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Ham´ses angesacht?

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27.12.2018
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Anmerkungen zum Text

Perspektive eines Fünfjährigen

Ham´ses angesacht?

Ham´ses angesacht?
„Mutter´n, ´s zieht sich zu! Hol ma de Wäsche rin!“. „Ja, ham´se aber auch anjesacht!“, plärrte es aus der Laube. Danny spielte im Garten. Sein neues Opa-Langbein-Projekt verlangte zwar seine volle Aufmerksamkeit, aber eines wurmte ihn bereits länger. Schon wieder dieses „se“. Wer sollte das sein – „Se“? Die identischen Leute, die bestimmten, was Mal in der Stadt passiert sei? „Gestern war´n riesen Demo von Zecken, ham´se jesacht. Darum war´n so ville Bulln da.“, unterhielt sich sein Vater mit dem Garten-Nachbarn vom Vortag. Waren „Se“ mit bei? Sind „Se“ eine Art Arzt? Menschen, die wussten, dass es notwendig sei, sich auch die Haut im Sommer einzucremen und dies über den Rundfunk verbreiteten? „Im Radio ham´se jesacht, dasses wichtig is!“, wiederholte sein Opa regelmäßig, wenn er Danny die ekelhaftriechende Lotion dick ins Gesicht schmierte. Warum machen alle, was „Se“ ihnen sagen, fragte er sich.
„Heut komm´se. Räum ma uff, Danny!“ Und dann tauchten bloß Tante Christiane mit Sophie, seiner nervigen Cousine, auf. Mit ihr musste er sich beschäftigen, befahl die Mutti. Wie er Sophie zeigte, wie er die Opa-Langbein-Spinnen aus dem Geräte-Schuppen im Glas aufbewahrte, hatte sie gequietscht. Als ob ihr die kleinen Viecher etwas antun würden. Danny sammelte die Insekten, um daraus Spinnenmilch zu gewinnen. Wenn er sie zwischen Daumen und Zeigefinger zerdrückte, quirlte weißes Zeug aus ihnen Körpern. Ein wenig dickflüssiger als Kuh-Milch. Die Mutti nahm ihm das letzte Glas nach Sophies Schrei weg. Bloß, weil sie so nervig rum rumplärren musste. „Haben „se“ ihr nicht mal gesagt, dass man auch mal die Klappe halten müsse, wenn man zu Gast ist?“, ärgerte er sich.
Sich zu erkundigen, was es mit „se“ auf sich hat und warum jeder darauf hört, traute er sich nicht. Es war peinlich genug gewesen, als er Oma Sieglinde mal fragte, ob sie sich schon mal totgeschwitzt habe? „Natürlich nich, sonst wär ich nich hier“, giftete sie ihn an. Woher hätte er wissen sollen, was es mit dem „Totschwitzen“, von dem sie den halben Sommer jammerte, auf sich hat? Für solche Fragen setzte es immer gleich ´ne Backpfeife. Darum blieb er lieber still. Besser nichts sagen, als was Falsches.
Aber das konnte ebenfalls ein Fehler sein. Als seine Eltern von Ungarn aus, Tante Christiane anriefen, sollte auch er mit ihr sprechen. Alle Erwachsenen standen daneben und belauerten ihn erwartungsvoll. „Hallo“, war das Einzige, was er rausbrachte. Nach zehn langen Sekunden Schweigen nahm der Vater ihm endlich den klebrigen Hörer aus der Hand. Anschließend gab es eine Schelle, weil er wieder nur Geld verschwendet habe. Das Piepen im Ohr blieb über fünf Minuten. „Se“ hatten ihm nie gesagt, was er der Tante Christiane erzählen sollte.
„Se“ mit ihrem Wetter, „Se“ mit ihren Geboten. Wie eine Art Gott sind „Se“ für die Alten. „Se“ hätten ihm ruhig mal sagen können, was zu machen ist. „Se“ haben ihm auch nie erzählt, was unter „totschwitzen“ zu verstehen sei. Wahrscheinlich reden „Se“ nur mit den Erwachsenen. Die vergaßen aber selber, wenn sie zu viele Auerhahn-Falschen hatten, was sie ihm bereits gesagt haben und was nicht. Dann bekam er wieder Anfratze und wusste nicht wofür. Das passiert oft. Der Hals wurde furchtbar dick, so dass er nicht schlucken konnte. Auch nicht sprechen. Wenn er es doch versuchte, war die Stimme ganz hoch und wackelig. Richtiges Weinen kam als nächster Schritt. Peinlich. Besonders vor Sophie. Alles nur wegen „Se“.

 

@AWM Vielen Dank! Ja, das ahbe ich mir auch schon überlegt. Wahrscheinlich würde es auf viel mehr wortwiederholungen, viel mehr "und dann" etc. hinauslaufen. Deinen text muss ich gleich mal suchen :-)

 

Hallo @Fritz Stru,

ich mag die Idee deiner Geschichte ebenfalls und stimme @AWM zu, was die Stimme der Geschichte betrifft. Ich denke auch, dass hier die kindliche Perspektive, so sie dann auch wirklich als solche durchgezogen wird und authentisch klingt, deiner Geschichte gut tun würde. Das würde noch mal eine echtere Unbeschwertheit/Leichtigkeit reinbringen.

Ich finde aber nicht, dass die Sprache dadurch zu simpel, bzw. mit Wortwiederholungen und mehr "und dann" gespickt werden muss. Das würde - meiner Meinung nach - die Qualität deiner Geschichte schmälern. Es kommt ja ganz darauf an, wie alt Danny ist. Seine Sprache kann durchaus kindlicher, naiver sein, auch bezogen auf seine Überlegungen, aber dennoch muss das Ganze deshalb nicht simpel klingen. Kinder sind ja oft wahnsinnig keck und gewitzt in ihren Gedanken und Vergleichen. Es kommt, finde ich, vielmehr darauf an, wirklich den richtigen Tonfall zu finden. Welche Verben, Adjektive werden benutzt, wie groß ist der Wortschatz, werden bestimmte Dinge vielleicht eher umschrieben, weil das Kind die Bezeichnung dafür noch nicht kennt ...? All sowas.

Das mal als kleiner Gedankenanstoß am Rande.

Viel Spaß beim Arbeiten, bin gespannt, was du aus dem Text noch machst.

Viele Grüße
RinaWu

 

@RinaWu Hallo Rina,
vielen Dank! Ich bin ehrlich, als Kind ahbe ich mich das tatsächlich gefragt. Sind "Se" diese Opas auf den Bildern? (Honecker)...oder irgendwelche großen Roboter?
Na mal sehen. Den überarbeiteten Text, würde ich dann hier in den Kommentaren veröffentlichen. Nochmal Danke für eure Rückmeldungen!

 

@Fritz Stru, du machst das nicht in den Kommentaren, sondern direkt in deinem Ursprungstext.

Du kannst deinen Text direkt in deinem ersten Post bearbeiten und neu abspeichern. Du klickst unter deinem Text einfach auf den Button "bearbeiten", arbeitest die Änderungen ein und gehst anschließend auf "speichern".

Viele Grüße
RinaWu

 

Den überarbeiteten Text, würde ich dann hier in den Kommentaren veröffentlichen.
Hallo Fritz,

Ich habe dir doch schon vor zwei Wochen gesagt, dass das nicht geht. :Pfeif:

Kommentarfenster sind für Kommentare, das erste Fenster ist für die Geschichte. Bitte dort auf "bearbeiten" klicken und die Änderungen im Originaltext durchführen.

Danke und Grüße, GoMusic

 

„Ham Se nich, ham Se nich, ham Se nich 'ne Braut für mich?“, beginnt ein alter Schlager Bully Buhlahns, der wohl Berlinerisch klingt mitsamt dem eigenen Akzent Buhlans und ob es ein Sozio- oder Dialekt ist, ist uninteressant – es klingt Berlinerisch, selbst wenn der Ruhrpott mit seinen Anleihen aus dem Rheinfränkischen, Münsterländischen und Westfälischen (beides Altsächsisch), seinen polnischen, spanischen und italienischen und zuletzt türkischen (Kanakdeutsch) Elementen gelegentlich wie Berlinerisch klingt – es liegt allein an der Benratherlinie, die das ik vom ich trennt, das Niederdeutsche vom Oberdeutschen, der Grundlage des Hochdeutschen scheidet (weil es aus dn Bergen kommt ist es "Hoch§sprache", könnte eine kindliche Erklärung sein). Und wie jeder individuelle Akzent ein bisschen anders ist als der des anderen, so ist es auch mit den Soziolekten, die sich über Dialekte legen und das „se“ ist wie das „ik“. Das es selbst Kindern, die in einem „grammatisch“ korrekten Milieu aufwachsen, Schwierigkeiten bereitet, wenn in das gewohnte Milieu ein anderer Sound (und sei‘s nur ein andere Betonung) einbricht, sollte auch niemand überraschen. Ich glaub, noch als achtjähriger betonte ich Hotel oder auch Jugoslawien – um zwo Beispiele zu nennen – falsch – etwa – so aus der Erinnerung „[‘ho:tl] und [ju‘gos‘lavi:n]“, und damit erst einmal

herzlich willkommen hierorts,

Fritz Stru -

und ich mag es, wenn Dialekt und Soziolekt, aber auch individueller Akzent und Irrtum gepflegt und genutzt werden – denn das ergibt erst das sprachliche Universum, das ohne Abweichung überwältigend ärmer wäre.

Paar Flusen

Hol ma de Wäsche rin!“. „Ja, …
Punkt weg!
Warum war´n so ville Bulln da.“, unterhielt …
schon widda n Punkt wech!
..., wenn er Danny die ekelhaftriechende Lotion dick ins Gesicht schmierte.
Ekelhaft riechende, getrennt

Bloß, weil sie so nervig rum rumplärren musste.
Wenn sprachliche Eigenheit, stehn lassen – sonst weg mit dem ersten rum

„Haben „se“ ihr nicht mal gesagt, dass man auch mal die Klappe halten müsse, wenn man zu Gast ist?“, ärgerte er sich.
Wenn schon Gänsefüßchen in der wörtl. Rede, dann einfache ‚se‘

Es war peinlich genug gewesen, als er Oma Sieglinde mal fragte, ob sie sich schon mal totgeschwitzt habe?
geht auch ohne dass es west. Und: Muss „er“ selber issen, ob zwoma‘ mal ...

Als seine Eltern von Ungarn aus, Tante Christiane anriefen, sollte auch er mit ihr sprechen.
Warum das erste Komma? Weg mit ihm!

Dann bekam er wieder Anfratze und wusste nichtKOMMA wofür.

Haddem Dante Friedchen jefallen, kannze mich glauben!

Friedel

 

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