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Harmonielehre

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Harmonielehre

E

Das crescendoartige Wortgefecht musste in einem Höhepunkt gipfeln. Doch Thomas konnte nicht ahnen, dass dieser darin besteht, den Korpus seiner Gibson-Gitarre in bester Joe DiMaggio-Manier von Margit ins Gesicht gedroschen zu bekommen. Wumm! Die e-Saite schnellt aus dem Steg und verursacht ein Klanggewirr, das erst dann stoppt, als Margit ihren Griff von der Kopfplatte auf den Gitarrenhals verlagert, um das Instrument erneut in die Luft zu hieven.
»Du Drecksau! Ich mach’ dich fertig!«, brüllt sie mit erhobener Klampfe, stößt einen Kampfschrei aus und setzt an, das Mahagoni ein zweites Mal mit voller Wucht gegen Thomas’ Visage zu zimmern.

A

Margit trinkt einen Whisky und hetzt im Wohnzimmer auf und ab. Das Klacken ihrer Pumps klingt nach unheilvollem Artilleriefeuer, das die Ruhe im Breuer’schen Landsitz durchschießt. Thomas macht das nervös. Während er ausgehbereit auf dem Sofa sitzt und versucht, Töchterchen Julia mit Birnenmus zu füttern, bedenkt er Margit mit abfälligen Blicken. Dabei ist er darauf bedacht, den Hass auf seinem Gesicht nur milde durchschimmern zu lassen. Im Falle eines unvorhergesehenen Blickkontakts gilt es, im Nu auf Lächeln umschalten zu können. Dieser mimische Balanceakt ist die letzte ihm bekannte Form der Meinungsäußerung, die ihm geblieben ist — sein ganz persönlicher, stiller Protest gegen die Schreckensherrschaft seiner Gattin, die mit dem heutigen Tag ins achte Jahr geht. Im Abendkleid von Armani irrt sie ziellos umher. Ihre Hektik passt nicht zum sonst so eleganten Äußeren. Sie bleibt einen Augenblick stehen, schreit aus voller Kehle »Diese dumme Sau!«, und schreitet dann wieder wie eine Wildgewordene auf dem Marmor umher. Klick, klack — ra-ta-ta-ta-ta.
»Sie wird gleich da sein, Spatz«, versichert ihr Thomas, darum bemüht, seiner Stimme einen sonoren Klang zu verleihen.
»Spatz am Arsch«, antwortet Margit.
Sie ext ihr Glas, geht zur Minibar und füllt nach. Thomas schweigt. So geht es zwei, drei Minuten, bis ihm ein idiotisches Propellergeräusch entfährt. Margit sieht zu ihm rüber und beobachtet, wie er mit prallgefülltem Plastiklöffel zum Sturzflug auf Julias Mäulchen ansetzt und darauf hofft, dass sie ihm endlich Landeerlaubnis erteilt. Vergeblich. Julia sieht ihn bei jedem Versuch unverwandt an und hält den Mund geschlossen. Margit wendet sich angewidert ab.
»Sie isst nichts«, stellt Thomas fest. »Sieht so aus, als bleibt es wieder an Elli hängen.«
»Das Miststück kommt nicht!«, schreit Margit, ihre Stimmbänder in vollem Maße ausreizend, als hätte sie ihr Vorhaben, heute Abend ein Potpourri aus eingedeutschten Jazzstandards in der BARbarei darzubieten, schon längst ad acta gelegt.

d

Nahtoderfahrungen. Es heißt, der vermeintlich Dahinscheidende bekäme darin die Höhepunkte seines Lebens im Schnelldurchlauf präsentiert. Thomas hatte dies einem Buch von Raymond A. Moody entnommen, das er, kaum ausgelesen, als Mumpitz abgetan und an einem frühherbstlichen Abend im Garten seines Landhauses in den Feuerkorb geworfen hatte. Doch die Idee sollte in den Folgejahren an ihm nagen. Nie hatte er sie ganz abschütteln können, ganz im Gegenteil. Sie ist ja auch zu reizvoll. Anstelle von Banalitäten nur Lebensereignisse von dramaturgischer Brisanz als letzten Absacker serviert zu bekommen, hatte für ihn etwas geradezu Filmisches, was ihn, bekennender Cineast und Ästhet, mit seiner Sterblichkeit versöhnte und hoffnungsvoll stimmte. Nun ist das, was Thomas gerade widerfährt, beileibe keine Nahtoderfahrung – blutüberströmte Fresse hin oder her. Doch jetzt, als er mit zugekniffenen Augen vor seiner Herzallerliebsten kniet und eine erneute Kollision mit ‘Oshkosh’ erwartet, sprudelt ein Wust an Erinnerungen in ihm hoch, den er binnen einer Nanosekunde analytisch zu deuten vermag, wodurch sich ein Gefühl der Weisheit in ihm einstellt. Jene trügerische Weisheit bringt ihn, wir sind immer noch in jener Nanosekunde, zu der Erkenntnis, seiner Ehe ein Ende bereiten zu müssen, auf welche Art auch immer, sofern er den Tobsuchtsanfall seiner Frau denn überleben würde. Julia zuliebe hatte dies zu geschehen. Ihm zuliebe. Ja, wahrscheinlich sogar Margit zuliebe. Den Urschrei seiner Noch-Gattin erduldend, beschließt er, ihr zunächst eine Lehrstunde in Sachen Nehmerqualitäten zu erteilen, um anschließend Taten folgen zu lassen doch da klingelt es an der Tür.

g

Für eine Weile wandert nun auch Thomas wahllos von einem Eck ins nächste. Julias Blick pendelt zwischen dem Elternpaar hin und her. Da die saufende Mutter, dort der gedankenverlorene Vater. Das Kind lächelt, der Grund dafür bleibt unklar. Irgendwann hält Thomas vor seiner Wall of Guitars — jener Wand parallel zur Fensterfront, die komplett mit seiner Gitarrensammlung zugehängt ist. Seine Augen verharren auf seinem Liebling, einer Hummingbird Original von Gibson.
»Was meinst du, soll ich heute auf Oshkosh spielen?«, fragt Thomas.
»Ich werde nie darüber hinwegkommen«, antwortet Margit, »dass ich mit einem Mann zusammenlebe, der seinen Gitarren Namen gibt. Und was für welche noch dazu.«
Thomas schweigt. Er geht einige Schritte weiter und nimmt eine schlichte Yamaha aus der Halterung. Dann geht er zurück zum Sofa, setzt sich und schlägt die verstimmten Saiten an. Margit rülpst herzhaft und torkelt auf ihn zu.
»Wieso machst du dich nicht nützlich und spielst mir ein Lied?«
»Hatten wir nicht vereinbart, dass du heute fährst?«, fragt Thomas.
»Spiel mir ein Lied.«
»Versprich mir, dass das dein letzter Drink ist.«
»Spiel mir ein Lied!«
»Margit, bitte!«
»Spiel… mir… ein… Lied!!!«
»Na gut, mein Spatz.«
Unter dem Ausstoß eines demonstrativen Gegenrülpsers, macht sich Thomas daran, das Instrument zu stimmen. Julia klatscht in die Hände. Ihr Enthusiasmus bleibt unverständlich. Unter Thomas’ unentwegtem Anschlagen der g-Saite lässt Margit schon mal die Hüften kreisen. Seine Wahl fällt auf Gerald Marks’ All of Me, ein Lied von dem er sich eine Botschaft an seine Ehefrau zu senden verspricht. Immerhin war es jenes Stück, das sie bei ihrer ersten Open-Mic-Session spontan zum Besten gegeben hatten. Dies geschah kurz nachdem sie vor Antoines Würstchenbude gegenüber der BARbarei, beim Verzehr einer Portion Pommes frites und Bier, von den imaginären Pfeilen Amors heimgesucht wurden. Antoines Bude gibt es nicht mehr. Ihre Liebe genauso wenig. Weder füreinander, noch für die Musik. Den Weg die Karriereleiter hoch wurde sie aus Zeitmangel zu einer Hochzeitstagstradition degradiert und frönt nun ein tristes Dasein als Hobby.
»All of Me?«, ruft Margit, kaum, dass Thomas acht Takte im Song ist, »Ernsthaft? Fucking All of Meee?«
Sie eilt zur Gitarrenwand, greift sich Oshkosh und geht entschlossenen Schrittes auf Thomas zu.

h

Thomas hat die Gibson auf seinem Schoß und entfernt die durchtrennte e-Saite aus dem Stimmwirbel. Er tut dies im Schein der Innenraumbeleuchtung des Breuer’schen Audi A8. Dabei versucht er krampfhaft sein linkes Auge offen zu halten, das kurz zuvor eine Schwellung vom Zusammenstoß mit dem Instrument davongetragen hatte.
»Wer hätte gedacht, dass Elli heute noch aufkreuzt, ha?«, fragt Margit, lacht und sucht seinen Blick im Rückspiegel, während sie das Auto durch die kurvige, verregnete Landstraße manövriert.
Thomas schweigt und fokussiert sich auf das Wiedererlangen von Oshkosh's Spielfähigkeit. Wider aller Umstände wird er seiner Hummingbird heute wohl doch noch das ein oder andere Lied abverlangen. Alsbald er die kaputte Saite losgelöst hat, nimmt er eine neue aus der Verpackung und friemelt das Ende an entsprechender Stelle durch den Steg. Er formt einen Knoten und zieht ihn fest. Dann fädelt er das lange Ende ins Loch des e-Wirbels, setzt die Saitenkurbel an und dreht daran, bis der Strang stramm anliegt. Unterdessen nimmt der Regen zu. Margit erhöht das Intervall der Scheibenwischer und beschleunigt den Wagen.
»Ich liebe es, im Regen zu fahren«, sagt sie.
»M-hm«, entgegnet Thomas, »vor allem stockbesoffen, nicht?«
»Ja!«, ruft Margit und lacht.
Er zupft die e-Saite, die noch meilenweit von einem e’ entfernt klingt, dreht am Wirbel, spielt die Saite erneut, justiert weiter und wiederholt das Prozedere, bis sich das Wunschergebnis einstellt. Dann spielt er die Tonleiter einmal auf und ab, unternimmt letzte Verfeinerungen und schlägt nochmal alle Saiten der Reihe nach an, um sicherzustellen, dass sie im Einklang sind.
»Mmm, so klingt Harmonie«, schwärmt Margit und löscht die Innenbeleuchtung.
Erneut sucht sie Thomas’ Augen im Spiegel, der dies bemerkt und auf den Platz direkt hinter dem Fahrersitz rutscht. Er lehnt sein Gesicht gegen die Fensterscheibe. Das kalte Glas übt einen schonenden, zugleich schmerzvollen Effekt auf das wunde Auge aus und lässt ihn aufstöhnen. Unter seinem Gesäß zieht er die zerrissene, nutzlose, ihres ursprünglichen Zweckes beraubte Saite hervor. Sanft beginnt er mit seinen Fingerkuppen daran auf und ab zu fahren. Ist sie denn wirklich nutzlos, diese Saite? Er wickelt das eine Ende um seine linke, das andere um die rechte Hand und lehnt sich nach vorne.
»Kannst du bei nächster Gelegenheit mal rechts ranfahren?«, fragt er.
»Wieso?«, entgegnet Margit.
»Ich muss mal Wasser lassen.«
»Okay. Ich würd’ ja sagen, mach dich nicht nass, aber…«, sagt Margit und deutet hinaus in den Regen, der mittlerweile zu einem handfesten Sturm mutiert ist.

e’

Thomas spannt die Saite zwischen seinen Händen, lässt locker und spannt sie dann erneut. So geht es dahin, bis Margit kurz darauf an einer Waldeinfahrt hält, die ebenso verlassen ist, wie das ganze Gebiet, das die Breuers von der Stadt trennt, in der das Leben tobt, an dem sie einst so gerne teilgenommen hatten. Die gerade noch nutzlose e-Saite ist auf Vollspannung und nun auf ihre eigene, seltsame Weise wieder einsatzbereit. Sie hat bereits tiefe Rillen in Thomas' Händen hinterlassen. Sein von Blitzen illuminiertes Gesicht starrt hinaus in das Unwetter und scheint sich selbst nicht sicher zu sein, wann und wie diese Nacht enden wird. Zunächst gilt es jedenfalls, einen Gedanken zu erdrosseln, ehe er die Grenze zur Wirklichkeit passiert.

 
Monster-WG
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Hola @nothing,

ich hab gerade Deinen Text gelesen und muss erst einmal sortieren.
Der Anfang gefällt mir nicht, weil ‚crescendoartig‘ in einer mit ‚Humor‘ getaggten Geschichte unpassend ist. Dieses Wort wirkt wie übermäßig geschminkt (und es kommt ja noch jede Menge Gitarristen-Insiderwissen) :cool:.

gegen Thomas’ Visage zu zimmern.
Bei aller Wortgewalt wirkt ‚zimmern‘ für mich übertrieben.

Und leider bleibt der Eindruck des großen Wort-Auftritts bis zum Schluss.
Sicherlich bist Du ein großer Wortartist und beherrschst unserer Sprache perfekt, nur empfinde ich die Diskrepanz zwischen hochgestochenen Formulierungen und ‚Humor/Satire‘ ein bisschen unrund. Da hätte ich eine direktere Sprache erwartet.

Trotzdem ist Deine Schreibart auch eine Möglichkeit, ‚Satire‘ an den Leser zu bringen – wenn er Spaß hat an übertriebenen Formulierungen:

Thomas schweigt und fokussiert sich auf das Wiedererlangen von Oshkosh's Spielfähigkeit.
Mein Humor ist das nicht. Es gibt eine Taubenart, der hat man solche Riesenbrüste angezüchtet, dass sie beim einfachen Laufen oft auf die Nase den Schnabel fällt. Mich erreicht die wohl angepeilte Witzigkeit in dieser Sprache nicht – auch weil ich die Handlung nur mäßig lustig empfinde (Deine Gitarren-Kenntnisse blähen den Text auf, sind aber wenig unterhaltsam).

»Ich liebe es, im Regen zu fahren«, sagt sie.
»M-hm«, entgegnet Thomas, »vor allem stockbesoffen, nicht?«
»Ja!«, ruft Margit und lacht.
Immerhin eine, die lacht. Wieso er da überhaupt einsteigt, wieso er sich vermöbeln lässt, wieso er so ein Hampelmann ist … muss ich mir darüber wirklich Gedanken machen?

Dann aber kommt der Schluss! Hehe, netter Gedanke, sehr naheliegend. Und hier meine ich, dass mir Deine Geschichte viel besser gefallen hätte, wenn Du auf die jetzigen tags verzichtetest und weniger Gitarrenkunde betreiben würdest. Deine Kenntnisse in allen Ehren, doch einigen Lesern wird das hinten vorbeigehen. (Das ist übrigens ein häufiger Fehler, Fachkenntnisse unterbringen zu wollen oder geographische Details; auch eine detaillierte Menübeschreibung wird selten goutiert).
Die Handlung, mit welchem Ende auch immer, könnte sich entwickeln, der Leser nähme teil …
ein bisschen Psycho-Gewürz dazu et voilà!

Aber schreiben kannst Du wie ein Weltmeister, das muss man auch mal sagen!
Für heute beste Grüße
und fröhliche Ostern!
José

PS: … schwärmt Margit und erlischt die Innenbeleuchtung.
Sie löscht, die Lampe erlischt.

 
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17.12.2020
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Hallo @josefelipe,

danke fürs erneute Vorbeischauen. Es ist schön zu erfahren, wie meine Texte wahrgenommen werden, egal ob das Feedback positiv oder negativ ausfällt. Bei deiner Kritik sind beide Pole vertreten, umso interessanter also.

Die übertrieben auf Ästhetik abzielende Sprache ist als Kontrast zur Disharmonie des Ehepaars gedacht. Wenn überhaupt, dann ärgere ich mich, dass ich nicht mehr aus der Sprache habe herausholen können. Inwieweit das alles witzig ist, ist selbstverständlich subjektiv. Den Humor sieht man oder eben nicht, da nützen auch Erklärungsversuche nicht wirklich.

Meine Gitarrenkenntnisse beschränken sich auf die Passagen im Text. Das hat für mich schlichtweg in den Zusammenhang gepasst und natürlich musste auch das Ende irgendwie vorbereitet werden. Aber klar, ich verstehe es, wenn das manche Leser abstößt, was ja auch okay ist.

Wieso er da überhaupt einsteigt, wieso er sich vermöbeln lässt, wieso er so ein Hampelmann ist … muss ich mir darüber wirklich Gedanken machen?

Wieso rollt Sisyphos den Felsblock immer wieder den Hang hinauf?

Sie löscht, die Lampe erlischt.

Stimmt, danke. Habe es korrigiert.

Ich wünsche dir ebenso angenehme Feiertage!

Beste Grüße
nothing

 
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17.04.2007
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Hallo @nothing,

ich spiele amateurhaft Violine und fand die Verwendung musikalischer Begriffe, insbesondere das "crescendoartige Wortgefecht" unterhaltsam. Ich frage mich, ob man das nicht weiter treiben könnte und statt dem "Klackern der Pumps wie Artilleriefeuer" irgendeine Stelle aus einem Musikstück heranziehen könnte. Für dieses konkrete Beispiel wüsste ich nichts. Das Nächstbeste, was mir einfiele, wäre Tchaikovskys "1812 Overture" mit Kanonen, aber die erklingen wohl zu langsam für die Pumps der Dame.

Zwischen den Tönen in den Überschriften und den zugehörigen Abschnitten sehe ich keinen Zusammenhang. Vermutlich zeigt das lediglich das Fortschreiten der Handlung durch das Ansteigen der Tonhöhe.

Mich hat etwas erschrocken, dass sie als Reaktion auf das Lied plötzlich auf ihn losgeht. Warum??? Okay, sie ist betrunken und sie sind unzufrieden miteinander. Und Drama.

Und am Ende erwürgt er sie mit der kaputten Seite. Wie passend.

Ich fand den Text mit den Details über die Gitarre zumindest unterhaltsam. Humor sehe ich da auch nicht, aber ich finde die Idee, die musikalische Harmonie im Kontrast zur Dissonanz des Paares zu verwenden, super. Für mich hat das eher was künstlerisch-experimentelles, auf dem man aufbauen könnte, indem man noch viel mehr Metaphern aus der Musik verwendet.


Viele Grüße
Jellyfish

 
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17.12.2020
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Hallo @Jellyfish,

auch dir vielen Dank fürs erneute Kommentieren! Dein Vorschlag, noch intensiver mit musikalischen Begriffen zu spielen, gefällt mir. Ich habe hier tatsächlich die ein oder andere Möglichkeit ungenutzt gelassen, wie z. B. bei dem von dir erwähnten Satz. Ich werde das bei der Bearbeitung des Textes in Erwägung ziehen und prüfen, was sich da noch rausholen lässt.

Bzgl. der Überschriften hast du Recht. Der Bezug zum Inhalt ist abgesehen vom letzten Paragraph kaum gegeben. Irgendwann im Schreibprozess hat sich die Disharmonie als zentrales Thema herauskristallisiert, was auch der Grund ist, weshalb ich mich für eine anachronistische Erzählweise entschieden habe. Die Töne einer perfekt gestimmten Gitarre als Überschriften zu verwenden empfand ich als netten Kontrast zur sonstigen Unorganisiertheit. Zu Beginn waren es ganz einfach römische Zahlen.

Mich hat etwas erschrocken, dass sie als Reaktion auf das Lied plötzlich auf ihn losgeht. Warum???

Sie geht im Grunde genommen erst einmal nur auf ihn zu. Am Anfang heißt es ja, dass dem Angriff ein "crescendoartiges Wortgefecht" vorausgeht. Jenes Wortgefecht hat zum Zeitpunkt, als sie zur Gitarre greift, noch nicht stattgefunden. Hier habe ich bewusst den konkreten Schritt, der zum Angriff führt, ausgelassen. Bei Aristoteles habe ich mal gelesen, dass die Ursache des Höhepunktes niemals unsichtbar sein darf. Das hat mich schrecklich aufgeregt, wie so oft wenn ich theoretische Werke über das Schreiben lese.

Deine Aussage, dass du etwas Experimentelles in dem Text siehst, hat mich gefreut, denn das ist definitiv mein Anspruch. Vielleicht geht's ab und zu am Ziel vorbei, aber ich versuche auf jeden Fall immer mehr Abstand zu festgefahrenen Herangehensweisen zu gewinnen.

Jedenfalls ein großes Danke für dein hilfreiches Feedback, Jellyfish.

Beste Grüße
nothing

 

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