Gelegenheit, mir Almon näher zu bringen. Hat er Angst? Ist er sorgfältig? Ist ihm das alles sinnlos? Winkt er den anderen zu, hinter ihren Glasscheiben? Spürt er die Beschleunigung des Schiffes, ein Vibrieren? Hat er Höhenangst?

Als Kind konnte er noch natürlich gewachsene Lebensmittel essen, auf der Farm seiner Eltern. Bevor er mit sechzehn Jahren zum Arbeitsdienst einberufen wurde. Der Widerspruch wurde wegen seiner schlechten Noten abgelehnt. Seitdem versucht er sich einzureden, dass auch die Nahrung aus dem Labor schmeckt.
Auch hier: Lass mich das doch erleben, lass ihn wenigsten tagträumen oder trauern, oder er will vergessen. Ist da noch Schmerz?

Sie trägt die langen grauen Haare auf einer Seite hinter, auf der anderen vor der Schulter. Darunter steht der Name Leatrice. Almon schätzt sie auf knapp über siebzig. Die Anfrage ist für heute Abend 21 Uhr.
Wofür ist es wichtig, dass sie die Haare auf der einen Seite hinter und auf der anderen Seite vor der Schulter trägt? Ist das ungewöhnlich, keck, altmodisch?

Nicht, das ich das selbst immer hinbekommen würde, aber es würde der Geschichte mehr Fleisch geben.

Liebe Grüße
Gerald (GG)

 
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Hallo @C. Gerald Gerdsen ,

danke für dein Feedback!

Meistens reduziere ich tellige Informationen auf Beschreibungen der Umgebung. Aber damit ich da nicht zu festgefahren werde, habe ich in diesem kurzen FF-Text mal das versucht, was bei Science Fiction nicht selten ist:

Die Handlungen, Dialoge und Gedanken der Protagonisten mischen sich mit Beschreibungen des Erzählers. Dass es dadurch und durch die monotone Lebenssituation schwierig wird, einen von Anfang an mitziehenden Text zu schreiben, nehme ich dann in Kauf, aber zum Ende hin wird es ja zumindest etwas persönlicher.

Werde es also erst mal so lassen, aber danke natürlich für deine Hinweise!

Wofür ist es wichtig, dass sie die Haare auf der einen Seite hinter und auf der anderen Seite vor der Schulter trägt? Ist das ungewöhnlich, keck, altmodisch?
Wahrscheinlich nicht, habe es geändert.

Danke für deine Zeit und viele Grüße,
Rob

 
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Ich habe mir schon gedacht, dass du das bewusst so gestaltet hast. Meine persönliche Erfahrung ist, dass zu viele Beschreibungen und Erklärungen der Geschichte eher schaden (und ich lese seit über 50 Jahren SF).

Selbst so epische Dinge wie 2001 Odyssee im Weltraum, die im Film seeeehr langatmig sind, leben im Buch von den Erlebnissen der Protagonisten. Wie heißt es so schön, "schreib nicht über das, was passiert, sondern über das, wie der Held darauf reagiert".

Macht aber nichts, ich habe deine kurze Dysthopie - denn als solches habe ich es trotz eines funktionierenden High-Tech-Systems empfunden - gerne gelesen.

Liebe Grüße
Gerald (GG)

 
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Hey unermüdlicher @Rob F

Gefällt mir grundsätzlich ziemlich gut, was Du hier erzählst, vor allem aufgrund der Themen, die Du in deiner Geschichte anschneidest: Die Vereinsamung der Menschen, die unersättliche Gier nach Rohstoffen, die Überwachung der Menschen durch eine Behörde, die jeden ihrer Schritte verfolgt, ihnen offenbar sinnlose Aufgaben gibt, um sie beschäftigt zu halten, aber auch der Entdeckerdrang, das Weitermachen, trotz aller Widrigkeiten. Das sind alles Dinge, die ich aus deinem Text rausziehen kann. Ich finde jedoch, Du könntest da noch einiges eindampfen. Den Anfang fand ich zu lang. Nicht weil es schlecht geschrieben ist, sondern weil er nicht viel zur Geschichte hinzutut, vor allem in Hinsicht darauf, dass Du den Text wohl als 'Flash Fiction' konzipiert hast. Beispielsweise: Ist es wichtig, wie es genau in der Fertigungshalle aussieht und wie dort alles funktioniert? Das könntest Du auch nur kurz anreissen, weils mMn sonst vom Plot ablenkt und aufgrund der Details eher wie der Auftakt zu einer längeren Geschichte wirkt. Der Kern des Textes offenbart sich ja während des Gesprächs mit Leatrice, denke ich. Ich würde vielleicht versuchen, den Text verstärkt darum herum aufzubauen und den Rest, der nix zu dieser Kernthematik beiträgt, über Bord werfen, bzw. ins All rausschiessen. So hatte ich mehr das Gefühl, einen Ausschnitt von etwas Grösserem gelesen zu haben, als eine in sich geschlossene Kürzestgeschichte. Was ich mich noch gefragt habe: Das mit der Krankheit, der Epidemie, dass der Tod sich bis in die entlegensten Winkel ausbreitet: Das wirkt so ein wenig drangeklatscht, ohne wirklich Substanz zu haben, weil's im Gespräch nur ganz kurz angerissen wird. Ich würde die Thematik ausbauen oder dann rausstreichen, so wirkt es ein wenig wie ein Fremdkörper. Oder tragen deshalb alle diese Schutzanzüge? Ich dachte, die tragen sie, weil der Planet bzw. der Rohstoffabbau giftig ist ...

Noch ein paar Details:

In regelmäßigen Abständen überführt der bewegliche Boden sie in den anliegenden Weiterverarbeitungsbereich.
Mmmh, 'beweglicher Boden' klingt für mich unpräzise. Was ist denn das? Eine Art Förderband oder dergleichen?

Almons Aufgabe während der Zehn-Stunden-Schicht besteht darin, die Hand auf eine schwarze Fläche an der Wand rechts von ihm zu legen, sollte den Drohnen die Behebung nicht gelingen.
Das mit der schwarzen Fläche an der Wand bzw. Almons Aufgabe habe ich nicht verstanden. Wieso muss er das tun?

Als er kurz davor steht, fährt sie zischend zur Seite.
Füllwörter kicken, vielleicht den Text noch mal gesamthaft dananch durchsehen.

Der Boden ist transparent geworden und gibt den Blick auf Schwärze und weit entfernte Sterne frei.
Sie heben ja ab, da dachte ich, er sieht diesen giftigen Rohstoffplaneten unter sich, nicht die Schwärze des Alls und die Sterne darin. Oder habe ich da ein falsches Bild bekommen?

Ohne sterile Umgebungen, der Illusion von Arbeit und virtuellen Welten?
Sterile Umbegung und Illusion von Arbeit verstehe ich, aber wieso auch 'virtuelle Welten'? Das habe ich an der Stelle nicht recht verstanden, denn die Fertigungshalle und die Rohstoffgewinnung sind ja 'echt', also die existieren nicht nur virtuell? Aber wahrscheinlich ist das ein Vorgriff, auf das, was danach kommt, diese virtuellen Gespräche? Das denke ich mir jetzt beim zweiten Lesen, weil ich das weiss, beim ersten Mal hat's mich an der Stelle aber eher verwirrt.

Der Widerspruch wurde wegen seiner schlechten Noten abgelehnt.
Ich verstehe, was Du damit meinst, aber es ist etwas seltsam formuliert. Also Almon wurde ja auf diese Station geschickt, weil seine Noten zu schlecht waren, und er deshalb nicht was anderes, anspruchsvolleres machen durfte, aber 'der Widerspruch wurde abgelehnt' liest sich für mich nicht wirklich rund. Vielleicht magst Du dir die Stelle noch mal vorknöpfen?

Er holt die 3D-Brille unter dem Tisch hervor.
3D-Brillen sind ja in der heutigen Zeit schon fast überholt, all die neuen Smart-TVs haben kein 3D mehr ... Vielleicht einen anderen Begriff wählen? Für mich klingt das, vor allem in 'ner Sci-Fi Story, dann eher 'old school'.

Almon verlässt den Reinigungsbereich in schwarzer Hose und weißem Hemd. Der Raum dahinter erinnert ihn an einen Urlaub seiner Jugend, als er mit seinen Eltern und seiner Schwester zu einer Berghütte gefahren ist. Mehrere kleine Teppiche liegen auf dem Boden. Flammen lodern in einem steinernen Kamin. Zwei Holztische stehen in der Mitte, die Scheibe dazwischen unterteilt das Zimmer. Auf der anderen Seite sitzt Leatrice und blickt ihn aufmerksam an.
Hier stockte ich kurz, weil Almon jetzt offenbar 'wirklich' zu Leatrice hingeht. Klar, vorher war von einem Gesprächsraum die Rede, aber ich dachte, das sei eben ein virtueller Gesprächsraum, weil er Leatrice' Anfrage ja auch über dieses Holodeck entgegennimmt.

Nein, von einem kleinen Mond mit Atmosphäre.
Hat sein Geburtsort keinen Namen, also dieser Mond? Das klingt etwas seltsam, ich würde ihm hier einen Namen geben.

„Vielleicht haben die Menschen die Krankheiten selbst erschaffen, um sich zu retten. Nun kämpfen wir gegen Viren und Bakterien und nicht mehr gegen uns selbst.“
Hält er diese Theorie wirklich für plausibel? :hmm:

Daneben das Symbol ist grün, sie ist noch online.
Vorschlag: Das Symbol daneben ist grün, sie ist noch online.

Ob es die Maschinen überhaupt merken würden, wenn die Menschen ihre Arbeit einstellen?“
„Keine Ahnung, wäre vielleicht einen Versuch wert. Steht dein Angebot noch?“
Mmmh, die Maschinen vielleicht nicht, aber ganz sicher die Behörde, oder? Zumindest habe ich aus dem Gespräch mit Leatrice rausgezogen, dass sie da von einer Art Behörde überwacht werden.

Das waren meine fünf Cent, lieber Rob. Vielleicht ist ja was dabei, was Du gebrauchen kannst.

So long,
d-m

 
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Hallo @Rob F

ich habe deine Geschichte eigentlich ganz gerne gelesen. Ich empfinde den kühlen Ton, den du gewählt hast, als ziemlich passend zum Kontext. Was mir sofort in den Kopf kam, war Entfremdung. Dein Protagonist hat sich vollständig von seiner Tätigkeit entfremdet. Er weiß nicht wirklich, was er macht, was hergestellt wird und was denn passieren würde, wäre er gar nicht da. Auch scheint er es nicht kritisch zu hinterfragen, dass er zB. mit 16 zu einem Arbeitsdienst gezwungen wurde, Partner nur nach Genehmigung in Betracht kommen usw. Er scheint sich also auch von sich selbst als (politischer) Person entfremdet zu haben.
Doch so richtig tiefer gehst du dann leider darauf nicht weiter ein. Du schneidest es dann später nur im Gespräch noch mal kurz an. Das fand ich sehr schade!

Ich finde insgesamt, dass der Schwerpunkt deiner Geschichte nicht so richtig durchkommt. Geht es um die Entfremdung, geht es um Einsamkeit oder um staatlich kontrollierte Zuweisung potenzieller Partner? Du schneidest vieles an, löst die Versprechen, dass dann tiefer zu thematisieren, meiner Meinung nach aber nicht ein. Ich finde, du solltest dich bei diesem Text noch mehr entscheiden, in welche Richtung du gehen willst und dann den Fokus stärker darauf legen. Denn ich glaube, dass da echt noch einiges drinsteckt. Das Grundgerüst habe ich zumindest gerne gelesen!

Beste Grüße
Habentus

Anmerkungen:

Almons Aufgabe während der Zehn-Stunden-Schicht besteht darin, die Hand auf eine schwarze Fläche an der Wand rechts von ihm zu legen, sollte den Drohnen die Behebung nicht gelingen. Was dann passiert, weiß er nicht.
Also, mir ist nicht ganz klar geworden, was jetzt konkret die Aufgabe ist. Was bedeutet, sollten die Drohnen die Behebung nicht gelingen? Konnte ich mir jetzt konkret nicht so wirklich vorstellen, was das bedeutet.

und zur Seite gestreckten Armen wartet er, bis die Düsen um ihn herum Reinigungsflüssigkeit versprühen.
Diese Stelle fand ich ein wenig ungelenk formuliert. Kann dir nur nicht sagen, warum genau :/

und durch kühle Luft getrocknet.
Würde warme Luft nicht mehr Sinn ergeben?

und betritt den Innenraum. Darin stehen im Abstand von jeweils zwei Metern die Passagiersitze.
Brauchts nicht

„Vielleicht haben die Menschen die Krankheiten selbst erschaffen, um sich zu retten. Nun kämpfen wir gegen Viren und Bakterien und nicht mehr gegen uns selbst.
Fand ich zuerst einen guten Satz. Dann habe ich aber darüber nachgedacht und es ist ja eben genau so nicht. Die Pandemie hat uns doch zuletzt gezeigt, dass die Krisenfolgen eher dazu führen, dass Konflikte sich verstärken. Ich denke an den Beginn im Frühjahr 2020, als die Solidarität zwischen Nationen hinten angestellt wurde (Ich wohne im Grenzgebiet zu Frankreich und hier wurde sehr ernsthaft diskutiert, ob schwer Erkrankte aus dem Elsass überhaupt nach Deutschland gebracht werden sollen, oder ob es nicht besser wäre, die Plätze für etwaige eigene Bürger freizuhalten. Das fand ich damals sehr heftig, aber auch bezeichnend, wo wir stehen. Wenn die Folgen ähnlicher Krisen stärkere wären, würden (militärische) Konflikte sicherlich eine vorstellbare Konsequenz darstellen. Von daher passt mir dein Satz nicht so ganz. Aber vlt. macht er ja im Kosmos deiner Geschichte mehr Sinn.

„Nein. Wir haben unsere Bio-Scans noch nicht abgeglichen und wissen nicht, ob wir es dürfen.“ Er bemerkt Leatrices fragenden Blick. „Wahrscheinlich würde unser Kontakt enden, wenn wir nicht kompatibel sind.“
„Nicht dass die Menschheit ausstirbt, weil mögliche Paare nicht den Vorstellungen der Behörde entsprechen.“
Ich finde, dass das eigentlich mit der spannendste Teil deiner Geschichte ist. Nach welchen Kategorien wird denn (staatlich?) entschieden, wie eine Kompatibilität aussieht? Da hätte ich sehr gerne mehr zu erfahren. Ich habe es ja oben bereits angesprochen, dass mir in dem Text zu viele Themenfelder aufgemacht werden, keines so richtig vertieft wird und mir insgesamt der Fokus fehlt.

 
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Hallo @C. Gerald Gerdsen ,

danke für die Ergänzung.

Selbst so epische Dinge wie 2001 Odyssee im Weltraum, die im Film seeeehr langatmig sind, leben im Buch von den Erlebnissen der Protagonisten. Wie heißt es so schön, "schreib nicht über das, was passiert, sondern über das, wie der Held darauf reagiert".
Da bin ich grundsätzlich auch bei dir. So gesehen ist der Text zweigeteilt, zuerst ein eher telliger Teil, dann durch das Gespräch mit Leatrice und den Tanz am Ende aus der erlebten Sicht der Protagonisten.
Ich fände es hierbei nur schwierig, die Beschreibungen zu der Welt vollständig in Tätigkeiten und Gedanken von Almon unterzubringen, ohne dass es zu konstruiert wirkt. Aber auch die ersten Absätze sind ja nicht reines Tell, sondern beinhalten auch Handlungen von Almon.

Macht aber nichts, ich habe deine kurze Dysthopie - denn als solches habe ich es trotz eines funktionierenden High-Tech-Systems empfunden - gerne gelesen.
Das ist das Wichtigste! :)

Viele Grüße,
Rob


Hallo @deserted-monkey und @Habentus ,
danke für eure Kommentare, meine Rückmeldung folgt demnächst.

 
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Hallo @deserted-monkey ,

danke auch hierbei für deine detaillierte Kritik!

Gefällt mir grundsätzlich ziemlich gut, was Du hier erzählst, vor allem aufgrund der Themen, die Du in deiner Geschichte anschneidest: Die Vereinsamung der Menschen, die unersättliche Gier nach Rohstoffen, die Überwachung der Menschen durch eine Behörde, die jeden ihrer Schritte verfolgt, ihnen offenbar sinnlose Aufgaben gibt, um sie beschäftigt zu halten, aber auch der Entdeckerdrang, das Weitermachen, trotz aller Widrigkeiten.
Danke! Es sind zwar einige Details, aber sie dienen in diesem kürzeren Text ja eher der Darstellung dieser Welt, als Rahmen, wie zum Ende des Textes hin die Personen handeln.

Du könntest da noch einiges eindampfen.
(...)
Beispielsweise: Ist es wichtig, wie es genau in der Fertigungshalle aussieht und wie dort alles funktioniert? Das könntest Du auch nur kurz anreissen, weils mMn sonst vom Plot ablenkt und aufgrund der Details eher wie der Auftakt zu einer längeren Geschichte wirkt.
Es wäre mir etwas zu wenig, wenn ich zum Beispiel nur schreiben würde, dass es eine Produktionshalle ist. Aber ich habe es mal etwas gekürzt, so dass zumindest ein ungefährer Eindruck entstehen sollte, was und wie dort gefertigt wird.

Der Kern des Textes offenbart sich ja während des Gesprächs mit Leatrice, denke ich. Ich würde vielleicht versuchen, den Text verstärkt darum herum aufzubauen und den Rest, der nix zu dieser Kernthematik beiträgt, über Bord werfen, bzw. ins All rausschiessen. So hatte ich mehr das Gefühl, einen Ausschnitt von etwas Grösserem gelesen zu haben, als eine in sich geschlossene Kürzestgeschichte.
Ich glaube, dass es für die Szenen am Ende mit Leatrice und dem Hologramm von Yvette wichtig ist, sie im Rahmen der zuvor beschriebenen Welt zu sehen. Die Isolation der Menschen, die eher sinnfreien Arbeiten, kaum Möglichkeiten, jemanden real zu treffen. Wenn ich zu Beginn einiges weglasse, kann ich mir schwer vorstellen, dass die o.g. Szenen eine Wirkung hätten. Werde es also mal so lassen.

Was ich mich noch gefragt habe: Das mit der Krankheit, der Epidemie, dass der Tod sich bis in die entlegensten Winkel ausbreitet: Das wirkt so ein wenig drangeklatscht, ohne wirklich Substanz zu haben, weil's im Gespräch nur ganz kurz angerissen wird. Ich würde die Thematik ausbauen oder dann rausstreichen, so wirkt es ein wenig wie ein Fremdkörper. Oder tragen deshalb alle diese Schutzanzüge? Ich dachte, die tragen sie, weil der Planet bzw. der Rohstoffabbau giftig ist ...
Ich habe es mal etwas gekürzt, von einer insgesamten Ausbreitung wird nun nicht mehr gesprochen. Die Schutzanzüge und die Isolation sind schon auf Krankheitserreger bezogen. Vielleicht war es etwas zu viel, dass auch ein Planet mit "giftiger" Atmosphäre in der Nähe ist, ich habe dieses Detail mal entfernt.

Mmmh, 'beweglicher Boden' klingt für mich unpräzise. Was ist denn das? Eine Art Förderband oder dergleichen?
Ist durch die Überarbeitung des Beginns entfallen.

Das mit der schwarzen Fläche an der Wand bzw. Almons Aufgabe habe ich nicht verstanden. Wieso muss er das tun?
Es klärt sich am Ende durch das Gespräch mit Leatrice. Diese Stelle zu Beginn sollte die Sinnlosigkeit von Almons Arbeit unterstreichen: Wenn die Fertigung zum Stillstand kommt, muss er etwas machen. Aber er weiß nicht, was genau dann geschieht. Und offensichtlich interessiert es ihn auch nicht sonderlich. Die Menschen machen also das, was ihnen aufgetragen wird, es ist ihnen ziemlich egal, ob es Tätigkeit A, B oder C ist ...

Der Boden ist transparent geworden und gibt den Blick auf Schwärze und weit entfernte Sterne frei.

Sie heben ja ab, da dachte ich, er sieht diesen giftigen Rohstoffplaneten unter sich, nicht die Schwärze des Alls und die Sterne darin. Oder habe ich da ein falsches Bild bekommen?

Er sieht den Planeten, als er durch den Gang der Raumstation geht und (zur Seite) aus dem Fenster sieht. Dann betritt er das Transportschiff und blickt durch den transparenten Boden nach unten, da dachte ich also, dass er den Planeten dann eher nicht mehr sieht oder höchstens ganz am Rand.

Sterile Umbegung und Illusion von Arbeit verstehe ich, aber wieso auch 'virtuelle Welten'? Das habe ich an der Stelle nicht recht verstanden, denn die Fertigungshalle und die Rohstoffgewinnung sind ja 'echt', also die existieren nicht nur virtuell? Aber wahrscheinlich ist das ein Vorgriff, auf das, was danach kommt, diese virtuellen Gespräche? Das denke ich mir jetzt beim zweiten Lesen, weil ich das weiss, beim ersten Mal hat's mich an der Stelle aber eher verwirrt.
Ja, es ist die zweite Stelle, an der etwas erwähnt wird, das dann erst später deutlicher wird. Da war mein Ziel eher, Interesse zu wecken, anstatt zu verwirren ...

Der Widerspruch wurde wegen seiner schlechten Noten abgelehnt.

Ich verstehe, was Du damit meinst, aber es ist etwas seltsam formuliert. Also Almon wurde ja auf diese Station geschickt, weil seine Noten zu schlecht waren, und er deshalb nicht was anderes, anspruchsvolleres machen durfte, aber 'der Widerspruch wurde abgelehnt' liest sich für mich nicht wirklich rund. Vielleicht magst Du dir die Stelle noch mal vorknöpfen?

Ich meinte den Widerspruch zu Almons Einberufung, aber da gebe ich dir recht, es ist bezogen auf den vorherigen Satz eher ungeschickt formuliert. Ich habe es mal geändert in:
"Bevor ihn die Behörde mit sechzehn Jahren zum Arbeitsdienst einberufen hat. Der Einspruch wurde abgelehnt, durch seine schlechten Noten sah man keinen Sinn in einer weiteren Schulbildung."

3D-Brillen sind ja in der heutigen Zeit schon fast überholt, all die neuen Smart-TVs haben kein 3D mehr ... Vielleicht einen anderen Begriff wählen? Für mich klingt das, vor allem in 'ner Sci-Fi Story, dann eher 'old school'.
Danke für den Hinweis, ich habe es mal in VR-Brille geändert.

Hier stockte ich kurz, weil Almon jetzt offenbar 'wirklich' zu Leatrice hingeht. Klar, vorher war von einem Gesprächsraum die Rede, aber ich dachte, das sei eben ein virtueller Gesprächsraum, weil er Leatrice' Anfrage ja auch über dieses Holodeck entgegennimmt.
Es wird erst in dieser Szene klar, dass es ein realer Raum ist, auch wenn er durch eine Glasscheibe getrennt ist. Gerade das ist für mich der wichtigste Punkt der Geschichte, Leatrice und Almon treffen sich tatsächlich. Es wird in dem Gespräch ja deutlich, dass daran kaum noch jemand interessiert ist.

Hat sein Geburtsort keinen Namen, also dieser Mond? Das klingt etwas seltsam, ich würde ihm hier einen Namen geben.
Jetzt hat er einen Namen.

„Vielleicht haben die Menschen die Krankheiten selbst erschaffen, um sich zu retten. Nun kämpfen wir gegen Viren und Bakterien und nicht mehr gegen uns selbst.“

Hält er diese Theorie wirklich für plausibel?

Ich habe es mal geändert in:
"Vielleicht haben die Menschen die Krankheiten selbst erschaffen, um die Kriege zu beenden. Nun kämpfen wir ..."

Vorschlag: Das Symbol daneben ist grün, sie ist noch online.
übernommen

Ob es die Maschinen überhaupt merken würden, wenn die Menschen ihre Arbeit einstellen?“

Mmmh, die Maschinen vielleicht nicht, aber ganz sicher die Behörde, oder? Zumindest habe ich aus dem Gespräch mit Leatrice rausgezogen, dass sie da von einer Art Behörde überwacht werden.

Die Behörde bestimmt, aber es sollte hier noch mal drauf hindeuten, welchen Nutzen die Tätigkeiten überhaupt haben, die den Menschen zugetragen werden. Die Maschinen erledigen die Arbeit, es gibt Reparaturdrohnen, die selbstständig aktiv werden bei einem Defekt ... also entstehen Jobs wie "Produktionswächter".

Das erinnert mich daran, als irgendwann die Ticketautomaten der Deutschen Bahn aufgestellt wurden. Dadurch sollten entsprechend Ticketverkäufer eingespart werden. Dafür wurden dann aber Mitarbeiter abgestellt, die neben den Automaten standen und den Fahrgästen erklärt haben, wie diese zu bedienen sind ...

Danke für deine hilfreichen Tipps und viele Grüße,
Rob


Hallo @Habentus ,

danke für deinen Kommentar!

Was mir sofort in den Kopf kam, war Entfremdung. Dein Protagonist hat sich vollständig von seiner Tätigkeit entfremdet. Er weiß nicht wirklich, was er macht, was hergestellt wird und was denn passieren würde, wäre er gar nicht da. Auch scheint er es nicht kritisch zu hinterfragen, dass er zB. mit 16 zu einem Arbeitsdienst gezwungen wurde, Partner nur nach Genehmigung in Betracht kommen usw. Er scheint sich also auch von sich selbst als (politischer) Person entfremdet zu haben.
Wahrscheinlich meinst du das Gleiche, ich hätte hier statt Entfremdung eher Gleichgültigkeit oder bedingungsloses Akzeptieren genannt. Wahrscheinlich auch dadurch, dass Almon in dieser Wwlt und dem bestehenden System groß geworden ist, er es daher auch hinnimmt und nicht hinterfragt.

Ich finde insgesamt, dass der Schwerpunkt deiner Geschichte nicht so richtig durchkommt. Geht es um die Entfremdung, geht es um Einsamkeit oder um staatlich kontrollierte Zuweisung potenzieller Partner? Du schneidest vieles an, löst die Versprechen, dass dann tiefer zu thematisieren, meiner Meinung nach aber nicht ein.
Das ist dann wahrscheinlich ein Schwachpunkt, der durch den Aufbau des Textes entsteht. Es geht mir ja bei den ersten Absätzen darum, die Welt zu beschreiben, nicht jedes einzelne Detail dann auch im weiteren Handlungsverlauf auszuarbeiten. Es ist ja auch als kurzer FF-Text gedacht. Aber ich kann deinen Punkt nachvollziehen, weiß im Moment aber nicht, wie ich das lösen kann. Wie ich im vorherigen Kommentar geschrieben habe, machen die letzten beiden Absätze mE kaum Sinn, wenn zuvor keine Eindrücke dieser Welt entstanden sind.

Also, mir ist nicht ganz klar geworden, was jetzt konkret die Aufgabe ist. Was bedeutet, sollten die Drohnen die Behebung nicht gelingen? Konnte ich mir jetzt konkret nicht so wirklich vorstellen, was das bedeutet.
Insgesamt heißt es ja zu Beginn:
"Am Rand der Halle schweben Reparaturdrohnen, die bei einer Störung aktiv werden. Almons Aufgabe während der Zehn-Stunden-Schicht besteht darin, die Hand auf eine schwarze Fläche an der Wand rechts von ihm zu legen, sollte den Drohnen die Behebung nicht gelingen."
Durch die Wörter "Reparaturdrohnen" und "Störung" bin ich davon ausgegangen, dass soweit klar wird, was mit Behebung gemeint ist. Ich könnte es genauer als "Störungsbehebung" schreiben, aber dann hätte ich das Wort Störung zweimal kurz nacheinander, werde es also mal so lassen.

Würde warme Luft nicht mehr Sinn ergeben?
habe es geändert

Fand ich zuerst einen guten Satz. Dann habe ich aber darüber nachgedacht und es ist ja eben genau so nicht. Die Pandemie hat uns doch zuletzt gezeigt, dass die Krisenfolgen eher dazu führen ...
Ich habe den Satz etwas abgeändert, siehe vorheriger Kommentar.
Das ist natürlich ein schwieriges Thema und wirkt wahrscheinlich erst mal ziemlich drastisch und übertrieben. Aber wer weiß, wie weit manche Staaten in einer fernen Zukunft gehen würden, wenn die Weltbevölkerung immer weiter wächst und die Ressourcen nicht mehr ausreichen.
Manches wie zum Beispiel Biologische Waffen können wahrscheinlich auch schnell außer Kontrolle geraten, selbst wenn sie erst mal nur gezielt eingesetzt werden sollten.
Aber hier ist es eine erfundene Kurzgeschichte, insofern habe ich es als Vermutung einer der Personen mal so geschrieben.

Auch deinen abschhließenden Hinweis kann ich nachvollziehen, für mich bleibt es nur ein zentraler Bestandteil, die entstandene Welt und Gesellschaft zu beschreiben, auch wenn ich die einzelnen Punkte nicht jeweils vertiefe. Aber vielleicht greife ich dieses Umfeld ja noch mal in einem ausführlicheren Text auf, es ist ja schon mal eine wichtige Rückmeldung für mich, dass es anscheinend auf Interesse stößt.

Danke für deine Hinweise und viele Grüße,
Rob

 
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Hallo @Rob F .

Almon blickt am Ende der Schicht durch die gläserne Wand des Kontrollraums.
Guter Einstieg. Macht neugierig, vermittelt sofort Klaustrophobie.

Es ist noch nicht vorgekommen in den zwei Jahren, die er als Produktionswächter arbeitet.
Vielleicht ein etwas offensichtlicher "hook", aber funktioniert.

Produktionsstätten und Wohnmodulen.
Effektive Wortwahl.

Der Boden ist transparent geworden
Hier fände ich etwas wie "der Boden ist jetzt transparent" anschaulicher. Das "geworden" hat mich irgendwie gestört. Ist aber zugegebenermaßen ein penibler Kritikpunkt. Und vielleicht vollkommen subjektiv.

Gibt es irgendwo Orte, die anders sind als dieser?, fragt sich Almon.
Diesen Gedanken höre ich in deiner Stimme, nicht in seiner.

nur ihr gelegentlicher Griff ans Ohrläppchen stört dieses Bild.
schönes Detail

„Ich spiele Software-Updates ein und teste in endlosen Wiederholungen, ob danach noch alles funktioniert.“
"in endlosen Wiederholungen" höre ich hier auch wieder eher in deiner, als in seiner Stimme.
„Wahrscheinlich würde unser Kontakt enden, wenn wir nicht kompatibel sind.“
Hier finde ich sinniger etwas wie: "Wahrscheinlich endet unser Kontakt [...]." Sonst wirkt es irgendwie nicht final genug.

Barfuß und im Schlafanzug beginnt sie, sich zum langsamen Rhythmus eines Soul-Liedes zu bewegen. Er geht zu ihr, führt seine Handfläche an ihre und versucht sich die Berührung vorzustellen. Dabei denkt er lächelnd an Leatrice und ihre übereinstimmenden Bio-Scans.
„Worüber freust du dich?“, fragt Yvette.
„Dass ich nicht alleine bin“, antwortet Almon.
Schönes bittersüßes Ende.

Insgesamt gefällt mir die Geschichte gut. In wenigen Passagen hast du einen eindringlichen Ausschnitt einer Welt präsentiert. Das Ende verweist vielleicht nicht auf mehr, wie ich mir insgeheim gewünscht hätte, gleichzeitig finde ich es angemessen dass der Einblick damit in sich abgeschlossen ist.

 
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Hi @paulhoban98 ,

danke für den Gegenbesuch!

Es ist noch nicht vorgekommen in den zwei Jahren, die er als Produktionswächter arbeitet.

Vielleicht ein etwas offensichtlicher "hook", aber funktioniert.

Ja, es vermischen sich wahrscheinlich Handlungsinhalte mit Informationen zu dieser Welt, aber hauptsache, es macht schon mal neugierig.

Hier fände ich etwas wie "der Boden ist jetzt transparent" anschaulicher. Das "geworden" hat mich irgendwie gestört. Ist aber zugegebenermaßen ein penibler Kritikpunkt. Und vielleicht vollkommen subjektiv.
Ich habe es geändert in:
"Der Boden ist wie bei jedem Flug transparent und gibt den Blick auf Schwärze und weit entfernte Sterne frei."

Diesen Gedanken höre ich in deiner Stimme, nicht in seiner.
Also etwas umgangssprachlicher:
"Ist es irgendwo anders als hier?, fragt sich Almon."

"in endlosen Wiederholungen" höre ich hier auch wieder eher in deiner, als in seiner Stimme.
An dieser Stelle lasse ich es mal so, Leatrice und Almon treffen sich ja zum ersten Mal, da finde ich es schon passend, dass sie eher förmlich und ausführlich sprechen. Und es passt ja auch dazu, wie sie die Arbeiten empfinden: "endlos wiederholend".

Hier finde ich sinniger etwas wie: "Wahrscheinlich endet unser Kontakt [...]." Sonst wirkt es irgendwie nicht final genug.
habe es so übernommen

Danke fürs Lesen und deine Eindrücke!

Viele Grüße,
Rob

 
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Morgen Rob,

"Der Boden ist wie bei jedem Flug transparent und gibt den Blick auf Schwärze und weit entfernte Sterne frei."
Das "bei jedem Flug" könnte man sich m.m.N. auch sparen, weil es ja eigentlich klar ist, dass du dabei bist, die Welt zu etablieren wie sie ist, nicht wie sie gerade erst wird.

An dieser Stelle lasse ich es mal so, Leatrice und Almon treffen sich ja zum ersten Mal, da finde ich es schon passend, dass sie eher förmlich und ausführlich sprechen. Und es passt ja auch dazu, wie sie die Arbeiten empfinden: "endlos wiederholend".
Vielleicht würde auch nur "endlos" reichen? Es stimmt schon, dass es Sinn ergibt, die Endlosigkeit zu vermitteln. Selbst in Bezug auf ein erstes Treffen finde ich halt die Kombination "endlos wiederholend" klingt wie etwas, das man schreibt, nicht wie etwas, das man sagen würde.

Aber sind ja alles nur Vorschläge. Die ich auch deshalb mache, weil der Rest mir sprachlich gut gefallen hat, klar und gut kalkuliert ist, weshalb man an diesen Stellen eben etwas stolpern könnte.

Dir einen guten Start in den Tag.

Liebe Grüße,
Paul

 
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Hallo @paulhoban98 ,

überzeugt, ich habe beide Sätze angepasst.

Danke fürs Dranbleiben und auch dir eine gute Woche!

Viele Grüße, Rob

 
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Hallo @ralfchen ,

vielleicht täuscht mich mein Eindruck, aber das klingt ein wenig nach "Du kritisierst meinen Text, also mache ich deinen auch runter".

Ich bin zugegeben nicht unbedingt technikkundig, ich finde es jedoch nicht abwegig, dass in der Zukunft fast alles von Maschinen erledigt wird und die Menschen versuchen, überhaupt noch Arbeiten zu finden, um die Leute zu beschäftigen. Es ist das Thema dieses kurzen Textes, das kannst du nicht wissen, da du nicht weit gelesen hast. Deswegen hatte ich neben Science Fiction auch den Tag "Gesellschaft" vergeben.

Ob in der Zukunft Maschinen, die unter anderem Einzelteile herstellen, noch 3D-Drucker heißen, mag fragwürdig sein, vielleicht ist es aber auch nicht völlig ausgeschlossen. Es ist keine technische Zukunftsvision und ich möchte auch nicht mit erfundenen Begriffen vom eigentlichen Thema ablenken.

Aber ich nehme Vorschläge gerne entgegen, falls du einen Alternativvorschlag zu "3D-Drucker" hast.

Danke für deinen Kommentar und viele Grüße,

Rob

 
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Hallo @ralfchen ,

ich bin wahrscheinlich kreativer beim Erfinden von Wörtern als bei Details zu technischen Geräten. Ich habe es also mal in "Materieprinter" umbenannt, danke für die ergänzende Erklärung.

Es wird dann deiner Erwartung als Leser entsprechen, nur muss es bei Science Fiction ja nicht immer um Zukunftsvisionen mit möglichst kreativen Technikideen gehen. Ist hier trotz der ein oder anderen Beschreibung zum Setting auch nicht das Thema, aber da gebe ich dir recht, bei einem Zukunftsthema sollte ich wohl keine Begriffe verwenden, die bereits heute überholt sind.

Übrigens hatte ich dir trotz meines Fazit zu deinem Text einen ausführlichen Kommentar geschrieben, aber es ist natürlich deine Entscheidung, inwiefern du es inhaltlich aufgreifst.

Viele Grüße und noch viel Spaß hier,
Rob

 

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