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Im Herzen der Finsternis

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Im Herzen der Finsternis

2. Quadrant des ViNok-Systems
Spiralnebel Nexus-734.01/BK

Das Geräusch fing an ihm auf die Nerven zu gehen. Ein einzelner, dumpf röhrender Basston, welcher in Abständen weniger Sekunden durch die fleischigen Gänge des Raumschiffs dröhnte, wiederholte sich nun schon eine gefühlte Ewigkeit.
Jigon Nakamura kauerte im diffusen Dunkel hinter einer hüfthohen Konsole und überprüfte die Energieanzeige seiner Green Bolt.
Nur ein einziger Schuss übrig, danach würde der ramponierte Blaster höchstens noch als schlechterer Knüppel etwas taugen.
Jigons leise gemurmelter Fluch wurde vom nächsten Dröhnen übertönt.
Sein Werkzeuggurt lag vor ihm auf dem Metallgitter, die Trageschlaufe war gerissen. Er konnte sich nicht daran erinnern, wann oder weshalb dies geschehen war.
»Wie bin ich bloß in diese Scheisse geraten?«, fragte er sich im Stillen. Tatsächlich hatte er ebenfalls keine Erinnerung daran, wie er an diesen furchtbaren Ort gelangt war, was er hier wollte und – für ihn am wichtigsten – wie er wieder von hier weg kam. Ihn beschlich ein mulmiges Gefühl, als er sich erneut die unmittelbare Umgebung ansah.
Mehrere Warnlampen an der Decke des breiten Ganges pulsierten im gleichmäßigen Takt des dröhnenden Tons und immer wenn sie aufglommen, wurde die ohnehin schon gruselige Umgebung in ein blutrotes Licht getaucht.
Die Wände und die Decke sahen aus, als hätte irgendein degenerierter Künstler eine Fuhre Schwarzstahl genommen und diesen mit dem rohen Fleisch geschlachteter Tiere vermengt. Ölig glänzende Metallstücke, verschmolzen mit braunrotem Gewebe bildeten somit die eklige Verkleidung des Schiffsinneren.
Der Sondal verlagerte sein Gewicht ein wenig, ihm war warm, er schwitzte. Seit er unfreiwillig an Bord gelangt war, herrschte eine schwüle Hitze auf dem Schiff, die Luft wirkte zum schneiden dick und über allem lag der penetrante Geruch von Kupfer.
Jigon blinzelte, und wischte sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. Dann traf er eine Entscheidung.
»Zeit von hier zu verschwinden.«
Er ließ seinen leichten Rucksack vom Rücken gleiten, stopfte den kaputten Werkzeuggurt hinein, schulterte das Behältnis und lugte um die Ecke seines Verstecks.
Niemand war zu sehen, der Weg war frei.
Er erhob sich und schlich leicht geduckt aus dem Schatten der Konsole, versuchte, zwischen den Pausen des tiefen Tons zu lauschen ob Schritte oder Stimmen oder sonstige Geräusche in der näheren Umgebung an sein Ohr drangen. Doch bis auf das nervtötende Röhren hörte er nichts.
Er musste sich zusammenreißen, seine Konzentration nicht von der fremdartigen Architektur dieses Raumschiffs ablenken zu lassen. Einen Brechreiz unterdrückend, als er aus dem Augenwinkel bemerkte, dass an den Wänden viele der Fleischlappen über dem schwarzen Stahl sachte zuckten und sich ein wenig hin und her bewegten, folgte er weiter dem Gang. Es kam ihm beinahe so vor, als befände er sich im Bauch eines lebendigen Wesens, wäre da nicht das Metallgitter am Boden gewesen. Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken, er richtete seinen Blick nach vorn und schlich weiter,
vorsichtig darauf bedacht, den zuckenden Wänden nicht zu nahe zu kommen. Insgeheim hegte er die Hoffnung, dass dieser Weg ihn zu einer Rettungskapsel führen würde.
Die Flucht in einer Rettungskapsel war sein Plan A.
»Und was, wenn die hier gar keine Kapseln an Bord haben?«, fragte er sich selbst und behielt dabei die nahende Biegung des Ganges im Auge. »Dann gehst du wie immer über zu Plan B«, mahnte seine Innere Stimme.
Jigon fasste die Green Bolt fester.
An einer T-förmigen Kreuzung hielt er einen Moment inne.
An der Wand vor ihm befanden sich in beide Richtungen rot leuchtende Glyphen, eingelassen in zwei stählerne Fassungen unter matschig waberndem Wandgewebe.
Offenbar irgendeine Art von Beschilderung.
Jigon seufzte.
Genauso gut hätten es neoklassistische Fingermalereien eines durchgeknallten Bilbis sein können, er hatte keine Ahnung was die Zeichen bedeuteten.
Nachdenklich stand er an der Kreuzung, verschränkte die Arme und starrte die Glyphen an.
»Welches von beiden sagt eher: Zu den Rettungskapseln…?«
Die Wahl des richtigen Weges wurde ihm abgenommen, als seine zerebrale Bionik nahende Sprachsignale ohne Zeitverzögerung ins Sondalische übersetzte. Die Geräusche näherten sich aus dem rechten Gang.
»Bewegt euch schneller, ihr Maden! Sonst reiß´ ich euch die Beine raus und prügle damit eure kriechenden Körper solange, bis ihr vor eurem Schöpfer steht!«
Die Stimme des Blaze, welche Jigon ohne die Unterstützung des auditiven Translators bloß als eine Aneinanderreihung animalischer Grunz- und Stöhnlaute wahrgenommen hätte, wurde von der in seinem Kopf verbauten Elektronik automatisch mit einer tiefen, basslastigen Klangfarbe versehen. Blaze klangen in diesem Programm fast immer gleich, Jigons KogStim IV war ein veraltetes Modell.
Die drei anderen, ein Trio von Tryneks, hörte er dagegen in einer höheren, knackenden Tonlage jammern.
»Oh´nein Herr, mächtiger Ukba´al«, keckerte der Erste.
»Wir gehen, wir gehen ja schon«, schnarrte der Zweite.
»Kein Grund uns zu züchtigen, Herr« flehte der Dritte.
Zusätzlich hörte Jigon das Klirren von Ketten, sowie ein undefinierbares elektronisches Piepsen.
Die Stimmen waren bereits sehr nah´, jetzt musste es schnell gehen. Er lief ein kurzes Stück zurück und huschte hinter die letzte Biegung, durch die er vor wenigen Augenblicken erst gekommen war. Ein kurzer Blick um die Ecke, von hier aus hatte er die gesamte T-Kreuzung gut in Sicht. Er hob seinen Blaster und schloß für einen Moment die Augen, lehnte seine Stirn gegen den senkrechten Lauf. Das kühle Metall fühlte sich angenehm auf seiner verschwitzten Haut an.
»Bitte lass´sie nicht nach links abbiegen«, schickte er ein stummes Stoßgebet an den heiligen Denn Erics.
Die Stimmen kamen näher, vorsichtig lugte er um die Ecke.
Jigon sah zuerst einen gelblichen Lichtschein von rechts heller werden, dann folgten im Gänsemarsch drei in Fußketten aneinander gefesselte Tryneks, gefolgt von einem Blaze. Offenbar erhörte der heilige Denn, Patron aller Raumfahrer und Glücksjäger, seine Bitte. Die Tryneks bogen nicht in Jigons Richtung ab, sondern marschierten weiter geradeaus, so dass er innerhalb weniger Augenblicke die gesamte Reihe gut im Blick hatte.
Die verschmutzten Kerle waren wie ihre gesamte Rasse von kleinem Wuchs, sie reichten dem bulligen Blaze gerade einmal bis zur Hüfte. Gekleidet in nichts weiter als Lumpen über der grauen, wächsernen Haut, stachen ihre großen spitzen Ohren an den Seiten der kahlrasierten Schädel hervor.
Bewacht wurden die drei von einem Blazegardisten,welcher mit einer tropfenden Rostfackel den Weg beleuchtete. Wie alle Angehörigen dieser kriegstreibenden Rasse war auch dieser hier untersetzt und massig, ohne dabei fett auszusehen. Sein borstiger Schädel wirkte im flackernden Licht umso klobiger, die Flamme spiegelte sich in den unteren Reißzähnen. Er schleppte ein Lasergewehr lässig über der Schulter.
Die kleine Kolonne bemerkte den Sondal nicht, als Jigon sich nun mit seinem ganzen Oberkörper um die Ecke beugte und mit der Green Bolt auf den Blaze anlegte.
»Du hättest deinen Helm aufsetzen sollen, Kumpel«, murmelte Jigon und nahm durch das Reflexvisier den Kopf der Wache ins Fadenkreuz.
»Oh´ Herr, wird dieser Alarm jemals aufhören?«, meckerte der vordere Trynek.
Der Blaze hob die Fackel ein Stück an, so dass sein Gesicht jetzt komplett erhellt war. Tief liegende Augen unter dicken Brauenwülsten über einer gewaltigen Schweinenase.
»Halt dein Maul! Das hört auf, wenn sie den Trillon eingefangen haben!«, schnauzte der Blaze.
Jigon atmete ein, hielt seinen Atem an und zog den Abzug durch. Die Green Bolt in seinen Händen jaulte auf, der grellgrüne Energiebolzen durchschlug den Kopf des Gardisten und sprühte Funken, als er hinter ihm auf die Wand der Kreuzung traf.
Der Blaze war tot, noch bevor er auf das Metallgitter am Boden aufschlug.
Jigon warf einen Blick auf die Statusanzeige der Waffe: Leer.
Die Tryneks kreischten auf, und versuchten zu fliehen, aufgrund ihrer Fußfesseln stolperten sie jedoch übereinander und purzelten als ein Knäuel aus Gliedmaßen und schwarzen Ketten in den Gang hinein.
Jigon spurtete zu ihnen, den leergeschossenen Blaster hielt er dabei in der Hand, sollten sie ruhig denken, er könne sie jeden Moment erschießen.
Als er sie erreichte, waren die kleinen Kerle noch immer damit beschäftigt, sich gegenseitig zu entwirren. Dabei zerrten sie einander an den Gliedmaßen und den Ketten der jeweils anderen.
»Nein du Idiot, dein linkes Bein«, keckerte der Erste.
»Häh, bist du dumm? Warte...links?«, meckerte der Zweite.
»Ihr seid beide dumme Idioten!«, krächzte der Dritte, »wenn ich meinen rechten Arm über dein...«,
»Ihr Drei, hört sofort auf mit der Scheiße!«, rief Jigon und richtete den leeren Blaster auf die Trynek.
Diesmal sorgte die Bionik in seinem Kopf dafür, dass die andere Spezies ihn verstand. Die Datenbanken seines Sprachprogramms innerhalb des KogStim IV waren vielleicht etwas veraltet, doch es reichte aus, um fließend Trynek zu sprechen.
Augenblicklich verstummte das Trio und ließ voneinander ab, jeder von ihnen hob die Hände über den Kopf.
So standen sie sich für einen Moment stumm gegenüber, keinen Meter weit vom toten Blaze entfernt, von dessen zerschossenem Gesicht kleine Rauchfäden aufstiegen. Es roch unappetitlich nach verschmortem Fleisch.
Die Trynek machten nicht den Eindruck als könnten sie im nächsten Moment über ihn herfallen, also entschied sich Jigon, die Situation ein klein wenig zu entschärfen.
»Ihr könnt die Hände runter nehmen, sieht ja lächerlich aus«, sagte er, und sicherte den Blaster, wobei er die Waffe auf dem Weg zurück ins Holster wie der HoloStar Grek Mekenna in Gesetz des Outlands einmal lässig an seinem Finger rotieren ließ.
Nun, da sie nicht mehr bedroht wurden, kam wieder Bewegung in die Trynek. Sie ließen ihre Hände sinken und rückten ein Stück weit voneinander ab, ließen den Sondal jedoch nicht aus den Augen, unbewusst unternahmen sie währenddessen genau die Schritte, welche zur Entwirrung ihrer Fesseln notwendig waren.
Jigon verdrehte die Augen und sah sich derweil den getöteten Blaze genauer an. Der Kerl trug einen Brustpanzer aus schmutzigem Pentamitplastik, unter dem seine dunkelrote Haut zu sehen war. Am Gürtel baumelte eine für die kriegerischen Blaze bekannte Nahkampfwaffe, ein sogenannter Dornenhammer. Das Lasergewehr hatte der Gardist fallenlassen, es lag neben seinen Füßen.
Jigon hob es auf. Um einiges schwerer als die Green Bolt. Kolben, Griff und Energiezelle waren aus billigem Alloplast gefertigt, die Verschlusskammer und der dicke Lauf bestanden aus Schwarzstahl. Der Trageriemen aus brüchigem Leder sah aus, als würde er jeden Moment reissen können. Das Gewehr war in schlechtem Zustand, aber definitiv funktionstüchtig.
Jigon fummelte an den verschiedenen Knöpfen nahe des Abzugs herum, irgendwie musste man doch erkennen, wie viel Munition das Ding hatte.
Das Lasergewehr erwachte summend zum Leben. Eine dünne Balkenanzeige verriet ihm, dass die Energiezelle zur Hälfte aufgeladen war. Probeweise hob er das Gewehr an, machte sich mit seinem Gewicht vertraut. Er presste den Kolben fest gegen seine Schulter und zielte durch das fremdartige Visier, nahm so die drei Trynek aufs Korn.
Welche sich soeben aus ihrem Gewirr befreien konnten, nun jedoch aufkreischten und sich die Hände schützend vor ihre Gesichter hielten.
Jigon zeufzte und senkte dir Waffe.
»Ganz ruhig, okay? Ich tue euch nichts. Wer seid ihr?«
Argwöhnisch beäugten die Trynek den Sondal. Ihre Fußfesseln klirrten leise, als die Drei für einen kurzen Moment die Köpfe zusammensteckten und leise miteinander tuschelten. Es dauerte etwa drei Basstöne lang, dann reihten sich die aneinander geketteten Kerlchen vor ihm auf.
»Ich bin Teshkul, Sohn des Torn«, sagte der erste und zeigte dabei zwei Reihen ungepflegter, doch nadelspitzer Zähne.
»Ich bin Gorrak, Sohn des Gemp«, schnarrte der zweite und legte sich dabei die Hand auf seine schmale Brust.
»Und ich bin Kulbo, Sohn des Kurryk«, krächzte der dritte.
Die Trynek starrten ihn erwartungsvoll an.
»Ja, hey, äh...ich bin Jigon…,Sohn des...Kaito«, murmelte der Sondal. Plötzlich fühlte er sich ein wenig unwohl, wie er so bewaffnet dastand und von oben auf die kleinen Sklaven herabschaute. Er ging auf ein Knie, legte das Lasergewehr auf den Boden – achtete allerdings auch darauf, es ausser Reichweite für die Trynek zu lassen – und besah sich die metallischen Fußfesseln.
»Ihr seid Gefangene, habe ich Recht? Wie kommt ihr hierher? Und könnt ihr mir sagen, wo genau ich bin?«
Wieder tauschten die Trynek erst Augenkontakt miteinander, bevor sie antworteten.
»Wir sind Diener der grausamen Herren, so wie der Rest von uns«, sagte Teshkul.
»Wir waren immer schon hier, solange wir denken können«, keckerte Gorrak.
»Du bist an einem gefährlichen Ort. Man nennt ihn… Weltraum!«, krächzte Kulbo.
»Ja Danke, ich weiss selber dass ich mich im Weltraum befinde«, antwortete Jigon genervt. »Aber auf welchem Schiff? An welcher Position? Wie lauten die Koordinaten?«
Offenbar überstiegen diese Fragen den Horizont der Sklaven. Denn anstatt ihm zu antworten, steckten sie wieder die Köpfe zusammen. Nach etwa zehn röhrenden Basstönen wurde es Jigon zu blöd. »Okay, hergehört!«, rief er energisch, »geht mal ein Stück auseinander, ich erlöse euch von diesen Fesseln.«
Die Trynek folgten der Aufforderung.
Jigon holte sein Werkzeug aus dem Rucksack und es dauerte nur wenige Augenblicke, um mit seinem Plasmaschneider die Kettenglieder so zu durchtrennen, dass die Drei sich wieder unabhängig voneinander bewegen konnten.
Der Sondal verstaute das handliche Arbeitsgerät, während die befreiten Sklaven ihre geschundenen Knöchel massierten. Nachdem er seinen Rucksack wieder aufgesetzt hatte, hob Jigon das Lasergewehr vom Boden auf und hängte es sich am Trageriemen um die Schulter.
»Hört mal«, sagte er, »gibt es auf diesem Schiff Rettungskapseln?«
Er erntete fragende Blicke aus sechs großen Augen, eine Antwort blieb allerdings aus.
»Ob sie überhaupt verstehen was ich von ihnen will«, fragte er sich.
»Wisst ihr was Rettungskapseln sind?«, fragte er die Trynek.
Die Drei nickten.
»Und? Gibt es welche?«
»Herr«, begann Teshkul, doch Jigon hob eine Hand.
»Nenn´mich nicht so. Du bist nicht mein Diener.«
Der Trynek sah hilfesuchend zu seinen Gefährten, anscheinend unsicher, wie er weiter mit dem Sondal kommunizieren sollte.
»Du kannst Jigon zu mir sagen. Oder Jig.«, sagte Jigon sanft.
»...Jig?«, fragte Teshkul.
»Ein Spitzname«, sagte Jigon und erkannte am Blick der Trynek, dass die Drei nicht wussten, was es damit auf sich hatte. »So nennen mich meine Freunde.«, sagte er und lächelte.
Teshkul erwiderte einen Augenblick lang nichts, vielleicht sortierte er gedanklich seine neu gewonnenen Eindrücke. Dann richtete er das Wort an den Sondal.
»Jig...wir leben auf diesem Schiff, so lange wir denken können. Wir wurden als Diener der grausamen Herren geboren und werden als ihre Diener hier sterben. Wir sind Trynek. Das ist unser Schicksal.«
Jigon konnte nicht glauben was er da hörte.
»Ja aber, wollt ihr denn nicht lieber frei sein? Ich habe vor, von hier zu verschwinden, und ihr könnt mich begleiten!«
Jetzt war es am zweiten Trynek, zu antworten.
»Aber Her...Jig, was ist mit unserem Clan?«, schnarrte Gorrak.
»Was soll mit ihm sein«, fragte Jigon, der die Frage nicht verstand.
Erneut sahen die drei Trynek sich an. Schließlich war es Kulbo, der sprach.
»Unsere gesamten Familien werden hier gefangen gehalten. Wir können sie doch nicht einfach hier zurücklassen!«
»Von wie vielen sprechen wir?«, fragte Jigon.
Es entstand eine kurze Pause von etwa drei Basstönen, offenbar schienen die Trynek nachzurechnen. Dann hob Teshkul die Hände und hielt neun lange, bleiche Finger hoch.
»Neun.«
Jigon runzelte die Stirn.
»Neun? Also ich bin mir sicher dass wir gemeinsam ohne Probleme neun weitere von euch...«
»Neun Generationen.«, krächzte Kulbo.
»Oh...«, sagte Jigon, der erkannt hatte, dass diese befreiten Sklaven ihn wohl möglich nicht auf seiner Flucht begleiten würden. Zaghaft legte er Teshkul die Hand auf dessen ausgemergelte Schulter und sah ihm mit ernstem Blick in die großen Augen.
»Euer Schicksal und das eures Clans tut mir sehr leid. Und doch ist es nicht das meine. Ich muss von hier verschwinden. Könnt ihr mir bitte dabei helfen?«
Der Trynek erwiderte seinen Blick. Für einen Moment glaubte Jigon, eine unendliche Traurigkeit darin zu erkennnen, als Teshkul antwortete.
»Wenn die grausamen Herren uns verlassen, um andere wie uns zu fangen oder zu züchtigen, dann steigen sie dazu in ihre fliegenden Bestien.«
»Fliegende Bestien...«, murmelte Jigon.
»Große, aufgeschlitzte Scheiben, mit einem Loch in der Mitte. Sie summen, wie Galvankäfer und sie spucken rotes Feuer, das den Tod bringt.«, gackerte der Trynek aufgeregt.
Plötzlich hatte Jigon eine Ahnung, was der kleine Kerl ihm da beschrieb. Seine Nackenhaare stellten sich auf.
»Der mieseste Ort an dem man stranden kann. Bitte lass´mich falsch liegen, oh ich bitte dich«, dachte er.
»Wie viele von diesen fliegenden Bestien gibt es hier an Bord?«, fragte er die Trynek.
»Viele«, sagte Teshkul.
»Sehr viele«, schnarrte Gorrak.
»Unzählige«, keckerte Kulbo.
Die simple Beschreibung, die der Trynek ihm gegeben hatte, formte ein Bild in Jigons Kopf. Ein Bild von einem schnellen, wendigen Raumschiff, dessen Ionenantrieb ein charakteristisches Summen erzeugte. Konstruiert für zwei Piloten. Mit der enormen Feuerkraft von vier schienengelagerten Partikelkanonen und einer Aufhängung für Plasmatorpedos, waren diese Schiffe nur für einen einzigen Zweck konstruiert: Tod und Zerstörung. Sein Volk, die Sondal, nannten sie bloß Plagenvögel. Es waren die Abfangjäger der Blaze.
Und in diesem Moment der Erkenntnis, wusste Jigon Nakamura, wo er sich befand. Der mieseste Ort an dem man stranden kann.
»Wie, verflucht noch mal, bin ich in diese gigantische Scheisse geraten?«, fluchte er laut.
»Das wissen wir nicht«, keckerte Gorrak.
»Wir kannten dich bis eben nicht«, quäkte Kulbo.
Teshkul sagte nichts, schaute den Sondal nur interessiert an.
Jigon starrte stur geradeaus, der Schweiß lief ihm jetzt über das ganze Gesicht. Seine Gedanken rasten. Fieberhaft versuchte er, sich auf einen einzigen davon zu konzentrieren.
»Wie, verflucht noch mal, bin ich auf einem Blaze-Mutterschiff gelandet?«


ZWEI SEMI-JAHRE ZUVOR
Erics-Stadt
Sektor 12.19-07

»Ken, Schätzchen, nochmal dass gleiche!« Lima Six-Sulu hob ihr Glas über den Kopf und wedelte mit dem Zeigefinger der anderen Hand in Richtung ihrer beiden Gefährten, welche ebenfalls auf den bequemen Hockern an der Theke saßen.
Ken Kassio, Barkeeper und Besitzer des Sandsturm, schaute vom anderen Ende des glänzenden Tresens herüber und deutete ein Nicken an. Lima grunzte zufrieden und senkte ihr leeres Glas.
»Xiatonischer Rum. Besser kann man seine hart verdienten Stacks nicht investieren«, meinte Lima, fuhr sich mit der Hand durch ihr krauses Kopfhaar und fügte ein »hab´ ich Recht?« hinzu, als niemand ihr im ersten Moment beipflichtete.
Limas Geschäftspartnerin, Ecko Too-Tango, welche links außen in der Reihe saß, stieß ein zustimmendes Brummen aus, während ihr Blick an dem Holobildschirm über der Bar klebte, auf dem eine Partie Kraftfeldball lief. Die Stürmer in ihren gelbschwarzen Rüstungen versuchten soeben einen Vorstoß aus der Deckung heraus, wurden jedoch jäh vom Team der Verteidiger in Weissblau gestoppt, was Ecko mit einem verärgerten Fausthieb auf den Tresen, gefolgt von einem Schwall Flüche kommentierte.
»Diese Idioten kriegen nicht mal einen flüssigen Durchbruch hin«, motzte sie, griff nach der Schale mit gerösteten Gimpokernen und schaufelte sich eine Handvoll in den Mund. Sie widmete sich wieder dem Spiel, es knirschte laut, als ihre schlanken Kiefer zu mahlen begannen.
Jigon saß mittig zwischen den beiden teronischen Kopfgeldjägerinnen und registrierte all dies bloß am Rande. Er stierte, in Gedanken versunken, durch sein leeres Glas hindurch.
Es war Semi-Wochenende, welches er - wie üblich - mit einem Getränk im Sandsturm einläutete. Die gemütliche Tanzbar, mit angeschlossener Herberge am Rande einer Amüsiermeile mitten im Herzen des Sektors, wurde so langsam etwas wie seine Stammkneipe. Er fühlte sich einfach wohl, inmitten ihrer illustren Gästeschar, bestehend aus einfachen Schrottern wie ihm, Glücksjägern, Piloten und Lohndienern. Sehr selten verirrten sich auch härtere Karrieren wie Sicherheitspersonal oder Söldner an Kens Tresen, Lima Six-Sulu und Ecko Too-Tango bildeten die feste Ausnahme der Regel.
Doch anders als sonst, hatte Jigons Suche nach einer Antwort auf Limas vor kurzem gestellte Frage es tatsächlich geschafft, dass er, je näher er der Lösung kam, die Kulisse der Kneipe um sich herum nahezu ausblendete. Die Tänzerinnen in ihren Plastiglasröhren, welche sich im leisen Rhythmus zu dem neuzeitlichen Cover eines Hits aus der Gründerzeit bewegten, nahm er eben so wenig wahr, wie die im Takt flackernden Strobokerzen. Auch der über allem befindliche Klangteppich, fadenscheinig gewoben aus den Geräuschen klirrender Gläser, Stimmengemurmel aus den zahlreichen Sitznischen, dem Zwitschern des Glücksspielbots in der Ecke, sowie des bilbionischen Live-Kommentars auf dem nahen Holobildschirm, all dies wurde von den Grübeleien des Sondals in den Hintergrund seines Geistes verdrängt.
Als Ken mit der Flasche voll bernsteinfarbener Flüssigkeit von der anderen Seite des Tresens an das Trio herantrat, um wie auf Limas Geheiß die Gläser erneut zu füllen, hatte Jigon seine Antwort gefunden.
»Danpu-88!« rief er, grinste und hieb mit der flachen Hand auf den Tresen, so das sein Glas einen Hüpfer machte. Ken, der bei dem unerwarteten Schlag beinahe etwas von dem sündhaft teuren Alkohol verschüttete, warf Jigon einen tadelnden Blick zu, sagte jedoch nichts und schenkte weiter aus. Die Servomotoren seines bionischen Arms surrten leise, als der Barkeeper den Winkel der Flasche erhöhte.
Lima wandte sich zu Jigon um. Der Sondal sah ihr ins Gesicht, sein Grinsen siegessicher.
»Der Müllplanet?«, fragte die Teron verwundert, während sie auf ihn herabsah.
Jigon grinste noch immer, er nickte heftig und versuchte dabei, eine Regung in der Mimik der Kopfgeldjägerin zu erkennen, ohne Erfolg. Das ist das Problem mit den Teronischen Frauen, dachte er, sie verstehen es meisterhaft ihre Gefühle zu verbergen. Lima Six-Sulu sah mit saphirblauen Augen ohne zu blinzeln auf ihn herab, die schräg zulaufenden, eng zusammenstehenden Augenbrauen bewegten sich keinen Millimeter. Eines ihrer Augenlider zuckte leicht, doch Jigon wusste nicht, ob er diese Regung als Gewinn deuten konnte.
»Was ist damit?«, fragte Ecko von links, die ihren Blick nicht vom Holobildschirm nahm und soeben ihr frisch gefülltes Glas Rum an die Lippen führte.
Jigons Grinsen bröckelte, als er kurz den Kopf zu Ecko drehte und sich dann wieder Lima zuwand.
»Na...das ist meine Antwort. Ich hab´gewonnen.«, sagte er.
Kurz betrachtete Lima ihn, dann fragte sie »Antwort worauf, Schätzchen?«
Das Grinsen des Sondal verschwand. Mit einem Stirnrunzeln starrte er Lima an, versuchte herauszufinden, ob die Teron sich vielleicht bloß einen Scherz mit ihm erlaubte.
»Ähh...du hast doch die Frage in den Raum gestellt«, sagte er.
»Und welche Frage soll das gewesen sein, Schätzchen?«, antwortete sie und nickte Ken zu, welcher mit dem Nachschenken fertig war und soeben die Flasche wieder versiegelte.
Jigon spürte einen schwachen Stich der Verzweiflung, dies war kein Scherz, es war tatsächlich immer das selbe mit diesen Teron.
»Entschuldige Mal«, empörte er sich und griff nach seinem Rum, »das ist doch gerade erst zwei Drinks her!«
Als Lima nicht reagierte fuhr er fort, wobei der Inhalt seines Glases gefährlich schwappte, da er anfing, mit beiden Armen vor der hochgewachsenen Frau zu gestikulieren.
»Ich saß schon hier, wollte einfach nur bei einem hellen Paltonischen abschalten, da seid ihr zur Tür reingekommen. Habt lautstark den Doc und Lykandra da hinten begrüßt und euch dann ungefragt neben mich gesetzt…!« Er zeigte mit dem Daumen über seine Schulter.
»Daran erinnere ich mich«, sagte Lima emotionslos. Ihr Blick wanderte von seinem Finger zu einer der Sitznischen, in welcher sich ein bulliger Noris angeregt mit einer Faunar unterhielt.
Kurz wartete Jigon ab, ob da noch mehr kam, was nicht der Fall war.
»Und dann,« nahm er den Faden wieder auf, »hast du deine Frage gestellt. Hast es Ecko und mir sogar noch als eine Art Wettstreit verkauft. Möge der Beste gewinnen. So in der Art.« Als Lima nicht reagierte, wurde es Jigon allmählich zuviel mit dieser teronischen Lässigkeit. Lauter als beabsichtigt wiederholte er Limas Frage.
»Was ist der mieseste Ort, an dem wir uns vorstellen können, gestrandet zu sein
Sowohl Ken Kassio, als auch mehrere andere Köpfe in der Bar drehten sich nach diesem Ausruf zu dem Trio an der Bar um.
Für einen Moment sah Lima Six-Sulu ihn an, niemand sprach.
»Schätzchen, das ist aber eine gute Frage«, sagte sie schließlich.
»Hab ich auch gedacht!«, rief Jigon und warf beide Arme in die Höhe, wobei er beinahe sein Getränk verschüttete.
»Und deine Antwort ist...«
»Danpu-88!«, wiederholte Jigon, und das triumphierende Grinsen kehrte auf seine Gesichtszüge zurück.
Lima Six-Sulu drehte sich zum Tresen um, hob ihr Glas und nickte bedächtig. Sie trank einen kleinen Schluck, setzte das Glas wieder ab und sagte, ohne ihn dabei anzusehen »Schätzchen, Du hast verloren.«
Jigons Mund klappte auf. Fassungslos über diese extraterrestrische Nonchalance fing er an, sich ihr gegenüber in Rage zu reden.
»Hör mal, ich spreche hier vom Müllplanet! Vom Kackemond! Das Klo der Galaxis! Der braune Zwerg! Mit ´nem Ring aus Kacke! Ich meine, wie mies...«
»Ich kannte da mal ´nen Typen,« fiel ihm Ecko von links ins Wort, »der wollte auf Danpu-88 auswandern.«
Der Sondal drehte sich zu ihr um.
Die Teron hatte ihren neuen Rum bereits geleert, setzte ihr Glas auf dem Tresen ab. Bei dem Spiel im Holo hatte die Halbzeit eingesetzt, der Moderator Albio Zungenflug, ein Stadtbilbi, dessen lächerlicher Name soeben eingeblendet wurde, ließ sich in einem wortgewaltigen Redeschwall über die Leistung beider Mannschaften aus.
Die Kopfgeldjägerin lächelte ihn an.
»Ist das dein Ernst?«, fragte Jigon.
Ecko nickte. »Der Kerl hatte den festen Plan, mit einem selbstgebauten Raumgleiter hochzufliegen, zu landen und als erstes Lebewesen dort oben Herrschaftsansprüche geltend zu machen. Wenn ich mich richtig erinnere, hatte er sich sogar eine Flagge mit eigenem Wappen genäht, um sie in den Müll zu rammen. Als Akt der Eroberung, quasi.« Die leuchtend blauen Augen der Teron wanderten in ihren Höhlen kurz nach links, »Ich glaube sein Name war...Dave«.
Fassungslos schüttelte Jigon den Kopf. »Was kennst Du denn für Leute?«, fragte er rhetorisch.
»Ich kenne dich«, antwortete Ecko und lächelte ihn an.
Jigon ignorierte die Spitze und wandte sich wieder Lima zu. »Du sagst also, ich habe verloren?«
»Offensichtlich.«
»Dann sag mir doch mal bitte deine Antwort.« Der Sondal stellte seinen Rum auf dem Tresen ab und verschränkte die Arme vor der Brust. Herausfordernd reckte er das Kinn vor und wartete ab.
Lima sagte nichts, anscheinend dachte sie nach.
»Gar nicht so einfach, was?«, neckte Jigon »Ich hab mir schon gedacht dass du...«
»Ein Mutterschiff der Blaze«, sagte die Teron.
»Ein Mutterschiff der Blaze…?!«, wiederholte Jigon.
»Mies«, raunte Ecko von der Seite.
»Mies«, äffte Jigon sie nach, fixierte Lima, nahm sich ohne hinzusehen seinen Drink vom Tresen, prostete der Teron zu und leerte ihn in einem Zug. Der starke Rum brannte scharf in seiner Kehle, das außerirdische Getränk flutete die entsprechenden Rezeptoren seines Gehirns und überlastete kurz den Sehnerv, sämtliche Farben um ihn herum leuchteten einen Augenblick lang unnatürlich intensiv. So schnell der Effekt eintrat, erlosch er auch wieder. Jigon hieb das Glas auf die Theke, dass es knallte.
»Lima…!«, setzte er an und zeigte mit einem Finger auf sie, kniff die Augen ob der Wirkung des Drinks zusammen und schüttelte den Kopf »du mogelst.«
»Präzisiere, Schätzchen«, säuselte Lima.
Jigon richtete sich leicht schwankend auf. Die Augen zu Schlitzen verengt, brauchte es einen Moment, bis seine Augen Limas Gesichtszüge fokussierten.
»Du hast nach dem miesesten Ort gefragt.« Er zückte zwei Finger, welche er dicht unter Limas kurze, gerade Nase hielt. »Erstens: Ein Mutterschiff der Blaze ist kein Ort. Zweitens: Ein Mutterschiff der Blaze ist nicht mies, sondern absolut tödlich.«
Jetzt fuchtelte er mit erhobenen Fingern vor der Nase der Teron herum, diese wartete stoisch ab, so dass Jigon nach kurzer Zeit damit aufhörte und sich wie sie zurück zum Tresen drehte.
Keiner der drei sagte etwas, man hörte bloß das Hintergrundgemurmel der Kneipe, im Holo lief ein Werbeblock, welcher eine Revolution des Unterhaltungssektors durch eine neu entwickelte, virtuelle Holospiel-KI versprach. Lima drehte ihren Kopf leicht nach links.
»Warst Du schon einmal auf einem Blaze-Mutterschiff?«, fragte sie Jigon.
»Nein. Du etwa?«
»Nein.«
»Ach was.«
Für einen kurzen Moment herrschte erneut Schweigen.
»Das will man sich gar nicht vorstellen«, nahm Lima das Gespräch wieder auf.
Jigon ging absichtlich nicht darauf ein, was Lima nicht davon abhielt, sich weiter mitzuteilen.
»Hunderte, ach was sag ich, tausende Blaze-Krieger, schwer bewaffnet und nur darauf aus, dich zu bekämpfen. Und wenn du es doch durch eine schicksalshafte Füfung schaffen solltest, von dort zu verschwinden, hast du noch ihre Armada aus Abfangjägern am Hals.«
»Auf Danpu-88 gibt’s nichts als Müll und Scheisse«, grummelte Jigon, wohl wissend, dass er eh´keine Chance mehr hatte.
»Müll schießt nicht auf dich«, sagte Lima und fügte rasch hinzu, »oder verstümmelt deinen Körper, nimmt dich gefangen und knechtet dich dann für den Rest deines bloß noch kurzen Lebens. Müll...«
»Schon gut«, unterbrach Jigon sie seufzend. »Ich hab´s kapiert. Blaze sind mieser als Müll.«
Lima dachte kurz über diese Feststellung nach.
»Korrekt«, sagte sie.
Jigon drehte das leere Glas in seiner Hand, ein paar Tropfen Rum hatten sich am Boden gesammelt. Er tauchte die Spitze seines Zeigefingers in die Lache und nuckelte dann genüßlich daran.
»Im Outland. In einem Nest voller Nyx«, sagte Ecko unvermittelt.
Jigon nahm den Finger aus dem Mund. Seine Augen wanderten nach links. »Bitte?«, fragte er.
»Mein miesester Ort. Ich gewinne.«
»Wie? Du gewinnst?«
Ecko Too-Tango sah ihn mit großen Augen an. Der Sondal konnte ihren Gesichtsausdruck nicht deuten.
»Na, du weißt schon, Nyx…!?« Sie formte ihre Hand zu einer Klaue, ihre sechs Finger krabbelten auf sein Gesicht zu. »Diese unsichtbaren Spinnen? Mit tödlichem Gift?«
Jigon nickte. »Mies.«
Ecko nahm ihre Hand weg und drehte sich wieder zum Holo um. »Sag ich ja.«, sagte sie, und fügte nach einer kurzen Pause hinzu, »ich gewinne.«
»Herzlichen Glückwunsch, Schätzchen«, verkündete Lima trocken von rechts, hob ihre feingliedrige Hand und gab Ken einen Wink, auf dass er eine weitere Runde ausschenkte.

 
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Hallo @Seth Gecko ,

ich finde deinen Text sprachlich ziemlich gut für eine Science Fiction-Geschichte.

Nicht so passend finde ich jedoch das Tempo der Handlung, das wäre m.E. für einen Roman richtig, nicht jedoch für eine Kurzgeschichte. In beiden Szenen passiert, würde man es zusammenfassen, nicht allzu viel.

Du beschreibst alles sehr ausführlich und detailliert, aber auch bei einer Kurzgeschichte möchte ich einen Handlungsverlauf erleben, mit einer entsprechenden Spannungskurve. Ich finde es jedoch hierbei trotz der Länge des Textes schwierig, es als abgeschlossene Geschichte zu betrachten.

War es demnach als Kurzgeschichte gedacht, oder ist es eher Teil einer längeren Handlung? Ich hatte auf jeden Fall den Eindruck, dass du dir zu der Welt und den Protagonisten/Aliens viel überlegt hast, wozu ich gerne auch noch mehr gelesen hätte.

Soweit zumindest ein kurzes Feedback, viele Grüße,
Rob

 
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Hi @Rob F ,

vielen Dank für dein Feedback.

Da ich gerade erst anfange zu schreiben, bin ich mir noch gar nicht sicher, ob dies eine Kurzgeschichte, oder der Anfang von etwas viel Größerem werden soll. Daher kann ich deine konstruktive Kritik, bzgl. der nicht abgeschlossenen Geschichte gut nachvollziehen.

Das Setting, sowie die Alienrassen stammen aus dem erfundenen Pen&Paper-Universum eines guten Freundes.

Beste Grüße,
Seth

 
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Hallo Seth,
hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Bezüglich Spannungsaufbau natürlich schwierig, weil im zweiten TEil eine Rückblende statt findet, aber insgesamt sehr unterhaltsam. Besonders den Anfang fand ich sehr gelungen und ich konnte mir das Innere des Blaze Schiffes sehr gut vorstellen. Jedenfalls würde ich gerne weiterlesen und sehe das als erstes Kapitel von etwas längerem:
Zum Schluss hin war es natürlich schon recht offensichtlich warum er dort ist, ich hätte mir das mehr überraschend gewünscht. Jedenfalls hängt das Ende doch etwas in der Luft- die Nyx kommen ja nicht vor und irgendwie muss es ja noch eine weitere Wette? gegeben haben. Stimmungsmäßig tue ich mir auch beim 2 en Teil schwerer, die Gesichter/Formen der Protagonisten vorzustellen. Hier wirfst du mit vielen verschiedenen Rassen um dich: teron/ Noris / Faunar - welche Rasse ist den Jigon? Der Barkeeper? Die kann ich alle nicht klar vor meinem Inneren Auge sehen.

außerirdische Getränk flutete die entsprechenden Rezeptoren seines Gehirns und überlastete kurz den Sehnerv, sämtliche Farben um ihn herum leuchteten einen Augenblick lang in intensiver Kraft.
in intensiver Kraft finde ich unglücklich. Vermutlich leuchteten die Farben einfach intensiv auf, oder wurden kurzzeitig unerträglich kräftig, aber die Wortkombination intensiver Kraft finde ich nicht zusammenpassend.

LG
Bernhard

 
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Hallo Seth,
hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Bezüglich Spannungsaufbau natürlich schwierig, weil im zweiten TEil eine Rückblende statt findet, aber insgesamt sehr unterhaltsam. Besonders den Anfang fand ich sehr gelungen und ich konnte mir das Innere des Blaze Schiffes sehr gut vorstellen. Jedenfalls würde ich gerne weiterlesen und sehe das als erstes Kapitel von etwas längerem:
Zum Schluss hin war es natürlich schon recht offensichtlich warum er dort ist, ich hätte mir das mehr überraschend gewünscht. Jedenfalls hängt das Ende doch etwas in der Luft- die Nyx kommen ja nicht vor und irgendwie muss es ja noch eine weitere Wette? gegeben haben. Stimmungsmäßig tue ich mir auch beim 2 en Teil schwerer, die Gesichter/Formen der Protagonisten vorzustellen. Hier wirfst du mit vielen verschiedenen Rassen um dich: teron/ Noris / Faunar - welche Rasse ist den Jigon? Der Barkeeper? Die kann ich alle nicht klar vor meinem Inneren Auge sehen.
außerirdische Getränk flutete die entsprechenden Rezeptoren seines Gehirns und überlastete kurz den Sehnerv, sämtliche Farben um ihn herum leuchteten einen Augenblick lang in intensiver Kraft.
in intensiver Kraft finde ich unglücklich. Vermutlich leuchteten die Farben einfach intensiv auf, oder wurden kurzzeitig unerträglich kräftig, aber die Wortkombination intensiver Kraft finde ich nicht zusammenpassend.

LG
Bernhard

Hallo Bernhard,
vielen Dank für dein Feedback.

Es freut mich zu lesen, dass es Dich interessiert wie die Geschichte weitergeht.
Auch ich bin mit dem zweiten Teil des Textes noch nicht zu 100% zufrieden; und werde mich da "nochmal dransetzen".
Zu deiner Frage: Der Protagonist Jigon gehört zur Rasse der Sondal.
Und wie bereits @Rob F vor dir erwähnt hat, so scheint dies doch von einer angedachten Kurzgeschichte zu etwas Größerem zu werden.
Ich bin Dir auf jeden Fall dankbar, dass Du meinen Text gelesen und - hoffentlich - eine gute Zeit damit hattest.

Beste Grüße,
Seth

 
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Moin @Seth Gecko,

für mich fehlt die Fokussierung auf die Geschichte. Der erste Teil fühlt sich an wie Mix aus allen möglichen stereotypischen Genres. Dadurch entsteht viel Füllmaterial und nicht relevante Handlungen für die Geschichte. Jigon ist der typische naive Westerncowboy, dementsprechend kann man sich nicht auch nicht wirklich in die Situation hinein versetzten. Du hast ein Gesamtbild im Kopf, führst den Leser aber nicht wirklich darin ein. Das merkt man besonders am Anfang. Der Leser wird in irgendwas reingeworfen und bleibt mit vielen Fragen zurück. Fragen bezieht sich nicht darauf, wie die Geschichte zu verstehen ist, sondern einfach auf ein "warum agiert er so". Der Wechsel von seinem Namen Jigon auf seine Rasse Sondal in gewissen Situation führt für mich zu noch weniger Bindung zum Protagonisten. Mir ist auch nicht ersichtlich, welcher Grund dahinter steckt.

Der zweite Teil ist schon bedeutend besser. Dieser ist zwar auch zu langatmig, hat zu viele Personen und Details und hat nicht wirklich einen Bezug zum ersten Teil (ja, sie diskutieren darüber. Aber hey, das ist zwei Jahre vorher und dazwischen ist absolut nichts und wie kommt Jigon ohne Bewusstsein an diesen Ort? Da machst du es dir viel zu einfach.). Aber die Szene wirkt :thumbsup:, mindestens bei mir. Da ist Potenzial bei dir vorhanden.

Bin gespannt auf weitere Geschichten von Dir. Schreib keine Drehbücher für SF B Movies sondern Geschichten. Und wenn du eine fertig hast, dann leg die Geschichte zur Seite für ein paar Tage, vergesse alles darüber und lese sie dann als Leser, der noch nie eine Geschichte von Dir gelesen hat.

Beste Grüße
Kroko

 
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21.03.2021
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Moin @Kroko,

vielen Dank für dein Feedback, sowie die konstruktive Kritik.

Wie ich feststellen musste, eignet sich die bisherige Handlung von "Im Herzen der Finsternis" nicht besonders gut als Kurzgeschichte. Da bleiben einfach zu viele Fragen offen.

(ja, sie diskutieren darüber. Aber hey, das ist zwei Jahre vorher und dazwischen ist absolut nichts und wie kommt Jigon ohne Bewusstsein an diesen Ort? Da machst du es dir viel zu einfach.)
Das zum Beispiel. Ich weiss natürlich, wie Jigon auf das Mutterschiff kommt. Doch dies wird erst am Ende der gesamten Story enthüllt, welche im Rahmen einer Kurzgeschichte selbigen gesprengt hätte.
Der Wechsel von seinem Namen Jigon auf seine Rasse Sondal in gewissen Situation führt für mich zu noch weniger Bindung zum Protagonisten. Mir ist auch nicht ersichtlich, welcher Grund dahinter steckt.
Der Grund war allein, dass mir nicht andere Umschreibungen für den Charakter eingefallen sind. Ich wollte mich nicht wiederholen, indem ich immer wieder schreibe "Jigon tut dies, Jigon macht das. Dann nahm Jigon, etc."

Da dies mein allererster Text war, den ich jemals geschrieben habe, fehlt es mir hier anscheinend einfach an Erfahrung.

Für deine Anregungen und vor allem deine ehrliche Meinung bin ich dir sehr dankbar. Ich hoffe, viel von den hier verfassten Kommentaren lernen zu können.

Beste Grüße,
Seth

 
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09.09.2012
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Moin @Seth Gecko,

Da dies mein allererster Text war, den ich jemals geschrieben habe, fehlt es mir hier anscheinend einfach an Erfahrung.

No problemo :). Wir fangen alle mal an und bei den Wortkriegern bist du am richtigen Ort. Dein Stil wird sich rasant verbessern, wenn du ein offenes Ohr hast, genügend schreibst und kommentierst und, auch ganz wichtig, Du den Wunsch hast dich zu verbessern.

Beste Grüße
Kroko

 

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