Was ist neu

Ich weiß es nicht

Mitglied
Beitritt
13.03.2022
Beiträge
15

Ich weiß es nicht

Morgen ist der 2. November 1991. In Weilhausen freut sich ein kleines Mädchen auf ihren Geburtstag, und fragt sich, ob sie die Rollerblades bekommt, die sie sich schon seit Monaten wünscht. Sie wird es nie erfahren, denn morgen wird sie von ihrem Vater entführt werden. Und übermorgen wird sie tot sein, gestorben auf der Ladefläche eines nagelneuen Ford Transit. Ein Unfall, wird der Vater später sagen, er hätte die Tochter nur vor seiner, wie er sich ausdrückte, durchgeknallten Mutter in Sicherheit bringen wollen. Gut gemacht, Daddy, wirklich gut gemacht. Ich werde nicht nach Weilhausen fahren, um sie zu retten, nicht dieses Mal. Die Frage war nur, werde ich hinfahren, um ihre Mutter zu treffen? Um Sarah zu treffen? Ist das zu riskant? War die Weltgeschichte wirklich so zerbrechlich, dass eine simple Liebesgeschichte sie schon aus dem Angeln heben konnte? Nur ein Mann und eine Frau? Ich weiß es nicht.

Würde sie mich überhaupt noch wollen? Ich war acht Jahre älter als beim ersten Mal, und wahrscheinlich sehe ich noch viel älter aus. Wir sind nicht mehr 28 und 32. Dieses Mal wäre ich 40, und sie immer noch 28. Und wie würde sie den Tod ihrer Tochter verkraften? Könnte sie sich unter den Umständen überhaupt in mich verlieben? In überhaupt irgendjemanden? Ich glaube ja, vielleicht brauchte sie dieses Mal nur mehr Zeit. Ich glaube nicht an Schicksal, aber ich glaube an die Liebe. Ich glaube, dass Blut an Blut appelliert. Ich glaube, dass Verstand mit Verstand korrespondiert, ich glaube, dass ein Herz das andere erkennt. Sarah, die mich küsst und dabei an meinen Lippen knabbert. Sarah, die mich auffordert an ihren Haaren zu ziehen, während wir uns lieben. Sarah, die auf mir sitzt und lacht. Ist das zu viel verlangt? Konnte das alleine eine ganze Welt in den Abgrund ziehen? Ich weiß es nicht.

Seit Wochen sitze ich in diesem kleinen Zimmer, in einer Pension am Waldrand von Augsburg und schreibe, wie ein Besessener, jeden Tag für viele Stunden. Als könnte mir das Schreiben eine Antwort liefern. Meine Hand schmerzt und ich bin noch kein bisschen schlauer. Würden Papier und Stift, die ich hier gekauft habe, schon ernsthafte Auswirkungen auf die Geschichte haben? Dass es Rückstände hinterließ war mir inzwischen klar. Und ein Mann und eine Frau? Wie wäre ein ganzes Leben, wieviel Rückstände hinterlässt das wohl? Und Kinder? Sie würde vielleicht weitere Kinder haben wollen. Kinder, die niemals hätten sein sollen. Würde das ausreichen, um die Welt in den Abgrund zu senken? Ich weiß es nicht.

Aber der Neustart ist jedes Mal perfekt, fast perfekt. Nur geringe Abweichungen, belanglos, nicht geeignet, um eine ganze Welt aus den Fugen zu heben, oder? Ich könnte es versuchen und wenn ich es versaue, einfach durch und das Ganze von vorn. Das hatte ich schon oft getan, warum nicht auch dieses Mal? Weil die Passage instabil ist, flüstert mir eine leise Stimme zu. Das nächste Mal konnte das letzte Mal sein. Durfte ich das riskieren?

Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht.

---

Gestern war ich an der alten Brauerei, die Passage ist noch da, wenn auch instabil. Sie flackert und sie flimmert, so wie Asphaltstraßen an heißen Sommertagen das manchmal tun. Auf dem Rückweg setzte ich mich auf eine Bank. Vor ihr stand auf dem mit Sand mit ausgekleideten Bereich, eine Schaukel, auf dem ein kleines Mädchen langsam vor und zurück pendelte, sie mochte vielleicht vier oder fünf Jahre alt sein. Ein paar Schritte entfernt, das Kind nicht aus den Augen lassend, stand eine hochgewachsene blonde Frau. Als sie sah, dass ich mich hinsetzte, ging sie einige Schritte auf das Kind zu und stellte sich mit dem Rücken zum Rahmen der Schaukel, den Blick in meine Richtung gewandt. Ich fand, sie sah ein wenig wie Sarah aus, ihr Gang allerdings war ein ganz anderer. Sarah machte zwischen jedem Schritt kleine Hopser, legte ihr Gewicht in die Zehenspitzen und drückte sich dann kurz hoch. Eine Angewohnheit, die sie einfach nicht loswurde, egal wie oft sie es auch versuchte. Sie sagte oft, dass sie als Politikerin doch keiner ernst nehmen konnte, nicht mit so einer kindlichen Gangart. Für mich war es eins der ersten Dinge, die ich an ihr liebte. Ein Kontrast zu ihrer sonst so bedachten Art sich zu bewegen.

Die Bank und die Feuchtigkeit, die durch den Hosenboden meiner Jeans drang, erinnerten mich an ein Gespräch auf einer ganz ähnlichen Bank, als ich in etwa fünf Jahre jünger war als heute. Sarah neben mir, den Blick in die Baumwipfel über uns gerichtet.

„Ist Aaron dein richtiger Name“, fragte sie mich, ohne den Blick von den Baumwipfeln abzuwenden.
„Nein, eigentlich heiße ich Alexander.“
„Alexander gefällt mir besser.“
„Ja, wirklich?“
„Er klingt einfach besser, so als… so als würde er eben zu dir gehören.“
Wir schwiegen eine Weile.
„Schatz, wozu der falsche Name? Sagst du mir das?“
„Ich weiß eigentlich nicht so genau, es erschien mir einfach sicherer.“
„Sicherer? Gibt es etwas… oder jemanden vor dem du dich schützen musst?“
„Nein, eigentlich nicht, also nichts Ernsthaftes. Aber wer weiß was beim Reisen alles passieren kann, es erscheint mir einfach sicherer.“
Ich sah sie lange schweigend an, wagte es kaum zu atmen, wagte es überhaupt kaum mich zu rühren. Ich hatte erwartet, dass sie es nach dem letzten Gespräch einfach totschweigen würde. Das war sicher einfacher als zugeben zu müssen, dass man mit einem Verrückten verheiratet war, nicht wahr?
Sie seufzte ein wenig, und drehte den Kopf zur Seite, so dass ich ihr Gesicht nur noch zu einem Viertel sehen konnte.
„Ich weiß, dass du hier aus der Gegend bist, der Dialekt ist unverkennbar. Aber ich weiß nicht, ich meine… von wann bist du?“
Ich schwieg, stieß die verbrauchte Luft aus, die sich in mir angestaut hatte. Wagte es wieder nicht zu atmen.
„Schatz, du muss mit mir sprechen. Ich muss alles wissen, sonst weiß ich nicht wie ich mit dir zusammen sein soll. Ich muss auch den Rest wissen. Bitte…“
Sie zündete sich mit zitternden Händen eine Zigarette an, der blaue Dunst vermischte sich mit dem Nebel. Sie sog den zweiten Zug langsam ein, und stieß den blauen Dunst mit einem harten Stoß aus ihren Lungen.
„Alexander, bitte… Von wann?“
Wie gut es klang, meinen Namen aus ihrem Mund zu hören. Es vertrieb, zumindest für den Augenblick, die Enge aus meiner Brust. Eine Enge, die sich mit jeder Lüge über meine Herkunft und jeder Lüge über meine Vergangenheit nach und nach einstellte.
Ich schwieg. Nicht, weil ich es wollte, sondern weil sich meine Zunge pelzig und trocken anfühlte.
„30 Jahre“, gelang es mir irgendwann zu krächzen, „ich komme aus dem Jahr 2021.
„30 Jahre! Da bin ich fast sechzig. Lebe ich dann noch?“
Überrasch sah ich sie an.
„Ich weiß es nicht, mein Schatz, ich weiß es nicht.“

---

Die Passage ist verschwunden. Ich weiß nicht genau wann. Als ich vor zwei Tagen die Schwelle aus dem Land von damals in das Land von Heute übertrat, schien sie, wenn auch flackernd, zumindest für den Augenblick stabil. Meine Haustürschlüssel lagen auf dem Kaffeetisch, im Keller des Buchladens aus dem ich vor acht Jahren gestartet war. Wie immer waren nur wenige Stunden seit meiner Abreise vergangen. Alles schien an seinem Platz, unverändert. Nur an mir war die Zeit nicht spurlos vorübergegangen. Wenn ich heute in den Spiegel sehe, sehe ich einen Mann mittleren Alters, der vom Leben nicht mehr viel zu erwarten hatte.
Hier und da gab es kleine Abweichungen, nichts Aufregendes. Das Bild im Flur, auf dem meine Ex-Frau, auf einem Sessel sitzend in die Kamera grinst, sollte eigentlich auch ihre beste Freundin Jenny zeigen. Stattdessen saß neben ihr ein schwarzer Hund mit weißem Felllatz. Kein kleiner Hund, einer von der Riesensorte, der sie um ein Haar überragte. Klara und ich hatten nie Haustiere besessen, trotzdem wusste ich, so sicher wie ich wusste, dass das auf dem Bild Klara war, dass zahlreiche Bilder in unseren Fotoalben genau diesen Hund zeigen würden.
Es stellte sich heraus, dass ich nur das Fernsehen einschalten musste, um über Sarahs Verbleib zu erfahren. Ein eher klein gewachsener Mann hielt einer groß gewachsenen blonden, wenn auch leicht ergrauten Frau ein Mikro entgegen. Sarah, in ihren Fünfzigern, oder eigentlich fast in den Sechzigern, 58 müsste sie jetzt sein. Sie war immer noch wunderschön, meine Sarah, die ich ihre Arme um meinen Hals legt. Sarah, die mir ins Ohr flüstert, dass ich meine Hose ausziehen soll. Sarah, sie lebt, sie lebt, sie lebt!

---

Seit knapp einem Jahr lebe ich nun in Berlin, ich habe Augsburg noch in der Woche verlassen, in der ich zurückgekehrt bin, und arbeite als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer Hochschule. Seit ich weiß, dass Sarah lebt, vermeide ich es mehr über sie zu erfahren. Ich will nicht wissen, welche politische Rolle sie spielt, wieviel Einfluss sie hat. Wenn ich an die Welt denke, die sie geschaffen hatte, fühlten sich meine Eingeweide wie etwas an, das jederzeit einfach aus meinem Magen herausplumpsen könnte. Düster, Tod und Zerstörung. Keine Hoffnung. Sicher, war sie nicht alleinverantwortlich, aber ganz sicher war sie es gewesen, die diese schwarze Maschine der Verdammnis ins Laufen gebracht hatte. Die ganze Zeit hatte ich gedacht, dass ich es war, dass meine Einmischung für die späteren Ereignisse gesorgt haben musste. Und warum auch nicht? Schließlich war mein 2021, nicht das 2021, in das ich nach meinen Jahren mit Sarah zurückgekehrt war. In meinem 2021 gab es keine Sarah, keinen Krieg, keine verseuchten Landstriche, kein verwesender Geruch, oh mein Gott dieser Geruch…

Was wäre wenn mein Eingriff in die Geschichte gar nicht der Auslöser für die fürchterliche Schieflage war? Was wäre, wenn die Welt auch ohne meine Einmischung den Bach runtergegangen wäre, nur, sagen wir vier oder fünf Jahre später? Ich erinnere mich an viele Nächte, Haut an Haut, blauer Dunst, der über ihr aufstieg, und an Fragen, viele Fragen, über die Zukunft, über Ereignisse, über Kriege, Anschläge, Politiker, Naturkatastrophen. War meine Anwesenheit im Land von damals, mit meinem Wissen über das Land von heute nur der Brandbeschleuniger, und nicht der Auslöser? Nur Öl im Feuer eines Brandes, der die Welt so oder so dahinraffen sollte? Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht.

---

Meine Absicht ist einfach. Ich werde den Artikel aufrufen. Werde sehen, wieviel Parallelen es zu Sarah mit mir und Sarah ohne mich gibt. Werde sehen, ob sie ihre politische Überzeugung weiterverfolgt, ob sie den gleichen Weg einschlägt. Und wenn die Antwort ja ist, ich meine, wenn auch nur die geringste Chance besteht, dass die Antwort ja sein könnte? Was werde ich dann tun? Sie aufhalten? Das musste ich doch, oder? Was könnte dringlicher sein, als diese Welt zu retten, als diese finstere Zukunft aufzuhalten, die uns erwartet?
Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht.

 

Hallo liebe Community,

ich bin Neuling hier im Forum. Hab mich hier ein wenig durchgeblättert und bin begeistert von der Art der Kritik, die hier geübt wird, finde ich wirklich super!

Was ich konkret suche ist Feedback zu dieser Kurzgeschichte (Konsistenz, Verständlichkeit, Sprache, was euch noch so einfällt). Gerne auch detailliert. Und ich freue mich, wenn ihr mir eine Frage beantworten könntet: Versteht ihr den Handlungsstrang oder drücke ich mich zu nebulös aus?

Ich freue mich auf konstruktives Feedback.

Viele Grüße,
Sarah996

 

Hallo @Sarah996 und willkommen bei den Wortkriegern,

meine Kritik bezieht sich ausschließlich auf deine Geschichte und ist natürlich subjektiv. Nimm es daher bitte nicht persönlich.

Ich mag epische Fantasy, ich mag physikalisch korrekte Science-Fiction. Zeitreisen mag ich nicht. Ist das eine für die Kritik relevante Information? Ich weiß es nicht.
Deine Geschichte ist anstrengend zu lesen. Die Handlung springt viel hin und her, nicht nur zwischen den Zeitebenen sondern auch innerhalb der Gegenwart. Die Zeiten verwirren eh respektive sind verwirrt. Ferner kommt keine Spannung auf. Dabei startet die Geschichte recht interessant. Du nimmst den Tod der Tochter vorweg. Man kann streiten, ob man auf diese Weise Spannung aufbaut. Bei mir gelingt es. Ich möchte gern wissen, was die Hintergründe der Tat sind. Allerdings kommt danach nichts in dieser Richtung. Allgemein kommt eigentlich gar nichts mehr außer Langeweile und Fragezeichen.

Langeweile:
Keine Spannung, ich erwähnte es bereits. Doch wiederhole ich mich darin gern, da Spannung für eine Geschichte so unglaublich wichtig ist. Die Figuren sind blass und berühren mich nicht.

Fragezeichen:

Ich werde nicht nach Weilhausen fahren, um sie zu retten, nicht dieses Mal.
Warum nicht? Der Satz impliziert, dass er sie bereits mindestens einmal gerettet hat. Warum dieses Mal nicht? Wie oft war er denn schon dort? Laut deinem Text einmal oder mehrfach und danach verwandelte sich Sarah in den Teufel. Aber warum? Weil er ihrer Tochter das Leben gerettet hatte? Und warum ist er überhaupt dort? Hat sich das Portal nicht geschlossen? Wer ist Sarah? Der Antichrist? Ich weiß es nicht. Diese Wandlung. Er kehrt zurück und überall Krieg, Tod, Verwüstung. In meinen Augen ist das vollkommen abstrus und trägt nicht positiv zum Gesamteindruck bei. Will er irgendetwas reparieren in der Vergangenheit? Puh! Ich denke, wenn man deine Geschichte mehrfach lesen würde, klärten sich vielleicht manche Fragen. Aber um ehrlich zu sein, möchte ich deine Geschichte kein zweites Mal lesen.

Ich mag durchaus herausfordernde Texte. Ich bin jedoch der Meinung, dass man die Lesenden dann gut führen muss. Es muss sich dennoch ein Aha-Erlebnis ergeben und zwar ohne, dass man zurückgehen und Passagen erneut lesen muss. Das ist dir in diesem Entwurf noch nicht gelungen. Aber Potenzial ist vorhanden.

Viele Grüße,
Markov

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo Sarah!
Willkommen im Forum...

Morgen ist der 2. November 1991. In Weilhausen freut sich ein kleines Mädchen auf ihren Geburtstag, und fragt sich, ob sie die Rollerblades bekommt, die sie sich schon seit Monaten wünscht. Sie wird es nie erfahren, denn morgen wird sie von ihrem Vater entführt werden. Und übermorgen wird sie tot sein, gestorben auf der Ladefläche eines nagelneuen Ford Transit. Ein Unfall, wird der Vater später sagen, er hätte die Tochter nur vor seiner, wie er sich ausdrückte, durchgeknallten Mutter in Sicherheit bringen wollen. Gut gemacht, Daddy, wirklich gut gemacht. Ich werde nicht nach Weilhausen fahren, um sie zu retten, nicht dieses Mal. Die Frage war nur, werde ich hinfahren, um ihre Mutter zu treffen? Um Sarah zu treffen? Ist das zu riskant? War die Weltgeschichte wirklich so zerbrechlich, dass eine simple Liebesgeschichte sie schon aus dem Angeln heben konnte? Nur ein Mann und eine Frau? Ich weiß es nicht.

Ein wirklich gelungener und spannender Auftakt. Dabei wird hier zwar nicht das Rad neu erfunden, aber dennoch Lust auf das Ende gemacht und der Leser fragt sich wie und was später passiert...

Könnte sie sich unter den Umständen überhaupt in mich verlieben? In überhaupt irgendjemanden? Ich glaube ja, vielleicht brauchte sie dieses Mal nur mehr Zeit.
Das "Ich glaube ja" wirkt hier etwas seltsam. Warum stellt der Erzähler denn dann überhaupt die Frage? Er wirkt nicht so als müsse er ernsthaft überlegen, als würde er daran zweifeln... will er uns die Frage vorwegnehmen? Dann würde vielleicht so etwas helfen wie "Ihr fragt euch vielleicht.." sonst würde ich die Fragen vermeiden und stattdessen gleich mit klaren Aussagen arbeiten... Also z.Bsp.: "Es ist zwar dies und das, aber sie wird sich auch unter diesen Umständen in mich verlieben."

Generell hat der Absatz für meinen Geschmack momentan zu viele (rhetorische) Fragen...

Das nächste Mal konnte das letzte Mal sein.
könnte


Seit Wochen sitze ich in diesem kleinen Zimmer, in einer Pension am Waldrand von Augsburg und schreibe, wie ein Besessener, jeden Tag für viele Stunden. Als könnte mir das Schreiben eine Antwort liefern. Meine Hand schmerzt und ich bin noch kein bisschen schlauer. Würden Papier und Stift, die ich hier gekauft habe, schon ernsthafte Auswirkungen auf die Geschichte haben? Dass es Rückstände hinterließ war mir inzwischen klar. Und ein Mann und eine Frau? Wie wäre ein ganzes Leben, wieviel Rückstände hinterlässt das wohl? Und Kinder? Sie würde vielleicht weitere Kinder haben wollen. Kinder, die niemals hätten sein sollen. Würde das ausreichen, um die Welt in den Abgrund zu senken? Ich weiß es nicht. Aber der Neustart ist jedes Mal perfekt, fast perfekt. Nur geringe Abweichungen, belanglos, nicht geeignet, um eine ganze Welt aus den Fugen zu heben, oder? Ich könnte es versuchen und wenn ich es versaue, einfach durch und das Ganze von vorn. Das hatte ich schon oft getan, warum nicht auch dieses Mal? Weil die Passage instabil ist, flüstert mir eine leise Stimme zu. Das nächste Mal konnte das letzte Mal sein. Durfte ich das riskieren? Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht.

Mir ist zwar klar worauf du hinaus willst, vermutlich den Butterfly Effect... aber für jemanden der mit Zeitreisen (bisher) nichts anfangen kann mag das alles sicher sehr irritierend sein. Zumal es mehr als nur eine Theorie zu Zeitreisen gibt. Vielleicht willst du sein Problem mit wenigen Sätzen kurz in seinen Gedanken erläutern. Kannst du, musst du aber nicht...

die ich ihre Arme um meinen Hals legt
die mir?

______________
Hmmmmmm, also ich komme zu dem Schluss, dass nach einmaligem Lesen sich die Geschichte für mich nicht ganz auflöst.

Der Anfang ist für mich stark, aber die gesetzten Erwartungen werden nicht erfüllt. Was ist denn jetzt mit dem Mädchen? Warum stirbt es auf dem Ford Transit? Wird der Vater zur Rechenschaft gezogen? Und ist er überhaupt der Mörder? Da wirfst du viele Fragen auf... beantwortet wird davon, aber leider keine.

Ich werde nicht nach Weilhausen fahren, um sie zu retten, nicht dieses Mal. Die Frage war nur, werde ich hinfahren, um ihre Mutter zu treffen? Um Sarah zu treffen?

Ich verstehe durchaus, dass du den Fragen dadurch ausweichst. Ist aber für den Leser wenig befriedigend. Aber na gut... nehmen wir das mal so hin und gehen weiter.

Es folgt eine Szene die den Protagonisten an Sarah erinnert. Auf der einen Seite vermittelst du uns, dass Sarah glaubt mit einem Verrückten verheiratet zu sein. Auf der anderen Seite scheint sie sehr interessiert daran von wann er denn kommt... da scheint sie nicht weniger verrückt als er! Wieso weiß sie überhaupt davon? Kann der Protagonist frei reisen oder steckt er fest? Wieso ist er überhaupt durch die Zeit gereist? Das sind Fragen die du hoffentlich für dich geklärt hast, aber die für mich als Leser nicht deutlich erläutert wurden.

Der nächste Abschnitt enthält Informationen über die Rückkehr. Er verrät uns ein paar Details über die Zeitreise. Großteils okay so, teils ein paar neue Fragen. Ist die Ex Sarah? Ist der Protagonist schuld, dass sie Jenny nicht kennengelernt hat? Naja, bis auf Sarahs Verbleib eher nebensächlicher Absatz mit nebensächlichen Fragen und Feststellungen... darf und muss es aber auch mal geben.

Jetzt gibt es eine Wende! Wir sind plötzlich in Nazi Deutschland 2021 - wie kam es dazu? Weiß kein Mensch! Anscheinend hat Sarah eine Maschine gebaut. Vielleicht war sie verbittert weil Aaron plötzlich weg war, war er denn weg? Kann ja eigentlich nicht, wo er ja ein Haus und eine Ex-Freundin zu haben scheint. Gab es als er in der Vergangenheit war zwei von seiner Sorte? Du merkst ich bin mir nicht klar wie deine Zeitreise funktioniert. Ehrlich gesagt bin ich mir zum Ende hin nicht mal sicher in welcher Zeit die Handlung gerade spielt! Ist Aaron nun doch wieder zurückgereist? Meines Wissens nach ist die Passage ja zu? Aber wie will er Sarah dann aufhalten? Wird das jetzt ein Anschlag? So oder so fühle ich mich am Ende etwas durchgeschleudert und habe das Gefühl, dass die eigentlich Handlung erst beginnt...als hätte ich mehrere Einleitungen zu verschiedenen Geschichten gelesen.

Jetzt in "Kürze":
a) So schlimm das alles klingt, ich mag deine Geschichte. Sie ist mutig, aber teils etwas wirr, was bei Zeitreisen kein Wunder ist! Das ist wohl eines der schwierigsten Themen für einen sauberen Handlungsverlauf...trotzdem brauchst du den. Vielleicht würde es schlicht helfen das wann und wo vor die Absätze zu schreiben? London 1966, Berlin 2021 etc etc...

b) Mir ist der Fokus bzw. das Genre deiner Geschichte nicht klar. Von der Zeitreise abgesehen weiß ich nicht genau was ich lese. Den Beginn eines Widerstandskampfes? Eine Geschichte im Stile von "The man in the highcastle"? Eine traurige Liebesgeschichte? Oder eben doch einen Krimi bzw. Thriller zum Thema Kinderentführung...

Am Ende der Geschichte sitze ich leider unbefriedigt und weiß nicht ganz was ich gerade warum gelesen habe. Ich denke du reißt zu viele Themen auf und stellst mehr Fragen als du beantwortest. Das entführte Kind z.Bsp. dient vermutlich nur als Sprungbrett für "deswegen wird Sarah jetzt böse" und das berechtigt für mich nicht eine so markante Ausstellung dessen. Zumal das ggf. eh nicht deutlich wird! Schließlich lernt der Protagonist sie erst danach kennen und lieben ...wie schlimm kann sie da sein?

Da kommt mir ein Gedanke! Vermutlich macht er seine erste Zeitreise um die Tochter seiner Frau zu retten? Das ist aber leider reine Interpretationssache... und ehrlich gesagt weiß ich bis zum Ende nicht wie viele Zeitreisen er warum gemacht hat.

Die Kritik ist natürlich subjektiv, sie soll dir dienen und nicht schaden. Also nutze sie wie du magst! Manche Dinge mögen sich auch nach mehrmaligem Lesen erschließen ...das macht aber ja kein normaler Leser! ;)

Viel Erfolg weiter, freue mich auf mehr von dir...

 

Hallo Markov,

vielen Dank für die Willkommensgrüße.

Vorweg geschickt: Ich nehme Kritik zu meinen Geschichten grundsätzlich nicht persönlich, ich will ja gerade verstehen, wie es bei Dritten ankommt, bzw. wenn nicht gut, warum nicht.

Ich mag epische Fantasy, ich mag physikalisch korrekte Science-Fiction. Zeitreisen mag ich nicht. Ist das eine für die Kritik relevante Information? Ich weiß es nicht.

Ja ich denke die jeweiligen Genre- bzw. Plotvorlieben spielen beim Lesen eine große Rolle, weil da immer schon die Erwartungshaltung des Lesers mitschwingt. z.B. "physikalisch korrekte" Science Fiction. Wenn das nicht erfüllt ist, ist der Leser natürlich enttäuscht. Aber das soll nicht das Thema sein.

Die Figuren sind blass und berühren mich nicht.
Kannst du evtl. benennen woran es liegt? Besonders beim Protagonisten, also Aaron aka Alexander?

Vielen Dank für deine Kritik!

Hallo Skanne,

vielen Dank für deine ausführliche Kritik. Meine wichtigste Frage hast du damit schon beantwortet, der Handlungsstrang, den ich im Kopf habe, kommt offenbar nicht rüber. Damit ist mir schon sehr geholfen.

Mir ist zwar klar worauf du hinaus willst, vermutlich den Butterfly Effect... aber für jemanden der mit Zeitreisen (bisher) nichts anfangen kann mag das alles sicher sehr irritierend sein. Zumal es mehr als nur eine Theorie zu Zeitreisen gibt. Vielleicht willst du sein Problem mit wenigen Sätzen kurz in seinen Gedanken erläutern. Kannst du, musst du aber nicht...
Danke, das überlege ich mir auf jeden Fall.
Ich verstehe durchaus, dass du den Fragen dadurch ausweichst. Ist aber für den Leser wenig befriedigend. Aber na gut... nehmen wir das mal so hin und gehen weiter.
Diese Kurzgeschichte soll tatsächlich als Grundlage für eine größere Geschichte dienen, weswegen da einige "lose" und wahrscheinlich unverständliche Handlungsstränge drin sind, allen voran der Tod des Kindes, der eigentlich nur ein kleiner Nebenhandlungsstrang sein sollte, aber aufgrund des Voranstellens in der Geschichte evtl. zur Kernfrage für den Leser wird.

Jetzt stehe ich natürlich vor dem Dilemma, den Nebenstrang für die Kurzgeschichte erst mal weg zu lassen, mit dem Risiko die Spannung am Anfang schon raus zu nehmen. Schwierig, schwierig.

Es folgt eine Szene die den Protagonisten an Sarah erinnert. Auf der einen Seite vermittelst du uns, dass Sarah glaubt mit einem Verrückten verheiratet zu sein. Auf der anderen Seite scheint sie sehr interessiert daran von wann er denn kommt... da scheint sie nicht weniger verrückt als er! Wieso weiß sie überhaupt davon? Kann der Protagonist frei reisen oder steckt er fest? Wieso ist er überhaupt durch die Zeit gereist? Das sind Fragen die du hoffentlich für dich geklärt hast, aber die für mich als Leser nicht deutlich erläutert wurden.

Überlege ich mir auch. Ich wollte die Zeitreise an sich gar nicht so in den Vordergrund stellen, es geht mir mehr um den inneren Konflikt des Protagonisten.

Verrückt ist er evtl. aus der Perspektive Sarahs, schließlich erzählt er ihr er wäre Zeitreisender, solche Leute könnte ich persönlich nur für verrückt halten. Kommt nicht klar rüber, werde ich abändern.

Der nächste Abschnitt enthält Informationen über die Rückkehr. Er verrät uns ein paar Details über die Zeitreise. Großteils okay so, teils ein paar neue Fragen. Ist die Ex Sarah? Ist der Protagonist schuld, dass sie Jenny nicht kennengelernt hat? Naja, bis auf Sarahs Verbleib eher nebensächlicher Absatz mit nebensächlichen Fragen und Feststellungen... darf und muss es aber auch mal geben.

Ja ich ahnte schon, dass noch eine Figur zu viele Fragen aufwirft, ich lass die Ex (sie ist die Ex-Frau aus dem Jahre 2021) und Jenny mal weg, das wird zu verwirrend.

Jetzt gibt es eine Wende! Wir sind plötzlich in Nazi Deutschland 2021 - wie kam es dazu? Weiß kein Mensch! Anscheinend hat Sarah eine Maschine gebaut. Vielleicht war sie verbittert weil Aaron plötzlich weg war, war er denn weg? Kann ja eigentlich nicht, wo er ja ein Haus und eine Ex-Freundin zu haben scheint. Gab es als er in der Vergangenheit war zwei von seiner Sorte? Du merkst ich bin mir nicht klar wie deine Zeitreise funktioniert. Ehrlich gesagt bin ich mir zum Ende hin nicht mal sicher in welcher Zeit die Handlung gerade spielt! Ist Aaron nun doch wieder zurückgereist? Meines Wissens nach ist die Passage ja zu? Aber wie will er Sarah dann aufhalten? Wird das jetzt ein Anschlag? So oder so fühle ich mich am Ende etwas durchgeschleudert und habe das Gefühl, dass die eigentlich Handlung erst beginnt...als hätte ich mehrere Einleitungen zu verschiedenen Geschichten gelesen.

Ich sehe schon ich muss zumindest kurz erklären wie das Portal funktioniert, sonst ist es zu unverständlich. Vielleicht ist das ja schon der Schlüssel, zur verständlichen Geschichte.

Vielen Dank, ich werde die Kommentare berücksichtigen und gleich die Geschichte ein wenig umbauen. Bin hochmotiviert. :-D

Viele Grüße,
Sarah

 

Jetzt stehe ich natürlich vor dem Dilemma, den Nebenstrang für die Kurzgeschichte erst mal weg zu lassen, mit dem Risiko die Spannung am Anfang schon raus zu nehmen. Schwierig, schwierig.

Hallo erneut Sarah,

in aller Kürze: Das ist kein Dilemma. Lass es weg.
Das sage ich ungern und es ist schade, da mir der erste Absatz am besten gefallen hat, aber du gibst dort einfach einen Start in eine völlig andere Geschichte.

Niemand mag falsche Versprechungen, so schön sie auch zunächst klingen.

Das ganze hat dann zwei mögliche Ergebnisse:
a) Deine Geschichte wird klarer und der Leser fragt sich nicht warum man ihn am Anfang auf eine falsche Fährte gelockt hat...
b) Deine Geschichte wird wie von dir anscheinend befürchtet langweiliger ... WENN das so ist, dann ist das schlicht ein klares Zeichen, dass der Rest uninteressant ist. Wäre brutal, aber wahr... und dann solltest du massiv am "Rest" arbeiten statt falsche Köder auszulegen! ;)

Alternativen die du hättest wären das Kind und die erste Passage ernst zu nehmen und somit auch später weiter zu behandeln, oder den Stile der ersten Passage zu halten, aber die dort beschriebenen Ereignisse umzumünzen auf das was du eben wirklich thematisierst. Natürlich bedacht darauf nicht zu viele "Geheimnisse" zu früh zu verraten..

 

Hallo Sarah996,

wenn ich einfach nur den Sätzen folge - hier sei erwähnt, dass es gut verständlich geschrieben ist - dann kann der Leser nicht ohne Fragezeichen dem Inhalt folgen. Lässt er seine Phantasie von der Stimmung deiner Sätze anregen, dann ahnt er die Dimensionen, in denen sich die Akteure bewegen. Ich mag solche schwebende, nicht klar ausgesprochene Gedanken in den Sätzen, aber manchmal hast Du den Bogen überspannt und ich verlor den Faden, der sich mir schlussendlich offenbaren sollte. Sollte er? Ich weiß es nicht. Hätte mich aber gefreut und ich stünde jetzt nicht mehr fragend vor der Story als wissend.

Sie war immer noch wunderschön, meine Sarah, die ich ihre Arme um meinen Hals legt.
Liest sich sperrig ... die mir ihre Arme? Ich weiß es nicht.
Gern gelesen.
Grüße - Detlev

 

Hallo @Sarah996

zunächst möchte ich @SKanne zustimmen. Der erste Absatz deiner Geschichte ist auch in meinen Augen problematisch. Ich hatte das in meiner Kritik oben bereits angerissen, wenn auch nicht so explizit:

Du nimmst den Tod der Tochter vorweg. ... Ich möchte gern wissen, was die Hintergründe der Tat sind. Allerdings kommt danach nichts in dieser Richtung.
Ich habe tatsächlich die Befürchtung, dass dieser erste Absatz der beste der Geschichte ist. Lässt du ihn weg, wird die Geschichte, zumindest für mich, völlig verblassen. Allerdings sehe ich nur zwei Wege: 1) Den ersten Absatz behalten. Dann müsstest du allerdings eine andere Geschichte erzählen. Oder 2) ihn streichen und die Geschichte, die du erzählst überarbeiten.

Zu deiner Frage, warum die Figuren blass bleiben.
Beginnen wir mit dem ersten Absatz. Wir werden hier mit einer Konstellation aus vier Figuren (Sarah, Aaron, Tochter, Vater) konfrontiert. Vier Figuren sind viele. Das ist aufgrund der zahlreichen Wechselwirkungen zwischen ihnen anspruchsvoll abzubilden, zumal in einer Kurzgeschichte. Über die Tochter und den Vater erfahren wir fast nichts. Was ist Sarahs Verhältnis zu ihrer Tochter und deren Vater? Wie ist das Verhältnis der Tochter zu ihren Eltern? Warum will der Vater seine Tochter umbringen? Wie geht es Sarah nach dem Mord an ihrer Tochter? Warum verweigert Aaron die Hilfe? Am Anfang der Geschichte hat man noch die Erwartung, dass man dazu mehr erfahren wird. Man wird jedoch enttäuscht. Nun kann und muss man nicht jeden Nebencharakter ausführlich ausbauen. Allerdings kommt dieser Viererdynamik eine besondere Bedeutung zu, wenn sie den Einstieg in die Geschichte bildet. Aber die Erster-Absatz-Problematik wurde ja bereits ausführlich angesprochen.
Im zweiten Absatz folgt eine Innenschau Aarons. Er stellt sich viele Fragen. Das liefert uns einen Einblick in seine Gedankenwelt. Das finde ich gut. Wir erfahren, dass Aaron Zweifel hegt, unsicher ist. Gleichzeitig versucht er, sich selbst zu beschwichtigen.
Im dritten Absatz, werden wir erneut mit Zweifel und Unsicherheit Aarons konfrontiert. Wir lernen nicht wirklich etwas neues, im Vergleich zum zweiten Absatz. Wir lernen auch nichts über die Hintergründe. Erneut schwebt lediglich die Apokalypse über der Szenerie. Insofern würde ich Absatz zwei und drei zusammenfassen und den Plot besser auf den Punkt bringen.
Im vierten Absatz erfahren wir etwas über ein Portal. Ansonsten ist Aaron erneut von Zweifel und Unsicherheit geplagt. Naja, langsam wird das echt tröge. Es wird fast etwas nervig. Mein Tipp wäre, dass du entweder die Szene wechselst oder Aaron einen Entwicklungsschritt durchmacht. Vielleicht fasst er sich ein Herz und macht etwas statt die ganze Zeit nur zu grübeln.
Fünfter Absatz, die Szene mit der Schaukel. Wir lernen, dass Sarah Politikerin ist und dass Aaron etwas für Sarah zu empfinden scheint. Durch den ersten Absatz wissen wir das allerdings bereits. Wir wissen sogar, dass diese Empfindungen romantischer Natur sind. Was ist die Funktion dieser Szene? Was willst du den Lesenden hier vermitteln? Die Szene bringt weder den Plot voran noch kann ich irgendeine Entwicklung von Aaron oder Sarah erkennen.
Jetzt haben wir schon viel gelesen und wir wissen lediglich, dass Aaron viel grübelt, Sarah ihm wichtig ist, er bereit ist über Leichen zu gehen und die Apokalypse über allem schwebt. Und weil sich diese Inhalte immer wiederholen, kommt bei mir Langeweile auf.
Sechster Absatz, das Gespräch zwischen Aaron und Sarah. Hier nehme ich zwei Dinge mit: Aaron ist eine vorsichtige Person und Sarah scheint hellsichtig zu sein oder warum fragt jemand einen anderen, von wann er sei? Das fragt man doch nicht, es sei denn Zeitreisen sind üblich oder es gab zu dem Gespräch eine Vorgeschichte. In dem Absatz werden viele Worte verwendet aber nicht viel gesagt. Insbesondere wird nichts gesagt, durch das ich mehr über Aarons und Sarahs Charakter, Beziehung zueinander, soziales Umfeld lerne.
Siebter Absatz, Aaron kehrt zurück und sieht Sarah im Fernsehen. Hier kommt endlich mal der Plot ein paar Zentimeter voran. Aber erneut lernen wir nicht viel über die Figuren. Sarah steht in der Öffentlichkeit. Aaron kehrt in seine Zeit zurück. Ja, warum eigentlich? Warum kehrt er zurück? Wie geht es ihm dabei? Hier verschenkst du eine Gelegenheit, uns Aaron näherzubringen und ihm Tiefe zu verpassen.
Achter Absatz, wir erfahren von

Düster, Tod und Zerstörung.
Jetzt lernen wir, dass Sarah irgendwie zum Antichristen mutiert ist. Warum? Was kann Aaron denn gemacht haben, dass sich Sarah derart verändert hat? Oder war sie schon immer so? Wir wissen es nicht, weil wir zwar fast am Ende der Geschichte sind, aber nach wie vor keine Ahnung haben, wer Sarah eigentlich ist, was sie bewegt, wie ihr Verhältnis zu Aaron war, warum er in die Zukunft zurückgegangen ist, warum sie ihm nicht gefolgt ist. Wie geht es Aaron, wenn er diese neue Sarah in 2021 sieht? Er versucht, dieses Thema zu meiden. Aber warum? Was löst es in ihm aus, Sarah so zu sehen? Da gehst du mir viel zu wenig in die Tiefe. Wie geht es Sarah nach Aarons Rückkehr in seine Zeit?
Vorletzter Absatz und erneut Unsicherheit, Grübeln und Selbstbeschwichtigung.
Letzter Absatz genauso.

Liebe @Sarah996, um das oben Geschriebene zusammenzufassen:
Wir lernen nichts über Sarah und nur wenig über Aaron. Wir erfahren nicht wirklich etwas über die Dynamik zwischen den beiden. Aaron durchlebt keine Entwicklung. Sarah entwickelt sich, allerdings ist dies nur eine Nebensächlichkeit in deiner Geschichte und geschieht in einem einzigen Sprung. Die Figuren bleiben auf diese Weise recht flach und blass. Insbesondere für deine Geschichte ist das schlecht. In deiner Geschichte gibt es keinen Plot, der vorantreibt. Stattdessen wird sie durch die Charaktere getragen. Damit das jedoch überzeugend funktioniert, müssten die Charaktere viel stärker werden.

Viele Grüße
Markov

 

wenn ich einfach nur den Sätzen folge - hier sei erwähnt, dass es gut verständlich geschrieben ist - dann kann der Leser nicht ohne Fragezeichen dem Inhalt folgen. Lässt er seine Phantasie von der Stimmung deiner Sätze anregen, dann ahnt er die Dimensionen, in denen sich die Akteure bewegen. Ich mag solche schwebende, nicht klar ausgesprochene Gedanken in den Sätzen, aber manchmal hast Du den Bogen überspannt und ich verlor den Faden, der sich mir schlussendlich offenbaren sollte. Sollte er? Ich weiß es nicht. Hätte mich aber gefreut und ich stünde jetzt nicht mehr fragend vor der Story als wissend.
Hallo Detlev, lieben Dank für deine Kritik.
Liebe @Sarah996, um das oben Geschriebene zusammenzufassen:
Wir lernen nichts über Sarah und nur wenig über Aaron. Wir erfahren nicht wirklich etwas über die Dynamik zwischen den beiden. Aaron durchlebt keine Entwicklung. Sarah entwickelt sich, allerdings ist dies nur eine Nebensächlichkeit in deiner Geschichte und geschieht in einem einzigen Sprung. Die Figuren bleiben auf diese Weise recht flach und blass. Insbesondere für deine Geschichte ist das schlecht. In deiner Geschichte gibt es keinen Plot, der vorantreibt. Stattdessen wird sie durch die Charaktere getragen. Damit das jedoch überzeugend funktioniert, müssten die Charaktere viel stärker werden.
Hallo Markov, auch dir noch mal vielen Dank für die ausführliche Kritik. Ich gebe dir in vielen Punkten recht, die Grundidee, die ich im Kopf habe wird eher von den inneren Konflikten der Charaktere vorangetrieben, die Zeitreise und die äußeren Bedingungen, ergeben natürlich automatisch (antagonistische) Widerstände. In der Kurzgeschichte kommt das aber nicht raus. Das ist jedenfalls meine Erkenntnis aus der Bewertung hier.

Hallo erneut Sarah, in aller Kürze: Das ist kein Dilemma. Lass es weg.
Das sage ich ungern und es ist schade, da mir der erste Absatz am besten gefallen hat, aber du gibst dort einfach einen Start in eine völlig andere Geschichte. Niemand mag falsche Versprechungen, so schön sie auch zunächst klingen. Das ganze hat dann zwei mögliche Ergebnisse:
a) Deine Geschichte wird klarer und der Leser fragt sich nicht warum man ihn am Anfang auf eine falsche Fährte gelockt hat...
b) Deine Geschichte wird wie von dir anscheinend befürchtet langweiliger ... WENN das so ist, dann ist das schlicht ein klares Zeichen, dass der Rest uninteressant ist. Wäre brutal, aber wahr... und dann solltest du massiv am "Rest" arbeiten statt falsche Köder auszulegen! ;) Alternativen die du hättest wären das Kind und die erste Passage ernst zu nehmen und somit auch später weiter zu behandeln, oder den Stile der ersten Passage zu halten, aber die dort beschriebenen Ereignisse umzumünzen auf das was du eben wirklich thematisierst. Natürlich bedacht darauf nicht zu viele "Geheimnisse" zu früh zu verraten..
Hallo Skanne, auch dir nochmal vielen lieben Dank für das Lesen und kommentieren.


Ich dachte mir schon, dass die Geschichte für die Leser unverständlich ist, ein Grund, warum ich sie hier auf den Prüfstand gestellt habe. Ich habe die letzten beiden Tage versucht, sie verständlicher zu fassen, bin aber daran gescheitert.
Ich glaube der gesamte Plot, ist es durchaus wert erzählt zu werden und dann fügen sich die Charaktere (Tochter, Mutter, Vater, Aaron/Alexander) und einzelne Handlungsstränge (z.B. der Tod der Tochter) zusammen und ergeben m.E. sicher einen guten Spannungsbogen. Ich glaube aber, dass die Geschichte deutlich mehr Raum braucht, um die Charaktere, um die nicht linear verlaufenden Zeitstränge und die Zeitreisemechanismen zu entwickeln.
Deswegen habe ich mich entschieden, die Geschichte zu einer Novelle auszubauen, das wird aber etwas länger dauern.

Nochmal vielen lieben Dank an alle, die sich die Mühe gemacht haben, das zu lesen. Ich find euch super und werde hier sicher noch mehr meiner Kurzgeschichten auf den Prüfstand stellen.

 

Hallo @Sarah996,

Was ich konkret suche ist Feedback zu dieser Kurzgeschichte (Konsistenz, Verständlichkeit, Sprache, was euch noch so einfällt). Gerne auch detailliert. Und ich freue mich, wenn ihr mir eine Frage beantworten könntet: Versteht ihr den Handlungsstrang oder drücke ich mich zu nebulös aus?
Was für eine Aufforderung! :D Dann mal los:

Morgen ist der 2. November 1991.
Der erste Satz ist oft sooo typisch für den ganzen Text. Und ich finde auch hier: Wieso so umständlich? Warum nicht: "Heute ist der 1.November 1991." ?
Aber gut - für den ersten Satz auch ok - man fragt sich, was denn an morgen soo wichtig ist, dass man lieber das Datum von morgen, anstatt von heute, nennt. Oka - Vieleicht sogar gut für den ersten Satz, denn er baut dadurch sogar Spannung auf.

In Weilhausen freut sich ein kleines Mädchen auf ihren Geburtstag, und fragt sich, ob sie die Rollerblades bekommt, die sie sich schon seit Monaten wünscht. Sie wird es nie erfahren, denn morgen wird sie von ihrem Vater entführt werden.
ok - das erklärt zumindest, das morgen mehr passiert als heute - und das ist womöglich bemerkenswert.
Und übermorgen wird sie tot sein, gestorben auf der Ladefläche eines nagelneuen Ford Transit.
Zack - und "morgen" wird irgendwie relativiert, getoppt, weil übermorgen was viel furchtbareres passiert. Damit komme ich zu meiner Anfangsfrage: Warum nicht das Datum von heuten bennen, wenn morgen (so früh im Text) "at akta" gelegt wird.
Ist das verständlich, was ich meine? :D
Ich werde nicht nach Weilhausen fahren, um sie zu retten, nicht dieses Mal.
Ok - es geht gar nicht um den Vater, sonder um den Ich-Erzähler. na gut.
"nicht dieses mal" - okay - es wird viel über die Zukunft geredet, also sind wir wohl in einer Zeitreisegeschichte. passt.
Um Sarah zu treffen? Ist das zu riskant? War die Weltgeschichte wirklich so zerbrechlich, dass eine simple Liebesgeschichte sie schon aus dem Angeln heben konnte? Nur ein Mann und eine Frau? Ich weiß es nicht.
Eine Latte von Fragen mit einem abschließendem "Ich weiß es nicht". Warum weiß er es eigentlich nicht, er hat es ja anscheinend schonmal gemacht - dann müsste er es doch im Ansatz wissen, oder?
Aber gut, an der Stelle kann ich die Fragen noch aktzeptieren und das nicht-wissen als Spannungselement nehmen.
Würde sie mich überhaupt noch wollen? Ich war acht Jahre älter als beim ersten Mal,
Die Frage war wiederum gut, weil sie mir mehr Infos gibt.
Konnte das alleine eine ganze Welt in den Abgrund ziehen? Ich weiß es nicht.
Ja - hatte ich schon beim Absatz davor verstanden, dass er das nicht weiß. Mir persönlich gefällt dieses Stil-Mittel in der Geschichte nicht. Ich kann Dir das auch begründen:
Der Erzähler stellt mir zu viele Fragen - das wirkt, als wüsste der Erzähler nicht, was er mir eigentlich für eine Geschichte erzählen will. Dazu kommt, dass in den vielen Eventualitäten die eigentliche Geschichte vergraben wird. Es ist als Leser schwer, aus dem Gedankenwirrwar die Geschichte zu verfolgen.
Seit Wochen sitze ich in diesem kleinen Zimmer, in einer Pension am Waldrand von Augsburg und schreibe, wie ein Besessener, jeden Tag für viele Stunden.
"Seit Wochen"? WANN ist das denn? am 1.11.1991? (Warum wurde die Geschichte mit diesem Datum begonnen?)
Mein Eindruck: Sei in einer Zeitreisegeschichte vorsichtig mit relativen Zeitbezügen - wie hier "seit Wochen". Gerade im Zeit-Kuddelmuddel ist es um so wichtiger, den Zeitpunkt einer Handlung nachverfolgen zu können.
Als könnte mir das Schreiben eine Antwort liefern. Meine Hand schmerzt und ich bin noch kein bisschen schlauer.
Warum er schreiben muss, ist mir auch nicht ganz klar geworden. Er kritzelt ja anscheinend mit Stift auf Papier. Wenn das der Artikel werden soll, den er am Ende dann sucht, dann müsste schon irgendwie deutlicher werden, wie der Zettel in eine Zeitung kommt, oder?
Würde das ausreichen, um die Welt in den Abgrund zu senken? Ich weiß es nicht.
Hatten wir schon mal - weiß niemand hier.
Gestern war ich an der alten Brauerei, die Passage ist noch da, wenn auch instabil.
Gestern? WANN ist denn Heute?
Sarah machte zwischen jedem Schritt kleine Hopser,
Das fand ich ein superschönes Detail :)
Die Passage ist verschwunden. Ich weiß nicht genau wann.
Ja - der Erzähler weiß nix! Nie! Vorallem weiß er anscheinend nie "wann". Warum erzählt er mir dann die Geschichte? <-- etwas überspizt. Ich hoffe, Du verstehst was ich meine.
Als ich vor zwei Tagen die Schwelle aus dem Land von damals in das Land von Heute übertrat,
OK - da ist zumindest die Referenz drin, dass er aus der Vergangenheit zurück gekommen ist. Aber "vor zwei Tage"? Warum erzählt er nicht, wie er vor zwei Tagen zürückgekommen ist? Warum wird mir das Zurückkommen als Rückblende erzählt?
(Das meinte ich übrigens mit dem "der erste Satz ist typisch". Diese Passage hat das gleiche Problem: Warum so umständlich?)
Wie immer waren nur wenige Stunden seit meiner Abreise vergangen.
Was? "Wenige Stunden"? - Ich dachte zwei Tage? Was sind denn "wenige Stunden"? Drei? 30? 300? etzt bin ich mit den relativen Zeitangaben restlos überfordert.
Nur an mir war die Zeit nicht spurlos vorübergegangen. Wenn ich heute in den Spiegel sehe, sehe ich einen Mann mittleren Alters, der vom Leben nicht mehr viel zu erwarten hatte.
Das soll wahrscheinlich zeigen, dass er im damals gealtert ist, bevor er zurückkam. Aber mit dem schwammigen "mittleren Alters" kann ich mir nix vorstellen.
Er war doch in der Vergangenheit schon 40. Ist 40 nicht "mittleres Alter"?

Hier noch eine Bemerkung zum Nebensatz: Warum kann man mit "Mittlerem Alter" nix mehr vom Leben erwarten? <-- Diese Weltanschauung mag ich gar nicht teilen ;)

Das Bild im Flur, auf dem meine Ex-Frau, auf einem Sessel sitzend in die Kamera grinst, sollte eigentlich auch ihre beste Freundin Jenny zeigen
Jenny bekommt einen Namen - die Ex-Frau nicht?

Klara und ich hatten nie Haustiere besessen, trotzdem wusste ich, so sicher wie ich wusste, dass das auf dem Bild Klara war, dass zahlreiche Bilder in unseren Fotoalben genau diesen Hund zeigen würden.
Klara ist dann wohl die Ex. Ok - hat doch noch einen Namen bekommen :)
Es stellte sich heraus, dass ich nur das Fernsehen einschalten musste, um über Sarahs Verbleib zu erfahren
ok - hier versucht er rauszufinden, in welche Zukunft er zurückgekommen ist.
Meine Absicht ist einfach. Ich werde den Artikel aufrufen.
"DEN Artikel" suggeriert, dass ich als Leser wissen müsste, um welchen Artikel es sich handelt. Ist leider an mir vorrübergegangen.
Werde sehen, wieviel Parallelen es zu Sarah mit mir und Sarah ohne mich gibt. Werde sehen, ob sie ihre politische Überzeugung weiterverfolgt, ob sie den gleichen Weg einschlägt
Ok - Sarah scheint ein hohes Tier zu werden.

Und wenn die Antwort ja ist, ich meine, wenn auch nur die geringste Chance besteht, dass die Antwort ja sein könnte? Was werde ich dann tun?
Na? Eine Frage!!! Ich bin ja so gespannt!
Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht.
Klar, was könnte sonst die Antwort sein :D

Fazit: Ich finde schon, dass der Plot potential hat. Es wäre okay für mich, dem Protagonisten durch die Zeit zu folgen, aber mit den relativen Angaben "seit Wochen", etc. verwischt sich die Zeitlinie - so dass ich nicht erkenne wann was passiert.
Mein Rat: Werde klarer in den Aussagen. Besonders im "Wann". Und stelle die Handlung in den Vordegrund, und seine Zweifel mehr in den Hintergrund.

Deswegen habe ich mich entschieden, die Geschichte zu einer Novelle auszubauen, das wird aber etwas länger dauern.
Das ist natürlich Deine Entscheidung! Aber ich denke, dass die Geschichte mit klaren Ansagen durchaus in der bestehenden Länge funktionieren kann.

Ich hoffe, Du kannst mit meinem Leseeindruck etwas anfangen :)
gern gelesen
pantoholli

 

Letzte Empfehlungen

Neue Texte

Zurück
Anfang Bottom